Monat: Juni 2018

25 06 2018
By: TKG 0

Türkei-Wahlen: „Die AustrotürkenInnen in Österreich möchten nicht pauschalisiert werden“

Werfen wir bitte nicht alle AustrotürkenInnen in den selben Topf.

In Österreich leben ca. 300.000 Menschen aus der Türkei, davon handelt es sich bei ca. 116.000 um türkische Staatsbürger (die Übrigen sind österreichische StaatsbürgerInnen und dürfen demnach nicht wählen). Davon sind wiederum nur 55.000 Personen tatsächlich auch wählen gegangen. Von diesen 55.000 in Österreich lebenden TürkInnen haben ca. 60 % (33.000) für die AK Partei und ca. 70 % (38.000) für Erdogan gestimmt. Hierbei ist zu beachten, dass bei der Wahl zwei Stimmzettel für jede Wählerin und jeden Wähler zur Verfügung gestellt wurden. Ein Wahlzettel war dabei für die türkische Parlamentswahl (Wahl der Parteien mit 600 Abgeordneten) gedacht, der zweite Stimmzettel diente für die Präsidentschaftswahl.

Die unumstößliche Meinung vieler, dass AustrotürkInnen mehrheitlich eine Partei oder einen Politiker aus der Türkei wählen, ist demnach sehr pauschalisierend und de facto diskriminierend. Denn wie sich hier zeigt, stimmt das nicht. Es stimmt nicht, dass die Mehrheit der AustrotürkInnen Erdogananhänger oder einer anderen Partei in der Türkei. Die sind verschieden, farbig, die Mehrheit möchte mit den Parteien in der Türkei nichts zu tun haben, weil ihre Zukunft in Österreich liegt. Sie wünschen sich eine demokratische rechtsstaatliche Türkei, wo Grundrechte, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit als oberste Priorität behandelt wird. In der derzeitigen Türkei ist dies durch diese Parteien und die gegenwärtige Regierung nicht der Fall.

Man kann nicht alle 300.000 Menschen mit türkischer Abstammung, die in Österreich leben, mit jenen ca. 33.000 Menschen gleichsetzen, die die AKP bzw. Erdogan gewählt haben, da diese nur 10 % aller AustrotürkInnen ausmachen. Die Mehrheit der in Österreich lebenden Menschen mit türkischer Abstammung möchte mit den Wahlen in der Türkei nicht identifiziert werden, weil sie an dieser Wahl nicht teilgenommen hat bzw. kein Interesse daran haben oder auch aktiv als österreichische StaatsbürgerInnen mit türkischen Wurzeln bei den österreichischen Parteien mitarbeiten.

Aus diesem Grund bitten wir alle PolitikerInnen und geschätzte Medienleute, hier die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht alle Personen mit türkischen Wurzeln aufgrund der Wahlen in der Türkei zu pauschalisieren und in weiterer Folge allesamt an den Pranger zu stellen. Denn genau das wollen nicht alle, aber einige Parteien/PolitikerInnen aus der Türkei bezwecken.

Man sollte sich hier den Frieden der Republik Österreich und des interkulturellen Zusammenlebens der Bevölkerung vor Augen halten und stets um dessen Schutz bemüht sein.

Denn unsere neue Heimat ist Österreich und wir schätzen dieses schöne, friedvolle Land für seine guten Werte und den respektvollen Umgang mit den meisten AustrotürkInnen. Wir sind stolz, BürgerInnen eines Rechtsstaates zu sein, wo die Gewaltenteilung, die Grundrechte der Presse-und Meinungsfreiheit sowie die Würde jedes einzelnen Menschen geschützt wird und im Prinzip von „Check and Balance“ (Überprüfung und Ausgleich) immer unter strenger Kontrolle steht. Die meisten der 300.000 Austrotürken sind ein Teil der Republik Österreich. Wie auch Experten bestätigen: „Ihre Einstellungen und Sichtweisen orientieren sich stark an den Grundwerten der Republik Österreich, insbesondere an der Demokratie und der Pluralität.“

Die TürkInnen stehen der österreichische Mentalität sehr nahe. Fleiß, Ehrlichkeit und Höflichkeit sind gemeinsame Tugenden, und besonders letzteres wird von vielen TürkInnen besonders an den ÖsterreicherInnen geschätzt . So werden diese als geduldig, flexibel und sensibel charakterisiert, außerdem als traditions- und kulturbewusst.

