Kategorie: Religion

09 11 2018
By: TKG 0

TKG: GEDENKEN AN NOVEMBERPOGROME – „TÜRKISCHER TEMPEL“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10. November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkische Tempel“ – die Wiener türkisch-israelitische Gemeinde und Synagoge – in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“


In Österreich wurden, in der Nacht auf den 10. November 1938, 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath, auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden, namens Herschel Grynszpan, niedergeschossen worden und starb später. (1)

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia. (2)


von Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung von Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden, Marcos Russo, mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, der Dienstzeit von Sadullah Pascha als Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als Vorsitzender der türkisch-israelitischen Gemeinde, wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht, modernisierten, traditionellen, östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, welche 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen, zu jedem feierlichen Anlass, zusammen am Tor der Synagoge, da die beiden Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Mosche Lopez Pereira

Laut Überlieferung wird zu dieser Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’s Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, wo Maria Theresia regiert. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen) befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

Sefardische Familien in Wien

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede. Die Vorsitzenden waren zu dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustraße, 1824, wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

Erinnerungen der türkischen Juden in Wien

Dies ist also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen. Als Ersatz wurde mit dem Erlass vom 6. Jänner 1906 der Bau, der großen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen, stattgegeben. Die große Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen, verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

Die Große Synagoge von Edirne (türkisch Edirne Büyük Sinagoğu) welche zugleich die drittgrößte Synagoge Europas ist, wurde, von der türkischen Seite ausgehend, restauriert und am 26. März 2005 wiedereröffnet. (3)

Bibliographie

  1. Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.
  2. Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.
  3. Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.
  4. Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.
  5. Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.
  6. Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.
  7. Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.
  8. Das Fest des großen Fastens im Judentum.
  9. Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.
  10. Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.
  11. Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.
  12. (1) https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/
  13. (2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906). Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.
  14. (3) https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Synagoge_(Edirne)
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05 11 2018
By: TKG 0

„Menschlichkeit ist stärker als Hass“

IKG und US-Botschaft gedenken gemeinsam den Opfern von Pittsburgh

Rund 250 Menschen waren am Freitag dem Aufruf von IKG und U.S. Embassy Vienna in den Wiener Stadttempel gefolgt, um den Opfern von Pittsburgh zu gedenken. Diese 11 Menschen mussten sterben, nur weil sie in der Tree-of-Life-Synagoge gebetet haben.

Wien. Die berührende Zeremonie in der Seitenstettengasse haben neben Präsident Oskar Deutsch, Oberrabbiner Arie Folger, Oberkantor Shmuel Barzilai, Charge d’affaires der USA Steve Hubler und der Chor des Stadttempels mitgestaltet. Zahlreiche Botschafterinnen und Botschafter europäischer Staaten wohnten der Zeremonie bei, ebenso wie Staatssekretärin Karoline Edtstadler und die Türkische KULTURgemeinde in Österreich.

Hier ein Auszug aus der Rede von IKG-Präsident Oskar Deutsch:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Es waren Juden – wie wir.
Es war eine Synagoge – wie diese.
Elf Menschen wurden ermordet, weil sie Juden waren
– weil sie am Shabbat in ihrer Synagoge waren.

Der Talmud sagt: „Kol Israel Eravim Se Lase“
– „Alle Juden sind füreinander verantwortlich.“
Egal wo Jüdinnen und Juden angegriffen werden – wir fühlen nicht nur mit ihnen, es ist wie ein Angriff auf uns selbst, auf unsere Familie.
Aber das Leid der Hinterbliebenen in Pittsburgh können wir nicht nachempfinden. Die Lücke, die der Attentäter über die jüdische Gemeinde in Pittsburgh gebracht hat, ist in Worten nicht zu beschreiben.

80 Jahre nach den Novemberpogromen müssen wir feststellen, dass der Hass immer noch gedeiht.
Diesmal kam er aus dem rechtsextremen Eck, eine Ecke, die einzelne gerne verharmlosen – auch bei uns in Österreich.
Ob rechtsextrem, linksextrem oder islamistisch – der Antisemitismus in den Worten verwandelt sich wieder und wieder in einen Antisemitismus der Taten. Dieser Hass ist tödlich.

Weltweit gedeiht der Hass. Antisemitische Verschwörungstheorien haben Konjunktur. Der Jude wird als Bösewicht dargestellt. Nur wird er heute oft anders genannt, der Antisemitismus wird verschleiert.

Früher wurde „der Jude“ als Schädling bezeichnet, heute wird Jude durch „Israel“ ersetzt.

Früher wurden Juden einer Weltverschwörung bezichtigt, nach der Shoah gingen Antisemiten zu Codes über: Das Feindbild „Rothschild“ heißt heute „Soros“.

Früher wurde gegen Juden als Ritualmörder gehetzt, heute wird das Schächten als Ritualmord dämonisiert.

Dass wir heute gemeinsam mit Freunden der US-Botschaft und unserer Gemeinde gedenken – ist ein wichtiges Zeichen.
Wir tun das, weil wir als Menschen zusammenstehen, weil Menschlichkeit stärker als Hass ist.

Hass ist nicht nur ein schnell dahingeschriebenes Facebook-Posting oder ein Tweet. Hass kann töten. Daran erinnert der Anschlag von Pittsburgh.

Der Mörder von Pittsburgh war auf rechtsextremen Plattformen unterwegs. Dort wurde auch sein Hass genährt.

Nächste Woche jähren sich die Novemberpogrome zum 80. Mal. Im Jahr 1938 waren sie der Auftakt zur Schoah.

Wieder werden wir sagen: „Nie wieder“
Wieder werden wir fordern: „Niemals vergessen“
Aber was tun wir? Was tut die Politik, die Staatengemeinschaft, die Medien?

Die Jüdische Gemeinde mahnt. Wir sind laut. Wir treten gegen jede Form des Hasses auf, gegen Antisemitismus und gegen Rassismus.
– weil wir in den Jahrtausenden der jüdischen Geschichte ein feines Sensorium für gesellschaftliche Fehlentwicklungen bekommen haben.

Vor 37 Jahren, am 29. August 1981, haben zwei palästinensische Terroristen diesen Stadttempel angegriffen. Zwei Menschen starben.
Schon zwei Jahre zuvor gab es einen versuchten Anschlag in Wien. Und in ganz Europa gab es in den 1970er -Jahren mehrere Attentate gegen Israelis, gegen Juden.

Die jüdischen Gemeinden in Europa haben ihre Konsequenzen gezogen und massiv in Sicherheit investiert.
Heute, 80 Jahre nach den Novemberpogromen, sind jüdische Gemeinden professionell geschützt. Eigene Sicherheitsleute, die Polizei – ohne diesen Maßnahmen ist jüdisches Leben in Europa kaum vorstellbar.

In den USA war das bisher anders. Aber anstatt dass wir dem US-Beispiel folgen können, müssen amerikanische Gemeinden darüber nachdenken, wie sie ihre Mitglieder besser schützen können, sie müssen dem europäischen Beispiel folgen. Das ist doch absurd.

Diesmal war es ein rechtsextremer Antisemit. In Europa waren es in den vergangenen Jahren verstärkt muslimische Judenhasser
– Toulouse 2012, Burgas 2012, Brüssel 2014, Kopenhagen und Paris 2015.

Egal von welcher Seite Antisemitismus kommt, er ist nicht mehr oder weniger schlimm als der andere. Es gibt kein Ranking! Es ist dieselbe Feindseligkeit, die, wenn sie nicht bekämpft wird, tödlich endet.

Wir alle – Juden, Christen, Muslime, Agnostiker, Atheisten und Andersgläubige – wir alle müssen aufstehen, wir alle müssen Menschlichkeit in den Mittelpunkt rücken – und wir dürfen nicht wegschauen.
Um es mit Elie Wiesels Worten zu sagen: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“

Shabbat Shalom!

Quelle: IKG

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13 08 2018
By: TKG 0

Stellungnahme: „Moslem“ Erlass des Sozialministeriums bezüglich illegalen Hinterhofschlachtungen!

Wien (OTS) – TKG begrüßt den netten „Moslem“ Erlass bezüglich der Hinterhofschlachtungen, welche für die Mehrheit der AustrotürkInnen sowieso nicht in Frage kommen und  welche die Mehrheit sicherlich auch strikt gegen ist.

Entspricht nicht der Wahrheit

Die Zahl der Hinterhofschlachtungen (Schächten), laut Expertenschätzungen ungefähr 25.000 Schafe pro Jahr, unter tierquälerischen sowie hygienisch gefährlichen Umständen, an nicht dafür zugelassenen Orten zu Tode gequält werden, entsprechen nicht der Wahrheit. Viele Muslime (unter anderen 300.000 Menschen aus der Türkei), kaufen ihr Fleisch in österreichischen Supermärkten wie z. B. Hofer, Billa, Penny, Lidl und Spar oder bei türkischen Supermarktketten bzw. Metzgereien. Die türkische Gastronomie kauf ihr Fleisch ebenfalls bei professionellen Schlachthäusern, welche hygienisch, korrekt und fürsorglich mit einem Gewerbe gesichert geführt werden.

Tatsache ist, dass von den ca. 700.000 in Österreich lebenden Muslime, welche nicht alle aus der gleichen Kultur und demselben Regelkreis stammen, auch Fehler gemacht werden können. Diese sind jedoch die Ausnahme.

Hier ist es besser in Zukunft Unannehmlichkeiten, welche wir aus unseren Heimatländern kennen, mit diesem Erlass gesetzlich in den Griff zu bekommen. Auch deshalb, weil ansonsten das Bild der Muslime in Österreich, bei einem so wichtigen Opfer-Fest umsonst in ein schiefes Licht gerückt wird oder werden könnte. Natürlich ist es für die Türkische Kulturgemeinde (TKG) als Think Thank NGO noch wichtiger, die in Österreich bestehenden Tierrechte auch zu unserem Sittengesetzten zu machen, welche wir hochhalten, respektieren und an alle Mitglieder empfehlen.

Opferfest-Aufklärung und Empfehlung

99,9 % der AustrotürkenInnen schlachten ihre Tiere, wie im Islam beschrieben, mit strikten Regeln. Diese Regeln dienen dazu das Tier so schonend wie möglich zu behandeln, damit das Tier nicht wie eine „Sache“ behandelt wird, sondern mit einer entsprechenden Würde. Ein fließbandartiges, industrielles Töten bei welchem Tiere eher als „Fleischprodukte“ behandelt werden, wie in den hiesigen Schlachthöfen, widerspricht eindeutig der islamischen Ethik.

Noch dazu steht in Koran, dass zu Gott durch das Opfer des Tieres nicht das Fleisch und Blut kommen und angenommen wird sondern der Glaube an Gott mit seinen moralischen und ethischen Taten geschätzt und angenommen wird.

KORAN/SURE AL HAGG (Die Pilgerfahrt)/VERS 37: „Ihr Opfer Fleisch erreicht Gott nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht und Wertschätzung ist es, die Gott erreicht. Also hat er sie euch dienstbar gemacht, daß ihr Gott dafür preiset, daß Er euch geleitet hat. Und gib frohe Botschaft denen, die ethisch und moralisch Gutes tun.“

Wir empfehlen unseren Mitgliedern und an alle anderen MuslimInnen mit Verlaub und in aller Höflichkeit anstatt Tiere zu schlachten, Geldleistungen mindestens im Wert eines Tieres, an die armen Menschen (egal welche Herkunft, Religion, Farbe, Sprache) in Österreich sehr leise zu geben. Wir haben in Österreich eine immense Armut und der liebe Gott will von uns weder Blut noch Fleisch, sondern, dass wir mit den Armen unser Geld teilen und sie unterstützen. Das ist moralisch und ethisch sicherlich auch von Gott laut Al Hagg Vers 37 so gewünscht.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)

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19 07 2018
By: TKG 0

Türkische Kulturgemeinde (TKG) verurteilt die Gewalttaten gegen Juden in Wien

Wien (OTS) Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt die heutige Gewalttaten in der Taborstraße in Wien gegen jüdische Mitbürger aufs schärfste und bedankt sich bei den polizeilichen Behörden herzlich für den schnellen Hilfseinsatz. Unsere Anteilnahme gilt den Opfern und der jüdischen Gemeinde in Österreich.

Der 24-jährige Täter befindet sich momentan in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wird das Motiv (Auftrag oder nicht? etc.) des Täters genauestens untersuchen. Für die TKG bleiben zum jetzigen Stand noch mehrere Fragen offen, die für die Zukunft sehr wichtig sind.

Die Menschen aus der Türkei leben in Österreich seit über fünfzig Jahren mit den jüdischen Bürgern in gegenseitigem Respekt vorbildlich zusammen. In den letzten Jahren haben wir durch den bestehenden Nahostkonflikt eine zunehmende Distanzierung der Beziehungen bemerkt, die wir sehr bedauern. Die jüdische Gemeinde in Österreich ist den Menschen aus der Türkei  aufgrund der türkisch-jüdischen Geschichte stets mit Sympathie und Menschlichkeit begegnet, was wir auch bezeugen können. Viele Türken und Juden in Österreich arbeiten zusammen, sind Nachbarn und Freunde.

Wir sollten das Zusammenleben in Österreich unter Menschen jeglicher Abstammung fördern und nicht unter dem Vorwand Feuerlöscher zu sein, als Brandstifter gegen Mitmenschen hetzen, egal welche Abstammung und Position wir haben.  Wir sollten kein Land verteufeln, delegitimieren und mit Doppelstandards behandeln, um so Probleme zu importieren. Das gilt besonders in Österreich mit seiner wechselvollen Geschichte und die aus der Geschichte stammenden Verantwortung.

Friede im Innland ist nicht selbstverständlich. Wir rufen alle Menschen in Österreich dazu auf Ihren konstruktiven und zielführenden Beitrag für das Wohle der Gemeinschaft, ohne Hintergedanken, zu leisten. Um diesen Frieden aufrechtzuerhalten, müssen wir sehr aufmerksam sein und als Bürger (Citoyen) und wehrhafte Demokraten jeden Tag für unser Land Österreich einstehen.

Türkische Kulturgemeinde in Österreich(TKG)

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08 06 2018
By: TKG 0

TKG: „Die eigentlichen Brandstifter bleiben unberührt“

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) begrüßt jegliches Verbot verfassungs- und demokratiefeindlicher Organisationen, die gegen unsere  freiheitliche demokratische Grundordnung kämpfen, egal aus welchen Religionsgemeinschaften, Parteien, Organisationen und Vereinen. Gegen verfassungsfeindliche Einzelpersonen und Personenzusammenschlüsse (Parteien, Vereine, Religionsgemeinschaften, Kultusgemeinden und Organisationen) kann und muss der demokratische Rechtsstaat präventiv vorgehen.

Die heutige Pressekonferenz der Regierung mit vier Ministern ist unserer Meinung nach ein unüberlegtes Vorhaben (mit einem unglücklich gewählten Zeitpunkt vor den Wahlen am 25.06.18 in der Türkei), welches das eigentliche Problem des stark politisierten, radikalisierten Glaubens und der verfassungsfeindlichen angeblichen Kultus- bzw. Religionsgemeinschaften nicht löst, sondern deren politischen Argumente jetzt und in Zukunft untermauert. Besonders, weil dieses „Verbot und Auflösung“ die eigentlichen Zentren des politischen Islams nicht einmal berührt bzw. tangiert.

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) ist der erste NGO-Think-Thank in Österreich, welcher vor dem politisierten Glauben seit Jahren warnt, sachlich darüber aufklärt und eines wünscht: Differenzieren, die Spreu vom Weizen trennen und nicht die Täter als Problemlöser und Berater salonfähig machen.

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15 05 2018
By: TKG 0

Herzlich Willkommen, lieber Ramadan!

Am 15. Mai 2018 beginnt wieder der Ramadan. Auch für 700.000 Muslime in Österreich beginnt das Fasten vom 15. Mai bis 14. Juni.  Nicht alle Muslime fasten, aber alle schätzen und respektieren den Ramadan Monat.

Der Obmann der Türkische KULTURgemeinde in Österreich, Birol Kilic, appelliert an alle Menschen aus der Türkei, den Ramadan nicht für die Gottesdienste zu nutzen, sondern sich auch für Frieden einzusetzen. „Wir haben nicht nur in Österreich, auch in ganz Europa turbulente Zeiten. Wir müssen gegen Abspaltung, Rassismus in der Gesellschaft und für das Zusammenleben in Österreich eintreten. Es folgt eine Zeit der inneren Ruhe, dem Versuch vom irdischen Leben Abstand zu gewinnen und sich nur dem einen und barmherzigen Schöpfer zu widmen.  Ramadan ist die Zeit wo man mehr an Armut, Hunger und Teilung denken muss. Ramadan ist eine Erziehung zur Selbstüberwindung und zugleich ein Weg zur Bewusstmachung, dass es Menschen gibt, die tagtäglich Hunger erleiden. Ramadan ist eine Zeit, wo man in Österreich auch über die Werte der österreichischen Gesellschaft diskutiert.  Richtig. In diesem Monat der Reinigung wird ein besonderes Programm zur Erziehung aufgelegt. Unter Erziehung verstehen wir auch Bildung und Erinnerung an unsere gemeinsamen Werten in Österreich.“

 

Ramadan ?

Ramadan heißt übersetzt so viel wie „der heiße Monat“. Gemeint ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. An einem Tag in diesem Monat soll der Koran auf die Erde gesandt worden sein. Dieser Zeitpunkt wird auch „Nacht der göttlichen Bestimmung“ genannt und wird hauptsächlich am 27. Ramadan gefeiert. Da der Termin durch den Koran jedoch nicht genau festgelegt ist, gibt es hier Unterschiede. In Deutschland wird dieser Zeitraum nach Angaben des Zentralrates der Muslime in Deutschland exakt astronomisch berechnet. Gefastet wird den gesamten Monat lang jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, in diesem Jahr vom 6. Juni bis zum 4. Juli.

Darauf verzichten die Muslime im Ramadan

Nach dem muslimischen Gesetz bedeutet Fasten die Enthaltung von bestimmten Dingen: Verboten sind der Verzehr von Speisen und Getränken, Rauchen, Geschlechtsverkehr und Trunkenheit, so die Informationsplattform „islam.de“. Außerdem sind üble Nachrede, Verleumdung, Lüge und Beleidigung streng untersagt. Schweigen gehört ebenfalls zur Enthaltsamkeit im Ramadan.

Jeder Muslim, der geistig zurechnungsfähig, volljährig und körperlich dazu im Stande ist, muss fasten. Auch Minderjährige können fasten, hier gibt es aber ein Unterscheidungsvermögen. Schwangere, Kranke und Kinder sind nicht zum Fasten verpflichtet, wie die Informationsseite „islam.de“ bekannt gibt.

Schwangere und Kranke müssen die versäumten Fastentage aber nachholen. Laut einer Statistik, auf die sich das „National Bureau of Economic Research“ der USA bezieht, fasten die meisten schwangeren Muslimas trotzdem. Dadurch reduziere sich häufig das Geburtsgewicht des Kindes und die Länge der Schwangerschaft, wodurch körperliche und geistige Behinderungen der Kinder viel wahrscheinlicher würden.

Zuckerfest beendet den Fastenmonat

Am Ende des Fastenmonats, nach 29 beziehungsweise 30 Tagen, feiert man das Fest des Fastenbrechens, auch als kleines Fest oder Zuckerfest bekannt. Die Vorbereitungen beginnen bereits in den letzten Tagen des Fastenmonats.

Vorher muss jeder Muslim eine pflichtmäßige Spende entrichten, die auch als Almosensteuer des Fastenbrechens bekannt ist. Sie kommt Bedürftigen zugute und gehört nach Angaben des Verbandes der islamischen Kulturzentren zu den wichtigsten Pflichten eines Moslems. Anschließend wird drei Tage lang gefeiert, dieses Jahr vom 7. bis 9 Juli.  Der erste Tag ist dabei laut „islam.de“ der Familie gewidmet. Obwohl das „große“ Opferfest im Pilgerfahrtsmonats eigentlich das höchste Fest der Muslime ist, wird das Fastenbrechen traditionell größer und umfangreicher gefeiert, ähnlich wie Weihnachten bei den Christen .(tkg, dpa)

 

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18 04 2018
By: TKG 0

TKG: „Stopp mit dem Missbrauch der Gebetshäuser“

Türkische Kulturgemeinde fordert sofortigen Stopp des Missbrauchs der Moscheen für politische und nationale Ereignisse aller Art, egal von welcher Seite.

Wien (OTS) – Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich warnt seit 15 Jahren über die Politisierung und den Missbrauch der Religion Islam in Österreich.

Die Bilder aus dem Gebetsbereich der ATIB Moschee in der Dammstraße in Wien sind nicht akzeptabel. Kinder spielen auf diesen Fotos tote Soldaten, werden mit der türkischen Fahne zugedeckt und wieder andere Kinder gehen an den „Toten“ vorbei. Das ist nicht normal! Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber dem Gebetshaus und gegenüber Österreich. Ein Gebetshaus ist ein Ort an dem man sich direkt und in Ruhe an Gott wenden kann. Besonders in dem Bereich Gebetshaus sollte Politik und Religion nicht vermischt werden.

Aus der Geschichte wissen wir, dass einst die Türken gemeinsam mit ihren Verbündeten Österreich und Deutschland einen Verteidigungskrieg gegen England und Frankreich führten. Aus dieser Missbrauchsschlacht bei Gallipol bzw. aus diesem Krieg entstand letztendlich vor 100 Jahren die moderne, revolutionäre und laizistische Türkei durch Atatürk. Sein Motto: „Friede im Inneren, Friede in der Welt“ unterzeichnete er überall.

Die Schlacht von Gallipol bedeutete für Atatürk und für seine Bürger der laizistischen türkischen Republik folgendes: Ein Krieg ist schlecht, ein Friede dagegen ist immer gut und erstrebenswert.Diese Werte, welche man durch eine Kontrarevolution vernichten wollte, haben alle säkularen, türkischen Bürger in der Türkei  gelernt und verinnerlicht.

ATIB mit seinen 65 Moscheen in Österreich sollte ab jetzt im Gebetsbereich und auch in anderen Bereichen weder politische noch traditionelle Veranstaltungen durch eine Verordnung erlauben, sich neutralisieren und sich aus allen politischen Missbrauchsmöglichkeiten heraushalten.

ATIB ist besonders gegen den Salafismus und gegen den politischen Islam eine wichtige Institution, welche man auf jeden Fall nicht aufgeben soll, sondern im positiven Sinne für Österreich und für seine Interessen und für die hier lebenden aus der Türkei stammenden Menschen für sich gewinnen muss.

Deswegen empfehlen wir hier die Spreu vom Weizen zu trennen und alle bösen Ereignisse und Personen von den Guten zu trennen. Das beginnt durch die Säkularisierung und Schätzung der säkularisierten Gesellschaftsordnung mit seinem demokratischen vielfältigen Kräften, welche man verinnerlichen muss.

Die derzeitige Verfassung in der laizistischen Türkei sieht eine strikte Trennung zwischen Religion und Staat sowie Religionsfreiheit vor. „Heilige religiöse Gefühle dürfen absolut keine Rolle in staatlichen Angelegenheiten und der Politik spielen, wie es das Prinzip des Säkularismus vorsieht“, heißt es in der Präambel. Wir wissen in der säkularen Türkischen Republik herrscht  eine Konterrevolution gegenüber säkularen Werten und Institutionen wo wir in Österreich einfach die Konsequenzen erleben müssen.

TKG fordert mehr Säkularismus und Null politisierten Glauben in Österreich durch Laizität! Egal welche Religion.  Laizität ist die Unabhängigkeit eines Staates von der Religion. Säkularität bedeutet für die TKG die individuelle Lebensführung ohne Religion. Stopp mit dem Missbrauch der Gebetshäuser egal welcher Religion.

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180418_OTS0153/tkg-stopp-mit-dem-missbrauch-der-gebetshaeuser

 

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30 03 2018
By: TKG 0

Frohe Osterfeiertage-Hayırlı Paskalya! So feiert man Ostern in der Türkei

Wir wünschen unseren christlichen Freunden, Nachbarn und auch allen anderen, die dieses christliche Fest nicht begehen,
frohe Osterfeiertage und ein schönes Wochenende.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

 

Info:

Hayirli Paskalya! So feiert man Ostern in der Türkei

Auch in der Türkei wird an manchen Orten Ostern gefeiert, vor allem in Ostanatolien. Will man sich gegenseitig „Frohe Ostern!“ wünschen, so sagt man dort „Hayirli Paskalya!“. Aber wie wird Paskalya in der Türkei gefeiert? Hier ein paar Eindrücke.

Was wäre Ostern ohne einem leckeren Hefezopf? Das dachte man sich wohl auch in der Türkei. Deshalb wird dort an Ostern ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken. Das Besondere daran ist, dass in den Kuchen traditionell eine Münze eingebacken wird – wer diese dann beim Verspeisen findet, der kann sich über Gesundheit und Glück freuen. Aber natürlich gibt es in der Türkei noch viele weitere Gaumenfreunden zu Ostern. Deswegen kommt an den Feiertagen meist die ganze Familie zusammen, um gemeinsam leckeren Fisch und grüne Linsen zu essen. Das ist nämlich Brauch am Karfreitag.

Gibt es in der Türkei auch Ostereier?

Und auch auf die Ostereier muss man bei einem Osterfest in der Türkei nicht verzichten. Hierzu gibt es sogar einen speziellen Brauch. Zwei Personen müssen ihre Ostereier gegeneinander schlagen und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch wieder mit Gesundheit und Glück beschenkt. Neugierig geworden? Wer nun vielleicht sogar über die Osterfeiertage einen Urlaub in der Türkei machen möchte, weiß nun zumindest, dass man auch dort sehr gut Ostern feiern kann. In manchen Orten in der Türkei gibt es außerdem auch christliche Kirchen, in denen man zur  Ostermesse gehen kann. Na dann, Hayirli Paskalya! (Myheimat.de)

 

Izmir – türkische Ostern für Anfänger

von Marie Christen

Die Türkei fällt einem vielleicht nicht als erstes ein, wenn man an das Osterfest denkt, doch auch hier wird das Fest mit seinen ganz eigenen Osterbräuchen zelebriert! Erlebt türkische Ostern mit uns!

FROHE OSTERN!

Hayirli Paskalya! (Frohe Ostern!) wird euch in der Türkei gewünscht! Nicht viele Türken feiern das Osterfest, auch ist es kein gesetzlicher Feiertag und doch überrascht die Türkei mit einigen Osterbräuchen.

Ostern ist auch hier ein Fest der Familie, alle kommen zusammen und veranstalten ein großes Festessen! Für die Feiertage wird ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken, also ganz ähnlich wie bei uns. Doch das Besondere und außergewöhnliche steckt hier im Detail: In den Hefezopf wird nämlich eine Münze mit eingebacken und wer diese dann findet oder verspeist, soll sich dem Glauben nach besonderer Gesundheit und Glück in diesem Jahr erfreuen dürfen. Aber natürlich gibt es noch andere Freuden für den Gaumen wenn man türkische Ostern feiert. An Karfreitag zum Beispiel wird sich in großer Runde getroffen und statt Osterbrot werden traditionell Fisch und grüne Linsen zum Mittag serviert.

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Auch die Ostereier werden in der Türkei nicht vergessen. Hier muss man sie allerdings nicht erst finden, denn in der Türkei gibt es diesbezüglich einen speziellen Brauch. Hierbei schlagen zwei Personen ihre Ostereier gegeneinander und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch hier wieder mit Gesundheit und Glück gesegnet! Neugierig geworden? Dann besucht doch mal…

IZMIR

Die Perle an der türkischen Ägäis hat dir so einiges zu bieten! Die drittgrößte Stadt der Türkei, nach Istanbul und Ankara, wurde 3000 v. Chr. gegründet und ist somit eine der ältesten Städte der Welt. Viele verschiedene Kulturen haben während der wechselvollen Stadtgeschichte ihre Spuren hier hinterlassen.

Das Hafenviertel sowie der moderne Innenstadtbereich mit seinem Basarviertel, dem Museum und dem Kulturpark bieten eine Vielfalt an Besichtigungsmöglichkeiten. Besonders Kulturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Neben zahlreichen Museen findet man in Izmir auch ein Staatstheater und die Staatsoper mit einem berühmten Orchester. Musikfreunde reisen aus der ganzen Türkei an, um das Orchester spielen zu hören!

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Der Uhrturm auf dem Konak-Platz ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt sondern auch ein Symbol für die Befreiung von der griechischen Besatzung. Unweit davon befindet sich das Archäologische Museum, das mit Funden aus der Antike aufwarten kann und absolut einen Besuch wert ist. Wer einen besonderen Ausblick über die Bucht von Izmir erleben möchte, sollte sich nicht scheuen, den Berg Kadifekale zu erklimmen. Auf diesem Berg lassen sich heute noch Ruinen einer eindrucksvollen Burg und ihrer Mauern, die während der Herrschaft von Alexander des Großen errichtet wurden, finden. Man kann also sagen, dass Izmir ein Ort mit großer Vergangenheit hat, die bis in die Moderne hineinreicht. Ein toller Ort um Kultur hautnah zu erleben oder für ein paar Tage zu entspannen. Also…packt die Ostereier ein, fahrt nach Izmir und Hayirli Paskalya! (blog.surprice-hotels.com)

 

CHRISTENTUM STAMMT AUS DER TÜRKEI VON BIROL KILIC

http://www.turkischegemeinde.at/christentum-stammt-aus-der-tuerkei/

 

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29 03 2018
By: TKG 0

„Frohe Ostern“: Türkischer Imam reinigt seit 13 Jahren armenische Kirche

„In meiner Freizeit gehe ich regelmäßig in die Kirche und schau, dass es dort gepflegt ausschaut. Meine Frau und meine Kinder helfen mir auch dabei”, so Metin Halıcı, Imam (Vorbeter) der Terzili Moschee in Sarıkaya in der mittelanatolischen Provinz Yozgat. Seit 13 Jahren reinigt der islamische Geistliche eine armenische Kirche – Ein Beispiel für gelebte Toleranz und Respekt!

Yozgat (Türkei, Yeni Vatan-Neue Heimat Zeitung)-Bestimmte Armenier aus aller Welt, die bis 1960 im Stadtteil Terzili gelebt haben, kommen an bestimmten Zeiten des Jahres in ihre alte Ortschaft. Sie wollen in der historischen Kirche ihre Gebete verrichten. Dank dem islamischen Seelsorger ist das für die Christen problemlos möglich. Egal zu welcher Zeit man die Kirche besucht, man findet eine saubere Ortschaft vor um seine Religion frei zu praktizieren.

Die “uralte” Kirche wird von Menschen aus aller Welt besucht

Die fast 2.000 Jahre alte Kirche, befindet sich im Hof des Imams und wird seit 13 Jahren von ihm gereinigt und gewartet. „Als ich vor 13 Jahren in diesem Stadtteil als Imam beauftragt wurde, hat mich die Kirche mitten in meinem Hof natürlich verwundert. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Aus Respekt habe ich es für mich als eine Aufgabe gesehen, die benachbarte Glaubenseinrichtung zu säubern, “ sagte er. Die meisten Besucher sind aus Argentinien, der Türkei und den USA.

Zur Zeit der Osmanen soll es zu einer Tradition geworden sein

„Auf diesem Land hat die Toleranz und Barmherzigkeit des Osmanischen Reichs gelebt. Wir wollten, dass diese Werte hier weiterhin ihren Platz finden. Meistens wird sie von christlich-orthodoxen Personen besucht. Die früheren Imame haben diesen Auftrag auch übernommen und durchgeführt. Außerdem gehört die Gebetsstätte unserer “Nachbarreligion”. So habe ich es mit besonderer Vorsicht als eine Pflicht gesehen, diesen religiösen Ort sauber und jederzeit zum Beten bereit zu halten“, fügte er hinzu. Es ist auch zu vermerken, dass die türkischen Gastarbeiter in Wien größtenteils aus derselben Provinz stammten. So ist dieser Ort der Toleranz die zweite Heimat vieler hier lebender Türken in ganz Österreich. (yenivatan.com)

http://www.yenivatan.at/tuerkischer-imam-reinigt-seit-13-jahren-armenische-kirche/

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27 03 2018
By: TKG 0

Paris-TKG: “Es gibt kein Wort unser Mitgefühl gegen diese Unmenschlichkeit und Antisemitismus auszudrücken”

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) ist zutiefst betroffen über den abscheulichen Mord an der 85-jährigen Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll in Ihrem Haus in Paris am Sabbat.

Wien (OTS) -Laut unseren Informationen hat sich Mireille Knoll bereits vor der Attacke über gewalttätige Drohungen gegenüber ihrem Leben bei der Pariser Polizei beschwert und Anzeige erstattet.

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich dazu: „Wir, als aus der Türkei stammende ÖsterreicherInnen sind zutiefst traurig und teilen die Schmerzen der Familie Mireille Knoll, der Jüdischen Gemeinde in Frankreich und in der Welt. Es gibt kein Wort, keinen Satz um unser Mitgefühl gegen diese Unmenschlichkeit und Antisemitismus ausdrücken. Die muslimischen Menschen haben Jahrhunderte lang in der Türkei und in der Osmanischen Zeit ab dem Mittelalter, friedlich vom Balkan, über die jetzige Türkei, bis zum Nahen Osten zusammengelebt. 1492 haben die Türken aus Spanien und Portugal die Juden aus der Inquisition (Verfolgungen, Folter, Verbrennungen etc.) in den Balkan und in die Türkei aus eigenem Interesse und mit Selbstverständlichkeit gerettet. 1992 wurde in Istanbul mit allen türkischen Juden ein 500-jähriges Zusammenleben gefeiert. Da sehen wir, dass der Glaube eigentlich kein Hindernis ist, sondern der politisierte Glaube, Fanatismus, die Nahost-Konflikte und die dauernde Hetze. Wir müssen mit allen demokratischen Kräften gegen diesen Fanatismus arbeiten und unbedingt die Spreu vom Weizen trennen. Wir rufen alle Muslime und Musliminnen auf, dagegen etwas zu tun. Wir werden in Österreich in Zukunft mit mehreren Vereinen darüber reden um eine Aktion und Informationskampagne in unseren Gemeinden beginnen zu können.“

 

TKG-AUFKLÄRUNG: „DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN“

Die Geschichte der türkischen Juden

TKG-AUFKLÄRUNG: „WAS SAGT DER QUR’AN (KORAN) ZUM JUDENTUM?“

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20 02 2018
By: TKG 0

TKG -AUFKLÄRUNGSVERSUCH:„Im Koran sucht man das „Kopf-tuch“, Burka, Burkini, Hijap, Chador und Nigab vergeblich!

In den zahlreichen Rückmeldungen wurden uns vor allem Fragen zur Bedeutung von Kopftuch, Burka, Burkini, Hijap, Chador im Koran und in der islamischen Religion gestellt. z. B: Warum die blinde Kadavergehorsamkeit gegenüber unantastbaren Werken viel Gewalt und Verachtung verursacht?

Wir kommen den Bitten um Beantwortung nun gerne nach,  möchten aber vorab Folgendes betonen:  Wir sind weder ein politischer, noch ein religiöser Vertreter. Es geht  hier um sachliche, fundiert argumentiere Kritik mit profunden nüchternen Wissensvermittlung und nicht um rüde Anwürfe und pauschale Verunglimpfungen.

 

von Birol Kilic

(Erste Veröffentlichung-2010)- Aktualisiert

Ein Aufklärungsversuch

Mündigkeit, Unmündigkeit, Entmündigung!

Man kann durchaus sagen Kopftuch, Kopfbedeckung, Schleier stammt aus der Tora und dem neuen Testament aber nicht aus dem Koran.

Der Begriff Mündigkeit beschreibt das innere und äußere Vermögen zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Mündigkeit ist ein Zustand der Unabhängigkeit. Sie besagt, dass man für sich selbst sprechen und sorgen kann.

Als Österreicher und mit Überzeugung säkularer Lebenseinstellung trete ich für uneingeschränkte Meinungsfreiheit ein und spricht sich grundsätzlich gegen Kleidervorschriften aus.  Aber ich bin gegen Vollschleir weil der Vollschleir (Burka, Nigab) ist für uns ein Zeichen von Entmündigung ist und für einabwertendes Frauenbild steht. Die Entmündigung wurde in Österreich 1984 und in Deutschland 1992 Gottseidung abgeschafft.

Seit Immanuel Kant hat der Begriff Mündigkeit eine geschichtsphilosophische Bedeutung. In seinem berühmten Text, der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? von 1784 schreibt Kant:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Dass die Menschen in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Anderen sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel.“

Hier sollten wir doppelt aufpassen. Weil die Aufklärung („Aydinlanma“  auf Türkisch)  den Prozess des Erwachsen werdens von der Unmündigkeit zur Mündigkeit auf die allgemeine Menschheitsgeschichte projeziert.  Der Begriff der Mündigkeit dient als ein zentrales Instrument der Legitimation dazu, Geschichte als Fortschritt zu begreifen. So die allgemeine Erklärungen..

Was sagen die Fotos aus Wien? Sie verwendet 21. Jahrhundert Technologie sehr penibel

  

Was sagt EGMR?

Laut vielen Berichten hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in einem europaweit maßgeblichen Urteil das Verbot des Ganzkörperschleiers in Frankreich gebilligt. Die Richter wiesen in Straßburg die Beschwerde einer französischen Muslimin in allen Punkten zurück. Das Verbot sei keine Diskriminierung, es verstoße nicht gegen den Schutz des Privatlebens und auch nicht gegen die Meinungs- und Religionsfreiheit, hieß es zur Begründung.

Noch dazu: Nikab und Burka sind nicht durch Koran gedeckt (Siehe Unten), sondern ein regionaler Brauch, der nicht durch die Glaubensfreiheit geschützt wird. Für die TKG bedeutet Toleranz nicht, alles anzuerkennen, was von außen an eine Gesellschaft herangetragen wird. Der weltoffene, säkulare-freiheitlich-pluralistische Staat hat die Aufgabe und Ziel hier eigene Maßstäbe zu setzen und zu verteidigen.

Allerdings lassen wir Meinungen, die auf die (politische) Instrumentalisierung von bestimmten Kleidungsstücken in Österreich bzw. in der EU abzielen, nicht gelten. „Vollschleier wie Burka und Nikab gehören nicht nach Europa. Sie stellen eine Kampfansage an die Werte der Aufklärung dar und sie degradieren Frauen zu Objekten männlicher Verfügungsgewalt,“ oder ähnliches schreiben viele Kommentatoren seit Jahr und Tag.

Wir müssen Aufklären

„Jede Religion aber muss sich den Ansprüchen der prüfenden, kritisierenden, forschenden Vernunft unterwerfen“

Die Anwort warum wir Aufklären müssen gibt Konrad Paul Liessmann  Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien (Die Praxis der Unbildung-Zsolnay Verlag, 2014 ) mit den folgenden Worten:

 Untrennbar ist dieser Begriff -Aufklärung- an die Metapher des Lichts und damit des Sehens gebunden, es geht um die Herstellung von Verhältnissen, in der alles Dunkle, Verborgene, Falsche, Verdüsterte, aber auch jeder falsche Schein, jedes Blendwerk, jede Täuschung, jede Illusion ihrer Unwahrheit überführt wird. Aufklärung tut nur dort not, wo die Gedanken und Sinne der Menschen vernebelt sind, wo an angeblich unumstößliche Wahrheiten geglaubt werden muss und vermeintliche Gewissheiten oktroyiert werden. Aufklärung setzt demgegenüber darauf, dass Wahrheitsansprüche, Weltdeutungen, moralische Einstellungen und politische Überzeugungen kritisch überprüft und aus Vernunftgründen einsichtig, zumindest plausibel gemacht werden müssen. Jede Religion aber muss sich den Ansprüchen der prüfenden, kritisierenden, forschenden Vernunft unterwerfen. Es ist ein grobes Missverständnis, dass die Vernunft gegenüber Glaubenswahrheiten tolerant sein muss; die Vernunft hat nichts zu dulden, was ihren Ansprüchen nicht genügt. Wären die Aufklärer und Religionskritiker, von Voltaire über Feuerbach bis zu Marx, Nietzsche und Freud ähnlich wie wir von der Besorgnis getragen gewesen, nur ja keine religiösen Gefühle zu verletzen, hätte es keine Aufklärung, keine Menschenrechte, keine moderne Lebenswelt gegeben.“

 

Nur zur Sache!

Der Textbefund in Bibel(alte und neue)  und Koran?

Während im Alten und Neuen Testament das Kopftuch verpflichtend vorgeschrieben wird, kommt im Koran das Wort „Kopftuch“ nicht einmal vor, allenfalls das „Tuch“.

Der Koran meint mit „Tuch“ aber kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dienen und ihre sexuellen Körperstellen (Scham) verhüllen soll (siehe die Suren, die wir in deutscher Sprache unten angegeben haben).

Wenn im Islam die einzig verbindliche, als wahr vorausgesetzte Quelle der Koran (wo die verbindliche Gebote und Verbote abgeleitet wird)  ist und lediglich das Wort „Tuch“ im Koran in drei Versen tatsächlich vorkommt, nicht aber das Wort „Kopftuch“, werfen sich berechtigte Fragen auf. Warum ist Kopftuch-tragen dann ein Gebot im Islam?

Warum stellen wir die Frage?  Damit wir hier nicht unter dem Vorwand der Religionsfreiheit betrogen, manipuliert bzw. ausgebeutet werden.



„Koran lehnt Schirk (širk = Beigesellung) und ausbeutung und manupulation!“

Prof. Dr. Ednan Aslan ( Institut für Islamisch-theologische Studien -Uni Wien)
schreibt folgende interessante Gedanken nieder:

“ Am 16. Februar 2017 veröffentlichte der Mufti der Glaubensgemeinschaft ein Fatwa (religiöses Rechtsurteil) zur Stellung des Kopftuches bzw der Verhüllung im Islam.  Dieses autoritäre aber nicht bindende Fatwa erfordert eine tiefgreifende Stellungnahme und eine dringend notwendige inner-islamische Debatte, wie die MuslimInnen ihre Religion hier und heute verstehen. Mir geht es dabei nicht darum, ob die muslimischen Frauen Kopftuch tragen müssen oder nicht. Mir geht es in dieser Frage darum, wie und mit welchen Quellen wir unsere Religiosität in der Gegenwart begründen und was den MuslimInnen als unantastbare Wahrheit geboten wird. In dem Fatwa der Glaubensgemeinschaft wird das Kopftuch mit den vier Rechtsschulen des sunnitischen Islams begründet. Dabei werden auf gegenwartsorientierte Selbstdeutungen des Korans verzichtet und auf die Deutungen aus dem  8. und 9. Jahrhundert zurückgegriffen und deren Deutungen als farḍ (absolute Pflicht) bezeichnet. Damit werden die Meinungen der Rechtswissenschaftler und die göttlichen Aussagen auf eine gleiche Ebene gestellt.

Oder anders formuliert, es werden den Meinungen unzweifelhaft göttliche Eingebungen zugeschrieben, obwohl der Koran sehr ausdrücklich solche Zuschreibungen als Schirk (širk = Beigesellung) ablehnt (Koran: 9:31).

Dieses Recht stand noch nicht einmal dem Propheten zu, etwas als erlaubt oder verboten zu erklären (Koran: 66:1).

