Kategorie: Kultur

22 12 2017
By: TKG 0

TKG: „Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr 2018!

Wien  – Wir alle sind Menschen mit Heimat und Gesinnung und nicht bloß Namen oder Nummern auf einem Ausweis! Weihnachten ist ein Fest, welches von Gläubigen, weniger religiösen und nicht religiösen Menschen gleichermaßen  gefeiert wird. Kaum jemand kann sich den Festlichkeiten im intimen Familienkreis oder bei Freunden entziehen. Auch nicht alle aber zehntausende Menschen aus der Türkei in Österreich. Wir freuen uns genauso. Weil die besinnliche Stimmung viele Menschen aus der Türkei die Ihre „Neue Heimat“ als Österreich sehen auch sehr berührt und Freude bereitet.

Auch im neuen Jahr wollen wir das Gemeinsame vor das Trennende stellen, nicht nur in religiösen, sondern auch in politischen und alltäglichen Angelegenheiten und Fragestellungen weil die Werte Europas glauben wir sind stärker als Hass und Gewalt.

Die „Urtürken“ und der Tannenbaum- Nardogan Fest immer am 22.12

Die renitente 93-Jährige ist Altertumsforscherin Prof. Dr. Muazzez Ilmiye Çig behauptet sogar die Ursprünge des Weihnachtsbaumes in der zentralasiatischen Steppe ausfindig gemacht haben. Vor langer Zeit, so schreibt sie, laut Spiegel Bericht „huldigten dort die Vorfahren der Türken einem Gott, den sie Ulgen nannten. Dieser Gott trug einen langen Bart und einen langen Mantel, und er wohnte in einem glitzernden Palast im Himmel. Erreichen konnte man den Palast nur über einen gewaltigen Baum, der vom Mittelpunkt der Erde bis hin zu den Sternen ragte. Um Ulgen für die Wintersonnenwende zu danken, richteten ihm die Urtürken jedes Jahr am 23. Dezember ein großes Fest aus. Nun musste Ulgen irgendwie ihre Gebete erhören. Also beschmückten die Menschen einen Baum mit kleinen Schleifen, wobei jede Schleife einen Wunsch symbolisierte. Und dann luden sie ihre Verwandten ein, sangen und tanzten um den Baum. Ein Brauch, den später die Hunnen auf ihren Kampfrössern nach Europa brachten, wo ihn alsbald die Christen übernahmen. Eine interessante Theorie. Deswegen Lametta und Lichterketten überall in Istanbul. In Istanbul lassen sich auch konservative Muslime sogar  von der globalen Weihnachtsstimmung anstecken. Zumal die Festtanne wie oben beschrieben eh eine Erfindung der „Urtürken“  ist, sagt die renitente Altertumsforscherin Muazzez Ilmiye Çig.“
    

 

Frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr!

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

PS: Titelfoto Bauerwilli

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11 12 2017
By: TKG 0

„Perfektioniere deine Muttersprache“

VHS: „Perfektioniere deine Muttersprache: Türkisch!“

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Türkçe – Perfektioniere deine Muttersprache!

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(Foto: (c) VHS )

 

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05 12 2017
By: Redaktion 3 0

TKG: Nikolaus! Ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens

Alle Jahre wieder wird leider auf die Austrotürken in Österreich durch gewisse Kreise eine Hexenjagd über die Nikolo-Weihnachtskultur veranstaltet. Wir müssen heuer leider laut, „Nein zu Nikolo-Rassismus und ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens“ sagen. Jedes Kind kennt ihn, jedes Kind freut sich auf ihn! Unser Landsmann aus der Türkei „Nikolo“ kommt auch dieses Jahr zu den Wiener Kindern.

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG) stellt klar: Die austrotürkischen Familien in Wien und in ganz Österreich haben mit dem historischen Nikolaus und dem kostümierten „Nikolo“ (mit oder ohne Bart) kein Problem, ganz im Gegenteil, sie sehen dieses Fest als kulturelle Bereicherung und als Zeichen für das barmherzige Teilen und mildtätige Geben. Der  Nikolo der auch der Schutzheilige von Russen, Serben und Griechen  und der Schutzpatron der Seeleute, Fischer, Händler, Apotheker, Schüler, Kinder, Bäcker, Schnapsbrenner, Kerzenzieher, Pfandleiher – und sogar der Diebe usw. ist auch für Muslime genau wie für die Christen ein Vorbild der Nächstenliebe! „Für die Katholiken existiert die mildtätige Bischofsfigur, die am 6. Dezember brave Kinder belohnte, weiter. „In Holland hielten die Reformierten ebenfalls an ihrem Nikolaus fest“, erklärt Becker-Huberti. Als ihre Siedler in Nordamerika Nieuw Amsterdam, das heutige New York, gründeten, feierten diese auch dort ihren „Sinterklaas“. Aus ihm wurde schließlich der volkstümliche Santa Claus – der Weihnachtsmann, der heute in der Adventszeit weltweit anzutreffen ist und der vor allem den Umsatz ankurbeln soll.“

 

Die TKG  findet das gut und bittet, dass der Hl. Nikolaus nicht als Kultureller Rassismus-Keule gegen Muslime  und insbesondere Austrotürken verwendet wird! Stattdessen soll von Politikern, Gemeinden und Pädagogen eine gemeinsame Kultur der Nächstenliebe vermittelt werden.

 

Es schmertz-Nikolaus- Diffamierung! 

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich fordert außerdem, diesen alljährlichen „Nikolaus-Diffamierung“ besonders gegenüber den aus der Türkei stammenden Kindern, Kleinkindern und Familien zu unterlassen! Es schmertz…Dazu gehören auch die mittlerweile entlarvten Unwahrheiten, die sich um die Wiener Kindergärten und andere Einrichtungen drehen. In der Vergangenheit haben diese Artikel zu einer Unzahl von Irritationen, Hasspostings und Hetze in den Print- und Internet-Medien geführt.

 

Wer war Nikolaus?

 

Der  Nikolaus, er wirkte Ende des 3. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, stammt nicht aus New York oder aus Toronto und auch nicht etwa aus Rom, sondern aus der heutigen Türkei, nämlich aus der antiken lykischen Bischofsstadt Myra, dem heutigen Demre, in der Nähe der schönen Küstenstadt Antalya an der Südküste Kleinasiens.  In Demre steht auch heute noch sein (leerer) Sarkophag, die ruinöse, aber im 20. Jahrhundert restaurierte Basilika ist ein wichtiges Pilgerziel, besonders für griechisch-orthodoxe Christen. Die Gebeine kamen 1087 n. Chr. in die süditalienische Stadt Bari (Provinz Apulien) und werden, über die ganze Welt hinausgetragen, als Reliquien verehrt.

 

Wir sind stolz auf Bischof Nikolaus aus der Türkei

 

Wir, die Türkische Kulturgemeinde in Österreich und viele tausende türkische Familien in Österreich, sind sehr stolz auf „ihren“ Bischof Nikolaus, dessen Leben historisch belegt ist und dessen barmherzige Taten über den Erdkreis weitererzählt werden und die Kinderherzen erfreuen.  Wenn solch ein gutherziger Mensch und großes Vorbild aus dem eigenen Land stammt, wäre auch alles andere verwerflich! Im Gegenteil: Nikolaus von Myra ist auch für das Zusammenleben von Moslems und Christen ein perfekter Brückenbauer und ein pädagogisches Vorbild. Jedes kleine Kind, egal welcher Abstammung oder Herkunft, würde sich über die Geschichte vom Hl. Nikolaus freuen.

Während einer Hungersnot soll Nikolaus von Myra in der Türkei seinen darbenden Mitbürgern Getreide verschafft haben, indem er einige Kaufleute, deren Schiffe im Hafen von Myra vor Anker lagen, veranlasste, ihre für den Kaiser in Byzanz bestimmten Schiffsladungen nicht an ihren ursprünglichen Bestimmungsort zu bringen, sondern in die hungernden Städte und Dörfer Kleinasiens zu liefern. Als die Händler mit beklommenen Herzen weitersegelten und sich fürchteten, mit leeren Händen nach Hause zu kommen, waren die Schiffe plötzlich auf wunderbare Weise wieder vollständig beladen. Diese Legende gab den Anlass, dass neben den Kaufleuten auch die Getreidehändler, Müller und Bäcker den heiligen Nikolaus zu ihrem Zunftpatron auserkoren. Die unzähligen Patrozinien christlicher Gotteshäuser, die dem Hl. Nikolaus geweiht sind, geben davon ein beredtes Zeugnis.

Noch viele andere Legenden werden vom Hl. Nikolaus erzählt. Eine bekannte Geschichte ist, dass ein verarmter Mann sich genötigt sah, seine drei Töchter als Prostituierte zu verkaufen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, damals noch nicht Bischof und selbst ohne entsprechende Mittel, erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen. Der Vater hatte nun genug Geld für die Mitgift und war nicht mehr genötigt, seine Töchter zu verkaufen. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Diese Geschichte ist auch der Anlass für den Brauch, den Kindern Kleinigkeiten zum Naschen zu schenken. Dieser Brauch des Schenkens verlagerte sich später in reformatorischer Zeit auf das Weihnachtsfest. Der Rest ist bekannt.

 

„Wer Zwietracht sät, wird Hass ernten!“ 

 

Um dieses Kulturgut zu bewahren, erwarten wir von den Verantwortlichen in der Politik, den Gemeinden bei den Medien und von Pädagogen, die alljährlich über das Fest berichten oder es veranstalten, diese Tradition des „Nikolo“ an unsere christlichen und muslimischen Kinder weiterzugeben und nicht Zwietracht zu säen! Wir alle sollten mit diesem Brauchtum verantwortungsvoll umgehen und nicht die türkischen Kinder und Familien diskriminieren, als wären sie gegen den „Nikolo“. Auch die Gemeinde Wien hat nie die Nikolo-Feiern mit einem kostümierten Nikolaus untersagt, wie es in den letzten Jahren falsch in den Medien kolportiert wurde. Man ist lediglich davon abgekommen, professionelle Nikoläuse zu bestellen, da man der Meinung ist, dass dies die den Kindern bekannten Erwachsenen Personen übernehmen sollen.

Der Hl. Nikolaus darf nicht als Rassismus-Werkzeug gegen Muslime missbraucht werden! Wir sind gegen diesen „Neo-Rassismus“, also einen kulturellen Rassismus, der einen Keil zwischen die Nationen und Religionen treiben möchte oder eine Gemeinde deswegen zu Unrecht verleumdet. Wie wir gezeigt haben, eignet sich gerade der Hl. Nikolaus dazu überhaupt nicht. Dennoch versuchen alljährlich verschiedene Gruppen und Parteien, daraus politisches Kleingeld zu schlagen.

Wir wollen verhindern, dass eine Gruppe von Menschen, die eine andere Religion, Konfession oder Nationalität hat, jedes Jahr wieder auf’s Neue pauschal diskriminiert wird. Wir Austro-Türken lieben den humanistischen, christlichen Nikolaus, unseren Landsmann, und wir sind stolz auf ihn! Nein zu Nikolo-Kultureller Rassismus. Ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens.

 

Türkische Kulturgemeinde in Österreich

 

http://www.n-tv.de/reise/Myra-die-Heimat-des-Nikolaus-article591191.html

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01 09 2017
By: Redaktion 0

Im Schatten von Sisi und Sachertorte

Zwei Japanerinnen versuchen sich angestrengt an einem Selfie mit der Hofburg im Hintergrund. Eine Gruppe junger Slowenen läuft laut schnatternd einer Stadtführerin  hinterher. Und ein älteres Ehepaar knipst vom Fiaker aus noch schnell ein Foto von der Reiterstatue Erzherzog Karls, ehe die Fahrt Richtung Hofreitschule und Stephansdom weitergeht. Robert Tatar führt seine Tour-Teilnehmer, die sich an diesem stürmischen Dienstagvormittag auf dem Heldenplatz versammelt haben, ebenfalls an Wiens bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei. Sprechen wird der 32-Jährige allerdings nicht über Prachtbauten, sondern Sozialeinrichtungen für Obdachlose. Statt um Sisi und Sachertorte geht es bei den sogenannten „Shades Tours“, die den Blick auf die Schattenseiten hinter der monumentalen Kulisse von Österreichs Hauptstadt lenken wollen, um das Schicksal der knapp 10.000 wohnungslosen Menschen in Wien – geschätzt 1.200 davon nennen tatsächlich den öffentlichen Raum ihr Zuhause. „Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher sein“, sagt der Guide, der wie auch seine derzeit drei Kollegen lange Zeit selbst auf der Straße gelebt hat.

Von Stephanie Schuster

Wien-Robert Tatar, ein Deutscher aus der Nähe von Kassel, kommt im Herbst 2013 der Liebe wegen nach Wien – doch die gläubigen muslimischen Eltern seiner aus Mazedonien stammenden  Freundin wollen keinen Atheisten aus Deutschland unter ihrem Dach dulden. Ein billiges Hotelzimmer kann sich Tatar, der mit 18 von zuhause abgehauen war und den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte, nur einige Wochen lang leisten, und einen Job findet der gelernte Kaufmann mit dem abgebrochenen Lehramtsstudium auf die Schnelle nicht. Also geht er zum Westbahnhof, wo er einen Monat zuvor angekommen ist – da gibt es immerhin kostenloses W-LAN.

„Und dann ging alles sehr schnell“, erinnert sich Tatar, der vor den etwa 15 Tour-Teilnehmern ganz offen über seine eigene Geschichte spricht. Da er bisher in Österreich keinen Wohnsitz hatte und keiner sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgegangen war, habe er weder Anspruch auf Sozialhilfe, noch auf eine Schlafstelle in einem Quartier der Stadt Wien gehabt. „Infolge der großen Flüchtlingswelle von 2015 wurden die Auflagen für Ausländer hier deutlich verschärft. Um als anspruchsberechtigt zu gelten, muss man jetzt mindestens fünf Jahre eine feste Wohnadresse in Österreich haben“, erklärt Tatar. Dass sich dadurch inzwischen 70 Prozent der Wohnungslosen – darunter viele Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa – ganz ohne staatliche Hilfe durschlagen müssen, mache sich längst auch im Stadtbild bemerkbar.

In den ersten Tagen streift Robert Tatar auf der Suche nach Essensresten durch den Westbahnhof. Zum Betteln kann er sich in den gesamten drei Jahren seiner Obdachlosigkeit nicht überwinden, aus Scham. Zum Glück  macht er schon bald Bekanntschaft mit den mobilen Sozialarbeitern der Stadt. Sie geben ihm eine Liste mit all den nicht vom Wiener Sozialfonds finanzierten Hilfseinrichtungen, etwa Orden oder private Vereine, in denen auch nicht-anspruchsberechtigte Obdachlose Zuflucht suchen und warme Mahlzeiten oder Kleiderspenden bekommen können.

Die „Shades Tour“ ist inzwischen an einer Goethe-Statue am Opernring angekommen. „Aber glaubt nicht, dass das hier doch noch eine kunsthistorische Führung wird“, ruft Robert Tatar, linker Hand das Opernhaus in Sichtweite, im Rücken das Palmenhaus mit seinem noblen Restaurant, geradeaus die Akademie der Bildenden Künste. Statt um den ollen Goethe geht es Tartar um das hinter der Statue liegende Gartenbeet, das seit einigen Jahren einen der letzten öffentlichen Zugänge zur Wiener Kanalisation unter sich begräbt. „So hat man das Problem einfach ausgemerzt.“ Denn die unterirdischen Gänge waren bereits im frühen 20. Jahrhundert ein beliebter Zufluchtsort für Obdachlose. „Bis in die 1950er Jahre gab es sogar noch die Fettkappler, die das Fett aus den Abwasserkanälen abschöpften, daraus Seife machten und verkauften“, erklärt Tatar.

Schnell wird Robert Tatar bewusst: Obdachlosigkeit ist ein Teufelskreis.  Wer einen Job hat, kann theoretisch über eine Hilfseinrichtung eine Postadresse bekommen – doch welche Chancen hat schon eine Bewerbung, auf der die Anschrift fehlt? Der ehemalige Mathestudent verteilt deshalb Zettel mit seiner Telefonnummer zum Abreißen in der Stadt, auf denen er seine Dienste als Nachhilfelehrer anbietet. Die Rechnung geht auf – Tatar verdient sich nicht nur ein ordentliches Taschengeld, sondern bringt Dutzende Schüler durchs Matheabitur. „Damit hast du mehr für Wien getan als die Stadt für dich“, sagt später einmal eine Sozialarbeiterin zu ihm.

Dass Armut in Wien mancherorts immer noch ein Tabuthema ist,  wird am Hintereingang der Oper klar. Bereits vor vielen Jahren habe man in kalten Winternächten in Kellern und Lagerräumen verschiedener Theater und Kulturstätten Notlager für Obdachlose geschaffen, berichtet Tatar. „Das hängte man aber nicht an die große Glocke, weil es angeblich bei Teilen des Publikums für negative Stimmung sorgte.“ Ebenso missfallen haben dem Establishment die Studentenproteste von 2009, die sich mit den Wohnungslosen solidarisierten und die Einrichtung zusätzlicher Schlafstellen forderten. Die Stadtregierung dagegen erkannte die Notwendigkeit und rief 2012 das Winterpaket mit knapp 1.200 zusätzlichen Betten ins Leben, in diesem Jahr wurde das Kontingent noch einmal aufgestockt. „Der Druck wird größer“, sagt Tatar. „Ungarn zum Beispiel bestraft Obdachlosigkeit seit einigen Jahren mit Gefängnis, da verlassen eben viele das Land.“ Wobei auch in Wien eine Kampierverordnung lauert. „Mit Jacke zudecken ist erlaubt, Schlafsack und Isomatte sind aber eigentlich verboten“, erklärt er.

Mit der Zeit kommt Routine in Robert Tatars Alltag. In den nicht-städtischen Tageszentren schlägt er morgens als erster auf, um gleich eine freie Dusche zu ergattern. Tagsüber hält er sich gern in Bibliotheken auf – mit dem für Obdachlose kostenlosen Kulturpass erhält er für 3,50 Euro eine Jahreskarte. Dort  ist es warm, gibt Stühle zum Sitzen – ein Luxus. Und in bitterkalten Nächten, wenn kein Bahnhofsklo mehr als Schlafplatz infrage kommt, steigt er in einen der Nachtbussen und fährt bis zum Morgengrauen durch die Stadt.

Über die Kärntner Straße, Wiens beliebte Shoppingmeile, auf der sich gegen die Mittagszeit Touristen wie Einheimische mit voll bepackten Tüten drängen, führt Tatar die Gruppe weiter. Es geht vorbei am Wiener Katzencafé, in dem einsame Singles oder gestresste Manager beim Mietze-Kraulen die Seele baumeln lassen. „Im Überlebenskampf entwickelt man neue Bedürfnisse“, sagt Tatar und hält eine Maslowsche Bedürfnispyramide in die Luft. Im Grunde drehe sich alles um die Frage: wie überlebe ich den Tag. „Es gibt also manchmal Gründe dafür, warum jemand in der U-Bahn nicht gut riecht.“

Seit Januar 2016 ist Robert Tatar als „Shades Tours“-Guide im Einsatz, vom Verdienst kann er sich bald ein WG-Zimmer leisten. Weil er damit erstmals eine Postadresse besitzt, erreicht ihn schon bald ein Brief von der Stadt: Vom Schwarzfahren im Nachtbus haben sich einige Geldstrafen angesammelt, die sich samt Säumniszuschlag inzwischen auf 1.400 Euro belaufen. Freundlicherweise darf er seine Schulden in Monatsraten von 30 Euro abstottern.

Am Franziskanerplatz, wo sich hinter dem Seiteneingang der gleichnamigen Kirche Wiens älteste Armenspeisung befindet, verabschiedet Tatar die Tourteilnehmer schließlich. Er werde sich bei „Shades Tours“ künftig um die Buchungen und das Marketing kümmern, verrät er noch. „Die Leute sollen bei uns nur übergangsweise als Guides arbeiten“, erklärt Projekt-Gründerin Perrine Schober. Denn neben der Sensibilisierung für das Thema Obdachlosigkeit sei ihr Hauptziel, Betroffenen den Weg zurück in den normalen Arbeitsmarkt – und damit ein normales Leben – zu ermöglichen. Robert Tatar und zwei weitere ehemalige Guides haben ihn bereits gemeistert.

Info-Kasten

Die Shades Tours wurden im Herbst  2015 von der 33-jährigen Österreicherin Perrine Schober initiiert. Sie hat in Kempten Tourismusmanagement studiert und sich bereits während ihres Erasmus-Aufenthalts in England mit der Thematik „Tourismus als volkswirtschaftliches Instrument der Armutsbekämpfung“ beschäftigt. 2016 haben rund 1800 Menschen an Touren und Veranstaltungen (etwa Kochabenden in Obdachloseneinrichtungen) des  Social Business teilgenommen. Buchen können die rund 2,5-stündigen Stadtführungen Einzelpersonen, aber auch Unternehmen, Schulen oder Vereine. Alle weiteren Infos unter:  www.shades-tours.com

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29 08 2017
By: Redaktion 0

Wer sich den Gesetzen nicht fügen will ?

Nach Recherchen eines Historikers ist ein türkischer Edelmann „Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“. Johann Wolfgang von Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte über diesen legendären deutsch-türkischen Urvater Sadok Selim Soldan auf (um 1270 bis 1328), der sich, nachdem er sich 1305 taufen ließ, Johannes Soldan nannte. Einige Quellen berichten davon, Sadok Selim sei muslimisch erzogen worden. Ob er praktizierender Muslim war, ist umstritten. Der ehemalige evangelische Dekan im baden-württembergischen Brackenheim hat sich intensiv mit der Chronik der Familie Soldan befasst. Darin werde von einem Orientalen berichtet, der in die Gefangenschaft deutscher Ordensritter geraten war. Rasch sei er auf Grund seines einnehmenden Wesens jedoch zum ebenbürtigen Freund aufgestiegen und in die Truppe, die wohl aus der Nähe Württembergs stammte, aufgenommen worden. 1304 soll sich Sadok Selim mit einer Bürgerin des Ortes, Rebekka Döbler, vermählt haben. Drei Söhne sind aus der Ehe hervorgegangen.
Der Halbmond samt Stern im Wappen als auch in der Familienchronik gelten Deetjen, neben dem Namen, als weiteres Indiz für die türkischen Bezüge. Doch das sei noch nicht alles. Türkische Besucher hätten ihm davon erzählt, dass Soldan, der mit seinen Söhnen in der hiesigen Johanniskirche begraben wurde, aus der Türkei habe fliehen müssen, um nicht ums Leben zu kommen. Deetjen: „Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Familienchronik aus dem 16. Jahrhundert einen hohen Wahrheitsgehalt hat.“ Erst vor kurzem habe sich das Innenministerium Baden-Württemberg auf seine Recherchen berufen, berichtet der Forscher. Der Experte räumt allerdings ein, dass es einen direkten Beweis für die Verwandtschaft zu Goethe nicht gebe. Jedoch hätten die „Quelle aus dem 16. Jahrhundert mit den Hinweisen auf die Festung Al Mokhtara, Kreuzritter aus der Gegend um Backenheim und Hinweise auf die blühende Familie Soldan sehr starken historischen Zwang.“
Bis ins Hessische und Fränkische hätten sich die Familienbande gezogen, aus der sehr oft Juristen und andere leitende Persönlichkeiten, häufig auch Künstler und bedeutende Wissenschaftler, hervorgegangen seien. Deetjen ergänzt:„In der Soldan-Familie selbst gibt es die Überlieferung, dass dieser Sadok Selim zu den Vorfahren von Goethe gehört.“ In der Goethe-Forschung sei seit dem 19. Jahrhundert bekannt, dass es von der mütterlichen Seite Goethes einen orientalischen Vorfahren gegeben haben muss. Goethe selbst sei getaufter, protestantischer Christ gewesen, dem es wohl bewusst war, dass er orientalische Wurzeln hatte. In seinem Werk „West-östlicher Diwan“ (1819) habe das schließlich noch einmal nachgewirkt.
Für den Islam zeigte Goethe als universeller und lieberaler Geist zumindest auffallendes Interesse. Seine überlieferten Worte beweisen es:
„Närrisch, daß jeder in seinem Falle

Seine besondere Meinung preist!

Wenn Islam Gott ergeben heißt,

Im Islam leben und sterben wir alle.“

(Hamburger Ausgabe, Bd.2, S. 56)

Im Juni 2005 wurde Soldan zum 700-jährigen Jubiläum von dessen Ansiedelung im Raum Brackenheim gemeinsam mit türkischen und deutschen Gästen noch einmal gedacht. „Wenn wir also diesen Überlieferungen vertrauen, und einiges spricht dafür, dann wäre er quasi der Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“, erklärt Deetjen. Das Fest vor einigen Jahren habe die Beziehungen Brackenheims in die Türkei intensiviert. Resümierend mahnt Deetjen jedoch an: „Ich denke, dass die deutsch-türkische Geschichte in ihren Beziehungen noch lange nicht richtig gut aufgearbeitet ist.“ ( Quelle: Deutsch-Tuerkische-Nacrichten.de, Felix Kubach, Nicole Oppel)

Der „Deutschtürke“ Johann Wolfgang von Goethe hat recht:

Was sagte schon Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

 

Vorfahren aus dem 13. Jahrhundert
„Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“Auch bei einem gewissen Christ namens Johann Soldan wird davon ausgegangen, dass er zu Vorfahren und Ahnen von Goethe gehört. Der ursprünglich türkische Offizier mit dem Namen Sadok Seli Soltan wurde damals als Beutetürke während der Kreuzzüge verschleppt und christlich getauft. Das besondere an ihm ist, dass er vermutlich der erste türkische Deutsche in Deutschland war, der urkundlich nachgewiesen werden kann. Bereits Engelmann (1984) zählte Johann Soldan zur Ahnenreihe Johann Wolfgang von Goethes,“ von dem man seit dem 19. Jahrhundert weiß, dass er mütterlicherseits einen orientalischen Vorfahren hat.
Die These wurde zuletzt von Werner Ulrich Deetjen anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Soldan-Taufe 2005 vertreten.
Die mögliche Verwandtschaft mit Soldan bestätigt jedoch nicht das anderweitig vor allem in arabischen Ländern kursierende Gerücht, dass Goethe Muslim gewesen sei“

de.wikipedia.org/wiki/Goethe_(Familie)
de.wikipedia.org/wiki/Sadok_Seli_Soltan

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23 06 2017
By: TKG 0

16th Traditional Garden Party of Vienna Economic Forum 

On 16 June 2017, Vienna Economic Forum, together with the Ambassadors of the Member Countries of Vienna Economic Forum, and the mayor of the market town Gutenstein, Mr Michael Kreuzer, invited to the 16th Traditional Garden Party “Culinary and Musical Journey through the Member Countries of Vienna Economic Forum” at the theatre-tent of the Raimundspiele Gutenstein. President of the Turkish Culture Association (TKG) in Austria Birol Kilic was also there.

In the opening speech and ceremony, Secretary General Amb Dr Elena Kirtcheva, the mayor of the market town Gutenstein, Mr Michael Kreuzer, and Family Hoyos represented by Ernst Hoyos addressed and welcomed the numerous guests from over 20 different countries, not only Vienna Economic Forum Member Countries but also from beyond.

The embassies the Member Countries of Vienna Economic Forum and the hosting market town Gutenstein did not spare any efforts to treat the guests with country-specific and traditional culinaric delicacies.

The diverse, artistic programme was moderated by Prof Stefan Kamilarov and accompanied by the welcome address by the chief of protocol of the Austrian Office of the President and Gutenstein Citizen by choice, Ms Gudrun Hardiman-Pollross. The guests enjoyed performances by Bulgaria, Bosnia and Herzegovina, Mazedonia, Moldova, Ukraine as well as the Culture Committee of Vienna Economic Forum – the folk dances of the region animated the guests to join the dancing on stage.

The unique, scenic atmosphere in the charmingly located market town Gutenstein was a proof of the many ties and bonds in common, which connect the people of the region from the Adriatic to the Black Sea. Once again, the 16thTraditional Garden Party was much influenced by a understanding among nations.

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28 01 2017
By: Redaktion 2 0

Aynur Temel: Ein Vorbild für unsere Jugend

Viyana’nın en önemli etkinliklerinden biri olan Viyana Filarmoni Balosu’nun (Wiener Philharmoniker Ball) açılış dansını bu yıl, Türk kökenli genç bir konuşmacı olan Aynur Temel yaptı.

 

Viyana balo sezonu kapsamında her yıl düzenlenen ve Avrupa’nın müzik başkenti olarak bilinen Viyana’nın en prestijli etkinliklerinden biri olan Filarmoni Balosu’nun bu yıl 76.sı gerçekleştirildi. 19 Ocak Perşembe akşamı, dünyaca ünlü Viyana Filarmoni Orkestrası’nın ev sahipliği yaptığı Musikverein salonunda gerçekleştirilen bu heyecan verici etkinliğin bu yılki açılış dansını Avusturya’da doğup büyüyen 16 yaşındaki Aynur Temel yaptı.  Aynur Temel, bu başarısıyla hem ailesini hem de Avusturya’da yaşayan Türk kökenli tüm vatandaşları gururlandırdı.

 

Yeni Vatan Gazetesine konuşan Aynur Temel, bir yıldan daha uzun süredir Elmayer Dans Okuluna devam ettiğini ve orada öğrendiklerini bu açılışta sergilemekten büyük mutluluk duyduğunu ifade etti. Tüm dersleri pek iyi olan Aynur Temel’in yıl sonu karnesinin hep taktirnameli olduğu öğrenildi. Şu anda liseye devam eden Aynur Temel’in hedefi ekonomi okumak. Tüm ailelere çocuklarının özellikle Almanca dilini çok iyi öğrenmeleri için teşvik etmelerini tavsiye eden Aynur,Avusturya’da mutlaka sosyal hayata karışmamız gerekiyor. Bunu için hem sosyal aktivitelere, hem de kültürel çalışmalara Avusturyalılar ile birlikte katılmamız gerekiyor. Aileme ve kardeşlerime bu vesile ile teşekkür ederim“dedi.

 

Aynur Temel’in babası Ali Temel Yeni Vatan Gazetesine şunları söyledi:“Kızımla gurur duyuyorum ve onu sonuna kadar destekliyorum. Avusturya gibi medeniyetin olduğu ülkede, eğitim olanakları çok yüksek. Bundan mutlaka çocuklarımızı yararlandıralım. Biz okuyamadık ama çocuklarımıza meslek sahibi olmaları için her türlü desteği verelim.“

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27 01 2017
By: Redaktion 2 0

Türkei gewinnt mit „Home of Turquoise“

Türkei gewinnt mit „Home of Turquoise“ den Grand Prix CIFFT 2016 für den besten Tourismus-Film

 

Berlin/Frankfurt, 27. Januar 2017 – Der weltweit beste Tourismus-Film kommt aus der Türkei. Nach insgesamt 22 internationalen Preisen wurde der Film „Home of Turquoise“ des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Türkei nun auch mit dem „Grand Prix CIFFT 2016“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 27. Januar 2017 in der Julius-Raab-Halle, Wirtschaftskammer Österreich, in Wien statt. Auch dieses Jahr waren wieder über 1.500 Tourismusfilme am Wettbewerb beteiligt.

 

Unter der Regie von Daghan Celayir, der auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt der rund zweieinhalbminütige Imagefilm die Geschichte einer Kite-Surferin, die auf einer abenteuerlichen Reise das türkisfarbene Meer der türkischen Küsten entdeckt. Die Idee und die Umsetzung entstanden in einem sechsmonatigen Prozess. Insgesamt wirkten 65 Personen zwölf Tage lang bei den Dreharbeiten entlang der 800 Kilometer langen Süd-West-Küste an Land und unter Wasser mit. Den imposanten Soundtrack, der im Fame’s Orchestra Studio mit 72 Musikern aufgenommen wurde, konzipierte Mario Takoushis. Für die musikalische Untermalung sorgte der britische Komponist Alastair King, der bereits für den Soundtrack von Harry Potter verantwortlich war.

 

Der Film wurde im Auftrag des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Türkei in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines produziert. Seit seiner Veröffentlichung ist der Film bereits mehr als 60 Millionen Mal im Internet angeschaut und bei den größten TV-Sendern sowie in Kinos vor allem in Europa und Nordamerika ausgestrahlt worden.

 

Der Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=NIy073bOKSA

 

Über CIFFT

 

CIFFT steht für Comité International des Festivals du Film Touristique. 1989 haben sich unter der Federführung des Internationalen Tourismusfilm-Festivals „Festival der Festivals“ die Veranstalter der bedeutendsten internationalen Tourismusfilm-Festivals zum C.I.F.F.T.- Komitee zusammengeschlossen. Aus allen preisgekrönten Filmen der beteiligten Filmfestivals wird am Ende des Jahres nach einem Punktesystem der Gesamtsieger ermittelt. Er erhält als bester Tourismusfilm des Jahres den Grand Prix C.I.F.F.T. bei der feierlichen Preisverleihung in Wien überreicht.

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12 01 2017
By: Redaktion 2 0

Schallaburg Museum baut Brücken

Von 18. März bis 5. November 2017 präsentiert die Schallaburg die Ausstellung ISLAM. Im Fokus steht das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Traditionen.

 

Ausgangspunkt sind Begegnungsräume von heute: Anhand vertrauter Situationen im täglichen Zusammenleben werden in acht Kapiteln u.a. in bewohnt, besprochen oder bekleidet aktuelle Fragen, historische Entwicklungen und unterschiedliche Sichtweisen in den Mittelpunkt gerückt. Sie laden zu einer vertieften kulturellen Begegnung ein. Im Austausch mit den Gästen sollen möglichst viele Stimmen hörbar werden, sollen auch Unsicherheit und Ungewissheit zulässig sein. Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem diese Kultur der Begegnung möglich ist, bereichert und Lust auf ein Mehr an Auseinandersetzung macht.

 

Als Leitung des inhaltlichen Teams steht der Schallaburg Lisa Noggler-Gürtler zu Verfügung. In enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und muslimischen Communities nähert sich die Ausstellung diesem Thema. Für die Entwicklung der Vermittlungsdidaktik zeichnet Wolfgang Schmutz verantwortlich.

 

Um sich auf den Dialog in der Ausstellung ISLAM vorzubereiten, wurde gemeinsam mit dem inhaltlichen Team eine eigene Workshopreihe für die Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler auf der Schallaburg konzipiert. In einer Zeitspanne von einem halben Jahr entwickelt diese Gruppe gemeinsam mit pädagogischen Expertinnen und Experten aus Deutschland und Österreich Ansätze und Inhalte für die Vermittlung.

 

In einer öffentlichen Vortragsreihe gibt die Schallaburg Einblicke in diesen Prozess und macht sichtbar, womit sich die Kulturvermittlung im Vorfeld der Ausstellung beschäftigt. Die öffentliche Vortragsreihe startete am 21. Oktober 2016 und endet am 10. März 2017.

 

Dritter öffentlicher Vortrag

Fr 20. Jänner 2017, 19.00 Uhr

Thema: „Kultur im Dialog! Dialog als Methode in der Kulturvermittlung und Erwachsenenbildung“

Vortragende: Gundula Avenarius, Kultur im Dialog, Berlin

Ort: Schallaburg, 3382 Schallaburg 1

Freier Eintritt!

Welche grundlegenden Prinzipien bedingen das Lernen von Menschen in Ausstellungen? Wie kann eine dialogisch verstandene Kulturvermittlung darauf Bezug nehmen? Und was bedeutet dies für ein methodisches Vorgehen?

 

Gundula Avenarius berät und trainiert unter dem Namen Kultur im Dialog Abteilungen der Bildung, Vermittlung und Besucherdienste in Museen und Gedenkstätten mit dem Schwerpunkt dialogische Vermittlung. Aktuell entwickelt sie in einem interdisziplinären Team museumspädagogische Zugänge für die Jugendarbeit in Moscheegemeinden.

 

Weitere Vortragstermine auf der Schallaburg:

Fr 17. Februar 2017, 19.00 Uhr

„Kommunikationsprozesse in Ausstellungen als Möglichkeitsraum Konflikte (kennen)zu lernen“

Karin Schneider, Wien

Fr 10. März 2017, 19.00 Uhr

„Politische Salafiyya und gewalttätiger Extremismus“

Moussa Al-Hassan Diaw (Vorstandsmitglied der NGO DERAD-Netzwerk sozialer Zusammenhalt, Extremismus-Prävention und Dialog, Wien)

 

 

Weitere Informationen:

– Detailinformationen Schallaburg

– Hauptfolder ISLAM als PDF

– Ausstellungssujet ISLAM

– Illustration „Schubladendenken“ © tuffix

Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website: www.schallaburg.at

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21 11 2016
By: Redaktion 2 0

Buchpräsentation Orient & Okzident- Das neue Buch des „Neue Welt Verlag“

Der Neue Welt Verlag, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die „Türkische Kulturgemeinde in Österreich“(TKG) freuen sich JournalistenInnen und Interessierte begrüßen zu dürfen.

Das Buch Orient & Okzident-Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

EINLADUNG

Datum: 30.11.2016
Mittwoch 18:00 c.t.

Ort: Theatersaal der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Wien I., Sonnenfelsgasse 19

Anmeldung erbeten unter:
office@neueweltverlag.at
oder 0043-1-513 76 15-0

 

Es ist für unseren Neue Welt Verlag in Wien eine große Freude, mit 24 Top-Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen und freischaffenden Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche dieses Buch zu präsentieren.

