Monat: September 2017

21 09 2017
By: Redaktion 2 0

Türkische KULTUrgemeinde gratuliert zum jüdische Neujahrsfest

Scha­na To­va

 

Wien (OTS) – An diesem Donnerstag nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5778 begonnen . Die Juden feiern das neue Jahr mit den zweitägigen Fest  Rosch Haschana.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG) wünscht allen Juden in der Welt und insbesondere allen jüdischen FreundeInnen in Österreich, in Deutschland und in der Türkei ein glückliches, friedvolles, gesegnetes und ein „süßes“ neues Jahr- Schana tova.

Wir wünschen für die Welt, den nahen Osten und für Europa ein hassfreies und freundschaftliches korrektes Zusammenleben. Das wünschen wir von Herzen!

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170921_OTS0182/tuerkische-kulturgemeinde-gratuliert-zum-juedischen-neujahrsfest

Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG)
Avusturya Türk KÜLTÜR Cemiyeti
Obmann
DI Birol Kilic

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14 09 2017
By: TKG 0

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde

Der sogenannte „Türkische Tempel“ in der Zirkusgasse wurde in der Pogromnacht zerstört.

Wien. In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 bis 1887 ließ diese an der Stelle eine Synagoge errichten. Sie wurde während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, S.E. Botschafter Mehmet Ferden Çarιkçι als Vertreter der Republik Türkei, der Präsident der Israelitischen Kulturgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, und der ehemalige Präsident der der türkisch-jüdischen Gemeinde in der Türkei, Silvyo Ovadya, gedachten heute, Mittwoch (13.09.2017) , den Opfern dieses schrecklichen Ereignisses und enthüllten eine neue Gedenktafel an der städtischen Wohnhausanlage.

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde und Erneuerung der Erinnerungstafel mit u.a. StR Michael Ludwig (2., Zirkusgasse 22)

„Mit den Verbrechen des November 1938 nimmt der systematische Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden ihren Anfang. Mit dem Türkischen Tempel wurden insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. Jüdische Kinder, Frauen und Männer wurden zutiefst gedemütigt und geschlagen. 27 von ihnen verloren ihr Leben. Halten wir alle die Erinnerung an diese grausame Zeit wach!“, betonte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Er hob in diesem Zusammenhang die aktive Bildungsarbeit der Stadt Wien hervor. Gleichzeitig warnte Ludwig vor weiterhin aktiven rechtsradikalen Gruppen, die fremdenfeindlichen Hass verbreiten.

Stadtrat Ludwig dankte besonders Herrn Dr. Peter Schönthal, der die neue Erinnerungstafel initiierte.

Es ist traurig, zu sehen, dass während die von den österreichischen Juden erbaute Yüksekkaldırım Aschkenasim Synagoge in Istanbul seit über 100 Jahren weiterhin besteht, die türkisch jüdische Synagoge in Wien, genannt ,Türkischer Tempel‘, im Gegensatz dazu, niedergerissen und in den Tiefen der Geschichte begraben wurde. Deswegen ist es besonders wichtig, dass der Geist des türkischen Tempels weiterhin am Leben gehalten wird“, so S.E. Botschafter Mehmet Ferden Çarιkçι.

„In der Bevölkerung ist wohl kaum noch ein Wissen um diese an Kultur so reichen sephardischen Gemeinde vorhanden. Mit einer neuen Gedenktafel wird der Opfer des Novemberpogroms gedacht und gleichzeitig an die Blütezeit der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim erinnert“, betonte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.  „Ich freue mich sehr, hier an der Gedenkveranstaltung bezüglich der sephardisch-jüdischen Synagoge und Gemeinde in Wien, deren Wurzeln bis in die Zeit des Osmanischen Reiches reichen, teilzunehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf Nahebeziehung zwischen der großen Synagoge in Edirne und der sephardischen Synagoge in Wien hinweisen. Wir, die jüdische Gemeinde in der Türkei erfreuen uns, dass wir unsere Gebete und sonstige Veranstaltungen in der Edirne Synagoge, die einer der drei großen Synagogen in Europa ist und der österreichischen Synagoge in Istanbul frei durchführen können“, hielt der ehemalige Präsident der der türkisch-jüdischen Gemeinde in der Türkei, Silvyo Ovadya, fest.

 

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde und Erneuerung der Erinnerungstafel mit u.a. StR Michael Ludwig (2., Zirkusgasse 22)

 

Der Türkische Tempel

In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 – 1887 ließ diese an der Stelle, an der heute der Gemeindebau steht, eine Synagoge er-richten, den sogenannten Türkischen Tempel. Mit der Planung wurde der Wiener Architekt Hugo Ritter von Wiedenfeld (1852 – 1925) beauftragt. Er hatte sich auf den neo-maurischen Baustil spezialisiert, mit orientalisch geprägten Elementen wie Bögen und Mosaiken.

Ein gefeiertes Kunstwerk

Der Entwurf der Synagoge orientierte sich an der maurischen Architektur, vor allem an der spanischen Alhambra – wohl eine Referenz an die ursprünglich aus Spanien stammenden sephardischen Juden. Der Tempel wurde am 18. September 1887 im Rahmen einer festlichen Zeremonie eingeweiht. An der Straßenfront befand sich ein imposantes Steinportal mit minarettartigen Türmchen, durch das man zunächst einen Vorhof betrat. Dahinter erhob sich die reich verzierte Fassade des Tempels, darüber eine zwölf Meter hohe Kuppel mit sternförmigen Fensteröffnungen. Der achteckige Betraum war in Marmor und Gold gehalten. Insgesamt bot das Gebäude über 600 Gläubigen Platz und war damit die größte türkische Synagoge in Europa. Als einer der prachtvollsten Tempel Mitteleuropas gefeiert, diente sie als Vorbild für viele andere sephardische Tempel.

In Flammen

Die über die Grenzen hinweg gelobte Pracht des Türkischen Tempels in der Zirkusgasse kann man heute nur mehr anhand einiger Schwarzweiß-Fotografien erahnen. Er wurde, wie 41 weitere Synagogen und Bethäuser in Wien, während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört. Das Grundstück wurde 1952 an die Israelitische Kultusgemeinde restituiert und 1975 von der Stadt Wien erworben. 1985 – 1987, genau hundert Jahre nach dem Bau der Synagoge, errichtete sie hier ein Wohnhaus.  ( Quelle: Büro Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig Magistrat der Stadt Wien)

 

Informationen:

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=1913

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=2011&tx_ttnews%5Btt_news%5D=14126&cHash=de7d94c17d5f3671cb4dde87c49371f4

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Tempel

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=2011&tx_ttnews%5Btt_news%5D=10393&cHash=0f0262d6391b1a76e2fab88bb1f73fa5

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14 09 2017
By: Redaktion 3 0

TKG-Aufklärungsversuch: Was ist der Islam und was ist er nicht?

Eine Journalistin äußerte in einer österreichischen Tageszeitung einen Kommentar mit dem Titel „Kritik am Islam: Immunisieren statt Stillhalten“: „Wenn es von Indonesien über den Irak bis hin zu Österreich die verschiedensten Auslegungen gibt, wie Islam zu praktizieren sei, muss doch auch jedem klar sein, dass es in dieser Religion anschlussfähige Elemente gibt, die die Entwicklung eines radikalen Fundamentalismus erst ermöglicht haben. Insofern haben der Islam und die Anschläge von Paris sehr wohl etwas miteinander zu tun“. Publizist Todenhöfer (veröffentlicht 20.01.2015) stellt auf der anderen Seite fest: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“ Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Starke Worte!

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) 

Zusammengefasst von DI Birol Kilic

These: Ja zum Islam! Nein zurTheologie des Verachtens inkl. Scharia!

Diese Journalisten-Meinungen, denen wir durchaus Redlichkeit und gute Recherche zusprechen können, spiegeln ein essentielles Problem wieder ob man Sie mag oder nicht?  Der Islam besteht aus vielen Richtungen. Es ist daher aus unserer Sicht falsch, alle Muslime in einen Topf zu werfen. Was du nicht willst das man dir tut…das füg auch keinem anderen zu: z.B Pauschalisierung und Sataniesierung!

Der folgende Artikel soll mehr Licht in das, zum Teil auch inner-islamische, Problem der deutlichen Abgrenzung gegenüber den anderen Richtungen bringen.

Gerade aufgrund der Verunsicherung der Menschen sollten die Muslime offen an Diskussionen teilnehmen und sich nicht scheuen, Informationen über den „koranischen Islam und den mohammedanischen Ethos weiterzugeben. Viele Muslime – und hier beginnt meine interne Kritik – können das nicht, denn sie sind in einem Sumpf aus manipuliertem, mutiertem Glauben, den wir „Theologie der Verachtung“ und „Theologie der Gewalt“ nennen, gefangen, der mit dem koranischen Islam und der mohammedanischen Lehre nichts zu tun hat. Es geht  hier um sachliche, fundiert argumentiere Kritik mit profunden nüchternen Wissensvermittlung und nicht um rüde Anwürfe und pauschale Verunglimpfungen.

 

Was ist der koranische Islam? Ist er der wahre Islam?

Der koranische Islam und die mohammedanische Lehre verlangen zuallererst die Nutzung des Verstandes und fordert zum Lesen („ikra“) auf. Genauso fordert der koranische Islam, dass man sich an die jeweilige Zeit und den Ort der Zivilisation und den menschlichen Errungenschaften anpassen muss. Es ist also geboten, dass der Muslim und die Muslima sich an die Rahmenbedingungen eines Staates oder einer Gesellschaft anpassen sollen.  Gilt auch in Österreich. Das heißt nicht, dass man sich assimilieren soll oder seine religiöses Bekenntnis verbergen muss. Als verbindlich sind die regionalen Gesetze, die Verfassung, die Kultur und die jeweiligen Gegebenheiten zu sehen, die sich im Laufe der Jahrhunderte dort etabliert haben. Hier in Österreich:  Die Österreichische Bundesverfassung. Die Verfassung eines Staates ist als Grundlage des gesamten Rechts und Rahmen seiner Politik von höchster symbolischer wie praktischer Bedeutung.

Es ist uns daher ein Anliegen, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ aufzufächern und zu klären. Sie werden in diesem Artikel keine Beschönigungen und keinerlei Dialog-Versuche finden. Wir werden auf den Koran, die für uns einzige verbindliche Quelle unseres Glaubens, eingehen. Mit diesen Erläuterungen wollen wir für Aufklärung sorgen.

 

Wir wissen, dass es gewagt und gefährlich ist, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ öffentlich zu diskutieren. Denn vielen Moslems, die nicht unsere Ansicht vertreten, wird das nicht gefallen. Es wird auch vielen Politikern in Österreich und im Ausland nicht gefallen, da wir sie damit enttarnen.

 

Die Kommentatorin, die wir anfangs erwähnt und zitiert haben (siehe oben) hat hier Recht und Unrecht.

Unrecht hat Sie deswegen, weil sie zwischen dem „koranischen Islam“ und einer später erfundenen, brutalen und faschistischen Theologie keinen Unterschied macht. Man muss, um das Thema zu verstehen, weit in die Geschichte des Islams zurückgehen und dessen theologische und pseudo-theologische Strömungen untersuchen.

Der koranische Islam verabscheut Terror, Scheinheiligkeit und Unmenschlichkeit. Die faschistische Ideologie einer pseudo-islamischen Dogmatik ist dagegen gewaltbereit und gewaltverherrlichend.

 

Dabei ist zu unterscheiden, was der Prophet Mohammed als Prophet geoffenbart hat, nämlich göttliche Eingebungen, die ihm vom Engel Gabriel mitgeteilt wurden, und seinen Taten. Seine Taten wurden nach seinem Tode in den Hadithen zusammengetragen. Wir halten diese Hadithe nicht für zuverlässige Quellen über das Leben Mohammeds. Da es bereits in der Frühzeit über diese Hadithe zu offenen Kämpfen gekommen ist, die einen Aufzeichnungen verbrannt, die anderen mit Gewalt durchgesetzt wurden, endet hier unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit solcher Schriften.

 

Ausgehend von den Hadithen baut sich der „falsche Islam“ auf, ein Islam der nicht mehr das Gotteswort an erste Stelle stellt, sondern eben diese Hadithen. Und hier wird es menschlich, hieran knüpfen sich eine (falsche) Scharia und eine (falsche) Fiqh. In einer weiteren Stufe der Pervertierung fußen auf dieser  – eigentlich teuflischen – Lehre die grausamsten pseudo-islamischen Regime und Terrorgruppen von Al Qaida, Boko-Haram und IS.

„Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen. Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll.

Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion! In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien. Die Intelligenz der Muslime ist in Ketten gelegt.

Es ist deswegen falsch zu behaupten, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“. (Soheib Bencheikh, EX- Großmufti von Marseille, Zur Zeit)

 

Was wir heute in Syrien, im Irak, in Saudi Arabien und vielen anderen Ländern sehen, hat mit dem „wahren Islam“ nichts zu tun. Weil der falsche Islam den wahren Islam nicht aushalten kann, werden die „Ungläubigen“ massenweise umgebracht. Die „Ungläubigen“ sind in diesem Falle dann die Schiiten und Aleviten, die sich nicht einer menschlich konstruierten Pseudo-Religion unterwerfen wollen.

Was heute von den Medien eigentlich kritisiert wird, sind nicht der koranische Islam und der Prophet Mohammed, sondern eine künstliche Ideologie, die Bekenntnis-Merkmale und koranische Worte des Islams, wie z.B. „Allah’ u Ekber“ (arab. allāhu akbar; übersetzt „Gott ist am Größten / ist der Größte“ – Bedeutung hat Ähnlichkeiten mit „Halleluhja“, „Gott preisen, verherrlichen, ausrufen“), missbraucht und gleichzeitig alles, was der koranische Islam ausdrücklich verbietet, praktiziert. Nämlich Intoleranz, Gewalt und die Nichtnutzung des Verstandes und der Vernunft.

 

Das größte Opfer dieser faschistischen Ideologie ist zuerst der koranische Islam und der Prophet Muhammed selbst, der doch die Vielgötterei und die Unmenschlichkeit bekämpft hat. Der Koran ruft zur unbedingten Nutzung des Verstandes und der Vernunft auf und er ermahnt die Menschen warmherzig zu sein. Der Koran erinnert den Menschen daran, sein Vermögen und seine Liebe mit den Nachbarn zu teilen, egal welcher Religion, Sprache oder Nationalität man angehört. Es ist für uns Muslime schmerzlich, wenn dieser Gedanke der Nächstenliebe in der heutigen Wahrnehmung ganz untergeht.

 

Mittlerweile haben wir jetzt eigentlich eine faschistische Theologie, die seit Jahrhunderten auf der Arabischen Halbinsel und in den muslimischen Ländern durch – leider westliche – wirtschaftliche und politische Interessen direkt oder indirekt unterstützt wurde. Es tut natürlich weh, wenn man hier von einer faschistischen Theologie redet, weil viele dieser missbrauchten mohammedanischen Worte gerne mit dem koranischen Islam und Muhammed gleichgesetzt werden. Das geschieht entweder aus Unwissenheit oder mit bösen Absichten. Natürlich ist es schwierig sich Wissen darüber anzueignen – das bedeutet viel Geduld, viel Verstand, Vernunft, lesen, diskutieren und insbesondere sehr viel Leid und Tränen.

 

Auf den falschen Islam beziehen sich der IS, die Taliban und Boko-Haram

 

Wo liegt das Hauptproblem? Das Hauptproblem liegt in der korrumpierten, manipulierten und mutierten Islam-Theologie, die sich auf verfälschte Quellen und traditionelle Islam-Interpretationen stützt. Ihre Wurzeln finden sich in der umayyadischen Kalifen-Dynastie (Höhepunkt im 7. Jahrhundert). Wesentlich hierfür ist der 6. Kalif Yazid I. (reg. 680-683), er war Sohn des ersten Umayyaden-Herrschers Muawiya. Auf diese Strömung beziehen sich die Anhänger des IS (Islamischer Staat) in Syrien und im Irak, die Taliban in Afghanistan (Al Qaida) und die Boko-Haram-Islamisten in Nigeria. Sie gehören der sunnitischen Richtung des Islam an.

 

Eben dieser umayyadische Kalif Yazid I. bin Muawiya hat also, die von dieser Dynastie mitbegründete Theologie der Verachtung, der Gewalt und des Faschismus errichtet, und im Zuge dessen den Prophetenenkel Hussein und seine 72 Familienangehörigen in der Schlacht von Kerbela, die am 10. Oktober 680 beim zentralirakischen Kerbela stattfand, enthauptet. Und dabei handelte es sich um dasselbe grausame Niedermetzeln, das jetzt gerade die IS-Terroristen im Irak und in Syrien wieder durchführen. Yezid war ebenfalls Kalif und hat ebenfalls behauptet den Islam zu vertreten und den Weg des Propheten Muhammed zu verfolgen. Er hat die gesamte Familie des Propheten (zu der er selbst gehörte) bis auf eine Person umgebracht. Sie mussten brutalste Folter erleiden, indem sie beispielsweise tagelang ohne Wasser in der Wüste ausharren mussten. Die Enthauptung erlöste sie von dieser Folter.

 

Nicht nur das – dieser angebliche Kalif, der sich diese faschistische, umayyadische Theologie ab 680 n. Chr. zusammengezimmert hat, hat diese faschistische, umayyadische Lehre der Verachtung in die nächste Generation gebracht. Dies geschah durch das Niederschreiben von Hadithen, die eigentlich Verleumdungen des Propheten sind. Hadithe sind Niederschriften der angeblichen Aussprüche des Propheten Muhammed. Sie legten dem Propheten aber Sätze in den Mund, die beweisen sollten, dass die Umayyaden für das Paradies vorherbestimmt seien. Die Umayyaden-Herrscher ließen nur jene Hadithe zu, die ihnen ins politische Kalkül passten. Die anderen ließen sie verbrennen. Die Hadithe gelten für die sunnitische oder schiitische Mehrheit der Muslime als die wichtigste Schriftquelle neben dem Koran. Es gibt es unüberschaubare Menge an alter und neuer Literatur, die sich mit den Hadithen befasst und diese auslegt. So eine „Theologie“ kann nur Unglück bringen und kann man nur verachten.

 

Ihr wesentliches Merkmal ist nicht das Glück des Menschen, sondern seine Unterdrückung. Diese Lehre des „falschen Islam“ ist tatsächlich mit der Idee einer heutigen Demokratie, einer bürgerlichen und wirtschaftlichen Freiheit inkompatibel. Sie führt zur Theokratie ohne jedes Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Das heißt des Mannes, denn Frauen stehen in diesem Weltbild auf der untersten Stufe.

 

So eine Theologie, zum Islam uminterpretiert und feinsäuberlich verpackt, kann, neben Öl, ohne Probleme in alle Welt exportiert werden.

 

Die „Muslimische Welt“, das heißt die mächtigen Oligarchen, die Machthaber, die Despoten und Diktatoren, möchte diese Theologie nicht korrigieren und sich nicht davon distanzieren. Warum auch? Sie hat es sich in ihr gut eingerichtet. Sie möchte sich nicht auf die Seite der Armen schlagen und auf die Seite der Vernunft, des Verstandes und der Wissenschaft. Sie wollen keinen Koran-Islam.

 

Die Islamische Welt leidet in Wirklichkeit unter einem abgöttischen Götzendienst. Nach außen hin wird das Wort „Allah“ verwendet und mit ihren Bärten, Turbanen und ihren schönen Gebetshäusern geben sie sich den Anschein, als ob sie gottesfürchtig wären, obwohl Gott von ihnen nur eines verlangt: Lesen, die Benutzung des Verstandes und der Vernunft, die Anpassung an Zeit und Ort und zu teilen, was man hat. Wenn man nichts zum Teilen hat, dann sollte man zumindest das Wort „Salam“, als Friedenstifter, mit dem Nachbarn teilen.

 

Die Mehrheit der muslimischen Welt bekennt sich zu dieser Verstands-beleidigenden Theologie der Verachtung und Gewalt und sieht sie als ihre wichtigste Säule in der Interpretation des Islams. Durch die verbreitete, muslimische Theologie werden alle guten Werte der eigentlichen Friedensreligion Islam aus ihrer Kern-Botschaft, nämlich, dass die Religion für das Glück der Menschen und zur Verherrlichung Gottes da ist, absichtlich herausgerissen und manipuliert, nämlich insofern, als man behauptet, dass der Mensch für die Religion geschaffen wurde – so wurde und wird der Koran für dynastische, monarchistisch-faschistische Zwecke und in Form eines politisch instrumentalisierten Glaubens vorsätzlich missinterpretiert.

 

Der koranische Islam setzt ethisch und moralisch hohe Tugenden voraus, aus denen die Menschen zeit- und ortsgemäß ihr Leben, sei es innerhalb einer Demokratie, sei es in der Republik, in Frieden leben können. Und nicht umgekehrt, wo der Mensch zum Knecht eines Vielgötterglaubens wird, wo Menschenknochen und Steine als Vermittler zwischen Gott und dem Menschen stehen. Und das ist die Ursache dieses großen Dramas, das die islamische Welt gerade durchleben muss.

 

Das bringt uns zu der Frage, wie es im 21. Jahrhundert zu einer Radikalisierung des sunnitischen Islams kommen konnte. Was ist die Ursache und was war der Auslöser? Wir denken hier an Thesen, die der USA die Schuld geben. Alles Verschwörungstheorien? Tatsächlich geht es bei diesen Thesen immer um Erdöl, um Waffenlieferungen. Dahinter steht ein Vertrag der USA mit Saudi Arabien. Die Saudis liefern brav Öl. Die USA schützt dafür die Saudis, die Saudis kaufen dafür Waffen bei US-amerikanischen Waffenschmieden und lassen NATO-Stützpunkte auf ihrem Territorium zu. Die NATO spielt mit: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Polen etc. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass Öl in Dollar gehandelt wird. Es handelt sich um eine Win-Win-Situation. Zu Lasten der Bevölkerung – sowohl in den USA und in Europa – als auch zu Lasten der Glaubwürdigkeit der islamischen Lehre von Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

 

Es ist klar, dass dieser Deal, der zunächst nur auf einer wirtschaftspolitischen Ebene stattfand, irgendwann eine Gegenbewegung hervorrufen muss. So lange die USA nach Erdöl gieren, wird es nicht zu einer Änderung des Vertrages kommen. Solange wird auch die Spannung zwischen Wirtschaft, Menschen und Religion bestehen bleiben.

 

Tatsache ist, dass die Regierung Bush zur Legitimation des Krieges gegen Saddam Hussein gelogen hat. Bis heute wurde keine einzige Atomaufbereitungsanlage im Irak gefunden. Wieviele weitere Lügen nicht nur den kleinen Mann, sondern auch die mächtigsten Regierungschefs des Westens vorgegaukelt wurden, wird die Geschichte zeigen. Wir können es einmal dabei belassen.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine politische Lüge nicht ewig bestand hat, jedes Volk steht irgendwann auf, um die Despoten und Tyrannen abzustreifen. Meistens fließt dann Blut in Strömen. Da die Erdölindustrie mehr Geld hat, kann sie mit Waffengewalt die Aufstände unterdrücken. Wahrscheinlich wird dieses System bis zu letzten Tropfen Rohöl so weitergehen. Wir müssen auch ehrlich sein: Wir sind alle vom Rohöl abhängig. Deshalb das große Schweigen weltweit. Und ein Schuldiger ist schnell gefunden: der Islam, die Islamisten, der islamistische Terror.

