Jahr: 1995

09 11 1995
By: TKG 0

TKG- November Gedenken: „Türkischer Tempel“ in der Zirkusgasse 22

von Naim Güleryüz ( Türkisch) und  von Birol Kilic ( Deutsch)

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge mit dem Namen “ Türkische Tempel“  das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.  Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten?

Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts in Europa zurück, wo noch die Inquisition herrschte. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10. November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkische Tempel“ – die Wiener türkisch-israelitische Gemeinde und Synagoge – in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

In Österreich wurden, in der Nacht auf den 10. November 1938, 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath, auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden, namens Herschel Grynszpan, niedergeschossen worden und starb später. (1)

Am 12. Juni 1988 wurde an der Fassade des Hauses in 2., Zirkusgasse 22 eine Gedenktafel angebracht, die die Zerstörung der bis 1938 dort befindlichen Synagoge Zirkusgasse (‚Türkischer Tempel‘) thematisiert, die während des Novemberpogroms von Nationalsozialisten zerstört worden war. Stifter der Tafel war die Stadt Wien, bei der Eröffnung hielten Paul Chaim Eisenberg (Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde), Ingrid Smejkal (Vizebürgermeisterin der Stadt Wien) und Erika Weinzierl (Historikerin) Reden. Die Tafel trägt folgende Inschrift auf deutsch und hebräisch: „Hier stand der 1885-1887 nach Plänen des Architekten Hugo von Wiedenfeld erbaute „Türkische Tempel“, die Synagoge der Sephardischen Gemeinde. Zerstört in der „Reichskristallnacht“ am 10. November 1938.“ In der Nähe der Gedenktafel ist auch ein Stein der Erinnerung verlegt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt.

Der Bau mit dem Namen „Türkischer Tempel“, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia. (2)

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden, Marcos Russo, mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, der Dienstzeit von Sadullah Pascha als Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als Vorsitzender der türkisch-israelitischen Gemeinde, wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht, modernisierten, traditionellen, östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel bis 9-10. November. 1938 ( Pogrom in Österreich gegen Synagogen/Kristallnacht?) ersetzt.

Wien -Vorbild war Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, welche 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen, zu jedem feierlichen Anlass, zusammen am Tor der Synagoge in der 2, Zirkusgasse 22, da die beiden Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen und stark antisemitischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides. Moses Maimonides (Mosche ben Maimon) geboren zwischen 1135 und 1138 in Córdoba; gestorben am 13. Dezember 1204 in Kairo) war ein andalusisch-nordafrikanischer jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt. Er gilt als bedeutender Gelehrter des Mittelalters, galt für Jahrzehnte als geistiges Haupt der orientalischen Judenschaft und als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten überhaupt.

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge mit dem Namen “ Türkische Tempel“  das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten?  Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts in Europa zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Bischof Mosche Lopez Pereira und seine judische Schwester 

Laut Überlieferung wird zu dieser Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche Lopez’s Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Marranen oder Marranos  auch Conversos oder Neuchristen (span. cristianos nuevos, port. cristãos-novos), sind iberische Juden und deren Nachkommen, die unter Zwang oder schwerem Druck zum Christentum bekehrt wurden. Oft wurde ihnen vorgeworfen, als Kryptojuden weiterhin jüdische Riten zu praktizieren. Der Begriff tauchte erstmals im spätmittelalterlichen Spanien auf. Seine Schwester werden als Kryptojuden denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, wo Maria Theresia regiert. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin Maria Theresia gewährt Bischof Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt.  Der Marano-Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

„Mosche Lopez Pereira-5498“

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen) befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge in der 2, Zirkusgasse 22 mit dem Namen “ Türkischer Tempel“ zerstört wurde.

