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Dokumentarfilm: „Hoffnungslose Stunden“

 
05 05 2010
By: Redaktion 2 0
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Die wenig bekannte Geschichte der Türkei und des Holocaust

 

Desperate Hours ist ein 60-minütiger Dokumentarfilm, der von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit The Berenbaum Group und Shenandoah Films realisiert wurde. Der Film erzählt die Geschichte von zwei alten Völkern – den Türken und den Juden Â- deren Wege sich seit Hunderten von Jahren miteinander kreuzen. Der Fokus des Films liegt in der wenig bekannten Geschichte der Türkei und des Holocaust, welche durch Gespräche mit den Überlebenden, ehemaligen Diplomaten, und den Geistlichen in Israel, Italien, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika erzählt wird. Durch den Film wird den Zuschauern nahe gebracht, welce Rolle die Türkei, welche ein neutrales Land war, bei der Rettung der Juden während des Holocaust spielte.

 

Regisseur und Produzent: Victoria Barrett

Produktionsleiter, Historiker und Drehbuchautor: Michael Berenbaum

Vorgestellt von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit

The Berenbaum Group und Shenandoah Films

 

 

Ein Lehrerführer für Oberschulen

The Rodgers Center für die Holocaustlehre

und

Schulische Bildung

Chapman University

Orange, California

Vorbereitet von

Elyse Froehlich, Lehrer, Oakridge Schule

und

Jan Osborn, School of Education, Chapman University

In „Hoffnungslose Stunden” werden manche einen sicheren Himmel finden.

 

Der Film vermittelt, welche Bemühungen viele unbekannte Helden, die das Leben von tausenden Juden gerettet haben, unternommen haben. Die Dokumentation erzählt einerseits die Geschichte derer, die durch die Rettung der Juden als großes Beispiel vorangegangen sind. Andererseits wird aber auch die traurige Geschichte von hunderten unschuldigen Menschen erzählt, die sich auf dem Frachter „Struma“ befanden, als dieser von den Torpedos der russischen Marine vor den Toren Istanbuls am Schwarzen Meer versenkt wurde.

 

Der Film wurde in vier Hauptteile geteilt:

  • Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung – und diejenigen mit jüdischer Abstammung sowie politische Dissidenten, die der Unterdrückung des Nazi-Deutschland entflohen waren.
  • Die Bemühungen der türkischen Diplomaten, die in Frankreich und Rhodos versuchten, das Leben der Juden zu retten.
  • Die Versenkung des Flüchtlingsfrachters „Struma”
  • Die Aktion der römisch-katholischen Kirche durch Erzbischof Roncalli (späterer Papst Johannes XXIII.) – und die Veränderungen in der Politik der katholischen Erziehung gegenüber den Juden.

 

 

Hoffnungslose Stunden

 

I. Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung, die von der Unterdrückung des Nazi-Deutschland geflüchtet sind.

 

A. Ein historischer Überblick: Flüchtlinge helfen eine Nation zu gründen.

 

Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der modernen türkischen Republik, leitete sein Land durch Gewährung des Asyl Status zu dem aus dem Nazi Deutschland fliehenden Akademiker. Motiviert durch das Verlangen der Modernisierung ihrer Gesellschaft, begrüßten türkische Führer jüdischer Professoren und Wissenschaftler, einschließlich jener, die jüdischer Herkunft mit christlichem Glauben waren. Ungefähr 200 Menschen wurden in das türkische Bildungssystem integriert. Darüber hinaus genossen die türkischen Juden Gleichstellung vor dem Gesetz, weil das türkische Grundgesetz die Diskriminierung der Bürger wegen des Glaubens verbietet. Die Ironie in dieser Sache war, dass Atatürk die jüdischen Professoren und diejenigen mit jüdischer Abstammung deshalb herzlich begrüßte, weil er sie als die Agenten der Modernisierung und Westernisierung, als Agenten der Veränderung betrachtet hatte. Aber genau aus diesem Grund wurden sie von den Nazis in Deutschland verfolgt.

Während Mustafa Kemal Atatürk die irischen Gelehrten und Professoren in seinem Land herzlich begrüßt hatte, haben andere Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika, wenig getan, um den von den Nazis verfolgten jüdischen Opfern Asyl zu gewähren.

