Monat: Juli 2011

21 07 2011
By: Redaktion 2 0

Mediengipfel in Lech: Qualitätsmedien stehen vor großen Umwälzungen

Eine hochkarätige Runde internationaler und österreichischer Medienmacher diskutierte Donnerstagabend zum Auftakt des Mediengipfels in Lech die Zukunftsperspektiven des Qualitätsjournalismus. Standard-Herausgeber Oscar Bronner warnte in seiner Eröffnungsrede zum zweitägigen Kongress, dass bisherige Qualitätsmodelle in Zukunft möglicherweise nicht mehr finanzierbar wären

 

Hat Qualitätsjournalismus in den USA, in Europa und Österreich Zukunft? Diese Frage diskutierte in Lech unter der Leitung von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid ein prominentes Podium – Oscar Bronner (Der Standard), Andreas Pfeifer (ORF), Peter Kropsch (APA), Hermann Petz (Moser Holding), Erna Cuesta (ATV), Birol Kilic (Neue Welt) und Carl Eduard Meyer (news aktuell).

 

Qualität zu finanzieren wird immer schwieriger

 

Bronner bekannte in seinem Prolog zur Diskussion, dass die Medienbranche vor großen Umwälzungen stehe. Qualitätsmedien seien künftig immer schwerer finanzierbar, da einerseits die Weltwirtschaftskrise zu den extremsten und schnellsten Einbrüchen am Anzeigenmarkt geführt hätte und andererseits das Internet herkömmliche Modelle immer stärker unter Druck bringe. „Kein Medium kann beispielsweise bei der Geschwindigkeit mit dem Internet mithalten. Der praktisch kostenlose Zugang ist gerade für junge Menschen eine große Verlockung, es wird ähnlich wie im TV gezappt im Internet vorwiegend gescrollt, der Zugang zu Information ist schier grenzenlos.“ Sehr schnell entstehe dabei der „teuflische Eindruck“ man sei informiert. „Allerdings“, so Bronner, „bleibe ich optimistisch, denn man entdeckt rasch, dass dieser Eindruck oftmals täuscht.“ Gerade Qualitätszeitungen hätten gegenüber dem Internet viele Vorteile. Die Zeitung sei immer griffbereit, könne dem Leser reflektierte Inhalte und relevante Informationen anbieten. Allerdings steige der Kostendruck enorm, Qualität zu finanzieren würde immer schwieriger. „Sparen allein wird zu wenig sein“, zeigte sich Bronner in Lech überzeugt. „Die Verleger werden sich trauen müssen, die Zeitungen teurer zu machen.“

 

Glaubwürdigkeit als größtes Kapital

 

Auch Peter Kropsch, GF der Austria Presse Agentur (APA), betonte, dass auch Nachrichtenagenturen weltweit auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen seien. Damit wolle man den zentralen Basisdienst – die unabhängige redaktionelle Leistung – weiterhin auf gesunder wirtschaftlicher Basis leisten. Andreas Pfeifer, Ressortleiter Außenpolitik im ORF, betonte, dass der Kampf um Qualität angesichts notwendiger Sparprogramme täglich zu führen sei. „Die Glaubwürdigkeit ist dabei unser größtes Kapital. Wir versuchen täglich die Komplexität aktueller Vorgänge verständlich darzustellen, um notwendigen gesellschaftlichen Konsens als Basis für den Diskurs zu ermöglichen. Die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft weckt zunehmend den Wunsch nach sozialer Orientierung. Und am Ende dieser Prozesse vertraut man Menschen und nicht den virtuellen Informationen, die nicht überprüfbar sind.“ Erna Cuesta, Kulturedakteurin von ATV, betonte ebenso, dass Fernsehen glaubhafte Leitfiguren anbieten müsse. Sie warnte vor der Trägheit – insbesondere von öffentlich rechtlichen Anstalten. Man könne auch kostengünstiger Qualitätsinhalte anbieten, die in Summe gerade vor dem Hintergrund der Informationsexplosion zunehmende Bedeutung hätten.

