Monat: Juni 2010

07 06 2010
By: Redaktion 2 0

TKG: Türkei und Österreich müssen gegenseitige Empathie zeigen

Die Türkei hat immense Probleme. Österreich genauso, aber anders geartete. Den Besuch des türkischen Wirtschaftsministers sollte man nicht emotionalisieren.

 

Wien (OTS) – Laut österreichischer Presse ist der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci um den 15.07.2017 in Österreich mit folgender Argumentation nicht erwünscht: „Der Außenminister akkordiert mit dem Bundeskanzleramt und verbietet dem türkischen Wirtschaftsminister zum einjährigen Putschgedenken die Einreise. Es bestehe „Gefahr für öffentliche Ordnung und Sicherheit“.

 

Der 15.07.2017 ist für Millionen Menschen in der Türkei und auch im Ausland ein wichtiger und schmerzlicher Tag, egal auf welcher Seite man steht. In Österreich leben über 300.000 Menschen aus der Türkei, die gerade wegen des letzten Referendums in der Türkei in den letzten fünf Jahren mit mehreren Demonstrationen auf den Straßen Wiens Bezug auf die Türkei nahmen. Aufgrund dieser Demonstrationen wurden Menschen aus der Türkei mit immensen Schwierigkeiten konfrontiert.

 

Großen Nachteil für Österreich

 

Es entstanden Probleme, die die Bereiche Integration und Zusammenleben in Österreich massiv erschwerten. Viele Menschen fühlen sich verfolgt, erpresst und in ihrer freien Meinungsäußerung massiv eingeschränkt. Wir erleben in einen freien demokratischen Land wie Österreich Dinge, die nicht normal sind und den inneren Frieden in Gefahr bringen. Das alles stellt einen „großen Nachteil“ für Österreich dar.

 

TKG zeigt vollstes Verständnis dafür, dass man der Opfer des Putschversuches vom 15.07.2016 in aller Ehre gedenkt. Wir sind fest davon überzeugt, dass auch die österreichische Regierung und das Außenministerium ein Zeichen der Solidarität setzt und Empathie für die Freunde und Angehörigen der Opfer hat.

 

Wir sind, besonders vor den bevorstehenden Wahlen im Oktober 2017, in einer prekären Lage, in der Menschen aus der Türkei ständig thematisiert werden. Realistisch gesehen erwarten wir auch vom türkischen Wirtschaftsminister, dass die innere Sicherheit und das Zusammenleben in Österreich geschätzt werden. Die ÖsterreicherInnen sehen die Türkei als Freund und wünschen sich einen starken demokratischen Rechtsstaat mit gute kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen. Aus diesem Grund sollten beide Länder Empathie und Respekt zu inneren Angelegenheiten, besonders in diesen schwierigen Zeiten, zeigen.

 

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)
DI Birol Kilic

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06 06 2010
By: Redaktion 2 0

Das Geheimnis des siebenten Sterns der türkischen Präsidentschaft ist gelöst: Jüdische Khazars

Wien/Istanbul-Das Ausbleiben der jüdischen Khazars ist nach 900 Jahren in den Kaukasischen Bergen wiederentdeckt worden. Die Khazars werden durch den siebenten Stern ( http://www.tccb.gov.tr/sayfa/cumhurbaskanligi/fors/ ) auf dem Schild auf der türkischen Präsidentschaft repräsentiert.

 

Sie wählten das Judentum, der türkische Stamm der Khazars errichtete ein sehr kraftvolles Königreich. Unterdrückt von den Christen und den aufstrebenden Islam wählten sie das Judentum als Religion. Diese Antwort versteckt sich in den Bergen und auf dem Schild der Präsidentschaft der türkischen Republik. Der siebente Stern repräsentiert die Khazars, die während des 12. Jahrhunderts so plötzlich verschwunden sind. Wohin gingen Hunderttausend jüdische Khazars?

