Monat: September 2015

24 09 2015
By: Redaktion 2 0

Frohes Opferfest

Eid (Ul-Adha) Mubarak / Kurban Bayram Mubarek Kurban Bayramınız kutlu olsun. Wir wünschen im Namen der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) allen unseren muslimischen Brüdern und Schwestern ein schönes Opferfest im Kreise ihrer Familien und Freunde. 

 

Das Opferfest ist eines der höchsten religiösen Feste für Muslime. Die Feierlichkeiten dauern vier Tage und beginnen gleichzeitig mit den bedeutendsten Tagen der Wallfahrt nach Mekka. Es ist ein bewegliches Fest, das sich jedes Jahr um ungefähr 10 Tage verschiebt.

 

Im Gottvertrauen ist der Prophet Abraham vielen Muslimen, Juden und Christen ein großes Vorbild. Alle drei Religionen kennen eine Überlieferung, nach der Abraham aus Liebe und Vertrauen zu Gott sogar bereit war, seinen Sohn zu opfern. Gott erlöste ihn jedoch und hielt ihn im letzten Moment von der Tat ab. Abraham musste schließlich nur ein Tier opfern.

 

Der Ursprung des Opferfestes ist auf eine Begebenheit im Koran mit dem Propheten Ibrahim zurückzuführen. Ibrahim und seine Frau waren lange kinderlos. Nach vielen Gebeten bekamen sie zwei Söhne. Zur Prüfung seiner Ergebenheit wurde ihm durch Träume aufgetragen, einen Sohn zu opfern.

 

Als Zeichen seiner Dankbarkeit und seines Gehorsams wollte Ibrahim diese Pflicht auch erfüllen. Doch im letzten Augenblick wurde er von dieser Aufgabe entbunden. Statt seines Sohnes durfte er ein Schaf opfern. Zum Gedenken an den Propheten Abraham und dessen Erfahrung mit göttlicher Barmherzigkeit begehen die Muslime das Opferfest.

 

Es ist ebenso ein Ausdruck ihrer Ergebenheit wie auch ihres Vertrauens in Allahs Gnade. Der Grundgedanke ist das Spenden an andere Menschen und das Teilen (Infak/Paylaşma).

 

In Gedanken sind wir bei den Menschen, die um ihre ermordeten oder verunglückten Angehörigen trauern oder auf der Flucht sind, unabhängig davon welcher Religion sie angehören, ob es sich nun um Muslime, Christen, Juden oder Yesiden handelt.

 

Wir hoffen und streben danach, dass die Vernunft und die Stimmen für einen Frieden in diesen Zeiten von Flucht und Vertreibung Oberhand bekommen.

 

Wirtschaftlicher Egoismus, blinder Nationalismus und religiöser Fanatismus haben noch nie zu einem besseren Leben geführt. Wir müssen das Gemeinsame vor das Trennende stellen und jene in die Schranken weisen, welche die Religionen missbrauchen, um ihre Interessen durchzusetzen.

 

Der unumgängliche Lösungsansatz der gegenwärtigen Konflikte liegt in der Implementierung einer säkularen, überkonfessionellen Ethik, besonders in der muslimischen Welt. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Schlüssel zu einer langfristigen Lösung der gegenwärtigen Probleme im Nahen Osten und Nordafrika in dieser säkularen Ethik liegt, welche wiederum auf einer globalen Verantwortung basieren soll.

 

Wir müssen Brücken zwischen den Kulturen, Religionen und Ethnien bauen. Zusätzlich zum herkömmlichen Religionsunterricht gehört daher ein Ethikunterricht verankert, damit das Gemeinsame wie Nächstenliebe, Mitgefühl und Respekt in der Erziehung Eingang findet. Der Ethikstoff sollte den religiösen Unterricht nicht ersetzen, sondern muss ihn unbedingt ergänzen.

 

Eine säkulare Ethik schärft die sozialen Fähigkeiten und soll nicht aus Verboten und Zwängen bestehen, sondern die Anleitung zu einem friedlichen und unterstützenden Miteinander beinhalten.