 

Qualitätsmedien als Orientierung in einer zunehmend komplizierten Welt

 

Carl Eduard Meyer, GF von news aktuell, betonte, dass klassische Medien mit den Möglichkeiten des Internets rasch zusammenwachsen müssten. Wenn Modelle wie Google klassische Nachrichtensysteme unter Druck brächten, dann brauche es rasch intelligente Antworten. „Wir müssen schnell lernen, die Vorteile der einzelnen Medien zu erkennen und diese zu bündeln. Print und Online müssen zusammengeführt werden.“ Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, bekannte sich zum Qualitätsjournalismus, um den Menschen Orientierung in einer zunehmend komplizierteren Welt anzubieten. Journalisten würden den permanenten Nachrichtenstrom selektieren, interpretieren und analysieren. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass Qualität auch im Lokalzeitungsbereich hochgehalten werde. Birol Kilic, ein in Wien lebender Auslandskorrespondent türkischer Abstammung, warnte einerseits davor, dass aufgrund des großen Arbeitsdrucks immer öfter Informationen ungefragt übernommen würden und andererseits davor, dass Lobbyismus und unabhängiger Journalismus auf demokratiepolitisch notwendigem Abstand bleiben.

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14 07 2011
By: TKG 0

Auch „Muslime“ beteten für Otto von Habsburg

Ein denkwürdiger und zugleich trauriger Tag in Wien. Tausende Menschen strömten zum Stephansdom um Otto von Habsburg die letzte Ehre zu am 14.11.2011 erweisen. Mit dem Begräbnis des letzten Kaisersohns versank damit die einst einflussreiche Herrscherdynastie in der Kapuzinergruft.  Otto von Habsburgs größter Wunsch war die Einigung dreier Religionen. Der letzte Wunsch des Kaisersohns: Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

von Mercedes Fränzel ( Yeni Vatan Gazetesi/Neue Heimat Zeitung)

Dies konnte im Fernsehen live mit verfolgt werden. Was man jedoch weder in der Zeitung nachlesen, noch im Fernsehen live mit verfolgen konnte, war die am 14. Juli 2011 in der Kapuzinerkirche stattfindende Trauerfeier. Diese fand im engen, familiären Kreis mit fünf Töchtern, zwei Söhnen, zweiundzwanzig Enkelkindern und engen Freunden statt.  Als einziger Moslem ausser  der Großmufti von Sarajevo war der Vertreter der türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Birol Kilic eingeladen.

 

 

Drei Religionen erwiesen dem Kaisersohn die letzte Ehre

Die Vertreter dreier Religionsgemeinschaften versammelten sich, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, für die Otto von Habsburg sein Leben lang eingetreten war. Sein großer Wunsch, verriet uns Dechant Pfarrer Rupprecht, war die Versöhnung des Judentums, Christentums und des Islams. Sowohl für ihn, als auch für seine Gattin Regina, standen niemals die Unterschiede verschiedener Religionen, sondern vielmehr die gemeinsame Basis und die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund, betonte Karl Habsburg-Lothringen . Denn irgendwann, so Dechant Pfarrer Rupprecht, werden auch die scheinbaren Unterschiede zwischen den Religionen, die wir Menschen noch nicht begreifen können, aufgehoben werden.

Der letzte Wunsch des Kaisersohns:  Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

Dem letzten Wunsch des Kaisersohns nachkommend wurden christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen. Durch Gebete, so Dechant Pfarrer Rupprecht, könne man sich oft besser verständigen und zueinander finden als durch gewöhnliche Gespräche.

„Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Die christlichen Gebete wurden von Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky gesprochen, der aus den Paulus-Briefen las. Die Fürbitten wurden von Verwandten der Verstorbenen vorgetragen, gefolgt von einem gemeinsam gebeteten Vaterunser. Weihbischof Stephan Turnovszky schloss mit den Worten: „Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Ein Gedenkgebet nach jüdischer Tradition trug der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, vor.
Die muslimischen Gebete, welche bereits vor hundert Jahren für Kaiser Franz Joseph und seine Familie zu jedem seiner Geburtstage in allen Moscheen gesprochen wurden, trug der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, zum letzten Mal für Otto von Habsburg vor, der sich trotz einer wichtigen Gedenkfeier nur drei Tage zuvor, die Zeit nahm, das Begräbnis seines langjährigen Freundes zu besuchen.


„Ein Mann der Rechtschaffenheit und Courage“ 

Das ökumene, arabische Gebet für die Seelen Otto von Habsburgs und seiner Frau Regina hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei der trauernden Gemeinde. Raisu-l-ulama Mustafa Cerić, Großmufti von Bosnien sagte, es sei ihm, als legitimer Erbe Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauevićs, eine Ehre dessen Beispiel zu folgen und ein aufrichtiges Gebet für den Nachkommen seiner Majestät Otto von Habsburg, dem Sohn Österreich-Ungarns letztem Kaiser zu sprechen, welcher ihn ehrte, indem er ihn als „Mann der Rechtschaffenheit und Courage kennenlernen durfte.

Zwei Bosnier, durch die der Kaisersohn ein langes Leben führen durfte Großmufti Cerić erinnerte an eine Aussage, welche seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg vor einigen Jahren in einem Interview für das Sarajevo Journal „Start“ machte: „Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges war ich in Deutschland. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Ph.D. und ging um einige meiner Dokumente zu holen. Natürlich war zu dieser Zeit Hitler der Regent. Als ich in München nach Hause kam, zu dem Haus meiner Großmutter, trat ein unbekannter Mann zu mir. Er war ein bosnischer Moslem von der deutschen Geheimpolizei, der folgende Worte zu mir sagte: „Seien Sie auf der Hut, wenn Sie hier bleiben sind morgen Sie an der Reihe.“ In der Tat schrieb ich zuweilen für eine der besten Anti-Nazi Zeitungen. Als ich zu dieser Zeit am Nachmittag nach München kam, schüchterte die Gestapo die Redaktionsleitung ein. Sie erwischten den Chefredakteur, der nur wenige Tage später starb. Als sie von der Verbindung zwischen mir und den Zeitungen erfuhren, begann die Suche. Natürlich verließ ich München als ich erfuhr, dass sie hinter mir her waren. Und zum zweiten Mal, zwei Jahre später, rettete ein bosnischer Moslem mein Leben . Sein Name war Ismet Aganovic. Er sagte mir, dass jemand der mir nahestand, mit der Gestapo zusammenarbeitete und von meinen Verbindungen mit Anti-Nazi Zeitungen erzählte. Wenn also keine Bosnier gewesen wären, wäre ich nicht mehr hier“ 

Ich bin stolz auf meine zwei Bosnier, die seiner Kaiserlichen Hoheit Otto von Habsburg halfen, ein langes und produktives Leben zu führen, das dafür sorgte, dass wir uns alle besser und sicherer in dieser verdrießlichen Welt fühlen“, sagte Bosniens Großmufti und betonte wie stolz die Familie seines „teuren Freundes“ sein könne, da sie die Ehre hatten, das Leben eines außergewöhnlichen Mannes zu teilen, dessen Licht der Menschlichkeit nicht nachlassen wird zu scheinen.

„Oh Gott, lass meinen Freund, den Freund Bosniens, den Hüter eines neuen Europas, den Patron einer neuen Welt des Friedens, den Mann aller Zeiten, in Frieden und in Gottes ewig währender Gnade zusammen mit seiner Frau Regina ruhen, Amen!“ Mit diesen letzten, bewegenden Worte schloss Bosniens Großmufti seine Rede.

