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TKG: „Einspruch, Frau Integrationsministerin“

 
17 01 2020
By: TKG 0
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Der Kulturkampfbegriff des „christlich-jüdischen Erbes bzw. Tradition“ des Abendlandes ist nüchtern betrachtet und wissenschaftlich untersucht eine Farce.  Mit Verlaub: „Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem aus der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud.Die Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren.“  

Eine Analyse der Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

Wien (TKG) – Die ÖVP-Ministerin Susanne Raab kontert in der Diskussion über das Kopftuchverbot für Lehrerinnen mit der Grünen Justizministerien Alma Zadic und dem FPÖ Chef Norbert Hofer in der Tageszeitung ­Österreich folgendes, das wir als TKG nicht unkommentiert lassen möchten: „Das Kreuz im Klassenzimmer und im öffentlichen Raum ist nicht nur als religiöses Symbol zu sehen, sondern auch als klares Zeichen für unser christlich-jüdisches Erbe. Es bringt eine historisch gewachsene Tradition zum Ausdruck, die auch das Wertefundament im heutigen Österreich und Europa entscheidend prägt, und steht deshalb nicht zur Diskussion.“

 

Welche christlich-jüdisches Erbe bringt eine historisch gewachsene Tradition zum Ausdruck?

In aller Freundschaft und mit allem gebührenden Respekt empfehlen wir den Kampfbegriff „Christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“ insbesondere wenn es um muslimische Themen bz. Islam geht,  nicht zu verwenden.

 

Welche „christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“ : “ Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Juden verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein (hebr. tame) gilt und einem religiösen Nahrungstabu unterliegt. Spottbilder mit dem Judensaumotiv sind seit dem frühen 13. Jahrhundert belegt und auf Steinreliefs und Skulpturen an etwa 30 Kirchen und anderen Gebäuden vor allem in Deutschland bis heute zu sehen.Die mittelalterliche „Judensau“, ein Schmaeh- u. Spottbild auf die Juden, an der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg. Dass die Sandsteinplastik antisemitisch ist, daran besteht kein Zweifel. Denn in diesem Geiste wurde sie um das Jahr 1300 von unbekannter Hand geschaffen. Die Skulptur zeigt eine Sau, an deren Zitzen sich Menschen laben, die Juden darstellen sollen. Ein Rabbiner blickt dem Tier unter den Schwanz und in den After. Im Mittelalter waren solche Darstellungen weit verbreitet. Sie sollten unter anderem Juden abschrecken, sich in der jeweiligen Stadt niederzulassen. Bis heute finden sich ähnliche antijüdische Spottplastiken aus jener Zeit an und in mehreren Dutzend Kirchen in Deutschland, darunter dem Erfurter, dem Kölner und dem Regensburger Dom.“(IV)

 

Mit Verlaub-Beispiel aus Österreich: Welche „christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“?

 

Die Gründe sind sehr einfach: 

1- Die römisch-katholische Kirche verwendet den Kulturkampfbegriff „christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“ fast nicht, aber der niederländischer Rassist Geert Wilders(II) und seine Freunde, auch in Österreich, je nach Bedarf (politische Angebot-Nachfrage), gerne.

2- Der Journalist und Publizist Heribert Prantl äußert sich in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Bei dem Begriff christlich-jüdischer Tradition handelt es sich um eine gewaltige Heuchelei. Die Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem aus der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum.“

Zentralrats der Juden: “ Die Juden erlebten alles schmerzvoll“ 

3- Auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland ist folgendes zu Lesen (I): „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt. Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.“

4- Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen und Österreich.

5-  Hans Rauscher ist ein österreichischer Journalist und Buchautor, der Kolumnen für der Standard  schreibt am 15. Mai 2019  folgendes: “ Das Kreuz als gemeinsames christlich-jüdisches Erbe? Die beiden Religionen haben schon einiges miteinander zu tun, aber die Evangelien sind da ziemlich eindeutig, falls es Frau Edtstadler entfallen sein sollte: Jesus wird vom römischen Statthalter auf Betreiben einer jüdischen Menge zum Kreuzestod verurteilt, und das war dann fast die nächsten 2000 Jahre ein Hauptmotiv für den christlichen Antisemitismus. Aber das Kreuz als jüdisches Symbol – das ist einfach schimmerlos. Oder ein peinlicher Vereinnahmungsversuch, der – wie auf Twitter bereits von jüdischen Autoren gemutmaßt wird – erst so richtig läuft, seit es gegen die Muslime geht.“ (V)

