Kategorie: Geschichte

09 11 2018
By: TKG 0

TKG: GEDENKEN AN NOVEMBERPOGROME – „TÜRKISCHER TEMPEL“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10. November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkische Tempel“ – die Wiener türkisch-israelitische Gemeinde und Synagoge – in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“


In Österreich wurden, in der Nacht auf den 10. November 1938, 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath, auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden, namens Herschel Grynszpan, niedergeschossen worden und starb später. (1)

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia. (2)


von Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung von Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden, Marcos Russo, mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, der Dienstzeit von Sadullah Pascha als Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als Vorsitzender der türkisch-israelitischen Gemeinde, wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht, modernisierten, traditionellen, östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, welche 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen, zu jedem feierlichen Anlass, zusammen am Tor der Synagoge, da die beiden Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Mosche Lopez Pereira

Laut Überlieferung wird zu dieser Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’s Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, wo Maria Theresia regiert. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen) befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

Sefardische Familien in Wien

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede. Die Vorsitzenden waren zu dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustraße, 1824, wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

Erinnerungen der türkischen Juden in Wien

Dies ist also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen. Als Ersatz wurde mit dem Erlass vom 6. Jänner 1906 der Bau, der großen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen, stattgegeben. Die große Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen, verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

Die Große Synagoge von Edirne (türkisch Edirne Büyük Sinagoğu) welche zugleich die drittgrößte Synagoge Europas ist, wurde, von der türkischen Seite ausgehend, restauriert und am 26. März 2005 wiedereröffnet. (3)

Bibliographie

  1. Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.
  2. Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.
  3. Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.
  4. Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.
  5. Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.
  6. Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.
  7. Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.
  8. Das Fest des großen Fastens im Judentum.
  9. Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.
  10. Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.
  11. Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.
  12. (1) https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/
  13. (2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906). Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.
  14. (3) https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Synagoge_(Edirne)
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26 10 2018
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TKG: „Alles Gute zum Nationalfeiertag“

Österreich feiert mit seinem Nationalfeiertag die „immerwährende Neutralität“ ab 26.OKTOBER.2018 und Türkische Kulturgemeinde(TKG) feiert mit.

Wien (OTS) – Für die Türkische Kulturgemeinde in Österreich bedeutet Demokratie  vom Volk gewählte Regierung und Republik dem Gemeinwohl dienende Politik. Es ist wichtig, dass Österreichs Engagement für Frieden, für Menschenrechte und Menschenwürde auch global vertreten wird.Nach dem 26. Oktober 1955 konnte Österreich auch darangehen ein Instrument aufzubauen, das die Aufgabe hatte, die neu erreichten Werte Frieden, Freiheit, Rechtsstaat, SäkularitätGewaltenteilung und Unabhängigkeit zu schützen und souveränes Österreich zu verteidigen. Deswegen brauchen wir mehr „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“ Deswegen ist die Nationalfeiertag für die TKG Tag des Friedens.

Es lebe die Republik Österreich! Alles Gute zum Nationalfeiertag und die „immerwährende Neutralität“

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

 

Herzliche Gratulation! Republiksgründung 1918


Vor genau 100 Jahren! 
Am 21. Oktober 1918

Die Türkische KULTURgemeinde (TKG) in Österreich gratuliert  herzlich. Republiksgründung 1918: Am 21. Oktober 1918, vor genau 100 Jahren, fand im Landtagssaal im Palais Niederösterreich in Wien die Provisorische Nationalversammlung statt. Die Repräsentanten haben damals proklamiert, dass sie eine Republik wollen. Am historischen Tag und Ort, zur historischen Stunde halten heute Nationalrat und Bundesrat zur Erinnerung eine gemeinsame Festsitzung ab. ORF III überträgt die Festsitzung ab 17.00 Uhr, der Livestream ist auch über die Parlamentswebsite www.parlament.gv.at abrufbar.

Foto: Konstituierende Sitzung der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich am 21. Oktober 1918 im Niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse © ÖNB

Das Jahr 1918. Eine dramatische Zäsur in der österreichischen Geschichte. Das Ende der Habsburgermonarchie und der Aufbruch in die neue Staatsform der demokratischen Republik, bei der das Recht vom Volk ausgeht und Frauen erstmals in der Geschichte des Landes das Wahlrecht erlangen, bedeutete eine fundamentale Veränderung der Gesellschaft in Österreich – und in Europa.

 „Auch in der Eröffnungsausstellung des Hauses der Geschichte Österreich, die im November 2018 eröffnet wird, sind uns diese internationalen Bezüge besonders wichtig.“

Demokratie, so wird das Haus der Geschichte Österreich nicht zuletzt in seiner Eröffnungsausstellung im November 2018 zeigen, ist keine Selbstverständlichkeit, denken wir an die Jahre der Diktatur 1933 bis 1938 und insbesondere an die Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes. Gerade der Blick auf die Jahre ohne Demokratie lässt uns erkennen, dass die Demokratie jene Staatsform ist, die dem Individuum die größtmögliche Teilhabe und Freiheit ermöglicht. Demokratie ist somit ein tagtäglicher Aushandlungsprozess um ihren bestmöglichen Zustand. Die Anfänge der Ersten Republik werden in der informativen Broschüre, wie es auch im Haus der Geschichte Österreich gehandhabt werden wird, der historische Kontext herausgestrichen, ohne den die Entwicklungen um 1918 nicht nachvollziehbar sind.

„So rasch die Erste Republik auch scheitern sollte, so beeindruckend ist es zugleich, dass die österreichische Revolution 1918 nahezu unblutig gelang. Die Etablierung des allgemeinen, gleichen und freien Wahlrechtes für beide Geschlechter war ein demokratiegeschichtlicher Meilenstein.“

Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich, Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich am 12. November 1918 vor dem Parlament, Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Dank der Texte renommierter Historikerinnen und Historiker am neuesten Stand der historischen Forschung gibt die Broschüre „1918-2018 Die Anfänge der Republik Österreich im internationalen Kontext“ einen spannenden und informativen Überblick über jüngste Erkenntnisse zu den Jahren des Aufbruchs ins Ungewisse.

„Auch in der Eröffnungsausstellung des Hauses der Geschichte Österreich, die im November 2018 eröffnet wird, sind uns diese internationalen Bezüge besonders wichtig“, betont Direktorin Monika Sommer, denn „so rasch die Erste Republik auch scheitern sollte, so beeindruckend ist es zugleich, dass die österreichische Revolution 1918 nahezu unblutig gelang. Die Etablierung des allgemeinen, gleichen und freien Wahlrechtes für beide Geschlechter war ein demokratiegeschichtlicher Meilenstein“.

Alles rund um das Jahr 1918 – Jetzt zum freien Download verfügbar

Das Haus der Geschichte Österreich hat in Kooperation mit der kulturpolitischen Sektion des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA) eine Broschüre mit 14 Texten zur Republikgründung 1918 initiiert, die sich diesen zentralen Jahren der Österreichischen Zeitgeschichte von verschiedenen Blickwinkeln aus annähern. Nicht nur Vertreterinnen und Vertreter Österreichs im Ausland sollen dadurch informiert werden, sondern sie soll auch allen Bildungseinrichtungen frei zur Verfügung stehen.

Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich am 12. November 1918 vor dem Parlament, Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich am 12. November 1918 vor dem Parlament, Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Die AutorInnen: Dieter A. Binder, Gabriella Hauch, Christa Hämmerle, Helmut Konrad, Wolfgang Maderthaner, Alfred Pfoser, Oliver Rathkolb, Manfried Rauchensteiner, Walter Reichel, Barbara Thosold, Heidemarie Uhl, Helmut Wohnout

Mit Geleitworten von Dr.in Karin Kneissl (Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres), Mag. Gernot Blümel, MBA (Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien), Dr.in Monika Sommer (Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich) und Herausgeber Prof. Dr. Helmut Konrad (Universität Graz).

 

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02 06 2018
By: TKG 0

Wer war Murat Pascha (Der Ungare -General Józef Bem)

1848 – und die schauerlichen Folgen

Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 und der Unterwerfung Ungarns 1849 wurde an den Revolutionären zum Teil blutige Rache genommen.

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Auch der auf Seiten der ungarischen Insurgenten kommandierende General Józef Bem (14. März 1794 – 10. Dezember 1850) stand auf der „schwarzen Liste“ der österreichischen Militärjustiz.

Am 1. Mai 1850 verurteilte ihn in Wien ein Militärgericht wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode durch den Strang. Da das Urteil an dem flüchtigen Bem nicht vollzogen werden konnte, wurde am 16. Mai 1850 eine Blechtafel mit seinem Namen an den Galgen genagelt.

Józef Bem stammte aus dem 1772 habsburgisch gewordenen Tarnów (Galizien). Seine Biographie spiegelt eindrucksvoll die tragische Geschichte Polens im Zeitalter der Teilungen wider. Erste militärische Lorbeeren (1813 sogar die französische Ehrenlegion) erwarb Bem in Diensten des Herzogtums Warschau, eines 1807 geschaffenen napoleonischen Satellitenstaates. In Russisch Polen war er nach 1815 Offizier und Professor an der Warschauer Militärschule, hatte aber als polnischer Patriot wiederholt mit Anfeindungen und Repressionen von russischer Seite zu kämpfen. 1825 übersiedelte er daher in das österreichische Galizien, wo er sich der wissenschaftlichen Erforschung von Dampfmaschinen zuwandte.

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1830 schloß er sich – wieder auf der anderen Seite der Grenze – dem polnischen Aufstand gegen die russische Herrschaft an und flüchtete nach der polnischen Niederlage nach Frankreich. Ab März 1848 finden wir Bem in der Habsburgermonarchie wieder. Im Oktober 1848 zeichnete er sich bei der Verteidigung des revolutionären Wien gegen die Truppen Windisch-Graetz’ aus. Nach dem Fall der Stadt entkam er nach Ungarn. Als General der Honvéd-Armee eroberte Bem Siebenbürgen für die ungarische Revolution, unterlag dann aber im Sommer 1849 der russisch-österreichischen Übermacht.

Barrikadenbau der Revolutionäre in Wien, Mai 1848

Bem flüchtete in das Osmanische Reich, wo er als Murad Pascha General wurde und zum Islam übertrat. Er starb bereits kurze Zeit später. Den Tod des gefürchteten Insurgenten-Generals ließ sich die k. k. Vertretung in Konstantinopel durch eine förmliche Erklärung der Hohen Pforte bestätigen, die hier mit der beglaubigten Übersetzung zu sehen ist. 1929 wurden Bems sterbliche Überreste nach Tarnów überführt.

Signatur: Österreichisches Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, Alte Feldakten Karton 1925a

Quelle: Michael Hochedlinger -Österreichisches Staatsarchiv

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https://de.wikipedia.org/wiki/Revolution_von_1848/1849_im_Kaisertum_%C3%96sterreich

 

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06 05 2018
By: TKG 0

KZ-Gedenkstätte Mauthausen: TKG und über 10.000 gedenken der Befreiung

Über 10.000  Menschen, darunter die Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers, aus dem In- und Ausland haben heute in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen an der Befreiungsfeier teilgenommen.  Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) war heute mit einer Delegation dabei.  Der gemeinsame Auszug aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ehemaligen Konzentrationslager gilt als symbolischer Akt der Befreiung am 5. Mai 1945, vor 73 Jahren.

Wien/Mauthausen, 6. Mai 2018 – In Erinnerung an die Befreiung der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen am 5. Mai 1945 wurde heute im Rahmen der alljährlichen Internationalen Befreiungs- und Gedenkfeier gedacht. Mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland nahmen auch dieses Jahr, am 73. Jahrestag, teil. Veranstaltet wird die Internationale Gedenk- und Befreiungsfeier seit Jahrzehnten vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in enger Zusammenarbeit mit der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und dem Comité International de Mauthausen (CIM). Im Gedenkjahr 2018 widmen sich die Gedenk- und Befreiungsfeiern dem Thema „Flucht und Heimat“ und der Auslöschung Österreichs im Jahr 1938. Schon im August 1938 trafen die ersten Häftlinge in Mauthausen ein und es wurde mit der Errichtung des Konzentrationslagers begonnen. Im Dezember 1938 waren bereits knapp 1.000 Häftlinge interniert.

Diesjähriges Schwerpunktthema: „Flucht & Heimat“

Zwischen 1933 und 1945 flohen Millionen von Menschen vor den Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes und seiner Verbündeten. Die nationalsozialistische Terrorherrschaft schuf in den 1930er Jahren neben politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Ursachen ein neues Motiv der Flucht: Rassismus. Bis heute ist die Geschichte Europas immer wieder von Fluchtbewegungen gekennzeichnet. Kriege im ehemaligen Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan oder in Syrien sowie fundamentalistischer Terror sind Ursachen für Flucht und den Verlust der Heimat.

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich schlägt eine Brücke zur Gegenwart: „Menschen, die vor 80 Jahren in ein anderes Land flüchten mussten haben alles verloren. Ihre Heimat wurde zu einem fremden Ort. Auch heute müssen Menschen flüchten. Es liegt an uns, ihnen zumindest ihre Würde zu erhalten.“

Seit 2006 sind die Gedenk- und Befreiungsfeiern jedes Jahr einem speziellen Thema gewidmet, das zur Geschichte des ehemaligen KZ-Mauthausen bzw. zur NS-Vergangenheit Österreichs in Beziehung steht. Der Gegenwartsbezug bildet bei jedem Jahresthema einen essentiellen Bestandteil und soll vor allem für junge Menschen die Auseinandersetzung mit der Zeit und Ideologie des Nationalsozialismus konkreter fassbar machen.

Internationale Beteiligung an der Gedenk- und Befreiungsfeier

 

Die Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen begann mit einem ökumenischen Wortgottesdienst mit Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, Pfarrerin Dr. Hannelore Reiner und Erzpriester Ioannis Nikolitsis. Gefolgt von der Verlesung des Mauthausenschwurs in mehr als 20 verschiedenen Sprachen – ein wichtiger symbolischer Akt an diesem Ort, wo von 1938 bis 1945 Deutsch die einzig erlaubte Sprache war.

Im Anschluss begrüßte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi die tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer, insbesondere die KZ-Überlebenden und die zahlreichen Jugendlichen. Im Zuge der gemeinsamen Befreiungsfeier erfolgten die Kranzniederlegungen unter anderem durch Bundespräsidenten Dr. Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Nationalratspräsidenten Mag. Wolfgang Sobotka, Staatssekretärin Mag. Karoline Edtstadler, Bundespräsidenten a.D. Dr. Heinz Fischer, IKG-Präsident Deutsch, Altbischof Dr. h.c. Maximilian Aichern sowie internationalen und nationalen Delegationen und Jugendorganisationen und weitere. Während der Kranzniederlegung hielten die Vertreterinnen und Vertreter der Opferorganisationen aus Deutschland, Polen, Russland und Ungarn ihre Gedenkreden in den jeweiligen Landessprachen.

 

Kurze Videobeiträge von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die aufgrund der Verfolgung des nationalsozialistischen Terrorregimes aus Österreich fliehen mussten, wurden während der gemeinsamen Feier eingespielt. Auch dieses Jahr wurde die Internationale Befreiungsfeier von den Schauspielerinnen und Moderatorinnen Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner mehrsprachig begleitet.

Den Höhepunkt des Festakts bildete der gemeinsame Auszug – ähnlich der ersten Befreiungsfeiern der KZ-Überlebenden – aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende der Feierlichkeit. Auch dieses Jahr wurde der Auszug aus Mauthausen von den KZ-Überlebenden Dušan Stefancic, Yauhen Chrol, Nikolai Kireev, Shaul Spielmann, Andrew Sternberg und weitere mit Jehuda Gurvich an der Spitze angeführt, begleitet von den Zeitzeugen Anna Hackl und Tommy Frankl, GIs der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und Schülerinnen und Schüler der NMS Mauthausen. Damit wird die Befreiung der KZ-Inhaftierten im Jahr 1945 symbolisiert.

Die Internationale Befreiungsfeier stellt die weitaus größte Gedenk- und Befreiungsfeier weltweit dar. Auch dieses Jahr wurde ein beeindruckendes Zeichen für ein „Niemals wieder“ gesetzt.
Fotos und Presseunterlagen zur Gedenk- und Befreiungsfeier 2018 unter http://www.mkoe.at/service/presseinfo

Statements:

 

Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen:
„An Mauthausen zu erinnern bedeutet Trauer und Fassungslosigkeit angesichts eines Symbols für Terror, Leid und Unmenschlichkeit. Es bedeutet aber auch, ganz entschieden die Verantwortung für die Fundamente unseres Staates heute zu übernehmen: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Menschenwürde!“
Bundespräsident a. D. Dr. Heinz Fischer:
„Die Befreiungsfeier in Mauthausen am 6. Mai hat eine jahrzehntelange und zum Symbol gewordene Tradition. Mauthausen ist, so wie viele andere ehemalige Konzentrationslager zu einem Erinnerungsort geworden, an dem den Opfern des Nationalsozialismus, der Menschenverachtung und Menschenvernichtung gedacht wird. Ich bin dankbar, dass diese Tradition des Gedenkens und Erinnerns jetzt schon seit über zwei Generationen aufrechterhalten wird. Verschiedene alarmierende Signale und Entwicklungen in Europa zeigen, wie wichtig das ist.“
Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka:
„Die Gedenkstätte Mauthausen ist auf ewig ein Ort der Verantwortung. Ein Ort, der uns stets daran erinnern wird, zu welchen Verbrechen Menschen fähig sind und warum wir unter keinen Umständen zulassen dürfen, dass nationalsozialistische Denke auch nur im Ansatz geduldet oder unwidersprochen zur Kenntnis genommen wird.“
Über das Mauthausen Komitee Österreich: 
Die Überlebenden des KZ-Mauthausen übergaben im Jahr 2000 dem Mauthausen Komitee Österreich offiziell ihr Vermächtnis. Dieses Vermächtnis der KZ-Überlebenden bildet die Grundlage der Aktivitäten des MKÖ. Neben der Gedenkarbeit für die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes, insbesondere jene, die im KZ-Mauthausen und in den Außenlagern gefangen gehalten wurden, sind Aktivitäten gegen Rechtsextremismus sowie die engagierte anti-faschistische und anti-rassistische Arbeit vor allem mit jungen Menschen weitere wichtige Schwerpunkte. In den vergangenen Jahren führte das MKÖ mit mehr als 100.000 Jugendlichen Zivilcourage-Trainings, Begleitungen durch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie an Orten ehemaliger Außenlager, die Vor- und Nachbereitung der KZ-Gedenkstättenbesuche, Anti-Rassismus-Workshops wie den Workshop „Wir sind alle“ sowie die neuen thematischen Rundgänge „denk mal wien“ sowie diverse anlass- und themenbezogene Jugendprojekte durch. (Ende)
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09 11 2017
By: TKG 0

TKG -Gedenktag : 9.November- „Light of Hope“

Heute gedenken wir  als Türkische KULTURgemeinde auch den Opfern der Novemberpogrome.

Allein in Österreich wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 insgesamt 30 Juden getötet, 7.800 wurden verhaftet und rund 4.000 ins KZ Dachau deportiert.  Alle Synagogen wurden verwüstet, die allermeisten komplett niedergebrannt. Auch die Türkische Tempel in der Zirkusgasse 22 in Wien.

In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 bis 1887 ließ diese an der Stelle eine Synagoge errichten. Sie wurde während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört.

Heute Abend erinnert die jüdische Jugend Wiens, gemeinsam mit Studierenden der Uni Wien, beim Fackelzug „Light Of Hope“ an die Ereignisse vor 79 Jahren. Um 18 Uhr geht es  beim Stadttempel los, über das Juridicum führt der Weg zur Schlusskundgebung am Judenplatz.

Die Türkische KULTURgemeinde mit  dem Vorstand wird auch dabei sein.

Informationen:

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN

http://www.turkischegemeinde.at/die-geschichte-der-tuerkischen-juden/

 

DIE WIENER TÜRKISCH-ISRAEILITISCHE GEMEINDE UND SYNAGOGE
http://www.turkischegemeinde.at/die-wiener-tuerkisch-israeilitische-gemeinde-und-synagoge/

 

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Tempel

 

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26 10 2017
By: TKG 0

TKG: „Es lebe die Republik Österreich!“

Nach dem 26. Oktober 1955 konnte Österreich auch darangehen ein Instrument aufzubauen, das die Aufgabe hatte, die neu erreichten
Werte Frieden, Freiheit, Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Unabhängigkeit zu schützen und souveränes Österreich zu verteidigen.

Deswegen ist die Nationalfeiertag Tag des Friedens.

Alles Gute zum Nationalfeiertag.

Demokratie bedeutet vom Volk gewählte Regierung und Republik dem Gemeinwohl dienende Politik.

Es lebe die Republik Österreich!

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

 

 

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14 09 2017
By: TKG 0

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde

Der sogenannte „Türkische Tempel“ in der Zirkusgasse wurde in der Pogromnacht zerstört.

Wien. In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 bis 1887 ließ diese an der Stelle eine Synagoge errichten. Sie wurde während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, S.E. Botschafter Mehmet Ferden Çarιkçι als Vertreter der Republik Türkei, der Präsident der Israelitischen Kulturgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, und der ehemalige Präsident der der türkisch-jüdischen Gemeinde in der Türkei, Silvyo Ovadya, gedachten heute, Mittwoch (13.09.2017) , den Opfern dieses schrecklichen Ereignisses und enthüllten eine neue Gedenktafel an der städtischen Wohnhausanlage.

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde und Erneuerung der Erinnerungstafel mit u.a. StR Michael Ludwig (2., Zirkusgasse 22)

„Mit den Verbrechen des November 1938 nimmt der systematische Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden ihren Anfang. Mit dem Türkischen Tempel wurden insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. Jüdische Kinder, Frauen und Männer wurden zutiefst gedemütigt und geschlagen. 27 von ihnen verloren ihr Leben. Halten wir alle die Erinnerung an diese grausame Zeit wach!“, betonte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Er hob in diesem Zusammenhang die aktive Bildungsarbeit der Stadt Wien hervor. Gleichzeitig warnte Ludwig vor weiterhin aktiven rechtsradikalen Gruppen, die fremdenfeindlichen Hass verbreiten.

Stadtrat Ludwig dankte besonders Herrn Dr. Peter Schönthal, der die neue Erinnerungstafel initiierte.

Es ist traurig, zu sehen, dass während die von den österreichischen Juden erbaute Yüksekkaldırım Aschkenasim Synagoge in Istanbul seit über 100 Jahren weiterhin besteht, die türkisch jüdische Synagoge in Wien, genannt ,Türkischer Tempel‘, im Gegensatz dazu, niedergerissen und in den Tiefen der Geschichte begraben wurde. Deswegen ist es besonders wichtig, dass der Geist des türkischen Tempels weiterhin am Leben gehalten wird“, so S.E. Botschafter Mehmet Ferden Çarιkçι.

„In der Bevölkerung ist wohl kaum noch ein Wissen um diese an Kultur so reichen sephardischen Gemeinde vorhanden. Mit einer neuen Gedenktafel wird der Opfer des Novemberpogroms gedacht und gleichzeitig an die Blütezeit der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim erinnert“, betonte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.  „Ich freue mich sehr, hier an der Gedenkveranstaltung bezüglich der sephardisch-jüdischen Synagoge und Gemeinde in Wien, deren Wurzeln bis in die Zeit des Osmanischen Reiches reichen, teilzunehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf Nahebeziehung zwischen der großen Synagoge in Edirne und der sephardischen Synagoge in Wien hinweisen. Wir, die jüdische Gemeinde in der Türkei erfreuen uns, dass wir unsere Gebete und sonstige Veranstaltungen in der Edirne Synagoge, die einer der drei großen Synagogen in Europa ist und der österreichischen Synagoge in Istanbul frei durchführen können“, hielt der ehemalige Präsident der der türkisch-jüdischen Gemeinde in der Türkei, Silvyo Ovadya, fest.

 

Gedenken an die Zerstörung der Synagoge der sephardisch-türkischen Gemeinde und Erneuerung der Erinnerungstafel mit u.a. StR Michael Ludwig (2., Zirkusgasse 22)

 

Der Türkische Tempel

In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 – 1887 ließ diese an der Stelle, an der heute der Gemeindebau steht, eine Synagoge er-richten, den sogenannten Türkischen Tempel. Mit der Planung wurde der Wiener Architekt Hugo Ritter von Wiedenfeld (1852 – 1925) beauftragt. Er hatte sich auf den neo-maurischen Baustil spezialisiert, mit orientalisch geprägten Elementen wie Bögen und Mosaiken.

Ein gefeiertes Kunstwerk

Der Entwurf der Synagoge orientierte sich an der maurischen Architektur, vor allem an der spanischen Alhambra – wohl eine Referenz an die ursprünglich aus Spanien stammenden sephardischen Juden. Der Tempel wurde am 18. September 1887 im Rahmen einer festlichen Zeremonie eingeweiht. An der Straßenfront befand sich ein imposantes Steinportal mit minarettartigen Türmchen, durch das man zunächst einen Vorhof betrat. Dahinter erhob sich die reich verzierte Fassade des Tempels, darüber eine zwölf Meter hohe Kuppel mit sternförmigen Fensteröffnungen. Der achteckige Betraum war in Marmor und Gold gehalten. Insgesamt bot das Gebäude über 600 Gläubigen Platz und war damit die größte türkische Synagoge in Europa. Als einer der prachtvollsten Tempel Mitteleuropas gefeiert, diente sie als Vorbild für viele andere sephardische Tempel.

In Flammen

Die über die Grenzen hinweg gelobte Pracht des Türkischen Tempels in der Zirkusgasse kann man heute nur mehr anhand einiger Schwarzweiß-Fotografien erahnen. Er wurde, wie 41 weitere Synagogen und Bethäuser in Wien, während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört. Das Grundstück wurde 1952 an die Israelitische Kultusgemeinde restituiert und 1975 von der Stadt Wien erworben. 1985 – 1987, genau hundert Jahre nach dem Bau der Synagoge, errichtete sie hier ein Wohnhaus.  ( Quelle: Büro Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig Magistrat der Stadt Wien)

 

Informationen:

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=1913

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=2011&tx_ttnews%5Btt_news%5D=14126&cHash=de7d94c17d5f3671cb4dde87c49371f4

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Tempel

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=2011&tx_ttnews%5Btt_news%5D=10393&cHash=0f0262d6391b1a76e2fab88bb1f73fa5

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29 08 2017
By: Redaktion 0

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“. Jetzt als Buch… 24 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, ca. 800 Seiten, 40 Abbildungen. Die Präsentation in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften stattgefunden.