 

Dahinter stehen aber Menschen und wir können nun etwas besser verstehen – nicht gutheißen – warum sie vollkommen austicken.

 

Woher kommt diese „islamistische“ Ideologie?

 

Aus den Kerngebieten des Islams im Nahen Osten stammen die Exporteure dieser Theologie der Verachtung und des Grauens. Unterstützt durch westliche korrupte und wirtschaftliche Interessen. Das zeigen Auszüge der Berichte des Publizisten Jürgen Todenhöfer. Todenhöfer besuchte die IS im Irak und sprach mit den Massenmördern: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“. Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Todenhöfer, der im Dezember 2014 in die IS-Hochburg Mossul reiste, rechnet mit dem Westen ab – und gibt ihm die Hauptschuld am islamistischen Terror und der Brutalität des „Islamischen Staates“ (IS): „Bundeskanzlerin Merkel hat am Freitag die ‚muslimische Geistlichkeit‘ aufgefordert, endlich das Verhältnis des Islam zur Gewalt zu klären. Aber müsste nicht zuerst der christliche Westen sein Verhältnis zur Gewalt überprüfen?“, fragt Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite. „Nicht der Islam ist das Problem, unsere Kriege sind das Problem. Sie sind Terrorzucht-Programme, nicht der Islam.“

 

Todenhöfer vergisst, dass es sich beim IS um eine sunnitische Organisation handelt, es sind sunnitische Freibeuter. Interessant ist hier die Verallgemeinerung auch auf der Seite der IS. Der Westen wird mit Europa und dem Christentum und dieses wiederum mit den Kreuzzügen des Mittelalters gleichgesetzt. In dieser Logik ist es nicht verwunderlich, wenn Christen als Sündenböcke herhalten müssen. Sie werden genauso wie alles, was irgendwie den Westen und eine andere Religion repräsentiert niedergemacht. Das ist die Sprache des Hasses, der Hass regiert.

 

Aber warum bekämpft die IS dann nicht die Saudis und die Sunniten, sondern die Schiiten etc.?

 

Weil die Saudis die Terrorgruppen finanzierten?

 

Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Will man sie überhaupt los werden?

 

Kein arabisches Land habe in den vergangenen 200 Jahren den Westen überfallen, doch der Westen „fiel unzählige Male mordend in die muslimische Welt ein“: „Bin Ladens Al Qaida tötete im Westen fast 3.500 Menschen. Doch Bush Junior tötete allein im Irakkrieg über 500.000 Iraker,“ zitiert Todenhöfer einen deutschen IS-Kämpfer. Diese Zahlen zeigten, dass der Westen „seit Jahrhunderten viel grausamer als die muslimische Welt“ sei. Deshalb müsse der Westen und „nicht der Islam sein Verhältnis zur Gewalt klären“.

 

„Konvertieren, Schutzgeld zahlen oder durch das Schwert umkommen.“ (ein IS-Kämpfer)

 

An dieser Stelle müssen wir betonen, dass wir nicht allen Aussagen des Publizisten Todenhöfer komplett zustimmen, jedoch bietet er einige interessante Denkanstöße und Fakten, die wir, als Bürger einer offenen Gesellschaft, in Betracht ziehen müssen und kritisch betrachten wollen.

 

Wie sind solche Verirrungen des Glaubens möglich?

 

Wo doch Gott durch den Koran mehrmals den Menschen um die Benutzung des Verstandes anruft und die Nichtverwendung des Verstandes und der Vernunft mit seinem Zorn bestraft, indem er es mit Bösem vergilt. Ebenso soll sich der Mensch nicht „wie Vieh“ verhalten, sondern – ganz im Gegenteil – als direkt mit Gott verbundene Person, nämlich ohne jegliche Zwischeninstanz zu Gott, ein gottgefälliges Leben führen.

 

Auch darf der Mensch unter keinen Umständen andere Menschen im Namen Gottes betrügen. Er soll auch nicht in Gebetshäusern übertrieben fromm oder inszeniert beten, als ob er sehr gläubig oder gar von Gott erwählt sei, und im nächsten Augenblick draußen die Gemeinde und die Menschen ausbeuten oder ihre Menschenrechte verletzen. Eben diese Menschen benennt Gott im Koran als „Teufelsdiener“. Solche Teufelsdiener und staatliche Teufelsanbetungen sehen wir leider in vielen islamischen Ländern: Auspeitschungen, Köpfungen, Verstümmelungen – von Rechtswegen.

Aussagen werden vernebelt, verdunkelt oder aus dem Kontext gerissen, falsch übersetzt, falsch interpretiert oder für eigene Zwecke missbraucht und an die Öffentlichkeit gebracht.

Eben diese Theologie von Verachtung und Gewalt hat je nach Gutdünken den Namen Mohammeds dazu missbraucht, für die umayyadische Dynastie Lehrmeinungen zu formulieren, die ihre politischen bzw. wirtschaftlichen Interessen verteidigt. An die Stelle der Umayyaden sind heute moderne Herrscher getreten. Sie brauchen sich nicht mehr selbst die Hände schmutzig zu machen, sondern können mit ihren Petrodollars ganze Armeen von Gotteskriegern und Muftis finanzieren.
Derartige Tätigkeiten sind eigentlich Verleumdungen und Beleidigungen gegenüber dem Propheten. Diese Hadith-Bücher, die heute neben dem Heiligen Buch Koran als verbindliche islamische Theologie angesehen werden, sind der Kern des Problems aller Muslime weltweit. Denn es handelt sich um eine Theologie der Verachtung und Gewalt und führt zu einer faschistischen Ideologie. Der Glauben wird für den eigenen Machtanspruch instrumentalisiert.

 

Der Westen spielt mit

 

Solange die Muslime sich von dieser umayyadischen Theologie und den menschenverachtenden Hadithen nicht klar distanzieren, wird dieses Gedankengut den westlichen Interessenspartnern in der nächsten Zeit sehr in die Hände spielen, je nach Gebrauch, je nach Kriegsgebiet.

In den Laboratorien, die man „Religionsschule“ nennt, wird diese Ideologie aus der Schublade genommen und schon produzieren Frankensteins Terroristen neue Anhänger mit dem Slogan „Allah’ u Ekber“ (Gott ist der Größte / einzigartig) und den Suren 17, Vers 111 und 74, Vers 3 (Bedeutung ähnlich wie „halleluja“: Gott preisen, verherrlichen, ausrufen). „Allahu Ekber, Allahu Ekber, Lâ İlâhe İllallah“  (Kalima Tewhid). Die Bedeutung dieses Lobpreises ist sehr einfach: „Gott ist der Größte, Gott ist der Größte! Es gibt keinen Gott, außer den einen einzigen Gott.“ Was hat dazu geführt, dass diese heiligen und friedlichen Worte als Slogan für Terrorzwecke missbraucht und damit alle Moslems unter Generalverdacht gestellt werden? Welches große Spiel steckt hier dahinter?

Diese Menschen (seien es Terroristen, Verbrecher oder Meuchelmörder) haben mit dem wahren Islam des Koran und des Propheten Mohammed nichts zu tun. Sie sind die größten Feinde der Menschheit und jedes wahren Moslems. Gott ist barmherzig! Die Muslime müssen nach dem Koranischen Islam an den Gott von Adam, Noah, Abraham, Moses, David, Salomon und Jesus (Friede sei mit ihnen) hundertprozentig glauben.

 

Die teuflische Strategie: Manipulieren, verdunkeln und vertuschen

 

Die Verwässerung, Nicht-Distanzierung und Nicht-Aufklärung, besonders der sunnitisch-islamischen Welt, gründet darin, dass sie aus dieser Schule über den Islam gelernt haben.

Man sollte daher nicht den Koran oder den Propheten per se angreifen, sondern zunächst die Spreu vom Weizen trennen.

Denn die Kinder der Theologie des Verachtens sind Ziel dieser Kritik. Sie meinen, im Namen aller Muslime sprechen zu können, wobei diejenigen, die sich damit tatsächlich auskennen, gegen diese Theologie der Verachtung und Gewalt, dieser „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) stellen und den wahren Islam aus den koranischen Texten ziehen, ohne Verse aus dem Kontext zu reißen. Dabei ist es wichtig, die Verse zeit- und ortsgemäß zu interpretieren. Resultat ist, dass die Verfechter des wahren Islam ebenfalls von ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern bedroht werden. Auch der Schreiber dieses Artikels.

 

Wer anderer Meinung ist, wird angegriffen und runtergemacht

 

Wir müssen hier aufstehen, wir müssen hier Einspruch erheben! Es kann nicht sein, dass die westlichen Länder einerseits die faschistisch-oligarchischen Regierungen im Nahen Osten auf inzestuöse Weise seit Jahrhunderten unterstützen und auf der anderen Seite uns wahre Muslime über Demokratie und Menschenrechte belehren wollen, sozusagen als Feuerlöscher, obwohl sie eigentlich bei dieser Brandstiftung die wichtigsten Akteure sind.

 

Glaube ist Verantwortung

 

Apologetik mit Herz und Hirn – Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft – Verantwortung gegenüber den Menschen

Und nichtsdestoweniger, vielmehr infolgedessen, möchten wir als säkulare Moslems mit diesem apologetischen Aufsatz mit Verstand, Vernunft, Herz, mit Aufrichtigkeit und ohne Scheinheiligkeit nach unserer Meinung und Auffassung über unseren Glauben und den Koran Aufklärung leisten. Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft, gegenüber der wir uns als säkulare Verfassungs-Patrioten verantwortlich fühlen.

 

Wir fühlen uns auch verantwortlich für unsere Jugendlichen, die in Österreich ihr Lebenszentrum haben und aus muslimischen Familien stammen.
Wir möchten mit unseren Fragen und Antworten (s.u.) diese Krankheitsursache, die wir „Theologie des Verachtens, Theologie des Faschismus und Theologie der Gewalt“ nennen, diagnostizieren und beim Namen nennen, damit wir auch als überzeugte säkulare Muslime unsere Verantwortung gegenüber der Menschheit erfüllen können.

 

Offene Kritik muss möglich sein

 

Wir haben ein großes Problem in Österreich, nämlich, dass die konservativen Muslime hier einen sehr verantwortungslosen Weg eingeschlagen haben, wenn sie durch Vernebelung, Verdunkelung und durch dauerndes Beleidigtsein die Wahrheit nicht sehen wollen und nicht bereit sind, eine offene Kritik über ihre dramatische Lage auszudiskutieren. Eine Lage, die nicht nur für die muslimische Welt ein Problem geworden ist, sondern für die Menschheit insgesamt. Offenbar fühlen sich die konservativen Muslimen so sicher, dass sie jede Kritik getrost übergehen können.

 

Wir möchten eines hervorheben: Das Problem ist nicht der Koran und der darin enthaltene Islam oder der wahre Mohammed, sondern diejenigen konservativen Muslime, die diesen Glauben manipuliert und verfälscht haben und somit zur Schande der Menschheit geworden sind.

 

Auch die konservativen Moslems, die gerade als Funktionäre dubioser Vereine quasi alle Moslems in Österreich zu vertreten vorgeben und auf der anderen Seite unter dem Vorwand „Dialog“ das Unwissen und die Vorurteile vieler Medien, Wähler und Politiker ausnützen, mögen sich hier angesprochen fühlen!

 

Aufklärung tut Not! Besonders bei den Regierungsparteien

 

Eine echte Aufklärung findet nicht statt und bei der geringsten Kritik spielt man die beleidigte Leberwurst und attackiert den Gesprächspartner, schreibt ihnen böse E-Mails oder überhäuft sie mit Klagen. Zudem wird mit dubiosen Gruppen kooperiert, um die kritischen säkularen Moslems als „nicht echte Moslems“ darzustellen.

 

Die Regierungsparteien der westlichen Länder haben leider genau jene Personen und Gruppen („politischer Islam“) salonfähig gemacht, die ihre Kultur und Ideologie eben aus diesem „verfälschten Islam“ beziehen. Es wird medial alles verdunkelt und vernebelt, damit niemand mehr die Unterschiede zwischen „Glauben“ und „politischem Glauben“ erkennen kann.

 

Es wird pauschal gegen einen „Glauben“ geschimpft und die Retter sind dann die Brandstifter, die sich bis jetzt schön verpackt als Feuerlöscher verkauft haben. Überall sieht man Sie als „Retter“ oder „Brückenbauer“. Das Fernsehen und die Zeitungen sind voll von „Islam- und Terrorexperten“ oder „Gewalt-Experten“ und niemand kritisiert diese Leute und fragt sie, wie sie es schaffen, Islam und Terror gleichsetzen zu können! Weil sich die Journalisten auch nicht mehr auskennen. Wie auch, bei der Flut von Falschinformationen, die den Medienmarkt überschwemmen! Um sich zu informieren, braucht man vor allem Zeit und einen breiten Horizont. Beides ist Mangelware in einer linksliberalen Medienbranche.

 

So wird es gemacht und diese konservativen Funktionäre klären nicht auf, sondern leben davon und das in einer unheiligen „Win-Win-Situation“. Um was für ein Dilemma handelt es sich bei eben diesen teuflischen Pseudo-Brückenbauern, die eigentlich seit Jahren alle Brücken in Österreich zerschlagen haben? Es ist eine teuflische, unheilige Allianz!

 

Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen?

 

Folglich hat die Kommentatorin unserer Meinung nach Recht, wenn Sie folgende Sätze doch auch an die Muslime in Österreich richtet: „Dennoch scheinen zumindest im medialen Diskurs jene Stimmen die Oberhand zu haben, die versuchen, jenen Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen in Abrede zu stellen“. 

Wir müssen hier eben einfach zwischen einer sehr friedlichen Religion, dem „koranischer Islam“, kurz „wahrer Islam“, und dem „verfälschten Islam“ unterscheiden.

 

Diagnose: Faschistische Theologie und nicht der wahre Islam aus dem Koran

 

Wahrer Islam kennt keine Terroranschläge

 

Eine sehr schwierige Aufgabe ist daher die Aufklärung, um die Spreu (namentlich den „verfälschten Islam“) vom Weizen (dem „wahren Islam“) trennen zu können. 

Also den „wahren Islam“, der auf Friede, Wohlbefinden und Nächstenliebe beruht, von dem „verfälschten, traditionalistischen Islam“.

 

Der verfälschte Islam, auf den sich auch alle terroristischen Gruppen berufen, hat seine Wurzeln in der umayyadischen Dynastie, die ihren Höhepunkt mit dem 6. Kalifen Yazid I. ibn Muawiya (reg. 680-683) feierte. Mit dieser Herrscherdynastie ist der ursprüngliche Islam bereits sehr früh korrumpiert und verfälscht worden.

 

Werfen wir einen Blick auf die heutige Situation

 

Wir haben es heute mit einer „faschistischen Theologie“ zu tun, die man bislang immer unter den Teppich gekehrt hat. Man kann sie als Pseudo-Religion einer einseitigen Islam-Theologie betrachten, die in geheimen Demagogie-Laboren im Nahen Osten – auch mit westlicher Hilfe – ausgedacht und einstudiert wurde und jetzt neben Erdöl in die Welt exportiert wird. Im Gegenzug kommen Waffen und Dollarnoten.

 

Mit der Diagnose einer „faschistischen Theologie“ kommen wir den Antworten näher.
 Zudem ist es wichtig, sich von Vorurteilen freizumachen und die vielen Informationen neu zusammenzubauen. Wichtig ist, die Geschichte nicht nur in einem chronologischen Ablauf zu sehen, sondern auch schematisch zu erfassen.

 

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum in Arabien nichts produziert wird? Aus dem arabischen Raum scheinen tatsächlich nur Öl, Menschen und eine faschistische Theologie zu kommen. Wir versorgen die Länder mit Geld, Touristen und Waffen. Keine Teddybären, keine neuen Ideen, keine Literatur, keine Computer. Das Volk ist gefangen und versklavt, die Superreichen richten es sich.

 

Was meinen wir mit „Spreu vom Weizen trennen“ und warum müssen wir überhaupt „trennen“?



 

Die Antwort ist sehr einfach: Denn hier liegt der „Big Bang“ der faschistischen Theologie und des verfälschten traditionellen Islams, der in der Welt gerade in verschiedenen Laboren als „Islam“ entwickelt und die heiligen Worte des Islam wie „Allahu Ekber“ („Gott ist Eines“) verwendet, aber gleichzeitig alles tut, was der Islam eigentlich strikt verboten hat. Wir müssen in der Geschichte zurückgehen, in das 7. Jahrhundert. Denn ohne die umayyadische Dynastie und ihre „faschistischen“ Verfälschungen der koranischen Prinzipien und der Verse zu verstehen, besonders die Hadithe, können wir heute diesen Terror nicht diagnostizieren und damit auch keine Lösungsansätze finden.

 

Wer hat Recht?

 

Die Unterscheidung der Geister ist denkbar einfach und sei mit einem Jesus-Wort auf den Punkt gebracht: „An den Taten werdet ihr sie erkennen!“ (1 Joh 2,1-6).

Und dabei sind wirklich Taten gefragt. Demonstrationen und gutgemeinte Artikel  können ein erster Schritt sein. Es sind aber die echten großen und kleinen Taten, Werke, Handgriffe und Entscheidungen, die uns erkennen lassen, wie es jemand mit uns meint oder ob sein Tun auf Gott hingerichtet ist.

 

Auch wenn wir in diesem Artikel uns natürlich zuerst auf das (bloß) geschriebene Wort des Korans und verschiedener anderer Schriften konzentrieren müssen. Man soll dabei aber – und das macht ja einen Gläubigen jeder Religion aus – nicht die Taten und Werke übersehen. Aber Ethik und Moral ist noch wichtiger als Religion?

 

Wir müssen diese Themen, also Ethik und Moral an die Tagesordnung bringen. Experten müssen über dies sprechen und diskutieren. Wir werden über unsere Grundsätze und Maxime diskutieren. Noch etwas: Zu aller erst müssen wir es einsehen, dass wir keine Moral haben. Einerseits schmerzt dies, andererseits ist es seltsam. Aber leider ist es die Wahrheit. Wir sollten den Unterschied zwischen Moral und Sittsamkeit bzw. Religion erkennen. Wir sollten erkennen, dass zwischen moralischem Handeln und Religiosität kein Zusammenhang besteht. Wir sollten es einsehen, dass unsere Vorstellung vom moralischen Handeln als sexuelle Enthaltsamkeit falsch ist.

 

Von unmenschlichen und rassistischen Hadithen distanzieren!

 

Insbesondere müssen wir als Moslems uns von allen unmenschlichen und rassistischen Hadithen späteren Datums, die im Grunde genommen Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten Mohammed und seiner Person darstellen, distanzieren und aus der islamischen Theologie wegschaffen, die sich mit gedruckten Lügen  in der ganzen Welt selbst verherrlicht.

 

Die Hadithe werden von den Sunniten und den Wahabiten anerkannt.

 

Was sind die Hadithe?

 

Der Begriff Hadith (Erzählung, Bericht) bezeichnet die Überlieferungen über die  Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed sowie über die Handlungen Dritter, die er stillschweigend gebilligt haben soll. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtheit dieser Überlieferungen verwendet, als auch für die einzelne Überlieferung. In letzterem Fall wird dazu der Plural Hadithe gebildet.

 

Die große Bedeutung der Hadithe im verfälschten Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Normenlehre (FIKIH) darstellt. Die Hadithe gelten als das Mittel, über das sich die nachkommenden Generationen über diese Handlungsweise (Propheten) informieren können. Darum wird das Studium der Hadithe noch heute als einer der wichtigsten Zweige der islamischen religiösen Wissenschaften angesehen.

 

Islam bedeutet Friede und Glück

 

Warum? Denn das Wort „Islam“ des Korans hat als Wurzel die Worte „selam“ und „silm“ und diese bedeuten „Friede“, „Glück“, „Wohlbefinden“ und „Vertrauen“. Infolgedessen sind nach unserer Meinung alle Muslime in Österreich und in der Welt, die ihr „wahres Islam“-Bekenntnis aus dem Koran beziehen, verpflichtet, durch ihre Taten und Handlungen das Wort „selam“ auch zu leben – für sich und gegenüber dem Nächsten – und gewaltbereitende und selbstverherrlichende Theologien des Islam, die wir als „verfälschten Islam“ bezeichnen, kritisch zu betrachten, ja, sich von diesen um ihres Theologie Willen zu distanzieren.

 

Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe!

 

Leider leben wir in einer Zeit der korrupten Scheinheiligkeit. Im Westen wie im Osten. Im Okzident wie auch im Orient. Wo Korruption ist, kann keine Liebe sein und wo keine Liebe ist, kann keine Wahrheit sein.

Und diese Wahrheit wurde und wird in der islamischen Welt fast total verdrängt, wo faschistische und gewaltbereite Herrscher und Religionsführer den traditionellen oder „verfälschten Islam“ unantastbar gemacht haben, indem sie Kritiker seit Jahrhunderten bis heute verteufeln, foltern und ermorden.

Wir können es bestätigen, wo keine Wahrheit ist, ist auch kein „wahrer Islam“, sondern ein „theologischer Islam“, der eigentlich ein „manipulierter und mutierter falscher Islam“ ist, welcher von der umayyadischen Familie des Kalifen Muawiya (603–680; reg. 661–680) und seinem Sohn Yazid I. (644-683, reg. 680-683) herrührt, auf die sich heute auch die Terrormiliz IS (Islamischer Staat), Al Qaida und Boko-Haram beziehen. Dieser historische Zusammenhang geht leider in der Berichterstattung unter und muss hier noch einmal betont werden.

 

Was haben die Terrororganisationen Islamischer Staat, Al Qaida und Boko-Haram gemeinsam?

 

Sie sind Kinder eines demagogisch verfälschten Islams, der einer Theologie des Verachtens und der Gewalt folgt, und der mit dem wahren Koran und dem wahren Leben des Propheten nichts zu tun hat.

 

Spreu vom Weizen trennen: An den Taten kann man sie erkennen!

 

Dessen, was in diesen Jahren, zwischen 660 und 683 und nachher, unter dem Vorwand unmenschlicher und rassistischer Hadithe von islamischen Kalifen ausgeheckt wurde, bedient sich gerade die Terrormiliz Islamischer Staat als übelste Ausgeburt eines theologisch-demagogischen Islams. Sie versucht, die Untaten vor der Weltöffentlichkeit als Ausübung eines wahren Islams zu darzustellen bzw. sie damit zu rechtfertigen, lässt aber die Tatsachen in Wirklichkeit im Dunkeln.

In der Zeit der umayyadischen Familie wurde der islamische Glaube durch den Umayyaden-Kalifen Muawiya I. und dessen Sohn Yezid I. – der als Teufel gilt – durch verschiedene Teufelspraktiken manipuliert und ist daraufhin mutiert . Der Prophet wurde mit vielen Aussagen und Taten geschmückt, die er nie getätigt oder begangen hat und dies niedergeschrieben, als theologisches Buch verkauft, z.B. Hadithen. Diesen muss man neben dem Koran als zweites Gottesbuch folgen. Hier hat man Lügen verbreitet, nämlich, Verleumdungen gegenüber dem Propheten, Verachtungen gegenüber anderen Rassen, Religionen, Frauen, etc.. Man hat dann ein Denkverbot und ein Verbot der kritischen Hinterfragung im theologischen Islam ausgesprochen, damit man diese Lügen, die sie fabriziert haben, nicht hinterfragt. Und jetzt haben wir damit Bücher neben dem wahren Islam aus dem Koran, die eine entgegengesetzte, menschenverachtende Theologie, die – auch durch westliche Hilfe in den Nahen Osten – mit den despotischen Regierungen der arabischen Länder in die Welt exportiert wird. Auch nach Österreich.