Pauschale Kriminalisierungen und Demütigungen 

Als verfassungspatriotische und wehrhafte Think Tank Organisation fordert die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) seit ca. 20 Jahren, dass der Staat, in einem immer pluralistischer gewordenen Österreich, Religionsblind sein sollte. Ab sofort sollten, insbesondere die MitarbeiterInnen in öffentlichen staatlichen Stellen, diese Distanz streng halten und die Integrationsstellen sollten nicht mit dem Vorwand von mit Steuergeldern finanzierte bedenkliche Studien eine Minderheit pauschal kriminalisieren bzw. demütigen.   Es gibt Probleme. Man muss hier die Spreu vom Weizen trennen. Man trennt die Spreu vom Weizen vorsätzlich und organisiert seit Jahren nicht. Damit hat man eine gesamte Religion satanisiert, und die vorhandenen Vorurteile mit angeblichen Islamexperten und nach Freunderlwirtschaft (politische Aufträge) riechenden Studien betonisiert. „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ ( Albert Einstein). Die Menschen egal welche Abstammung sie in Österreich sind kein Schaf  möchten auch nicht so behandelt werden. „Man darf nicht alles über einen Kamm scheren“ sagt man. Was bedeutet das Sprichwort ? Vergessen wir nicht: Die Grundwerte der Europäischen Union sind in Art. 2 des Vertrages über die Europäische Union  verankert. Sie sind: Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Minderheitenrechte.

Wir warnen: Die Politik der methodischen und institutionellen Geringschätzung schadet der Republik Österreich. 

Beispiel: Wie das Magazin Profil im Jahre 2014 berichtete ( auch  Kosmo), wurden schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) der im Jahre 2002 aktiv geworden ist wie folgt erhoben: „Der ehemaliger Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) soll einen Verein gegründet haben, der für eine einzige Studie 300.000 Euro kassierte und danach wieder verschwand. Für die sogenannte Moslem-Studie über den Integrationsstand muslimischer Zuwanderer hatte der Verein Kompetenzzentrum Integration und Sicherheit 300.000 Euro vom Innenministerium kassiert. Laut Recherchen des Profil handelte es sich dabei auch um die einzige Aktivität des Vereins, der inzwischen wieder verschwunden ist. Die Grüne Abgeordnete Alev Korun nach und machte bei ihren Recherchen erstaunliche Entdeckungen, die einen Mann ins Zentrum rücken, der sich damals eher im Hintergrund hielt:  Ex-Chef des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). In dieser an das Innenministerium angedockten Organisation fließen die nationalen und europäischen Fördermittel für Integration zusammen. Darüber hinaus sammelt sich hier laut eigenem Bekunden jede Menge einschlägiger Expertise. Es wäre nahe liegend gewesen, den ÖIF oder die ihm übergeordnete Sektion im eigenen Haus mit der Arbeit zu betreuen. Doch das Innenministerium wählte einen Umweg: Rund 300.000 Euro gingen an einen Verein namens „Kompetenzzentrum Integration und Sicherheit“, dessen einzige nachvollziehbare Aktivität die Abwicklung besagter Studie war. Dem Verein, der inzwischen wieder verschwunden ist und im Internet wenig Spuren hinterlassen hat, stand just  Chef des ÖIF vor.“( VI)

Kein einziger moslemischer Verein bzw. türkischer Verein hat hier Einspruch erhoben. Und die Demütigungen wurden immer professioneller und schlimmer. Wir warnen: Die Politik der methodischen und institutionellen Geringschätzung schadet der Republik Österreich. Im Jahre 2020 spüren wir überall seine Wirkungen, besonders aus der Türkei stammende Menschen bzw. alle MoslemInnen in Österreich (Bürokratie und auf der Straße). Hier wurde aus der türkische Politik in den letzten Jahren in Österreich auch Benzin auf das Feuer geschüttet, was wir als TKG auch immer kritisiert haben und deswegen auch bedroht wurden. (VII) Für viele Muslime und insbesondere Menschen aus der Türkei, ist diese demütigende Atmosphäre und Diskrimierungen schwer zu ertragen die Unsehbare  Probleme verursachen wird. Viele Menschen leiden darunter. Wir müssen das offen und aus unseren eigenen Erfahrungen und Studien zum Ausdruck bringen. Wir können hier hunderte Beispiele( Interview)  geben.

Größte Gefahr: Der politisierte Glaube 

Wir haben Probleme in Österreich. Aber die Probleme kann man  mit dieser Denkweise nicht lösen. Die TKG sieht den politisierten Glauben, egal welcher Religion, als eine der größten Gefahren für die pluralistische und demokratische Grundordnung und für das Zusammenleben der Menschen, nicht nur in Österreich, sondern in der Welt. Dafür müssen wir gemeinsam für unsere mit sehr vielen Schmerzen gewonnene demokratische Werte in Österreich einstehen, ohne die staatlichen Stellen und Staatsgewalt zu missbrauchen die wir aus der dritten Welt und korrupten diktatorischen Staaten kennen. Ohne Zweifel. Gegen Demokratie und Verfassungsfeindliche Organisationen, egal aus welcher Richtung muss man ohne Scheinheiligkeit und Freunderlwirtschaft vorgehen.