 

Ein französischer Journalist suchte nach seiner Abstammung, Marek Halter hat dabei die Antwort auf das Mysterium an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Dagestan gefunden. In einer etwas anderen Stadt bei Krasnaya Sloboda, kann man türkische Juden finden. Diese Menschen haben türkische Namen und jüdische Familiennamen. Ihre Sprache ist eine Mischung aus türkischem Hebräisch und altem Persisch. Ihre Synagoge gibt einem das Gefühlt einer Moschee, abseits der Religion ist ihr Leben von dem anderer Türken nicht unterschiedlich, in ihren Gewohnheiten und in ihrem Alltag.

 

Die Stadt von Krasnaya Sloboda ist wie eine Stadt in Anatolia. Die Menschen sind im Café, trinken Tee und spielen Backgammon, der einzige Unterschied ist die judische Kopfbedeckung. (BK)

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05 06 2010
By: Redaktion 2 0

TKG verurteilt den widerlichen Terroranschlag in Barcelona aufs Schärfste!

Die Türkische Kulturgemeinde Österreich (TKG) ist in diesen Stunden mit den Gedanken bei den Angehörigen der Todesopfer und den Verletzten die bei der jüngsten Terroranschlag in Barcelona . TKG verurteile auch den Anschlag auf das Schärfste. Im Stadtzentrum von Barcelona ist am Donnerstag (17.08.2017) ein Lieferwagen in eine Menschengruppe gerast. Traurige Bilanz: 13 Tote, mehr als 100 Verletzte.

 

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, Birol Kilic, verurteilt den widerlichen Terroranschlag in Barcelona wie folgt scharf:

„Im Namen der Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG)  verurteilen wir die abscheuliche Terror in Barcelona  auf das Schärfste und sprechen den Angehörigen der Opfer unser tief empfundenes Beileid aus. Unser tiefstes Mitgefühl ist bei den Opfern und deren Angehörigen in diesen harten und schmerzlichen Stunden in Barcelona. Dieser Terroranschlag  ist ein abscheulicher Terror gegen die Menschheit.

 

Welche „Kräfte“ stecken hinter diesem Terror?

 

Wir fordern sofort die Terroristen und diejenigen Kräfte, die hinter diesem Terror stehen, fündig zu machen. Man kann diesen Terror nicht auf einen Namen oder eine Richtung reduzieren, weil dieser Terror mehrere Mütter und Väter hat.  Hinter diesem Terror in Barcelona stecken mehrere Kräfte im In- und Ausland.


Eine Drohung für alle Länder

 

Gegen Terror sollte man, egal in welche Art, zusammenarbeiten und nicht in Schadenfreude agieren. Niemand sollte aus solchen Terrorakten versuchen Ziele zu erreichen, die eigentlich einen selbst treffen könnten. Ein solcher Akt des Terrors im Herzen von  Barcelona ist eigentlich eine Drohung für alle Länder. Terrorismus ist eine internationale, kannibalistisch sich vermehrende Pest, wovon jedes Land betroffen sein kann.  Niemand kann sagen: Es geht uns nichts an. Kannibalistisch deswegen, weil dieser Terror auch diejenigen treffen wird, die hier im In- und Ausland diesen Terror als Brandstifter vorbereiten, unterstützen und dann als Feuerlöscher auftreten. „

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05 06 2010
By: Redaktion 2 0

Antakya

In der Türkei: ANTAKYA auch ANTIOCHIA wo die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt sind! Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“

 

ANTAKYA auch ANTIOCHIA war eine der berühmtesten und wichtigsten Städte der Antike und des Orients, mit einer Geschichte, die ihr alles geschenkt aber auch alles wieder genommen hat. Im Jahre 300 v. Chr. wurde Antiochia von Seleukos Nikator, dem ersten Herrscher des Seleukiden Reiches gegründet und konnte bald als die Dritte Stadt der Antike zählen –  nach Rom und Alexandria in Ägypten. Auch nach der Besetzung durch die Römer (64 v.Chr.) änderte sich an der Bedeutung nichts. Die Römer bauten prachtvolle Aquädukte und Kanalisationsanlagen; selbst Straßenbeleuchtung war vorhanden.