„Dieser Sammelband leistet einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der inzwischen höchst emotionalisierten Debatte über das Verhältnis zwischen dem historischen „Orient“ und der Habsburgermonarchie, aber auch dem Verhältnis Österreichs vor und nach 1918 mit dem Osmanischen Reich bzw. der Türkei bis herauf in die 1960er-Jahre. Ein wissenschaftlich geprägter nüchterner Blick auf die historischen Wechselbeziehungen ist gerade aufgrund der aktuellen Funktionalisierung der Geschichte zwischen „Orient“ und „Okzident“ eine wichtiger Beitrag zu einer demokratischen und aufgeklärten Bildungsarbeit in der Gegenwart.“

Univ.-Prof. Dr. Dr. Oliver Rathkolb
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen!“

Prof. Dr. Arnold Suppan
Österreichische Akademie der Wissenschaften

„Der vorliegende Band positioniert sich innerhalb der neueren historiographischen Sichtweisen auf die Beziehungen zwischen Orient und Okzident: Thematisiert werden nicht nur kriegerische Konflikte, sondern beispielhafte Tiefenbohrungen beleuchten zahlreiche Aspekte eines vielfältigen Austausches. Anregend, breit angelegt und damit ein Buch für all jene, die sich fundiert über dieses besondere Verhältnis informieren wollen.“

Prof. Dr. Arno Strohmeyer
Universität Salzburg

 

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“

von Birol Kilic / Verleger

Es ist für unseren Neue Welt Verlag mit Sitz in Wien eine große Freude, dieses Buch mit 24 Top-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (23 Aufsätze) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen als auch Freischaffenden verschiedenster Fachbereiche zu verlegen.

Eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die hier versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

Mit großer Anerkennung schaue ich auf den Fleiß der Autorenschaft, die ein umfangreiches archivalisches Datenmaterial und zahlreiche literarische Quellen in 23 Aufsätzen wissenschaftlich auswertete. Man kann schon jetzt sagen, dass dieser Sammelband auf allen Ebenen großes Interesse finden wird! Das Buch wird eine sehr wichtige und zukunftsweisende Quelle für Akademikerinnen und Akademiker, Kulturinteressierte, Journalistinnen und Journalisten sowie für Medien und Politik sowohl heute und als auch in Zukunft sein.

Die Autorinnen und Autoren wurden bewusst interdisziplinär ausgesucht, die Forschungsbereiche sind bunt gemischt. Iranistik, Musikwissenschaft, Afrikawissenschaft, Palästinaforschung und Orientalistik kommen in diesem breit angelegten Sammelband ebenso zur Geltung wie Geschichte, Byzantinistik, Sozialanthropologie, Vexillologie (Fahnen- und Flaggenkunde), Wirtschaftsgeschichte, Osmanisches Reich oder Südosteuropa, die Habsburgermonarchie…
Der vierte Band unserer jungen Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident““ zeigt Begegnungen und Wahrnehmungen von Menschen aus fünf Jahrhunderten in diesen weit gefassten und sich überlappenden Räumen ‒ hier mit dem Fokus auf das Osmanische Reich bzw. die Republik Türkei und die Österreichisch-
Ungarische Monarchie bzw. die Republik Österreich ‒, ohne die Krisen, Kämpfe und Schwierigkeiten dieses immer höchst brisanten und spannenden Beziehungsgeflechts auszuklammern.

Allerdings basieren die diplomatischen Beziehungen der Republik Österreich mit der modernen Türkei auf einer langen Tradition des Austausches zwischen dem Römischen Reich und der Hohen Pforte.

Im Jahr 1998, also vor rund 18 Jahren, schrieb ich für das Österreichische Bundeskanzleramt im Auftrag des Österreichischen Bundespressedienstes den Aufsatz „Das Österreichbild in der Türkei“. Er wurde in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Englisch über österreichische Botschafterinnen und Botschafter in der ganzen Welt verteilt. Heute leben in Österreich ca. 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln, davon sind ca. 180.000 österreichische Staatsbürger. Im Zuge des Wirtschaftswunders kamen sie nach Österreich.

Sie und ihre Nachkommen sind mit Stand 2016 sowohl als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, Unternehmerinnen und Unternehmer (ca. 14.000), als Anwälte ebenso wie auch in der Kunst und der Wissenschaft, davon ca. 3.500 als Studentinnen und Studenten, tätig. Die große Mehrheit sehen Österreich als ihre liebe „Neue Heimat“ (trk. Yeni Vatan) und verstehen sich vor allem als säkulare Verfassungspatrioten. Die Mehrheit der Österreicher hat auch gelernt, in seinen ausländischen Mitmenschen nicht das Trennende, sondern das Verbindende zu sehen und sie zu schätzen.

Wir wissen aber auch, dass die Intoleranten ‒ ich meine hier alle ‒ für ihr de facto außer oder an der Grenze des Verfassungsbogens liegendes Verhalten und ihre Bewegungen Toleranz einfordern. Hier sollte durch Wissen, Erfahrung und Weitblick die Spreu vom Weizen getrennt werden, wofür wiederum eine sachliche, belegbare und objektive wissenschaftliche Forschung notwendig ist. Das wollen wir mit dem Buch „Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ mit viel Liebe, Mühe und Geduld auf ca. 800 Seiten zeigen.

Mein Artikel begann damals mit einem türkischen Sprichwort über Kaffee, denn auch wenn es banal scheinen mag, die Parallelen zwischen diesen doch so unterschiedlich wirkenden Ländern lassen sich, vielleicht sogar insbesondere, in der Kaffeekultur finden. „Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre“, sagt ein türkisches Sprichwort, das im Original so klingt: „Bir fincan kahvenin kırk yıl hatırı vardır“. Das Verstehen der Menschen untereinander beginnt mit gutem Zuhören ‒ und wo lässt es sich besser reden, als bei einer Tasse dampfenden Kaffees?

Wer in Wien auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist auch die Besonderheit der Institution des auch in der Türkei geschätzten österreichischen Kaffeehauses, wie man es detailgetreu nachgebaut in der Innenstadt von Istanbul findet. Man serviert dort echten Wiener Kaffee und frische Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits allgemein „Melange“. Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt…

 

Die Beziehung zwischen Österreich und der Türkei hat sich seit 1998 mit vielen Höhen und Tiefen unglaublich verändert. Wir könnten heute sehr viele negative Ereignisse vermerken. Das war auch in der Vergangenheit so. Dabei darf man diese beiden Länder nie unterschätzen. Es heißt gespannt zu bleiben, die Ereignisse mit Verstand und Vernunft mitzuverfolgen und sich zuverlässig ohne Opportinusmus auszutauschen.

Als Österreicher mit türkischen Wurzeln versuche ich ‒ bereits seit über einem Vierteljahrhundert ‒, eine verbindende und tragfähige Brücke zwischen Österreich und der Türkei zu bauen. Das ist eine große Herausforderung. Ich glaube aber, dass es mit vernünftiger und verständlicher Aufklärung möglich ist. Obwohl immer wieder Höhen und Tiefen zu überwinden sind, werden wir auch in Zukunft diesen, vom interkulturellen Dialog und der Mitmenschlichkeit vorgezeichneten Weg gehen!

Sind in den letzten Jahren nicht genügend Aufsätze und Bücher über den Nahen Osten und seine Geschichte geschrieben worden? Diese Frage versuchte ich im Jahre 2012 bei der Präsentation des Buches „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ im Palais Eschenbach zu beantworten und skizzierte bei dieser Gelegenheit kurz meinen Traum, Brücken zwischen dem Orient und dem Okzident zu schlagen.

2012 war eine Zeit, wo wir als aus der Türkei stammende Österreicherinnen und Österreicher bereits ahnen konnten, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird. Dafür muss man kein Hellseher sein, sondern man benötigt ein tiefes Wissen und Erfahrungen über den Orient und den Okzident. Wir haben die Entwicklungen im Nahen Osten mit den westlichen und östlichen Interventionen, Stellvertreterkriegen und den hybriden Kriegstaktiken, die sich weit vom Völkerrecht entfernt haben, mitverfolgt.

 

Deswegen wollten wir ein umfangreiches Buch mit seriösen Personen aus der Wissenschaft herausgeben, das die Beziehungen und Begegnungen im kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und menschlichen Bereich beleuchten soll. Man wird daraus lernen, dass die Beziehungen zwischen dem christlichen Okzident und dem islamischen Orient nie in dieser oft kolportierten Distanz bestanden. Schaffen wir Fundamente für ein friedliches Zusammenleben! Wir sollten nicht das Trennende, sondern das Verbindende sehen und uns dies immer wieder in Erinnerung rufen!

Die jüngsten – leider sehr negativen und bestürzenden – internationalen und nationalen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass das Beziehungspaar „Orient und Okzident“ – mit seinen beiden als Gegensatz hingestellten, aber weit über Raumkategorien hinausgehenden Begriffen ‒ zum wichtigsten weltpolitischen Thema unserer Zeit geworden ist.

Die gegenwärtige Lage in der Türkei, dem Nahen Osten und dem arabischen Raum sowie die darauffolgenden Reaktionen in Europa und Österreich im Besonderen haben diese umfassende Thematik in all ihren Facetten wieder verstärkt in den Mittelpunkt der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit gerückt. Tagesaktuell werden die Themen „Terrorismus“, „Flucht“, „Migration“ und „Integration“ im Zusammenhang mit „dem Islam“ kontrovers und heftig diskutiert. Niemand kann sich dem entziehen und viele sind alleine schon mit den Tagesnachrichten zu Recht überfordert. Oft wird pauschalisiert und die Spreu vom Weizen absichtlich oder einfach aus Dummheit nicht getrennt. Oft zeugen die Diskussionen nicht nur von der Unfähigkeit, Antworten auf die brennendsten Fragen unserer Zeit zu finden, sie lassen auch historisches Hintergrundwissen außer Acht. Diesem Mangel an Wissen möchte der vorliegende Sammelband entgegenwirken.

Eigentlich währt ja die Begegnung länger als diese fünf Jahrhunderte. Denn wer heute eine Semmel isst, dazu in eine deftige Wurst beißt und das Ganze mit einem Krug Bier hinunterspült, mag sich fühlen wie ein typischer Österreicher oder Bayer. In Wahrheit stammen diese Lebensmittel alle aus dem alten Orient. Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. schenkten die Menschen, die zwischen Euphrat und Tigris oder in Ostanatolien wohnten, in ihren Kneipen sage und schreibe über 20 Sorten Gerstensaft aus!

 

Die Wurst ersannen Köche in Babylonien. Und wussten Sie, dass das Wort Semmel vom orientalischen Ausdruck „samidu“ (weißes Mehl) abgeleitet ist? Haben Sie gewusst, dass das Wort Joghurt eigentlich ein türkisches Wort ist? Die Grundbedeutung des Wortes ist „kneten“. Es ist bis heute eines der Hauptnahrungsmittel in der ausgezeichneten türkischen Küche und wird oft von den Hausfrauen selbst hergestellt.

Wie können wir als Neue Welt Verlag dazu beitragen, diese oft vermeintlich kulturellen Schranken zu überwinden, damit Hass, Vorurteile und Intoleranz endlich der Vergangenheit angehören? Dieser Herausforderung möchten wir uns stellen, auch wenn wir wissen, dass das nicht einfach ist.
Nach der Ideenentwicklung ist es in unermüdlicher wissenschaftlicher, redaktioneller, lektorieller und grafischer Detailarbeiten nun gelungen, gemeinsam mit unserem Herausgeberteam und allen Autorinnen und Autoren das Kind aus der Taufe zu heben!

Für einen Verlag bedeutet ein solches Projekt eine große Anstrengung ‒ in organisatorischer und finanzieller, in materieller und immaterieller Hinsicht. Umso mehr freut es uns, wenn das Werk geglückt ist, was nicht zuletzt auch Sie als Leserinnen und Leser entscheiden!

 

 

Kindheit und ein alter Traum (Istanbul, Hamburg, Zürich etc., Wien)

Sie werden sich fragen, was motiviert mich so sehr, diesen Verlag mit seiner spezifischen Verlagsphilosophie voranzutreiben?
Ich will darauf einfach antworten: Wer denn sonst kann so ein Projekt vorantreiben als ein Austro-Türke und austro-türkischer Verleger und Unternehmer, der in Istanbul, dem alten Konstantinopel, geboren ist?

Ich beziehe mich auf den Untertitel unseres neuen Buches: „Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ und möchte Ihnen aus persönlichen Erfahrungen diese Begriffe näher bringen.

Lassen Sie mich etwas weiter ausholen: Bereits als Kind wurde ich im alten Bezirk Sisli in Istanbul mit den Welten des Orients und des Okzidents vertraut, die für mich ganz normal und allgegenwärtig waren und sich zuerst als eine einzige Welt darstellten. Zuerst erstaunte es mich, dann verwirrte es mich, bis ich mich später immer tiefer mit der Geschichte und den komplizierten Zusammenhängen vertraut machte.

Bereits als Kind blickte ich zum Beispiel auf die uralte, über 30 Meter hohe Konstantins-Säule aus dem vierten Jahrhundert, die wie eh und je im Zentrum von Istanbul auf dem tief darunter liegenden Kaiserforum steht. Die Geschichte des ersten christlichen römischen Kaisers ist mir von Klein an vertraut, wenn ich die Zusammenhänge natürlich erst später verstanden habe.

Ich lief als kleines Kind besonders mit meiner Großmutter zu den historischen Stätten und zu den mit Leben und Mystik erfüllten Gotteshäusern: den alevitischen Cem-Häusern, den orthodoxen Kirchen, den muslimischen Moscheen, der jüdischen Synagoge. Wir sind dort überall hineingegangen. Es war ganz normal, sich das alles anzusehen und teilweise auch an den Gottesdiensten teilzunehmen.

Später ging meine Familie nach Hamburg und Kiel, also ganz in den Norden Deutschlands.

Ich muss sagen, dort hat es mir auch ganz gut gefallen. Umso mehr lernte ich die großen Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten kennen. In Istanbul war ich in einer sehr orthodox griechischen, kirchlichen Umgebung, mit vielen Ikonen geschmückt, wo ich mich auch als muslimisches Kind zuhause gefühlt habe. Dadurch war Hamburg, mit seinen leeren, protestantischen Kirchen sehr fremd für mich. Meine Wahrnehmung hat sich dadurch total verändert.

Auch Zürich in der Schweiz lernte ich kennen. Aber Wien hat mich dann doch am meisten angezogen und so bin ich nun begeisterter Wiener. In Wien fühle ich sowohl Okzident als auch Orient, Westen und Osten, Christentum und Islam.

Mittlerweile zum Österreicher geworden, verspüre ich auch hier in Wien viele byzantinische und konstantinische Elemente unter den vielen Kulturen, die das Stadtbild prägen und geprägt haben. Man denke nur an den Wiener Jugendstil, der Anleihen an der byzantinischen Kunst und der Kunst der Osmanen genommen hat. Gustav Klimt ließ sich vom byzantinischen Stil der Goldenen Stadt genauso inspirieren wie Otto Wagner, dessen Kirche am Steinhof zu den prächtigsten Architekturjuwelen Wiens zählt.

Ich habe mich schon sehr früh für das Christentum, dessen Wurzeln ja auch in der heutigen Türkei liegen, interessiert. Für den Propheten Jesus, für den Völkerapostel Paulus aus Tarsus (Antiochia/Antakya) und den Apostel Petrus und nicht zuletzt auch die Mutter von Jesus, Maria, die in Ephesus ein Heiligtum hat. Auch die vielen Konzile interessieren mich. Zu diesen interessanten Personen und Ereignissen veröffentlichte ich mehrere Artikel in verschiedenen Medien, was man von einem Muslim und gelernten Elektrotechniker sicherlich weniger erwarten würde.

Ich persönlich fühle mich einfach als ein Muslim – Austrotürkische Alevitische Moslem -, der sowohl sein „Muslim-Sein“ bewahren, als auch sich in der Gesellschaft positiv einbringen will. Ein spirituelles Leben zu führen, muss nicht ein Widerspruch zum modernen Leben sein. Wie Jesus sagt: „Man erkennt den Baum an seinen Früchten.“ Und genau das gilt hier auch: Egal welche Religion man hat, man kann und soll trotzdem „in der Welt“ leben, also sich den Problemen stellen und sich in die Gesellschaft einbringen.

Pax Austrīaca

Um hier friedlich jetzt und in Zukunft leben zu können, müssen wir die Vergangenheit verstehen, damit wir nicht immer wieder die gleichen Fehler machen. Und hier ist die Wissenschaft gefragt, die sich zur Wahrheit verpflichtet hat.

Suchen wir den Frieden: zuerst mit uns selber, und dann mit unserer Umgebung.

Dann können wir den Frieden für die Stadt, in der wir leben und für die Welt schrittweise erreichen. Wir nennen das die PAX AUSTRĪACA.

Österreich ist heute ein sehr kleines Land, aber es hat eine große Vergangenheit, die noch heute in vielen Dingen sichtbar ist, aber auch in der „österreichischen Idee“, die man über die Jahrhunderte bis zur europäischen Vereinigung bis auf den heutigen Tag nachverfolgen kann. Es gibt aber leider auch sehr schmerzliche Beipiele und es ist unsere Aufgabe, an diesen ebenso zu arbeiten.

„PAX“ bedeutet in der lateinischen Sprache, wie Sie alle wissen, „Frieden“. Und der Neue Welt Verlag versucht, mit seinen kleinen Möglichkeiten für die PAX AUSTRĪACA zuerst im Inland und dann weltweit – in dem kleinen Rahmen, den ein Verlag wie der unsere leisten kann – an der „PAX MUNDI“, oder besser gesagt „PAX ORBI“, zu arbeiten. Eine alte Weisheit sagt: Friede im Inland bedeutet auch Friede im Ausland! Auf diese Weise möchte ich eine Saat ausstreuen und wir alle hoffen, dass sie aufgeht und reiche Frucht trägt.

Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Das Leitmotiv des Verlags ist es, kulturelle Schranken zu überwinden, damit wir Hass und Intoleranz hinter uns lassen können. Und gerade für diese Ziele sind wir stetig auf der Suche nach Fachbüchern zu den Themen Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Religion, Wirtschaft und Migration. Als Verleger von Literatur und einem Monatsmagazin ist es mir ein Anliegen, kraft der Vernunft und des Glaubens, mit Verstand und vor allem gutem Willen – als auch fairem Kampfgeist – gegen Scheinheiligkeit und Falschheit aufzutreten. Mit unserem Team wollen wir die Begegnung und Kommunikation zwischen den Völkern und den Kulturen fördern und Vorurteile zwischen den Menschen abbauen helfen. Kurz gesagt: Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Wir glauben, dass wir in Zusammenarbeit mit den beiden Herausgebern und den weiteren 22 Autoren durch dieses neue Buch mit dem Titel „Orient und Okzident“ diesem Ziel, nämlich „geistige Brücken“ zu bauen, gerecht werden.

Das neue Buch ist bereits der vierte Band der Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident“ nachdem wir 2012 die Monographie „In Hoc Signo Vinces“ über den „Heiligen Konstantinischen Orden vom Heiligen Georg“ und 2014 den bildreichen Band „Die Roten Ritter“ herausgebracht haben. Ein weiterer Band beschäftigt sich mit dem Paltonismus, ebenso ein großes Thema, das den Orient mit dem Okzident verbindet.

Ein weiteres Buch des Neue Welt Verlags hat sehr große Resonanz gefunden: Das Buchprojekt „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ hat unser Team ebenso wie das heutige Buch gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf den Markt gebracht. Einige der damaligen Autoren haben auch an dem neuen Buch mitgeschrieben.

Um ein derartiges Projekt zu realisieren, braucht es außerdem vor allem eines: Eine große Liebe zur Wahrheit, da ohne Wahrheit die Liebe keine Existenzgrundlage haben kann. Die Grundlage der Wahrheit aber sind die Fakten und die Sorge, diese nicht zu manipulieren oder zu korrumpieren. Eine objektive Darstellung zu finden, sollte das Ethos und die Ehre jeder Wissenschaftlerin und jedes Wissenschaftlers sein. Ich bin darum umso stolzer, dass ich mit dem Buch „Orient & Okzident“ gegen die kursierende Doppel- bis Dreifach-Moral und allgegenwärtige Geschichtsverfälschungen ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann. Möge der Geist der Wahrheit die Wissenschaft erleuchten!

Meinen besonderen Dank spreche ich dem Herausgeberteam, Frau Barbara Haider-Wilson und Herrn Maximilian Graf, aus, die auch die redaktionelle Koordination übernommen haben. Auf die erfreuliche Zusammenarbeit blicke ich ebenso mit dem Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung des Neue Welt Verlags, Herrn Arno Tippow, zurück. Großzügig unterstützt haben das Projekt die Türkische Kulturgemeinde in Österreich und die „Yeni Vatan Gazetesi“ (Neue Heimat Zeitung ) in Wien. Allen 24 Autorinnen und Autoren, die wir namentlich mit ihren Kurzbiographien unten angeführt haben, spreche ich meine höchste Wertschätzung und Hochachtung aus und bedanke mich für die Geduld und Mühe, die sie bis zur Publikation in den letzten vier Jahren aufbringen mussten!
Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, eine genüssliche Lektüre und lade auch Sie zum vorurteilslosen Brückenbau zwischen den Kulturen und den Menschen ein!

Ein Traum wird Wirklichkeit… hoffentlich ‒ inşallah!

Birol Kilic,
Verleger, Neue Welt Verlag
Wien und Istanbul, 2017.

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29 08 2017
By: Redaktion 0

Wer sich den Gesetzen nicht fügen will ?

Nach Recherchen eines Historikers ist ein türkischer Edelmann „Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“. Johann Wolfgang von Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte über diesen legendären deutsch-türkischen Urvater Sadok Selim Soldan auf (um 1270 bis 1328), der sich, nachdem er sich 1305 taufen ließ, Johannes Soldan nannte. Einige Quellen berichten davon, Sadok Selim sei muslimisch erzogen worden. Ob er praktizierender Muslim war, ist umstritten. Der ehemalige evangelische Dekan im baden-württembergischen Brackenheim hat sich intensiv mit der Chronik der Familie Soldan befasst. Darin werde von einem Orientalen berichtet, der in die Gefangenschaft deutscher Ordensritter geraten war. Rasch sei er auf Grund seines einnehmenden Wesens jedoch zum ebenbürtigen Freund aufgestiegen und in die Truppe, die wohl aus der Nähe Württembergs stammte, aufgenommen worden. 1304 soll sich Sadok Selim mit einer Bürgerin des Ortes, Rebekka Döbler, vermählt haben. Drei Söhne sind aus der Ehe hervorgegangen.
Der Halbmond samt Stern im Wappen als auch in der Familienchronik gelten Deetjen, neben dem Namen, als weiteres Indiz für die türkischen Bezüge. Doch das sei noch nicht alles. Türkische Besucher hätten ihm davon erzählt, dass Soldan, der mit seinen Söhnen in der hiesigen Johanniskirche begraben wurde, aus der Türkei habe fliehen müssen, um nicht ums Leben zu kommen. Deetjen: „Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Familienchronik aus dem 16. Jahrhundert einen hohen Wahrheitsgehalt hat.“ Erst vor kurzem habe sich das Innenministerium Baden-Württemberg auf seine Recherchen berufen, berichtet der Forscher. Der Experte räumt allerdings ein, dass es einen direkten Beweis für die Verwandtschaft zu Goethe nicht gebe. Jedoch hätten die „Quelle aus dem 16. Jahrhundert mit den Hinweisen auf die Festung Al Mokhtara, Kreuzritter aus der Gegend um Backenheim und Hinweise auf die blühende Familie Soldan sehr starken historischen Zwang.“
Bis ins Hessische und Fränkische hätten sich die Familienbande gezogen, aus der sehr oft Juristen und andere leitende Persönlichkeiten, häufig auch Künstler und bedeutende Wissenschaftler, hervorgegangen seien. Deetjen ergänzt:„In der Soldan-Familie selbst gibt es die Überlieferung, dass dieser Sadok Selim zu den Vorfahren von Goethe gehört.“ In der Goethe-Forschung sei seit dem 19. Jahrhundert bekannt, dass es von der mütterlichen Seite Goethes einen orientalischen Vorfahren gegeben haben muss. Goethe selbst sei getaufter, protestantischer Christ gewesen, dem es wohl bewusst war, dass er orientalische Wurzeln hatte. In seinem Werk „West-östlicher Diwan“ (1819) habe das schließlich noch einmal nachgewirkt.
Für den Islam zeigte Goethe als universeller und lieberaler Geist zumindest auffallendes Interesse. Seine überlieferten Worte beweisen es:
„Närrisch, daß jeder in seinem Falle

Seine besondere Meinung preist!

Wenn Islam Gott ergeben heißt,

Im Islam leben und sterben wir alle.“

(Hamburger Ausgabe, Bd.2, S. 56)

Im Juni 2005 wurde Soldan zum 700-jährigen Jubiläum von dessen Ansiedelung im Raum Brackenheim gemeinsam mit türkischen und deutschen Gästen noch einmal gedacht. „Wenn wir also diesen Überlieferungen vertrauen, und einiges spricht dafür, dann wäre er quasi der Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“, erklärt Deetjen. Das Fest vor einigen Jahren habe die Beziehungen Brackenheims in die Türkei intensiviert. Resümierend mahnt Deetjen jedoch an: „Ich denke, dass die deutsch-türkische Geschichte in ihren Beziehungen noch lange nicht richtig gut aufgearbeitet ist.“ ( Quelle: Deutsch-Tuerkische-Nacrichten.de, Felix Kubach, Nicole Oppel)

Der „Deutschtürke“ Johann Wolfgang von Goethe hat recht:

Was sagte schon Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

 

Vorfahren aus dem 13. Jahrhundert
„Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“Auch bei einem gewissen Christ namens Johann Soldan wird davon ausgegangen, dass er zu Vorfahren und Ahnen von Goethe gehört. Der ursprünglich türkische Offizier mit dem Namen Sadok Seli Soltan wurde damals als Beutetürke während der Kreuzzüge verschleppt und christlich getauft. Das besondere an ihm ist, dass er vermutlich der erste türkische Deutsche in Deutschland war, der urkundlich nachgewiesen werden kann. Bereits Engelmann (1984) zählte Johann Soldan zur Ahnenreihe Johann Wolfgang von Goethes,“ von dem man seit dem 19. Jahrhundert weiß, dass er mütterlicherseits einen orientalischen Vorfahren hat.
Die These wurde zuletzt von Werner Ulrich Deetjen anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Soldan-Taufe 2005 vertreten.
Die mögliche Verwandtschaft mit Soldan bestätigt jedoch nicht das anderweitig vor allem in arabischen Ländern kursierende Gerücht, dass Goethe Muslim gewesen sei“

de.wikipedia.org/wiki/Goethe_(Familie)
de.wikipedia.org/wiki/Sadok_Seli_Soltan

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29 08 2017
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Die Deutsche Sprache kommt aus Anatolien

Die Wiege der indoeuropäischen Sprachen stand in der heutigen Türkei, besagt eine neue Studie. Sie steht im Widerspruch zur Theorie vieler historischer Linguisten.

Es war einmal, in grauer Vorzeit, ein kleines Volk. Wir wissen fast nichts über seine Angehörigen. Und trotzdem beeinflussen sie das Leben von etwa drei Milliarden Menschen, die heute zwischen Island und Sri Lanka siedeln. Denn sie verständigten sich in einer Sprache, aus der sich mehr als 400 indoeuropäische Sprachen entwickelten. Die Krux jedoch ist: Obwohl historische Linguisten seit etwa 200 Jahren ihre Fährte verfolgen und sorgfältig Sprachstammbäume zeichnen, ist noch unklar, wer diese Menschen waren und wo sie wohnten. Nun treten Naturwissenschaftler auf den Plan und verkünden siegesgewiss, dass ihre Methoden das vertrackte Rätsel besser lösen können. Im Fachblatt „Science“ erscheint heute eine solche Studie und wird vermutlich den Streit zwischen Sprach- und Naturwissenschaftlern erneut entzünden.