 

Das Buch „Orient & Okzident – Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren“ ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber des Buches Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

Das Buch thematisiert eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, und verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die darin versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

 

Über die Entstehung der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hinweg führt das Buch durch einen historischen Diskurs, der sämtliche Stationen der Geschichte behandelt.

 

Neue Welt Verlag
Orient&Okzident 
Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten
Hardcover, 770 Seiten mit Bildern
ISBN 9783950306194
€ 49,90

 

PROGRAMM 

Begrüßung

Arnold Suppan

Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Worte des Verlegers
„Ein Traum wird Wirklichkeit“
Birol Kilic
Neue Welt Verlag / Geschäftsführer

 

Vorstellung des Buches
Barbara Haider-Wilson
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
& Maximilian Graf
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation und Diskussionsleitung
Otmar Lahodynsky
President, Association of European Journalists, profil

 

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.“
Prof. Dr. Arnold Suppan,
Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Mehr: http://www.neueweltverlag.at/index.php?id=1252

 

Rückfragen & Kontakt:

Neue Welt Verlag
Mag. Deniz Sel
d.sel@neueweltverlag.at
www.neueweltverlag.at

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09 11 2016
By: Redaktion 2 0

TKG: Gedenken an Novemberpogrome-„Türkischer Tempel“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10.November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkischer Tempel“ -Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge-in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

 

 In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später.“(1)

„Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im

Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia.(2)“

 


Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü

lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des

Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unter

nehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

 

Bibliographie

_________________________

1 -Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 -Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10-Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

12-https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/ (1)

13-(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906).  Dr. Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

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23 05 2016
By: Redaktion 2 0

»Selam Opera!«: Die Komische Oper Berlin – eine für alle

Auf den Spuren der »Gastarbeiterroute« von Berlin über München, Wien, Belgrad und Sofia nach IstanbulOpernbus »Operndolmuş« der Komischen Oper Berlin gastiert in Wien: Am Mittwoch, 1. Juni 2016 im GB*10 (18 Uhr) und in der VHS Ottakring (20:30 Uhr)

 

Dass Musiktheater keine abgehobene Kunstform nur für das Bildungsbürgertum sein muss, sondern eine Bereicherung für Menschen jeglicher kultureller und sozialer Herkunft sein kann, beweist die Komische Oper Berlin bereits seit 2012: Seitdem trägt sie mit ihrem »Operndolmuş«, dem Opernbus im Rahmen des interkulturellen Projekts »Selam Opera!«, mit großem Erfolg Musiktheater in die Kieze der Hauptstadt. Dank der Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes und unterstützt von der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin kommt dieses einzigartige Outreach-Programm nun erstmals international zum Einsatz: Ab 29. Mai 2016 fährt der Opern-Kleinbus von Berlin aus nach Istanbul und legt über die vier Stationen München, Wien, Belgrad und Sofia eine musikalische Spur entlang der sogenannten »Gastarbeiterroute« und gastiert am 1. Juni auf der zweiten Station in Wien im GB*10 und in der VHS Ottakring.

 

Der Operndolmuş ist eine Musiktheater-Vorstellung in Kleinbus-Besetzung: zwei Sänger_innen und drei Musiker_innen sowie ein_e Moderator_in fahren gezielt in Kieze, in denen besonders viele Bürger_innen unterschiedlicher kultureller Herkunft leben, und zeigen durch musikalische, künstlerische und persönliche Begegnungen, dass Musiktheater eine universell verständliche Sprache spricht. Seit Jahrhunderten durch interkulturellen Austausch geprägt, hat das Musiktheater gleichzeitig durch die Musik die Kraft, Gefühle und Erlebnisse über die Grenzen einzelner Kulturen erfahr- und erlebbar zu machen. Die Komische Oper Berlin hat sich diese Offenheit seit ihrer Gründung 1947 zu einem Grundsatz gemacht: Sie versteht sich als eine Oper »für alle«.

 

Der Operndolmuş geht auf eine mehr als 3000 km lange Reise entlang jener Strecke, die viele als »Gastarbeiter« in West-Deutschland tätige Arbeitsmigranten seit den 1960er Jahren alljährlich nutzten, um im Urlaub für einige Wochen in ihre ursprünglichen Heimatorte zurückzukehren. Für diese Reise entsteht eigens eine 45-minütige Musiktheaterrevue. Sie spürt den äußeren Beweggründen und seelischen Bewegungen nach, die die Menschen zu allen Zeiten dazu antreibt, ihr Glück in der Ferne zu suchen, auch wenn dies mit der Sehnsucht nach der Heimat einhergeht. Das Programm gestaltet sich dabei zugleich als Kurztrip durch die Geschichte des Musiktheaters: von den Anfängen der Oper in der italienischen Re- naissance über die Wiener Klassik, die italienische Opera buffa und die französi- sche Opéra comique, mit einem Abstecher über die osteuropäischen Meisterwerke der vorvergangenen Jahrhundertwende, bis zum Berliner Jazz-Musical der wilden 1920er Jahre.

 

Gemeinsam mit Kulturveranstaltern vor Ort, den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und der Magistratsabteilung 17 – Integration und Diversität der Stadt Wien sowie den Goethe-Instituten in Belgrad, Sofia und Istanbul als Partnern trägt das Ensemble der Komischen Oper Berlin nicht nur die Kunstform Musiktheater, sondern auch die Idee des »Operndolmuş« zu ganz unterschiedlichen Zuschauern_innen – von Nachbarschaftsgruppen aus München-Hasenbergl bis zum türkisch-bulgarischen Frauenverein, von den ehemaligen »Gastarbeitern« und ihren Nachfahren über die Alteingesessenen in den besuchten Ländern bis hin zu Menschen, die sich zwischen den Kulturen bewegen und zu Hause fühlen.

 

Zeitplan und Hintergrund zu den Veranstaltungsorten

 

29. Mai : Fahrt nach München

30. Mai: München

18 Uhr im Stadtteilkultur 2411

Blodigstraße 4, 3. Stock 80933 München www.stadtteilkultur2411.de

20:30 Uhr im Giesinger Bahnhof Giesinger Bahnhofplatz 1

81539 München www.giesinger-bahnhof.de

31. Mai: Fahrt nach Wien 1. Juni: Wien

18 Uhr im GB*10 Wien Quellenstr. 149, 1100 Wien

 

Die Gebietsbetreuungen Stadterneuerung – kurz GB* – sind eine Service- Einrichtung der Stadt Wien. Aktuell sind sie mit 9 GB*-Teams an 17 Standorten im Stadtteil tätig. Die Tätigkeitsschwerpunkte umfassen wohn- und mietrechtliche Beratung, Projektarbeit im öffentlichen Raum, Informationen zu Stadterneuerung und Aktivitäten im Gemeinwesen, für starke Nachbarschaft und ein gutes Zusammenlebens in der Stadt.

20:30 Uhr in der VHS Ottakring Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

 

Das Volksheim Ottakring wurde 1901 durch Ludo Moritz Hartmann und Emil Reich gegründet und 1905 erhielt es ein eigenes Gebäude und ist damit das älteste Volkshochschulgebäude Europas. Bereits im ersten Kursprogramm des Volksheims Ottakring aus den Jahren 1905/06 finden sich „Deutschkurse für Ausländer“. Den laufenden verändernden gesellschaftlichen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen stellt sich die Volkhochschule Ottakring heute ebenso wie vor 100 Jahren: Wir wollen Bildung für alle zugänglich machen sowie inklusiv denken und handeln.

2. Juni: Fahrt nach Belgrad

3. Juni: zwei Auftritte in Belgrad 4. Juni: Fahrt nach Sofia

5. Juni: zwei Auftritte in Sofia

6. Juni: Fahrt nach Istanbul

7. Juni: erster Auftritt Istanbul 8. Juni: zweiter Auftritt Istanbul 9. Juni: Rückfahrt

 

Für Pressevertreter gibt es zum Zwecke der Berichterstattung die Möglichkeit, die Reise auf einzelnen Stationen zu begleiten. Wir freuen uns bei Interesse auf Ihre Kontaktaufnahme!

Vor der Abfahrt und nach der Rückkehr des Operndolmuş ist jeweils eine Auftakt- bzw. Abschlussveranstaltung in Berlin geplant. Die Termine werden bekannt gegeben.

 

Hintergrund

 

Der Operndolmuş auf der »Gastarbeiterroute« Vermittlungsprogramm und künstlerisches Konzept

 

Seit 2012 lädt die Komische Oper Berlin ihr Publikum nicht nur ins Opernhaus an der Behrenstraße ein, sondern trägt ihre Kunstform gezielt in jene Berliner Kieze, deren Bewohner mehrheitlich nicht zum traditionellen Opernpublikum gehören.

 

Der Operndolmuş, der auf eine Idee von Mustafa Akça, dem »Selam Opera!«- Projektleiter, zurückgeht, gastiert regelmäßig in Einrichtungen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil von Bürger_innen unterschiedlichster Kulturkreise und präsentiert vor Ort ein musikalisches Vermittlungsprogramm. Seit Jahren wird das Projekt von der Robert Bosch Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin unterstützt, so dass es seit einem Jahr neben dem »Erwachsenendolmuş« auch einen »Kinderdolmuş« gibt, der vor allem in Grundschulen auftritt.

 

Die Dramaturgin Johanna Wall entwickelte nun, inspiriert durch zahlreiche Ge- spräche mit Zeitzeugen und entsprechend der fünf angefahrenen Stationen, eine Revue aus fünf szenisch-musikalischen Bildern. Wie in der Oper steht im Zentrum einer jeder dieser anekdotenhaften Situationen eine große und allgemein zugäng- liche Emotion, um die sich die jeweilige musikalische Szene entspinnt: vom Traum des großen Glücks in weiter Ferne bis zum zwiespältigen Vergnügen der Ankunft in der Realität des Hier und Jetzt, vom »Nicht-Wissen-Wo-Man-Eigentlich-Hinge- hört« über den bittersüßen Trost des Sich-Erinnerns bis zu der Idee, dass »Hei- mat« vielleicht doch einen Plural haben kann. An jeder Station wird die von Regisseurin Anisha Bondy in Szene gesetzte Revue in Zusammenarbeit mit lokalen interkulturellen Begegnungsstätten je zweimal an unterschiedlichen Orten für ganz unterschiedliche Zuschauer_innen gespielt. Dabei soll es zu Begegnungen der unterschiedlichsten Art kommen, denn der Operndolmuş sucht bewusst den kulturellen Austausch, bei dem das persönliche Gespräch mit dem Publikum unbedingt dazu gehört. Auch für die Künstler_innen des Operndolmuş – viele von ihnen »alte Dolmuş-Hasen« – wird es eine Entdeckungsreise zu unbekannten Orten, aber auch zu einem bisher weithin unbekannten Teil der deutschen Geschichte sein. In München, Wien, Belgrad, Sofia und Istanbul macht der Operndolmuş mit seiner multikulturellen Besetzung Halt, um mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten und ihnen auf diese Weise Musiktheater als Ausdruck menschlicher Gefühle näher zu bringen, aber auch die gemeinsamen Erfahrungen und Geschichten zu teilen.

 

»Selam Opera!«: Die Komische Oper Berlin – eine für alle

 

Seit ihrer Gründung im Jahre 1947 versteht sich die Komische Oper Berlin als Opernhaus für alle. Dieser Gedanke wird durch den aktuellen Intendanten Barrie Kosky weitergeführt und nimmt nicht zuletzt im Projekt »Selam Opera!« Gestalt an, mit dem gezielt die große türkeistämmige Bevölkerung Berlins angesprochen werden soll, unter anderem mit dem Operndolmuş, mit individuell wählbaren Untertiteln auch auf Türkisch und Programmheftteilen in türkischer Sprache.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.komische-oper-berlin.de

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21 02 2016
By: Redaktion 2 0

Das Frauenhauskochbuch- Einladung zur Buchpräsentation „So schmeckt die Welt“

 

Auf Initiative der autonomen österreichischen Frauenhäuser ist dieses besondere Kochbuch entstanden, das auf lustvolle Art und Weise ein ernstes Thema mit dem Genuss guten Essens verbindet. Die Idee dahinter ist, exotische Rezepte aus der internationalen Küche nebenbekannten Gerichten in einer bunten Mischung zu präsentieren.

 

Essen ist ein Grundbedürfnis und Grundrecht. Beim gemeinsamen Zubereiten und Einnehmen von Speisen kommen Menschen zusammen, kommunizieren und feiern. Kochen und Essen stehen in diesemZusammenhang für Selbstermächtigung und Stärke, aber auch für Freude und Kreativität.


Mit diesem Kochbuch wird die kraftvolle, lebensbejahende Funktion
guten Essens hervorgehoben. Frauen, die in Frauenhäusern leben,
haben meist eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Das Frauenhaus
gibt den Frauen erst einmal physischen Schutz, ein Dach über dem
Kopf und ein Umfeld, in dem sie zur Ruhe kommen können. Darüber
hinaus ist das Frauenhaus ein Ort, an dem von Gewalt betroffene
Frauen sich wieder auf sich selbst und ihre Ressourcen besinnen und
Kraft finden können. Gemeinsame Aktivitäten wie Kochen können
dabei helfen.

Prominente Köchinnen und Köche – u. a. Eva Rossmann und Manfred
Buchinger, Lisl Wagner-Bacher, Sarah Wiener, Stefanie Herkner,
Annik Wecker, Rupert Schnait, Jacquline Pfeiffer, Raffaele de Sieno,
Harald Pollak, Tom Frötsch – haben Rezepte beigesteuert, die Fotokünstlerin
Claudia Prieler hat sie mit ihrer Kamera besucht.

 

ca. 200 Seiten, färbig, 19x22cm

Lieferbar ab 8. März!

 

Einladung zur Buchpräsentation „So schmeckt die Welt“

Der Verein Autonomen Österreichische Frauenhäuser und der echomedia Buchverlag freuen sich, zur Präsentation des Kochbuchs einzuladen: „So schmeckt die Welt – besondere Frauen, besondere Rezepte“Cover des Kochbuchs So schmeckt die Welt

 

Moderation: Eva Rossmann
Wann: 7. März 2016 / Beginn: 19:00 Uhr
Wo: Studio 44 / 1030 Wien, Rennweg 44

 

Der Erlös des Kochbuches kommt den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern und dem Verein AÖF zu Gute kommt, sofern es über den Verein autonome österreichische Frauenhäuser oder eines der Frauenhäuser direkt bezogen wird!

Sie haben die Möglichkeit bereits jetzt ein Kochbuch zu bestellen (lieferbar ab 8. März 2016)

Die persönlichen und internationalen Rezepte wurden von gewaltbetroffenen Frauen aus den Frauenhäusern zur Verfügung  gestellt und von prominenten KöchInnen nachgekocht und durch ihre persönliche Note abgerundet. KöchInnen wie Manfred Buchinger, Eva Rossmann, Lisl Wagner-Bacher oder Sarah Wiener und viele mehr sind in diesem besonderen Kochbuch zu finden.

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07 01 2016
By: Redaktion 2 0

Stammt Ötzi von asiatischen Vorfahren („Pro Türken“) ab?

Was Ötzis Magenbakterium über die Besiedlung Europas verrät. Bioinformatiker rekonstruieren urzeitliche DNA. Ein internationales ForscherInnenteam um die Bioinformatiker Dmitrij Turaev und Thomas Rattei von der Universität Wien entdeckte Spuren des Bakteriums Helicobacter pylori im Verdauungstrakt der besterhaltenen Mumie aus der Steinzeit – „Ötzi“. Mit der Rekonstruktion des Genoms liegt nun der älteste bekannte Vertreter dieses Bakteriums vor und gibt Überraschendes preis: Frühe Einwanderer aus Asien müssen bei der Besiedlung Europas eine zentrale Rolle gespielt haben, denn das Genom stammt fast vollständig von asiatischen Vorfahren ab.

Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung
Universität Wien

 

Der Mensch lebt mit einer Vielzahl von Mikroorganismen, die sich an das Überleben in unserem Verdauungstrakt oder auf unserer Haut angepasst haben. Die meisten von ihnen sind für uns nützliche Bakterien, einige sind jedoch Erreger von Infektionskrankheiten, die bereits unsere frühen Vorfahren peinigten.

Das Bakterium Helicobacter pylori ist ein besonders interessanter Krankheitserreger und ein wichtiges Forschungsobjekt. Es ist seit mehr als 100.000 Jahren an den Menschen gebunden und hat sich an das Überleben im sauren Milieu des Magens angepasst. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit diesem Erreger infiziert, wovon die überwiegende Mehrheit von 90 Prozent jedoch nicht erkrankt. So wird Helicobacter pylori seit langem von einer Generation an die nächste weitergegeben, und hat damit eine geografische Verbreitung erlangt, die die Stammesgeschichte der Menschen erstaunlich genau widerspiegelt.

Die Sequenzen ausgewählter Gene dieses Bakteriums ermöglichten es, die Ursprünge der Menschheit und die Geschichte der Wanderungsbewegungen der Völker mit hoher Genauigkeit nachzuvollziehen. Bisher konnten jedoch nur Daten von heute lebenden Menschen verwendet werden, auf deren Basis man die Geschichte der Völker mit Hilfe von Computerprogrammen rekonstruierte.

Die Helicobacter pylori-Genome der heutigen Europäer sind eine Mischung aus Bakterien afrikanischer und asiatischer Abstammung. Viele Fragen zum genauen Ursprung dieser Vermischung sind bis heute ungeklärt.

In einem bislang einzigartigen Forschungsprojekt suchte ein interdisziplinäres WissenschafterInnenteam daher nach Spuren von Helicobacter pylori in der Gletschermumie. Ötzis Magen war erst vor wenigen Jahren aufgrund neuer radiologischer Daten in der Mumie lokalisiert worden. Gemeinsam mit ihren KollegInnen der EURAC (Europäische Akademie Bozen), der Universität Kiel, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und weiterer Partner, werteten die Bioinformatiker Dmitrij Turaev und Thomas Rattei von der Universität Wien die aus Ötzis Verdauungstrakt gesammelten DNA-Sequenzen aus und entdeckten tatsächlich Spuren des Bakteriums Helicobacter pylori.

Das Genom des Bakteriums wurde mit Hilfe einer speziell entwickelten Anreicherungsmethode für dessen bereits gealtertes und in Fragmente zerfallenes Erbgut sequenziert. So konnten am Ende mehr als 90 Prozent des Helicobacter pylori-Genoms aus Ötzis Magen rekonstruiert werden.

Der Vergleich des 5.300 Jahre alten Bakteriengenoms aus Ötzis Magen mit Daten der heutigen Europäer brachte eine große Überraschung: Es entspricht so gut wie vollständig der asiatischen Komponente. „Das lässt sich am besten dadurch erklären, dass der Hauptteil der afrikanischen Bevölkerungskomponente erst nach Ötzis Lebenszeit, also in den letzten 5.000 Jahren, nach Europa eingewandert ist“, erklärt Thomas Rattei. „Ötzis Magen-Bakterium stützt also jene Theorie, wonach frühe Einwanderer aus Asien bei der Besiedlung Europas eine zentrale Rolle gespielt haben“.

Zugleich demonstriert dieses Forschungsergebnis eindrucksvoll das große Potenzial moderner Methoden zur Analyse alter DNA in Verbindung mit speziellen Methoden der Bioinformatik. Die Entdeckung und Genomrekonstruktion von Ötzis Helicobacter pylori ist somit erst der Anfang eines neuen Forschungsgebietes, in dem ForscherInnen die Evolution des Menschen, seiner Krankheitserreger und seiner Umwelt anhand tausende Jahre alter Mikroorganismen nachvollziehen können.

 

Publikation in „Science“:

„The 5,300-year-old Helicobacter pylori genome of the Iceman“: Frank Maixner, Ben Krause-Kyora, Dmitrij Turaev, Alexander Herbig, Michael R. Hoopmann, Janice L. Hallows, Ulrike Kusebauch, Eduard Egarter Vigl, Peter Malfertheiner, Francis Megraud, Niall O´Sullivan, Giovanna Cipollini, Valentina Coia, Marco Samadelli, Lars Engstrand, Bodo Linz, Robert L. Moritz, Rudolf Grimm, Johannes Krause, Almut Nebel, Yoshan Moodley, Thomas Rattei, Albert Zink,
DOI: http://www.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.aad2545

 

Quelle:
Wissenschaftlicher Kontakt

Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung
Universität Wien
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
alexandra.frey@univie.ac.at

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10 09 2015
By: Redaktion 2 0

TKG verurteilt Terror in der Türkei

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt Terrorangriffe gegen die Türkei und Anschläge auf die Hürriyet-Redaktion. In der letzten Zeit befindet sich die Türkei in einer angespannten und sehr beunruhigenden Lage, die eng verbunden ist mit dem innenpolitischen Geschehen und auch mit der Hetze diverser in- und ausländischer Kräfte der letzten Jahre. Wir verurteilen im Namen der TKG die Terrorangriffe gegen die Türkei auf das Schärfste und sprechen den Familien der Opfer der Terrorangriffe und anderer Attacken gegen Polizei- und Militäreinheiten unser Mitgefühl aus. Wir verurteilen auch die Anschläge auf die oppositionellen Parteien in der Türkei. Terrorismus darf in keiner Art und Weise toleriert oder gerechtfertigt werden.

Die letzten Ereignisse rund um die Anschläge auf die türkische Tageszeitung Hürriyet zeigen jetzt die unglaublichen Auswirkungen dieser politischen Schieflage auch auf die Medienwelt in der Türkei. Wir bedauern, dass die Zeitung „Hürriyet“ zweimal in 72 Stunden überfallen wurde und verfolgen die aktuellen Ereignisse mit ernsten Befürchtungen.

Das Redaktionsgebäude der angesehenen „Hürriyet“ wurde mit Steinen beworfen und die Mitarbeiter von mit Stöcken bewaffneten Schlägern überfallen. Wir lehnen diese Gewalttat entschieden ab. Die Täter und deren Auftraggeber müssen ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden. Die Türkische KULTURgemeinde verurteilt solche Angriffe strengstens.

Unsere Sorgen und Ängste um die Demokratie und den Parlamentarismus haben sich zusätzlich dadurch verstärkt, dass man bisher keine einzige Kritik oder Stellungnahme von den regierenden Politikern – vor allem dem türkischen Präsidenten und dem türkischen Premierminister –  zu diesen Angriffen gehört hat. Auch die Parteispitzen müssen sich klar zu dem Vorfall äußern.

Die TKG ruft alle österreichischen Parteien, insbesondere die Parlamentarier des Europäischen Parlaments, auf, diesem Schritt eine klare Absage zu erteilen. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht der Vertreter der Demokratie und der säkularen Muslime in und außerhalb der Türkei.

Die TKG ruft alle Vertreter der diversen österreichisch-türkischen Kulturvereine aus der Türkei, welche sich in Österreich niedergelassen haben, dazu auf, die Konflikte nicht nach Österreich zu tragen. Die Vorstände der diversen Vereine tragen in diesen schwierigen Zeiten eine besondere Verantwortung. Die TKG ersucht höflichst, die Menschen nicht gegeneinander aufzuhetzen. Wir haben in Österreich die Möglichkeit, die unterschiedlichen Haltungen ohne Angst vor Repressalien auf demokratische Weise zum Ausdruck zu bringen.

Die TKG vertraut darauf, dass die Türkei einen Weg aus diesen schwierigen Zeiten finden wird. Dieser Weg soll und muss aber unserer Meinung nach ein demokratischer sein, um den Frieden im Land zu gewährleisten.

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

Dipl.-Ing. Birol Kilic
Obmann

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08 07 2015
By: Redaktion 2 0

TKG gratuliert herzlich: “Ephesos ist nun Weltkulturerbe”

Das in Bonn tagende UNESCO Weltkulturerbe-Kommittee hat den Eintrag von Ephesos (Westtürkei) in die Liste der Weltkulturerbe beschlossen. Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich gratuliert allen MitarbeiterInnen des Österreichischen Archäologischen Instituts und insbesondere der Direktorin Sabine Ladstätter und dem Türkischen Kulturministerium der Republik Türkei sowie der  Gemeinde Selçuk in der Stadt İzmir, die dies ermöglicht haben!

 

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG), Birol Kilic, sagt dazu: „Als ÖsterreicherInnen mit türkischen Wurzeln sind wir sehr stolz, dass aus einer 120jährigen guten Zusammenarbeit von Österreich und der Türkei ein großes Weltkulturerbe geworden ist. Diese wissenschaftliche Kooperation fungiert auch als Brückenbau zwischen beiden Ländern und Kulturen, der weiter transparent unterstützt und gefördert werden sollte.

 

Die antike Stadt, die seit 120 Jahren unter österreichischer Leitung ausgegraben wird, blickt auf eine Geschichte von 9.000 Jahren zurück. Ephesos war Hauptstadt der römischen Provinz Asia, beherbergte eines der sieben Weltwunder der Antike und entwickelte sich in christlicher Zeit zu einem wichtigen Pilgerzentrum. Zu seinen bekanntesten Bauwerken zählen der Artemistempel, die Celsus­-Bibliothek, das Hanghaus, die Kirche der Gottesmutter Maria und die Johannesbasilika.

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22 06 2015
By: Redaktion 2 0

TKG: Unser herzlichstes Beileid – Başsağlığı

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) drückt im Namen des Vorstands und seiner Mitglieder ihr tiefes und aufrichtiges Beileid für die Angehörigen und Bekannten aller Opfer, die in Graz am Samstag (20.06.2015) ermordet und schwer verletzt wurden, aus. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, die getötet wurden, bei den Menschen, die in den Krankenhäusern liegen und bei allen Angehörigen und Freunden. Allen Betroffenen wünschen wir viel Kraft für die nächste Zeit – es mögen für Graz wieder glückliche Tage kommen! In tiefer Trauer und in Gedanken bei den Angehörigen! Türkische Kulturgemeinde in Österreich

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21 06 2015
By: Redaktion 2 0

GALERIEN AUS DER TÜRKEI AUF DER viennacontemporary

viennacontemporary in der Marx Halle Highlight im internationalen Messekalender Vom 24. bis 27. September 2015 steht Wien ganz im Zeichen der internationalen Kunstmesse viennacontemporary. Rund 100 Galerien, darunter die Galeri Zilberman und Sanatorium aus Istanbul, und rund 1.000 KünstlerInnen bieten spannende Einblicke in die unterschiedlichsten Kunstszenen.

 

Mit einem Fokus auf Galerien aus Osteuropa, der starken Präsenz der Wiener Galerienszene und einem inhaltlich dichten generationsübergreifenden Rahmenprogramm in der Marx Halle ist die viennacontemporary 2015 ein Highlight im internationalen Messekalender.

 

Reflections


Mit dem Präsentationsformat REFLECTIONS betont die viennacontemporary den kuratorischen Aspekt der Galeriearbeit und bietet den teilnehmenden Galerien eine spezielle Präsentationsfläche für eigens zur Kunstmesse konzipierte Ausstellungen.

 

Zone1

 

Auch am neuen Standort Marx Halle, ermöglicht die viennacontemporary Galerien, junge KünstlerInnen in Einzelpräsentationen zu speziellen Konditionen vorzustellen. Bisher auf Galerien aus Österreich beschränkt, steht die ZONE1 ab diesem Jahr auch internationalen Galerien zur Verfügung.

 

Gespräche und Diskussionen

 

Unter dem Motto „Keys to Contemporary Art“ – ko-kuratiert von Christina Steinbrecher-Pfandt, Künstlerische Leitung viennacontemporary und Nicolaus Schafhausen, Direktor Kunsthalle Wien – spannt sich der Bogen von der beginnenden Wiederentdeckung der Avantgardebewegungen in Osteuropa über Einflussmöglichkeiten zeitgenössischer gesellschaftskritischer Kunst und den immer wichtiger werdenden performativen Strategien aktueller Kunstproduktion bis hin zu den Konzepten der Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Museen und Kunsthallen.

 

Weiters geben im Rahmen von „20four7“ jeden Tag um 14 Uhr internationale KunstsammlerInnen aus Ost und West Einblick in ihre Strategien des Kunstkaufs und die Präsentation ihrer Sammlungen und Christina Steinbrecher-Pfandt lädt junge SammlerInnen zu ihrem „Young Collectors Talk“ein.

 

Führungen und Programm zum Mitmachen für alle Altersgruppen
Bei VIENNA Gold treffen sich SeniorInnen und junge KünstlerInnen und tauschen ihre Sichtweisen über zeitgenössische Kunst aus. Führungen mit KünstlerInnen finden täglich um 14 Uhr statt.

 

VIENNA Studio bietet StudentInnen die Möglichkeit, zeitgenössische Kunstpositionen im Rahmen von Führungen täglich um 16 Uhr, näher kennen zu lernen. Am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr können Erwachsene und Kinder ab zwei Jahren am Kunstvermittlungsstand der VIENNA Family ihre Kreativität entdecken und Techniken selbst ausprobieren, um Farbe, Form und Bewegung auf Papier zu bringen. Der Einstieg ist jederzeit möglich.

 

www.viennacontemporary.at

 

viennacontemporary 
24. – 27. September 2015 

ORT
Marx Halle 
Karl-Farkas-Gasse 19, A – 1030 Wien

 

ÖFFNUNGSZEITEN 
Donnerstag, 24. September 2015: 11:00–19:00 Uhr 
Freitag, 25. September 2015: 11:00–19:00 Uhr 
Samstag, 26. September 2015: 11:00–19:00 Uhr 
Sonntag, 27. September 2015: 11:00–18:00 Uhr 

EINTRITTSPREISE
12,50 Euro Tageskarte für Erwachsene
9,00 Euro Tageskarte / Vorverkauf und Online Buchung
9,00 Euro SeniorInnenkarte nach Vorweis eines gültigen Ausweises
5,00 Euro After-Work-Ticket (Donnerstag/Freitag ab 16:00 Uhr)
Freier Eintritt für Kinder unter 14 und Studierende ab 15:00 Uhr mit einem gültigen Studierendenausweis

ANREISE / ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL 
U-Bahn: U3-Station Erdberg – Ausgang Nottendorfer Gasse über Karl Farkas Gasse 
S-Bahn: S-Bahnlinie 7 – Station St. Marx
Straßenbahn: Linie 71 – Haltestelle St. Marx, Linie 18 – Haltestelle
Viehmarktgasse oder St. Marx
Bus: Linie 74A – Haltestelle St. Marx, 80A – Endstation St. Marx

 

INFORMATION
www.viennacontemporary.at
www.viennacontemporarymag.com
www.fb.com/viennacontemporary

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31 03 2015
By: Redaktion 2 0

Geert Wilders: Reaktion der Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) auf den Auftritt in Wien!

§ 283 StGB (Strafgesetzbuch)-Verhetzung  

Sachverhaltsdarstellung – Stellungnahme und Kritik der TKG

Die FPÖ lud für den 27.03.2015 den niederländischen Politiker und bekannten Islamkritiker Geert Wilders in die Wiener Hofburg ein, um einen angeblichen islamkritischen Vortrag zum Thema „Europas Bedrohung durch die Islamisierung“ zu halten.

 

Dies sorgte bereits vorab für Diskussionen, Proteste und Befürchtungen von weiterer Islam-Hetze. Und Hetzer Wilders liefert: Aussagen wie „Der Islam wurde an den Toren Wiens besiegt. Johann Sobieski ist nicht tot. Er lebt in uns. In Ihnen. In mir. In jedem von uns. Wir fühlen sein Herz in unserer Brust schlagen. Und mit ihm und den Helden von 1683 sagen wir: […] Wir werden den Islam besiegen! und seine Vorschläge zur Handhabung von ausgereisten Jihadisten schlagen hohe Wellen und spalten die Ansichten der Menschen auch geografisch: während innerhalb der Räumlichkeiten das Publikum jubelt, wird vor der Hofburg protestiert.

 

Wilders schlägt einen sehr deutlich islamfeindlichen Ton an, der pauschalisierend alle Muslime unter Generalverdacht stellt, quasi einer „Terror-Religion“ anzugehören. Der rechtsextreme Massenmörder Anders Breivik bekannte sich als Wiedergänger Sobieskis und anderer kriegerischer Abendland-Retter mit dem bekannten Massaker. Dies kann man nicht unkommentiert lassen.

 

Übrigens: Interessant bei der Betrachtung der Beziehung zwischen der FPÖ (H.C. Strache) und dem Islamkritiker Wilders ist auch die Tatsache, dass Strache vor nicht allzu langer Zeit noch in sehr distanzierten Tönen von Wilders sprach. So meinte Strache 2011 noch: „Ich halte Geert Wilders für ein Strohfeuer, das bald erlöschen könnte. Eine Zusammenarbeit strebe ich aufgrund seiner undifferenzierten Positionen zur Zeit nicht an“, weiters könne Wilders aufgrund seiner radikalen Ansichten und Aussagen „für uns (die FPÖ) kein Partner sein“.

 

§283 StGB Verhetzung sagt:

 

„(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

 

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar gegen eine in Abs. 1 bezeichnete Gruppe hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft und dadurch verächtlich zu machen sucht.“

 

 

Analyse



 

Am 27.03. hielt der niederländische Politiker Geert Wilders in der Wiener Hofburg einen Vortrag zum Thema  „Bedrohung Europas durch die Islamisierung“.

 

Und diese Rede hatte es in sich. Wir von der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich (TKG) zeigen uns schockiert darüber, wie hemmungslos und radikal hetzend Wilders hier Anti-Islam-Propaganda betreibt. Unter dem Deckmantel des „Patriotismus“ betreibt Wilders in der Hofburg eine Hetze, wie sie im Lehrbuch steht. Laut österreichischem Strafgesetzbuch §241 wird neben Hetzern auch bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, dass die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.

 

Frage 1: Wer sind hier die Verbrecher? Wer sind hier die Bedroher? Wer ist hier entgegen jeder Vernunft der doppelte Verhetzer? Oder sind nicht alle Verhetzer gleichermaßen gesinnt ?

Ist hier nicht eine Analyse aller bestehenden Informationen, Datenquellen und Bestände aus der flächendeckenden Einführung einer Diagnose-Dokumentation notwendig?

 

Wir wollen vorausschickend betonen, dass wir zur Meinungsfreiheit stehen und auch Geert Wilders diese nicht absprechen wollen. Wir distanzieren uns auch von Fundamentalisten („Islamisten“), die Menschen mit Morddrohungen zum Schweigen bringen möchten und fragen: Hat Wilders in seiner Vergangenheit öffentlich nicht schon genug gegen den Islam, gegen Moslems und Austro-Türken gewettert? Wo sind die angeblichen Vertreter der „Islamischen“ bzw. der „Austro-Türken“ in Österreich? Ein Mitglied der TKG schreibt uns:„Ich melde eurer TKG-Seite, dass das, was Hetzer Wilders in Wien redet, das Schüren von Hass gegenüber allen Moslems und Austrotürken ist und niemand erhebt Einspruch mit sachlichen Argumenten, Tatsachen und belegbaren Angaben. Wir wurden hier entmenschlicht, bitte! Was ist der Unterschied zwischen IS-Hasspredigern und Hetze wie der von Wilders?“

 

Böse ist Faschismus, gut ist der Antifaschismus

 

Ohne den Versuch einer Aufklärung teilt Wilders in seiner Rede die Welt schlicht in Gut und Böse auf: In den Westen und den Osten und demnach natürlich in die „gute“ westliche, christlich-jüdische, und in die muslimische, „böse“ Kultur. Islamisten teilen auch die Welt schlicht in Gut und Böse, in Freund und Feind der Gegner, wie Wilders. Damit macht Wilders hier in Wien keine andere Unterscheidung und Aufteilung, als beispielsweise die Angehörigen des IS, nur eben auf der anderen Seite. Böse ist Faschismus aller Art, gut ist der Antifaschismus. Was Wilders vernebelt bzw. nicht zu wissen scheint, ist, dass er damit den radikalen Islamisten und IS-Angehörigen mit derlei Hetze (ungewollt) direkt in die Hände spielt.

 

Zunächst sollte man die Begriffe Patriotismus, Rassismus, Neo-Rassismus, Hetze und Terror genauer betrachten und definieren. Denn Wilders hat in seiner Rede in Wien versucht, über den Begriff des Patriotismus an Gefühle und Leidenschaften zu appellieren, um bestehende tendenziöse Aufreizung zum Hass und zur Verachtung gegenüber einer Religion und Religionsangehörigen pauschalisierend zur Hetze zuzuspitzen.

 

Heuchler und Brandstifter!

 

Wilders und der Kulturkampfbegriff  jüdisch-christliche Erbe

 

Es ist sehr bedenklich, wenn sich Wilders in der Hofburg auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft und dagegen den Islam und seine Angehörigen pauschal stigmatisiert und diffamiert. Nach Hetze gegen Arbeitsmigranten aus Bulgarien, Rumänien und Polen nannten ihn Politiker und Intellektuelle in den Niederlanden einen Brandstifter.

 

Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce. Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt:

 

„Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.So innig wie heute war die Beziehung zwischen Christen und Juden in Deutschland noch nie. Die neue Innigkeit ist nicht von Theologen und Pastoralklerikern ausgerufen worden, sondern von Politikern. Im Jahr 72 nach der Reichspogromnacht haben sie etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift, sondern den Triumph des Neuen über das Alte Testament gepredigt. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wird eine neue Kategorisierung der Minderheiten propagiert (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin): in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Weil aber dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum beachtet wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“ (Süddeutsche Zeitung, Heribert Prantl)

 

 

„Eine Erfindung der europäischen Moderne“

 

Es können viele historische Beispiele angeführt werden, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen. Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

 

„Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht“

 

Aus jüdischer Sicht muss es wie ein Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von christlich-jüdischer Tradition sprechen. Der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung christlich-jüdisch ebenso ab: „Sicher teilen Juden und Christen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch ganz nett, wenn Politiker weniger bedenkenlos von den ‚christlichen Zehn Geboten’ reden würden als in der Vergangenheit. Doch 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Christen haben ihn jahrhundertelang ignoriert, verfemt und immer wieder verboten. Jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen belegt: Dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töten und zu Mazze-Broten verarbeiten und an Pessach genüsslich verspeisen.“

 

Zentralrat der Juden in Deutschland

 

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands. So kann man auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland Folgendes lesen: „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt.“ Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.