 

Antakya war der Mittelpunkt von Leben und Handel. Der Fluß Orontes (Asi), der Mitten durch die Stadt fließt, verband Antakya mit dem Mittelmeer und die Karawanenwege mit Persien, Syrien und Indien machten die Stadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Antike. In Antakya wurden die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt (Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“)

 

In byzantinischer Zeit war Antakya dann folgerichtig Bischhofssitz mit gleichen Rechten wie Konstantinopel und Alexandria. Noch heute gibt es in Antakya eine große Gemeinde von Christen, die ihren Gottesdienst auf arabisch halten. Im 6. Jahrhundert dann eine dunkle Zeit, in der Antakya von den sassanidischen Persern geplündert (540) und von Erdbeben zerstört wird. Im Jahre 638 fällt die Stadt in die Hände der Araber, die allerdings Aleppo (Halep) zum regionalen Zentrum machen. Antakya war Grenzstadt im byzantinisch-islamischen Dauerkonflikt. 969 erobern wieder die Byzantiner die Stadt, 1084 fällt die Stadt in die Hände der Seldschuken. Weltgeschichtlich bedeutend wird das Herzogtum Antiochia, welches die Ritter des ersten Kreuzzuges hier 1098 gründeten. Aus dieser Zeit stammt die Fassade der Kirche, in der die ersten Christen zusammenkamen (St. Pierre Felsenkirche). Sonst muss dieser Kreuzfahrerstaat eher kriegerisch als kulturbeflissen gewesen sein: Er war ständig mit Auseinandersetzungen mit Byzantinern, Arabern, Türken und dem armenischen Königreich in Kylikien verwickelt. Einen Bundesgenossen fand es in den berühmten Assassinen. Deshalb nahmen die Mameluken aus Ägypten auch heftige Rache an der Stadt, als sie sie 1268 eroberten. Erst 1517 erstürmten sie die Osmanen, diese behielten sie bis 1918. Doch schon vorher hatte Frankreich und England Interesse an der handelspolitischen Gegend mit der christlichen Minderheit gezeigt. Im Jahre 1916 wurde der Hafen von Alexandretta (Iskenderun) sechsmal bombardiert. 1918 besetzten die Franzosen Antakya und Iskenderun und bekamen beide Städte 1921 als Mandat. Doch gab es eine von den Kemalisten gestützte Widerstandstätigkeit, die langsam die französische Autorität untergrub. 1938 wurde dann der unabhängige Staat Hatay gegründet, der allerdings Aussen- , Währungs- und Zollpolitik mit Syrien teilen sollte. Den Namen Hatay gab Atatürk in Anlehnung an ein hethitisches Fürstentum der Gegend. Nach einem Plebiszit im Jahre 1939 beschloss das Parlament von Hatay, sich der Türkei anzuschliessen. Hatay wurde Provinz mit der Hauptstadt Antakya.

 

Stadtbild

 

Das Stadtbild des heutigen Antakya gliedert sich in zwei Teile, da der Fluss Asi Nehri (Orontes) die Stadt in das alte und das neue Antakya trennt. Der Wasserpegel schwankt in den Winter– und Sommermonaten extrem, da er für die Landwirtschaft im Sommer viel stärker genutzt wird und es im Winter viel mehr regnet. Das ältere Antakya erstreckt sich bergaufwärts (Habibneccar-Berg) und wird an der unteren Seite vom Fluss begrenzt. Über die Brücke gelangt man in das neuere Antakya, wo man sofort auf den zentralen Kreisverkehr trifft, worauf sich eine große Atatürk-Statue befindet, die in keiner türkischen Stadt fehlt. Direkt an dem Kreisverkehr befinden sich das berühmte archäologische Museum (auf das wir später noch eingehen werden), das große Postamt, ein Teil der Stadtverwaltung und das frühere Parlament der Republik Hatay, welches heute als Kino umfunktioniert wurde. Von dem Kreisverkehr geht unter anderem die Atatürk Cad. ab, in der man auf moderne Einkaufsmöglichkeiten trifft, welche teure Boutiquen ebenso einschließt, wie Handyläden und Internetcafés. Das große Viersterne Hotel (Büyük Antakya Oteli) weist den Weg in diese Straße.