Zwei Thesen dominieren die Debatte und geben auf Wo, Wann und Warum eine unterschiedliche Antwort. Die Wiege der indoeuropäischen Sprache habe vor zirka 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe gestanden, behauptet die Mehrzahl der historischen Linguisten gemeinsam mit etlichen Archäologen. Ein kriegerisches Nomadenvolk der Kurgan-Kultur habe die proto-indoeuropäische Sprache auf dem Pferderücken verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes.

Die naturwissenschaftliche Konkurrenz favorisiert die friedliche Gegenthese und verortet die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen in Anatolien. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten allmählich ihre Felder ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur den Lebensstil der Jäger und Sammler verdrängt, sondern auch deren Sprachen. Das untermauert auch die Studie, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität von Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen nun in „Science“ veröffentlichen. (Tagesspiegel.de)

Weiter:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/urspruenge-in-der-tuerkei-die-deutsche-sprache-kommt-aus-anatolien/7048426.html

 

KURGUN KULTUR ?(russisch курга́н = kurgán = Hügel, Hügelgrab, urspr. Türkisch)
“ Zwei Thesen dominieren die Debatte und geben auf Wo, Wann und Warum eine unterschiedliche Antwort. Die Wiege der indoeuropäischen Sprache habe vor zirka 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe gestanden, behauptet die Mehrzahl der historischen Linguisten gemeinsam mit etlichen Archäologen. Ein kriegerisches Nomadenvolk der KURGAN-Kultur habe die proto-indoeuropäische Sprache auf dem Pferderücken verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes.Die naturwissenschaftliche Konkurrenz favorisiert die friedliche Gegenthese und verortet die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen in Anatolien. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten allmählich ihre Felder ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur den Lebensstil der Jäger und Sammler verdrängt, sondern auch deren Sprachen. Das untermauert auch die Studie, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität von Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen nun in „Science“ veröffentlichen.“

KURGAN: Es gibt zwei Hauptquellen des Wortes Kurgan. Eine Erklärung wäre die Herleitung vom alttürkischen korgan ‘Zuflucht, Festung’ und mitteltürkischen kurgan ‘Festung, Festungswall, Haupt-Schrein’. Beide werden als Lautverschiebung des alttürkischen korigan betrachtet, mit der Wortwurzel korı- ‘schützen, verteidigen’ und dem alttürkischen Suffix -gan.[1] Eine andere Erklärung wäre die Herleitung vom alttürkischen Wortstamm qur-, aus dem das Wort Kurgan eine Ableitung darstellt, ursprünglich aus Urtürkisch *Kur- ‘errichten (Gebäude), gründen’. Eine klare Trennung zwischen „Kurgan“ und dem urtürkischen *Kōrɨ-kan ‘Zaun, Schutz’ ist oft schwer festzusetzen.[2

www.tagesspiegel.de/…/urspruenge-in…/7048426.html

de.wikipedia.org/wiki/Kurgan_(Grabhügel)

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29 08 2017
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Denkmal für Architekt Clemens Holzmeister in Ankara

Der berühmte österreichische Architekt Clemens Holzmeister, der in Ankara viele Bauwerke errichtet hat, wurde in der Hauptstadt mit einem Denkmal im Garten des türkischen Parlaments geehrt. 

Clemens Holzmeister – der Stararchitekt des modernen Ankara

Ankara/Wien. Das Parlamentsgebäude, die Stadtvilla Atatürk, das Verteidigungsministerium, das Innenministerium, der Oberste Gerichtshof, die österreichische Botschaft – all diese Gebäude in Ankara wurden von Clemens Holzmeister erbaut. Nun wurde der österreichische Architekt mit einem Denkmal im Garten des Parlaments geehrt. Bei der Eröffnung waren der stellvertretende Parlamentspräsident Mehmet Sağlam und der Präsident der österreichisch-türkischen Freundschaftsgruppe Georg Keuschnigg anwesend. Sağlam betonte in seiner Rede, dass die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Staaten Höhen und Tiefen haben, aber die Hauptsache sei, die Beziehungen basieren auf Zuneigung und Freundschaft. „Während des Ersten Weltkriegs waren die osmanischen und österreichischen Soldaten Waffenbrüder. Nach der Gründung der Republik haben die österreichischen Architekten und Künstler einen großen Beitrag geleistet. Aber der berühmte Architekt Holzmeister hat eine besondere Stellung. In den Jahren 1938 bis 1954 hat Holzmeister in der Türkei gelebt. Nachdem er den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen hatte, wurde er ausgewählt, um das Parlamentsgebäude zu erbauen. Im Jahr 1940 lehrte er an der Technischen Universität Istanbul. Neben seinen Bauwerken war auch seine Person selbst hoch angesehen, vor allem für die Jugendlichen in Ankara galt er als Vorbild, da durch seine Werke an die Republik erinnert wurde.“, so Sağlam. Außerdem stammen von Georg Keuschnigg, Mitglied des Bundesrates, folgende Worte: „Als die österreichisch-türkische parlamentarische Freundschaftsgruppe haben wir eine große Freude, an der Eröffnung des Denkmals zur Ehrung des berühmten Architekten teilnehmen zu dürfen. Die Errichtung dieses Denkmals ist der Höhepunkt des Gedenkens an Holzmeister.“

Am 24. November wurde als Schlusspunkt zahlreicher, dem österreichischen Architekten Clemens Holzmeister gewidmeter Veranstaltungen der letzten Jahre, im Park der „Großen Türkischen Nationalversammlung“, eine Holzmeister-Gedenk-Ecke enthüllt. Holzmeister hatte den Park zwischen 1939 und 1961 als sein Hauptwerk in der Türkei errichtet. Die Zeremonie fand während des Aufenthalts der „Österreichisch-Türkischen Parlamentarischen Freundschaftsgruppe“ in der Türkei statt. Die Eröffnungsreden hielten der Vorsitzende der Freundschaftsgruppe, Bundesrat Georg Keuschnig, und der stellvertretende Parlamentspräsident, Mehmet Saglam. Bereits einige Tage zuvor war im Ankaraner Stadtteil Oran ein Holzmeisterpark mit einer Büste Holzmeisters durch den Bürgermeister der Gemeinde Cankaya, Bülent Tanik, und der Österreichischen Botschafterin Heidemaria Gürer im Beisein der Tochter Holzmeisters, Barbara Mohapp, eröffnet worden. Diese Eröffnung hatte im Rahmen eines von der türkischen Holzmeisterspezialistin Aydan Balamir veranstalteten Holzmeistersymposiums und Ausstellung seiner Aquarelle im „Cer Modern“-Museum in Ankara stattgefunden. Balamir hatte schon 2010 eine umfassende Publikation über die Werke Holzmeisters in der Türkei herausgegeben und dafür eine österreichische Auszeichnung sowie einen internationalen Architektenpreis erhalten.

Außer dem Holzmeisterpark und der Gedenkstätte im türkischen Parlament war bereits 2008 durch den damaligen Wiener Stadtrat Rudolf Schicker im Ankaraner Stadtteil Yildiz eine Holzmeisterstraße eröffnet und an seinem ehemaligen Wohnhaus eine Erinnerungsplakette angebracht worden. Außerdem wurde auch ein von der Österreichischen Botschaft in Ankara entworfener „Holzmeisterführer durch Ankara“ dem Publikum vorgestellt. Clemens Holzmeister kann als „Staatsarchitekt der Türkei“ bezeichnet werden. Er lebte von 1938 bis 1953 ständig in der Türkei gelebt, neben seiner Lehrtätigkeit in Istanbul hauptsächlich in Ankara. Bereits davor war er von Atatürk zum Aufbau der neuen Hauptstadt Ankara in die Türkei eingeladen worden. Zu seinen 15 Bauten in Ankara gehören neben dem Parlament ebenso wichtige Gebäude wie der Präsidentenpalast, einige Banken und die wesentlichsten Gebäude des Ministeriumsviertels, sowie die österreichische Botschaft. Gemeinsam mit dem österreichischen Bildhauer Anton Hanak errichtete er auch das „Sicherheitsdenkmal“ im Regierungsviertel. Neben den imposanten Werken Holzmeisters prägte auch der österreichische Bildhauer Heinrich Krippel die türkische Geschichte. Krippel zeichnete sich unter anderem für das wichtigste Reiterstandbild Atatürks in Samsun verantwortlich. Seit kurzem befindet sich neben dem Atatürk-Reiterstandbild in Samsun auch eine Krippel-Straße. Die erwähnten Holzmeister- und Krippel-Aktivitäten der letzten Jahre gehen auf die Initiative der Österreichischen Botschaft in Ankara zurück.

Straße in Ankara nach Architekt Clemens Holzmeister benannt (24.02.2009)

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist eine Straße nach dem österreichischen Architekten und Stadtplaner Clemens Holzmeister (1886-1983) benannt worden.
Clemens Holzmeister wurde 1927 nach Ankara berufen, wo er mit seinen Bauten das Stadtbild prägte. 1938 emigrierte der Architekt in die Türkei, wo er als Dozent an der Technischen Hochschule in Istanbul tätig war.
Neben seinem ersten Bau, dem türkischen Verteidigungsministerium, schuf Holzmeister in Ankara unter anderem die Stadtvilla Atatürk, die Österreichische Botschaft, den Obersten Gerichtshof, das Innenministerium und das Parlamentsgebäude.

Mehr Info über Clemens Holzmeister:

http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm

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29 08 2017
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Erster Völkermord des 20. Jahrhunderts-Prozess in New York-Deutschland soll zahlen

Die ehemalige deutsche Kolonie Namibia schließt sich der Klage gegen die Bundesrepublik an. Für den Völkermord zu Beginn des 20. Jahrhunderts fordert sie eine immense Entschädigung.Während der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia Zehntausende Herero und Nama getötet (1904 bis 1908) worden. Die deutschen Truppen haben rund 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama laut Experten ermordet. Die Massaker gelten als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.

 

Mehr als 100 Jahre nach dem Völkermord im damaligen Deutsch-Südwestafrika ist nun der Weg frei für einen Prozess um Entschädigungszahlungen an die namibischen Volksgruppen Herero und Nama. Deren Angehörige hatten in New York eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht. Vertreter der Kläger fanden sich nun in der US-Metropole ein und erzielten einen Erfolg: Richterin Laura Taylor Swain setzte den 21. Juli als ersten Verhandlungstag fest. Damit kann das Verfahren um eines der dunkelsten Kapitel der afrikanischen Kolonialgeschichte in Gang kommen.

Namibia will die Bundesrepublik wegen des Völkermords an den Herero und Nama verklagen. Das geht aus amtlichen Dokumenten hervor, die von der Zeitung „The Namibian“ und der Nachrichtenagentur AFP eingesehen wurden. Die namibische Regierung fordere mehr als 30 Milliarden US-Dollar an Entschädigung. Bei Massakern zwischen 1904 und 1908 wurden mehr als 100.000 Menschen getötet. Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, war damals eine deutsche Kolonie.

Bisher hatte Namibia auf die Forderung von Reparationszahlungen verzichtet. Die Regierung wolle sich nun jedoch einer Klage anschließen, die Vertreter der Herero- und Nama-Stämme Anfang des Jahres in den Vereinigten Staaten eingereicht haben. Ein Team internationaler Anwälte arbeite zudem daran, den Fall der Entschädigungen vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen, bestätigte der namibische Justizminister Sacky Shangala gegenüber AFP.

Deutschland verhandelt seit einigen Monaten mit der Regierung Namibias über eine Aufarbeitung der Verbrechen. Die Bundesregierung spricht selbst von „Völkermord“. Individuelle Entschädigungen lehnt sie ab. Eine UN-Expertengruppe hatte die Bundesregierung im Februar aufgefordert, Herero- und Nama-Vertreter stärker an den Verhandlungen zu beteiligen, und kritisiert, dass es noch keine Entschädigungszahlungen gegeben habe.

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19 07 2017
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Österreich – Türkei: Eine historisch verankerte Freundschaft?

Im Jahr 1998, also vor rund 15 Jahren, wurde für das österreichische Bundeskanzleramt, im Auftrag des österreichischen Bundespressedienstes, über „Das Österreichbild in der Türkei“ geschrieben. Das gehört mittlerweile korrigiert, da unter diesen beiden Brücken inzwischen gewaltige Wässer geflossen sind. Der Artikel wurde damals in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Englisch über österreichische Botschafter in der Welt verteilt. Heute leben in Österreich ca. 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln, davon sind ca. 180.000 österreichische StaatsbürgerInnen. Jedes Jahr besuchen um die 500.000 ÖsterreicherInnen die Türkei und umgekehrt, mit einer steigenden Tendenz.

von Birol Kilic

Damals, 1998, wurde nicht so viel über den Islam in Verbindung mit dem Terror oder die angeblich integrationsresistenten Menschen aus der Türkei geschimpft. Es waren auch nicht so viele HofperserInnen, -türkInnen und -kurdInnen auf dem österreichischen Integrationsmarkt, welche von den PolitikerInnen, die die Rolle als Domteure eingenommen haben, dirigiert werden. Dadurch wird genau das Gegenteil geschaffen, von dem was eigentlich erreicht werden sollte, bis auf die persönlichge Bereicherung der Beteiligten. Für viele MigrantInnen ist das problematisch, da sie nicht den direkten Zugang zu Leuten, die als ihre Vorbilder fungieren sollten, haben.

 

 

Wenn wir zurück zum Artikel aus dem Jahr 1998 kommen:

Der Artikel begann damals mit einem türkischen Sprichwort über Kaffee, denn ob man es glaubt oder nicht, die Parallelen zwischen diesen doch so unterschiedlich wirkenden Ländern lassen sich, vielleicht sogar insbesondere, im Kaffee finden.

„Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre“ , sagt ein türkisches Sprichwort, welches im Original so klingt: „Bir fincan kahvenin kırk yıl hatırı vardır vardır“. Das Verstehen von Menschen beginnt mit gutem Zuhören und wo lässt sich besser reden, als bei einer Tasse dampfenden Kaffees? Wer auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist die Besonderheit des österreichischen Kaffeehauses.

In der Innenstadt von Istanbul findet sich ein detailgetreu nachgebautes Wiener Kaffeehaus mit echtem Wiener Kaffee und frischen Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits „Melange“. Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt. Die Türken empfinden die österreichische Mentalität als nahestehend. Fleiß, Ehrlichkeit und Höflichkeit sind gemeinsame Tugenden und besonders Letzteres hebt die Österreicher in den Augen der Türken wohltuend von den „trockeneren“ lieben Deutschen ab. Österreicher werden als geduldig, flexibel und sensibel charakterisiert, als traditions- und kulturbewusst. Deutsch ist nach Englisch die zweite Fremdsprache und ermöglicht den Gebildeteren daher eine problemlose Kommunikation mit Österreichern in der Türkei. Trotz der gemeinsamen Sprache wird Österreich nie mit Deutschland verwechselt, sondern besitzt im Bewusstsein der Türken eine ganz eigenständige Identität. Es ist chic, in Österreich den Urlaub zu verbringen, einen Wientrip zu unternehmen oder Ski zu fahren und – wer es sich leisten kann – sein Kind in Österreich studieren zu lassen.“…

So hat der Artikel begonnen – so haben wir vom Herzen auch gedacht.

 

Den ursprünglichen Artikel können Sie natürlich noch immer auf der Seite der Türkischen KULTURgemeinde nachlesen – es gibt aber auch etwas Neues:

Die Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei haben sich in den 15 Jahren mit Tiefen und Höhen unglaublich verändert. Wir können hier sehr viele negative Ereignisse vermerken. Da ich das Glas als halb voll und nicht als halb leer sehen will, möchte ich in diesem Schreiben eher die positiven Seiten aus der Geschichte zum Ausdruck bringen. Im Jahr 2013 entstand eine schöne Buchbroschüre über die Verbindungen zwischen der Türkei und Österreich, herausgegeben von der österreichischen Botschaft in Ankara! Das Buch heißt „Avusturya & Türkei. Tarihi dostluk – Eine historisch verankerte Freundschaft“ und konnte mit Hilfe des österreichischen Botschafters in Ankara und des Hof- und Staatarchivs der österreichischen Republik realisiert werden – und geht weit über guten Kaffee hinaus.

 

Eine historisch verankerte Freundschaft

 

Österreich – Türkei

….“Es gibt wenige Länder, mit denen Österreich so lange diplomatische Beziehungen erhält, wie mit der Türkei. Vor fast 500 Jahren, d.h. im Jahr 1528, entsandte Ferdinand I. erstmals Gesandte an den Sultanshof: Gioan Maria Malvezzi, gefolgt von Ogier Ghislain de Busbecq. Seit dem Waffenstillstand des Jahres 1547 waren die Habsburger – mit Unterbrechungen – durch ständige Gesandte (Residenten) vertreten. Eine ständige diplomatische Vertretung Österreichs, bestand in Konstantinopel ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die erste osmanische Botschaft in Europa

Seit 1798  ( über 220 Jahren-2018) war das Osmanische Reich durch ständige Diplomaten in Wien vertreten. Die erste osmanische Botschaft wurde 1791 in Wien als erste Vertretung in einem europäischen Land eingerichtet.

Diplomatische Akademie in Wien als „Orientalische Akademie (Osmanisches Reich)“ gegründet – Türkisch/Osmanisch als erste Fremdsprache!

Die Diplomatische Akademie in Wien wurde schon 1754 von Kaiserin Maria Theresia als „Orientalische Akademie“ , als staatliche Ausbildungsstätte für Diplomaten gegründet, die insbesondere dazu beitragen sollte, die Beziehungen zum osmanischen Reich zu vertiefen; an ihr war Türkisch/Osmanisch als erste Fremdsprache ein Pflichtfach. Die Akademie ist damit weltweit die älteste noch bestehende Institution ihrer Art.

Der türkische Republik – 28.01.1924: Auhnahme der diplomatischen Beziehungen

Zwischen der türkischen Republik und der Republik Österreich kann der 28. Jänner 1924 als Tag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen gesehen werden, an dem ein Freundschaftsvertrag mit der am 29. Oktober 1923 gegründeten jungen türkischen Republik geschlossen wurde. Die Österreichische Botschaft Ankara wurde 1935 vom berühmten österreichischen Architekten Clemens Holzmeister fertig gestellt.

Der Name „Ostarrichi“ (Österreich): Seit 996

Die Wurzeln des heutigen Österreichs reichen in prähistorische Zeiten zurück. Das erste staatliche Gebilde war das keltische Königreich Noricum, das um Christi Geburt Großteiles in das Römische Reich integriert wurde. Damals entstanden viele römische Siedlungen wie beispielsweise Vindobona (Wien) oder Iuvavum (Salzburg). Mit den Wirren der Völkerwanderung zerbrach das Römische Reich. Germanenstämme und asiatische Reitervölker wie zum Beispiel die Hunnen, bevölkerten Europa. Ab dem 6. Jahrhundert siedelten sich die Bajuwaren (Bayern), ein Germanenstamm, im Donau- und Alpenraum und kolonialisierten nach und nach die österreichischen Kernländer. Der Name „Ostarrichi“ (Österreich) tauchte erstmals im Jahr 996 auf.

Das osmanische Reich und das Habsburgerreich : Lange wechselhafte Geschichte

Das osmanische Reich und das Habsburgerreich verbindet eine Jahrhunderte lange wechselhafte Geschichte geprägt von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen, von gegenseitiger Faszination, ja einem wahren „Orientboom“ , im 19. Jahrhundert und – in den letzten 90 Jahren – friedvolle und sehr freundschaftliche Beziehungen. Diese spiegeln sich in der Intensität politischer Besuche, ausgezeichneten Wirtschaftsbeziehungen und massiven wirtschaftlichen Investitionen, sowie in vielfältigen kulturellen Verbindungen und Kooperationen wider.

Aus den beiden Türkenbelagerungen Wiens 1529 und 1683 lässt sich unter anderem folgendes aus der Geschichte lernen: Je nach Bedrohungslage wurden die Türken als Angstgegner empfunden oder aber überwog die Faszination für das Exotische, das Neue. Nach der siegreichen Schlacht am Kahlenberg im September 1683 und dem Frieden in Karlowitz 1699, dem Ende des Großen Türkenkrieges, erhielt die Türkenmode, die Architektur und Kunst, die Hofzeremonien und Dramen und Opern den Einzug. In Mozarts „Entführung aus dem Serail“(1792) wird aus dem grausamen orientalischen Tyrannen „Selim Bassa“ ein aufklärerisches Ideal eines tugendhaften Herrschers – und ein musikalischer Ohrwurm. Die Wiener Weltausstellung 1873 präsentierte eine orientalische Stadt mit einer großen Moschee und einem türkischen Kaffeehaus. Mit der Gründung des Orientalischen Instituts an der Universität Wien 1886 setzte eine Hochblüte der Orientforschung österreichisch-ungarischer Wissenschaftler ein. Zu den wichtigsten zählten später unter anderem Joseph Freiherr, Hammer Purgstall oder Alois Musil.

Ephesos: Seit 1893

Seit 1893 werden, unter der Leitung des österreichischen Archäologischen Instituts, Grabungen und Forschungen in Ephesos durchgeführt. Deren kunsthistorische Bedeutung ist angesichts der etwa zwei Millionen Besucher pro Jahr auch ein Wirtschaftsfaktor – dementsprechend wird die archäologische Forschung in Ephesos finanziell von Wirtschaftsunternehmen unterstützt.

Unter österreichischen Archäologieprojekten wäre noch der Heroon von Trysa zu erwähnen, eine einzigartige Grabanlage in Lykien, im Südwesten der Türkei, die 1841 vom Gymnasiallehrer Julius August Schönborn entdeckt wurde. Erst 40 Jahre später veranlasste Otto Bendorf mit der Genehmigung der türkischen Behörden, den Transport der ca. 152, ursprünglich bemalten Reliefplatten, nach Wien. Seit 2007 finanziert das Kunsthistorische Museum in Wien ein Projekt zur Untersuchung des Heroons von Trysa.

St. Georgs-Kolleg

Zu den ältesten Einrichtungen Österreichs in der Türkei gehört das St. Georgs-Kolleg: erstmals 1303 urkundlich erwähnt, wurde die Kirche 1882 als Mittelpunkt eines deutschsprachigen Werkes erworben. Es entstand eine Schule für katholische, deutschsprachige Kinder, in die auch Kinder ärmerer Familien aufgenommen und in welche auch ein Waisenhaus integriert wurde. Ein deutscher Lazarist, Herr Conrad Stroever, unterzeichnete im November 1882 den Kaufvertrag für St. Georg. Im Jahre 1889 wurde dann St. Georg von den österreichischen Lazaristen und Barmherzigen Schwestern übernommen, welche es bis heute weiterführen. Die St. Georgs-Schule versteht sich als Schule der Begegnung auf dem Gebiet des Bildungswesens, der Kultur und Religion, der Sprachen und des sozialen Bereiches. Sie gehört zu den besten Bildungsinstitutionen der Türkei und ist für seine AbsolventInnen ein wertvolles Sprungbrett zu den österreichischen und europäischen Hochschulen. Seine Alumni haben eine zentrale Brückenfunktion zwischen der Türkei und Österreich. Das St. Georgs-Krankenhaus ( Sen Jorji Hastanesi) der Barmherzigen Schwestern feiert 2012 sein 140-jähriges Bestehen und bietet seinen über 32.000 PatientInnen im Jahr mit hoher Effizienz professionelle medizinische Leistung gepaart mit der Pflege und Fürsorge christlicher Tradition.

Das Österreichische Kulturforum Istanbul

Eine weitere sehr wichtige Vertretung Österreichs in der Türkei ist das österreichische Kulturforum Istanbul, welches es sich zum Schwerpunkt gesetzt hat, die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu fördern und ein modernes und weltoffenes Österreichbild zu vermitteln. Dies geschieht derzeit mit über hundert Aktivitäten im Jahr. Alleine im Jahr 2012 fanden bereits in neun verschiedenen Städten der Türkei Veranstaltungen statt. Um eine nachhaltige Verankerung in der Türkei sicherzustellen, arbeitet das österreichische Kulturforum mit einer Reihe von türkischen Institutionen und Universitäten zusammen. Die Aktivitäten reichen von Ausstellungen, klassischen Musikkonzerten über Tanz, elektronische Musik, Performance, Installationen bis zu Film, Literatur, wissenschaftlichen Konferenzen und Symposien. An der Universität in Samsun und an der österreichischen Schule St. Georg in Istanbul wurden zwei Österreich-Bibliotheken eingerichtet. Seit 2011 gibt es in Istanbul auch ein Artist-in Residence-Programm des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. 2013 wird das Kulturforum Istanbul sein 50-jähriges Bestehen feiern.

Bosnien-Herzegowina

1879 räumte der Berliner Kongress Österreich-Ungarn das Mandat zur Besetzung und Verwaltung des osmanischen Wilayets Bosnien-Herzegowina ein, welches 1908 annektiert wurde. 1912 wurde daraufhin der Islam nach hanafitischen Ritus in Österreich anerkannt – die Grundlage für die 1978 erfolgte Anerkennung des Islams (und grds. Aller seiner Rechtsschulen) als öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaft und der Islamischen Glaubensgemeinschaft als Vertretung der heute rund 450.000 MuslimInnen in Österreich.

Die 100-Jahrfeier des Islamgesetzes: 29. Juni 2012

Die 100-Jahrfeier des Islamgesetzes fand am 29. Juni 2012 unter Mitwirkung des österreichischen Bundespräsidenten und Außenministers, sowie des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und des Präsidenten des Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) und weiterer Ehrengäste statt. Das in Europa bis dato einzigartige Islamgesetz, welches Status und Rechte der MuslimInnen und das Angebot des Staates zur Kooperation betrifft, ist eine der Grundlagen für das traditionelle und bis heute intensive Engagement Österreichs, im Dialog der Kulturen und Religionen.

Türken und Österreicher: 1. Weltkrieg in Gallipoli als Waffenbrüder

Das Osmanische Reich und das Habsburgerreich waren bis zum 1. Weltkrieg durch eine hohe Zahl an Konsulaten, etwa 40 k.k. Levantepostämter und durch die Österreichische Lloyd, eine der bedeutendsten Reedereien im östlichen Mittelmeer und zahlreiche wirtschaftliche Aktivitäten, aufs engste verbunden. Beide Vielvölkerstaaten kämpften bis zu ihrem Zerfall im 1. Weltkrieg, in Gallipoli als Waffenbrüder. Der österreichische Kriegsmaler Wilhelm Krausz schuf 1916 das älteste Ölbild „Mustafa Kemal“, dem Sieger von Anafartalar, für ein Album.