Ein wunderbares Beispiel dafür, wieviele Gemeinsamkeiten sich in der Kultur der ÖsterreicherInnen und TürkInnen finden lassen, zeigt das folgende türkische Sprichwort: „Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre.“ Das Verstehen von Menschen beginnt mit gutem Zuhören und wo lässt es sich besser reden, als bei einer Tasse dampfendem Kaffee? Wer sich auf eine Tasse Kaffee trifft, nimmt sich Zeit für einander. Das ist die Besonderheit der österreichischen Kaffeehauskultur, geht jedoch in zwischenmenschlicher Hinsicht noch viel weiter darüber hinaus. Wir sollten also mehr Kaffee zusammen trinken.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich
Obmann
DI Birol Kilic

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12 06 2018
By: TKG 0

Zollunion(Gümrük Birliği): EU-Türkei-75 %  Sprachen sich für eine Ausweitung  

Laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sprachen sich 75 %  für eine Ausweitung bzw. Modernisierung der EU-Zollunion mit der Türkei aus.

Die EU-Türkei Zollunion in ein Freihandelsabkommen umwandeln

Die Erweiterung der Zollunion mit der EU hätte für die Türkei große und dringend benötigte wirtschaftliche Vorteile. Doch insbesondere Deutschland und Frankreich  blockieren die VerhandlungenAnkara droht dadurch nicht nur der Verlust diverser Vorteile einer erweiterten Zollunion, sondern muss auch wachsende Nachteile durch Ungerechtigkeiten in der bestehenden Zollunion hinnehmen und wird dementsprechend immer instabiler. Damit provozieren Deutschland und auch Frankreich als EU-Mitglieder eine gewisse Instabilität in der Türkei. Der Türkei drohen damit nicht nur der Entging diverser Vorteile, die mit der Erweiterung der Zollunion einhergehen würden. Sie hätte auch handfeste Nachteile, die sich mit der Zeit zudem verschärfen.

Der Grund dafür ist eine Unwucht in der Zollunion. Dank ihr können nicht nur EU-Firmen ihre Waren zollfrei in die Türkei exportieren, sondern auch Unternehmen aus Drittstaaten, mit denen die EU Freihandelsabkommen hat. Diese Drittstaaten sind im Gegenzug aber nicht dazu verpflichtet, ihre Märkte für Exporte türkischer Firmen zu öffnen. Wäre etwa das TTIP-Abkommen zwischen der EU und den USA zustande gekommen, hätte das für Teile der türkischen Industrie verheerende Folgen gehabt.

Dass TTIP inzwischen als praktisch gescheitert gilt, ist für die Türken nur ein schwacher Trost. Als Nächstes soll Anfang 2019 der EU-Vertrag mit Japan in Kraft treten, und zugleich verhandelt die EU mit vielen weiteren Ländern weltweit. Sollte sie etwa mit Indien handelseinig werden, müssten die Türken indische Waren zollfrei ins Land lassen, auf Ausfuhren nach Indien aber weiterhin 14 Prozent zahlen. Bliebe die Zollunion wie sie ist, würden laut der Ifo-Studie die Exporte türkischer Firmen deshalb teils deutlich zurückgehen – insbesondere in Branchen, in denen die neuen EU-Partnerländer stark sind.

Allerdings ist auch Yalcin davon überzeugt, dass „eine neue Zollunion politisch nicht umsetzbar ist“. Er schlägt deshalb vor, die Zollunion in ein Freihandelsabkommen umzuwandeln, das die aktuellen Zollregelungen beibehält, der Türkei aber ihre volle Handelssouveränität zurückgibt. Denn die hat sie mit der Einbindung in die Zollunion zu großen Teilen an die EU-Kommission abgetreten. Zugleich würde ein solches Abkommen laut Yalcin die Planungs- und Rechtssicherheit erhöhen, wovon letztlich auch EU-Unternehmungen profitieren würden.

Österreich Türkei

Ein Blick auf die Entwicklung der österreichischen Exporte in die Türkei seit dem Beginn der Zollunion sprechen laut WKO dabei eine deutliche Sprache. Allein in den letzten 20 Jahren seit Inkrafttreten der Zollunion am 01.01.1996 hat sich das österreichische Exportvolumen von rund EUR 246 Mio. auf derzeit EUR 1.310 Mio. mehr als verfünffacht (!), zwischenzeitlich (2015) fast versechsfacht. Allein nach dem Inkrafttreten der Zollunion 1996 hat sich das Exportvolumen innerhalb von fünf Jahren verdoppelt – insgesamt eine klare Erfolgsgeschichte.