Wenn man die Meinungen solcher Gelehrten aus einem Kontext herausnimmt und unüberlegt in die Gegenwart überträgt, legitimieren wir die Gewalt und Unterdrückung der Selbstbestimmung der Menschen. Wenn wir hier als Beispiel nur einem Wissenschaftler des 9. Jahrhunderts, der in diesem Fatwa erwähnt wird, nämlich Imam Schāfiʿī Folge leisten, dann sollten wir seiner Meinung nach alle MuslimInnen töten, die das Gebet nicht verrichten. Ähnlich denkt auch ein anderer Gelehrter namens Imam Aḥmad Ibn Muḥammad Ibn Ḥanbal, der nicht nur die Tötung, sondern auch das Foltern von nicht betenden MuslimInnen befürwortet. Nach diesem Geist sind die Frauen sogar verpflichtet Niqab (Gesichtsschleier) zu tragen. Dazu schreibt der IGGiÖ-Mufti: „Dazu zählt auch die Freiheit der Minderheitenmeinung (Hanbaliten und ein Teil der Schafiiten) zu folgen, die auch die Gesichtsbedeckung als religiös geboten (farḍ) erachtet.

Dabei nimmt die IGGiÖ überhaupt keinen Bezug darauf, welche Folgen diese Pflicht für die Gesellschaft und die Frau selbst haben könnte.  Bemerkenswert finde ich auch den Umgang mit den Hadithwerken von al-Buḫārī oder Muslim, welche mit gleicher hochergebener und gehorsamster Andacht vom IS oder anderen radikalen Gruppen salbungsvoll zitiert werden. Hier geht es nicht um die Ablehnung dieser Werke, sondern darum, mit welcher Autonomie die MuslimInnen damit umgehen! Die blinde Kadavergehorsamkeit diesen Werken gegenüber verursacht viel Gewalt und Verachtung. In Anbetracht dieser Fakten können solche Aussagen niemanden mehr überzeugen, vor allem, dass alles was der IS macht, mit dem Islam nichts zu tun hätte. Und trotzdem versuchen wir dann aber mit gleichen unkritischen und unaufmerksamen Argumenten den Alltag der MuslimInnen zu definieren“

Das wollen wir nicht. Deswegen sachliche Aufklärung!

 Im Koran gibt es nur 3 Verse bezüglich „Kopf“,  „Tuch“ und „Schleier“ aber im Koran sucht man das Wort Kopf-Tuch vergeblich.

Auf einer kurzen geschichtliche Spurensuche wollen wir sowohl das Alte als auch das  Neue

Testament im Vegleich zum Koran unter die Lupe nehmen.

1) Suren 24 Vers 31


2) Suren 24 Vers 60

3) Sure 33 Vers 59

Wir wollen klären, inwiefern und ob überhaupt das Kopftuch seine Legitimation/Gebot aus den besagten 3 Versen des Koran, nämlich den immer zitierten Suren 24 Vers 31, und 60 sowie aus der Sure 33 Vers 59 beziehen kann. Außerdem möchten wir etwas detaillierter auf das Kopftuch sowie ganz allgemein auf jene religiösen und sittlichen Konventionen semitischer Religionen eingehen, die den Islam zu Zwecken der Propaganda, Hetze und Unterdrückung in Österreich und auch in der EU bzw. in der Welt missbrauchen.

Woher stammt das Kopftuch? Seit wann wird es getragen? Inwiefern handelt es sich beim Tragen eines Kopftuches um eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention? Wo ist eine Verpflichtung zum Tragen eines Kopftuches im Koran festgeschrieben? Welchen Bedeutungswandel erfuhr das Kopftuch über die Jahrhunderte?

Wie bereits erwähnt, gibt der Koran, die verbindliche Hauptquelle des Islams, keine Auskunft über diese Fragen. Für eine ideologischen Anspruch ist er also untauglich – leider sehen das nicht alle ialsmischen Exegeten so.

Er besteht aus 114 Suren, die man auch Kapitel nennt. Jede Sure hat drei bis 300 Verse. Die Gesamtzahl der Verse im Koran beläuft sich auf 6263. In drei Versen findet sich zwar die Formulierung „den Körper bedecken“ (Sure 24 Vers 31 und 60, Sure 33 Vers 59), das Wort „Kopftuch“ selbst wird in diesen drei Versen aber gar nicht erwähnt.

Anders in der Bibel: Sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament, wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern den Frauen sogar vorgeschrieben (vgl. Paulus, 1. Korintherbrief 11,6).

In den vergangenen Jahren wurde berichtet, dass die medizinische Universität Graz ihren Studierenden die Vollverschleierung verbietet.

Gemäß einer Erhebung der EU-Grundrechtsagentur vom vergangenen Jahr, tragen in Österreich 64% und in Deutschland 27% aller Frauen mit türkischer Abstammung ein Kopftuch.

Es stellt sich die Frage, ob es sich bei islamischen Kopftüchern um ein religiöses Gebot handelt (dann müsste dieses allerdings im Koran stehen) oder ob wir es viel mehr mit einem historisch gewachsenen, politisch-religiösen Phänomen zu tun haben, das sich auf den Einfluss politischer und kultureller Traditionen zurückführen lässt. Da das Kpftuch aber nicht im Koran erwähnt wird, kann es auch nicht ein Gebot dazu geben.

Das häufig angeführte Argument, das Kopftuch solle „vor den Blicken der Männer schützen“, erscheint in unserer aufgeklärten Zeit jedenfalls vielen Leuten absurd und selbst im traditionell-historischen Kontext nicht als ganz stimmig…

Die Befürworter des Kopftuches leiten ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Verhüllung dennoch aus dem Koran ab. Es empfiehlt sich daher, Ihnen jene Suren und Versen des Korans entgegenzuhalten, auf die sie sich selbst berufen:

In 3 Suren kommt ein „Tuch“, aber kein „Kopftuch“ vor:

Koran (Sure 24, Vers 31)

Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.

[„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt mit „Reize“; „Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt mit „Busen“]

Koran, (Sure 24, Vers 60)

Und für die unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es kein Vergehen wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne dass sie jedoch den Schmuck zur Schau stellen. Und besser wäre es für sie, dass sie sich dessen enthalten. Und Gott hört und weiß alles.

Koran (Sure 33, Vers 59)

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunter ziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.

(Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses. Gütersloh, 2. durchgesehene Auflage 1992)

Bei Betrachtung der oben angeführten Zitate sieht man, dass das Wort „Tuch“ (Überwurf, Schleier, Kleider) vorkommt, aber nicht das Wort „Kopftuch“ als solches.

In der Türkei wurden vor 36 Jahren das Kopftuch und der Schleier absichtlich politisiert.
Bis vor 40 Jahren diskutierte fast niemand in der Türkei so ernsthaft über das Kopftuch. Das Tragen des Kopftuches war staatlich seit den 20er-Jahren verboten. Erst durch den Militärputsch vom 12. September 1980 und die darauffolgende Politisierung des Kopftuchs durch manche Gruppen aus Saudi Arabien, Katar und Ägypten, die die Religion für ihre politischen Interessen ausnützten, wurde es zu einem heiklen Propagandainstrument. Das Thema „Kopftuch“ wurde mit den „Migranten“ (Politischen Islam-Vereine-Parteien eigentlich) nach Europa importiert und sorgt hier für heftige Diskussionen, auch innerhalb der Migrationsgruppen.

Die türkischen Erfahrungen sollten in Österreich, Deutschland und in der EU nicht wiederholt werden. Schließlich ist offensichtlich, dass im Islam nach den koranischen Versen und Suren keine Verpflichtung zum Tragen eines Kopftuchs besteht – auch wenn das von einigen Gruppen behauptet wird.

Das „Zeitalter der Ignoranz“, welches vor dem Koran sicher vorherrschte, dürfte sich vielmehr im Bezug auf die geringschätzende Haltung gegenüber Frauen speziell in jenen Versen reflektieren, die die Verschleierung betreffen: Zahlreiche Verunglimpfungen und Aussagen der Diffamierungs-Bande, die auch der Ehefrau des Propheten Verleumdung vorwarfen, zeugen davon.

Dementsprechend wurden diese Verse zugunsten der Männer interpretiert. Wenn man allerdings das gesamte Sinngefüge des Korans analysiert, sieht man, dass Frauen durchaus ein gleichwertiger Status wie den Männern zuerkannt wird:

Den Frauen wird empfohlen (Sure 24, Vers 31), dass sie im gesellschaftlichen Leben mit den Männern zusammenleben, und in solch einer Arbeitsatmosphäre sowohl in deren Beziehungen untereinander als auch in deren Verhaltensmuster und angemessenen Auftreten, freundlich sein sollen und Übertriebenes vermeiden sollen.

Die Fortführung desselben Verses erklärt sowohl, dass im Kreis der Familie und Verwandten der Schleier kein Muss ist, als auch dass die Frauen sich frei bewegen können.

Von einem „Kopftuch“ ist, wie in allen anderen Versen des Korans, keine Rede.

Auch bei der türkischen Übersetzung des Korans werden Sie das Wort „Basörtü“ für Kopftuch nicht finden.

Es gibt viele Übersetzungen, die das tun. Wir halten diese Übersetzungen aber für unseriös und ideologisch gefärbt.

„Bas“ bedeutet auf Türkisch Kopf und „Örtü“ bedeutet auf Türkisch „Tuch“.
Das Basörtü wäre also das Kopftuch.

So findet man bei fast allen Auslegungen und Übersetzungen des Korans sowohl in türkischer, als auch in deutscher Sprache die Übersetzung „Kopftuch“.

Aber in Wahrheit bedeutet das arabische Wort „Himar“, das in diesem Vers ausdrücklich erwähnt wird nicht „den Kopf bedecken“, sondern nur „bedecken“. Der Teufel liegt hier im Detail! Der Leser liegt also rasch den demagogischen Übersetzungsspielereien auf. Es sind Taschenspielertricks, mit denen die Gläubigen hinters Licht geführt werden.

Falls im Koran überhaupt etwas explizit bedeckt werden soll, würde es auch erwähnt werden.

Das ist aber nicht der Fall. Die theologische Begründung der islamischen Gelehrten für das Gebot zum Tragen eines Kopftuches wird in erster Linie auf die religiöse Intoleranz von Mohammed und dem Koran zurückgeführt.

Die Sure 24,31 ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den Männern zu verbergen, aber nicht den Kopf zu bedecken.

Das steht schwarz auf weiß im Koran: Sure 24 Vers 30 und 31, Sure 33,59.

Bei Übersetzungen wird aber in der Regel mit Klammerausdrücken versucht, den Koran willkürlich zu interpretieren. Dieser fatalen Praxis der willkürlichen Interpretation ist dringend Einhalt zu gebieten: Wir müssen bei den Fakten bleiben. Persönliche und gesellschaftliche Ansichten dürfen in Interpretationen genauso wenig einfließen wie tradierte kulturelle Aspekte.

Wir möchten unsere Ausführungen noch mit einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Wenn man das Wort „Bettdecke“ verwendet, benützt man neben dem Wort „decken“ auch das Wort „Bett“, um zu betonen, was genau bedeckt werden soll oder wofür der Gegenstand gebraucht wird. Gemäß dieser Logik müsste für den Begriff „Kopftuch“ neben dem Begriff „bedecken“ auch das Wort „Kopf“ vorkommen.

Das im Vers erwähnte Betonungswort neben dem Wort „Himar/Bedeckung“ ist „Cuyub“, welches aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt „Brust“ oder „Kragen“ bedeutet.

Dasselbe Wort „Cuyub“ wird auch in einem anderen Vers im Koran erwähnt, nämlich Sure 28, Vers 32, wo das Wort im Kontext „Er legte seine Hand auf die Brust/den Kragen von Moses“ gebraucht wird.

Also wenn das Wort „Cuyub“ mit dem Wort „himar/bedecken“ kombiniert wird, bedeutet „bihimürihinne ala cuyubihinne“ nicht „den Kopf bedecken“, sondern „die Brust bedecken“.

Fast alle traditionellen Auslegungen des Korans analysieren diese Verse nicht in einem wissenschaftlichen Zusammenhang, sondern deuten das Ganze mit einem Satz wie „Sie sollen ihre Kopftücher bis zu deren Kragen bedecken“, in dem sie auch das Wort „felyedribne“ als „sie sollen bedecken“ verwenden.

Diese traditionellen Islam-Auslegungen schaffen für den politisierten und traditionellen Islam einen festen, scheinbar unverrückbaren Boden.

Sie interpretieren dasselbe Wort, welches aus dem Wort „Darabe“ stammt, als „sie sollen ihre Kopftücher….. bedecken“, wobei sie dasselbe Wort in einem anderen Sure im Zusammenhang „Ihr sollt eure Frauen schlagen“ (siehe: Sure Nisa, Vers 34) verwenden.

Um es auf den Punkt zu bringen: Obwohl der arabische Originaltext des Korans keinen Bezug auf das Kopftuch nimmt, wird dieses zum identitätsstiftenden Symbol für traditionelle und politisierte Islam-Anhänger. Als solches steht es immer wieder im Zentrum von Islam-Diskussionen, nicht nur in der Türkei, sondern mittlerweile vermehrt auch in Österreich und anderen europäischen Ländern.

Dabei wird nicht über die wahre, im Koran festgeschriebene Religion Islam debattiert, sondern über eine Religion, die sich als Folge des politisierten Glaubens der traditionellen Nahostkultur begreifen lässt. Sie hat ihren Ursprung in der sumerischen, jüdischen und christlichen Kultur.

Spurensuche: Koptuch

Eigentlich hat das Wort „Kopftuch“ in der Bibel seine Wurzeln (vgl. 1 Kor 11,6): Im Alten und Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern das Tragen des Kopftuchs wird sogar als Pflicht für die Frauen beschrieben.

So heißt es etwa im Brief von Paulus an die Korinther. „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet, aber dabei ihr Haupt nicht verhüllt […] Sie unterscheidet sich dabei in keinster Weise von dem Geschorenen. Wenn eine Frau das Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen, aber es ist eine Schande, sich die Haare abschneiden oder gar sich kahl zu scheren zu lassen, dann soll sie sich eben verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, denn er ist ein Abbild und Abglanz Gottes, aber der Mann stammt nicht von der Frau ab, sondern die Frau vom Mann“.

Erklärung der Schleier der Ordensfrauen

Apropos: Die in der Burka-Debatte angestellten Vergleiche mit Ordensfrauen sind jedenfalls bemerkenswert:  „Der Schleier der Ordensfrau ist ein religiöses Symbol, der zum Ausdruck bringt, sich an Gott zu binden. Das Tragen des Schleiers ist eine freie Entscheidung„, hält die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Mayrhofer in der APA-OTS Presseaussendung vom 19.08.2016 nicht umsonst fest.

 

Paulus und Kopftuch

Während im Koran das Wort Kopftuch nicht vorkommt, wird es im Alten und Neuen Testament verpflichtend vorgeschrieben!

Unser lieber Landsmann, der heilige Paulus (früher Saulus) aus Tarsus/Türkei, ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten der frühchristlichen Zeit.

Die ersten Christen waren ja wie Paulus und auch Jesus Christus von jüdischer Herkunft.

Paulus übernahm kulturelle Aspekte aus seiner ehemaligen Religion, dem Judentum.

Wenn wir im sogenannten Alten Testament, Bibel Gen. 24,65 nachlesen, dann sehen wir, woher der kulturelle Aspekt „Verhüllung“ bei den Juden stammt und mit Paulusauch von denUrchristen übernommen wurde: „Und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie (Rebekka) den Schleier und verhüllte sich“. Auch in der Bibel Gen. 38,14 wird über Schleier und Verhüllung geschrieben.

1. Korinther 11,2-16:

 

„Ich erkenne es lobend an, dass ihr in allen Beziehungen meiner eingedenk seid und an den Weisungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe.

Wir möchten hier zu bedenken geben, dass das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt Christi ist Gott.

Jeder Mann, der beim Beten oder bei erbaulichen Reden eine Kopfbedeckung trägt, entehrt sein Haupt; jede Frau dagegen, die mit unverhülltem Haupt betet oder erbauliche Reden hält, entehrt ihr Haupt; sie steht dann ja auf völlig gleicher Stufe mit einer Geschorenen (Dirne). Denn wenn eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich auch scheren lassen; ist es aber für eine Frau schimpflich, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann dagegen darf das Haupt nicht verhüllt haben, weil er Gottes Ebenbild und Abglanz ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch ist der Mann ja nicht um der Frau Willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes Willen. Deshalb muss die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Haupte tragen, um der Engel Willen“ (Menge-Übersetzung).

Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kann man zur „Kopftuchpflicht während des Gebetes“ lesen:
 1. Korinther 11,5-6: „Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt, denn es ist ebenso viel, als wäre es geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so schneide man ihr das Haar ab. Nun es aber übel steht, dass ein Weib verschnittenes Haar habe und geschoren sei, so lasset sie das Haupt bedecken.“

Paulus: Die Frau muss ihren ganzen Leib bedecken

Ein außerbiblischer Hinweis ist die Haushaltung Gottes von Jakob Lorber, wo es in dessen Privatoffenbarung heißt (36,37):

„Seht, ihr alle seid gleich, – gleich ihr Männlichen und gleich ihr Weiblichen! Jedoch sollet ihr Weiblichen wohl bedecken eure Schamteile wie auch euren ganzen Leib, und vorzüglich aber euer Haupt, damit durch euer geiles Wesen nicht der Mann zur Unzucht gereizt werde, gleichwie die Schlange lockt durch die große, geheime Lüsternheit ihrer verführerischen Augen das freie Geschlecht der Vögel in die tötende Gefangenschaft ihres giftvollen Rachens; denn ihr Weiber seid zu aller nächst Kinder der Schlange und voll deren Giftes. Daher seid vor allem züchtig wie das Bienenweibchen, das sich nicht getraut mit seinem Wesen ans Licht der Sonne, sondern Tag und Nacht sorglich kriecht über die Zellen seiner harmlosen Kinderchen; so auch solltet ihr sein und gehorsam in allem euren Männern, insoweit es der allerheiligste Wille Gottes erheischt. Jedoch, sollte ein Mann – was nicht zu gedenken sein sollte – euch wider des allerheiligsten Willen Gottes zu etwas zwingen wollen, so soll auch euch gestattet sein, euer Haupt vor dem Manne zu entblößen und selben lieblich zu mahnen an seine Pflichten, hervorgehend aus Gott. Und so ihr alles dieses so genau erfüllen werdet, dann wird der Herr euch mit großen Gnaden überhäufen, und ihr werdet werden zur süßen Augenweide in unendlicher Schönheit des ewigen, heiligen Vaters, ewig und unsterblich.“

Im orthodoxen Judentum bedecken heutzutage verheiratete Frauen ihre Haare aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch oder einer Perücke. Bereits die hebräische Bibel, also das Alte Testament sprach von einer Verschleierung der Frauen. So verschleierte sich Rebekka, die Frau Isaaks nach Gen. 24-51, Gen. 24,65: „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich…“. Natürlich wird nach der modernen Bibelwissenschaft der von Paulus an die Korinther geschriebene Brief 11,5 teilweise als späterer Zusatz angesehen. Wie gezeigt wurde, geht aber aus dem Alten und Neuen Testament klar hervor, dass Kopftuch, Schleier und Verhüllung nicht nur Empfehlungen waren, sondern verpflichtend vorgeschrieben wurden. Heutzutage wird das Kopftuch im Christentum fast nur noch in ländlichen Gegenden, insbesondere in orthodoxen Kirchen sowie von Frauen in mennonitischen bzw. „teuflischen“ Gemeinschaften getragen.

Während im Koran das Wort Kopftuch nicht vorkommt, wird es im Alten und Neuen Testament verpflichtend vorgeschrieben.

Der Koran meint mit „Tuch“ kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dient und ihre sexuellen Körperstellen verhüllen soll . In der Geschichte kommt das Kopftuch bereits erstmals bei den Sumerern und somit lange vor dem Judentum vor. Dies fand die die 96 jährige türkische Sumerologin und Historikerin Muazzez Ilmiye Cig heraus. Sie erforschte ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen. Wie wir in unserer Ausgabe mit der Coverstory „Christentum stammt aus der Türkei?“ kurz schilderten, waren die Sumerer, ein mesopotamisch-südanatolisches Volk, das 3.000 Jahre v. Chr. lebte. Sie waren die ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendeten.

Nun lassen Sie uns ein bisschen tiefer zum Thema des Vergleichs der heiligen Schrift eingehen, und Ihnen erzählen, inwiefern die heiligen Bücher und Schriften sich voneinander trennen, und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen.

Der Koran wird als die Heilige Schrift des Islam definiert, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes („Allah“) an den islamischen Propheten Mohammed, vermittelt durch den Engel Gabriel, enthält. Kurz und prägnant ausgedrückt, stellt der Koran für die Muslime das Wort Gottes dar.

Im Gegensatz zum Koran ist die Bibel eine Sammlung von 66 Büchern die von verschiedenen Autoren als Bericht bzw. Poesie verfasst und im Laufe der Jahrhunderte zu einer Einheit zusammengefasst wurde (Quelle: Deutsche Bibelgesellschaft).

Den Begriff „Testament“ verstehe ich als eine Art „Bund“, in dem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben wird.

Die Bibel umfasst 66 Bücher und besteht zu 75% aus Berichten, zu 15% aus Poesie und zu 10% aus Lehrtexten.

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher, die in Kapitel und Verse eingeteilt sind. Es wird sowohl von den Juden, als auch von den Christen als Heilige Schrift betrachtet.

Das Alte Testament berichtet von der Erschaffung der Welt und von der Entstehung und Geschichte des Volks Israels.

Das Neue Testament besteht aus 27 Schriften und versteht sich mit der Ankunft des Messias Jesus Christus als Antwort auf das Alte Testament. Es erzählt dessen außergewöhnliches Leben und berichtet von seinen Jüngern sowie von seinen frohen Botschaften, die allen Menschen gelten.

Vier Bücher (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) bezeugen auf unterschiedliche Weise das Leben Jesu, seine Lehre, seine Wunder, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung: Man nennt sie die „Evangelien“.

Die Evangelisten, die Apostelgeschichte und die Briefe erzählen, wie die Jünger Jesu den Tod ihres Herrn, seine Auferstehung und Himmelfahrt miterlebt haben; sie berichten von den Anfängen der christlichen Gemeinde, von Verfolgungen und Problemen und wie sich die gute Botschaft sehr schnell im Römischen Reich über Kleinasien – der heutigen Türkei – bis nach Athen und Rom ausbreitete. Einige Stellen lassen die Konflikte deutlich werden, die sich ergeben mussten, wenn die stregen jüdischen Regeln, die auch die jüdischen Urchristen einhalten wollten, nun auf die nicht-jüdische heidnische Kultur trafen. Schon damals kam es dabei zu Diskussionen unter den Aposteln und Paulus.

Wir müssen hier sehen, dass der Koran – anders als die Bibel – direkt als Gotteswort konzipiert ist, das Alte und Neue Testament hingegen in Form von Berichten und Poesien verfasst ist, in die die Worte Gottes eingeflochten sind. Der Koran ist also eine Privatoffenbarung an eine einzelne Person. Die Worte wurden – ähnlich wie bei der Johannes-Apokalypse – von einem Engel überbracht oder eingeben.

Ein Vers in der Bibel ergibt nur dann einen Sinn, wenn er im Zusammenhang mit dem ganzen Text betrachtet wird. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man die Bibel einfach an einer beliebigen Stelle aufschlägt. Natürlich sind manche Abschnitte der Bibel schwer zu verstehen, weil viele Jahrhunderte zwischen damals und heute vergangen sind und wir die beschriebenen Bräuche und das Umfeld als fremd empfinden.

Auf der anderen Seite wurde der Koran, der aus 114 Kapitel (Suren) und 6.243 Versen als Gotteswort besteht, auf ein Ereignis hin offenbart, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen. Man muss den historischen Kontext und die damaligen politischen Umstände kennen, um ihn richtig zu interpretieren.

Man muss den Koran aus den Gegebenheiten der Zeit heraus sehen.

 

Das evangelische Institut für Islamfragen ist ein Netzwerk von Islamwissenschaftlern und wird von den Evangelischen Allianzen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz getragen.

Frau Dr. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Prolog folgende Sätze:

„Heute ist unter Muslimen die Auffassung, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, längst Allgemeingut. Man geht davon aus, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament ursprünglich wahre Offenbarungen Gottes waren, im Laufe der Zeit jedoch von Menschen verändert und verfälscht wurden. Andere Bezeichnungen von früher zu den Menschen gesandten Schriften sind präziser. So nennt der Koran sowohl die Tora (arab. taurâh) als auch das Evangelium (arab. injîl) beim Namen. Das Evangelium wird insgesamt zwölfmal im Koran erwähnt. Was meint allerdings der Koran mit dem Evangelium? Letztlich bleibt unklar, ob er damit vor allem die Erzählungen von Jesus meint oder eines der vier Evangelien, alle vier Evangelien zusammen oder etwa das ganze Neue Testament. Interessanterweise wird im Koran der Wert früher überlieferter Bücher wie auch des überlieferten Evangeliums zu Beginn von Muhammads Offenbarungen nirgends grundsätzlich in Frage gestellt, sondern vielmehr positiv hervorgehoben. Erst später taucht im Koran der pauschale Vorwurf der Schriftverfälschung auf.“ 

Die Sumerelogin Frau Prof. Dr. Cig beschrieb folgende Bedeutungen des Kopftuchs:

„In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen, zu den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer `öffentlichen Frau` wurden. Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken. Viel später – erst ca. 1600 v. Chr.- führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die `öffentlichen Frauen`, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden. Laut Cig, die viele Werke zum Thema schrieb, tauchte auch der Turban zum ersten Mal bei den Sumerern auf. Er wurde später vom Judentum, Christentum und danach von der arabischer Kultur und somit von Islam übernommen. Frau Cig betonte, dass der Turban eigentlich nichts anderes sei, als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung übernommen hätte.

Jetzt gehen wir zurück zum Thema Kopftuch, und diesmal im Bezug auf dessen Funktionalität und historische Aspekte. Wir fragen uns, was das Kopftuch ist, wozu es dient, seit wann es getragen wird, und inwiefern das Tragen eines Kopftuches eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention ist, und wie sich dieses Phänomen im Laufe der Zeit verändert hat, so dass es zu einer der zentralen Fragen bezüglich Religionsfreiheit und Frauenrechte entwickelt geworden ist.

Muazzez Ilmiye Cig, die 96 jährige türkische Sumerologin und Historikerin, hat ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen erforscht, und herausgefunden, dass das erste Kopftuch in der Geschichte von den Sumerern getragen wurde. Wie wir es in unserer Ausgabe mit der Coverstory „Christentum stammt aus der Türkei?“ auch kurz geschildert hatten, waren es die Sumerer, ein mesopotamisch südanatolisches Volk, das 3.000 Jahre v. Chr. gelebt hat, die ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendet hatten.

„Der Turban/Kopftuch taucht zum ersten Mal bei den Sumerern auf“, meint die Sumerologin Muazzez Ilmiye Cig. „In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen, den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer ‚öffentlichen Frau‘ (Prostitution) wurden.

Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken.“ Weiters fügt sie hinzu: „Viel später – erst ca. 1600 v. Chr.- führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die `öffentlichen Frauen`, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden.“ Laut Cig, die viele Werke über das Thema geschrieben hat, sei der Turban „geboren“ von Sumerern, später vom Judentum, Christentum danach von arabischer Kultur und damit von Islam übernommen. „Eigentlich ist der Turban nichts anderes als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung übernommen hat“, so Cig. Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus einem Interview mit Frau Prof. Dr. Cig:

Die Sumerer, Tempelwirtschaft und Koptuch 

„Als Sumerer bezeichnet man ein Volk, das im Gebiet von Sumer im südlichen Mesopotamien im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte.

Die Sumerer gelten derzeit als erstes Volk, das den Schritt zur Hochkultur geleistet hat.

Besonders die Erfindung der Keilschrift, die quasi als eine Urvorlage der heutigen europäischen Schriften gelten kann, gilt als hervorragende Leistung der Sumerer, die zusammen mit der Erfindung der Bürokratie und künstlicher Bewässerung hier ihren Anfang nahm.

Die Herkunft der Sumerer ist bis heute nicht endgültig geklärt. Es gibt in der Wissenschaft zwei Thesen zur Herkunft der Sumerer. Die eine geht davon aus, dass die Sumerer eingewandert sind; dies wird an einer entfernten Ähnlichkeit zu agglutinierenden Sprachen wie Ungarisch, Finnisch und Türkisch festgemacht, deren Ursprung in den Uralsteppen gesehen wird und damit auch die Heimat der Sumerer wäre.

Die Erforschung der sumerischen Kultur erfolgte immer zusammen mit den anderen mesopotamischen Kulturen. Das liegt an der Charakteristik der Ruinenhügel, auch Tells genannt. Die Kulturen des Vorderen Orients pflegten die Orte nach Zerstörung, nach Eroberung, aber auch nach gewissen Zeiten teilweise oder auch vollständig einzuebnen und darauf eine neue Ebene zu erbauen.

Deswegen kommt es vor, wie z. B. in Ninive, dass die obersten Schichten mittelalterliche Ruinen bergen und die unterste Schicht bis in die Zeit 5000 v. Chr. und weiter zurückreicht. Ein wichtiger Punkt in der Geschichte der Sumerer ist die Wirtschaft und speziell die Tempelwirtschaft. So arbeitete nicht jeder für sich alleine auf seinem Feld, sondern er tat es für die Allgemeinheit bzw. für den Tempel, der die Ernte sammelte und verwaltete.  Diese Art der Vorratshaltung brachte verwaltungstechnische Probleme mit sich, an dessen Ende für die Sumerer die Erfindung der Schrift stand. In der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie bezeichnet Tempelwirtschaft unter anderem eine geschichtswissenschaftliche These, dergemäß im sumerischen Mesopotamien jede ökonomische Tätigkeit auf die Tempel ausgerichtet gewesen  sei. (  Ursula Seidl: Ein Monument Darius‘ I. aus Babylon, In: Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie 89 (1999),S. 101–114.)

Frage: „Also, Frau Cig, bitte klären Sie uns einmal über das viel umstrittene Thema auf: Wer bei den Sumerern hat sich wieso bedeckt?“
Cig: Bei den Sumerern hatte jeder Gott ein eigenes Haus, sozusagen einen Tempel. In diesen Tempeln beteten die Menschen ihre Götter an. Es war allerdings nicht vorgeschrieben, was sie für die Götter tun sollten. Alle definierten die Art zu beten für sich selbst und praktizierten ihr eigenes Gebet.

Frage: „Waren diese Tempel also eine Art Häuser eigenen Gewissens?“
Cig: Genau, diese Tempel waren Orte, wo Menschen mit ihrem Gewissen alleine bleiben konnten. Sie waren in ihren Gebeten freier als in den heutigen Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Sie sangen oder tanzten, um die Götter zufriedenzustellen. Unter den Betenden waren auch Ordensfrauen. Manche von ihnen wurden eben zu diesen `öffentlichen Frauen`.

Frage: „Was bedeutet das Wort ‚öffentliche Frau‘ genau?“
Cig: Das waren die Frauen, die die Aufgabe hatten, Geschlechtsverkehr zu praktizieren, aber sie waren keine Prostituierten, denn sie verlangten kein Geld. In den Tempeln gab es sogenannte Liebesräume, wo die öffentlichen Frauen den Jugendlichen Sexpraktika beibrachten. Im Gilgamesch-Epos gibt es eindeutige Hinweise darauf. Um dem Mann, der im Wald unter Tieren aufgewachsen ist, Menschlichkeit beizubringen, wurde eine Ordensfrau aus einem Tempel bestellt und sie lernte ihm, wie man spricht, isst und Geschlechtsverkehr hat. Diese öffentlichen Frauen wurden bei den Sumerern als weise Lehrerinnen betrachtet. Während sie dieser heiligen Aufgabe nachgingen, opferten sie sich vollständig im Namen der Götter auf. Eigentlich war die Jungfräulichkeit bei den Sumerern schon ein Thema. Die Tatsache, dass die öffentlichen Frauen trotzdem Geschlechtsverkehr haben durften, zeigt, wie heilig diese Aufgabe wirklich war.

Frage: „Woher weiß man, dass die Jungfräulichkeit ein Thema war?“
Cig: Laut alter Tafeln bekam eine Frau, die vor der Heirat als Jungfrau galt, bei der Scheidung Schadenersatz.

Frage: „Warum trugen die `öffentlichen Frauen` ein Kopftuch?“
Cig: Damit man sie von anderen Ordensfrauen in den Tempeln unterscheiden konnte. Zum Beispiel trugen die Prostituierten auch kein Kopftuch. Das ist das spezielle Symbol der öffentlichen Frauen in den Tempeln und somit das erste Kopftuch in der Geschichte.

Frage:
 „Wie ging es dann weiter?“
Cig: Viel später führten die Assyrer im 16. Jahrhundert vor Christus plötzlich die Kopfbedeckung für verheiratete und verwitwete Frauen ein. Der Sinn dahinter war, dass man zeigen wollte, dass auch diese Frauen legalen Geschlechtsverkehr haben.

Frage: „Heißt das, dass eine Frau mit Kopftuch sich als Nichtjungfrau geoutet hat?“
Cig: Ja, ganz genau! Aber viele Gläubige missverstehen diese Tatsache. Sie denken, ich würde behaupten, dass die Prostituierten das erste Kopftuch in der Geschichte getragen hätten.  Aber weder die öffentlichen Frauen bei den Sumerern noch die verheirateten und verwitweten Frauen bei den Assyrern waren Prostituierte.

Frage:
 „Also diente das Kopftuch einer Frau eigentlich schon vor tausenden Jahren, d.h. vor dem Islam bzw. Judentum und Christentum, einfach dazu, ihren Status zu zeigen?“
Cig: Das ist auf den Punkt genau was ich sagen möchte. Sogar nicht ich, sondern die Geschichte sagt das. Weder ergänze ich die Tatsachen noch interpretiere ich sie. Ich erzähle nur die wissenschaftlichen Fakten.

Also, wie man sieht, ist das Tragen eines Kopftuches eine ganz alte Tradition des mittleren Osten und des mesopotamischen Raums.

Was die Verhüllung und das Tuch im Islam betrifft, ist es reine Interpretationssache, wie man die oben erwähnte Sure „Nur“ auslegt.

Viele Hermeneutiker, aber auch viele Theologen sind der Meinung, dass mit dem Bedecken von „Scham“ und „Schmuck“ Geschlechtsorgane, Busen etc. gemeint sind, und es gibt weder direkt, noch indirekt einen Hinweis darauf, dass der Kopf der Frau mit einem Tuch voll verschleiert werden soll.

Im geschichtlichen Verlauf wurden aber in fast allen Religionen einige sittliche und gesellschaftliche Konventionen in das heilige Wort Gottes hineininterpretiert. Dadurch blieben gewisse gesellschaftliche Rollen und Positionen und damit Machtverhältnisse erhalten. Es stimmt allerdings nachdenklich, dass sehr alte Auslegungen und Interpretationen, sowie die Interpretationswahrnehmung dritter Personen, die sich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, heute zu ungerechtfertigten Belästigungen und politischer Instrumentalisierung führen und in Gestalt der „Kopftuchdebatte“ ein gesellschaftspolitisches Problem konstruieren.

„Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen. Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll.

Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion! In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien. Die Intelligenz der Muslime ist in Ketten gelegt.

Es ist deswegen falsch zu behaupten, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“. (Soheib Bencheikh, EX- Großmufti von Marseille, Zur Zeit)

Wir hoffen, dass alle diese Argumente gerade noch ausreichend sind…


Fazit: Im Koran sucht man das Kopftuch vergeblich! Burka, Burkini, Bushija, Hijap, Chador(Abaya) und Nigab sowieso…

Quellen: Der Koran, Die Bücher der größte islamischer Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (gestorben 1938) und Die Bücher von Prof. Dr. Yasar Öztürk, Hasan Hanefi (Agathen), Ali Seitab (Iran), Mehmet Akif (Türkei)

 

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20 02 2018
By: TKG 0

Muslimischer Antisemitismus? EU-Katharina Schnurbein: „Es ist immer einfach, von einer Seite auf die andere zu zeigen“

Papst Franziskus: „Die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten“

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) bedankt sich bei Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus.

Katharina von Schnurbein verwehrt sich dagegen, dass bestimmte Parteien beim Antisemitismus nur auf Muslime zeigen. „Jede Form von Antisemitismus ist inakzeptabel. Es ist immer einfach, von einer Seite auf die andere zu zeigen“, sagt Katharina von Schnurbein, die Koordinatorin der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus. Damit weist sie im Gespräch mit dem KURIER von 20.02.2018 die Annahme zurück, dass die Gefahr des muslimischen Antisemitismus wesentlich größer sei als rechter oder linker Antisemitismus.

Vor islamisch (moslemisch) motivierten Antisemitismus warnen derzeit besonders rechte und rechtsextreme Parteien die wir  ernst nehmen und infolgedessen   wie folgt Stellungnehmen:

 

Islamisch (Moslemisch) motivierten Antisemitismus ? 11 Punkte 

Historiker Wolfgang Benz und ehemaliger Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin zu Antisemitismus und politischen Kampfbegriffen

1-Pauschale Ressentiments gegen alle Angehörigen einer Religionsgemeinschaft, die mit einer abscheulichen, aber insgesamt winzigen Minderheit von militanten Fanatikern und Terroristen gleichgesetzt werden, erklären das Problem nicht. Sie vergrößern es vielmehr, weil sie darauf zielen, die Mehrheit der Muslime – die sich energisch von Islamisten und Dschihadisten distanziert – in die Solidarität mit den Fanatikern zu drängen. Dann hätte die Denunziation ihr Ziel erreicht.

2-Das neuerdings so gern beschworene „christlich-jüdische Abendland“ entbehrt jeder historischen Realität und taugt nur als politischer Kampfbegriff, mit dem „Islamkritiker“ das Menetekel(„unheilverkündendes Zeichen“) einer Invasion gefährlicher Muslime beschwören. Muslimischer Antisemitismus ist nicht genuin(angeboren), sondern politisch, er wurzelt im jungen arabischen Nationalismus. Auch dieser ist ein Import aus dem Westen.

3-Das Konstrukt einer dem Islam wesenseigenen Judenfeindschaft entstammt dem Bedürfnis, auf ein politisches Ressentiment mit gleichen Mitteln zu reagieren. Der gebotenen Verurteilung von Beleidigung, Hass und Mord oder sonstigen Manifestationen der Judenfeindschaft steht die notwendige Differenzierung nicht im Wege

4-Wenn junge Muslime auf den Straßen deutscher oder Österreich Großstädte antijüdische Parolen grölen, wenn Hassprediger gegen die Existenz Israels wüten, wenn Schüler „Jude“ als Schimpfwort gebrauchen: Gegenüber Antisemitismus, in welcher Form er sich auch äußert, kann es in einem Land keine Toleranz geben, dessen Gesellschaft Lehren aus der Geschichte des Holocaust zu ziehen versucht und die Erinnerung an den Judenmord als Element seiner politischen Kultur versteht

5-Der Rechtsstaat hat Möglichkeiten, Übergriffe zu verhindern und zu ahnden. Noch wichtiger ist Prävention durch Bildung und Aufklärung. Dazu gehört auch der rationale Umgang mit dem Antisemitismus von Muslimen. Selbstgerechtigkeit, die in Flüchtlingen nur Sendboten eines islamischen Ansturms auf Europa sieht, wie die Populisten der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die damit den Zulauf Geängstigter bewirken, löst kein Problem, lenkt allenfalls vom Rassismus und der Judenfeindschaft in den eigenen Reihen ab.

6-Fanatiker und Fundamentalisten aller religiösen, politischen oder kulturellen Couleur sind gefährlich, weil sie für rationale Argumente und differenzierte Weltsicht unerreichbar und damit für vernünftige Konfliktlösungen unzugänglich bleiben. Das gilt nicht nur für Muslime, die Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbrauchen, sondern auch für Aktivisten, die sich mit der Denunziation durch Feindbilder begnügen, die mit dem Konstrukt eines genuin muslimischen Antisemitismus, das heißt einer aus dem Islam theologisch abgeleiteten Judenfeindschaft, Stimmung machen.

7-Tatsächlich ist aber der christliche Antijudaismus leider das Vorbild für muslimischen Antisemitismus. Kirchenväter in der Spätantike erfanden ihn, um den Missionsauftrag des Christentums zu rechtfertigen. Abt Hieronymus von Bethlehem nannte im 4. Jahrhundert die Juden Gottesmörder und setzte damit ein stereotypes Ressentiment in Kraft, das die katholischen Kreuzzüge und die evangelische Wut Martin Luthers überdauerte und in der Volksfrömmigkeit nicht nur der orthodoxen Kirche vital ist.

8-Die Feindschaft von Muslimen gegen Juden ist nicht im Koran begründet wie der Antijudaismus der Christen im Neuen Testament. Der Antisemitismus von Muslimen generiert sich aus politischer Solidarität, richtet sich gegen Israel und äußert sich mit den stereotypen Argumenten und Klischees eines Rassismus, der im 19. Jahrhundert den Antisemitismus hervorbrachte. Dessen Wurzeln findet man in Europa, in Deutschland, Österreich-Ungarn, in Frankreich und Russland.

9-Religiöse Vorbehalte, fixiert in Legenden, Verschwörungsfantasien und Phobien gegenüber dem vermeintlichen Streben der Juden nach Weltherrschaft sowie Neid gegen deren ebenso vermeintlichen Reichtum und Einfluss, waren der Nährboden für die Ideologie des pseudowissenschaftlich aufgemachten „modernen Antisemitismus“, die in der Katastrophe des Judenmords kulminierte.

10-Der aktuelle Antisemitismus von Muslimen beruht auf der Revitalisierung solchen Rassenwahns aus politischem Grund. Die Überzeugungen und die benutzten Argumente, wie die „Protokolle der Weisen von Zion“, kommen aus den Arsenalen der europäischen Judenfeindschaft. Das zu wissen ist die unerlässliche Voraussetzung, muslimischem Judenhass entgegenzutreten. Eine politische Lösung des Nahostkonflikts ist die andere ebenso unerlässliche Prämisse.

11-Die jahrhundertelange Ausgrenzung der Juden durch die christliche Mehrheit des Abendlandes war ausdrücklich mit deren Religion begründet und eifernde Prediger erklärten, dass der Talmud die Juden zu bösem Tun und zum Schaden der Mehrheit verpflichte. (Heute statt Talmud ist Koran gekommen) Neue, nicht weniger ahnungslose und zielstrebige Koranexegeten behaupten nun, die Religion gebiete den Muslimen Schandtaten gegen Ungläubige, wie auch den Hass gegen Juden. Stimmt aber nicht. Das glauben viele gern, weil es entlastet, Schuldige definiert und die eigenen Ressentiments vergessen lässt.

„Christlich-Jüdische Tradition“ als Kampfbegriff

Der Kulturkampfbegriff der „christlich-jüdischen Tradition“ des Abendlandes klingt nüchtern betrachtet und untersucht wie eine Farce die man gerne verwendet! Die römisch-katholische Kirche verwendet es korrekterweise de facto fast nicht aber der niederländischer rechtspopulist Geert Wilders Geerd Wilders immer .Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce die auch Niederwimmer verwendet!

Was sagt der Zentralrat der Juden in Deutschland ?

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands. So kann man auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland Folgendes lesen: „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt. Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.“

Der Journalist und Publizist Heribert Prantl schreibt in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.So innig wie heute war die Beziehung zwischen Christen und Juden in Deutschland noch nie. Die neue Innigkeit ist nicht von Theologen und Pastoralklerikern ausgerufen worden, sondern von Politikern. Im Jahr 72 nach der Reichspogromnacht haben sie etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift, sondern den Triumph des Neuen über das Alte Testament gepredigt. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wird eine neue Kategorisierung der Minderheiten propagiert (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin): in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Weil aber dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum beachtet wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“

Eine Erfindung der europäischen Moderne ?