Mustafa Kemal Atatürk und ÖsterreicherInnen

1923 gründete Mustafa Kemal Atatürk die Republik Türkei. An der Gestaltung des Regierungsviertels der neuen Hauptstadt Ankara wirkten zahlreiche österreichische Architekten, unter ihnen Clemens Holzmeister, mit. Zu Holzmeisters wichtigsten 15 Bauten gehören das Parlament, der Präsidentenpalast, einige Ministerien und Banken sowie das Gebäude der österreichischen Botschaft. Der Bildhauer Heinrich Krippel schuf ein berühmtes Reiterstandbild Atatürks in Samsun. Auch heute sind aktuelle Architektur und Fragen des modernen, energieeffizienten Wohn- und Sozialwohnbaus wichtige Themen im Dialog zwischen Österreich und der Türkei.

Während des 2. Weltkrieges und der Zeit des Nationalsozialismus fanden in der neutralen Türkei zahlreiche deutschsprachige Flüchtlinge, also auch Österreicherinnen und Österreicher vor politischer und antisemitischer Verfolgung Zuflucht. Diese Gruppe der <<haymatloz>> stellte eine bedeutende Zahl an Wissenschaftlern, Professoren und Technikern an den neu gegründeten Universitäten der Türkei, ein; stellvertretend für viele seien hier Margarete Schütte-Lihotzky, Architektin, oder Andreas Tietze, Turkologe, genannt.

Der wirtschaftliche Aufschwung Mitte der 1950er Jahre in Westeuropa führte auch in Österreich zur verstärkten Nachfrage an Arbeitskräften. 1964 wurde das Anwerbeabkommen mit der Türkei unterzeichnet. 2012 leben in Österreich rund 250.000 Personen mit türk. Migrationshintergrund (Geburtsort bzw. Staatsbürgerschaft), die meisten in Wien (mehr als 75.000 Personen) und rangieren damit nach Deutschen und Serben an dritter Stelle. Seit April 2011 gibt es ein Staatssekretariat für Integration, welches zahlreiche Maßnahmen zur Integration und Partizipation von ZuwanderInnen setzt.

 

Rund 4000 türkische Studierende in Österreich fördern den intellektuellen Austausch und profitieren von der Ausbildung zu jungen Fach- und Führungskräften; die von türkischen Zuwanderern gegründeten Klein- und Mittelbetriebe sind längst ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor in Österreich. Die ZuwanderInnen aus der Türkei tragen auch zur kulturellen Vielfalt und zum wirtschaftlichen Erfolg Österreichs bei.

Etwa 500.000 Österreicherinnen und Österreicher verbringen ihren Urlaub jährlich in der Türkei, immer mehr ÖsterreicherInnen wählen Küstenorte im Süden und Westen der Türkei als Zweit- oder Altwohnsitz.

Mit einer der höchsten Wachstumsraten Europas präsentiert sich die Türkei als eine wirtschaftlich erfolgreiche und geopolitisch bedeutsame Schnittstelle zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien. Das macht die Türkei auch für zahlreiche österreichische Unternehmen attraktiv, welche in die Zusammenarbeit mit türkischen Partnern stark intensiviert haben; die Exporte Österreichs in die Türkei überschritten 2011 erstmals die Zwei-Milliarden-USD-Grenze; in den vergangenen Jahren war Österreich aufgrund des Engagements österreichischer Energiekonzerne der größte Auslandsinvestor in der Türkei.

Die traditionell engen politischen Beziehungen spiegeln sich an den bilateralen Staatsbesuchen 2008, 2010 und zuletzt von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer im Juni 2012 in der Türkei sowie in den laufenden Arbeitsbesuchen auf Regierungsebene und interministeriellen Kooperationen wider.

 

Die Zusammenarbeit von Universitäten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Kultureinrichtungen beider Länder, zahlreiche Projekte im Bereich des Dialogs der Kulturen und Religionen, Menschenrechte oder Frauenförderung, zeigen die Notwendigkeit und das Interesse an der Intensivierung der Zusammenarbeit.

Österreich trägt zu den intensiven und erfolgreichen Beziehungen durch seine Botschaft in Ankara, sein Generalkonsulat in Istanbul, zwei Außenwirtschaftszentren, das Kulturforum in Istanbul, durch 10 Honorarkonsulate und ein Büro des österreichischen Rundfunks (ORF) in Istanbul maßgeblich bei – und selbstverständlich durch das Engagement und das Interesse der Bevölkerung beider Länder, sowie der AuslandsösterreicherInnen in der Türkei und türkischen ZuwanderInnen in Österreich.

Österreich und die Türkei, das soll hier deutlich werden, haben aus historischen Gründen und aufgrund gemeinsamer politischer und wirtschaftlicher Interessen ein hohes Potenzial an künftigen Kooperationen. “

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27 01 2017
By: Redaktion 2 0

„Wissen um den Holocaust weitergeben“

In seiner Rede zum heutigen Holocaustgedenktag, am 27. Jänner 2017 am Heldenplatz in Wien, zitierte der Präsident der Israeltischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, den Schriftsteller und Nobelpreisträger Imre Kertész mit den Worten: „Seit Auschwitz ist nichts geschehen, was Auschwitz aufgehoben, was Auschwitz widerlegt hätte“

 

Präsident Deutsch erinnerte an den Beginn der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, die mittels drastischer Maßnahmen wie Berufsverboten, Boykott von Geschäften, der Erlassung der „Nürnberger Gesetze“, Schulverweis jüdischer Kinder, Aufenthaltsbeschränkungen etc. jüdische Familien in die Armut, Isolation und Verzweiflung trieben. Nochmals führte er vor Augen, wozu aufgehetzte Bürger fähig waren, die, verstärkt von Einheiten der SA, SS und Hitlerjugend, in der Nacht von 9. auf 10. November 1938 alleine in Wien 49 Synagogen und Bethäuser zerstörten, 4038 Geschäfte verwüsteten und 27 Juden ermordeten. Von den 6000 verhafteten Juden wurden mehr als die Hälfte nach Dachau deportiert. Das Ausmaß der Gräueltaten, die Dimension der Vernichtungspolitik und das ungeheure Leid der Opfer müsse für immer Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses bleiben, mahnte Oskar Deutsch in seiner Rede.

 

Dass immer mehr Überlebende des Holocaust sterben, hinterlasse eine nicht zu schließende Lücke. Mit Zeitzeugen wie Ari Rath und Leo Luster, die vor kurzem gestorben sind, erinnerte der Präsident der IKG an Menschen, welchen die Weitergabe ihrer Erfahrungen, vor allem auch an die Jugend, von großer Wichtigkeit war. „Es liegt nun in der Verantwortung der nachfolgenden Generationen, sich der Vergangenheit bewusst zu bleiben und dafür zu sorgen, dass mit dem Verlust der Zeitzeugen diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät.Der Holocaust konnte in meinem Werk niemals in der Vergangenheitsform erscheinen.“ Diese Worte drücken nicht nur die unmenschliche Dimension des Verbrechens aus, sondern auch die Unmöglichkeit dieses Verbrechen der Geschichte zu überantworten und zu vergessen.“, so der Appell des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.

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21 11 2016
By: Redaktion 2 0

Buchpräsentation Orient & Okzident- Das neue Buch des „Neue Welt Verlag“

Der Neue Welt Verlag, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die „Türkische Kulturgemeinde in Österreich“(TKG) freuen sich JournalistenInnen und Interessierte begrüßen zu dürfen.

Das Buch Orient & Okzident-Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

EINLADUNG

Datum: 30.11.2016
Mittwoch 18:00 c.t.

Ort: Theatersaal der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Wien I., Sonnenfelsgasse 19

Anmeldung erbeten unter:
office@neueweltverlag.at
oder 0043-1-513 76 15-0

 

Es ist für unseren Neue Welt Verlag in Wien eine große Freude, mit 24 Top-Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen und freischaffenden Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche dieses Buch zu präsentieren.

 

Das Buch „Orient & Okzident – Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren“ ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber des Buches Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

Das Buch thematisiert eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, und verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die darin versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

 

Über die Entstehung der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hinweg führt das Buch durch einen historischen Diskurs, der sämtliche Stationen der Geschichte behandelt.

 

Neue Welt Verlag
Orient&Okzident 
Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten
Hardcover, 770 Seiten mit Bildern
ISBN 9783950306194
€ 49,90

 

PROGRAMM 

Begrüßung

Arnold Suppan

Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Worte des Verlegers
„Ein Traum wird Wirklichkeit“
Birol Kilic
Neue Welt Verlag / Geschäftsführer

 

Vorstellung des Buches
Barbara Haider-Wilson
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
& Maximilian Graf
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation und Diskussionsleitung
Otmar Lahodynsky
President, Association of European Journalists, profil

 

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.“
Prof. Dr. Arnold Suppan,
Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Mehr: http://www.neueweltverlag.at/index.php?id=1252

 

Rückfragen & Kontakt:

Neue Welt Verlag
Mag. Deniz Sel
d.sel@neueweltverlag.at
www.neueweltverlag.at

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09 11 2016
By: Redaktion 2 0

TKG: Gedenken an Novemberpogrome-„Türkischer Tempel“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10.November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkischer Tempel“ -Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge-in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

 

 In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später.“(1)

„Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im

Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia.(2)“

 


Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü

lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des

Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unter

nehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

 

Bibliographie

_________________________

1 -Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 -Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10-Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

12-https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/ (1)

13-(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906).  Dr. Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

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01 10 2013
By: Redaktion 2 0

„Institutioneller Rassismus“

Aus dem Blickwinkel der Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Dr. Melissa Günes, Generalsekretärin der TKG Wien. Die Türkische Gemeinde in Deutschland legt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Untersuchungsausschussberichtes des Deutschen Bundestag einen eigenen Bericht zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sowie der Aufarbeitung der Mordserie auf Bundes- und Landesebene vor.

 

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verfolgt diese traurige Angelegenheit in Deutschland seit Jahren, die sehr viel mit dem kulturellen Rassismus (Neo-Rassismus) zu tun hat und welche man in Deutschland nicht wahr nehmen wollte und nicht wahr nehmen will. Deutschland ist aber totzdem gegen seine eigene verfassungwidrigen Rassismusakte vorbildlich mit diesem Bericht (siehe unten) auf dem richtigen Weg. Der kulturelle Rassismus (Neo-Rassimus) ist leider auch in Österreich in Form von „institutionellem Rassismus“  bzw. „diskreminierendem Rassismus“ aktiv tätig, ohne hier die „Rassismuskeule“ vorzuschieben zu wollen.

 

Bemerkbar macht sich diese Krankheit sowohl in den „Hinterländer“ als auch  in den „Vorderländer“ aller politischer Parteien,wo sie ihre Macht haben und ausüben können unter dem Deckmantel einer camouflage Demokratie und den Stichwörtern sozial, liberal, Solidarität, Volk, Gleicheit, Freiheit etc. Trotz so vieler schmerzlicher Erfahrungen. Diese verfassungsfeindliche Entwicklungen müssen zuerst diagnosziert werden und nicht unter dem Teppich gekehrt werden lassen. Türkische Kulturgemeinde in Österreich warnt alle Parteien, stattliche Unternehmen, Organisationen auf allen Ebenen die das Problem verwässern wollen. Vorsicht!

 

Der Bericht und die daraus geforderten Konsequenzen sollen einen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte um den Neo-Rassismus in Deutschland leisten.

 

Den Bericht der Türkischen Gemeinde in Deutschland zum NSU und die daraus folgenden Konsequenzen können sie hier einsehen:

 

tgd.de/wp-content/uploads/2013/08/20130827_TGD_NSU-Bericht.pdf

Beschlussempfehlung und Bericht
des 2. Untersuchungsausschusses nach Artikel 44 des Grundgesetzes*:

 

www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/ua/2untersuchungsausschuss/Vorl__ufer_Bericht/V

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14 07 2011
By: TKG 0

Auch „Muslime“ beteten für Otto von Habsburg

Ein denkwürdiger und zugleich trauriger Tag in Wien. Tausende Menschen strömten zum Stephansdom um Otto von Habsburg die letzte Ehre zu am 14.11.2011 erweisen. Mit dem Begräbnis des letzten Kaisersohns versank damit die einst einflussreiche Herrscherdynastie in der Kapuzinergruft.  Otto von Habsburgs größter Wunsch war die Einigung dreier Religionen. Der letzte Wunsch des Kaisersohns: Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

von Mercedes Fränzel ( Yeni Vatan Gazetesi/Neue Heimat Zeitung)

Dies konnte im Fernsehen live mit verfolgt werden. Was man jedoch weder in der Zeitung nachlesen, noch im Fernsehen live mit verfolgen konnte, war die am 14. Juli 2011 in der Kapuzinerkirche stattfindende Trauerfeier. Diese fand im engen, familiären Kreis mit fünf Töchtern, zwei Söhnen, zweiundzwanzig Enkelkindern und engen Freunden statt.  Als einziger Moslem ausser  der Großmufti von Sarajevo war der Vertreter der türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Birol Kilic eingeladen.

 

 

Drei Religionen erwiesen dem Kaisersohn die letzte Ehre

Die Vertreter dreier Religionsgemeinschaften versammelten sich, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, für die Otto von Habsburg sein Leben lang eingetreten war. Sein großer Wunsch, verriet uns Dechant Pfarrer Rupprecht, war die Versöhnung des Judentums, Christentums und des Islams. Sowohl für ihn, als auch für seine Gattin Regina, standen niemals die Unterschiede verschiedener Religionen, sondern vielmehr die gemeinsame Basis und die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund, betonte Karl Habsburg-Lothringen . Denn irgendwann, so Dechant Pfarrer Rupprecht, werden auch die scheinbaren Unterschiede zwischen den Religionen, die wir Menschen noch nicht begreifen können, aufgehoben werden.

Der letzte Wunsch des Kaisersohns:  Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

Dem letzten Wunsch des Kaisersohns nachkommend wurden christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen. Durch Gebete, so Dechant Pfarrer Rupprecht, könne man sich oft besser verständigen und zueinander finden als durch gewöhnliche Gespräche.

„Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Die christlichen Gebete wurden von Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky gesprochen, der aus den Paulus-Briefen las. Die Fürbitten wurden von Verwandten der Verstorbenen vorgetragen, gefolgt von einem gemeinsam gebeteten Vaterunser. Weihbischof Stephan Turnovszky schloss mit den Worten: „Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Ein Gedenkgebet nach jüdischer Tradition trug der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, vor.
Die muslimischen Gebete, welche bereits vor hundert Jahren für Kaiser Franz Joseph und seine Familie zu jedem seiner Geburtstage in allen Moscheen gesprochen wurden, trug der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, zum letzten Mal für Otto von Habsburg vor, der sich trotz einer wichtigen Gedenkfeier nur drei Tage zuvor, die Zeit nahm, das Begräbnis seines langjährigen Freundes zu besuchen.


„Ein Mann der Rechtschaffenheit und Courage“ 

Das ökumene, arabische Gebet für die Seelen Otto von Habsburgs und seiner Frau Regina hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei der trauernden Gemeinde. Raisu-l-ulama Mustafa Cerić, Großmufti von Bosnien sagte, es sei ihm, als legitimer Erbe Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauevićs, eine Ehre dessen Beispiel zu folgen und ein aufrichtiges Gebet für den Nachkommen seiner Majestät Otto von Habsburg, dem Sohn Österreich-Ungarns letztem Kaiser zu sprechen, welcher ihn ehrte, indem er ihn als „Mann der Rechtschaffenheit und Courage kennenlernen durfte.

Zwei Bosnier, durch die der Kaisersohn ein langes Leben führen durfte Großmufti Cerić erinnerte an eine Aussage, welche seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg vor einigen Jahren in einem Interview für das Sarajevo Journal „Start“ machte: „Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges war ich in Deutschland. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Ph.D. und ging um einige meiner Dokumente zu holen. Natürlich war zu dieser Zeit Hitler der Regent. Als ich in München nach Hause kam, zu dem Haus meiner Großmutter, trat ein unbekannter Mann zu mir. Er war ein bosnischer Moslem von der deutschen Geheimpolizei, der folgende Worte zu mir sagte: „Seien Sie auf der Hut, wenn Sie hier bleiben sind morgen Sie an der Reihe.“ In der Tat schrieb ich zuweilen für eine der besten Anti-Nazi Zeitungen. Als ich zu dieser Zeit am Nachmittag nach München kam, schüchterte die Gestapo die Redaktionsleitung ein. Sie erwischten den Chefredakteur, der nur wenige Tage später starb. Als sie von der Verbindung zwischen mir und den Zeitungen erfuhren, begann die Suche. Natürlich verließ ich München als ich erfuhr, dass sie hinter mir her waren. Und zum zweiten Mal, zwei Jahre später, rettete ein bosnischer Moslem mein Leben . Sein Name war Ismet Aganovic. Er sagte mir, dass jemand der mir nahestand, mit der Gestapo zusammenarbeitete und von meinen Verbindungen mit Anti-Nazi Zeitungen erzählte. Wenn also keine Bosnier gewesen wären, wäre ich nicht mehr hier“ 

Ich bin stolz auf meine zwei Bosnier, die seiner Kaiserlichen Hoheit Otto von Habsburg halfen, ein langes und produktives Leben zu führen, das dafür sorgte, dass wir uns alle besser und sicherer in dieser verdrießlichen Welt fühlen“, sagte Bosniens Großmufti und betonte wie stolz die Familie seines „teuren Freundes“ sein könne, da sie die Ehre hatten, das Leben eines außergewöhnlichen Mannes zu teilen, dessen Licht der Menschlichkeit nicht nachlassen wird zu scheinen.

„Oh Gott, lass meinen Freund, den Freund Bosniens, den Hüter eines neuen Europas, den Patron einer neuen Welt des Friedens, den Mann aller Zeiten, in Frieden und in Gottes ewig währender Gnade zusammen mit seiner Frau Regina ruhen, Amen!“ Mit diesen letzten, bewegenden Worte schloss Bosniens Großmufti seine Rede.

Karl Habsburg folgt dem Beispiel seines Vaters

Durch die Totengebete sowohl nach jüdischer, christlicher, als auch muslimischer Tradition, wurde außerdem an Otto Habsburgs Eintreten für ein freies und unabhängiges Bosnien- Herzegowina erinnert.  Sie betonten die enge Beziehung, welche Otto von Habsburg zu Lebzeiten zum Judentum und zum Islam hatte.
Auch die Worte des Familienoberhaupts Karl Habsburg über den Islam und das Judentum waren sehr positiv und bar jeglicher Hasstriaden und Vorurteile. Vielmehr waren seine Worte auf das monoloteistische Prinzip bezogen und er betonte ebenfalls, wie wichtig es für seine Eltern war, für das gemeinsame Interesse der Religionen einzutreten. Für sie wäre immer klar gewesen, so Karl Habsburg, dass das Einigende vor dem Trennenden stehe und die verschiedenen Religionen zusammenarbeiten müssen, um sich den Problemen des Atheismus und der Wertelosigkeit zu stellen.

Folgendes ist das Gebet, welches bereits Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauević für seine Majestät Kaiser Franz Joseph I, anlässlich seines Geburtstags vor 100 Jahren in Bosnien vorlas:

„Wir danken dir Allmächtiger Gott, denn du bist alles hörend, denn du bist unseren Bedürfnissen nahe und du nimmst unsere Gebete an. Mögen wir Segenswünsche und Grüße über deinen liebsten und geliebten Boten, seine Familie und seine Gefährten bringen.

Wir alle gehören zu Gott und zu Gotten kehren wir wieder zurück.Unser geliebter Gott, du bist eins und einzigartig in deiner Kraft und deiner Pracht.

Du bist der Einzige, der uns gibt was wir benötigen und niemand kann dies verhindern. Du erhöhst wen du erhöhen möchtest und du gewährst Macht, wem du Macht gewähren möchtest. In deiner Macht liegt alles Gute. Wahrlich, du hast die Macht alles zu vollbringen.

Unser Herr, wir sind deine Büßer und bieten dir unsere aufrichtigen Gebete im Tempel deiner Anwesenheit dar und bitten dich, bei deinen wahren Versprechen, bei deiner Herrlichkeit und Macht, bei deiner grenzenlosen Gnade und wir bitten dich bei deinen gesegneten und heiligen Boten und Propheten die königliche Familie, bekannt für ihre Gerechtigkeit und Objektivität überall und allerorts, die Familie unseres geliebten und großartigen Königs, unsers geliebten Kaisers Franz Joseph I, zu stärken.

Unser geliebter Herr, mit deinem Auge gib Acht auf seine edle Familie und halte ihn und seine Familie fern von allem Übel und Leid.

Unser geliebter Herr, mögen er und seine Familie in deinem Vertrauen, deinem Glück und in deiner Zufriedenheit ruhen, und lasse nicht zu, dass seine Feinde oder Feinde seiner Familie ihnen Schaden zufügen.

Unser geliebter Herr, halte jeden, der einen Gedanken hegt ihm oder seiner edlen Familie zu schaden, von der Tür deiner Gnade fern.Geliebter Herr, hilf und unterstütze unseren erhabenen Kaiser Franz Joseph I und stärke sein Heer. Geliebter Herr, sorge für seine Zufriedenheit und den Schutz und Wohlstand seines Königreichs. Unser Herr, mache ihn erfreut über Dinge, die dich erfreuen, dich zufriedenstellen und öffne ihm den Pfad der Liebe und lass die Liebe für den Schutz seines beständigen Schicksals, durch die Pracht deiner Boten und Propheten in sein Herz eintreten.Allmächtiger Gott, führe uns zusammen, vereinige unsere Herzen und leite unseren Weg zum Pfad des Friedens.Amen! Amen! Amen!Oh du, der du die hörst, die beten. Gepriesen sei Gott, der Herr der Welten. El-fatiha!“

 

 

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15 09 2010
By: Redaktion 2 0

50 Jahre nach den Massakern von Auschwitz, Treblinka und Dachau

Ahmet Özay und Birol Kilic (Deutsch)

 

 

Die türkischen Opfer des Dritten Reichs sind betrübt

 

An der Gedenkfeier, die anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung des nationalsozialistischen Todeslagers Auschwitz durch die Rote Armee veranstaltet wurde, haben neben den 16 Staatspräsidenten auch der deutsche damalige Bundespräsident Roman Herzog teilgenommen.

 

50 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gedenkt man in Veranstaltungen (die bis Juni dauerten) der ca. 6 Millionen Juden, Polen, Russen, Ungarn, Rumänen und Roma und Sinti, die in Konzentrationslager wie Auschwitz, Riga, Buchenwald oder Dachau vernichtet wurden. Heute lassen sich Grabmäler finden, die für die jüdischen, russischen, albanischen und ungarischen Opfer der Konzentrationslager errichtet wurden. Diese ehemaligen Todeslager befinden sich heute innerhalb der Grenzen verschiedener Staaten wie Polen, Frankreich, Österreich und Deutschland.

 

 

Die dem Naziregime zum Opfer gefallenen Türken

 

Die Türken, die in Deutschland leben, sind in den letzten Jahren mit dem wachsenden Neonazi-Terror konfrontiert. Was war aber das Schicksal der Türken in Deutschland im Jahre 1939, als der zweite Weltkrieg ausbrach, und was davor? Das in den Archiven verstaubte Schicksal türkischer Staatsbürger in den Konzentrationslagern unterscheidet sich kaum von jenem der anderen Völker.

 

Theresienstadt war früher eine Garnisonstadt, die unter der österreichisch-ungarischen Kaiserin Maria Theresia gebaut worden ist. Im „Totenbuch“ des Konzentrationslagers Theresienstadt, das heute in der Tschechischen Republik liegt, findet man Todesregistrierungen von zehn Menschen, die den Nachnamen  „Türk“, „Türkel“, „Tuna“ und „Balaban“ getragen haben. Diese Personen wurden in Österreich in Haft genommen und per Zug in das Konzentrationslager transportiert. Es existieren keine detaillierten Hinweise über ihre Identität (Totenbuch Theresienstadt, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Junius Verlag, 1987, Wien). Aber unter den Namen der 17 Länder, deren Bürger in Theresienstadt der Nazidiktatur zum Opfer gefallen sind, wird auch die Türkei erwähnt.

 

 

Ein türkischer Journalist im Konzentrationslager

 

Als das Konzentrationslager Dachau, das sich heute im Bundesland Bayern befindet, am 26. April 1945 durch die englische Armee befreit wurde, waren 86 von den 67.665 im Register eingetragenen Menschen türkische Staatsbürger (Registrierung mit den Datierungen 16.-26. April 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

 

Dr. Emrullah Gün, ein in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest tätiger Journalist, war einer der türkischen Staatsangehörigen, die, mit der Begründung judenfreundlich, aber  bolschewisten- und deutschfeindlich zu sein, in das KZ Dachau eingeliefert wurden. Nach dem Haftbefehl, der von der Gestapo, Hitlers Geheimpolizei, erstellt worden war, war Dr. Gün „einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten“ (Die Übersetzung des Schreibens mit der Nummer R.S.H.IV 3 A 147221, das von der nationalsozialistischen Geheimpolizei Gestapo an das Gefängnis Feldkirch in Österreich geschickt wurde, lautet folgendermaßen: „Dr. Gün Nerin Emrullah, 24 jähriger türkischer Staatsbürger, tätig in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest. Er wurde nach dem Haftbefehl der österreichischen Bundespolizei mit der Nummer IV 3 A 147 221 in Haft genommen, da er einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten ist, der mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hat. Feldkirch 12.4.1945“). Seine Festnahme hatte zum Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen, da er mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hatte (Dr. Emrullah Gün lebt heute in den USA. Es wurde festgestellt, dass er anlässlich einer Jubiläumsfeier zur Befreiung von Dachau durch die Aliierten in den sechziger Jahren einmal nach Deutschland gekommen ist). 13 Tage nach seiner Einlieferung in das KZ wurde er allerdings von englischen Truppen vor dem Tode gerettet. Ein anderer, der wie Dr. Emrullah Gün lebend gerettet wurde, ist der im Jahr 1920 in Istanbul geborene Rüstem Ali, der Gefangene mit der Nummer „84 284“.

 

In den Registern von Dachau sind außerdem auch die in Istanbul geborenen und in Paris und Marseille lebenden Juden Isak Mirzahi und Aleksander Aslan eingetragen. Jedoch nahm das Schicksal von Aleksander Aslan einen anderen Lauf als jenes von Dr. Emrullah Gün. Er wurde am 14. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich eingeliefert (Registrierung aus dem Jahre 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

 

In Mauthausen, wo besonders die russischen, polnischen und jüdischen Gefangenen mit sogenannten Methoden wie „kaltes Bad“, „Muselmann“ und „Herzinfektion“ vernichtet wurden, sind 200.000 Menschen ums Leben gekommen. In Mauthausen,  wo tausende  Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt ermordet wurden, lassen sich in den Registern neben  Aleksander Aslan noch 30 andere türkische Staatsbürger finden (Die Geschichte des KZ Mauthausen, Hans Marsalek, eine Veröffentlichung der österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, Seite 141, 1980 Wien). Nach den heute zur Verfügung stehenden Daten ist das Schicksal dieser Menschen noch immer unbekannt.

