Monat: September 2016

29 09 2016
By: Redaktion 2 0

Falsche Informationen bezüglich mehr Beihilfe vom Finanzamt kommen aus Deutschland!

 

Hier die richtigen Fakten

Yeni Vatan Gazetesi-Neue Heimat Zeitung

Wien.Die am Montag den 28.11.2016 über Österreicher Finanzämter eingebrochen Sturmflut an E-Mails, ist von Deutschland von einer Facebook-Seite aus verursacht worden, die auch in Österreich über Facebookteilungen bekannt geworden sind.

 

Die Fakten:

-Zum ersten Mal wurden diese Falschinformationen über das Österreichisches Finanzamt von Deutschland von einer Seite “ Kölner Gurbetciler“, die eine Verfolgerzahl  von 107.00 hat, am 25. November 2016 um 19:34 Uhr veröffentlich und 694 mal auf  Facebook geteilt.

https://www.facebook.com/gurbetcisayfasi/posts/10154859224137873

-Diese Facebook-Seite  wurde 2012 gegründet und man muss hier genau verfolgen wer hinter dieser Seite steckt. Diese Falschinformationen sind noch online.

Die Generalsekretärin der türkischen Kulturgemeinde in Österreich Melissa Günes, hat dazu folgendes gesagt: „Man will in Österreich, mit aus der Türkei stammenden Menschen, durch falsche Informationen mit den Behörden und der Gesellschaft Spannungen verursache, Vorurteile schüren und betonieren. Wenn wir diese Teilung aus dem türkischen Übersetzen, sehen wir hier fast eine Hetzkampagne, die die Türken in Österreich durch Falschmeldungen gegen das Messer laufen lassen. Deswegen bitte wir hier alle betroffenen nicht in die Falle zu tappen. Diejenigen die in Österreich so etwas geteilt haben sollten diese Teilungen löschen und sich für die Verbreitung falscher Informationen entschuldigen und dergleichen in Zukunft  vermeiden. Die türkische Kulturgemeinde (TKG) wird sich bemühen mit dieser Seite (Kölner Gurbetciler) in Kontakt zu treten um diese Seite zu löschen und ruft die Betroffenen dazu auf folgende Informationen, die dankenswerterweise von dem Finanzamt sofort in deutscher und in türkische Sprache vermittelt wurden, zu betrachten“

 

Finanzamt korrigiert wie folgt

Information zu Falschmeldungen zur Familienbeihilfe

Leider wurden über das Wochenende mehrfach Falschmeldungen bezüglich einer etwaigen Neuberechnung der Familienbeihilfe verbreitet.

Die Höhe der Familienbeihilfe steht in keinem Zusammenhang mit dem Einkommen der Eltern. Hier finden Sie einen Familienbeihilfenrechner des zuständigen Bundesministeriums für Familien und Jugend (http://www.bmfj.gv.at/), der Ihnen Auskunft über die zustehende Familienbeihilfe gibt: http://familienbeihilfenrechner.bmfj.gv.at/

Das Arbeitsmarktservice (http://www.ams.at/) stellt unter folgendem Link www.ams.at/service-arbeitsuchende_nachberechnung eine Information über eine Nachberechnung des Arbeitslosengeldes zur Verfügung. Dies hat keinen Einfluss auf die Familienbeihilfe, daher besteht keine Möglichkeit auf eine „Neuaufrollung“ der Familienbeihilfe. (yenivatan.at)

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21 09 2016
By: Redaktion 2 0

TKG verurteilt den barbarischen Anschlag in Türkei-Gaziantep

So kann es nicht weiter gehen. Eine Abkehr von dieser negativen Spirale aller Parteien durch die Antwort „Frieden in allen Bereichen“ ist in der Türkei notwendiger denn je.

Wien (OTS) – Die Türkische Kulturgemeinde Österreich (TKG) ist in diesen Stunden mit den Gedanken bei den Angehörigen der Todesopfer und den Hunderten Verletzten, die bei der jüngsten Anschlagsserie in der Stadt Gaziantep in der Türkei durch einen barbarischen Terroranschlag ums Leben gekommen sind.

 

IS Sümpfe durch vorsätzliche Unterstützung 

Die dafür Verantwortlichen sind höchstwahrscheinlich jene, die auch von den türkischen Behörden als IS-Terroristen verifiziert wurden, die in der Türkei seit dem Syrien-Krieg ihre Sümpfe besonders in der Stadt Gaziantep und Umgebung aufgebaut haben und vorsätzlich leider unterstützt wurden.

 

IS: Erorberung Konstantiniyye

Faktum ist, dass es von unterschiedlichen Seiten Interesse gibt, die Türkei ins Chaos zu stürzen. Die Oppositionsparteien haben auch heute viele Informationen geteilt, dass in der Stadt Gaziantep eine Hochburg des IS entstanden ist und sogar viele Bezirke unter der Kontrolle vom sog. Islamischen Staat (IS) sind. Das kann nicht so weiter gehen, weil hier dieses Gebiet ein Knotenpunkt für Europa und auch für Österreich, gerade als Hinterland, geworden ist. Und das letzte Ziel des IS ist, ein Kalifat mit Hauptstadt Istanbul zu gründen. Dafür bringt der IS seit drei Jahren eine Zeitschrift in türkischer Sprache mit dem Titel „Erorberung Konstantiniyye“ (Kontsantiyye´nin Fethi) heraus. Wenn im IS eine Abspaltung mit einer türkischen IS-Gruppe zu Stande kommt, dann kommen die echten Probleme in die Türkei und nach Europa. Wir warnen.