Es können viele historische Beispiele angeführt werden, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen. Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

 

Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht

Aus jüdischer Sicht muss es wie ein Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von christlich-jüdischer Tradition sprechen. Der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung christlich-jüdisch ebenso ab: „Sicher teilen Juden und Christen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch ganz nett, wenn Politiker weniger bedenkenlos von den ‚christlichen Zehn Geboten’ reden würden als in der Vergangenheit. Doch 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Christen haben ihn jahrhundertelang ignoriert, verfemt und immer wieder verboten. Jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen belegt: Dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töten und zu Mazze-Broten verarbeiten und an Pessach genüsslich verspeisen.“

 

„Die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten“

Papst Franziskus appellierte  am 4.Juni.2013 an die Christen, keine „sozial korrekte“ Sprache zu gebrauchen.

Papst Franziskus fügt hinzu folgende bewegende Worte„ Dies ist die Sprache der Korruption, die Scheinheiligkeit. Wenn Jesus zu seinen Jüngern spricht, so sagt er zu ihnen: „Eure Sprache sei: Ja, ja! Nein, nein!“. Die Scheinheiligkeit ist keine Sprache der Wahrheit, weil die Wahrheit nie nur für sich steht. Nie! Sie geht immer mit der Liebe einher! Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe. Die Liebe ist die erste Wahrheit. Wenn es keine Liebe gibt, gibt es keine Wahrheit. Diese Menschen wollen eine Wahrheit, die sie zum Zweck ihrer eigenen Interessen versklavt haben. Man kann sagen, auch hier gibt es eine Art Liebe: aber es ist eine Liebe zu sich selbst und für sich selbst. Diese narzisstische Vergötterung verführt sie dazu, andere zu betrügen, zu dem Missbrauch des Vertrauens. Denken wird heute gut darüber nach: Was ist unsere Sprache? Sprechen wird in Wahrheit, mit Liebe, oder sprechen wir ein bisschen mit dieser sozial korrekten Sprache, schöne Dinge sagend, die wir aber nicht fühlen? Möge unser Sprechen heilsbringend sein, Brüder und Schwestern! Diese Scheinheiligen, die mit Schmeichelei, Verlockung und all diesem sprechen, enden damit, sich Zeugen zu suchen, um diejenigen, denen sie zuvor noch geschmeichelt haben, zu beschuldigen. Bitten wir heute den Herrn darum, dass unser Sprechen ein einfaches Sprechen sei, das der Kinder, ein Sprechen als Kinder Gottes, ein Sprechen in Wahrheit in Liebe.“

Jesus sagt: „Wer Wichtiges zu sagen hat, der/die soll ein klares Ja oder Nein sagen, mehr nicht. Alles andere ist zu viel bzw. Übel“. 

Ja! Wir müssen noch ehrlicher miteinander umgehen weil die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten.

DI Birol Kilic

Türkischen Kulturgemeinde Österreich
Obmann

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19 01 2018
By: TKG 0

TKG verbeugt sich vor der großen Österreicherin

„Heimat der großen Töchter und Söhne“ hat eine große Tochter verloren.

Wien (OTS) – Mit tiefer Betroffenheit reagierte Birol Kilic, Obmann der Türkische KULTURgemeinde(TKG) in Österreich, auf das Ableben der Humanistin Ute Bock:

Ute Bocks Name steht für Menschlichkeit. In Ute Bocks Haus in der Zohmanngasse wurde niemand abgewiesen, egal woher er oder sie stammte. Anfang der neunziger Jahre waren es vor allem Kinder aus Gastarbeiterfamilien, unter anderem auch aus der Türkei, die von verschiedenen Institutionen zu Ute Bock geschickt wurden. Vielen Dank Ute Bock. Ihr Mut und Ihr Eintreten für Solidarität in der Gesellschaft macht Sie unvergessen in den Herzen der Menschen. Wir haben als Austrotürken die österreichische Bundeshymne mit folgenden Worten gelernt: Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich! Heimat großer Töchter und Söhne,…. Heute hat unsere neue Heimat Österreich ohne Zweifel eine große Tochter verloren. Türkische KULTURgemeinde Österreich(TKG) verbeugt sich vor der großen Österreicherin Ute Bock.

 

Quelle:

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140803_OTS0026/tuerkische-kulturgemeinde-tkg-beileidsbekundung-fuer-die-parlamentspraesidentnin-frau-mag-barbara-prammer

Bild: Veren Ute Bock

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22 12 2017
By: TKG 0

TKG: „Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr“

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr 2018!

Wien  – Wir alle sind Menschen mit Heimat und Gesinnung und nicht bloß Namen oder Nummern auf einem Ausweis! Weihnachten ist ein Fest, welches von Gläubigen, weniger religiösen und nicht religiösen Menschen gleichermaßen  gefeiert wird. Kaum jemand kann sich den Festlichkeiten im intimen Familienkreis oder bei Freunden entziehen. Auch nicht alle aber zehntausende Menschen aus der Türkei in Österreich. Wir freuen uns genauso. Weil die besinnliche Stimmung viele Menschen aus der Türkei die Ihre „Neue Heimat“ als Österreich sehen auch sehr berührt und Freude bereitet.

Auch im neuen Jahr wollen wir das Gemeinsame vor das Trennende stellen, nicht nur in religiösen, sondern auch in politischen und alltäglichen Angelegenheiten und Fragestellungen weil die Werte Europas glauben wir sind stärker als Hass und Gewalt.

Die „Urtürken“ und der Tannenbaum- Nardogan Fest immer am 22.12

Die renitente 93-Jährige ist Altertumsforscherin Prof. Dr. Muazzez Ilmiye Çig behauptet sogar die Ursprünge des Weihnachtsbaumes in der zentralasiatischen Steppe ausfindig gemacht haben. Vor langer Zeit, so schreibt sie, laut Spiegel Bericht „huldigten dort die Vorfahren der Türken einem Gott, den sie Ulgen nannten. Dieser Gott trug einen langen Bart und einen langen Mantel, und er wohnte in einem glitzernden Palast im Himmel. Erreichen konnte man den Palast nur über einen gewaltigen Baum, der vom Mittelpunkt der Erde bis hin zu den Sternen ragte. Um Ulgen für die Wintersonnenwende zu danken, richteten ihm die Urtürken jedes Jahr am 23. Dezember ein großes Fest aus. Nun musste Ulgen irgendwie ihre Gebete erhören. Also beschmückten die Menschen einen Baum mit kleinen Schleifen, wobei jede Schleife einen Wunsch symbolisierte. Und dann luden sie ihre Verwandten ein, sangen und tanzten um den Baum. Ein Brauch, den später die Hunnen auf ihren Kampfrössern nach Europa brachten, wo ihn alsbald die Christen übernahmen. Eine interessante Theorie. Deswegen Lametta und Lichterketten überall in Istanbul. In Istanbul lassen sich auch konservative Muslime sogar  von der globalen Weihnachtsstimmung anstecken. Zumal die Festtanne wie oben beschrieben eh eine Erfindung der „Urtürken“  ist, sagt die renitente Altertumsforscherin Muazzez Ilmiye Çig.“
    

 

Frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr!

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

PS: Titelfoto Bauerwilli

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09 11 2017
By: TKG 0

TKG -Gedenktag : 9.November- „Light of Hope“

Heute gedenken wir  als Türkische KULTURgemeinde auch den Opfern der Novemberpogrome.

Allein in Österreich wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 insgesamt 30 Juden getötet, 7.800 wurden verhaftet und rund 4.000 ins KZ Dachau deportiert.  Alle Synagogen wurden verwüstet, die allermeisten komplett niedergebrannt. Auch die Türkische Tempel in der Zirkusgasse 22 in Wien.

In der Zirkusgasse 22 befand sich bis 1938 der Hauptsitz der sephardisch-türkischen Gemeinde in Wien. 1885 bis 1887 ließ diese an der Stelle eine Synagoge errichten. Sie wurde während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört.

Heute Abend erinnert die jüdische Jugend Wiens, gemeinsam mit Studierenden der Uni Wien, beim Fackelzug „Light Of Hope“ an die Ereignisse vor 79 Jahren. Um 18 Uhr geht es  beim Stadttempel los, über das Juridicum führt der Weg zur Schlusskundgebung am Judenplatz.

Die Türkische KULTURgemeinde mit  dem Vorstand wird auch dabei sein.

Informationen:

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN

http://www.turkischegemeinde.at/die-geschichte-der-tuerkischen-juden/

 

DIE WIENER TÜRKISCH-ISRAEILITISCHE GEMEINDE UND SYNAGOGE
http://www.turkischegemeinde.at/die-wiener-tuerkisch-israeilitische-gemeinde-und-synagoge/

 

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Tempel

 

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02 10 2017
By: TKG 0

TKG: Alle von Auslandsparteien direkt oder indirekt abhängige Gebetshäuser schließen!

Herzliches Ja  zu Glauben und Religion in Österreich!
Nein zu exportierten „politisierten Glauben“ und „politisierte Religion“ egal aus welchen Land in der Welt. Die Republik Österreich kann nicht als Selbstbedienungsladen anderer Regierungen bzw. politischer Parteien aus anderen Ländern dienen.

Wien (OTS) – Laut einem aktuellen Forschungsbericht über Wiener Moscheen muss man die Spreu vom Weizen trennen. Laut Medienberichten erfahren wir, dass mehr als ein Drittel der untersuchten 16 Moscheevereine aktiv gegen die Integration der Muslime in die Gesellschaft wirken.

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) sieht die Republik Österreich als ein liberal demokratisches Staatswesen, das auf Werten und Prinzipien beruht, die nicht zur Disposition stehen. Noch wichtiger ist, dass sich die Republik Österreich als eine rechtsstaatliche und auf Gewaltenteilung sehr bedachte Kultur nach dem 2. Weltkrieg entwickelt hat und infolge dessen ist diese identitätsbildende Prägung Österreichs und seine Rechtsordnung zu respektieren, egal woher man stammt.

Die Spreu vom Weizen trennen bedeutet für die TKG wie folgt:

Welche Politischen Parteien, Firmen, Staaten und politischen Persönlichkeiten stecken hinter den Moscheevereinen gestern (ab 1980) und heute?

Das ist der springende Punkt.

In Österreich werden seit Jahren unter dem Vorwand NGO-„Non Government Organisation“ (Verein/Verband) Politische Parteien aus dem Ausland als Moscheevereine gegründet, die das österreichischen Vereinsgesetz und das Religionsgesetz seit Jahren missbrauchen und de facto einen Staat im Staat bilden wollen.

Hier haben auch einige politische Parteien bis jetzt große Fehler gemacht, wo man endlich die Spreu vom Weizen trennen muss, aber trotzdem versucht man hier durch Vernebelung und Manipulation (Fake News) die Problematik in die Sackgasse zu schicken bzw. zu hetzen.

Nicht nur das: Die oben genannten politische Parteien aus dem Ausland, die eigentlich de facto Fleisch gewordene Vertreter des „Politischen Islam“ (Politisierter Religion/Glaube) sind, nehmen alle 700.000 Moslems in Geiselhaft, als wären ob Sie die gewählten Vertreter dieser Menschen. Der Glaube ist keine Hautfarbe! Die Moslems und insbesondere Menschen aus der Türkei (300.000 Menschen in Österreich) sind sehr verschieden in Auffassungen wie es auch alle Österreicher sind.

1) Der Weizen ist hier:  Alle Moscheevereine, die für die Integration der Gemeindemitglieder mit der oben beschrieben Auffassung transparent arbeiten, sollten unterstützt werden. Unterstützung bedeutet für uns, dass die Moscheevereine von allen politischen Parteien aus dem Ausland zu 100 befreit werden und als Bildungszentralen für die nächsten 50 Jahre etabliert werden.  Wir brauchen gebildete Menschen. Kein fremder Staat darf sich in die Religionsangelegenheiten in Österreich weder politisch noch gesellschaftlich, finanziell noch parteipolitisch einmischen.

2) Die Spreu ist hier: Diejenigen Moscheevereine aus dem Ausland die der  verlängerte Arm oder 5. Kolonne bzw. Rückzugsgebiete für politische Parteien sind, müssen dringend aufgrund der staatlichen Räson und für das Zusammenleben mit allen Bevölkerungsgruppen ausnahmslos geschlossen werden.

Es kann nicht sein, dass zum Beispiel Parteien in der Türkei, die seit ihrer Gründung (1970) gegen die säkulare Verfassung des Landes gekämpft haben und sogar mehrmals wegen verfassungsfeindlichen Agierens verboten wurden, in Österreich als NGO (Verein/Verband) seit Jahren gegen die demokratische Grundordnung unter dem Vorwand der Religionsfreiheit und der Solidarität in allen Ebenen agieren. Und dabei der Öffentlichkeit das als Integration bzw. Partizipation in der Gesellschaft verkaufen.

Die neue Regierung ab 15. Oktober 2017 sollte dringend über ein neues Gesetz über das Verbot solcher Religionsmissbrauchsvereine (oben beschrieben) in Österreich vorbereiten, öffentlich diskutieren und verabschieden.

Die Republik Österreich kann nicht als Selbstbedienungsladen anderer Regierungen bzw. politischer Parteien aus anderen Ländern dienen.

Gilt für alle Religionsgemeinschaften

Alles was wir hier fordern, sollte auch für alle Religionsgemeinschaften (egal welche Religion) in Österreich gelten, die aus dem Ausland mit genau solchen Methoden arbeiten bzw. arbeiten wollen.

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20171002_OTS0214/tkg-alle-von-auslandsparteien-direkt-oder-indirekt-abhaengige-gebetshaeuser-schliessen

Türkische KULTURgemeinde in Österreich,

Obmann

Dipl.-Ing.Birol Kilic

 

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14 09 2017
By: Redaktion 3 0

TKG-Aufklärungsversuch: Was ist der Islam und was ist er nicht?

Eine Journalistin äußerte in einer österreichischen Tageszeitung einen Kommentar mit dem Titel „Kritik am Islam: Immunisieren statt Stillhalten“: „Wenn es von Indonesien über den Irak bis hin zu Österreich die verschiedensten Auslegungen gibt, wie Islam zu praktizieren sei, muss doch auch jedem klar sein, dass es in dieser Religion anschlussfähige Elemente gibt, die die Entwicklung eines radikalen Fundamentalismus erst ermöglicht haben. Insofern haben der Islam und die Anschläge von Paris sehr wohl etwas miteinander zu tun“. Publizist Todenhöfer (veröffentlicht 20.01.2015) stellt auf der anderen Seite fest: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“ Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Starke Worte!

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) 

Zusammengefasst von DI Birol Kilic

These: Ja zum Islam! Nein zurTheologie des Verachtens inkl. Scharia!

Diese Journalisten-Meinungen, denen wir durchaus Redlichkeit und gute Recherche zusprechen können, spiegeln ein essentielles Problem wieder ob man Sie mag oder nicht?  Der Islam besteht aus vielen Richtungen. Es ist daher aus unserer Sicht falsch, alle Muslime in einen Topf zu werfen. Was du nicht willst das man dir tut…das füg auch keinem anderen zu: z.B Pauschalisierung und Sataniesierung!

Der folgende Artikel soll mehr Licht in das, zum Teil auch inner-islamische, Problem der deutlichen Abgrenzung gegenüber den anderen Richtungen bringen.

Gerade aufgrund der Verunsicherung der Menschen sollten die Muslime offen an Diskussionen teilnehmen und sich nicht scheuen, Informationen über den „koranischen Islam und den mohammedanischen Ethos weiterzugeben. Viele Muslime – und hier beginnt meine interne Kritik – können das nicht, denn sie sind in einem Sumpf aus manipuliertem, mutiertem Glauben, den wir „Theologie der Verachtung“ und „Theologie der Gewalt“ nennen, gefangen, der mit dem koranischen Islam und der mohammedanischen Lehre nichts zu tun hat. Es geht  hier um sachliche, fundiert argumentiere Kritik mit profunden nüchternen Wissensvermittlung und nicht um rüde Anwürfe und pauschale Verunglimpfungen.

 

Was ist der koranische Islam? Ist er der wahre Islam?

Der koranische Islam und die mohammedanische Lehre verlangen zuallererst die Nutzung des Verstandes und fordert zum Lesen („ikra“) auf. Genauso fordert der koranische Islam, dass man sich an die jeweilige Zeit und den Ort der Zivilisation und den menschlichen Errungenschaften anpassen muss. Es ist also geboten, dass der Muslim und die Muslima sich an die Rahmenbedingungen eines Staates oder einer Gesellschaft anpassen sollen.  Gilt auch in Österreich. Das heißt nicht, dass man sich assimilieren soll oder seine religiöses Bekenntnis verbergen muss. Als verbindlich sind die regionalen Gesetze, die Verfassung, die Kultur und die jeweiligen Gegebenheiten zu sehen, die sich im Laufe der Jahrhunderte dort etabliert haben. Hier in Österreich:  Die Österreichische Bundesverfassung. Die Verfassung eines Staates ist als Grundlage des gesamten Rechts und Rahmen seiner Politik von höchster symbolischer wie praktischer Bedeutung.

Es ist uns daher ein Anliegen, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ aufzufächern und zu klären. Sie werden in diesem Artikel keine Beschönigungen und keinerlei Dialog-Versuche finden. Wir werden auf den Koran, die für uns einzige verbindliche Quelle unseres Glaubens, eingehen. Mit diesen Erläuterungen wollen wir für Aufklärung sorgen.

 

Wir wissen, dass es gewagt und gefährlich ist, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ öffentlich zu diskutieren. Denn vielen Moslems, die nicht unsere Ansicht vertreten, wird das nicht gefallen. Es wird auch vielen Politikern in Österreich und im Ausland nicht gefallen, da wir sie damit enttarnen.

 

Die Kommentatorin, die wir anfangs erwähnt und zitiert haben (siehe oben) hat hier Recht und Unrecht.

Unrecht hat Sie deswegen, weil sie zwischen dem „koranischen Islam“ und einer später erfundenen, brutalen und faschistischen Theologie keinen Unterschied macht. Man muss, um das Thema zu verstehen, weit in die Geschichte des Islams zurückgehen und dessen theologische und pseudo-theologische Strömungen untersuchen.

Der koranische Islam verabscheut Terror, Scheinheiligkeit und Unmenschlichkeit. Die faschistische Ideologie einer pseudo-islamischen Dogmatik ist dagegen gewaltbereit und gewaltverherrlichend.

 

Dabei ist zu unterscheiden, was der Prophet Mohammed als Prophet geoffenbart hat, nämlich göttliche Eingebungen, die ihm vom Engel Gabriel mitgeteilt wurden, und seinen Taten. Seine Taten wurden nach seinem Tode in den Hadithen zusammengetragen. Wir halten diese Hadithe nicht für zuverlässige Quellen über das Leben Mohammeds. Da es bereits in der Frühzeit über diese Hadithe zu offenen Kämpfen gekommen ist, die einen Aufzeichnungen verbrannt, die anderen mit Gewalt durchgesetzt wurden, endet hier unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit solcher Schriften.

 

Ausgehend von den Hadithen baut sich der „falsche Islam“ auf, ein Islam der nicht mehr das Gotteswort an erste Stelle stellt, sondern eben diese Hadithen. Und hier wird es menschlich, hieran knüpfen sich eine (falsche) Scharia und eine (falsche) Fiqh. In einer weiteren Stufe der Pervertierung fußen auf dieser  – eigentlich teuflischen – Lehre die grausamsten pseudo-islamischen Regime und Terrorgruppen von Al Qaida, Boko-Haram und IS.

„Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen. Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll.

Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion! In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien. Die Intelligenz der Muslime ist in Ketten gelegt.

Es ist deswegen falsch zu behaupten, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“. (Soheib Bencheikh, EX- Großmufti von Marseille, Zur Zeit)

 

Was wir heute in Syrien, im Irak, in Saudi Arabien und vielen anderen Ländern sehen, hat mit dem „wahren Islam“ nichts zu tun. Weil der falsche Islam den wahren Islam nicht aushalten kann, werden die „Ungläubigen“ massenweise umgebracht. Die „Ungläubigen“ sind in diesem Falle dann die Schiiten und Aleviten, die sich nicht einer menschlich konstruierten Pseudo-Religion unterwerfen wollen.

Was heute von den Medien eigentlich kritisiert wird, sind nicht der koranische Islam und der Prophet Mohammed, sondern eine künstliche Ideologie, die Bekenntnis-Merkmale und koranische Worte des Islams, wie z.B. „Allah’ u Ekber“ (arab. allāhu akbar; übersetzt „Gott ist am Größten / ist der Größte“ – Bedeutung hat Ähnlichkeiten mit „Halleluhja“, „Gott preisen, verherrlichen, ausrufen“), missbraucht und gleichzeitig alles, was der koranische Islam ausdrücklich verbietet, praktiziert. Nämlich Intoleranz, Gewalt und die Nichtnutzung des Verstandes und der Vernunft.

 

Das größte Opfer dieser faschistischen Ideologie ist zuerst der koranische Islam und der Prophet Muhammed selbst, der doch die Vielgötterei und die Unmenschlichkeit bekämpft hat. Der Koran ruft zur unbedingten Nutzung des Verstandes und der Vernunft auf und er ermahnt die Menschen warmherzig zu sein. Der Koran erinnert den Menschen daran, sein Vermögen und seine Liebe mit den Nachbarn zu teilen, egal welcher Religion, Sprache oder Nationalität man angehört. Es ist für uns Muslime schmerzlich, wenn dieser Gedanke der Nächstenliebe in der heutigen Wahrnehmung ganz untergeht.

 

Mittlerweile haben wir jetzt eigentlich eine faschistische Theologie, die seit Jahrhunderten auf der Arabischen Halbinsel und in den muslimischen Ländern durch – leider westliche – wirtschaftliche und politische Interessen direkt oder indirekt unterstützt wurde. Es tut natürlich weh, wenn man hier von einer faschistischen Theologie redet, weil viele dieser missbrauchten mohammedanischen Worte gerne mit dem koranischen Islam und Muhammed gleichgesetzt werden. Das geschieht entweder aus Unwissenheit oder mit bösen Absichten. Natürlich ist es schwierig sich Wissen darüber anzueignen – das bedeutet viel Geduld, viel Verstand, Vernunft, lesen, diskutieren und insbesondere sehr viel Leid und Tränen.

 

Auf den falschen Islam beziehen sich der IS, die Taliban und Boko-Haram

 

Wo liegt das Hauptproblem? Das Hauptproblem liegt in der korrumpierten, manipulierten und mutierten Islam-Theologie, die sich auf verfälschte Quellen und traditionelle Islam-Interpretationen stützt. Ihre Wurzeln finden sich in der umayyadischen Kalifen-Dynastie (Höhepunkt im 7. Jahrhundert). Wesentlich hierfür ist der 6. Kalif Yazid I. (reg. 680-683), er war Sohn des ersten Umayyaden-Herrschers Muawiya. Auf diese Strömung beziehen sich die Anhänger des IS (Islamischer Staat) in Syrien und im Irak, die Taliban in Afghanistan (Al Qaida) und die Boko-Haram-Islamisten in Nigeria. Sie gehören der sunnitischen Richtung des Islam an.

 

Eben dieser umayyadische Kalif Yazid I. bin Muawiya hat also, die von dieser Dynastie mitbegründete Theologie der Verachtung, der Gewalt und des Faschismus errichtet, und im Zuge dessen den Prophetenenkel Hussein und seine 72 Familienangehörigen in der Schlacht von Kerbela, die am 10. Oktober 680 beim zentralirakischen Kerbela stattfand, enthauptet. Und dabei handelte es sich um dasselbe grausame Niedermetzeln, das jetzt gerade die IS-Terroristen im Irak und in Syrien wieder durchführen. Yezid war ebenfalls Kalif und hat ebenfalls behauptet den Islam zu vertreten und den Weg des Propheten Muhammed zu verfolgen. Er hat die gesamte Familie des Propheten (zu der er selbst gehörte) bis auf eine Person umgebracht. Sie mussten brutalste Folter erleiden, indem sie beispielsweise tagelang ohne Wasser in der Wüste ausharren mussten. Die Enthauptung erlöste sie von dieser Folter.

 

Nicht nur das – dieser angebliche Kalif, der sich diese faschistische, umayyadische Theologie ab 680 n. Chr. zusammengezimmert hat, hat diese faschistische, umayyadische Lehre der Verachtung in die nächste Generation gebracht. Dies geschah durch das Niederschreiben von Hadithen, die eigentlich Verleumdungen des Propheten sind. Hadithe sind Niederschriften der angeblichen Aussprüche des Propheten Muhammed. Sie legten dem Propheten aber Sätze in den Mund, die beweisen sollten, dass die Umayyaden für das Paradies vorherbestimmt seien. Die Umayyaden-Herrscher ließen nur jene Hadithe zu, die ihnen ins politische Kalkül passten. Die anderen ließen sie verbrennen. Die Hadithe gelten für die sunnitische oder schiitische Mehrheit der Muslime als die wichtigste Schriftquelle neben dem Koran. Es gibt es unüberschaubare Menge an alter und neuer Literatur, die sich mit den Hadithen befasst und diese auslegt. So eine „Theologie“ kann nur Unglück bringen und kann man nur verachten.

 

Ihr wesentliches Merkmal ist nicht das Glück des Menschen, sondern seine Unterdrückung. Diese Lehre des „falschen Islam“ ist tatsächlich mit der Idee einer heutigen Demokratie, einer bürgerlichen und wirtschaftlichen Freiheit inkompatibel. Sie führt zur Theokratie ohne jedes Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Das heißt des Mannes, denn Frauen stehen in diesem Weltbild auf der untersten Stufe.

 

So eine Theologie, zum Islam uminterpretiert und feinsäuberlich verpackt, kann, neben Öl, ohne Probleme in alle Welt exportiert werden.

 

Die „Muslimische Welt“, das heißt die mächtigen Oligarchen, die Machthaber, die Despoten und Diktatoren, möchte diese Theologie nicht korrigieren und sich nicht davon distanzieren. Warum auch? Sie hat es sich in ihr gut eingerichtet. Sie möchte sich nicht auf die Seite der Armen schlagen und auf die Seite der Vernunft, des Verstandes und der Wissenschaft. Sie wollen keinen Koran-Islam.

 

Die Islamische Welt leidet in Wirklichkeit unter einem abgöttischen Götzendienst. Nach außen hin wird das Wort „Allah“ verwendet und mit ihren Bärten, Turbanen und ihren schönen Gebetshäusern geben sie sich den Anschein, als ob sie gottesfürchtig wären, obwohl Gott von ihnen nur eines verlangt: Lesen, die Benutzung des Verstandes und der Vernunft, die Anpassung an Zeit und Ort und zu teilen, was man hat. Wenn man nichts zum Teilen hat, dann sollte man zumindest das Wort „Salam“, als Friedenstifter, mit dem Nachbarn teilen.

 

Die Mehrheit der muslimischen Welt bekennt sich zu dieser Verstands-beleidigenden Theologie der Verachtung und Gewalt und sieht sie als ihre wichtigste Säule in der Interpretation des Islams. Durch die verbreitete, muslimische Theologie werden alle guten Werte der eigentlichen Friedensreligion Islam aus ihrer Kern-Botschaft, nämlich, dass die Religion für das Glück der Menschen und zur Verherrlichung Gottes da ist, absichtlich herausgerissen und manipuliert, nämlich insofern, als man behauptet, dass der Mensch für die Religion geschaffen wurde – so wurde und wird der Koran für dynastische, monarchistisch-faschistische Zwecke und in Form eines politisch instrumentalisierten Glaubens vorsätzlich missinterpretiert.

 

Der koranische Islam setzt ethisch und moralisch hohe Tugenden voraus, aus denen die Menschen zeit- und ortsgemäß ihr Leben, sei es innerhalb einer Demokratie, sei es in der Republik, in Frieden leben können. Und nicht umgekehrt, wo der Mensch zum Knecht eines Vielgötterglaubens wird, wo Menschenknochen und Steine als Vermittler zwischen Gott und dem Menschen stehen. Und das ist die Ursache dieses großen Dramas, das die islamische Welt gerade durchleben muss.

 

Das bringt uns zu der Frage, wie es im 21. Jahrhundert zu einer Radikalisierung des sunnitischen Islams kommen konnte. Was ist die Ursache und was war der Auslöser? Wir denken hier an Thesen, die der USA die Schuld geben. Alles Verschwörungstheorien? Tatsächlich geht es bei diesen Thesen immer um Erdöl, um Waffenlieferungen. Dahinter steht ein Vertrag der USA mit Saudi Arabien. Die Saudis liefern brav Öl. Die USA schützt dafür die Saudis, die Saudis kaufen dafür Waffen bei US-amerikanischen Waffenschmieden und lassen NATO-Stützpunkte auf ihrem Territorium zu. Die NATO spielt mit: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Polen etc. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass Öl in Dollar gehandelt wird. Es handelt sich um eine Win-Win-Situation. Zu Lasten der Bevölkerung – sowohl in den USA und in Europa – als auch zu Lasten der Glaubwürdigkeit der islamischen Lehre von Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

 

Es ist klar, dass dieser Deal, der zunächst nur auf einer wirtschaftspolitischen Ebene stattfand, irgendwann eine Gegenbewegung hervorrufen muss. So lange die USA nach Erdöl gieren, wird es nicht zu einer Änderung des Vertrages kommen. Solange wird auch die Spannung zwischen Wirtschaft, Menschen und Religion bestehen bleiben.

 

Tatsache ist, dass die Regierung Bush zur Legitimation des Krieges gegen Saddam Hussein gelogen hat. Bis heute wurde keine einzige Atomaufbereitungsanlage im Irak gefunden. Wieviele weitere Lügen nicht nur den kleinen Mann, sondern auch die mächtigsten Regierungschefs des Westens vorgegaukelt wurden, wird die Geschichte zeigen. Wir können es einmal dabei belassen.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine politische Lüge nicht ewig bestand hat, jedes Volk steht irgendwann auf, um die Despoten und Tyrannen abzustreifen. Meistens fließt dann Blut in Strömen. Da die Erdölindustrie mehr Geld hat, kann sie mit Waffengewalt die Aufstände unterdrücken. Wahrscheinlich wird dieses System bis zu letzten Tropfen Rohöl so weitergehen. Wir müssen auch ehrlich sein: Wir sind alle vom Rohöl abhängig. Deshalb das große Schweigen weltweit. Und ein Schuldiger ist schnell gefunden: der Islam, die Islamisten, der islamistische Terror.

 

Dahinter stehen aber Menschen und wir können nun etwas besser verstehen – nicht gutheißen – warum sie vollkommen austicken.

 

Woher kommt diese „islamistische“ Ideologie?

 

Aus den Kerngebieten des Islams im Nahen Osten stammen die Exporteure dieser Theologie der Verachtung und des Grauens. Unterstützt durch westliche korrupte und wirtschaftliche Interessen. Das zeigen Auszüge der Berichte des Publizisten Jürgen Todenhöfer. Todenhöfer besuchte die IS im Irak und sprach mit den Massenmördern: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“. Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Todenhöfer, der im Dezember 2014 in die IS-Hochburg Mossul reiste, rechnet mit dem Westen ab – und gibt ihm die Hauptschuld am islamistischen Terror und der Brutalität des „Islamischen Staates“ (IS): „Bundeskanzlerin Merkel hat am Freitag die ‚muslimische Geistlichkeit‘ aufgefordert, endlich das Verhältnis des Islam zur Gewalt zu klären. Aber müsste nicht zuerst der christliche Westen sein Verhältnis zur Gewalt überprüfen?“, fragt Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite. „Nicht der Islam ist das Problem, unsere Kriege sind das Problem. Sie sind Terrorzucht-Programme, nicht der Islam.“

 

Todenhöfer vergisst, dass es sich beim IS um eine sunnitische Organisation handelt, es sind sunnitische Freibeuter. Interessant ist hier die Verallgemeinerung auch auf der Seite der IS. Der Westen wird mit Europa und dem Christentum und dieses wiederum mit den Kreuzzügen des Mittelalters gleichgesetzt. In dieser Logik ist es nicht verwunderlich, wenn Christen als Sündenböcke herhalten müssen. Sie werden genauso wie alles, was irgendwie den Westen und eine andere Religion repräsentiert niedergemacht. Das ist die Sprache des Hasses, der Hass regiert.

 

Aber warum bekämpft die IS dann nicht die Saudis und die Sunniten, sondern die Schiiten etc.?

 

Weil die Saudis die Terrorgruppen finanzierten?

 

Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Will man sie überhaupt los werden?

 

Kein arabisches Land habe in den vergangenen 200 Jahren den Westen überfallen, doch der Westen „fiel unzählige Male mordend in die muslimische Welt ein“: „Bin Ladens Al Qaida tötete im Westen fast 3.500 Menschen. Doch Bush Junior tötete allein im Irakkrieg über 500.000 Iraker,“ zitiert Todenhöfer einen deutschen IS-Kämpfer. Diese Zahlen zeigten, dass der Westen „seit Jahrhunderten viel grausamer als die muslimische Welt“ sei. Deshalb müsse der Westen und „nicht der Islam sein Verhältnis zur Gewalt klären“.

 

„Konvertieren, Schutzgeld zahlen oder durch das Schwert umkommen.“ (ein IS-Kämpfer)

 

An dieser Stelle müssen wir betonen, dass wir nicht allen Aussagen des Publizisten Todenhöfer komplett zustimmen, jedoch bietet er einige interessante Denkanstöße und Fakten, die wir, als Bürger einer offenen Gesellschaft, in Betracht ziehen müssen und kritisch betrachten wollen.

 

Wie sind solche Verirrungen des Glaubens möglich?

 

Wo doch Gott durch den Koran mehrmals den Menschen um die Benutzung des Verstandes anruft und die Nichtverwendung des Verstandes und der Vernunft mit seinem Zorn bestraft, indem er es mit Bösem vergilt. Ebenso soll sich der Mensch nicht „wie Vieh“ verhalten, sondern – ganz im Gegenteil – als direkt mit Gott verbundene Person, nämlich ohne jegliche Zwischeninstanz zu Gott, ein gottgefälliges Leben führen.

 

Auch darf der Mensch unter keinen Umständen andere Menschen im Namen Gottes betrügen. Er soll auch nicht in Gebetshäusern übertrieben fromm oder inszeniert beten, als ob er sehr gläubig oder gar von Gott erwählt sei, und im nächsten Augenblick draußen die Gemeinde und die Menschen ausbeuten oder ihre Menschenrechte verletzen. Eben diese Menschen benennt Gott im Koran als „Teufelsdiener“. Solche Teufelsdiener und staatliche Teufelsanbetungen sehen wir leider in vielen islamischen Ländern: Auspeitschungen, Köpfungen, Verstümmelungen – von Rechtswegen.

Aussagen werden vernebelt, verdunkelt oder aus dem Kontext gerissen, falsch übersetzt, falsch interpretiert oder für eigene Zwecke missbraucht und an die Öffentlichkeit gebracht.

Eben diese Theologie von Verachtung und Gewalt hat je nach Gutdünken den Namen Mohammeds dazu missbraucht, für die umayyadische Dynastie Lehrmeinungen zu formulieren, die ihre politischen bzw. wirtschaftlichen Interessen verteidigt. An die Stelle der Umayyaden sind heute moderne Herrscher getreten. Sie brauchen sich nicht mehr selbst die Hände schmutzig zu machen, sondern können mit ihren Petrodollars ganze Armeen von Gotteskriegern und Muftis finanzieren.
Derartige Tätigkeiten sind eigentlich Verleumdungen und Beleidigungen gegenüber dem Propheten. Diese Hadith-Bücher, die heute neben dem Heiligen Buch Koran als verbindliche islamische Theologie angesehen werden, sind der Kern des Problems aller Muslime weltweit. Denn es handelt sich um eine Theologie der Verachtung und Gewalt und führt zu einer faschistischen Ideologie. Der Glauben wird für den eigenen Machtanspruch instrumentalisiert.

 

Der Westen spielt mit

 

Solange die Muslime sich von dieser umayyadischen Theologie und den menschenverachtenden Hadithen nicht klar distanzieren, wird dieses Gedankengut den westlichen Interessenspartnern in der nächsten Zeit sehr in die Hände spielen, je nach Gebrauch, je nach Kriegsgebiet.

In den Laboratorien, die man „Religionsschule“ nennt, wird diese Ideologie aus der Schublade genommen und schon produzieren Frankensteins Terroristen neue Anhänger mit dem Slogan „Allah’ u Ekber“ (Gott ist der Größte / einzigartig) und den Suren 17, Vers 111 und 74, Vers 3 (Bedeutung ähnlich wie „halleluja“: Gott preisen, verherrlichen, ausrufen). „Allahu Ekber, Allahu Ekber, Lâ İlâhe İllallah“  (Kalima Tewhid). Die Bedeutung dieses Lobpreises ist sehr einfach: „Gott ist der Größte, Gott ist der Größte! Es gibt keinen Gott, außer den einen einzigen Gott.“ Was hat dazu geführt, dass diese heiligen und friedlichen Worte als Slogan für Terrorzwecke missbraucht und damit alle Moslems unter Generalverdacht gestellt werden? Welches große Spiel steckt hier dahinter?

Diese Menschen (seien es Terroristen, Verbrecher oder Meuchelmörder) haben mit dem wahren Islam des Koran und des Propheten Mohammed nichts zu tun. Sie sind die größten Feinde der Menschheit und jedes wahren Moslems. Gott ist barmherzig! Die Muslime müssen nach dem Koranischen Islam an den Gott von Adam, Noah, Abraham, Moses, David, Salomon und Jesus (Friede sei mit ihnen) hundertprozentig glauben.

 

Die teuflische Strategie: Manipulieren, verdunkeln und vertuschen

 

Die Verwässerung, Nicht-Distanzierung und Nicht-Aufklärung, besonders der sunnitisch-islamischen Welt, gründet darin, dass sie aus dieser Schule über den Islam gelernt haben.

Man sollte daher nicht den Koran oder den Propheten per se angreifen, sondern zunächst die Spreu vom Weizen trennen.

Denn die Kinder der Theologie des Verachtens sind Ziel dieser Kritik. Sie meinen, im Namen aller Muslime sprechen zu können, wobei diejenigen, die sich damit tatsächlich auskennen, gegen diese Theologie der Verachtung und Gewalt, dieser „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) stellen und den wahren Islam aus den koranischen Texten ziehen, ohne Verse aus dem Kontext zu reißen. Dabei ist es wichtig, die Verse zeit- und ortsgemäß zu interpretieren. Resultat ist, dass die Verfechter des wahren Islam ebenfalls von ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern bedroht werden. Auch der Schreiber dieses Artikels.

 

Wer anderer Meinung ist, wird angegriffen und runtergemacht

 

Wir müssen hier aufstehen, wir müssen hier Einspruch erheben! Es kann nicht sein, dass die westlichen Länder einerseits die faschistisch-oligarchischen Regierungen im Nahen Osten auf inzestuöse Weise seit Jahrhunderten unterstützen und auf der anderen Seite uns wahre Muslime über Demokratie und Menschenrechte belehren wollen, sozusagen als Feuerlöscher, obwohl sie eigentlich bei dieser Brandstiftung die wichtigsten Akteure sind.

 

Glaube ist Verantwortung

 

Apologetik mit Herz und Hirn – Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft – Verantwortung gegenüber den Menschen

Und nichtsdestoweniger, vielmehr infolgedessen, möchten wir als säkulare Moslems mit diesem apologetischen Aufsatz mit Verstand, Vernunft, Herz, mit Aufrichtigkeit und ohne Scheinheiligkeit nach unserer Meinung und Auffassung über unseren Glauben und den Koran Aufklärung leisten. Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft, gegenüber der wir uns als säkulare Verfassungs-Patrioten verantwortlich fühlen.

 

Wir fühlen uns auch verantwortlich für unsere Jugendlichen, die in Österreich ihr Lebenszentrum haben und aus muslimischen Familien stammen.
Wir möchten mit unseren Fragen und Antworten (s.u.) diese Krankheitsursache, die wir „Theologie des Verachtens, Theologie des Faschismus und Theologie der Gewalt“ nennen, diagnostizieren und beim Namen nennen, damit wir auch als überzeugte säkulare Muslime unsere Verantwortung gegenüber der Menschheit erfüllen können.

 

Offene Kritik muss möglich sein

 

Wir haben ein großes Problem in Österreich, nämlich, dass die konservativen Muslime hier einen sehr verantwortungslosen Weg eingeschlagen haben, wenn sie durch Vernebelung, Verdunkelung und durch dauerndes Beleidigtsein die Wahrheit nicht sehen wollen und nicht bereit sind, eine offene Kritik über ihre dramatische Lage auszudiskutieren. Eine Lage, die nicht nur für die muslimische Welt ein Problem geworden ist, sondern für die Menschheit insgesamt. Offenbar fühlen sich die konservativen Muslimen so sicher, dass sie jede Kritik getrost übergehen können.

 

Wir möchten eines hervorheben: Das Problem ist nicht der Koran und der darin enthaltene Islam oder der wahre Mohammed, sondern diejenigen konservativen Muslime, die diesen Glauben manipuliert und verfälscht haben und somit zur Schande der Menschheit geworden sind.

 

Auch die konservativen Moslems, die gerade als Funktionäre dubioser Vereine quasi alle Moslems in Österreich zu vertreten vorgeben und auf der anderen Seite unter dem Vorwand „Dialog“ das Unwissen und die Vorurteile vieler Medien, Wähler und Politiker ausnützen, mögen sich hier angesprochen fühlen!

 

Aufklärung tut Not! Besonders bei den Regierungsparteien

 

Eine echte Aufklärung findet nicht statt und bei der geringsten Kritik spielt man die beleidigte Leberwurst und attackiert den Gesprächspartner, schreibt ihnen böse E-Mails oder überhäuft sie mit Klagen. Zudem wird mit dubiosen Gruppen kooperiert, um die kritischen säkularen Moslems als „nicht echte Moslems“ darzustellen.

 

Die Regierungsparteien der westlichen Länder haben leider genau jene Personen und Gruppen („politischer Islam“) salonfähig gemacht, die ihre Kultur und Ideologie eben aus diesem „verfälschten Islam“ beziehen. Es wird medial alles verdunkelt und vernebelt, damit niemand mehr die Unterschiede zwischen „Glauben“ und „politischem Glauben“ erkennen kann.

 

Es wird pauschal gegen einen „Glauben“ geschimpft und die Retter sind dann die Brandstifter, die sich bis jetzt schön verpackt als Feuerlöscher verkauft haben. Überall sieht man Sie als „Retter“ oder „Brückenbauer“. Das Fernsehen und die Zeitungen sind voll von „Islam- und Terrorexperten“ oder „Gewalt-Experten“ und niemand kritisiert diese Leute und fragt sie, wie sie es schaffen, Islam und Terror gleichsetzen zu können! Weil sich die Journalisten auch nicht mehr auskennen. Wie auch, bei der Flut von Falschinformationen, die den Medienmarkt überschwemmen! Um sich zu informieren, braucht man vor allem Zeit und einen breiten Horizont. Beides ist Mangelware in einer linksliberalen Medienbranche.

 

So wird es gemacht und diese konservativen Funktionäre klären nicht auf, sondern leben davon und das in einer unheiligen „Win-Win-Situation“. Um was für ein Dilemma handelt es sich bei eben diesen teuflischen Pseudo-Brückenbauern, die eigentlich seit Jahren alle Brücken in Österreich zerschlagen haben? Es ist eine teuflische, unheilige Allianz!

 

Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen?

 

Folglich hat die Kommentatorin unserer Meinung nach Recht, wenn Sie folgende Sätze doch auch an die Muslime in Österreich richtet: „Dennoch scheinen zumindest im medialen Diskurs jene Stimmen die Oberhand zu haben, die versuchen, jenen Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen in Abrede zu stellen“. 

Wir müssen hier eben einfach zwischen einer sehr friedlichen Religion, dem „koranischer Islam“, kurz „wahrer Islam“, und dem „verfälschten Islam“ unterscheiden.