 

Yezid I. ließ 72 seiner Verwandten umbringen, indem er sie köpfen ließ und soll mit den Trophäen Fußball gespielt haben. Seine traurigen Nachahmer sehen wir heute im Internet und im Fernsehen.

 

Dieser Glaube wird uns nun, als theologischer Islam verpackt, politisch untergejubelt und solchermaßen salonfähig gemacht. Kann das sein?

 

In Österreich erleben wir dieses Problem tagtäglich. Dabei spielen besonders die Großparteien SPÖ und ÖVP als Regierungsparteien eine dominierende Rolle. Sie halten intensive Kontakte zu sunnitischen Vereinen und Moscheen. Zudem wird das KAICIID noch immer von der Regierung toleriert.

 

Aber auch Österreich steckt ja mit der OMV in Abhängigkeit zu Abu Dhabi. In Wien befindet sich der Hauptsitz der OPEC. Österreich hat selbst Öl- und Erdgasquellen. Wo werden nur die jüngst vom Bundesheer über Ebay verkauften Pinzgauer landen?

 

Wir distanzieren uns von diesem verfälschten Islam noch einmal ganz klar. 

Egal, welcher Religion die LeserInnen dieses Artikels angehören, seien sie auch Atheisten oder Agnostiker, es ist ungemein wichtig, diesen Unterschied zu erkennen. 

Ohne diese Unterscheidung und Diagnose können wir dieses Problem nicht verstehen und werden der Zukunft der Menschheit nur sehr besorgt entgegensehen können. 

Das Problem kennen schon sehr viele säkulare, gläubige Muslime, egal ob sie Sunniten sind, Schiiten oder Aleviten. Wir wollen mit diesem Artikel keine Hetze betreiben, sondern lediglich Aufklärung bieten, als überzeugte Muslime.

 

Jeder spricht und schreibt über den Islam, aber was ist der Islam und was ist er nicht?

 

In den nachfolgenden Zeilen möchten wir die politisch-religiösen Debatten, Missverständnisse und Unklarheiten in Österreich in Bezug auf den Islam aufgreifen. Wir behaupten natürlich nicht, das absolute Wissen zu besitzen. Wir sind offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge, aber die vollständige und reine Wahrheit liegt sicherlich beim Besitzer dieser Religion, der einen konkreten Namen hat. Worüber wir sicherlich noch viel zu lernen haben.

 

FAQ: 25 Fragen zum Islam

 

Im Folgenden sollen einige Fragen erläutert und aus einer sachlichen Perspektive beantwortet werden.

 

Frage 1: Was bedeutet das Wort „Islam“? Wer ist „Allah“? Wer ist „Muslim“? Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? Was ist der „politische Islam“? Müssen auch Muslime Selbstkritik üben?


 

Das Wort „islam“ ist im Koran von Gott als Religionsname festgeschrieben. Das Wort „islam“ besteht aus den Wörtern „selam“ und „silm“. Das Wort „selam“, das auch in der jüdischen Sprache als „schalom“ verwendet wird und welches Jesus Christus immer zur Begrüßung verwendet hat, bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vertrauen. „Silm“ bedeutet Frieden, Vertrauen und Ergebung unter/in einen einzigen Gott (Einheitsprinzip/Tevhid). Das kann auch kurz in Sure 10, Vers 25 im Koran nachgelesen werden: „Gott ruft zur Wohnstätte des Friedens.“

Die Aufnahmegesellschaft sollte daraus sehen, dass hier wohnende Muslime mit solchen gedungenen Mördern, die den Islam missbrauchen, nichts zu tun haben. Was jene Verbrecher glauben, ist ein Schein-Islam. Im Irak, in Syrien und in vielen Ländern des Nahen und Fernen Ostens werden gerade alle gut-islamischen Werte zunichte gemacht und daher sollten alle, besonders wir Moslems, hier gegen diesen Terror aufstehen. Allah ist das arabische Wort für „der eine Gott“ und nicht der Name eines privaten Gottes der Muslime. Allah ist der einzige zu Recht angebetete und verehrte Schöpfer des Universums; auch arabische Christen nennen Gott Allah. Er schuf die Menschen und zeigte ihnen durch seine Offenbarung den besten Weg für sie im Diesseits, damit sie im Jenseits nicht eine Strafe erleiden.

Die Muslime sprechen den Friedensgruß, wenn der Name des Propheten Muhammad oder eines anderen Propheten erwähnt wird. Der Bedeutung des Wortes nach ist ein Muslim jemand, der sich freiwillig dem Willen Gottes hingibt und das Friedenmachen als seine Aufgabe ansieht. Man wird Muslim, indem man erklärt, dass es keinen Gott außer den Einen gibt.

 

Frage 1.1: Was ist der „politische Islam“? 



In den islamistischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen.“ Die politische Instrumentalisierung ist eine Erscheinung – richtiger, eines der Grundübel – nicht nur des Islams, sondern auch anderer Religionen. Politisierung heißt, die Religion zum Mittel politischer Erfolge und dynastischer oder despotischer Interessen zu machen: Politik- und Sultanatsfrömmelei könnte man es auch nennen. Dass die Religion zu politischen Zwecken missbraucht wurde, gehört zu den grausamsten Kapiteln der Geschichte. Nicht nur, dass unfassbare Grausamkeiten gegen die Vielzahl von Menschen begangen wurden, dies hat auch dazu beigetragen, dass zahlreiche achtbare Menschen sich von ihrer Religion abgewandt und gegen Gott und die Religion aufgelehnt haben. Denn sie mussten angesichts derartiger Widersprüchlichkeiten und Frevel zwangsläufig zu dem Schluss gelangen „wenn dies Religion sein soll, dann will ich damit nichts zu tun haben“.

 

Frage 1.2Müssen auch Muslime Selbstkritik ausüben? 



Natürlich, und wie. Betrachten wir heute die islamischen Gesellschaften unter dem Aspekt „Demokratie“ oder „Menschenrechte“, bietet sich kein positives Bild. Besonders dem Nahen Osten, der Kernregion des Islams, kann in Fragen der Menschenrechte kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. In diesen Ländern wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor. Ein Beispiel: Die Zeitungen vom 17. Juni 2002 berichteten unter der Schlagzeile „Grausamkeit“ von einem unmenschlichen und unbegreiflichen Vorfall. Er ereignete sich in einem berühmten islamischen Land, in Saudi-Arabien: Als sich einige Frauen vor einem Gebäudebrand retten wollten und auf die Straße liefen, wurden sie von den Gewalttätern, welche sich „Religionspolizisten“ nannten, mit Schlägen zurückgejagt. Der Grund: Sie waren nicht verschleiert. Sie mussten alle sterben. Grausame Taten wie diese, welche die Menschenwürde missachten und geradezu absurd sind, ereigneten sich auch im Land der Taliban und durch die Terrormiliz IS und prägen leider das heutige Bild des Islams weltweit. Diejenigen, die Wissenschaft und Bildung achten, wissen allerdings, dass es im Islam eine innere Wahrheit gibt. Bedauerlicherweise hat das Sichtbare in Form des traditionellen Islams das Wahre aus dem Leben verdrängt, also genau den Islam des Korans, den wir oben beschrieben haben.

 

Frage 1.3: Wer war Muhammed? 

Muhammad wurde um das Jahr 570 n.Chr. in der Stadt Mekka in Arabien als Mitglied eines angesehenen Stammes geboren. Seine Vorfahren gehen auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurück. Muhammads Vater starb vor dessen Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Er besuchte keine Schule, sondern wurde – wie in jenen Tagen üblich – von einer Amme aufgezogen und später von seinem Großvater und seinem Onkel aufgenommen und erzogen. Von seiner Jugend an war er als rechtschaffener Mensch bekannt. Ungefähr im Alter von vierzig Jahren schien ihm der Engel Gabriel in jener Höhle, in der er zu meditieren pflegte, und offenbarte ihm, dass er ein Prophet Gottes sei. Die folgenden Offenbarungen Gottes wurden in einem Zeitraum von 23 Jahren herabgesandt und später in Buchform zusammengetragen. Dieses Buch, der Koran, ist für Muslime die letzte und abschließende Offenbarung Gottes. Der Koran ist unverändert und in seiner Originalform erhalten; er bestätigt die Thora, die Psalmen und das Evangelium, welche die Menschen im Laufe der Zeit verändert haben.

Frage 1.4: Beten die Muslime Muhammad an?

Nein. Die Muslime beten weder Muhammad noch irgendeinen anderen Propheten an. Die Muslime erkennen alle früheren Propheten an, so Adam, Noah, Abraham, David, Salomo, Moses, Jesus und alle anderen (Friede sei mit ihnen allen). Die Muslime glauben, dass Muhammad das Siegel der Propheten war, d.h. der letzte der Gesandten Allahs. Sie glauben, dass allein Gott und nicht irgendein menschliches Wesen angebetet werden darf.

 

Frage 1.5 Was sagt der Koran über Jesus?

Die Muslime achten Jesus (Friede sei auf ihm) und seine Mutter Maria sehr. Der Koran berichtet uns, dass Jesus durch ein Wunder ohne Vater geboren wurde. „Das Gleichnis von Isa ist ja bei Allah wie das Gleichnis von Adam, Er schuf ihn aus Erdreich, dann spach Er zu Ihm: Sei!, und er war.“ (Koran 3:59). Er vollbrachte mit Gottes Hilfe als Prophet viele Wunder, unter anderem konnte er gleich nach seiner Geburt sprechen, um seine Mutter zu verteidigen und ihre Frömmigkeit zu bestätigen. Gott gab ihm noch andere Fähigkeiten wie z.B. das Heilen von Blinden und Kranken, das Wiedererwecken von Toten, das Formen eines lebendigen Vogels aus Ton und das Wichtigste: Er gab ihm eine Botschaft an die Menschen. Diese Wunder, die ihm Gott gab, bestätigten ihn als Propheten. Er wurde nicht gekreuzigt, sondern in den Himmel erhoben (Koran 3:54-55). Die Sure Maryam (19) beschreibt die Wunder Jesu in den Versen 27-3.

 

Frage 1.6. Ist im Islam nur Schweinefleisch verboten?

Dem Muslim wird im Koran aufgetragen, kein Schweinefleisch, keine Produkte vom Schwein und kein Fleisch von verendeten Tieren zu essen (Koran 5:3). Zudem ist das Fleisch von Raubtieren nicht erlaubt, weil sie selbst verendete Tiere fressen. Ein Muslim darf außerdem keine alkoholischen Getränke wie z.B. Wein oder Bier, und auch keine Drogen zu sich nehmen.

Frage 1.7 Wie steht der Islam zu Gewalt und Terrorismus?

Der koranische Islam ist die Religion des Friedens und der Hingabe an Gott und legt Wert auf die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens. Ein Vers im Koran sagt: „… wer er eine Seele tötet, – nicht wegen einer Seele oder Verderbenstiften auf der Erde, – es dann so ist, als habe er die Menschheit insgesamt getötet…“ (Koran 5:32). Der Islam verurteilt jede Form von Gewalt, wie z.B. in den Kreuzzügen, in Spanien während der Inquisition, im 2. Weltkrieg, oder die Gräueltaten. Jemand, der Gewalt ausübt, kann nicht gleichzeitig seine Religion praktizieren. Manchmal ist Gewaltanwendung jedoch die menschliche Reaktion eines unterdrückten Volkes. Terrorismus und Gewalt gibt es auch dort, wo keine oder kaum Muslime leben, z.B. in Nordirland, Südafrika, Lateinamerika oder in Sri Lanka. Manchmal findet Gewalt im Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen oder zwischen Unterdrückten und Unterdrückern statt. Man muss differenzieren und herausfinden, warum Menschen zu Terroristen werden. 
Terrorismus als Mittel zur Durchsetzung von bestimmten Zielen widerspricht den Grundsätzen des Islam und ist scharf zu verurteilen und sich davon zu distanzieren. Sogar im Krieg hat der Prophet Muhammad verboten, Menschen zu bekämpfen, die sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen. Er ging noch weiter, indem er sagte, dass es verboten ist, auch im Krieg die Ernte des Gegners zu zerstören.

 

Frage 1.8. Wie sollen sich Muslime gegenüber Juden und Christen verhalten?

Der Koran nennt die Juden und Christen das „Volk der Schrift“, d.h. sie sind diejenigen, die göttliche Offenbarungen vor der Zeit des Propheten Muhammad erhalten haben. Muslimen ist auferlegt, sie mit Respekt und Gerechtigkeit zu behandeln und nicht mit ihnen zu kämpfen. Dieser Respekt und die Toleranz ist aber nicht nur auf Christen und Juden beschränkt.

 

Frage 2: Gibt es geistliche Instanzen im Islam? 



 

Im Islam darf es laut den Prinzipien des Korans – sprich dem Einheitsprinzip („Tevhid“) – keine Zwischeninstanz, keinen Islamchef, „Papst“, Priester oder irgendein gemeinschaftliches oder geistliches Organ geben, welche zwischen Gott und dem einzelnen Menschen stehen. Die Propheten wurden sogar mehrmals in vielen Versen ausdrücklich gewarnt, außer der Vermittlung der „frohen Botschaft“ eine weitere Aufgabe anzunehmen. Im Islam gibt es keinen Oberhirten bzw. Vertreter oder Diener der Unterhirten und damit auch keine „Schäfchenkultur“, sprich Herde, wie wir es aus dem Christentum kennen. Nicht einmal der Prophet ist nach den koranischen Prinzipien der Wächter oder Verwalter im Namen Gottes.

 

Frage 3: Warum steht dann die Religion Islam unter Verdacht? 



 

Wir müssen hier eigentlich weiterfragen: Warum haben sich überhaupt in den letzten Jahren so viele Vorurteile gegenüber dem Wort „Islam“ und dem „Koran“ angesammelt? Wer hat hier Schuld? Wir beantworten das ganz einfach: Die Schuld liegt größtenteils bei den vorgeblichen Muslimen, welche behaupten, nach dem „wahren Islam“ zu leben, obwohl die Kultur der arabisch-umayyadischen Kalifen Muawiya I. und Yezid I. auf dem traditionalistischen Islam und auch auf einer Tradition, die auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens gründet, beruht. Somit werden die Welt und die Menschheit betrogen, indem dieser Islam als „theologischer Islam“ verbreitet wird. Die Unterstützer und Komplizen dieser Betrügerei – vor allem Politiker und Politikerinnen der Regierungsparteien – kommen leider aus der westlichen Welt.

 

Frage 4: Wie wichtig sind Verstand und Vernunft im Koran? 



 

Sehr wichtig, sogar oberstes Prinzip. Der wahre Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, besagt, dass die Menschen ihren Verstand und ihre Vernunft unbedingt benützen müssen. Das steht in mehreren Versen des Korans, die eigentlich auch alle Muslime zum Nachdenken bringen müssten. Hier nur einer davon: Sure 10, Vers. 100: „Gott sendet (seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft und ihren Verstand nicht gebrauchen mögen“. Wir sehen, dass die gesamte muslimische Welt leidet, weil eine der bedeutendste Messages des Koran missachtet wird, nämlich seinen eigenen Verstand und Vernunft zu gebrauchen.

 

Frage 5: Verwendet man das Wort „Islamismus“ richtig? 



 

Nein. Wie kann man nur aus dem Wort „Islam“, welches seine Wurzeln im Frieden, Vertrauen, Glück und Wohlbefinden hat, das Kampfwort „Islamismus“, das Terror, Unterdrückung und Totalitarismus bedeutet, hervorbringen? Damit will man die gesamte Religion Islam, den Koran und alle Muslime pauschalisieren und unter Generalverdacht bringen, wie „Die Zeit“ am 18. September 2014, unter dem Titel „Eine Religion unter Verdacht: Haben Terror und Unterdrückung wirklich etwas mit dem Islam zu tun?“. Das Wort „Islamismus“ ist eine von manchen Kräften absichtlich und von manchen Menschen unabsichtlich und unglücklich gewählte Terminologie, mit welcher man eigentlich das Gegenteil vom im Islam und dem Koran Geforderte beschreiben will, nämlich fundamentalistische und terroristische Menschen, Gruppen und Sekten. Man sagt doch auch z.B. zu einem christlichen oder jüdischen Fundamentalisten oder Terroristen nicht „Christianist“ oder „Judaist“. Man will mit Genuss den Glauben des Islam, von welchem wir oben die wahre Bedeutung definiert haben, auf die Ebene des Faschismus ziehen und damit dient man vielmehr den Gelüsten der Fundamentalisten, aber auf keinen Fall dem Gemeinfrieden oder dem Weltfrieden. Der „politisierte Islam“ und die Terrormiliz IS machen es leichter, solche Begriffe zu benützen, denn kein Mensch auf dieser Erde würde seinen Glauben in diesem Zusammenhang sehen und hören wollen. Wir wissen, dass man mit der Terminologie „Islamismus“ diejenigen Betrüger definiert, welche den Glauben des Islam für ihre politischen und geschäftlichen Gelüste missbrauchen.

 

Frage 6: Welche Bedeutung hat das Wort „Koran“? 



 

„Koran“ leitet sich aus dem Begriff „karaa“ ab. „Karaa“ bedeutet „lesen“ (ikra) und sammeln. Nach verschiedenen Quellen wurde dem göttlichen Buch dieser Name gegeben, weil es einerseits Gegenstand des Lesens und der Rezitation ist, andererseits Gebote, Verbote und verheißungsvolle gute Nachrichten enthält und schließlich auch, weil es in Form von Suren und Versen gesammelt worden ist. Das Wort „Koran“ und das allererste Wort der ersten Offenbarung (Sure Alak) stimmen etymologisch überein. Das erste Wort „Ikra“ hat seine Wurzeln im schon erwähnten „karaa“ und bedeutet auch hier speziell „lies“. Damit haben wir jetzt erfahren, dass das erste Offenbarungswort „lies“ (lesen) war. In der Wüste verlangte Gott von seinen Propheten und allen Menschen also als erstes das Lesen.

 

Frage 7: Warum ist der Bildungsgrad in den muslimischen Ländern so gering?

 

Ist das nicht unglaublich? 

Wir haben bis jetzt immer das Vorurteil gehabt, dass der Koran ein Kriegs- und Fundamentalismusbuch ist, weil die Taliban, die Terrormiliz IS oder andere nahöstliche Staaten so unzivilisiert waren. Aber nun haben wir erfahren (siehe oben), dass das Wort „Islam“ Friede, Glück, Vertrauen und Wohlbefinden bedeutet, und dass das erste Offenbarungswort im Koran (Sure Alak, 1) „lies“ ist. Der Begriff „Koran“ wird an ungefähr 70 Stellen im Koran erwähnt. Aber darüber hinaus wird der Koran noch mit anderen Namen bezeichnet. Folgende Adjektiva und Substantiva kommen im Koran vor: hakim (mit Weisheit angefüllt), tenzil (von Gott herabgesandt), nur (das Licht), kitap (das Buch), furkan (jenes, was Licht und Dunkelheit, das Gute und Schlechte voneinander trennt) und zikir (jenes, was die Erwähnung Gottes sichert) und viele mehr. Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) hat über den Koran sinngemäß Folgendes gesagt: „Wenn man die gesamte Aussage des Korans in Kürze ausdrücken will, so findet man sie gleich zu Beginn von Sure 2: „Das ist das Buch, in dem kein Hadern und kein Zweifeln enthalten ist.“ Die Bezeichnung des Korans als Buch findet man im Koran an über 250 Textstellen. Mit dem Ausdruck „Buch“ bezeichnet sich der Koran nicht nur selbst, vor allem wird ein Teil der Offenbarungen, die mit anderen Propheten herabgesandt wurden, als Buch bezeichnet. So beispielsweise die Psalter, die Thora oder auch die Bibel (die aus mehreren Büchern besteht). Darüber hinaus bezeichnet der Koran allgemein alle Offenbarungen, die vom ersten Propheten bis hin zum Letzten herabgesandt wurden, sehr respektvoll als „Buch“. Der Ausdruck „Buch“ (koran) rührt auch daher, dass der Koran als eine der elementaren Quellen der islamischen Geistesgeschichte dient. Diese Tatsache wird deutlich in den Vordergrund gestellt. Nach dem Koran existieren drei grundlegende Bücher, die den Menschen vorgelegt wurden und die man lesen soll: Das Buch der Schöpfung (d.i. die Natur und die Naturgesetze insgesamt) das Buch der Offenbarung (Koran) und der Mensch selbst.

 

Frage 8: Was kann man allgemein über den Inhalt des Korans ausführen? 



 

Das Grundthema des Korans ist die Einheit Gottes (Einheitsprinzip/Tevhid), seine Unvergleichbarkeit und die Tatsache, wie er dem Leben und dem Universum in ständiger und bewusster Weise die Richtung weist. Wir erfahren aus dem Koran in  erster Linie „Tevhid“, das Einheitsgebot. Ohne Tevhid, also das Einheitsprinzip, kommt es zu einem manipulierten und mutierten Islam, der einfach mit dem wahren Islam (Koran) nichts zu tun hat; es herrscht im wahren Islam ein absolutes Eingottprinzip bzw. eben dieses Einheitsgebot. Es bezeichnet vor allem die Einheit Gottes. Der Koran bezeichnet die Kraft und Macht als Gott (Allah). Gott ist der absolute Schöpfer, er ist absolut gut, absolut positiv und absolut schön. So sind demzufolge die Schöpfung, die Geschöpfe und das Leben in ihren Grundlagen gut und schön. Die Einheit Gottes nach dem Koran macht in zunehmendem Maße die Einheit des Lebens, des Menschens, der Zivilisation und schließlich auch der Schöpfung notwendig. Mit anderen Worten: So wie der Schöpfer Eins ist, genauso ist auch die Realität Eins. Demzufolge ist der Weg, welcher zur Realität führt, einzigartig. Der beste Weg, den Koran zu kommentieren, besteht darin, ihn als eine Einheit zu begreifen und wahrzunehmen. Der Koran hat gewisse Prinzipien, wie er zu kommentieren und zu interpretieren ist. Wir können nicht einen Abschnitt des Korans verstehen, wenn wir nicht den gesamten Koran verstehen, wir können nicht einen Vers begreifen, wenn wir die anderen Verse vernachlässigen. Der Koran ist, genauso wie das Buch der Schöpfung, eine Einheit, in der das Eine mit allem und alles mit dem Einen in Verbindung steht.

 

Frage 9: Wo liegt dann das Problem? Warum ist es so wichtig, zwischen wahrem und falschem Islam zu unterscheiden? 



