Monat: September 2019

12 09 2019
By: TKG 0

TKG begrüßt Max Zirngasts Freispruch durch türkische Staatsanwaltschaft

Es ist nicht nur für die vier Angeklagten eine sehr erfreuliche Nachricht, sondern sicherlich auch für viele Austrotürkinnen und -türken, die sich für die Türkei einen starken demokratisch freiheitlichen Rechtsstaat wünschen. Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) begrüßt Herrn Zirngast in seiner Heimat und ist glücklich, dass er trotz der Erlebnisse weiterhin der Türkei und den Menschen, welche sich nach Freiheit und Gerechtigkeit sehnen, verbunden bleibt und für die Demokratie kämpft.

Türkei-EU: Kopenhagener Kriterien

Eine Rückkehr zu den Kopenhagener Kriterien der EU und einer Gewaltenteilung in der Türkei ist nicht nur für die Türkei von wesentlicher Bedeutung, sondern auch für die internationalen Beziehungen und potenziellen Investoren. Denn ohne Sicherheit kein Vertrauen. Die Türkei ist für die EU von immenser Bedeutung, aber auch umgekehrt. Die TKG wünscht sich eine starke demokratische, freiheitliche und wirtschaftlich florierende unabhängige Türkei, die mit der EU auf Augenhöhe freundschaftlich kooperiert und für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger sowohl in der EU als auch in der Türkei bemüht ist. Das Schicksal der EU ist mit dem der Türkei geografisch und strategisch eng verbunden. Deshalb ist für beide Seiten ein Austausch auf Augenhöhe von enormer Bedeutung, sei es in der Flüchtlingshilfe oder im Kampf gegen jede Form von Extremismus bzw. Terrorismus.

Partnerschaft mit der Türkei ohne Scheinheiligkeit und Überheblichkeit

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde Österreich Birol Kilic:Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG), eine Think Tank NGO, ist stets als Brückenbauer auf Augenhöhe zwischen Österreich und der Türkei in den unterschiedlichsten Belangen bemüht und stellt die Probleme der beiden Länder, manchmal leise manchmal laut, in aller Nüchternheit offen dar. Wie wir es seit Monaten in allen Ebenen gemacht haben.  Wir können den Terror und Terrorismus in anderen Ländern nicht „soft“ oder „hard“ solidarisieren oder sympathisch finden. Wir verurteilen jede Form von Extremismus und Terrorismus und ihre Verherrlichungen, unabhängig davon was die Motive dafür sind und in welchem Land es stattfindet. Die EU soll die Türkei unbedingt wieder als konstruktiven und zielführenden Freund gewinnen und dafür ohne Überheblichkeit die ersten Schritte setzen. Die EU braucht die Türkei und die Türkei braucht die EU. Wie gestern, wie heute und wie sicherlich auch in der Zukunft. Es wäre wünschenswert, dass sich die Türkei und die EU bei der Terrorismusbekämpfung gegenseitig ohne Scheinheiligkeit unterstützen und Empathie zeigen. Genauso wollen wir keinen McCarthyismus bzw. Gesinnungskontrolle in der Türkei.“

(BILD: APA/AFP/ADEM ALTAN)

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)

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09 09 2019
By: TKG 0

Stadt Wien – 1993: Die Geburt der säkularen modernen Türkei und Atatürk’s Gedanken

Damals als die modernen Euro-Türken mit ihrem Säkularitätsverständnis in der Stadt Wien hoch geschätzt wurden.

von Murat Gündüz

WIEN. Die Stadt Wien hat die säkularen türkischen Vereine bis zum Jahre 1998 mit Anerkennung geschätzt. Hier haben wir einen Beweis aus dem Jahre 1993, also vor genau 26 Jahren, als ein Verein unabhängig, mit seinen eigenen Mitteln und mit Sponsoren aus der Mitgliedschaft, etwas sehr wichtiges für das gerade sehr aktuelle Thema „säkulares Leben in der Stadt Wien“ organisiert hat.