 

Diagnose: Faschistische Theologie und nicht der wahre Islam aus dem Koran

 

Wahrer Islam kennt keine Terroranschläge

 

Eine sehr schwierige Aufgabe ist daher die Aufklärung, um die Spreu (namentlich den „verfälschten Islam“) vom Weizen (dem „wahren Islam“) trennen zu können. 

Also den „wahren Islam“, der auf Friede, Wohlbefinden und Nächstenliebe beruht, von dem „verfälschten, traditionalistischen Islam“.

 

Der verfälschte Islam, auf den sich auch alle terroristischen Gruppen berufen, hat seine Wurzeln in der umayyadischen Dynastie, die ihren Höhepunkt mit dem 6. Kalifen Yazid I. ibn Muawiya (reg. 680-683) feierte. Mit dieser Herrscherdynastie ist der ursprüngliche Islam bereits sehr früh korrumpiert und verfälscht worden.

 

Werfen wir einen Blick auf die heutige Situation

 

Wir haben es heute mit einer „faschistischen Theologie“ zu tun, die man bislang immer unter den Teppich gekehrt hat. Man kann sie als Pseudo-Religion einer einseitigen Islam-Theologie betrachten, die in geheimen Demagogie-Laboren im Nahen Osten – auch mit westlicher Hilfe – ausgedacht und einstudiert wurde und jetzt neben Erdöl in die Welt exportiert wird. Im Gegenzug kommen Waffen und Dollarnoten.

 

Mit der Diagnose einer „faschistischen Theologie“ kommen wir den Antworten näher.
 Zudem ist es wichtig, sich von Vorurteilen freizumachen und die vielen Informationen neu zusammenzubauen. Wichtig ist, die Geschichte nicht nur in einem chronologischen Ablauf zu sehen, sondern auch schematisch zu erfassen.

 

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum in Arabien nichts produziert wird? Aus dem arabischen Raum scheinen tatsächlich nur Öl, Menschen und eine faschistische Theologie zu kommen. Wir versorgen die Länder mit Geld, Touristen und Waffen. Keine Teddybären, keine neuen Ideen, keine Literatur, keine Computer. Das Volk ist gefangen und versklavt, die Superreichen richten es sich.

 

Was meinen wir mit „Spreu vom Weizen trennen“ und warum müssen wir überhaupt „trennen“?



 

Die Antwort ist sehr einfach: Denn hier liegt der „Big Bang“ der faschistischen Theologie und des verfälschten traditionellen Islams, der in der Welt gerade in verschiedenen Laboren als „Islam“ entwickelt und die heiligen Worte des Islam wie „Allahu Ekber“ („Gott ist Eines“) verwendet, aber gleichzeitig alles tut, was der Islam eigentlich strikt verboten hat. Wir müssen in der Geschichte zurückgehen, in das 7. Jahrhundert. Denn ohne die umayyadische Dynastie und ihre „faschistischen“ Verfälschungen der koranischen Prinzipien und der Verse zu verstehen, besonders die Hadithe, können wir heute diesen Terror nicht diagnostizieren und damit auch keine Lösungsansätze finden.

 

Wer hat Recht?

 

Die Unterscheidung der Geister ist denkbar einfach und sei mit einem Jesus-Wort auf den Punkt gebracht: „An den Taten werdet ihr sie erkennen!“ (1 Joh 2,1-6).

Und dabei sind wirklich Taten gefragt. Demonstrationen und gutgemeinte Artikel  können ein erster Schritt sein. Es sind aber die echten großen und kleinen Taten, Werke, Handgriffe und Entscheidungen, die uns erkennen lassen, wie es jemand mit uns meint oder ob sein Tun auf Gott hingerichtet ist.

 

Auch wenn wir in diesem Artikel uns natürlich zuerst auf das (bloß) geschriebene Wort des Korans und verschiedener anderer Schriften konzentrieren müssen. Man soll dabei aber – und das macht ja einen Gläubigen jeder Religion aus – nicht die Taten und Werke übersehen. Aber Ethik und Moral ist noch wichtiger als Religion?

 

Wir müssen diese Themen, also Ethik und Moral an die Tagesordnung bringen. Experten müssen über dies sprechen und diskutieren. Wir werden über unsere Grundsätze und Maxime diskutieren. Noch etwas: Zu aller erst müssen wir es einsehen, dass wir keine Moral haben. Einerseits schmerzt dies, andererseits ist es seltsam. Aber leider ist es die Wahrheit. Wir sollten den Unterschied zwischen Moral und Sittsamkeit bzw. Religion erkennen. Wir sollten erkennen, dass zwischen moralischem Handeln und Religiosität kein Zusammenhang besteht. Wir sollten es einsehen, dass unsere Vorstellung vom moralischen Handeln als sexuelle Enthaltsamkeit falsch ist.

 

Von unmenschlichen und rassistischen Hadithen distanzieren!

 

Insbesondere müssen wir als Moslems uns von allen unmenschlichen und rassistischen Hadithen späteren Datums, die im Grunde genommen Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten Mohammed und seiner Person darstellen, distanzieren und aus der islamischen Theologie wegschaffen, die sich mit gedruckten Lügen  in der ganzen Welt selbst verherrlicht.

 

Die Hadithe werden von den Sunniten und den Wahabiten anerkannt.

 

Was sind die Hadithe?

 

Der Begriff Hadith (Erzählung, Bericht) bezeichnet die Überlieferungen über die  Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed sowie über die Handlungen Dritter, die er stillschweigend gebilligt haben soll. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtheit dieser Überlieferungen verwendet, als auch für die einzelne Überlieferung. In letzterem Fall wird dazu der Plural Hadithe gebildet.

 

Die große Bedeutung der Hadithe im verfälschten Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Normenlehre (FIKIH) darstellt. Die Hadithe gelten als das Mittel, über das sich die nachkommenden Generationen über diese Handlungsweise (Propheten) informieren können. Darum wird das Studium der Hadithe noch heute als einer der wichtigsten Zweige der islamischen religiösen Wissenschaften angesehen.

 

Islam bedeutet Friede und Glück

 

Warum? Denn das Wort „Islam“ des Korans hat als Wurzel die Worte „selam“ und „silm“ und diese bedeuten „Friede“, „Glück“, „Wohlbefinden“ und „Vertrauen“. Infolgedessen sind nach unserer Meinung alle Muslime in Österreich und in der Welt, die ihr „wahres Islam“-Bekenntnis aus dem Koran beziehen, verpflichtet, durch ihre Taten und Handlungen das Wort „selam“ auch zu leben – für sich und gegenüber dem Nächsten – und gewaltbereitende und selbstverherrlichende Theologien des Islam, die wir als „verfälschten Islam“ bezeichnen, kritisch zu betrachten, ja, sich von diesen um ihres Theologie Willen zu distanzieren.

 

Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe!

 

Leider leben wir in einer Zeit der korrupten Scheinheiligkeit. Im Westen wie im Osten. Im Okzident wie auch im Orient. Wo Korruption ist, kann keine Liebe sein und wo keine Liebe ist, kann keine Wahrheit sein.

Und diese Wahrheit wurde und wird in der islamischen Welt fast total verdrängt, wo faschistische und gewaltbereite Herrscher und Religionsführer den traditionellen oder „verfälschten Islam“ unantastbar gemacht haben, indem sie Kritiker seit Jahrhunderten bis heute verteufeln, foltern und ermorden.

Wir können es bestätigen, wo keine Wahrheit ist, ist auch kein „wahrer Islam“, sondern ein „theologischer Islam“, der eigentlich ein „manipulierter und mutierter falscher Islam“ ist, welcher von der umayyadischen Familie des Kalifen Muawiya (603–680; reg. 661–680) und seinem Sohn Yazid I. (644-683, reg. 680-683) herrührt, auf die sich heute auch die Terrormiliz IS (Islamischer Staat), Al Qaida und Boko-Haram beziehen. Dieser historische Zusammenhang geht leider in der Berichterstattung unter und muss hier noch einmal betont werden.

 

Was haben die Terrororganisationen Islamischer Staat, Al Qaida und Boko-Haram gemeinsam?

 

Sie sind Kinder eines demagogisch verfälschten Islams, der einer Theologie des Verachtens und der Gewalt folgt, und der mit dem wahren Koran und dem wahren Leben des Propheten nichts zu tun hat.

 

Spreu vom Weizen trennen: An den Taten kann man sie erkennen!

 

Dessen, was in diesen Jahren, zwischen 660 und 683 und nachher, unter dem Vorwand unmenschlicher und rassistischer Hadithe von islamischen Kalifen ausgeheckt wurde, bedient sich gerade die Terrormiliz Islamischer Staat als übelste Ausgeburt eines theologisch-demagogischen Islams. Sie versucht, die Untaten vor der Weltöffentlichkeit als Ausübung eines wahren Islams zu darzustellen bzw. sie damit zu rechtfertigen, lässt aber die Tatsachen in Wirklichkeit im Dunkeln.

In der Zeit der umayyadischen Familie wurde der islamische Glaube durch den Umayyaden-Kalifen Muawiya I. und dessen Sohn Yezid I. – der als Teufel gilt – durch verschiedene Teufelspraktiken manipuliert und ist daraufhin mutiert . Der Prophet wurde mit vielen Aussagen und Taten geschmückt, die er nie getätigt oder begangen hat und dies niedergeschrieben, als theologisches Buch verkauft, z.B. Hadithen. Diesen muss man neben dem Koran als zweites Gottesbuch folgen. Hier hat man Lügen verbreitet, nämlich, Verleumdungen gegenüber dem Propheten, Verachtungen gegenüber anderen Rassen, Religionen, Frauen, etc.. Man hat dann ein Denkverbot und ein Verbot der kritischen Hinterfragung im theologischen Islam ausgesprochen, damit man diese Lügen, die sie fabriziert haben, nicht hinterfragt. Und jetzt haben wir damit Bücher neben dem wahren Islam aus dem Koran, die eine entgegengesetzte, menschenverachtende Theologie, die – auch durch westliche Hilfe in den Nahen Osten – mit den despotischen Regierungen der arabischen Länder in die Welt exportiert wird. Auch nach Österreich.

 

Yezid I. ließ 72 seiner Verwandten umbringen, indem er sie köpfen ließ und soll mit den Trophäen Fußball gespielt haben. Seine traurigen Nachahmer sehen wir heute im Internet und im Fernsehen.

 

Dieser Glaube wird uns nun, als theologischer Islam verpackt, politisch untergejubelt und solchermaßen salonfähig gemacht. Kann das sein?

 

In Österreich erleben wir dieses Problem tagtäglich. Dabei spielen besonders die Großparteien SPÖ und ÖVP als Regierungsparteien eine dominierende Rolle. Sie halten intensive Kontakte zu sunnitischen Vereinen und Moscheen. Zudem wird das KAICIID noch immer von der Regierung toleriert.

 

Aber auch Österreich steckt ja mit der OMV in Abhängigkeit zu Abu Dhabi. In Wien befindet sich der Hauptsitz der OPEC. Österreich hat selbst Öl- und Erdgasquellen. Wo werden nur die jüngst vom Bundesheer über Ebay verkauften Pinzgauer landen?

 

Wir distanzieren uns von diesem verfälschten Islam noch einmal ganz klar. 

Egal, welcher Religion die LeserInnen dieses Artikels angehören, seien sie auch Atheisten oder Agnostiker, es ist ungemein wichtig, diesen Unterschied zu erkennen. 

Ohne diese Unterscheidung und Diagnose können wir dieses Problem nicht verstehen und werden der Zukunft der Menschheit nur sehr besorgt entgegensehen können. 

Das Problem kennen schon sehr viele säkulare, gläubige Muslime, egal ob sie Sunniten sind, Schiiten oder Aleviten. Wir wollen mit diesem Artikel keine Hetze betreiben, sondern lediglich Aufklärung bieten, als überzeugte Muslime.

 

Jeder spricht und schreibt über den Islam, aber was ist der Islam und was ist er nicht?

 

In den nachfolgenden Zeilen möchten wir die politisch-religiösen Debatten, Missverständnisse und Unklarheiten in Österreich in Bezug auf den Islam aufgreifen. Wir behaupten natürlich nicht, das absolute Wissen zu besitzen. Wir sind offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge, aber die vollständige und reine Wahrheit liegt sicherlich beim Besitzer dieser Religion, der einen konkreten Namen hat. Worüber wir sicherlich noch viel zu lernen haben.

 

FAQ: 25 Fragen zum Islam

 

Im Folgenden sollen einige Fragen erläutert und aus einer sachlichen Perspektive beantwortet werden.

 

Frage 1: Was bedeutet das Wort „Islam“? Wer ist „Allah“? Wer ist „Muslim“? Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? Was ist der „politische Islam“? Müssen auch Muslime Selbstkritik üben?


 

Das Wort „islam“ ist im Koran von Gott als Religionsname festgeschrieben. Das Wort „islam“ besteht aus den Wörtern „selam“ und „silm“. Das Wort „selam“, das auch in der jüdischen Sprache als „schalom“ verwendet wird und welches Jesus Christus immer zur Begrüßung verwendet hat, bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vertrauen. „Silm“ bedeutet Frieden, Vertrauen und Ergebung unter/in einen einzigen Gott (Einheitsprinzip/Tevhid). Das kann auch kurz in Sure 10, Vers 25 im Koran nachgelesen werden: „Gott ruft zur Wohnstätte des Friedens.“

Die Aufnahmegesellschaft sollte daraus sehen, dass hier wohnende Muslime mit solchen gedungenen Mördern, die den Islam missbrauchen, nichts zu tun haben. Was jene Verbrecher glauben, ist ein Schein-Islam. Im Irak, in Syrien und in vielen Ländern des Nahen und Fernen Ostens werden gerade alle gut-islamischen Werte zunichte gemacht und daher sollten alle, besonders wir Moslems, hier gegen diesen Terror aufstehen. Allah ist das arabische Wort für „der eine Gott“ und nicht der Name eines privaten Gottes der Muslime. Allah ist der einzige zu Recht angebetete und verehrte Schöpfer des Universums; auch arabische Christen nennen Gott Allah. Er schuf die Menschen und zeigte ihnen durch seine Offenbarung den besten Weg für sie im Diesseits, damit sie im Jenseits nicht eine Strafe erleiden.

Die Muslime sprechen den Friedensgruß, wenn der Name des Propheten Muhammad oder eines anderen Propheten erwähnt wird. Der Bedeutung des Wortes nach ist ein Muslim jemand, der sich freiwillig dem Willen Gottes hingibt und das Friedenmachen als seine Aufgabe ansieht. Man wird Muslim, indem man erklärt, dass es keinen Gott außer den Einen gibt.

 

Frage 1.1: Was ist der „politische Islam“? 



In den islamistischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen.“ Die politische Instrumentalisierung ist eine Erscheinung – richtiger, eines der Grundübel – nicht nur des Islams, sondern auch anderer Religionen. Politisierung heißt, die Religion zum Mittel politischer Erfolge und dynastischer oder despotischer Interessen zu machen: Politik- und Sultanatsfrömmelei könnte man es auch nennen. Dass die Religion zu politischen Zwecken missbraucht wurde, gehört zu den grausamsten Kapiteln der Geschichte. Nicht nur, dass unfassbare Grausamkeiten gegen die Vielzahl von Menschen begangen wurden, dies hat auch dazu beigetragen, dass zahlreiche achtbare Menschen sich von ihrer Religion abgewandt und gegen Gott und die Religion aufgelehnt haben. Denn sie mussten angesichts derartiger Widersprüchlichkeiten und Frevel zwangsläufig zu dem Schluss gelangen „wenn dies Religion sein soll, dann will ich damit nichts zu tun haben“.

 

Frage 1.2Müssen auch Muslime Selbstkritik ausüben? 



Natürlich, und wie. Betrachten wir heute die islamischen Gesellschaften unter dem Aspekt „Demokratie“ oder „Menschenrechte“, bietet sich kein positives Bild. Besonders dem Nahen Osten, der Kernregion des Islams, kann in Fragen der Menschenrechte kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. In diesen Ländern wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor. Ein Beispiel: Die Zeitungen vom 17. Juni 2002 berichteten unter der Schlagzeile „Grausamkeit“ von einem unmenschlichen und unbegreiflichen Vorfall. Er ereignete sich in einem berühmten islamischen Land, in Saudi-Arabien: Als sich einige Frauen vor einem Gebäudebrand retten wollten und auf die Straße liefen, wurden sie von den Gewalttätern, welche sich „Religionspolizisten“ nannten, mit Schlägen zurückgejagt. Der Grund: Sie waren nicht verschleiert. Sie mussten alle sterben. Grausame Taten wie diese, welche die Menschenwürde missachten und geradezu absurd sind, ereigneten sich auch im Land der Taliban und durch die Terrormiliz IS und prägen leider das heutige Bild des Islams weltweit. Diejenigen, die Wissenschaft und Bildung achten, wissen allerdings, dass es im Islam eine innere Wahrheit gibt. Bedauerlicherweise hat das Sichtbare in Form des traditionellen Islams das Wahre aus dem Leben verdrängt, also genau den Islam des Korans, den wir oben beschrieben haben.

 

Frage 1.3: Wer war Muhammed? 

Muhammad wurde um das Jahr 570 n.Chr. in der Stadt Mekka in Arabien als Mitglied eines angesehenen Stammes geboren. Seine Vorfahren gehen auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurück. Muhammads Vater starb vor dessen Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Er besuchte keine Schule, sondern wurde – wie in jenen Tagen üblich – von einer Amme aufgezogen und später von seinem Großvater und seinem Onkel aufgenommen und erzogen. Von seiner Jugend an war er als rechtschaffener Mensch bekannt. Ungefähr im Alter von vierzig Jahren schien ihm der Engel Gabriel in jener Höhle, in der er zu meditieren pflegte, und offenbarte ihm, dass er ein Prophet Gottes sei. Die folgenden Offenbarungen Gottes wurden in einem Zeitraum von 23 Jahren herabgesandt und später in Buchform zusammengetragen. Dieses Buch, der Koran, ist für Muslime die letzte und abschließende Offenbarung Gottes. Der Koran ist unverändert und in seiner Originalform erhalten; er bestätigt die Thora, die Psalmen und das Evangelium, welche die Menschen im Laufe der Zeit verändert haben.

Frage 1.4: Beten die Muslime Muhammad an?

Nein. Die Muslime beten weder Muhammad noch irgendeinen anderen Propheten an. Die Muslime erkennen alle früheren Propheten an, so Adam, Noah, Abraham, David, Salomo, Moses, Jesus und alle anderen (Friede sei mit ihnen allen). Die Muslime glauben, dass Muhammad das Siegel der Propheten war, d.h. der letzte der Gesandten Allahs. Sie glauben, dass allein Gott und nicht irgendein menschliches Wesen angebetet werden darf.

 

Frage 1.5 Was sagt der Koran über Jesus?

Die Muslime achten Jesus (Friede sei auf ihm) und seine Mutter Maria sehr. Der Koran berichtet uns, dass Jesus durch ein Wunder ohne Vater geboren wurde. „Das Gleichnis von Isa ist ja bei Allah wie das Gleichnis von Adam, Er schuf ihn aus Erdreich, dann spach Er zu Ihm: Sei!, und er war.“ (Koran 3:59). Er vollbrachte mit Gottes Hilfe als Prophet viele Wunder, unter anderem konnte er gleich nach seiner Geburt sprechen, um seine Mutter zu verteidigen und ihre Frömmigkeit zu bestätigen. Gott gab ihm noch andere Fähigkeiten wie z.B. das Heilen von Blinden und Kranken, das Wiedererwecken von Toten, das Formen eines lebendigen Vogels aus Ton und das Wichtigste: Er gab ihm eine Botschaft an die Menschen. Diese Wunder, die ihm Gott gab, bestätigten ihn als Propheten. Er wurde nicht gekreuzigt, sondern in den Himmel erhoben (Koran 3:54-55). Die Sure Maryam (19) beschreibt die Wunder Jesu in den Versen 27-3.

 

Frage 1.6. Ist im Islam nur Schweinefleisch verboten?

Dem Muslim wird im Koran aufgetragen, kein Schweinefleisch, keine Produkte vom Schwein und kein Fleisch von verendeten Tieren zu essen (Koran 5:3). Zudem ist das Fleisch von Raubtieren nicht erlaubt, weil sie selbst verendete Tiere fressen. Ein Muslim darf außerdem keine alkoholischen Getränke wie z.B. Wein oder Bier, und auch keine Drogen zu sich nehmen.

Frage 1.7 Wie steht der Islam zu Gewalt und Terrorismus?

Der koranische Islam ist die Religion des Friedens und der Hingabe an Gott und legt Wert auf die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens. Ein Vers im Koran sagt: „… wer er eine Seele tötet, – nicht wegen einer Seele oder Verderbenstiften auf der Erde, – es dann so ist, als habe er die Menschheit insgesamt getötet…“ (Koran 5:32). Der Islam verurteilt jede Form von Gewalt, wie z.B. in den Kreuzzügen, in Spanien während der Inquisition, im 2. Weltkrieg, oder die Gräueltaten. Jemand, der Gewalt ausübt, kann nicht gleichzeitig seine Religion praktizieren. Manchmal ist Gewaltanwendung jedoch die menschliche Reaktion eines unterdrückten Volkes. Terrorismus und Gewalt gibt es auch dort, wo keine oder kaum Muslime leben, z.B. in Nordirland, Südafrika, Lateinamerika oder in Sri Lanka. Manchmal findet Gewalt im Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen oder zwischen Unterdrückten und Unterdrückern statt. Man muss differenzieren und herausfinden, warum Menschen zu Terroristen werden. 
Terrorismus als Mittel zur Durchsetzung von bestimmten Zielen widerspricht den Grundsätzen des Islam und ist scharf zu verurteilen und sich davon zu distanzieren. Sogar im Krieg hat der Prophet Muhammad verboten, Menschen zu bekämpfen, die sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen. Er ging noch weiter, indem er sagte, dass es verboten ist, auch im Krieg die Ernte des Gegners zu zerstören.

 

Frage 1.8. Wie sollen sich Muslime gegenüber Juden und Christen verhalten?

Der Koran nennt die Juden und Christen das „Volk der Schrift“, d.h. sie sind diejenigen, die göttliche Offenbarungen vor der Zeit des Propheten Muhammad erhalten haben. Muslimen ist auferlegt, sie mit Respekt und Gerechtigkeit zu behandeln und nicht mit ihnen zu kämpfen. Dieser Respekt und die Toleranz ist aber nicht nur auf Christen und Juden beschränkt.

 

Frage 2: Gibt es geistliche Instanzen im Islam? 



 

Im Islam darf es laut den Prinzipien des Korans – sprich dem Einheitsprinzip („Tevhid“) – keine Zwischeninstanz, keinen Islamchef, „Papst“, Priester oder irgendein gemeinschaftliches oder geistliches Organ geben, welche zwischen Gott und dem einzelnen Menschen stehen. Die Propheten wurden sogar mehrmals in vielen Versen ausdrücklich gewarnt, außer der Vermittlung der „frohen Botschaft“ eine weitere Aufgabe anzunehmen. Im Islam gibt es keinen Oberhirten bzw. Vertreter oder Diener der Unterhirten und damit auch keine „Schäfchenkultur“, sprich Herde, wie wir es aus dem Christentum kennen. Nicht einmal der Prophet ist nach den koranischen Prinzipien der Wächter oder Verwalter im Namen Gottes.

 

Frage 3: Warum steht dann die Religion Islam unter Verdacht? 



 

Wir müssen hier eigentlich weiterfragen: Warum haben sich überhaupt in den letzten Jahren so viele Vorurteile gegenüber dem Wort „Islam“ und dem „Koran“ angesammelt? Wer hat hier Schuld? Wir beantworten das ganz einfach: Die Schuld liegt größtenteils bei den vorgeblichen Muslimen, welche behaupten, nach dem „wahren Islam“ zu leben, obwohl die Kultur der arabisch-umayyadischen Kalifen Muawiya I. und Yezid I. auf dem traditionalistischen Islam und auch auf einer Tradition, die auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens gründet, beruht. Somit werden die Welt und die Menschheit betrogen, indem dieser Islam als „theologischer Islam“ verbreitet wird. Die Unterstützer und Komplizen dieser Betrügerei – vor allem Politiker und Politikerinnen der Regierungsparteien – kommen leider aus der westlichen Welt.

 

Frage 4: Wie wichtig sind Verstand und Vernunft im Koran? 



 

Sehr wichtig, sogar oberstes Prinzip. Der wahre Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, besagt, dass die Menschen ihren Verstand und ihre Vernunft unbedingt benützen müssen. Das steht in mehreren Versen des Korans, die eigentlich auch alle Muslime zum Nachdenken bringen müssten. Hier nur einer davon: Sure 10, Vers. 100: „Gott sendet (seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft und ihren Verstand nicht gebrauchen mögen“. Wir sehen, dass die gesamte muslimische Welt leidet, weil eine der bedeutendste Messages des Koran missachtet wird, nämlich seinen eigenen Verstand und Vernunft zu gebrauchen.

 

Frage 5: Verwendet man das Wort „Islamismus“ richtig? 



 

Nein. Wie kann man nur aus dem Wort „Islam“, welches seine Wurzeln im Frieden, Vertrauen, Glück und Wohlbefinden hat, das Kampfwort „Islamismus“, das Terror, Unterdrückung und Totalitarismus bedeutet, hervorbringen? Damit will man die gesamte Religion Islam, den Koran und alle Muslime pauschalisieren und unter Generalverdacht bringen, wie „Die Zeit“ am 18. September 2014, unter dem Titel „Eine Religion unter Verdacht: Haben Terror und Unterdrückung wirklich etwas mit dem Islam zu tun?“. Das Wort „Islamismus“ ist eine von manchen Kräften absichtlich und von manchen Menschen unabsichtlich und unglücklich gewählte Terminologie, mit welcher man eigentlich das Gegenteil vom im Islam und dem Koran Geforderte beschreiben will, nämlich fundamentalistische und terroristische Menschen, Gruppen und Sekten. Man sagt doch auch z.B. zu einem christlichen oder jüdischen Fundamentalisten oder Terroristen nicht „Christianist“ oder „Judaist“. Man will mit Genuss den Glauben des Islam, von welchem wir oben die wahre Bedeutung definiert haben, auf die Ebene des Faschismus ziehen und damit dient man vielmehr den Gelüsten der Fundamentalisten, aber auf keinen Fall dem Gemeinfrieden oder dem Weltfrieden. Der „politisierte Islam“ und die Terrormiliz IS machen es leichter, solche Begriffe zu benützen, denn kein Mensch auf dieser Erde würde seinen Glauben in diesem Zusammenhang sehen und hören wollen. Wir wissen, dass man mit der Terminologie „Islamismus“ diejenigen Betrüger definiert, welche den Glauben des Islam für ihre politischen und geschäftlichen Gelüste missbrauchen.

 

Frage 6: Welche Bedeutung hat das Wort „Koran“? 



 

„Koran“ leitet sich aus dem Begriff „karaa“ ab. „Karaa“ bedeutet „lesen“ (ikra) und sammeln. Nach verschiedenen Quellen wurde dem göttlichen Buch dieser Name gegeben, weil es einerseits Gegenstand des Lesens und der Rezitation ist, andererseits Gebote, Verbote und verheißungsvolle gute Nachrichten enthält und schließlich auch, weil es in Form von Suren und Versen gesammelt worden ist. Das Wort „Koran“ und das allererste Wort der ersten Offenbarung (Sure Alak) stimmen etymologisch überein. Das erste Wort „Ikra“ hat seine Wurzeln im schon erwähnten „karaa“ und bedeutet auch hier speziell „lies“. Damit haben wir jetzt erfahren, dass das erste Offenbarungswort „lies“ (lesen) war. In der Wüste verlangte Gott von seinen Propheten und allen Menschen also als erstes das Lesen.

 

Frage 7: Warum ist der Bildungsgrad in den muslimischen Ländern so gering?

 

Ist das nicht unglaublich? 

Wir haben bis jetzt immer das Vorurteil gehabt, dass der Koran ein Kriegs- und Fundamentalismusbuch ist, weil die Taliban, die Terrormiliz IS oder andere nahöstliche Staaten so unzivilisiert waren. Aber nun haben wir erfahren (siehe oben), dass das Wort „Islam“ Friede, Glück, Vertrauen und Wohlbefinden bedeutet, und dass das erste Offenbarungswort im Koran (Sure Alak, 1) „lies“ ist. Der Begriff „Koran“ wird an ungefähr 70 Stellen im Koran erwähnt. Aber darüber hinaus wird der Koran noch mit anderen Namen bezeichnet. Folgende Adjektiva und Substantiva kommen im Koran vor: hakim (mit Weisheit angefüllt), tenzil (von Gott herabgesandt), nur (das Licht), kitap (das Buch), furkan (jenes, was Licht und Dunkelheit, das Gute und Schlechte voneinander trennt) und zikir (jenes, was die Erwähnung Gottes sichert) und viele mehr. Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) hat über den Koran sinngemäß Folgendes gesagt: „Wenn man die gesamte Aussage des Korans in Kürze ausdrücken will, so findet man sie gleich zu Beginn von Sure 2: „Das ist das Buch, in dem kein Hadern und kein Zweifeln enthalten ist.“ Die Bezeichnung des Korans als Buch findet man im Koran an über 250 Textstellen. Mit dem Ausdruck „Buch“ bezeichnet sich der Koran nicht nur selbst, vor allem wird ein Teil der Offenbarungen, die mit anderen Propheten herabgesandt wurden, als Buch bezeichnet. So beispielsweise die Psalter, die Thora oder auch die Bibel (die aus mehreren Büchern besteht). Darüber hinaus bezeichnet der Koran allgemein alle Offenbarungen, die vom ersten Propheten bis hin zum Letzten herabgesandt wurden, sehr respektvoll als „Buch“. Der Ausdruck „Buch“ (koran) rührt auch daher, dass der Koran als eine der elementaren Quellen der islamischen Geistesgeschichte dient. Diese Tatsache wird deutlich in den Vordergrund gestellt. Nach dem Koran existieren drei grundlegende Bücher, die den Menschen vorgelegt wurden und die man lesen soll: Das Buch der Schöpfung (d.i. die Natur und die Naturgesetze insgesamt) das Buch der Offenbarung (Koran) und der Mensch selbst.

 

Frage 8: Was kann man allgemein über den Inhalt des Korans ausführen? 



 

Das Grundthema des Korans ist die Einheit Gottes (Einheitsprinzip/Tevhid), seine Unvergleichbarkeit und die Tatsache, wie er dem Leben und dem Universum in ständiger und bewusster Weise die Richtung weist. Wir erfahren aus dem Koran in  erster Linie „Tevhid“, das Einheitsgebot. Ohne Tevhid, also das Einheitsprinzip, kommt es zu einem manipulierten und mutierten Islam, der einfach mit dem wahren Islam (Koran) nichts zu tun hat; es herrscht im wahren Islam ein absolutes Eingottprinzip bzw. eben dieses Einheitsgebot. Es bezeichnet vor allem die Einheit Gottes. Der Koran bezeichnet die Kraft und Macht als Gott (Allah). Gott ist der absolute Schöpfer, er ist absolut gut, absolut positiv und absolut schön. So sind demzufolge die Schöpfung, die Geschöpfe und das Leben in ihren Grundlagen gut und schön. Die Einheit Gottes nach dem Koran macht in zunehmendem Maße die Einheit des Lebens, des Menschens, der Zivilisation und schließlich auch der Schöpfung notwendig. Mit anderen Worten: So wie der Schöpfer Eins ist, genauso ist auch die Realität Eins. Demzufolge ist der Weg, welcher zur Realität führt, einzigartig. Der beste Weg, den Koran zu kommentieren, besteht darin, ihn als eine Einheit zu begreifen und wahrzunehmen. Der Koran hat gewisse Prinzipien, wie er zu kommentieren und zu interpretieren ist. Wir können nicht einen Abschnitt des Korans verstehen, wenn wir nicht den gesamten Koran verstehen, wir können nicht einen Vers begreifen, wenn wir die anderen Verse vernachlässigen. Der Koran ist, genauso wie das Buch der Schöpfung, eine Einheit, in der das Eine mit allem und alles mit dem Einen in Verbindung steht.

 

Frage 9: Wo liegt dann das Problem? Warum ist es so wichtig, zwischen wahrem und falschem Islam zu unterscheiden? 



 

Wer über den Islam sprechen möchte, muss zunächst deutlich machen, was genau er darunter versteht. Wir müssen zwischen dem traditionellen Islam, also dem umayyedischen Islam, der auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, unterscheiden. Bis heute übersieht der Westen diese Differenzierung, die von den Muslimen weltweit selbst als Dilemma empfunden wird. Zumindest bis zum schrecklichen Terroranschlag vom 11. September 2001 oder vor der Terrormiliz IS hatte der Westen nur sein kurzfristiges politisches Kalkül im Blick und hat dieses Dilemma nicht gesehen und fast immer die falschen Islam-Anhänger unterstützt und das aufgrund wirtschaftlich und kulturell-politisch opportunistischen Interessen, die unmenschlich für uns sind.

 

Frage 10: Was bedeutet „Djihad“ im Koran? Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?

 

Das Wort Djihad (auch Dschihad, engl. jihad), das der politische Islam im Verlauf seiner Geschichte wie auch in unseren Tagen zur Rechtfertigung von Gewalt und Blutvergießen missbraucht, geht im Arabischen etymologisch auf die Wurzel „cehd“ zurück, ein Wort, das soviel bedeutet wie „äußerste Anstrengung aufwenden“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In der Gedankenwelt des Korans taucht dieser Begriff in drei Erscheinungsformen auf, die sich alle von der Wurzel „cehd“ ableiten lassen:

 

1. Mücahede: als Bezeichnung für „äußerste Anstrengungen“, die ein Mensch aufwendet, um innerliche Reinheit zu erlangen. In der Mystik werden diese Anstrengungen auch als „Innerer Dschihad“ oder „Großer Dschihad“ bezeichnet und in beiden Fällen geht es um die Reinigung des Inneren, des Herzens und der Gesinnung. Die islamischen Mystiker sehen im Kampf über die innere Reinheit das, was den Menschen zum Menschen macht, und jenen Kampf, der ihm Erfüllung bringt.

Der Koran enthält die klare Aussage, dass ein Individuum seinen in der Gesellschaft angestrebten Platz nicht wird einnehmen können, solange es sich nicht darum bemüht, seine Gesinnung zu ändern und reinen Herzens zu werden (vgl. Sure 8, Vers 53 und Sure 13, Vers 11). Das Individuum ist die Keimzelle der Gesellschaft, der Welt und des Universums. Solange die erforderlichen Veränderungen in diesem Kern nicht vollzogen worden sind, gehen die Hoffnungen auf Veränderungen in den anderen Gebieten ins Leere.

 

2. Ictihad: Dieser Begriff steht für die „äußersten Anstrengungen“ auf intellektuellem Gebiet und in der Wissenschaft (speziell auf dem Gebiet der Koranexegese) und heißt soviel wie „wissenschaftliches Denken und Forschen unter Einsatz aller Kräfte.“ Denker und Wissenschaftler, die dazu fähig sind, werden als Müctehid (Koran-Exeget) tituliert. Im Ictihad liegt der Lebensquell der koranischen Religion, in ihm liegt der Geist des Islams. Versiegt dieser Quell, so stirbt die koranische Religion.

 

Der politische Islam, der die Religion zum Instrument politischer Interessen gemacht hat, sowie bestimmte Geistliche, die sich willentlich oder unwissentlich von diesen Kreisen haben vereinnahmen lassen, haben eine geradezu teuflische Parole in die Welt gesetzt, um den „äußersten Anstrengungen“ auf dem Gebiet des Intellektuellen einen Riegel vorzuschieben – und bedauerlicherweise ist es ihnen gelungen, dass sich die muslimischen Massen über Jahrhunderte hinweg mit diesem Schlagwort identifiziert haben.

Sinngemäß übersetzt lautet das geflügelte Wort dieser Kreise: „In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort gesprochen! Das Tor der selbstständigen Urteilsfindung ist geschlossen, den altvorderen Koran-Exegeten wird niemand mehr folgen.“ Die Muslime unserer Tage sind zum Kampf gegen diese despotische, sinnentstellende Weisung aufgerufen, zum Aufstand gegen alle, die dieser Tabuisierung und geistigen Erstarrung das Wort reden! Den Gläubigen sei gesagt, dass dieser heilige Aufstand ein heilbringender Gottesdienst sein wird! Denn solange dieser Aufstand sein Ziel nicht erreicht, können Muslime keine glückliche Welt aufbauen.

 

3. Dschihad: Dies ist die dritte Erscheinungsform des Begriffes „cehd“ und bezeichnet den Krieg, den zu führen man gezwungen ist, wenn die Werte, die den Menschen zum Menschen machen, verletzt werden. „Äußerste Anstrengungen“ in einer Ausnahmesituation also, in der man – falls notwendig – nicht davor zurückschrecken darf, das Unvermeidliche zu tun.

Der Koran hält den Krieg nicht für gut, aber unter Umständen für legitim. Erfordern die Umstände einen Krieg, so ist dieser eine unabdingbare Voraussetzung für die Überwindung von Hindernissen, die dem Menschen im Weg stehen. Die Kardinalsproblematik besteht darin, richtig zu bestimmen, ob die Umstände einen Krieg erzwingen oder nicht.

 

Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?



 

Im Islam bildet der Begriff des „Paradieses“ eine eher symbolische Bezeichnung für die ewige Glückseligkeit und kann in unserer dreidimensionalen Welt allenfalls allegorisch beschrieben werden. „Das Paradies ist für uns nicht etwas, von dem wir berichten oder das wir beschreiben, sondern kann nur etwas sein, das wir versinnbildlichen (vgl. Sure 2, Vers 25). Das Paradies ist also kein Ort, sondern ein Symbol. Es steht nicht in unserer Macht, es zu definieren oder gar abzubilden. Der Koran betrachtet das Paradies ganz und gar nicht als Angelegenheit eines irgendwie verbrieften Rechts, sondern in Verbindung mit dem menschlichen Tun. Die Taten und das Streben des Menschen sind Voraussetzungen für die Erlangung des Paradieses, verbriefen jedoch keinen Anspruch. Deshalb schilt der Koran jene, die das Paradies als das natürliche Recht der Angehörigen der eigenen Religionsgemeinschaft betrachten, und diese sich so in Lügengebilden, Illusionen und Trugschlüssen verfangen. Juden und Christen sind dem Koran nach die wichtigsten Vertreter solch einer monopolistischen Auffassung vom Paradies (vgl. Sure 2, Vers 111 und Sure 5, Vers 18). Dem Koran nach ist das Paradies einzig und allein der Lohn für Taten zum Wohle des Guten und des Friedens (vgl. Sure 4, Vers 123; Sure 40, Vers 40 und Sure 43, Vers 72).

 

Die Auffassung vom Paradies als Luxushotel: Dies ist eine der areligiösen Vorstellungen, die sich aus einem egoistischen Paradiesverständnis speist: eine Geisteshaltung, nach der das Paradies so etwas wie der Vergnügungsort sexbesessener Faulenzer ist. Es scheint, als liege darin der eigentliche Grund, warum Leute von diesem Schlag nicht wollen, dass außer ihnen noch andere ins Paradies gelangen.

Es lässt sich mit den Aussagen des Korans nicht vereinbaren, das Paradies als einen festen Ort zu definieren. Vers 133 der Sure 3 und Vers 21 der Sure 57 beschreiben, dass das Paradies ausgedehnt wie der Himmel und die Erde ist. In der Verwendung dieser Metapher für die Unendlichkeit des Paradieses liegt die zentrale Botschaft, das Paradies nicht als Ort, sondern als einen seelischen Zustand zu begreifen. Dieser koranischen Wahrheit hat der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (1877-1938), einmal mit der Aussage Nachdruck verliehen: „Das Paradies ist kein Raum, kein Ort, sondern ein Seelenzustand.“

 

Frage 11: Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? 



 

In den islamischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen“.

 

Frage 12: Wo liegt das Problem in den islamischen Ländern?

 

Die islamischen Länder sind zwar von ihren früheren Kolonialherren unabhängig, aber nicht frei geworden. Die Unabhängigkeit nutzt lediglich den Despoten im Land. Das Joch der Unterdrückung blieb bestehen und belastet die Menschen heute mehr denn je. Man vergaß, dass die Unabhängigkeit eines Landes durch die Freiheit des Individuums vervollständigt werden muss.

 

Frage 13: Wie kann das Problem gelöst werden? 



 

Der einzige Weg dorthin ist die Installierung einer säkularen Regierungsform. Die Methode „Demokratisierung durch Krieg“, welche im Irak angewendet wird, ist dagegen weder menschenwürdig, noch erfolgsversprechend. Man sieht heute die Terrormiliz IS als Resultat dieser falschen Politik. Die Terrormiliz IS wütet „zufällig“ auf Territorien wo reichlich Bodenschätze vorhanden sind. Das Militär wurde in der Vergangenheit und wird auch in Zukunft des Öfteren dafür benutzt werden, um sich Zugang zu den Bodenressourcen zu verschaffen, zu schützen und den Zugang für Privatfirmen zu ebnen bzw. diesen Zugang für die Privatfirmen sicherzustellen. D.h. arbeiten private Firmen immer mehr mit sogenannten Sicherheitsfirmen und kleinen und größeren Berufsarmeen zusammen.

 

Frage 14: Woher kann die Veränderung kommen? 



 

Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen. Wenn wir die tabuisierenden Traditionen und die vorsätzlichen Irrwege beiseite lassen und den Islam aus der Sicht seiner Hauptquelle, des Korans, betrachten, gibt es durchaus einen Silberstreif am Horizont. Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Lebenswerte des Korans, die für die Entwicklung der Menschheit notwendig wären, die westlichen, nicht-muslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten sind als die islamischen. Und auch dies ist eine Tatsache: Mit jedem Tag wird dieser Abstand zum Nachteil der islamischen Welt größer. Die islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden. In der Terminologie des Korans bezeichnet man dies als „schirk“ (Vielgötterei, Polytheismus; von „beigesellen“, Götzendienst). Es handelt sich also schlicht um Paganismus. Diese Ausrichtung mit fetischistischem Charakter macht die Menschen immer mehr zu Sklaven von Knochen, Fossilien und Grabstätten. Umso absurder wirkt es, dass die grundlegenden Werte, die der Koran im Leben des Menschen verwirklicht sehen möchte, in nicht-islamischen Gesellschaften verwirklicht sind.

 

Frage 15: Was bedeutet der „falsche Islam“ und was bedeutet Säkularismus im Islam? 



 

Der Islam der Traditionen, also der falsche Islam, hat alle islamischen Grundlagen und Werte, die den Menschenrechten und damit auch der Demokratie den Weg bahnen und sie stärken könnten, außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung begann, als die despotische umayyidische Dynastie (660-683) den Islam zur Religion erklärte und eine Monarchie errichtete. Das System der monarchistischen Herrschaft aber wird im Koran als ein unzulängliches System der Ungerechtigkeit bezeichnet (siehe hierzu Sure 27, Vers 34). Dass es dennoch die Oberhand gewann, wurde möglich, weil man den Säkularismus in einen Gegensatz zur Religion stellte. Säkularismus bedeutet aber nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen. Säkularismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder religiöses Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes.

Daher halten wir es nicht für möglich, dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können, ohne dass es eine wirklich säkulare Verfassung gibt. Der Koran verkündet, dass das Prophetentum abgeschlossen sei. Eine der grundlegenden Folgerungen daraus lautet: Das Zeitalter, in dem die Völker von Personen geführt werden, die sich auf Gott berufen, ist beendet. Der Koran ist das einzige heilige Buch, das verkündet, dass die Theokratie aus dem Leben der Menschen weichen soll.

