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Türkische KULTURgemeinde: „Bitte keine türkischen Fahnen und keine türkischen Kampfparolen in Österreich!“

 
21 07 2016
By: Redaktion 2 0
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Wir verurteilen aus Wien jede militärische Intervention in der Innenpolitik der Türkei. Trotzdem fordert die Türkische KULTURgemeinde ein Ende des Imports der türkischen Politik nach Österreich, die mit türkischen Fahnen die Vorurteile gegenüber allen Menschen aus der Türkei in Österreich vergrößert und das Zusammenleben erschwert. Wir erwarten uns von der türkischen Regierung,egal welche Partei, dass sie dafür sorgt, dass demokratiepolitische, rechtsstaatliche und insbesondere säkulare Standards in der Türkei eingehalten werden.

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) fordert alle Demonstranten auf, auf den österreichischen Straßen keine türkischen Fahnen zu tragen, wie es jüngst bei den verschiedenen Demonstrationen in Österreich während des Putsches am 15. und 16. Juli 2016 (und auch vorher) geschehen ist.

 

Unmut, Angst und Antipathie erzeugen!

Man kann nicht als Österreicher mit türkischen Wurzeln oder als türkischer Staatsbürger, Demos organisieren, die Unmut, Angst, Furcht und Antipathie erzeugen.

Das schadet dem Ansehen der Türken und der Türkei in Österreich!

Niemand tut sich damit etwas Gutes! Es ist ein Schuss ins eigene Knie!

Die Vorurteile und Anfeindungen werden die Austrotürken noch in den nächsten Tagen und Wochen bei der Arbeit, bei den Behörden und in der Schule zu spüren kriegen.

Der Ruf ist wieder einmal zerstört! Sehr traurig…

 

Schaden mehr als sie nützen

Das Demonstrationsrecht in Österreich ist für den Rechtstaat Österreich und für seine Bürger aufgrund seiner Geschichte heilig. Aber solche Demos schaden der friedlichen Integration der Menschen aus der Türkei.

Oder anders gefragt: Wie gut integriert ist ein Türke, wenn er auf dem Wiener Heldenplatz mit der türkischen Staatsflagge bekleidet türkische Kampfparolen schreit? : „Sag es und wir töten, sag es und wir sterben!“ (Heldenplatz, 15./16. Juli 2016) Wir wollen nicht, dass ein Staats-Präsident  bedenkliche Botschaften absetzt und alle Menschen in der ganzen Welt auffordert, öffentliche Plätze zu besetzen. Solche Demonstrationen in Österreich schaden mehr als sie nützen. Darüber müssen wir ohne Hetzerei offen reden und diskutieren können, ohne als Staatsfeinde körperlich angegriffen, verfolgt bzw. Verleumdungen in Österreich ausgesetzt zu werden.

 

Politik-Import: Nein! Danke!

Die türkische Fahne hat für alle Menschen aus der Türkei eine wichtige Bedeutung und ist für viele auch „kulturhistorisch“, ob wir wollen oder nicht, heilig besetzt.

Die türkische Fahne steht nicht für die Ziele einer bestimmten Partei oder eines Vereines.

Sie ist ein nationales Symbol und soll nicht inflationär verwendet werden.

Die Politik eines anderen Landes oder irgendeiner ausländischen Partei – egal welche – soll nicht auf die österreichischen Straßen mit den Fahnen importiert werden.

 

Demonstrationsrecht in Österreich nicht missbrauchen

Dass in Österreich Demonstrationsfreiheit gelte, finden wir ausgezeichnet.

Man sollte bitte das verfassungsrechtlich verankerte Demonstrationsgrundrecht (Staatsgrundgesetz-Artikel 12, auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention-Artikel 11 geregelt) in Österreich und die türkische Fahne ab jetzt nicht mehr missbrauchen und Österreich unter dem Vorwand „Gebrauch von Demonstrationsrecht“ unter Geisel nehmen, – wir wiederholen – wo am Ende alle Menschen aus der Türkei auf dem Arbeitsmarkt, auf Behördenwege und auch im privaten Leben enorme Schäden nehmen. Wir müssen auch hier betonen: Die Versammlungsfreiheit gilt nur auf die österreichische Staatsbürgerschaft. Wörtlich heißt es in Paragraf 8 des Versammlungsgesetzes: „Ausländer dürfen weder als Veranstalter noch als Ordner oder Leiter einer Versammlung zur Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten auftreten.“ 

 

Bedenklich: Heldenplatz, Türkische Fahnen, Prinz-Eugen-Denkmal im Hintergrund, Hitler, Anschluss…

Ein voller Heldenplatz.

Türken rund um das Prinz-Eugen-Denkmal, im Hintergrund der Balkon, auf dem Adolf Hitler den Anschluss an das Deutsche Reich verkündet hat.

Was sollen sich die österreichischen ZuseherInnen dabei denken?

Dazu Parolen, die einem anderen Land, einer anderen Regierung unumschränkte Gefolgschaft schwören.

Das verunsichert, – wir wiederholen – erzeugt nur Unmut, Angst und Antipathie und macht Angst, lässt die Österreicher, aber auch andersdenkende Austrotürken mit vielen Fragen zurück.

 

 

Wir wiederholen: Beängstigend und furchterregend

Die verschiedenen nationalen Ereignisse in der Türkei, wie zum Beispiel Parlamentswahlen, Präsidentenwahlen, besonders aber der jüngste militärische Putsch, verursachen für manche Vereine in Österreich, als auch für ihre organisierten Demonstranten, eine Situation, die für die Gesellschaft beängstigend und furchterregend ist.