Der politisierte Glaube, egal welcher Religion, ist eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und ist für die TKG in Österreich, wie die Proponenten unseres Vereins seit 30 Jahren warnen, verfassungsfeindlich. Für die autochonen und die zugewanderten Migrantinnen die Ihren Lebensmittelpunkt in Österreich sehen, sollte die säkulare Verfassung der Republik Österreich das wichtigste und verbindlichste „heilige Buch“ sein, bei dem wir geprüft, gecheckt und gerüttelt werden. Wenn es nötig ist müssen wir als wehrhafte Demokraten dafür auch kämpfen. Deswegen fordern wir von allen Parteien gegen den politisierten Glauben und ihre Proponenten, die in Österreich unter dem Vorwand Religionsfreiheit den guten Willen und die Unwissenheit von Politikern, Journalisten und der Bevölkerung missbrauchen, einen offenen und demokratischen Widerstand. Hier muss man die Spreu vom Weizen trennen. Sie sehen sich als Opfer und mischen in den demokratischen Diskussionen als Brandlöscher mit, obwohl sie fleischgewordene Brandstifter sind.

Nicht vermischen

Das bedeutet den Glauben Islam nicht vorsätzlich mit dem politisierten Islam zu vermischen. Weil diese Vermischung die Vertreter des reaktionären, fundamentalistischen und politisierten Glaubens stärkt.

Wir bitten hier die Spreu vom Weizen zu trennen und sich von Pauschalisierungen gegenüber
MuslimInnen zu distanzieren. Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich kennt das Problem und möchte das Problem überparteilich und ohne Freunderlwirtschaft im Interesse der freiheitlich demokratischen Grundordnung und für die Stärkung der säkularen Verfassung der Republik Österreich und seiner BürgerInnen gelöst sehen

Fazit: Die Feuer (pol. Glaube)kann man nicht mit dem Feuer (pol. Glaube und  ihrer Anhänger in Österreich)  so in der Art löschen.

Türkische Kulturgemeinde in Österreich

Obmann
DI Birol Kilic

BILD: Foto: Armin Muratovic Fotografie / BMEIA

 

Andere Informationen, Quellen und Aufklärungen:

(I) https://www.oe24.at/oesterreich/politik/daniel/OeVP-Minister-Raab-Fassmann-Kreuz-im-Klassenzimmer-bleibt/413419261

(II) http://www.turkischegemeinde.at/2017/08/immer-wieder-kulturkampfbegriffjuedisch-christliche-erbe/

(IV) https://www.evangelisch.de/inhalte/155743/02-04-2019/verhandlung-zu-wittenberger-judensau-beginnt
https://de.wikipedia.org/wiki/Judensau

(V)  https://www.derstandard.at/story/2000103194425/evangelium-nach-karoline

(VI) https://www.profil.at/oesterreich/integrationsfonds-aufregung-verein-ex-chef-janda-376276http://archiv.kosmo.at/news/Vorwuerfe-gegen-Ex-Chfe-des-Integrationsfonds

(VII) https://kurier.at/chronik/oesterreich/pro-erdogan-demos-haben-uns-geschadet/18.969.289

BESA: EIN EHRENKODEX – DIE RETTUNG VON JUDEN DURCH MUSLIMISCHE ALBANER ZUR ZEIT DES HOLOCAUST

http://www.turkischegemeinde.at/2019/04/besa-ein-ehrenkodex-die-rettung-von-juden-durch-muslimische-albaner-zur-zeit-des-holocaust/

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN
http://www.turkischegemeinde.at/1993/09/die-geschichte-der-tuerkischen-juden/

SELTSAME BEGEGNUNGEN: TÜRKEN IN MAUTHAUSEN
http://www.turkischegemeinde.at/2009/11/seltsame-begegnungen-tuerken-in-mauthausen/

50 JAHRE NACH DEN MASSAKERN VON AUSCHWITZ, TREBLINKA UND DACHAU
http://www.turkischegemeinde.at/1995/09/50-jahre-nach-den-massakern-von-auschwitz-treblinka-und-dachau/

TKG: GEDENKEN AN NOVEMBERPOGROME-„TÜRKISCHER TEMPEL
http://www.turkischegemeinde.at/2016/11/tkg-gedenken-an-novemberpogrome-tuerkischer-tempel/

TKG-AUFKLÄRUNG: „WAS SAGT DER QUR’AN (KORAN) ZUM JUDENTUM?“
http://www.turkischegemeinde.at/2016/10/tkg-aufklaerung-was-sagt-der-quran-koran-zum-judentum/

AUSZEICHNUNG FÜR EHEMALIGEN MAROKKANISCHEN KÖNIG FÜR DEN SCHUTZ SEINER JUDEN IM ZWEITEN WELTKRIEG!
http://www.turkischegemeinde.at/2015/12/auszeichnung-fuer-ehemaligen-marokkanischen-koenig-fuer-den-schutz-seiner-juden-im-zweiten-weltkrieg/

MUZICANT: „GESTERN JUDEN – HEUTE MUSLIME“-DER STANDARD(21.10.2005)
http://www.turkischegemeinde.at/2005/10/muzicant-gestern-juden-heute-muslime-der-standard21-10-2005/

TKG-GEDENKTAG: 7. NOVEMBER – „LIGHT OF HOPE“
http://www.turkischegemeinde.at/2019/11/tkg-gedenktag-7-november-light-of-hope/