 

Frage 16: Warum verschweigt man diese Wahrheit des Korans dann? 



 

Diese wahre Aussage des Korans ist die wichtigste Prinzip, die in den islamischen Gesellschaften verschwiegen und versteckt wird. In den islamistisch-fundamentalistischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass dieses demokratische Prinzip verborgen bleibt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen westlichen Kräften unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern die Zustände ändern.

 

Frage 17: Was bedeutet „der wahre Islam“?



 

Nach dem Verständnis des wahren Islams, der sich auf den Koran beruft, ist die Macht, ein Volk zu führen, ein rechtsstaatliches Gut. Dieses darf nicht für despotische Herrschaft missbraucht werden. Nur jene dürfen die Macht an sich nehmen, die seiner würdig sind. Dieses rechtsstaatliche Gut kann dem Einzelnen durch Wahlen anvertraut und falls notwendig auch wieder entzogen werden.

 

Frage 18: Fordert der Koran dann nicht eigentlich Demokratie? 



 

Ja, natürlich fordert der Koran Demokratie. Diejenigen, die den Despotismus zur Religion erklären, fragen oft: „Warum Demokratie? Demokratie bedeutet ‚Herrschaft des Volkes‘. Welches Volk hat den Propheten Mohammed gewählt? Und warum überhaupt Wahlen?“ Diesen Wortführern muss man entgegenhalten: „Den Propheten Mohammed hat Gott selbst berufen. Hat Gott auch die Könige, Sultane und Kaiser berufen? Hat Gott etwa Saddam Hussein, den Schah von Persien, Komeini, König Abdullah und andere Könige und Herrscher berufen?“ Die Herrschenden täuschen das Volk und fragen: „Wenn eine Theokratie besteht, dann werdet ihr von Gott geführt. Wollt ihr euch darüber beschweren?“ Und weil das Volk die wahren Grundlagen des Islam nicht kennt, kann es die folgenden Fragen nicht stellen: „Nur Propheten können eine Theokratie leiten. Aber wenn die Zeit der Propheten abgeschlossen ist, wie kann dann eine Theokratie fortgeführt werden? Seid ihr denn Propheten, dass ihr euch auf Gott beruft und uns regieren wollt?“ Nach dem Koran sollen sich die Regierenden und Herrschenden auf die Prinzipien der „schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) und „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag) stützen. Gott hat dem Propheten Mohammed, den er selbst gesandt hat, aufgetragen, sich auf diese beiden Prinzipien zu stützen. Was der Koran über das Regieren und Herrschen sagt, ist klar und deutlich: Die Zeit nach dem Propheten Mohammed ist die Zeit der „schura“ und des „bajat“. Das heißt, an die Adresse der Herrschenden gerichtet: „Ihr werdet das Volk führen und leiten, ihr werdet von den Menschen die Legitimation hierzu erhalten, ihr werdet gewählt werden. Und wenn das Volk euch abwählt, dann sollt ihr gehen.“

 

Frage 19: Gibt es im wahren Islam (nach dem Koran) einen Stellvertreter oder Repräsentanten Gottes bzw. ein Kalifat? 



 

Der wahre Islam im Koran spricht niemandem das Recht zu, ein Beauftragter, Stellvertreter oder Repräsentant Gottes zu sein. Der Rest außerhalb des Korans ist nicht bindend. Einzig dem Propheten steht es zu, im Namen Gottes zu sprechen und zu führen. Der Prophet ist tot und die Zeit ist damit beendet. Das Recht zur Führung eines Volkes kann laut Koran nicht von Gott oder durch Geburt erlangt werden, sondern nur vom Volk und durch Wahlen geschehen. Dies bezeichnet der Koran als „bajat“ (Gesellschaftsvertrag eines Systems von Beratung und Kontrolle). Das mittels „bajat“ erlangte Recht zur Führung eines Volkes wird mit dem „schura“ genannten System der Beratung und Kontrolle vollzogen. Dieses System stellt sicher, dass die Führenden die Geführten – und umgekehrt die Geführten die Führenden – einander kontrollieren. Auf der Grundlage  dieses Gesellschaftsvertrages kann das Volk, welches über die Regierenden wacht, ihnen auch das Recht zur Herrschaft entziehen, falls es dies für notwendig erachtet.

 

Frage 20: Was bedeutet „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) im Koran? 



 

Die koranische Entsprechung für das demokratisch parlamentarische Verfahren ist also die „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle), weil sie im Koran erwähnt wird, konnte sie nicht völlig unterschlagen werden. Aber ihre Bedeutung wurde verzerrt wiedergegeben und so ausgeformt, dass sie dem traditionellen Islam ins Konzept passte. Von den Despoten im Nahen Osten wurde die „Schura“ darauf reduziert, dass der König oder der Sultan sich einige Ratgeber zulegen sollte. Der 1988 verstorbene islamische Gelehrte Fazlur Rahman sagt hierzu: „Schura, wie sie der Koran aufträgt, bedeutet nicht, dass jemand sich gelegentlich den Rat anderer einholt. Vielmehr bedeutet es wechselseitige Konsultation von Gleichberechtigten. Wer diese Konsultationen verweigert oder sie verzögert, weil sie angeblich nicht passen, ist ein Diktator, der im Widerspruch zum Islam steht.“ Nach dem Verständnis des Korans leitet sich die Berechtigung zur Leitung des Staates also nicht aus der Religion oder dem göttlichen Recht ab, sondern aus dem freien Willen des Volkes (Mehrheitsprinzip). Der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Mohammed Iqbal (1877- 1938), stützte sich auf diese Aussagen des Korans, als er verlangte, die Berechtigung, Normen und Gesetze aufzustellen, sei den Rechtsgelehrten zu entziehen und einem Parlament zu übertragen. Zu diesem Zweck solle das Prinzip der „Icma“ (des Konsenses innerhalb der islamischen Gemeinschaft) im Geiste des Islams modernisiert werden. Iqbal war überzeugt davon, dass Republik und parlamentarische Demokratie das Regierungssystem darstellen, das dem Geist des Islams am besten entspricht.

 

Frage 21: Was bedeutet Bajat (Gesellschaftsvertrag)?

 

Der Koran entwickelte das Prinzip der „bajat“, also die Idee eines Gesellschaftsvertrags, viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution. Um zu regieren und zu herrschen, sollte mit jedem, egal ob Mann oder Frau, ein Abkommen geschlossen und Einverständnis erzielt werden. Selbst dem Propheten Mohammed wurde aufgetragen, sich bei der Führung der Gemeinde vom gesamten Volk, auch von den Frauen, eine „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag, hier im Sinne einer Zustimmung) einzuholen (Sure 60, Vers 12). Die Prinzipien des Korans, die sich in Übereinstimmung mit der demokratischen Logik befinden, hat der amerikanische Nahost-Experte Leonard Binder in seinem Buch „Islamic Liberalism“ folgendermaßen zusammengefasst: „Erteilt Gott oder das Volk die Berechtigung zum Regieren? Diese Diskussion ist so gelöst worden: Die ursprüngliche Berechtigung kommt von Gott, aber sie wird über das Volk an bestimmte Personen übertragen. Dass die Berechtigung zur Machtausübung, deren Quelle Gott ist, über das Volk auf, von ihm ausgewählte, Führer übertragen wird, ist Demokratie.“ Im Kern bedeutet dies: Gott, der allmächtige Herrscher, gab dem Menschen eine Legitimation zum Herrschen. Der Mensch benutzt diese Legitimation, indem er bestimmten Personen ein Mandat überträgt und dabei die Prinzipien der „Schura“ und der „Bajat“ anwendet.

 

Frage 22: Warum missachtet man diese Wahrheit aus dem Koran? 



 

Der traditionelle religiöse Diskurs in den islamischen Ländern missachtet die Wahrheit dieser grundlegenden Prinzipien. Der ägyptische Gelehrte Abu Said ist der Ansicht, dass die traditionellen Gelehrten dies nicht aus Unkenntnis tun, sondern um die Wahrheit bewusst zu verheimlichen.

 

Frage 23: Wie wichtig sind der Verstand und die Prinzipien universellen Rechtes im Koran? 



 

Der Koran hat dem Menschen die Allmacht entzogen und sie an bestimmte Prinzipien und Leitlinien gebunden. Werte werden von Gott im Koran gegeben und von ihm verfügbar gemacht. Dem Koran zufolge ist der erste dieser Werte der Verstand. In Sure 10, Vers 100 heißt es: „Und Gott zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen.“ In die Rechtssprache der modernen Zeit übersetzt heißt das: Die Herrschaft beruht auf den Prinzipien des universellen Rechtes. Der Koran verweist immer wieder auf diese universellen Prinzipien. Der Koran ruft dazu auf, den Verstand zu benutzen und kritisiert es, wenn Menschen sich wie eine Herde Vieh verhalten. Das Volk darf niemanden zu seinem Hirten machen und sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiger Teil der zeitgenössischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert.

 

Frage 24: Unterstützt die Österreichische Bundesregierung den „wahren Islam“? 



 

Nein. Faktum in Österreich ist, dass viele der islamischen Organisationen, die behaupten, Muslime zu vertreten, Verbände des „politischen Islam“ sind, der eigentlich nicht auf dem wahren Islam, sondern einem traditionellen Islam und den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht. Nach einem bedingungslosen Dialog mit Gruppierungen des „politischen Islams“ muss etwas Wichtiges aufgezeigt werden. Denn es zeichnet sich seit Jahren eine gefährliche, teils absichtlich herbeigeführte Entwicklung in Österreich ab. Unter dem Vorwand des Dialogs werden die Unwissenheit oder die Vorurteile mancher österreichischer Politiker, Verbände oder Kirchen über den politischen Islam ausgenutzt.

 

Frage 25: Wo ist eine Verpflichtung im Koran zum Kopftuchtragen festgeschrieben und in welchem Vers? Steht das Wort „Kopftuch“ ausdrücklich in diesen Versen oder nicht?

 

Nein, das Wort „Kopftuch“ steht im Koran, der aus einhundert 114 Kapiteln (Suren) besteht, in keinem der 6.263 Verse. Jede Sure hat drei bis 300 Verse. Zunächst einmal zum umstrittenen Thema Kopftuch: Woher stammt das Kopftuch? Seit wann wird es getragen? Inwiefern handelt es sich beim Tragen eines Kopftuches um eine religiöse Pflicht, ein spirituelles Gebot oder eine gesellschaftliche Konvention? Wo ist eine Verpflichtung zum Kopftuchtragen festgeschrieben? Welchen Bedeutungswandel erfuhr das Kopftuch im Zeitverlauf? Wie bereits erwähnt, gibt der Koran, die verbindliche Hauptquelle des Islams, keine Auskunft über diese Fragen. Lediglich in drei Versen findet sich die Formulierung „den Körper bedecken“ (Sure 24 Vers 31 und 60, Sure 33 Vers 59), das Wort „Kopftuch“ (oder eine andere Kopfbedeckung) wird aber selbst in diesen drei Versen nicht erwähnt. Anders in der Bibel: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern den Frauen sogar vorgeschrieben (vgl. Paulus, Korintherbrief). Nun möchten aber viele Menschen wissen, ob es sich bei islamischen Kopftüchern um ein religiöses Gebot handelt (dann müsste dies auch im Koran festgeschrieben sein) oder ob wir es nicht vielmehr mit einem historisch gewachsenem politisch-religiösen Phänomen zu tun haben, dass sich auf den Einfluss politischer und kultureller Traditionen zurückführen lässt. Das häufig angeführte Argument, das Kopftuch sollte „vor den Blicken der Männer schützen“ erscheint in unserer aufgeklärten Zeit jedenfalls vielen absurd und selbst im traditionell-historischen Kontext nicht als ganz stimmig… Und es gibt viele solcher falschen Argumente, die gegenüber dem Koran nicht standhalten.

Die Befürworter, besonders hier die weiblichen Befürworterinnen, des Kopftuches leiten ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Verhüllung aus dem Koran ab. Es empfiehlt sich daher, in jenen Suren und Versen des Korans nachzulesen, auf die sie sich berufen:

 

Sure 24, Vers 31 



 

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzen, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.“ [„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt als „Reize“] [„Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt als „Busen“]

 

Sure 24, Vers 60 



 

„Und für die unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es kein Vergehen, wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne dass sie jedoch den Schmuck zur Schau stellen. Und besser wäre es für sie, dass sie sich dessen enthalten. Und Gott hört und weiß alles.“

 

Sure 33, Vers 59

 

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunter ziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.“

 

(Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses. (Gütersloh, 2. durchgesehene Auflage 1992)).

 

Bei Betrachtung der oben geschilderten Verse sieht man, dass das Wort „Tuch“ vorkommt, aber nicht das Wort „Kopftuch“ als solches. Auch bei der RICHTIGEN türkischen Übersetzung des Korans werden Sie das Wort „basörtü“ nicht finden. „Bas“ bedeutet auf Türkisch „Kopf“ und „örtü“ bedeutet auf Türkisch „Tuch“. Trotzdem findet man bei fast allen Auslegungen und Übersetzungen des Korans sowohl in türkischer als auch in deutscher Sprache die Übersetzung „Kopftuch“. Aber in Wahrheit bedeutet das Verb „himar“, das in diesem Vers 59 ausdrücklich erwähnt wird, in arabischer Sprache nicht „den Kopf bedecken“, sondern nur „bedecken“. 

Falls im Koran überhaupt etwas explizit bedeckt werden soll, würde es auch erwähnt werden. Das ist aber nicht der Fall. Die theologische Begründung für das Gebot zum Kopftuchtragen wird aber dennoch in erster Linie auf den Koran zurückgeführt.

Die Sure 24,31 ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den Männern zu verbergen, aber nicht den Kopf zu bedecken. Das steht wie oben aufgezeigt schwarz auf weiß im Koran Sure 24,30 und 31, Sure 33,59. Bei Übersetzungen wird aber in der Regel mit Klammerausdrücken versucht, den Koran willkürlich zu interpretieren. Dieser fatalen Praxis ist dringend Einhalt zu gebieten: Wir müssen bei den Fakten bleiben. Persönliche und gesellschaftliche Ansichten dürfen in Interpretationen genauso wenig einfließen wie tradierte kulturelle Aspekte.

 

Ich möchte meine Ausführungen noch mit einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Wenn man das Wort „Bettdecke“ verwendet, benützt man neben dem Wort „Decke“ auch das Objekt „Bett“, um zu betonen, was genau bedeckt werden soll, wo etwas bedeckt werden soll oder wozu es dient (Bettdecke, Überdecke, Schlafdecke, Krankenhausdecke – Achtung ungenau, es handelt sich um ein (ungenaues) zusammengesetztes Hauptwort. Eine Schlafdecke ist eine Decke zum Schlafen, eine Krankenhausdecke ist aber die Decke eines Krankenhauses (gehört dem Spital), sie ist keine Decke zum Krankenhausen. Eine Bettdecke heißt nicht so, weil sie das Bett bedeckt, sondern weil sie für das Bett gedacht ist im Gegensatz zur z.B. Tischdecke). Gemäß dieser Logik müsste für den Begriff „Kopftuch“ neben dem Begriff „bedecken“ auch das Wort „Kopf“ oder ein anderer Begriff vorkommen. Das im Vers erwähnte Betonungswort neben dem Wort „himar“ (Bedeckung) ist „cuyub“, welches aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt „Brust“ oder „Kragen“ bedeutet. (also wäre die Übersetzung eher Halstuch, Überwurf) Dasselbe Wort „cuyub“ wird auch in einem anderen Vers im Koran erwähnt, nämlich Sure 28 („Kasas“), Vers 32, wo das Wort im Kontext „Er legte seine Hand auf die Brust/den Kragen von Moses“ gebraucht wird. Also wenn das Wort „cuyub“ mit dem Wort „himar“ (bedecken) kombiniert wird, bedeutet „bi-himür-ihinne ala cuyub-ihinne“ nicht „den Kopf bedecken“, sondern „die Brust/Kragen bedecken“. Fast alle traditionellen Auslegungen des Korans analysieren diese Verse nicht wissenschaftlich, sondern deuten das Ganze eigensinnig mit einem Gebot wie „Sie sollen ihre Kopftücher bis zu deren Kragen bedecken“, in dem sie auch das Wort „felyedribne“ als „sie sollen bedecken“ frei übersetzen, also mehr interpretieren und schon gar nicht direkt übersetzen. Das sind ganz freie Übersetzungen und Interpretationen, die solche Irrtümer nach sich ziehen.

 

Diese traditionellen Islam-Auslegungen schaffen für den politisierten Glauben einen festen Boden. Sie interpretieren dasselbe Wort, welches aus dem Wort „darabe“ stammt, als „sie sollen ihren Kopf bedecken“, wobei sie dasselbe Wort, in einer anderen Sure im Zusammenhang „Ihr sollt eure Frauen schlagen“ (siehe: Sure Nisa, Vers 34) verwenden. Um es auf den Punkt zu bringen: Obwohl die Originalausgabe des Korans keinen Bezug auf das Kopftuch nimmt, wird dieses zum identitätsstiftenden Symbol für traditionelle und politisierte Islam-Anhängerinnen und Anhänger. Als solches steht es immer wieder im Zentrum von Islam-Diskussionen, nicht nur in der Türkei, sondern mittlerweile vermehrt auch in Österreich und anderen europäischen Ländern. Dabei wird nicht über die wahre, im Koran festgeschriebene Religion Islam debattiert, sondern über eine Religion, die sich als Folge des politisierten Glaubens der traditionellen Nahostkultur begreifen lässt. Sie hat ihren Ursprung in der sumerischen, jüdischen und christlichen Kultur.

 

Eigentlich hat das Wort „Kopftuch“ in der Bibel seine Wurzeln (vgl. Pentateuch und Paulus, 1. Brief an die Korinther): Im Alten und Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern das Tragen des Kopftuchs wird sogar als Pflicht für die Frauen beschrieben. So heißt es etwa im Brief von Paulus an die Korinther: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet, aber dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dabei in keinster Weise von der Geschorenen. Wenn eine Frau das Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen, aber es ist eine Schande, sich die Haare abzuschneiden oder gar sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich eben verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, denn er ist ein Abbild und Abglanz Gottes, aber der Mann stammt nicht von der Frau ab, sondern die Frau vom Mann“. Übrigens gelten diese Soll-Anweisungen des Apostels Paulus nur für den Gottesdienst. In der Korintherbrief-Stelle ist keine Rede vom Alltag.

 

Über den Hl. Paulus haben wir viel geschrieben. Über unseren lieben Landsmann aus Tarsus in der Türkei. Ohne Paulus zu verstehen, kann man auch den manipulierten Koranischen Islam nicht verstehen. Er ist einer der wichtigsten Persönlichkeiten und Missionare der frühchristlichen Zeit. Die ersten Christen und Christinnen waren ja wie Paulus und auch Jesus Christus jüdischer Abstammung. Paulus übernahm kulturelle Aspekte aus seiner ehemaligen Religion, dem Judentum. Wenn wir im Alten Testament Gen 24,65 nachlesen, dann sehen wir, woher der kulturelle Aspekt „Verhüllung“ stammt und wie er in die christliche Religion Eingang fand: „Und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie (Rebekka) den Schleier und verhüllte sich“. Auch in Gen 38,14 wird über Schleier und Verhüllung geschrieben. Kurz: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kann man zur „Kopftuchpflicht während des Gebetes“ etwas lesen.

 

Das Kopftuch bei Paulus

 

Die Bibelstelle im 1. Kor 11,2-16 lautet: „Ich erkenne es lobend an, dass ihr in allen Beziehungen meiner eingedenk seid und an den Weisungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. Ich möchte euch aber zu bedenken geben, dass das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber der Mann, und das Haupt Christi ist Gott. Jeder Mann, der beim Beten oder bei erbaulichen Reden eine Kopfbedeckung trägt, entehrt sein Haupt; jede Frau dagegen, die mit unverhülltem Haupt betet oder erbauliche Reden hält, entehrt ihr Haupt; sie steht dann ja auf völlig gleicher Stufe mit einer Geschorenen. Denn wenn eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich auch scheren lassen; ist es aber für eine Frau schimpflich, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann dagegen darf das Haupt nicht verhüllt haben, weil er Gottes Ebenbild und Abglanz ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch ist der Mann ja nicht um der Frau Willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes Willen. Deshalb muss die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Haupte tragen, um der Engel Willen.“

 

Das Kopftuch im orthodoxen Judentum

 

Im orthodoxen Judentum bedecken heutzutage verheiratete Frauen ihre Haare aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch oder einer Perücke. Bereits die hebräische Bibel, also das Alte Testament sprach von einer Verschleierung der Frauen. So verschleierte sich Rebekka, die Frau Isaaks nach Gen. 24,51, Gen. 24,65: „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich….“. [Natürlich wird nach der modernen Bibelwissenschaft 1 Kor 11,5 teilweise als späterer Zusatz angesehen. Womit wiederum die Bibelexegeten das Heft in der Hand behalten würden. Wie gezeigt wurde, geht aber aus dem Alten und Neuen Testament klar hervor, dass Kopftuch, Schleier und Verhüllung nicht nur Empfehlungen waren, sondern (sittlich) verpflichtend vorgeschrieben wurden. Heutzutage wird das Kopftuch im Christentum fast nur noch in ländlichen Gegenden, insbesondere in orthodoxen Kirchen sowie von Frauen in mennonitischen bzw. täuferischen Gemeinschaften getragen.

 

Das Kopftuch als Mode und Tracht

 

Bis weit ins 20. Jahrhundert war es aber Sitte, dass in Österreich Frauen in der Kirche Kopftücher oder Hüte trugen. Je feierlicher, desto mehr Hüte, Kopftücher, Schleier und Goldhauben sieht man noch heute – egal bei welchem Anlass. Frauen lassen auch heute die Kopfbedeckung in einer katholischen Kirche auf, aber es ist eine Sitte, kein kirchliches Gebot (wenn es jemals eines war). Bei Papstmessen tragen Damen die sogenannte „Siziliana“, einen schwarzen Schleier über dem Haupthaar, seltener auch vor dem Gesicht.

 

Im Koran sucht man das Kopftuch vergeblich!

 

Während im Alten und Neuen Testament das Kopftuch verpflichtend vorgeschrieben wird, kommt im Koran nicht einmal das Wort Kopftuch vor, allenfalls das Tuch. Der Koran meint mit „Tuch“ aber kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dienen und ihre sexuellen Körperstellen verhüllen soll (siehe die Suren, die wir in deutscher Sprache angegeben haben).

 

Das Kopftuch bei den Sumerern

 

In der Geschichte kommt das Kopftuch bereits erstmals bei den Sumerern und somit lange vor dem Judentum vor. Dies fand die die 96-jährige türkische Sumerologin und Historikerin Muazzez Ilmiye Cig heraus. Sie erforschte ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen. Die Sumerer waren ein mesopotamisch-südanatolisches Volk, das im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte. Laut Prof. Cig waren die Sumerer die Ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendeten.

 

Die heiligen Schriften: Thora, Bibel, Koran

 

Der Koran

Nun wollen wir ein bisschen tiefer auf die verschiedenen „heiligen Schriften“ eingehen und ausbreiten, inwiefern die heiligen Bücher und Schriften sich voneinander trennen und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Koran wird als die Heilige Schrift des Islams definiert, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes („Allah“) an den Propheten Mohammed (570/573-632), vermittelt durch den (Erz-)Engel Gabriel, enthält. Kurz und prägnant ausgedrückt, stellt der Koran für die Muslime das Wort Gottes dar. Die Offenbarungen, die Mohammed mündlich wiedergegeben hat, wurden von Schreibern aufgezeichnet und gesammelt. Allmählich wurden die Aufzeichnungen zu einem Buch zusammengefasst.

 

Die Bibel

Im Gegensatz zum Koran ist die Bibel eine Sammlung von 66 Büchern, die von verschiedenen Autoren beziehungsweise Redakteuren als Bericht bzw. Poesie verfasst und im Laufe der Jahrhunderte zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Sie wird in das Neue und das Alte Testament eingeteilt. Unter dem Begriff „Testament“ versteht man einen „Bund“, in dem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben wird. Die Bibel besteht zu cirka 75% aus Berichten, zu 15% aus Poesie und zu 10% aus Lehrtexten.

 

Das Alte Testament mit der Thora (Pentateuch oder fünf Bücher Mose)

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher, die in Kapitel und später in Verse eingeteilt wurden. Es wird sowohl von den Juden, als auch von den Christen als heilige Schrift betrachtet, d.h. dass sie direkt von Gott oder einem seiner Erzengel diktiert und/oder zumindest vom Heiligen Geist inspiriert, aber von verschiedenen Autoren geschrieben wurden. Das Alte Testament berichtet von der Erschaffung der Welt und von der Entstehung und Geschichte des Volkes Israel.

 

Das Neue Testament

Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern und versteht sich mit der Ankunft des Messias Jesus Christus als Antwort auf das Alte Testament. Es erzählt dessen außergewöhnliches Leben und berichtet von seinen Jüngern sowie von seinen frohen Botschaften, die allen Menschen gelten. Vier Bücher (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) bezeugen auf unterschiedliche Weise das Leben Jesu, seine Lehre, seine Wunder, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bis zur Himmelfahrt: Man nennt sie die „Evangelien“ (übersetzt „Gute Nachricht“ oder „Frohe Botschaft/Frohbotschaft“). Die darauffolgende Apostelgeschichte erzählt, wie die Jünger Jesu  die Auferstehung und die Himmelfahrt weitererzählen und diese Botschaft über das Römischen Reich bis zur heutigen Türkei (Kleinasien) verbreiten; sie berichtet von den Anfängen der christlichen Gemeinde, von Verfolgungen und ersten theologischen Problemen. Ein weiterer wesentlicher Teil sind die Briefe, besonders des Apostels Paulus. Das Neue Testament schließt mit der Johannes-Offenbarung, der sogenannten Apokalypse. Während die Juden auf Papyrusrollen schrieben, begannen die Christen, die Texte in Buchform zusammenzufassen, zu sogenannten Codizes.

 

Wichtig zu unterscheiden!

 

Wir müssen uns immer als Exegeten fragen, wer ist der Autor eines Textes? Wer diktierte den Text und wer schrieb ihn auf?

Dabei handelt es sich in den wenigsten Fällen um dieselbe Person.
Wir müssen hier sehen, dass der Koran direkt als Gotteswort konzipiert ist, das Alte und Neue Testament hingegen in Form von Berichten und Poesien verfasst ist. Wenn auch an vielen Stellen wiedergegeben wird, was Gott gesagt hat. Andere Stellen gelten als vom Heiligen Geist inspiriert. Die Offenbarung des Johannes wurde vom Erzengel Gabriel diktiert. Ein Vers in der Bibel ergibt nur dann einen Sinn, wenn er im Zusammenhang mit dem ganzen Text betrachtet wird. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man die Bibel einfach an einer beliebigen Stelle aufschlägt. Natürlich sind manche Abschnitte der Bibel schwer zu verstehen, weil viele Jahrhunderte zwischen damals und heute vergangen sind und wir die beschriebenen Bräuche und das Umfeld als fremd empfinden. Auf der anderen Seite wurde der Koran, der aus 114 Kapitel („Suren“) und 6.243 Versen besteht und das Gotteswort wiedergibt, auf ein Ereignis hin offenbart, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen. Man muss den historischen Kontext kennen, um ihn richtig zu interpretieren. Man muss ihn mit den Gegebenheiten der Zeit sehen.

 

Wurde der Bibeltext verfälscht? Behauptet das der Koran?

Das evangelische „Institut für Islamfragen“ ist ein Netzwerk von Islamwissenschaftlern und wird von den Evangelischen Allianzen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz getragen. Frau Dr. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Prolog für uns sehr Interessante Aussagen: „Heute ist unter Muslimen die Auffassung, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, längst Allgemeingut. Man geht davon aus, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament ursprünglich wahre Offenbarungen Gottes waren, im Laufe der Zeit jedoch von Menschen verändert und verfälscht wurden. Andere Bezeichnungen von früher zu den Menschen gesandten Schriften sind präziser. So nennt der Koran sowohl die Tora (arab. taurâh) als auch das Evangelium (arab. Injîl, türk. Incil) beim Namen. Das Evangelium wird insgesamt zwölfmal im Koran erwähnt. Was meint allerdings der Koran mit dem Evangelium? Letztlich bleibt unklar, ob er damit vor allem die Erzählungen von Jesus meint oder eines der vier Evangelien, alle vier Evangelien zusammen oder etwa das ganze Neue Testament. Interessanterweise wird im Koran der Wert früher überlieferter Bücher wie auch des überlieferten Evangeliums zu Beginn von Muhammads Offenbarungen nirgends grundsätzlich in Frage gestellt, sondern vielmehr positiv hervorgehoben. Erst später taucht im Koran der pauschale Vorwurf der Schriftverfälschung auf.“

 

Schirrmacher erzählt weiter: „Die vor Muhammad und mit Muhammad gesandten Schriften widersprechen sich nach Auffassung des Korans eigentlich nicht, sondern bestätigen sich vielmehr gegenseitig. Jeder Prophet, der in der Geschichte mit einer Offenbarung Gottes zu seinem Volk gesandt wurde, bestätigt die Botschaft seiner Vorgänger, da die Botschaft Gottes sich niemals ändern kann. So bestätigte Jesus die Sendung von Noah, Abraham und Moses, und Muhammad bestätigt die Botschaft Jesu. Deutlich hebt der Koran hervor, dass das Evangelium wie zuvor die Tora von Gott zur Rechtsleitung der Menschen gesandt worden ist: „Er hat auch die Tora und das Evangelium gesandt, früher, als Rechtsleitung für die Menschen“ (3,3-4). Besonders positiv über den Wert des Evangeliums, das „Rechtsleitung“ und „Licht“ enthält, äußert sich Sure 5,46: „Und wir ließen nach ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was vor ihm da war, nämlich die Tora. Und wir gaben ihm das Evangelium, das Rechtsleitung und Licht enthält und das bestätigt, was vor ihm da war, nämlich die Tora, und als Rechtsleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen“ (5,46). Zunächst spricht der Koran nirgends davon, dass die Offenbarungen des Alten und Neuen Testamentes (oder: wie der Koran sagt, der Tora und des Evangeliums) grundsätzlich überholt oder vom Koran abgelöst worden seien“. Soweit Schirrmacher.

 

Das Kopftuch: Wozu diente es in der Geschichte? Wozu dient es heute?

Jetzt kehren wir zurück zum Thema Kopftuch, und diesmal im Bezug auf dessen Funktionalität und historischen Aspekte. Wir fragen uns, was das Kopftuch ist, wozu es dient, seit wann das Kopftuch getragen wird, und inwiefern das Tragen eines Kopftuches eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention ist, und wie sich dieses Phänomen im Laufe der Zeit verändert hat, sodass es zu einer der zentralen Fragen bezüglich Religionsfreiheit und Frauenrechte entwickelt geworden ist.

Frau Prof. Cig beschrieb folgende Bedeutungen des Kopftuchs: „In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen (gemeint sind Tempelhuren, Anm.), zu den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer ‚öffentlichen Frau‘ wurden. Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken. Viel später – erst ca. 1600 v. Chr. – führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die ‚öffentlichen Frauen‘, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden.“ Laut Cig, die viele Werke zum Thema schrieb, tauchte auch der Turban zum ersten Mal bei den Sumerern auf. Er sei später vom Judentum, Christentum und danach von der arabischer Kultur und somit von Islam übernommen worden. Frau Cig betonte, dass der Turban eigentlich nichts anderes sei, als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung erlangt habe.

 

Im Folgenden ein paar Ausschnitte aus einem Interview mit Frau Muazzez Ilmiye Cig: 

Frage: „Sehr geehrte Frau Cig, bitte klären Sie uns einmal über das viel umstrittene Thema auf: Wer bei den Sumerern hat sich wieso bedeckt?“ 



 

Cig: Bei den Sumerern hatte jeder Gott ein eigenes Haus, sozusagen einen Tempel. In diesen Tempeln beteten die Menschen ihre Götter an. Es war allerdings nicht vorgeschrieben, was sie für die Götter tun sollten. Alle definierten die Art zu beten für sich selbst und praktizierten ihr eigenes Gebet.

 

Frage: „Waren diese Tempel also eine Art ‚Häuser eigenen Gewissens‘?“

 

Cig: Genau, diese Tempel waren Orte, wo Menschen mit ihrem Gewissen alleine bleiben konnten. Sie waren in ihren Gebeten freier als in den heutigen Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Sie sangen oder tanzten, um die Götter zufriedenzustellen. Unter den Betern waren auch Ordensfrauen. Manche von ihnen wurden eben zu diesen ‚öffentlichen Frauen‘.

 

Frage: „Was bedeutet das Wort ‚öffentliche Frau‘ genau?“ 



 

Cig: Das waren die Frauen, die die Aufgabe hatten, Geschlechtsverkehr zu praktizieren [alternativer Begriff: Tempelhuren, Anm.], aber sie waren keine Prostituierten, denn sie verlangten kein Geld. In den Tempeln gab es sogenannte Liebesräume, wo die öffentlichen Frauen den Jugendlichen Sexpraktika beibrachten. Im Gilgamesch-Epos gibt es eindeutige Hinweise darauf. Um dem Mann, der im Wald unter Tieren aufgewachsen ist, Menschlichkeit beizubringen, wurde eine Ordensfrau aus einem Tempel bestellt und sie lehrte ihm, wie man spricht, isst und Geschlechtsverkehr hat. Diese öffentlichen Frauen wurden bei den Sumerern als weise Lehrerinnen betrachtet. Während sie dieser heiligen Aufgabe nachgingen, opferten sie sich vollständig im Namen der Götter auf. Eigentlich war die Jungfräulichkeit bei den Sumerern schon ein Thema. Die Tatsache, dass die öffentlichen Frauen trotzdem Geschlechtsverkehr haben durften, zeigt, wie heilig diese Aufgabe wirklich war.

 

Frage: „Woher weiß man, dass die Jungfräulichkeit ein Thema war?“

 

Cig: Laut alter Tafeln [Tontäfelchen mit Schriftzeichen oder Gesetzestafeln, Anm.] bekam eine Frau, die vor der Heirat als Jungfrau galt, bei der Scheidung Schadenersatz.

 

Frage: „Warum trugen die ‚öffentlichen Frauen‘ ein Kopftuch?“



 

Cig: Damit man sie von anderen Ordensfrauen in den Tempeln unterscheiden konnte. Zum Beispiel trugen die Prostituierten auch kein Kopftuch. Das ist das spezielle Symbol der öffentlichen Frauen in den Tempeln und somit das erste Kopftuch in der Geschichte.

 

Frage: „Wie ging es dann weiter?“

 

Cig: Viel später führten die Assyrer im 16. Jahrhundert vor Christus plötzlich die Kopfbedeckung für verheiratete und verwitwete Frauen ein. Der Sinn dahinter war, dass man zeigen wollte, dass auch diese Frauen legalen Geschlechtsverkehr haben.

 

Frage: „Heißt das, dass eine Frau mit Kopftuch sich als Nichtjungfrau geoutet hat?“



 

Cig: Ja, ganz genau! Aber viele Gläubige missverstehen diese Tatsache. Sie denken, ich würde behaupten, dass die Prostituierten das erste Kopftuch in der Geschichte getragen hätten. Aber weder die öffentlichen Frauen bei den Sumerern noch die verheirateten und verwitweten Frauen bei den Assyrern waren Prostituierte.

 

Frage: „Also diente das Kopftuch einer Frau eigentlich schon vor tausenden Jahren, das heißt vor dem Islam bzw. Judentum und Christentum, einfach dazu, ihren Status zu zeigen?“

 

Cig: Das ist auf den Punkt genau, was ich sagen möchte. Sogar nicht ich, sondern die Geschichte sagt das. Weder ergänze ich die Tatsachen, noch interpretiere ich sie. Ich erzähle nur die wissenschaftlichen Fakten.

 

Das Kopftuch: eine alte Tradition



 

Also, wie man sieht, ist das Tragen eines Kopftuches eine ganz alte Tradition des Mittleren Ostens und des mesopotamischen Raums. Was die Verhüllung und das Tuch im Islam betrifft, ist es reine Interpretationssache, wie man die oben erwähnte Sure „Nur“ auslegt. Viele Hermeneutiker, aber auch viele Theologen, sind der Meinung, dass mit dem Bedecken von „Scham“ und „Schmuck“ Geschlechtsorgane, Busen etc. gemeint sind, und es gibt weder direkt, noch indirekt einen Hinweis darauf, dass der Kopf der Frau mit einem Tuch voll verschleiert werden soll. 

Im geschichtlichen Verlauf wurden aber in fast allen Religionen einige sittliche und gesellschaftliche Konventionen in das heilige Wort Gottes hineininterpretiert. Dadurch blieben gewisse gesellschaftliche Rollen und Positionen und damit Machtverhältnisse erhalten. Es stimmt allerdings nachdenklich, dass sehr alte Auslegungen und Interpretationen, sowie die Interpretationswahrnehmung dritter Personen, die sich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, heute zu ungerechtfertigten Belästigungen und politischer Instrumentalisierung führen und in Gestalt der „Kopftuchdebatte“ ein gesellschaftspolitisches Problem konstruieren.

 

Quellen: Der Koran, Die Bücher der größte islamischer Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (gestorben 1938) ) und Die Bücher von Prof. Dr. Yasar Öztürk, Hasan Hanefi ( Agathen), Ali Seitab ( Iran), Mehmet Akif ( Türkei) , Muhammed Abid El  Cabiri( Marakko), Dozent Dr. Mustafa Sag., Enfa, Deutsche Bibelgesellgeschaft

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01 09 2017
By: Redaktion 0

Gedanken zum Opferfest – Eid Mubarak!

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29 08 2017
By: Redaktion 0

Warum Halal Zertifizierungen und Islamic Banking?

Wir haben den Verdacht, dass am europäischen Finanz- und Lebensmittelmarkt durch Lobbyisten systematisch aus den Unkenntnissen der Menschen bezüglich des Korans Parallelwelten gebildet werden. Ein Beispiel sind  Halal-Lebensmittel sowie Banken und Finanzprodukte, die religiöse Muslime ansprechen sollen.

von Birol Kilic

Wir haben den Verdacht, dass am europäischen Finanz- und Lebensmittelmarkt durch Lobbyisten systematisch aus den Unkenntnissen der Menschen bezüglich des Korans Parallelwelten gebildet werden. Ein Beispiel sind Halal-Lebensmittel sowie Banken und Finanzprodukte, die religiöse Muslime ansprechen sollen.

Ich habe als überzeugter säkularer Muslim einmal eine Einladung für einen Workshop von der Wirtschaftskammer Oberösterreich bekommen, der mir unter dem Titel „Vielfalt schätzen. Vielfalt nutzen.“ erklären sollte, wie wichtig „Wirtschaft und Islam:
Halal Bestimmungen und Zertifizierung sowie Islamic Banking“ sind. So lautete die Einladung.

Warum sollen wir uns die Halal-Bestimmungen und Zertifizierungen sowie Islamic Banking merken? Hier möchte man uns folgendes näher bringen: Was ist „Halal“? Was bringt die Halal Zertifizierung? Welches sind die gängigsten islamischen Halal-, Bank- und Versicherungsprodukte? Was hat es mit dem Zinsverbot auf sich? Meiner Meinung nach sind diese „Halal“- Produktlinien (halal bedeutet übersetzt „erlaubt“) und das „Islamic Banking“ durch die Unterstützung mancher Standesvertretungen bzw. von Personen aus dem Nahen Osten oder der Türkei nicht Formen der erwünschten kulturellen Vielfalt, sondern Anzeichen für die Schaffung einer „parallelen Welt“oder sogar eines „parallelen Planeten“ in ganz Europa. Warum? Obwohl die Speisegesetze im Judentum nach dem „Alten Testament“ Thora 100-mal „strenger“ sind als im Islam, versucht man seit etwa fünf Jahren in ganz Europa Halal und Islamic Banking gesetzlich zu etablieren und verstärkt salonfähig zu machen. Diese Entwicklung verfolgen wir Europäer mit türkischer Abstammung, kurz „Euro-Türken“, deswegen mit Trauer, weil hier der wahre Glaube (der Islam), der im Koran schwarz auf weiß aufgezeichnet ist, gegenüber den Menschen verfälscht wiedergegeben wird.

Hier soll offensichtlich das Leben der europäischen Muslime weiter erschwert werden durch dubiose Interpretationen des Korans durch politisch tätige radikale fundamentalistische Muslime und ihre Helfer innerhalb Europas. Im Koran ist lediglich festgesetzt, dass es ein eindeutiges Verbot für „Schweinefleischverzehr, Alkohol, Blut und tote Tiere“ gibt. Dagegen hat ja wohl kaum jemand etwas einzuwenden. Hat jemand etwas gegen das Verbot des Schweinefleischverzehrs im Judentum oder andere religiöse Speigesetze? Nein! Warum versucht man dann aber auf der anderen Seite, die Verse des Korans für dubiose Geschäftszwecke möglichst großzügig (oder einengend), jedenfalls ganz streng ihren geschäftlichen und poltischen Interessen entsprechend zu interpretieren und die „Nichtwisser“, die von dem islamischen Glauben (auf den Koran bezogen) keine Ahnung haben, im Namen Allahs hinters Licht zu führen. Es wird hier Betrug im Namen Gottes gemacht. Und dagegen erhebe ich EINSPRUCH.

Die Fundamentalisten können mit dieser Täuschung nicht beruhigt sein. Im „Luqmán-Kapitel“ des Koran, Vers 33, sagt Allah folgendes: „Das Leben dieser Welt soll euch nicht täuschen, noch soll der Verführer euch täuschen über und im Namen Allahs“. Folglich haben wir das Recht zu fragen: Wer ist bei diesem „Halal“ und „Islamic Banking“ der Lügner, der Verführer und der Täuscher, der im Namen Allahs uns hier auf dieser Erde betrügen will?! Natürlich ist mit Verführer hier der Satan gemeint! Der Verführer und Täuscher verfolgt hier eigentlich satanische Zwecke für seine eigenen Interessen. Wer ist nach dieser Textstelle der eigentliche Lügner, der Betrüger oder Verführer, der mittels Halal und Islamic Banking eine bewusste Täuschung „über und im Namen Allahs“ begeht? Die Antwort können Sie sich selber bilden.

Diese Aussage des Korans (Lugman, 33) ist die wichtigste Wahrheit, die in den islamischen Gesellschaften gerne verschwiegen und vertuscht wird. In den islamischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass diese Wahrheit im Koran möglichst verborgen bleibt. In Europa wird das gleiche Spiel gespielt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen Europäern unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern etwas an den Zuständen zum Positiven ändert. Damit zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung in Europa ab. Unter dem Vorwand eines missverstandenen „Dialogs“ werden die Unwissenheit und die Vorurteile über den politisierten fundamentalistischen islamischen Glauben, wie sie bei manchen europäischen Volksvertretern und Amtsträgern, bei Verbänden, den Kammern oder auch den christlichen Glaubensgemeinschaften verbreitet sind, ausgenutzt. Unter den Begriffen „Halal“ und „Islamic Banking“ wird versucht, den Boden mittels der Ausbildung von monopolartigen marktnischen und pseudo-religiösen Finanzprodukten aufzubereiten.

Alle aufrichtigen europäischen Bürgerinnen und Bürger müssen gegen solche Machenschaften Einspruch erheben und dürfen sich vor niemandem beugen, der ihnen Angst einflößen oder sie verunsichern will. JA zum Glauben! NEIN zur Ausnützung, Politisierung, Verfälschung des Glaubens! NEIN zu jeglichen „Parallel-Welten“! Wir wissen, dass sogar Kraftfahrzeug-, Häuser-, Wohnungen-, Champagner- oder Energy-Drink-Hersteller sich Halal-Zertifikate aus EU Ländern holen. (z.B. Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland). Unterstützung bekommen sie sogar von Wirtschaftskammern.

