Monat: November 2016

21 11 2016
By: Redaktion 2 0

Buchpräsentation Orient & Okzident- Das neue Buch des „Neue Welt Verlag“

Der Neue Welt Verlag, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die „Türkische Kulturgemeinde in Österreich“(TKG) freuen sich JournalistenInnen und Interessierte begrüßen zu dürfen.

Das Buch Orient & Okzident-Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

EINLADUNG

Datum: 30.11.2016
Mittwoch 18:00 c.t.

Ort: Theatersaal der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Wien I., Sonnenfelsgasse 19

Anmeldung erbeten unter:
office@neueweltverlag.at
oder 0043-1-513 76 15-0

 

Es ist für unseren Neue Welt Verlag in Wien eine große Freude, mit 24 Top-Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen und freischaffenden Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche dieses Buch zu präsentieren.

 

Das Buch „Orient & Okzident – Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren“ ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber des Buches Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

Das Buch thematisiert eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, und verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die darin versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

 

Über die Entstehung der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hinweg führt das Buch durch einen historischen Diskurs, der sämtliche Stationen der Geschichte behandelt.

 

Neue Welt Verlag
Orient&Okzident 
Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten
Hardcover, 770 Seiten mit Bildern
ISBN 9783950306194
€ 49,90

 

PROGRAMM 

Begrüßung

Arnold Suppan

Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Worte des Verlegers
„Ein Traum wird Wirklichkeit“
Birol Kilic
Neue Welt Verlag / Geschäftsführer

 

Vorstellung des Buches
Barbara Haider-Wilson
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
& Maximilian Graf
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation und Diskussionsleitung
Otmar Lahodynsky
President, Association of European Journalists, profil

 

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.“
Prof. Dr. Arnold Suppan,
Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Mehr: http://www.neueweltverlag.at/index.php?id=1252

 

Rückfragen & Kontakt:

Neue Welt Verlag
Mag. Deniz Sel
d.sel@neueweltverlag.at
www.neueweltverlag.at

Read More
19 11 2016
By: Redaktion 2 0

Der Koran entlarvt den „Islamischen Staat“ als antiislamisch

 

Terror-Chef Al-Bagdadi hat Muslime aller Welt zu den Waffen gerufen. Nicht nur der gesunde Menschenverstand hält davon ab, ihm zu folgen, sondern auch islamische Ein Kommentar von Tahir Chaudhry

 

Der selbst ernannte Kalif des „Islamischen Staates“ hat Muslime aus aller Welt erneut  aufgefordert, seinen Terror-Feldzug zu unterstützen. „Es gibt keine Entschuldigung für Muslime, nicht dem Islamischen Staat beizutreten“, betonte der IS-Chef Al-Bagdadi nun in einer Audio-Botschaft. Die meisten Muslime werden diesen Appell natürlich weit von sich weisen. Aus gesundem Menschenverstand, aber auch, weil hier Terroristen das Label „Muslim“ missbrauchen – in völliger Verkennung der islamischen Frühgeschichte und der religiösen Prinzipien des Islam.

Islamisten ziehen sich aus 6.000 Versen sechs heraus, um ihre menschenverachtende Ideologie zu rechtfertigen. Sie behaupten zu wissen, was der „wahre“ Islam sei. Die westlichen Islamkritiker sind bereit, diese Interpretation der Extremisten zu akzeptieren, um ein Terrorpotenzial in seinen Quellen ausmachen zu können. Warum aber kommen sie nicht auf den Gedanken, dass nicht eine bestimmte Lesart des Koran zur Gewalt führen muss – sondern die Lust an der Gewalt zur entsprechenden Lesart?

Der Koran ist kein Nachschlagewerk, wie viele Menschen im Westen – und auch viele ungebildete Muslime – glauben. Es ist ein Buch, das als Gesamtwerk im historischen und textuellen Kontext verstanden werden muss.