1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

Sefardische Familien in Wien: Sie wurden türkische Juden genannt

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar( eine Stadt im westlichen Rumänien)  Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede. Die Vorsitzenden waren zu dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustraße, 1824, wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

Erinnerungen der türkischen Juden in Wien

Dies ist also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen. Als Ersatz wurde mit dem Erlass vom 6. Jänner 1906 der Bau, der großen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen, stattgegeben. Die große Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen, verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

Die Große Synagoge von Edirne (türkisch Edirne Büyük Sinagoğu) welche zugleich die drittgrößte Synagoge Europas ist, wurde, von der türkischen Seite ausgehend, restauriert und am 26. März 2005 wiedereröffnet. (3)

Bibliographie

-Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

-Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

P-arochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

(1) https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/

(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906). Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Synagoge_(Edirne)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gedenktafel_Zerst%C3%B6rung_Synagoge_Zirkusgasse

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27 04 1995
By: Redaktion 2 0

50 Jahre nach den Massakern von Auschwitz, Treblinka und Dachau/Wien-Frankfurt, 1995

Ahmet Özay und Birol Kilic

Frankfurt, Wien, 1995

Die türkischen Opfer des Dritten Reichs sind betrübt

An der Gedenkfeier, die anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung des nationalsozialistischen Todeslagers Auschwitz durch die Rote Armee veranstaltet wurde, haben neben den 16 Staatspräsidenten auch der deutsche damalige Bundespräsident Roman Herzog teilgenommen.

50 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gedenkt man in Veranstaltungen (die bis Juni dauerten) der ca. 6 Millionen Juden, Polen, Russen, Ungarn, Rumänen und Roma und Sinti, die in Konzentrationslager wie Auschwitz, Riga, Buchenwald oder Dachau vernichtet wurden. Heute lassen sich Grabmäler finden, die für die jüdischen, russischen, albanischen und ungarischen Opfer der Konzentrationslager errichtet wurden. Diese ehemaligen Todeslager befinden sich heute innerhalb der Grenzen verschiedener Staaten wie Polen, Frankreich, Österreich und Deutschland.

Die dem Naziregime zum Opfer gefallenen Türken

Die Türken, die in Deutschland leben, sind in den letzten Jahren mit dem wachsenden Neonazi-Terror konfrontiert. Was war aber das Schicksal der Türken in Deutschland im Jahre 1939, als der zweite Weltkrieg ausbrach, und was davor? Das in den Archiven verstaubte Schicksal türkischer Staatsbürger in den Konzentrationslagern unterscheidet sich kaum von jenem der anderen Völker.

Theresienstadt war früher eine Garnisonstadt, die unter der österreichisch-ungarischen Kaiserin Maria Theresia gebaut worden ist. Im „Totenbuch“ des Konzentrationslagers Theresienstadt, das heute in der Tschechischen Republik liegt, findet man Todesregistrierungen von zehn Menschen, die den Nachnamen  „Türk“, „Türkel“, „Tuna“ und „Balaban“ getragen haben. Diese Personen wurden in Österreich in Haft genommen und per Zug in das Konzentrationslager transportiert. Es existieren keine detaillierten Hinweise über ihre Identität (Totenbuch Theresienstadt, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Junius Verlag, 1987, Wien). Aber unter den Namen der 17 Länder, deren Bürger in Theresienstadt der Nazidiktatur zum Opfer gefallen sind, wird auch die Türkei erwähnt.

Ein türkischer Journalist im Konzentrationslager

Als das Konzentrationslager Dachau, das sich heute im Bundesland Bayern befindet, am 26. April 1945 durch die englische Armee befreit wurde, waren 86 von den 67.665 im Register eingetragenen Menschen türkische Staatsbürger (Registrierung mit den Datierungen 16.-26. April 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