 

Selbsternannte Deradikalisierungsspezialisten 

In Österreich und in Europa versucht der IS fleißig weiterhin, besonders sunnitische und alevitische Familien und Kinder, die ziemlich labil sind, durch salafistisch-wahabitische Konfessionen des Islam zu gewinnen, wo besonders in Österreich die deradikalisierenten Stellen sehr schwach sind, weil sie durch die politische Freunderlwirtschaft von Aktivisten und „selbst ernannten Beratern“ oder als „Feuerlöscher auftretende Brandstifter“, die aus diesem Geschäft per se Geld verdienen, auch nicht leistungsorientiert arbeiten, sondern sich selbst profilieren. Viele sunnitische und alevitische Familien in Österreich und besonders in Wien haben sich bei der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich darüber beschwert, dass ihre Kinder verloren gegangen sind.

Ziel: Türkei afghanisieren, irakisieren bzw. syrisieren

Nicht nur in Gaziantep, sondern in mehreren Städten in der Türkei sind IS-Hochburgen durch salafistisch-wahabitische IS-Strömungen vorhanden, die einfach bereit sind, in einem Bürgerkrieg in der Türkei genauso terroristische Aktivitäten auszuüben wie im Irak und Syrien. Kurz: Man will die Türkei syrisieren bzw. irakisieren, wie man es bereits bei den Städten Afghanistan und Pakistan gemacht hat.

 

Türken und Kurden sind Brüder seit 1000 Jahren

Weder die Türken sind Feinde der Kurden, noch die Kurden Feinde der Türken und das schon seit 1000 Jahren. Das will man die ganze Zeit propagieren, wobei man nur durch Brüderlichkeit und eine friedliche Politik ohne Hetze etwas dagegen machen kann.

Alle Parteien in der Türkei müssen jetzt gegen diese Hetze, die als Ziel hat, Türken gegen Kurden und Kurden gegen Türken aufzuhetzen und damit einen Bürgerkrieg zu verursachen, durch Frieden eine Antwort geben.

 

Säkulare Verfassung in der Türkei mit Demokratie stärken 

Die Türkische Kulturgemeinde Österreich wünscht allen politischen Verantwortlichen den Weitblick und die Erkenntnis, dass die Saat des Hasses und des Konfliktes in der Ungerechtigkeit liegt.

Das Resultat von blindem Fundamentalismus durch einen politisierten Islam und die Instrumentalisierung der Religion durch die Politik wird noch mehr Tote produzieren. Das Ziel sollte sein, die säkulare Verfassung der Türkei mit noch mehr demokratischen Gesetzen und die sterile Gewaltenteilung zu stärken, und als Beamte sollten nicht mehr Sektenbrüder, egal aus welcher islamischen Rechtsschule sie stammen, eingesetzt werden, sondern sie sollten den Verdienst (Liyakat) leisten und dafür die notwendige Bildung und Erfahrung haben.

Wir wünschen den Verletzen eine baldige Genesung und den Hinterbliebenen der Opfer viel Kraft in diesen schweren Stunden.

 

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160822_OTS0100/tkg-verurteilt-den-barbarischen-anschlag-in-tuerkei-gaziantep?utm_source=2016-08-22&utm_medium=email&utm_content=html&utm_campaign=mailaboeinzel

Dr. Melissa Günes
Generalsekretärin
Türkische KULTURgemeinde in Österreich

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17 09 2016
By: Redaktion 2 0

Leitartikel aus Deutsche Levante Zeitung, 1.7.1912

Wir sitzen im Allerheiligsten des großen Hamburger Importhauses, von dem hinüber zur Levante und herüber tausend Fäden spinnen. Der Chef, ein typischer Inselgrieche, klug, agil, mit allen Wassern des Orients und Okzidents gewaschen, gestikuliert überlebhaft und brennt sich alle Augenblicke einen frischen Papyros an. Natürlich dreht sich unser Gespräch ums „Geschäft“.

 

„Glauben Sie, daß der deutsche Kaufmann eine Zukunft hat in Ihrer Heimat?“ frage ich den vielgewandten Mann, der alle Kniffe und Pfiffe im orientalischen Handel kennt wie seinen Kassenschrank.

„Zweifellos, wenn er endlich lernen wird, die Leute da unten zu nehmen, wie sie genommen sein wollen. Wissen Sie aber, wie der Levantiner Ihre Landsleute nennt? Geizhälse! Sie lächeln ungläubig. Aber beobachten Sie mal in den Speise- und Kaffeehäusern Smyrnas oder Beiruts die verächtlichen Mienen der Türken, Griechen, Armenier, wenn der deutsche „Geschäftsfreund“ seelenruhig bloß die eigene Zeche bezahlt, anstatt den andern freizuhalten. Da liegt der Hase im Pfeffer!

Der deutsche Reisende glaubt, es genüge die Güte und Billigkeit seiner Waren darzutun, und spielt dann, im persönlichen Verkehr, den Zurückhaltenden. Meine Landsleute wollen aber, naiv wie sie in solchen Dingen sind, in Liebenswürdigkeiten eingewickelt, verwöhnt, regelrecht poussiert werden, wenn man sie als Kunden gewinnen will. Dann wird man aber auch Sachen an sie los, die lange nicht so gut und wohlfeil sind wie Ihre deutschen. Nehmen Sie dagegen z.B. den englischen oder französischen Importeur. Der geht in die Familie seines Kunden, tut da, als wäre er bei lieben Freunden, überschüttet die Leute mit Aufmerksamkeiten, und eins, zwei, drei hat er seinen Auftrag in der Tasche. Er disponiert eben mit dem Geld geschickter als der Deutsche. Allerdings muß man auch berücksichtigen, daß diese Nationen schon viel länger in der Levante arbeiten als Ihr.