Die Beziehungen zwischen den Flüchtlingen und den Asyl-Gewährenden waren von Anfang an sehr herzlich. Die Flüchtlinge tauchten unverzüglich in eine neue moderne Kultur, die der eigenen europäischen Art des Lebens glich.

Die jüdischen Flüchtlinge haben eine Gesellschaft gefunden, die seit Jahrhunderten die Juden als einen integrierten Teil ihrer Gesellschaft akzeptiert. Im Jahr 1492 lud der osmanisch-türkische Sultan Bayezit II. alle Juden zu sich ein, die von der Verurteilung der spanischen Unterdrückung mit dem Namen ”reconquista” der Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon geflohen waren. Aus diesem Grunde fanden diese Flüchtlinge ein gesundes jüdisches Gemeindeleben in der Türkei.

 

 

II. Türkische Diplomaten in Frankreich und Rhodos arbeiten, um das Leben der türkischen Juden zu retten.

 

A. Historischer Überblick: Die Taten des Gewissens

 

Wenn man mit ethischen Situationen konfrontiert wird, welche die Taten von großem Ausmaß benötigen, ist die allgemeine Reaktion dazu, dass es sehr wenige Möglichkeiten gibt, die eine einzige Person unternehmen kann, dass die Unternehmungen einer einzigen Person zu bedeutungslos wären um eine Wirkung zu zeigen. Trotzdem zeigten türkische Diplomaten während des Zweiten Weltkriegs, dass die einzelnen Personen auch große Wirkung zeigen können. Die türkischen Diplomaten, die mit oder ohne Zustimmung der Regierung der Türkei handelten, retteten das Leben vieler ihrer Landsleute, die in Frankreich in Griechenland und in anderen Teilen Europas lebten.

In den von den Deutschen besetzten Teilen Frankreichs und in Vichy Frankreich, welches nicht von Deutschen besetzt war, jedoch von einer Deutschen untergeordneten Regierung geführt war, verlangten die türkischen Diplomaten in ihrer Politik die volle Anerkennung der Staatsangehörigkeit der türkischen Juden außerhalb der Türkei sowie in der Türkei ohne einen Unterschied zu machen ob sie Juden, Muslime oder Christen sind. Für die türkischen Juden, die in den von den deutschen besetzen Ländern lebten, erwies die türkische Staatsangehörigkeit die Rettung der Leben vieler türkischen Juden in den Kriegsjahren. 1943 verlangten die Nazi-Behörden, dass die neutralen Länder inländische Landsleute aus den besetzten Gebieten evakuieren sollten, sonst würden sie in Konzentrationslager deportiert werden. In dieser hoffnungslosen Situation handelten viele türkische Diplomaten mit Standfestigkeit und Mut bei der Rettung der ca. 2000 türkischen Juden. Ein exemplarischer Akt des Intervenierens war die Fahrt eines türkischen Diplomaten mit einem Zug, der auf dem Weg zu einem Konzentrationslager war. Er weigerte sich, ohne die Juden mit türkischer Staatsangehörigkeit aus diesem Zug auszusteigen.

Die türkischen Diplomaten waren bereit, ihre Positionen auszunutzen um humanitäre Hilfe zu leisten. Deren Tapferkeit konnte die Exterminierung der Juden nicht aufhalten, retteten jedoch Tausende, die vor einem sicheren Tod gestanden haben. Weil sie von ihrer Regierung so beauftragt wurden, beharrten sie auf ihrem Auftrag ihre Landsleute ohne Diskriminierung zu schützen, ohne ihren Vorgesetzten in der Regierung in Ankara zu konsultieren.

In dem wir tun, was wir können, auch wenn unsere Taten nicht signifikant sein mögen, können wir dennoch einen Einfluss auf die Gesellschaft haben. By doing what we can, even when our actions may seem insignificant, we too can have an impact on society. Wenn wir uns mit anderen zusammenschließen, um positive/ gute Taten zu vollbringen, wird unser Einfluss steigen und entscheidende Veränderungen im Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft können ermöglicht werden.

 

 

III. Das Versinken des Flüchtlingsschiffes „Struma“ (The sinking of the Struma refugee ship)

 

Die Staatsgesetze und Bürgerrechte können Menschen helfen, sogar soweit, dass sie Leben retten können. Das Konzept eines ethisch-humanitären Verhaltens kann sowohl die Handlungen des Einzelnen als auch die der Institutionen formen. Das Versinken der SS Struma lässt ernsthafte Fragen über Ethik, Bürgerrechte, Staatsgesetze und (äußerstes) Verantwortungsbewusstsein entstehen.