 

 

Die Regierung von Vichy und die türkischen Gefangenen

 

Der Naziterror gegenüber den türkischen Staatsbürgern bleibt nicht auf Deutschland und Österreich begrenzt. Die mit Hitler kooperierende Vichy Regierung fing in Frankreich mit einer Menschenjagd an. Von dem KZ „Drancy“ in der Nähe von Paris wurden Menschen mit Zügen nach Auschwitz, Buchenwald und Treblinka transportiert. 1.282 der 67.488 Personen, die von „Drancy“ in die verschiedenen KZ eingeliefert wurden, waren von türkischer Staatsangehörigkeit, was bei 330 Personen durch die Nazibehörden jedoch nicht bestätigt worden war, da es sich um türkische Juden und um aserbaidschanische, tatarische, und usbekische Soldaten handelte, die während ihres Dienstes in der sowjetischen Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren. Herr Mirza Hayit, deutscher Staatsbürger usbekischer Herkunft  und Offizier in den Roten Armee während des zweiten Weltkrieges und selbst auch ehemaliger Kriegsgefangener, vermutet, dass ein Teil dieser Leute sowjetische Muslime gewesen sind. Denn gemäß dem damaligen türkischen Botschafter in Marseille, befanden sich zu dieser Zeit nicht viele Türken in Frankreich.

 

Über das Schicksal dieser 1.282 Menschen existieren keine eindeutigen Hinweise, jedoch vermutet man, dass ihre Leben in den Gaskammern von Auschwitz und Buchenwald ein Ende gefunden haben (Dimension des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 134, 1991 München). Einige Zeilen in einer deutschen Veröffentlichung liefern die einzige Information über das Schicksal der türkischen Juden in Belgien (Dimensionen des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 130, 1991 München). Gemäß diesem Werk werden diese Juden in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1943 verhaftet und mit einem Sonderzug der Nummer 22A in die KZ Buchenwald und Ravensbrück verfrachtet. Über das Ende der in Belgien ansässigen türkischen Juden kann man angesichts der vorhandenen Daten nicht viel sagen.

 

 

Das Rote Kreuz schweigt

 

Als die 16 Präsidenten der westlichen Staaten in Auschwitz zusammenkamen, um der Kriegsopfer zu gedenken, mussten sich die türkischen und türkisch-jüdischen Opfer von Dachau, Mauthausen, Auschwitz und Buchenwald noch immer mit ihrer Einsamkeit in den „Todeslisten“ abfinden.

 

Das Deutsche Rote Kreuz verfügt über ein vollständiges Namenregister der 50 Millionen Kriegsopfer, die entweder während des Krieges ums Leben gekommen oder verschollen sind. Als wir uns an das „Büro für international vermisste Personen vom Roten Kreuz“ gewendet habe, verlangten die Beamten jeweils eine „Ermächtigungsurkunde“ von den Familien der Betroffenen, um die gewünschten Informationen freigeben zu können. Mit diesen Ermächtigungsurkunden ist es möglich über das Schicksal der tausenden namenlosen Opfer Auskunft zu erhalten und zu erfahren, wie und wo Türken und türkische Juden ums Leben gekommen sind. Eine andere Möglichkeit wäre diese Information auf offiziellem Wege zu verlangen wie es auch die anderen Staaten getan haben.

 

 

Die namenlosen Opfer und stillen Helden des Naziterrors

 

Die Länder deren Bürger im Holocaust ums Leben gekommen sind, waren in Auschwitz auf Präsidentschaftsebene vertreten. Von der niederländischen Prinzessin Beatrix bis zu Albaniens Präsident Sali Berisa waren alle Staatsoberhäupter anwesend.

 

Für den Augenblick sieht es so aus, als ob es den Historiken überlassen ist und in den übermenschlichen Bemühungen der türkischen Diplomaten liegt, die Tragödie der tausenden türkischen Opfer und die Rettung der unzähligen türkischen Juden ans Tageslicht zu bringen.

 

Neue Angaben über das Drama der türkischen Juden findet man in einem Brief, der am 19. Mai 1944 von Thomas Rahey, einem ehemaligen Leiter des KZ  „Bergen-Besen“ in Niedersachsen Deutschland, an Prof. Dr. Stanford Shaw, ein Professor an der Universität von Kalifornien, geschrieben wurde. Nach diesem Brief wurden 105 türkisch-jüdische Gefangene am 4. März 1944 nach langen Diskussionen zwischen Adolf Eichmann dem sogenannten „Judenmetzger“ und dem Nazifunktionär Rudolf Kastzner auf freien Fuß gesetzt. Diese Menschen, die nach ihrem Retter die „Kastzner Gruppe“ genannt werden, reisten nach Schweden ein und wurden von der dortigen türkischen Botschaft mit einem Sonderschiff in die Türkei geschickt. Sie kamen am 10. April 1945 in Istanbul an.

 

In einem mit dem Datum 17. Januar 1943 versehenen Brief aus Amsterdam an die türkische Botschaft in Berlin wurde um Hilfe für die türkisch-jüdischen Gefangenen in den Niederlanden gebeten (Die Briefe von Avram Besuse mit dem Datum 22. Juli 1943).

 

Dieser Brief wurde von Avram Besuse, einem 1894 in Istanbul geborenen Teppichverkäufer, in Amsterdam geschrieben. Einem Schreiben der Hamburger Botschaft mit der Datierung 9. März 1943 entnimmt man, dass sich die türkischen Behörden um die Freilassung der 35 in den Niederlanden lebenden türkischen Juden bemühen. Auch nach Ankara richteten sich die Hoffnungen von 16 in Gelibolu, Istanbul, Edirne und Jerusalem geborenen Juden türkischer Herkunft, die entweder aus der türkischen Staatsbürgerschaft ausgetreten waren oder sich zu der Zeit noch in einer unklaren Situation befanden.

 

Gemäß den Noten des Deutschen Außenministeriums mit dem Datum 5. April 1943 und 21. Mai 1943 wird die Rückkehr der türkischen Staatsbürger jüdischer Herkunft aus den Niederlanden in die Türkei toleriert. Gegen die Ausreise einiger Personen in einer von der Hamburger Botschaft erstellten Liste, mit der Begründung, dass sie keine türkischen Staatsangehörige wären, wurde jedoch Einspruch erhoben. Unter den letzteren befanden sich auch Avram Besuse und seine Familie.

 

In höchster Verzweiflung wandte sich Avram Besuse an das türkische Außenministerium und Parlament. Daraufhin wurden ihm und seinen Angehörigen türkische Pässe ausgestellt, welche ihnen die Einreise in die Türkei ermöglichte.

 

 

Der stille Held ist am Leben

 

In diesem Zusammenhang sollte man die übermenschlichen Bemühungen des damaligen türkischen Botschafters Marseilles nicht vergessen. Der heute 85 jährige in Istanbul ansässige Necdet Kent stieg in einen Zug, der türkische Juden in die Konzentrationslager transportieren sollte mit ein und teilte den Behörden mit, er wäre bereit mit seinen Landsleuten in die Gaskammer zu gehen, sollten diese nicht sofort auf freien Fuß gesetzt werden. Daraufhin wurden diese Menschen nach langen Diskussionen, wie in Bergen-Besen, mit einem Sonderbefehl aus Berlin freigelassen. Leider hatte die Geschichte für die türkischen Juden in anderen Teilen Frankreichs kein so glimpfliches Ende. Die 1.282 türkischen Staatsbürger in „Drancy“ wurden in Konzentrationslagen in Osteuropa eingeliefert.

 

Harri Ojalvo von der „500. Jahr Stiftung“, der lange auf diesem Gebiet geforscht hat, bestätigt, dass man nichts mehr von diesen 1.282 Menschen gehört hat und ist davon überzeugt, dass alle ums Leben gekommen sind.

 

Auf der anderen Seite wissen wir, dass am 26. März 1944 32 Juden aus dem KZ „Haidari“ in Griechenland freigelassen wurden, nachdem sich die Türkische Botschaft in Athen eingestaltet hatte. Isak Gerson, einstiger Gefangener im KZ „Haidari“, der heute in Amerika lebt, bestätigt das in einem von ihm persönlich geschriebenen Brief. Nicht nur in Berlin, Hamburg, Marseille, und Athen, sondern auch in Varna, Sofia und Budapest haben sich die türkischen Diplomaten für ihre Landsleute eingesetzt.

 

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11 09 2010
By: Redaktion 2 0

TKG: Allah und Koran sind nicht gegen Darwin und Evolutionstheorie!

Evolutionstheorie, Darwin, Islam und Bildung: Wir wollen, dass alle Kinder in Österreich, die muslimischen Glaubens sind, die vom Bildungsministerium zur Verfügung gestellte biologische Evolutionstheorie lernen. Des Weiteren fordern wir, dass die Kinder nicht in Hinterhöfen von Vertretern von Vereinen, Verbänden oder Religionsgemeinschaften dazu angestiftet werden, die biologische Evolutionstheorie in Frage zu stellen.

 

Zwischen der biologischen Evolutionstheorie und dem islamischen Glauben besteht keine Inkompatibilität, die Idee der Evolution hat einen festen Platz in der islamischen Ideengeschichte. Kurz: Weder Allah noch der Koran sind gegen Darwin und die Evolutionstheorie! Ganz im Gegenteil, sie unterstützen die Wissenschaft, WissenschaftlerInnen, den Verstand und die Vernunft.

Man kann den Koran nur durch Metaphern verstehen, weil wir das Wesen Gottes mit dem menschlichen Verstand nicht erfassen können. Die Begriffe im Koran zur Erschaffung der Menschen sind Metaphern ohne wissenschaftlichen Anspruch, weil der Koran keine Quelle für wissenschaftliche Erkenntnisse ist. Der Verstand wird im Koran als Quelle für wissenschaftliche Erkenntnisse erwähnt und gelobt. Die Evolutionstheorie ist eine Wissenschaftstheorie ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit und steht damit nicht im Widerspruch zum Koran und der islamischen Wissenschaftstheorie.

Wie Gott einen Menschen wirklich erschaffen hat, wissen wir nicht. Das ist für uns Menschen auch nicht möglich. Wir haben nur die Aufgabe, die Werke Gottes als Mensch zu verstehen und zu deuten. Was Darwin gemacht hat, ist genau das: er erklärt, wie er die Zeichen Gottes zu verstehen versucht:

 

 „Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige. Wollen sie denn nicht glauben? (Koran: 21/30)

 

„Gott ist der Schöpfer aller DINGE und ER ist der ERHALTER aller Dinge.“ ( Koran Vers 39/62 

 

Die Evolutionstheorie wurde von dem berühmten muslimischen Philosoph Ibn Miskeveyh’ten, der zwischen 940 und 1030 gelebt hat, schon früher in seinem Buch “El-Fevzül-Asgar“ beschrieben. Hier schreibt er, dass die Evolution der Pflanzen mit einer übermächtigen Kraft Gottes kreiert wurde und sich die Evolutionstheorie über das Wasser und das Tierreich entwickelt hat.

Demnach hat der Philosoph Ibn Miskeveyh’ten die Resultate, die Darwin veröffentlicht hat, schon vor 850 Jahren geschrieben. Vor ihm haben in der griechischen Antike der Philosoph Anaximander (611-547 v.Chr.) nachher Aristo (300 v.Chr.), sowie der römische Philosoph Lucretius darüber geschrieben. Der Koran unterstützt an erster Stelle Verstand, Vernunft und Wissenschaft. Die wissenschaftlichen Vorzüge der Evolutionstheorie stehen nicht im Gegensatz zum auf den Verstand und die Zeit bezogenen Koraninhalt.

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)
Obmann
Dipl.-Ing. Birol Kilic

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05 09 2010
By: Redaktion 2 0

Die Geschichte der türkischen Juden

von Naim Güleryüz Forscher und Präsident  der  „Fünfhundertjahre Stiftung“ (Quintencennial Foundation)

Deutsche Bearbeitung von Birol Kilic

Vorwort

In der Mitternacht vom ersten August auf den zweiten des Jahres 1492, als Columbus mit seiner Flotte sich auf den Weg machte, für eine Entdeckungsreise, die später seine berühmteste sein wird, fuhr er von dem relativ unbekannten Hafen von Palos ab, da die Ausfahrten von Cadiz und Sevilla durch die sephardischen Juden, die durch das Ausweisungsedikt der Königin Isabella und des Königs Ferdinand von Spanien vertrieben worden sind, versperrt waren.

 

Die Juden wurden gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land  unter der Androhung: „Sie wagen ja nicht zurückzukommen…. nicht einmal einen unbefugten  Schritt zurückzutreten, auf welche Art und Weise es auch sei“ zu verlassen. Sie ließen ihr Land, ihr Eigentum, ihre persönlichen Sachen und alles, was ihres war und mit dem sie vertraut  waren, zurück, um ihren Glauben, ihre Tradition, ihr Erbe nicht aufgeben zu müssen.

 

Im fernen Türkisch-Osmanischen Reich reichte ein Herrscher den verfolgten Juden von Spanien, den Sephardim, sofort die Hand zum Willkommensgruß. Es war Sultan Bayazid II.

 

Als wir uns damals an das Jahr 1992 annäherten, an das 500. Jubiläum der Entdeckung des Amerikanischen Kontinents, war die jüdische Diaspora nicht nur mit dem Andenken der Vertreibung , sondern auch mit dem sieben Jahrhunderte langem,  aufblühenden jüdischen Leben unter der moslemischen Herrschaft in Spanien und mit den Empfang der Juden im Osmanischen Reich im Jahre 1492 beschäftigt.

 

Dieser Humanismus ist im Einklang mit der Wohltätigkeit und dem Wohlwollen, die vor allem von der Türkischen Regierung gegenüber den Leuten der verschiedenen Glaubensrichtungen, Kulturen und Hintergründen entgegengebracht wird.  Tatsächlich kann die Türkei als ein Modell für jede Nation, die aus aller Welt Flüchtlinge vor seiner Tür findet, dienen.

 

Im Jahr 1992 werden die türkischen Juden nicht nur den Jahrestag dieses gütigen Willkommens feiern, sondern  auch den bemerkenswerten Geist der Toleranz und der Akzeptanz, der die gesamte jüdische Erfahrung in der Türkei kennzeichnete. Die geplanten Veranstaltungen, Symposien, Konferenzen, Konzerte, Ausstellungen, Filme und Bücher, die Renovierung alter Synagogen usw. werden die Langlebigkeit und die Prosperität der jüdischen Gemeinde in Erinnerung rufen. Als ein Ganzes beabsichtigen die Veranstaltungen den Reichtum und die Sicherheit des Lebens der Juden, die sie im Osmanischen Reich und anschließend in der Türkischen Republik gefunden haben, in dieser mehr als fünfhundert Jahre dauernden friedlichen  Zeitspanne, zu demonstrieren und zu zeigen, dass es tatsächlich nicht unmöglich ist, für die Leute verschiedenen Glaubens unter einer Fahne zu leben.

 

Die Geschichte der Juden in Anatolien hat viele Jahrhunderte vor der Einwanderung der sephardischen Juden angefangen. Die Reste der jüdischen Siedlungen vom 4. Jahrhundert (v. C.) wurden in der ägäischen Region entdeckt. Der Historiker Josephus Flavius berichtet, dass Aristoteles „während seiner Reise durch  Kleinasien jüdische Leute traf, mit denen er einen Meinungsaustausch hatte.”

 

Antike Synagogen-Ruinen wurden in Sardis, in der Nähe von Izmir mit dem Datum von 220 v. C. gefunden. Und Spuren anderer jüdischer Siedlungen wurden in der Nähe von Bursa, im Südosten und entlang des Ägäischen Meeres, des Mittelmeers und an der  Schwarzmeerküste entdeckt.

 

Eine in Ankara gefundene bronzene Säule bestätigt die Rechte, die Kaiser Augustus  den Juden von Kleinasien gewährte.

 

Mit der türkischen Eroberung blühten jüdische Bevölkerungsgruppen in Anatolien auf und florierten weiter. Als die Osmanen 1324 Bursa eroberten und die Stadt zu ihrer Hauptstadt machten, fanden sie hier eine unterdrückte Jüdische Gemeinde. Die Juden empfingen  die Türken als Retter. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis  Etz ha-Hayyim („Der Baum des Lebens“) eine Synagoge zu erbauen, die bis vor 50 Jahren auch in Takt geblieben war.

 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als die Osmanen ihre Hauptstadt in Edirne gründeten, wanderten Juden aus Europa, darunter auch Karaiten, in die Stadt ein.[1] Ebenso fanden Juden, die 1376 aus Ungarn, oder die, die aus  Frankreich von Charles VI im September 1394 vertrieben worden sind, weiters die, die im frühen 15.Jahrhundert  aus Sizilien flüchteten, Zuflucht im Osmanischen Reich. In den 1420ern, flohen die Juden aus Saloniki, damals unter venezianischer Herrschaft, nach Edirne.[2]

 

Die osmanische Gesetzgebung war viel toleranter als die byzantinische. Tatsächlich, beginnend im frühem 15. Jahrhundert, haben die Türken die Einwanderung der Juden  aktiv unterstützt. Ein Brief, der von Rabbi Yitzak Sarfati aus Edirne, zu den jüdischen Gemeinden in Europa geschickt wurde, „lud seine Leute ein, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum leiden, zu verlassen und in der Türkei Sicherheit und Wohlfahrt zu suchen.“[3]

 

Als  Mehmet II., „Der Eroberer“, im Jahre 1453 Istanbul eroberte, begegnete er hier einer unterdrückten romanischen  (byzantinischen) jüdischen Gemeinde, die ihn mit Begeisterung willkommen hieß. Sultan Mehmet II verkündete allen Juden, „sich im besten Lande niederzulassen, jeder neben seinem Feigenbaum, mit Silber und Gold, mit Reichtum und mit den Tieren“.[4]

 

1470 wurden die Juden aus Bayern von Ludwig X. vertrieben und auch sie fanden Zuflucht im Osmanischen Reich.[5]

 

Die  Aufnahme durch Sultan Bayazid II. gab den vertriebenen Sephardim neue Hoffnung. 1492 erteilte der Sultan den Regierungen der Provinzen den Befehl “ zum Eintritt der Juden nicht einzumischen oder denen keine Schwierigkeiten zu verursachen, sondern sie herzlich zu empfangen.“[6]  Nach Bernard Lewis: „Den  Juden wurde nicht nur erlaubt, sich niederzulassen, sondern sie wurden dazu ermutigt, es wurde ihnen dabei geholfen, manchmal wurden sie sogar gezwungen.“

 

Immanual Aboab führte die berühmte Bemerkung auf Bayazid II. zurück, dass „der katholische Monarch fälschlicherweise als weise betrachtet worden sei, weil er durch die Vertreibung der Juden Spanien verarmt und die Türkei bereichert hat.”[7]

 

Die Ankunft der sephardischen Juden änderte die Struktur der Gemeinde und die ursprüngliche Gruppe von romanischen Juden ging in der neuen Gemeinde völlig auf.

 

Über die Jahrhunderte hat sich eine zunehmende Anzahl von europäischen Juden, die der Verfolgung entfliehen wollten,  im Osmanischen Reich niedergelassen. Im Jahr 1537 fanden die Vertriebenen von Apulien (Italien) – nachdem die Stadt unter der Leitung  von Papal gefallen ist – ebenso eine sichere Zuflucht wie die, die 1542 aus Böhmen von König Ferdinand vertrieben worden waren.[8] Im März 1556 schrieb Sultan Suleyman der Prächtige einen Brief an Papst Paul IV, in dem er ihn nach der sofortigen Entlassung von Ancona Marranos fragte, den er als Osmanischen Staatsbürger deklarierte. Der Papst hatte keine andere Alternative als ihn zu entlassen, da das Osmanische Reich damals die Supermacht  war.

 

Im Jahre 1477 waren 1647 jüdische Haushalte in Istanbul. Sie machten 11% aller Haushalte aus. Ein halbes Jahrhundert später wurden 8070 jüdische Häuser in der Stadt aufgelistet.

 

Die Geschichte der Türkischen Juden

 

300 Jahre nach der Vertreibung konkurrierten der Wohlstand und die Kreativität der osmanischen Juden mit denen des Goldenen Zeitalters in Spanien. Vier türkische Städte; nämlich Istanbul, Izmir, Safed und Saloniki wurden die Zentren des Sephardischen Judentums.

 

SEPHARAD

 

Was bedeutet das?
Sepharad ist der hebräische Name von Spanien.

 

Es ist aber eine weniger bekannte Tatsache, dass das Wort Sepharad in den Heiligen Schriften   vorkommt; (Obadiah 1:20) im Sinne einer Region um Sardis herum, wo jüdische Vertriebene nach der Besetzung von Jerusalem von Nebukadnezar deportiert worden waren. Dieser Name wurde später Spanien zugewiesen. Die sog. Sephardim sind die Juden, die 1492 aus Spanien  und später 1496 aus Portugal vertrieben worden sind.

 

Viele Hofphysiker waren Juden: Hakim Yakoub, Joseph und Moshe Hamon, Daniel Fonseca, Gabriel Buenauentura, um nur einige wenige zu nennen.

 

Einer von den meist signifikanten Erfindungen, die die Juden ins Osmanische Reich gebracht haben, war die Druckerpresse. 1493, nur ein Jahr nach der Vertreibung aus Spanien, errichteten David und Samuel ibn Nahmias die erste hebräische Druckerpresse.

 

Osmanische Diplomatie wurde öfters von den Juden ausgeführt. Joseph Nasi, zum Herzog von Naxos ernannt, war der frühere Portugiese Marrano Joao Miques. Ein anderer portugiesischer Marrano[9], Aluaro Mandes, wurde für seine diplomatischen Dienste für den  Sultan, zum Herzog von Mytilene ernannt. Salamon ben Nathan Eskenazi sorgte für die ersten diplomatischen Beziehungen zum Britischen Imperium. Jüdische Frauen wie Dona Gracia Mendes Nasi, „La Seniora”, und Esther Kyra übten beträchtlichen Einfluss am Hof aus.

 

In der freien Atmosphäre des Osmanischen Reiches blühte die jüdische Literatur auf.

 

Joseph Caro übersetzte  „Shulhan Arouh“. Shlomo haLevi Alkabes komponierte  „Lekhah Dodi”; eine Hymne, die den Sabbat willkommen hieß, entsprechend sowohl den sephardischen wie ashkinazischen Ritualen. Jacob Culi fing an, dem berühmten „MeAm Loez” zu schreiben. Rabbi Abraham ben Isaac Assa wurde bekannt als der Vater der Judeo-Spanischen Literatur.

 

Am 27.Oktober im Jahre 1840 erließ Sultan Abdulmecid seinen berühmten Ferman bezüglich  der „Blut Verleumdung Anschuldigung“, in dem er sagte:“…..und aufgrund  der Liebe, die wir für  unsere Untertanen  haben, können wir nicht erlauben, dass die jüdische Nation, deren Unschuldigkeit für die angebliche Verbrechen offensichtlich ist, weiters geplagt und gepeinigt  zu werden wegen den Anschuldigungen, die in der Wahrheit nicht das geringste Fundament haben…..“

 

Nach der osmanischen Tradition, war jede nichtmuslimische Gemeinde verantwortlich für seine eigenen Institutionen, einschließlich der Schulen. Im frühen 19. Jahrhundert hat Abraham de Camondo eine moderne Schule gegründet, „La Escola“. Diese Schule verursachte einen ernsthaften Konflikt zwischen den konservativen und den säkularisierten Rabbis, der nur durch die Intervention von Sultan Abdülaziz 1864 geschlichtet werden  konnte. Im selben Jahr wurde das Werk Takkanot haKehilla („Die Grundsätze der jüdischen Gemeinde“) veröffentlicht, das die Strukturen der Gemeinde definierte. Ein wichtiges Ereignis im Leben der osmanischen Juden war die Abspaltung im 17. Jahrhundert, die von  Sabetay Sevi, einem Pseudomessias, der in Izmir lebte, geführt wurde. Er trat später mit seinen Anhängern zum Islam über.

 

Die Bemühungen um eine Reform des Osmanischen Reiches  haben 1856 zu einer Proklamation von „Hatti Humayun” geführt, die alle osmanischen Bürger, moslemische wie nicht-moslemische, vor dem Gesetz gleichstellte. Als ein Ergebnis fing die Führerschaft der Gemeinde an von religiösen Figuren zu den säkularen Kräften überzugehen. Der Erste Weltkrieg brachte ein Ende des Glanzes des Osmanischen Reiches. An seine Stelle trat die junge türkische Republik. Mustafa Kemal Atatürk wurde als Präsident gewählt; das Kalifat wurde abgeschafft und eine säkulare Verfassung wurde ins Leben gerufen. Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 wurde die Türkei als ein völlig unabhängiger Staat in seinen heutigen Grenzen anerkannt.  Es wurden ihr drei nichtmoslemische, religiöse Gruppen sowie Minderheitenrechte zugestanden und man erlaubte ihnen mit ihren eigenen Schulen, sozialen Institutionen und Fonds weiterzumachen. 1926, am Vorabend der Adaptation des Schweizer Zivilrechts, gab die Jüdische Gemeinde ihren Minderheitenstatus in Fragen des Privatrechts auf.

 

Während der tragischen Tage des Zweiten Weltkrieges gelang es der Türkei seine Neutralität zu bewahren. Schon 1933 forderte Atatürk viele jüdische, prominente Professoren aus Nazi Deutschland auf zu fliehen und sich in der Türkei einzusiedeln. Davor und während der Kriegsjahre leisteten diese Akademiker einen großen Beitrag zur Entwicklung des türkischen Hochschulsystems. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Türkei als ein sicherer Übergang für viele Juden, die dem Horror des Nationalsozialismus zu entkommen versuchten.

 

Während die jüdischen Gemeinden von Griechenland beinahe zur Gänze von Hitler ausgerottet worden sind, sind die türkischen Juden in Sicherheit gewesen. Verschiedene  türkische Diplomaten, Botschafter Behic Erkin und Numan Menemencioglu, die Generalkonsule Fikret Sefik Özdoganci, Bedii Arbel, Selahattin Ulkumen; die Konsule Namik  Kemal Yolga und Necdet Kent, um einige von ihnen zu nennen [10], haben  sich  mit ihrer ganzen Kraft bemüht, die türkischen  Juden vom  Holocaust zu retten und waren  auch  erfolgreich.

 

Salahattin  Ülkümen,  Generalkonsul  in  Rhodos während  der Jahre 1943 und 1944, wurde von  Yad  Vashem als  ein  „Gerechter Gentleman“, als ein „Hassid Umot ha´ Olam“ im  Juni 1990 anerkannt. Die Türkei setzt ihre Bemühungen fort, eine  Zuflucht, ein sicherer Hafen  für alle diejenigen, die vor Dogmatismus, Intoleranz und vor Verfolgung fliehen, zu sein.

 

Die gegenwärtige Größe der jüdischen Gemeinde wird ungefähr auf 26.000 geschätzt. Die größte Mehrheit lebt in Istanbul. Ungefähr 2500 Leute leben in Izmir. Andere kleinere Gruppen sind in Adana, Ankara, Bursa, Canakkale, Iskenderun und in Kirklareli verteilt. Die Sephardische Gruppe macht 96% der Gemeinde aus. Eschkinazis bilden den Rest der Gemeinde. Es gibt ungefähr 100 Karaiten, die die Autorität des Oberrabbiners nicht anerkennen.