Der Türke ist streng konservativ und bestellt mit zähem Eigensinn immer wieder bei solchen Firmen, die er von klein auf kennt; er sagt sich: warum soll ich mit andern Fabrikaten Experimente machen? Ich bleibe am besten bei der Firma, mit deren Ware ich zufrieden bin. Es ist riesig schwierig, solchen Hinterwäldlern einzubleuen, daß die Zeit vorwärts schreitet, und daß es töricht ist, die Konkurrenz nicht zu beachten.“

 

Aus dem Archiv der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN833045369_1912

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13 09 2016
By: Redaktion 2 0

100 Jahre Dadaismus, Istanbul grüßt Wien

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich freut sich, in Räumen der Mekan68 mit „MIRROR OR RIM“ erstmals in Wien eine Einzelausstellung der namhaften türkischen Künstlerin Lale Tara auch mit einladen zur dürfen.

Eröffnung: Mittwoch, 14 September um 19:00 Uhr

Öffnungszeiten:  Fr, Sa jeweils von 15:00 bis 18:30

Kurator: Engin Özendes (ESFIAP)

 

Mekan68 freut sich, in seinen Räumen mit „MIRROR OR RIM“ erstmals in Wien eine Einzelausstellung der namhaften türkischen Künstlerin Lale Tara zeigen zu können. Die Ausstellung wird am 14. September 2016 um 19 Uhr eröffnet.

Lale Tara ist bekannt für ihre surrealen, atmosphärisch dichten und häufig provokanten fotografischen Arbeiten. Indem ihre erzählerische Fotografie alternative Realitäten konstruiert und die Thematik verschwommener Dualitäten erkundet, bringt sie Tendenzen hervor, die den herrschenden Kulturkanons zuwiderlaufen. Damit überschreitet sie bewusst die Grenzen zwischen verschiedenen künstlerischen Medien, zwischen Historischem und Zeitgenössischem, zwischen den Kulturen wie auch zwischen dem Selbst und dem Anderen.

Während in letzter Zeit auf den Bildern von Lale Tara immer eine lebensgroße Puppe als ihre Doppelgängerin zu sehen war, erscheint sie in ihrer neuen Bildreihe „MIRROR OR RIM“ selbst in den Szenen, gleichzeitig aber auch (hinter der Kamera) an deren Peripherie: im Spiegel und im Rahmen. Diese Arbeiten befassen sich mit der Absurdität von Zeit und Raum und spiegeln die rätselhafte Irrationalität der Welt mit feinem visuellem Witz wieder. In ihnen lebt wahrlich der Geist von DADA wieder auf. So hat Lale Tara denn auch drei Arbeiten dieser Serie drei DADA-Künstlerinnen gewidmet.

Besonders faszinierend ist das Bild von ihr selbst als Lampe, in dem sie beleuchtet und beleuchtet wird, sowohl Lichtquelle als auch Lichtempfängerin ist, das A und O der Kunst des Schattenfangens. Gewidmet ist das Werk Emmy Hennings.

Das Bild des Hochzeitspaares mit seinem Spiegel und dem Schoßhund in ein pfiffiger Verweis auf Jan van Eyck. Damit weist es sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft, erregt humorvoll Aufmerksamkeit und macht neugierig darauf, seine Details näher zu erkunden.

Tara hat den zeitgenössischen türkischen Künstler Ali Elmacı eingeladen, bei einem der Bilder mit ihr zusammenzuarbeiten. Dabei steht sie Elmacı für eine Zeichnung Modell, während sie selbst die Szene mit ihrer Kamera einfängt. Diese Arbeit ist Elsa von Freytag-Loringhoven gewidmet.

Der eingerahmte 50-SFr.-Geldschein ist dem Gedenken an Sophie Taeuber-Arp gewidmet.

Mit seinem Anliegen des humorvoll Absurden und der trotzigen Weigerung, verstanden zu werden, ist  „MIRROR OR RIM“ eine hundertjährige Hommage an DADA.

 

***

 

Über die Künstlerin

Lale Tara (geb. 1957) lebt und arbeitet in Istanbul, Türkei. Sie ist bekannt für ihre surrealen, atmosphärisch dichten und häufig provokanten Fotos mit einer lebensgroßen Puppe als ihrer Doppelgängerin, die an entfremdeten und verlassenen Orten in Szene gesetzt werden.

Hinter jedem Projekt steht eine einem Film vergleichbare Produktion, bei der Tara als Autorin, Produzentin und Fotografin mit einem erfahrenen Team von Mitarbeitern eine Aufnahme an einem Schauplatz oder im Studio inszeniert, um aus einer Fotografie ein Ereignis zu machen.

Tara hat an zahlreichen Ausstellungen im Nahen Osten, in Asien und Europa teilgenommen, darunter Gruppen- und Einzelausstellungen im Istanbuler Museum für Moderne Kunst (Türkei). Ihre Werke finden sich im Privatmuseum Salsali (Dubai, VAE), der Samawi-Sammlung (Dubai, VAE), dem Istanbuler Museum für Moderne Kunst (Türkei) und der Sevil-Sabancı-Sammlung (Türkei).

 

 

Vernissage: Mittwoch, 14 September 19:00

 

mekan68
Neustiftgasse 68/1

1070, Wien

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12 09 2016
By: Redaktion 2 0

Die Schallaburg sucht Interessentinnen/Interessenten für die Vermittlerausbildung zur Ausstellung „Islam“

Für die Ausstellung „Islam“ (18. März bis 5. November 2017) erweitert das Ausstellungszentrum Schallaburg das Team der Kulturvermittlung.

 

Dieses nimmt auf der Schallaburg eine wesentliche Rolle ein. Als Brücke zwischen Ausstellung und Besucherinnen und Besuchern schafft die Vermittlung persönliche Zugänge und greift Fragen auf, die sich im eigenen Umfeld ergeben. Die Schallaburg versteht sich als Ausstellungshaus und als Begegnungsraum aktueller Themenstellungen, die Menschen bewegen.