Ein Landsmann, der Apostel Paulus, vorher Saulus genannt, aus Tarsus in der Türkei, der von Geburt an ein frommer Jude war und sich den strengen jüdischen Speisegesetzen unterwarf, war ja gerade derjenige, der die Beschneidung und die strengen Gesetzesauflagen für jüdische Männer „für nicht gültig“ erklärt hat, um besser missionieren zu können. Er war gemeinsam mit dem Apostel Petrus einer jener Männer, die die strengen Speisegesetze des Alten Testaments (nach einer göttlichen Eingebung) für die nichtjüdischen Christen abgeschafft haben. Er hat sich damit sicherlich anfänglich in seiner kleinen Gemeinde, wo die Christen noch nach den strengen jüdischen Gesetzen lebten, Feinde geschaffen, aber auch neue Freunde gewonnen.

Fazit: Die Christen haben die für sie schwierigen Speisegesetze und sogar das Zinsverbot aufgehoben. Sogar erst in der Neuzeit. Warum versuchen bestimmte Lobbyisten aus dem Nahen Osten und aus Europa jetzt mit Halal und Islamic Banking in Europa, solche strengen Sitten mittels des politisierten Glaubens und des Fundamentalismus durch die Hintertür wieder zu etablieren? Viele Menschen haben in vielen Punkten ihre moralischen europäischen Wertevorstellungen verloren. Halal-Zertifizierungen und Islamic Banking, unter dem Deckmantel der Religion sind eine Beleidigung gegenüber der Religion des Koranischen Islam. Gäbe es ein „Jewish Banking“ oder ein „Christian Banking“, wäre es interessant zu sehen, wie auch hier das gleiche System installiert wird, ist doch nach dem Alten Testament der Zins dezidiert mindestens gegenüber Brüdern verboten.

Zwei offene Fragen dazu.: Warum gibt es nicht Begriffe oder Bestimmungen mit dem Namen „Jewish Banking“ oder „Christian Banking“ aber die Begriffe „Islamic Banking“? Und warum unterstützen das so gerne viele Europäer gierig mit verschiedenen sehr bedenklichen Argumenten?

Warum versucht man im Islam so etwas aufzubauen, das sogar in der Türkei von der Mehrheit der Bevölkerung (75 Mio. Einwohner) nicht angenommen wird. Das Wort „Riba“ im Koran darf nicht als „Zins“ verengt interpretiert werden, sondern deutet auf jede heuchlerische und ausbeuterische Vermehrung des Vermögens hin. Wie können also zwei türkische Banken (Vakifbank, Denizbank) sogar mit höheren (Spar- und Kredit-) Zinsen als ihre Konkurrenz in Europa Kunden gewinnen und Inserate auf den (teuren) ersten Seiten der Zeitschriften und Magazine in Europa täglich für solche Spareinlagen schalten? Gegen diese verkehrte Logik, diese heuchlerische Kundenanwerbung und das Einschleichen der Lobbyisten in Europa, aus dem Nahen Osten und der Türkei, die hier Kunden, Institutionen, politische Parteien und Medien für ihre eigenen Zwecke missbrauchen, müssen wir Einspruch erheben und Stopp schreien!

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09 09 2015
By: Redaktion 2 0

Unfähigkeit von Muslimen?

Nach dem Fund des leblosen Körpers von Aylan sind wir alle herausgefordert, unsere eigene Verantwortung den Flüchtlingen gegenüber zu überdenken, und ob wir uns wirklich ausreichend genug für den Frieden einsetzen.

 

Gastkommentar von Prof. Dr. Ednan Aslan

 

Aylan ist wegen des Bildes nun ein Flüchtlingsopfer mit Namen – nicht das erste und weitaus nicht das letzte Kind als Opfer der Kriege in unserer Welt. Dass nun eines dieser Kinder mit Bild und Namen durch die Medienlandschaft gereicht wird, sollte ausreichend sein, um mehr Sensibilität in diesen Tagen aufkommen zu lassen, denn alle Flüchtlingskinder dieser Tage sind Aylan.

 

Die westlichen Staaten sind mit den Flüchtlingsströmen anscheinend überfordert. Ist es der Wohlstand, das unbekümmerte und gesicherte Leben, welches angesichts dieser hereingebrochenen Dramatik diese Überforderung erzeugt? Wie sonst kann es sein, dass im Vergleich zu den Flüchtlingszahlen anderer Länder im Nahen Osten diese vergleichsweise geringe Zahl an Flüchtlingen dermaßen für Aufruhr sorgt? Würden die Flüchtlinge gerecht aufgeteilt werden, würden in manchen Gemeinden Europas gerade mal max. 30 Flüchtlinge leben müssen. Politische Uneinigkeit erzeugt hier noch mehr Leid als nötig.

 

Umso weniger kann ich die Haltung der reichen islamischen Staaten wie Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder des Oman nachvollziehen, die doch allein schon aus religiöser Pflicht ihre geschundenen Glaubensgeschwister, die ihnen auch noch kulturell nahe stehen, aufnehmen müssten. Die großen Gelehrten wie Qaradawi und Politiker wie Erdogan kritisieren paradoxerweise das Verhalten des Westens, verlieren aber kein Sterbenswörtchen an Kritik gegenüber Saudi Arabien oder aber Katar, die eigentlich an diesem Krieg in Syrien direkt beteiligt sind!

 

Auch richtet sich mein Unverständnis an die Muslime in Österreich, die einerseits ganz berechtigt die Flüchtlingspolitik des Westens kritisieren, sich aber andererseits nicht aufraffen können, lautstark vor der Botschaft Saudi Arabiens ihren Protest zu verkünden, um diese an ihre Verantwortung zu erinnern. Sonst sind viele aktive Organisationen ja mit den netten und berauschend beeindruckenden Einladungen und finanziellen Förderungen dieser arabischen Staaten sehr gut vertraut.

 

Wenn es auch sehr bitter ist, diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, möchte ich doch wiederholt sagen, dass die Muslime selbst in der Lage sein sollten, ihre eigenen Probleme zu lösen. Wenn über eine Milliarde Muslime nicht in der Lage sind, diesen Krieg in Syrien zu beenden, dann scheint mir deren Kritik gegen den Westen wie ein Schrei hoffnungsloser Unfähigkeit zu sein. Wie anders sonst kann man diese Dramatik gegenwärtig verstehen?

 

Ein Koranzitat soll diesen Artikel beenden und zum Nachdenken anregen, denn eine friedliche und positive Zukunft der Muslime hängt allein davon ab:

 

„Wahrlich, Gott ändert nicht die Lage der Menschen, außer sie ändern ihr inneres Selbst.“ Koran 13;1

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06 02 2015
By: Redaktion 2 0

Talk im Hangar 7 – Europas Extremisten – Wie gefährdet ist Österreich?

Servus TV – 23.01.2015 Europas Extremisten – Wie gefährdet ist Österreich?   Die Attentate von Paris und weitere Terrordrohungen gegen Europa haben die Debatte über den Islam und die Zuwanderung neu entfacht. Ist die gesellschaftliche Ausgrenzung der Grund für die zunehmende Radikalisierung gewisser muslimischer Gruppen? Oder ist die Religion der Grund? Während muslimische Organisationen und westliche Politiker behaupten, die Anschläge islamischer Extremisten hätten nichts mit dem Islam zu tun, kritisieren andere die Gewaltbereitschaft des Islam.   Die Frage, wie sich unsere Gesellschaft vor religiösen Extremisten schützen kann, ohne dabei alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen, steht im Zentrum der Debatte. Tatsache ist: Rund 570.000 Muslime suchen ihren Platz in der österreichischen Gesellschaft. Nicht alle sind bestens integriert. Islamische Identität in einem europäischen Umfeld – kann das gut gehen?

 

www.servustv.com/at/Medien/Talk-im-Hangar-781

 

Talk im Hangar 7

Servus TV – 23.01.2015

 

Moderation: Michael Fleischkacker

 

Gäste:

Susanne Scholl – Journalistin und Auslandskorrespondentin

Birol Kilic – Präsident der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich

Friedrich Steinhäusler – Physiker und Terror-Experte

Henryk M. Broder – islamkritischer Publizist und Kolumnist

Gerhard Haderer – österreichischer Karikaturist

 

 

Talk im Hangar 7

Servus TV – 23.01.2015

 

Die Attentate von Paris und weitere Terrordrohungen gegen Europa haben die Debatte über den Islam und die Zuwanderung neu entfacht. Ist die gesellschaftliche Ausgrenzung der Grund für die

zunehmende Radikalisierung gewisser muslimischer Gruppen? Oder ist die Religionder Grund? Während muslimische Organisationen und westliche Politiker behaupten, die Anschläge islamischer Extremisten hätten nichts mit dem Islam zu tun, kritisieren andere die Gewaltbereitschaft des Islam. Die Frage, wie sich unsere Gesellschaft vor religiösen Extremisten schützen kann, ohne dabei alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen, steht im Zentrum der Debatte.

 

Tatsache ist: Rund 570.000 Muslime suchen ihren Platz in der österreichischen Gesellschaft. Nicht alle sind bestens integriert. Islamische Identität in einem europäischen Umfeld – kann das gut gehen?

 

Fest steht: Die Drohungen islamistischer Extremisten beschäftigen den heimischen Verfassungsschutz. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert, die Politiker besorgt und die Bürger verunsichert. Europas Extremisten verbreiten Angst und Schrecken. Viele Staaten reagieren mit verstärkten Kontrollen und Anti-Terror-Aktionen. Spezial-Einheiten werden aufgerüstet. Die Überwachung intensiviert.

 

Wie groß ist die islamistische Gefahr in Österreich wirklich? Sollten wir als Reaktion auf die jüngste Terrorwelle unsere Einwanderungspolitik überdenken? Holen wir mit den Flüchtlingsströmen auch automatisch den Terror mit ins Land? Wie kann verhindert werden, dass sich junge Muslime radikalisieren? Wer stoppt den Vormarsch der Extremisten?

 

Moderation
Michael Fleischhacker

 

Gäste:

Susanne Scholl – Journalistin und

Auslandskorrespondentin

Birol Kilic – Präsident der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich

Friedrich Steinhäusler – Physiker und Terror-Experte

Henryk M. Broder – islamkritischer Publizist und Kolumnist

Gerhard Haderer – österreichischer Karikaturist

 

Sendetermine:

Freitag 23.01.2015 | 2:20
Donnerstag 22.01.2015 | 22:20

 

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26 01 2015
By: Redaktion 2 0

Gemeinsame Erklärung anlässlich des Int. Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner 2015

Wien – Feindschaft gegen Juden als Menschen, Volk und Religion ist ein altes Phänomen. Diese zunächst religiöse Judenfeindschaft war die Grundlage des Rassenantisemitismus bis hin zum Holocaust. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Jänner, den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den Juden, dem ersten Versuch einer technologisch organsierten Liquidierung eines ganzen Volkes. Diesem modernen Rassenantisemitismus ging eine religiöse Judenfeindschaft voraus. Christliche Religionsgemeinschaften haben Judenhass (Antisemitismus) längst thematisiert, scharf verurteilt und bereits wesentliche Schritte zur Überwindung dieses Erbes gesetzt.

 

www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150126_OTS0023/gemeinsame-erklaerung-anlaesslich-des-int-holocaust-gedenktages-am-27-jaenner-2015

 

Im islamischen Raum und unter den hier wohnenden Muslimen in Europa verzeichnet man in letzten Jahrzehnten bedauerlicherweise eine dramatische Steigerung des Judenhasses. (Beispiel: Malmö, Paris, Toulouse, Brüssel) Das beweisen entsprechende Umfragen (WZB-Berlin, Amadeu-Antonio Stiftung, Bielefelder Institut für Konfliktforschung, Grundrechtsagentur der Europäischen. Union und Deutsches Institut für Islamfragen.

 

Die Menschen in Europa unabhängig von ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit – sind gerade an diesem Internationalen Holocausttag gefordert, sich in Solidarität gegenüber Rassismus, Fundamentalismus, Juden- und Muslimenfeindlichkeit zusammen zu finden und zu verhindern, dass Mitglieder ihrer Gemeinschaften selbst zu antijüdischen oder sonstigen religionsfeindlichen oder rassistischen Akteuren werden.

 

Im Sinne einer pädagogischen Aufklärung kommt den Religionsverantwortlichen eine besondere Bedeutung zu, weil sie mit Besinnung auf den Kern aller Religionen zum Schutz der Menschenwürde besondere Akzente für den Frieden setzen können. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit eigene theologische Traditionen auf ihre gegenwärtige Bedeutung hin kritisch zu hinterfragen, um sich von menschenverachtenden und meist politisch motivierten und aus dem historischen Kontext gerissenen theologischen Inhalten klar zu distanzieren.

 

Spannungen aufgrund unterschiedlicher politischer Narrative und Ansichten bezüglich Konflikten in anderen Teilen der Welt dürfen nicht nach Österreich importiert werden. Ganz im Gegenteil: in Österreich sind Akzente zu setzen, die zeigen sollen, dass Frieden und Solidarität unter den Religionen möglich ist. Die Muslime unter uns verwehren sich dagegen, dass Verse ihres heiligen Buches, des Korans, dazu benutzt werden, gegen andere Religionen, wie das Judentum oder das Christentum, zu hetzen. Vielmehr genießen das Judentum wie auch das Christentum besondere Anerkennung im Koran. Religiösen Antijudaismus, wie er von der Theologie des politischen Islams mit fundamentalistischen und verfälschten Koran-Interpretationen vertreten wird, lehnen wir ab.

 

Insbesondere verurteilen wir alle unmenschlichen und rassistischen Hadithe späteren Datums, die Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten darstellen. Das Wort „Islam“ im Koran hat als Wurzel das Wort „Selam“, das „Friede“ bedeutet. Alle Muslime sind verpflichtet durch ihre Taten und Handlungen das Wort „Selam“ auch zu leben.

 

Die Juden unter uns weisen darauf hin, dass gemäß den Prinzipien der sieben noachidischen Gesetze der Ethik (Talmud Sanh. 56) Andersgläubige einen den Juden gleichen Anteil an der kommenden Welt haben und wir aus diesem Grunde jegliche Missionierung ablehnen. Angehörige anderer Religionen sind für uns gleichberechtigte Partner. Die Österreichische Bundesverfassung zu der wir uns alle als oberster ziviler Rechtsordnung bekennen, legt die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.

 

Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Israelitische Kultusgemeinde Wien – Israelitische Religionsgesellschaft
Türkische Kulturgemeinde in Österreich

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22 12 2014
By: Redaktion 2 0

Weihnachts- und Neujahrswünsche der Türkischen KULTURgemeinde

Wien – Komm, komm, was Du auch sein magst, komm wieder! Egal was du bist, auch wenn Du ein Ungläubiger bist, ein Götzendiener oder ein Feueranbeter, komm bitte trotzdem!   Komm, wenn Du auch deine Gelöbnis hundertmal gebrochen hast. Das ist nicht das Tor der Hoffnungslosigkeit. Komm so wie Du bist. MEVLANA   (Mevlana: Gründer des Alevitischen Derwisch-Ordens in der Türkei in der Stadt Konya im 13 Jahrhundert)

 

Mit diesen Worten Mevlanas mit denen wir groß geworden sind, wollen wir auch besonders an das kommende Weihnachtsfest erinnern, an dem niemand ausgeschlossen wird. Seelig sind die, die Frieden stiften sagt Jesus (Isa)…

 

In diesem Sinne wollen wir an allen im Namen der Türkischen KULTURgemeinde (TKG) in Österreich ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest und ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben wünschen.

 

Herzliche Grüße
Türkische KULTURgemeinde in Österreich
Obmann
Dip.-Ing.Birol Kilic

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21 09 2014
By: Redaktion 2 0

Salafismus: Deutsche und Österreicher haben Recht

Die Terrormiliz IS und der Salafismus schaden dem Islam und dem Ansehen der Religion mehr als jeder hasserfüllte Islamkritiker. Es ist Zeit, etwas dagegen zu tun. Muslime dürfen extremistische Elemente nicht tolerieren.

 

Von Muhammet Mertek

 

MEINUNG- Lange Zeit empfand ich die vorurteilsbeladene Berichterstattung deutscher Medien in Bezug auf den Islam und die Muslime als einfältig und abstoßend. Seitdem aber Berichte zum IS und zum Salafismus die öffentliche Debatte dominieren, teile ich die Kritik der hiesigen Medien größtenteils und das zum ersten Mal.

 

Lasst uns also mutig einen Schritt vortreten: Gewaltbereite Salafisten sind ein innerislamisches Problem. Daher sollten Muslime ein klares Zeichen gegen solche inhumanen und terroristischen Strömungen setzen; und unbedingt auch diejenigen unter den Salafisten, die Gewalt kategorisch ablehnen.

 

Lasst uns Klartext reden: Müssen die Muslime hierzulande etwa keine besondere Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft und der hier geltenden Verfassungsordnung nehmen? Doch leider haben wir den eigenen gewaltbereiten und menschenverachtenden Randgruppen bis heute nicht dieselbe Rote Karte gezeigt, die wir bei Neonazis gern zücken.

 

Sie dienen weder Koran noch Islam

 

Ich tue mich schwer mit der Frage, wem oder was diese Salafisten dienen. Eines ist aber klar: dem Koran und dem Islam ganz bestimmt nicht. Eine Handvoll Menschen spielt sich als Moralapostel auf, verteilt Koranexemplare in Fußgängerzonen und an Bahnhöfen und verbreitet Propaganda über soziale Medien. Auch ihr Äußeres ist alles andere als Vertrauen erweckend. Und doch ist zu beobachten, dass es ihnen allein mittels ihrer öffentlich wirksamen Rhetorik gelingt, Problemgruppen insbesondere unter Jugendlichen anzulocken.

 

Propaganda ist ihre Waffe. Zugleich weiß niemand, welchen nachhaltigen Dienst sie jemals geleistet haben. Welchem Menschen haben sie beispielsweise ein glückliches Leben geboten, welches soziale Problem der Muslime haben sie gelöst, und was haben sie dafür getan, dass der Islam besser verstanden wird? Das Einzige, was sie tun, ist, der Gesellschaft Angst einzuflößen, sie vom Islam abzuschrecken und das ohnehin problematische Image der Muslime gänzlich in den Schmutz zu ziehen.

 

Die meisten Salafisten sind fanatische, reaktionäre Menschen. In ihrem Leben ist weder Platz für die Schönheiten der islamischen Kultur noch für die wertvollen Errungenschaften der Moderne. Sie nutzen die Schwäche und Anfälligkeit von Jugendlichen aus und versprechen ihnen kurzerhand das Paradies, um sie in ihre Gewalt- und Terrorfalle zu locken. Wenn es nach ihnen ginge, wäre dieses Paradies voll von Mördern und Unterdrückern. Aber eine solche Paradiesvorstellung hat – jedenfalls meines Wissens nach – nichts mit dem Islam zu tun. Und doch bestehen beispielsweise IS oder andere gewaltbereite Strömungen mit salafistischen Zügen darauf, dass dieses Paradies durch Brutalität und Barbarei billig zu erreichen wäre: durch Enthauptung, Unterdrückung, Terror und Vergewaltigung.

 

Hölle und Paradies

 

Dabei führen derlei Verbrechen eher in die tiefsten Tiefen des Höllenschlundes. Nicht einmal die größten Feinde der Religion haben der Religion so sehr geschadet wie diese Verbrecher. Wo auf der Welt hat man je erlebt, dass Terroristen und Unterdrücker eine lebenswerte Zivilisation aufgebaut haben? Wo in den Quellen des Islams findet sich eine Legitimierung für die Ermordung unschuldiger Menschen allein aufgrund ihres Glaubens und Denkens, ihrer Sprache, Ethnie oder Hautfarbe?

 

Der Feind ist unter uns… Wir müssen aufhören, ihn außerhalb zu suchen, und nach innen schauen. Wir müssen zuerst vor unserer eigenen Tür kehren und unseren eigenen Garten in Ordnung bringen. Vielleicht hilft diese Plage ja, die (religiöse) Erziehung und Bildung unserer Kinder zu überdenken. Wir sollten nicht mehr tatenlos zusehen, wie unsere Religion und der Ruf der Muslime durch vermeintliche Muslime in den Schmutz gezogen werden.

 

Wenn sich gewisse Personen über das Grundgesetz erheben und der Gesellschaft eine neue, ihnen genehme Ordnung verpassen wollen, während sie gleichzeitig davon profitieren, dass Deutschland und Österreich ein freiheitlicher, sozialer und demokratischer Rechtsstaat ist, dann sind sie ein klarer Fall für die Psychiatrie. Oder ist es etwa nicht krankhaft, Angebote unseres Sozialstaats wie Kinder-, Erziehungs-, Wohn- und Arbeitslosengeld in Anspruch zu nehmen und gleichzeitig den deutschen Staat als ungläubig zu diffamieren und Andersdenkenden mit Gewalt zu drohen?

 

Mit Bildung und Aufklärung gegensteuern

 

Die Muslime müssen sich diesem sozialen Problem stellen, an erster Stelle durch Bildung und Aufklärung. Und sie sollten sich mit den unterschiedlichsten Aktivitäten unmissverständlich gegen gewaltbereite Randgruppen positionieren. Wir Muslime betrügen uns selbst, wenn wir uns insbesondere in westlichen Ländern nach außen tolerant und demokratisch geben, in der muslimischen Community aber nicht gegen intolerante und autoritäre Standpunkte vorgehen.

 

Außerdem müssen wir uns die Frage gefallen lassen, inwieweit wir denn wirklich aufrichtig für Demokratie, Menschenrechte, Pluralismus, Freiheit und den Rechtsstaat eintreten. Denn allein die Normen des Grundgesetzes und ihre Umsetzung garantieren uns allen ein gleichberechtigtes Leben in Frieden und Sicherheit.

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12 08 2014
By: Redaktion 2 0

TKG unterstützt den Protestaufruf gegen die Verfolgung von Christen im Irak

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde (TKG) in Österreich ruft alle ihre Mitglieder und Sympathisanten auf, sich dem Protestmarsch der „Union Orientalischer Christen in Österreich“ anzuschließen.

 

Sonntag, 10. August 2014

 

Treffpunkt: 16.30 Uhr vor der Wiener Staatsoper

 

(Fußmarsch von der Staatsoper zum Stephansdom)

 

Egal welcher Religion wir angehören, wir dürfen nicht unsere Augen und Herzen angesichts des Genozids im Irak verschließen!

 

Im Nahen Osten passiert ein Massaker in der Qualität und Quantität eines schrecklichen Genozids, der von „sunnitisch Wahabisierten“, aus verschiedenen Ländern stammenden, kriminellen und angeblichen „Moslems“, die „islamische Markenslogans“ verwenden, verübt wird.

 

Diese IS-Terroristen haben mit dem wahren Islam nichts zu tun! Das sind Mörder und Verbrecher!

 

Diese Verbrechen müssen international geächtet und geahndet werden!

 

Es ist an der Zeit, nicht alle Moslems in den gleichen Topf zu werfen und die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen: Zwischen fundamentalistische Männern und Frauen, rassistischen Menschen, die den Islam missbrauchen einerseits und den friedlichen und gemäßigten Moslems andererseits. Im Irak, in Syrien und in der Türkei als auch in Antakya/Antiochia war Jahrhundertelang ein halbwegs friedliches Zusammenleben von Moslems und Christen möglich.

 

Die Türkische KULTURgemeinde hatte bereits vor Jahren, am 13. März 2010, in die Votivkirche zu einer gemeinsamen großen Veranstaltung eingeladen. Bei diesem 55-köpfigen „Chor der Zivilisationen“ aus Antakya (Südtürkei) mit Mitgliedern aus den drei verwandten Religionen Christentum, Judentum und Islam haben wir selbst diese wunderbaren Menschen aus der syrisch-türkischen Grenzregion kennengelernt. Wir glauben an ein friedliches Zusammenleben dieser Völker und Religionen.

 

Verhetzung, Vertreibung und Mord haben im Irak eine fürchterliche Dimension erreicht. Hier wird der Glaube massiv missbraucht. Hier wird der Gottesname missbraucht…

 

TKG glaubt an die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens in einer Gemeinschaft, in der wir unsere friedlichen Ideen teilen und Freundschaften knüpfen können, unabhängig von Herkunft, Religion und sozialer Stellung.

 

WIR müssen aufstehen, die Verbrechen scharf verurteilen, Gerechtigkeit einfordern und uns von der Gewalt distanzieren!

 

WIR müssen unsere Stimme gegen die Massaker erheben!

 

Besonders alle Muslime…

 

… FÜR die Yezidischen Kurden

 

… FÜR die Aleviten, die schiitischen Türkmenen und die Muslime

 

… FÜR unsere christlichen und jüdischen Freunde

 

WIR müssen mit dieser Demo FÜR die Menschlichkeit eintreten, aufstehen und füreinander das Wort ergreifen!

 

Es ist nicht die Zeit, ruhig zu bleiben. Sondern es ist an der Zeit, das Schweigen zu brechen und für den Frieden ein Zeichen zu setzen!

 

Deswegen demonstrieren wir auch am 10. August 2014 um 16.30 Uhr vor der Wiener Staatsoper gegen die Verfolgung der Christen und Christinnen im Irak!

 

Die „Türkische KULTURgemeinde in Österreich – Brücken bauen“ ist ein den pluralistischen, freiheitlichen, demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien verpflichteter Verein. Pluralität der Meinungen, Gleichberechtigung aller Mitglieder und demokratische Regeln bei der Arbeit sind oberstes Prinzip.

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11 08 2014
By: Redaktion 2 0

TKG fordert null Toleranz gegenüber Attacken auf Kopftuchträgerinnen

Wien – Wien – Es geht positiven Gefühl bei, in einem sehr sicheren Rechtsstaat zu leben so die TKG. Wiederholten Male wurden in Wien-Favoriten zwei muslimische Frauen (84 und 71 Jährig) wegen ihres Kopftuches am Reumannplatz attackiert. Die TKG fordert solche Vorfälle sehr ernst zu nehmen und die Taten aufzuklären.

 

Viele Opfer haben sich in jüngster Zeit bei der Türkischen KULTURgemeinde gemeldet und sich über Übergriffe beklagt. Viele der Opfer schämen sich oder finden nicht den Mut, zur Polizei zu gehen. Viele wollen nicht, dass die Vorfälle an die Öffentlichkeit gelangen, da sie befürchten, dass dann auch ihre Verwandten oder Freunde zur Zielscheibe weiterer verbaler oder handgreiflicher Attacken werden oder die Situation eskaliert. Durch präventive Aufklärung sollen die Opfer ermutigt werden, die Vorfälle den Behörden zu melden und die Beamten müssen in diesem Bereich sensibilisiert und professionell geschult werden. Es müsse verhindert werden, dass sich die Opfer einigeln (allgemein das Gefühl bekommen) oder dass die Exekutive nicht die notwendige Sensibilität für sie hat, so die TKG.

 

Tatsächlich klagen eigine Opfer leider über geschehene Verharmlosungen und Beschwichtigungen seitens der Polizei oder es wird den Vorfällen nicht ernsthaft nachgegangen, wie die TKG aus zahlreichen Erfahrungsberichten weiß. “ Wir fordern von der Wiener Polizei in aller Höflichkeit dass sie solche Vorfälle ernst nimmt, die Opfer rasch und professionell betreut und die Täter sofort ausforscht. Bei rassistischen Übergriffen fordern wir null Toleranz gegenüber den Tätern! Die Behörden müssen schneller reagieren!“, so die Generalsekretärin der TKG, Melissa Günes, die nocheinmal betont, dass Attacken auf Kopftuchträgerinnen keine Kavaliersdelikte oder Bubenstreiche sind. „Essteht das Vertrauen in den Rechtsstaat auf dem Spiel, wenn Übergriffe verharmlost oder unter den Teppich gekehrt werden. Es geht auch um ein positives Heimatgefühl!“

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09 08 2014
By: Redaktion 2 0

TKG: „Warum verurteilen und distanzieren sich nicht alle Glaubensgemeinschaften von der Terrormiliz IS?“

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) fordert, dass sich alle muslimischen Glaubensgemeinschaften in Österreich von der Terrormiliz IS („Islamischer Staat“) distanzieren, diese verurteilen und junge Menschen darüber aufklären, dass diese Terroristen die Religion Islam missbrauchen und gar nichts mit dem wahren Islam` zu tun haben.

 

Die TKG verurteilt auf das Schärfste diese Unmenschlichkeiten im Namen der islamischen Religion.

 

Dazu Generalsekretärin Melissa Günes: „Die Aufnahmegesellschaft soll sehen, dass hier wohnende Muslime mit solchen Mördern, die ihren Glauben Islam missbrauchen, nichts zu tun haben, ganz im Gegenteil. Viele fragen sich berechtigter Weise, warum die muslimischen Vertreter aus Österreich sich nicht scharf genug gegen die Terrormiliz abgrenzen und sich nicht von dieser distanzieren. Das Wort „Islam“ besteht aus den Wörtern „Selam“ und „Silm“. Das Wort „Selam“ bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vetrauen und beschreibt die Rahmenbedingungen des Glaubens, die jeder Moslem -besonders auch für andere – zu schaffen verpflichtet ist. Im Irak werden gerade alle diese Werte zunichte gemacht und daher müssen alle, besonders die Moslems, hier gegen diesen Terror im Namen unserer Religion aufstehen.“

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) fordert alle öffentlich bekannten muslimischen Vereine, Verbände und Glaubensgemeinschaften auf, sich angesichts der Gräueltaten der Terrormiliz IS („Islamischer Staat“) und aufgrund der Tatsache, dass diese offensichtlich den islamischen Glauben für ihre Zwecke missbraucht, von dieser öffentlich und deutlich zu distanzieren und deren Verbrechen scharf zu verurteilen. „Die Distanzierung darf nicht fadenscheinig oder scheinheilig sein. Rhetorische Floskeln sind einfach zu wenig!“, so Günes eindringlich.

 

Die IS-Terrormiliz rühmt sich ihrer Brutalität und mordet seit Wochen und Monaten sowie heute und in dieser Stunde, nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien. In diesen Ländern haben die Terrormilizen, die den islamischen Glauben missbrauchen, an einem Tag 700 Menschen hingerichtet, die ihnen die Gefolgschaft verweigerten. In dieser Stunde sind die yezidischen Kurden – vor den Augen der Welt-Öffentlichkeit – von einem Genozid wie die Turkmenen und Christen betroffen.

 

Die TKG hat sich jüngst mit dem Aufruf zur Teilnahme an der Solidaritätskundgebung für verfolgte Christen und kurdische Yeziden im Irak klar und deutlich von der IS-Terrormiliz distanziert, diese scharf verurteilt und die EU zur militärischen und finanziellen Soforthilfe im Irak aufgerufen, um diesen Genozid zu stoppen. Die TKG demonstrierte am 10. August 2014 vor der Wiener Staatsoper mit deutlichen Worten und zeigte ihre Solidarität mit den hunderttausenden Verfolgten im Irak.

 

Die Glaubensgemeinschaften und andere NGO`s in Österreich müssen verdeutlichen, dass sie nichts mit dem verbrecherischen Regime der IS gemein haben und deren Ziele verurteilen. Die Glaubensgemeinschaften und NGO`s müssen hervorheben, dass sie sich mit allen verfolgten Menschen, seien es nun schiitische Turkmenen, Kurden, chaldäische Christen oder Yeziden, solidarisch erklären. „Hier geht es um ein klares Bekenntnis zu den allgemein gültigen Menschenrechten und ein NEIN zu einem Verbrechen, das betrügerischerweise im Namen des Islams durchgeführt wird“, betont Generalsekretärin Melissa Günes. „Wir müssen die alten Feindschaften zwischen den Konfessionen überwinden und Brücken zwischen den Religionen bauen. Ohne diese Brücken werden unsere Kinder vor unüberwindlichen Gräben stehen! Was wir tun, werden auch unsere Kinder und Kindeskinder tun. Gehen wir mit gutem Beispiel voran! Verbrechen ächten – Solidarität mit den Verfolgten!“

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12 02 2014
By: Redaktion 2 0

TKG: „Warum verurteilen und distanzieren sich nicht alle Glaubensgemeinschaften von der Terrormiliz IS?“

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) fordert, dass sich alle muslimischen Glaubensgemeinschaften in Österreich von der Terrormiliz IS („Islamischer Staat“) distanzieren, diese verurteilen und junge Menschen darüber aufklären, dass diese Terroristen die Religion Islam missbrauchen und gar nichts mit dem wahren Islam` zu tun haben.

 

Die TKG verurteilt auf das Schärfste diese Unmenschlichkeiten im Namen der islamischen Religion.

 

Dazu Generalsekretärin Melissa Günes: „Die Aufnahmegesellschaft soll sehen, dass hier wohnende Muslime mit solchen Mördern, die ihren Glauben Islam missbrauchen, nichts zu tun haben, ganz im Gegenteil. Viele fragen sich berechtigter Weise, warum die muslimischen Vertreter aus Österreich sich nicht scharf genug gegen die Terrormiliz abgrenzen und sich nicht von dieser distanzieren. Das Wort „Islam“ besteht aus den Wörtern „Selam“ und „Silm“. Das Wort „Selam“ bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vetrauen und beschreibt die Rahmenbedingungen des Glaubens, die jeder Moslem -besonders auch für andere – zu schaffen verpflichtet ist. Im Irak werden gerade alle diese Werte zunichte gemacht und daher müssen alle, besonders die Moslems, hier gegen diesen Terror im Namen unserer Religion aufstehen.“

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) fordert alle öffentlich bekannten muslimischen Vereine, Verbände und Glaubensgemeinschaften auf, sich angesichts der Gräueltaten der Terrormiliz IS („Islamischer Staat“) und aufgrund der Tatsache, dass diese offensichtlich den islamischen Glauben für ihre Zwecke missbraucht, von dieser öffentlich und deutlich zu distanzieren und deren Verbrechen scharf zu verurteilen. „Die Distanzierung darf nicht fadenscheinig oder scheinheilig sein. Rhetorische Floskeln sind einfach zu wenig!“, so Günes eindringlich.

 

Die IS-Terrormiliz rühmt sich ihrer Brutalität und mordet seit Wochen und Monaten sowie heute und in dieser Stunde, nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien. In diesen Ländern haben die Terrormilizen, die den islamischen Glauben missbrauchen, an einem Tag 700 Menschen hingerichtet, die ihnen die Gefolgschaft verweigerten. In dieser Stunde sind die yezidischen Kurden – vor den Augen der Welt-Öffentlichkeit – von einem Genozid wie die Turkmenen und Christen betroffen.

 

Die TKG hat sich jüngst mit dem Aufruf zur Teilnahme an der Solidaritätskundgebung für verfolgte Christen und kurdische Yeziden im Irak klar und deutlich von der IS-Terrormiliz distanziert, diese scharf verurteilt und die EU zur militärischen und finanziellen Soforthilfe im Irak aufgerufen, um diesen Genozid zu stoppen. Die TKG demonstrierte am 10. August 2014 vor der Wiener Staatsoper mit deutlichen Worten und zeigte ihre Solidarität mit den hunderttausenden Verfolgten im Irak.

 

Die Glaubensgemeinschaften und andere NGO`s in Österreich müssen verdeutlichen, dass sie nichts mit dem verbrecherischen Regime der IS gemein haben und deren Ziele verurteilen. Die Glaubensgemeinschaften und NGO`s müssen hervorheben, dass sie sich mit allen verfolgten Menschen, seien es nun schiitische Turkmenen, Kurden, chaldäische Christen oder Yeziden, solidarisch erklären. „Hier geht es um ein klares Bekenntnis zu den allgemein gültigen Menschenrechten und ein NEIN zu einem Verbrechen, das betrügerischerweise im Namen des Islams durchgeführt wird“, betont Generalsekretärin Melissa Günes. „Wir müssen die alten Feindschaften zwischen den Konfessionen überwinden und Brücken zwischen den Religionen bauen. Ohne diese Brücken werden unsere Kinder vor unüberwindlichen Gräben stehen! Was wir tun, werden auch unsere Kinder und Kindeskinder tun. Gehen wir mit gutem Beispiel voran! Verbrechen ächten – Solidarität mit den Verfolgten!“

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14 07 2011
By: TKG 0

Auch „Muslime“ beteten für Otto von Habsburg

Ein denkwürdiger und zugleich trauriger Tag in Wien. Tausende Menschen strömten zum Stephansdom um Otto von Habsburg die letzte Ehre zu am 14.11.2011 erweisen. Mit dem Begräbnis des letzten Kaisersohns versank damit die einst einflussreiche Herrscherdynastie in der Kapuzinergruft.  Otto von Habsburgs größter Wunsch war die Einigung dreier Religionen. Der letzte Wunsch des Kaisersohns: Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

von Mercedes Fränzel ( Yeni Vatan Gazetesi/Neue Heimat Zeitung)

Dies konnte im Fernsehen live mit verfolgt werden. Was man jedoch weder in der Zeitung nachlesen, noch im Fernsehen live mit verfolgen konnte, war die am 14. Juli 2011 in der Kapuzinerkirche stattfindende Trauerfeier. Diese fand im engen, familiären Kreis mit fünf Töchtern, zwei Söhnen, zweiundzwanzig Enkelkindern und engen Freunden statt.  Als einziger Moslem ausser  der Großmufti von Sarajevo war der Vertreter der türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Birol Kilic eingeladen.

 

 

Drei Religionen erwiesen dem Kaisersohn die letzte Ehre

Die Vertreter dreier Religionsgemeinschaften versammelten sich, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, für die Otto von Habsburg sein Leben lang eingetreten war. Sein großer Wunsch, verriet uns Dechant Pfarrer Rupprecht, war die Versöhnung des Judentums, Christentums und des Islams. Sowohl für ihn, als auch für seine Gattin Regina, standen niemals die Unterschiede verschiedener Religionen, sondern vielmehr die gemeinsame Basis und die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund, betonte Karl Habsburg-Lothringen . Denn irgendwann, so Dechant Pfarrer Rupprecht, werden auch die scheinbaren Unterschiede zwischen den Religionen, die wir Menschen noch nicht begreifen können, aufgehoben werden.

Der letzte Wunsch des Kaisersohns:  Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

Dem letzten Wunsch des Kaisersohns nachkommend wurden christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen. Durch Gebete, so Dechant Pfarrer Rupprecht, könne man sich oft besser verständigen und zueinander finden als durch gewöhnliche Gespräche.

„Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Die christlichen Gebete wurden von Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky gesprochen, der aus den Paulus-Briefen las. Die Fürbitten wurden von Verwandten der Verstorbenen vorgetragen, gefolgt von einem gemeinsam gebeteten Vaterunser. Weihbischof Stephan Turnovszky schloss mit den Worten: „Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Ein Gedenkgebet nach jüdischer Tradition trug der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, vor.
Die muslimischen Gebete, welche bereits vor hundert Jahren für Kaiser Franz Joseph und seine Familie zu jedem seiner Geburtstage in allen Moscheen gesprochen wurden, trug der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, zum letzten Mal für Otto von Habsburg vor, der sich trotz einer wichtigen Gedenkfeier nur drei Tage zuvor, die Zeit nahm, das Begräbnis seines langjährigen Freundes zu besuchen.


„Ein Mann der Rechtschaffenheit und Courage“ 

Das ökumene, arabische Gebet für die Seelen Otto von Habsburgs und seiner Frau Regina hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei der trauernden Gemeinde. Raisu-l-ulama Mustafa Cerić, Großmufti von Bosnien sagte, es sei ihm, als legitimer Erbe Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauevićs, eine Ehre dessen Beispiel zu folgen und ein aufrichtiges Gebet für den Nachkommen seiner Majestät Otto von Habsburg, dem Sohn Österreich-Ungarns letztem Kaiser zu sprechen, welcher ihn ehrte, indem er ihn als „Mann der Rechtschaffenheit und Courage kennenlernen durfte.

Zwei Bosnier, durch die der Kaisersohn ein langes Leben führen durfte Großmufti Cerić erinnerte an eine Aussage, welche seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg vor einigen Jahren in einem Interview für das Sarajevo Journal „Start“ machte: „Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges war ich in Deutschland. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Ph.D. und ging um einige meiner Dokumente zu holen. Natürlich war zu dieser Zeit Hitler der Regent. Als ich in München nach Hause kam, zu dem Haus meiner Großmutter, trat ein unbekannter Mann zu mir. Er war ein bosnischer Moslem von der deutschen Geheimpolizei, der folgende Worte zu mir sagte: „Seien Sie auf der Hut, wenn Sie hier bleiben sind morgen Sie an der Reihe.“ In der Tat schrieb ich zuweilen für eine der besten Anti-Nazi Zeitungen. Als ich zu dieser Zeit am Nachmittag nach München kam, schüchterte die Gestapo die Redaktionsleitung ein. Sie erwischten den Chefredakteur, der nur wenige Tage später starb. Als sie von der Verbindung zwischen mir und den Zeitungen erfuhren, begann die Suche. Natürlich verließ ich München als ich erfuhr, dass sie hinter mir her waren. Und zum zweiten Mal, zwei Jahre später, rettete ein bosnischer Moslem mein Leben . Sein Name war Ismet Aganovic. Er sagte mir, dass jemand der mir nahestand, mit der Gestapo zusammenarbeitete und von meinen Verbindungen mit Anti-Nazi Zeitungen erzählte. Wenn also keine Bosnier gewesen wären, wäre ich nicht mehr hier“ 

Ich bin stolz auf meine zwei Bosnier, die seiner Kaiserlichen Hoheit Otto von Habsburg halfen, ein langes und produktives Leben zu führen, das dafür sorgte, dass wir uns alle besser und sicherer in dieser verdrießlichen Welt fühlen“, sagte Bosniens Großmufti und betonte wie stolz die Familie seines „teuren Freundes“ sein könne, da sie die Ehre hatten, das Leben eines außergewöhnlichen Mannes zu teilen, dessen Licht der Menschlichkeit nicht nachlassen wird zu scheinen.

„Oh Gott, lass meinen Freund, den Freund Bosniens, den Hüter eines neuen Europas, den Patron einer neuen Welt des Friedens, den Mann aller Zeiten, in Frieden und in Gottes ewig währender Gnade zusammen mit seiner Frau Regina ruhen, Amen!“ Mit diesen letzten, bewegenden Worte schloss Bosniens Großmufti seine Rede.

Karl Habsburg folgt dem Beispiel seines Vaters

Durch die Totengebete sowohl nach jüdischer, christlicher, als auch muslimischer Tradition, wurde außerdem an Otto Habsburgs Eintreten für ein freies und unabhängiges Bosnien- Herzegowina erinnert.  Sie betonten die enge Beziehung, welche Otto von Habsburg zu Lebzeiten zum Judentum und zum Islam hatte.
Auch die Worte des Familienoberhaupts Karl Habsburg über den Islam und das Judentum waren sehr positiv und bar jeglicher Hasstriaden und Vorurteile. Vielmehr waren seine Worte auf das monoloteistische Prinzip bezogen und er betonte ebenfalls, wie wichtig es für seine Eltern war, für das gemeinsame Interesse der Religionen einzutreten. Für sie wäre immer klar gewesen, so Karl Habsburg, dass das Einigende vor dem Trennenden stehe und die verschiedenen Religionen zusammenarbeiten müssen, um sich den Problemen des Atheismus und der Wertelosigkeit zu stellen.