 

Die türkischen Juden werden gesetzlich – wie seit vielen Jahrhunderten- von  Hahambasi, dem Oberrabbiner, vertreten. Rav David Asseo, Oberrabbiner seitdem er 1961 gewählt wurde, wird von einem religiösen Beirat -bestehend aus ein Rosh Bet Din und drei Hahamim- unterstützt. Fünfunddreißig Rechtsberater kümmern sich für um die säkularen  Angelegenheiten der Gemeinde und ein Führungskomitee von vierzehn Leuten, mit einem Präsidenten, der aus den Rechtsberatern gewählt wird, beschäftigt sich mit den alltäglichen Problemen.

 

Synagogen werden  als  religiöse Stiftungen (Vakifs) klassifiziert. Es sind  16 Synagogen in Istanbul, die heute noch in Betrieb sind. Es gibt den Gottesdienst an Urlaubsorten nur während des Sommers. Manche davon  sind  sehr alt, insbesondere die Ahrida Synagoge in  Balat, die noch vor dem 15.Jahrhundert zu datieren ist.

 

Hasköy und Kuzguncuk Friedhöfe, die aus dem 15. und  16. Jahrhundert stammen, sind heute noch im Gebrauch.

 

Die meisten jüdischen Kinder besuchen staatliche Schulen oder private türkischsprachige oder  fremdsprachige Schulen, viele sind an den Universitäten inskribiert. Zusätzlich hat die  Gemeinde eine Volksschule für 300 Schüler und eine Unterstufen-Schule für 250 Schüler in Istanbul sowie einen Kindergarten für 140 Kinder in  Izmir.

 

Türkisch und Hebräisch sind die Unterrichtssprachen. Es wird 35 Stunden pro Woche  unterrichtet.

 

Während jüngere Juden Türkisch als ihre Muttersprache sprechen, spricht die ältere Generation zu Hause Französisch oder JudeoSpanisch (Ladino).

 

Eine bewusste Anstrengung wurde aufgebracht, um das Erbe von Ladino zu aufbewahren.

 

Lange Zeit  hatten  die  Juden  ihre eigene Presse. La Buena Esperansa und La Puerta dew Oriente wurden 1843 in Izmir und zehn Jahre später Or Israel in Istanbul  publiziert.

Nur eine Zeitung hat überlebt: Salom (Shalom), eine achtseitige Wochenzeitschrift mit sieben  Seiten auf Türkisch und eine Seite auf  Ladino.

 

Ein Gemeindekalender (Halila) wird  jedes  Jahr vom Oberrabbiner gedruckt und wird  gratis an alle, die ihren Beitrag (Kisba) für Wohltätigkeitsorganisationen gezahlt haben,  verteilt.  Die Gemeinde darf keine Steuern  erheben, aber sie  kann  um  Spenden bitten.

 

Zwei jüdische Krankenhäuser, das eine mit 98 Betten –  Or  haHayim in  Istanbul – und  das andere mit  22  Betten – Karatas Krankenhaus in Izmir – gehören zur Gemeinde.

 

Beide Städte haben Altenheime (Moshav Zekinim) und verschiedene  Wohltätigkeitsorganisationen  um die  Armen, den  Kranken, den bedürftigen Kindern  und  den  Waisenkindern,  zu  helfen.

 

Soziale Klubs mit Bibliotheken, Kultur- und Sportanstalten, Diskotheken stehen  jungen Menschen  zu Verfügung. Hier haben sie die Chance, sich  mit den anderen  zu  treffen.

 

Die  jüdische  Gemeinde ist  heute  natürlich  eine  ganz  kleine Gruppe  in  der  Türkei, wenn wir in Betracht ziehen,  dass von der gesamten Population  99 % Moslems sind und dies mehr als 60 Millionen sind.

 

Aber trotz ihrer geringen  Anzahl  haben  sich  die Juden mit ihren Erfolgen  hervorgetan.

 

Es  sind  zahlreiche  jüdische  Professoren, die an den Universitäten in Istanbul und in  Ankara unterrichten,  und viele türkische Juden sind prominente Leute in  der  Wirtschaft, in der Industrie und in den freiberuflichen Professionen.

 

Die Geschichte der türkischen Juden  – von Naim Güleryüz

 

1992 steht für den  fünfhundertsten  Jahrestag des großzügigen  Empfangs  von  Sephardim aus der  türkischen  Heimat.

 

Türkische Juden fühlten, dass  es  angemessen  und richtig wäre,  eine umfassende Feier in  der  Türkei, in  den  Vereinigten  Staaten und in  Europa in Gang zu setzen.

 

Jüdische Geschichte ist voll von traurigen Ereignissen, die mit Gedenkfeiern und Gedenkdiensten gekennzeichnet sind. Aber nun war da ein wichtiges Ereignis zu feiern.   Zum einen der Jahrestag der Ankunft der sephardischen Juden im Osmanischen Reich und zum zweiten fünfhundert Jahre kontinuierliches, friedliches  Zusammenleben in der  Türkei.

 

Die Fünfhundertjahre Stiftung wurde 1989 von  einer  Gruppe von  113 türkischen Bürgern, von  Moslems und  Juden zugleich, gegründet. Die „Quincentennial“ Stiftung, die in Istanbul gegründet worden ist und auch dort ihren Hauptsitz hat, plant ein dreijähriges, kulturelles und akademisches  Programm in der Türkei und im Ausland, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Mexiko, in Frankreich, England, in Italien und in  Europa.

 

Die Stiftung  fängt mit einem sehr ehrgeizigen  Programm an, das der Bedeutung  des Anlasses gemäß ist. Was ihnen an  der  Anzahl fehlt, haben die türkischen Juden mit  Enthusiasmus und Engagement wettgemacht. Und sie gehen ihrer Vision mit Begeisterung nach.

 

Dieses Programm wurde entworfen, um das vielfältige und  reiche  Erbe der türkischen  Juden einem breiteren  Publikum bekanntzumachen.

 

 

[1] Mark Alan Epstein, „The Ottoman Jewish Communities and their role in

the 15th and 16th centuries“

[2] Joseph Nehama, „Histoire des Israelites de Salonique“

[3] Bernard Lewis, „The Jews of Islam“

[4] Encyclopedia Judaica, Volume 16 page 1532

[5] Avram Galante, „Histoire des Juifs d’lstanbul“, Volume 2

[6] Abraham Danon, in the Review Yossef Daath No. 4

[7] Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de Israel, III Israel“

[8] H. Graetz, „History of the Jews“

[9] Das Wort hat auf spanisch verschiedene Bedeutungen. Es bedeutet u.a. (sowie das Wort Schwein)  auch zum Christentum zwangskonvertierte Jude, der insgeheim seiner eigenen Religion nachgeht. (Anmerkung der Übersetzerin L.A.K. )

[10] Yad Vashem ist die nationale Gedenkstätte in Israel zur Erinnerung an Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten. (Die Anmerkung der Übersetzerin)

10 Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de

Israel, III Israel

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01 09 2010
By: Redaktion 2 0

Christentum, Anatolien und Reisen!

Das Gebiet der heutigen Türkei, besonders ihr asiatischer Teil, Anatolien, war der Schauplatz mehrerer wichtiger Ereignisse in der Geschichte des Alten, wie auch des Neuen Testamentes. Dem 1. Buch Moses zufolge begannen die Kinder Noahs und die Tiere, die Noah in der Arche gerettet hatte, vom Gebirge Ararat aus die Erde wieder zu bevölkern. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen (Apg 11,26). Der Ararat liegt im Osten der Türkei, Haran und Antiochia im Süden, nahe der syrischen Grenze.

Die geographische Lage Anatoliens hat die Geschichte des Landes in außergewöhnlichem Maße beeinflusst. Anatolien ist eine Landbrücke zwischen Osten und Westen, zwischen Norden und Süden, ein Teil des Dreiecks, das Europa, Asien und Afrika miteinander verbindet. Tausend und abertausend Jahre lang wurde Anatolien durch die Völker bereichert, die es durchzogen, und trug zu ihrer Bereicherung bei. Anatolien ist gesegnet mit günstigen geographischen Bedingungen: jahreszeitlichen Schwankungen im Klima mit genug Niederschlag begünstigt, ausreichender Tierwelt, die gutes Fleisch und Fisch liefert sowie genug harten Gesteins wie Quarz, Obsidian und Feuerstein für die Anfertigung von Werkzeugen. Aus diesem Grund spielte sich die Entwicklung des Menschen in der Jungsteinzeit vom reinen Jäger zum Ackerbauern an den Abhängen des Taurus, des Amanus-und Zagros-Gebirges ab, wo die Bedingungen für den Ackerbau eher von Vorteil waren als für Weidewirtschaft. Vielleicht spiegelt sich das Drama dieser revolutionären Entwicklung in der alten Tragödie von Kain, dem Ackersmann und Abel, dem Hirten wider, einer Tragödie, so oft wiederholt, daß sie zur Ballade, Legende und Erzählung der Heiligen Schrift wurde (Gen 4).

Hier in Anatolien entspringen zwei der Flüsse, die den Garten Eden bewässerten. Dem Hazar-See in den Bergen des Taurus, südlich von Elazig, entspringt der Tigris. Der Euphrat entsteht aus den Niederschlägen, die in der Osttürkei niedergehen und sich im Keban-Stausee, westlich von Elazig, sammeln (Gen 2,10-14). Nicht allzu weit von Elazig entfernt, in südlicher Richtung, zwischen den beiden Flüssen, liegt der Ort Harran, von dem aus Abraham mit seiner Familie ins Land Kanaan aufbrach (Gen 12,4).

 

DIE SIEBEN GEMEINDEN DER OFFENBARUNG IN ANATOLIEN

Biblische Quellen:

Ephesos Offb 1,11; 2,1-7; 2,8-1
Smyrna Epheserbrief Apg 18,19-28; 19,1-40
Pergamon Offb 2,12-17
Thyatira Offb 2,18-29
Sardes Offb 3,1-6
Philadelphia Offb 3,7-13
Laodizea Offb 3,14-22; Kol 2,1; 4,13-16

 

ST.JOHANNES

In Anatolien  wurden  schon immer mit Vorlieben die Stätten besucht, an denen die in der Offenbarung des Johannes erwähnten Gemeinden beheimatet waren. Man glaubt im Allgemeinen, daß die Zahl 7 hier einen Symbolcharakter hat und das nicht nur gerade diese sieben Gemeinden der Ermutigung und Ermahnung bedurften. Aber die apokalyptische Botschaft hat gerade diesen Gemeinden einen Stempel des Mysteriösen und Bedeutenden aufgedrückt, dessen Auslegung die Theologen auch heute noch beschäftigt.

Drei der Orte sind noch heute bewohnt: Smyrna (Izmir), Philadelphia (Alasehir) und Thyatira (Akhisar). Bergama liegt unmittelbar neben dem alten Pergamon, Goncali am Fuße des Hügels von Laodizea, und das Dorf Sartmustafa, nicht weit von Sardes. Ephesos, Thyatira und Laodizea werden auch an anderer Stelle im Neuen Testament erwähnt. Von den sieben Orten vermittelt nur Ephesos noch heute dem Besucher den Eindruck einer geschäftigen Metropole zu Beginn des Christentums.

Im Laufe des 1. Jh.n.Chr. wurde im Römischen Reich von allen Bürgern die Verehrung früherer und amtierender Kaiser sowie der Roma, der weiblichen Personifizierung der Stadt Rom, verlangt. Da die meisten der ersten Christen aus dem Judentum kamen und die Juden dem römischen Götterkult nicht zu befolgen brauchten, waren auch die ersten Christen davon ausgenommen. Doch als sich das Christentum unter den Nichtjuden ausbreitete, kam am Ende des ersten Jahrhunderts die Mehrzahl der Christen aus dem Heidentum. Die Religion Jesu hatte sich von der jüdischen Religion getrennt. Als der auf die Nachfolger Jesu ausgeübte Druck, den römischen Götterkult zu befolgen, zunahm, konnten immer mehr Christen der Verfolgung nicht standhalten und kamen von ihrem Glauben ab. Daher vermutet man, daß die Niederschrift der Offenbarung im letzten oder vorletzten Jahr der Herrschaft des Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.) erfolgt sein muss, als Christenverfolgungen in Rom und in den Ostprovinzen recht häufig waren.

 

ST. PAULUS

Die missionarische Reise des heiligen Paulus. Der Zeltmacher: Paulus wurde in Tarsus geboren, das heute in einer der landwirtschaftlich wichtigsten Regionen der Türkei liegt. Als Junge erlernte er den Beruf der Zeltmacher. Während seiner Ausbildung in Jerusalem war er Komplize der Besteiniger Stefans, dem ersten christlichen Märtyrer. Aber später, als er eine Vision durch Jesus erlebte, gab er sich ganz dem Christentum hin.

Als „jüngerer Jesus“, ernannt von Barnabas, arbeitete er in Antiochia (Antakya). Die Menschen die er in Antiochia traf, wurden von seinem Denken beeinflusst. Durch diese Beeinflussung wurden das Interesse an Synagogen und dem Judentum verstärkt. Paul hielt sich an die Regeln der jüdischen Religion. Paulus, der Apostel, pilgerte zu Fuß auf trockenen, staubigen Straßen, mit Pferdewagen und Booten von Antiochia (Antakya) nach Alexandria Troas (Odun Iskelesi), in den mittleren Jahren des 1. Jhs., insgesamt dreimal, auf verschiedenen Routen. Paulus schrieb: „Ich war ständig unterwegs auf den Straßen, habe Gefahren überstanden in Flüssen, Städten, Meeren und auf dem Land. Ich habe schwer und hart gearbeitet, habe gehungert und gedurstet, habe gefastet, habe Kälte überstanden.“ Durch die Lehren Paulus entfaltete sich das Christentum in den westlichen Gebieten des Mittelmeeres. Drei Jahrhunderte später war das Christentum die Hauptreligion Anatoliens.

Der Ararat liegt im Osten der Türkei.. Der Gipfel des Ararat erhebt sich 5137 m über N.N. Er ist höher als alle Berge des Festlandes der USA, mit Ausnahme von Alaska, und höher, als alle Berge Europas, mit Ausnahme des Kaukasus.   Der Ararat ist ein erloschener Vulkan. Zur Zeit ist das oberste Drittel des Berges ständig mit Schnee bedeckt; die letzten hundert Meter vor dem Gipfel sind vereist. Bergsteiger haben einige Zeit nach Sonnenaufgang frisches Wasser aus der Schneeschmelze zur Verfügung bis zum späten Nachmittag, wenn kalte Luft die Wirkung der Sonne aufhebt. Unter der Schneedecke sind die Hänge mit großen Blöcken aus schwarzem Basalt übersät, manche davon so groß wie ein Bauernhaus.   Seit Jahren haben immer wieder Expeditionen den Ararat in der Hoffnung bestiegen, dort Überreste von Noachs Arche zu finden. Sowohl Josephus um 70 n.Chr. wie auch Marco Polo um 1300 n.Chr. erwähnen die Existenz der Arche auf dem Ararat, doch beide stützen sich auf Berichte anderer. Josephus erwähnte, daß ihre Überreste für jeden klar zu sehen seien. In den letzten Jahren haben viele Forschergruppen dort nach ihr gesucht. Die Möglichkeit, daß alte Geschichten auf historische Fakten beruhen könnten, gibt immer wieder neuen Ansporn, und jede Entdeckung eines Wahrheitsgehaltes in bisher angezweifelten Berichten führt zu erneuten Anstrengungen in der Suche nach archäologischer Bestätigung.   Die Geschichte von Noahs Arche, wie sie in der Bibel geschildert wird, geht zurück auf eine frühe babylonische Sage, die im Gilgamesch-Epos aufgezeichnet ist. Der Held der älteren Version war ein gewisser Utnapischtim, ein Liebling des Gottes der Weisheit. Es ist wahrscheinlich, daß die babylonische Sage auf einer ungewöhnlich verheerenden Überschwemmung des Euphrat-Beckens beruht und daß die Arche in dieser Geschichte an einem Abhang des Zagros-Gebirges gestrandet ist. Das biblische Wort, das wir als „Ararat“ lesen, könnte ebenso gut „Urartu“ sein. Auch „Land in weiter Ferne“ oder „ein Ort im Norden“ bedeuten. Der  auf Türkische “ Büyük Agri Dagi“  ist ein grandioser Berg und nicht schwer zu besteigen für jemanden, der körperliche Anstrengung in größeren Höhenlagen gewöhnt ist. Aber es ist doch nicht sehr wahrscheinlich, daß Noachs Arche dort gefunden wird. Trotzdem hält das Interesse am Ararat an. Dadurch werden auch die Leistungen der Archäologen, die uns zu einem besseren Verständnis des Alten Testamentes verhelfen, nicht beeinträchtigt.   Die Besteigung des Ararat ist in drei Tagen möglich , aber vier Tage einzuplanen, wäre sinnvoller, um mehr Zeit für die Erforschung des Gipfels zu nutzen. Die beste Jahreszeit für eine Besteigung ist gegen Ende August.

 

Quelle:

http://www.fertours.com

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08 07 2010
By: Redaktion 2 0

Jüdische Geschichte in Anatolien. Ein weiterer glänzender Stein im Kulturmosaik

In Erinnerung an Nedim Yahya, ein Mitglied der Fünfhundertjahre Stiftung, der am 22. September 1997  gestorben ist.

Bearbeitet von Birol Kilic

 

 

Zur Zeit sollte es jedem klar sein, dass die Türkei ein Hauptpunkt für die drei großen monotheistischen Religionen der Welt, den Islam, das Judentum und das Christentum, ist. Aber da sie ein mehrheitlich moslemisches Land ist, wissen viele Leute heute nichts mehr davon,  inwieweit das Alte Testament in der modernen Türkei verwurzelt ist. Der Berg Ararat  (Agri Dagi), wohin Noah und seine Familie nach der Überflutung geflohen sind, ist im Westen des Landes; in der Nähe von Dogubayazit. Noahs Nachkommen verbreiteten sich in einem großen Teil Anatoliens, und einer von ihnen, der Sohn vom Kanaan, Heth, wird für einen Vorfahren der Hethiter gehalten.

 

Von  Abraham,  dem ersten der hebräischen Patriarchen, glaubt man nach dem Islam, dass er in einer Höhle in der heutigen Stadt Urfa geboren worden ist und ziemlich sicher in Harran im 18. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Diese Höhle war später eine Zuflucht für Jakob, als er versuchte von Esau wegzukommen. Jacobs Brunnen ist heute immer noch da. Sogar der Garten Eden liegt für manche in der Türkei, weil dort Euphrat und Tigris ihren Ursprung haben.

 

Die heutigen großen Religionen wurden meist auf den Grundlagen von früheren, proto-monotheistischen  Glauben gegründet, die seitdem verblasst sind,  aber  dennoch  ihre Spuren hinterlassen haben. Vor viertausend Jahren war die wichtigste Gottheit der Hethiter der Wetter-Gott  Teshub, daraufhin waren den Mond-Gott anbetende Sabians überall an den Orten, wo heute die südöstliche Türkei ist. Ihr Tempel in Harran wurde als der größte in Mesopotamien  betrachtet. Außerdem gab es noch  Mithraists persischer Abstammung, die  den Gott des Lichtes auf den Bergen von  Nemrut, Pergamum und Olympus anbeteten.

 

Jüdische Gemeinden haben seit früheren Zeiten auf die Handelswege in Anatolien einen beträchtlichen Einfluss ausgeübt. Und das obwohl sie in diesem Land und auch in vielen anderen biblischen Siedlungen niemals mehr als eine Minderheitenreligion waren. Die jüdische Bibel (bei den Christen als das Alte Testament bekannt) ist eine Sammlung von Schriften, die ins 10.Jahrhundert v. C. zurückgeht. Sie teilt viele Legenden mit dem Christentum und dem Islam; wie z.B. die Überflutung und das Landen der Arche von Noah auf  dem Gipfel eines Berges (Ararat für Juden und Christen,  Cudi für Moslems).

 

 

Die Söhne von Noah

 

Noah hatte drei Söhne; Ham, Sem und Japhet; laut Genesis 10. Der Letzte hinterließ Nachkommen in Persien, Syrien und im größten Teil des östlichen Anatoliens. Die Nachkommen von Ham reisten entlang der Küste von Nordafrika und in die Region, die zwischen Tigris und Euphrat liegt.

 

Das Enkelkind von Noah, Asshur, war ein Vorfahre der großen Assyrer, die ihr Imperium entlang des Nordens von Tigris (Dicle) gegründet hatten. Ein anderes Enkelkind, Arphaxd, war ein Vorfahre von Abraham. Heth, der Sohn von Kanaan, wird als der Vater von den Hethitern vermutet, die in  Zentralanatolien von 2000 bis 600 vor Christus regiert haben. Zu dieser Zivilisation gibt es zahlreiche Anmerkungen in der Bibel.

 

Die Assyrer besetzten den Norden von Israel 722 v. C. Zwei Jahre später hatte König Sargon über  27.000 Israeliten im Norden von  Mesopotamien  auswandern lassen. Im Jahre 560 vor Christus haben die Babylonier Judäa erobert. Dadurch wurden wieder mehrere Israeliten vertrieben, ins Exil geschickt oder waren „verschwunden”. Als sie sich anstrengten, ihre Identität und ihr Erbe zu bewahren, wurden dies als die Diaspora der Juden bekannt. Manche kehrten zurück, um Jerusalem wieder aufzubauen, während Andere  jüdische Kulturzentren in  der Region Mesopotamien bildeten.

 

Aber die größte Expansion der Diaspora nach der Eroberung durch Alexander den Großen (332-323 v. C.) statt. Die Migration in Palästina wurde dadurch ermutigt. Die Zerstörung von Jerusalem und des Tempels im Jahre 70 (v. C.) verursachte eine weitere Welle. Es wird geglaubt, dass sich im zweiten Jahrhundert vor Christus eine Million Juden in Kleinasien angesiedelt hatten und sich in vielen großen  Handelsstädten verteilten.

 

Die Synagoge von Sardis, ungefähr 50 Meilen von Izmir entfernt, war einst eine der Größten in der Geschichte, gebaut 220 vor Christus und nach der Zerstörung wieder aufgebaut  im dritten Jahrhundert.

 

Die große Halle, die innen großzügig mit Mosaiken geschmückt war, war ein Teil des Bad-Gymnasium Komplexes der Gemeinde. Der Boden und die Wände waren aus Marmor. Obwohl sie später bei einem Erdbeben zerstört wurde, blieb ein großer Teil des faszinierenden Originialbodens erhalten und zieht auch heute viele Touristen  aus der ganzen Welt an. Ein teilweiser Wiederaufbau, der einen hohen Status der Gemeinde zeigt,  wurde in den 1970ern unternommen Ephesus, die alte griechische Stadt, die der Göttin Artemis gewidmet war und schön wiederhergestellt wurde, ist noch immer eines der sieben Weltwunder. Die Stadt war eine wichtige Raststätte während der Zeiten der jüdischen Diaspora von 60 bis 120 vor Christus.

 

Am südlichen Ende der Stadt fließt der Fluss „Meander“. Das Tal dieses Flusses hat den Aufstieg und den Niedergang von sieben großen, historischen Städten sowie Priene, Miletos, Didyma und Aphrodisias miterlebt. Die meisten Synagogen dieser Städte sind noch erhalten.

 

 

Der Regenschirm des Humanismus

 

Seit der Zeit der Osmanen wurde die Türkei mit der religiösen Freiheit in  Zusammenhang gebracht, die den Weg für den heutigen, säkularisierten  Staat der  Türkischen Republik (Gründung 1923 durch ATATÜRK) ebnete. Im 12. Jahrhundert, während des dritten  Kreuzzuges, war der berühmte spanische Philosoph und Schriftsteller Maimonides, ein Jude, der persönliche Physiker des prachtvollen, moslemischen Führers Saladin. Ein Mann, der im Westen für die Übersetzung älterer Bücher über die Astronomie zuständig war, die tausend Jahre später, nachdem sie in Harran geschrieben worden sind, als revolutionär galten. Als die Osmanen Bursa im Jahre 1324 eroberten, fanden sie hier eine unterdrückte jüdische Gemeinde vor, die die Neuankömmlinge als ihre Befreier anerkannten. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis die Etz-ha- Hayyim Synagoge zu erbauen, die bis vor kurzem besucht wurde. Tatsächlich waren die Osmanen den jüdischen Flüchtlingen gegenüber so gastfreundlich, dass im frühen 15. Jahrhundert Rabbi Itzhak Sarfati aus Edirne einen Brief  an die jüdischen Gemeinden in Europa schickte, in dem er sie aufforderte, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum erlitten haben, hinter sich zu lassen und „in der Türkei Sicherheit und  Wohlfahrt  zu suchen“,  als Teil ihres Weges zurück zum Heiligen Land.

 

Im Sommer von 1492, unter der Regierung  des aufgeklärten Sultans Beyazid II., der den Traum hatte aus sein Imperium einen „Regenschirm des Humanismus“ zu machen, nahmen  150.000 Sephardim, die wegen dem Erlass von Königin Isabella und König Ferdinand vor der Wahl zwischen  Tod  oder  Bekehrung  gestanden waren, Zuflucht im Osmanischen Reich. Sie waren offiziell willkommen und ließen sich in Istanbul, Edirne, Bursa und in vielen anderen Städten nieder. Sie bekamen Land, Steuernachlass, Ermutigung und Hilfe von der Regierung. „Der katholische Monarch Ferdinand wurde fälschlicherweise als weise betracht“, sagte Beyazid II., „denn er verarmte sein Land mit der Vertreibung der Juden und bereicherte unseres.“ Diese neuen Bürger gründeten im Jahr 1493 die erste schriftliche Presse und mit den Jahren  wurden berühmte Hofphysiker und Diplomaten Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

 

Zu Beginn des  16. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde in Istanbul  30.000 Leute und  war damit die wichtigste Gemeinde in  Europa. Viele Jahre lang gab es mehr jüdische als moslemische Ärzte in  Istanbul.

 

Im späten 19. Jahrhundert halfen Dr. Isik  Pasa Molho, Admiral im Osmanischen  Heer,  und  Dr. Raphael Dalmediko, ein Offizier, ein Krankenhaus, das „Orahayim”- Krankenhaus mit 98 Betten zu gründen, das heute  noch existiert.

 

Eine von den wichtigsten jüdischen Siedlungen während der Herrschaft ByzanzÂ’ und des Osmanischen Reiches war Balat. Dieser Stadtteil erstreckte sich entlang der oberen Reichweite vom Goldenen  Horn. Viele von den  Leuten, die hier gelebt hatten, waren aus Mazedonien. Während seines goldenen Zeitalters im 18. und 19. Jahrhundert, waren hier sechs Synagogen. Die älteste und berühmteste ist die Synagoge Ahrida, die schon vor der Eroberung von Istanbul  existierte. Sie besitzt einen Altar, der der Arche von Noah nachempfunden ist.

 

Viele jüdische Konfessionen sind auch in Istanbul präsent. Nebst den Sephardim aus Spanien,  gibt es Askinazi Juden, die von der Krim stammen und eine Karaite Minderheit, die eine Festung im Gebiet in der Nähe vom Galata Turm hatte. Im Jahre 1900 zählte die gesamte jüdische Gemeinde  von Istanbul 300.000 Mitglieder.