 

Muslime müssen Verteidiger der Glaubensfreiheit sein

Der Islam ist deshalb längst keine pazifistische Religion. Es gibt Koranverse, die Gewalt rechtfertigen. Immerhin entstand der Islam in kriegerischen Zeiten, indem Muslime ständig fürchten mussten, ausgerottet zu werden. Für die Mekkaner des 7. Jahrhunderts galt die Botschaft des Propheten Mohammed als Blasphemie. Außerdem sahen sie ihr Geschäft und ihre Macht gefährdet. Sie verspotteten, verfolgten und töteten die frühen Muslime. Erst nach 13 Jahren, als die Muslime aus Mekka auswanderten und trotzdem weiter verfolgt wurden, verkündete der Prophet, dass es erlaubt sei, zu den Waffen zu greifen. Unmittelbar danach begrenzte er diese Erlaubnis zum Kampf: „Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige (auch du) dich ihm zu (und lass vom Kampf ab)!“ (8:61).

Im Koran heißt es explizit, dass nur diejenigen sich verteidigen dürfen, denen „Unrecht geschehen ist“ und die „unberechtigterweise aus ihren Wohnungen vertrieben worden sind, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Allah!“.  Im nächsten Vers wird erklärt, dass wenn Muslime sich weiterhin zurückhalten würden, „Klöster, Kirchen, Synagogen und (andere) Kultstätten zerstört würden, in denen der Name Allahs unablässig erwähnt wird.“ (22:40). Vor diesem Hintergrund ist die blinde Zerstörungswut des IS, die sich gegen die Heiligen Stätten aller Andersgläubigen und auch ihrer Glaubensbrüder richtet, Verrat an ihrer eigenen Religion.

 

Für den Krieg gibt es Regeln und Grenzen

Der erste Kalif des Islam, Abu Bakr, mit dessen Namen sich der Terror-Chef des IS nun schmückt, führte zwar tatsächlich mehrere Kriege. Vor dem ersten Marsch verbot er den Kämpfern jedoch, Menschen zu betrügen und auszubeuten. Er forderte: „Verstümmelt keine Leichen, tötet keine Kinder, keine alten Männer und keine Frauen!“ (at-Tabarī). Sie durften keine Bäume fällen, Tiere töten, Andersgläubige beim Gebet stören oder Kirchen und Tempel zerstören. Diese Regeln kennt die gesamte islamische Orthodoxie. Der IS-Terror kennt sie nicht.

Der Koran untersagt außerdem, dass Gefangene getötet werden – der IS köpft sie vor laufenden Kameras. Sklaverei wurde durch den Propheten Mohammed schrittweise abgeschafft. Mehrere Koranverse fordern eine Freilassung von Sklaven. Auch die beim IS beliebte Zwangskonvertierung widerspricht unzähligen Koranversen. So heißt es zum Beispiel: „Und wenn dein Herr wollte, würden die, die auf der Erde sind, alle zusammen gläubig werden. Willst nun du die Menschen (dazu) zwingen, dass sie glauben?“ (10:99).

 

Mohammed war kein machtbesessener Wüstenkrieger

Allerdings ist der Versuch radikaler Islamisten, den Propheten Mohammed als machtbesessenen Wüstenkrieger darzustellen, nicht bloß eine Erfindung der Islamkritiker. Radikale Denker entwickelten dieses Bild als Reaktion auf Fremdherrschaft und Kolonialismus. Es ist also nicht sinnvoll, die jüngste Geschichte des politischen Islam rückwirkend auf die gesamte Geschichte des Islam zu projizieren. Fanatiker gleich welchen Hintergrundes waren schon immer das Produkt von sozialen oder politischen Problemen.

Mohammed steht im Koran hingegen eher für seine unzähligen Akte der Gnade, Liebe und des Mitgefühls. Im Koran heißt es sogar: „Wir entsandten dich nur als eine Barmherzigkeit für alle Welten“ (21:107). Gemäß Eigendefinition ist der Koran eine „Rechtleitung für die Rechtschaffenen“ (2:2), die „Gereinigten“ (56:79) und nicht für Menschen gedacht, „in deren Herzen Verderbnis wohnt“ (3:7). 113 der 114 Suren des Koran beginnen mit den Worten „Im Namen Gottes des Gnädigen des Barmherzigen“.