 


Strache 2011: “ Ich halte Wilders für ein Strohfeuer“

 

Übrigens: Interessant bei der Betrachtung der Beziehung zwischen der FPÖ (H.C. Strache) und dem Islamkritiker Wilders ist im übrigen auch die Tatsache, dass Strache vor nicht allzu langer Zeit in noch sehr distanzierten Tönen von Wilders sprach. So meinte Strache beispielsweise 2011 noch: „Ich halte Geert Wilders für ein Strohfeuer, das bald erlöschen könnte. Eine Zusammenarbeit strebe ich aufgrund seiner undifferenzierten Positionen zur Zeit nicht an“, weiters könne Wilders aufgrund seiner radikalen Ansichten und Aussagen „für uns (die FPÖ) kein Partner sein“.

 

Hetze, Terror, Rassismus und Patriotismus 

 

Hetze ist der Rechtssprechung nach eine in einem Appell an Gefühle und Leidenschaften bestehende tendenziöse Aufreizung zum Hass und zur Verachtung.

 

Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder „angedrohte Gewalt“, um Menschen gefügig zu machen.

 

Rassismus meint die Ausgrenzung aufgrund körperlicher (physiognomischer) und/ oder biologischer (genetischer) Andersartigkeit und wurde bis 1945 vor allem biologisch begründet, d.h. es war die Rede von „überlegenen“ und „minderwertigen Rassen“. Diese Begründungen finden wir heute in dieser traditionellen Form selbst in Veröffentlichungen von Neonazis nur noch selten. Ist jedoch das Vorhandensein von biologischen Menschenrassen inzwischen genetisch widerlegt worden, wird auch schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Nun versucht man, die soziokulturellen Charakteristika, wie Herkunft, Gebräuche, Sprache und Religion als (negative) Unterscheidungsmerkmale heranzuziehen. Rassismus ist nicht zuletzt deshalb ein relativ weit verbreitetes Phänomen in der Gesellschaft, weil sich die rassistische Ideologie (siehe auch „Sozialdarwinismus“) angepasst und zum Teil eine andere Form und Ausdrucksweise angenommen hat. Dieser sogenannte Neo-Rassismus („kultureller Rassismus“) gibt sich wissenschaftlich und spricht von „Kulturen“ statt von „Rassen“. Im Vergleich zum traditionellen Rassismus setzt der Neo-Rassismus, also der „kulturelle Rassismus“, auf kulturelle Gebräuche und religiöse Unterschiede.

 

Patriotismus bedeutet eine emotionale Verbundenheit mit dem eigenen Vaterland, in Abgrenzung zum Begriff der Nation (lat. natio, Geburt), der die Abstammung betont. Niemand hat etwas gegen gesunden Patriotismus oder Vaterlandsliebe, solange man andere Nationen und Länder nicht diskreditiert, diskriminiert und pauschalisiert, kurz: Solange man keinen Terror-Neo-Rassismus gegen andere Nationen und Religionen ausübt.

 

Unter dem Vorwand „Patriotismus“ darf kein Rassismus ausgeübt werden!

 

Wilders betreibt Hetze und Neo-Rassismus





Geert Wilders wirbt in Wien durch seine Rede unserer Meinung nach jedenfalls nicht für Patriotismus, sondern für puren „Neo-Rassismus“ durch das Mittel der Verhetzung.

 

Mit seiner Argumentation hat Wilders kulturellen Rassismus durch Hetze gegen Moslems und insbesondere Menschen aus der Türkei geschürt und weiter ausgebaut (u.a. durch Verweise auf die Türkenbelagerung von 1683 und Ähnlichem). Das Wort „Patriotismus“ wird im Munde Wilders ausgehöhlt und statt emotionaler Verbundenheit mit Rassismus und Hetze gefüllt. Das alles, gut verpackt unter dem Deckmantel des Patriotismus, ist eigentlich purer und primitiver Neo-Rassismus.

 

Jeder wahre Patriot, egal ob links-liberal oder rechts-konservativ, sollte hier gegen diese Ausnutzung des Wortes „Patriotismus“ Einspruch erheben. Denn in der Geschichte wurden die größten Verbrechen unter dem Vorwand von Vaterland, Ehre, Nation, Glaube und Konfession getätigt. Europa ist Zentrum dieser Probleme in der Weltgeschichte gewesen und steht noch immer in der Gefahr dieser Probleme, auch durch Ansichten wie jene des holländischen Hetzredners und Rechtspopulisten mit Neonazi-Jargon, der sich nicht sonderlich vom Jargon der ISIS-Terroristen bzw. des „Poltischen Islams“ unterscheidet.

 

Deswegen können wir hier in Wien solche neo-rassistischen Aussagen von Wilders, die unserer Meinung nach deutlich als pauschale Islamfeindlichkeit interpretiert werden können, nicht unkommentiert lassen.

 

 

Wilders und Etikettenschwindel

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) sieht sich an erster Stelle der verfassungspatriotischen Österreicherinnen und Österreicher mit türkischen Wurzeln, und wird für die Säkularität in diesem Land gegen jede fundamentalistische Kraft, egal ob Muslim, Christ oder Angehöriger einer anderen Religion, als Bollwerk des Widerstandes einstehen, um für die gewonnenen demokratischen Rechte zu kämpfen.
Aber man darf die schönsten Wörter, nämlich Freiheit und Patriotismus, nicht missbrauchen, wie es der Hetzer Wilders tut! Wir verwehren uns gegen diesen billigen Etikettenschwindel. Das gilt nicht nur für uns, sondern für alle, die glauben, das Patentrecht – oder gar Gottesrecht – auf die Begriffe Patriotismus, Freiheit und Ehre zu haben.

 

Die europäische Identität basiert für die TKG nicht nur auf Herkunft, Nationalität und Zugehörigkeit zu einer bestimmten (religiösen) Gruppe oder dem Abstammungsprinzip, sondern auf der Vernunft und dem Verstand und dem Hochhalten von gemeinsamen Werten, gegen die wir leider selbst in anderen Ländern oder an den Grenzen Europas täglich verstoßen.

 

Wilders als Kulturschmarotzer

 

Für die TKG ist Wilders aus den oben genannten Gründen einer der vielen Kulturschmarotzer, die die eigentlichen Inhalte der christlichen, patriotischen und humanistischen Kultur längst abgelegt oder nie verinnerlicht haben und sich lediglich die Rosinen aus dem westlichen Kulturkuchen herauspicken.

 

Kurzsichtigen und Hetze-affinen Menschen, die den Verstand und die Vernunft nicht (ausreichend) verwenden, und die nicht über genügend Grundlagenkenntnisse über die Thematik verfügen, kann man mit solchen Hetzreden, die wir auch aus der islamischen Welt zu Genüge kennen (besonders aus dem salafistischen und politisierten Islam und aus der Türkei), vielleicht imponieren. Langfristig bieten sie jedoch keine Orientierung, sondern führen zu Terror und zur Kultur des Verachtens.

Wilders versucht mit seinen Hasspredigten in Wien insbesondere, alle Moslems zu diffamieren, indem er sie einer Religion namens Islam angehören lässt, die scheinbar nichts anderes ist, als eine „Terror-Religion“.

 

Mit Aussagen wie: „Wir werden den Islam besiegen“ behandelt er die Mitglieder dieser vermeintlichen „Terror-Religion“ in seiner Rede als parasitäres, gefährliches Virus, das man offensichtlich mit drastischen Mitteln bekämpfen muss, um die reinen, „guten“ Werte der westlichen Welt vor der Invasion aus dem Osten zu beschützen – damit appelliert Wilders wiederholt an den Patriotismus des „Westens“.

 

Wilders Rhetorik – alles schon einmal da gewesen:

Wilders will Koran abschaffen? 

 

Ohne Motive und Hintergründe zu erläutern, pauschalisiert Wilders in seiner Hetze alle Muslime zu einem einheitlichen, scheinbar terroristischen Brei, der droht, sich über ganz Europa auszubreiten.

 

Die Methode, der sich Wilders in seiner Argumentation bedient, ist ebenso simpel wie fatal: Er greift in seinem Reden direkt den Islam, den Koran und den Propheten an – und zwar mit Versen, die er direkt aus dem Koran zitiert: Der Hetzprediger sagt beispielsweise: „Lesen Sie nur die Sure 47,4 im Koran: ‚Wo immer du die Ungläubigen triffst, schlag sie auf ihre Nacken und verursache ein Blutbad.‘ Das gilt bis heute.“

 

Wilders zitiert hier die Sure 47, Vers 4 nicht richtig, denn er reißt sie aus dem historischen Kontext und verwendet sie, um alle Moslems unter Generalverdacht zu stellen, einer „Terror-Religion“ anzugehören.

 

Die gleiche Vorgehensweise, nämlich die des aus-dem-Zusammenhang-Reißens von einzelnen Textpassagen aus religiösen Büchern, ist uns jedoch nicht unbekannt: Auch die nationalsozialistischen Propaganda-Beauftragten Goebbels und Rosenberg haben für ihre antisemitische Hetze Passagen aus dem Alten Testament herausgepickt und außerhalb des Zusammenhangs zitiert, um es mitsamt dem gesamten Judentum als „entartet“ und als „jüdische Lohnmoral“ zu verkaufen und verbreiten zu können.

 

 

NSDP: Altes Testament abschaffen?

 

In seinem Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ forderte der damalige Leiter des außenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Rosenberg, sogar die Abschaffung des Alten Testaments, denn Israel dürfe nicht Gegenstand der Bewunderung sein und das Alte Testament könne als Religionsbuch keine Bedeutung mehr beanspruchen, denn es sei der „misslungene Versuch der letzten anderthalb Jahrtausende, uns geistig zu Juden zu machen.“ Rosenbergs Buch war mit einer Auflage von über einer Million Exemplaren unter der deutschen Bevölkerung weit verbreitet.

 

 

Jedenfalls verwendete Rosenberg, ähnlich wie Goebbels, unter anderem auch folgende Verse des Alten Testaments sowohl in seinen Büchern als auch in seiner Propaganda (und seinen Reden), um zu zeigen, wie „unterwertig“, brutal und schlichtweg falsch das Judentum sei:

 

Numeri 31,14-17: Mose geriet in Zorn: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon mit einem Mann geschlafen haben.

 

Josua 6,17/21: Die Stadt Jericho, mit allem, was in ihr ist, soll zu Ehren Gottes dem Untergang geweiht sein… Mit scharfem Schwert weihten sie alles dem Untergang. Männer, Frauen, Kinder, Greise, Rinder, Schafe und Esel.

 

Buch Könige 15,16: Menachem eroberte Tifach. Er tötete alle Bewohner der Stadt und ließ ihren schwangeren Frauen den Leib aufschlitzen.

 

Buch Könige 6,25/28f: Hungersnot im belagerten Samaria. Eine Frau sagte zum König: Diese Frau hat von mir verlangt: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn heute aufessen. Meinen Sohn werden wir morgen verzehren. So haben wir meinen Sohn gekocht und aufgegessen.

 

Joel 4,9f: Ruft den Heiligen Krieg aus! Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen und Lanzen aus euren Winzermessern!

 

Exodus 32,27f: Mose sagte zu ihnen: Zieht durch das Lager von Tor zu Tor. Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.

 

Levitikus 24,16: Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft. Die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.

 

Diese und andere Verse aus dem Alten Testament (und dem Talmud) wurden von der NSDAP als Beweise verwendet, die die „Entartung“ und das generelle „schlecht-Sein“ des Judentums untermauern sollten – ein simpler wie praktischer Trick, da eben diese Worte doch direkt aus der Alten Schrift stammen.

 

Und ebenjener Methode bedient sich nun auch Wilders – er schneidet sich Verse aus dem Koran heraus und bastelt sie zusammenhanglos zu seiner Argumentations-Collage zusammen.

 

Diese Suren, auf die sich Wilders in diesem Zitat beruft, sind im Kriegszustand und in der Heidenzeit entstanden, die nicht mit der jetzigen Zeit und den heutigen Umständen vergleichbar ist!

 

Wilders propagiert und interpretiert den Koran so, wie es die IS-Terroristen tun und verwendet diese Interpretation dann, um Hass, Furcht, Schrecken und Vorurteile zu schaffen bzw. weiter auszubauen und zu festigen. 

Dabei handelt es sich um ebenjene Zitate, die auch die IS-Terroristen gerne für die Rechtfertigung ihres Terrors heranziehen, obwohl es eine „Theologie des Faschismus“, „Theologie des Verachtens“, „Theologie der Gewalt“ ist, die eben nicht auf auf dem wahren Islam beruht, sondern auf einer gefälschten, auf nahöstlichen Bräuchen basierenden, traditionell interpretierten Version davon.

 

Islamkritiker Wilders setzt den IS-Terror mit dem Glauben des Islams gleich. Dabei tarnt er sich als objektiver Kritiker, der doch „nur die Wahrheit sagt“, und macht liberale, demokratische, gläubige, wie auch nichtgläubige Muslime zu Gegnern seiner Thesen. Es ist ebenso herabwürdigend, wenn Wilders Muslime dazu auffordert, „sich vom Islam abzuwenden“, wie es die IS-Terroristen von Christen oder Yeziden auch fordern. 



Diese krankhafte Haltung einer Marionette des pauschalen Anti-Islams schadet Österreich und sie schadet auch der FPÖ.

 

Was Wilders aber nicht zu verstehen scheint, ist, dass er mit genau diesem Verhalten und diesen Aussagen beispielsweise den IS-Anhängern in ihrer Argumentation direkt in die Hände spielt. Denn ebendiese Aussagen geben dem IS aus seiner Sicht die Rechtfertigung, den Islam und dessen Angehörige doch nur vor dem bösen Westen schützen zu wollen.

 

 

Wir von der TKG meinen dazu: Wir Europäer sind durch die Aufklärung gegangen und dennoch haben wir die schmerzliche Tragödie des Faschismus erlebt. Wer glaubt, dass diese Erfahrungen der Vergangenheit angehören, der sollte den Blick schärfen. Europaweit glaubt eine seltsame Allianz zwischen einem islamistischen und einem rechtsradikalen Sumpf an die jüdische Weltverschwörung. Dass die Hetze gegen jüdische Mitbürger da wieder in Schwung kommt, braucht uns daher nicht zu wundern. Wenn nun Wilders eine Allianz zwischen Israel und Freiheitlichen herbeireden will, so bedient er sich der Vorurteile gegen den Islam und gegen die Türken. Ziemlich primitiv, durchschaubar, langfristig nicht haltbar und bringt das Gegenteil. Wir warnen als Freunde der Vernunft…

 

 

Hetzprediger wie Wilders stärken religiös-faschistische Organisationen

 

Die Terroristen wollen genau das, was Anti-Islam-Prediger Wilders betreibt, nämlich: pauschalisierende Hetze gegen den Islam, gegen den Koran, gegen Mohammed.

 

Und so funktioniert es: Durch Anti-Islam-Hetze bekommen sie den idealen Vorwand präsentiert, wiederum Gegenhetze zu betreiben, und zwar unter dem Vorwand, den Islam doch nur verteidigen und beschützen zu wollen.

 Diese „Logik des Schreckens“ bringt Neo-Rassisten und beispielsweise Terroristen des IS in eine Win-Win-Situation, in der ein Extremist und Religions-Faschist dem anderen Neo-Rassisten Wasser auf die Mühlen gießt.

 

 

Terror führt zu Terror: RNH AG ( „Religionsfaschismus und Neonazi-Hetze AG“) – Man muss die Spreu vom Weizen trennen!

 

Man könnte sagen, diese beiden Gruppen sitzen in der gleichen Aktiengesellschaft, zur Veranschaulichung nennen wir sie „Religionsfaschisten und Neonazi-Hetze AG“, jeder mit der Hälfte des Aktienbesitzes.

 

Diese Aktiengesellschaft steigert ihren Wert in der Börse immer mehr, je mehr die beiden Gruppen gegeneinander Hetze betreiben und so verdienen die beiden Pseudo-Feinde aneinander. Um dies unentdeckt tun zu können, bilden beide ein eigenes Unternehmen und bewerfen sich vielleicht auf dem „Wiener Naschmarkt“ mit Äpfeln und Birnen. Die Medienaufmerksamkeit ist ihnen gewiss. 

Sie sind eigentlich Freunde des gleichen Zieles im Nahen Osten und in der Welt – sie dienen gleichen Herrschern und Diktaturen, seien sie faschistisch, kapitalistisch, fundamentalistisch oder salafistisch oder von allem ein bisschen.

 

Hier müssen die wahren Patrioten, die auf Verstand, Vernunft, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit setzen, in ihrem eigenen Land darauf Acht geben, in ihrem eigenen Interesse, die Spreu vom Weizen zu trennen! Wenn sie dies nicht beachten, werden sie in Wirklichkeit Feinde ihrer eigenen Nation, Heimat, Religion, Konfession und allem Wertvollen, Menschlichen und Humanistischen, was es in ihrem Land noch zu verteidigen gibt. 

Hier spielen die Aktienbesitzer und Vorstände der „Religionsfaschismus und Neonazi-Hetze AG“, kurz „RNH AG“, den Feuerlöscher, obwohl sie eigentlich die Brandstifter sind. Man hat in Europa gegen die Fundamentalisten und Rassisten gewonnen und Freiheit und Demokratie geschaffen und nicht umgekehrt. Fundamentalisten, Faschisten und Rassisten haben in Europa nichts verloren und brauchen deswegen auch nicht den „Feuerlöscher“ zu spielen.

 

 

„Politischer Islam“ (Politisierter Glaube) ist der wahre Feind und nicht der Islam, der Koran oder Mohammed! Vorsicht: Die Spreu vom Weizen trennen!

 

Der Kern jeder modernen liberal-aufgeklärten und demokratischen Staatlichkeit ist die Trennung von Glauben und Wissenschaft, von Staat und Religion. Dies ist für Vertreter des politischen Islams undenkbar. Mittlerweile geht der Angriff gegen Europa nicht nur von den Rechtsextremisten aus, sondern auch von religiösen Extremisten. Zum politischen Islam werden alle Bewegungen gerechnet, welche die Religion des Islams als Einheit von Glaube, Gesellschaftsordnung und Politik betrachten und dieses System mit Gewalt oder durch die Teilhabe am politischen Diskurs implementieren möchten.

 

Im Kern geht es um Politik mit religiöser Begründung, dies macht den politischen Islam gefährlich, gerade in Europa und besonders in Österreich werden die Entwicklungen im schlechtesten Fall negiert, meist sogar wissentlich mit Unterstützung von den Regierungsparteien in Österreich hofiert. Diese Mischung aus Kalkül, Unwissenheit und kurzfristigem Profitdenken ist sträflich und gefährlich. Deshalb ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

 

TKG: Aufklärung, statt radikaler Pauschalisierung

 

Die Türkische KULTURgemeinde (TKG) kämpft seit über 20 Jahren gegen den politisierten Glauben („Politischer Islam“) und gegen „die Theologie des Verachtens“ – an erster Stelle durch Aufklärung über die Unterscheidung zwischen dem „wahren Islam“ und dem „politisierten Islam“ und mit dem Appell, diese beiden Begriffe nicht gleichzusetzen, weil das die Fundamentalisten („Politischer Islam“, „Islamismus“) bis jetzt immer noch weiter gestärkt hat.

 

Für Außenstehende sind die Zusammenhänge und Hintergründe natürlich nicht leicht verständlich. Das wiederum nützen vor allem die IS-Terroristen und Anhänger des politisierten Islams genüsslich aus.

 

Wilders sieht, wie gesagt, offensichtlich in allen Muslimen aktive oder zumindest potentielle Anhänger des IS und der fundamentalistischen Kräfte. 

Er blendet die liberalen Muslime aus und schwächt ihren Stand innerhalb des Islams. Wilders stärkt damit aber indirekt die Fundamentalisten und schwächt die liberalen Muslime. Er schwächt damit die Position jener, die ebenso die Freiheit hochhalten und sich für eine säkulare Verfassung einsetzen.

 

Hetzer Wilders unterstützt damit indirekt den politischen Islam und die IS-Terroristen, weil sie seine Aussagen problemlos als Aufhänger für Gegenhetze verwenden können und werden, nämlich unter dem Vorwand, dass sie, wie bereits erwähnt, doch nur den Islam, die Moslems und den Propheten Mohammed schützen wollen und nehmen somit alle Moslems als Geisel.

 

Daraus folgt: wenn wir dann gegen den politischen Islam und den IS auftreten, werden wir, die andersdenkenden, liberalen Moslems, als Nestbeschmutzer mit allen Mitteln bekämpft und terrorisiert.

 

Wo stehen für Wilders die aufgeklärten, humanistischen Muslime? Oder existieren diese für ihn gar nicht? 

Mit den aus seiner Argumentation resultierenden Gedankengängen macht es den Eindruck, als wolle Wilders indirekt eine Art Endlösung provozieren, durch Aussagen, wie: „Ich will keine Imame, keine Moscheen mehr haben.“ (Kurier, 27.03.) Dafür verwendet er verschiedene Argumente, die einem nichtdenkenden Menschen gerade recht kommen, der sich mit diesen IS-Terroristen und nahöstlichen Konflikten und den salafistischen Systemen und Diktaturen identifizieren kann.

 

 

Wilders´ Argumentation und Kritik speist sich aus einer unzeitgemäßen, verfälschten Version des Korans

 

Wilders kritisiert weiters: „Ich glaube nicht daran, dass man den Islam reformieren kann“.

 

Er sieht den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed demnach also als einen monolithischen Block, den man nicht zerschlagen kann, der nicht reformierbar ist, den man nicht an die Zeitumstände anpassen kann. Damit stempelt er 1,57 Milliarden Muslime als fundamentalistische Taliban, bzw. IS-Terroristen ab.

 

Doch weder Aleviten, Sunniten, noch Schiiten vertreten diese theologisch-hermetische Auffassung, dass der Koran absolut wörtlich und nicht zeitgemäß interpretiert verstanden werden darf!

 

Mit diesem Statement stellt er den Koran als unabänderlich und nicht reformierbar dar – Ruft Wilders damit indirekt zur Idee der Endlösung auf?

 

Ist es nicht eine Schande für Wien, für alle Leute, die diesen Gedanken salonfähig machen, wie für diejenigen Leute, die den politisierten Islam seit Jahren in Wien salonfähig machen und gemacht haben?

 

 

Stellungnahme, Aufklärung und Kritik der TKG

 

Diesen politischen Islam kritisieren wir im Namen der TKG seit Jahren und werden ihn weiterhin kritisieren und aufklären. Das bedeutet auch, dass wir die betriebene Hetze von Wilders an dieser Stelle nicht unkommentiert lassen können. In Österreich ist die Meinungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben und ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, aber ohne Hetze!

 

Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Diese Stagnation hat die muslimischen Länder in die Geiselhaft genommen und diese Haltung versuchen Vertreter des politisierten Islams auch in Europa zu implementieren und einen Keil in die Gesellschaft hineinzutreiben.

 

Daher sagen wir, die Türkische Kulturgemeinde Österreich, dass beispielsweise die von Wilders zitierten Suren neu interpretiert werden müssen, wie viele andere auch – ortsgemäß, zeitgemäß und unter Nutzung des Verstandes und der Vernunft! Es sind eben Terroristen und Verbrecher, die diese Verse für ihren Machtanspruch missbrauchen!

 

Diese Verbrechen, welche im Namen des Islam begangen werden, haben absolut nichts mit dem Islam zu tun. Der politische Islam, als Wegbereiter für Fundamentalismus und Extremismus ist auf das Schärfste abzulehnen und nicht der Islam als Religion. Denn Religion und Nicht-Religiosität ist immer das, was die Menschen daraus machen.

 

Die Verantwortung liegt letztendlich beim Individuum, denn der Mensch wurde mit freiem Willen geboren. Deswegen darf es keine Unterstützungsliebhaberei gegenüber dem politischen Islam geben, welcher sich mittlerweile in ganz Europa niedergelassen und große Netzwerke aufgebaut hat. Unter dem Vorwand des interreligiösen und interkulturellen Dialogs agieren diese Gruppierungen gegen die Werte der EU und die der allgemein gültigen Menschenrechte. Dem müssen wir mit der Kraft der Vernunft und des Verstandes, auf dem Fundament der gemeinsamen Werte und der allgemein gültigen Menschenrechte, sowie mit keiner falsch verstandenen Toleranz entschieden entgegentreten.

 

 

TKG: Nein zum politisierten Islam! Nein zu jeglichem Rassismus, zu Menschenfeindlichkeit und Faschismus aller Art!

 

So lautet das Motto der TKG, von stolzen Österreicherinnen und Österreichern mit türkischen Wurzeln. 


Der Kern des Islam besteht nicht darin, dass man nach Mekka pilgert oder fünfmal am Tag betet oder während des Ramadans fastet oder auf Alkohol verzichtet . Das ist alles sehr wichtig, aber im Wesentlichen geht es im Islam um Gerechtigkeit.

 

Prophet Mohammed war gegen Armut und gegen Ignoranz. Aber die heutigen Herrscher in den sogenannten „muslimischen Ländern“ setzen den Islam vor allem als Machtinstrument ein. (Askari, SZ) 

Das Wort „Islam“ besteht aus den Wörtern „Selam“ und „Silm“. Das Wort „Selam“ bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vertrauen und beschreibt die Rahmenbedingungen des Glaubens, die jeder Moslem – besonders auch für andere – zu schaffen verpflichtet ist.

 

Im Nahen Osten werden gerade alle diese Werte zunichte gemacht und daher müssen alle, besonders die Moslems, hier gegen diesen Terror im Namen unserer Religion aufstehen.

 

„Die Grenze ist überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist“





Muzicant sagte im Gespräch mit dem STANDARD am 21.05.2010: „Als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde fühle ich mich verpflichtet, massiv davor zu warnen, dass zwischen dem, was die Antisemiten und Nazis in den 20er- und 30er-Jahren gemacht haben und dem, was die FPÖ-Politiker in diesen Wochen treiben, kein großer Unterschied ist. Wohl betont: 20er- und 30er-Jahre“.

Und weiter: „Die sagen’s jetzt gegen die Moslems, verunglimpfen eine Religionsgemeinschaft und deren Vertreter, beschimpfen Moslems, dass sie keine ordentlichen Österreicher sind und so weiter.“ Das sei unerträglich. „Es sind nur dieses Mal nicht die Juden sondern die Moslems. Aber die Diktion, die Sprache, die Vergleiche, die Unwahrheiten, die Hetze waren genau das selbe“, meint der IKG-Präsident. Es sei, so Muzicant, „eine Schande für unsere österreichische Heimat, dass im Jahr 2005 so etwas möglich ist. Und dann wundern wir uns, wenn man uns im Ausland als Nazis beschimpft.“ Für den IKG-Präsidenten ist längst „die Grenze überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist. Wenn ich gegen eine Religionsgemeinschaft hetze, dann ist das in meinen Augen nicht mehr zulässig.“ (Der Standard, Printausgabe, 21.10.2005)

 

 

„Liebe Deinen Nächsten“ ist vielleicht schwer, aber…!

 

Wir, die TKG, wissen, dass das Judentum als abrahamitische Religion zu uns als Moslems, liberalen Aleviten und liberalen Sunniten, gehört und betrachten die Juden als Brüder und Schwestern, denn ebenso wie das Christentum, gehört es auch zu den Buchreligionen. 

„Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, sagt das Alte Testament im Buch Levitikus 19,18. 

Ein Rabbiner sagte dazu vor kurzem einmal in Wien: „Das ist vielleicht zu viel verlangt.“

 

Wir finden, wir sollten uns aber wenigstens an den Vorsatz halten, niemandem das zuzufügen, was wir nicht für uns selbst wollen. Aber mehr noch, denn dieses Gebot lehrt uns, auf den Nächsten zu achten und ihm zu helfen, wo wir es nur können. Dieser Rabbiner und viele christliche, humanistische Menschen sind unsere Vorbilder! Und dafür müssen wir unsere Religion, den Islam, nicht aufgeben! Uns verbindet mit diesen Menschen vor allem der gegenseitige Respekt, die Achtung der Menschenwürde und unsere große Verbundenheit mit der österreichischen säkularen Verfassung.

 

 

Wilders hat die Menschenwürde verletzt, beschimpft und verächtlich gemacht

 

Immer wieder beschwört Wilders in seiner Rede den Wert der Freiheit. Dabei vergisst er, dass auch Muslime in Europa Freiheiten haben und gerade der Humanismus betont die Religionsfreiheit. O-Ton Wilders: „Der Islam darf sich nicht im eigenen Land ausbreiten!“. Damit beschränkt Wilders die Freiheiten andersgesinnter Gläubiger und Mitbürger. Damit wettert er eigentlich auch gegen die österreichische Verfassung, ohne sie beim Namen zu nennen. 

In dieser Logik kann man dann leicht zynisch fordern, verblendete Jugendliche doch einfach „in den Jihad ziehen zu lassen“.

 

Unsere Moral, unser Rechtssystem, unser familiäres Empfinden lassen diesen zynischen Umkehrschluss aber nicht zu. Dagegen verwehren wir uns! Kein muslimischer Familienvater will seinen Sohn in der syrischen Wüste sehen. Keine Mutter würde ihre Tochter dort hinschicken.

 Was darauf folgt, kennen wir aus der Geschichte und sagen: Wehret den Anfängen!

 

 

Wilders betreibt Hetze, auch nach dem Gesetz?

 

Der §130 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches (StGB) „Volksverhetzung“ und der §283 des österreichischen Strafgesetzbuches (StGB) „Verhetzung“ sowie die entsprechenden internationalen Gesetze weltweit sind nicht umsonst von Parlamenten und Regierungen im Namen des Volkes verabschiedet worden.

 

Eine strafwürdige Verhetzung richtet sich demnach in allen Fällen gegen bestimmte Personengruppen, die der Täter als Angehörige einer bestimmten Rasse, Ethnie, Staatsbürgerschaft oder im Inland bestehender Kirchen und Religionsgesellschaften definiert. Nach Absatz 1 muss der Täter dabei öffentlich, das heißt für mindestens zehn Personen wahrnehmbar, zu Gewalt gegen die betroffene Gruppe auffordern oder aufreizen und damit die öffentliche Ordnung gefährden.

 

Nach Absatz 2 kann man das Delikt durch direkte Aufrufe zu Hass und Verachtung gegen eine Bevölkerungsgruppe begehen, die über einfaches Herabsetzen und Beleidigen hinausgehen, oder durch Äußerungen, die die Betroffenen als minderwertige Wesen quasi als Untermenschen hinstellen und damit „in ihrer Menschenwürde beeinträchtigen“.

 

TKG fordert: Menschenwürde in der österreichischen Verfassung verankern!

 

Für den hetzenden Wilders steht die „Verteidigung Wiens“ offenbar nicht für die Bewahrung des Christentums, das Bekenntnis zur Heiligen Dreifaltigkeit oder für die Kultur des Lebens, sondern für den Verteidigungskampf von „Freiheit, Ehre und Würde“.

 

Wir fragen: Welche Freiheit? Welche Ehre? Welche Würde?

 

Wie kann man diese drei Wörter dermaßen missbrauchen, vergewaltigen, verdrehen und gegen andere Religionen und Kulturen verwenden und die Ehre und Würde dieser Menschen derart mit Füßen treten? Jeder Moslem wird seine Freiheit, seine Ehre und Würde gegenüber Wilders und ähnlich tickenden Neo-Rassisten mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen wissen.

 

Die TKG fordert nun, dass der Artikel 7 der Österreichischen Bundesverfassung, in dem unter anderem festgehalten ist, dass „alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich sind“, um folgende Formulierung ergänzt wird: „Die Menschenwürde ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen.“

 

Es wäre ein wichtiges Zeichen, diese Bestimmung der Charta der Menschenrechte auch in der österreichischen Bundesverfassung zu verankern. Dies würde auch dem Subsidiaritätsprinzip entsprechen. Verschiedene Menschenrechtsvergehen könnten dann direkt in Österreich einklagbar sein.

 

 

Wien taugt nicht als Symbol für den Anti-Islamismus.

 

Wer die Götzen „Freiheit, Ehre und Würde“ verehrt, sollte auch selbst danach handeln. 

Deswegen ist es einmal mehr lächerlich und unglaubwürdig, wenn sich national-liberale Leute wie Wilders zu demagogischen Führern aufspielen, als ginge es ihnen um die Verteidigung des christlichen Abendlandes oder des Christentums per se.

 

Überhaupt halten wir es für falsch, die Expansion des Osmanischen Reiches bis 1683 und die Zweite Türkenbelagerung mit der heutigen Situation zu vergleichen.

Das Osmanische Reich gibt es nicht mehr, Wien ist nicht belagert und braucht auch nicht entsatzt zu werden. Die TKG distanziert sich vom Neo-Osmanismus aller Art. Wir haben die Geschichte der Wiener Türkenbelagerungen schon oft studiert, sie taugt nicht als Sinnbild, Vergleich oder Metapher für heutige Probleme und Fragestellungen.

 

Dagegen wird die Türkenbelagerung heute trotzdem für populistische Hetze verwendet und ideologisch instrumentalisiert. Hetze gegen andere Rassen, andere Kulturen und andere Bekenntnisse, die in Wirklichkeit gar nicht so „anders“ sind. Nämlich Hetze gegenüber Türken und Moslems und alles, was der Volksmund darunter versteht.

 

 

Wettert Wilders gegen eine Kultur oder gegen eine Religion? 



 

Noch skurriler ist es, wenn Wilders dem Staat Israel einen Bärendienst erweisen zu wollen scheint. 

Wilders nimmt jeden Zuhörer in Geiselhaft: „Ein Krieg gegen Israel ist ein Krieg gegen uns alle!“. Wilders verschiebt auf dem ideologischen Schachbrett in einem Spiel gegen sich selbst FPÖler, Niederländer, Österreicher, Israelis, Jihadisten, Türken, Moslems, Juden, Christen, wie weiße und schwarze Bauern und stellt sich selbst einmal auf diese und einmal auf jene Seite.

 

In seiner Rede in der Wiener Hofburg stimmte er plötzlich die Zuhörer auf Israel ein: „Kann Israel nicht in Frieden existieren, können wir es auch nicht!“.

 

Noch verwirrter ist man, wenn man folgenden Aufruf Wilders´ analysieren will: „Lasst uns Seite an Seite mit Israel stehen, dem Bollwerk unserer Zivilisation im Nahen Osten, dem Leuchtfeuer in dunkler Gegend!“ Wilders will Israel und das Judentum, das Abendland und das Christentum dem Islam entgegensetzen. Wilders verwechselt hier aber Äpfel mit Birnen und glaubt scheinbar, damit Israel nützlich sein zu können. Seine Ideologie, seine Gedanken sind im Grunde nicht patriotisch, sondern zutiefst antisemitisch.

 

Wenn man sie objektiv analysiert, ist die Rede von Geert Wilders eigentlich indirekt Antisemitismus.

 

 

TKG: Wilders gebührt die „Saure Zitrone“




 

Wilders Rede ist eigentlich indirekt antisemitisch, wenn man richtig zuhört. Er ersetzt lediglich die Begriffe Judentum, Talmud und Tora durch die Begriffe Islam, Koran und Mohammed. Gestern sagte man: „An allem Schlechten sind die Juden schuld.“ Und morgen?

 

Unter dem Vorwand, für Israel einzustehen und unter der Behauptung, dieses sei ein Bollwerk der westlichen Zivilisation, führt er seine eigenartigen Thesen ad absurdum. Das Thema des Nahen Ostens ist dazu viel zu komplex und sollte nicht nach Wien transferiert werden und darf in Österreich nicht über Israel zur Hetze gegen Moslems werden.

 

Es ist ein Skandal erster Klasse, wenn sich der Islamkritiker Wilders in der Hofburg auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft. Wer vom religiösen Erbe spricht, muss sich fragen lassen, wie sehr er denn überhaupt den Kern und die Lehre dieser Religionen verinnerlicht hat. Das Erbe kann schnell zur leeren Form werden, wenn man nicht am Kern festhält. Nächstenliebe, Gastfreundschaft, Feindesliebe sind kein Erbe, sondern Gebote und ziehen konkrete Taten nach sich. Der Begriff des Erbes ist auch problematisch, wenn das Erbe mit Hypotheken behaftet ist. Die Christen wissen das nur zu gut aus ihrer „eigenen“ Geschichte. Die Juden kennen das „jüdische Erbe“, das ihnen immer wieder wie ein Brandmal aufgedrückt wird. Fazit: Genozid! Die Moslems werden sich aber nicht genozidieren lassen!

 

Wilders spricht von jüdisch-christlichen Werten und einer „besseren Kultur“, einer „überlegenen Zivilisation“. Den Inhalt dieser Werte, dieser Kultur, dieser Zivilisation bleibt er aber schuldig. Wahrscheinlich meint er damit auch seine national-liberalen Forderungen nach Grenzüberwachung, Ausweisung und Assimilierung, jedenfalls nicht die Frohe Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung. Fordert er doch in einem Aufwaschen den Austritt aus dem Schengen-Abkommen, die Ausweisung aller Jihadisten, etc.