 

In den 1930ern hatte der revolutionäre, säkularisierte Führer Mustafa Kemal Atatürk viele bekannte jüdische Professoren, die in Deutschland vor der Verfolgung geflohen waren, in die Türkei  eingeladen. Während des Krieges bot die Türkei für viele Leute eine sichere Durchfahrt nach Palästina.

 

Seit den späten 1940ern ist die jüdische Gemeinde der Türkei allerdings beträchtlich geschrumpft. Viele sind nach Israel ausgewandert um es zu unterstützen. Wenn ein Türke nach Israel kommt und den türkischen Juden in Israel einen Besuch erstattet, so ist er ein sehr willkommener Gast.

 

Über 100.000 türkische Juden leben nun in Istanbul. In Ulus gibt es ein großes, modernes Gymnasium. Es gibt sechzehn funktionierende Synagogen. Aus Anlass des 500jährigen Friedens und der Toleranz wurde das Fünfhundertjahre Museum gegründet.  Man feiert dabei  auch die berühmten jüdischen Bürger, die zum reichen Kulturschatz der Türkei beigetragen haben. Die Zeitung  „Shalom“  hat ungefähr 4000 Abonnenten und wird in Türkisch und in  Ladino gedruckt. Sie haben auch eine ausgezeichnete Buchhandlung mit jüdischen Touristenführern und historischen Büchern über die Türkei und die Osmanen.

 

Jüdische Touristen würden einen Spaziergang um den alten Stadtteil Galata genießen, wo auch die Neve Shalom Synagoge ist. Hier finden auch heute noch viele Hochzeiten und Bar Mitzvahs statt.

 

Quelle:

Mersina /Molly Mcanailly Burke

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06 06 2010
By: Redaktion 2 0

Das Geheimnis des siebenten Sterns der türkischen Präsidentschaft ist gelöst: Jüdische Khazars

Wien/Istanbul-Das Ausbleiben der jüdischen Khazars ist nach 900 Jahren in den Kaukasischen Bergen wiederentdeckt worden. Die Khazars werden durch den siebenten Stern ( http://www.tccb.gov.tr/sayfa/cumhurbaskanligi/fors/ ) auf dem Schild auf der türkischen Präsidentschaft repräsentiert.

 

Sie wählten das Judentum, der türkische Stamm der Khazars errichtete ein sehr kraftvolles Königreich. Unterdrückt von den Christen und den aufstrebenden Islam wählten sie das Judentum als Religion. Diese Antwort versteckt sich in den Bergen und auf dem Schild der Präsidentschaft der türkischen Republik. Der siebente Stern repräsentiert die Khazars, die während des 12. Jahrhunderts so plötzlich verschwunden sind. Wohin gingen Hunderttausend jüdische Khazars?

 

Ein französischer Journalist suchte nach seiner Abstammung, Marek Halter hat dabei die Antwort auf das Mysterium an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Dagestan gefunden. In einer etwas anderen Stadt bei Krasnaya Sloboda, kann man türkische Juden finden. Diese Menschen haben türkische Namen und jüdische Familiennamen. Ihre Sprache ist eine Mischung aus türkischem Hebräisch und altem Persisch. Ihre Synagoge gibt einem das Gefühlt einer Moschee, abseits der Religion ist ihr Leben von dem anderer Türken nicht unterschiedlich, in ihren Gewohnheiten und in ihrem Alltag.

 

Die Stadt von Krasnaya Sloboda ist wie eine Stadt in Anatolia. Die Menschen sind im Café, trinken Tee und spielen Backgammon, der einzige Unterschied ist die judische Kopfbedeckung. (BK)

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05 06 2010
By: Redaktion 2 0

Antakya

In der Türkei: ANTAKYA auch ANTIOCHIA wo die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt sind! Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“

 

ANTAKYA auch ANTIOCHIA war eine der berühmtesten und wichtigsten Städte der Antike und des Orients, mit einer Geschichte, die ihr alles geschenkt aber auch alles wieder genommen hat. Im Jahre 300 v. Chr. wurde Antiochia von Seleukos Nikator, dem ersten Herrscher des Seleukiden Reiches gegründet und konnte bald als die Dritte Stadt der Antike zählen –  nach Rom und Alexandria in Ägypten. Auch nach der Besetzung durch die Römer (64 v.Chr.) änderte sich an der Bedeutung nichts. Die Römer bauten prachtvolle Aquädukte und Kanalisationsanlagen; selbst Straßenbeleuchtung war vorhanden.

 

Antakya war der Mittelpunkt von Leben und Handel. Der Fluß Orontes (Asi), der Mitten durch die Stadt fließt, verband Antakya mit dem Mittelmeer und die Karawanenwege mit Persien, Syrien und Indien machten die Stadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Antike. In Antakya wurden die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt (Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“)

 

In byzantinischer Zeit war Antakya dann folgerichtig Bischhofssitz mit gleichen Rechten wie Konstantinopel und Alexandria. Noch heute gibt es in Antakya eine große Gemeinde von Christen, die ihren Gottesdienst auf arabisch halten. Im 6. Jahrhundert dann eine dunkle Zeit, in der Antakya von den sassanidischen Persern geplündert (540) und von Erdbeben zerstört wird. Im Jahre 638 fällt die Stadt in die Hände der Araber, die allerdings Aleppo (Halep) zum regionalen Zentrum machen. Antakya war Grenzstadt im byzantinisch-islamischen Dauerkonflikt. 969 erobern wieder die Byzantiner die Stadt, 1084 fällt die Stadt in die Hände der Seldschuken. Weltgeschichtlich bedeutend wird das Herzogtum Antiochia, welches die Ritter des ersten Kreuzzuges hier 1098 gründeten. Aus dieser Zeit stammt die Fassade der Kirche, in der die ersten Christen zusammenkamen (St. Pierre Felsenkirche). Sonst muss dieser Kreuzfahrerstaat eher kriegerisch als kulturbeflissen gewesen sein: Er war ständig mit Auseinandersetzungen mit Byzantinern, Arabern, Türken und dem armenischen Königreich in Kylikien verwickelt. Einen Bundesgenossen fand es in den berühmten Assassinen. Deshalb nahmen die Mameluken aus Ägypten auch heftige Rache an der Stadt, als sie sie 1268 eroberten. Erst 1517 erstürmten sie die Osmanen, diese behielten sie bis 1918. Doch schon vorher hatte Frankreich und England Interesse an der handelspolitischen Gegend mit der christlichen Minderheit gezeigt. Im Jahre 1916 wurde der Hafen von Alexandretta (Iskenderun) sechsmal bombardiert. 1918 besetzten die Franzosen Antakya und Iskenderun und bekamen beide Städte 1921 als Mandat. Doch gab es eine von den Kemalisten gestützte Widerstandstätigkeit, die langsam die französische Autorität untergrub. 1938 wurde dann der unabhängige Staat Hatay gegründet, der allerdings Aussen- , Währungs- und Zollpolitik mit Syrien teilen sollte. Den Namen Hatay gab Atatürk in Anlehnung an ein hethitisches Fürstentum der Gegend. Nach einem Plebiszit im Jahre 1939 beschloss das Parlament von Hatay, sich der Türkei anzuschliessen. Hatay wurde Provinz mit der Hauptstadt Antakya.

 

Stadtbild

 

Das Stadtbild des heutigen Antakya gliedert sich in zwei Teile, da der Fluss Asi Nehri (Orontes) die Stadt in das alte und das neue Antakya trennt. Der Wasserpegel schwankt in den Winter– und Sommermonaten extrem, da er für die Landwirtschaft im Sommer viel stärker genutzt wird und es im Winter viel mehr regnet. Das ältere Antakya erstreckt sich bergaufwärts (Habibneccar-Berg) und wird an der unteren Seite vom Fluss begrenzt. Über die Brücke gelangt man in das neuere Antakya, wo man sofort auf den zentralen Kreisverkehr trifft, worauf sich eine große Atatürk-Statue befindet, die in keiner türkischen Stadt fehlt. Direkt an dem Kreisverkehr befinden sich das berühmte archäologische Museum (auf das wir später noch eingehen werden), das große Postamt, ein Teil der Stadtverwaltung und das frühere Parlament der Republik Hatay, welches heute als Kino umfunktioniert wurde. Von dem Kreisverkehr geht unter anderem die Atatürk Cad. ab, in der man auf moderne Einkaufsmöglichkeiten trifft, welche teure Boutiquen ebenso einschließt, wie Handyläden und Internetcafés. Das große Viersterne Hotel (Büyük Antakya Oteli) weist den Weg in diese Straße.

Wenn man Erholung sucht, wäre auch der Antakya Stadtpark eine Alternative: prächtige Palmen und Nadelbäume spenden genügend Schatten für Café- und Teehäuser, sowie einen Minigolfplatz. Neben dem Park findet man auch das Sportzentrum, das ebenfalls das Stadtbad beinhaltet, wo auch wir oft Erholung suchen vor dem heißen Sommer. Der Basar von Antakya bildet das Zentrum der Altstadt, wo noch die traditionelle Aufteilung nach Gewerbe vorherrscht. Orientalische Gewürzhändler, Handwerker sowie Gold- und Silberschmiede schaffen eine typische Basar-Atmosphäre. (nicht vergessen, immer handeln!).

 

Interessante Orte

 

Wie schon erwähnt, befindet sich im Stadtzentrum das Archäologische Museum von Antakya. Hier findet man eine beeindruckende Sammlung von Mosaiken, welche alle aus Antakya und Umgebung stammen. Es ist eine der bedeutendsten und besterhaltensten römischen Sammlungen der Welt. Leider bediente sich die französische Mandatsmacht allzu oft aus den historischen Funden ( Herzlichen Dank an dieser Stelle!). In Antakya befinden sich einige christliche Gotteshäuser; darunter drei große: Die bedeutendste davon, die St. Pierre Kirche, ist die älteste Kirche der Welt (vom Vatikan als solche anerkannt!), hier hat einst Petrus gepredigt, welcher die ersten Christen (erst hier wurden die Anhänger von Jesus Christus „Christen“ genannt) in dieser Grottenkirche zum Gebet versammelte. Neben einem restaurierten Altar und einem Brunnen für Weihwasser beinhaltet dieser Gebetsraum auch einen zugeschütteten Fluchttunnel, welcher in der damaligen Zeit auch nötig war. In dieser Kirche werden heute noch Messen abgehalten. Des weiteren sind in Antakya vertreten: Eine katholische Kirche, die leicht zu übersehen ist (,jedoch ein für das Auge sehr entzückendes Leckerbissen darstellt), die orthodoxe Kirche, dessen Tür für interessierte Besucher stets geöffnet ist und eine neu erbaute protestantische kam kürzlich hinzu.

Eine perfekte Aussicht auf Antakya bekommt man, wenn man auf die alte Zitadelle (besteht nur noch aus Ruinen) fährt, die sich auf dem Berg befindet. Hier wird man von einem alten weisen Mann begrüßt, der die Anlage Überwacht und Touristen in Empfang nimmt, man sollte sich nicht wundern, wenn man ein Fernglas angeboten bekommt, um die Aussicht zu geniessen. Ausserdem kann man sich da in einem Gästebuch verewigen.

Die Leute aus Antakya erholen sich in den langen Sommermonaten im ca. 5 km entfernten Harbiye, das mit seinen vielen Wasserquellen die gesamte Stadt Antakya mit Wasser versorgt. Das Felsquellwasser aus Harbiye und die riesigen Lorbeerbäume der Umgebung kühlen dieses Tal auf eine angenehme Temperatur. Nach einer Legende soll hier einst Kleopatra geheiratet haben. Wir selbst sind an manchen Wochenenden auch dort, um zu grillen. Ganz in der Nähe dazu befindet sich ein künstlich angelegter See, der von Nadelbäumen umschlossen ist.

 

Umgebung und Meer

 

Man sollte nicht vergessen, dass Antakya nicht weit vom Meer entfernt liegt. Nach 20 Minuten mit dem Auto gelangt man nach Samandagi. Dieser kleine Ort liegt direkt am Meer, wo die Leute aus Antakya und Umgebung baden. Von hier aus kommt man schnell (5min) nach Cevlik, wo man zuallererst den Titus-Tunnel zu einer kleinen Entdeckungsreise begehen sollte. Auf den Spuren von Kaiser Titus/Vespasian gelangt man durch eine Schlucht und anschließend durch einen dunklen Tunnel ( doch Vorsicht, zeitweise kann man seine eigene Hand nicht vor Augen sehen). Danach verliert sich die Schlucht in den Bergen. Vor dem Tunnel befindet sich eine Felsenbrücke, sowie eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu einer antiken Begräbnisstätte führt. Nach der Rückkehr von der Entdeckungsreise, kann man sich im Meer erfrischen. Im wesentlichen gibt es drei Strände, wo man schwimmen kann: Der Strand direkt an Samandagi, der Strand von Cevlik und die Buchten bei Meydan. Wir bevorzugen Meydan, da es dort Buchten gibt, die nicht einmal die Einheimischen kennen und dieser Strand im Gegensatz zu den beiden erstgenannten immer sauber ist. Doch der Weg dorthin ist sehr beschwerlich wofür man jedoch belohnt wird, denn man wird der einzige Badende sein. Nach Meydan gelangt man wenn man der Landstraße nach Samandagi folgt. Direkt am Ortsschild biegt man nach links, in Richtung Yayladagi ab und folgt der Beschilderung. Diese Bilder sprechen für sich.

 

Verschiedene Gesichter in Antakya

 

Die Bevölkerung in Hatay/Antakya ist extrem heterogen und ist keinesfalls typisch türkisch. Wer genau hinhört wird feststellen, dass in den Strassen, Basars und Dörfern arabisch gesprochen wird. Antakya besteht zum größten Teil aus „arabischen Türken“, die den Aleviten zuzuordnen sind. Antakya besitzt auch über eine beachtliche Gemeinde arabischer Christen , welche Ihre Gottesdienste ebenfalls in arabischer Sprache abhalten und der katholischen und der orthodoxen Kirche zuzuordnen sind. Antakya ist auch Pilgerstätte für viele Christen aus der ganzen Türkei, da hier wie schon erwähnt die erste christliche Gemeinde entstand. Antakya ist ein echtes Beispiel für ein multikulturelles Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen in Frieden, was auch keiner Illusion entspricht, sondern Realität widerspiegelt: Aleviten, Sunniten, griechisch-, syrisch- und armenisch- Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Türken, Araber, „Turkoaraber“ (Was guckst Du?-mässig), Juden … und etwaige Kombinationen aus solchen, dessen Summe die einzigartige Atmosphäre dieser ruhigen Mittelmeer – Stadt an der Südküste der Türkei ihr Antlitz verleihen.

 

Lieber Leser, liebe Leserin, wenn Du selbst aus Antakya (und Umgebung kommst) hoffen wir, dass Du dich in diesem Text wiederfindest. Wenn Du nicht aus Antakya kommst, hoffen wir, dir einen interessanten Einblick unserer Heimatstadt vermittelt zu haben.

 

Quelle:

Euer Askarclub

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03 06 2010
By: Redaktion 2 0

Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge

Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

 

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet2 für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

 

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim3 beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

 

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

 

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

 

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.
In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

 

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos5 und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt. Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

 

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest8 wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

 

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

 

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet10 wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

 

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

Bibliographie

_________________________

1 Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3 Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4 Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5 Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6 Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7 Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8 Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9 Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10 Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11 Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

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13 05 2010
By: Redaktion 0

Austellung: „Die Türken in Wien“ im Judischen Museum

Eine Ausstellung zur Bedeutung der Sefarden in Zentraleuropa und in Wien Vorletzte Woche wurde im jüdischen Museum in Wien die neue Ausstellung. Türken in Wien- Geschichte einer jüdischen Gemeinde eröffnet. Unter Sponsoren und Unterstützer war der Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) mit Obmann Birol Kilic auch dabei. Ausstellung: 12. Mai bis 31. Oktober 2010.

 

 

Wien. Gestern  wurde im jüdischen Museum in Wien die neue Ausstellung „Türken in Wien- Geschichte einer jüdischen Gemeinde“ eröffnet. Zahlreiche Gäste erschienen zu der fröhlichen und historisch eindrucksvollen Veranstaltung, bei der auch eine Musikgruppe mit passender musikalischer Untermalung für gute Stimmung sorgte. Bereits vor 20 Jahren gab es im Rahmen der Museumseröffnung bereits eine vergleichbare Ausstellung zu diesem Thema, wenn auch zunächst nur provisorisch. Im Laufe der Zeit wuchs die antike Sammlung zu einer beachtlichen Größe mit Leihgaben aus der ganzen Welt.

Dank der neuen Ausstellung öffnen sich die Türen des Museums erneut um die Geschichte einer teils unbekannten Gemeinde in Wien, nämlich jene der sefardischen Türken, zu erzählen.“Die wichtigsten Zeugnisse der sefardischer Lebenswelten in Wien wurden durch das NS-Regime im Zuge der Ermordung und Vertreibung der Mitglieder der sefardischen Gemeinde Wiens vernichtet. In der Nacht des Novemberpogroms 1938 stand der große Türkische Tempel in Flammen und wurde samt dem Gemeindearchiv vollständig zerstört.

Damit ging ein wesentlicher Teil jüdischen Lebens in Wien mit einem Schlag zu Ende”, sagte Direktor Karl Albrecht-Weinberger in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung “Die Türken in Wien. Geschichte einer Jüdischen Gemeinde”, bei der zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps – allen voran der Botschafter des Staates Israel, Aviv Shir-On – anwesend waren. Er dankte auch der Vertreterin der Botschaft der Republik Türkei, Çinar Sözer, dem Obmann des St. Georgs-Absolventenvereins Wien.

 

 

Weiterer Dank ging an Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeindein Österreich für die Unterstützung des Ausstellungsprojekts.  Ein gr0ßer Dank ist an  auch an Herrn Ariel Muzicant der Ehrenpräsident der Israilitische Kultusgemeinde in Österreich gegangen. Herr  Muzicant hat aus der persönliche Sammlung sehr wertvolle und geschichtliche wichtige Stücke während der Ausstellung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Weinberger verwies auf eine der ersten Ausstellungen des Museums, die sich kurz nach der Gründung des Museums ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzte und erinnerte an den Aufbau des Museums in den letzten zwei Jahrzehnten. Die damalige Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek, heute Chefkuratorin des Museums und Leiterin des Arbeitsteams der Ausstellung, erläuterte die vielfältigen Zusammenhänge der sefardischen Diaspora in Europa und unterstrich die historische Bedeutung der Entwicklung der sefardischen Gemeinden im europäischen Gesamtzusammenhang.

Das Jahr 1492 war ein Schicksalsjahr in Spanien, als 800 Jahre arabisch-moslemischer Herrschaft durch die endgültige Reconquista beendet wurde, die Juden des Landes verwiesen wurden und Christoph Columbus sich auf eine Reise machte, die zur Entdeckung der neuen Welt führte. Die Ausstellung „Die Türken in Wien“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen eines dieser drei wesentlichen historischen Ereignisse, die das Ende des europäischen Mittelalters markieren, nämlich mit der Vertreibung der Juden aus Spanien, die in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor allem aber im Osmanischen Reich Asyl fanden. Zunächst nach Portugal Geflüchtete verließen die Iberische Halbinsel später in Richtung Holland und Norddeutschland. Mit den osmanischen Eroberungen konnten die Juden spanischer Deszendenz, die sogenannten Sefarden, kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan gründen.

Bereits zur Zeit des Ghettos im Unteren Werd gab es Beziehungen zwischen den wiener und den sefardischen, also den türkischen Juden. Doch erst mit den Friedensverträgen zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genossen die türkischen Juden Freizügigkeit im Habsburger Reich. Nach der Gründung der türkisch-jüdischen Gemeinde in Wien wurde ihr per Patent die Freiheit gottesdienstlicher Religionsausübung zugesichert. Sie hatte ihr Bethaus von Anfang an im zweiten Wiener Gemeindebezirk.1887 wurde schließlich der eindrucksvolle sefardisch-türkische Tempel im maurischen Stil in der Zirkusgasse eingeweiht, in dessen Vorraum man mit den Porträts des Habsburger und des Osmanischen Regenten beiden Majestäten und Ländern die loyale Referenz erwies.

Im November 1938 wurde dieses Juwel Wiener Sakralarchitektur so wie fast alle anderen Synagogen und jüdischen Bethäuser der Stadt zerstört, die Träger dieser Gemeinde in der Folge zu einem großen Teil in den Tod deportiert.Der Grund, warum gerade jetzt wieder eine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet erklärt die Chefkuratorin des jüdischen Museums sei der, dass Istanbul zu dieser Zeit mitunter zu einer der europäischen Kulturhauptstädte zählt. Dies ist ein großes Signal für Europa und die Türkei. Das Thema Migration ist keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts, denn darüber gab es schon immer gesellschaftspolitische Überlegungen. Es gibt immer zwei Seiten von Menschen, die von Migration profitieren können. Zunächst profitieren jene, die in ein neues Land kommen, um sich dort ein Leben aufzubauen. In weiterer Folge profitieren jene davon, die bereits in diesem Land wohnhaft sind.

Sie erkennen den Mehrwert von Migration und genau dies sei auch der Hintergrund für die Themenwahl der Ausstellung. Zu sehen gibt es zum Beispiel Friedensverträge zwischen den Habsburgern und dem osmanischen Reich, zwei Giganten die voneinander profitierten. Es kam zu einem Handels- und kulturellem Austausch und somit zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.Im 18. Jahrhundert lebten rund 20 sefardische Juden in Wien. Sie führten bereits Handelsbeziehung sowohl im Inland, als auch im Ausland in der Türkei. Gehandelt wurde mit Baumwolle, Schwarzwurzeln, Kupfer, Zucker, Kaffee, Zwiebeln und „türkischem Zeugs“, wie Tabak und Pfeifen.

Durch den großen Erfolg des Handels wurden aus den 20 Gemeindemitgliedern schnell über 200 sefardische Juden in Wien und die Gemeinde wuchs und wuchs. Sie kamen aus Konstantinopel, Mazedonien, Bukarest und zahlreichen weiteren Destinationen. Die sefardischen Juden Wiens waren in vielfacher Weise Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa. Diese Mittlerrolle spielten sie einerseits als Händler und Kaufleute, die Wolle und Baumwolle, Seide und Tabak, Zucker und Gewürze in den Westen importierten. Auch ihre Rolle als aktive Exponenten der österreichischen Post in Konstantinopel und der Levante, des österreichischen Lloyd und des Orient Express, wird in der Ausstellung „Die Türken in Wien“ beleuchtet. Diese Vermittlerrolle spielten die sefardischen Türken aber auch auf kulturellem Gebiet. Sie richteten in Konstantinopel die erste Druckerei überhaupt ein und in Wien eine sefardische Presse.

Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der rabbinischen Tradition gingen von sefardischen Juden aus. Die reiche, mittelalterliche spanisch-jüdische Poesie wurde weiter tradiert und übersetzt und es waren die Sefarden, die die Entwicklung der jüdischen Mystik vorantrieben. Sie waren es vor allem, die die arabische Philosophie und Medizin für die westliche Welt erfahrbar machte. Die Ausstellung „Türken in Wien“ zeigt die aufblühende Entwicklung der sefardischen Gemeinde und präsentiert interessante Fotodokumentationen. Aufgrund dieser historischen Fotos konnten zahlreiche Dinge aus dem türkischen Tempel in der Zirkusgasse identifiziert werden. Zahlreiche Mäntel, wo die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen deutlich zu sehen ist und andere Textilien, wie Teppiche und Wandbehänge können in der Ausstellung bewundert werden.Die Geschichte der türkisch. sefardischen Gemeinde.

Die Gründung der türkisch-sefardischen Gemeinde im Jahr 1735 soll auf den sagenumwobenen Diego de Aguilar zurückgehen. Er wurde von Karl VI. nach Wien berufen, um das österreichische Tabakgefälle zu reorganisieren. Die schriftlichen Niederschläge, die sein Aufenthalt in bürokratischen Kommentaren fanden, weisen deutlich auf die ambivalente Haltung der habsburgischen Administration Juden gegenüber hin: im Allgemeinen war man ablehnend, wenn man wirtschaftlichen Nutzen erwarten konnte jedoch im Einzelnen tolerant. 1778 trat eine verbindliche Regulation für die türkisch-israelitische Gemeinde in Kraft. Im Vordergrund des behördlichen Interesses standen auch hier Finanzgebarung und Finanzkraft der Gemeinde.

Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde” ist von 12. Mai bis 31. Oktober 2010 im Jüdischen Museum Wien (1., Dorotheergasse 11) zu sehen. Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum ist von Sonntag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 / 4,- Euro ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme: Telefon: 01 535 04 31-130, 131 bzw. kids.school@jmw.at. Weitere Informationen unter www.jmw.at

Zahlreiche Gäste erschienen zu der fröhlichen und historisch eindrucksvollen Veranstaltung, bei der auch eine Musikgruppe mit passender musikalischer Untermalung für gute Stimmung sorgte. Geschichte einer jüdischen Gemeinde ist von 12. Mai bis 31. Oktober 2010 im Jüdischen Museum Wien (1., Dorotheergasse 11) war zu sehen. Unter Sponsoren und Unterstützer war der Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) auch dabei.

Bereits vor 20 Jahren gab es im Rahmen der Museumseröffnung bereits eine vergleichbare Ausstellung zu diesem Thema, wenn auch zunächst nur provisorisch. Im Laufe der Zeit wuchs die antike Sammlung zu einer beachtlichen Größe mit Leihgaben aus der ganzen Welt. Dank der neuen Ausstellung öffnen sich die Türen des Museums erneut um die Geschichte einer teils unbekannten Gemeinde in Wien, nämlich jene der sefardischen Türken, zu erzählen.

Die wichtigsten Zeugnisse der sefardischer Lebenswelten in Wien wurden durch das NS-Regime im Zuge der Ermordung und Vertreibung der Mitglieder der sefardischen Gemeinde Wiens vernichtet. In der Nacht des Novemberpogroms 1938 stand der große Türkische Tempel in Flammen und wurde samt dem Gemeindearchiv vollständig zerstört.

Damit ging ein wesentlicher Teil jüdischen Lebens in Wien mit einem Schlag zu Ende?, sagte Direktor Karl Albrecht-Weinberger in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung „Die Türken in Wien“. Geschichte einer Jüdischen Gemeinde?, bei der zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps – allen voran der Botschafter des Staates Israel, Aviv Shir-On – anwesend waren. Er dankte auch der Vertreterin der Botschaft der Republik Türkei, an Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich und Çinar Sözer, dem Obmann des St. Georgs-Absolventenvereins Wien für die Unterstützung des Ausstellungsprojekts.

Weinberger verwies auf eine der ersten Ausstellungen des Museums, die sich kurz nach der Gründung des Museums ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzte und erinnerte an den Aufbau des Museums in den letzten zwei Jahrzehnten. Die damalige Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek, heute Chefkuratorin des Museums und Leiterin des Arbeitsteams der Ausstellung, erläuterte die vielfältigen Zusammenhänge der sefardischen Diaspora in Europa und unterstrich die historische Bedeutung der Entwicklung der sefardischen Gemeinden im europäischen Gesamtzusammenhang.