Der IS fällt in vorislamische Muster zurück

Read More
09 11 2016
By: Redaktion 2 0

TKG: Gedenken an Novemberpogrome-„Türkischer Tempel“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10.November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkischer Tempel“ -Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge-in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

 

 In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später.“(1)

„Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im

Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia.(2)“

 


Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü

lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des

Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unter

nehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

 

Bibliographie

_________________________

1 -Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 -Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10-Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

12-https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/ (1)

13-(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906).  Dr. Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

Read More
08 11 2016
By: Redaktion 2 0

Ratten und Moskitos: Zur Gleichsetzung von Menschen mit Tieren in Texten, Bildern und Geschichte

Bemerkungen und Zitate zum Vergleich von Menschen mit Tieren, zur Frage, ob „Ratte“ als Bezeichnung von Menschen eine Beschimpfung sei, zur Technik der Dehumanisierung von als feindlich oder schädlich bezeichneten Menschengruppen durch deren Gleichsetzung mit Tiere.

 

„Ratten und Moskitos“

 

http://www.krone.at/oesterreich/geheimdienst-legende-sperrt-eure-grenzen-zu-entfuehrte-eichmann-story-538016

 

diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5114249/Der-EichmannJaeger-bei-Strache


http://www.wienerzeitung.at/meinungen/blogs/juedisch_leben/854789_Vereinnahmung.html


https://www.youtube.com/watch?v=DgDM5ox_SUk

 

 

Zur Gleichsetzung von Menschen mit Tieren in Texten, Bildern und Geschichte

 

Zur Verwendung von solchen Diffamierungstechniken, insbesondere auch der Gleichsetzung von bis hin zum millionenfachen Massenmord verfolgten Menschengruppen mit Tieren, insbesondere auch mit Ratten, durch nationalsozialistische Propaganda, sowie Erwägungen zum Ratten-Plakat der SVP in der Schweiz zur Abstimmung am 16. Mai 2004 und am 7.November  hat das FPÖ-Bildungsinstitut lud Montag Abend zu einem Podium zum Thema „Haben wir aus der Geschichte gelernt? Neuer Antisemitismus in Europa“ ins Grand Hotel in Wien wo man folgende Sätze über Moslem leider unter anderem auch verwendet hat: „Moskitos! „Moskitos mit Moslem“ „Versucht nicht, Tausende Moskitos zu erschlagen, legt den Sumpf trocken.“  als Experte in Wien zu vergleichen ist Menschenunwürdig und Entmenschlichung .

Der Vergleich von Menschen mit Tieren ist in vielen Kunstformen und Textgattungen gang und gäbe. So empfiehlt die Bibel beispielsweise, klug wie die Schlange und sanft wie die Taube zu sein, oder sie vergleicht reiche Menschen mit Kamelen (und die Himmelspforte mit einem Nadelöhr), um die Situation vermögender Menschen beim Übertritt ins ewige Leben gemäss christlicher Vorstellung bildlich auszudrücken. Fabeln im Stil von Äsop, Phädrus oder Lafontaine führen Tiere vor, welche wie Menschen sprechen und handeln. Diese Fabeln dienen der Veranschaulichung von moralischen und psychologischen Problemstellungen unter Menschen und sind nicht beleidigend, sondern lehrreich, allerdings nicht auf dem Gebiet der Zoologie, deren Erkenntnisse sie spielerisch ignorieren.

Herrscher oder Völker werden in Texten, Bildern und in der Heraldik mit Löwen, Adlern, Stieren, Bären oder Steinböcken verglichen und teilweise auch gleichgesetzt, oder auch mit Phantasietieren wie Drachen oder Doppelkopf-Adlern. Solche Vergleiche sind nicht beleidigend, sondern sie sollen Macht, Stärke, Tugend oder Tradition der Verglichenen anschaulich machen. Derartige bildliche Darstellungen oder Text-Metaphern werden von den mit ihnen Assoziierten mit Stolz betrachtet und oft selber in Auftrag gegeben.