Die mehrteilige Ausbildung startet im Oktober 2016 und wird mit der Fortbildung bestehender Vermittlerinnen und Vermittler verschränkt. Sie bereitet die Teilnehmenden didaktisch und inhaltlich auf ihre Aufgabe vor und soll sie dazu befähigen, die Vielfalt des Islam und seiner Bezüge zur österreichischen Vergangenheit und Gegenwart zu beleuchten, diese gemeinsam mit den Besucherinnen und Besucher zu deuten und zu befragen.

Gesucht sind Personen mit Sprachkenntnissen in Türkisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Arabisch oder Farsi, erforderlich ist ein der Tätigkeit entsprechendes, diskurssicheres Deutsch. Ausdrücklich möchten wir Menschen mit familiärer oder eigener Migrationserfahrung einladen, sich zu bewerben. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Beschäftigung in Österreich müssen gegeben sein.

An der Ausbildung Interessierte werden gebeten, sich an Wolfgang Schmutz, unter der E-Mail-Adresse vermittlung@schallaburg.at für Rückfragen bzw. mit Lebenslauf und Motivationsschreiben zu wenden. Bewerbungsschluss ist der 22. September 2016.

Die Hearings finden voraussichtlich Ende September/Anfang Oktober auf der Schallaburg statt. Am Montag, den 19. September 2016 wird um 20:00 Uhr ein Informationsabend in der Brunnenpassage (1160 Wien) veranstaltet, um über geplante Inhalte und die Rahmenbedingungen der Ausbildung sowie späteren Tätigkeit in der Kulturvermittlung zu informieren.

 

Kontakt:
vermittlung(at)schallaburg.at
www.schallaburg.at

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01 09 2016
By: Redaktion 2 0

EU-Türkei-Österreich-Fakten: Zeit für Zurückhaltung und Abrüstung der Wörter

„Die Causa Türkei ist für SPÖ und ÖVP eine Chance, sich zu profilieren. Das Thema besetzen und dominieren, lautet die Devise für Kern und Kurz. Und zwar bevor es die FPÖ tut.“ schreibt die Süddeutsche Zeitung.“

 

Die Abwärtsspirale der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit dreht sich mit zunehmender Schnelligkeit und sorgt bei den Betroffenen für eine regelrechten Erfolgsrausch! Meine Gedanken sind bei denen, die sich nicht in diesem Rausch befinden!“, schreibt die SPD-Abgeordnete a.D. Lale Akgün. Die TKG hat nachrecherchiert: Die seit 1996 intakte Zollunion der EU (500 Millionen Einwohner) mit der Türkei (80 Millionen) bringt der Europäischen Union mehr Vorteile als der Türkei, sagen die Fakten. Braucht die EU wirtschaftlich die Türkei also nicht eher als die Türkei die EU? Wer sitzt wirklich am längeren Ast?

Die Türkei ist für die EU nicht nur sicherheitsstrategisch und geopolitisch wichtig, sondern auch wegen des nicht ernst genommenen politisierten Islam-Sumpfes. Mit der Türkei sollte man aber hard aber doch im Gespräch bleiben weil der EU Beitrittsprozess der Türkei der beste Hebel die verschiedene unangenehme Prozesse in der Türkei beeinflussen zu können.

Weil das Epizentrum dieses Sumpfes gerade die Türkei, Saudi Arabien, Katar und seine Nachbarn geworden sind. Die EU (und der Balkan) waren bis jetzt das Hinterland dieser Sümpfe, die sich bis in die modernen Städte hinein erstrecken. Man sollte schleunigst diese Sümpfe trockenlegen, statt auf zahnlose wirtschaftliche Druckmittel zu setzen. Die Türkei spielt eine sehr wichtige Rolle für die EU, umgekehrt ist es genauso. Griechisch-Zypern blockiert schon länger weitere Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Ein weiteres Veto aus Österreich durch Außenminister Kurz bzw. Bundeskanzler Kern ist daher unnötig. Ein außenpolitischer Fehler.

These: Die Europäische Union braucht die Türkei mehr als die Türkei die EU. Die Türkei aber braucht Europa als Partner, besonders was die Wertegemeinschaft angeht.

 

Rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien

Bundeskanzler Kern: Die Türkei ist von uns weitgehend abhängig“

Das Statement des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Christian Kern gegenüber der Zeitung „Die Presse“ sollte man genau bezüglich Zollunion EU-Türkei unter die Lupe nehmen: Würde man nun die Tür für die Türken öffnen und ihnen die vier Grundfreiheiten der EU (freier Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr) einräumen, dann würde das zu massiven wirtschaftlichen Verwerfungen führen, die in Europa nicht mehr vertretbar sind. Die EU sollte vielmehr nach einem neuen machbaren Weg der wirtschaftlichen Heranführung der Türkei suchen. Ökonomisch sitzen wir am längeren Hebel. Die Türkei ist von uns weitgehend abhängig.“

Für die Türkische KULTURgemeinde geht es darum, dass die Türkei so viele EU-Wertestandards wie möglich umsetzt. Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit müssen in vollem Umfang Einzug halten! In der Türkei ist jedem klar, dass es der Europäischen Union gar nicht um einen vollen EU-Beitritt geht. Die EU und insbesondere Deutschland waren nicht ehrlich mit der Türkei, das zeigen die Probleme mit der bereits bestehenden Zollunion ab dem 1.1.1996.