 

Ihre Message, Herr Wilders, ist angekommen! 




 

Vielen Dank für den offenen Neo-Rassismus!

 

 

Fazit: Wir von der TKG halten die demagogische Logik von Geert Wilders für lächerlich, wenn nicht gar gefährlich, und empfehlen der FPÖ, sich von Hetzern wie Wilders zu distanzieren.

 

Wir fragen im Namen der TKG: Was ist der Unterschied zwischen der Propaganda der IS-Terroristen und der Hetze eines Herrn Wilders?

 

Die TKG ruft die FPÖ und Sympathisanten auf, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich nicht auf platte Sonntagsredner einzulassen. Von Hetzern gegen Muslime muss sich die FPÖ eher distanzieren…Und wer hetzt und Hetze duldet, muss wissen, dass der Bumerang meist zurückkommt. Und jeder wahre demokratische Patriot muss Österreich von Hetze, egal aus welcher Ecke sie kommt, mit Vernunft, Verstand und Ehrlichkeit schützen.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Obmann
Dipl.-Ing. Birol Kilic

 

 

Was ist Islam und was ist er nicht?

www.turkischegemeinde.at/index.php?id=343&tx_ttnews[tt_news]=34&cHash=fdc2afe46ef6cd5b26e11f1a1d14fddc

 

Rükfragen:

Dr. Melissa Günes
Generalsekretärin

Türkische Kulturgemeinde in Österreich
Avusturya Türk Kültür Cemiyeti

E-mail: m.gunes@turkischegemeinde.at

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06 02 2015
By: Redaktion 2 0

Talk im Hangar 7 – Europas Extremisten – Wie gefährdet ist Österreich?

Servus TV – 23.01.2015 Europas Extremisten – Wie gefährdet ist Österreich?   Die Attentate von Paris und weitere Terrordrohungen gegen Europa haben die Debatte über den Islam und die Zuwanderung neu entfacht. Ist die gesellschaftliche Ausgrenzung der Grund für die zunehmende Radikalisierung gewisser muslimischer Gruppen? Oder ist die Religion der Grund? Während muslimische Organisationen und westliche Politiker behaupten, die Anschläge islamischer Extremisten hätten nichts mit dem Islam zu tun, kritisieren andere die Gewaltbereitschaft des Islam.   Die Frage, wie sich unsere Gesellschaft vor religiösen Extremisten schützen kann, ohne dabei alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen, steht im Zentrum der Debatte. Tatsache ist: Rund 570.000 Muslime suchen ihren Platz in der österreichischen Gesellschaft. Nicht alle sind bestens integriert. Islamische Identität in einem europäischen Umfeld – kann das gut gehen?

 

www.servustv.com/at/Medien/Talk-im-Hangar-781

 

Talk im Hangar 7

Servus TV – 23.01.2015

 

Moderation: Michael Fleischkacker

 

Gäste:

Susanne Scholl – Journalistin und Auslandskorrespondentin

Birol Kilic – Präsident der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich

Friedrich Steinhäusler – Physiker und Terror-Experte

Henryk M. Broder – islamkritischer Publizist und Kolumnist

Gerhard Haderer – österreichischer Karikaturist

 

 

Talk im Hangar 7

Servus TV – 23.01.2015

 

Die Attentate von Paris und weitere Terrordrohungen gegen Europa haben die Debatte über den Islam und die Zuwanderung neu entfacht. Ist die gesellschaftliche Ausgrenzung der Grund für die

zunehmende Radikalisierung gewisser muslimischer Gruppen? Oder ist die Religionder Grund? Während muslimische Organisationen und westliche Politiker behaupten, die Anschläge islamischer Extremisten hätten nichts mit dem Islam zu tun, kritisieren andere die Gewaltbereitschaft des Islam. Die Frage, wie sich unsere Gesellschaft vor religiösen Extremisten schützen kann, ohne dabei alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen, steht im Zentrum der Debatte.

 

Tatsache ist: Rund 570.000 Muslime suchen ihren Platz in der österreichischen Gesellschaft. Nicht alle sind bestens integriert. Islamische Identität in einem europäischen Umfeld – kann das gut gehen?

 

Fest steht: Die Drohungen islamistischer Extremisten beschäftigen den heimischen Verfassungsschutz. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert, die Politiker besorgt und die Bürger verunsichert. Europas Extremisten verbreiten Angst und Schrecken. Viele Staaten reagieren mit verstärkten Kontrollen und Anti-Terror-Aktionen. Spezial-Einheiten werden aufgerüstet. Die Überwachung intensiviert.

 

Wie groß ist die islamistische Gefahr in Österreich wirklich? Sollten wir als Reaktion auf die jüngste Terrorwelle unsere Einwanderungspolitik überdenken? Holen wir mit den Flüchtlingsströmen auch automatisch den Terror mit ins Land? Wie kann verhindert werden, dass sich junge Muslime radikalisieren? Wer stoppt den Vormarsch der Extremisten?

 

Moderation
Michael Fleischhacker

 

Gäste:

Susanne Scholl – Journalistin und

Auslandskorrespondentin

Birol Kilic – Präsident der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich

Friedrich Steinhäusler – Physiker und Terror-Experte

Henryk M. Broder – islamkritischer Publizist und Kolumnist

Gerhard Haderer – österreichischer Karikaturist

 

Sendetermine:

Freitag 23.01.2015 | 2:20
Donnerstag 22.01.2015 | 22:20

 

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26 01 2015
By: Redaktion 2 0

Gemeinsame Erklärung anlässlich des Int. Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner 2015

Wien – Feindschaft gegen Juden als Menschen, Volk und Religion ist ein altes Phänomen. Diese zunächst religiöse Judenfeindschaft war die Grundlage des Rassenantisemitismus bis hin zum Holocaust. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Jänner, den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den Juden, dem ersten Versuch einer technologisch organsierten Liquidierung eines ganzen Volkes. Diesem modernen Rassenantisemitismus ging eine religiöse Judenfeindschaft voraus. Christliche Religionsgemeinschaften haben Judenhass (Antisemitismus) längst thematisiert, scharf verurteilt und bereits wesentliche Schritte zur Überwindung dieses Erbes gesetzt.

 

www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150126_OTS0023/gemeinsame-erklaerung-anlaesslich-des-int-holocaust-gedenktages-am-27-jaenner-2015

 

Im islamischen Raum und unter den hier wohnenden Muslimen in Europa verzeichnet man in letzten Jahrzehnten bedauerlicherweise eine dramatische Steigerung des Judenhasses. (Beispiel: Malmö, Paris, Toulouse, Brüssel) Das beweisen entsprechende Umfragen (WZB-Berlin, Amadeu-Antonio Stiftung, Bielefelder Institut für Konfliktforschung, Grundrechtsagentur der Europäischen. Union und Deutsches Institut für Islamfragen.

 

Die Menschen in Europa unabhängig von ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit – sind gerade an diesem Internationalen Holocausttag gefordert, sich in Solidarität gegenüber Rassismus, Fundamentalismus, Juden- und Muslimenfeindlichkeit zusammen zu finden und zu verhindern, dass Mitglieder ihrer Gemeinschaften selbst zu antijüdischen oder sonstigen religionsfeindlichen oder rassistischen Akteuren werden.

 

Im Sinne einer pädagogischen Aufklärung kommt den Religionsverantwortlichen eine besondere Bedeutung zu, weil sie mit Besinnung auf den Kern aller Religionen zum Schutz der Menschenwürde besondere Akzente für den Frieden setzen können. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit eigene theologische Traditionen auf ihre gegenwärtige Bedeutung hin kritisch zu hinterfragen, um sich von menschenverachtenden und meist politisch motivierten und aus dem historischen Kontext gerissenen theologischen Inhalten klar zu distanzieren.

 

Spannungen aufgrund unterschiedlicher politischer Narrative und Ansichten bezüglich Konflikten in anderen Teilen der Welt dürfen nicht nach Österreich importiert werden. Ganz im Gegenteil: in Österreich sind Akzente zu setzen, die zeigen sollen, dass Frieden und Solidarität unter den Religionen möglich ist. Die Muslime unter uns verwehren sich dagegen, dass Verse ihres heiligen Buches, des Korans, dazu benutzt werden, gegen andere Religionen, wie das Judentum oder das Christentum, zu hetzen. Vielmehr genießen das Judentum wie auch das Christentum besondere Anerkennung im Koran. Religiösen Antijudaismus, wie er von der Theologie des politischen Islams mit fundamentalistischen und verfälschten Koran-Interpretationen vertreten wird, lehnen wir ab.

 

Insbesondere verurteilen wir alle unmenschlichen und rassistischen Hadithe späteren Datums, die Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten darstellen. Das Wort „Islam“ im Koran hat als Wurzel das Wort „Selam“, das „Friede“ bedeutet. Alle Muslime sind verpflichtet durch ihre Taten und Handlungen das Wort „Selam“ auch zu leben.

 

Die Juden unter uns weisen darauf hin, dass gemäß den Prinzipien der sieben noachidischen Gesetze der Ethik (Talmud Sanh. 56) Andersgläubige einen den Juden gleichen Anteil an der kommenden Welt haben und wir aus diesem Grunde jegliche Missionierung ablehnen. Angehörige anderer Religionen sind für uns gleichberechtigte Partner. Die Österreichische Bundesverfassung zu der wir uns alle als oberster ziviler Rechtsordnung bekennen, legt die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.

 

Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Israelitische Kultusgemeinde Wien – Israelitische Religionsgesellschaft
Türkische Kulturgemeinde in Österreich

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07 01 2015
By: Redaktion 2 0

Türkische Kulturgemeinde (TKG) verurteilt auf das Schärfste den abscheulichen Terroranschlag in Paris

Wien – Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt auf das Schärfste den abscheulichen Terroranschlag in Paris.

 

TKG-Obmann Birol Kilic verurteilt die Angriffe auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wie folgt scharf: „Ein solcher Akt des Terrors im Herzen von Paris gegen Vertreter einer kritischen Presse ist eine abscheuliche Tat und eine Barbarei der Sonderklasse, die mit dem wahren Islam nichts zu tun hat. Jede Meinung ist für uns wichtig. Auch die kritischer Andersdenkender. Die Journalisten sind die Märtyrer der Freiheit.

 

Unser tiefes Mitgefühl gehört den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer in Paris.

 

Das ist ein frontaler Angriff auf unsere demokratischen Werte und die Freiheit unserer Gesellschaften, dem wir uns zusammen mit aller Kraft entgegenstellen müssen. Wir sind schockiert und entsetzt, rufen aber alle demokratischen Kräfte auf, sich nicht einschüchtern zu lassen.“

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22 12 2014
By: Redaktion 2 0

Weihnachts- und Neujahrswünsche der Türkischen KULTURgemeinde

Wien – Komm, komm, was Du auch sein magst, komm wieder! Egal was du bist, auch wenn Du ein Ungläubiger bist, ein Götzendiener oder ein Feueranbeter, komm bitte trotzdem!   Komm, wenn Du auch deine Gelöbnis hundertmal gebrochen hast. Das ist nicht das Tor der Hoffnungslosigkeit. Komm so wie Du bist. MEVLANA   (Mevlana: Gründer des Alevitischen Derwisch-Ordens in der Türkei in der Stadt Konya im 13 Jahrhundert)

 

Mit diesen Worten Mevlanas mit denen wir groß geworden sind, wollen wir auch besonders an das kommende Weihnachtsfest erinnern, an dem niemand ausgeschlossen wird. Seelig sind die, die Frieden stiften sagt Jesus (Isa)…

 

In diesem Sinne wollen wir an allen im Namen der Türkischen KULTURgemeinde (TKG) in Österreich ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest und ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben wünschen.

 

Herzliche Grüße
Türkische KULTURgemeinde in Österreich
Obmann
Dip.-Ing.Birol Kilic

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13 10 2014
By: Redaktion 2 0

#stolzdrauf in Österreich:

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) ist besonders stolz auf die Österreichische Verfassung, die vom gesamten Volk über Jahrhunderte, mit vielen schmerzlichen Erfahrungen, geschaffen wurde. Sie steht über allen Gesetzen, neben allen Religionsgesetzen.

 

Die Österreichische Verfassung bringt alle Menschen in Österreich zusammen und schützt uns, egal welcher Religion und Konfession, Nation, Kultur und Sprache wir angehören. An ihr sollten wir als säkulare Verfassungspatrioten weiterhin konstruktiv und zielführend arbeiten. #TKG

 

www.stolzdrauf.at

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21 09 2014
By: Redaktion 2 0

EINLADUNG „DIE ROTEN RITTER“ Buchpräsentation

Mittwoch 29.10.2014 18Uhr Palais Eschenbach, Beletage
  

Anmeldung erbeten unter:
   office@neueweltverlag.at oder 0043-1-513 76 15-0

 

DIE ROTEN RITTER



Zwischen Medici, Habsburgern und Osmanen

Die Orden und Auszeichnungen des Großherzogtums Toskana

 

Herausgegeben von Birol Kilic

 

Mit einem Grußwort von Sigismund v. Habsburg-Lothringen

 

Kurzdarstellung



 

Die „Roten Ritter“ des Stefansordens operierten von 1561 bis 1773, als sie sich letztmalig an einer Flottenaktion gegen marokkanische Piraten bei Gibraltar beteiligten, in den Gewässern des Mittelmeers. Dabei sind laut den Aufzeichnungen im erhalten gebliebenen Archiv des Ordens 44 Schiffe der Osmanen und ihrer nordafrikanischen Verbündeten versenkt, sowie 270 aufgebracht und gekapert worden. Die Truppen des Ordens nahmen in diesem Zeitraum 14.870 Gefangene, befreiten 4.840 Christen aus der Sklaverei und brachten sich in den symbolträchtigen Besitz von 350 feindlichen Fahnen und Feldzeichen. Der Orden unter dem roten, achtspitzigen Kreuz hat seine Wurzeln in der Entstehung eines modernen Staatskonzepts für das Großherzogtum Toskana. Trotz oder gerade wegen des rationalen Charakters dieses Regimes, das zu Beginn noch innerhalb scheinrepublikanischer Formen operierte, versuchte der Ordensgründer und erste Großherzog Cosimo  I. de’ Medici später, sich eine dynastische Legitimation in traditionell-monarchischen Bahnen zurechtzulegen. Ein wesentliches Element in dieser Strategie bildete der Stefansorden, dem nach dem Vorbild des Malteserordens die Aufgabe einer christlichen „Seepolizei“ im Mittelmeer zufallen sollte. Im weiteren Verlauf entwickelte sich der Stefansorden zu einem dynastischen Verdienstorden, dem von Seiten der habsburgischen Großherzöge 1807 noch der Verdienstorden vom Hl. Joseph und 1853 der Orden für Zivil- und Militärverdienst an die Seite gestellt wurden. Dieses Buch leuchtet erstmalig die Geschichte der toskanischen Ordenslandschaft aus. Damit wird nicht nur eine Lücke in der historisch-hilfswissenschaftlichen Literatur geschlossen, sondern auch ein Kapitel österreichisch-habsburgischer Geschichte in Italien dargestellt.

 

Die Autoren



 

Gregor Gatscher-Riedl, Mag. phil., MPA, Dr. phil., PhDr., geboren 1974, Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien und Nitra (Slowakei), 2000 bis 2001 Mitarbeiter am Institut Österreichisches Biographisches Lexikon der Akademie der Wissenschaften, seit 2003 Archivar und Leiter der Umwelt- und Sozialabteilung der Marktgemeinde Perchtoldsdorf, Kolumnist bei den NÖ Nachrichten, Schriftleiter der Heimatkundlichen Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mödling, 2011 Preisträger des Theodor-Körner-Preises zur Förderung von Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich.

Mario Strigl, Mag. phil. Dr. phil., Oberstleutnant des höheren militärfachlichen Dienstes, geboren 1972; Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft in Linz, München und Wien, Experte für Phaleristik im Auktionshaus Numismatik Lanz, München, Geschäftsführer des forum mozartplatz raum für wirtschaft und kultur, Wien, Lehrbeauftragter am Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, Leiter des Archivs der Österreichischen Militärhistorie, Wien, Kommunikationstrainer und Experte für Geschichte des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport, Vizepräsident der Offiziersgesellschaft Wien.

 

Hardcover, 276 Seiten,
64 zumeist farbige Abb,
ISBN 978-3-9503061-5-6

 

Neue Welt Verlag Bestellung:
office@neueweltverlag.at

 

Neue Welt Verlag GesmbH

 

Am Graben 31/24, A-1010 Wien

 

Mag. Deniz Sel 
Tel: +43 (0)1/513 76 15-0

 

d.sel(at)neueweltverlag.at

 

Palais Eschenbach, Beletage
 Wien I., Eschenbachgasse 11

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12 08 2014
By: Redaktion 2 0

Birol Kilic zu Gast im ORF ZIB2-Studio Thema Integration von Türken in Österreich

Türkischer Kultursprecher über Türken in Österreich / ZIB 2 vom 28.07.2014 um 22.00 Uhr – tvthek.orf.at   Birol Kilic, der Sprecher der Türkischen Kulturgemeinde in Wien, spricht über die Integration von Türken in Österreich.

 

Birol Kilic zu Gast im ORF ZIB2-Studio :

 

www.youtube.com/watch?v=FnggUsPPUdc

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12 08 2014
By: Redaktion 2 0

Ist eine GewaltFREIES Zusammenleben möglich?

Obmann der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich traf die Geschäftsführerin der Autonomien österreichischer Frauenhäuser, Maria Rösslhumer im Vereinszentrum auf eine guten dampfenden türkischen Kaffee Ende August und tauschte sich mit ihr über die Kampagne GewaltFREI leben über eine mögliche Kooperation

 

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, gewaltfrei leben und aufwachsen zu dürfen. Gewalt passiert tagtäglich an vielen Orten, in vielen Ländern weltweit, in der Öffentlichkeit, aber leider auch besonders häufig in der eigenen Familie in den eigenen „vier Wänden“. Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalt zwischen erwachsenen Menschen, die in einer Beziehungspartnerschaft stehen oder leben. Gewalt wird von einem Partner eingesetzt, um den anderen zu kontrollieren und Macht auszuüben. Diese Partner können verheiratet sein oder nicht. Sie können heterosexuell oder homosexuell sein, zusammen oder getrennt leben Türkischen KULTURgemeinde in Österreich(TKG) Vertreter  trafen die Geschäftsführerin der Autonomien österreichischer Frauenhäuser, Maria Rösslhumer im Vereinszentrum auf eine guten dampfenden türkischen Kaffee Ende August und tauschte sich mit ihr über die Kampagne GewaltFREI leben über eine mögliche Kooperation.

 

Es geht um einen Beitrag zu GewaltFREI leben und um die Kampagne zur Verhinderung von Gewalt an Frauen und Kindern, wo die Türkische KULTURgemeinde in Österreich durch Informationen an seine MitgliederInnen oder Sympathisanten und Mitbürgerinnen aus der Türkei unterstützen wird.

 

TKG Obmann Birol Kilic stellte mehrere Fragen über Gewalt damit man diese Antworten auch in deutscher und türkischer Sprache mit der Gesellschaft teilen kann weil meinte „Gewalt beginnt mit dem Denken, entwickelt sich mit Worten und endet mit der Tat.  Dagegen muss die Gesellschaft überall und immer mit Bildung und intensiver Informationen etwas unternehmen, weil der Mensch dazu neigt gewalttätig zu sein. Wir können nicht zuschauen. Wir müssen handeln bevor es zu spät wird.“

 

 

TKG: Herzlich Willkommen im TKG-Zentrum, Frau Rösslhumer. Bitte erzählen Sie uns wo und wann die Gewalt beginnt und endet. Was ist Gewalt?

 

Rösslhumer: Vielen Dank für die Einladung, es ist uns eine große Freude mit der Türkischen KULTURgemeinde zu kooperieren. Ihre Frage ist sehr wichtig, nicht nur für Migrantinnen auch für alle Frauen und Männer die in Österreich leben, hier müssen wir eine gemeinsame Definition von Gewalt haben damit wir uns zuerst davon distanzieren können. Gewalt beginnt dort, wo die Grenzen eines anderen Menschen verletzt werden. Beschimpfungen, Beleidigungen, Demütigungen oder ein respektloses Verhalten einem anderen Menschen gegenüber – z.B. bei Diskussionen – ist bereits Gewalt und kann als Übergriff empfunden werden.  Verbale und psychische Gewalt ist meist der Beginn einer langjährigen Gewaltbeziehung und kann bei körperlicher und sexueller Gewalt und in schlimmsten Fall mit dem Tod enden. Je länger ein Mensch in einer Gewaltbeziehung lebt bzw. leben muss und je schwerer die Gewalterlebnisse sind, desto schwieriger ist es sich aus der Gewaltsituation zu lösen.

 

TKG: Wer ist hauptsächlich von häuslicher Gewalt betroffen?

 

Rösslhumer: Frauen sind überproportional häufiger von Gewalt betroffen als Männer. Aber leider sind auch Kinder und Jugendliche von Gewalt betroffen, sei es direkt oder indirekt. Mehre Studien belegen, dass in 60-70% der Fälle, in den Frauen Gewalt durch die eigenen Ehemänner und Lebensgefährten erleben, auch die Kinder misshandelt werden. Je häufiger und schwerer Frauen misshandelt werden, desto gravierende und massiver ist auch die Gewaltanwendung an Kindern. Aber auch dann wenn Kinder nicht Gewalt am eigenen Leib erleben, so wir ihnen durch das Miterleben an Misshandlungen und Drohungen  gegenüber der Mutter Gewalt angetan.  Jährlich müssen Tausende von Frauen und Kindern in ein Frauenhaus flüchten, weil sie Gewalt durch den eigenen Partner und Vater/Stiefvater erleben. 2013 suchten 3232  Frauen und Kinder (davon 1643 Frauen und 1589 Kinder) Schutz, Sicherheit und Hilfe in den österreichischen Frauenhäusern.

 

TKG: Wie hoch ist das Ausmaß der Gewalt an Frauen?

 

Rösslhumer: Die bisher weltweit größte internationale Studie zu Gewalt gegen Frauen, die von der europäischen Grundrechtsagentur 2013 (FRA) veröffentlicht wurde hat ergeben dass, in der EU  jede dritte Frau ab dem 15. Lebensjahr von physische und/oder sexuelle Gewalt betroffen ist. In Österreich musste jede fünfte befragte Frau Gewalt erleben.Wie hoch das Ausmaß häuslicher Gewalt an Frauen tatsächlich ist, lässt sich aber nur erahnen. Die Studie der Europäischen Grundrechtsagentur zeigt, dass nach der schwersten physischen und/oder sexuellen Gewalt durch den Partner nur 16 Prozent der befragten Frauen in Österreich die Polizei kontaktiert haben. Lediglich 4 Prozent der Frauen haben sich an eine Opferschutzeinrichtung und 12 Prozent an ein Frauenhaus gewandt. Die Ergebnisse der Grundrechtsagentur lassen vermuten, dass die Zahl der Betroffenen bei weitem höher ist, als sie von Polizei, Opferschutzeinrichtungen oder Frauenhäusern erfasst werden kann.

 

TKG: Sind auch Männer betroffen?

 

Rösslhumer: Männer können auch von häuslicher Gewalt betroffen sein. Studien haben aber ergeben, dass Männer häufiger von Gewalt im öffentlichen Bereich bzw. von und Männer und Männergewalt betroffen sind und weniger von Gewalt durch die eigene Partnerin.

 

TKG: Welche Formen der Gewalt gibt es?

 

Rösslhumer: Gewalt hat viele Facetten und Formen. Wenn wir von Gewalt an Frauen in der Familie bzw. häusliche Gewalt sprechen, dann unterscheiden wir zwischen vier Formen der der Gewalt: Physische oder körperliche Gewalt, psychische Gewalt oder seelische Gewalt, sexuelle Gewalt und ökonomische oder auch finanzielle Gewalt genannt. Kinder erleben zusätzlich oft auch sexuellen Missbrauch durch Erwachsene, aber auch Isolation und Vernachlässigung sind Formen der Gewalt, denen Kinder oft ausgesetzt sind. Körperliche Gewalt wird in der Öffentlichkeit am deutlichsten wahrgenommen. Die Angriffe reichen von Ohrfeigen über schwere Verletzungen wie Knochenbrüche, Prellungen und Messerstiche bis zu sexueller Nötigung, Vergewaltigung, Morddrohung und Tötung. Gewalt zeigt sich aber auch subtiler, in Form von Psychoterror, Erniedrigungen, Verboten, Vorschriften und Isolation. Gewalt ist jede Form von Machtausübung, Machtmissbrauch, Verletzung oder Zwang.

 

TKG: Wo liegen die Ursachen der häuslichen Gewalt?

 

Rösslhumer: Die Wurzeln der Gewalt sind in den Strukturen unserer Gesellschaft verankert.Häusliche Gewalt, auch geschlechtsspezifische Partnergewalt genannt, hat ihre Wurzeln in der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen. Damit ist Gewalt gemeint, die Frauen erleben müssen, weil sie Frauen sind oder Frauen unverhältnismäßig stark betrifft. Geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen ist der Ausdruck historisch gewachsener ungleicher Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern. Sie haben zur Beherrschung und Diskriminierung der Frau durch den Mann und zur Verhinderung der vollständigen Gleichstellung der Frau geführt. Wie jede Form der Diskriminierung hat auch die Diskriminierung von Frauen eine lange Geschichte.In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges verbessert. Doch der Weg aus einer Gewaltbeziehung ist steinig und die Mühlen mahlen langsam. Das lange Tabu Vergewaltigung in der Ehe wurde beispielsweise in Österreich erst 1989 unter Strafe gestellt und ist erst seit 2004 ein Offizialdelikt, das bedeutet diese Gewaltform muss vom Staat verfolgt werden.

 

TKG: Welche Rechte haben Opfer von häuslicher Gewalt?


Rösslhumer: Weil häusliche Gewalt eine Menschenrechtsverletzung ist und komplexe negative Auswirkungen auf die Gesellschaft nach sich zieht, hat der Gesetzgeber gehandelt.

 

Gewaltschutzgesetz

 

Am 1. Mai 1997 ist in Österreich das so genannte Gewaltschutzgesetz (Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie) in Kraft getreten. Es wurde seither in Teilbereichen laufend aktualisiert und verbessert. Mit dem Gewaltschutzgesetz wurden die rechtlichen Voraussetzungen für einen raschen und effizienten Schutz von Betroffenen häuslicher Gewalt geschaffen.

 

Das Gesetz folgt dem Prinzip „Wer schlägt, der geht“ bzw. „wir zeigen Gewalttätern die rote Karte“. Zum ersten Mal hatten Betroffene die Möglichkeit, im vertrauten Zuhause bleiben zu können und nicht vor dem Gefährder flüchten zu müssen. Denn das Gewaltschutzgesetz ermächtigt die Polizei, einen Gefährder aus der Wohnung, in der die gefährdete Person lebt, und aus der unmittelbaren Umgebung wegzuweisen und mit einem Betretungsverbot zu belegen. Seit 2013 kann das Betretungsverbot auf Schulen, Kindergärten, Horte und deren unmittelbare Umgebung ausgeweitet werden, wenn es sich bei der gefährdeten Person um ein Kind unter 14 Jahren handelt.

 

Das Betretungsverbot gilt zwei Wochen. Wenn von der Polizei ein Betretungsverbot ausgesprochen wurde, setzt sich das regional zuständige Gewaltschutzzentrum oder die örtlich zuständige Interventionsstelle gegen Gewalt sofort mit der Betroffenen in Kontakt. Sie bietet aktiv Unterstützung wie beispielsweise Rechtsberatung oder psychosoziale Betreuung an.

 

Wenn längerer Schutz vor dem Gefährder notwendig ist, kann die Betroffene einen Antrag auf die Erlassung einer Einstweiligen Verfügung bei Gericht stellen. Wenn der Antrag innerhalb der Gültigkeit des Betretungsverbots (Dauer: 2 Wochen) beim zuständigen Bezirksgericht gestellt wird, verlängert sich das Betretungsverbot auf insgesamt vier Wochen. Betroffene können auch ohne einem vorherigen Polizeieinsatz und ohne Betretungsverbot einen Antrag auf Einstweilige Verfügung stellen.

 

Grundsätzlich kann der Antrag ohne Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt selbst beim zuständigen Gericht eingebracht werden. Wir empfehlen Betroffenen trotzdem, sich bei der Antragstellung unterstützen zu lassen. Beispielsweise Mitarbeiterinnen im Frauenhaus, vom Gewaltschutzzentrum bzw. Interventionsstelle oder von einer Frauenberatungsstelle bieten kostenlose Beratung an. Auch ein Anruf bei der Frauenhelpline 0800/222 555 kann Klärung und Information anbieten.

 

Das Gewaltschutzgesetz gilt für jede Person, unabhängig ihrer Herkunft oder Staatsbürgerschaft, und auch für Kinder. Sowohl die Wegweisung und das Betretungsverbot als auch die Einstweilige Verfügung können unabhängig von den Eigentumsverhältnissen über den Gefährder verhängt werden.

 

TKG: Welche Gewaltdelikte sind in Österreich strafbar?

 

Rösslhumer: Wer Gewalt gegenüber anderen Menschen ausübt, wird in der Regel vom Staat strafrechtlich verfolgt. Das österreichische Strafgesetzbuch stellt eine Reihe von Gewalthandlungen unter Strafe, wie beispielsweise Körperverletzung, Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, Freiheitsentziehung, Nötigung, gefährliche Drohung, beharrliche Verfolgung (Stalking), fortgesetzte Gewaltausübung oder Vergewaltigung.Alle Gewaltdelikte sind sogenannte Offizialdelikte. Das bedeutet, die Staatsanwaltschaft und Polizei ist verpflichtet, alle strafbaren Handlungen von Amts wegen zu verfolgen, von denen sie Kenntnis erlangt.

 

TKG: Was bedeutet Prozessbegleitung?

 

Rösslhumer: Die Prozessbegleitung ist eine der wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und wird unter bestimmten Voraussetzungen im Strafverfahren und im Zivilverfahren kostenlos gewährt.Grundsätzlich besteht die Prozessbegleitung aus zwei Betreuungskomponenten: Zum einen leisten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter von spezialisierten Beratungsstellen psychosoziale Unterstützung und Begleitung (vor, während und nach polizeilichen Vernehmungen bis zum Ende eines Strafverfahrens und anschließendem Zivilverfahren) und zum anderen erfolgt eine juristische Prozessbegleitung durch Rechtsanwältinnen oder Rechtsanwälte durch einen StrafprozessWeitere Informationen zur Prozessbegleitung finden Sie online unter www.prozessbegleitung.co.at sowie unter www.justiz.gv.at. Um das regionale Angebot von Einrichtungen zu erfragen, die Prozessbegleitung anbieten, wenden Sie sich bitte an die Frauenhelpline unter 0800/222 555.Für Kinder und Jugendliche stehen spezialisierte Beratungseinrichtungen, die im Umgang mit Kindern und Jugendlichen besonders geschult sind, für die Prozessbegleitung zur Verfügung. Weitere Informationen zur Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche und Adressen von Beratungseinrichtungen finden Sie online unter www.prozessbegleitung.co.at sowie unter www.kija.at

 

TKG: Sind Migrantinnen häufiger von Gewalt betroffen?

 

Rösslhumer: Nein, Migrantinnen sind nicht häufiger von häuslicher Gewalt betroffen als Österreicherinnen. Aber aufgrund der rechtlichen und strukturellen Bedingungen ist es für Migrantinnen schwieriger, sich aus der Situation zu befreien.Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sind in Österreich noch immer schlechter geschützt als Frauen mit österreichischem Pass.Erschwerend wirkt auch, dass Migrantinnen oftmals gezwungen werden, viele Jahre in völliger Isolation zu leben. Hinzu kann die Furcht kommen, von der eigenen Herkunftsfamilie verstoßen zu werden, wenn sie den gewalttätigen Partner verlassen. Migrantinnen fällt es daher schwerer, sich aus gewaltgeprägten Situationen zu lösen, weil sprachliche Barrieren, soziale und kulturelle sowie aufenthaltsrechtliche und ökonomische Probleme die Hilfesuche hemmen. Zu dieser erschwerten Problemlage kommen spezifische Gewaltformen hinzu, von denen vor allem Frauen mit Migrationshintergrund betroffen sind:

 

Zwangsheirat: Wer unter Zwang heiratet, der sucht sich seinen Partner nicht selbst aus. Stattdessen bestimmt die Familie, wer wen heiratet. Die Betroffenen sind in den meisten Fällen minderjährig. Sie müssen gegen ihren Willen einen unbekannten Menschen heiraten. Information und Hilfe gibt es beim Verein Orient Express: www.orientexpress-wien.com / E-Mail: office@orientexpress-wien.com / Telefon: +43 (1) 728 97 25

 

Frauenhandel: Wenn Frauen aufgrund von Täuschungen und falschen Versprechungen migrieren und im Zielland in eine Zwangslage gebracht werden, wenn sie aufgrund ihrer rechtlosen Situation zur Ausübung von Dienstleistungen gezwungen werden und/oder wenn sie ihrer Würde, ihrer persönlichen oder sexuellen Integrität von Ehemännern oder Arbeitgeberinnen und -gebern beraubt werden, sind sie Betroffene von Frauenhandel.

 

Information und Hilfe gibt es beim Verein Lefö: www.lefoe.at / E-Mail: ibf@lefö.at / Telefon: +43 1 796 92 98

 

Genitalverstümmelung (Female Genitale Mutilation/ FGM):In Österreich leben Schätzungen zufolge rund 6.000 Frauen, die in ihrer Kindheit einer Verstümmelung ihrer Geschlechtsorgane unterzogen wurden. Für die betroffenen Frauen bedeutet das ein Leben voller Schmerzen, Infektionen und ohne sexuelles Verlangen. Genitalverstümmelung von Frauen ist nicht religiös begründet und macht vor keiner gesellschaftlichen Schicht halt.Informationen und Hilfe gibt es unter: Afrikanische Frauenberatungsstelle in Wien und die Frauengesundheitszentren in Österreich

 

TKG: Wo finden gewaltbetroffene Frauen Hilfe und Unterstützung?

 

Rösslhumer: Wenn Sie Gewalt erleben müssen oder mussten oder eine Frau kennen, die von Gewalt betroffen ist, scheuen Sie nicht davor, Hilfe zu holen!Wenn Sie in Gefahr sind oder beobachten, dass eine Frau oder ein Kind in Gefahr ist, rufen Sie den Polizeinotruf 133 oder Euronotruf 112. In einer Gefahrensituation ist vor allem die Sicherheit der betroffenen Frau und ihrer Kinder wichtig. Die Polizei ist verpflichtet, sofort zu kommen, die Gewalt zu beenden und die Betroffenen zu schützen.

 

Die Frauenhelpline 0800/222 555 ist für Anruferinnen und Anrufer aus ganz Österreich kostenlos und anonym. Die Beraterinnen sind 365 Tage im Jahr erreichbar und beraten Sie gerne anonym und kostenlos, auch in den Sprachen Arabisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Englisch, Rumänisch und Türkisch.

 

Schutz und Unterkunft für Frauen und Kinder bieten auch insgesamt 30 Frauenhäuser in Österreich. Die Mitarbeiterinnen zeigen Betroffenen Wege auf, auf denen sie zur eigenen Stärke und zu einem selbstbestimmten gewaltfreien Leben zurückfinden können. 
Die Kontaktdaten zu allen Frauenhäusern finden Sie im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

Die Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen bieten Betroffenen kostenlos psychosoziale und juristische Beratung. 
Die Kontaktdaten zu allen Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen finden Sie im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

Kinder als Betroffene von Gewalt

 

Kinder sind besonders stark gefährdet, misshandelt zu werden, wenn ihre Mutter Gewalt erlebt. In 70 Prozent der Fälle werden nicht nur Frauen, sondern auch ihre Kinder misshandelt. Studien zeigen, dass es auch einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Gewalt, die die Mutter erleiden muss, und der Gewalt, die ihre Kinder erleiden müssen, gibt: Je schwerer die Gewalt gegen Frauen, desto schwerer ist auch die Gewalt gegen ihre Kinder.

 

Kinder sind bei häuslicher Gewalt immer betroffen: Direkt, wenn sie selbst Misshandlungen ausgesetzt sind, oder indirekt durch das Miterleben von Gewalt an der Mutter. Wenn Kinder Zeuginnen oder Zeugen der Gewalt an der Mutter sein müssen, kann das ebenso wie eigene Gewalterfahrungen zu schweren Langzeitfolgen und Traumatisierungen führen. Die schwerwiegenden Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche können sich beispielsweise in Unruhe, Hyperaktivität, aggressivem Verhalten gegenüber anderen Kindern, ständigen Angstgefühlen, Wut, Depression, geringem Selbstwertgefühl oder schlechten Schulleistungen und Schlafstörungen äußern.

 

Was Kinder in gewaltbelasteten Familien erlernen, wird sie auf ihrem weiteren Weg beeinflussen: Immer wieder zeigt sich, dass Kinder mit Gewalterfahrungen selbst zu Tätern oder Betroffenen werden. Auch die Tatsache, dass sie rund 50 Mal häufiger in Drogen- oder Alkoholsucht abgleiten als Kinder ohne Gewalterfahrung, zeigt lediglich die Spitze des Eisbergs der Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder.