 

In den verschiedenen Kulturen auf dem vielfältigen Planeten Erde gibt es demgegenüber auch zahlreiche Tiervergleiche und Gleichsetzungen von Menschen mit gewissen Tieren, welche als Beleidigungen wirken und meist auch bewusst als solche ausgesprochen werden. Diese beleidigende und beschimpfende Wirkung des Vergleichs und noch mehr der Gleichsetzung der angesprochenen Menschen mit solchen Tieren hat, wie bei der Fabel, ebenfalls wenig oder nichts mit zoologisch beobachtbaren Eigenschaften dieser Tiere zu tun, sondern mit kulturspezifischen Traditionen. Für Europa und die Schweiz von Belang sind in diesem Zusammenhang Traditionen, welche den Vergleich oder die Gleichsetzung von mit solchen Vergleichen oder Gleichsetzungen Angesprochenen mit gewissen Tieren als besonders beleidigend erweisen. Es handelt sich dabei um Tiere, welche in einer anthropozentrischen Aufteilung in sogenannte „Nützlinge“ oder „Schädlinge“ auf beiden Seiten dieser Skala figurieren können. Tiernamen, welche in unserer Kultur in diesem Sinn zur Beleidigung oder Beschimpfung von Menschen eingesetzt wurden und werden, sind beispielsweise Kuh, Kalb, Esel, Kamel, Ziege, Schaf, Schwein, Filzlaus, Zecke, Hund, Affe oder Ratte.

Im Zusammenhang mit dem Ratten-Plakat der SVP vom 9. Februar 2004 und des beschimpfenden Gebrauchs des Wortes Ratte als Bezeichnung für Menschen ist folgende Ausführung der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden klärend:

„Das Simplex Ratte bezogen auf den Menschen ist ausschließlich negativ besetzt und gilt als grobes Schimpfwort.“

(Zitat nach der Homepage der Gesellschaft für deutsche Sprache, Stand 20. Februar 2004).

 

Diese Formulierung weist darauf hin, dass einige Verbindungen oder Composita, also Wörter, von denen der Begriff Ratte nur einen Teil bildet, auch neutral oder gar positiv und nicht beleidigend verwendet werden können, z.B. „Ballettratte“, „Leseratte“ oder „Wasserratte“.

Die Verwendung von Tierbezeichnungen zur Bezeichnung von einzelnen Menschen oder auch von Menschengruppen kann neben dem Zweck von deren Beschimpfung auch weiter gehende Attacken gegen die Beschimpften begleiten oder auslösen. Insbesondere wenn einzelne Menschen oder Menschengruppen als Feinde mit einem Feindbild belegt werden, welches die Attackierten als schimpfliche Tiere und somit nicht mehr als Menschen, sondern als mit negativen Assoziationen verbundene Lebewesen ohne menschliche Würde und menschliche Rechte darstellt, können solche Beschimpfungen den Anfang einer Behandlung der Attackierten machen, welche diesen gegenüber die Gebote des Respekts vor der Menschenwürde, den Menschenrechten, dem Existenzrecht und schliesslich oft auch vor dem Leben und physischen Dasein der solcherart angefeindeten Menschen oder Menschengruppen ausser Kraft setzt. Dies wiederum kann zu entwürdigender und sadistischer Behandlung bis hin zu Folter oder Massenmord an den attackierten Menschen und Menschengruppen gehen, wie die Geschichte mehrfach zeigte.

 

Der amerikanische Literaturwissenschaftler und Philosoph Richard Rorty von der Universität Stanford, USA, schreibt zum Selbst- und Fremdenbild von Menschen, welche andere Menschen mittels Tiervergleich und der Gleichsetzung mit Tieren dehumanisieren und in der Folge oft auch unmenschlich behandeln, folgendes:

„Sie alle meinen, die Grenze zwischen Menschen und Tieren sei nicht einfach identisch mit der Grenze zwischen ungefiederten Zweifüssern und sonstigen Lebewesen. Vielmehr verlaufe diese Grenze zwischen einer Gruppe ungefiederter Zweifüsser und einer anderen Gruppe; denn es gebe Tiere, die in menschenähnlicher Gestalt herumlaufen.“