Folgendes ist das Gebet, welches bereits Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauević für seine Majestät Kaiser Franz Joseph I, anlässlich seines Geburtstags vor 100 Jahren in Bosnien vorlas:

„Wir danken dir Allmächtiger Gott, denn du bist alles hörend, denn du bist unseren Bedürfnissen nahe und du nimmst unsere Gebete an. Mögen wir Segenswünsche und Grüße über deinen liebsten und geliebten Boten, seine Familie und seine Gefährten bringen.

Wir alle gehören zu Gott und zu Gotten kehren wir wieder zurück.Unser geliebter Gott, du bist eins und einzigartig in deiner Kraft und deiner Pracht.

Du bist der Einzige, der uns gibt was wir benötigen und niemand kann dies verhindern. Du erhöhst wen du erhöhen möchtest und du gewährst Macht, wem du Macht gewähren möchtest. In deiner Macht liegt alles Gute. Wahrlich, du hast die Macht alles zu vollbringen.

Unser Herr, wir sind deine Büßer und bieten dir unsere aufrichtigen Gebete im Tempel deiner Anwesenheit dar und bitten dich, bei deinen wahren Versprechen, bei deiner Herrlichkeit und Macht, bei deiner grenzenlosen Gnade und wir bitten dich bei deinen gesegneten und heiligen Boten und Propheten die königliche Familie, bekannt für ihre Gerechtigkeit und Objektivität überall und allerorts, die Familie unseres geliebten und großartigen Königs, unsers geliebten Kaisers Franz Joseph I, zu stärken.

Unser geliebter Herr, mit deinem Auge gib Acht auf seine edle Familie und halte ihn und seine Familie fern von allem Übel und Leid.

Unser geliebter Herr, mögen er und seine Familie in deinem Vertrauen, deinem Glück und in deiner Zufriedenheit ruhen, und lasse nicht zu, dass seine Feinde oder Feinde seiner Familie ihnen Schaden zufügen.

Unser geliebter Herr, halte jeden, der einen Gedanken hegt ihm oder seiner edlen Familie zu schaden, von der Tür deiner Gnade fern.Geliebter Herr, hilf und unterstütze unseren erhabenen Kaiser Franz Joseph I und stärke sein Heer. Geliebter Herr, sorge für seine Zufriedenheit und den Schutz und Wohlstand seines Königreichs. Unser Herr, mache ihn erfreut über Dinge, die dich erfreuen, dich zufriedenstellen und öffne ihm den Pfad der Liebe und lass die Liebe für den Schutz seines beständigen Schicksals, durch die Pracht deiner Boten und Propheten in sein Herz eintreten.Allmächtiger Gott, führe uns zusammen, vereinige unsere Herzen und leite unseren Weg zum Pfad des Friedens.Amen! Amen! Amen!Oh du, der du die hörst, die beten. Gepriesen sei Gott, der Herr der Welten. El-fatiha!“

 

 

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15 09 2010
By: Redaktion 2 0

Die Rolle der Frau in den monotheistischen Religionen

Kommunikation als gesellschaftliche Verantwortung

 

von Frau Emely Abidin

 

Kommunikation bedeutet für mich Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen. Sie sind Impulse für die Entwicklung jedes einzelnen von uns.
Nach meinem Menschenbild hat jeder dem anderen etwas zu geben und von jedem etwas zu erhalten!
Wir befinden uns in Deutschland in einer Zeit und an einem Ort, die geprägt sind von einem gesellschaftlichen Wohlstand und einer bunten Völkerdurchmischung.

 

Leider erkenne ich eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den vielen aktiven Bemühungen sozialer Art für gegenseitige Verständigung und der unbewussten Aufrechterhaltung der Isolation innerhalb der einzelnen Gruppen, die hauptsächlich auf Berührungsängste zurückzuführen sein müssen.

 

Mit dieser Diskrepanz können Probleme nicht gelöst werden.Wir haben eine Reihe von Problemen, die uns alle betreffen, z.B. die Misshandlung von Kindern und häusliche Gewalt gegenüber Frauen.

 

Die Frau im Islam, in der Theorie und in der Praxis

 

Der Islam fordert Verantwortung für sich selbst, was eine Mündigkeit zu einem selbstbestimmten Leben voraussetzt. Zum Schutz der Frau sind dazu einige rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen. Z.B.:

 

·  Für die Gültigkeit einer Eheschließung muss die Frau zustimmen.

 

·  Die Frau behält ihren Besitz für sich, auch ihr Gehalt bei Erwerbstätigkeit.

 

·  Sie hat Anspruch auf Stillgeld.

 

·  Weiter hat sie Anspruch auf 2 Diener: einen für den Haushalt, einen für ihre persönlichen Wünsche. Sie ist nicht verpflichtet, den Haushalt zu führen und die Kinder zu versorgen.

 

·  Die Frau kann sich scheiden lassen.

 

·  Zum Schutz vor Erniedrigung kann sie sich sexuell verweigern, wenn sie keine Befriedigung erlebt.

 

·  Um keinerlei Verpflichtungen dem Mann gegenüber einzugehen, kann sie eine gemeinsam vereinbarte Ehe auf Zeit schließen, was auch den Mann von der Verpflichtung der Versorgung entlastet. Beide umgehen mit dieser Form der  Eheschließung, die übrigens im Koran als Genußehe bezeichnet wird, eine Scheidungsprozedur.

 

In der Praxis geht es allerdings ganz anders zu. Hier einige Beispiele:

 

· Zwangsverheiratungen

 

· Kein eigenes Konto bei Verdienst

 

· Das Stillgeld ist völlig unbekannt.

 

· Die Haushaltsführung und die Versorgung der Kinder sind überall Frauenensache.

 

· Bei der Eheschließung wird nicht auf das Scheidungsrecht hingewiesen, was für die Anwendung vorher im Ehevertrag schriftlich fixiert sein muss. Das gilt auch für die Polygamie: sobald eine Zweite antreten soll, kann die Erste ihre Ehe auflösen.

 

· Frauen lassen sich sexuell in ihren vier Wänden eine Menge gefallen, damit sie bei Verweigerung kein Fluch der Engel einholt.

 

· Die Zeitehe gilt bei den 90% Muslimen sunnitischer Richtung als verboten, weil der Kalif Omar dieses Verbot aussprach. Frauen wird damit die Chance zur Selbständigkeit erschwert.

 

Die Praxis ist geprägt von Hierarchisierung und Kontrolle, vom traditionellen Bild der Frau als Untergebene und Dienerin des Mannes. Man könnte den Heiratsvertrag als einen Arbeitsvertrag ohne Vergütung bezeichnen.

 

Eigentlich sind Männer und Frauen damit nicht glücklich. Es fehlt der Mut zur konsequenten Emanzipation.

 

Wir sollten uns fragen, warum gerade Religionen immer wieder Fanatismus und Rassismus produzieren, obwohl doch das Wesen von bewusster Gläubigkeit sich auf Liebe und Mitgefühl stützt, um die Würde und das Lebensrecht jedes Einzelnen zu bewahren. Imam Ali, der 4. Kalif sagte einmal:

 

Behandelt die Menschen respektvoll und liebevoll, denn entweder sind sie Muslime und eure Glaubensgeschwister oder sie sind Nichtmuslime und eure Schöpfungsgeschwister.

 

Die Beziehung

 

Das Kostbarste und deshalb auch Wichtigste im Leben sind körperliche und geistige Gesundheit und eine glückliche Liebesbeziehung aus der neue Menschen erwachsen. Es ist für mich unglaublich mit welcher Ignoranz wir der Partnerschaft und Elternschaft gegenüberstehen: jeder darf ohne Vorbereitung eine Beziehung beginnen und Mutter oder Vater werden ohne irgendeine spezifische Qualifikation, die sich auf das eigene Wohl als auch auf das des Kindes bezieht.

 

· Für die Optimierung der Integration von Migranten sollen diese die Landessprache erlernen.

 

· Orthodoxe Juden schließen eine Ehe erst nach einem Gentest aus dem hervorgeht, dass die Nachkommen genschadenfrei sind. (FAZ v. 30.10.05)

 

· Manager müssen eine erworbene Qualifikation nachweisen, bevor sie ein Unternehmen leiten.

 

· Dienstleister jeglicher Art ebenfalls.

 

Die Anforderungen an einen Manager, dessen Unternehmen erfolgreich sein soll, werden an keine Elternschaft gestellt.

 

Man verlässt sich im Schutzraum der familiären Privatsphäre für Partnerschaft und Elternschaft auf traditionell Übernommenes und gesellschaftlich Vorgegebenes.

 

Erzieher und Lehrer haben es dabei nicht leicht, dieses fundamentale Defizit auszugleichen. Ein Defizit, das sich bei den Heranwachsenden niederschlägt in den fehlenden Kommunikativen Kompetenzen vielfältigster Art.

 

Ursachenforschung und Prävention

 

Mehr als Symptombehandlung für unsere Mißstände brauchen wir systematische Ursachenforschung und Präventionswillen, d.h. die innere Bereitschaft die Realität wahrzunehmen und zu gestalten.

 

Was die von Männern ausgeübte Gewalt angeht, schlägt der Kultur-und Sozialanthroploge Werner Schiffauer Männerforschung vor: Man muss dringend Männerforschung betreiben, denn es sind ja Männer, die mit ihrer Situation nicht klarkommen, wenn sie gewalttätig werden. (Taz v. 17.10.05)

 

Ich schlage für die größte Verantwortung, die ein Mensch trägt, die institutionalisierte Bildung und die konsequente Unterstützung von Müttern vor, jenen Menschen in deren Macht und Vermögen das Wohl oder der Untergang der Menschheit liegen.
Mit dem Berufsstand „Mutter“ könnten wir uns viel Leid ersparen.

 

Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) wiederholte am Ende seiner Abschiedsrede dreimal den Männern zugewandt: seid gut zu euren Frauen!!! Denn er kannte die Hintergründe, Zusammenhänge und langfristigen Folgen bei Nichtbeachtung des Respekts vor Frauen.

 

Ich kenne nur sehr wenige Männer, die es sich zu ihrer obersten Priorität gemacht haben, in einer Beziehung ihre Frau glücklich zu machen. Vielmehr werden Kommunikationsstörungen als etwas Dazugehöriges hingenommen; auf Kosten von dauerhaften, wachsendem Verständnis füreinander und auf Kosten des Wohls der Kinder. Dabei empfiehlt der Koran, dass man entweder in Güte zusammenlebt oder sich in Güte trennt (2/228 und 2/230).

 

Ich erlebe Frauen heute in einer sehr oft verzweifelten und resignierten Weise und manchmal in einer ihr unwürdigen Weise als psychisches Wrack und Versorgungsmaschine, die unaufhörlich zu funktionieren hat.

 

Dabei stehen sie dem Schöpfer wegen ihrer Lebensspendenden Fähigkeiten am nahesten, haben aber zwischen sich und dem Schöpfer im Unterwerfungsglauben Andere gestellt: Väter, Ehegatten, Gelehrte.

 

„Der Beste unter euch ist der, der für die Menschen am nützlichsten ist“ ist ein Ausspruch des Propheten Muhammed (Friede sei mit ihm).

 

Ich frage mich, wie nützliche Menschen von Müttern hervorgehen sollen, die sich einerseits in der traditionellen Rolle als entmündigte Haussklavin befinden und andererseits einer Ausbildung entbehren jenseits ihrer Funktion als Versorgungsmaschine?!

 

Emely Abidin 4. November 2005

 

Quelle: Aypa TV

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15 09 2010
By: Redaktion 2 0

Wer vertritt den Islam in einem interreligiösen Dialog?

 

Frage: Wer vertritt den Islam in einem interreligiösen Dialog? Welche Maßstäbe müssen für diesen Dialog gesetzt werden?

 

Allgemeines Faktum: Die undogmatischen Diskussionen über den Islam finden immer häufiger statt. Die Gesprächsrunden sind nicht mehr einseitig christlich besetzt. Dabei werden neue Fragen aufgeworfen, deren Antworten die Eckpfeiler für das „neue” Zusammenleben darstellen.

 

Faktum in Österreich: Viele der Islamischen Organisationen, die behaupten Muslime zu vertreten, sind Verbände des POLITISCHEN ISLAM.

 

Fragen:

1.) Ist der politisch motivierte Islam eine Gefahr für die westlichen Demokratien?

2 ) Ist der Islam an sich demokratiefähig, wie es von vielen Seiten behauptet wird oder nicht?

3.) Kann der politische Islam mehr Menschen mobilisieren, als er ignoriert werden könnte?

 

Faktum: Nach einem bedingungslosen Dialog mit Gruppierungen des politischen Islam muss etwas Wichtiges relativiert werden. Denn es zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung ab. Unter dem Vorwand des Dialogs wird die Unwissenheit oder die Vorurteile mancher deutscher Politiker, Verbände oder Kirchen über den politischen Islam ausgenutzt.

 

Frage: Uns stellt sich die Frage, ob uns bei der möglichen Existenz verfassungsfeindlicher Organisationen des politischen Islam eher Vertrauen weiterbringt oder ob wir nicht eine gesellschaftliche Gefahr verkennen.

 

Faktum: Die Trennung von Staat und Kirche in Österreich setzt eine Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften voraus. Gleichzeitig müssen jedoch die demokratischen Grundwerte eines Rechtsstaates geschützt werden. Das bedeutet, diese darf weder zu einem Abbruch des Dialogs mit Islamischen Gruppierungen führen, noch eine pauschale Kriminalisierung  der Muslime in Österreich beinhalten.

 

Im Umgang mit dem politischen Islam gibt es also weiterhin nur eine Lösung: den Dialog. Die Auseinandersetzung muss auf einer Aufklärung über verschiedene Gruppierungen des politischen Islam basieren, um Probleme und eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. In diesem Dialog dürfen Minderheiten wie die Aleviten nicht ausgeschlossen werden. Ein Grund dafür ist, dass viele sunnitisch geprägte islamistische Gruppierungen aus der Türkei Ihre Machtposition auf Politik bauen. Sie spielen auch bei der Ausgrenzung anderer islamischer Minderheiten wie beispielsweise der Ahmadiya oder der Aleviten eine entscheidende Rolle: „Muslim” ist nur noch, wer die Position der sunnitischen Vereinigungen inne hat.

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15 09 2010
By: Redaktion 2 0

Der Nikolaus kommt aus der Türkei

Der Nikolaus war ein Bischof! Seine Geschichte führt zurück in die Türkei des vierten Jahrhunderts. Dort lebte der Bischof von Myra und dort starb er – am 6. Dezember!

 

von Adil Oyan

 

Am 6. Dezember wird in Deutschland und den meisten europäischen Ländern – von Russland bis Griechenland – der Nikolaustag gefeiert. Es gibt sehr viele Arten, diesen Tag zu begehen: Zum Beispiel stellen in einigen Ländern die Kinder schon am Vorabend ihre Schuhe schön geputzt vor die Tür. Wenn sie artig waren, füllt der Nikolaus die Schuhe über Nacht mit Süßigkeiten.

 

Heute wird der Nikolaus meist mit einer kurzen Zipfelmütze dargestellt oder als moderner Santa Claus. Im Süden Deutschlands trägt er eine Bischofsmütze. Diese deutet auf den geschichtlichen Ursprung der Nikolausfigur hin – denn wer es noch immer nicht glauben will, dem sei gesagt, dass der Nikolaus wirklich gelebt hat und zwar im 4. Jahrhundert in der Türkei. Denn bei dem am meisten verehrten Heiligen der Christenheit handelt es sich um den in etwa 342 gestorbenen Bischof von Myra.

 

Nikolaus von Myra, Heiliger

 

Nikolaus von Myra wuchs in einer sehr vermögenden, aber auch sehr frommen und wohltätigen Familie auf. Nachdem beide Eltern während einer Pestepidemie gestorben waren, verteilte Nikolaus sein Erbe unter die Bedürftigen und wurde Priester. Zu seiner eigenen Überraschung wurde der freigiebige Mann vom Volk zum Bischof ausgerufen – in der christlichen Frühzeit wurden die Bischöfe noch von der Gemeinde gewählt. Ein Bischof war ursprünglich auch nur das Oberhaupt der Christen in einer Stadt oder in einem überschaubaren Gebiet.

 

Während der letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Galerius (um 310) wurde Nikolaus eingekerkert und schwer misshandelt, aber nicht getötet. Gezeichnet von den erlittenen Folterungen trat der Bischof beim berühmten Konzil von Nicäa (325) auf. Dann schweigen die Quellen über ihn. Sein Todestag soll der 6. Dezember gewesen sein.

 

Die Stadt Myra, heute Kale, liegt an der Mittelmeerküste im Süden der Türkei zwischen den heutigen Touristenhochburgen Antalya und Fethiye.

 

So dürftig die Daten seines Lebens auch sind, so üppig ist die Anzahl der Legenden, die sich um St. Nikolaus drehen: Die meisten seiner Taten waren gut durchdachte Nacht-und-Nebel-Aktionen, wie die Bewahrung dreier Nachbarstöchter vor der Prostitution. Durch ein Geschenk von drei goldenen Äpfeln, die Nikolaus heimlich in der Dunkelheit ins Haus der Jungfrauen legte, verzichtete der Vater auf den Plan, seine Töchter zu verkaufen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Auf diese Legende ist das heimliche Schenken in der Nacht vor dem Nikolaustag zurückzuführen.

 

Während einer Hungersnot soll Nikolaus von Myra seinen darbenden Mitbürgern auf wunderbare Weise Korn verschafft haben, indem er einige Kauffahrer veranlasste, ihre Getreideschiffe nicht an ihren ursprünglichen Bestimmungsort zu bringen, sondern in die hungernden Städte und Dörfer Kleinasiens zu liefern. Als die Händler mit beklommenem Herzen weitersegelten, weil sie mit leeren Händen nach Hause gekommen wären, waren plötzlich die Schiffe wieder vollständig beladen, obwohl auch die Hungernden an der Küste keine Not mehr litten.

 

Diese Legende gab den Anlass, dass auch die Getreidehändler, Müller und Bäcker den heiligen Nikolaus zu ihrem Berufsheiligen erkoren.

 

Kaufleute aus Bari entwendeten im Jahr 1087 die Gebeine des Bischofs aus der Kirche zu Myra, um sie nach Italien zu bringen. Wer also heute die Grabstelle in Kale besucht, die als touristisches Muss bei fast jeder Rundfahrt im Programm ist, kann sicher sein: das Grab ist leer.

 

…und sein Knecht Ruprecht

 

Im Laufe der Jahrhunderte bekam der Nikolaus Gehilfen. Der bekannteste dürfte Knecht Ruprecht sein, der artige Kinder belohnt und ungezogene Kinder mit der Rute bestraft. In den Alpenländern hat der Nikolaus eine viel größere Gefolgschaft. Sie besteht aus teilweise sehr gruseligen Figuren mit zotteligem Fell und hässlichen Gesichtern. Sie sollen den Kindern Angst einflößen und sie zum Artigsein ermahnen.

 

Übrigens: Erst vor 70 Jahren entwickelte sich die moderne Vorstellung vom Nikolaus als einen menschlichen und gütigen, vergnügten, alten Mann mit rosa Wangen und stattlichem weißen Bart. 1931 nämlich beauftragte die Coca Cola Company den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom, den „Santa Claus“ für eine Werbekampagne zu zeichnen. Sundblom, bereits zuvor ein erfolgreicher Werbezeichner, schuf einen sympathischen „Nikolaus zum Anfassen“. Seine Vorlage: das großväterliche Gesicht eines pensionierten Coca Cola Fahrverkäufers.

 

Quelle: http://freenet.meome.de/app/fn/home.jsp

 

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15 09 2010
By: Redaktion 2 0

50 Jahre nach den Massakern von Auschwitz, Treblinka und Dachau

Ahmet Özay und Birol Kilic (Deutsch)

 

 

Die türkischen Opfer des Dritten Reichs sind betrübt

 

An der Gedenkfeier, die anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung des nationalsozialistischen Todeslagers Auschwitz durch die Rote Armee veranstaltet wurde, haben neben den 16 Staatspräsidenten auch der deutsche damalige Bundespräsident Roman Herzog teilgenommen.

 

50 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gedenkt man in Veranstaltungen (die bis Juni dauerten) der ca. 6 Millionen Juden, Polen, Russen, Ungarn, Rumänen und Roma und Sinti, die in Konzentrationslager wie Auschwitz, Riga, Buchenwald oder Dachau vernichtet wurden. Heute lassen sich Grabmäler finden, die für die jüdischen, russischen, albanischen und ungarischen Opfer der Konzentrationslager errichtet wurden. Diese ehemaligen Todeslager befinden sich heute innerhalb der Grenzen verschiedener Staaten wie Polen, Frankreich, Österreich und Deutschland.

 

 

Die dem Naziregime zum Opfer gefallenen Türken

 

Die Türken, die in Deutschland leben, sind in den letzten Jahren mit dem wachsenden Neonazi-Terror konfrontiert. Was war aber das Schicksal der Türken in Deutschland im Jahre 1939, als der zweite Weltkrieg ausbrach, und was davor? Das in den Archiven verstaubte Schicksal türkischer Staatsbürger in den Konzentrationslagern unterscheidet sich kaum von jenem der anderen Völker.

 

Theresienstadt war früher eine Garnisonstadt, die unter der österreichisch-ungarischen Kaiserin Maria Theresia gebaut worden ist. Im „Totenbuch“ des Konzentrationslagers Theresienstadt, das heute in der Tschechischen Republik liegt, findet man Todesregistrierungen von zehn Menschen, die den Nachnamen  „Türk“, „Türkel“, „Tuna“ und „Balaban“ getragen haben. Diese Personen wurden in Österreich in Haft genommen und per Zug in das Konzentrationslager transportiert. Es existieren keine detaillierten Hinweise über ihre Identität (Totenbuch Theresienstadt, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Junius Verlag, 1987, Wien). Aber unter den Namen der 17 Länder, deren Bürger in Theresienstadt der Nazidiktatur zum Opfer gefallen sind, wird auch die Türkei erwähnt.

 

 

Ein türkischer Journalist im Konzentrationslager

 

Als das Konzentrationslager Dachau, das sich heute im Bundesland Bayern befindet, am 26. April 1945 durch die englische Armee befreit wurde, waren 86 von den 67.665 im Register eingetragenen Menschen türkische Staatsbürger (Registrierung mit den Datierungen 16.-26. April 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

 

Dr. Emrullah Gün, ein in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest tätiger Journalist, war einer der türkischen Staatsangehörigen, die, mit der Begründung judenfreundlich, aber  bolschewisten- und deutschfeindlich zu sein, in das KZ Dachau eingeliefert wurden. Nach dem Haftbefehl, der von der Gestapo, Hitlers Geheimpolizei, erstellt worden war, war Dr. Gün „einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten“ (Die Übersetzung des Schreibens mit der Nummer R.S.H.IV 3 A 147221, das von der nationalsozialistischen Geheimpolizei Gestapo an das Gefängnis Feldkirch in Österreich geschickt wurde, lautet folgendermaßen: „Dr. Gün Nerin Emrullah, 24 jähriger türkischer Staatsbürger, tätig in der Presseabteilung der türkischen Botschaft in Budapest. Er wurde nach dem Haftbefehl der österreichischen Bundespolizei mit der Nummer IV 3 A 147 221 in Haft genommen, da er einer der gefährlichsten deutschfeindlichen Journalisten ist, der mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hat. Feldkirch 12.4.1945“). Seine Festnahme hatte zum Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen, da er mit seinen Artikeln in den Medien viel Aufsehen erregt hatte (Dr. Emrullah Gün lebt heute in den USA. Es wurde festgestellt, dass er anlässlich einer Jubiläumsfeier zur Befreiung von Dachau durch die Aliierten in den sechziger Jahren einmal nach Deutschland gekommen ist). 13 Tage nach seiner Einlieferung in das KZ wurde er allerdings von englischen Truppen vor dem Tode gerettet. Ein anderer, der wie Dr. Emrullah Gün lebend gerettet wurde, ist der im Jahr 1920 in Istanbul geborene Rüstem Ali, der Gefangene mit der Nummer „84 284“.

 

In den Registern von Dachau sind außerdem auch die in Istanbul geborenen und in Paris und Marseille lebenden Juden Isak Mirzahi und Aleksander Aslan eingetragen. Jedoch nahm das Schicksal von Aleksander Aslan einen anderen Lauf als jenes von Dr. Emrullah Gün. Er wurde am 14. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich eingeliefert (Registrierung aus dem Jahre 1945 aus dem Archiv des KZ Dachau).

 

In Mauthausen, wo besonders die russischen, polnischen und jüdischen Gefangenen mit sogenannten Methoden wie „kaltes Bad“, „Muselmann“ und „Herzinfektion“ vernichtet wurden, sind 200.000 Menschen ums Leben gekommen. In Mauthausen,  wo tausende  Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt ermordet wurden, lassen sich in den Registern neben  Aleksander Aslan noch 30 andere türkische Staatsbürger finden (Die Geschichte des KZ Mauthausen, Hans Marsalek, eine Veröffentlichung der österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, Seite 141, 1980 Wien). Nach den heute zur Verfügung stehenden Daten ist das Schicksal dieser Menschen noch immer unbekannt.

 

 

Die Regierung von Vichy und die türkischen Gefangenen

 

Der Naziterror gegenüber den türkischen Staatsbürgern bleibt nicht auf Deutschland und Österreich begrenzt. Die mit Hitler kooperierende Vichy Regierung fing in Frankreich mit einer Menschenjagd an. Von dem KZ „Drancy“ in der Nähe von Paris wurden Menschen mit Zügen nach Auschwitz, Buchenwald und Treblinka transportiert. 1.282 der 67.488 Personen, die von „Drancy“ in die verschiedenen KZ eingeliefert wurden, waren von türkischer Staatsangehörigkeit, was bei 330 Personen durch die Nazibehörden jedoch nicht bestätigt worden war, da es sich um türkische Juden und um aserbaidschanische, tatarische, und usbekische Soldaten handelte, die während ihres Dienstes in der sowjetischen Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren. Herr Mirza Hayit, deutscher Staatsbürger usbekischer Herkunft  und Offizier in den Roten Armee während des zweiten Weltkrieges und selbst auch ehemaliger Kriegsgefangener, vermutet, dass ein Teil dieser Leute sowjetische Muslime gewesen sind. Denn gemäß dem damaligen türkischen Botschafter in Marseille, befanden sich zu dieser Zeit nicht viele Türken in Frankreich.

 

Über das Schicksal dieser 1.282 Menschen existieren keine eindeutigen Hinweise, jedoch vermutet man, dass ihre Leben in den Gaskammern von Auschwitz und Buchenwald ein Ende gefunden haben (Dimension des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 134, 1991 München). Einige Zeilen in einer deutschen Veröffentlichung liefern die einzige Information über das Schicksal der türkischen Juden in Belgien (Dimensionen des Völkermordes, Wolfgang Benz, R.Oldenburg Verlag, Seite 130, 1991 München). Gemäß diesem Werk werden diese Juden in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1943 verhaftet und mit einem Sonderzug der Nummer 22A in die KZ Buchenwald und Ravensbrück verfrachtet. Über das Ende der in Belgien ansässigen türkischen Juden kann man angesichts der vorhandenen Daten nicht viel sagen.

 

 

Das Rote Kreuz schweigt

 

Als die 16 Präsidenten der westlichen Staaten in Auschwitz zusammenkamen, um der Kriegsopfer zu gedenken, mussten sich die türkischen und türkisch-jüdischen Opfer von Dachau, Mauthausen, Auschwitz und Buchenwald noch immer mit ihrer Einsamkeit in den „Todeslisten“ abfinden.

 

Das Deutsche Rote Kreuz verfügt über ein vollständiges Namenregister der 50 Millionen Kriegsopfer, die entweder während des Krieges ums Leben gekommen oder verschollen sind. Als wir uns an das „Büro für international vermisste Personen vom Roten Kreuz“ gewendet habe, verlangten die Beamten jeweils eine „Ermächtigungsurkunde“ von den Familien der Betroffenen, um die gewünschten Informationen freigeben zu können. Mit diesen Ermächtigungsurkunden ist es möglich über das Schicksal der tausenden namenlosen Opfer Auskunft zu erhalten und zu erfahren, wie und wo Türken und türkische Juden ums Leben gekommen sind. Eine andere Möglichkeit wäre diese Information auf offiziellem Wege zu verlangen wie es auch die anderen Staaten getan haben.

 

 

Die namenlosen Opfer und stillen Helden des Naziterrors

 

Die Länder deren Bürger im Holocaust ums Leben gekommen sind, waren in Auschwitz auf Präsidentschaftsebene vertreten. Von der niederländischen Prinzessin Beatrix bis zu Albaniens Präsident Sali Berisa waren alle Staatsoberhäupter anwesend.

 

Für den Augenblick sieht es so aus, als ob es den Historiken überlassen ist und in den übermenschlichen Bemühungen der türkischen Diplomaten liegt, die Tragödie der tausenden türkischen Opfer und die Rettung der unzähligen türkischen Juden ans Tageslicht zu bringen.

 

Neue Angaben über das Drama der türkischen Juden findet man in einem Brief, der am 19. Mai 1944 von Thomas Rahey, einem ehemaligen Leiter des KZ  „Bergen-Besen“ in Niedersachsen Deutschland, an Prof. Dr. Stanford Shaw, ein Professor an der Universität von Kalifornien, geschrieben wurde. Nach diesem Brief wurden 105 türkisch-jüdische Gefangene am 4. März 1944 nach langen Diskussionen zwischen Adolf Eichmann dem sogenannten „Judenmetzger“ und dem Nazifunktionär Rudolf Kastzner auf freien Fuß gesetzt. Diese Menschen, die nach ihrem Retter die „Kastzner Gruppe“ genannt werden, reisten nach Schweden ein und wurden von der dortigen türkischen Botschaft mit einem Sonderschiff in die Türkei geschickt. Sie kamen am 10. April 1945 in Istanbul an.

 

In einem mit dem Datum 17. Januar 1943 versehenen Brief aus Amsterdam an die türkische Botschaft in Berlin wurde um Hilfe für die türkisch-jüdischen Gefangenen in den Niederlanden gebeten (Die Briefe von Avram Besuse mit dem Datum 22. Juli 1943).

 

Dieser Brief wurde von Avram Besuse, einem 1894 in Istanbul geborenen Teppichverkäufer, in Amsterdam geschrieben. Einem Schreiben der Hamburger Botschaft mit der Datierung 9. März 1943 entnimmt man, dass sich die türkischen Behörden um die Freilassung der 35 in den Niederlanden lebenden türkischen Juden bemühen. Auch nach Ankara richteten sich die Hoffnungen von 16 in Gelibolu, Istanbul, Edirne und Jerusalem geborenen Juden türkischer Herkunft, die entweder aus der türkischen Staatsbürgerschaft ausgetreten waren oder sich zu der Zeit noch in einer unklaren Situation befanden.

 

Gemäß den Noten des Deutschen Außenministeriums mit dem Datum 5. April 1943 und 21. Mai 1943 wird die Rückkehr der türkischen Staatsbürger jüdischer Herkunft aus den Niederlanden in die Türkei toleriert. Gegen die Ausreise einiger Personen in einer von der Hamburger Botschaft erstellten Liste, mit der Begründung, dass sie keine türkischen Staatsangehörige wären, wurde jedoch Einspruch erhoben. Unter den letzteren befanden sich auch Avram Besuse und seine Familie.

 

In höchster Verzweiflung wandte sich Avram Besuse an das türkische Außenministerium und Parlament. Daraufhin wurden ihm und seinen Angehörigen türkische Pässe ausgestellt, welche ihnen die Einreise in die Türkei ermöglichte.

 

 

Der stille Held ist am Leben

 

In diesem Zusammenhang sollte man die übermenschlichen Bemühungen des damaligen türkischen Botschafters Marseilles nicht vergessen. Der heute 85 jährige in Istanbul ansässige Necdet Kent stieg in einen Zug, der türkische Juden in die Konzentrationslager transportieren sollte mit ein und teilte den Behörden mit, er wäre bereit mit seinen Landsleuten in die Gaskammer zu gehen, sollten diese nicht sofort auf freien Fuß gesetzt werden. Daraufhin wurden diese Menschen nach langen Diskussionen, wie in Bergen-Besen, mit einem Sonderbefehl aus Berlin freigelassen. Leider hatte die Geschichte für die türkischen Juden in anderen Teilen Frankreichs kein so glimpfliches Ende. Die 1.282 türkischen Staatsbürger in „Drancy“ wurden in Konzentrationslagen in Osteuropa eingeliefert.

 

Harri Ojalvo von der „500. Jahr Stiftung“, der lange auf diesem Gebiet geforscht hat, bestätigt, dass man nichts mehr von diesen 1.282 Menschen gehört hat und ist davon überzeugt, dass alle ums Leben gekommen sind.

 

Auf der anderen Seite wissen wir, dass am 26. März 1944 32 Juden aus dem KZ „Haidari“ in Griechenland freigelassen wurden, nachdem sich die Türkische Botschaft in Athen eingestaltet hatte. Isak Gerson, einstiger Gefangener im KZ „Haidari“, der heute in Amerika lebt, bestätigt das in einem von ihm persönlich geschriebenen Brief. Nicht nur in Berlin, Hamburg, Marseille, und Athen, sondern auch in Varna, Sofia und Budapest haben sich die türkischen Diplomaten für ihre Landsleute eingesetzt.

 

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11 09 2010
By: Redaktion 2 0

TKG: Allah und Koran sind nicht gegen Darwin und Evolutionstheorie!

Evolutionstheorie, Darwin, Islam und Bildung: Wir wollen, dass alle Kinder in Österreich, die muslimischen Glaubens sind, die vom Bildungsministerium zur Verfügung gestellte biologische Evolutionstheorie lernen. Des Weiteren fordern wir, dass die Kinder nicht in Hinterhöfen von Vertretern von Vereinen, Verbänden oder Religionsgemeinschaften dazu angestiftet werden, die biologische Evolutionstheorie in Frage zu stellen.

 

Zwischen der biologischen Evolutionstheorie und dem islamischen Glauben besteht keine Inkompatibilität, die Idee der Evolution hat einen festen Platz in der islamischen Ideengeschichte. Kurz: Weder Allah noch der Koran sind gegen Darwin und die Evolutionstheorie! Ganz im Gegenteil, sie unterstützen die Wissenschaft, WissenschaftlerInnen, den Verstand und die Vernunft.

Man kann den Koran nur durch Metaphern verstehen, weil wir das Wesen Gottes mit dem menschlichen Verstand nicht erfassen können. Die Begriffe im Koran zur Erschaffung der Menschen sind Metaphern ohne wissenschaftlichen Anspruch, weil der Koran keine Quelle für wissenschaftliche Erkenntnisse ist. Der Verstand wird im Koran als Quelle für wissenschaftliche Erkenntnisse erwähnt und gelobt. Die Evolutionstheorie ist eine Wissenschaftstheorie ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit und steht damit nicht im Widerspruch zum Koran und der islamischen Wissenschaftstheorie.

Wie Gott einen Menschen wirklich erschaffen hat, wissen wir nicht. Das ist für uns Menschen auch nicht möglich. Wir haben nur die Aufgabe, die Werke Gottes als Mensch zu verstehen und zu deuten. Was Darwin gemacht hat, ist genau das: er erklärt, wie er die Zeichen Gottes zu verstehen versucht:

 

 „Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige. Wollen sie denn nicht glauben? (Koran: 21/30)

 

„Gott ist der Schöpfer aller DINGE und ER ist der ERHALTER aller Dinge.“ ( Koran Vers 39/62 

 

Die Evolutionstheorie wurde von dem berühmten muslimischen Philosoph Ibn Miskeveyh’ten, der zwischen 940 und 1030 gelebt hat, schon früher in seinem Buch “El-Fevzül-Asgar“ beschrieben. Hier schreibt er, dass die Evolution der Pflanzen mit einer übermächtigen Kraft Gottes kreiert wurde und sich die Evolutionstheorie über das Wasser und das Tierreich entwickelt hat.

Demnach hat der Philosoph Ibn Miskeveyh’ten die Resultate, die Darwin veröffentlicht hat, schon vor 850 Jahren geschrieben. Vor ihm haben in der griechischen Antike der Philosoph Anaximander (611-547 v.Chr.) nachher Aristo (300 v.Chr.), sowie der römische Philosoph Lucretius darüber geschrieben. Der Koran unterstützt an erster Stelle Verstand, Vernunft und Wissenschaft. Die wissenschaftlichen Vorzüge der Evolutionstheorie stehen nicht im Gegensatz zum auf den Verstand und die Zeit bezogenen Koraninhalt.

 

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)
Obmann
Dipl.-Ing. Birol Kilic

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10 09 2010
By: Redaktion 2 0

Die sephardische Diaspora im osmanischen Reich und die sephardisch-türkische Gemeinde in Wien

 

Univ. Prof. Dr. Jacob Allerhand

 

Die sephardische Diaspora im Osmanischen Reich und die sephardisch-türkische Gemeinde in Wien [in: Auf den Spuren der Osmanen in der österreichischen Geschichte. (=Wiener Osteuropa Studien, Band 14) Frankfurt am Main 2002 (Peter-Lang Verlag) p. 21-28]

 

Ein beträchtlicher Strom der aus Spanien Vertriebenen ergoss sich ins Osmanische Reich. Nachdem dieses Erez Israel annektiert hatte, war es zum Anziehungspunkt für jene Marranen geworden, die zu büßen und zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren wünschten. Der Chronist Rabbi Elia Kapsali, der die Vertreibung miterlebte und der älteren Generation der jüdischen Bevölkerung im Osmanischen Reich angehörte, berichtet, dass nach 1492 „Tausende und Abertausende ausgewiesener Juden … kamen, so dass das Land … voll war von ihnen.“

 

Der Weg von der Iberischen Halbinsel zum Balkan und nach Kleinasien und häufig von dort nach Syrien und Erez Israel war weit, mühselig, voller Gefahren. Die Ausgewiesenen richteten sich ihre eigenen Durchgangsstationen ein, zum Beispiel in Häfen und Städten Italiens. Die physische Not und die plötzliche Verarmung waren nur schwer zu ertragen. Einer der Verbannten, der im Osmanischen Reich Zuflucht gefunden hatte, berichtet, dass „all ihr Geld für die Kosten ihrer Wanderung verbraucht worden war…“, als er mit seinen Leuten „inmitten eines Volkes, das ihre Sprache nicht verstand“ anlangte. Diesem Zeugen zufolge brachen auch Familien unterwegs auseinander. Denn „Männer kamen ohne ihre Frauen und Frauen ohne ihre Männer.“ Damit war eine Unterminierung des religiösen Familiengesetzes verbunden, da jeder, der allein war, alles tat, um einen Gefährten zu finden … ohne besonders heikel zu sein … ob das Verhältnis auch zulässig sei.“

 

Sultan Bayezid, der zur Zeit der Vertreibung regierte, hieß die vor den fanatischen Christen Geflohenen willkommen. Wie ein jüdischer Zeitgenosse berichtet, „sandte der Sultan viele Männer aus und ließ in seinem ganzen Reich in Wort und Schrift verkünden, dass keiner seiner Beamten in keiner seiner Städte es wagen solle, die Juden zu vertreiben oder zu verstoßen, sondern sie sollten sie willkommen heißen.“

 

Man darf annehmen, dass diese kaiserliche Protektion und der Befehl zur Gewährung des Wohnrechtes dem Einfluss der Führer der alteingesessenen jüdischen Gemeinde zu verdanken war. Diese unternahmen auch beträchtliche Anstrengungen, um ihren vertriebenen Brüdern materielle Hilfe zukommen zu lassen. „Dann mühten sich die Gemeinden (im Türkischen Reich)… gaben Geld wie Steine für die Befreiung von Gefangenen … in jenen Tagen … erwirkte der edle Mose Kapsali viel in Konstantinopel … bereiste die Kongregationen und zwang einen jeden, den ihm angemessenen Betrag zu geben.“ Diese aufgrund echter Anteilnahme am Geschick ihrer Glaubensgenossen erfolgte Hilfeleistung rief allerdings Überlegenheitsgefühle bei den Gebern hervor, die sich sehr groß vorkamen, weil sie den Heruntergekommenen gnädigst Hilfe sowie Status und Anerkennung zuteil werden ließen. Nachdem die aus Spanien Vertriebenen sich eingerichtet hatten – was auch im Osmanischen Reich relativ schnell geschah – kam es seitens dieser Juden aus Spanien und Portugal zu einer Reaktion gegenüber den türkischen Juden.

 

Doch nicht alle Exilanten bedurften der Hilfe. Auch im Osmanischen Reich fanden manche gleich Eingang in Hofkreise, so der Arzt Josef Hamon, der aus Granada dorthin kam, „und etwa fünfundzwanzig Jahre (ab 1493 als Arzt) zur Zeit des Königs, Sultan Bajasid, im königlichen Haushalt Dienst leistete und auch als vertrauter Freund seines Sohnes …Sultan Selim … und der in die Bresche sprang, um die Juden von großen Gefahren zu befreien“, wie es in der nach seinem Tod 1517 gehaltenen Grabrede heißt. Die Daten lassen erkennen, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft in der Türkei zum Hofarzt ernannt wurde; man weiß, dass sein Sohn Mose ihm in diesem hohen Amt nachgefolgt ist.

 

Erfolg blieb nicht nur den Kreisen der Ärzte und Höflinge vorbehalten. Anscheinend war man im Osmanischen Reich der Meinung, dass die Absorbierung der Vertriebenen aus dem Westen kulturelle und sogar militärische Vorteile brachte. Unter den Exilanten scheinen erfahrene Eisengießer und Schießpulver-Hersteller gewesen zu sein, die dem Imperium von Nutzen waren. Elia Kapsali berichtete, der Herr habe „die Türken wegen der Juden gesegnet … denn dank der Juden besiegten die Türken große und mächtige Monarchen … Die Juden lehrten die Türken mit allen Arten von vernichtenden Waffen, Batterien und Feldgeschützen umzugehen. Und durch sie wurden die Türken mächtiger als alle Völker der Welt.“ Auch hatte er gehört, dass der Sohn des Sultans Bayezid, „Sultan Selim, die Juden wahrhaftig sehr liebte, denn er sah, dass er durch sie andere Nationen zerschmettern konnte … denn sie machten ihm eine große Menge von Geschützen und Waffen.“
Es ist eine militärgeschichtliche Tatsache, dass die Ausstattung der türkischen Armee mit Feuerwaffen etwa zur Zeit der Aufnahme der spanischen Exilanten in das Osmanische Reich erfolgte. Die türkischen Siege über die Mamluken und die Perser zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden für gewöhnlich dem Einsatz von Feuerwaffen zugeschrieben. Aus Kapsalis Feststellung darf man also schließen, dass sich unter den aus Spanien vertriebenen Juden Experten für diese Art Feuerwaffen befanden und wesentlich zur Ausrüstung der türkischen Streitkräfte beitrugen.