Mit dem Titel „Die Gründung der modernen, säkularen Türkei und Atatürk’s Gedanken und Verdienste“ wollte der Verein EATA insbesondere die säkulare Lebenserfahrungen aus der Türkei nach Wien und nach Europa nahe bringen, weil sie damals eines gesehen haben: Die Vermischung Politik und Religion könnte in Österreich für die Zukunft ein Problem darstellen. Weil sich in Österreich, Deutschland, Belgien etc. seit 1980 reaktionäre Vereine etabliert haben, welche eigentlich politische reaktionäre Parteien aus der Türkei waren.
Diese Partien (Vereine) haben der säkularen Türkei den Kampf angesagt und wurden deswegen mehrmals Verboten. Gerade diese anti-modernen, reaktionäre Vereine haben die demokratische Grundordnung der Türkei bis zu den Zehen missbraucht. Mit der Konferenz wollte man somit die Europäer und Eurotürken wachrütteln. Die Türkei ist das einzige unter 54 Ländern, in welchem mehrheitlich Musliminnen und Muslime Leben und säkular laizistisch ist. Seit 1923! Von den Erfahrungen und dem KnowHow der Säkularismus schätzenden Türkinnen und Türken  sollte man Gebrauch machen. Und dafür, sollte man den Ablauf der Gründung der modernen säkularen Türkei bis jetzt kennen.

Da die Konferenz vom 11.-13. November 1993 mit ca. 500 AkademikerInnen und StudenteInnen aus verschiedensten Ländern sehr erfolgreich organisiert wurde, hat die Stadt Wien ihre Anerkennung und ihren Dank für die Veranstaltung ausgesprochen. Ob die Stadt Wien in den bisher vergangenen 26 Jahren gebrauch aus diesem Erfahrungen gemacht hat, ist leider nicht bekannt.

Auf jedem Fall aber wurde die Urkunde damals während der offiziellen Belobigungsfeier, welche im Zentrum der Stadt Wien stattgefunden hat, von dem damaligen Bürgermeisters Dr. Helmut Zilk, Vize Bürgermeister und Präsident des Wiener Tourismusverbandes Hans Mayr und vom Präsidenten der Wiener Handelskammer Komm.-Rat Dr. Walter Nettig unterschrieben. Auf dieser Anerkennungsurkunde steht folgendes: „Die Stadt Wien, die Wiener Handelskammer und das Kongreßbüro des Wiener Tourismusverbandes sprechen ihre Anerkennung und ihren Dank aus für die erfolgreiche Veranstaltung – Meeting of the European Association of Turkish Academic 11.-13. November 1993

Birol Kilic, damals Sprecher der EATA (Verband der türkischen Akademiker in Europa), sagte gegenüber der damals renommierten täglichen Zeitung Hürriyet folgendes: „Wir haben zwischen dem 11. und 13. November 1993 eine Konferenz mit dem Titel ‚Die Geburt der modernen Türkei und Atatürk’s Gedanken und Verdienste in Wien‘ mit großer Freude organisiert. Bei der Konferenz zu welcher sehr viele AkademikerInnen aus verschiedenen Ländern aus Europa nach Wien gekommen sind, waren unter anderem sehr viele ÖsterreicherInnen dabei. Das ist eine Bestätigung für unsere Arbeit und für das Zusammenleben in Wien, wo für uns Säkularität als Sauerstoff der Demokratie und dem Rechtstaat eine immense Bedeutung hat. Diese Anerkennungsurkunde der Stadt Wien hat uns sehr viel Kraft und Zustimmung gegeben.“

EATA hat sich damals wie folgt vorgestellt:

EATA – Die ab 1987 aktive Europäische Vereinigung Türkischer Akademiker. Ein europaweites Netzwerk türkisch-stämmiger Studierender und Absolventen, welches seit 2005 de facto nicht mehr funktioniert.

Zumeist in Westeuropa geboren oder zumindest aufgewachsen, gehören unsere Mitglieder der sogenannten „Zweiten Generation“ an.

EATA ist das großflächigste Netz der Zweiten Generation in Europa lebender Türken.

EATA ist eine unabhängige, überparteiliche, supraethnische und suprakonfessionelle Vereinigung.

EATA trägt zur Bildungsmobilität, vertieften Integration und effizienten Interessenvertretung der türkischen Bevölkerung Westeuropas bei.

EATA leistet einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und fördert den europäisch-türkischen Dialog auf kultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene.