 

Die Auswirkungen von Gewalt in der Kindheit kann auch genetische Folgen mit sich bringen. Laut einer Studie altern gewaltbetroffene Kinder früher als andere Kinder, die in einer gewaltfreien Umgebung aufwachsen können.

 

TKG: Wo finden gewaltbetroffene Kinder Hilfe?

 

Rösslhumer: Erwachsene haben die Pflicht, Kinder vor Gefahren zu schützen. Das ist die Aufgabe von Erwachsenen und Hilfsorganisationen. Manchmal jedoch können oder wollen sie diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Dann ist es wichtig, dass Kinder ermutigt werden, verschiedene Schritte zu gehen.

 

-Vertrauenswürdige Erwachsene hinzuholen/Vertrauenspersonen zu suchen: Viele Menschen, die sich für junge Menschen engagieren, tun das gerne und aus Überzeugung. Sie sind daran interessiert, dass es Kindern und Jugendlichen gut geht. Und viele kennen sich im Hilfesystem gut genug aus, um Kindern und Jugendlichen raten zu können, wohin sie sich wenden können. Das können Verwandte, NachbarInnen oder Geschwister, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder beispielsweise Kursleiterinnen und Kursleiter sein. Sie werden dich schützen und den Kontakt zu den Notdiensten oder zum Jugendamt herstellen.

 

-Telefonnotdienste: Notdienste stehen Tag und Nacht zur Verfügung. Dort arbeiten rund um die Uhr professionelle Beraterinnen und Berater. Sie helfen, eskalierende Situationen in Familien zu entschärfen und dadurch vorzubeugen, dass es zu Gewalt und Vernachlässigung oder anderen Formen der Kindeswohlgefährdung kommt. Sie greifen aber auch ein, wo bereits Gewalt im Spiel ist.

 

‒      Rat auf Draht: 147

‒      Kindernotruf: 0800 / 567 567

‒      Frauenhelpline: 0800/222 555

 

·  Kinder- und Jugendanwaltschaft: In jedem Bundesland Österreichs gibt es eine Service- und Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Wenn du dich zu einer speziellen Situation rechtlich beraten lassen willst oder einfach Informationen brauchst, kannst du dort anrufen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft versucht auch, bei Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern und sonstigen Beteiligten zu vermitteln.

 

Die Kontaktdaten zu allen Kinder- und Jugendanwaltschaften findest du im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

·  Kinderschutzzentrum: In ganz Österreich gibt es Kinderschutzzentren. Dorthin kannst du dich wenden, wenn du eine Beratung brauchst. Die Gespräche sind kostenlos, anonym und vertraulich.

 

Die Kontaktdaten zu allen Kinderschutzzentren findest du im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

-Jugendamt: Das Jugendamt (Amt für Jugend und Familie Heisst jetzt anders. Amt für Kinder und Jugendhilfe) ist im Auftrag des Staates tätig. Es hat die Aufgabe, dort tätig zu werden, wo Eltern ihre Kinder vernachlässigen, seelisch und körperlich verletzen und ihren Erziehungspflichten nicht nachkommen.

 

Die Kontaktdaten zu allen Jugendämtern findest du im online unter www.jugendaemter.com

 

Buben und junge Männer können sich auch an die Männerberatungsstellen in den jeweiligen Bundesländern wenden.

 

·  Kinderwebsite: www.gewalt-ist-nie-ok.at

 

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser hat auch eine eigene Kinderwebsite eingerichtet, wo sich Kinder anonym über Gewalt in der Familie informieren können.  www.gewalt-ist-nie-ok.at

 

TKG: Was ist die Kampagne GewaltFREI leben?

 

Rösslhumer: Trotz zahlreicher Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten, ist Gewalt an Frauen und Kindern noch immer tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Das muss sich ändern! Die Kampagne GewaltFREI leben möchte genau hier ansetzen: In den Jahren 2014 und 2015 werden zahlreiche Projekte verwirklicht, die für das Thema Gewalt an Frauen und Kindern sensibilisieren und wertvolle Präventionsarbeit leisten. Zusätzlich sollen Handlungsspielräume aufgezeigt und die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555 – anonym, kostenlos, rund um die Uhr) noch bekannter gemacht werden.

 

Im Zentrum von GewaltFREI leben steht die Zusammenarbeit mit (künftigen) Partnerinnen und Partnern der Kampagne in ganz Österreich. Mit unserer tatkräftigen Unterstützung können Sie in Ihrer Einrichtung, Institution, Ihrem Unternehmen oder Verein zahlreiche Aktivitäten umsetzen – den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung von Gewalt an Frauen und Kindern!

 

TKG: Wie kann man Partnerin und Partner gegen Gewalt werden?

 

Rösslhumer: Jede und jeder Mensch kann sich an der Kampagne beteiligen und einen aktiven Beitrag zur Beendigung von Gewalt an Frauen und Kinder leisten: Sei es durch die Organisation einer Informationsveranstaltung, eines Workshops oder eines Seminars zum Thema Gewalt oder durch die kostenlose Bekanntmachung der Nummer der Frauenhelpline 0800/222 555 oder durch die Anmietung der Ausstellung Silent Witnesses oder durch einen finanziellen Beitrag.

 

Und vieles mehr…. Siehe: www.gewaltfreileben.at

 

TKG: Warum ein aufgebrochener Käfig als Kampagnen-Sujet?

 

Rösslhumer: Der aufgebrochene Vogelkäfig symbolisiert die Möglichkeit, sich aus einer Gewaltbeziehung befreien zu können.Das Sujet soll allen Betroffenen Mut machen. Es soll sie stärken, sich aus Gewaltkontexten und Gewaltbeziehungen zu befreien und die Gitterstäbe zu durchbrechen. Und es soll aufzeigen, dass es dafür Hilfe und Unterstützung bei der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222 555 und vielen weiteren Gewaltschutzeinrichtungen gibt.

 

Gleichzeitig lässt der aufgebrochene Käfig erahnen, mit wie viel Kraft und Anstrengung ein Entrinnen verbunden ist. Das Sujet soll vermitteln, wie ausweglos sich die Situation für Frauen und Kinder, die Gewalt erleben müssen, oftmals anfühlt, wie gefangen sie sich fühlen.

 

Je länger jemand Gewalthandlungen ausgesetzt ist und je schwerer diese sind, desto schwieriger ist der Weg aus der Gewaltbeziehung. Gewalterfahrungen können zu Mut- und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Ohnmacht führen. Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, fühlen sich oft einsam, allein und verlassen. Für besonders gefährdete Frauen, die viele Jahre in Gewaltbeziehungen leben, oder die in die Isolation gezwungen werden, kann ein Entkommen fast unmöglich erscheinen.

 

Angst vor weiterer Gewalt oder Drohungen des gewalttätigen Partners, wie zum Beispiel dass sie bei einer Trennung ihre Kinder verlieren wird, hindern manche Frauen aus der Gewaltbeziehung auszubrechen. Auch ökonomische Abhängigkeit – kein oder ein geringes Einkommen oder kein Zugriff auf das gemeinsame Vermögen – können eine Rolle spielen. Frauen, die alle diese Hürden überwinden und sich trennen, sind leider besonders gefährdet, schwere Gewalt durch den Ex-Partner zu erfahren, manche riskieren sogar ihr Leben.

Das Kampagnen-Sujet soll symbolisieren, wie schwierig es ist, aus einer Gewaltbeziehung auszusteigen. Die Betroffenen müssen nicht nur die Gewalthandlungen ihres Partners überstehen, sondern sich auch seinem psychischen Druck widersetzen und ein neues Leben für sich aufbauen.

 

Gitterstäbe werden nicht beim ersten Versuch zu durchbrechen sein, bei manchen wird es zwei, drei und mehr Versuche brauchen. Die Kraft dafür kann und darf nicht nur von den Frauen kommen, die Gewalt erleben. Wir alle können helfen, die Gitterstäbe zu durchbrechen, indem wir nicht wegschauen.

 

Wer ist  Frau Mag.a Maria Rösslhumer?

 

Politikwissenschaftlerin, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, AÖF und der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222 555. Leiterin des europäischen Netzwerkes WAVE (Women Against Violence Europe) und Koordinatorin der Kampagne GewaltFREI leben.  Email: maria.roesslhumer(at)aoef.at

 

www.aoef.at, www.frauenhelpline.at, www.wave-network.org

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11 08 2014
By: Redaktion 2 0

Yeziden-Massaker Pressekonferenz – Yeziden Vertreter sprechen in Wien

Wien – Mala Ezidiya – Verein der Yeziden in Österreich spricht zum 1. Mal in der Europäischen Union über den Genozid im Nordirak und mögliche Hilfeleistungen mit mehreren Yezidischen Gemeinde Vertretern aus der EU. Alle Medienvertreter sind dazu dringend eingeladen.

 

Datum: Mittwoch, 20. August 2014, um 10.00 Uhr

 

Ort: PresseclubConcordia, Wien 1., Bankgasse 8

 

Thema:

 

Im Presseclub Concordia-Club Wien findet die 1. Yeziden-Massaker Pressekonferenz in der EU statt. Der Verein Mala Ezidiya – Verein der Yeziden in Österreich mit der Obfrau Solman Sandos spricht aus erster Hand über die Situation der Yeziden im Irak sowie die Hintergründe und Aussichten mit mehreren Yezidischen Gemeinde Vertretern aus der EU. Es nehmen aus dieser Region stammende wichtige Persönlichkeiten sowie geistliche Yeziden aus Europa und dem Irak teil. Wir werden eine erste Bilanz betreffend des Genozids ziehen und Möglichkeiten humaner oder militärischer Hilfeleistung erörtern. Man wird auch die Zustände in Österreich und in der EU diskutieren.

 

Organisation und Unterstützung:

 

Die Türkische KULTURgemeine (TKG) organisiert diese Pressekonferenz im Namen der Völkerverständigung und Transparenz gemeinsam mit dem Verein MALA EZIDIYA und tritt als Unterstützer auf. Die TKG distanziert sich von der Terrormiliz IS und verurteilt diese scharf. Die TKG ruft alle Moslems auf, sich ebenfalls von der Terrormiliz IS zu distanzieren.

 

Teilnehmer:

 

Sandos Solamen
Obfrau, Mala Ezidiya – Verein der Yeziden in Österreich

 

Mag. Alo Schwan
Politikwissenschaftler Yezidische Shingal Gemeinde Vertreter (EU)

 

Baberi Marwan
Yezidischer Geistlicher (EU)

 

Mag. Ibrahim Shimal
Yezidische Gemeinde Vertreter (EU)

 

Raschid Masoud
Union der Yezidischen Studenten (EU)

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04 08 2014
By: Redaktion 2 0

Beileidsbekundung für die Parlamentspräsidentin Frau Mag. Barbara Prammer

Mit großem Bedauern haben wir vom Ableben von Frau Parlamentspräsidentin Mag. Barbara Prammer erfahren.   Unser aller Mitgefühl in diesen schweren Stunden ihrem Sohn, ihrer Tochter und deren Partnern und ihrer Enkeltochter sowie ihren Eltern und Geschwistern. Wir fühlen in dieser Stunde der Trauer mit der Präsidialkonferenz des österreichischen Parlaments, mit der Sozialdemokratie und den vertretenen Mitgliedern der Parteien im Nationalrat.

 

Parlamentspräsidentin Barbara Prammer war eine engagierte Persönlichkeit der österreichischen Demokratie, die für Frauenpolitik und das gesellschaftliche Miteinander und insbesondere Zusammenleben wirkte.

 

Ihr Mut und Ihr Eintritt für Solidarität in der Gesellschaft machen Sie unvergessen in den Herzen der Menschen.

 

Ihr Pflichtbewusstsein, das Sie auch noch in Tagen der schweren Krankheit zur Arbeit trieb, war beispielhaft für die Tugend der österreichischen Staatsbürger.

 

Im Namen des gesamten Vorstandes (TKG) und MitgliederInnen möchten wir den nahen Angehörigen und unseren vielen Mitbürgern und Mitbürgerinnen aus der Türkei unser tiefstes Beileid und Mitgefühl aussprechen.

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich
Im Namen des Vorstandes
Dr. Melissa Günes

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26 03 2014
By: Redaktion 2 0

TKG fordert Distanzierung und das Ende der Hetze

Wien – Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) fordert auf die Facebook-Hetze gegen ORF Moderatorin Lisa Gnadenstätter klare Verurteilung, Distanzierung und Ende. Nachdem Gadenstätter massiv beschimpft und sogar mit dem Tod bedroht wurde, fordert die Türkische Kulturgemeinde (TKG) „alle Menschen aus der Türkei auf, sich davon zu distanzieren und zu verurteilen“ und „die Täter mit schärfsten Sanktionen“ strafrechtlich zu verfolgen.

 

Auch die UETD, die mit einem Aufruf zum ORF-Protest den „Shitstorm“ nach einem Fernsehauftritt von Chef Abdurrahman Karayazili ausgelöst hatte, wird aufgefordert, sich zu distanzieren. „Es ist kein Kampf, es geht im Gegenteil darum, dass wir in Österreich nicht mit Feuer auf die bereits brennenden Zustände losgehen, sondern durch Empathie unsere Gedanken, Schmerzen und Gefühle zum Ausdruck bringen. Hier müssen alle Ansprechpartner sich gegenseitig respektieren und in aller Ruhe eine friedliche Diskussion führen“, so TKG-Generalsekretärin Melissa Günes in Reaktion auf die Sendung und die Folgen.

 

Die Hasspostings, die in Folge der Sendung auf der Facebook-Seite des UETD-Chefs, der UETD-Seite, einer Protestseite gegen die Sendung und einer Fanseite von Lisa Gadenstätter auftauchten, seien für die TKG „beschämend und traurig“ und würden von der Kulturgemeinde „scharf verurteilt“. Keinesfalls solle laut Günes die Krise im Nahen Osten nach Österreich gebracht werden, „sondern auf zivilisierte Art und Weise versucht werden, auch anders denkende Menschen ohne Hass und Vorurteil zu überzeugen.“ Facebook-Seiteninhaber egal welcher Religion seien dazu aufgefordert, Hasspostings sofort zu löschen und User vor solchen Tiraden zu warnen. „Wir möchten in Österreich, egal woher wir stammen und zu welcher Religion wir gehören, einander mit Respekt, Vernunft und Verstand begegnen.“ Im Falle der Hassposter gegen Gadenstätter fordert die TKG zudem „die Staatsanwälte auf, egal aus welcher Ecke die Hassposting-Beschimpfungen kommen, die Täter mit den schärfsten Sanktionen zu verfolgen“. Günes befürchtet, dass durch die Beschimpfungen auch anderskonfessionelle kritische Menschen, etwa Aleviten aus der Türkei, „unter dem Vorwand ‚Wir äußern ja nur unsere Meinung‘ terrorisiert werden“.

 

Kritik richtet die TKG auch gegen die ÖVP und SPÖ Wien, denn durch ihre Wirtschaftsvereine sei das aggressive, gegen Andersdenkende gerichtete, Gedankengut großer türkischer Parteien stark vertreten. „Die Parteiverantwortlichen, die stark mit den Personen und Institutionen und Vereinen kooperieren, sollten das österreichische Volk, die Wähler und Wählerinnen nicht für dumm verkaufen und ihre Kandidatenlisten und Kooperationen noch einmal unter die Lupe nehmen und besonders jene Personen hinterfragen, die dieses politische Klima in Österreich mitverursacht haben“, so Günes.

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03 12 2012
By: Redaktion 2 0

LEGO und der wahre Grund für das Aus des kulturrassistischen Spiels Jabba’s Palace

„Lego-Unternehmenssprecherin Katharina Sasse bezweifelt, dass die Produktion eingestellt wird“ (24.01.2013, Spiegel.de) Wien – Verwirrend waren die bisherigen Erklärungen von LEGO in
Bezug auf das Spiel „Jabba’s Palace“, das Ende diesen Jahres vom
Markt genommen werden soll. Deswegen stellt Melissa Günes,
Generalsekretärin der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, hier
die Fakten nochmals dar:

 

In vielen Interviews im Januar 2013, wie auch am 24.01.2013 auf
Spiegel.de, hat sich die LEGO-Sprecherin Katharina Sasse wie folgt
geäußert: „Ich bezweifle, dass die Produktion eingestellt wird“.
http://www.ots.at/redirect/spiegel1

 

Auch in der Zeitung „Die Welt“ konnte man am 26. Januar 2013
lesen: „Die Türkische Gemeinde Österreich sieht die eigene Religion
durch einen Lego-Bausatz verunglimpft. Der dänische Hersteller will
das Spielzeug zwar nicht vom Markt nehmen, sucht aber den Dialog.“
http://www.ots.at/redirect/spiegel

 

Die Behauptungen der LEGO-Sprecherin, dass die
Produktionseinstellung des Kinderspiels „Jabba’s Palace“ Ende 2013
nichts mit den Kritiken und Bedenken der Türkischen KULTURgemeinde zu
tun habe, sondern diese Entscheidung bereits im Sommer 2012 (bei der
Lancierung; Quelle: ORF ZIB1,3.4.2013, 19:45 ) getroffen worden sei,
sieht die Türkische KULTURgemeinde-Generalsekretärin Melissa Günes
gelassen, stellt sich jedoch die Frage, warum LEGO als
verantwortungsvoller und weltweit agierender Konzern dies dann nicht
auch so der Medienöffentlichkeit im Januar 2013 mitgeteilt hat?

 

Unserer Meinung nach, wurde die Entscheidung, das
kulturrassistische und pädagogisch bedenkliche Spiel „Jabba’s Palace“
Ende dieses Jahres aus dem Sortiment zu nehmen von unserer intensiven
Kritik entscheidend beeinflusst.

 

Generalsekretärin Melissa Günes: „Wir wollen zuallererst Frieden
in den eigenen vier Wänden haben. Dieser Friede wird durch ein
Kriegsspielzeug wie LEGOs „Jabba’s Palace“ empfindlich gefährdet!
Friede zu Hause. Friede im Land. Friede in der Welt. Das ist unser
Motto! Wir wünschen uns, dass LEGO dazu weltweit seinen Beitrag
leistet.“

 

LEGO bedeutet in dänischer Sprache „Spiel Gut“. Stars Wars
bedeutet im Englischen „Krieg der Sterne“, und das kulturrassistische
Spielzeug „Jabba’s Palace“ sind in Plastik gegossene Klischees und
Vorurteile, die uns kein Gefühl von „Spiel Gut“, sondern eher von
“Spiel Böse“ geben.

 

Verpflichtet der Friedensnobelpreis 2012 für die EU nicht uns und
global agierende europäische Firmen wie LEGO, noch stärker im Namen
der „Corporate Social Responsability“ auf den Frieden hinzuwirken?

 

Weitere Informationen unter:

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=313

www.turkischegemeinde.at/index.php

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04 06 2012
By: Redaktion 2 0

Jabbas Palast und Al Jabbar? LEGO bedeutet „spiele gut“, nicht „spiele Krieg“… Unsere Beweggründe!

Wien. LEGO bedeutet „spiele gut“, nicht „spiele Krieg“. TKG sagt „Ja“ zum Dialog, „Nein“ zu Jabba’s Palace. Warum? Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG), mit Sitz in Wien, nimmt das „Bedauern“ des Spieleherstellers LEGO zur Kenntnis und begrüßt den Wunsch zum „Dialog“.


 

LEGO-Europa, CEO Dirk Engehausen, möchte die Beweggründe der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich erfahren. Fazit: LEGO möge den Standpunkt der Kulturgemeinde beherzigen und auf unsere Fragen und Anliegen ehrlich eingehen. Vielen Dank.

 

Ein österreichischer Vater meldete sich in der Weihnachtszeit bei der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich und brachte eine Beschwerde vor. Seine Schwester hatte seinem Sohn in guter Absicht den LEGO-Bausatz „Jabba’s Palace“ des dänischen Spieleherstellers LEGO gekauft. Es stellte sich jedoch heraus, dass die LEGO-Schachtel pädagogischen Sprengstoff enthält. Der Vater reagierte richtig und tauschte den Bausatz im Geschäft um. Dr. Melissa Günes, Generalsekretärin der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich, prüfte die Beschwerde und stellte tatsächlich pädagogisch verwerfliche Mängel und kulturell fragliche Assoziationen am Produkt von LEGO Star Wars fest. Jabba’s Palace von LEGO ist dem Original von Star Wars „so realistisch wie möglich nachgebaut“, so Katharina Sasse, Junior Public Relations Manager von EUC Brand Relations (Lego Deutschland) auf Nachfrage von Journalisten.

 

Was bedeutet LEGO für uns?

 

LEGO heißt übersetzt „spiele gut“ (dänisch: leg godt) und nicht „spiele Krieg“. „Star Wars“ hingegen bedeutet „Krieg der Sterne“ und nicht „Friede der Sterne“. Frieden stiften mit Wort und Tat ist gut, Krieg fördern, sei es mit Worten oder Taten, ist böse. Wird hier in verkehrter Weise das „gute Kriegsspiel geachtet“ und das „böse Kinderspiel geächtet“?

 

„Al Jabbar“ bedeutet im Koran „der Allmächtige“ und ist einer der 99 Namen Allahs. Ist nicht allein dieser Name für die Firma LEGO schon verdächtig genug? Ebenso, dass Jabba, der allmächtige  Oberverbrecher, Schmuggler und Sklavenherr im LEGO-Spiel in einem, einem orientalischen Harem ähnlichen Palast wohnt, irdischer weise gern eine orientalische Wasserpfeife raucht, anstatt aus einem typischen Wikingerhorn einen Liter Bier zu trinken und sich mittels einer schwebender Plattform fortbewegt, einem fliegenden orientalischen Teppich. Warum trägt Jabba kein Wikingerhelm mit zwei blonden Zöpfen sondern schwebt als Nacktschnecke auf einem orientalischen fliegenden Teppich?

 

Die Wasserpfeife ist ein klarer kultureller Hinweis auf den arabischen, orientalischen und/oder muslimischen Hintergrund. Die anderen bösen Charaktere mit asiatischen Gesichtszügen (Augen und Kopfform) sind wie hirnlose sektenartige Mönche, die ihr Gehirn jeden Abend beim allmächtigen JABBA aufladen müssen! Das Ladegerät wird von vier asiatischen Samuraischwertern wie ein Zelt gehalten! Wird hier der allmächtige islamische AL JABBAR Gottnamens Allah in subtiler Weise, aber ohne den Namen geändert zu haben, in einen allmächtigen Verbrecher Jabba umgewandelt, der mit Wasserpfeife auch seinen Kulturkreis allegorisch kodifiziert und uns eine Sachverhaltsklage aufgrund §130 StG (BRD) leichter macht?

 

Quelle:

http://dejure.org/gesetze/StGB/130.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Volksverhetzung

 

Warum hat LEGO für dieses Spiel eine angebliche Prinzessin, die wie eine orientalische und arabische Bauchtänzerin verkleidet ist und auf herabwürdigende Weise, auf dem Schoß des allmächtigen Jabba sitzt produziert? Welche europäische Prinzessin ist wie eine Bauchtänzerin verkleidet? Keine. Welche Wikinger Häuptlingstochter ist als Bauchtänzerin verkleidet? Keine. Auch keine arabische oder türkische Prinzessin kleidet sich so, aber eine Tänzerin schon. Also ist man hiermit bei der Vorurteilsbildung gegenüber einem Glauben, einem Kulturkreis durch Klischees näher gekommen, die muslimisch, arabisch, islamisch und orientalisch sind. Dass LEGO die Prinzessin gegenüber dem älteren Produkt Nr.4480 nicht mehr mit Kette produziert, ist kein Grund, dass wir unrecht haben, ganz im Gegenteil unterstreicht das die Frage nach dem Warum. Nämlich dem Verschwinden der Ketten, wo sie noch in der Filmszene klar aufscheinen, sogar bei der Messepräsentation bei Star Wars werden die orientalischen Models in Bauchtanzanzügen und in Ketten vorgeführt. Lego und die gesamte Welt weiß, dass hier bei Jabbas Palast alle bekannten Vorurteile und Klischees in LEGO-Plastikspiele eingegossen wurden und unter dem Vorwand „spiele gut“ (lego) eine der hinterhältigsten bedenklichsten Volksverhetzungen stattfindet. Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr durch Jabbas Palast von LEGO.

 

Wir bitten die Verantwortlichen bei LEGO hiermit höflich, bei diesem Spiel dringend Änderungen durchzuführen sowie das öffentlich bekannt zu machen.

 

Das würde keine Schwäche, sondern Stärke zeigen. Wir würden das mit großem Respekt und Anerkennung begrüßen, weil wir gerne Kekse essen und heißen Kakao trinken, während wir mit LEGO-Steinen spielen, aber eines nicht mögen: die Diagnosen von uns zu verwässern, ins Lächerliche, also durch den Kakao zu ziehen, kurz die Opfer als unwissende Täter bzw. die Feuerlöscher als Brandstifter darzustellen. Der §130 Volksverhetzung in Deutschland und der §283 Verhetzung in Österreich und die entsprechenden Gesetze in der Welt sind nicht umsonst von Parlamenten im Namen des Volkes verabschiedet worden.

 

Spielt LEGO mit dem Feuer?

 

Auf was sollen wir besonders bei diesem umstrittenen Kinderspiel achten und welche Bedeutungen sind damit verknüpft? Ein Beispiel, das später noch genauer erläutert wird, ist der Charakter Jabba, dessen Name arabisch (El Jabbar) klingt und welcher ausgerechnet eine typisch orientalische Wasserpfeife raucht. Jabba könnte auch eine englische Pfeife benutzen oder ein großes Bier trinken.

 

Das Spiel mit „Star Wars“ ist grundsätzlich bedenklich. Denn „Star Wars“ wird übersetzt mit „Krieg der Sterne“. Selbstverständlich spielt das Heldenepos in einer anderen Ecke des Universums. Natürlich ist aber auch jeder Charakter, jedes Wesen, jede Person und jedes Gebäude irgendwo Sinnbild und Abbild unserer Realität, auch wenn es stark mit Science Fiction und sprühender Phantasie, des zugegebenermaßen genialen Produzenten George Lucas, vermischt ist. Und genauso prägen diese Charaktereigenschaften und Bilder auch unsere Kinder und Jugendlichen – und zwar hier auf der Erde und nicht auf einem anderen Stern in einer anderen Galaxie!

 

 

Baujahr 2003 – LEGOs Jabbas Palast: Eine angekettete Frau am Schoß des Bösewichts Jabba, der Wasserpfeife raucht

 

Wir haben hier auf unserem Planeten Verantwortung zu tragen und denken deswegen, dass dieses Spiel „Jabba’s Palace“, welches seit Juni 2012 auf dem Markt ist, als pädagogischer Sprengstoff anzusehen ist. Zu beachten ist, dass die Version des Spiels um das Jahr 2003 im Vergleich zu der Version von Juni 2012 gerade in den von uns angesprochenen und kritisierten Punkten sehr stark verändert wurde. Wieso hat LEGO in den letzten zehn Jahren das Spiel dermaßen orientalisiert und mit asiatischen Merkmalen versehen? Zum Beispiel wurde der Mann, der die Axt in der Hand hält, mit erkennbar asiatischen Augen und einer dementsprechenden Kopf- und Haarstruktur versehen. Der Bösewicht Jabba wurde mit seiner Wasserpfeife zum Plastik gewordenen Orientalen usw. Noch dazu, wie deutlich zu erkennen ist, fehlen auf der älteren Version die stilisierten Merkmale: Der LEGO-Jabba-Palast, welcher im Jahre 2003 produziert wurde, ähnelt nicht einem Minarett oder Tempel – aber in der heutigen Version von 2012 schon.

 

Gott sei Dank: LEGO verzichtet, in der neuen Version von Jabbas Palast auf die Frau in Ketten. Frage: Warum bleibt aber die Wasserpfeife, bitte?

 

Man muss sich auch fragen, warum im aktuellen LEGO-Bausatz „Jabba’s Palace“ die Prinzessin in Ketten fehlt (die „Prinzessin Leia Organa“ aus Star Wars Episode VI, Return of the Jedi). Bei genauerer Betrachtung, sieht man bei der LEGO-Ausgabe von 2003, eine in Jabbas Nähe angekettete Frau. Er hält in der linken Hand eine Wasserpfeife und auf der rechten Seite befindet sich die, wie im Film, als Bauchtänzerin verkleidete Prinzessin in Ketten. Ist das nicht genug? Schon damals wurde Jabba als Orientaler mit der gefesselten Frau produziert, was durchaus als pädagogischer Sprengstoff bezeichnet werden kann. So ein gewaltsamer Film-Charakter, der menschliche („humanoide“) Frauen schlecht behandelt, wird von LEGO als Kinderspielzeug produziert.

 

Vielleicht wollte man die Frauenrechtlerinnen nicht verärgern und hat deshalb die oben erwähnte LEGO-Frau einfach weggelassen. Vielleicht hat man auch pädagogisch eingelenkt. Das alles zeigt jedenfalls, dass hier etwas nicht in Ordnung ist, was unsere Sorge und Kritik bestärkt. Insgesamt gibt bei der Version von 2012 mehr Waffen und brutale Gesichtszüge als in jener von 2003. Die alte Version ist heute noch auf eBay erhältlich gewesen.

 

 

 

Ein neues Spiel von LEGO:  Jabba’s Palace seit ca. 6 Monaten (Juni 2012) auf dem Markt?

 

Eine Frage: Warum heißt das im Juni 2012 herausgebrachte Spiel gerade „Jabba’s Palace“? Und woher könnte das Wort Jabba stammen? Was sind seine etymologischen Wurzeln? Wir fanden zum grausamen Bösewicht, welcher eine orientalische Wasserpfeife raucht, faszinierende Parallelen:

 

Al Jabbar: Bedeutungen

 

Die Wörter Cabbar (türkisch) oder Al Jabbar (arabisch) kommen im Koran vor und haben viele Bedeutungen, wie zum Beispiel die Eigenschaft des allmächtigen Gottes. Die jeweiligen Anfangsbuchstaben mit „tsch“ (wie tschechisch) oder „j“ (wie jagen) ausgesprochen. Will man im Falle des Sportlers Kerim Abdul Cabbar [Jappar] den Namen übersetzen oder deuten, so kommt man auf „Diener des Allmächtigen“, denn Abdul lässt sich mit „Diener“ und „Cabbar“ oder „Jabbar“ mit „der Allmächtige“ übersetzen.


„Al Jabbar“ (Cabbar, Gabbar) vereint mehrere Bedeutungen:

 

Al Jabbar kann mit „Der Allmächtige“ gleichgesetzt werden, auch mit „Intellekt“, „Schöpfer“, „Einheit“ und R“ückkehr aller Dinge in das Eine“, welches das Prinzip und der Grund aller Existenz ist.

 

Quelle:

http://www.namesofallah.com/eng/html/n009.htm

 

 

Der Terrorist, Warlord und Clanchef Jabba  der Hutte in LEGOs „Jabba’s Palace“, liebt es, Wasserpfeife zu rauchen und seine Opfer töten zu lassen. Er ist Anführer einer Verbrecherorganisation und fühlte sich stets zu humanoiden Frauen hingezogen, welche als orientalische Bauchtänzerinnen verkleidet und mit einer Kette gefesselt, auf seinem Schoß sitzen, während er Wasserpfeife raucht.

 

Es ist damit doch offensichtlich, dass sich für die Figur des hässlichen, grausamen Bösewichts Jabba und die ganze Szenerie an rassistischen Vorurteilen und gemeinen Unterstellungen gegenüber den Orientalen, Arabern, Türken und Asiaten bedient wurde. Sie werden mit hinterlistigen und kriminellen Persönlichkeiten (Sklavenhalter, Terroristen, Verbrecher, Mörder) in Verbindung gebracht.

 

Stellungnahmen von LEGO CEO Dirk Engehausen

 

Dirk Engehausen, Europa-Chef der LEGO Gruppe, sagte, dass „Star Wars“ das am besten verkaufte Spiel von LEGO weltweit sei. Ist das nicht bedenklich? Denn gerade beim „Star Wars“-Bausatz „Jabba’s Palace“ wird der Höhepunkt brutalsten Kriegsspiels mit Waffen, Streitäxten, Schwertern und Sturmgewehren erreicht, bei dem asiatische und orientalische LEGO-Figuren als Bösewichte, satanische Mächte und Terroristen in den Köpfen der Kinder einzementiert werden. Ist hier nicht etwas faul? Zumindest pädagogisch, ganz sicher auch philosophisch. Man muss nicht Türke oder Muslim sein, um das verstehen zu können! Der springende Punkt ist natürlich: Inwelche Richtung sollen unsere Kinder kognitiv-neurologisch programmiert werden?

 

TKG ist sehr gerne bereit für den Dialog

 

Wir begrüßen das Entgegenkommen von LEGO und gehen gerne auf das mittelbare Angebot eines konstruktiven Dialogs ein.

 

Wir setzen uns damit eine Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und eine Erörterung von kulturellen und pädagogischen Problemen zum Ziel.

 

Wichtig ist, dass LEGO vor allem die Herstellung und nicht nur den Ärger wegen dieses Kriegsspielzeugs bedauert und die Produktion im Sinne der Bedeutung des Wortes „bedauern“ (es ist mir wichtig, es ist mir teuer) in Zukunft überdenkt.

 

Vorsicht Kultureller Rassismus als Neo-Rassismus

 


Kultureller Rassismus
durch LEGO Kinderspiel Jabba’s Palace?

 

Wir wollen nicht mit der Rassismus-Keule kommen, man darf aber nicht außer Acht lassen, dass bekanntlich der traditionelle Rassismus auf Ausgrenzung aufgrund körperlicher (physiognomischer) und/oder biologischer (genetischer) Andersartigkeit basiert, während der Neo-Rassismus, also der „kulturelle Rassismus“ auf kulturelle Gebräuche und religiöse Unterschiede setzt. Ist das Vorhandensein von biologischen Rassen inzwischen genetisch widerlegt worden, wird schon die nächste Sau ins Dorf getrieben.  Nun versucht man die soziokulturellen Charakteristika wie Herkunft, Gebräuche, Sprache und Religion als Unterscheidungsmerkmal heranzuziehen.

 

In diese Sparte fallen z.B. die Wasserpfeife, das orientalisch klingende Wort Jabba, Gewaltexzesse, Äxte, Maschinengewehre, asiatisch-samuraische Schwerter, asiatisch und oriuentalisch aussehende LEGO-Spielzeug-Figuren.

 

Genau diese genannten Unterscheidungsmerkmale hervorzuheben, ist aber die Taktik des als Neo-Rassismus. Gemäß den klassischen Definitionen von Rassismus (wären physische Kennzeichen wie z. B. die Hauptfarbe heranzuziehen. Beim Neo-Rassismus (kultureller Rassismus) fungieren dagegen – wie oben beschrieben – die soziokulturellen Charakteristika wie Herkunft, Gebräuche usw. In dem LEGO-Spiel „Jabbas Palast“ werden unserer Meinung nach alle diese Klischees und Vorurteile, in das Plastikspielzeug eingegossen, in den Händen der Kinder verbreitet und als negative Vorurteile gegen Orientale und Asiaten in den Köpfen einzementiert. LEGO bedeutet wie gesagt: „spiele gut“ und nicht „spiele Krieg“ oder „schüre Hass gegenüber anderen Kulturen“ unter dem Vorwand eines salonfähig gewordenen Namens, „Star Wars“ („Krieg der Sterne“). Wenn sich die Welt heute in ein globales Dorf zu verwandeln scheint, sollten nicht gerade die globalen Markenfirmen, die unter den Konsumenten fast wie Religionen ihre Anhänger („Fans“) haben und geradezu götzenhaft verehrt werden, mehr sozioökonomisches Verantwortungsbewusstsein zeigen?

 

Was wird im LEGO Kinderspiel Jabbas Palast versucht?  

 

Beim Neo-Rassismus werden gewisse Merkmale, Objekte und Prozesse bestimmten Gruppen zugeschrieben, denen ein besonderes Gewicht verliehen wird. Der furchtbar grausame und primitiv-brutale Terrorist, Jabba der Hutte, liebt es, Wasserpfeife zu rauchen und liebt Frauen, aber nur unter der Bedingung, dass sie orientalische Bauchtanz-Kleidung tragen und angekettet wie ein Hund auf seinem Schoß sitzen.

 

Wehret den Anfängen!

 

Es ist offensichtlich, dass für die Figur des hässlichen Bösewichts Jabba und die ganze Szenerie rassistische Vorurteile und gemeine Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten (Sklavenhalter, Anführer von Verbrecherorganisationen, Terroristen, Verbrecher, Mörder, Menschenopferung) bedient wurden. Erschreckend ist auch die rot-schwarze Teufels-Fratze (der Sith „Darth Maul“ aus Star Wars Episode I und The Clone Wars) auf der Schachtel rechts oben, die zumindest ein augenfälliges Signal ist, dass das Spiel nicht am Weihnachtsabend unter dem Christbaum liegen sollte, wie es am 24. Dezember 2012 in Wien der Fall war.

 

Eben diese ausgewählten bedeutsamen Eigenschaften, Merkmale und Objekte fungieren dann als Erkennungszeichen und Brandmarken für die Orientalen, Asiaten, Moslems oder Türken im Allgemeinen und werden dann bei Bedarf hervorgezogen, um diese Bevölkerungsgruppen zu „kategorisieren“ und zu „klassifizieren“. Was darauf folgt, kennen wir aus der Geschichte und sagen: Wehret den Anfängen!