 

Wenn wir es schaffen, allgemein verbindlichen säkularen ethischen Werten zu folgen, werden wir über die Grenzen hinweg Frieden stiften und in Dialog treten können.

 

Ein realistischer Blick auf die Gegenwart zeigt, dass ein universeller Zugang zu Fragen der Ethik unumgänglich ist. Der gemeinsame Weg führt über mehr Verantwortung auf globaler, europäischer, nationaler und regionaler Ebene. Frieden und Wohlstand werden nur dann von Dauer sein, wenn die Völker in ihrer Entwicklung und ihrem Fortkommen frei sind, wenn die einzelnen Menschen Arbeit, Bildung und Essen haben und die allgemein gültigen Menschenrechte als Mindestkonsens verbrieft und umgesetzt werden. Egoismus und blinder Nationalismus führen letztlich nicht zu einem besseren Leben, die Geschichte ist der beste Beweis dafür.

 

Möge das Opferfest für alle Menschen mehr Gesundheit, mehr Wohlergehen und insbesondere mehr Frieden bescheren.

 

Ein fröhliches gesegnetes Opferfest wünscht Ihnen, Ihren Freunden und Nachbarn die

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Obmann
Dipl.-Ing. Birol Kilic

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10 09 2015
By: Redaktion 2 0

TKG verurteilt Terror in der Türkei

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt Terrorangriffe gegen die Türkei und Anschläge auf die Hürriyet-Redaktion. In der letzten Zeit befindet sich die Türkei in einer angespannten und sehr beunruhigenden Lage, die eng verbunden ist mit dem innenpolitischen Geschehen und auch mit der Hetze diverser in- und ausländischer Kräfte der letzten Jahre. Wir verurteilen im Namen der TKG die Terrorangriffe gegen die Türkei auf das Schärfste und sprechen den Familien der Opfer der Terrorangriffe und anderer Attacken gegen Polizei- und Militäreinheiten unser Mitgefühl aus. Wir verurteilen auch die Anschläge auf die oppositionellen Parteien in der Türkei. Terrorismus darf in keiner Art und Weise toleriert oder gerechtfertigt werden.

Die letzten Ereignisse rund um die Anschläge auf die türkische Tageszeitung Hürriyet zeigen jetzt die unglaublichen Auswirkungen dieser politischen Schieflage auch auf die Medienwelt in der Türkei. Wir bedauern, dass die Zeitung „Hürriyet“ zweimal in 72 Stunden überfallen wurde und verfolgen die aktuellen Ereignisse mit ernsten Befürchtungen.

Das Redaktionsgebäude der angesehenen „Hürriyet“ wurde mit Steinen beworfen und die Mitarbeiter von mit Stöcken bewaffneten Schlägern überfallen. Wir lehnen diese Gewalttat entschieden ab. Die Täter und deren Auftraggeber müssen ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden. Die Türkische KULTURgemeinde verurteilt solche Angriffe strengstens.

Unsere Sorgen und Ängste um die Demokratie und den Parlamentarismus haben sich zusätzlich dadurch verstärkt, dass man bisher keine einzige Kritik oder Stellungnahme von den regierenden Politikern – vor allem dem türkischen Präsidenten und dem türkischen Premierminister –  zu diesen Angriffen gehört hat. Auch die Parteispitzen müssen sich klar zu dem Vorfall äußern.

Die TKG ruft alle österreichischen Parteien, insbesondere die Parlamentarier des Europäischen Parlaments, auf, diesem Schritt eine klare Absage zu erteilen. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht der Vertreter der Demokratie und der säkularen Muslime in und außerhalb der Türkei.

Die TKG ruft alle Vertreter der diversen österreichisch-türkischen Kulturvereine aus der Türkei, welche sich in Österreich niedergelassen haben, dazu auf, die Konflikte nicht nach Österreich zu tragen. Die Vorstände der diversen Vereine tragen in diesen schwierigen Zeiten eine besondere Verantwortung. Die TKG ersucht höflichst, die Menschen nicht gegeneinander aufzuhetzen. Wir haben in Österreich die Möglichkeit, die unterschiedlichen Haltungen ohne Angst vor Repressalien auf demokratische Weise zum Ausdruck zu bringen.