 

Wer über den Islam sprechen möchte, muss zunächst deutlich machen, was genau er darunter versteht. Wir müssen zwischen dem traditionellen Islam, also dem umayyedischen Islam, der auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, unterscheiden. Bis heute übersieht der Westen diese Differenzierung, die von den Muslimen weltweit selbst als Dilemma empfunden wird. Zumindest bis zum schrecklichen Terroranschlag vom 11. September 2001 oder vor der Terrormiliz IS hatte der Westen nur sein kurzfristiges politisches Kalkül im Blick und hat dieses Dilemma nicht gesehen und fast immer die falschen Islam-Anhänger unterstützt und das aufgrund wirtschaftlich und kulturell-politisch opportunistischen Interessen, die unmenschlich für uns sind.

 

Frage 10: Was bedeutet „Djihad“ im Koran? Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?

 

Das Wort Djihad (auch Dschihad, engl. jihad), das der politische Islam im Verlauf seiner Geschichte wie auch in unseren Tagen zur Rechtfertigung von Gewalt und Blutvergießen missbraucht, geht im Arabischen etymologisch auf die Wurzel „cehd“ zurück, ein Wort, das soviel bedeutet wie „äußerste Anstrengung aufwenden“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In der Gedankenwelt des Korans taucht dieser Begriff in drei Erscheinungsformen auf, die sich alle von der Wurzel „cehd“ ableiten lassen:

 

1. Mücahede: als Bezeichnung für „äußerste Anstrengungen“, die ein Mensch aufwendet, um innerliche Reinheit zu erlangen. In der Mystik werden diese Anstrengungen auch als „Innerer Dschihad“ oder „Großer Dschihad“ bezeichnet und in beiden Fällen geht es um die Reinigung des Inneren, des Herzens und der Gesinnung. Die islamischen Mystiker sehen im Kampf über die innere Reinheit das, was den Menschen zum Menschen macht, und jenen Kampf, der ihm Erfüllung bringt.

Der Koran enthält die klare Aussage, dass ein Individuum seinen in der Gesellschaft angestrebten Platz nicht wird einnehmen können, solange es sich nicht darum bemüht, seine Gesinnung zu ändern und reinen Herzens zu werden (vgl. Sure 8, Vers 53 und Sure 13, Vers 11). Das Individuum ist die Keimzelle der Gesellschaft, der Welt und des Universums. Solange die erforderlichen Veränderungen in diesem Kern nicht vollzogen worden sind, gehen die Hoffnungen auf Veränderungen in den anderen Gebieten ins Leere.

 

2. Ictihad: Dieser Begriff steht für die „äußersten Anstrengungen“ auf intellektuellem Gebiet und in der Wissenschaft (speziell auf dem Gebiet der Koranexegese) und heißt soviel wie „wissenschaftliches Denken und Forschen unter Einsatz aller Kräfte.“ Denker und Wissenschaftler, die dazu fähig sind, werden als Müctehid (Koran-Exeget) tituliert. Im Ictihad liegt der Lebensquell der koranischen Religion, in ihm liegt der Geist des Islams. Versiegt dieser Quell, so stirbt die koranische Religion.

 

Der politische Islam, der die Religion zum Instrument politischer Interessen gemacht hat, sowie bestimmte Geistliche, die sich willentlich oder unwissentlich von diesen Kreisen haben vereinnahmen lassen, haben eine geradezu teuflische Parole in die Welt gesetzt, um den „äußersten Anstrengungen“ auf dem Gebiet des Intellektuellen einen Riegel vorzuschieben – und bedauerlicherweise ist es ihnen gelungen, dass sich die muslimischen Massen über Jahrhunderte hinweg mit diesem Schlagwort identifiziert haben.

Sinngemäß übersetzt lautet das geflügelte Wort dieser Kreise: „In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort gesprochen! Das Tor der selbstständigen Urteilsfindung ist geschlossen, den altvorderen Koran-Exegeten wird niemand mehr folgen.“ Die Muslime unserer Tage sind zum Kampf gegen diese despotische, sinnentstellende Weisung aufgerufen, zum Aufstand gegen alle, die dieser Tabuisierung und geistigen Erstarrung das Wort reden! Den Gläubigen sei gesagt, dass dieser heilige Aufstand ein heilbringender Gottesdienst sein wird! Denn solange dieser Aufstand sein Ziel nicht erreicht, können Muslime keine glückliche Welt aufbauen.

 

3. Dschihad: Dies ist die dritte Erscheinungsform des Begriffes „cehd“ und bezeichnet den Krieg, den zu führen man gezwungen ist, wenn die Werte, die den Menschen zum Menschen machen, verletzt werden. „Äußerste Anstrengungen“ in einer Ausnahmesituation also, in der man – falls notwendig – nicht davor zurückschrecken darf, das Unvermeidliche zu tun.

Der Koran hält den Krieg nicht für gut, aber unter Umständen für legitim. Erfordern die Umstände einen Krieg, so ist dieser eine unabdingbare Voraussetzung für die Überwindung von Hindernissen, die dem Menschen im Weg stehen. Die Kardinalsproblematik besteht darin, richtig zu bestimmen, ob die Umstände einen Krieg erzwingen oder nicht.

 

Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?



 

Im Islam bildet der Begriff des „Paradieses“ eine eher symbolische Bezeichnung für die ewige Glückseligkeit und kann in unserer dreidimensionalen Welt allenfalls allegorisch beschrieben werden. „Das Paradies ist für uns nicht etwas, von dem wir berichten oder das wir beschreiben, sondern kann nur etwas sein, das wir versinnbildlichen (vgl. Sure 2, Vers 25). Das Paradies ist also kein Ort, sondern ein Symbol. Es steht nicht in unserer Macht, es zu definieren oder gar abzubilden. Der Koran betrachtet das Paradies ganz und gar nicht als Angelegenheit eines irgendwie verbrieften Rechts, sondern in Verbindung mit dem menschlichen Tun. Die Taten und das Streben des Menschen sind Voraussetzungen für die Erlangung des Paradieses, verbriefen jedoch keinen Anspruch. Deshalb schilt der Koran jene, die das Paradies als das natürliche Recht der Angehörigen der eigenen Religionsgemeinschaft betrachten, und diese sich so in Lügengebilden, Illusionen und Trugschlüssen verfangen. Juden und Christen sind dem Koran nach die wichtigsten Vertreter solch einer monopolistischen Auffassung vom Paradies (vgl. Sure 2, Vers 111 und Sure 5, Vers 18). Dem Koran nach ist das Paradies einzig und allein der Lohn für Taten zum Wohle des Guten und des Friedens (vgl. Sure 4, Vers 123; Sure 40, Vers 40 und Sure 43, Vers 72).

 

Die Auffassung vom Paradies als Luxushotel: Dies ist eine der areligiösen Vorstellungen, die sich aus einem egoistischen Paradiesverständnis speist: eine Geisteshaltung, nach der das Paradies so etwas wie der Vergnügungsort sexbesessener Faulenzer ist. Es scheint, als liege darin der eigentliche Grund, warum Leute von diesem Schlag nicht wollen, dass außer ihnen noch andere ins Paradies gelangen.

Es lässt sich mit den Aussagen des Korans nicht vereinbaren, das Paradies als einen festen Ort zu definieren. Vers 133 der Sure 3 und Vers 21 der Sure 57 beschreiben, dass das Paradies ausgedehnt wie der Himmel und die Erde ist. In der Verwendung dieser Metapher für die Unendlichkeit des Paradieses liegt die zentrale Botschaft, das Paradies nicht als Ort, sondern als einen seelischen Zustand zu begreifen. Dieser koranischen Wahrheit hat der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (1877-1938), einmal mit der Aussage Nachdruck verliehen: „Das Paradies ist kein Raum, kein Ort, sondern ein Seelenzustand.“

 

Frage 11: Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? 



 

In den islamischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen“.

 

Frage 12: Wo liegt das Problem in den islamischen Ländern?

 

Die islamischen Länder sind zwar von ihren früheren Kolonialherren unabhängig, aber nicht frei geworden. Die Unabhängigkeit nutzt lediglich den Despoten im Land. Das Joch der Unterdrückung blieb bestehen und belastet die Menschen heute mehr denn je. Man vergaß, dass die Unabhängigkeit eines Landes durch die Freiheit des Individuums vervollständigt werden muss.

 

Frage 13: Wie kann das Problem gelöst werden? 



 

Der einzige Weg dorthin ist die Installierung einer säkularen Regierungsform. Die Methode „Demokratisierung durch Krieg“, welche im Irak angewendet wird, ist dagegen weder menschenwürdig, noch erfolgsversprechend. Man sieht heute die Terrormiliz IS als Resultat dieser falschen Politik. Die Terrormiliz IS wütet „zufällig“ auf Territorien wo reichlich Bodenschätze vorhanden sind. Das Militär wurde in der Vergangenheit und wird auch in Zukunft des Öfteren dafür benutzt werden, um sich Zugang zu den Bodenressourcen zu verschaffen, zu schützen und den Zugang für Privatfirmen zu ebnen bzw. diesen Zugang für die Privatfirmen sicherzustellen. D.h. arbeiten private Firmen immer mehr mit sogenannten Sicherheitsfirmen und kleinen und größeren Berufsarmeen zusammen.

 

Frage 14: Woher kann die Veränderung kommen? 



 

Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen. Wenn wir die tabuisierenden Traditionen und die vorsätzlichen Irrwege beiseite lassen und den Islam aus der Sicht seiner Hauptquelle, des Korans, betrachten, gibt es durchaus einen Silberstreif am Horizont. Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Lebenswerte des Korans, die für die Entwicklung der Menschheit notwendig wären, die westlichen, nicht-muslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten sind als die islamischen. Und auch dies ist eine Tatsache: Mit jedem Tag wird dieser Abstand zum Nachteil der islamischen Welt größer. Die islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden. In der Terminologie des Korans bezeichnet man dies als „schirk“ (Vielgötterei, Polytheismus; von „beigesellen“, Götzendienst). Es handelt sich also schlicht um Paganismus. Diese Ausrichtung mit fetischistischem Charakter macht die Menschen immer mehr zu Sklaven von Knochen, Fossilien und Grabstätten. Umso absurder wirkt es, dass die grundlegenden Werte, die der Koran im Leben des Menschen verwirklicht sehen möchte, in nicht-islamischen Gesellschaften verwirklicht sind.

 

Frage 15: Was bedeutet der „falsche Islam“ und was bedeutet Säkularismus im Islam? 



 

Der Islam der Traditionen, also der falsche Islam, hat alle islamischen Grundlagen und Werte, die den Menschenrechten und damit auch der Demokratie den Weg bahnen und sie stärken könnten, außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung begann, als die despotische umayyidische Dynastie (660-683) den Islam zur Religion erklärte und eine Monarchie errichtete. Das System der monarchistischen Herrschaft aber wird im Koran als ein unzulängliches System der Ungerechtigkeit bezeichnet (siehe hierzu Sure 27, Vers 34). Dass es dennoch die Oberhand gewann, wurde möglich, weil man den Säkularismus in einen Gegensatz zur Religion stellte. Säkularismus bedeutet aber nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen. Säkularismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder religiöses Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes.

Daher halten wir es nicht für möglich, dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können, ohne dass es eine wirklich säkulare Verfassung gibt. Der Koran verkündet, dass das Prophetentum abgeschlossen sei. Eine der grundlegenden Folgerungen daraus lautet: Das Zeitalter, in dem die Völker von Personen geführt werden, die sich auf Gott berufen, ist beendet. Der Koran ist das einzige heilige Buch, das verkündet, dass die Theokratie aus dem Leben der Menschen weichen soll.

 

Frage 16: Warum verschweigt man diese Wahrheit des Korans dann? 



 

Diese wahre Aussage des Korans ist die wichtigste Prinzip, die in den islamischen Gesellschaften verschwiegen und versteckt wird. In den islamistisch-fundamentalistischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass dieses demokratische Prinzip verborgen bleibt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen westlichen Kräften unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern die Zustände ändern.

 

Frage 17: Was bedeutet „der wahre Islam“?



 

Nach dem Verständnis des wahren Islams, der sich auf den Koran beruft, ist die Macht, ein Volk zu führen, ein rechtsstaatliches Gut. Dieses darf nicht für despotische Herrschaft missbraucht werden. Nur jene dürfen die Macht an sich nehmen, die seiner würdig sind. Dieses rechtsstaatliche Gut kann dem Einzelnen durch Wahlen anvertraut und falls notwendig auch wieder entzogen werden.

 

Frage 18: Fordert der Koran dann nicht eigentlich Demokratie? 



 

Ja, natürlich fordert der Koran Demokratie. Diejenigen, die den Despotismus zur Religion erklären, fragen oft: „Warum Demokratie? Demokratie bedeutet ‚Herrschaft des Volkes‘. Welches Volk hat den Propheten Mohammed gewählt? Und warum überhaupt Wahlen?“ Diesen Wortführern muss man entgegenhalten: „Den Propheten Mohammed hat Gott selbst berufen. Hat Gott auch die Könige, Sultane und Kaiser berufen? Hat Gott etwa Saddam Hussein, den Schah von Persien, Komeini, König Abdullah und andere Könige und Herrscher berufen?“ Die Herrschenden täuschen das Volk und fragen: „Wenn eine Theokratie besteht, dann werdet ihr von Gott geführt. Wollt ihr euch darüber beschweren?“ Und weil das Volk die wahren Grundlagen des Islam nicht kennt, kann es die folgenden Fragen nicht stellen: „Nur Propheten können eine Theokratie leiten. Aber wenn die Zeit der Propheten abgeschlossen ist, wie kann dann eine Theokratie fortgeführt werden? Seid ihr denn Propheten, dass ihr euch auf Gott beruft und uns regieren wollt?“ Nach dem Koran sollen sich die Regierenden und Herrschenden auf die Prinzipien der „schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) und „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag) stützen. Gott hat dem Propheten Mohammed, den er selbst gesandt hat, aufgetragen, sich auf diese beiden Prinzipien zu stützen. Was der Koran über das Regieren und Herrschen sagt, ist klar und deutlich: Die Zeit nach dem Propheten Mohammed ist die Zeit der „schura“ und des „bajat“. Das heißt, an die Adresse der Herrschenden gerichtet: „Ihr werdet das Volk führen und leiten, ihr werdet von den Menschen die Legitimation hierzu erhalten, ihr werdet gewählt werden. Und wenn das Volk euch abwählt, dann sollt ihr gehen.“

 

Frage 19: Gibt es im wahren Islam (nach dem Koran) einen Stellvertreter oder Repräsentanten Gottes bzw. ein Kalifat? 



 

Der wahre Islam im Koran spricht niemandem das Recht zu, ein Beauftragter, Stellvertreter oder Repräsentant Gottes zu sein. Der Rest außerhalb des Korans ist nicht bindend. Einzig dem Propheten steht es zu, im Namen Gottes zu sprechen und zu führen. Der Prophet ist tot und die Zeit ist damit beendet. Das Recht zur Führung eines Volkes kann laut Koran nicht von Gott oder durch Geburt erlangt werden, sondern nur vom Volk und durch Wahlen geschehen. Dies bezeichnet der Koran als „bajat“ (Gesellschaftsvertrag eines Systems von Beratung und Kontrolle). Das mittels „bajat“ erlangte Recht zur Führung eines Volkes wird mit dem „schura“ genannten System der Beratung und Kontrolle vollzogen. Dieses System stellt sicher, dass die Führenden die Geführten – und umgekehrt die Geführten die Führenden – einander kontrollieren. Auf der Grundlage  dieses Gesellschaftsvertrages kann das Volk, welches über die Regierenden wacht, ihnen auch das Recht zur Herrschaft entziehen, falls es dies für notwendig erachtet.

 

Frage 20: Was bedeutet „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) im Koran? 



 

Die koranische Entsprechung für das demokratisch parlamentarische Verfahren ist also die „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle), weil sie im Koran erwähnt wird, konnte sie nicht völlig unterschlagen werden. Aber ihre Bedeutung wurde verzerrt wiedergegeben und so ausgeformt, dass sie dem traditionellen Islam ins Konzept passte. Von den Despoten im Nahen Osten wurde die „Schura“ darauf reduziert, dass der König oder der Sultan sich einige Ratgeber zulegen sollte. Der 1988 verstorbene islamische Gelehrte Fazlur Rahman sagt hierzu: „Schura, wie sie der Koran aufträgt, bedeutet nicht, dass jemand sich gelegentlich den Rat anderer einholt. Vielmehr bedeutet es wechselseitige Konsultation von Gleichberechtigten. Wer diese Konsultationen verweigert oder sie verzögert, weil sie angeblich nicht passen, ist ein Diktator, der im Widerspruch zum Islam steht.“ Nach dem Verständnis des Korans leitet sich die Berechtigung zur Leitung des Staates also nicht aus der Religion oder dem göttlichen Recht ab, sondern aus dem freien Willen des Volkes (Mehrheitsprinzip). Der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Mohammed Iqbal (1877- 1938), stützte sich auf diese Aussagen des Korans, als er verlangte, die Berechtigung, Normen und Gesetze aufzustellen, sei den Rechtsgelehrten zu entziehen und einem Parlament zu übertragen. Zu diesem Zweck solle das Prinzip der „Icma“ (des Konsenses innerhalb der islamischen Gemeinschaft) im Geiste des Islams modernisiert werden. Iqbal war überzeugt davon, dass Republik und parlamentarische Demokratie das Regierungssystem darstellen, das dem Geist des Islams am besten entspricht.

 

Frage 21: Was bedeutet Bajat (Gesellschaftsvertrag)?

 

Der Koran entwickelte das Prinzip der „bajat“, also die Idee eines Gesellschaftsvertrags, viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution. Um zu regieren und zu herrschen, sollte mit jedem, egal ob Mann oder Frau, ein Abkommen geschlossen und Einverständnis erzielt werden. Selbst dem Propheten Mohammed wurde aufgetragen, sich bei der Führung der Gemeinde vom gesamten Volk, auch von den Frauen, eine „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag, hier im Sinne einer Zustimmung) einzuholen (Sure 60, Vers 12). Die Prinzipien des Korans, die sich in Übereinstimmung mit der demokratischen Logik befinden, hat der amerikanische Nahost-Experte Leonard Binder in seinem Buch „Islamic Liberalism“ folgendermaßen zusammengefasst: „Erteilt Gott oder das Volk die Berechtigung zum Regieren? Diese Diskussion ist so gelöst worden: Die ursprüngliche Berechtigung kommt von Gott, aber sie wird über das Volk an bestimmte Personen übertragen. Dass die Berechtigung zur Machtausübung, deren Quelle Gott ist, über das Volk auf, von ihm ausgewählte, Führer übertragen wird, ist Demokratie.“ Im Kern bedeutet dies: Gott, der allmächtige Herrscher, gab dem Menschen eine Legitimation zum Herrschen. Der Mensch benutzt diese Legitimation, indem er bestimmten Personen ein Mandat überträgt und dabei die Prinzipien der „Schura“ und der „Bajat“ anwendet.

 

Frage 22: Warum missachtet man diese Wahrheit aus dem Koran? 



 

Der traditionelle religiöse Diskurs in den islamischen Ländern missachtet die Wahrheit dieser grundlegenden Prinzipien. Der ägyptische Gelehrte Abu Said ist der Ansicht, dass die traditionellen Gelehrten dies nicht aus Unkenntnis tun, sondern um die Wahrheit bewusst zu verheimlichen.

 

Frage 23: Wie wichtig sind der Verstand und die Prinzipien universellen Rechtes im Koran? 



 

Der Koran hat dem Menschen die Allmacht entzogen und sie an bestimmte Prinzipien und Leitlinien gebunden. Werte werden von Gott im Koran gegeben und von ihm verfügbar gemacht. Dem Koran zufolge ist der erste dieser Werte der Verstand. In Sure 10, Vers 100 heißt es: „Und Gott zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen.“ In die Rechtssprache der modernen Zeit übersetzt heißt das: Die Herrschaft beruht auf den Prinzipien des universellen Rechtes. Der Koran verweist immer wieder auf diese universellen Prinzipien. Der Koran ruft dazu auf, den Verstand zu benutzen und kritisiert es, wenn Menschen sich wie eine Herde Vieh verhalten. Das Volk darf niemanden zu seinem Hirten machen und sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiger Teil der zeitgenössischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert.

 

Frage 24: Unterstützt die Österreichische Bundesregierung den „wahren Islam“? 



 

Nein. Faktum in Österreich ist, dass viele der islamischen Organisationen, die behaupten, Muslime zu vertreten, Verbände des „politischen Islam“ sind, der eigentlich nicht auf dem wahren Islam, sondern einem traditionellen Islam und den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht. Nach einem bedingungslosen Dialog mit Gruppierungen des „politischen Islams“ muss etwas Wichtiges aufgezeigt werden. Denn es zeichnet sich seit Jahren eine gefährliche, teils absichtlich herbeigeführte Entwicklung in Österreich ab. Unter dem Vorwand des Dialogs werden die Unwissenheit oder die Vorurteile mancher österreichischer Politiker, Verbände oder Kirchen über den politischen Islam ausgenutzt.

 

Frage 25: Wo ist eine Verpflichtung im Koran zum Kopftuchtragen festgeschrieben und in welchem Vers? Steht das Wort „Kopftuch“ ausdrücklich in diesen Versen oder nicht?

 

Nein, das Wort „Kopftuch“ steht im Koran, der aus einhundert 114 Kapiteln (Suren) besteht, in keinem der 6.263 Verse. Jede Sure hat drei bis 300 Verse. Zunächst einmal zum umstrittenen Thema Kopftuch: Woher stammt das Kopftuch? Seit wann wird es getragen? Inwiefern handelt es sich beim Tragen eines Kopftuches um eine religiöse Pflicht, ein spirituelles Gebot oder eine gesellschaftliche Konvention? Wo ist eine Verpflichtung zum Kopftuchtragen festgeschrieben? Welchen Bedeutungswandel erfuhr das Kopftuch im Zeitverlauf? Wie bereits erwähnt, gibt der Koran, die verbindliche Hauptquelle des Islams, keine Auskunft über diese Fragen. Lediglich in drei Versen findet sich die Formulierung „den Körper bedecken“ (Sure 24 Vers 31 und 60, Sure 33 Vers 59), das Wort „Kopftuch“ (oder eine andere Kopfbedeckung) wird aber selbst in diesen drei Versen nicht erwähnt. Anders in der Bibel: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern den Frauen sogar vorgeschrieben (vgl. Paulus, Korintherbrief). Nun möchten aber viele Menschen wissen, ob es sich bei islamischen Kopftüchern um ein religiöses Gebot handelt (dann müsste dies auch im Koran festgeschrieben sein) oder ob wir es nicht vielmehr mit einem historisch gewachsenem politisch-religiösen Phänomen zu tun haben, dass sich auf den Einfluss politischer und kultureller Traditionen zurückführen lässt. Das häufig angeführte Argument, das Kopftuch sollte „vor den Blicken der Männer schützen“ erscheint in unserer aufgeklärten Zeit jedenfalls vielen absurd und selbst im traditionell-historischen Kontext nicht als ganz stimmig… Und es gibt viele solcher falschen Argumente, die gegenüber dem Koran nicht standhalten.