EATA ist um ein objektives Bild der türkischen Bevölkerung und der Türkei in der europäischen Öffentlichkeit bemüht.

EATA steht in engem Dialog und Zusammenarbeit mit politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Institutionen in Westeuropa und der Türkei.

EATA besteht aus lokalen eingetragenen Vereinen. Diese sind als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt.

EATA finanziert sich aus Zuwendungen der Privatwirtschaft und Projektfördergelder sowie aus Spenden und Mitgliedschaftsbeiträgen.

 

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05 09 2019
By: TKG 0

Indoeuropäische Sprachen stammen aus der Stepp: Zentralasien

WIEN. Die größte jemals durchgeführte Studie alter menschlicher DNA wirft ein neues Licht auf die Herkunft von zentral- und südasiatischen Bevölkerungen. Im Fokus der Studie, an der Ron Pinhasi vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien als Haupt-Senior-Autor beteiligt waren, steht der Ursprung der Landwirtschaft und der indogermanischen Sprachen.

 

Die Ergebnisse erscheinen aktuell in der Zeitschrift „Science“. Die Steppe bezeichnet eine Vegetationszone, die aufgrund von ganzjährigem Wassermangel lediglich von Gräsern und Kräutern bewachsen ist. Das Wort Steppe entstammt dem Russisch-Tatarischen „step“ und bedeutet im übertragenen Sinne soviel wie „nicht-bebautes Land“. Das weltweit größte Areal an zusammenhängenden Steppengebieten bildet die Eurasische Steppe. Von Ungarn, über Rumänien, die Ukraine, Russland, Kasachstan, die Mongolei bishin nach China wird eine Strecke von mehr als 6.000km zurückgelegt.Auch in anderen Erdteilen kommen Steppen vor, allerdings werden z.T. kulturell bedingt andere Begrifflichkeiten genutzt. Zu den steppenähnlichen Gebieten zählen Landschaften mit den Begriffen.(I)

Ein internationales Team von GenetikerInnen, ArchäologInnen und AnthropologInnen analysierte die Genome von 524, bislang nie untersuchten prähistorischen Individuen aus Zentral- und Südasien.

Diese Genome wurden miteinander und mit zuvor sequenzierten verglichen und mit archäologischen, sprachlichen und historischen Aufzeichnungen kontextualisiert. So konnten wichtige Details darüber gewonnen werden, wer in dieser riesigen Region vom Mesolithikum (vor etwa 12.000 Jahren) bis zur Eisenzeit (bis vor etwa 2.000 Jahren) lebte und was das für die Menschen bedeutet, die heute dort leben.

„Mit diesen Proben können wir subtile Wechselwirkungen zwischen Populationen sowie Ausreißer innerhalb von Populationen erkennen“, sagt David Reich von der Harvard Medical School: „Diese Studie unterstreicht die Stärke groß angelegter alter DNA-Studien und verändert unsere Sicht auf die Vergangenheit.“

Die Studie behandelt zwei der tiefgreifendsten kulturellen Veränderungen im alten Eurasien, die mit Bevölkerungsbewegungen verbunden sind: den Übergang von der Jäger- und-Sammler-Kultur zur Landwirtschaft und die Verbreitung der indoeuropäischen Sprachen, die heute von den Britischen Inseln bis nach Südasien gesprochen werden. „Wirklich aufregend an der Studie ist, wie sie Genetik mit Archäologie und Linguistik verbindet“, erklärt Ron Pinhasi vom Department für Anthropologie der Universität Wien: „Wir haben Daten, Methoden und Perspektiven aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zusammengeführt: Dieser integrative Zugang ermöglicht, dass wir so viele Informationen über die Vergangenheit gewinnen konnten“.

Außerdem ermöglichten neue Sampling-Methoden, den Schaden an den Skeletten möglichst gering zu halten – was laut Co-Autorin Maria Teschler-Nicola vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien enorm wichtig ist –, aber dennoch aufschlussreiche genetische Daten aus Regionen zu bekommen, in denen das Untersuchungsgut oft unzureichend erhalten ist.