Die TKG vertraut darauf, dass die Türkei einen Weg aus diesen schwierigen Zeiten finden wird. Dieser Weg soll und muss aber unserer Meinung nach ein demokratischer sein, um den Frieden im Land zu gewährleisten.

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

Dipl.-Ing. Birol Kilic
Obmann

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09 09 2015
By: Redaktion 2 0

Unfähigkeit von Muslimen?

Nach dem Fund des leblosen Körpers von Aylan sind wir alle herausgefordert, unsere eigene Verantwortung den Flüchtlingen gegenüber zu überdenken, und ob wir uns wirklich ausreichend genug für den Frieden einsetzen.

 

Gastkommentar von Prof. Dr. Ednan Aslan

 

Aylan ist wegen des Bildes nun ein Flüchtlingsopfer mit Namen – nicht das erste und weitaus nicht das letzte Kind als Opfer der Kriege in unserer Welt. Dass nun eines dieser Kinder mit Bild und Namen durch die Medienlandschaft gereicht wird, sollte ausreichend sein, um mehr Sensibilität in diesen Tagen aufkommen zu lassen, denn alle Flüchtlingskinder dieser Tage sind Aylan.

 

Die westlichen Staaten sind mit den Flüchtlingsströmen anscheinend überfordert. Ist es der Wohlstand, das unbekümmerte und gesicherte Leben, welches angesichts dieser hereingebrochenen Dramatik diese Überforderung erzeugt? Wie sonst kann es sein, dass im Vergleich zu den Flüchtlingszahlen anderer Länder im Nahen Osten diese vergleichsweise geringe Zahl an Flüchtlingen dermaßen für Aufruhr sorgt? Würden die Flüchtlinge gerecht aufgeteilt werden, würden in manchen Gemeinden Europas gerade mal max. 30 Flüchtlinge leben müssen. Politische Uneinigkeit erzeugt hier noch mehr Leid als nötig.

 

Umso weniger kann ich die Haltung der reichen islamischen Staaten wie Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder des Oman nachvollziehen, die doch allein schon aus religiöser Pflicht ihre geschundenen Glaubensgeschwister, die ihnen auch noch kulturell nahe stehen, aufnehmen müssten. Die großen Gelehrten wie Qaradawi und Politiker wie Erdogan kritisieren paradoxerweise das Verhalten des Westens, verlieren aber kein Sterbenswörtchen an Kritik gegenüber Saudi Arabien oder aber Katar, die eigentlich an diesem Krieg in Syrien direkt beteiligt sind!

 

Auch richtet sich mein Unverständnis an die Muslime in Österreich, die einerseits ganz berechtigt die Flüchtlingspolitik des Westens kritisieren, sich aber andererseits nicht aufraffen können, lautstark vor der Botschaft Saudi Arabiens ihren Protest zu verkünden, um diese an ihre Verantwortung zu erinnern. Sonst sind viele aktive Organisationen ja mit den netten und berauschend beeindruckenden Einladungen und finanziellen Förderungen dieser arabischen Staaten sehr gut vertraut.

 

Wenn es auch sehr bitter ist, diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, möchte ich doch wiederholt sagen, dass die Muslime selbst in der Lage sein sollten, ihre eigenen Probleme zu lösen. Wenn über eine Milliarde Muslime nicht in der Lage sind, diesen Krieg in Syrien zu beenden, dann scheint mir deren Kritik gegen den Westen wie ein Schrei hoffnungsloser Unfähigkeit zu sein. Wie anders sonst kann man diese Dramatik gegenwärtig verstehen?

 

Ein Koranzitat soll diesen Artikel beenden und zum Nachdenken anregen, denn eine friedliche und positive Zukunft der Muslime hängt allein davon ab:

 

„Wahrlich, Gott ändert nicht die Lage der Menschen, außer sie ändern ihr inneres Selbst.“ Koran 13;1

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