Das Jahr 1492 war ein Schicksalsjahr in Spanien, als 800 Jahre arabisch-moslemischer Herrschaft durch die endgültige Reconquista beendet wurde, die Juden des Landes verwiesen wurden und Christoph Columbus sich auf eine Reise machte, die zur Entdeckung der neuen Welt führte. Die Ausstellung ?Die Türken in Wien? beschäftigt sich mit den Auswirkungen eines dieser drei wesentlichen historischen Ereignisse, die das Ende des europäischen Mittelalters markieren, nämlich mit der Vertreibung der Juden aus Spanien, die in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor allem aber im Osmanischen Reich Asyl fanden. Zunächst nach Portugal Geflüchtete verließen die Iberische Halbinsel später in Richtung Holland und Norddeutschland. Mit den osmanischen Eroberungen konnten die Juden spanischer Deszendenz, die sogenannten Sefarden, kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan gründen. Bereits zur Zeit des Ghettos im Unteren Werd gab es Beziehungen zwischen den wiener und den sefardischen, also den türkischen Juden. Doch erst mit den Friedensverträgen zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genossen die türkischen Juden Freizügigkeit im Habsburger Reich. Nach der Gründung der türkisch-jüdischen Gemeinde in Wien wurde ihr per Patent die Freiheit gottesdienstlicher Religionsausübung zugesichert. Sie hatte ihr Bethaus von Anfang an im zweiten Wiener Gemeindebezirk.

1887 wurde schließlich der eindrucksvolle sefardisch-türkische Tempel im maurischen Stil in der Zirkusgasse eingeweiht, in dessen Vorraum man mit den Porträts des Habsburger und des Osmanischen Regenten beiden Majestäten und Ländern die loyale Referenz erwies. Im November 1938 wurde dieses Juwel Wiener Sakralarchitektur so wie fast alle anderen Synagogen und jüdischen Bethäuser der Stadt zerstört, die Träger dieser Gemeinde in der Folge zu einem großen Teil in den Tod deportiert.

Der Grund, warum gerade jetzt wieder eine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet erklärt die Chefkuratorin des jüdischen Museums sei der, dass Istanbul zu dieser Zeit mitunter zu einer der europäischen Kulturhauptstädte zählt. Dies ist ein großes Signal für Europa und die Türkei. Das Thema Migration ist keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts, denn darüber gab es schon immer gesellschaftspolitische Überlegungen. Es gibt immer zwei Seiten von Menschen, die von Migration profitieren können. Zunächst profitieren jene, die in ein neues Land kommen, um sich dort ein Leben aufzubauen. In weiterer Folge profitieren jene davon, die bereits in diesem Land wohnhaft sind. Sie erkennen den Mehrwert von Migration und genau dies sei auch der Hintergrund für die Themenwahl der Ausstellung. Zu sehen gibt es zum Beispiel Friedensverträge zwischen den Habsburgern und dem osmanischen Reich, zwei Giganten die voneinander profitierten. Es kam zu einem Handels- und kulturellem Austausch und somit zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Im 18. Jahrhundert lebten rund 20 sefardische Juden in Wien. Sie führten bereits Handelsbeziehung sowohl im Inland, als auch im Ausland in der Türkei. Gehandelt wurde mit Baumwolle, Schwarzwurzeln, Kupfer, Zucker, Kaffee, Zwiebeln und ?türkischem Zeugs?, wie Tabak und Pfeifen.

Durch den großen Erfolg des Handels wurden aus den 20 Gemeindemitgliedern schnell über 200 sefardische Juden in Wien und die Gemeinde wuchs und wuchs. Sie kamen aus Konstantinopel, Mazedonien, Bukarest und zahlreichen weiteren Destinationen.

Die sefardischen Juden Wiens waren in vielfacher Weise Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa. Diese Mittlerrolle spielten sie einerseits als Händler und Kaufleute, die Wolle und Baumwolle, Seide und Tabak, Zucker und Gewürze in den Westen importierten. Auch ihre Rolle als aktive Exponenten der österreichischen Post in Konstantinopel und der Levante, des österreichischen Lloyd und des Orient Express, wird in der Ausstellung ?Die Türken in Wien? beleuchtet. Diese Vermittlerrolle spielten die sefardischen Türken aber auch auf kulturellem Gebiet. Sie richteten in Konstantinopel die erste Druckerei überhaupt ein und in Wien eine sefardische Presse. Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der rabbinischen Tradition gingen von sefardischen Juden aus. Die reiche, mittelalterliche spanisch-jüdische Poesie wurde weiter tradiert und übersetzt und es waren die Sefarden, die die Entwicklung der jüdischen Mystik vorantrieben. Sie waren es vor allem, die die arabische Philosophie und Medizin für die westliche Welt erfahrbar machte.

Die Ausstellung ?Türken in Wien? zeigt die aufblühende Entwicklung der sefardischen Gemeinde und präsentiert interessante Fotodokumentationen. Aufgrund dieser historischen Fotos konnten zahlreiche Dinge aus dem türkischen Tempel in der Zirkusgasse identifiziert werden. Zahlreiche Mäntel, wo die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen deutlich zu sehen ist und andere Textilien, wie Teppiche und Wandbehänge können in der Ausstellung bewundert werden.

Die Geschichte der türkisch.
sefardischen Gemeinde.

Die Gründung der türkisch-sefardischen Gemeinde im Jahr 1735 soll auf den sagenumwobenen Diego de Aguilar zurückgehen. Er wurde von Karl VI. nach Wien berufen, um das österreichische Tabakgefälle zu reorganisieren. Die schriftlichen Niederschläge, die sein Aufenthalt in bürokratischen Kommentaren fanden, weisen deutlich auf die ambivalente Haltung der habsburgischen Administration Juden gegenüber hin: im Allgemeinen war man ablehnend, wenn man wirtschaftlichen Nutzen erwarten konnte jedoch im Einzelnen tolerant. 1778 trat eine verbindliche Regulation für die türkisch-israelitische Gemeinde in Kraft. Im Vordergrund des behördlichen Interesses standen auch hier Finanzgebarung und Finanzkraft der Gemeinde. Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde ist von 12. Mai bis 31. Oktober 2010 im Jüdischen Museum Wien (1., Dorotheergasse 11) zu sehen. Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum ist von Sonntag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 / 4,- Euro ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme:

Telefon: 01 535 04 31-130, 131 bzw. kids.school@jmw.at.

http://wiev1.orf.at/stories/442221

Die Geschichte der türkischen Juden

https://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/05/26017.html

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05 05 2010
By: Redaktion 2 0

Dokumentarfilm: „Hoffnungslose Stunden“

Die wenig bekannte Geschichte der Türkei und des Holocaust

 

Desperate Hours ist ein 60-minütiger Dokumentarfilm, der von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit The Berenbaum Group und Shenandoah Films realisiert wurde. Der Film erzählt die Geschichte von zwei alten Völkern – den Türken und den Juden Â- deren Wege sich seit Hunderten von Jahren miteinander kreuzen. Der Fokus des Films liegt in der wenig bekannten Geschichte der Türkei und des Holocaust, welche durch Gespräche mit den Überlebenden, ehemaligen Diplomaten, und den Geistlichen in Israel, Italien, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika erzählt wird. Durch den Film wird den Zuschauern nahe gebracht, welce Rolle die Türkei, welche ein neutrales Land war, bei der Rettung der Juden während des Holocaust spielte.

 

Regisseur und Produzent: Victoria Barrett

Produktionsleiter, Historiker und Drehbuchautor: Michael Berenbaum

Vorgestellt von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit

The Berenbaum Group und Shenandoah Films

 

 

Ein Lehrerführer für Oberschulen

The Rodgers Center für die Holocaustlehre

und

Schulische Bildung

Chapman University

Orange, California

Vorbereitet von

Elyse Froehlich, Lehrer, Oakridge Schule

und

Jan Osborn, School of Education, Chapman University

In „Hoffnungslose Stunden” werden manche einen sicheren Himmel finden.

 

Der Film vermittelt, welche Bemühungen viele unbekannte Helden, die das Leben von tausenden Juden gerettet haben, unternommen haben. Die Dokumentation erzählt einerseits die Geschichte derer, die durch die Rettung der Juden als großes Beispiel vorangegangen sind. Andererseits wird aber auch die traurige Geschichte von hunderten unschuldigen Menschen erzählt, die sich auf dem Frachter „Struma“ befanden, als dieser von den Torpedos der russischen Marine vor den Toren Istanbuls am Schwarzen Meer versenkt wurde.

 

Der Film wurde in vier Hauptteile geteilt:

  • Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung – und diejenigen mit jüdischer Abstammung sowie politische Dissidenten, die der Unterdrückung des Nazi-Deutschland entflohen waren.
  • Die Bemühungen der türkischen Diplomaten, die in Frankreich und Rhodos versuchten, das Leben der Juden zu retten.
  • Die Versenkung des Flüchtlingsfrachters „Struma”
  • Die Aktion der römisch-katholischen Kirche durch Erzbischof Roncalli (späterer Papst Johannes XXIII.) – und die Veränderungen in der Politik der katholischen Erziehung gegenüber den Juden.

 

 

Hoffnungslose Stunden

 

I. Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung, die von der Unterdrückung des Nazi-Deutschland geflüchtet sind.

 

A. Ein historischer Überblick: Flüchtlinge helfen eine Nation zu gründen.

 

Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der modernen türkischen Republik, leitete sein Land durch Gewährung des Asyl Status zu dem aus dem Nazi Deutschland fliehenden Akademiker. Motiviert durch das Verlangen der Modernisierung ihrer Gesellschaft, begrüßten türkische Führer jüdischer Professoren und Wissenschaftler, einschließlich jener, die jüdischer Herkunft mit christlichem Glauben waren. Ungefähr 200 Menschen wurden in das türkische Bildungssystem integriert. Darüber hinaus genossen die türkischen Juden Gleichstellung vor dem Gesetz, weil das türkische Grundgesetz die Diskriminierung der Bürger wegen des Glaubens verbietet. Die Ironie in dieser Sache war, dass Atatürk die jüdischen Professoren und diejenigen mit jüdischer Abstammung deshalb herzlich begrüßte, weil er sie als die Agenten der Modernisierung und Westernisierung, als Agenten der Veränderung betrachtet hatte. Aber genau aus diesem Grund wurden sie von den Nazis in Deutschland verfolgt.

Während Mustafa Kemal Atatürk die irischen Gelehrten und Professoren in seinem Land herzlich begrüßt hatte, haben andere Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika, wenig getan, um den von den Nazis verfolgten jüdischen Opfern Asyl zu gewähren.

Die Beziehungen zwischen den Flüchtlingen und den Asyl-Gewährenden waren von Anfang an sehr herzlich. Die Flüchtlinge tauchten unverzüglich in eine neue moderne Kultur, die der eigenen europäischen Art des Lebens glich.

Die jüdischen Flüchtlinge haben eine Gesellschaft gefunden, die seit Jahrhunderten die Juden als einen integrierten Teil ihrer Gesellschaft akzeptiert. Im Jahr 1492 lud der osmanisch-türkische Sultan Bayezit II. alle Juden zu sich ein, die von der Verurteilung der spanischen Unterdrückung mit dem Namen ”reconquista” der Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon geflohen waren. Aus diesem Grunde fanden diese Flüchtlinge ein gesundes jüdisches Gemeindeleben in der Türkei.

 

 

II. Türkische Diplomaten in Frankreich und Rhodos arbeiten, um das Leben der türkischen Juden zu retten.

 

A. Historischer Überblick: Die Taten des Gewissens

 

Wenn man mit ethischen Situationen konfrontiert wird, welche die Taten von großem Ausmaß benötigen, ist die allgemeine Reaktion dazu, dass es sehr wenige Möglichkeiten gibt, die eine einzige Person unternehmen kann, dass die Unternehmungen einer einzigen Person zu bedeutungslos wären um eine Wirkung zu zeigen. Trotzdem zeigten türkische Diplomaten während des Zweiten Weltkriegs, dass die einzelnen Personen auch große Wirkung zeigen können. Die türkischen Diplomaten, die mit oder ohne Zustimmung der Regierung der Türkei handelten, retteten das Leben vieler ihrer Landsleute, die in Frankreich in Griechenland und in anderen Teilen Europas lebten.

In den von den Deutschen besetzten Teilen Frankreichs und in Vichy Frankreich, welches nicht von Deutschen besetzt war, jedoch von einer Deutschen untergeordneten Regierung geführt war, verlangten die türkischen Diplomaten in ihrer Politik die volle Anerkennung der Staatsangehörigkeit der türkischen Juden außerhalb der Türkei sowie in der Türkei ohne einen Unterschied zu machen ob sie Juden, Muslime oder Christen sind. Für die türkischen Juden, die in den von den deutschen besetzen Ländern lebten, erwies die türkische Staatsangehörigkeit die Rettung der Leben vieler türkischen Juden in den Kriegsjahren. 1943 verlangten die Nazi-Behörden, dass die neutralen Länder inländische Landsleute aus den besetzten Gebieten evakuieren sollten, sonst würden sie in Konzentrationslager deportiert werden. In dieser hoffnungslosen Situation handelten viele türkische Diplomaten mit Standfestigkeit und Mut bei der Rettung der ca. 2000 türkischen Juden. Ein exemplarischer Akt des Intervenierens war die Fahrt eines türkischen Diplomaten mit einem Zug, der auf dem Weg zu einem Konzentrationslager war. Er weigerte sich, ohne die Juden mit türkischer Staatsangehörigkeit aus diesem Zug auszusteigen.

Die türkischen Diplomaten waren bereit, ihre Positionen auszunutzen um humanitäre Hilfe zu leisten. Deren Tapferkeit konnte die Exterminierung der Juden nicht aufhalten, retteten jedoch Tausende, die vor einem sicheren Tod gestanden haben. Weil sie von ihrer Regierung so beauftragt wurden, beharrten sie auf ihrem Auftrag ihre Landsleute ohne Diskriminierung zu schützen, ohne ihren Vorgesetzten in der Regierung in Ankara zu konsultieren.

In dem wir tun, was wir können, auch wenn unsere Taten nicht signifikant sein mögen, können wir dennoch einen Einfluss auf die Gesellschaft haben. By doing what we can, even when our actions may seem insignificant, we too can have an impact on society. Wenn wir uns mit anderen zusammenschließen, um positive/ gute Taten zu vollbringen, wird unser Einfluss steigen und entscheidende Veränderungen im Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft können ermöglicht werden.

 

 

III. Das Versinken des Flüchtlingsschiffes „Struma“ (The sinking of the Struma refugee ship)

 

Die Staatsgesetze und Bürgerrechte können Menschen helfen, sogar soweit, dass sie Leben retten können. Das Konzept eines ethisch-humanitären Verhaltens kann sowohl die Handlungen des Einzelnen als auch die der Institutionen formen. Das Versinken der SS Struma lässt ernsthafte Fragen über Ethik, Bürgerrechte, Staatsgesetze und (äußerstes) Verantwortungsbewusstsein entstehen.

In den 30er Jahren wurde die Situation der Juden in vielen Teilen Europas immer aussichtsloser. Viele versuchten, aus ihrer Heimat in judenfreundlichere Nationen zu fliehen. Palästina stellte hierbei eine offensichtliche Möglichkeit dar, da man hoffte aufgrund der Vielzahl an jüdischen Einwanderern hier einen jüdischen Staat gründen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war Palästina unter der Herrschaft von Großbritannien. Beunruhigt durch eine mögliche Antipathie der Araber, formulierten 1939 britische Beamte ein Weißes Papier, das die Zahl an jüdischen Einwanderern auf 10.000 pro Jahr beschränkte. Aufgrund dieser Beschränkung war es kaum möglich, dem Bedarf der Millionen von in Europa unter Risiko lebenden Juden gerecht zu werden. Nichts desto trotz stellte Palästina einen der besten und gleichzeitig einen der wenigen Möglichkeiten als jüdischen Zufluchtsort dar.

Die SS Struma war ein Flüchtlingsschiff mit annähernd 800 Juden, das im Februar 1942 aus Rumänien nach Palästina aufbrach. Als dann plötzlich die Maschine versagte wurde das Schiff in den Hafen von Istanbul geschleppt. Den hungernden Passagieren war es für 71 Tage nicht erlaubt das Schiff zu verlassen, während dessen um ihr Schicksal verhandelt wurde. Großbritannien verweigerte den jüdischen Passagieren den Eintritt nach Palästina und auch keine andere Nation – auch nicht die Türkei, welcher durch Russland angedroht wurde, im Falle einer Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge „Neutralität “ zu verlieren und somit in den Krieg beizutreten- konnte den Flüchtlingen Eintritt gewähren. Als schließlich die Maschine nicht repariert werden konnte wurde das Schiff in neutrales Gewässer gebracht. Dort aber wurde es durch ein russisches U-Boot versenkt. Hierbei starben alle bis auf einen Passagier.

 

 

IV. Die römisch- katholische Bewegung unter Erzbischof Roncalli und die Veränderung der katholischen Lehre bezüglich des Judentums (The Roman Catholic action—through Archbishop Roncalli—and the change in Catholic teaching toward Jews)

 

Während der Papst und der Vatikan für ihr tatenloses Zusehen bei der Ausrottung der Millionen europäischen Juden heftigst kritisiert worden sind, sind die eifrigen humanitären Taten des Erzbischofs Angelo Roncalli, jüdische Leben zu retten, ein Testament des Mutes und der Gewissenhaftigkeit.

Roncalli, der später Papst Johannes der XXIII wurde, war zunächst ein apostolischer Abgeordneter, quasi ein Botschafter des Vatikans in der Türkei, da die laizistische/ säkularisierte keine regulären Botschafter mit dem Vatikan austauschte. Als apostolischer Gesandter – nur die regulären/formalen Botschafter werden als Papal Nunico bezeichnet – in Istanbul zwischen 1935 und 1945, verhandelte er im Interesse der jüdischen Flüchtlinge, die in die Türkei geflüchtet waren, mit der türkischen Regierung.

Er versuchte auch Regierungsbeamte in Bulgarien, der Slowakei und Ungarn zu überzeugen, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen und zu schützen, genauso wie er den Vatikan anhielt, sich aktiv am Retten jüdischer Leben zu betätigen.

Er traf sich mit Repräsentativen der Jüdischen Gemeinde in Istanbul um seine Hilfe bezüglich der Befreiungsbemühungen/ Flüchtlinge anzubieten, vornehmlich indem sog. „Immigrationszertifikate“ durch den vatikanischen diplomatischen Dienst an Palästina ausgestellt werden sollten. Er stellte ein offizielles Dokument aus, welches angab, dass der „Träger dieses Dokuments ein Glaubens- und Landesgenosse Jesu Christi sei“. Er wollte keine falschen Taufdokumente ausstellen, da ihn dies zum Lügen gezwungen hätte.

Roncallis Erfahrungen in der Türkei während des Holocaust prägten sein Denken und Handeln als späterer Papst, besonders als er entscheidende Annäherungen zwischen Katholischer Kirche und dem Judentum einleitete.

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27 11 2009
By: Redaktion 2 0

Seltsame Begegnungen: Türken in Mauthausen

„Wir verneigen uns in Respekt vor diesen Juden und  Türken, die schmerzvoll  in Mauthausen schmerzvoll getötet wurden.“

In dem von Wien 200 km entfernten, ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen, in dem einst brutale Massenmorde stattgefunden haben, wurde nun auch den ermordeten türkischen Staatsbürgern muslimischen und jüdischen Glaubens ein Denkmal  durch Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) errichtet und eine Gedenkfeier abgehalten. 

 

LINZ-MAUTHAUSEN-Bei der Feier, an der Mitglieder der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich(TKG)der Botschafter der Republik Türkei, Selim Yenel, der Generalsekretär der israelitischen Kultusgemeinde Raimund Fastenbauer(IKG), der Staatssekretär für Bildung, Kultur und Kunst Dr. Reinhold Hohengartner, der Verwaltungsleiter der Gedenkstätte Ministerialrat Harald Hutterberger und der Vorsitzende der Türkische Kulturgemeinde in Österreich(TKG) Birol Kilic, teilnahmen, wurden der Koran auf Türkisch zitiert und hebräische Gebete aufgesagt, um den Verstorbenen zu gedenken.


 

Im Lagersystem Mauthausen kamen während des Zweiten Weltkrieges ca. 100.000 Menschen auf barbarische Art und Weise ums Leben. Es wandelte sich damals schnell zu einem der gefürchtetsten Konzentrationslager im ganzen Nazi-System, nicht zuletzt durch die Einstufung in die Lagerstufe III. In diese Art von Lager sollten damals schwer belastete und „kaum noch erziehbare“ Häftlinge deportiert werden, es galt weiters als Strafverschärfung für Inhaftierte anderer Lager.

Insgesamt wird die Zahl der Häftlinge im Lagersystem Mauthausen auf über 200.000 geschätzt, eine endgültige Zahl wird jedoch nie vorliegen, da vor allem gegen Ende des Nationalsozialismus unzählige Gefangene ohne Registrierung in die Lager deportiert und dort ermordet wurden.

Unter diesen 200.000 Häftlingen waren auch über 8.000 Frauen, die in die Lager interniert worden waren. Die katastrophale Überbelegung führte nicht nur zu mehr als unmenschlichen Lebensbedingungen, sondern folglich zum Bau eines Zeltlagers im Herbst 1944. Dort wurden die eingepferchten 10.000 Häftlinge nahezu sich selbst überlassen.

Auf der Gedenktafel der türkischen Opfer der Jahre 1933-1945 steht in deutscher Sprache: „Wir verneigen uns in Respekt vor diesen Türken und Juden, in Mauthausen  schmerzvoll getötet wurden.“

Wer waren die Türken, die im Jahre 1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach aus Deutschland, Österreich oder aus Prag deportiert wurden? Hunderter Bürger, die aus Istanbul, Izmir und Edirne nach Europa und vor allem nach Deutschland ausgewandert waren, wurden damals im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Wie berichtet wird, sind Angehörige dieser Opfer noch heute in Istanbul und Izmir wohnhaft.

Namenlose Opfer. Es sieht für den Augenblick so aus, als ob es den Historikern überlassen ist, die Tragödie der tausenden türkischen Opfer ans Tageslicht zu bringen, denn viele von ihnen scheinen in keinen Registern auf. Der  Generalsekretär der  IKG , Herr Fastenbauer, betonte in seiner Rede in Mauthausen deutlich, wie folgt:  „Angriffe rechtsradikaler österreichischer Politiker auf Türken und Moslems und die Demütigungen nach dem Vorbild der Erniedrigung der Juden im Zweiten Weltkrieg nicht einfach so hingenommen werden dürfen. Man muss gegen jede Art von Rassismus in Österreich kämpfen. Man soll aus der Geschichte lernen.“

Erwähnenswert sind auch die zahlreichen türkischen Diplomaten, die damals in Europa arbeiteten und  ihr eigenes Leben riskierten, um das Leben vieler europäischer und türkischer Juden vor dem Holocaust zu retten. Der Botschafter der Republik Türkei Selim Yenel hob hervor, dass „diese einzigartige Verantwortung und jenes menschliche Verhalten ein Beispiel für die Menschheit ist und sein sollte.“ An dieser Stelle wollen wir noch auf ein herausragendes Beispiel einer solchen übermenschlichen Bemühung verweisen.

Es handelte sich um den damaligen türkischen Botschafter in Marseille, Necdet Kent. Der heute 85-jährige, in Istanbul wohnhafte „stille Held“ stieg damals in einen Zug, der türkische Juden in die Konzentrationslager bringen sollte, mit ein und forderte die Freilassung seiner Landsleute. Andernfalls würde er ihnen in die Gaskammer folgen. Nach langen Diskussionen wurden die Gefangenen mit einem Sonderbefehl aus Berlin tatsächliche freigelassen. Dass ein Mensch solchen Mut beweist und für seine Landsleute einsteht, selbst in Anbetracht seines eigenen Todes, ist in der heutigen Zeit fast undenkbar. Auch von anderen Städten in Europa hört man, dass sich damals die türkischen Diplomaten für ihr Volk einsetzten, teilweise sogar mit Erfolg.

Informationen:

NAIM GÜLERYÜZ WAR IN WIEN: ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN DER TÜRKEI

http://www.turkischegemeinde.at/naim-gueleryuez-war-in-wien-zur-geschichte-der-juden-in-der-tuerkei/

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN

Die Geschichte der türkischen Juden

 

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22 10 2005
By: Redaktion 2 0

IKG Präsident Muzicant: „Gestern Juden – Heute Muslime“

Muzicant im STANDARD-Gespräch zur FPÖ: „Nur dieses Mal nicht die Juden.“

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde warnt vor der „Hetze“ der Freiheitlichen

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2005)

Wien – Es sei um seine Glaubwürdigkeit gegangen, wird der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, später sagen. Nach der feierlichen Eröffnung des ehemaligen jüdischen Betpavillon im Alten AKH in Wien-Alsergrund. Seine Rede war zu einer Abrechnung mit dem Wahlkampf der Wiener FPÖ geworden, der mit Slogans wie „Pummerin statt Muezin“ oder „Freie Frauen statt Kopftuchzwang“ schon den Protest der Islamischen Glaubensgemeinschaft hervorgerufen hatte.

Muzicant im Gespräch mit dem STANDARD: „Als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde fühle ich mich verpflichtet, wenn ich schon so eine Stätte eröffne, massiv davor zu warnen, dass zwischen dem, was die Antisemiten und Nazis in den 20er- und 30er-Jahren gemacht haben und dem, was die FPÖ-Politiker in diesen Wochen treiben, kein großer Unterschied ist. Wohl betont: 20er- und 30er-Jahre.“

Und weiter: „Die sagen’s jetzt gegen die Moslems, verunglimpfen eine Religionsgemeinschaft und deren Vertreter, beschimpfen Moslems, dass sie keine ordentlichen Österreicher sind und so weiter.“ Das sei unerträglich.

„Es sind nur dieses Mal nicht die Juden sondern die Moslems. Aber die Diktion, die Sprache, die Vergleiche, die Unwahrheiten, die Hetze waren genau das selbe“, meint der IKG-Präsident.

 

Es sei, so Muzicant, „eine Schande für unsere österreichische Heimat, dass im Jahr 2005 so etwas möglich ist. Und dann wundern wir uns, wenn man uns im Ausland als Nazis beschimpft.“ Für den IKG-Präsidenten ist längst „die Grenze überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist. Wenn ich gegen eine Religionsgemeinschaft hetze, dann ist das in meinen Augen nicht mehr zulässig.“

 

Dass FP-Chef Heinz-Christian Strache ihn klagt, glaubt Muzicant nicht, denn: „Was will er klagen? Dass die Nazis gesagt haben, die Juden stehlen den Österreichern die Arbeitsplätze? Dass gesagt wurde, die Juden nehmen den braven Österreichern die Wohnungen weg? Das haben sie gesagt. Und das ist genau derselbe Stil.“

 

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2005)

Links und Foto-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ariel_Muzicant

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