Die Befürworter, besonders hier die weiblichen Befürworterinnen, des Kopftuches leiten ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Verhüllung aus dem Koran ab. Es empfiehlt sich daher, in jenen Suren und Versen des Korans nachzulesen, auf die sie sich berufen:

 

Sure 24, Vers 31 



 

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzen, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.“ [„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt als „Reize“] [„Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt als „Busen“]

 

Sure 24, Vers 60 



 

„Und für die unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es kein Vergehen, wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne dass sie jedoch den Schmuck zur Schau stellen. Und besser wäre es für sie, dass sie sich dessen enthalten. Und Gott hört und weiß alles.“

 

Sure 33, Vers 59

 

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunter ziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.“

 

(Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses. (Gütersloh, 2. durchgesehene Auflage 1992)).

 

Bei Betrachtung der oben geschilderten Verse sieht man, dass das Wort „Tuch“ vorkommt, aber nicht das Wort „Kopftuch“ als solches. Auch bei der RICHTIGEN türkischen Übersetzung des Korans werden Sie das Wort „basörtü“ nicht finden. „Bas“ bedeutet auf Türkisch „Kopf“ und „örtü“ bedeutet auf Türkisch „Tuch“. Trotzdem findet man bei fast allen Auslegungen und Übersetzungen des Korans sowohl in türkischer als auch in deutscher Sprache die Übersetzung „Kopftuch“. Aber in Wahrheit bedeutet das Verb „himar“, das in diesem Vers 59 ausdrücklich erwähnt wird, in arabischer Sprache nicht „den Kopf bedecken“, sondern nur „bedecken“. 

Falls im Koran überhaupt etwas explizit bedeckt werden soll, würde es auch erwähnt werden. Das ist aber nicht der Fall. Die theologische Begründung für das Gebot zum Kopftuchtragen wird aber dennoch in erster Linie auf den Koran zurückgeführt.

Die Sure 24,31 ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den Männern zu verbergen, aber nicht den Kopf zu bedecken. Das steht wie oben aufgezeigt schwarz auf weiß im Koran Sure 24,30 und 31, Sure 33,59. Bei Übersetzungen wird aber in der Regel mit Klammerausdrücken versucht, den Koran willkürlich zu interpretieren. Dieser fatalen Praxis ist dringend Einhalt zu gebieten: Wir müssen bei den Fakten bleiben. Persönliche und gesellschaftliche Ansichten dürfen in Interpretationen genauso wenig einfließen wie tradierte kulturelle Aspekte.

 

Ich möchte meine Ausführungen noch mit einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Wenn man das Wort „Bettdecke“ verwendet, benützt man neben dem Wort „Decke“ auch das Objekt „Bett“, um zu betonen, was genau bedeckt werden soll, wo etwas bedeckt werden soll oder wozu es dient (Bettdecke, Überdecke, Schlafdecke, Krankenhausdecke – Achtung ungenau, es handelt sich um ein (ungenaues) zusammengesetztes Hauptwort. Eine Schlafdecke ist eine Decke zum Schlafen, eine Krankenhausdecke ist aber die Decke eines Krankenhauses (gehört dem Spital), sie ist keine Decke zum Krankenhausen. Eine Bettdecke heißt nicht so, weil sie das Bett bedeckt, sondern weil sie für das Bett gedacht ist im Gegensatz zur z.B. Tischdecke). Gemäß dieser Logik müsste für den Begriff „Kopftuch“ neben dem Begriff „bedecken“ auch das Wort „Kopf“ oder ein anderer Begriff vorkommen. Das im Vers erwähnte Betonungswort neben dem Wort „himar“ (Bedeckung) ist „cuyub“, welches aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt „Brust“ oder „Kragen“ bedeutet. (also wäre die Übersetzung eher Halstuch, Überwurf) Dasselbe Wort „cuyub“ wird auch in einem anderen Vers im Koran erwähnt, nämlich Sure 28 („Kasas“), Vers 32, wo das Wort im Kontext „Er legte seine Hand auf die Brust/den Kragen von Moses“ gebraucht wird. Also wenn das Wort „cuyub“ mit dem Wort „himar“ (bedecken) kombiniert wird, bedeutet „bi-himür-ihinne ala cuyub-ihinne“ nicht „den Kopf bedecken“, sondern „die Brust/Kragen bedecken“. Fast alle traditionellen Auslegungen des Korans analysieren diese Verse nicht wissenschaftlich, sondern deuten das Ganze eigensinnig mit einem Gebot wie „Sie sollen ihre Kopftücher bis zu deren Kragen bedecken“, in dem sie auch das Wort „felyedribne“ als „sie sollen bedecken“ frei übersetzen, also mehr interpretieren und schon gar nicht direkt übersetzen. Das sind ganz freie Übersetzungen und Interpretationen, die solche Irrtümer nach sich ziehen.

 

Diese traditionellen Islam-Auslegungen schaffen für den politisierten Glauben einen festen Boden. Sie interpretieren dasselbe Wort, welches aus dem Wort „darabe“ stammt, als „sie sollen ihren Kopf bedecken“, wobei sie dasselbe Wort, in einer anderen Sure im Zusammenhang „Ihr sollt eure Frauen schlagen“ (siehe: Sure Nisa, Vers 34) verwenden. Um es auf den Punkt zu bringen: Obwohl die Originalausgabe des Korans keinen Bezug auf das Kopftuch nimmt, wird dieses zum identitätsstiftenden Symbol für traditionelle und politisierte Islam-Anhängerinnen und Anhänger. Als solches steht es immer wieder im Zentrum von Islam-Diskussionen, nicht nur in der Türkei, sondern mittlerweile vermehrt auch in Österreich und anderen europäischen Ländern. Dabei wird nicht über die wahre, im Koran festgeschriebene Religion Islam debattiert, sondern über eine Religion, die sich als Folge des politisierten Glaubens der traditionellen Nahostkultur begreifen lässt. Sie hat ihren Ursprung in der sumerischen, jüdischen und christlichen Kultur.

 

Eigentlich hat das Wort „Kopftuch“ in der Bibel seine Wurzeln (vgl. Pentateuch und Paulus, 1. Brief an die Korinther): Im Alten und Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern das Tragen des Kopftuchs wird sogar als Pflicht für die Frauen beschrieben. So heißt es etwa im Brief von Paulus an die Korinther: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet, aber dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dabei in keinster Weise von der Geschorenen. Wenn eine Frau das Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen, aber es ist eine Schande, sich die Haare abzuschneiden oder gar sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich eben verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, denn er ist ein Abbild und Abglanz Gottes, aber der Mann stammt nicht von der Frau ab, sondern die Frau vom Mann“. Übrigens gelten diese Soll-Anweisungen des Apostels Paulus nur für den Gottesdienst. In der Korintherbrief-Stelle ist keine Rede vom Alltag.

 

Über den Hl. Paulus haben wir viel geschrieben. Über unseren lieben Landsmann aus Tarsus in der Türkei. Ohne Paulus zu verstehen, kann man auch den manipulierten Koranischen Islam nicht verstehen. Er ist einer der wichtigsten Persönlichkeiten und Missionare der frühchristlichen Zeit. Die ersten Christen und Christinnen waren ja wie Paulus und auch Jesus Christus jüdischer Abstammung. Paulus übernahm kulturelle Aspekte aus seiner ehemaligen Religion, dem Judentum. Wenn wir im Alten Testament Gen 24,65 nachlesen, dann sehen wir, woher der kulturelle Aspekt „Verhüllung“ stammt und wie er in die christliche Religion Eingang fand: „Und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie (Rebekka) den Schleier und verhüllte sich“. Auch in Gen 38,14 wird über Schleier und Verhüllung geschrieben. Kurz: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kann man zur „Kopftuchpflicht während des Gebetes“ etwas lesen.

 

Das Kopftuch bei Paulus

 

Die Bibelstelle im 1. Kor 11,2-16 lautet: „Ich erkenne es lobend an, dass ihr in allen Beziehungen meiner eingedenk seid und an den Weisungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. Ich möchte euch aber zu bedenken geben, dass das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber der Mann, und das Haupt Christi ist Gott. Jeder Mann, der beim Beten oder bei erbaulichen Reden eine Kopfbedeckung trägt, entehrt sein Haupt; jede Frau dagegen, die mit unverhülltem Haupt betet oder erbauliche Reden hält, entehrt ihr Haupt; sie steht dann ja auf völlig gleicher Stufe mit einer Geschorenen. Denn wenn eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich auch scheren lassen; ist es aber für eine Frau schimpflich, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann dagegen darf das Haupt nicht verhüllt haben, weil er Gottes Ebenbild und Abglanz ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch ist der Mann ja nicht um der Frau Willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes Willen. Deshalb muss die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Haupte tragen, um der Engel Willen.“

 

Das Kopftuch im orthodoxen Judentum

 

Im orthodoxen Judentum bedecken heutzutage verheiratete Frauen ihre Haare aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch oder einer Perücke. Bereits die hebräische Bibel, also das Alte Testament sprach von einer Verschleierung der Frauen. So verschleierte sich Rebekka, die Frau Isaaks nach Gen. 24,51, Gen. 24,65: „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich….“. [Natürlich wird nach der modernen Bibelwissenschaft 1 Kor 11,5 teilweise als späterer Zusatz angesehen. Womit wiederum die Bibelexegeten das Heft in der Hand behalten würden. Wie gezeigt wurde, geht aber aus dem Alten und Neuen Testament klar hervor, dass Kopftuch, Schleier und Verhüllung nicht nur Empfehlungen waren, sondern (sittlich) verpflichtend vorgeschrieben wurden. Heutzutage wird das Kopftuch im Christentum fast nur noch in ländlichen Gegenden, insbesondere in orthodoxen Kirchen sowie von Frauen in mennonitischen bzw. täuferischen Gemeinschaften getragen.

 

Das Kopftuch als Mode und Tracht

 

Bis weit ins 20. Jahrhundert war es aber Sitte, dass in Österreich Frauen in der Kirche Kopftücher oder Hüte trugen. Je feierlicher, desto mehr Hüte, Kopftücher, Schleier und Goldhauben sieht man noch heute – egal bei welchem Anlass. Frauen lassen auch heute die Kopfbedeckung in einer katholischen Kirche auf, aber es ist eine Sitte, kein kirchliches Gebot (wenn es jemals eines war). Bei Papstmessen tragen Damen die sogenannte „Siziliana“, einen schwarzen Schleier über dem Haupthaar, seltener auch vor dem Gesicht.

 

Im Koran sucht man das Kopftuch vergeblich!

 

Während im Alten und Neuen Testament das Kopftuch verpflichtend vorgeschrieben wird, kommt im Koran nicht einmal das Wort Kopftuch vor, allenfalls das Tuch. Der Koran meint mit „Tuch“ aber kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dienen und ihre sexuellen Körperstellen verhüllen soll (siehe die Suren, die wir in deutscher Sprache angegeben haben).

 

Das Kopftuch bei den Sumerern

 

In der Geschichte kommt das Kopftuch bereits erstmals bei den Sumerern und somit lange vor dem Judentum vor. Dies fand die die 96-jährige türkische Sumerologin und Historikerin Muazzez Ilmiye Cig heraus. Sie erforschte ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen. Die Sumerer waren ein mesopotamisch-südanatolisches Volk, das im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte. Laut Prof. Cig waren die Sumerer die Ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendeten.

 

Die heiligen Schriften: Thora, Bibel, Koran

 

Der Koran

Nun wollen wir ein bisschen tiefer auf die verschiedenen „heiligen Schriften“ eingehen und ausbreiten, inwiefern die heiligen Bücher und Schriften sich voneinander trennen und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Koran wird als die Heilige Schrift des Islams definiert, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes („Allah“) an den Propheten Mohammed (570/573-632), vermittelt durch den (Erz-)Engel Gabriel, enthält. Kurz und prägnant ausgedrückt, stellt der Koran für die Muslime das Wort Gottes dar. Die Offenbarungen, die Mohammed mündlich wiedergegeben hat, wurden von Schreibern aufgezeichnet und gesammelt. Allmählich wurden die Aufzeichnungen zu einem Buch zusammengefasst.

 

Die Bibel

Im Gegensatz zum Koran ist die Bibel eine Sammlung von 66 Büchern, die von verschiedenen Autoren beziehungsweise Redakteuren als Bericht bzw. Poesie verfasst und im Laufe der Jahrhunderte zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Sie wird in das Neue und das Alte Testament eingeteilt. Unter dem Begriff „Testament“ versteht man einen „Bund“, in dem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben wird. Die Bibel besteht zu cirka 75% aus Berichten, zu 15% aus Poesie und zu 10% aus Lehrtexten.

 

Das Alte Testament mit der Thora (Pentateuch oder fünf Bücher Mose)

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher, die in Kapitel und später in Verse eingeteilt wurden. Es wird sowohl von den Juden, als auch von den Christen als heilige Schrift betrachtet, d.h. dass sie direkt von Gott oder einem seiner Erzengel diktiert und/oder zumindest vom Heiligen Geist inspiriert, aber von verschiedenen Autoren geschrieben wurden. Das Alte Testament berichtet von der Erschaffung der Welt und von der Entstehung und Geschichte des Volkes Israel.

 

Das Neue Testament

Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern und versteht sich mit der Ankunft des Messias Jesus Christus als Antwort auf das Alte Testament. Es erzählt dessen außergewöhnliches Leben und berichtet von seinen Jüngern sowie von seinen frohen Botschaften, die allen Menschen gelten. Vier Bücher (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) bezeugen auf unterschiedliche Weise das Leben Jesu, seine Lehre, seine Wunder, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bis zur Himmelfahrt: Man nennt sie die „Evangelien“ (übersetzt „Gute Nachricht“ oder „Frohe Botschaft/Frohbotschaft“). Die darauffolgende Apostelgeschichte erzählt, wie die Jünger Jesu  die Auferstehung und die Himmelfahrt weitererzählen und diese Botschaft über das Römischen Reich bis zur heutigen Türkei (Kleinasien) verbreiten; sie berichtet von den Anfängen der christlichen Gemeinde, von Verfolgungen und ersten theologischen Problemen. Ein weiterer wesentlicher Teil sind die Briefe, besonders des Apostels Paulus. Das Neue Testament schließt mit der Johannes-Offenbarung, der sogenannten Apokalypse. Während die Juden auf Papyrusrollen schrieben, begannen die Christen, die Texte in Buchform zusammenzufassen, zu sogenannten Codizes.

 

Wichtig zu unterscheiden!

 

Wir müssen uns immer als Exegeten fragen, wer ist der Autor eines Textes? Wer diktierte den Text und wer schrieb ihn auf?

Dabei handelt es sich in den wenigsten Fällen um dieselbe Person.
Wir müssen hier sehen, dass der Koran direkt als Gotteswort konzipiert ist, das Alte und Neue Testament hingegen in Form von Berichten und Poesien verfasst ist. Wenn auch an vielen Stellen wiedergegeben wird, was Gott gesagt hat. Andere Stellen gelten als vom Heiligen Geist inspiriert. Die Offenbarung des Johannes wurde vom Erzengel Gabriel diktiert. Ein Vers in der Bibel ergibt nur dann einen Sinn, wenn er im Zusammenhang mit dem ganzen Text betrachtet wird. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man die Bibel einfach an einer beliebigen Stelle aufschlägt. Natürlich sind manche Abschnitte der Bibel schwer zu verstehen, weil viele Jahrhunderte zwischen damals und heute vergangen sind und wir die beschriebenen Bräuche und das Umfeld als fremd empfinden. Auf der anderen Seite wurde der Koran, der aus 114 Kapitel („Suren“) und 6.243 Versen besteht und das Gotteswort wiedergibt, auf ein Ereignis hin offenbart, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen. Man muss den historischen Kontext kennen, um ihn richtig zu interpretieren. Man muss ihn mit den Gegebenheiten der Zeit sehen.

 

Wurde der Bibeltext verfälscht? Behauptet das der Koran?

Das evangelische „Institut für Islamfragen“ ist ein Netzwerk von Islamwissenschaftlern und wird von den Evangelischen Allianzen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz getragen. Frau Dr. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Prolog für uns sehr Interessante Aussagen: „Heute ist unter Muslimen die Auffassung, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, längst Allgemeingut. Man geht davon aus, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament ursprünglich wahre Offenbarungen Gottes waren, im Laufe der Zeit jedoch von Menschen verändert und verfälscht wurden. Andere Bezeichnungen von früher zu den Menschen gesandten Schriften sind präziser. So nennt der Koran sowohl die Tora (arab. taurâh) als auch das Evangelium (arab. Injîl, türk. Incil) beim Namen. Das Evangelium wird insgesamt zwölfmal im Koran erwähnt. Was meint allerdings der Koran mit dem Evangelium? Letztlich bleibt unklar, ob er damit vor allem die Erzählungen von Jesus meint oder eines der vier Evangelien, alle vier Evangelien zusammen oder etwa das ganze Neue Testament. Interessanterweise wird im Koran der Wert früher überlieferter Bücher wie auch des überlieferten Evangeliums zu Beginn von Muhammads Offenbarungen nirgends grundsätzlich in Frage gestellt, sondern vielmehr positiv hervorgehoben. Erst später taucht im Koran der pauschale Vorwurf der Schriftverfälschung auf.“

 

Schirrmacher erzählt weiter: „Die vor Muhammad und mit Muhammad gesandten Schriften widersprechen sich nach Auffassung des Korans eigentlich nicht, sondern bestätigen sich vielmehr gegenseitig. Jeder Prophet, der in der Geschichte mit einer Offenbarung Gottes zu seinem Volk gesandt wurde, bestätigt die Botschaft seiner Vorgänger, da die Botschaft Gottes sich niemals ändern kann. So bestätigte Jesus die Sendung von Noah, Abraham und Moses, und Muhammad bestätigt die Botschaft Jesu. Deutlich hebt der Koran hervor, dass das Evangelium wie zuvor die Tora von Gott zur Rechtsleitung der Menschen gesandt worden ist: „Er hat auch die Tora und das Evangelium gesandt, früher, als Rechtsleitung für die Menschen“ (3,3-4). Besonders positiv über den Wert des Evangeliums, das „Rechtsleitung“ und „Licht“ enthält, äußert sich Sure 5,46: „Und wir ließen nach ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was vor ihm da war, nämlich die Tora. Und wir gaben ihm das Evangelium, das Rechtsleitung und Licht enthält und das bestätigt, was vor ihm da war, nämlich die Tora, und als Rechtsleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen“ (5,46). Zunächst spricht der Koran nirgends davon, dass die Offenbarungen des Alten und Neuen Testamentes (oder: wie der Koran sagt, der Tora und des Evangeliums) grundsätzlich überholt oder vom Koran abgelöst worden seien“. Soweit Schirrmacher.

 

Das Kopftuch: Wozu diente es in der Geschichte? Wozu dient es heute?

Jetzt kehren wir zurück zum Thema Kopftuch, und diesmal im Bezug auf dessen Funktionalität und historischen Aspekte. Wir fragen uns, was das Kopftuch ist, wozu es dient, seit wann das Kopftuch getragen wird, und inwiefern das Tragen eines Kopftuches eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention ist, und wie sich dieses Phänomen im Laufe der Zeit verändert hat, sodass es zu einer der zentralen Fragen bezüglich Religionsfreiheit und Frauenrechte entwickelt geworden ist.

Frau Prof. Cig beschrieb folgende Bedeutungen des Kopftuchs: „In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen (gemeint sind Tempelhuren, Anm.), zu den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer ‚öffentlichen Frau‘ wurden. Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken. Viel später – erst ca. 1600 v. Chr. – führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die ‚öffentlichen Frauen‘, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden.“ Laut Cig, die viele Werke zum Thema schrieb, tauchte auch der Turban zum ersten Mal bei den Sumerern auf. Er sei später vom Judentum, Christentum und danach von der arabischer Kultur und somit von Islam übernommen worden. Frau Cig betonte, dass der Turban eigentlich nichts anderes sei, als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung erlangt habe.

 

Im Folgenden ein paar Ausschnitte aus einem Interview mit Frau Muazzez Ilmiye Cig: 

Frage: „Sehr geehrte Frau Cig, bitte klären Sie uns einmal über das viel umstrittene Thema auf: Wer bei den Sumerern hat sich wieso bedeckt?“ 



 

Cig: Bei den Sumerern hatte jeder Gott ein eigenes Haus, sozusagen einen Tempel. In diesen Tempeln beteten die Menschen ihre Götter an. Es war allerdings nicht vorgeschrieben, was sie für die Götter tun sollten. Alle definierten die Art zu beten für sich selbst und praktizierten ihr eigenes Gebet.

 

Frage: „Waren diese Tempel also eine Art ‚Häuser eigenen Gewissens‘?“

 

Cig: Genau, diese Tempel waren Orte, wo Menschen mit ihrem Gewissen alleine bleiben konnten. Sie waren in ihren Gebeten freier als in den heutigen Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Sie sangen oder tanzten, um die Götter zufriedenzustellen. Unter den Betern waren auch Ordensfrauen. Manche von ihnen wurden eben zu diesen ‚öffentlichen Frauen‘.

 

Frage: „Was bedeutet das Wort ‚öffentliche Frau‘ genau?“ 



 

Cig: Das waren die Frauen, die die Aufgabe hatten, Geschlechtsverkehr zu praktizieren [alternativer Begriff: Tempelhuren, Anm.], aber sie waren keine Prostituierten, denn sie verlangten kein Geld. In den Tempeln gab es sogenannte Liebesräume, wo die öffentlichen Frauen den Jugendlichen Sexpraktika beibrachten. Im Gilgamesch-Epos gibt es eindeutige Hinweise darauf. Um dem Mann, der im Wald unter Tieren aufgewachsen ist, Menschlichkeit beizubringen, wurde eine Ordensfrau aus einem Tempel bestellt und sie lehrte ihm, wie man spricht, isst und Geschlechtsverkehr hat. Diese öffentlichen Frauen wurden bei den Sumerern als weise Lehrerinnen betrachtet. Während sie dieser heiligen Aufgabe nachgingen, opferten sie sich vollständig im Namen der Götter auf. Eigentlich war die Jungfräulichkeit bei den Sumerern schon ein Thema. Die Tatsache, dass die öffentlichen Frauen trotzdem Geschlechtsverkehr haben durften, zeigt, wie heilig diese Aufgabe wirklich war.

 

Frage: „Woher weiß man, dass die Jungfräulichkeit ein Thema war?“

 

Cig: Laut alter Tafeln [Tontäfelchen mit Schriftzeichen oder Gesetzestafeln, Anm.] bekam eine Frau, die vor der Heirat als Jungfrau galt, bei der Scheidung Schadenersatz.

 

Frage: „Warum trugen die ‚öffentlichen Frauen‘ ein Kopftuch?“



 

Cig: Damit man sie von anderen Ordensfrauen in den Tempeln unterscheiden konnte. Zum Beispiel trugen die Prostituierten auch kein Kopftuch. Das ist das spezielle Symbol der öffentlichen Frauen in den Tempeln und somit das erste Kopftuch in der Geschichte.

 

Frage: „Wie ging es dann weiter?“

 

Cig: Viel später führten die Assyrer im 16. Jahrhundert vor Christus plötzlich die Kopfbedeckung für verheiratete und verwitwete Frauen ein. Der Sinn dahinter war, dass man zeigen wollte, dass auch diese Frauen legalen Geschlechtsverkehr haben.

