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»Selam Opera!«: Die Komische Oper Berlin – eine für alle

 
23 05 2016
By: Redaktion 2 0
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Auf den Spuren der »Gastarbeiterroute« von Berlin über München, Wien, Belgrad und Sofia nach IstanbulOpernbus »Operndolmuş« der Komischen Oper Berlin gastiert in Wien: Am Mittwoch, 1. Juni 2016 im GB*10 (18 Uhr) und in der VHS Ottakring (20:30 Uhr)

 

Dass Musiktheater keine abgehobene Kunstform nur für das Bildungsbürgertum sein muss, sondern eine Bereicherung für Menschen jeglicher kultureller und sozialer Herkunft sein kann, beweist die Komische Oper Berlin bereits seit 2012: Seitdem trägt sie mit ihrem »Operndolmuş«, dem Opernbus im Rahmen des interkulturellen Projekts »Selam Opera!«, mit großem Erfolg Musiktheater in die Kieze der Hauptstadt. Dank der Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes und unterstützt von der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin kommt dieses einzigartige Outreach-Programm nun erstmals international zum Einsatz: Ab 29. Mai 2016 fährt der Opern-Kleinbus von Berlin aus nach Istanbul und legt über die vier Stationen München, Wien, Belgrad und Sofia eine musikalische Spur entlang der sogenannten »Gastarbeiterroute« und gastiert am 1. Juni auf der zweiten Station in Wien im GB*10 und in der VHS Ottakring.

 

Der Operndolmuş ist eine Musiktheater-Vorstellung in Kleinbus-Besetzung: zwei Sänger_innen und drei Musiker_innen sowie ein_e Moderator_in fahren gezielt in Kieze, in denen besonders viele Bürger_innen unterschiedlicher kultureller Herkunft leben, und zeigen durch musikalische, künstlerische und persönliche Begegnungen, dass Musiktheater eine universell verständliche Sprache spricht. Seit Jahrhunderten durch interkulturellen Austausch geprägt, hat das Musiktheater gleichzeitig durch die Musik die Kraft, Gefühle und Erlebnisse über die Grenzen einzelner Kulturen erfahr- und erlebbar zu machen. Die Komische Oper Berlin hat sich diese Offenheit seit ihrer Gründung 1947 zu einem Grundsatz gemacht: Sie versteht sich als eine Oper »für alle«.

 

Der Operndolmuş geht auf eine mehr als 3000 km lange Reise entlang jener Strecke, die viele als »Gastarbeiter« in West-Deutschland tätige Arbeitsmigranten seit den 1960er Jahren alljährlich nutzten, um im Urlaub für einige Wochen in ihre ursprünglichen Heimatorte zurückzukehren. Für diese Reise entsteht eigens eine 45-minütige Musiktheaterrevue. Sie spürt den äußeren Beweggründen und seelischen Bewegungen nach, die die Menschen zu allen Zeiten dazu antreibt, ihr Glück in der Ferne zu suchen, auch wenn dies mit der Sehnsucht nach der Heimat einhergeht. Das Programm gestaltet sich dabei zugleich als Kurztrip durch die Geschichte des Musiktheaters: von den Anfängen der Oper in der italienischen Re- naissance über die Wiener Klassik, die italienische Opera buffa und die französi- sche Opéra comique, mit einem Abstecher über die osteuropäischen Meisterwerke der vorvergangenen Jahrhundertwende, bis zum Berliner Jazz-Musical der wilden 1920er Jahre.

 

Gemeinsam mit Kulturveranstaltern vor Ort, den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und der Magistratsabteilung 17 – Integration und Diversität der Stadt Wien sowie den Goethe-Instituten in Belgrad, Sofia und Istanbul als Partnern trägt das Ensemble der Komischen Oper Berlin nicht nur die Kunstform Musiktheater, sondern auch die Idee des »Operndolmuş« zu ganz unterschiedlichen Zuschauern_innen – von Nachbarschaftsgruppen aus München-Hasenbergl bis zum türkisch-bulgarischen Frauenverein, von den ehemaligen »Gastarbeitern« und ihren Nachfahren über die Alteingesessenen in den besuchten Ländern bis hin zu Menschen, die sich zwischen den Kulturen bewegen und zu Hause fühlen.

 

Zeitplan und Hintergrund zu den Veranstaltungsorten

 

29. Mai : Fahrt nach München

30. Mai: München

18 Uhr im Stadtteilkultur 2411

Blodigstraße 4, 3. Stock 80933 München www.stadtteilkultur2411.de

20:30 Uhr im Giesinger Bahnhof Giesinger Bahnhofplatz 1

81539 München www.giesinger-bahnhof.de

31. Mai: Fahrt nach Wien 1. Juni: Wien

18 Uhr im GB*10 Wien Quellenstr. 149, 1100 Wien

 

Die Gebietsbetreuungen Stadterneuerung – kurz GB* – sind eine Service- Einrichtung der Stadt Wien. Aktuell sind sie mit 9 GB*-Teams an 17 Standorten im Stadtteil tätig. Die Tätigkeitsschwerpunkte umfassen wohn- und mietrechtliche Beratung, Projektarbeit im öffentlichen Raum, Informationen zu Stadterneuerung und Aktivitäten im Gemeinwesen, für starke Nachbarschaft und ein gutes Zusammenlebens in der Stadt.