Hervorzuheben ist, dass sich die österreichischen Exporte auch 2017 mit nur -1,0 % gegenüber 2016 trotz der politischen Spannungen weiterhin erfreulich stabil halten konnten:

Mehr Info:

Das türkische Zollrechtsregime – Alle Neuigkeiten und Änderungen zum Export in die Türkei

https://www.youtube.com/watch?v=Ln13dBv5RzE&feature=youtu.be

LEITFADEN TÜRKEI: AKTUELLE INFORMATIONEN ZUM TÜRKISCHEN ZOLLRECHT FÜR ÖSTERREICHISCHE EXPORTUNTERNEHMEN

https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/Leitfaden-Tuerkei_Zollrecht_2018.pdf

Webinar: Das türkische Zollrechtsregime

https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/Das-tuerkische-Zollrechtsregime_Webinar-Tuerkei-2018_Herausg.pdf

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

 

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08 06 2018
By: TKG 0

TKG: „Die eigentlichen Brandstifter bleiben unberührt“

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) begrüßt jegliches Verbot verfassungs- und demokratiefeindlicher Organisationen, die gegen unsere  freiheitliche demokratische Grundordnung kämpfen, egal aus welchen Religionsgemeinschaften, Parteien, Organisationen und Vereinen. Gegen verfassungsfeindliche Einzelpersonen und Personenzusammenschlüsse (Parteien, Vereine, Religionsgemeinschaften, Kultusgemeinden und Organisationen) kann und muss der demokratische Rechtsstaat präventiv vorgehen.

Die heutige Pressekonferenz der Regierung mit vier Ministern ist unserer Meinung nach ein unüberlegtes Vorhaben (mit einem unglücklich gewählten Zeitpunkt vor den Wahlen am 25.06.18 in der Türkei), welches das eigentliche Problem des stark politisierten, radikalisierten Glaubens und der verfassungsfeindlichen angeblichen Kultus- bzw. Religionsgemeinschaften nicht löst, sondern deren politischen Argumente jetzt und in Zukunft untermauert. Besonders, weil dieses „Verbot und Auflösung“ die eigentlichen Zentren des politischen Islams nicht einmal berührt bzw. tangiert.

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) ist der erste NGO-Think-Thank in Österreich, welcher vor dem politisierten Glauben seit Jahren warnt, sachlich darüber aufklärt und eines wünscht: Differenzieren, die Spreu vom Weizen trennen und nicht die Täter als Problemlöser und Berater salonfähig machen.

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02 06 2018
By: TKG 0

Wer war Murat Pascha (Der Ungare -General Józef Bem)

1848 – und die schauerlichen Folgen

Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 und der Unterwerfung Ungarns 1849 wurde an den Revolutionären zum Teil blutige Rache genommen.

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Auch der auf Seiten der ungarischen Insurgenten kommandierende General Józef Bem (14. März 1794 – 10. Dezember 1850) stand auf der „schwarzen Liste“ der österreichischen Militärjustiz.

Am 1. Mai 1850 verurteilte ihn in Wien ein Militärgericht wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode durch den Strang. Da das Urteil an dem flüchtigen Bem nicht vollzogen werden konnte, wurde am 16. Mai 1850 eine Blechtafel mit seinem Namen an den Galgen genagelt.

Józef Bem stammte aus dem 1772 habsburgisch gewordenen Tarnów (Galizien). Seine Biographie spiegelt eindrucksvoll die tragische Geschichte Polens im Zeitalter der Teilungen wider. Erste militärische Lorbeeren (1813 sogar die französische Ehrenlegion) erwarb Bem in Diensten des Herzogtums Warschau, eines 1807 geschaffenen napoleonischen Satellitenstaates. In Russisch Polen war er nach 1815 Offizier und Professor an der Warschauer Militärschule, hatte aber als polnischer Patriot wiederholt mit Anfeindungen und Repressionen von russischer Seite zu kämpfen. 1825 übersiedelte er daher in das österreichische Galizien, wo er sich der wissenschaftlichen Erforschung von Dampfmaschinen zuwandte.

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1830 schloß er sich – wieder auf der anderen Seite der Grenze – dem polnischen Aufstand gegen die russische Herrschaft an und flüchtete nach der polnischen Niederlage nach Frankreich. Ab März 1848 finden wir Bem in der Habsburgermonarchie wieder. Im Oktober 1848 zeichnete er sich bei der Verteidigung des revolutionären Wien gegen die Truppen Windisch-Graetz’ aus. Nach dem Fall der Stadt entkam er nach Ungarn. Als General der Honvéd-Armee eroberte Bem Siebenbürgen für die ungarische Revolution, unterlag dann aber im Sommer 1849 der russisch-österreichischen Übermacht.

Barrikadenbau der Revolutionäre in Wien, Mai 1848

Bem flüchtete in das Osmanische Reich, wo er als Murad Pascha General wurde und zum Islam übertrat. Er starb bereits kurze Zeit später. Den Tod des gefürchteten Insurgenten-Generals ließ sich die k. k. Vertretung in Konstantinopel durch eine förmliche Erklärung der Hohen Pforte bestätigen, die hier mit der beglaubigten Übersetzung zu sehen ist. 1929 wurden Bems sterbliche Überreste nach Tarnów überführt.

Signatur: Österreichisches Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, Alte Feldakten Karton 1925a

Quelle: Michael Hochedlinger -Österreichisches Staatsarchiv

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https://de.wikipedia.org/wiki/Revolution_von_1848/1849_im_Kaisertum_%C3%96sterreich

 

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