In den 30er Jahren wurde die Situation der Juden in vielen Teilen Europas immer aussichtsloser. Viele versuchten, aus ihrer Heimat in judenfreundlichere Nationen zu fliehen. Palästina stellte hierbei eine offensichtliche Möglichkeit dar, da man hoffte aufgrund der Vielzahl an jüdischen Einwanderern hier einen jüdischen Staat gründen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war Palästina unter der Herrschaft von Großbritannien. Beunruhigt durch eine mögliche Antipathie der Araber, formulierten 1939 britische Beamte ein Weißes Papier, das die Zahl an jüdischen Einwanderern auf 10.000 pro Jahr beschränkte. Aufgrund dieser Beschränkung war es kaum möglich, dem Bedarf der Millionen von in Europa unter Risiko lebenden Juden gerecht zu werden. Nichts desto trotz stellte Palästina einen der besten und gleichzeitig einen der wenigen Möglichkeiten als jüdischen Zufluchtsort dar.

Die SS Struma war ein Flüchtlingsschiff mit annähernd 800 Juden, das im Februar 1942 aus Rumänien nach Palästina aufbrach. Als dann plötzlich die Maschine versagte wurde das Schiff in den Hafen von Istanbul geschleppt. Den hungernden Passagieren war es für 71 Tage nicht erlaubt das Schiff zu verlassen, während dessen um ihr Schicksal verhandelt wurde. Großbritannien verweigerte den jüdischen Passagieren den Eintritt nach Palästina und auch keine andere Nation – auch nicht die Türkei, welcher durch Russland angedroht wurde, im Falle einer Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge „Neutralität “ zu verlieren und somit in den Krieg beizutreten- konnte den Flüchtlingen Eintritt gewähren. Als schließlich die Maschine nicht repariert werden konnte wurde das Schiff in neutrales Gewässer gebracht. Dort aber wurde es durch ein russisches U-Boot versenkt. Hierbei starben alle bis auf einen Passagier.

 

 

IV. Die römisch- katholische Bewegung unter Erzbischof Roncalli und die Veränderung der katholischen Lehre bezüglich des Judentums (The Roman Catholic action—through Archbishop Roncalli—and the change in Catholic teaching toward Jews)

 

Während der Papst und der Vatikan für ihr tatenloses Zusehen bei der Ausrottung der Millionen europäischen Juden heftigst kritisiert worden sind, sind die eifrigen humanitären Taten des Erzbischofs Angelo Roncalli, jüdische Leben zu retten, ein Testament des Mutes und der Gewissenhaftigkeit.

Roncalli, der später Papst Johannes der XXIII wurde, war zunächst ein apostolischer Abgeordneter, quasi ein Botschafter des Vatikans in der Türkei, da die laizistische/ säkularisierte keine regulären Botschafter mit dem Vatikan austauschte. Als apostolischer Gesandter – nur die regulären/formalen Botschafter werden als Papal Nunico bezeichnet – in Istanbul zwischen 1935 und 1945, verhandelte er im Interesse der jüdischen Flüchtlinge, die in die Türkei geflüchtet waren, mit der türkischen Regierung.

Er versuchte auch Regierungsbeamte in Bulgarien, der Slowakei und Ungarn zu überzeugen, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen und zu schützen, genauso wie er den Vatikan anhielt, sich aktiv am Retten jüdischer Leben zu betätigen.

Er traf sich mit Repräsentativen der Jüdischen Gemeinde in Istanbul um seine Hilfe bezüglich der Befreiungsbemühungen/ Flüchtlinge anzubieten, vornehmlich indem sog. „Immigrationszertifikate“ durch den vatikanischen diplomatischen Dienst an Palästina ausgestellt werden sollten. Er stellte ein offizielles Dokument aus, welches angab, dass der „Träger dieses Dokuments ein Glaubens- und Landesgenosse Jesu Christi sei“. Er wollte keine falschen Taufdokumente ausstellen, da ihn dies zum Lügen gezwungen hätte.

Roncallis Erfahrungen in der Türkei während des Holocaust prägten sein Denken und Handeln als späterer Papst, besonders als er entscheidende Annäherungen zwischen Katholischer Kirche und dem Judentum einleitete.