 

Unsere Bausteine für einen konstruktiven Brückenbau

 

Wir wollen, dass der Legostein wieder „salonfähig“ wird! Kriegsspielzeug gehört weder in einen europäischen Salon, noch ins Kabinett oder ins Kinderzimmer und auch nicht ins Wohnzimmer und sicher nicht unter den Weihnachtsbaum, wie wir es am 24. Dezember 2012, in Wien erlebt haben.

 

Jedes Unternehmen, das „Kleinkinder“, „Kinder“ und „Jugendliche“ zu seiner Zielgruppe zählt, wie eben auch der Konzern LEGO, sollte mehr Sensibilität bezüglich der sozialen und pädagogischen Verantwortung zeigen! Es ist zu bedauern, dass LEGO mit Kampf- und Kriegsspielen unsere Wohnungen verseucht und damit auch noch Geld verdient.

 

Es geht um LEGOs Kriegsspiele, die in unseren Augen pädagogischer Sprengstoff sind. LEGO nimmt sich bei der Kreation und Produktion von Kinderspielzeug brutale Filmgeschichten, Bösewichte, Krieger, Gefängnisse und Tötungsmaschinen zum Vorbild. Die Frage muss erlaubt sein, ob in den kinematischen Vorlagen nicht auch religiöse Riten und Übungen, sakrale Gegenstände und göttliche Attribute verunglimpft werden, ja Gott selbst beleidigt wird (Blasphemie oder Gotteslästerung) Hier wird aus Spiel blanker Ernst. Das sind unsere Beweggründe, darum sollte es zu einem Dialog kommen, denn dieser ist essentiell für einen konstruktiven, interkulturellen und interreligiösen Brückenbau. Beginnen wir bitte mit dem LEGO Spiel „Jabba’s Palace“. Es würde uns für den Anfang als Umdenkprozess genügen, denn dieses Spiel ist ein pädagogischer Sprengstoff mit vielen Verhetzungen.

 

Unsere Beweggründe – unsere Forderungen

 

Unsere Begründung ist, dass das LEGO-Gebäude „Jabba’s Palace“ sowohl einer Moschee als auch einem Tempel und der Turm einem Minarett sehr ähnelt. In Verbindung mit den Spielfiguren und ihren Waffen (Raketen, Kanonen, Laserpistolen, Gewehren und Samuraischwertern) kann bei Kindern der Eindruck entstehen, der Islam sei eine per se gewalttätige Religion und die Orientalen oder die Asiaten seien per se Kriminelle. Diesen Eindruck erweckt vor allem der Wasserpfeife rauchende Jabba, welcher den Oberbösewicht der Star-Wars-Episoden I, IV und VI sowie bei The Clone Wars, darstellt.

 

1. Unsere Beweggründe sind leicht zu verstehen, wenn man sich für internationalen Frieden, ein harmonisches Zusammenleben, gelungene Integration, treue Heimat- und verständnisvolle Nächstenliebe, einsetzen will. Das bedeutet einen respektvollen Umgang mit allen Menschen, egal welcher Religion, Nation und Sozialisation, Sprache und Schrift.

 

2. LEGO sollte nicht auf primitive Pattern und negative Vorurteile, auf verletzenden Klischees, auf Kriminalität, Korruption, Krieg und Vernichtung bauen wie das beim Jabba’s Palace leider der Fall ist.

 

3. LEGO sollte friedliche und friedensfördernde Denkmuster bei Kindern und Jugendlichen fördern!

 

Ausreden reichen nicht

 

Bisher ist LEGO auf die einzelnen Vorwürfe und Fragen der Türkischen KULTURgemeinde nicht eingegangen und hat sich in Ausreden und Plattitüden gerettet. (Stand Februar 2013)

 

Worum geht es uns konkret?

 

1.) Es geht hier nicht nur um die Religiosität, sondern darum, dass der Bogen größer gespannt werden muss. Die Türkische KULTURgemeinde ist ein säkularer Verein, der gegen jeglichen politisierten Glauben ist – auch gegen den „politischen Islam“. Es geht im Großen vor allem um den Frieden in Europa und im Kleinen, um den Frieden in den Spielzimmern unseres Nachwuchses. Denn unsere Kinder – welcher Religion auch immer sie angehören – sind die Zukunft des Kontinents!

 

2.) Uns geht es um das friedliche Zusammenleben vieler Kulturen. Und das beginnt zu Hause. Wir würden es begrüßen, wenn LEGO für den Frieden zwischen den Kulturen und unter den Menschen einen positiven Beitrag leisten will und dazu auch Taten sprechen lässt! Weg mit „Jabba’s Palace“!

 

3.) LEGO war immer ein Konzern, dessen Spiele im wahrsten Sinne des Wortes „salonfähig“ waren. Kinder mit LEGO-Spielzeug waren und sind immer gerne gesehen und es gibt keinen Erwachsenen, der nicht gerne mit den kleinen Bauklötzen kreativ mitspielt, lassen die LEGO-Steine doch der blühenden Phantasie freien Lauf! Die Vielfalt der Verwendbarkeit und die Kombinationsvielfalt von LEGO- Steinen ist die Stärke dieser genialen Erfindung. Es wäre schade, wenn gerade der LEGO-Stein zum Stein des Anstoßes würde, wie es einer, der wenigen selbstdenkenden Journalisten, Cornelius von Bismarck auf Spiegel Online, vor kurzem so treffend formuliert hat.

 

Quelle: „Hagia Sophia oder Jabbas Hütte: Lego-Stein des Anstoßes

(Cornelius von Bismarck auf Spiegel Online)

 

4.) Mit „Jabba’s Palace“ und dem „Todesstern“ – einer ebenso verwerflichen Kreation von LEGO Star Wars – verabschiedete sich LEGO von pädagogisch wertvollen Spielen, mit denen sinnvollerweise die ganze Familie – Geschwister, Eltern, Großeltern und Freunde – spielen können und sollen.

 

 

Globale Wirtschaft soll integrieren – nicht divergieren!

 

Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn in der Realität Kinder, Jugendliche und Erwachsene in politischen, religiösen und sozialen Auseinandersetzungen zu den Waffen greifen, weil sie mit solchen Jabbas Palast-Spielen Respektlosigkeit gegenüber den anderen Kulturen und Gewalt in die Wiege gelegt bekommen haben! Die globale Wirtschaft sollte das nicht unterstützen, da Ihr immer auch schon die Aufgabe zur Integration zugekommen ist, die man nicht unterschätzen sollte.

 

Wir wollen zuallererst Frieden in den eigenen vier Wänden haben. Dieser Friede wird durch Kriegsspielzeug wie LEGOs „Jabba’s Palace“ empfindlich gefährdet!

 

Friede zu Hause. Friede im Land. Friede in der Welt. Das ist unser Motto! Wir wünschen uns, dass LEGO dazu weltweit seinen Beitrag leistet.

 


Was wollen wir nicht?

 

Nur mit dem Finger auf Lucasfilm zu zeigen, ist bedenklich und traurig! Wir wollen nicht, dass LEGO den Krieg aus dem All, aus einer blutrünstigen Hollywood-Galaxie, die uns letztendlich fremd und unbekannt ist, nach Europa bzw. in die Welt schleust, in unser Haus bringt und unter unseren Weihnachtsbaum legt. Wir wollen nicht, dass LEGO Vorurteile gegen andere Kulturen und die damit verbundenen Religionen, seien es orientalische oder asiatische, schürt.

 

Fehl am Platz: Dort läuft der Dieb!

 

Hier darf sich, bitteschön, LEGO nicht aus der Verantwortung stehlen! Mit dem Finger auf den mächtigen Konzern Lucasfilm, der 2012, von der noch mächtigeren Walt Disney Company gekauft wurde, zu zeigen, halten wir für bedenklich und traurig. Hier sind durchschaubare Feigenblätter, enthüllende Vorwände und dreiste Schuldzuweisungen wie „Dort läuft der Dieb!“ bitteschön fehl am Platz.

 

Warum fordert die Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union die Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR)?

 

Der Begriff „Corporate Social Responsibility (CSR)“ bzw. „Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung“ wurde nicht von uns erfunden, aber selbst jeder kleine Wiener Käsekrainer-Verkäufer übt sich als Mini-Firma in der unternehmerischen Sozialverantwortung aus, einfach und selbstverständlich. Warum nicht ein Weltkonzern wie LEGO mit der Zielgruppe von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen? Oder haben wie hier etwas übersehen?

Die EU hat im Oktober 2011 die CSR genau definiert. CSR ist: Der freiwillige Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die gesetzlichen Forderungen (Compliance) hinausgeht. Das heißt, es geht um eine positive unternehmerische Moral, um Arbeits- und Sozial-Ethik.

 

 

Quelle: Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Grünbuch: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen (Brüssel, den 18.07.2001) – http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2001/com2001_0366de01.pdf

 

 

Es ist an LEGO, als Spielzeug-Riese, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen!

 

TKG fordert eine Europäische Spielzeug-Friedenskonferenz

 

Das ist kein pazifistischer, naiver und weltfremder Ansatz, das ist die Forderung der kognitiven Pädagogik und der Neurobiologie, der Gehirn- und Verhaltensforschung an Kleinkindern, Kindern, Teenagern und Jugendlichen. Um nicht zu sagen, des primitiven Hausverstands.

 

LEGO heißt übersetzt „spiele gut“. Soll es in Zukunft „spiele böse“ heißen?
Verpflichtet uns nicht der Friedensnobelpreis 2012 für die EU, noch mehr auf den Frieden hinzuwirken? Oder dürfen wir uns jetzt im Ohrensessel gemütlich zurücklehnen und das Kriegsspielzeug wieder hervorholen?

 

Nein, das wollen wir nicht! Wir wollen nicht, dass LEGO die Gier der Menschen ausnützt, sondern im Gegenteil bei der Suche nach sinnvollen Spielzeugen Phantasie entwickelt und die moderne Forschung nicht ignoriert, sondern respektiert und integriert.

 

Wir möchten, dass der Friedensnobelpreis als Auftrag und nicht als Schulterklopfen verstanden wird. In diesem Sinne wollen wir noch einen Schritt weiter gehen und uns als Türkische KULTURgemeinde daran aktiv beteiligen.

Deshalb fordern wir eine Europäische Spielzeug-Friedenskonferenz der Spielzeug-Hersteller, Staaten, Religionsgemeinschaften und NGOs – eine Dialog-Konferenz, die sich positive Taten zum Ziel setzt.

 

Auch die Politik muss handeln

 

Es bleibt unentschuldbar, dass die Politik noch immer Kriegsspiele, brutale Computer-Games und andere Instrumente zur Desorientierung der Kinder duldet und nicht unterbindet. Mit der Eigenverantwortung der Eltern ist es leider nicht getan und sich auf den freien Markt auszureden ist fahrlässig.

 

So bauen wir nicht an der Zukunft Europas, so werfen wir Europa die Streitaxt in den Rücken! So untergraben wir seine Fundamente und sprengen seine Tore. Erkennen Sie diese Sprache? So werden Mauern errichtet und Todesstreifen gezogen, wo Ähren wachsen und Sonnenblumen blühen sollten! Können Sie sich noch daran erinnern?

 

Was bedeutet der Friedensnobelpreis 2012 für die Europäische Union?

 

Die Europäische Union hat 2012 den Friedensnobelpreis erhalten. Es heißt, jeder Bürger darf sich nun als Preisträger bezeichnen. Wirklich jeder?

 

Wenn sich heute im 21. Jahrhundert ein Spielzeughersteller Lizenzen bei Lucasfilm für die Marke „LEGO Star Wars“ sichert, muss die Frage erlaubt sein: Kann das im Sinne der Werte der EU sein!?

 

Wenn kulturelle Gefühle verletzt und primitive Klischees bedient werden, wenn Teufelsfratzen von Spielzeugschachteln grinsen, muss LEGO mit harscher Kritik rechnen. Es bleibt uns als Türkischer KULTURgemeinde in Österreich völlig unklar und schleierhaft, wie solche Bilder bei den Kindern und Jugendlichen ein friedliches Zusammenleben in einem vereinten Europa fördern sollen!

 

Wie ernst nimmt LEGO den Friedens-Nobelpreis für die EU?

 

Wenn die EU den Nobelpreis für den Frieden erhalten hat und nicht für die Unterstützung von Krieg, so sollten die Alarmglocken bei den Spielzeug-Produzenten doppelt stark läuten und CSR für seriöse Firmen wie LEGO umso so wichtiger werden!

 

Gerade für europäische Firmen und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollte diese Intention einer Corporate Social Responsibility einen hohen Stellenwert haben!

 

Die Welt hat unter den europäischen Kriegen in der Vergangenheit viel gelitten, auch Europa wurde zu einem einzigen riesigen Schlachtfeld, zu einem großen Gefängnis. Das soll nun endlich vorbei sein! Die Welt schaut auf Europa. Die Welt erwartet und hofft von Europa, dass es mit seiner großen Macht, Würde und Verantwortung und seinen vielen schmerzlichen Erfahrungen den Frieden zu bewahren hilft und nachhaltige Friedensinitiativen setzt. Viel ist bereits geschehen, viel ist noch zu tun!

 

Was wir uns von LEGO wünschen…

 

1. LEGO soll seine gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnehmen.

 

2. LEGO soll keine verletzenden, für Kinder ungeeignete und pädagogisch wertlose Spiele erzeugen.

 

3. LEGO soll nicht negative Werte in die Familien einpflanzen.

 

4. LEGO soll aufhören, Kriegsspielzeug (Jabba’s Palace) in friedliche Wohnungen zu importieren.

 

5. Wir fordern LEGO auf, sich vermehrt auf die gute alte LEGO-Philosophie zu besinnen, die Notbremse zu ziehen und eine Trendumkehr einzuleiten.

 

6. LEGO soll seine Weichen wieder auf „pädagogisch wertvoll“, „sozial kompetent“ und „sozial verantwortungsbewusst“ stellen. Kinder sollen lernen, was gut und was böse ist und wie man damit konstruktiv umgeht. Sie sollen es spielerisch lernen. Das gelingt nur im Familien- und Freundschaftsverband mit Spielzeug, das dazu geeignet ist.

 

7. Wir wollen Frieden in LEGOland! (SPIEL GUTland)

 

Wir fordern nicht zuletzt…

eine Europäische Spielzeug-Friedenskonferenz der Spielzeug-Hersteller, Staaten, Religionsgemeinschaften und NGOs.

 

Für weitere Fragen:

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich
Dr. Melissa Günes ,Generalsekretärin
www.turkischegemeinde.at
m.gunes(at)turkischegemeinde.at

 

Autor: Obmann Dipl.-Ing. Birol Kilic

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28 05 2012
By: Redaktion 2 0

Verband der Auslandspresse wählt neuen Vorstand

„Verband der Auslandspresse in Wien“ (Gründung 5. November 1945) hat bei seiner 65. Ordentlichen Generalversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Unser Obmann der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich Herr Dipl.-Ing. Birol Kilic wurde zum 3. Mal für 2 Jahre in den Vorstand des Verbandes der Auslandspresse in Wien gewählt. Wien – Im Amt bestätigt wurde, am 13. Februar 2013, die seit 2006 amtierende Präsidentin, Dr. Susanne Glass, ARD-Korrespondentin für Österreich und Südosteuropa. Vizepräsident ist Dr. Charles Ritterband von der Neuen Züricher Zeitung. Generalsekretärin bleibt Mag. Tzvetana Deblibaltova-Tomova, Bulgarische Nachrichtenagentur, BTA, (Sofia)

 

Im Vorstand sind außerdem: Dr. Mungunchimeng Bathmunkh, Mongolisches Fernsehen aus Ulan Bator, Igor Belov, Radio Voice of Russia (Moskau), Ahmed Hamed, Wafa-Presseagentur (Rammallah), Mag. Claudia Hauboldt, MDR-Radio (Dresden), George Jahn, Associated Press (New York), Dipl.-Ing. Birol Kilic, Yeni Vatan Gazetesi, Neue Welt Verlag (Wien-Ankara), Michael Shields, Reuters (London). Als Rechnungsprüfer wurden gewählt: Ales Goldgraber, ARD (Wien) sowie Mag. Sendra Posa-Gjurin, kroatische Nachrichten Agentur HINA (Zagreb). Geschäftsführer bleibt Prof. Dimitris Dimitrakoudis

 

Der Verband der Auslandspresse ist die Interessensorganisation der in Österreich akkreditierten Journalistinnen und Journalisten internationaler Medien und veranstaltet regelmäßig u. a. Hintergrundgespräche sowie Diskussionen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Mehr Infos unter: www.auslandspresse.at

 

Geschichte des Vereines Auslandspresse

 

Der „Verband der Auslandskorrespondenten in Wien“ – wie er damals hieß – wurde am 5. November 1945 gegründet, seine erste Generalversammlung fand am 28. April 1946 statt. Vor dem Krieg bestand ein Verein mit dem Namen „Union der Korrespondenten der ausländischen Presse in Wien“.

 

Seinen ersten provisorischen Sitz hatte der Verband der Auslandskorrespondenten am Kohlmarkt Nr. 11, später siedelte er in Repräsentationsräume am Schubertring Nr. 6 um, und bezog dann im Herbst 1952 – als erster Presse-Verein überhaupt – sein heutiges Quartier in der Bankgasse Nr. 8 . Diese seine Räumlichkeiten wurden 1957-1958 vollkommen neu adaptiert und renoviert, wobei unter anderem eigene Büros für verschiedene Medien eingerichtet wurden.

 

Der Name „Verband der Auslandskorrespondenten in Wien“ wurde anläßlich der Generalversammlung im Dezember 1958 in „Verband der Auslandspresse in Wien“ abgeändert.

Der Verband hatte in seiner über 60jährigen Geschichte alle österreichischen Präsidenten und Regierungschefs zu exklusiven Hintergrundgesprächen und Pressekonferenzen zu Gast.
Selbstverständlich auch wichtige Vertreter sämtlicher Parteien, sowie aus Wirtschaft und Kultur. Auch ausländische Staatschefs stehen bei ihren Wien-Besuchen erfahrungsgemäß den Journalisten der Auslandspresse gerne Rede und Antwort.

 

Seit seiner Gründung zählte der Verband der Auslandspresse in Wien an die 1700 ordentliche (d.h. hauptberufliche Berichterstatter ausländischer Medien) und an die 400 außerordentliche (d.h. nebenberufliche Auslandsjournalisten, bzw. Pressediplomaten) Mitglieder.

 

Die schwierigen Jahre nach dem Krieg und die Zeit des sogenannten Kalten Krieges, hat der Verband der Auslandspresse in Wien ohne Krisen und Konflikte bewältigen können. Dank der Kollegialität und Zusammenarbeit zwischen seinen Mitgliedern, die in vorbildlicher Weise die friedliche bis freundschaftliche Koexistenz verwirklichten.

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21 07 2011
By: Redaktion 2 0

Mediengipfel in Lech: Qualitätsmedien stehen vor großen Umwälzungen

Eine hochkarätige Runde internationaler und österreichischer Medienmacher diskutierte Donnerstagabend zum Auftakt des Mediengipfels in Lech die Zukunftsperspektiven des Qualitätsjournalismus. Standard-Herausgeber Oscar Bronner warnte in seiner Eröffnungsrede zum zweitägigen Kongress, dass bisherige Qualitätsmodelle in Zukunft möglicherweise nicht mehr finanzierbar wären

 

Hat Qualitätsjournalismus in den USA, in Europa und Österreich Zukunft? Diese Frage diskutierte in Lech unter der Leitung von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid ein prominentes Podium – Oscar Bronner (Der Standard), Andreas Pfeifer (ORF), Peter Kropsch (APA), Hermann Petz (Moser Holding), Erna Cuesta (ATV), Birol Kilic (Neue Welt) und Carl Eduard Meyer (news aktuell).

 

Qualität zu finanzieren wird immer schwieriger

 

Bronner bekannte in seinem Prolog zur Diskussion, dass die Medienbranche vor großen Umwälzungen stehe. Qualitätsmedien seien künftig immer schwerer finanzierbar, da einerseits die Weltwirtschaftskrise zu den extremsten und schnellsten Einbrüchen am Anzeigenmarkt geführt hätte und andererseits das Internet herkömmliche Modelle immer stärker unter Druck bringe. „Kein Medium kann beispielsweise bei der Geschwindigkeit mit dem Internet mithalten. Der praktisch kostenlose Zugang ist gerade für junge Menschen eine große Verlockung, es wird ähnlich wie im TV gezappt im Internet vorwiegend gescrollt, der Zugang zu Information ist schier grenzenlos.“ Sehr schnell entstehe dabei der „teuflische Eindruck“ man sei informiert. „Allerdings“, so Bronner, „bleibe ich optimistisch, denn man entdeckt rasch, dass dieser Eindruck oftmals täuscht.“ Gerade Qualitätszeitungen hätten gegenüber dem Internet viele Vorteile. Die Zeitung sei immer griffbereit, könne dem Leser reflektierte Inhalte und relevante Informationen anbieten. Allerdings steige der Kostendruck enorm, Qualität zu finanzieren würde immer schwieriger. „Sparen allein wird zu wenig sein“, zeigte sich Bronner in Lech überzeugt. „Die Verleger werden sich trauen müssen, die Zeitungen teurer zu machen.“

 

Glaubwürdigkeit als größtes Kapital

 

Auch Peter Kropsch, GF der Austria Presse Agentur (APA), betonte, dass auch Nachrichtenagenturen weltweit auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen seien. Damit wolle man den zentralen Basisdienst – die unabhängige redaktionelle Leistung – weiterhin auf gesunder wirtschaftlicher Basis leisten. Andreas Pfeifer, Ressortleiter Außenpolitik im ORF, betonte, dass der Kampf um Qualität angesichts notwendiger Sparprogramme täglich zu führen sei. „Die Glaubwürdigkeit ist dabei unser größtes Kapital. Wir versuchen täglich die Komplexität aktueller Vorgänge verständlich darzustellen, um notwendigen gesellschaftlichen Konsens als Basis für den Diskurs zu ermöglichen. Die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft weckt zunehmend den Wunsch nach sozialer Orientierung. Und am Ende dieser Prozesse vertraut man Menschen und nicht den virtuellen Informationen, die nicht überprüfbar sind.“ Erna Cuesta, Kulturedakteurin von ATV, betonte ebenso, dass Fernsehen glaubhafte Leitfiguren anbieten müsse. Sie warnte vor der Trägheit – insbesondere von öffentlich rechtlichen Anstalten. Man könne auch kostengünstiger Qualitätsinhalte anbieten, die in Summe gerade vor dem Hintergrund der Informationsexplosion zunehmende Bedeutung hätten.

 

Qualitätsmedien als Orientierung in einer zunehmend komplizierten Welt

 

Carl Eduard Meyer, GF von news aktuell, betonte, dass klassische Medien mit den Möglichkeiten des Internets rasch zusammenwachsen müssten. Wenn Modelle wie Google klassische Nachrichtensysteme unter Druck brächten, dann brauche es rasch intelligente Antworten. „Wir müssen schnell lernen, die Vorteile der einzelnen Medien zu erkennen und diese zu bündeln. Print und Online müssen zusammengeführt werden.“ Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, bekannte sich zum Qualitätsjournalismus, um den Menschen Orientierung in einer zunehmend komplizierteren Welt anzubieten. Journalisten würden den permanenten Nachrichtenstrom selektieren, interpretieren und analysieren. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass Qualität auch im Lokalzeitungsbereich hochgehalten werde. Birol Kilic, ein in Wien lebender Auslandskorrespondent türkischer Abstammung, warnte einerseits davor, dass aufgrund des großen Arbeitsdrucks immer öfter Informationen ungefragt übernommen würden und andererseits davor, dass Lobbyismus und unabhängiger Journalismus auf demokratiepolitisch notwendigem Abstand bleiben.

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06 10 2010
By: Redaktion 2 0

Die Spitze der Wirtschaftskammer trifft austrotürkische Unternehmer

WIEN – Ein ungewöhnlicher, in seiner Art bisher einzigartiger Besuch fand am 26. Jänner in den Räumlichkeiten des Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung) statt: Zum ersten Mal kamen gleich zwei prominente Vertreter der Wirtschaftskammer zum gemeinsamen Austausch mit türkischstämmigen Unternehmen, nämlich Christoph Leitl, Bundesobmann des Österreichischen Wirtschaftsbundes und Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, und die Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer Brigitte Jank, die ihrerseits Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes ist. Die beiden prominenten Gäste standen beim Treffen den türkischstämmigen Wirtschaftstreibenden Rede und Antwort. Anlass für die Begegnung waren die bevorstehenden Wirtschaftskammer-Wahlen, die von 27. Februar bis 2. März stattfinden werden, und bei denen der Wirtschaftsbund auch türkischstämmige Wirtschaftstreibende als Wähler gewinnen möchte.

 

Die Zahl türkischstämmiger Wirtschaftstreibende in Wien beläuft sich auf rund 6000. Sein türkisch-deutsches Magazin richtet sich an Unternehmer mit türkischem Migrationshintergrund.

 

„Es gibt österreichweit etwa 25.000 türkischstämmige Unternehmer“, berichtet Birol Kilic, Verleger des Neue Welt Verlags (Herausgeber Yeni Vatan Gazetesi, Einspruch, Südosteuropa Investment) und selbst Platzhirsch in der türkischen Community. „Darunter sind in etwa 5000 bis 6000 KMUs, die beachtliche Umsätze machen und auch viele Österreicher angestellt haben.“ Der Wirtschaftskammer wurde mittlerweile das hohe Potenzial bewusst, das unternehmerisch tätige Migranten für die heimische Wirtschaft bedeuten. Die wachsende Aktivität von Wirtschaftstreibenden mit Migrationshintergrund bedeutet freilich auch einen gesteigerten Bedarf an intensiverer Beratung speziell für diese Klientel. Heute kann bei der Wirtschaftskammer mittlerweile jeder eine Beratung in seiner Muttersprache bekommen.

 

Dass es auch einige sehr erfolgreiche türkischstämmige Unternehmer gibt, zeigte das Treffen am 26. Jänner mit Leitl und Jank. Mit dabei waren neben Kilic auch der Großbauunternehmer Mustafa Atak von Mustibau GesmbH, Mustaf Koc von der X-Mobile GesmbH, der in Österreich Top 3 unter den Fachhändlern ist, Idris Karakas vom Gimex HandelsgesmbH, Mehmet Ildirar von Inova Tools, Bahattin Ceki von CSP, Gökhan Yildirim von der Reviesta Consulting Group Environmental Technologies e.U und Haluk Kocapinar, der mit der Syntez Group im Bereich Wohnungseinrichtungen und Tourismus tätig ist. Sie alle haben sich in Österreich selbständig gemacht und hatten Erfolg. Zweisprachigkeit ist für manche eine spezielle Chance, weil sie hier im Import- und Exportbereich besonders punkten können.

 

Wie beim gemeinsamen Gespräch deutlich wurde, teilen türkischstämmige Unternehmer einige Hauptschwierigkeiten mit anderen Unternehmensgründern. Das betrifft etwa das Thema „unlauterer Wettbewerb“. Jank versprach hier ein entschiedenes Vorgehen, betonte aber: Alle haben die gleichen Probleme. Durch die Schattenwirtschaft entstünden hohe Verluste bei Steuern und im Sozialbereich. Ein großer Erfolg sei jedoch im Baubereich gelungen: Mit dem Finanzministerium konnte vereinbart werden, dass jede Firma angemeldet sein muss; für Gewerbe ohne Sitz gibt es künftig keine Bauberechtigung mehr.

 

„Manchmal arbeiten die Beamten nicht so, wie es sich die Banken wünschen“, räumte Brigitte Jank ein. „Aber seit wir eine Ombudsstelle für Finanzierungsfragen eingerichtet haben, hat sich schon vieles verbessert. Das Service gibt es schon.? Besonders seit der Wirtschaftskrise klagen Unternehmer darüber, dass ihre Kreditansuchen abgelehnt werden. Im November 2008 wurde aus diesem Grund die neue Ombudsstelle geschaffen, um Wirtschaftstreibenden „unbürokratisch und rasch“ zu helfen. Die Ombudsstelle fungiert vor allem als Vermittler zwischen Unternehmen und Banken. Wie sich aber in der Vergangenheit bereits herausgestellt hat, scheitern Kreditvergaben auch öfter an unvollständigen Unterlagen. Mustafa Atak ist mit dem Service des Wirtschaftsbundes im Großen und Ganzen „sehr zufrieden“. Die begleitende Beratung laufe bisher tadellos. „Ich komme mit der Wirtschaftskammer sehr gut zurecht.“ Der einzige Bereich, in dem er sich etwas mehr Engagement wünscht, betrifft Unternehmensgründungen. „Hier bräuchte es mehr Beratung?, so Atak. „Das ist nicht so einfach in Österreich. Man müsste hier den Einsteigern dabei helfen, ein Konzept für fünf Jahre zu entwickeln, um auch als Konkurrent auf dem Markt zu bestehen. Ansonsten gehen einige Unternehmen schon nach drei Monaten ein.“

 

Türken in Österreich sind aus Sicht von Birol Kilic auch eine wichtige Zielgruppe, für die es sich lohnen würde, gute Berater zu holen. „Interkulturelles Marketing richtet sich an Gruppen, die ethnisch andersartig als die Mehrheitsbevölkerung sind?, berichtet Kilic. Diese Zielgruppen zum Beispiel Türken oder Serben ? weisen ein jeweils typisches Konsum- und Rezeptionsverhalten auf und benötigen deshalb eine spezielle, gesonderte Ansprache. Das Konzept funktioniert, weil die Zielgruppen weitgehend homogen sind. Nach und nach haben verschiedenste Unternehmen erkannt, dass es sich auszahlt, diese Zielgruppen über die Werbung gezielt in ihren Muttersprachen anzusprechen.? Wie lohnenswert das Engagement ist, beweisen die Zahlen. ?In Österreich leben rund 250.000 Menschen aus der Türkei, davon sind bereits 120.000 österreichische Staatsbürger, die sich mit dem Staat identifizieren und hier konsumieren?, weiß Birol Kilic. Ihnen stehen pro Haushalt rund 2.000 Euro im Monat zur Verfügung. Der Ethnomarketingexperte rechnet vor: ?Wenn man von 70.000 Haushalten ausgeht, gibt es für die österreichischen Unternehmen pro Jahr rund zwei Milliarden Euro abzuholen.? Die Zielgruppe benötigt zum Beispiel 3,5 Millionen Flaschen Haarshampoo oder auch rund sieben Millionen Flaschen Babynahrung. Wie Kilic erklärt, liegt im Konsumgüterbereich also gewaltiges Potenzial, das dank interkulturellem Marketing gehoben werden könnte. Bislang lassen auf diese Zielgruppe abgestimmte Kampagnen allerdings auf sich warten, „Schließlich haben die Menschen aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien weit mehr Kinder. In einem österreichischen Haushalt leben durchschnittlich 1,8 Menschen, in einem türkischen vier.“

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09 09 2010
By: Redaktion 2 0

Christentum stammt aus der Türkei?

Man fragt uns Österreicher mit türkischer Abstammung, ob wir uns mit dem Christentum auskennen. Wir dürfen hier noch einen Schritt nach vorne gehen und Ihnen kurz und prägnant erzählen, dass in der Welt das Urchristentum und seine Verbreitung aus der Türkei stammt.

 

von Birol Kilic 

Hiermit möchten wir nur einen Überblick über das Urchristentum in der Türkei geben. Türkei als Land und Anatolien als Gebiet sind natürlich auch Orte, die bei den Österreichern stark mit dem Islam assoziiert werden. Was allerdings vergessen oder übersehen wird, ist aber, dass Anatolien eigentlich jener Ort ist, aus dem das Wort und das Konzept des Christentums stammt, und wo der christliche Glaube zum ersten Mal seine universelle Form bekommen hat.

Auch viele Orte, die für das Christentum von heiliger Bedeutung sind, liegen in Anatolien. Während die heutigen abendländischen Nationen mit Speeren auf die Jagd nach Hirschen gingen, bildete sich in Anatolien eine sesshafte Ackergesellschaft, wobei das Christentum die Hauptreligion Anatoliens wurde.

Die Bedeutung des Begriffes Christus und die erste Anwendung davon in Antiokeia im Süden der Türkei

Das Wort Christ stammt aus der hebräischen Sprache. Das Wort “mashia” bedeutet “mit Öl geschmiert, durch Öl gesegnet”. Die israelitischen Pfarrer und Könige wurden, wenn sie zum Einsatz kamen, mit Öl gesegnet. An vielen Stellen der Tora kann man über diesen Prozess lesen. Das Wort “Mashia” war ein Titel des israelitischen Königs. Die arabische Übersetzung des Wortes hat auch dieselbe Bedeutung, nämlich “mit Öl geschmiert”. Die griechische Übersetzung dafür lautet “Khristos”, woraus das Wort “Khristianos” abgeleitet wird. Und genau dieses Wort wird zum ersten Mal in Antiokeia (heute Antakya, liegt im Süden der Türkei) zum Ausdruck gebracht. “Khristos” bedeutet “Folger des Messias, Freund des Messias”.

Nun, wer war der Erste, der behauptete, dass Jesus derjenige Messias war, der von den Juden erwartet wurde? Einer der Ersten, der erkannte, dass Jesus der Messias war, hieß Simon. Nach dieser Anerkennung nannte Jesus den Simon Petrus, was auf Hebräisch “Felsen” heißt.  Folglich sagt Jesus:  “Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein”. Von diesen Sätzen von Jesus ausgehend, erklärte die katholische Kirche Jesus zum ersten Papst, und die erste Gemeinde wurde auf einem Felsen in Antiokeia erbaut. Der Glaube, den Jesus der Messias verbreitete, fand nicht nur in Jerusalem Anklang, sondern auch unter den Diaspora Juden. In einer der Versammlungen nahm auch ein Jude namens Saulus von Tarsus teil, der später zu einem Apostel wurde, und mit seinem römischen Namen Paulus auch weltweit bekannt wurde. Die Gedanken und der Glaube von Jesus waren eigentlich nichts anderes als eine Umformulierung des Judentums. Er selber meinte ja auch nicht, dass er eine neue Religion erfunden hatte. Zur Zeit Jesu war das Christentum eher eine Sekte des Judentums, dann aber kam Paulus.

Die geografische Welt des Paulus

Geboren wurde er in Tarsus, einer kleinen Stadt an der Südküste der heutigen Türkei, wahrscheinlich im Jahr 10 n. Chr. In Jerusalem absolvierte er sein Studium. Schon früh unternahm Paulus einige Missionsreisen in Kleinasien, Griechenland, Makedonien und auch auf Zypern, was nicht zuletzt zu seiner Verhaftung in Jerusalem führte. Er verbrachte einige Zeit im Gefängnis in Cäsarea am Meer und wurde schließlich in Rom hingerichtet. Dies ist die verkürzte Lebensgeschichte des Apostels Paulus.

Der politische Rahmen des Paulus

Das Römische Reich erstreckte sich zu Paulus‘ Zeiten von der Atlantikküste im Westen Spaniens und Nordafrikas bis hin zur Ostküste des Schwarzen Meeres, von der Nordseeküste bis zur äthiopischen Grenze im Süden. Ein riesiges Rechteck mit dem Mittelmeer im Zentrum. Rund fünf Millionen Quadratkilometer, auf denen sich heute etwa dreißig Staaten befinden.

Als das Christentum zum ersten Mal namentlich genannt wurde, glaubte man daran, dass der Messias schon geschickt und demzufolge das Judentum überwältigt wurde. Deswegen wurde die neue Religion nur als eine Religion gesehen, die unter den Juden akzeptiert werden sollte. Dieser Umstand machte es schwierig, das Christentum zu Massen zu verbreiten. Genau in diesem Punkt hat Paulus viel für die Verbreitung des Christentums beigetragen. Paulus hatte versucht, das Christentum nicht unter den Juden, sondern unter Paganen zu verbreiten, von denen er wusste, dass sie eine neue Religion einfacher akzeptieren würden. Er lehnte auch Anwendungen und Gebote wie Beschneidung, Speisegesetze und Sabbat ab, und schrieb in seinen korinthischen Briefen, dass das Tragen eines Kopftuches eine Voraussetzung für das Christentum sei. In diesem Zusammenhang wurde er oft als frauenfeindlich kritisiert. Wegen seines Glaubens geriet er in einen heftigen Streit mit den Christen aus Jerusalem, dennoch war er erfolgreich bei der Verbreitung des Glaubens  insbesondere in Anatolien.

Verschiedene Ansichten zu seiner Person

Einige behaupten, Paulus war „modern“, andere bezeichnen ihn als originellsten Denker der frühen Kirche. Heute neigt man jedoch eher dazu, Paulus als frauenfeindlichen und unsensiblen dogmatischen Geist hinzustellen. Ihm wird nachgesagt, die reine Botschaft der Liebe Jesu zu einer repressiven Sündenlehre verbogen zu haben.