(Zitat aus Richard Rorty: Menschenrechte, Vernunft und Empfindsamkeit, in: Richard Rorty: Wahrheit und Fortschritt, Frankfurt a. M. 2003, S. 241-268, S.2 42)

 

Die Nationalsozialisten gehörten seit der Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen und praktischen Ziele dieser politischen Bewegung durch ihren Führer Adolf Hitler in dessen Buch „Mein Kampf“ zu jenen, welche ihre Feinde mit dehumanisierenden Feindbildern belegten und zu deren Vernichtung aufriefen, bis sie nach ihrer demokratischen Wahl in hohe Staatsstellen sowie anschliessender terrroristischer und diktatorischer Machtergreifung sowie organisatorischem Aufbau entsprechender Machtmittel schliesslich in der Lage waren, die mit solchen Feindbildern belegten Menschengruppen nicht mehr nur verbal, sondern auch physisch zu attackieren und millionenfach zu ermorden. Unter solche Feindbilder und demgemäss in die Vernichtungsmaschinerie der nationalsozialistischen Diktatur gerieten Juden, Roma, Sinti und Jenische, Afrikaner, Menschen slawischer Muttersprache, politisch Linksstehende, Geisteskranke, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, körperlich und geistig Behinderte, bekennende Christen und viele andere. Zu den Feindbildern, welche Hitler schon in seiner programmatischen Schrift „Mein Kampf“ verwendete, gehört die Gleichsetzung von Juden mit Ratten. Adolf Hitler schilderte Interessen- und Verteilungskämpfe, wie sie in allen Völkern vorkommen, mit ausschliesslichem Bezug auf die Juden in folgenden Worten:

„Aus dem einigen Volk wird im Handumdrehen eine sich blutig bekämpfende Rotte von Ratten.“

(Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1924 ff., S. 331).

Hitler setzte somit das jüdische Volk mit Ratten gleich.

 

Die Wege, welche Hitler zunächst als Putschist, dann als in einem demokratischen System agierender Populist, anschliessend als brutaler Diktator suchte und fand, um seinem Ziel näher zu kommen, nämlich der Vernichtung der von ihm gehassten Menschengruppen, sind in vielen geschichtswissenschaftlichen Abhandlungen nachzulesen.

Während allen Phasen der nationalsozialistischen Attacken auf diese Menschengruppen kam es immer wieder zu Vergleichen und Gleichsetzungen der Attackierten mit Tieren, so mit Ratten, mit Insekten, oft auch mit dem Sammelbegriff „Ungeziefer“ für als „Schädlinge“ eingestufte Lebewesen; ein grosser Teil der Attackierten wurden schliesslich auch mit chemischen Mitteln, welche ursprünglich gegen Insekten in Haushalten oder Gastronomiebetrieben entwickelt und eingesetzt wurden, umgebracht, so insbesondere mit dem Gift der Marke „Zyklon B“. Auch dazu existiert umfangreiche und genaue Literatur.

Nicht nur Adolf Hitler, sondern auch seine Mittäter bezeichneten die von ihnen angefeindeten Menschengruppen immer wieder entweder direkt als Tiere, wie Hitler das jüdische Volk als „Rotte von Ratten“, oder aber als „Untermenschen“ ohne Anspruch auf Menschenwürde und Menschenrechte, dafür mit tierähnlichen Eigenschaften.

 

So heisst es in der ersten Phase der nazistischen Judenverfolgung in einem Memorandum der Abteilung IV/2 des SS-Sicherheitsamts zuhanden seines Leiters Reinhard Heydrich vom 24. Mai 1934:

„Den Juden sind die Lebensmöglichkeiten – nicht nur wirtschaftlich genommen – einzuschränken. Deutschland muss ihnen ein Land ohne Zukunft sein, in der wohl die alte Generation in ihren Restpositionen sterben, nicht aber die junge leben kann, so dass der Anreiz zur Auswanderung dauernd wach bleibt. Abzulehnen sind die Mittel des Radau-Antisemitismus. Gegen Ratten kämpft man nicht mit dem Revolver, sondern mit Gift und Gas. Der aussenpolitische Schaden der Strassenmethoden steht in gar keinem Verhältnis zu dem örtlichen Erfolg.“

(Auszug aus dem Memorandum SD IV/2 an Heydrich, 24.5.1934; der ganze Text ist abgedruckt in: Die Judenpolitik des SD 1935-1938, Eine Dokumentation, herausgegeben von Michael Wildt, München 1995, S. 66-69.)

Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb am 14. März 1945, im Rückblick auf den inzwischen brutal durchgeführten Massenmord an Juden und anderen von den Nationalsozialisten verfolgten Menschengruppen mit Gift, Gas und sonstigen mörderischen Mitteln, in sein Tagebuch:

„Es ist nötig, diese Juden wie Ratten auszurotten, ein für alle Mal.“

 

Da es jedoch immer wieder, selbst unter den Bedingungen der Nazi-Diktatur, Menschen gab, welche Menschen aller Gruppen weiterhin als Menschen und nicht als Ratten, Ungeziefer oder Giftpflanzen betrachteten, unternahm die Nazi-Propagandamaschinerie teure Anstrengungen, um diese rassistische Betrachtungsweise mit Hilfe von Texten, bildlichen Darstellungen und Filmen zu propagieren.

So erschien 1938 im Stürmer-Verlag von Julius Streicher ein gereimtes Kinderbuch mit Texten von Ernst Hiemer unter dem Titel „Der Giftpilz“, welches jüdische Menschen mit giftigen Pilzen gleichsetzte und worin unter anderem folgende Zeilen standen:

„Er schächtet Tiere, schächtet Menschen, Es kennt sein Blutdurst keine Grenzen! Es wird die Welt erst dann genesen, Wenn wir vom Juden sie erlösen.“

Es handelt sich dabei um ein Bild-Text-Konstrukt, welches die jüdischen Menschen diesmal nicht mit als „Schädlinge“ eingestuften Tieren, sondern mit giftigen Pilzen gleichsetzte. Die Botschaft, ihnen ihre Menschenwürde abzusprechen und sie als angebliche Gefahr wie andere als schädlich eingestufte Lebewesen zu vernichten, blieb die gleiche.

Die berüchtigtste bildliche Gleichsetzung von Menschen, wiederum von Juden, mit Ratten in der Nazi-Propaganda ist der Film „Der ewige Jude“, von Fritz Hippler 1940 im Auftrag von Goebbels Propagandaministerium in die Kinos gebracht. „Der ewige Jude“ ist ein Paradebeispiel audiovisueller Manipulation. Joseph Goebbels sah ihn selbst als sein „propagandistisches Meisterstück“ an. Vergleich und Gleichsetzung von Juden und Ratten in unmittelbar aufeinander folgenden Filmsequenzen sind ein zentraler Teil des Films. Vergleichspunkt der Gleichsetzung ist die Schädlichkeit von Ratten, welche gespeicherte Vorräte fressen, mit der angeblichen Schädlichkeit jüdischer Menschen. Zweck der propagandistischen Darstellung ist hier wie in den ähnlichen Konstrukten die Darstellung der Juden als schädliche Tiere, um ihre unmenschliche Verfolgung zu propagieren.

 

Das Ratten-Plakat der SVP hat vordergründig nicht den Zweck, die in diesem Bild-Text-Konstrukt mit schädlichen Ratten gleichgesetzten Linken der Vernichtung anheim zu stellen. Sondern es gibt vor, ein sinnvoller Beitrag zur einer am 16. Mai 2004 stattfindenden demokratischen Abstimmung über eine politische Sachfrage im rechtsstaatlichen Rahmen zu sein.

Eben dies ist es jedoch nicht. Es nimmt nicht informierend Stellung zur Frage, ob und wie in der Schweiz eine Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV)zu finanzieren sei.