Dr. Emrullah Gün, ein in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest tätiger Journalist, war einer der türkischen Staatsangehörigen, die, mit der Begründung judenfreundlich, aber  bolschewisten- und deutschfeindlich zu sein, in das KZ Dachau eingeliefert wurden. Nach dem Haftbefehl, der von der Gestapo, Hitlers Geheimpolizei, erstellt worden war, war Dr. Gün „einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten“ (Die Übersetzung des Schreibens mit der Nummer R.S.H.IV 3 A 147221, das von der nationalsozialistischen Geheimpolizei Gestapo an das Gefängnis Feldkirch in Österreich geschickt wurde, lautet folgendermaßen: „Dr. Gün Nerin Emrullah, 24 jähriger türkischer Staatsbürger, tätig in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest. Er wurde nach dem Haftbefehl der österreichischen Bundespolizei mit der Nummer IV 3 A 147 221 in Haft genommen, da er einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten ist, der mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hat. Feldkirch 12.4.1945“). Seine Festnahme hatte zum Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen, da er mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hatte (Dr. Emrullah Gün lebt heute in den USA. Es wurde festgestellt, dass er anlässlich einer Jubiläumsfeier zur Befreiung von Dachau durch die Aliierten in den sechziger Jahren einmal nach Deutschland gekommen ist). 13 Tage nach seiner Einlieferung in das KZ wurde er allerdings von englischen Truppen vor dem Tode gerettet. Ein anderer, der wie Dr. Emrullah Gün lebend gerettet wurde, ist der im Jahr 1920 in Istanbul geborene Rüstem Ali, der Gefangene mit der Nummer „84 284“.

In den Registern von Dachau sind außerdem auch die in Istanbul geborenen und in Paris und Marseille lebenden Juden Isak Mirzahi und Aleksander Aslan eingetragen. Jedoch nahm das Schicksal von Aleksander Aslan einen anderen Lauf als jenes von Dr. Emrullah Gün. Er wurde am 14. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich eingeliefert (Registrierung aus dem Jahre 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

In Mauthausen, wo besonders die russischen, polnischen und jüdischen Gefangenen mit sogenannten Methoden wie „kaltes Bad“, „Muselmann“ und „Herzinfektion“ vernichtet wurden, sind 200.000 Menschen ums Leben gekommen. In Mauthausen,  wo tausende  Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt ermordet wurden, lassen sich in den Registern neben  Aleksander Aslan noch 30 andere türkische Staatsbürger finden (Die Geschichte des KZ Mauthausen, Hans Marsalek, eine Veröffentlichung der österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, Seite 141, 1980 Wien). Nach den heute zur Verfügung stehenden Daten ist das Schicksal dieser Menschen noch immer unbekannt.

 

Die Regierung von Vichy und die türkischen Gefangenen

Der Naziterror gegenüber den türkischen Staatsbürgern bleibt nicht auf Deutschland und Österreich begrenzt. Die mit Hitler kooperierende Vichy Regierung fing in Frankreich mit einer Menschenjagd an. Von dem KZ „Drancy“ in der Nähe von Paris wurden Menschen mit Zügen nach Auschwitz, Buchenwald und Treblinka transportiert. 1.282 der 67.488 Personen, die von „Drancy“ in die verschiedenen KZ eingeliefert wurden, waren von türkischer Staatsangehörigkeit, was bei 330 Personen durch die Nazibehörden jedoch nicht bestätigt worden war, da es sich um türkische Juden und um aserbaidschanische, tatarische, und usbekische Soldaten handelte, die während ihres Dienstes in der sowjetischen Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren. Herr Mirza Hayit, deutscher Staatsbürger usbekischer Herkunft  und Offizier in den Roten Armee während des zweiten Weltkrieges und selbst auch ehemaliger Kriegsgefangener, vermutet, dass ein Teil dieser Leute sowjetische Muslime gewesen sind. Denn gemäß dem damaligen türkischen Botschafter in Marseille, befanden sich zu dieser Zeit nicht viele Türken in Frankreich.