 

Frage: „Heißt das, dass eine Frau mit Kopftuch sich als Nichtjungfrau geoutet hat?“



 

Cig: Ja, ganz genau! Aber viele Gläubige missverstehen diese Tatsache. Sie denken, ich würde behaupten, dass die Prostituierten das erste Kopftuch in der Geschichte getragen hätten. Aber weder die öffentlichen Frauen bei den Sumerern noch die verheirateten und verwitweten Frauen bei den Assyrern waren Prostituierte.

 

Frage: „Also diente das Kopftuch einer Frau eigentlich schon vor tausenden Jahren, das heißt vor dem Islam bzw. Judentum und Christentum, einfach dazu, ihren Status zu zeigen?“

 

Cig: Das ist auf den Punkt genau, was ich sagen möchte. Sogar nicht ich, sondern die Geschichte sagt das. Weder ergänze ich die Tatsachen, noch interpretiere ich sie. Ich erzähle nur die wissenschaftlichen Fakten.

 

Das Kopftuch: eine alte Tradition



 

Also, wie man sieht, ist das Tragen eines Kopftuches eine ganz alte Tradition des Mittleren Ostens und des mesopotamischen Raums. Was die Verhüllung und das Tuch im Islam betrifft, ist es reine Interpretationssache, wie man die oben erwähnte Sure „Nur“ auslegt. Viele Hermeneutiker, aber auch viele Theologen, sind der Meinung, dass mit dem Bedecken von „Scham“ und „Schmuck“ Geschlechtsorgane, Busen etc. gemeint sind, und es gibt weder direkt, noch indirekt einen Hinweis darauf, dass der Kopf der Frau mit einem Tuch voll verschleiert werden soll. 

Im geschichtlichen Verlauf wurden aber in fast allen Religionen einige sittliche und gesellschaftliche Konventionen in das heilige Wort Gottes hineininterpretiert. Dadurch blieben gewisse gesellschaftliche Rollen und Positionen und damit Machtverhältnisse erhalten. Es stimmt allerdings nachdenklich, dass sehr alte Auslegungen und Interpretationen, sowie die Interpretationswahrnehmung dritter Personen, die sich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, heute zu ungerechtfertigten Belästigungen und politischer Instrumentalisierung führen und in Gestalt der „Kopftuchdebatte“ ein gesellschaftspolitisches Problem konstruieren.

 

Quellen: Der Koran, Die Bücher der größte islamischer Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (gestorben 1938) ) und Die Bücher von Prof. Dr. Yasar Öztürk, Hasan Hanefi ( Agathen), Ali Seitab ( Iran), Mehmet Akif ( Türkei) , Muhammed Abid El  Cabiri( Marakko), Dozent Dr. Mustafa Sag., Enfa, Deutsche Bibelgesellgeschaft

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14 09 2017
By: Redaktion 3 0

TKG: Islamic Banking verstößt gegen das EU Recht? 31 Thesen!

TKG erwartet EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen mehrere Finanzinstitute und EU-Staaten. Islamic Finance bzw. Islamic Banking verstößt gegen das EU-Recht und das EU-Diskriminierungsverbot.


„Das Scharia-Recht“ und die Einführung zweier verschiedener Rechtssysteme sind in Europa verboten. Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) ist nicht gegen den „Islam“, sondern gegen Islamic „Banking“, das gerade von einer Privatbank als erste Bank in Österreich ab Februar starten soll. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in seiner Entscheidung vom 13.2.2003 etabliert und anerkannt, dass das „Scharia Recht“ und die Diskriminierung, die sich aus dem Scharia Recht ableitet, sowie die Einführung zweier verschiedener Rechtssysteme, in Europa verboten sind.

Am 14.01.2016 wurde in mehreren Zeitungen in Österreich folgendes berichtet: „Als erste österreichische Bank (Name bekannt), wagt sie sich in das wachsende Geschäft mit „Islamic Banking“ – eine Finanz- und Anlageform, welche die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam, als Grundlage hat. Zinsen sind beim „Islamic Banking“ verboten, wie auch Geschäfte mit Unternehmen, die in Glücksspiel, Waffen, Alkohol oder Pornografie investieren. Überwacht werden diese Regeln von einem Korangelehrten (Scharia-Board). Als Zielgruppe werden die fast 600.000 in Österreich lebenden Menschen genannt, die sich zum muslimischen Glauben bekennen. Abgesehen hat es die Bank vor allem auf die türkische und bosnische Community, die zum Teil in der Muttersprache betreut wird. Der Flüchtlingsstrom aus dem arabischen Raum dürfte zusätzliche Nachfrage nach den Produkten bringen. Vor Jahren verlief ein ähnliches Projekt der Oberbank noch im Sand.“

Hier die 31 Thesen,  und Meinung der TKG (Türkische KULTURgemeinde in Österreich), warum diese das Islamic Banking in aller Freundschaft nicht unterstützt und ihren Mitgliedern nicht empfiehlt:
Die Sach­ver­halts­dar­stel­lung:

1. Islamic Finance (Banking, Versicherung) verstößt gegen das EU-Recht in allen 28 EU-Staaten, die freie Marktwirtschaft, die WTO-Regeln, das UWG, und die nationalen Gesetze von 170 Staaten in der ganzen Welt. Was hat die Religion mit dem Bankwesen zu tun? Halal-Zertifizierungen (Konformitätsbewertungen) sind kommerzielle (wirtschaftliche) Tätigkeiten mit einem Gewerbeschein, und keine religiösen Tätigkeiten. Konformitätsbewertungen sind kein Monopol der Glaubensgemeinschaften. Durch „konservative politische islamische Gruppen“ wird aus unserer Sicht, die „Islamische Religion“ als Vehikel benutzt um allen Bereichen der EU einen steuerbaren Marktmechanismus aufzuerlegen. In Koran und Sunna gibt es kein Scharia-Board. Dieses ist vor einigen Jahrzehnten erst von den poltisierten Islam Parteien und Verbänden für die Steuerung des europäischen und weltweiten Exportes Ihrer Politik (poltisierter Glaube) von Wirtschaft und Gesellschaft „erfunden“ worden. Hier wird unter dem Vorwand der Religionsfreiheit ein steuerbarer Marktmechanismus bei Halal-Zertifizierungen (inkludiert Islamic Banking, Islamic Finance, Islamic Versicherung) aufgebaut, der gegen das EU Recht, die freie Marktwirtschaft, das Gleichbehandlungsgesetz und das Diskriminierungsverbot der EU verstößt. Die Freiheit der Religionsausübung ist in erster Linie eine Angelegenheit des Gewissens jedes Einzelnen. Aber die Sphäre des individuellen Gewissens ist grundverschieden von der des „Privatrechts“, welches die Organisation und das Funktionieren der Gesellschaft als Ganzes betrifft und wo sich der Rechtsstaat aufbaut. Hier beginnen die Probleme für uns als säkulare muslimische AustrotürkInnen. Hier wird nach unserer Meinung auch unsere Religion Islam missbraucht.

2. 96 Artikel der konsolidierten Fassung des „Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union“, gültig ab 30.3.2010 (Amtsblatt der Europäischen Union C 83/47), 15 Artikel des „Vertrages über die Europäische Union“ (C 83/13) und 16 Artikel der „Charta der Grundrechte der Europäischen Union“ (C 83/02), werden durch die Zulassung von „Halal“ und „Islamic Finance“ verletzt. Um dem EU Staatsgrundsatz der Trennung von Kirche und Staat keine Umgehungsmöglichkeit zu schaffen, forden wir im Namen der TKG (Türkische KULTURgemeinde in Östereich) in diversen Normen Entstehungsprozessen, international und national, besonders dem Thema widmend, eine Normierung dieses Themas in allen Bereichen zu unterbinden!

3. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in seiner Entscheidung vom 13.2.2003 etabliert und anerkannt, dass das Scharia Recht und die Diskriminierung, die sich aus der Scharia ableitet, sowie die Einführung zweier verschiedener Rechtssysteme, in Europa verboten sind: „Die Einführung verschiedener Rechtssysteme kann nicht als vereinbar mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) betrachtet werden. Überdies würde es dem Diskriminierungsverbot des Art. 14 EMRK widersprechen. Die Scharia ist unvereinbar mit den grundlegenden Prinzipien der Demokratie, die in der Konvention festgeschrieben sind. Die Freiheit der Religionsausübung ist in erster Linie eine Angelegenheit des Gewissens jedes Einzelnen. Die Sphäre des individuellen Gewissens ist grundverschieden von der des Privatrechts, welche die Organisation und das Funktionieren der Gesellschaft als Ganzes betrifft.“
(Quellen: EGMR Entscheidung 13.2.2003, Bsw41340/98, Bsw41342/98, Bsw41343/98, Bsw41344/98)

4. Das gesamte bisherige Rechts- und Gesellschaftssystem wird ausgehebelt und das Scharia-Recht in Österreich und Europa eingeführt. Wenn es in allen europäischen Ländern „Ausnahmen und Befreiungen“ für eine Unterscheidung und Differenzierungen zwischen „Halal“ (reinen, erlaubten) und „Haram“ (unreinen, nicht erlaubten, verbotenen) EU-Produkten, EU-Unternehmungen, EU-Lebensmittel-Sektoren, die EU-Finanzdienstleistungs-Sektoren (Banken, Versicherungen, etc.), Arbeiter, Angestellte und Verbraucher in der EU gibt, würde sich eine neue rechtliche Situation in ganz Europa entwickeln, die in Widerspruch zu den bestehenden Grundsätzen der EU stehen. Die Einführung eines Islamischen Rechtssystem – (siehe letzte Entscheidungen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) unter Saudi Arabien etc.) führt zu einer Spaltung der europäischen Gesellschaft: Zweiklassengesellschaft. Wir müssen hier in aller Freundschaft Einspruch erheben.

5. Bei Rechtsstreitigkeiten müssen die Gerichte, Verwaltungsbehörden, der Oberste Gerichtshof, der Verwaltungsgerichtshof und der Verfassungsgerichtshof auf Grundlage des Scharia-Rechtes entscheiden und zwischen „reinen“ (erlaubten) und „unreinen“ (verbotenen) Produkten, Unternehmen, Konsumenten und Arbeitnehmern unterscheiden. Die zahlreichen Anstöße aus dem arabischen Raum übersehen für die europäischen Rechtskreise nämlich ein zentrales Faktum: Fragen der technischen Normung sind vom jeweiligen Gesetzgeber ganz genau für den Standardisierungs-Vorgang zugewiesenen Regelungseinheiten definiert, die ansonsten den parlamentarischen/demokratischen Prozess zur allgemeinen Gesetzeswerdung nicht stören dürfen. Somit darf es auch nicht sein, dass mit technischer Normung Grundprinzipien des Rechtstaates umgangen werden, wie z.B. jenes Faktum, dass das Staatskirchenrecht jedenfalls eine parlamentarische Aufgabe ist und keine Angelegenheit eines technischen Standards.

Es ist daher unvertretbar, parlamentarische Kompetenzen durch Herabstufung auf technische Normen zu nivellieren und zu umgehen. Ganz generell darf das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat auch und gerade im technischen Bereich nicht durch Hereinnahme islamischer Vorschriften verwässert werden.

Auch aus Sicht der technischen Normengestaltung ist es einfach widersinnig für ein und dieselbe Sachfrage einmal eine sogenannte säkulare Norm zu schaffen und parallel dazu eine sogenannte Islam-konforme Norm, denn es besteht die Gefahr, dass auch die Frage eines allfälligen Vorrangs einer Norm nach dem Kulturkreis und politischer Einflussnahme entschieden werden könnte. Zum letzten Punkt ist besonders anzumerken: Über die Nomenklatur, was HALAL/rein und was HARAM/unrein ist, herrscht zwischen den Glaubensrichtungen der Schiiten, der Sunniten und der Alewiten kein einheitliches Verständnis. Entscheiden sich Firmen wegen der Hoffnung auf neue Geschäftsfelder, Kundenwünschen nach religiös gestalteten Produkten entgegen zu kommen, ist das jeweils eine eigene Unternehmensentscheidung auf freiwilliger Basis –mit allen Konsequenzen, die ein solcher Entschluss mit sich bringt. Die Umstrukturierung der EU-Wirtschaft wird die Folge sein. Das Geschäftsvolumen für alle Bereiche des Lebens der EU-BürgerInnen soll bis zum Jahr 2050 für „Halal food“ (Lebensmittel, Getränke etc.) und „Islamic Finance“ (Bankwesen, Versicherungen, Finanzdienstleitungen, KFZ, Häuser, Wohnungen, etc.) beabsichtigen in jedem Jahr rund 2 Billionen Euro in ganz Europa zu erreichen. Eine solche Überlegung der Marktteilnahme rechtfertigt jedoch nicht die Schaffung allgemeiner Normen „erga omnes“(gegenüber Allen – kennzeichnet absolute Rechte, die nicht nur wie etwa vertragliche Rechte inter partes wirken, sondern gegenüber jedermann Geltung beanspruchen).

6.
  Der Hintergrund des Scharia-Rechts „Halal“ (und auch „Islamic Finance“) diskriminiert die Wirtschaft, Lebensmittel-Sektoren (Hersteller und Konsumenten), die Finanzdienstleistungen-Sektoren (Banken, Versicherungen, etc.), Produkte, Arbeiter, Angestellte und Verbraucher nicht nur in Österreich sondern in der ganzen Welt. Dies ist eine Verletzung des Gleichheitsprinzips. Die Konzeption (durch politisierten Glauben des Islam) von „Halal“ und „Haram“ wird unserer Ansicht nach der Europäischen Integrationspolitik entgegenwirken und steht in Widerspruch zu den Prinzipien der säkularen Europäischen Union.

7. Es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion.

8. Das Scharia-Recht ist die Grundlage des Islamic Finance Vertrages zwischen Bank und Kunde und umfasst alle Lebensbereiche und Handlungen eines Menschen.

9. Die Scharia hat keine fixierte Gesetzessammlung wie etwa österreichische Gesetzestexte im Bürgerlichen Gesetzbuch oder im Strafgesetzbuch, sondern eine Methode und Methodologie der Rechtsschöpfung. Die Scharia („Rechtsgutachten“) ist nicht der koranische Islam, sondern eine Deutung und ist daher subjektiv. Der Koran wurde bislang falsch interpretiert, sagen moderne Theologen. Der Theologe fordert eine Befreiung des Glaubens.

10. Religiöse Vorschriften und das Rechtsystem der Scharia stehen über den nationalen staatlichen Gesetzen und dem EU-Recht, was europäisches Recht verletzt.

11. Es wird zwischen „halal“ (reinen, erlaubten) und „haram“ (unreinen, verbotenen) Produkten, Unternehmen, Konsumenten und Arbeitnehmern unterschieden.

12. Unternehmen, Produkte, Konsumenten und Arbeitnehmer, die nicht „halal“ sind, werden in Österreich und in der EU diskriminiert.

13. Es werden der Gleichheitsgrundsatz, das Gleichbehandlungsgesetz, das Gleichbehandlungsgebot und das Diskriminierungsverbot der EU verletzt.

14. Aus den Entscheidungen der europäischen Gerichtshöfe geht hervor, dass die Einführung des Scharia-Rechtes und die damit verbundene Diskriminierung mit den grundlegenden Prinzipien der Demokratie, der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC) und dem EU-Recht nicht vereinbar sind.

15. Die wiederholten Versuche verschiedener Banken und Versicherungen in Europa übersehen, dass Islamic Finance (Islamic Banking, Versicherung, etc.) den parlamentarischen und demokratischen Prozess zur allgemeinen Gesetzeswerdung nicht stören dürfen.

16. Somit darf es auch nicht sein, dass mit Islamic Finance die Grundprinzipien des Rechtstaates umgangen werden, wie z.B. jenes Faktum, dass das Staatskirchenrecht jedenfalls eine parlamentarische Aufgabe ist und keine Angelegenheit eines Standards einer Bank oder Versicherung. Die islamischen Staaten wollen sich aus vielen Presseberichten auf einheitliche Standards für sogenannte Halal-Produkte ink. Islamic Finance/Banking verständigen, die den Maßgaben des islamischen Religionsrechts (Scharia) entsprechen. Auch pharmazeutische Produkte und Kosmetika sollen geprüft werden. Anfang Dezember 2015 kam dazu am Sitz der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) im saudi-arabischen Dschidda ein zweitägiges Forum zusammen. Nach Angaben des staatlichen emiratischen Pressedienstes WAM sollte es dabei unter anderem um Fragen der Zertifizierung von Unternehmen sowie um Produktrichtlinien und Verfahrensweisen im internationalen Handel gehen. OIC-Generalsekretär Iyad bin Amin Madani betonte, Halal-Erzeugnisse umfassten nicht nur Nahrungsmittel, sondern etwa auch pharmazeutische Produkte, Kosmetika und Banken. Die Ergebnisse des Forums sollten als Empfehlungen kommendes Jahr dem Außenministerrat der OIC-Staaten vorgelegt werden. Das Marktvolumen von Produkten, die ausdrücklich in Einklang mit islamischen Vorschriften stehen, wird laut WAM auf 2,3 Billionen US-Dollar geschätzt (2,1 Billionen Euro). Davon entfallen 1,4 Billionen auf Nahrungsmittel und 506 Milliarden auf Kosmetik. Im Falle des internationalen Gründungsantrags der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) mit Sitz in Saudi Arabien oder „Vereinigte Arabische Emirate“ (V. A. E.) geht es nun nicht mehr alleine um Lebensmittel oder Finanzen, sondern es geht um fast alle Technologiefragen, um die Umwelt, um Textilien, chemische Produkte (Kosmetika), islamkonforme Krankenhausausstattungen, Logistik, usw.

Aus österreichischer Sicht können diese Vorhaben keinesfalls gutgeheißen werden, da ganz stark in säkulare Erzeugungs-, Bedienungs-, Verkaufs- und Servicevorschriften eingegriffen werden würde.

Halal (erlaubt, zulässig) -Zertifizierungen (siehe Spar Produkte) sind keine religiösen Praktiken, sondern wirtschaftliche Aktivitäten.

Durch „islamistische und konservative islamische Gruppen“ wird aus unserer Sicht „islamische Religion“ als Vehikel benutzt um allen Bereichen der EU einen steuerbaren Marktmechanimus aufzuerlegen.

Die Halal-Zertifizierungen (Konformatitäts-Bewertung) sind eine kommerzielle (wirtschaftliche) Art mit einem Gewerbeschein, und keine religiösen Tätigkeiten.  Schlussfolgerung: Konformitätsbewertung (Zertifizierung) ist kein Monopol der religiösen Gemeinschaften.

17. Es ist hier unvertretbar, parlamentarische Kompetenzen durch Herabstufung auf finanztechnische Standards zu nivellieren und zu umgehen. Ganz generell darf das Prinzip der Trennung von Religion und Staat auch und gerade im finanztechnischen Bereich nicht durch die Hereinnahme von Scharia Vorschriften verwässert werden.

18. Islamic Banking verstößt gegen das EU-Recht und das EU-Diskriminierungsverbot. „Das Scharia-Recht“ und die Einführung zweier verschiedener Rechtssysteme sind in Europa verboten. Die Scharia wird von Menschen beeinflusst von ihren Instikten, Komplexen, Neigungen, ihren Interessen und ihrer Voreingenommenheit. Koranische Verse und Aussagen von Propheten werden hier selbst produziert, verfälscht, manupuliert – die wenigen Richtigen vernebelt, verdunkelt oder aus dem Kontext gerissen, falsch übersetzt, falsch interpretiert oder für eigene Zwecke missbraucht und an die Öffentlichkeit unter dem Vorwand „Scharia“ bzw. „Scharia Board“ (subjektives Rechtsgutachten von Menschen) gebracht. Wir haben hier den Verdacht, dass am europäischen Finanz- und Lebensmittelmarkt durch Lobbyisten systematisch aus den Unkenntnissen, Unwissenheiten bzw. Vorurteilen der Menschen bezüglich des verstandbezogenen „koranischen Islams“  im Unterschied zu subjektiven „von Menschen gemachten Scharia bzw. Scharia Vorstand(Board)“ Parallelwelten gebildet werden. Ein Beispiel sind Halal-Lebensmittel sowie Banken und Finanzprodukte, die religiöse Muslime ansprechen sollen. Wir müssen hier zur sachlichen und kritischen Aufklärung zurückkommen und das fordert ein an Wahrheit gebundenes sachliches Wissen. Also Inhalte ohne Vernebelung der Fakten und Quellen. Wir brauchen hier aber dringend wahre Freunde ohne Hetze und auch ohne Vernebelung damit wir die Spreu vom Weizen trennen können.

19. Wenn es in allen europäischen Ländern „Ausnahmen und Befreiungen“ für Unterscheidungen und Differenzierungen zwischen „Halal (reinen, erlaubten) und „Haram“ (unreinen, verbotenen) Produkten, Unternehmungen, Lebensmittel-Sektoren, Finanzdienstleistungs-Sektoren (Banken, Versicherungen, etc.), Arbeitern, Angestellten und Verbrauchern gibt, würde sich eine neue rechtliche Situation in ganz Europa entwickeln, die in Widerspruch zu den bestehenden Grundsätzen der EU steht.

20. Die Einführung eines islamischen, finanztechnischen Rechtssystems neben dem bereits bestehenden europäischen Rechtssystem und die Unterscheidung in „halal“ und „haram“ führen zu einer Spaltung der europäischen Gesellschaft (2-Klassen Gesellschaft), was nach EU-Recht verboten ist.

21. Jedes Finanzinstitut, das diese Grundsätze nicht einhält, macht sich strafbar und schadenersatzpflichtig.

22. Beim bisherigen europäischen und weltweiten Finanzsystem nehmen die Bürger, Firmen und Behörden einen Kredit auf und sind der Besitzer ihres Eigentums. Bei Islamic Finance sind die Finanzinstitute der Besitzer des Eigentums für die Dauer der Rückzahlungsraten im Zeitraum von zwanzig oder dreißig Jahren bis zur letzten Rate. Es kommt zu einer Umverteilung des Vermögens.

23. Im Jahr 2050 werden etwa 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben, wovon etwa 2,5 Milliarden Muslime sein werden.

24. In der Vergangenheit sind bereits zahlreiche Finanzinstitute insolvent geworden. Die Konkursmasse beinhaltet auch das Eigentum von Islamic Finance. Durch die Finanzkrise der Finanzinstitute geht bei einer Insolvenz das Vermögen in die Konkursmasse über.

25. Fast alle weltweiten Finanzinstitute haben ausländische Beteiligungen. Diese nehmen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Einfluss auf die Länder. Durch die Umverteilung des Vermögens kommt es zu einer verstärkten Einflussnahme, was gegen das EU-Recht und den Gleichheitsgrundsatz sowie gegen die Interessen der EU verstößt.

26. Wenn EU-Kommission, EU-Parlament und EU-Staaten erkennen, dass die finanztechnische Islamisierung der europäischen Wirtschaft und des Finanzwesens eine Bedrohung der EU-Grundsätze ist, muss damit gerechnet werden, dass es EU-Vertragsverletzungsverfahren mit sehr hohen Schadenersatzbeträgen und sehr schwerwiegenden Sanktionen gegen die jeweiligen Finanzinstitute und EU-Staaten gibt.