 

 

Geiselhaft und wie?

Die Menschen aus der Türkei in Österreich machen fast 300.000 aus.

Diese österreichischen Türken werden mit solchen bildreichen und medienwirksamen Demonstrationen in Geiselhaft genommen.

Sie werden wieder einmal den alten Vorurteilen ausgeliefert – von ihren eigenen Landsleuten! 

Als ob alle Türken diese Demos gutheißen würden, was mitnichten der Fall ist.

Sind doch die meisten zu Hause geblieben.

Die meisten haben damit nichts zu tun und wollen damit nichts zu tun haben.

Aber zurück bleiben die Bilder in den Medien.

Zurück bleibt das Bild einer türkischen Flut am Wiener Heldenplatz, wahnwitzige Parolen brüllend. Die TKG fordert deswegen: Bitte keine türkischen Fahnen, keine türkischen Kampfparolen in Österreich!

 

 

Bitte: Appell an die Medien

Von der österreichische Presse erwarten wir bei aller Freundschaft, dass man nicht alle Austrotürken in einen Topf werfen kann. Kurz: Bitte keine Pauschalisierungen. Bei der Berichterstattung erwarten wir, dass man nicht allen Türken dasselbe Mascherl umhängt. 

 

 

Österreich ist das letze Land auf der Welt?

Jede Staatsfahne auf der Welt ist zu respektieren.

Aber wir wissen, dass unter den Fahnen Patriotismus, Nationalismus und viel Ungerechtigkeit gegenüber anders denkenden Menschen im Inland passiert ist.

Österreich ist das letzte Land, wo man mit einem Fahnenmeer auf die Straße gehen sollte.

Woran denkt der Österreicher dabei?

Es weckt Assoziationen, wie Besatzung, Anschluss an das Dritte Reich, die Belagerungen Wiens durch die Osmanen.

Auch wenn vielen Demonstranten das gar nicht bewusst ist und es ihnen auch ferne liegen mag.

Hier ist der Österreicher sehr sensibel.

Ihm ist die Freiheit seines Landes sehr wichtig.

Und dazu passen eben keine Paraden und Aufmärsche von fremden Flaggen, schon gar nicht auf dem Heldenplatz. Auch Dritte und Zaungäste sollten verstehen, was hier los ist.

Das verhindert, dass es zu Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung kommt.

Das gebietet die politische Reife einer Organisation und der Respekt gegenüber Österreich und seiner Mentalität, seiner wechselhaften Geschichte.

 

 

Dezent und zürückhaltend ?

Dazu muss man auch wissen, dass der Österreicher mit seinem Patriotismus dezent und
zurückhaltend umgeht.

Zu kurzlebig waren Fahnen, Symbole, Parolen und Hymnen in der Vergangenheit, als dass sie
für totalitäre Kundgebungen und lautes Hinausplärren noch taugen würden.

Hier ist der Österreicher vorsichtig geworden, er ist ein gebranntes Kind.

Aber diese Umsichtigkeit fordert er auch von anderen ein und findet es geradezu dumm, plärrend und skandierend sich zusammenzurotten und bei jeder Gelegenheit die Nationalflagge zu schwingen.

 

 

Von den Österreichern Verständnis und Sympathie erwarten?

Es ist wichtig zu erwähnen, dass viele türkische Vereine und Organisationen diese Türkenfahnen-Demos nicht unterstützen, weil sie das Gefühl haben, dass die türkische Fahne hier für eine politische Partei und für Politiker aus der Türkei missbraucht wird. Egal welche Partei.

Andersdenkende Menschen sollte man auch ausnahmslos respektieren.

Man kann hier nicht Demokratie fordern und auf der anderen Seite antidemokratisch im In- und Ausland agieren oder diejenigen, die antidemokratisch sind, unterstützen und von den Österreichern Verständnis und Sympathie erwarten.

Wir erwarten uns von der türkischen Regierung, dass sie dafür sorgen, dass demokratiepolitische, rechtsstaatliche und insbesondere säkulare Standards in der Türkei eingehalten werden.

 

Die Gräber sind sogar hier

Die Türken in Österreich leben in einem neutralen Land, haben hier ihre Bildung erhalten, haben hier ihre Arbeit, viele Familien haben hier sogar ihre Gräber. Wir wollen nicht aus der Türkei regiert werden!

Wir wollen nicht ständig Vorurteilen ausgesetzt sein!

Wir wollen, dass sich unsere Landsleute hier so benehmen, wie es in Österreich angemessen ist.



Wir wollen in Österreich in Frieden leben

Viele Menschen aus der Türkei haben Angst, weil sie bedroht werden, weil sie anders denken als die Demonstranten oder nahestehende Vereine und ihre Vorstände.

Die Politisierung der österreichischen Türken durch ausländische Parteien, Vereine und Organisationen sorgt für eine Spaltung innerhalb der Community.

Wir wollen keinen Konflikt-Import aus der Türkei, egal aus welcher Ecke.

Wir sind nicht im Krieg! Wir wollen in Österreich in Frieden leben!

 

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)

Dipl.-Ing. Birol Kilic

Obmann

TKG-Statuten:

Deutsch:

http://www.turkischegemeinde.at/fileadmin/Redakteure/turkischegemeinde/dokumente/Download_Statuten.pdf

http://www.turkischegemeinde.at/fileadmin/Redakteure/turkischegemeinde/dokumente/Download-Tuerkce-Dernek-Tuezuegue-PDF.pdf