Viele Christen haben Paulus bereits ins Abseits gestellt und pflegen einen Glauben ohne beziehungsweise gegen ihn. Ein ungeliebter Apostel. Wer kennt noch die Bedeutung seiner Reden oder liest seine Briefe? Ist es jedoch nicht so, dass ohne ihn und seine geniale Gabe, die grundlegenden Wahrheiten des Christentums zu formulieren, die Christenheit eine Sekte geblieben wäre und die Botschaft Jesu nicht im Laufe von 2000 Jahren die gesamte Welt erreicht hätte? Eines ist jedoch klar: Paulus ist die bekannteste, zugleich aber auch umstrittenste Persönlichkeit des Urchristentums. Viele der Schriften im Neuen Testament haben entweder direkt oder indirekt mit ihm zu tun! Egal ob Schüler- oder Gegnerschaft des Paulus, große theologische und kirchliche Erneuerungen nahmen ihren Ausgangspunkt mit Blick auf Paulus. Martin Luther, Karl Barth oder auch John Wesley, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Wende von Paulus prägte die Wende im Abendländischen Gedankengut

Für die Verbreitung des Christentums war Paulus auch deswegen sehr wichtig, weil er jener Apostel war, der die Lehre Jesu in einem kontextuellen Zusammenhang brachte und Leute zutiefst davon überzeugen konnte. Eine Überzeugungskraft, die er seiner griechisch-römischen Rhetorikausbildung zu verdanken hatte. Die Tadellosigkeit, die er sich selbst vorwarf, da es ihm nicht gelang gesetzeskonform zu leben, wurde später, nachdem er immer mehr Interesse an Jesus Christus und seiner Sekte bekommen hatte, zu einer Tadellosigkeit der Religion und seiner Gesetze, jener Gesetze, die Jesu kreuzigen ließen. Die Verbreitung des Christentums an die Massen erfolgte durch eine stärkere Betonung des Glaubens an Individualismus.  Der Ursprung für die Verbreitung dieser Thesen war wiederum Anatolien, wo sich seit Anfang der Geschichte Thesen und Antithesen kreuzten und zu Synthesen verschmolzen.
Man erinnert sich an das Buch von Platon „Politeia“, wo er als Mittel für den kommunalen Wohlstand das individualistische „Streben nach geglücktem Leben“ als Ideal für jeden Einzelnen formuliert.

Religiöse Schriften und Briefe, die in Anatolien geschrieben wurden

Paulus hat seine religiösen Schriften und Briefe im Wesentlichen auf anatolischem Boden verfasst, wie z.B. den ersten Korintherbrief. Auch die Empfänger waren oftmals Gemeinden in Anatolien, wie z.B. die Epheser, denen er aus dem Gefängnis in Rom schrieb. Auch Petrus schrieb seinen ersten Pastoralbrief an die verfolgten Christen in Anatolien. Johannes, der für die Verbreitung des Christentums eine wichtige Rolle gespielt hat, ist eines natürlichen Todes gestorben. Sein Grab befindet sich in Selçuk bei Ephesos. Über der Grabstätte war zuerst eine bescheidene Kirche errichtet worden, die dann unter Kaiser Justinian durch eine prächtige Basilika ersetzt wurde.

Johannes und die sieben Gemeinden

Als Paulus seine Missionsreisen in Anatolien machte, blieb er jahrelang in Ephesos. Und als er dort war, gab es in Ephesus bereits eine christliche Gemeinde, die wahrscheinlich von Johannes begründet worden war. Johannes hielt sich eigentlich in Jerusalem auf. Wo er sich jedoch zwischen den Jahren 37 und 48 aufhielt, ist bis heute nicht ganz klar. Angenommen wird, dass er mit Maria nach Ephesos ausgewandert sei, von dort im Jahre 48 nach Jerusalem gereist und im Jahre 67 wieder nach Ephesos zurückgekehrt und dort gestorben sei.

Johannes wendet sich in seiner „Geheimen Offenbarung“ an die sieben Gemeinden Anatoliens, die er symbolisch als „Sieben Engel, sieben Sterne, sieben Leuchter“ bezeichnet. Diese auch „Sieben Kirchen“ genannten Gemeinden auf westanatolischem Boden befanden sich in folgenden Städten:

1.    Alasehir (Philadelphia), eine Kreisstadt in der Provinz Manisa.

2.    Izmir, mit dem alten Namen Smyrna.

3.    Bergama (Pergamon), welches einst die  Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs war.

4.    Akhisar (Thyateria), ebenfalls ein  Städtchen bei Manisa.

5.    Laodikeia, war eine im 3. Jh. v. Chr. gegründete Stadt, sechs Kilometer nördlich vom jetzigen Denizli nahe dem Dorf Eski Hisar.

6.    Sardes nahe bei Salihli, die alte  Hauptstadt des Lydischen Königreiches.

7.    Ephesos (Efes bei Selçuk), in römischer Zeit Hauptstadt der Provinz Asia.

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05 09 2010
By: Redaktion 2 0

Heirat und Tod in der Türkei

Von Canan Bulkur, Birol Kilic

 

Kleinasien beherbergt seit den frühesten und den bekannten Epochen der Menschheitsgeschichte bis heute eine bunte Vielfalt von Zivilisationen; laut historischen und archäologischen Quellen blickt es auf eine zehntausendjährige Geschichte zurück und stellt heute die Summe der Errungenschaften all dieser Zivilisationen dar.

 

Alle monotheistischen und  polytheistischen Religionen, die einst hier aufeinander trafen, sich vermischten und verwoben, bilden das Erbe der  anatolischen Kultur. So blieb auch der Islam als die Religion, die heute in dieser Region am weitesten verbreitet ist, nicht unbeeinflusst von all diesen verschiedenen Religionen.

 

Jeder Mensch wird in einen bestimmten Kulturkreis hineingeboren, wo er aufwächst, sich entwickelt und bis zu seinem Tod lebt. In diesem Sinne kommt dem Kulturkreis die Aufgabe zu, dem Individuum zu einer Identität zu verhelfen. So basieren auch die Geschlechterrollen, die Ehe als eine gesellschaftliche Institution sowie deren Rituale und Feste auf diesem Selbstverständnis der kulturellen Identität.

 

Heiratsbräuche in der heutigen Türkei

Die Ehe ist eine Institution, innerhalb derer zwei Menschen verschiedenen Geschlechts die Entscheidung treffen, ihr Leben zusammen zu verbringen. Diese Institution ist sowohl von einer rechtlichen wie einer religiösen Seite geprägt. Der Islam sieht die Ehe als eine religiöse Pflicht und begreift sie als Garant für die Gründung von Familien und den Fortbestand der gesellschaftlichen Sittlichkeit. Aus diesem Grunde werden auch sämtliche Zeremonien in Zusammenhang mit der Ehe als religiöse Pflichten aufgefasst. Im Folgenden werden nun die Rituale und Feste bezüglich der Ehe einzeln aufgeführt.

 

Heiratsfähigkeit und -alter

Generell gibt es eine Reihe von Maßstäben, nach denen bestimmt wird, ob eine Frau oder ein Mann im heiratsfähigen Alter ist. Diese Maßstäbe wurzeln in den Traditionen. In der Türkei wird der Beginn des Pubertätsalters auf 10 bis 14 Jahre angenommen. Die Pubertät verursacht sowohl bei Jungen wie bei Mädchen biologisch-physiologische sowie psychologische Veränderungen. Zusammen mit der Pubertät steigt auch die persönliche Verantwortlichkeit und Jungen wie Mädchen nehmen nunmehr an den wirtschaftlichen, sozialen sowie kulturellen Aktivitäten ihrer Familie teil. Wurde früher zwar das Pubertätsalter mit dem Heiratsalter gleichgesetzt, so ist dies heute, im Zeitalter der Moderne, nicht mehr von Gültigkeit. Nur in manchen ländlichen Regionen, in denen das traditionelle Leben noch andauert, wird diese Regel beachtet. In den Städten hingegen liegt das Heiratsalter weitaus höher, was seine Ursachen darin hat, dass sowohl die Traditionen an Einfluss verloren haben und die ökonomischen Bedingungen schwieriger sind. So wird es in den Städten als falsch angesehen, dass Mädchen und Jungen vor dem Abschluss der Schule heiraten.
Bei der Schließung von Ehen gibt es traditionell eine Hierarchie der Art, dass in einer Familie zuerst der älteste Bruder beziehungsweise die älteste Schwester heiratet, danach die anderen Geschwister. Doch auch dies hat sich in den letzten Jahren verändert. Bei der Eheschließung sind wirtschaftliche und soziale Kriterien von großer Bedeutung. Wie jedoch die Gesellschaft von geschlechtsspezifischen Rollenzuweisungen geprägt ist, hat dies auch seine Auswirkungen auf die Eheschließung. Das heißt, dass den Männern und deren Familien eine aktivere Rolle zugeschrieben wird als der Frau beziehungsweise deren Familie und demnach erwartet man Schritte hin zu einer Heirat von dem Mann oder dessen Familie.

 

Brautschau, Werbung um ein Mädchen, um die Hand anhalten, Brautwahl

Die Brautschau ist eine Einrichtung die dazu dient, dass sich die Familien der jungen Leute, die heiraten wollen, kennen lernen. Soll eine Ehe nach diesem Brauch geschlossen werden, geht man zur Brautschau zu der Familie des Mädchens, das von Verwandten des Mannes oder von Nachbarn ausgesucht wurde. Zuerst wird die in Frage kommende Braut von den weiblichen Verwandten des Mannes besucht und falls sie als geeignet angesehen wird, schildern diese den Besuch in lobenden Worten gegenüber dem zukünftigen Bräutigam. Wünscht dieser es, dann wird ein zweiter Besuch von Seiten der ältesten Mitglieder seiner Familie durchgeführt. Haben sich die Heiratskandidaten jedoch zuvor geeinigt, dann gehen die ältesten Mitglieder der Familie an einem vereinbarten Tag zu der Familie der zukünftigen Braut, um um ihre Hand anzuhalten. Dabei werden Süßigkeiten, insbesondere Schokolade, überreicht und diese müssen dann auf einem silbernen Teller angeboten werden. Diese Geschenke wie Blumen und Schokolade sind Zeugen der wirtschaftlichen Situation des Mannes. Aber auch im Hause der Frau werden Vorbereitungen getroffen. Als Wichtigstes zählt dabei die Zubereitung von Kaffee von Seiten der zukünftigen Ehefrau. Ohnehin ist der Kaffee in kultureller Hinsicht  in vielerlei Weise bedeutungsvoll: So trägt eine Kaffeetasse die Erinnerung von vierzig Jahren und deshalb ist es nicht grundlos, warum zu Beginn eines solch wichtigen Ereignisses wie Eheschließung Kaffee angeboten wird. Während des Kaffeetrinkens oder danach sagt dann der älteste männliche Verwandte aus der Familie des Mannes oder der Vater des zukünftigen Bräutigams – an dessen Stelle kann auch ein geachteter älterer Verwandter treten – die Worte: „Nachdem es Gott so gewollt hat, bitten wir um ihre Tochter für unseren Sohn“. Es ist eine kulturelle Eigenheit, dass die Familie der zukünftigen Frau sich bitten lässt und nicht sofort „Ja“ sagt, um zu zeigen, dass sie nicht daran interessiert sind, ihre Tochter sofort zu verheiraten. So antworten sie mit den Worten „Wenn es das Schicksal will“. Wird die Schokolade, die der Familie der Frau überreicht wurde, geöffnet und den Gästen angeboten, so kommt dieses einem „Ja“ gleich. Wird sie hingegen nicht geöffnet, so bedeutet dies, dass man noch etwas nachdenken möchte und ein zweiter Besuch muss gemacht werden. Bei diesem zweiten Besuch wird dann die Vereinbarung zur Eheschließung getroffen. Wurde die Schokolade indes geöffnet, wird gleich ein Tag vereinbart, an dem man sich das Wort geben wird.

 

Ehevereinbarung

Die Vereinbarung zur Schließung der Ehe kann sowohl an demselben Tag stattfinden, an dem man um die Hand der zukünftigen Braut anhält, wie auch an einem anderen Tag. Die Feier besteht im Anstecken der Ringe und wird im Haus der Frau durchgeführt. Die Fingerringe symbolisieren, dass sich Frau und Mann gegenseitig das Wort gegeben haben. Danach wird ein Termin für die Verlobung vereinbart, der nicht allzu spät liegen sollte, denn nach islamischem Brauch sollen die Heiratskandidaten so bald wie möglich verheiratet werden. Aus diesem Grunde wird gleich nach der Ehevereinbarung die religiöse Trauung, das heißt die Trauung vor dem Imam, vollzogen, ohne die weiteren Zeremonien abzuwarten. Dieser Brauch gewährleistet den Heiratskandidaten, dass sie sich in Ruhe treffen können.

 

Verlobung

In der Türkei werden alle Ausgaben für die Verlobungsfeier von Seiten der Braut aufgebracht, weshalb diese einen Spiegel der sozioökonomischen Lage der Frau darstellen. Die Familie des Mannes hingegen kleidet für die Verlobung die Frau neu ein und überreicht den Mitgliedern der Familie der Braut Geschenke, die aus handgefertigten Textilien bestehen und die wiederum die ökonomische Lage des Mannes spiegeln. Gleich nach der Verlobung wird von Seiten der Frau ebenfalls ein solches Geschenk, bestehend aus Textilien, zusammengestellt und der Familie des Bräutigams geschickt. Die Verlobungsfeier findet im Haus der Braut oder in einem dafür angemieteten Saal statt und sämtliche Verwandte und Nachbarn werden eingeladen. Es wird Essen oder auch nur Kuchen und süßes Gebäck verteilt. Die Mutter des Bräutigams überreicht der Braut, die das neue Verlobungskleid trägt, Schmuck, der aus einem Ring, einem Armreif oder einer Halskette bestehen kann. Bei der Verlobungsfeier wird ebenso der Verlobungsring an den Finger der rechten Hand von Braut und Bräutigam angesteckt, ein Amt, das einem der ältesten männlichen Verwandten aus der Familie der Braut zukommt. Liegen zwischen Verlobung und Hochzeit religiöse Feiertage, so überreicht der Bräutigam der Braut und ihrer Familie Geschenke. Fällt zum Beispiel das Opferfest in diesen Zeitraum, so kauft der Bräutigam einen Schafbock, schmückt ihn, färbt seinen Rücken mit Henna und schickt ihn der Familie der Braut. Ist die Familie des Mannes reich, so behängt sie darüber hinaus die Stirn des Schafbocks mit Gold. Die Gäste, die an der Verlobungsfeier teilnehmen, überreichen dem Paar Geschenke oder stecken Geld und Gold an ihre Kleidung. Die Dauer der Verlobungszeit bestimmen die Familien, jedoch wird gleich nach der Verlobung die religiöse Trauung vollzogen.

 

Hochzeitsvorbereitungen

In der Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit vervollständigt die Braut ihre Aussteuer, die dann in eine Truhe gelegt wird. Die Aussteuer kann von der Mutter der Braut, einer Verwandten oder von der Braut selbst hergestellt werden. Die Holztruhen mit der Aussteuer sind von großer kultureller Bedeutung und sind daher verziert, wobei insbesondere Verzierungen aus Perlmutt sehr begehrt sind. Die Aussteuer der Braut wird einige Tage vor der Hochzeit gewaschen und diese Arbeit sollte von den Freundinnen der Braut erledigt werden. Die gewaschene und gebügelte Aussteuer wird zuerst im Haus der Braut zur Ansicht ausgebreitet und diejenigen, die die Aussteuer inspizieren möchten, bringen ein Geschenk mit. Danach wird die Aussteuer in das Haus gebracht, in dem das Paar leben wird, wobei diese Prozedur von regional unterschiedlichen Bräuchen begleitet ist. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass es ein vergnügliches Unternehmen ist. In manchen Gegenden wird die Aussteuer in das neue Haus gebracht, noch bevor die Braut eingetroffen ist, in anderen Regionen gemeinsam mit der Frau. Die Aussteuer symbolisiert die Ehre der Braut und wird deshalb mit Sorgfalt vorbereitet und überbracht. Und alle wollen die Aussteuer bestaunen.

Die Hochzeit ist eine Feier, die verschiedene Stufen umfasst und in ländlichen Gebieten drei bis sieben Tage dauern kann, in den Städten hingegen eins bis zwei Tage.
Der Termin für die Hochzeit wird gemeinsam festgelegt und vor der Hochzeit wird gemeinsam mit der Braut ein Hochzeitseinkauf unternommen, bei dem neben notwendigen Dingen auch das Kleid für die Henna-Nacht sowie das Brautkleid erstanden werden. Verlobung und Hochzeit können am selben Tag und am selben Ort gefeiert werden, die Verlobung in einem Saal der Stadtverwaltung und die Hochzeit in einem anderen Saal, in dem dem Vergnügen keine Grenzen gesetzt sind. Mietet man einen solchen Saal an, dann kann der Standesbeamte auch dorthin bestellt werden.

Zur Hochzeit werden andere Gäste als zur Verlobung geladen. In manchen Gegenden wird an das Haus des Bräutigams eine Fahne, meist die türkische, angebracht als Zeichen, dass eine Hochzeit stattfinden wird.

 

Die Nacht der Henna

Die Henna-Nacht ist eine Feier, die am Tag vor der Hochzeit durchgeführt wird. Es ist die letzte Nacht, die die Braut nur unter Frauen, darunter die weiblichen Mitglieder ihrer Familie und Nächsten sowie ihre Freundinnen, und als Jungfrau verbringen wird. Traditionell ist diese Feier von Traurigkeit bestimmt, verläuft in den Städten heute aber vergnüglicher, denn es wird als das letzte Amüsement vor der Eheschließung betrachtet. Heutzutage werden in städtischen Regionen Ehen ausschließlich vor dem Standesbeamten geschlossen.

Das Färben mit Henna ist eine Tradition, die weit zurückreicht. Die Hände der Braut, des Bräutigams und der geladenen Gäste werden mit Henna gefärbt, womit die Heiligkeit der Ehe zum Ausdruck gebracht wird. Denn die schützende Eigenheit der Henna ist seit alters her bekannt und man bezweckt mit ihrem Auftragen, dass die Ehe lang währt und beschützt wird.

Die Henna, mit dem die Hände der Braut eingefärbt werden, wird von der Familie des Mannes gekauft. Henna, Nüsse und andere Knabbereien, ein Tag vor der Henna-Nacht eingekauft, werden in das Haus der Braut geschickt, manchmal auch mitgebracht, wenn man zur Henna-Nacht geht. Die Henna wird auf spezielle sorgfältige Weise auf einem Tablett vorbereitet.

Die Henna-Nacht findet im Haus der Braut statt. Die geladenen Frauen und Mädchen aus der Familie des Bräutigams versammeln sich zuerst in dessen Haus und gehen dann zusammen zu dem Haus der Braut. Bis die Frauen aus der Familie des Bräutigams eintreffen, vergnügen sich die Braut und ihre Gäste, um dann in eine traurige Stimmung zu verfallen und das Vergnügen den Frauen aus der Familie des Bräutigams zu überlassen.

Die Braut trägt in dieser Nacht eine besondere Kleidung und ihr Kopf ist mit einem roten Schleier verhüllt. Die Henna wird vorbereitet und dann in ein silbernes oder aus Kupfer hergestelltes Tablett gegeben. Die Henna wird  von einer Frau aufgetragen, die allseits geachtet und beliebt ist. Die Braut sitzt in der Mitte und ihr Gesicht ist in Richtung Mekka gewandt. Die jungen Mädchen um sie herum singen Lieder und Gebetsweisen. Das Tablett mit dem Henna und den brennenden Kerzen darauf lässt man um den Kopf der Braut kreisen, manchmal wird das Tablett auch auf dem Kopf der Braut gedreht, darunter ein Kissen. Sollen die Hände der Braut mit Henna eingefärbt werden, so öffnet diese ihre Hände nicht gleich. Erst wenn ihre Schwiegermutter ihr Gold in die Hand legt, öffnet sie diese und die Hände, in manchen Gegenden auch die Füße, werden mit Henna gefärbt. In einigen Regionen wird zu diesem Zeitpunkt der Zeremonie der Bräutigam eingelassen und die Hände von Braut wie Bräutigam werden zu gleicher Zeit mit Henna gefärbt. Damit wird die Heiligkeit der Ehe in noch bedeutungsvollerer Weise unterstrichen. Während dem Färben mit Henna werden die traurigsten Lieder gesungen, um die Braut zum Weinen zu bringen, denn ihr Weinen ist unabdingbar. Die Lieder handeln von der Mutter und von Trennung. Im Allgemeinen berichten die Weisen, die in der Henna-Nacht gesungen werden, von Kummer und Unrecht, von Fremde und den Schwierigkeiten des Lebens. Während dieser Zeremonie bringen die Frauen mit diesen Liedern das zum Ausdruck, was ihnen öffentlich zu sagen nicht erlaubt ist. Generell weicht die Traurigkeit nach dem Färben mit Henna einer allgemeinen Heiterkeit. Ist die Henna-Nacht zu Ende, gehen die verheirateten und älteren Frauen nach Hause, die jungen Mädchen hingegen verbringen die Nacht an der Seite der Braut, wobei es Bedingung ist, nicht zu schlafen. Denjenigen, die dennoch einschlafen, werden Streiche gespielt: Ihre Gesichter werden eingefärbt oder ihre Kleider ans Bett angenäht.

 

Das Abholen der Braut

Im Rahmen dieser Zeremonie wird die Braut vom Haus ihrer Familie abgeholt und in das Haus des Bräutigams gebracht. In den Städten begeben sich die Paare gleich nach der Hochzeit auf die Hochzeitsreise. Deshalb ist das traditionelle Abholen der Braut nach dem Hochzeitsfest eine durchaus feierliche Angelegenheit. Der Hochzeitszug geht – zu Fuß, wenn es nah ist, mit dem Auto, wenn der Ort entfernter liegt – zum Haus der Braut. Die Schwiegermutter nimmt allerdings an diesem Hochzeitszug nicht teil. Die Braut wartet zu Hause auf den Hochzeitszug, der von unterschiedlichsten Vergnügungen begleitet ist, die je nach Region verschieden sind. So ist es Brauch, den Weg des Hochzeitszuges abzuschneiden und Geld zu verlangen, um diesen wieder frei zu geben, was selbst in den Städten praktiziert wird.

Kommt der Hochzeitszug beim Haus der Braut an, wird Geld verlangt, damit die Türe geöffnet wird. Während sich die Braut vorbereitet, tanzen die Teilnehmer des Hochzeitszuges vor dem Haus. Die Braut erhält von ihrem Vater die erbetene Erlaubnis und dieser bindet ihr eine rote Schleife zum Zeichen ihrer Reinheit und Ehre um die Hüfte. Anstelle des Vaters kann auch der ältere Bruder diese Zeremonie ausführen. Während sich die Braut aufmacht, das Haus zu verlassen, setzt sich ihr kleinster Bruder auf die Truhe mit der Aussteuer und erst wenn er Geld erhält, kann die Braut aus dem Haus treten. Die Mutter der Braut weint, denn es ist der letzte Abschied von ihrer Tochter.
Der Bräutigam nimmt die Braut unter den Arm und führt sie aus dem Haus. In den Städten wird Konfetti über der Braut in die Luft geworfen, in ländlichen Regionen Weizenkörner als Symbol für Fruchtbarkeit. Während dieser Zeremonie werden von der Braut bestimmte Handlungsweisen erwartet, die sich zwar von Region zu Region ändern, deren gemeinsames Ziel jedoch darin besteht zu gewährleisten, dass das Eheleben glücklich beginnt und dauerhaft weiter besteht. Einige dieser Handlungsweisen sind:

–    Während die Braut das Haus verlässt versetzt sie der Türe einen Fußtritt, damit ihre schlechten Veranlagungen hinter ihr bleiben.
–    Die Braut nimmt den Koran unter den rechten und ein Brot unter den linken Arm zum Zeichen ihres guten und sittlichen Charakters und als Symbol dafür, dass sie eine gute Hausfrau werden wird.
–    Man gibt der Frau Sauerteig oder Haushaltsgeräte wie einen Besen oder ein Nudelholz in die Hand, damit sie eine gute Hausfrau wird und ihren Haushalt mit Geschicklichkeit führt.

Dem Hochzeitszug werden verschiedenste Geschenke überreicht und wenn die Braut ihr Elternhaus verlässt, werden Lieder gesungen und die Braut steigt in das Auto (in vergangenen Zeiten benutzte man auf den Dörfern eine Pferdekutsche). Während des Einsteigens wird direkt vor ihren Füßen ein Tonkrug zerbrochen, um das neue Leben für heilig zu erklären.

 

Die Braut wird in das Haus des Ehemannes gebracht

Wird der Brautzug nicht aufgelöst, nachdem die Braut abgeholt wurde, so sucht dieser wichtige Orte auf. Noch bevor die Braut am Haus des Ehemannes ankommt, erhält die Braut Geschenke von Schwiegermutter und Schwiegervater. Während sie im Auto sitzt, legt man ein Baby in ihre Arme, um ihre Gebärfähigkeit zu steigern. Unter Gebeten steigt die Braut aus dem Auto, wobei man auf die unterschiedlichsten Bräuche treffen kann. In manchen Region muss die Braut auf einen Löffel treten oder diesen zerbrechen. In wieder anderen Regionen muss sie auf einen umgedrehten Kessel treten, manchmal auf ein Hanfseil. Diesen Bräuchen ist die Absicht gemein, die Ausdauer der Braut zu stärken. In manchen Gegenden muss die Braut auf ein Schaffell treten um damit zu zeigen, dass sie fügsam ist. Während die Braut aus dem Auto steigt werden vom Dach aus Trauben, geröstete Kichererbsen und die Früchte der Ölweide über sie gestreut. Dies gibt dem Wunsch Ausdruck, dass ihr Haus fruchtbar sein soll. In anderen Gegenden wiederum wird der Wunsch, dass die Braut von gutem Charakter ist, mit dem Zerbrechen eines Glases oder eines Tontopfes bestärkt. Bevor sie durch die Türe tritt, wird der Braut in manchen Gegenden auch ein Löffel Honig gegeben mit dem Wunsch, über ihre Lippen sollen keine schlechten Worte treten. Der Bräutigam muss hingegen je nach Region einen Granatapfel, einen Apfel oder eine Orange so auf den Boden werfen, dass sie in Teile zerberstet um damit zu zeigen, dass er seine Familie beschützt und sich um sie kümmert.

Ist die Braut bis zu der Türe ihres neuen Heims gekommen, nimmt man ihr den Brautschleier ab. Das Betreten des Hauses unterliegt wiederum verschiedensten Zeremonien, deren gemeinsames Ziel der Wunsch ist, dass die Braut verständnisvoll und von gutem Benehmen ist und dass nur freundliche Worte von ihr zu vernehmen sein werden. Auch soll mit diesen Bräuchen verhindert werden, dass in der großen Familie Probleme auftreten. Ein Teil dieser Bräuche wird in den Städten nicht mehr praktiziert, manchmal sind sie auch ganz verschwunden. Da die Großfamilie in den Städten an Bedeutung verloren hat und die Jugendlichen heute ihr eigenes Heim gründen, sind diese Bräuche nur noch in manchen Dörfern oder Gegenden, in denen das traditionelle Leben andauert, aufzufinden.  Zu diesen Bräuchen zählen: Die Braut springt auf dem rechten Fuß über die Schwelle und küsst die Hände der Älteren. Man lässt Braut und Bräutigam Fruchtsaft trinken und bittet sie in das Zimmer, wo der Bräutigam seiner jungen Frau ein Geschenk überreicht. In manchen Regionen wird der Braut erst zu diesem Zeitpunkt der Schleier abgenommen. Danach verlassen sie das Zimmer und vergnügen sich bis zum Abend, der Bräutigam mit seinen Freunden, die Braut mit den Gästen, die in das Haus des frischen Ehemannes gekommen sind.

 

Erstmaliges Zusammenkommen

Das erste Zusammenkommen von Braut und Bräutigam, nachdem die religiöse wie standesamtliche Eheschließung vollzogen wurde, nennt man ‚GerdekÂ’. Nunmehr ist ihre Ehe sowohl von Gott wie von Seiten der Gesellschaft bestätigt worden. Auch wenn diese nicht rechtskräftig ist, so gibt es dennoch immer noch Ehen, die ausschließlich vor dem Imam vollzogen werden. Am verbreitetsten ist hingegen, die Ehe zugleich sowohl vor dem Imam wie auf dem Standesamt zu schließen.

Mit den Fäusten auf ihn einschlagend bringt man den Bräutigam in das Brautgemach. Mit dieser Zeremonie wird beabsichtigt, den Bräutigam für die Hochzeitsnacht zu stärken. Betritt der Ehemann das Brautgemach, verrichtet er das rituelle Gebet. Derweil hat man dem neuen Paar Speisen wie Huhn und Baklava gebracht. An der Seite der Braut befindet sich eine Frau, die das junge Paar auffordert, sich gegenseitig die Hand zu geben. Die Frau verlässt danach das Zimmer. Die Braut hüllt sich in Schweigen und der Bräutigam versucht sie zum Sprechen zu bringen, indem er ihre Geschenke überreicht.

Nach dem islamischen Glauben und der gesellschaftlichen Ethik darf die Braut auf keinen Fall vor ihrer Hochzeit mit einem Mann zusammen gewesen sein. Es ist Bedingung, dass ihrer Jungfernschaft von dem Mann, den sie heiratet, ein Ende gesetzt wird. In vielen Regionen ist dies eine Frage der Ehre. Aus diesem Grunde ist die Hochzeitsnacht die Nacht, in der die Ehre der Frau bestätigt wird. In manchen Gegenden wird die Tatsache, dass die Braut Jungfrau ist, mit Pistolenschüssen der gesamten Bevölkerung bekannt gegeben, in anderen Regionen hängt man stattdessen eine Fahne auf.

In den Städten sind solche Bräuche so gut wie verschwunden. Haben sie aber noch Bestand, so werden nach der Hochzeitsnacht Vergnügungen aller Art veranstaltet, um die Jungfräulichkeit zu feiern und um die Braut zu sehen. Diese breitet ihre Aussteuer aus, so dass alle Gäste sie betrachten können.

 

Die Eheschließung vor dem Imam, die religiöse Trauung

Die religiöse Trauung bedeutet aus dem Blickwinkel des Islam die Ehe zu heiligen und die Eheschließung vor dem Imam ist eine religiöse Feier, die die Anerkennung der Ehe vor Gott gewährleistet. Während früher ausschließlich religiöse Trauungen durchgeführt wurden, schließt man eine Ehe heute sowohl vor dem Imam wie auf dem Standesamt, um der Frau rechtliche Sicherheit zu bieten.

Die Trauung vor dem Imam ist eine religiöse Pflicht. Vor der eigentlichen Trauung hält der Imam eine Predigt, spricht Gebete und dankt Gott. Um die Trauung zu vollziehen sagt er: „Diese Frau (es wird der Name der Braut genannt) gebe ich Dir als Ehegattin“. Der Bräutigam oder ein Vertreter sagt daraufhin: „Auch ich erkläre mich einverstanden sie gegen eine Mitgift von … (die Summe wird mit lauter Stimme genannt) zu heiraten“. Mit diesen Worten, die in Anwesenheit von zwei Zeugen ausgesprochen werden, ist die Trauung vollzogen.

Das Wichtige bei der religiösen Trauung ist die Festsetzung der Mitgift, die man ‚mihirÂ’ nennt und die erhoben wird, um die Frau in der Zukunft abzusichern. Denn falls es zu einer Scheidung kommt, wird entsprechend der Mitgift die Entschädigung, die die Frau erhält, bestimmt. Die Mitgift kann in Form von Gold, Geld oder Gütern festgesetzt werden und wird im Allgemeinen in Anwesenheit von Zeugen in schriftlicher oder mündlicher Form festgehalten.

 

Begräbnis- und Beerdigungsbräuche in der Türkei heute

Die islamische Welt besteht aus vielen Glaubensrichtungen. Aus diesem Grunde wurden aus allen diesen Rechtsschulen die gemeinsamen Bräuche ausgesucht und ausgewertet. Wenn heute auch sämtliche Bräuche, die man im Hause des Verstorbenen durchführt und die die Beförderung des Sarges auf den Friedhof bestimmen, von Verstädterung und Industrialisierung beeinflusst sind, so handelt es sich hierbei jedoch um Bräuche, die zum größten Teil noch praktiziert werden.

Unterschiede sind im Alewitentum festzustellen. Der alewitische Glaube beruht auf Produzieren und Teilen, auf Teilnahme und dem Prinzip der Mehrheit sowie auf Freiheit und Gleichheit. Das Leben ist ein Kampf und Geburt, Heirat und Tod sind Stufen dieses Lebens. War der Verstorbene reich, so wird bei den Alewiten ein siebentägiges Totenmahl abgehalten (ein Überbleibsel aus der Tradition der Hettiter). War der Verstorbene hingegen arm, so wird in der Gemeinde Geld gesammelt, ein Opfertier geschlachtet und seine Schulden beglichen. Wird der Leichnam aus dem Haus heraus getragen, wird eine religiöse Feier durchgeführt, wobei Lieder in einer bestimmten Tonart gesungen werden. Mit dieser Feier und einem Eimer Wasser, der dem Sarg hinterher ausgeschüttet wird, gibt man dem Toten das letzte Geleit. Am Abend des Tages, an dem die Beerdigung stattfand, veranstaltet man für den Verstorbenen eine religiöse Versammlung mit einem Gottesdienst.

In manchen Regionen stehen dabei die Frauen, in Trauer gehüllt und ihr Kinn auf einer Haselnussgerte abgestützt. Hatte der Verstorbene Schulden, werden diese bezahlt und hatte er jemanden gekränkt oder beleidigt, so bittet man diese Person um Verzeihung, denn es ist nicht erlaubt, mit einer Ungerechtigkeit, die man begangen hat, in die Ewigkeit einzugehen. Die Beerdigungsfeierlichkeiten werden von den alewitischen Oberhäuptern geleitet. Das Oberhaupt spricht für den Verstorbenen folgende Worte: „Wenn das, was vor Dir liegt, Samt ist, so hast Du ihn selbst gewoben; sind es aber Dornen, so hast Du sie selbst gepflanzt“.

Das Opfertier, das am ersten Tag geschlachtet wurde, wird als Todesmahl dargereicht und auf diese Weise verteilt. Der Zeit zwischen dem ersten und dem vierzigstem Tag wird als dem „Ort zwischen Tod und Auferstehung“ gedacht. Am vierzigsten Tag nach der Beerdigung wird mit der Erlaubnis der Gemeinde ein weiterer Gottesdienst abgehalten. An diesem Tag wird ein Essen gegeben, eine religiöse Versammlung veranstaltet, im Kreise getanzt, Verse vorgetragen und Lieder gesungen. Nach alewitischem Glauben werden das Waschen des Toten, das Anlegen des Totenkleides und die Abhaltung von Gebeten nicht in der Moschee, sondern in den, der Gemeinde eigenen Versammlungshäusern durchgeführt. Die weiteren Bräuche gleichen größtenteils denjenigen der anderen Rechtsschulen, die im Folgenden dargestellt werden.

Eine Person, die sich im Sterben befindet, nennt man „muhtezar“. Diesem wird das Glaubensbekenntnis vorgetragen und der Sterbende wird aufgefordert, es selbst aufzusagen. Diesen Vorgang nennt man „telkin“ (Einflüsterung). Das Waschen des Toten nennt man „gaslşmeyyit“ und sämtliche Vorgänge, von der Totenwaschung bis zum Begräbnis nennt man „teçhiz“.

Das Waschen des Toten, seinen Leib in das Leichentuch einhüllen, das Abhalten des Totengebetes und die Bestattung sind religiöse Pflichten, genannt „farz“. Diese sind einzuhalten. Über den Verstorbenen sind nur gute Worte zu sprechen, man soll sich nur an seine guten Seiten erinnern und sich davor hüten, Schlechtes über ihn zu sagen.
Bei der Aufbahrung des Toten wird der Leichnam auf die rechte Seite in Richtung Mekka gedreht, seine Füße weisen ebenfalls in diese Richtung und sein Kopf wird etwas erhöht gelagert, damit gewährleistet wird, dass auch sein Gesicht in Richtung Mekka blickt.

Einer Person, die im Sterben liegt, bringt man den Kelime-i Tevhid oder das Glaubensbekenntnis und lässt es ihn auch selbst aufsagen. Dessen Sinn lässt sich in folgende Worte fassen: „Ich bitte Allah um Erbarmen und Barmherzigkeit. Denn ich glaube an ihn. Es gibt keinen Gott außer Allah“. Wenn das die letzten Worte eines Verstorbenen sind, dann geht er in das Paradies ein. Es gilt als gute Tat, im Haus eines Toten den Koran zu rezitieren, denn man geht davon aus, dass es die Seele des Toten beruhigen werde. Insbesondere wird empfohlen, die Suren „Yasin“ und „Rad“ zu lesen.

Sind die Augen nach Eintreten des Todes geöffnet, werden sie geschlossen und ein Band vom Kinn über den Kopf gebunden, damit auch der Mund geschlossen bleibt. Während dies getan wird, sagt man Gebete auf. Insbesondere folgendes Gebet ist für eine solchen Situation geeignet: „Mein Gott, stehe dieser Person bei. Mache ihn glücklich mit Deinem Gesicht. Schenke ihm in dieser anderen Welt, in die er sich begibt, mehr Gutes und Glück als er es in der Welt erfahren hat, von der er kommt“.

Zur Aufbahrung des Toten zieht man seine Kleider aus und legt ihn auf ein hölzernes Brett. Über ihn wird eine Decke ausgebreitet, die auch sein Gesicht bedeckt. Damit der Tote nicht anschwillt legt man ein Messer, einen Dolch oder ein Stück Eisen auf seinen Bauch. Arme und Hände werden an den Seiten ausgestreckt angelegt. Neben dem Toten sollte sich niemand aufhalten, der die rituelle Waschung nicht vorgenommen hat. Schöne Düfte sollen den Toten umgeben, wozu man ein Räucherstäbchen anzünden oder Rosenwasser versprühen kann. Solange der Tote nicht gewaschen ist, sollte man den Koran nicht rezitieren, man kann dies jedoch in einem anderen Zimmer tun. Ist ein solches nicht vorhanden, muss das Gesicht des Toten vollständig bedeckt sein und man kann mit leiser Stimme dann aus dem Koran lesen. Man sollte die Nachricht über seinen Tod allen Verwandten und Bekannten zutragen und sämtliche Angehörige, Nachbarn, Bekannte und alle, die er liebte, sollen an seiner Seite sein, um dem Verstorbenen ihre letzte Pflicht zu erweisen, was nach islamischem Glauben als fromme Tat nicht unbeantwortet bleiben wird.