27. Warum gibt es nicht Begriffe oder Bestimmungen mit dem Namen „Jewish Banking“ oder „Christian Banking“, aber den Begriff „Islamic Banking“? Und warum unterstützen das so gerne viele Europäer gierig mit verschiedenen sehr bedenklichen Argumenten? Welche Länder, welche politischen Parteien, Institutionen, Verbände, Medien, Finansinstitute (in Österreich und in der Welt) und welche Personen mit welchen Zwecken unterstützen Islamic Finance (Banken, Versicherungen)?

28. Warum versucht man im Islam so etwas wie Islamic Banking aufzubauen, das sogar in der Türkei von der Mehrheit der Bevölkerung (75 Mio. Einwohner) nicht angenommen wird. (ab 1980 steigend)

29. Das Wort „Riba“ im Koran darf nicht als „Zins“ verengt interpretiert werden, sondern deutet auf jede heuchlerische, underdrückerische und ausbeuterische Vermehrung des Vermögens hin.

30. Wie können also zwei türkische Banken (Vakifbank, Denizbank) auf dem freien Markt sogar mit höheren (Spar- und Kredit-) Zinsen als ihre Konkurrenz in Österreich Kunden gewinnen und Inserate auf den (teuren) ersten Seiten der Zeitschriften und Magazine in Europa täglich für solche Spareinlagen schalten?

31.  Wir möchten eines hervorheben:  Die Scharia und „Scharia Board“ etc. sind keine fixierte Gesetzessammlung (wie etwa  öster. Gesetzestexte im Bürgerlichen Gesetzbuch oder im Strafgesetzbuch), sondern eine subjektive von Menschen gemachte Methode und Methodologie der Rechtsschöpfung“. Der Begriff Scharia (Bedeutung: Weg zur Wasserquelle, deutlicher, gebahnter Weg) hat seinen Ursprung im Koran.

Erwähnt wird er dort jedoch nur an einer einzigen Stelle: Sure 45, Vers 18, wo er ursprünglich den Pfad in der Wüste bezeichnet, der zur Wasserquelle führt, woraus sich für Muslime der göttliche Ursprung der Scharia herleitet, die seine Bezüge nach dem Zeitalter der Kinder Israels nehmen. Sure 45 Vers 18: „Hierauf (das heißt nach dem Zeitalter der Kinder Israels) haben wir dich in der Angelegenheit auf einen (eigenen) Ritus festgelegt“. Das Wort „Ritus“ steht in vielen Übersetzungen für Scharia als religiöses Gesetz und hier liegt das Problem. Sollte nicht gegen diese verkehrte Logik, die hier Kunden, Institutionen, politische Parteien und Medien für ihre eigenen Zwecke missbrauchen, demokratischer Einspruch erhoben werden?

Fazit: Nach unserer Meinung sind diese „Halal“-Produktlinien (halal bedeutet übersetzt „erlaubt“) und das „Islamic Banking“ durch die Unterstützung mancher Standesvertretungen bzw. Personen nicht Formen der erwünschten kulturellen Vielfalt, sondern Anzeichen für die Schaffung einer „parallelen Welt“ oder sogar eines „parallelen Planeten“ in ganz Europa.Diese Entwicklung verfolgen wir Europäer mit türkischer Abstammung kurz „Euro-Türken“ deswegen mit Trauer, weil hier der wahre Glaube (der Islam), der im Koran schwarz auf weiß aufgezeichnet ist, gegenüber den Menschen verfälscht („Verfälschter Islam“) wiedergegeben wird. Das schafft leider Vorurteile und erschwert das Zusammenleben. Alle politisch Handelnden stehen nun in der Pflicht und in der Verantwortung, alles daran zu setzen, dass die Menschen friedlich zusammenleben können und die Religion nicht missbraucht wird.

Wir, als TKG, wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir als Menschheit friedlich zusammenleben müssen. Denn das Wort „Islam“ des Korans hat als Wurzel die Worte „selam“ und „silm“ und diese bedeuten „Friede“, „Glück“, „Wohlbefinden“, „Aufklärung“ und „Vertrauen“. Infolgedessen sind nach unserer Meinung alle Muslime in Österreich und in der Welt verpflichtet, durch ihre Taten und Handlungen das Wort „selam“ auch zu leben – für sich und gegenüber dem Nächsten: Friede, Glück, Wohlbefinden, Vertrauen und Aufklärung!

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/SNME/SNME_02180/fnameorig_372300.html

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)
Obmann

Dipl.-Ing. Birol Kilic

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05 09 2017
By: Redaktion 0

Türkei als Deutschlands Spucknapf Keine gute Methode?

Deutschland wählt am 24. September 2017. Viel Erfolg, Glück, Selamlar und Frieden aus Wien.

Eine Analyse von Birol Kilic

Im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag (03.09.2017) erhob Martin Schulz (SPD) die Forderung, die EU-Beitrittsverhandlungen und die Zollunion mit der Türkei abzubrechen. Er weiß, dass er damit Erdoğans autokratische Agenda bedient. Die Pläne von Schulz, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, stärken die Erdoğan-AKP.

Die Türkei besteht nicht nur aus Erdoğan und seinen Anhängern. Der Versuch die Türkei so wegen des undemokratischen Erdoğan AKP- Regimes aus Deutschland zu degradieren, ist nicht nur der falsche Weg und keine gute Methode, sondern ein Bumerang mit schweren Folgen für Deutschland. Deutschland und die EU versprechen nicht das, was sich viele demokratiebewusste säkulare Türken erträumt haben. Noch weniger darf die Türkei pauschal zum Spucknapf der deutschen Europa-Politik werden, wo doch für die deutsche Wirtschaft Kleinasien ein riesengroßer Markt ist (81,6 Mio. Einwohner).

Die AKP-Bewegung Milli Görüs („Nationale Sicht“, Nähe zur Moslembruderschaft) hat seit ihrer Gründung im Jahre 1970 ein großes Problem mit der säkularen Türkischen Republik. Sie wollen die laizistische, freiheitliche, demokratische Grundordnung der Republik in der Türkei beseitigen und zu einer neoliberalen, islamischen Republik umbauen. Die AKP-Milli Görüs Bewegung ist damit eine konterrevolutionäre („Politischer Islam“) Bewegung gegen die säkulare, laizistische und freiheitliche, demokratische Grundordnung der Türkischen Republik und sicher auch der Deutschen Republik.

Wir müssen als streitbare und wehrhafte Demokraten gegen verfassungsfeindliche Einzelpersonen und Personenzusammenschlüsse (Parteien, Vereine und Organisationen) in der Türkei, in Deutschland und in Österreich präventiv vorgehen, bevor sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Taten vermehren. Dazu brauchen wir aber die demokratiebewussten Türken in der Türkei, in Deutschland, in Österreich und allgemein in der EU, die sich von allen Seiten vor den Kopf gestoßen fühlen. Wir wünschen eine wirtschaftlich starke, unabhängige und demokratische Türkei. Wir fordern in der Türkei dringend eine Rückkehr zum Rechtsstaat, einen umfassenden Friedensprozess und ein Wiedererleben der Demokratie.

Wir fordern alle demokratischen Kräfte in Österreich, in Deutschland und in der EU auf, die Augen vor diesen Ereignissen nicht zu verschließen und die Türkei wieder auf den richtigen, demokratischen Pfad ohne die demokratiebewusste Gesellschaft zu vergessen zu bringen.

Die Türkei als Nachbar liegt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitstechnisch und geostrategisch im existenziellen Interesse der Europäer und nicht umgekehrt. Es muss hervorgehoben werden, dass die Türkei nicht nur aus Erdoğan, der AKP und der politischen islamischen Bewegung Milli Görüs besteht. Die deutsche Regierung muss auch bedenken, dass es eine Zeit nach Erdoğan geben wird. Die letzten sechs Monate haben gezeigt, dass es in der Türkei nach wie vor eine starke und aktive Zivilgesellschaft gibt.

Deutschland ist wirtschaftlich bedeutend, wird aber politisch wegen des „gewöhnliche US-Kolonie“  Images als ein Zwerg angesehen. Brexit wird gravierende politische und wirtschaftliche Folgen für Deutschland und die EU haben. Langfristig brauchen Deutschland und die EU die Türkei mehr, als die Türkei die EU. Deutschlands Verhältnis zur Türkei war und wird nie nur ein außenpolitisches Thema. Mehr als drei Millionen Menschen mit Herkunft aus der Türkei leben in Deutschland, es ist eine vielfältige Community. Sie sind sehr unzufrieden und fühlen sich als Geisel genommen. Das weiß das Erdoğan-AKP- Regime und sie haben nichts mehr zu verlieren! Deutschland hingegen schon. Vorsicht Deutschland! Die Arroganz der Macht? Diese Zeiten sind leider vorbei.

Die deutsche Politik muss besonnen agieren, um Erdoğan nicht zur künstlichen und letztendlich von Deutschland ungewollten Stabilisierung seiner Machtbasis zu verhelfen.

EU-Türkei und die Missgeburt am 1.1.1996 namens Zollunion

Die Pläne von Schulz und Merkel, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, stärken die Erdoğan-AKP. Der EU wird damit ein Bärendienst erwiesen und Öl ins Feuer gegossen. Langfristig entspricht der Abbruch der Verhandlungen nicht den Interessen der EU und schon gar nicht jenen der Bundesrepublik Deutschland. Die Provokationsspirale zwischen der EU und der Türkei schadet Deutschland und der EU mehr als der Türkei. Die Troika Erdoğan, AKP und Milli Görüs hat nichts mehr zu verlieren, als ihre stark angeschlagene politische Bonität. Das Signal, dass die Türkei nicht zu Europa gehöre, ist falsch und schwächt die demokratischen Kräfte in der Türkei, die versuchen, die Demokratie und die Säkularität wieder zurückzugewinnen.

Wenn die CDU/CSU und die SPD im Bundestagswahlkampf so tun, als ob die Türkei nur aus Erdoğan und seinen Anhängern bestünde, vergessen sie die Mehrheit der demokratisch und säkular denkenden Türken.

Während an die türkischen Erdoğan-Anhänger saure Wahlzuckerl verteilt werden, die in islamistisch-antieuropäisches Zellophan eingewickelt sind, werden die demokratischen, säkularen und westlich orientierten Türken, die für die Freiheit ihrer Freunde kämpfen, verraten und vor den Kopf gestoßen.

Schulz hält der westlichen Libertas den Pfefferspray der politischen Arroganz entgegen und bemerkt nicht, dass er selbst bereits auf einem Auge blind ist. Denn ein Bruch der Beziehungen zur EU stärkt das autokratische System der Erdoğan-AKP. 

Ein solcher Schritt wäre unumkehrbar und ein großer Schaden, vor allem für die europäische Stabilität und die Wertegemeinschaft. Von Solidarität spricht sowieso kaum noch jemand. Die von der Erdoğan-Troika regierte Türkei hat massive demokratiepolitische und rechtsstaatliche Defizite, die für die EU keinesfalls zu akzeptieren sind. Ein Abbruch der Verhandlungen ist aber der falsche Weg. Noch dazu befindet sich die deutsche Wirtschaft in der Türkei im Kaufrausch.

Schulz will mit seinem Statement politisches Kleingeld schlagen und die Bundestagswahl gewinnen. Das ist Wahlkampf. Eine deutsche Bundesregierung muss aber bedenken, dass es auch eine Zeit nach dem 24. September und nach Erdoğan gibt.

Konterrevolutionäre Bewegung gegen die säkulare laizistische Türkische Republik

Milli Görüs ist damit eine konterrevolutionäre Bewegung gegen die säkulare, laizistische Republik („Politischer Islam“). Seit der Gründung der Bewegung sind fast 50 Jahre vergangen und sie hat viel Unterstützung, auch aus Deutschland, bekommen.  Sie haben den Laizismus durch die AKP-Regierung de facto seit 2002 ausgeschaltet. 2017 hat Erdoğan die Türkei mit dem Referendum für die Präsidentschaft in eine Moslem Brüder-Milli Görüs- AKP-Republik umgewandelt, in der die Gewaltenteilung aufgehoben wurde und von einem Rechtsstaat wenig übrig geblieben ist. Die Mehrheit der Türken ist gegen die AKP-Regierung.

 

Eine Schande für die moderne Türkei im Jahr 2017.

Die streng säkulare Staatsdoktrin von Kemal Atatürk ist schon länger unter Beschuss und soll jetzt ganz beendet werden. Wer das nicht will, wird eingesperrt, mundtot gemacht oder verliert seinen Arbeitsplatz. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg dieses Vorhabens, nämlich die Beendigung der Verhandlungen mit der EU und der säkularen Staatsdoktrin, ist die Entfremdung des türkischen Volkes von der westlichen Staaten- und Wertegemeinschaft. Denn nach wie vor ist das Gros der Türken im westlich-pluralistischen Wertegefüge verankert und will auch daran festhalten. Für die Pro-EU-Bewegung in der Türkei sind daher Statements von Schulz & Co ein herber Rückschlag. Eine Schande für die moderne Türkei im Jahr 2017.

Viele Türken protestieren gegen die Inhaftierung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und andere Journalisten und fordern seine sofortige Freilassung. Wir müssen die Meinungen von Journalisten nicht teilen. Über heikle Themen wie Terrorismus und Attentate gegen die  AKP Regierung zu schreiben, bedeutet in der Türkei sogleich, dass diese Aktivitäten von diesen Journalisten auch unterstützt werden.

Die AKP Regierung sollte hier die kritischen Journalisten nicht mit unfairen Ermittlungsmethoden zum Schweigen, in Verruf oder hinter Gitter bringen. Das schadet der Türkei und ihrer Bevölkerung. Das Ganze riecht nach McCarthyismus. Die McCarthy-Ära in den USA bedeutete Gesinnungskontrolle. Personen wurden mit unzureichenden Anschuldigungen und unfairen Ermittlungsmethoden zum Schweigen oder in Verruf gebracht. Yücel hat mit Terror nichts zu tun. Was wir fordern ist eine rechtsstaatliche Türkei mit strenger demokratischer Gewaltenteilung, damit alle BürgerInnen sich sicher fühlen können.

Deutscher Präsident des Verfassungsschutzes Maaßen: „Wir betrachten die Türkei auch als Gegner“

Die Bundesregierung äußerte deutliche Kritik an Ankara, nun legt der deutsche Verfassungsschutz nach: Präsident Maaßen warnt davor, dass sich die türkischen Geheimdienste in Deutschland „statuswidrig“ verhalten. „Wir betrachten die Türkei spätestens seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer und den Veränderungen der türkischen Innenpolitik als Nachrichtendienst nicht nur als Partner, sondern mit Blick auf Einfluss-Operationen in Deutschland auch als Gegner“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.  Das Erdoğan –AKP Regime macht Amerika und Deutschland für den Putschversuch verantwortlich. Unglaublich, aber wahr! Inzwischen verkauft und schenkt Deutschland eine weitere Lieferung mit Waffen und Ausrüstung  in den Nahen Osten.

Das Wort „Gegner“ bedeutet übersetzt „Hasım“ und hat eine sehr negative Konnotation. Deutschland agiert hier langfristig egoistisch, arrogant und falsch. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Diese Situation nicht akzeptabel.

Kaufrausch!

Gegner hin oder her. In der Türkei sind die deutschen Firmen in ihrem Kaufrausch aktiver als je zuvor. Warum? Weil Sie die Türkei kennen und so günstig wie möglich in Firmen und Immobilien investieren möchten. Das ist ein starkes Missverhältnis zur realen deutschen Außenpolitik. Deutschland wird in der Türkei wirtschaftlich eigentlich immer mächtiger und gleichzeitig sieht der Präsident des Verfassungsschutzes die Türkei auch als Gegner. Wie kommt das?

Wegen seiner zunehmend schwachen Performance und der sich verstärkenden Fliehkräfte im rechten türkischen politischen Spektrum braucht das AKP-Regime virtuelle Feinde im Ausland, um die Reihen in seiner Wählerbasis zu schließen.

Missgeburt Zollunion: Seit 1.1.1996 ist die Türkei ein „Mitglied zweiter Klasse“

Eine missglückte Zollunion ab 1.1.1996 ohne die Beitritts- Perspektive der Türkei zur EU auf eine uneingeschränkte Vollmitgliedschaft führte dazu, dass manche EU-Mitglieder, wenn auch nicht alle, die Türkei, mit oder ohne Erdoğan-AKP, seit Jahren innen- und außenpolitisch präpotent herablassend behandeln.

Um diese Situation zu entschärfen müsste auf der anderen Seite die Türkei durch Nachjustierung der „nicht“ im türkischen Parlament ratifizierten Zollunion-Verträge die Beziehung mit der EU auf eine ehrliche Ebene ziehen, statt zu drohen.

Bei so einer verdorbenen Beziehung, wie der zwischen der EU und der Türkei, kann sich kein Partner mehr etwas leisten, weil im Endeffekt soziale, wirtschaftliche und vor allem menschliche Dramen und Probleme entstanden sind und in Zukunft weiter entstehen werden.

Fakt ist: die Zollunion der EU mit der Türkei gleicht einer Missbrauchs-Beziehung, die sich nicht auf gleicher Augenhöhe abspielt, sondern den Charakter der Versklavung oder zumindest der Unterwerfung der Türkei unter das Joch der EU hat. Das Handelsbilanzdefizit der Türkei gegenüber der EU stieg vom 1.1.1996 bis zum 1.1.2017, also in 20 Jahren, auf mehr als 100 Milliarden Euro.

Es wurde über Jahre deswegen hervorgerufen, weil die Türkei seit 1.1.1996 eine unwürdige, nicht gleichberechtigte Beziehung mit der EU eingegangen ist, womit die türkische Vollmitgliedschaft für die EU eigentlich aufgrund des bestehenden Zollunionsvertrags gar nicht mehr weiter interessant ist. Mit dem unfairen und ausbeuterischen Zollvertrag fahren die EU-Staaten viel besser.

Kurz gesagt hat man das Beste aus der Türkei schon bekommen. Nämlich eine sehr günstige Zollunion mit der Türkei am Gängelband. Warum sollte man in Brüssel der Türkei dann noch weitere Macht in Form von Mitspracherecht verschaffen? Die EU hat viel bessere Karten als die Türkei und deswegen kann man die Türkei noch immer an der Nase herumführen.

Eine türkische Lebenslüge

Blättern wir zurück in der Geschichte: „Selam, hallo Europa!“, „Grüß Gott, Europa!“, „Guten Morgen, Europa!“, jubelten die Schlagzeilen der türkischen Presse am Morgen des 1. Jänner 1996.

Eine wahre Euphorie am Tage nach dem Inkrafttreten des Vertrags der Zollunion mit der EU erfasste die ganze Türkei.

Dem Jubel folgte aber bald der Katzenjammer. Die Türkei musste bald erkennen, dass die Zollunion der EU mit der Türkei kein ausgewogener Wirtschaftsvertrag ist, sondern ein einseitiger, undemokratischer und rechtswidriger Unionsvertrag. Er ist eine Lebenslüge, mit der man täuschen wollte.

Die Türkei hat mit der Zollunion seit 1996 bis heute einen Großteil ihrer nationalen Souveränität nach Brüssel abgetreten, ohne in der EU-Zentrale in Brüssel irgendeinen Einfluss auf den multinationalen Entscheidungsprozess zu haben.

Abgesehen von der Landwirtschaft (die noch ausgedehnt werden soll) und den Dienstleistungen (die zurzeit ausgedehnt werden), beide stark reglementiert, soll die Zollunion in den kommenden Jahren weiter expandieren, der Gewinner ist damit wieder die EU!

Zwischen den EU-Staaten und der Türkei werden seit über 20 Jahren Waren, Dienstleistungen (begrenzt) und Kapital (unbegrenzt) gehandelt und transferiert. Die EU exportiert seit 1996 mehr Waren und Dienstleistungen in die Türkei als diese in die EU. Bis Ende 2016 betrug das Handelsbilanzdefizit für die Türkei über 100 Milliarden Euro, im Durchschnitt ca. 5 Milliarden Euro pro Jahr. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei wurde durch die Zollunion keineswegs positiv beeinflusst, wie von allen Seiten bisher stets behauptet wurde. Im Gegenteil profitiert vielmehr die EU davon. Die Türkei hat viele vertragliche Verpflichtungen auf sich genommen, aber in den politischen Entscheidungsgremien ist sie weder vertreten, noch irgendwie eingebunden, ist sie ja nicht Mitglied der EU. Die EU und insbesondere Deutschland waren nicht ehrlich zur Türkei, das zeigen die Probleme mit der Zollunion seit 1996.

Von der Maschekseite!

1996 ist die Türkei inoffiziell „Handelspartner zweiter Klasse“ Europas geworden, der – man mag es bedauern oder nicht – nie Vollmitglied werden wird, allen Diskussionen zum Trotz!

Warum sollten sich auch die 28 EU-Vollmitglieder ein handelstechnisch bereits vollkommen abhängiges Land als Vollmitglied wünschen?

Mit der Zollunion hat die EU die Türkei ohnedies bereits an der Kandare. Genau deswegen sagte der österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) im Interview am 4. August 2016 in der Presse: „Ökonomisch sitzen wir am längeren Hebel. Die Türkei ist von uns weitgehend abhängig.“

Eine unwürdige Situation! Aber was sagt dazu die Mehrheit der Türken und Türkinnen? Für die Mehrheit der Türken und Türkinnen geht es darum, dass die Türkei so viele EU-Wertestandards wie möglich umsetzt. Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit müssen in vollem Umfang Einzug halten! In der Türkei ist jedem klar, dass es der Europäischen Union gar nicht um einen vollen EU-Beitritt der Türkei geht.

Die Türken fordern natürlich hohe Standards im Bereich der Menschenrechte, der Rechtssicherheit und der Pressefreiheit, denn alles andere stärkt nur die radikalen Kräfte in der Türkei! Beispielsweise durften Spanien, Portugal und Griechenland aufgrund ihrer nationalen Interessen erst nach Jahren ihrer Vollmitgliedschaft die Zollunion sukzessive verwirklichen. Aber bei der Türkei sollte es nicht nur umgekehrt sein, sie agierte politisch zudem geradezu dramatisch falsch. Ja, in gewisser Weise wurde die Türkei sogar Opfer ihres eigenen verhandlungsstrategisch durchaus klugen Stufenplans.

Man wollte auf gut wienerisch „von der Maschekseite“, also durch die Hintertür, in die EU kommen.

Dass auf halber Strecke der Pilot aussteigt und beide Fallschirme mitnimmt, war nicht geplant. Auch die jüngeren 14 Mitglieder aus Osteuropa, wie etwa Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Tschechien und die Slowakei, haben nie über „erst Zollunion, dann Vollmitgliedschaft“ verhandelt, keiner hat es auch nur angesprochen, keiner hätte es akzeptiert.

Man wurde Vollmitglied und ist parallel dazu gleichzeitig in die Zollunion als gleichberechtigter Partner auf Kommissionsebene und Parlamentsebene eingestiegen. So war das immer, außer bei der Türkei! Auch der jüngste Kandidat, Kroatien, wurde nicht sofort in die Zollunion aufgenommen.

Auch dem Beitrittskandidaten Serbien geht zuerst um einen Beitritt zur EU und nicht um einen Zollvertrag.

Nun hat die Türkei zwar mit 1.1.1996 als Mitglied der EU-Zollunion sozusagen die höheren Weihen erreicht, aber nicht bedacht, dass es kein politisches Mitspracherecht in Brüssel bezüglich seiner eigenen Zölle mit Drittländern hat.

