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EIN OFFENER BRIEF AN ALLE REGIERUNGSMITGLIEDER UND AN DIE FRAU BUNDESMINISTERIN FÜR JUSTIZ!

 
17 01 2020
By: TKG 0
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6 Frauenmorde und 6 Mordversuche an Frauen innerhalb von 9 Wochen! Wir appellieren an Ihre Verantwortung!Wie viele Frauen und Mädchen müssen noch sterben und Gewalt erleben?

Wien (OTS) – Der Verein AÖF- Autonome Österreichische Frauenhäuser und die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) appellieren gemeinsam an die Regierung mit folgendem offenen Brief, damit endlich wirksame und effektive Maßnahmen zu Verhinderung von Frauenmorden und Gewalt an Frauen gesetzt werden.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin für Justiz, Frau Dr.in Alma Zadic‘, LL.M!

Sehr geehrte Frau Bundesministerin für Frauen, Frau Dr.in  Susanne Raab!

Sehr geehrte Regierungsmitglieder!

Faktisch wöchentlich wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet oder lebensgefährlich verletzt.

Das letzte und jüngste Opfer war ein 16-jähriges Mädchen in Wien, das mit 30 Messerstichen von ihrem Ex-Freund lebensbedrohlich verletzt wurde. Sie erstattete davor bereits wegen Körperverletzung eine Anzeige bei der Polizei. Aber er wurde nicht in U-Haft genommen, sondern nur auf freiem Fuß angezeigt. In Folge hat er seine Ex-Freundin fast ermordet und sie schwebt noch immer in Lebensgefahr.

Das ist kein Einzelfall.

Wir wissen, dass viele Mörder und Gewalttäter bereits polizeibekannt, gefährlich, bedrohlich und auffällig sind, aber viele dieser gefährlichen Täter werden nicht in U-Haft genommen, sondern lediglich auf freiem Fuß angezeigt.

Viele Frauen erstatten Anzeige, aber viele dieser Anzeigen werden eingestellt, da nicht lückenlos ermittelt wird. Außerdem kommt es immer wieder zu Freisprüchen, auch wieder, weil zu wenig ermittelt wird. Nur etwa 10% der Anzeigen bei häuslicher Gewalt werden überhaupt verurteilt.


Wir wissen, dass viele zu Wiederholungstätern werden, bei 92%[1] der polizeilichen Wegweisungen bereits eine Straftat begangen wurde und dass Trennung, Scheidung und Anzeige die gefährlichste Zeit für Frauen ist. [1] siehe Tätigkeitsbericht 2017 der Wiener Interventionsstelle, Seite 3

Für ein Land wie Österreich, das bis vor kurzem noch internationaler Vorreiter beim Gewaltschutz- und Opferschutz war, ist diese Entwicklung eine Schande! Österreich liegt an der traurigen Spitze bei Frauenmorden in ganz Europa.

Diese ermordeten und schwerverletzten Frauen hätten vielleicht gerettet und unterstützt werden können.

Die staatlichen Behörden hätten diese gefährlichen Gewalttäter ernsthaft strafrechtlich verfolgen sollen um die Frauen nicht alleine zu lassen, oder die Frauen besser informiert gewesen wären, wo sie Hilfe bekommen können.

Wir appellieren dringend an Ihre Verantwortung und fordern Sie auf, endlich wirksame und effektive Maßnahmen zu Verhinderung von Frauenmorden und Gewalt an Frauen zu setzen!

  • Wir fordern Sie auf, Frauen endlich ernst zu nehmen, wenn sie Anzeige erstatten.
  • Wir fordern Sie auf, Frauen den bestmöglichen Schutz vor Gewalt zu bieten.
  • Wir fordern Sie auf, gefährliche Täter rasch strafrechtlich zu verfolgen und zur Verantwortung zu ziehen!
  • Wir fordern Sie auf, alles zu tun, um die Anzeigeneinstellung zu reduzieren und lückenlos zu ermitteln!
  • Wir fordern Sie auf, klare Richtlinien und Gefährlichkeitseinschätzungen für U-Haftanträge zu erstellen!
  • Wie fordern Sie auf, verpflichtende Schulungen auch für Jurist*innen, Anwält*innen, Staatsanwält*innen und Richter*innen einzuführen, für mehr Sensibilisierung und für ein besseres Verständnis von Traumatisierung, geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen, Täterstrategien und Manipulation von Gewalttätern!
  • Wir fordern Sie auf, endlich das Budget für den Gewalt- und Opferschutz substanziell zu erhöhen, so wie es im Regierungsprogramm angekündigt wurde!
  • Wir fordern Sie auf, die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222 555 finanziell und langfristig abzusichern!

Wir wollen endlich Taten sehen! Keine Frau darf im Stich gelassen werden!
Keine Frau darf mehr ermordet werden!

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/2053207-Appell-Anzeigen-von-Frauen-endlich-ernst-nehmen.html

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Maria Rösslhumer,
GF von Verein AÖF- Autonome Österreichische Frauenhäuser, maria.roesslhumer@aoef.at,
Tel.: 0664 793 07 89, www.aoef.at

DI Birol Kilic,
Obmann der Türkische Kulturgemeinde in Österreich,
01/ 513 76 15-0, www.turkischegemeinde.at