Wenn man Erholung sucht, wäre auch der Antakya Stadtpark eine Alternative: prächtige Palmen und Nadelbäume spenden genügend Schatten für Café- und Teehäuser, sowie einen Minigolfplatz. Neben dem Park findet man auch das Sportzentrum, das ebenfalls das Stadtbad beinhaltet, wo auch wir oft Erholung suchen vor dem heißen Sommer. Der Basar von Antakya bildet das Zentrum der Altstadt, wo noch die traditionelle Aufteilung nach Gewerbe vorherrscht. Orientalische Gewürzhändler, Handwerker sowie Gold- und Silberschmiede schaffen eine typische Basar-Atmosphäre. (nicht vergessen, immer handeln!).

 

Interessante Orte

 

Wie schon erwähnt, befindet sich im Stadtzentrum das Archäologische Museum von Antakya. Hier findet man eine beeindruckende Sammlung von Mosaiken, welche alle aus Antakya und Umgebung stammen. Es ist eine der bedeutendsten und besterhaltensten römischen Sammlungen der Welt. Leider bediente sich die französische Mandatsmacht allzu oft aus den historischen Funden ( Herzlichen Dank an dieser Stelle!). In Antakya befinden sich einige christliche Gotteshäuser; darunter drei große: Die bedeutendste davon, die St. Pierre Kirche, ist die älteste Kirche der Welt (vom Vatikan als solche anerkannt!), hier hat einst Petrus gepredigt, welcher die ersten Christen (erst hier wurden die Anhänger von Jesus Christus „Christen“ genannt) in dieser Grottenkirche zum Gebet versammelte. Neben einem restaurierten Altar und einem Brunnen für Weihwasser beinhaltet dieser Gebetsraum auch einen zugeschütteten Fluchttunnel, welcher in der damaligen Zeit auch nötig war. In dieser Kirche werden heute noch Messen abgehalten. Des weiteren sind in Antakya vertreten: Eine katholische Kirche, die leicht zu übersehen ist (,jedoch ein für das Auge sehr entzückendes Leckerbissen darstellt), die orthodoxe Kirche, dessen Tür für interessierte Besucher stets geöffnet ist und eine neu erbaute protestantische kam kürzlich hinzu.

Eine perfekte Aussicht auf Antakya bekommt man, wenn man auf die alte Zitadelle (besteht nur noch aus Ruinen) fährt, die sich auf dem Berg befindet. Hier wird man von einem alten weisen Mann begrüßt, der die Anlage Überwacht und Touristen in Empfang nimmt, man sollte sich nicht wundern, wenn man ein Fernglas angeboten bekommt, um die Aussicht zu geniessen. Ausserdem kann man sich da in einem Gästebuch verewigen.

Die Leute aus Antakya erholen sich in den langen Sommermonaten im ca. 5 km entfernten Harbiye, das mit seinen vielen Wasserquellen die gesamte Stadt Antakya mit Wasser versorgt. Das Felsquellwasser aus Harbiye und die riesigen Lorbeerbäume der Umgebung kühlen dieses Tal auf eine angenehme Temperatur. Nach einer Legende soll hier einst Kleopatra geheiratet haben. Wir selbst sind an manchen Wochenenden auch dort, um zu grillen. Ganz in der Nähe dazu befindet sich ein künstlich angelegter See, der von Nadelbäumen umschlossen ist.