 

Hintergrund

„Unnötiger kann Kerns Demarche tatsächlich nicht sein. Niemand in der EU glaubt, dass der Türkei-Beitritt in absehbarer Zeit erfolgen kann. Die Verhandlungen um eine Mitgliedschaft sind sowieso auf das Minimum zurückgefahren. Ein Plädoyer für einen Abbruch macht keinen Sinn, es befriedigt bloß jene nationale Öffentlichkeit, die seit eh und je die Türken nicht mag.Noch eins: An der Visa-Frage sollte das Flüchtlingsabkommen nicht scheitern. Dass die Visapflicht für die Türkei nicht schon längst abgeschafft ist, so wie für Mazedonien, Montenegro und Serbien – auch nicht gerade Westminster-Demokratien –, wird in Ankara seit Langem als feindseliger Akt der EU gesehen. Zu recht. Zudem würde eine von der EU geforderte Änderung der Definition von Terrorismus im türkischen Antiterrorgesetz – angesichts des ausgerufenen Ausnahmezustands – nichts an der Situation der verfolgten Journalisten oder Oppositionellen ändern. “ schreibt Profil (Georg Hoffmann-Ostenhof )

Laut der Standard vermutet der renommierter Politologe Peter Filzmaier innenpolitische Motive hinter dem außenpolitischen Schauspiel. „Es ist eine strategische Binsenweisheit, dass sich innere Einheit am besten gegen einen – unter Anführungszeichen – Außenfeind schaffen lässt,“ sagt er, „und so viele andere Themen, bei denen sich die Regierung einig ist, gibt es nicht.“ Die Türkei-Debatte sei „aufgelegt wie auf dem Silbertablett“, befindet Filzmaier, zumal sie für die Regierung weitgehend „risikolos“ sei. Schließt sich die EU, wo letztlich die relevanten Entscheidungen fallen, mehrheitlich der Haltung Österreichs an, könnten sich Kern und Kurz eines Erfolges rühmen. Wenn nicht, so Filzmaier, lasse sich immer noch mit EU-Bashing Kapital schlagen. „Wenn Verhandlungen auf Eis liegen, muss man nicht auch noch die Kühlschranktür zuschlagen“, sagt Peter Filzmaier  der Kerns und Kurz‘ Vorstöße für umso bemerkenswerter hält, als sich Österreich immer noch neutral nennt: „Von jeder diplomatischen Akademie fliegt man für so etwas im ersten Semester raus.“

Filzmaier vermutet innenpolitische Motive hinter dem außenpolitischen Schauspiel. „Es ist eine strategische Binsenweisheit, dass sich innere Einheit am besten gegen einen – unter Anführungszeichen – Außenfeind schaffen lässt,“ sagt er, „und so viele andere Themen, bei denen sich die Regierung einig ist, gibt es nicht.“ Die Türkei-Debatte sei „aufgelegt wie auf dem Silbertablett“, befindet Filzmaier, zumal sie für die Regierung weitgehend „risikolos“ sei. Schließt sich die EU, wo letztlich die relevanten Entscheidungen fallen, mehrheitlich der Haltung Österreichs an, könnten sich Kern und Kurz eines Erfolges rühmen. Wenn nicht, so Filzmaier, lasse sich immer noch mit EU-Bashing Kapital schlagen. – derstandard.at/2000042612107/Wie-der-Streit-mit-der-Tuerkei-der-Regierung-nuetzt

 

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „BK Kerns Aussagen lösten in der türkischen Regierung so viel Heiterkeit aus wie ein Zigarettenstummel in einer Melange. Nun kürte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Wien zur „Hauptstadt des radikalen Rassismus“. Sein österreichischer Amtskollege Sebastian Kurz bestellte den türkischen Botschafter ein, dann legte er nach. Am Freitagabend erklärte er den Flüchtlingsdeal sinngemäß für gescheitert. Die EU müsse die Außengrenzen selbst schützen, um nicht mehr erpressbar zu sein, sagte Kurz im ORF. Die Art und Weise, wie Wien die Eskalationsspirale dreht, gefällt Berlin ganz und gar nicht. Denn Deutschland will seinerseits weder das mühsam ausgehandelte Flüchtlingsabkommen kündigen, noch im Vorbeigehen die Beitrittsverhandlungen kippen. Wenn, dann muss das Ankara schon selbst machen.“

„Dass sich Wien nun so ins Zeug legt, hat augenscheinlich auch sehr austriakische Gründe. Hier kommt die FPÖ als Faktor hinzu. Die islamfeindliche Partei ist für die regierende Koalition aus Kerns SPÖ und Kurzens ÖVP ein ziemlich großes Problem. In Umfragen rangiert die FPÖ mit deutlichem Abstand vor den Volksparteien. Kanzler Kern hat sich klar von der rechtspopulistischen Partei abgegrenzt, aber manche in seiner SPÖ liebäugeln mit der FPÖ. Die wiederum umwirbt relativ offen Kurz und sein ÖVP-Umfeld. Der Minister ist im Volk beliebt, aber seine Partei darbt in Umfragen trotzdem. Seit mehreren Legislaturperioden blockieren sich SPÖ und ÖVP gegenseitig bei Reformprojekten, man gönnt einander keine Erfolge. In der Ausländerpolitik treibt die FPÖ die Regierung vor sich her, daran ändern auch weitere Asylrestriktionen nichts. Die Causa Türkei ist für SPÖ und ÖVP eine Chance, sich zu profilieren. Das Thema besetzen und dominieren, lautet die Devise für Kern und Kurz. Und zwar bevor es die FPÖ tut. Kurz hatte am 3. August im Interview mit Spiegel Online den Flüchtlingsdeal zwar kritisiert, aber noch nicht abgeschrieben. Er sprach von Plan A und Plan B. Am 4. August erklärte Kern im ORF die Beitrittsgespräche mit Ankara für gescheitert. Am 5. August erklärte der alerte Außenminister das Flüchtlingsabkommen für erledigt. Von einem Sozialdemokraten will sich der Christsoziale eben nicht rechts überholen lassen.Dabei gibt es noch eine andere

Komponente, die bemerkenswert ist. Denn Kanzler und Außenminister vertreten ähnliche Dinge, aber sie wirken nicht wie ein zusammenarbeitendes Duo wie etwa Merkel und Steinmeier. Die Wiener Wortwahl wird auch deshalb drastischer, weil der SPÖ-Kern und der ÖVP-Kurz sich gegenseitig die Butter vom Brot nehmen wollen, anstatt sich die Jause aufzuteilen. Es ist das alte Dilemma der SPÖ-ÖVP-Koalition.“ ( Süddeutsche Zeitung)

 

Wo bleibt die Demokratie? Wo bleibt der Rechtsstaat?