Ursprung der Indoeuropäischen Sprachen

Indoeuropäische Sprachen – Hindi/Urdu, Bengali, Punjabi, Persisch, Russisch, Englisch, Spanisch, Gälisch und mehr als 400 andere – bilden die größte Sprachfamilie der Welt.

Steppe-Hypothese“ versus „Anatolische Hypothese“

Seit Jahrzehnten debattieren Spezialisten darüber, wie sich die indoeuropäischen Sprachen in so weit voneinander entfernte Teile der Welt ausbreiten konnten. Vielleicht über Hirten aus der eurasischen Steppe, die so genannte „Steppe-Hypothese“? Oder reisten sie mit Bauern, die sowohl aus Anatolien (heute Türkei) nach Westen als auch nach Osten zogen – die „Anatolische Hypothese“?

Die neue „Science“-Studie erbrachte nun, was Südasien betrifft, eine überzeugende Neuerkenntnis: „Wir können eine Ausbreitung von Bauern mit anatolischen Wurzeln nach Südasien ausschließen, was das Kernstück der Hypothese ist, dass Bevölkerungsbewegungen aus Anatolien und über den Iran sowohl für die Verbreitung der Landwirtschaft als auch für indoeuropäische Sprachen nach Südasien verantwortlich waren“,“ sagte Reich. „Das ist ein Schachmatt für die anatolische Hypothese.

Die aDNA-Analyse zeigt: Sie stammen von Steppen-Viehzüchtern 

Eine neue Beweislinie für einen Steppenursprung der indoeuropäischen Sprachen ist, dass die genetischen Muster den Indo-Iranischen und Balto-Slawischen Zweig überzeugend verbinden. Die aDNA-Analyse zeigt, dass beide Sprachzweige aus einer Untergruppe von Steppen-Viehzüchtern stammen, die sich vor fast 5.000 Jahren in den Westen, nach Europa, bewegten und sich dann, innerhalb der folgenden 1.500 Jahre, wieder ostwärts nach Zentral- und Südasien ausbreiteten. Dies liefert eine einfache Erklärung in Bezug auf die Bevölkerungsbewegungen des prähistorischen Menschen, für die ansonsten rätselhaften gemeinsamen sprachlichen Merkmale dieser beiden Zweige des Indo-Europäischen, die heute durch große geografische Entfernungen getrennt sind.

Ursprünge der Landwirtschaft

Die Studie informiert auch darüber, ob der Wandel einer Wirtschaftsform stärker von Populationsbewegungen oder dem Kopieren von Ideen oder lokalen Erfindungen getrieben wurde. In Europa haben aDNA-Studien deutlich gemacht, dass die Landwirtschaft zusammen mit einem Zustrom von Menschen mit Abstammung aus Anatolien ankam.

Die neue Studie zeigt eine ähnliche Dynamik im Iran und in Zentralasien, d.h., dass anatolische Abstammung und Landwirtschaft ungefähr zur gleichen Zeit ankamen. Die Ausbreitung der Landwirtschaft in diesen Regionen wurde also auch durch Wanderbewegungen der Menschen angetrieben.

Die Ausbreitung der Landwirtschaft beinhaltete also nicht nur eine westliche Richtung von Anatolien nach Europa, sondern auch eine ostwärts gewandte von Anatolien nach Asien, quasi eine bronzezeitliche Seidenstraße

In Südasien sieht die Situation ganz anders aus

Die ForscherInnen fanden keine Spur von anatolischer Abstammung, die ein Kennzeichen der Ausbreitung der Landwirtschaft nach Westen ist. Das bedeutet, dass die Landwirtschaft in Südasien nicht auf die Zuwanderung von Menschen zurückzuführen ist – zumindest nicht auf Menschen aus den früheren Bauernkulturen des Westens. Stattdessen nahmen die lokalen Bevölkerungen diese Wirtschaftsform an. „Vor der Ankunft der Steppen-Viehzüchter, die ihre indoeuropäischen Sprachen vor viertausend Jahren brachten, finden wir keine Hinweise auf große Bevölkerungsbewegungen nach Südasien„, so Reich.

Quell: Publikation in „Science“
The formation of human populations in South and Central Asia
Narasimhan et al., Science 365, eaat7487 (2019)

(I) http://www.biologie-schule.de/vegetationszone-steppe.php

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