Über das Schicksal dieser 1.282 Menschen existieren keine eindeutigen Hinweise, jedoch vermutet man, dass ihre Leben in den Gaskammern von Auschwitz und Buchenwald ein Ende gefunden haben (Dimension des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 134, 1991 München). Einige Zeilen in einer deutschen Veröffentlichung liefern die einzige Information über das Schicksal der türkischen Juden in Belgien (Dimensionen des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 130, 1991 München). Gemäß diesem Werk werden diese Juden in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1943 verhaftet und mit einem Sonderzug der Nummer 22A in die KZ Buchenwald und Ravensbrück verfrachtet. Über das Ende der in Belgien ansässigen türkischen Juden kann man angesichts der vorhandenen Daten nicht viel sagen.

Das Rote Kreuz schweigt

Als die 16 Präsidenten der westlichen Staaten in Auschwitz zusammenkamen, um der Kriegsopfer zu gedenken, mussten sich die türkischen und türkisch-jüdischen Opfer von Dachau, Mauthausen, Auschwitz und Buchenwald noch immer mit ihrer Einsamkeit in den „Todeslisten“ abfinden.

Das Deutsche Rote Kreuz verfügt über ein vollständiges Namenregister der 50 Millionen Kriegsopfer, die entweder während des Krieges ums Leben gekommen oder verschollen sind. Als wir uns an das „Büro für international vermisste Personen vom Roten Kreuz“ gewendet habe, verlangten die Beamten jeweils eine „Ermächtigungsurkunde“ von den Familien der Betroffenen, um die gewünschten Informationen freigeben zu können. Mit diesen Ermächtigungsurkunden ist es möglich über das Schicksal der tausenden namenlosen Opfer Auskunft zu erhalten und zu erfahren, wie und wo Türken und türkische Juden ums Leben gekommen sind. Eine andere Möglichkeit wäre diese Information auf offiziellem Wege zu verlangen wie es auch die anderen Staaten getan haben.

Die namenlosen Opfer und stillen Helden des Naziterrors

Die Länder deren Bürger im Holocaust ums Leben gekommen sind, waren in Auschwitz auf Präsidentschaftsebene vertreten. Von der niederländischen Prinzessin Beatrix bis zu Albaniens Präsident Sali Berisa waren alle Staatsoberhäupter anwesend.

Für den Augenblick sieht es so aus, als ob es den Historiken überlassen ist und in den übermenschlichen Bemühungen der türkischen Diplomaten liegt, die Tragödie der tausenden türkischen Opfer und die Rettung der unzähligen türkischen Juden ans Tageslicht zu bringen.

Neue Angaben über das Drama der türkischen Juden findet man in einem Brief, der am 19. Mai 1944 von Thomas Rahey, einem ehemaligen Leiter des KZ  „Bergen-Besen“ in Niedersachsen Deutschland, an Prof. Dr. Stanford Shaw, ein Professor an der Universität von Kalifornien, geschrieben wurde. Nach diesem Brief wurden 105 türkisch-jüdische Gefangene am 4. März 1944 nach langen Diskussionen zwischen Adolf Eichmann dem sogenannten „Judenmetzger“ und dem Nazifunktionär Rudolf Kastzner auf freien Fuß gesetzt. Diese Menschen, die nach ihrem Retter die „Kastzner Gruppe“ genannt werden, reisten nach Schweden ein und wurden von der dortigen türkischen Botschaft mit einem Sonderschiff in die Türkei geschickt. Sie kamen am 10. April 1945 in Istanbul an.

In einem mit dem Datum 17. Januar 1943 versehenen Brief aus Amsterdam an die türkische Botschaft in Berlin wurde um Hilfe für die türkisch-jüdischen Gefangenen in den Niederlanden gebeten (Die Briefe von Avram Besuse mit dem Datum 22. Juli 1943).