Die Türkei und die AKP-Regierung haben massive demokratiepolitische und rechtsstaatliche Defizite, die für die EU keinesfalls zu akzeptieren sind. Auf diesem Gebiet ganz besonders, wie der österreichische Bundeskanzler Kern, Außenminister Sebastian Kurz und der Grüne-Abgeordnete Peter Pilz unterstrichen haben. Österreich zeigt sich als türkischer Partner schockiert über Rückschritte bei der Achtung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit, bei der Gewaltentrennung und insbesondere bei der Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Unabhängigkeit der Justiz.

Aber vorweg sagen wir ganz klar: Die Todesstrafe wird in der Türkei nicht kommen, weil das Verbot in der Verfassung dreifach abgesichert ist! Die türkische Innenpolitik droht überzukochen, aber am Ende wurde in der Türkei bekanntlich nie so heiß gegessen wie gekocht.

Es ist auch von den EU-Staaten ziemlich zynisch, ständig die Todesstrafe für den Abbruch der Beitrittsverhandlungen vorzuschieben. In der Türkei werden seit vielen Jahren die Menschenrechte missachtet und Journalisten verfolgt. Hätte man dann nicht schon längst alle Verhandlungen abbrechen müssen?

Die Türkische KULTURgemeinde fordert hohe Standards im Bereich der Menschenrechte, Rechtssicherheit und Pressefreiheit, denn alles andere stärkt nur die radikalen Kräfte in der Türkei!

 

Traum: Ein türkischer Rechtsstaat ohne islamistische Sekten

Ohne Wenn und Aber fordert die TKG einen säkularen, von religiös-islamistischen Sekten befreiten türkischen Rechtsstaat. Zuallererst gilt es, die Gewaltentrennung umzusetzen! Es kann nicht sein, dass die AKP-Regierung und Präsident Erdoğan von der EU Solidarität gegenüber einer islamistischen Sekte, die sich ungeniert FETO (Fethullahistische Terrororganisation) abkürzt, erwarten. Es handelt sich hier um jenen Prediger Fethullah Gülen, dem Tayyip Erdoğan jetzt auf den Fersen ist. Nicht zu vergessen: Fethullah Gülen war Erdoğans engster Verbündeter. Spätestens hier wird die Geschichte unglaubwürdig! Auf der anderen Seite ist die AKP-Alleinregierung gerade dabei, jenen Platz einnehmen, den bisher ihnen nahestehende, noch schlimmere fundamentalistische und klerikal-faschistischen Sekten, die seit Jahren gegen die säkular-demokratische Verfassung der Türkei kämpfen und sie vernichten oder verwässern wollen, einnehmen. Indem Präsident Erdoğan jetzt gegen diese Gruppierungen losschlägt, erhöht er seine Glaubwürdigkeit.

Die ehemalige SPD-Abgeordnete Lale Akgün denkt hier anders: „Eben habe ich mir die Liveübertragung der Großkundgebung „für Demokratie und Märtyrer“ in Istanbul angesehen. Die Show wurde nicht nur auf allen Fernsehkanälen übertragen, sondern auch auf Großwandleinwänden in allen 80 Provinzhauptstädten der Türkei , damit das Volk auch da zusammenkommen und jubeln konnte. Diese Veranstaltung diente dazu, alle auf die neue Türkei mit Erdogan als den Führer einzuschwören. Das ist gut gelungen. Erdogan und seine Equipe kennen keine Parteien mehr, sondern nur noch das Volk. Und dieses Volk ist heute ganz schön umschmeichelt worden. Und seine Einheit. Und sein Wille. Zum Beispiel die Todesstrafe. Wenn das Volk es will, dann wird es sie geben, sagt der Führer. Und die Feinde. Die müssen auch benannt werden, damit das Volk zusammenstehen kann, gegen die Feinde. Kurzum: die AKP hat alle Schleusen Richtung Islamo-Nationalismus geöffnet. Die Ideologie „Türk-Islam-sentezi“ , „die türkisch-islamische Synthese“, ist kaum noch zu bremsen oder gar aufzuhalten. Die Veranstaltung fand übrigens in Yenikapi statt, auf deutsch „Neues Tor“. Wenn das kein symbolträchtiger Name ist!“

Hier beginnen die Sicherheits-Probleme der EU und insbesondere der Republik Österreich. Denn genau diese anti-säkulare und anti-demokratische, orthodox-religiöse Partei und Sekten – durch westliche Unterstützung fleißig hinaufgehievt – benutzen seit Jahren Österreich und andere Staaten als politisches Hinterland.

Unter dem Vorwand falsch verstandener Solidarität, Religionsfreiheit und Demokratie oder was auch immer versinkt ein gutes Zusammenleben im Sumpf der Korruption. Statt wirtschaftlicher Sanktionen sollte man in Österreich diese – oft als Vereine getarnten – Parteien und Sekten genau unter die Lupe nehmen! Sie wollen einen Staat im Staat aufbauen und die österreichischen Regierungsparteien unterwandern. Sie wollen alle hart erworbenen demokratischen Werte einreißen. Auch die die anderen EU-Staaten sind von dieser Unterwanderung betroffen!