Hingegen stellt es offenkundig tatsachenwidrige Behauptungen auf, so etwa, die linken Kräfte in der Schweiz wollten die AHV zerstören. Es ist aber durch zahlreiche Quellen und historische Darstellungen belegt, dass es die linken Kräfte waren, welche diese Einrichtung in der Schweiz immer wieder forderten, so z.B. im Generalstreik von 1918, während die rechten Kräfte in der schweizerischen Politik, auch die Bauern-Gewerbe- und Bürgerpartei, eine Vorläuferorganisation der heutigen SVP, solche Forderungen ablehnten und bekämpften, bis sich 1947 in einer Abstimmung die linken und sozialstaatlich orientierten Kräfte durchsetzten. Es blieb seitdem eine stete Position der Schweizer Linken, die AHV zu erhalten, auszubauen und zu finanzieren. Hingegen gab und gibt es in letzter Zeit in der Schweiz Stimmen von rechts, welche den Schweizer Sozialstaat und auch die ihrer Auffassung nach gemäss einem unangemessenen sogenannten „Giesskannenprinzip“ ausbezahlte AHV in Frage stellen wollen, weil sie ihre eigenen, in der Regel eher hohen bis sehr hohen, Einkommen durch die diesbezügliche sozialstaatliche Steuer- und Abgabenlast geschmälert sehen. Es waren, dies zu einer weiteren tatsachenwidrigen Behauptung auf dem Ratten-Plakat der SVP, auch zumeist Akteure aus diesen Kreisen, welche durch sogenannte „Gesundschrumpfungen“ und Massenentlassungen Zehntausenden von Arbeitsplätzen vernichteten.

 

Vor allem aber bildet das Rattenplakat der SVP, anknüpfend an eine rassistische und eliminatorische Bildsprache und an ebenfalls rassistische und eliminatorische sprachliche Vergleiche, Gleichsetzungen und Wertungen, wie sie auch aus ähnlichen Machwerken der Nazi-Propaganda sprechen, eine Beschimpfung einer grossen Menschengruppe unter Negierung und Absprechung von deren Würde und Rechten als menschliche Wesen, indem es dieser Gruppe vorwirft, „unser Land“, welches die SVP in der Darstellung dieses Plakats offenbar als „ihren Geldbeutel“ betrachtet, „ruinieren“ zu wollen, sie als angebliche Landes-Schädlinge anspricht und mit Ratten, welche Schaden anrichten, gleichsetzt.

Die hier beanstandete Art der bildlichen und textlichen Diffamierung von Mitmenschen und Andersdenkenden als tierische Schädlinge, wie sie das Rattenplakat der SVP und seine Urheber und Verbreiter vornehmen, ist in einem demokratischen, menschenrechtlich und antirassistisch fundierten Staat respektive in einer Zivilgesellschaft mit diesen Werten nicht tolerierbar und steht in Konflikt mit verschiedenen gesetzlichen Vorschriften und Normen, welche in der Schweiz auch unter Justiz-Vorsteher Bundesrat Dr. Christoph Blocher, SVP, zu gelten haben.

 

Zürich, 8. März 2004

 

Read More
04 11 2016
By: Redaktion 2 0

TKG verurteilt und fordert Rückkehr zum Rechtsstaat und einen umfassenden Friedensprozess in der Türkei

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt die Inhaftierung von den oppositionellen, demokratisch gewählten Abgeordneten der Partei HDP heute Früh in der Türkei. Die TKG fordert eine Rückkehr zum Rechtsstaat, einen umfassenden Friedensprozess und ein Wiederaufleben der Demokratie.

 

Die gewählten Parlamentarier sollten auch durch Wahlen wieder abgewählt werden, damit in einem Rechtsstaat das Vertrauen in die parlamentarische Repräsentation nicht verloren geht.

Ob wir die Politik der HDP und die Abgeordneten unterstützen oder nicht, sei dahingestellt. Wir stehen dieser Partei nicht nahe, aber für die türkische Demokratie müssen wir hier unbedingt einen großen Anspruch erheben. Es kann in einer Demokratie nicht passieren, dass diejenigen, die an der Macht sind, die Justiz, die Legislative und die Exekutive und damit die Gewaltenteilung so dermaßen außer Kraft setzen. Wir machen uns Sorgen um den demokratischen Rechtsstaat und die Menschenrechte in der Türkei und fordern die sofortige Freilassung der gewählten Parlamentarier.