Dieser Brief wurde von Avram Besuse, einem 1894 in Istanbul geborenen Teppichverkäufer, in Amsterdam geschrieben. Einem Schreiben der Hamburger Botschaft mit der Datierung 9. März 1943 entnimmt man, dass sich die türkischen Behörden um die Freilassung der 35 in den Niederlanden lebenden türkischen Juden bemühen. Auch nach Ankara richteten sich die Hoffnungen von 16 in Gelibolu, Istanbul, Edirne und Jerusalem geborenen Juden türkischer Herkunft, die entweder aus der türkischen Staatsbürgerschaft ausgetreten waren oder sich zu der Zeit noch in einer unklaren Situation befanden.

Gemäß den Noten des Deutschen Außenministeriums mit dem Datum 5. April 1943 und 21. Mai 1943 wird die Rückkehr der türkischen Staatsbürger jüdischer Herkunft aus den Niederlanden in die Türkei toleriert. Gegen die Ausreise einiger Personen in einer von der Hamburger Botschaft erstellten Liste, mit der Begründung, dass sie keine türkischen Staatsangehörige wären, wurde jedoch Einspruch erhoben. Unter den letzteren befanden sich auch Avram Besuse und seine Familie.

In höchster Verzweiflung wandte sich Avram Besuse an das türkische Außenministerium und Parlament. Daraufhin wurden ihm und seinen Angehörigen türkische Pässe ausgestellt, welche ihnen die Einreise in die Türkei ermöglichte.

Der stille Held ist am Leben

In diesem Zusammenhang sollte man die übermenschlichen Bemühungen des damaligen türkischen Botschafters Marseilles nicht vergessen. Der heute 85 jährige in Istanbul ansässige Necdet Kent stieg in einen Zug, der türkische Juden in die Konzentrationslager transportieren sollte mit ein und teilte den Behörden mit, er wäre bereit mit seinen Landsleuten in die Gaskammer zu gehen, sollten diese nicht sofort auf freien Fuß gesetzt werden. Daraufhin wurden diese Menschen nach langen Diskussionen, wie in Bergen-Besen, mit einem Sonderbefehl aus Berlin freigelassen. Leider hatte die Geschichte für die türkischen Juden in anderen Teilen Frankreichs kein so glimpfliches Ende. Die 1.282 türkischen Staatsbürger in „Drancy“ wurden in Konzentrationslagen in Osteuropa eingeliefert.

Harri Ojalvo von der „500. Jahr Stiftung“, der lange auf diesem Gebiet geforscht hat, bestätigt, dass man nichts mehr von diesen 1.282 Menschen gehört hat und ist davon überzeugt, dass alle ums Leben gekommen sind.

Auf der anderen Seite wissen wir, dass am 26. März 1944 32 Juden aus dem KZ „Haidari“ in Griechenland freigelassen wurden, nachdem sich die Türkische Botschaft in Athen eingestaltet hatte. Isak Gerson, einstiger Gefangener im KZ „Haidari“, der heute in Amerika lebt, bestätigt das in einem von ihm persönlich geschriebenen Brief. Nicht nur in Berlin, Hamburg, Marseille, und Athen, sondern auch in Varna, Sofia und Budapest haben sich die türkischen Diplomaten für ihre Landsleute eingesetzt. (Frankfurt-Ahmet Özay und Wien-Birol Kilic, 1995 )

SELTSAME BEGEGNUNGEN: TÜRKEN IN MAUTHAUSEN-2010

http://www.turkischegemeinde.at/2009/11/seltsame-begegnungen-tuerken-in-mauthausen/

TKG: GEDENKEN AN NOVEMBERPOGROME-„TÜRKISCHER TEMPEL
http://www.turkischegemeinde.at/2016/11/tkg-gedenken-an-novemberpogrome-tuerkischer-tempel/

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN
http://www.turkischegemeinde.at/1993/09/die-geschichte-der-tuerkischen-juden/

TKG-GEDENKTAG: 7. NOVEMBER – „LIGHT OF HOPE“
http://www.turkischegemeinde.at/2019/11/tkg-gedenktag-7-november-light-of-hope/

 

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