 

Privileg oder Schande? Die EU-Türkei-Zollunion ist schon lange da: seit 1.1.1996

Auf der anderen Seite dürfen wir als Türkische KULTURgemeinde in Erinnerung rufen, dass die Türkische Republik – zu Lasten seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen – mit der EU schon lange in einer Zollunion ist!

Außer der Landwirtschaft (soll ausgedehnt werden) und den Dienstleistungen (wird ausgedehnt), die stark reglementiert sind, soll die Zollunion weiter expandieren, der Gewinner ist die EU! Diese Zollunion mit der EU ist bereits seit 1.1.1996 in Kraft! Zwischen den EU-Staaten und der Türkei werden seit über 20 Jahren Waren, Dienstleistungen (begrenzt) und Kapital (unbegrenzt) gehandelt und transferiert. Die EU exportiert seit 1996 mehr Waren und Dienstleistungen in die Türkei als diese in die EU. Bis Ende 2015 betrug das Handelsbilanzdefizit für die Türkei über 50 Milliarden Euro, im Durchschnitt ca. 2,5 Milliarden Euro pro Jahr! Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei wird durch die Zollunion keineswegs positiv beeinflusst, wie von allen Seiten bisher stets behauptet wurde. Im Gegenteil profitiert vielmehr die EU davon.

 

Faktum: Einmalig für die EU: Null Mitspracherecht seit 1.1. 1996, damit ist die Türkei „Partner zweiter Klasse“

 

Denn die Türkei hat viele vertragliche Verpflichtungen auf sich genommen, aber in den politischen Entscheidungsgremien ist sie weder vertreten, noch irgendwie eingebunden. Ist sie ja nicht Mitglied der EU. Die Türkei hat durch strategische Fehlentscheidungen seit den Neunziger Jahren einen Großteil ihrer nationalen Souveränität nach Brüssel abgetreten, ohne in der Brüsseler EU-Zentrale irgendeinen Einfluss auf den multinationalen Entscheidungsprozess zu haben!

1996 ist die Türkei der inoffizielle „Partner zweiter Klasse“ Europas geworden, der – man mag es bedauern oder nicht – nie Vollmitglied sein wird, allen Diskussionen zum Trotz! Warum sollten sich auch die 28 EU-Vollmitglieder ein handelstechnisch bereits vollkommen abhängiges Land als Vollmitglied wünschen? Mit der Zollunion hat die EU die Türkei ohnedies bereits an der Kandare. Genau deswegen sagt Bundeskanzler Kern im Interview der „Presse“ : Ökonomisch sitzen wir am längeren Hebel. Die Türkei ist von uns weitgehend abhängig.“  Stimmt das?

Zum Beispiel durften aufgrund ihrer nationalen Interessen Spanien, Portugal und Griechenland erst nach Jahren ihrer Vollmitgliedschaft die Zollunion sukzessive verwirklichen. Aber bei der Türkei sollte es nicht nur umgekehrt sein, sie agierte zudem dramatisch falsch. Ja, in gewisser Weise wurde die Türkei sogar Opfer ihres eigenen verhandlungsstrategisch durchaus klugen Stufenplans. Man wollte auf gut Wienerisch „von der Maschekseite“, also durch die Hintertür, in die EU kommen. Dass auf halber Strecke der Pilot aussteigt und beide Fallschirme mitnimmt, war nicht geplant. Auch die jüngeren 14 Mitglieder aus Osteuropa, wie etwa Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Tschechien und die Slowakei, haben nie über „erst Zollunion, dann Vollmitgliedschaft“ verhandelt, keiner hat es auch nur angesprochen, keiner hätte es akzeptiert. Man wurde Vollmitglied und ist parallel dazu gleichzeitig in die Zollunion als gleichberechtigter Partner auf Kommissionsebene und Parlamentsebene eingestiegen. So war das immer, außer bei der Türkei! Auch der jüngste Kandidat, Kroatien, wurde nicht sofort in die Zollunion aufgenommen.

Nun hat die Türkei zwar mit 1.1.1996 als Mitglied der EU-Zollunion sozusagen die höheren Weihen erreicht, aber nicht bedacht, dass es kein politisches Mitspracherecht in Brüssel bezüglich seiner eigenen Zölle mit Drittländern hat. Das bedeutet, in Brüssel entscheiden gerade 28 Vollmitglieder der EU mit den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Repräsentanten und Interessenvertretern auf allen Ebenen über die Zukunft der Europäischen Union, wobei jedes Mitgliedsinteresse berücksichtigt wird. Nicht aber jenes der Türkei. Denn die hat kein Mitspracherecht.

 

Brüsseler Doppelmoral

Wenn Politiker jetzt über die Türkei und ihre Vollmitgliedschaft in der EU reden, ist das nach diesem Putschversuch nicht seriös und rein populistisch. Und davor war es reines Geflunker! Die Vollmitgliedschaft der Türkei steht seit Langem nicht mehr zur Debatte. Nur für die rechtsradikalen Parteien, die dieses Thema ständig aufkochen. Für sie wird die dünne Suppe zur reinen Kraftnahrung! Und wie wir gesehen haben, ziehen nun alle anderen österreichischen Parteien mit. Man sieht: in Österreich ist neuerlich Wahlkampf. Es gilt, die Fähnchen nach dem Wind zu richten! Seit 14 Jahren sehen wir zwischen der EU und der Regierung der Türkei eine gegenseitige Doppelmoral, die den Interessen der EU, wenn man die Rahmenbedingungen genauer analysiert, mehr schadet als der Türkei.