Karl Habsburg folgt dem Beispiel seines Vaters

Durch die Totengebete sowohl nach jüdischer, christlicher, als auch muslimischer Tradition, wurde außerdem an Otto Habsburgs Eintreten für ein freies und unabhängiges Bosnien- Herzegowina erinnert.  Sie betonten die enge Beziehung, welche Otto von Habsburg zu Lebzeiten zum Judentum und zum Islam hatte.
Auch die Worte des Familienoberhaupts Karl Habsburg über den Islam und das Judentum waren sehr positiv und bar jeglicher Hasstriaden und Vorurteile. Vielmehr waren seine Worte auf das monoloteistische Prinzip bezogen und er betonte ebenfalls, wie wichtig es für seine Eltern war, für das gemeinsame Interesse der Religionen einzutreten. Für sie wäre immer klar gewesen, so Karl Habsburg, dass das Einigende vor dem Trennenden stehe und die verschiedenen Religionen zusammenarbeiten müssen, um sich den Problemen des Atheismus und der Wertelosigkeit zu stellen.

Folgendes ist das Gebet, welches bereits Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauević für seine Majestät Kaiser Franz Joseph I, anlässlich seines Geburtstags vor 100 Jahren in Bosnien vorlas:

„Wir danken dir Allmächtiger Gott, denn du bist alles hörend, denn du bist unseren Bedürfnissen nahe und du nimmst unsere Gebete an. Mögen wir Segenswünsche und Grüße über deinen liebsten und geliebten Boten, seine Familie und seine Gefährten bringen.

Wir alle gehören zu Gott und zu Gotten kehren wir wieder zurück.Unser geliebter Gott, du bist eins und einzigartig in deiner Kraft und deiner Pracht.

Du bist der Einzige, der uns gibt was wir benötigen und niemand kann dies verhindern. Du erhöhst wen du erhöhen möchtest und du gewährst Macht, wem du Macht gewähren möchtest. In deiner Macht liegt alles Gute. Wahrlich, du hast die Macht alles zu vollbringen.

Unser Herr, wir sind deine Büßer und bieten dir unsere aufrichtigen Gebete im Tempel deiner Anwesenheit dar und bitten dich, bei deinen wahren Versprechen, bei deiner Herrlichkeit und Macht, bei deiner grenzenlosen Gnade und wir bitten dich bei deinen gesegneten und heiligen Boten und Propheten die königliche Familie, bekannt für ihre Gerechtigkeit und Objektivität überall und allerorts, die Familie unseres geliebten und großartigen Königs, unsers geliebten Kaisers Franz Joseph I, zu stärken.

Unser geliebter Herr, mit deinem Auge gib Acht auf seine edle Familie und halte ihn und seine Familie fern von allem Übel und Leid.

Unser geliebter Herr, mögen er und seine Familie in deinem Vertrauen, deinem Glück und in deiner Zufriedenheit ruhen, und lasse nicht zu, dass seine Feinde oder Feinde seiner Familie ihnen Schaden zufügen.

Unser geliebter Herr, halte jeden, der einen Gedanken hegt ihm oder seiner edlen Familie zu schaden, von der Tür deiner Gnade fern.Geliebter Herr, hilf und unterstütze unseren erhabenen Kaiser Franz Joseph I und stärke sein Heer. Geliebter Herr, sorge für seine Zufriedenheit und den Schutz und Wohlstand seines Königreichs. Unser Herr, mache ihn erfreut über Dinge, die dich erfreuen, dich zufriedenstellen und öffne ihm den Pfad der Liebe und lass die Liebe für den Schutz seines beständigen Schicksals, durch die Pracht deiner Boten und Propheten in sein Herz eintreten.Allmächtiger Gott, führe uns zusammen, vereinige unsere Herzen und leite unseren Weg zum Pfad des Friedens.Amen! Amen! Amen!Oh du, der du die hörst, die beten. Gepriesen sei Gott, der Herr der Welten. El-fatiha!“

 

 

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