 

Die Waschung des Toten

Es ist wichtig, den Toten schnellstens zu waschen, in ein Leichentuch zu hüllen und ihn zu begraben. Der Tote wird zur Waschung auf einem Holzgestell oder auf einem Holzbrett, auf dem Rücken liegend, aufgebahrt und seine Füße weisen nach Mekka. In der Umgebung des Toten werden wohlriechende Düfte verstreut, wozu Räucherstäbchen drei, fünf oder sieben Mal angezündet werden. Über den Toten wird bis zu den Knien eine Decke ausgebreitet und seine Kleider werden ihm ausgezogen. Der Tote muss an einem uneinsehbaren Ort gewaschen werden und die Waschung kann entweder der nächste Angehörige oder eine dafür beauftragte Person vornehmen, die für ihren Dienst Geld erhält. Handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann, so muss dieser ebenfalls von einem Mann gewaschen werden, dementsprechend muss die Waschung einer weiblichen Toten eine Frau vornehmen. Eine Ausnahme gilt nur für Ehegatten. Die Waschung beginnt mit dem Aussprechen der Bismillah-Formel und die Worte „Ich bitte Allah um Gnade“ werden bis zum Ende der Waschung wiederholt. Die Person, die die Waschung vornimmt, wickelt einen Stoff um ihre Hände oder trägt Handschuhe. An dem Toten muss die rituelle Reinigung vorgenommen werden und wenn kein Wasser vorhanden ist, kann dies auch mit sauberer Erde vollzogen werden. Dem Toten wird zuerst das Gesicht gewaschen. Weil der Mund geschlossen ist, kommen Mund und Nase nicht mit Wasser in Berührung, wie das eigentlich bei der rituellen Reinigung Vorschrift ist. Nur Lippen, Nasenlöcher und Bauchnabel werden gewaschen, wie auch Hände, Arme, Füße und der Kopf. Auf diese Weise ist die rituelle Reinigung vollzogen. Ist ein kleines Kind gestorben, muss die rituelle Waschung nicht vorgenommen werden. Nach dieser Prozedur wird warmes Wasser über den Toten gegossen, das Haar und – bei einem Mann – der Bart wird mit einer Pflanze namens „hatmi“ (Malve) gewaschen. Ist diese Pflanze nicht aufzufinden, werden Haare und Bart ungekämmt mit normaler Seife gereinigt. Danach wird die rechte und linke Seite des Körpers noch drei Mal gewaschen. Entsprechend den Vorschriften wird dies als genügend angesehen, auch wenn man den Toten noch weiter waschen kann. Dies zeugt wohl von geografischen Regionen, in denen Wasser knapp ist und nicht verschwendet werden darf. Zuletzt wird der Tote etwas angehoben und man wäscht seinen Rücken.

Haare und Nägel des Toten werden nicht geschnitten und ist der Verstorbene nicht beschnitten, so kann dies auch nachträglich nicht vorgenommen werden. Beim Waschen darf keine Baumwolle benutzt werden und nach der Waschung wird der Tote mit einem Handtuch abgetrocknet.

 

Das Leichentuch

Es ist notwendig, den Körper des Toten in ein Tuch zu hüllen, das im Allgemeinen weiß ist und aus Baumwolle besteht. Am besten ist weißer Wäschestoff. Für Frauen kann das Leichentuch auch aus Seide oder aus gefärbten Stoffen sein und das Leichentuch von Frauen wird fünf Mal, das von Männern drei Mal gefaltet. Bevor es um den Toten gehüllt wird, sprüht man drei oder fünf Mal Duftstoffe über das Tuch. Der Tote wird von links nach rechts in das Tuch gehüllt und wenn man befürchtet, dass sich das Tuch öffnen wird, kann man es mit einem Gurt zusammenbinden. Einer Frau werden, sind ihre Haare lang, zwei Zöpfe geflochten und über das Leichentuch über die Brust gelegt. Ihr Gesicht wird anschließend mit einem Tuch verhüllt. Das Leichentuch muss mit dem Geld des Verstorbenen gekauft werden. Ist kein Geld vorhanden, kommen die Angehörigen dafür auf oder es wird auf der Beerdigung dafür gesammelt. Das Leichentuch für Frauen bezahlen die Ehegatten. Schließlich legt man den in das Leichentuch gehüllten Toten in einen Holzsarg und bringt ihn zum Totengebet in die Moschee.

 

Das Totengebet

Für einen Toten, an dem die Waschung vorgenommen wurde und den man in ein Leichentuch eingehüllt hat, muss man das Totengebet nach Mekka gerichtet sprechen, nachdem man die rituelle Waschung vollzogen hat. Das Totengebet muss mit dem Aussprechen der Intention beginnen und es muss gesagt werden, ob es sich bei dem Toten um eine Frau, einen Mann oder um ein Kind handelt. Das Totengebet wird von dem Imam angeleitet, der das Gebet beginnen lässt, indem er mit lauter Stimme die Intention ausspricht, was – für einen Mann – mit den Worten geschieht „Für diesen Mann“ beziehungsweise für eine Tote „Für diese Frau“. Kıyam (Aufstehen) und tekbir (Aussprechen der Formel Allah ekber) sind Teile des Totengebets. Man steht in einer Reihe und wendet sich in Richtung des Toten und in Richtung Mekka. Dann erhebt man die Hände, spricht die Formel Allah ekber und verschränkt dann die Hände vor dem Bauch. Danach wird das Gebet Sübhaneke rezitiert und wieder spricht man, dieses Mal ohne die Hände zu heben, die Formel Allah ekber, um dann die Sure Fatiha zu lesen. Zum Schluss wird noch einmal die Formel Allah ekber gesprochen, ohne die Hände zu heben, und gemeinsam mit allen Muslimen für den Toten gebetet und bei Gott um Gnade für ihn gebeten. Damit endet das Totengebet. Es ist nicht notwendig, dass bei dem Totengebet viele Menschen anwesend sind. Spricht der Imam und ein Mann oder eine Frau das Totengebet, ist dies ausreichend. Auch wenn bei einem Totengebet nur Frauen anwesend sind genügt dies den Vorschriften. Bei dem Totengebet können Männer und Frauen in einer Reihe stehen, es wird jedoch als angemessener betrachtet, wenn die Frauen hinter den Männern stehen. Das Totengebet wird nicht in der Moschee, sondern in deren Garten abgehalten, wo der Tote auf einer Steinbank, genannt „musalla taşı“, aufgebahrt wird. Nur in der Moschee von Mekka wird das Totengebet in der Moschee abgehalten. Am Ort des Begräbnisses wird bei Sonnenaufgang und -untergang das Totengebet nicht gesprochen.

 

Das letzte Geleit

Nachdem das Totengebet abgehalten wurde, muss der Tote so schnell wie möglich bestattet werden. Den Sarg tragen vier Personen, die diesen von vier Seiten her auf ihre Schultern nehmen. Dies ist von großer Wichtigkeit, da sie damit dem Verstorbenen Ehre und Achtung erweisen. Einen Toten wie einen Gegenstand in einem Auto oder auf einem Tier zu befördern wird nicht als angemessen betrachtet. Trägt man ihn hingegen auf den Schultern, so zeigt man diesem Menschen den ihm zustehenden Wert. Handelt es sich bei dem Toten um ein Kind, so kann auch eine Person diesen Leichnam tragen. Der Sarg führt den Beerdigungszug an und die vier Personen, die den Sarg tragen, müssen sich von Zeit zu Zeit abwechseln. Ein Wechsel nach zehn Schritten gilt dabei als angemessen. Die Beerdigungsteilnehmer dürfen nie vor dem Sarg laufen und es ist ihnen untersagt, über tägliche Angelegenheiten zu reden. Sie sollten Gebete oder den Koran rezitieren. Auch ist es verboten, hinter dem Toten übermäßig zu weinen oder ein übertriebenes Verhalten zu zeigen, denn dies gilt als eine Verletzung der Hochachtung gegenüber Allah. Trauer zu zeigen und lautlos zu weinen entsprechen am ehesten der Situation.

 

Begräbnis

Wurde der Sarg zum Grab gebracht und von den Schultern der Träger gehoben, dürfen sich die Teilnehmer der Beerdigung setzten. Das Grab muss eine Manneslänge tief und eine halbe Manneslänge breit sein. Das Grab kann entweder zuvor ausgehoben worden sein oder dann ausgegraben werden, wenn der Sarg gebracht wird, wobei das Graben als überaus fromme Tat gilt. Man kann das Grab aber auch ausgraben lassen. Es zeigt in Richtung Mekka und auch der Tote wird in dieser Richtung in das Grab gelegt. Über ihm wird aus Holz, Schilf oder Ziegellehm ein Gestell errichtet das verhindert, dass Erde über ihn geworfen wird, was als Zeichen der Ehre gegenüber dem Toten verstanden wird. Ist das Grab sehr feucht und von weicher Erde, kann der Tote auch im Sarg bestattet werden.

Der Leichnam wird unter Gebeten in das Grab gelegt und anschließend wird es mit Erde zugeschüttet, die jedoch nicht flach enden darf, sondern wie ein Kamelhöcker aufgeschüttet wird. Die Beerdigung muss tagsüber stattfinden.

Nachdem der Leichnam in das Grab gelegt wurde, rezitiert man aus dem Koran. Aus diesem Grunde verlassen die Beerdigungsteilnehmer die Grabstätte nicht sofort. Man nimmt an, dass auf diese Weise der Tote beim ‚GrabverhörÂ’ leichter antworten kann, denn nach islamischen Glauben gibt es ein solches Verhör, das der Tote leichter überstehen kann, wenn ständig Gebete gesprochen werden.

 

Bräuche nach dem Begräbnis

Nach der Beerdigung müssen die Angehörigen sieben Tage lang Geschenke und Essen, entsprechend ihrer ökonomischen Lage, an die Armen verteilen. Im Haus der Angehörigen darf jedoch kein Essen gekocht werden und die täglichen Arbeiten ruhen. Die Angehörigen müssen drei Tage lang im Hause bleiben, um Gäste, darunter Nachbarn und Verwandte, die kommen, um Beileid zu wünschen, zu empfangen und zu bewirten. Soweit wie möglich sollten die Beileidswünsche innerhalb dieser drei Tage überbracht werden.

Das Grab muss sauber gehalten werden, denn man sollte nicht vergessen, dass die Rechte der Toten genau so wichtig sind wie die der Lebenden.
Nach dem Begräbnis sollte das Grab, wenn keine außerordentlichen Gründe vorliegen, nicht wieder geöffnet werden.

Das Grab sollte ein Mal in der Woche, möglichst am Freitag oder Samstag, besucht werden, wobei man vor dem Grab steht und den Koran rezitiert. Da man annimmt, dass wenn man direkt mit dem Toten spricht, dieser einen hört, sprechen viele Leute mit lauter Stimme am Grab. Man sollte jedoch nicht von täglichen Dingen reden, sondern eher ein religiös bestimmtes Verhalten zeigen.

In der islamischen Welt ist der Begriff des Märtyrertums von überaus bedeutender Wichtigkeit. Man glaubt, dass die Menschen, die als Märtyrer gestorben sind, direkt in das Paradies kommen. Über ihren Sarg wird bei der Beerdigungsfeier eine Fahne ausgebreitet. Für Personen, die zum Märtyrer wurden, weil sie ihr Vaterland schützten, werden eigene Feierlichkeiten durchgeführt.

Nach der Beerdigungsfeier bemüht man sich im Haus der Angehörigen, der Seele des Verstorbenen Ruhe zu gewähren, indem man den Koran lesen lässt. Aus diesem Grunde trifft man sich mit Nachbarn und Verwandten am siebten Tag, am vierzigsten Tag und am zweiundfünfzigsten, um den Koran gemeinsam zu lesen. Auf diesen Versammlungen liest man vor allem aus dem Mevlid, einer Lobhymne an den islamischen Propheten Mohammed Mustafa. Es wurde zwar zum Brauch, dass auf allen Versammlungen aus dem Mevlid gelesen wird, aber eigentlich wäre eine Rezitation des Korans angebrachter. In jedem Gebet werden Wünsche für das Glück aller Märtyrer, aller Toten und für alle Menschen auf der Welt geäußert.

Damit die Toten an den Orten, an denen sie begraben wurden, jeder Zeit ungestört sind, wird ihrer stets im Guten erinnert und für sie gebetet.

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05 06 2010
By: Redaktion 2 0

Antakya

In der Türkei: ANTAKYA auch ANTIOCHIA wo die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt sind! Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“

 

ANTAKYA auch ANTIOCHIA war eine der berühmtesten und wichtigsten Städte der Antike und des Orients, mit einer Geschichte, die ihr alles geschenkt aber auch alles wieder genommen hat. Im Jahre 300 v. Chr. wurde Antiochia von Seleukos Nikator, dem ersten Herrscher des Seleukiden Reiches gegründet und konnte bald als die Dritte Stadt der Antike zählen –  nach Rom und Alexandria in Ägypten. Auch nach der Besetzung durch die Römer (64 v.Chr.) änderte sich an der Bedeutung nichts. Die Römer bauten prachtvolle Aquädukte und Kanalisationsanlagen; selbst Straßenbeleuchtung war vorhanden.

 

Antakya war der Mittelpunkt von Leben und Handel. Der Fluß Orontes (Asi), der Mitten durch die Stadt fließt, verband Antakya mit dem Mittelmeer und die Karawanenwege mit Persien, Syrien und Indien machten die Stadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Antike. In Antakya wurden die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt (Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“)

 

In byzantinischer Zeit war Antakya dann folgerichtig Bischhofssitz mit gleichen Rechten wie Konstantinopel und Alexandria. Noch heute gibt es in Antakya eine große Gemeinde von Christen, die ihren Gottesdienst auf arabisch halten. Im 6. Jahrhundert dann eine dunkle Zeit, in der Antakya von den sassanidischen Persern geplündert (540) und von Erdbeben zerstört wird. Im Jahre 638 fällt die Stadt in die Hände der Araber, die allerdings Aleppo (Halep) zum regionalen Zentrum machen. Antakya war Grenzstadt im byzantinisch-islamischen Dauerkonflikt. 969 erobern wieder die Byzantiner die Stadt, 1084 fällt die Stadt in die Hände der Seldschuken. Weltgeschichtlich bedeutend wird das Herzogtum Antiochia, welches die Ritter des ersten Kreuzzuges hier 1098 gründeten. Aus dieser Zeit stammt die Fassade der Kirche, in der die ersten Christen zusammenkamen (St. Pierre Felsenkirche). Sonst muss dieser Kreuzfahrerstaat eher kriegerisch als kulturbeflissen gewesen sein: Er war ständig mit Auseinandersetzungen mit Byzantinern, Arabern, Türken und dem armenischen Königreich in Kylikien verwickelt. Einen Bundesgenossen fand es in den berühmten Assassinen. Deshalb nahmen die Mameluken aus Ägypten auch heftige Rache an der Stadt, als sie sie 1268 eroberten. Erst 1517 erstürmten sie die Osmanen, diese behielten sie bis 1918. Doch schon vorher hatte Frankreich und England Interesse an der handelspolitischen Gegend mit der christlichen Minderheit gezeigt. Im Jahre 1916 wurde der Hafen von Alexandretta (Iskenderun) sechsmal bombardiert. 1918 besetzten die Franzosen Antakya und Iskenderun und bekamen beide Städte 1921 als Mandat. Doch gab es eine von den Kemalisten gestützte Widerstandstätigkeit, die langsam die französische Autorität untergrub. 1938 wurde dann der unabhängige Staat Hatay gegründet, der allerdings Aussen- , Währungs- und Zollpolitik mit Syrien teilen sollte. Den Namen Hatay gab Atatürk in Anlehnung an ein hethitisches Fürstentum der Gegend. Nach einem Plebiszit im Jahre 1939 beschloss das Parlament von Hatay, sich der Türkei anzuschliessen. Hatay wurde Provinz mit der Hauptstadt Antakya.

 

Stadtbild

 

Das Stadtbild des heutigen Antakya gliedert sich in zwei Teile, da der Fluss Asi Nehri (Orontes) die Stadt in das alte und das neue Antakya trennt. Der Wasserpegel schwankt in den Winter– und Sommermonaten extrem, da er für die Landwirtschaft im Sommer viel stärker genutzt wird und es im Winter viel mehr regnet. Das ältere Antakya erstreckt sich bergaufwärts (Habibneccar-Berg) und wird an der unteren Seite vom Fluss begrenzt. Über die Brücke gelangt man in das neuere Antakya, wo man sofort auf den zentralen Kreisverkehr trifft, worauf sich eine große Atatürk-Statue befindet, die in keiner türkischen Stadt fehlt. Direkt an dem Kreisverkehr befinden sich das berühmte archäologische Museum (auf das wir später noch eingehen werden), das große Postamt, ein Teil der Stadtverwaltung und das frühere Parlament der Republik Hatay, welches heute als Kino umfunktioniert wurde. Von dem Kreisverkehr geht unter anderem die Atatürk Cad. ab, in der man auf moderne Einkaufsmöglichkeiten trifft, welche teure Boutiquen ebenso einschließt, wie Handyläden und Internetcafés. Das große Viersterne Hotel (Büyük Antakya Oteli) weist den Weg in diese Straße.

Wenn man Erholung sucht, wäre auch der Antakya Stadtpark eine Alternative: prächtige Palmen und Nadelbäume spenden genügend Schatten für Café- und Teehäuser, sowie einen Minigolfplatz. Neben dem Park findet man auch das Sportzentrum, das ebenfalls das Stadtbad beinhaltet, wo auch wir oft Erholung suchen vor dem heißen Sommer. Der Basar von Antakya bildet das Zentrum der Altstadt, wo noch die traditionelle Aufteilung nach Gewerbe vorherrscht. Orientalische Gewürzhändler, Handwerker sowie Gold- und Silberschmiede schaffen eine typische Basar-Atmosphäre. (nicht vergessen, immer handeln!).

 

Interessante Orte

 

Wie schon erwähnt, befindet sich im Stadtzentrum das Archäologische Museum von Antakya. Hier findet man eine beeindruckende Sammlung von Mosaiken, welche alle aus Antakya und Umgebung stammen. Es ist eine der bedeutendsten und besterhaltensten römischen Sammlungen der Welt. Leider bediente sich die französische Mandatsmacht allzu oft aus den historischen Funden ( Herzlichen Dank an dieser Stelle!). In Antakya befinden sich einige christliche Gotteshäuser; darunter drei große: Die bedeutendste davon, die St. Pierre Kirche, ist die älteste Kirche der Welt (vom Vatikan als solche anerkannt!), hier hat einst Petrus gepredigt, welcher die ersten Christen (erst hier wurden die Anhänger von Jesus Christus „Christen“ genannt) in dieser Grottenkirche zum Gebet versammelte. Neben einem restaurierten Altar und einem Brunnen für Weihwasser beinhaltet dieser Gebetsraum auch einen zugeschütteten Fluchttunnel, welcher in der damaligen Zeit auch nötig war. In dieser Kirche werden heute noch Messen abgehalten. Des weiteren sind in Antakya vertreten: Eine katholische Kirche, die leicht zu übersehen ist (,jedoch ein für das Auge sehr entzückendes Leckerbissen darstellt), die orthodoxe Kirche, dessen Tür für interessierte Besucher stets geöffnet ist und eine neu erbaute protestantische kam kürzlich hinzu.

Eine perfekte Aussicht auf Antakya bekommt man, wenn man auf die alte Zitadelle (besteht nur noch aus Ruinen) fährt, die sich auf dem Berg befindet. Hier wird man von einem alten weisen Mann begrüßt, der die Anlage Überwacht und Touristen in Empfang nimmt, man sollte sich nicht wundern, wenn man ein Fernglas angeboten bekommt, um die Aussicht zu geniessen. Ausserdem kann man sich da in einem Gästebuch verewigen.

Die Leute aus Antakya erholen sich in den langen Sommermonaten im ca. 5 km entfernten Harbiye, das mit seinen vielen Wasserquellen die gesamte Stadt Antakya mit Wasser versorgt. Das Felsquellwasser aus Harbiye und die riesigen Lorbeerbäume der Umgebung kühlen dieses Tal auf eine angenehme Temperatur. Nach einer Legende soll hier einst Kleopatra geheiratet haben. Wir selbst sind an manchen Wochenenden auch dort, um zu grillen. Ganz in der Nähe dazu befindet sich ein künstlich angelegter See, der von Nadelbäumen umschlossen ist.

 

Umgebung und Meer

 

Man sollte nicht vergessen, dass Antakya nicht weit vom Meer entfernt liegt. Nach 20 Minuten mit dem Auto gelangt man nach Samandagi. Dieser kleine Ort liegt direkt am Meer, wo die Leute aus Antakya und Umgebung baden. Von hier aus kommt man schnell (5min) nach Cevlik, wo man zuallererst den Titus-Tunnel zu einer kleinen Entdeckungsreise begehen sollte. Auf den Spuren von Kaiser Titus/Vespasian gelangt man durch eine Schlucht und anschließend durch einen dunklen Tunnel ( doch Vorsicht, zeitweise kann man seine eigene Hand nicht vor Augen sehen). Danach verliert sich die Schlucht in den Bergen. Vor dem Tunnel befindet sich eine Felsenbrücke, sowie eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu einer antiken Begräbnisstätte führt. Nach der Rückkehr von der Entdeckungsreise, kann man sich im Meer erfrischen. Im wesentlichen gibt es drei Strände, wo man schwimmen kann: Der Strand direkt an Samandagi, der Strand von Cevlik und die Buchten bei Meydan. Wir bevorzugen Meydan, da es dort Buchten gibt, die nicht einmal die Einheimischen kennen und dieser Strand im Gegensatz zu den beiden erstgenannten immer sauber ist. Doch der Weg dorthin ist sehr beschwerlich wofür man jedoch belohnt wird, denn man wird der einzige Badende sein. Nach Meydan gelangt man wenn man der Landstraße nach Samandagi folgt. Direkt am Ortsschild biegt man nach links, in Richtung Yayladagi ab und folgt der Beschilderung. Diese Bilder sprechen für sich.

 

Verschiedene Gesichter in Antakya

 

Die Bevölkerung in Hatay/Antakya ist extrem heterogen und ist keinesfalls typisch türkisch. Wer genau hinhört wird feststellen, dass in den Strassen, Basars und Dörfern arabisch gesprochen wird. Antakya besteht zum größten Teil aus „arabischen Türken“, die den Aleviten zuzuordnen sind. Antakya besitzt auch über eine beachtliche Gemeinde arabischer Christen , welche Ihre Gottesdienste ebenfalls in arabischer Sprache abhalten und der katholischen und der orthodoxen Kirche zuzuordnen sind. Antakya ist auch Pilgerstätte für viele Christen aus der ganzen Türkei, da hier wie schon erwähnt die erste christliche Gemeinde entstand. Antakya ist ein echtes Beispiel für ein multikulturelles Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen in Frieden, was auch keiner Illusion entspricht, sondern Realität widerspiegelt: Aleviten, Sunniten, griechisch-, syrisch- und armenisch- Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Türken, Araber, „Turkoaraber“ (Was guckst Du?-mässig), Juden … und etwaige Kombinationen aus solchen, dessen Summe die einzigartige Atmosphäre dieser ruhigen Mittelmeer – Stadt an der Südküste der Türkei ihr Antlitz verleihen.

 

Lieber Leser, liebe Leserin, wenn Du selbst aus Antakya (und Umgebung kommst) hoffen wir, dass Du dich in diesem Text wiederfindest. Wenn Du nicht aus Antakya kommst, hoffen wir, dir einen interessanten Einblick unserer Heimatstadt vermittelt zu haben.

 

Quelle:

Euer Askarclub

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09 04 2010
By: Redaktion 2 0

Istanbul Biennale: „Die türkische Kulturszene nicht isolieren“

Die Presse schreibt: „Mitte September startet die angesichts des politischen Klimas in der Türkei bisher brisanteste Ausgabe des traditionsreichen Kunst-Festivals. Das Kuratoren-Duo Elmgreen & Dragset will dadurch Kunst und Szene stärken.“

 

„In Istanbul wird gehämmert und gebohrt für die Biennale: Viele Künstler aus aller Welt sind schon eingetroffen und damit beschäftigt, ihre Kunstwerke zu installieren. Unter schwierigen Vorzeichen startet im September die 15. Istanbul-Biennale. „Ein guter Nachbar“ lautet das Motto, das sich die in Berlin lebenden skandinavischen Künstler-Kuratoren Elmgreen & Dragset ausgedacht haben. 55 Künstler aus 32 Ländern sollen das Thema in Kunst umsetzen und dabei von der abstrakten Ebene der Politik auf ihre persönlichen Erfahrungen holen, so das Konzept. Überschattet wird das Kulturereignis im Vorfeld von der Frage, ob es angesichts der aktuellen Repressionen in der Türkei überhaupt richtig ist, dort eine Biennale zu veranstalten. Schließlich wird die Meinungsfreiheit in der Türkei immer weiter eingeschränkt: Mehr als 150 Journalisten sitzen im Gefängnis, die Justiz hat fast 4000 Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Beleidigung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eingeleitet.“

 

Weiterlesen:

http://diepresse.com/home/kultur/kunst/5273570/Istanbul-Biennale_Die-tuerkische-Kulturszene-nicht-isolieren

http://www.tagesspiegel.de/kultur/elmgreen-und-dragset-im-gespraech-wir-machen-keine-zeitgeist-biennale/19604068.html

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20 03 2010
By: Redaktion 2 0

TKG: „Chor der Zivilisationen aus Antakya in Wien“

„Ich weiß, Ihnen ist es kalt, aber das wird sich sicher gleich ändern!“, mit diesen freundlichen Worten begrüßte der Leiter des „Chors der Zivilisation“ aus der türkischen Stadt Antakya, Yilmaz Özfirat, die zahlreichen Besucher der türkischen Kulturgemeinde Österreichs (TKG) in der Votivkirche. Damit sich die Gäste auch bei diesen eisigen Temperaturen wohlfühlen konnten, wurden von der türkischen Kulturgemeinde mehr als tausend Decken an die Gäste verteilt.

 

 

Wien. Auftakt des Konzerts war eine mitreißende türkische Version der Europahymne. Der >>Antakya Medeniyelter Korosu<<, zu Deutsch >>Chor der Zivilisationen<<, ist aus mehreren Gründen einzigartig. Einer der Gründe ist, dass er aus christlichen, muslimischen und jüdischen Chorsängern besteht, eine weitere Besonderheit besteht jedoch darin, dass sowohl hebräische, arabische, als auch türkische, armenische und lateinische  Volkslieder gesungen werden. Zentrales Leitmotiv des Chors wie Toleranz und ein friedliches Miteinander standen auch am 13. März in der Votivkirche im Mittelpunkt. Gastgeber und Vorsitzender des Vereins der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, Verleger Birol Kilic, wollte mit diesem Standort zum Ausdruck bringen, dass die in Österreich lebenden Türken auch in Kirchen herzlich willkommen sind. >>Die Botschaft des Chors aus Antakya und die unseres Vereins ist genau die gleiche. Zwar sprechen wir verschiedene Sprachen und glauben an unterschiedliche Religionen, jedoch sind wir alle Menschen und  Kinder Gottes<<, so Birol Kilic.

 

 

Der Einladung in die Votivkirche waren mehr als  1200 Besucher aus insgesamt 70 verschiedenen Nationen gefolgt. Auch wichtige Persönlichkeiten der Stadt Wien, wie zum Beispiel der Referatsleiter der Interkulturellen und Internatinalen Aktivitäten der Stadt Wien, Haydar Sari, der Bezirksvorsteher Ottakrings, Franz Prokop, wie auch Bundesrat Efgani Dönmez, Miss Germany Asli Bayram und viele prominente Persönlichkeiten befanden sich unter den Gästen. Ebenfalls anwesend waren der Honorarkonsul aus Antakya Mehmet Kiliclar, die türkische Vize- Botschafterin in Wien, Istem Circioglu, Bischöfe und Päpste aus jüdischer Glaubensgemeinschaft, und orthodoxen und katholischen Kirchen Wiens, sowie zahlreiche Botschafter anderer Länder und Vereinsrepräsentanten.

 

 

Efgani Dönmez zeigte sich sichtlich begeistert und sagte: >>Der Chor der Zivilisation hat am Samstagabend die heiligen Hallen der Votivkirche mit Leben gefüllt. Menschen unterschiedlichster Nationen, Religionen und gesellschaftlicher Stellung waren vereint und lauschten einer einzigen Sprache, die jeder versteht, der Musik.<<

Der Referatsleiter für interkulturelle und internationale Aktivitäten Dr. Haydar Sari sagte am gleichen Abend: >>Wien ist Vielfalt! Wien bedeutet Respekt gegenüber anderen Kulturen. Wir sind glücklich, dieses Projekt in Wien unterstützen zu dürfen.<<

 

Der >> Chor der Zivilisation<< versucht der ganzen Welt, die sich leider immer wieder aufgrund unterschiedlicher Religionen, Nationen und Konfessionen im Kampf der Kulturen befindet, zu zeigen, dass das Zusammensein der unterschiedlichen Kulturen in Wahrheit einen großen Reichtum ausmacht, dessen wir uns alle bewusst werden sollten. Der Chor wurde 2007 aufgrund einer Tourismuswoche gegründet, die in Antakya, einer Stadt in der südöstlichen Provinz Hatay, stattfand.

 

 

In dieser Stadt kam das Wort Christentum zum ersten Mal zum Ausdruck und die erste Kirche der Welt wurde da gegründet; und zwar die St. Petrus- Grotte (eine Höhlenkirche die vom heiligen Lukas gegründet worden ist und jedoch nach Petrus genannt wurde. Nach der Überlieferung versammelte sich hier die erste christliche Gemeinde um Paulus, Barnabas, Petrus).

Bereits ein Jahr nach der Gründung des Chors folgte die Umwandlung in einen Verein. Mittlerweile umfasst dieser friedliche Chor 120 Mitglieder und kann Auftritte vor dem UN- Sicherheitsrat in New York, sowie vor dem EU- Parlament in Brüssel, zu seinen Referenzen zählen. Die ambitionierten Musiker des Chors streben jedoch nach mehr. Ihr großes Ziel ist es, eines Tages im Gazastreifen unter Anwesenheit der politischen Führungspersonen Israels und Palästinas aufzutreten und somit einen Beitrag zum nachhaltigen Frieden zu leisten. Die Sänger selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Von jung bis alt, von Studenten über Lehrer, Beamte, Priester und Zöllner sind alle Berufs- und Altersgruppen vertreten.


Einladung_mit_Info_Antakya_Chor_der_Zivilisationen

Plakate

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100305_OTS0081/einladung-chor-der-zivilisationen-aus-antakya-in-votivkirche

Von den in der Votivkirche anwesenden 50 Künstlern waren 35 für den Gesang verantwortlich, die Hälfte davon waren Frauen. Die Musiker nutzten zur Unterstützung des Chors  sowohl Violinen und Gitarren, aber auch klassisch türkische Instrumente, wie zum Beispiel den Saz, das Ud oder das Kanun. Zum Abschluss spielte der Chor ?Memleketim?, auf Deutsch ?meine Heimat?, bei dem die Gäste eingeladen wurden, auf die Bühne zu kommen um das Lied gemeinsam zu interpretieren. Diesem freudigen Spektakel folgten endlose standing ovations. Auch die Sponsoren dieses Ereignisses wie Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung), WIEN KULTUR Stadt Wien, der Verband der Auslandspresse in Wien, Südosteuropa Investment und der österreich-türkische Wirtschaftsclub waren begeistert. Man darf hoffen, dass diese Begeisterung, die durch dieses wunderschöne Konzert in der Votivkirche ausgelöst wurde, anhält, und somit der Beginn einer herrlichen Reihe an kulturellen Veranstaltungen darstellt.

 

 

http://religion.orf.at/tv/stories/2612882/

 

 

 

 

 

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15 09 2005
By: Redaktion 2 0

Sephardic Heritage Tour to Turkey – 2005

By Dr. Eugene Normand

 

Highlights in Istanbul

 

Eight members of Sephardic Bikur Holim and three Jews from the greater Seattle area took part in a Sephardic Heritage tour that visited Turkey for almost two weeks. The SBH members are Zalie Cordova Lester, Lilly DeJaen, Isaac and Elisa Azose, Albert S. and Jean Maimon and Esther and Eugene Normand. The three non-Sephardic Seattleite tour participants were John Friedmann, Michael Krasik and his wife, Nancy Geiger. The tour was arranged through Asia Minor Tours of Florida and the connection with Asia Minor was made through John Ufuk Gokcen, the Turkish Consul in Seattle who is known to several SBH members.

 

The tour included stops at cities and towns in Turkey with special meaning to the SBH members. Thus we visited Bursa, Tekirdag and Marmara. Bursa is the birthplace of the mother of Isaac Azose and of the father of Albert Maimon and Esther Normand. These Maimon family ancestors, as well as the fathers of Lilly DeJaen and Zalie Lester, all spent a good number of years in the city of Tekirdag. In addition, the mother of Lilly DeJaen grew up in the town of Marmara on the island of Marmara in the Sea of Marmara, so we stopped at Marmara too.

 

We spent more than a week in Istanbul and visited other parts of Turkey too, some with Jewish connections and others linked to the prominent civilizations that occupied what is now Turkey in previous centuries, such as the Greeks, Romans, Byzantines, Ottomans and the Turkish Republic. This section of the article reviews the Jewish highlights of what we saw in Istanbul, in both text and pictures.

 

The tour was made practical and extremely enjoyable due to the invaluable assistance and detailed knowledge provided by our tour guide, Izak Eskinazi, and through the helpful arrangements made by the tour company in conjunction with Lina Filiba, the Executive Director of the Jewish community of Istanbul. Lina had been in Seattle about two years ago and so several of the SBH members on the tour had forged friendly ties with her (her husband is a cousin of SBH member Ike Bensussen). One part of the arrangements was the kosher dinners that were brought in to our four-star Istanbul hotel (Richmond in the Beyoglu district) from the kitchen of the Jewish old age home in the Haskoy district.

 

 

Our first day was spent in the Galata district (European side, north of the Golden Horn waterway) which adjoins Beyoglu and so was within walking distance of the hotel. We visited the main synagogue, Neve Shalom, which has become a symbol of the Turkish Jewish community since it was attacked twice, in 1986 and then in 2003. In addition, we prayed Shachrit/Musaf services at Neve Shalom on both Shabbats that we were in Istanbul, and Hazzan Isaac Azose was given the honor of leading Musaf on the second Shabbat. Security is very tight at the synagogue, so arrangements for visitors wishing to say tefila on Shabbat have to be made in advance.

 

On that first day we met with Lina Filiba in what is essentially the Jewish Federation building and also with the Haham Bashi, Rabbi Izak Haleva. Lina explained the overall structure of the Istanbul Jewish community, which has been significantly modernized over the last 10 years. Joseph Haleva, the grandfather of SBH members Joe, Sol and Sam Haleva, had seven brothers when he left Istanbul almost 100 years ago and so it is possible that the Haham Bashi is related to our Haleva family.

 

We then walked to the new Zulferis Museum which is the first Turkish Jewish museum in the country, and was founded after the Quincentennial Anniversary in 1992 that celebrated the arrival of the Jews of Spain to Turkey. We were shown around the museum by President of the Board of the museum, Naim Avigdor Guleryuz. One particular surprise he pointed out is that the Aron Kodesh used to house a full-size diorama of a hatan and kalah at their boda (bride and groom at their wedding) is the Aron that was taken from the synagogue in Tekirdag. The Aron contains a dedication by Yeuda Moscatel, undoubtedly a relative of the SBH Moscatel families from Tekirdag. That evening the group was invited to a showing of the movie, „The Last Sephardi“ and a talk by the protagonist of the movie, Rabbi Eliezer Papo of Jerusalem. Rabbi Papo organized an intense 2-week program in Ladino studies in Istanbul that was attended by about 10 students from Ben Gurion University (Beersheba, Israel) and 12 Jewish university students from Istanbul. The next night we were also invited to the „graduation“ ceremony of this Ladino program at an Istanbul University  that also featured a Flamenco performance.

 

Two days later we visited the old Jewish district of Balat (European side, south of the Golden Horn waterway). Many synagogues used to be active in this area, but now only two are in current use, only on Shabbat, the Ahrida and Yanbol synagogues, both having been established by the Greek Jewish community prior to 1492 and the arrival of the Jews from Spain. Both synagogues have been beautifully renovated in recent years. During the week they are opened up for visitors by the caretaker, Corrine Souriano, a niece of the late SBH member and former SBH President, Joseph Souriano. Our guide pointed out many other formerly Jewish buildings in the area. For lunch we were driven to the old age home in Haskoy, where we met Nesso Tizo, a former President and ate lunch, and Isaac Azose visited with his cousin Zelda Hafif, who works at the home. At the end of the day, we visited the beautiful apparel store, Ipek (silk) near our hotel, that is run by the brothers Izak and Simantov Calvo, who are nephews of the late Marco I. Calvo and are related to many of the SBH members within the Calvo family.

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