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Der Nikolaus kommt aus der Türkei

 
15 09 2010
By: Redaktion 2 0
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Der Nikolaus war ein Bischof! Seine Geschichte führt zurück in die Türkei des vierten Jahrhunderts. Dort lebte der Bischof von Myra und dort starb er – am 6. Dezember!

 

von Adil Oyan

 

Am 6. Dezember wird in Deutschland und den meisten europäischen Ländern – von Russland bis Griechenland – der Nikolaustag gefeiert. Es gibt sehr viele Arten, diesen Tag zu begehen: Zum Beispiel stellen in einigen Ländern die Kinder schon am Vorabend ihre Schuhe schön geputzt vor die Tür. Wenn sie artig waren, füllt der Nikolaus die Schuhe über Nacht mit Süßigkeiten.

 

Heute wird der Nikolaus meist mit einer kurzen Zipfelmütze dargestellt oder als moderner Santa Claus. Im Süden Deutschlands trägt er eine Bischofsmütze. Diese deutet auf den geschichtlichen Ursprung der Nikolausfigur hin – denn wer es noch immer nicht glauben will, dem sei gesagt, dass der Nikolaus wirklich gelebt hat und zwar im 4. Jahrhundert in der Türkei. Denn bei dem am meisten verehrten Heiligen der Christenheit handelt es sich um den in etwa 342 gestorbenen Bischof von Myra.

 

Nikolaus von Myra, Heiliger

 

Nikolaus von Myra wuchs in einer sehr vermögenden, aber auch sehr frommen und wohltätigen Familie auf. Nachdem beide Eltern während einer Pestepidemie gestorben waren, verteilte Nikolaus sein Erbe unter die Bedürftigen und wurde Priester. Zu seiner eigenen Überraschung wurde der freigiebige Mann vom Volk zum Bischof ausgerufen – in der christlichen Frühzeit wurden die Bischöfe noch von der Gemeinde gewählt. Ein Bischof war ursprünglich auch nur das Oberhaupt der Christen in einer Stadt oder in einem überschaubaren Gebiet.

 

Während der letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Galerius (um 310) wurde Nikolaus eingekerkert und schwer misshandelt, aber nicht getötet. Gezeichnet von den erlittenen Folterungen trat der Bischof beim berühmten Konzil von Nicäa (325) auf. Dann schweigen die Quellen über ihn. Sein Todestag soll der 6. Dezember gewesen sein.

 

Die Stadt Myra, heute Kale, liegt an der Mittelmeerküste im Süden der Türkei zwischen den heutigen Touristenhochburgen Antalya und Fethiye.

 

So dürftig die Daten seines Lebens auch sind, so üppig ist die Anzahl der Legenden, die sich um St. Nikolaus drehen: Die meisten seiner Taten waren gut durchdachte Nacht-und-Nebel-Aktionen, wie die Bewahrung dreier Nachbarstöchter vor der Prostitution. Durch ein Geschenk von drei goldenen Äpfeln, die Nikolaus heimlich in der Dunkelheit ins Haus der Jungfrauen legte, verzichtete der Vater auf den Plan, seine Töchter zu verkaufen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Auf diese Legende ist das heimliche Schenken in der Nacht vor dem Nikolaustag zurückzuführen.

 

Während einer Hungersnot soll Nikolaus von Myra seinen darbenden Mitbürgern auf wunderbare Weise Korn verschafft haben, indem er einige Kauffahrer veranlasste, ihre Getreideschiffe nicht an ihren ursprünglichen Bestimmungsort zu bringen, sondern in die hungernden Städte und Dörfer Kleinasiens zu liefern. Als die Händler mit beklommenem Herzen weitersegelten, weil sie mit leeren Händen nach Hause gekommen wären, waren plötzlich die Schiffe wieder vollständig beladen, obwohl auch die Hungernden an der Küste keine Not mehr litten.

 

Diese Legende gab den Anlass, dass auch die Getreidehändler, Müller und Bäcker den heiligen Nikolaus zu ihrem Berufsheiligen erkoren.

 

Kaufleute aus Bari entwendeten im Jahr 1087 die Gebeine des Bischofs aus der Kirche zu Myra, um sie nach Italien zu bringen. Wer also heute die Grabstelle in Kale besucht, die als touristisches Muss bei fast jeder Rundfahrt im Programm ist, kann sicher sein: das Grab ist leer.

 

…und sein Knecht Ruprecht

 

Im Laufe der Jahrhunderte bekam der Nikolaus Gehilfen. Der bekannteste dürfte Knecht Ruprecht sein, der artige Kinder belohnt und ungezogene Kinder mit der Rute bestraft. In den Alpenländern hat der Nikolaus eine viel größere Gefolgschaft. Sie besteht aus teilweise sehr gruseligen Figuren mit zotteligem Fell und hässlichen Gesichtern. Sie sollen den Kindern Angst einflößen und sie zum Artigsein ermahnen.

 

Übrigens: Erst vor 70 Jahren entwickelte sich die moderne Vorstellung vom Nikolaus als einen menschlichen und gütigen, vergnügten, alten Mann mit rosa Wangen und stattlichem weißen Bart. 1931 nämlich beauftragte die Coca Cola Company den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom, den „Santa Claus“ für eine Werbekampagne zu zeichnen. Sundblom, bereits zuvor ein erfolgreicher Werbezeichner, schuf einen sympathischen „Nikolaus zum Anfassen“. Seine Vorlage: das großväterliche Gesicht eines pensionierten Coca Cola Fahrverkäufers.

 

Quelle: http://freenet.meome.de/app/fn/home.jsp