Man musste bald erkennen, dass die Zollunion der EU mit der Türkei kein ausgewogener Handelsvertrag war, sondern ein einseitiges, undemokratisches und rechtswidriges Unionsdiktat. Ohne ihn könnte Brüssel nicht über die türkischen Außengrenzen entscheiden. Eine Mitgliedschaft in der EFTA wäre zumindest sinnvoller als die Zollunion mit dem EU-Zollgebiet. Dann könnte dieser unwürdige Zustand der Türkei aus der Welt geschaffen werden. Da die Zollunion mit dem EU-Zollgebiet im türkischen Parlament nie auf demokratische Weise ratifiziert wurde, bräuchte man nur eine Erklärung der Regierung, damit man aus dieser Zollunion heraus in eine Handelsbeziehung ähnlich jener der EU mit der Schweiz treten kann. Es bleibt abzuwarten, wann die Erdogan-Türkei diesen Schritt macht.

 

Selam Selam Euroasien-Lebewohl, Amerika und Europa?

Für die Türkei wäre es der falsche Weg, zu versuchen, durch wirtschaftlichen Druck etwas von der EU zu erreichen, denn die Türkei sitzt nicht unbedingt am kürzeren Ast. Die EU ist nicht mehr die alte, starke EU, sondern bewegt sich hin zu einer Zwergerl-Gemeinschaft, die politisch und wirtschaftlich, wenn es so weiter geht, nicht mehr ernst genommen wird. In der Türkei herrscht sowieso kein großes Interesse an einer Vollmitgliedschaft, außer an der attraktiven Touristen-Visa-Liberalisierung. Die Türkei verabschiedet sich gerade schrittweise von der westlichen Welt und wendet sich langsam Russland, China, dem Iran, Syrien und anderen Ländern zu. Hier besonders der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und BRICS. Die Amerika-Enttäuschung ist groß und mit Europa gibt es nur Probleme. Das ist der Status quo. Warum sollte die Türkei sich nicht aus der Zollunion lösen und eine EFTA-ähnliche Wirtschaftsbeziehung, wie sie die Schweiz mit der EU für sich speziell vereinbart hat, eingehen?

 

Österreich ist Weltspitze: Verlässlichkeit, Qualität, Innovation, Know-how

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich unterstützt die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Österreich und der Türkei, die sukzessiv in den letzten Jahren ein Handelsvolumen in der Höhe von ca. 2,85 Milliarden Euro erreicht haben (Jahr 2015). Die österreichischen Unternehmen exportieren Waren und Dienstleistungen in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro und schaffen in Österreich damit ca. 8.000 Arbeitsplätze. Österreich exportiert mehrheitlich Produkte wie Arbeitsmaschinen, Eisen und Stahl, Kunststoffe, elektrische Maschinen, Apparate und Geräte, worauf im übrigen der Putsch vom Juli 2016 bisher keinen messbaren Einfluss hatte. Wiedereinmal zeigt sich, dass solide Handelsbeziehungen nachhaltiger sind, als politische Kleinkrämerei.

Im Zeitraum 2002 bis Juni 2015 wurden insgesamt 9,34 Mrd. US-Dollar aus Österreich in der Türkei investiert, womit wir im kumulierten Zeitraum hinter den Niederlanden auf Platz 2 liegen. Österreich ist in den letzten Jahren bezüglich Inventionen in der Türkei allerdings mit ca. 40 Millionen ziemlich zurückgegangen.

Die Türkische KULTURgemeinde anerkennt die Leistung der österreichischen Wirtschaft, denn die österreichischen Unternehmen gehören am globalen Parkett puncto Qualität, Innovationskraft, Know-how und Verlässlichkeit zur Weltspitze.

 

Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht.

Dabei muss man unbedingt zwischen der Regierung mit 58% der Parlamentssitze und den türkischen Bürgern unterscheiden. Es ist zur Zeit vielleicht populistisch chic, die Türkei mit ihren Bürgern, der AKP-Regierung und Präsident Erdoğan in einen Topf zu werfen und pauschal anzugreifen. Fair ist es nicht.

 

TKG fordert: Zurückhaltung im Ton und Abrüstung der Wörter!

Österreich sollte sich daher verbal zurückhalten!

Die Türkei muss – ohne die Hilfe religiöser Sekten – auf den Boden der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückfinden!

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Obmann

Dipl.-Ing. Birol Kilic

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01 09 2016
By: Redaktion 2 0

Schulstart – Vielfalt an Österreichs Schulen nimmt weiter zu-Führende Sprachen: Türkisch und BKS

Die Vielfalt an Österreichs Schulen nimmt weiter zu. Mitte der 1980er Jahre hatten 3,2 Prozent aller SchülerInnen einen nicht-österreichischen Pass, 2014/15 waren es 11,9 Prozent

Auch der Anteil jener SchülerInnen, die eine andere Umgangssprache als Deutsch sprechen, nahm in den vergangenen Jahren zu und war im Schuljahr 2014/15 mit 22,2 Prozent deutlich höher als der AusländerInnen-Anteil.

Trotz der zunehmenden Vielfalt an Österreichs Schulen ging die Anzahl der TeilnehmerInnen am muttersprachlichen Unterricht leicht zurück: So besuchten 2013/14 33.920 SchülerInnen die unverbindliche Übung „Muttersprachlicher Unterricht“, ein Jahr später waren es 33.016.

 

Führende Sprachen: Türkisch und BKS

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einem detaillierten Blick auf die Umgangssprachen: So gaben nach Deutsch die meisten SchülerInnen Türkisch als ihre Umgangssprache an (60.714). Fasst man jedoch die Sprache Bosnisch, Kroatisch und Serbisch (BKS) zusammen, liegt BKS um 8.700 SchülerInnen vor Türkisch. Danach folgen SchülerInnen, die Albanisch (16.481), Rumänisch (12.778) und Arabisch (8.798) als ihre Umgangssprache angeben

 

Anlässlich des Schulstarts wirft die Medienservice-Stelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf diese Entwicklungen:

http://medienservicestelle.at/migration_bewegt/2016/09/01/schulstart-vielfalt-an-oesterreichs-schulen-nimmt-weiter-zu/ 

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