 

Umgebung und Meer

 

Man sollte nicht vergessen, dass Antakya nicht weit vom Meer entfernt liegt. Nach 20 Minuten mit dem Auto gelangt man nach Samandagi. Dieser kleine Ort liegt direkt am Meer, wo die Leute aus Antakya und Umgebung baden. Von hier aus kommt man schnell (5min) nach Cevlik, wo man zuallererst den Titus-Tunnel zu einer kleinen Entdeckungsreise begehen sollte. Auf den Spuren von Kaiser Titus/Vespasian gelangt man durch eine Schlucht und anschließend durch einen dunklen Tunnel ( doch Vorsicht, zeitweise kann man seine eigene Hand nicht vor Augen sehen). Danach verliert sich die Schlucht in den Bergen. Vor dem Tunnel befindet sich eine Felsenbrücke, sowie eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu einer antiken Begräbnisstätte führt. Nach der Rückkehr von der Entdeckungsreise, kann man sich im Meer erfrischen. Im wesentlichen gibt es drei Strände, wo man schwimmen kann: Der Strand direkt an Samandagi, der Strand von Cevlik und die Buchten bei Meydan. Wir bevorzugen Meydan, da es dort Buchten gibt, die nicht einmal die Einheimischen kennen und dieser Strand im Gegensatz zu den beiden erstgenannten immer sauber ist. Doch der Weg dorthin ist sehr beschwerlich wofür man jedoch belohnt wird, denn man wird der einzige Badende sein. Nach Meydan gelangt man wenn man der Landstraße nach Samandagi folgt. Direkt am Ortsschild biegt man nach links, in Richtung Yayladagi ab und folgt der Beschilderung. Diese Bilder sprechen für sich.

 

Verschiedene Gesichter in Antakya

 

Die Bevölkerung in Hatay/Antakya ist extrem heterogen und ist keinesfalls typisch türkisch. Wer genau hinhört wird feststellen, dass in den Strassen, Basars und Dörfern arabisch gesprochen wird. Antakya besteht zum größten Teil aus „arabischen Türken“, die den Aleviten zuzuordnen sind. Antakya besitzt auch über eine beachtliche Gemeinde arabischer Christen , welche Ihre Gottesdienste ebenfalls in arabischer Sprache abhalten und der katholischen und der orthodoxen Kirche zuzuordnen sind. Antakya ist auch Pilgerstätte für viele Christen aus der ganzen Türkei, da hier wie schon erwähnt die erste christliche Gemeinde entstand. Antakya ist ein echtes Beispiel für ein multikulturelles Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen in Frieden, was auch keiner Illusion entspricht, sondern Realität widerspiegelt: Aleviten, Sunniten, griechisch-, syrisch- und armenisch- Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Türken, Araber, „Turkoaraber“ (Was guckst Du?-mässig), Juden … und etwaige Kombinationen aus solchen, dessen Summe die einzigartige Atmosphäre dieser ruhigen Mittelmeer – Stadt an der Südküste der Türkei ihr Antlitz verleihen.

 

Lieber Leser, liebe Leserin, wenn Du selbst aus Antakya (und Umgebung kommst) hoffen wir, dass Du dich in diesem Text wiederfindest. Wenn Du nicht aus Antakya kommst, hoffen wir, dir einen interessanten Einblick unserer Heimatstadt vermittelt zu haben.

 

Quelle:

Euer Askarclub

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03 06 2010
By: Redaktion 2 0

Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge

Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

 

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet2 für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

 

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim3 beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

 

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

 

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

 

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.
In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

 

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos5 und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt. Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

 

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest8 wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

 

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

 

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet10 wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

 

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

Bibliographie

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1 Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3 Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4 Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5 Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6 Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7 Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8 Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9 Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10 Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11 Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

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