20:30 Uhr in der VHS Ottakring Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

 

Das Volksheim Ottakring wurde 1901 durch Ludo Moritz Hartmann und Emil Reich gegründet und 1905 erhielt es ein eigenes Gebäude und ist damit das älteste Volkshochschulgebäude Europas. Bereits im ersten Kursprogramm des Volksheims Ottakring aus den Jahren 1905/06 finden sich „Deutschkurse für Ausländer“. Den laufenden verändernden gesellschaftlichen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen stellt sich die Volkhochschule Ottakring heute ebenso wie vor 100 Jahren: Wir wollen Bildung für alle zugänglich machen sowie inklusiv denken und handeln.

2. Juni: Fahrt nach Belgrad

3. Juni: zwei Auftritte in Belgrad 4. Juni: Fahrt nach Sofia

5. Juni: zwei Auftritte in Sofia

6. Juni: Fahrt nach Istanbul

7. Juni: erster Auftritt Istanbul 8. Juni: zweiter Auftritt Istanbul 9. Juni: Rückfahrt

 

Für Pressevertreter gibt es zum Zwecke der Berichterstattung die Möglichkeit, die Reise auf einzelnen Stationen zu begleiten. Wir freuen uns bei Interesse auf Ihre Kontaktaufnahme!

Vor der Abfahrt und nach der Rückkehr des Operndolmuş ist jeweils eine Auftakt- bzw. Abschlussveranstaltung in Berlin geplant. Die Termine werden bekannt gegeben.

 

Hintergrund

 

Der Operndolmuş auf der »Gastarbeiterroute« Vermittlungsprogramm und künstlerisches Konzept

 

Seit 2012 lädt die Komische Oper Berlin ihr Publikum nicht nur ins Opernhaus an der Behrenstraße ein, sondern trägt ihre Kunstform gezielt in jene Berliner Kieze, deren Bewohner mehrheitlich nicht zum traditionellen Opernpublikum gehören.

 

Der Operndolmuş, der auf eine Idee von Mustafa Akça, dem »Selam Opera!«- Projektleiter, zurückgeht, gastiert regelmäßig in Einrichtungen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil von Bürger_innen unterschiedlichster Kulturkreise und präsentiert vor Ort ein musikalisches Vermittlungsprogramm. Seit Jahren wird das Projekt von der Robert Bosch Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin unterstützt, so dass es seit einem Jahr neben dem »Erwachsenendolmuş« auch einen »Kinderdolmuş« gibt, der vor allem in Grundschulen auftritt.

 

Die Dramaturgin Johanna Wall entwickelte nun, inspiriert durch zahlreiche Ge- spräche mit Zeitzeugen und entsprechend der fünf angefahrenen Stationen, eine Revue aus fünf szenisch-musikalischen Bildern. Wie in der Oper steht im Zentrum einer jeder dieser anekdotenhaften Situationen eine große und allgemein zugäng- liche Emotion, um die sich die jeweilige musikalische Szene entspinnt: vom Traum des großen Glücks in weiter Ferne bis zum zwiespältigen Vergnügen der Ankunft in der Realität des Hier und Jetzt, vom »Nicht-Wissen-Wo-Man-Eigentlich-Hinge- hört« über den bittersüßen Trost des Sich-Erinnerns bis zu der Idee, dass »Hei- mat« vielleicht doch einen Plural haben kann. An jeder Station wird die von Regisseurin Anisha Bondy in Szene gesetzte Revue in Zusammenarbeit mit lokalen interkulturellen Begegnungsstätten je zweimal an unterschiedlichen Orten für ganz unterschiedliche Zuschauer_innen gespielt. Dabei soll es zu Begegnungen der unterschiedlichsten Art kommen, denn der Operndolmuş sucht bewusst den kulturellen Austausch, bei dem das persönliche Gespräch mit dem Publikum unbedingt dazu gehört. Auch für die Künstler_innen des Operndolmuş – viele von ihnen »alte Dolmuş-Hasen« – wird es eine Entdeckungsreise zu unbekannten Orten, aber auch zu einem bisher weithin unbekannten Teil der deutschen Geschichte sein. In München, Wien, Belgrad, Sofia und Istanbul macht der Operndolmuş mit seiner multikulturellen Besetzung Halt, um mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten und ihnen auf diese Weise Musiktheater als Ausdruck menschlicher Gefühle näher zu bringen, aber auch die gemeinsamen Erfahrungen und Geschichten zu teilen.

 

»Selam Opera!«: Die Komische Oper Berlin – eine für alle

 

Seit ihrer Gründung im Jahre 1947 versteht sich die Komische Oper Berlin als Opernhaus für alle. Dieser Gedanke wird durch den aktuellen Intendanten Barrie Kosky weitergeführt und nimmt nicht zuletzt im Projekt »Selam Opera!« Gestalt an, mit dem gezielt die große türkeistämmige Bevölkerung Berlins angesprochen werden soll, unter anderem mit dem Operndolmuş, mit individuell wählbaren Untertiteln auch auf Türkisch und Programmheftteilen in türkischer Sprache.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.komische-oper-berlin.de