Das bedeutet, dass in Brüssel gerade 28 Vollmitglieder der EU mit den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Repräsentanten und Interessenvertretern auf allen Ebenen über die Zukunft der Europäischen Union entscheiden, wobei jedes Mitgliedsinteresse berücksichtigt wird. Nicht aber jenes der Türkei. Denn die hat auf dieser Ebene kein Mitspracherecht.

War Deutschlands Türkei-Politik immer so feindlich? Leider ja!

Die Türken schreiben: “Nichts kann die Türkei zurzeit so gut auf einen stabilen, zivilen Pfad bringen wie Verlässlichkeit, Fairness und ein Partner, der das Land ernst nimmt und es gut mit ihm meint. Dazu gehört dann natürlich auch Kritik. Sie kann und soll mit jeder positiven Erfahrung immer nachdrücklicher werden.“

Erdoğans Machtbasis ist fragil und je fragiler diese Machtbasis wird, desto gefährlicher kann er werden.

Fazit: Die deutsche Politik muss besonnen agieren, um ihm nicht zur künstlichen und letztendlich von Deutschland ungewollten Stabilisierung seiner Machtbasis zu verhelfen. Es ist nicht fair, wenn die Türkei von SPD-Kandidat Martin Schulz zum Spucknapf Europas gemacht wird.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

 

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01 09 2017
By: Redaktion 0

Gedanken zum Opferfest – Eid Mubarak!

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01 09 2017
By: Redaktion 0

Im Schatten von Sisi und Sachertorte

Zwei Japanerinnen versuchen sich angestrengt an einem Selfie mit der Hofburg im Hintergrund. Eine Gruppe junger Slowenen läuft laut schnatternd einer Stadtführerin  hinterher. Und ein älteres Ehepaar knipst vom Fiaker aus noch schnell ein Foto von der Reiterstatue Erzherzog Karls, ehe die Fahrt Richtung Hofreitschule und Stephansdom weitergeht. Robert Tatar führt seine Tour-Teilnehmer, die sich an diesem stürmischen Dienstagvormittag auf dem Heldenplatz versammelt haben, ebenfalls an Wiens bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei. Sprechen wird der 32-Jährige allerdings nicht über Prachtbauten, sondern Sozialeinrichtungen für Obdachlose. Statt um Sisi und Sachertorte geht es bei den sogenannten „Shades Tours“, die den Blick auf die Schattenseiten hinter der monumentalen Kulisse von Österreichs Hauptstadt lenken wollen, um das Schicksal der knapp 10.000 wohnungslosen Menschen in Wien – geschätzt 1.200 davon nennen tatsächlich den öffentlichen Raum ihr Zuhause. „Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher sein“, sagt der Guide, der wie auch seine derzeit drei Kollegen lange Zeit selbst auf der Straße gelebt hat.

Von Stephanie Schuster

Wien-Robert Tatar, ein Deutscher aus der Nähe von Kassel, kommt im Herbst 2013 der Liebe wegen nach Wien – doch die gläubigen muslimischen Eltern seiner aus Mazedonien stammenden  Freundin wollen keinen Atheisten aus Deutschland unter ihrem Dach dulden. Ein billiges Hotelzimmer kann sich Tatar, der mit 18 von zuhause abgehauen war und den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte, nur einige Wochen lang leisten, und einen Job findet der gelernte Kaufmann mit dem abgebrochenen Lehramtsstudium auf die Schnelle nicht. Also geht er zum Westbahnhof, wo er einen Monat zuvor angekommen ist – da gibt es immerhin kostenloses W-LAN.

„Und dann ging alles sehr schnell“, erinnert sich Tatar, der vor den etwa 15 Tour-Teilnehmern ganz offen über seine eigene Geschichte spricht. Da er bisher in Österreich keinen Wohnsitz hatte und keiner sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgegangen war, habe er weder Anspruch auf Sozialhilfe, noch auf eine Schlafstelle in einem Quartier der Stadt Wien gehabt. „Infolge der großen Flüchtlingswelle von 2015 wurden die Auflagen für Ausländer hier deutlich verschärft. Um als anspruchsberechtigt zu gelten, muss man jetzt mindestens fünf Jahre eine feste Wohnadresse in Österreich haben“, erklärt Tatar. Dass sich dadurch inzwischen 70 Prozent der Wohnungslosen – darunter viele Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa – ganz ohne staatliche Hilfe durschlagen müssen, mache sich längst auch im Stadtbild bemerkbar.

In den ersten Tagen streift Robert Tatar auf der Suche nach Essensresten durch den Westbahnhof. Zum Betteln kann er sich in den gesamten drei Jahren seiner Obdachlosigkeit nicht überwinden, aus Scham. Zum Glück  macht er schon bald Bekanntschaft mit den mobilen Sozialarbeitern der Stadt. Sie geben ihm eine Liste mit all den nicht vom Wiener Sozialfonds finanzierten Hilfseinrichtungen, etwa Orden oder private Vereine, in denen auch nicht-anspruchsberechtigte Obdachlose Zuflucht suchen und warme Mahlzeiten oder Kleiderspenden bekommen können.

Die „Shades Tour“ ist inzwischen an einer Goethe-Statue am Opernring angekommen. „Aber glaubt nicht, dass das hier doch noch eine kunsthistorische Führung wird“, ruft Robert Tatar, linker Hand das Opernhaus in Sichtweite, im Rücken das Palmenhaus mit seinem noblen Restaurant, geradeaus die Akademie der Bildenden Künste. Statt um den ollen Goethe geht es Tartar um das hinter der Statue liegende Gartenbeet, das seit einigen Jahren einen der letzten öffentlichen Zugänge zur Wiener Kanalisation unter sich begräbt. „So hat man das Problem einfach ausgemerzt.“ Denn die unterirdischen Gänge waren bereits im frühen 20. Jahrhundert ein beliebter Zufluchtsort für Obdachlose. „Bis in die 1950er Jahre gab es sogar noch die Fettkappler, die das Fett aus den Abwasserkanälen abschöpften, daraus Seife machten und verkauften“, erklärt Tatar.

Schnell wird Robert Tatar bewusst: Obdachlosigkeit ist ein Teufelskreis.  Wer einen Job hat, kann theoretisch über eine Hilfseinrichtung eine Postadresse bekommen – doch welche Chancen hat schon eine Bewerbung, auf der die Anschrift fehlt? Der ehemalige Mathestudent verteilt deshalb Zettel mit seiner Telefonnummer zum Abreißen in der Stadt, auf denen er seine Dienste als Nachhilfelehrer anbietet. Die Rechnung geht auf – Tatar verdient sich nicht nur ein ordentliches Taschengeld, sondern bringt Dutzende Schüler durchs Matheabitur. „Damit hast du mehr für Wien getan als die Stadt für dich“, sagt später einmal eine Sozialarbeiterin zu ihm.

Dass Armut in Wien mancherorts immer noch ein Tabuthema ist,  wird am Hintereingang der Oper klar. Bereits vor vielen Jahren habe man in kalten Winternächten in Kellern und Lagerräumen verschiedener Theater und Kulturstätten Notlager für Obdachlose geschaffen, berichtet Tatar. „Das hängte man aber nicht an die große Glocke, weil es angeblich bei Teilen des Publikums für negative Stimmung sorgte.“ Ebenso missfallen haben dem Establishment die Studentenproteste von 2009, die sich mit den Wohnungslosen solidarisierten und die Einrichtung zusätzlicher Schlafstellen forderten. Die Stadtregierung dagegen erkannte die Notwendigkeit und rief 2012 das Winterpaket mit knapp 1.200 zusätzlichen Betten ins Leben, in diesem Jahr wurde das Kontingent noch einmal aufgestockt. „Der Druck wird größer“, sagt Tatar. „Ungarn zum Beispiel bestraft Obdachlosigkeit seit einigen Jahren mit Gefängnis, da verlassen eben viele das Land.“ Wobei auch in Wien eine Kampierverordnung lauert. „Mit Jacke zudecken ist erlaubt, Schlafsack und Isomatte sind aber eigentlich verboten“, erklärt er.

Mit der Zeit kommt Routine in Robert Tatars Alltag. In den nicht-städtischen Tageszentren schlägt er morgens als erster auf, um gleich eine freie Dusche zu ergattern. Tagsüber hält er sich gern in Bibliotheken auf – mit dem für Obdachlose kostenlosen Kulturpass erhält er für 3,50 Euro eine Jahreskarte. Dort  ist es warm, gibt Stühle zum Sitzen – ein Luxus. Und in bitterkalten Nächten, wenn kein Bahnhofsklo mehr als Schlafplatz infrage kommt, steigt er in einen der Nachtbussen und fährt bis zum Morgengrauen durch die Stadt.

Über die Kärntner Straße, Wiens beliebte Shoppingmeile, auf der sich gegen die Mittagszeit Touristen wie Einheimische mit voll bepackten Tüten drängen, führt Tatar die Gruppe weiter. Es geht vorbei am Wiener Katzencafé, in dem einsame Singles oder gestresste Manager beim Mietze-Kraulen die Seele baumeln lassen. „Im Überlebenskampf entwickelt man neue Bedürfnisse“, sagt Tatar und hält eine Maslowsche Bedürfnispyramide in die Luft. Im Grunde drehe sich alles um die Frage: wie überlebe ich den Tag. „Es gibt also manchmal Gründe dafür, warum jemand in der U-Bahn nicht gut riecht.“

Seit Januar 2016 ist Robert Tatar als „Shades Tours“-Guide im Einsatz, vom Verdienst kann er sich bald ein WG-Zimmer leisten. Weil er damit erstmals eine Postadresse besitzt, erreicht ihn schon bald ein Brief von der Stadt: Vom Schwarzfahren im Nachtbus haben sich einige Geldstrafen angesammelt, die sich samt Säumniszuschlag inzwischen auf 1.400 Euro belaufen. Freundlicherweise darf er seine Schulden in Monatsraten von 30 Euro abstottern.

Am Franziskanerplatz, wo sich hinter dem Seiteneingang der gleichnamigen Kirche Wiens älteste Armenspeisung befindet, verabschiedet Tatar die Tourteilnehmer schließlich. Er werde sich bei „Shades Tours“ künftig um die Buchungen und das Marketing kümmern, verrät er noch. „Die Leute sollen bei uns nur übergangsweise als Guides arbeiten“, erklärt Projekt-Gründerin Perrine Schober. Denn neben der Sensibilisierung für das Thema Obdachlosigkeit sei ihr Hauptziel, Betroffenen den Weg zurück in den normalen Arbeitsmarkt – und damit ein normales Leben – zu ermöglichen. Robert Tatar und zwei weitere ehemalige Guides haben ihn bereits gemeistert.

Info-Kasten

Die Shades Tours wurden im Herbst  2015 von der 33-jährigen Österreicherin Perrine Schober initiiert. Sie hat in Kempten Tourismusmanagement studiert und sich bereits während ihres Erasmus-Aufenthalts in England mit der Thematik „Tourismus als volkswirtschaftliches Instrument der Armutsbekämpfung“ beschäftigt. 2016 haben rund 1800 Menschen an Touren und Veranstaltungen (etwa Kochabenden in Obdachloseneinrichtungen) des  Social Business teilgenommen. Buchen können die rund 2,5-stündigen Stadtführungen Einzelpersonen, aber auch Unternehmen, Schulen oder Vereine. Alle weiteren Infos unter:  www.shades-tours.com

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01 09 2017
By: Redaktion 0

Leben am Zaun –der spanischen Exklave Melilla

Als es im Anschluss an den Vertrag von 1860 zwischen den Königreichen Spanien und Marokko das heutige Stadtgebiet Melillas zu bestimmen galt, feuerte man von der über der Mittelmeerküste thronenden Altstadt aus ein gutes Dutzend Kanonenkugeln damaligen Standards nach Nord, West und Süd ab. Wo sie einschlugen, zog man die Grenze. Nur an der Stelle, wo sich seit Jahrhunderten ein muslimischer Friedhof befand, macht die halbmondförmig verlaufende Linie einen Knick. Sichtbar wurde er erst, als Spanien, Marokko und die EU ab 1998 den ersten Grenzzaun errichteten. Nach und nach hat man ihn verdreifacht,  auf bis zu sechs Meter erhöht, mit rassiermesserscharfen Klingen versehen und zu einer Hightech-Befestigungsanlage mit Nachtsichtkameras und Bewegungsmeldern im Boden aufgerüstet.

 

Von Stephanie Schuster

Melilla/Wien. Der Knick ist nun nicht mehr zu übersehen – und so wie der Grenzwall längst zum Sinnbild für die Flüchtlingskrise, für die Angst vor dem Fremden einerseits und die Hoffnung auf ein besseres Leben andererseits geworden ist, so könnte der Knick symbolisch für den Pragmatismus und die Flexibilität stehen, mit denen diese Stadt voller Gegensätze und Widersprüche ihren Alltag meistert. Für die zweierlei Maße, mit denen sie misst, für die Doppelmoral, die einem überall begegnet, oder für die Leichtigkeit, mit der unangenehme Fragen einfach ignoriert werden.

Geht man von der Plaza España in der Innenstadt die Avenida Juan Carlos I. hinauf, vorbei an endlosen, teils etwas heruntergekommenen, aber wunderschönen Jugendstilfassaden, könnte man sich einen Moment in Barcelona wähnen – und tatsächlich hat spanienweit nur die katalanische Hauptstadt mehr modernistische Bausubstanz aufzuweisen als Melilla. Es war Enrique Nieto, ein Schüler Gaudis, der sich einst aufmachte in den Norden Afrikas und die spanische Exklave architektonisch revolutionierte. Die katholische Kirche Sagrado Corazón und die Synagoge Or Zoruha tragen ebenso seine Handschrift wie die Zentralmoschee.

Alle drei Gotteshäuser können bei einem vom örtlichen Tourismusbüro organisierten Rundgang besucht werden, dazu ein hinduistischer Tempel – ein großes Wort für eine mit Sitzkissen und einigen bunten Buddhabildern dekorierte Hochparterrewohnung. Da der nächste Hindu-Priester in Málaga sitze, greife man beim Gebetsritual auf Fernseher und DVD zurück, erklärt Lachmi Ghanshandas, die Vorsteherin von Melillas hinduistischer Gemeinde, die bereits in fünfter Generation existiert, aber mit akuten Nachwuchssorgen kämpft. „Wir sind keine 100 Mitglieder mehr, die Jungen gehen eben weg.“ Auch Rabbiner Salomon Aserraf Cohen berichtet ein wenig wehmütig, dass es in der 85.000 Einwohner-Stadt heute nur noch knapp 1.000 Juden und sechs Synagogen gebe, während die hebräische Gemeinde vor rund 70 Jahren noch ein Drittel der Bevölkerung stellte.

Über die Befindlichkeiten der katholischen und muslimischen Gemeinde spricht niemand. Dabei ist offensichtlich, dass der Islam längst die vorherrschende Religion in Melilla ist, Spanier mit marokkanischen Wurzeln plus etwa 12.000 Marokkaner stellen mittlerweile gut 50 Prozent der Bevölkerung. Neun katholischen Kirchen, die selbst zur Sonntagsmesse nur mäßig gefüllt sind, stehen 16 Moscheen gegenüber, in denen es beim Gebet nach dem Fastenbrechen teils so eng wird, dass die Polizei das Gelände davor absperrt, damit die Gläubigen alle Platz finden. Die Festbeleuchtung in den Hauptstraßen der Innenstadt  verheißt während des Fastenmonats einen „Feliz Ramadan“ und das islamische Opferfest ist seit einigen Jahren sogar gesetzlicher Feiertag. Innerhalb der EU ist das nur noch in Ceuta, der anderen spanischen Exklave, der Fall.

Wenngleich Kritiker es für reines Ablenkungsmanöver von der drohenden muslimischen Übermacht halten – die Stadtoberen erwähnen bei jeder Gelegenheit die vier Kulturen der Stadt, deren friedvolles Zusammenleben Melilla so einzigartig und zu einem Beispiel für die Zukunft ganz Europas mache. “Es gibt hier nicht mehr Konflikte als an anderen, weniger heterogenen Orten, und das ist allein der Verdienst der melillenses”, sagt Abdelmalik El Barkani stolz. Er hat es 2012 als erster Muslim ins Amt des Delegierten der Madrider Zentralregierung geschafft – als Kandidat der spanischen Volkspartei PP und nicht etwa im Namen der “Koalition für Melilla”, dem politischen Sprachrohr der marokkanischstämmigen Bevölkerung, die unter anderem fordert, den Berberdialekt Tamazight zur zweiten Amtssprache zu erheben. Wer Karriere machen will, muss sich dem Establishments beugen – und dessen Sprache sprechen. “Was uns eint, ist der Mantel der spanischen Flagge“, sagt El Barkani.

Die Dramen, die sich immer wieder abspielen, wenn schwarzafrikanische Migranten zu Dutzenden den Grenzzaun zu stürmen versuchen, oder die Polizeigewalt, die dabei laut Menschenrechtsorganisationen regelmäßig zum Einsatz kommt, haben im offiziellen Diskurs nichts verloren. Auch nicht der Rassismus, der sich in den abfälligen Bemerkungen der christlichen (und aus deren Sicht echten) Spanier über die moros, die muslimischen Mitbürger, und andersrum, widerspiegelt. Und erst recht nicht die „Cañada de Hidum“, besser bekannt als “Cañada de la Muerte” (Schlucht des Todes). Das Viertel aus würfelartigen, schmucklosen Häusern, die aus der Ferne wie bunte Legosteine wirken, ist fest in muslimischer Hand und absolute No go-Area für aromis, wie die christlichen Spanier im Berberidiom heißen. In den verwinkelten Gassen trifft man auf kleine Teestuben, spielende Kinder und mit Fan-Botschaften des IS beschmierte Wände. Selbst die Polizei schaut hier nur noch gelegentlich für Drogenrazzien vorbei oder um mutmaßliche Dschihadisten zu verhaften. Die Weiße Moschee des Viertels gilt als Keimzelle islamistischen Terrors.

 

Tania Costa, Chefredakteurin der Lokalzeitung „El Faro“, spricht indes Tacheles. „Diese Stadt ist echt hart“, sagt die gebürtige Kubanerin, die seit fünf Jahren in Melilla lebt. Da sei die Enge, die manchen Bewohner dazu veranlasst, ohne Not ins Auto zu steigen und eine Runde um die Stadt zu drehen, selbst auf die Gefahr hin, in einen Stau zu geraten. „Ich dachte, die sind verrückt hier“, erzählt Costa. „Aber dann hab ich dazu einen Psychologen interviewt, der mir sagte, dass die Leute das tun, weil es entspannt und befreiend wirkt.“ Da seien die extremen sozialen Gegensätze: auf der einen Seite die Besserverdiener, die größtenteils dem aufgeblasenen Beamtenapparat angehören, der nach wie vor von den Christen dominiert wird und üppige Ortszulagen kassiert – auf der anderen Seite das Gros der Muslime. „Die haben viele Kinder, aber keine Ausbildung und keine Jobs“, sagt Costa, die mit ihrem dunklen Teint oft  selbst für eine Muslimin gehalten wird. „Dass es hier Diskriminierung gibt, kann ich bestätigen: Ich werde im Krankenhaus schlecht behandelt, bis sie meinen Namen lesen oder ich den Mund aufmache.“ Als günstige Kindermädchen hingegen seien die Marokkanerinnen sehr gefragt, ebenso als Haushälterinnen, die neben Paella und Tortilla gern auch mal Tajine mit Dattelfleisch oder Couscous auftischen dürfen. Und den morgendlichen café con leche trinkt man natürlich – es gibt ja kaum mehr Alternativen – in der Bar eines marokkanischstämmigen Mitbürgers,  wo freilich auch der feine Minztee auf der Karte steht.

Filmemacher Driss Deiback, der in Paris studiert und viele Jahre in den USA und in Berlin gelebt hat, widmete seiner Heimatstadt 2002 eine überaus kritische Doku, die die Stadtspitze anfangs sogar zensieren wollte. Heute stimmt er versöhnlichere Töne an. “Wir sind irgendwo zwischen Nebeneinanderher- und Zusammenleben.” Es gebe inzwischen über 3.000 gemischte Ehen, die hier stationierten Soldaten seien zu einem Drittel muslimisch, selbst muslimische Ärzte und Anwälte seien keine Seltenheit mehr, sagt Deiback. Richtig in Rage bringt ihn jedoch ein anderes Thema, bei dem in Melilla immer noch eigene Maßstäbe gelten: In der Stadt stehen mehrere Franco-Denkmäler herum – eines davon gerade frisch restauriert –, obwohl Spanien deren Verbannung bereits 2007 per Gesetz angeordnet hat. „Und wer denkt, die Franco-Statue im Hafen wurde versetzt, damit sie nicht mehr gar so exponiert wirkt, der irrt“, verkündet Deiback mit einem triumphierenden Lacher. Der alte Diktator sollte vielmehr vor Vandalen geschützt werden. „Er steht jetzt direkt vor der Überwachungskamera an der Hafeneinfahrt.“

Unweit der Innenstadt, im Rastro-Viertel, stapeln sich Obst- und Gemüsekisten auf dem Asphalt, auch Klamotten und Haushaltswaren breiten die Händler einfach auf dem Boden aus, während sich verschleierte Frauen mit Einkaufstrolleys und voll bepackten Tüten durchs Getümmel schieben. Kulturministerin Fadela Mohatar, ebenfalls von der PP, ebenfalls Muslimin, ist in dem Viertel aufgewachsen, heute fühlt sie sich fremd. „Die Berberfrauen haben höchstens mal ein Kopftuch getragen.“ Doch nun seien hier die strenggläubigen Strömungen des Islam auf dem Vormarsch, sagt Mohatar. Sogar junge Frauen gingen nur noch verhüllt auf die Straße. Als sie am Morgen ganz in der Nähe in kurzem Kleid im Wartezimmer eines Arztes saß, wurde sie mit missbilligenden Blicken gestraft. „Das wäre vor 20 Jahren nicht passiert, und das macht mir Sorge.“

Die Marktleute treibt anderer Kummer um. „An der Grenze ist es grade kompliziert“, sagt Hamid, der jeden Tag mit Säcken voller Gebäck aus der Nachbarprovinz Nador nach Melilla kommt. Etwa 30.000  Marokkaner haben eine Arbeitserlaubnis für die spanische Stadt: Sie liefern Fisch, verkaufen Schmuck, fahren Taxi oder putzen bei den aromi. Am wichtigsten aber sind die Transporteure, die jeden Tag tonnenweise Waren – auf dem Rücken, im klapprigen Mercedes oder Lastwagen – von Melilla nach Marokko bringen. Dass die spanischen Behörden dem irren Treiben, das sich tagtäglich am Grenzposten abspielt und freilich auch Schmugglern Tür und Tor öffnet, mit limitierten Passierzeiten Einhalt gebieten wollen, führt seit Wochen zu Protesten. Großhändler und Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen. „Diese Stadt lebt von der Grenze“, sagt Metzger Mohamad. Von seinem Tresen sind es keine 20 Meter bis zum Grenzübergang – wo Europa endet und Afrika beginnt. Weil dort vor 157 eine Kanonenkugel einschlug.

 

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