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt auch die Inhaftierung von 18 Journalisten der regierungskritischen sekularen Zeitung „Cumhuriyet“ (Republik) in der Türkei.

In der Türkei und auch in Österreich ist die Meinungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben und sie ist ein wichtiger Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Dort steht: „Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. (Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte)“

Ohne Presse- und Meinungsfreiheit und ohne Opposition kann in der Türkei von Demokratie und Rechtsstaat keine Rede sein!

Wir fordern ihre Achtung und ihren Schutz auch von der AK Partei Regierung in der Türkei. Die TKG fordert in der Türkei eine Rückkehr zum Rechtsstaat, einen umfassenden Friedensprozess und ein Wiederaufleben der Demokratie. Wir fordern alle demokratischen Kräfte auf, die Augen vor diesen Ereignissen nicht zu verschließen und die Türkei wieder auf den richtigen, demokratischen Pfad zu bringen, ohne hier die gesamte Türkei zu bashen.

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161104_OTS0122/tkg-verurteilt-inhaftierungen-in-der-tuerkei-scharf

Read More
02 11 2016
By: Redaktion 2 0

TKG: Nein zu McCarty-Arä in der Türkei

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt ganz entschieden die Inhaftierung von 18 Journalisten der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ (Republik) in der Türkei. Die TKG verlangt Freiheit für die Zeitung „Cumhuriyet“ und alle anderen kritischen und oppositionellen Zeitungen.

Der vereitelte terroristische Putsch in der Türkei, den wir in aller schärfe verurteilt haben, ist nicht zu rechtfertigen. Die AK Partei-Regierung sollte aber die Gewaltentrennung respektieren und nicht versuchen kritischen und oppositionellen Medien und Journalisten mittels Anti-Terror-Gesetzen und außerordentlichen Zuständen hinter Gitter zu bringen.  Die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei bleibt damit auf der Strecke. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist eine wichtige Errungenschaft und ein hohes demokratisches Gut eines Rechtsstaates.

 

Nicht plausibel

„Redakteure der linken Zeitung „Cumhuriyet“ wegen Förderung der  „terroristischen Gülen-Bewegung(FETÖ)“  festzunehmen ist in etwa so plausibel, als wollte man die „taz“ wegen Kollaboration mit dem NSU anklagen. Kaum eine Redaktion hat früher oder vehementer vor den Gülenisten gewarnt. Und mittelfristig ist eine undemokratische Türkei die weitaus größere Gefahr als ein paar Hunderttausend Flüchtlinge mehr oder weniger.Doch in Wahrheit hat gerade die Funktionsunfähigkeit von Autokratien jene Katastrophen im Nahen Osten geschaffen, deren Folgen auch uns in Europa gefährden. Gewaltherrschaft erzeugt Konflikte, je länger und härter sie wirkt, desto schlimmer. Diese Logik ist durch keine westliche Diplomatie wegzuverhandeln.“schreibt die  Zeitung Welt.

Für die TKG sind die Inhaftierungen ein weiterer Beweis dafür, dass die AK Partei-Regierung sämtliche oppositionelle Medien und Personen sukzessiv, Schritt für Schritt mit McCarthy-Methoden mundtot machen will. In der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten (USA) bedeutet die McCarthy-Ära (McCarthyismus) eine Gesinnungskontrolle über alle Bürger und Institutionen. Personen wurden mit unzureichenden Anschuldigungen und unfairen Ermittlungsmethoden zum Schweigen oder in Verruf gebracht.

 


Rechtstatt und Verfassung: Achtung und Schutz

In der Türkei und auch in Österreich ist die Meinungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben und sie ist ein wichtiger Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Dort steht: „Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. (Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte)“

Ohne Presse- und Meinungsfreiheit und ohne Opposition kann in der Türkei von Demokratie und Rechtsstaat keine Rede sein!  Wir fordern ihre Achtung und ihren Schutz auch von der  AK Partei Regierung in der Türkei. Die TKG fordert in der Türkei einen Rückkehr zum Rechtsstaat, einen umfassenden Friedensprozess und ein Wiederaufleben der Demokratie.

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Obmann

Dip.-Ing. Birol Kilic

Read More