 

Die Vertriebenen verteilten sich nach und nach in alle Hauptstädte des Reiches. In Konstantinopel, wo es im 16. Jahrhundert viele Synagogen gab, ließen sie sich auch in Vierteln nieder, in denen zuvor keine Juden gewohnt hatten. Auch Saloniki (Selanik) wurde ein Hauptzentrum der Juden und ebenso Adrianopel (Edirne) und Smyrna (Izmir). In kleineren Städten siedelten sich ebenfalls Juden an. Ausweisungen aus Süditalien trugen zur Diversifikation der jüdischen Gemeinde bei und vermehrten noch die zahlreichen Gemeinden im Reich. In der griechischen Stadt Arta, die nicht besonders groß war, „ließen sich vier Gemeinden nieder, die durch die Vertreibungen in den Königreichen von Spanien, Portugal, Sizilien, Kalabrien und Apulien (hierher) gekommen waren.“ Diese Gemeinden machten sich Seite an Seite mit „den Gemeinden von Einwohnern (sesshaft), die dort schon seit früheren Zeiten ansässige waren, wohl eingerichtet in ihren vornehmen Häusern und Innenhöfen.“

 

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 und aus Portugal 1498 ließen sich diese sephardisch genannten Juden, einesteils in Mittel- und Westeuropa, hauptsächlich in Italien, Frankreich, Amsterdam und Hamburg nieder. Auch wenn es erst im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts zur Gründung einer sephardischen Gemeinde in Wien kam, so führten doch bereits seit dem 16. Jahrhundert sephardische Juden in Wien bestimmte Handelsgeschäfte und Finanztransaktionen durch. Ebenso scheint es schon früh auch familiäre Beziehungen zwischen in Wien ansässigen und so genannten türkischen Juden gegeben haben. Zur ständigen Niederlassung sephardisch-türkischer Juden in der Haupt- und Residenzstadt konnte es jedoch erst nach dem Friedensvertrag mit dem Osmanischen Reich, dem Frieden von Passarowitz im Jahre 1718 und verstärkt nach dem Belgrader Vertrag von 1739 kommen. Als türkische Staatsbürger unter dem Schutz des Sultans stehend genossen diese Juden wesentlich mehr Rechte als die Wiener Juden, die Untertanen des Habsburgischen Reiches waren. Die bedeutenden Handelsbeziehungen zwischen den Wiener Sephardim und türkischen Juden in den großen Balkan-Gemeinden sowie die Aktivitäten des sagenumwobenen Diego de Aguilar machten wohl die Gründung der sephardisch-türkischen Gemeinde Wien bereits im Jahr 1737 möglich.

 

Bedauernswerter Weise ist die Geschichte der Sephardim in Wien, die sich „türkisch-israelische Gemeinde“ nannte, nur von ihrem Gründungsjahr 1737 bis 1888 nachvollziehbar. Aus einem historischen Anlass hat Adolf von Zemlinsky eine Broschüre über diese Epoche geschrieben. Aber was die späteren Jahre betrifft, gibt es keine zuverlässigen Quellen zu diesem Thema, da die Nazis zusammen mit der schönen Synagoge in der berühmten „Reichskristallnacht“ auch die Archive verbrannt haben. So musste sich der Berichterstatter auf die Erinnerung der Zeitgenossen und deren Berichte über die Zeit nach 1888 verlassen.

 

Die Gründung einer sephardischen Gemeinde in Wien ist von einer Legende umwoben. Diese Legende geht ins 18. Jahrhundert zurück, als das Virus der Inquisition in Spanien und Portugal grassierte. Es wird erzählt, dass in jener unheilvollen Zeit ein jüdischer Knabe namens Moshe Lopez Pereyra von den Häschern der Inquisition geraubt, getauft und zum Geistlichen ausgebildet wurde. Am Tag der Taufe wurde er in Diego de Aguilar umbenannt. Seine Mutter und Schwester waren Marranen und praktizierten heimlich das Judentum, so wie viele es taten. Diego de Aguilar wurde im Laufe der Zeit zum Bischof ernannt und in die Aktivitäten der Inquisition involviert. Eines Tages wurde seine Schwester angezeigt, da sie der jüdischen Religion die Treue hielt, weswegen sie nach dem Gesetz der Inquisition mit dem Tod durch Verbrennung am Scheiterhaufen verurteilt wurde.

 

In der Nacht vor der Exekution – so die Legende – beschloss die verzweifelte Mutter, sich zum Bischof Diego de Aguilar zu begeben, um Gnade für ihre Tochter zu erbitten. Zu Beginn bekräftigte er die Ablehnung ihrer Bitte, aber als die unglückliche Mutter ihm offenbarte, dass das bedauernswerte Mädchen seine Schwester und sie seine Mutter sei und ihn darauf mit Moshe Lopez Pereyra ansprach, vollzog sich im Wesen des beinharten Geistlichen eine Wandlung. Der Name Moshe Lopez Pereyra rief bei ihm Jugenderinnerungen wach. Von Gefühlen überwältigt, vergoss er Tränen und versprach, sich um die Rettung seiner zum Tod verurteilten Schwester zu bemühen. Die Bemühung um das Leben der Schwester war erfolglos. Er kehrte dem bischöflichen Palais den Rücken, zog seine geistliche Tracht aus und teilte seiner Mutter mit, dass er nicht länger in Spanien bleiben wollte und flüchtete nach Österreich. Eine goldene Kette, die ihm Maria Theresia während eines Spanienbesuches gab, sollte ihm als Amulett dienen.

 

Kurz darauf erschien Moshe Lopez Pereyra in Wien, allerdings allein, da seine Mutter aus Kummer und Gram verstorben war. Er wurde freundlich aufgenommen und auch die kleine Schar Sephardim, die ihn begleiteten, bekamen nicht nur Asyl, sondern auch alle Rechte, ihre angestammte Religion auszuüben. Moshe Pereyra bekam den Titel eines Hofjuden, sowie die Pacht des österreichischen Tabakmonopols. Durch Reichtum und Ansehen gelange es ihm, zu hoher gesellschaftlicher Stellung zu gelangen, und es wird berichtet, dass der berühmte Kanzler Kaunitz bei ihm privat verkehrte.

 

Eines Tages erhielt Pereyra vertraute Information, dass die Regierung beabsichtigte – wahrscheinlich auf Druck des Klerus – die Juden aus Österreich zu vertreiben. Pereyra eilte sofort zu Hof, jedoch weigerte sich die Herrscherin, ihn zu empfangen, er erhielt auch den Hinweis, seine Kontakte zum Hof zu unterlassen. Da die türkischen Juden in Wien feste geschäftliche Bindungen mit ihrer Heimat knüpften, bemühte sich der Sultan, der sehr einflussreich war, dass die Kaiserin ihren Befehl widerrief. Er schickte einen besonderen Sendboten, um diesen Erlass aufzuheben. Die Herrscherin erfüllte die Bitte des Sultans, und die Ausweisung wurde annulliert. Als die Monarchin einige Tage darauf Moshe Pereyra zu sich bat, war er nirgends aufzufinden. Man erzählte, dass der Kurier des Sultans in Wien diese Stadt mit einem unbekannten Mann verlassen habe. Dieser Unbekannte könnte wohl Moshe Lopez Pereyra, Diego de Aguilar, gewesen sein, da die spanische Regierung seine Auslieferung beantragt hatte.

 

Inwiefern die Geschichte wahr ist, kann man schwer feststellen. Unwiderlegbar ist aber die Tatsache, dass die türkische Gemeinde nach 1938 eine Torarolle samt Krone mit der hebräischen Inschrift Mosche Lopez Pereyra – 5498, das dem Jahr 1737–1738 entspricht, spendete. Zu dieser Erinnerung wurde alljährlich am Vorabend des Jom Kippur ein Gebet für Moshe Lopez Pereyra als Gründer der türkisch israelitischen Gemeinde verrichtet. Das taten sie, da sie, im Gegensatz zu den Sephardim in Holland und anderswo, unter dem besonderen Schutz der türkischen Herrscher standen.

 

Diego de Aguilar, mit jüdischem Namen Moshe Lopez Pereyra, kam in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts anscheinend über Amsterdam nach Wien. Unter Karl VI. und Maria Theresia spielte er eine äußerst behutsame finanzielle Rolle für den Ärar, da er die Reorganisation des österreichischen Tabakgefälles übernommen hatte. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde er vom Kaiser mit einem portugiesischen Adelsprädikat belohnt. Sein Wort hatte bei Hofe soviel Gewicht, dass er sich erfolgreich für die mährische Judenschaft einsetzen konnte. Für zahlreiche Gemeinden und einzelne Glaubensgenossen war er in Krisensituationen die letzte Hoffnung. Lediglich das Schicksal der Prager Juden konnte er trotz aller Bemühungen nicht abwenden. Einen Teil seiner Familie brachte Diego mit nach Wien: Seine Mutter Sara Pereyra, sein Vater Abraham Lopez de Pereyra, zwei seiner Kinder sowie sein Schwager Jakob ben Jeschurun Alvarez wurden auf dem alten jüdischen Friedhof in der Seegasse begraben. Er selbst starb 1763 in London. Bis zu ihrer Zerstörung befanden sich in der sephardischen Synagoge Wiens eine Torakrone und Rimmonim mit der Aufschrift „Mosche Lopez Pereyra 5498 (1737/38)“, und bis 1938 wurde an jedem Jom Kippur ein eigenes Gedenkgebet für ihn als Gründer der Gemeinde gesprochen.

 

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hielten die Sephardim ihren Gottesdienst im Haus Nr. 307 innerhalb der Stadtmauern ab. Danach diente ein Haus in der Oberen Donaustraße als Bethaus. 1778 erließ die Regierung eine Regulation für die Türkisch-israelitische Synagoge. Sie bestand aus 14 „Puncten, die der in Sagechen aufgestellte Kais.Königl. Commissarius der gesamten Alhir sich befindlichen Türkischen Judenschaft um alhiessige Türkische Jüdische Synagoge in gute Ordnung zu bringen und in selber zu erhalten ex offo aufgesetzt“. Die Regulation stellte die konstitutionelle Basis für die sephardische Gemeinde dar und fixierte rechtlich alle Gemeindeangelegenheiten von der Steuereinnahme bis zur Aufgabe der verschiedenen Funktionäre. 1818 waren 210 sephardische Juden als permanent in Wien lebend registriert, 1868 die doppelte Anzahl. 1824 wurde das Haus in der Oberen Donaustraße durch einen Brand zerstört. Danach diente das Haus Nr. 321 Große Hafnergasse (später Große Mohrengasse), das man 1843 adaptierte, als Synagoge. Die Gemeinde wuchs stetig und prosperierte. Ab 1840 wurde sie von den sieben reichsten Mitgliedern geleitet. Die Räumlichkeiten in der Hafnergasse wurden zu klein. Aufgrund der Intervention des Sultans konnte das Grundstück Nr. 401 in der Großen Fuhrmanngasse (später Zirkusgasse 22) erworben werden. Die hier erbaute Synagoge wurde 1868 eingeweiht. In Zusammenhang mit dem Synagogenbau kam es auch zu einer Überarbeitung der „Puncte“ von 1778. Diese „Statuten der Türkisch-Jüdischen Gemeinde“ von 1868 legten die interne Gemeindestruktur, Zugehörigkeitsfrage sowie die Rechte und Pflichten der Mitglieder neu fest. Wegen schwerer Konstruktionsfehler musste die Synagoge bald wieder abgerissen werden. An derselben Stelle wurde 1887 der neue türkische Tempel im maurischen Stil, ein Prachtbau des Architekten Ritter von Wiedenfeld, eingeweiht. In der Eingangshalle hingen die Portraits von Kaiser Franz Joseph I. und Abdülhamid II. Im Hinterhof wurde ein Brunnen für die Taschlich Zeremonie zu Rosch ha-Schana gegraben, hier wurde auch jedes Jahr die Sukka aufgebaut. Der Geburtstag des Sultans wurde alljährlich in der Synagoge zelebriert, wobei sowohl die türkische als auch die österreichische Nationalhymne gesungen wurden.

 

Zu den Gemeindeeinrichtungen gehörte natürlich die Beerdigungsgesellschaft chebhra Kaddischa, der Verein Halbascha, der für die Einkleidung armer Kinder sorgte, die Biqqur cholim, die Kranke und Alte unterstützte, die Vereinigung Hakhnasat Orchim, die sich um durchreisende Sephardim kümmerte, der Armenfonds Fondo de los Desfavorecidos sowie der Unterstützungsfonds für den Gesangsverein Schir Ha-kawod. Der Bankier Menachem Elijahu aus Bukarest ließ in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Novaragasse 29 eine Ganztagsschule, Midrasch Elijahu, einrichten. Langjähriger Lehrer an dieser Schule war David Alkalay, einer der früheren sephardischen Zionisten.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte Anton Schmidts Druckerei mit den Publikationen sephardisch religiöser und linguistischer Literatur mit den großen Druckereien in Amsterdam, Italien und der Türkei durchaus konkurrieren. Auch sephardische Gelehrte aus Übersee ließen in Wien drucken.

 

Ende des 19. Jahrhunderts war Wien ein kleines, aber wichtiges Zentrum sephardischer Kultur. Die Universität zog Sephardim aus Belgrad, Bulgarien, Rumänien, Triest, Rhodos, Ägypten und Marokko an. Noch weit vor der Jahrhundertwende bis in die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts war Wien ein Begriff für den spanisch-jüdischen (Ladino) Buchdruck, was einerseits aus dem wachsenden Einfluss Österreich-Ungarns auf den Balkan, anderseits aus den edukativen Aktivitäten der Alliance Israelite Universelle resultierte. Auch eine Reihe spaniolischer Periodika erschien hier, beispielhaft seien „El Mundo Sefardi“, „Carmi“ und „El Correo de Vienna“ genannt. Für einige der 18 zwischen 1856 und 1923 in Wien herausgegebenen spaniolischen Zeitschriften waren das Zielpublikum auch die Juden in der Türkei. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde die Studentenorganisation „Esperanza“ gegründet sowie die kulturelle Vereinigung „Union Espanola“, deren Promotoren Mosche Galimir und R. Nissim Obhadia waren. Die „Esperanza“ übersiedelte Anfang der 30er Jahre nach Sarajevo. Für die Ziele der Alliance setzte sich in Wien besonders der bekannte Journalist Schem Tov Semo ein, der eine Synthese aus sephardischer Tradition, Zionismus sowie modernem Erziehungs- und Wirtschaftswesen anstrebte, wie sie schon früher von R. Jehuda Bibas aus Korfu und später von R. Jehuda Alkalay aus Sarajevo propagiert wurde.

 

Problematisch gestaltete sich das Verhältnis zwischen der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts konstituierten aschkenasischen Kultusgemeinde und der sephardisch-türkischen Gemeinde. Besonders seit die Israelitische Kultusgemeinde Wien die einzige offizielle jüdische Vertretung der Regierung war, kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Aschkenasim und Sephardim, die ihre organisatorische Unabhängigkeit nicht aufgeben wollten. 1909 erst kam es zu einer vorläufigen Übereinkunft: Die türkische Gemeinde hatte den Status einer in der Kultusgemeinde integrierten Korporation, wurde jedoch von der Steuerabgabe an die Kultusgemeinde befreit. Nach der Ausrufung der Republik schließlich erklärte die sephardisch-türkische Gemeinde wieder ihre volle Unabhängigkeit. 1922 wurde sie jedoch gezwungen, ihren Status als „Verband der türkischen Israeliten zu Wien“ innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde gemäß der Regulation von 1909 wieder anzunehmen, wobei ihr allerdings Sonderprivilegien eingeräumt wurden.

 

Der sephardische Ritus wurde im türkischen Tempel lange Zeit strikt eingehalten. Es war bis in die 80er Jahre die einzige große Synagoge Wiens ohne Chor. Während sich bei den Aschkenasim durch das Wirken Sulzers vieles veränderte, hielt die sephardische Gemeinde an ihren orientalischen Weisen fest. Als 1881 Marcus M. Russo zum Präsidenten gewählt wurde, entschloss sich dieser jedoch zur Modernisierung: Jakob Bauer wurde zum Oberkantor bestellt, Isidor Löw zum zweiten Kantor; beide waren Aschkenasim, da keine ausgebildeten sephardischen Chazzamim zur Verfügung standen. Die traditionellen sephardischen Melodien wurden dem westlichen Stil angepasst, ohne allerdings ihren orientalisch geprägten Hintergrund zu verlieren. Der Chor bestand aus 10 bis 15 Jungen. Dreißig Jahre hindurch, bis 1918, war Michael Papo Chakam Baschi, der Oberrabbiner der Gemeinde. Ihm folgte Obhadia. Während des Ersten Weltkriegs war Isaak Altaras aus Sarajevo Oberkantor am türkischen Tempel, danach, bis 1938, Isaak Asseo aus Belgrad. Ein besonderes Ereignis, an dem auch die Aschkenasim teilnahmen, war die jährliche Simchat Tora Feier der Sephardim in Wien: Ein Gabbai in türkischer Tracht führte die Prozession an. Ihm folgten 20 Chorjungen und erwachsene Chormitglieder, der Chormeister, der Oberkantor und der Chakam Baschi. Dahinter kamen die Träger mit den 25 Torarollen, angeführt von Chatam Tora und dem Chatam Bereschit. Den Schluss bildete eine Gruppe von Kindern, die drei kleine Siphre Tora trugen.

 

Ende der 20er Jahre kam es zu einer drastischen Dezimierung der Mitgliederzahl der sephardischen Gemeinde. Die Gründe dafür sind einerseits in der hoffnungslosen Wirtschaftslage jener Zeit, anderseits auch in der Übersiedelung R. Obhadias nach Pari, wohin ihm viele Anhänger folgten, zu sehen. Das letzte große Ereignis in der sephardischen Gemeinde war die Feier zum 800. Geburtstag Maimonides im Jahre 1935 unter dem Präsidenten Heskia. Im November 1938 wurde der türkische Tempel Wiens zerstört. Die österreichischen Sephardim, die nicht fliehen konnten, wurden nach Dachau gebracht.

 

Ein beträchtlicher Strom der aus Spanien Vertriebenen ergoss sich ins Osmanische Reich. Nachdem dieses Erez Israel annektiert hatte, war es zum Anziehungspunkt für jene Marranen geworden, die zu büßen und zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren wünschten. Der Chronist Rabbi Elia Kapsali, der die Vertreibung miterlebte und der älteren Generation der jüdischen Bevölkerung im Osmanischen Reich angehörte, berichtet, dass nach 1492 „Tausende und Abertausende ausgewiesener Juden … kamen, so dass das Land … voll war von ihnen.“

 

Der Weg von der Iberischen Halbinsel zum Balkan und nach Kleinasien und häufig von dort nach Syrien und Erez Israel war weit, mühselig, voller Gefahren. Die Ausgewiesenen richteten sich ihre eigenen Durchgangsstationen ein, zum Beispiel in Häfen und Städten Italiens. Die physische Not und die plötzliche Verarmung waren nur schwer zu ertragen. Einer der Verbannten, der im Osmanischen Reich Zuflucht gefunden hatte, berichtet, dass „all ihr Geld für die Kosten ihrer Wanderung verbraucht worden war…“, als er mit seinen Leuten „inmitten eines Volkes, das ihre Sprache nicht verstand“ anlangte. Diesem Zeugen zufolge brachen auch Familien unterwegs auseinander. Denn „Männer kamen ohne ihre Frauen und Frauen ohne ihre Männer.“ Damit war eine Unterminierung des religiösen Familiengesetzes verbunden, da jeder, der allein war, alles tat, um einen Gefährten zu finden … ohne besonders heikel zu sein … ob das Verhältnis auch zulässig sei.“

 

Sultan Bayezid, der zur Zeit der Vertreibung regierte, hieß die vor den fanatischen Christen Geflohenen willkommen. Wie ein jüdischer Zeitgenosse berichtet, „sandte der Sultan viele Männer aus und ließ in seinem ganzen Reich in Wort und Schrift verkünden, dass keiner seiner Beamten in keiner seiner Städte es wagen solle, die Juden zu vertreiben oder zu verstoßen, sondern sie sollten sie willkommen heißen.“

 

Man darf annehmen, dass diese kaiserliche Protektion und der Befehl zur Gewährung des Wohnrechtes dem Einfluss der Führer der alteingesessenen jüdischen Gemeinde zu verdanken war. Diese unternahmen auch beträchtliche Anstrengungen, um ihren vertriebenen Brüdern materielle Hilfe zukommen zu lassen. „Dann mühten sich die Gemeinden (im Türkischen Reich)… gaben Geld wie Steine für die Befreiung von Gefangenen … in jenen Tagen … erwirkte der edle Mose Kapsali viel in Konstantinopel … bereiste die Kongregationen und zwang einen jeden, den ihm angemessenen Betrag zu geben.“ Diese aufgrund echter Anteilnahme am Geschick ihrer Glaubensgenossen erfolgte Hilfeleistung rief allerdings Überlegenheitsgefühle bei den Gebern hervor, die sich sehr groß vorkamen, weil sie den Heruntergekommenen gnädigst Hilfe sowie Status und Anerkennung zuteil werden ließen. Nachdem die aus Spanien Vertriebenen sich eingerichtet hatten – was auch im Osmanischen Reich relativ schnell geschah – kam es seitens dieser Juden aus Spanien und Portugal zu einer Reaktion gegenüber den türkischen Juden.

 

Doch nicht alle Exilanten bedurften der Hilfe. Auch im Osmanischen Reich fanden manche gleich Eingang in Hofkreise, so der Arzt Josef Hamon, der aus Granada dorthin kam, „und etwa fünfundzwanzig Jahre (ab 1493 als Arzt) zur Zeit des Königs, Sultan Bajasid, im königlichen Haushalt Dienst leistete und auch als vertrauter Freund seines Sohnes …Sultan Selim … und der in die Bresche sprang, um die Juden von großen Gefahren zu befreien“, wie es in der nach seinem Tod 1517 gehaltenen Grabrede heißt. Die Daten lassen erkennen, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft in der Türkei zum Hofarzt ernannt wurde; man weiß, dass sein Sohn Mose ihm in diesem hohen Amt nachgefolgt ist.
Erfolg blieb nicht nur den Kreisen der Ärzte und Höflinge vorbehalten. Anscheinend war man im Osmanischen Reich der Meinung, dass die Absorbierung der Vertriebenen aus dem Westen kulturelle und sogar militärische Vorteile brachte. Unter den Exilanten scheinen erfahrene Eisengießer und Schießpulver-Hersteller gewesen zu sein, die dem Imperium von Nutzen waren. Elia Kapsali berichtete, der Herr habe „die Türken wegen der Juden gesegnet … denn dank der Juden besiegten die Türken große und mächtige Monarchen … Die Juden lehrten die Türken mit allen Arten von vernichtenden Waffen, Batterien und Feldgeschützen umzugehen. Und durch sie wurden die Türken mächtiger als alle Völker der Welt.“ Auch hatte er gehört, dass der Sohn des Sultans Bayezid, „Sultan Selim, die Juden wahrhaftig sehr liebte, denn er sah, dass er durch sie andere Nationen zerschmettern konnte … denn sie machten ihm eine große Menge von Geschützen und Waffen.“

 

Es ist eine militärgeschichtliche Tatsache, dass die Ausstattung der türkischen Armee mit Feuerwaffen etwa zur Zeit der Aufnahme der spanischen Exilanten in das Osmanische Reich erfolgte. Die türkischen Siege über die Mamluken und die Perser zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden für gewöhnlich dem Einsatz von Feuerwaffen zugeschrieben. Aus Kapsalis Feststellung darf man also schließen, dass sich unter den aus Spanien vertriebenen Juden Experten für diese Art Feuerwaffen befanden und wesentlich zur Ausrüstung der türkischen Streitkräfte beitrugen.

 

Die Vertriebenen verteilten sich nach und nach in alle Hauptstädte des Reiches. In Konstantinopel, wo es im 16. Jahrhundert viele Synagogen gab, ließen sie sich auch in Vierteln nieder, in denen zuvor keine Juden gewohnt hatten. Auch Saloniki (Selanik) wurde ein Hauptzentrum der Juden und ebenso Adrianopel (Edirne) und Smyrna (Izmir). In kleineren Städten siedelten sich ebenfalls Juden an. Ausweisungen aus Süditalien trugen zur Diversifikation der jüdischen Gemeinde bei und vermehrten noch die zahlreichen Gemeinden im Reich. In der griechischen Stadt Arta, die nicht besonders groß war, „ließen sich vier Gemeinden nieder, die durch die Vertreibungen in den Königreichen von Spanien, Portugal, Sizilien, Kalabrien und Apulien (hierher) gekommen waren.“ Diese Gemeinden machten sich Seite an Seite mit „den Gemeinden von Einwohnern (sesshaft), die dort schon seit früheren Zeiten ansässige waren, wohl eingerichtet in ihren vornehmen Häusern und Innenhöfen.“

 

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 und aus Portugal 1498 ließen sich diese sephardisch genannten Juden, einesteils in Mittel- und Westeuropa, hauptsächlich in Italien, Frankreich, Amsterdam und Hamburg nieder. Auch wenn es erst im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts zur Gründung einer sephardischen Gemeinde in Wien kam, so führten doch bereits seit dem 16. Jahrhundert sephardische Juden in Wien bestimmte Handelsgeschäfte und Finanztransaktionen durch. Ebenso scheint es schon früh auch familiäre Beziehungen zwischen in Wien ansässigen und so genannten türkischen Juden gegeben haben. Zur ständigen Niederlassung sephardisch-türkischer Juden in der Haupt- und Residenzstadt konnte es jedoch erst nach dem Friedensvertrag mit dem Osmanischen Reich, dem Frieden von Passarowitz im Jahre 1718 und verstärkt nach dem Belgrader Vertrag von 1739 kommen. Als türkische Staatsbürger unter dem Schutz des Sultans stehend genossen diese Juden wesentlich mehr Rechte als die Wiener Juden, die Untertanen des Habsburgischen Reiches waren. Die bedeutenden Handelsbeziehungen zwischen den Wiener Sephardim und türkischen Juden in den großen Balkan-Gemeinden sowie die Aktivitäten des sagenumwobenen Diego de Aguilar machten wohl die Gründung der sephardisch-türkischen Gemeinde Wien bereits im Jahr 1737 möglich.

 

Bedauernswerter Weise ist die Geschichte der Sephardim in Wien, die sich „türkisch-israelische Gemeinde“ nannte, nur von ihrem Gründungsjahr 1737 bis 1888 nachvollziehbar. Aus einem historischen Anlass hat Adolf von Zemlinsky eine Broschüre über diese Epoche geschrieben. Aber was die späteren Jahre betrifft, gibt es keine zuverlässigen Quellen zu diesem Thema, da die Nazis zusammen mit der schönen Synagoge in der berühmten „Reichskristallnacht“ auch die Archive verbrannt haben. So musste sich der Berichterstatter auf die Erinnerung der Zeitgenossen und deren Berichte über die Zeit nach 1888 verlassen.

 

Die Gründung einer sephardischen Gemeinde in Wien ist von einer Legende umwoben. Diese Legende geht ins 18. Jahrhundert zurück, als das Virus der Inquisition in Spanien und Portugal grassierte. Es wird erzählt, dass in jener unheilvollen Zeit ein jüdischer Knabe namens Moshe Lopez Pereyra von den Häschern der Inquisition geraubt, getauft und zum Geistlichen ausgebildet wurde. Am Tag der Taufe wurde er in Diego de Aguilar umbenannt. Seine Mutter und Schwester waren Marranen und praktizierten heimlich das Judentum, so wie viele es taten. Diego de Aguilar wurde im Laufe der Zeit zum Bischof ernannt und in die Aktivitäten der Inquisition involviert. Eines Tages wurde seine Schwester angezeigt, da sie der jüdischen Religion die Treue hielt, weswegen sie nach dem Gesetz der Inquisition mit dem Tod durch Verbrennung am Scheiterhaufen verurteilt wurde.

 

In der Nacht vor der Exekution – so die Legende – beschloss die verzweifelte Mutter, sich zum Bischof Diego de Aguilar zu begeben, um Gnade für ihre Tochter zu erbitten. Zu Beginn bekräftigte er die Ablehnung ihrer Bitte, aber als die unglückliche Mutter ihm offenbarte, dass das bedauernswerte Mädchen seine Schwester und sie seine Mutter sei und ihn darauf mit Moshe Lopez Pereyra ansprach, vollzog sich im Wesen des beinharten Geistlichen eine Wandlung. Der Name Moshe Lopez Pereyra rief bei ihm Jugenderinnerungen wach. Von Gefühlen überwältigt, vergoss er Tränen und versprach, sich um die Rettung seiner zum Tod verurteilten Schwester zu bemühen. Die Bemühung um das Leben der Schwester war erfolglos. Er kehrte dem bischöflichen Palais den Rücken, zog seine geistliche Tracht aus und teilte seiner Mutter mit, dass er nicht länger in Spanien bleiben wollte und flüchtete nach Österreich. Eine goldene Kette, die ihm Maria Theresia während eines Spanienbesuches gab, sollte ihm als Amulett dienen.

 

Kurz darauf erschien Moshe Lopez Pereyra in Wien, allerdings allein, da seine Mutter aus Kummer und Gram verstorben war. Er wurde freundlich aufgenommen und auch die kleine Schar Sephardim, die ihn begleiteten, bekamen nicht nur Asyl, sondern auch alle Rechte, ihre angestammte Religion auszuüben. Moshe Pereyra bekam den Titel eines Hofjuden, sowie die Pacht des österreichischen Tabakmonopols. Durch Reichtum und Ansehen gelange es ihm, zu hoher gesellschaftlicher Stellung zu gelangen, und es wird berichtet, dass der berühmte Kanzler Kaunitz bei ihm privat verkehrte.

 

Eines Tages erhielt Pereyra vertraute Information, dass die Regierung beabsichtigte – wahrscheinlich auf Druck des Klerus – die Juden aus Österreich zu vertreiben. Pereyra eilte sofort zu Hof, jedoch weigerte sich die Herrscherin, ihn zu empfangen, er erhielt auch den Hinweis, seine Kontakte zum Hof zu unterlassen. Da die türkischen Juden in Wien feste geschäftliche Bindungen mit ihrer Heimat knüpften, bemühte sich der Sultan, der sehr einflussreich war, dass die Kaiserin ihren Befehl widerrief. Er schickte einen besonderen Sendboten, um diesen Erlass aufzuheben. Die Herrscherin erfüllte die Bitte des Sultans, und die Ausweisung wurde annulliert. Als die Monarchin einige Tage darauf Moshe Pereyra zu sich bat, war er nirgends aufzufinden. Man erzählte, dass der Kurier des Sultans in Wien diese Stadt mit einem unbekannten Mann verlassen habe. Dieser Unbekannte könnte wohl Moshe Lopez Pereyra, Diego de Aguilar, gewesen sein, da die spanische Regierung seine Auslieferung beantragt hatte.

 

Inwiefern die Geschichte wahr ist, kann man schwer feststellen. Unwiderlegbar ist aber die Tatsache, dass die türkische Gemeinde nach 1938 eine Torarolle samt Krone mit der hebräischen Inschrift Mosche Lopez Pereyra – 5498, das dem Jahr 1737–1738 entspricht, spendete. Zu dieser Erinnerung wurde alljährlich am Vorabend des Jom Kippur ein Gebet für Moshe Lopez Pereyra als Gründer der türkisch israelitischen Gemeinde verrichtet. Das taten sie, da sie, im Gegensatz zu den Sephardim in Holland und anderswo, unter dem besonderen Schutz der türkischen Herrscher standen.

 

Diego de Aguilar, mit jüdischem Namen Moshe Lopez Pereyra, kam in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts anscheinend über Amsterdam nach Wien. Unter Karl VI. und Maria Theresia spielte er eine äußerst behutsame finanzielle Rolle für den Ärar, da er die Reorganisation des österreichischen Tabakgefälles übernommen hatte. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde er vom Kaiser mit einem portugiesischen Adelsprädikat belohnt. Sein Wort hatte bei Hofe soviel Gewicht, dass er sich erfolgreich für die mährische Judenschaft einsetzen konnte. Für zahlreiche Gemeinden und einzelne Glaubensgenossen war er in Krisensituationen die letzte Hoffnung. Lediglich das Schicksal der Prager Juden konnte er trotz aller Bemühungen nicht abwenden. Einen Teil seiner Familie brachte Diego mit nach Wien: Seine Mutter Sara Pereyra, sein Vater Abraham Lopez de Pereyra, zwei seiner Kinder sowie sein Schwager Jakob ben Jeschurun Alvarez wurden auf dem alten jüdischen Friedhof in der Seegasse begraben. Er selbst starb 1763 in London. Bis zu ihrer Zerstörung befanden sich in der sephardischen Synagoge Wiens eine Torakrone und Rimmonim mit der Aufschrift „Mosche Lopez Pereyra 5498 (1737/38)“, und bis 1938 wurde an jedem Jom Kippur ein eigenes Gedenkgebet für ihn als Gründer der Gemeinde gesprochen.

 

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hielten die Sephardim ihren Gottesdienst im Haus Nr. 307 innerhalb der Stadtmauern ab. Danach diente ein Haus in der Oberen Donaustraße als Bethaus. 1778 erließ die Regierung eine Regulation für die Türkisch-israelitische Synagoge. Sie bestand aus 14 „Puncten, die der in Sagechen aufgestellte Kais.Königl. Commissarius der gesamten Alhir sich befindlichen Türkischen Judenschaft um alhiessige Türkische Jüdische Synagoge in gute Ordnung zu bringen und in selber zu erhalten ex offo aufgesetzt“. Die Regulation stellte die konstitutionelle Basis für die sephardische Gemeinde dar und fixierte rechtlich alle Gemeindeangelegenheiten von der Steuereinnahme bis zur Aufgabe der verschiedenen Funktionäre. 1818 waren 210 sephardische Juden als permanent in Wien lebend registriert, 1868 die doppelte Anzahl. 1824 wurde das Haus in der Oberen Donaustraße durch einen Brand zerstört. Danach diente das Haus Nr. 321 Große Hafnergasse (später Große Mohrengasse), das man 1843 adaptierte, als Synagoge. Die Gemeinde wuchs stetig und prosperierte. Ab 1840 wurde sie von den sieben reichsten Mitgliedern geleitet. Die Räumlichkeiten in der Hafnergasse wurden zu klein. Aufgrund der Intervention des Sultans konnte das Grundstück Nr. 401 in der Großen Fuhrmanngasse (später Zirkusgasse 22) erworben werden. Die hier erbaute Synagoge wurde 1868 eingeweiht. In Zusammenhang mit dem Synagogenbau kam es auch zu einer Überarbeitung der „Puncte“ von 1778. Diese „Statuten der Türkisch-Jüdischen Gemeinde“ von 1868 legten die interne Gemeindestruktur, Zugehörigkeitsfrage sowie die Rechte und Pflichten der Mitglieder neu fest. Wegen schwerer Konstruktionsfehler musste die Synagoge bald wieder abgerissen werden. An derselben Stelle wurde 1887 der neue türkische Tempel im maurischen Stil, ein Prachtbau des Architekten Ritter von Wiedenfeld, eingeweiht. In der Eingangshalle hingen die Portraits von Kaiser Franz Joseph I. und Abdülhamid II. Im Hinterhof wurde ein Brunnen für die Taschlich Zeremonie zu Rosch ha-Schana gegraben, hier wurde auch jedes Jahr die Sukka aufgebaut. Der Geburtstag des Sultans wurde alljährlich in der Synagoge zelebriert, wobei sowohl die türkische als auch die österreichische Nationalhymne gesungen wurden.

 

Zu den Gemeindeeinrichtungen gehörte natürlich die Beerdigungsgesellschaft chebhra Kaddischa, der Verein Halbascha, der für die Einkleidung armer Kinder sorgte, die Biqqur cholim, die Kranke und Alte unterstützte, die Vereinigung Hakhnasat Orchim, die sich um durchreisende Sephardim kümmerte, der Armenfonds Fondo de los Desfavorecidos sowie der Unterstützungsfonds für den Gesangsverein Schir Ha-kawod. Der Bankier Menachem Elijahu aus Bukarest ließ in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Novaragasse 29 eine Ganztagsschule, Midrasch Elijahu, einrichten. Langjähriger Lehrer an dieser Schule war David Alkalay, einer der früheren sephardischen Zionisten.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte Anton Schmidts Druckerei mit den Publikationen sephardisch religiöser und linguistischer Literatur mit den großen Druckereien in Amsterdam, Italien und der Türkei durchaus konkurrieren. Auch sephardische Gelehrte aus Übersee ließen in Wien drucken.

 

Ende des 19. Jahrhunderts war Wien ein kleines, aber wichtiges Zentrum sephardischer Kultur. Die Universität zog Sephardim aus Belgrad, Bulgarien, Rumänien, Triest, Rhodos, Ägypten und Marokko an. Noch weit vor der Jahrhundertwende bis in die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts war Wien ein Begriff für den spanisch-jüdischen (Ladino) Buchdruck, was einerseits aus dem wachsenden Einfluss Österreich-Ungarns auf den Balkan, anderseits aus den edukativen Aktivitäten der Alliance Israelite Universelle resultierte. Auch eine Reihe spaniolischer Periodika erschien hier, beispielhaft seien „El Mundo Sefardi“, „Carmi“ und „El Correo de Vienna“ genannt. Für einige der 18 zwischen 1856 und 1923 in Wien herausgegebenen spaniolischen Zeitschriften waren das Zielpublikum auch die Juden in der Türkei. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde die Studentenorganisation „Esperanza“ gegründet sowie die kulturelle Vereinigung „Union Espanola“, deren Promotoren Mosche Galimir und R. Nissim Obhadia waren. Die „Esperanza“ übersiedelte Anfang der 30er Jahre nach Sarajevo. Für die Ziele der Alliance setzte sich in Wien besonders der bekannte Journalist Schem Tov Semo ein, der eine Synthese aus sephardischer Tradition, Zionismus sowie modernem Erziehungs- und Wirtschaftswesen anstrebte, wie sie schon früher von R. Jehuda Bibas aus Korfu und später von R. Jehuda Alkalay aus Sarajevo propagiert wurde.

 

Problematisch gestaltete sich das Verhältnis zwischen der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts konstituierten aschkenasischen Kultusgemeinde und der sephardisch-türkischen Gemeinde. Besonders seit die Israelitische Kultusgemeinde Wien die einzige offizielle jüdische Vertretung der Regierung war, kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Aschkenasim und Sephardim, die ihre organisatorische Unabhängigkeit nicht aufgeben wollten. 1909 erst kam es zu einer vorläufigen Übereinkunft: Die türkische Gemeinde hatte den Status einer in der Kultusgemeinde integrierten Korporation, wurde jedoch von der Steuerabgabe an die Kultusgemeinde befreit. Nach der Ausrufung der Republik schließlich erklärte die sephardisch-türkische Gemeinde wieder ihre volle Unabhängigkeit. 1922 wurde sie jedoch gezwungen, ihren Status als „Verband der türkischen Israeliten zu Wien“ innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde gemäß der Regulation von 1909 wieder anzunehmen, wobei ihr allerdings Sonderprivilegien eingeräumt wurden.

 

Der sephardische Ritus wurde im türkischen Tempel lange Zeit strikt eingehalten. Es war bis in die 80er Jahre die einzige große Synagoge Wiens ohne Chor. Während sich bei den Aschkenasim durch das Wirken Sulzers vieles veränderte, hielt die sephardische Gemeinde an ihren orientalischen Weisen fest. Als 1881 Marcus M. Russo zum Präsidenten gewählt wurde, entschloss sich dieser jedoch zur Modernisierung: Jakob Bauer wurde zum Oberkantor bestellt, Isidor Löw zum zweiten Kantor; beide waren Aschkenasim, da keine ausgebildeten sephardischen Chazzamim zur Verfügung standen. Die traditionellen sephardischen Melodien wurden dem westlichen Stil angepasst, ohne allerdings ihren orientalisch geprägten Hintergrund zu verlieren. Der Chor bestand aus 10 bis 15 Jungen. Dreißig Jahre hindurch, bis 1918, war Michael Papo Chakam Baschi, der Oberrabbiner der Gemeinde. Ihm folgte Obhadia. Während des Ersten Weltkriegs war Isaak Altaras aus Sarajevo Oberkantor am türkischen Tempel, danach, bis 1938, Isaak Asseo aus Belgrad. Ein besonderes Ereignis, an dem auch die Aschkenasim teilnahmen, war die jährliche Simchat Tora Feier der Sephardim in Wien: Ein Gabbai in türkischer Tracht führte die Prozession an. Ihm folgten 20 Chorjungen und erwachsene Chormitglieder, der Chormeister, der Oberkantor und der Chakam Baschi. Dahinter kamen die Träger mit den 25 Torarollen, angeführt von Chatam Tora und dem Chatam Bereschit. Den Schluss bildete eine Gruppe von Kindern, die drei kleine Siphre Tora trugen.

 

Ende der 20er Jahre kam es zu einer drastischen Dezimierung der Mitgliederzahl der sephardischen Gemeinde. Die Gründe dafür sind einerseits in der hoffnungslosen Wirtschaftslage jener Zeit, anderseits auch in der Übersiedelung R. Obhadias nach Pari, wohin ihm viele Anhänger folgten, zu sehen. Das letzte große Ereignis in der sephardischen Gemeinde war die Feier zum 800. Geburtstag Maimonides im Jahre 1935 unter dem Präsidenten Heskia. Im November 1938 wurde der türkische Tempel Wiens zerstört. Die österreichischen Sephardim, die nicht fliehen konnten, wurden nach Dachau gebracht.

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05 09 2010
By: Redaktion 2 0

Heirat und Tod in der Türkei

Von Canan Bulkur, Birol Kilic

 

Kleinasien beherbergt seit den frühesten und den bekannten Epochen der Menschheitsgeschichte bis heute eine bunte Vielfalt von Zivilisationen; laut historischen und archäologischen Quellen blickt es auf eine zehntausendjährige Geschichte zurück und stellt heute die Summe der Errungenschaften all dieser Zivilisationen dar.

 

Alle monotheistischen und  polytheistischen Religionen, die einst hier aufeinander trafen, sich vermischten und verwoben, bilden das Erbe der  anatolischen Kultur. So blieb auch der Islam als die Religion, die heute in dieser Region am weitesten verbreitet ist, nicht unbeeinflusst von all diesen verschiedenen Religionen.

 

Jeder Mensch wird in einen bestimmten Kulturkreis hineingeboren, wo er aufwächst, sich entwickelt und bis zu seinem Tod lebt. In diesem Sinne kommt dem Kulturkreis die Aufgabe zu, dem Individuum zu einer Identität zu verhelfen. So basieren auch die Geschlechterrollen, die Ehe als eine gesellschaftliche Institution sowie deren Rituale und Feste auf diesem Selbstverständnis der kulturellen Identität.

 

Heiratsbräuche in der heutigen Türkei

Die Ehe ist eine Institution, innerhalb derer zwei Menschen verschiedenen Geschlechts die Entscheidung treffen, ihr Leben zusammen zu verbringen. Diese Institution ist sowohl von einer rechtlichen wie einer religiösen Seite geprägt. Der Islam sieht die Ehe als eine religiöse Pflicht und begreift sie als Garant für die Gründung von Familien und den Fortbestand der gesellschaftlichen Sittlichkeit. Aus diesem Grunde werden auch sämtliche Zeremonien in Zusammenhang mit der Ehe als religiöse Pflichten aufgefasst. Im Folgenden werden nun die Rituale und Feste bezüglich der Ehe einzeln aufgeführt.

 

Heiratsfähigkeit und -alter

Generell gibt es eine Reihe von Maßstäben, nach denen bestimmt wird, ob eine Frau oder ein Mann im heiratsfähigen Alter ist. Diese Maßstäbe wurzeln in den Traditionen. In der Türkei wird der Beginn des Pubertätsalters auf 10 bis 14 Jahre angenommen. Die Pubertät verursacht sowohl bei Jungen wie bei Mädchen biologisch-physiologische sowie psychologische Veränderungen. Zusammen mit der Pubertät steigt auch die persönliche Verantwortlichkeit und Jungen wie Mädchen nehmen nunmehr an den wirtschaftlichen, sozialen sowie kulturellen Aktivitäten ihrer Familie teil. Wurde früher zwar das Pubertätsalter mit dem Heiratsalter gleichgesetzt, so ist dies heute, im Zeitalter der Moderne, nicht mehr von Gültigkeit. Nur in manchen ländlichen Regionen, in denen das traditionelle Leben noch andauert, wird diese Regel beachtet. In den Städten hingegen liegt das Heiratsalter weitaus höher, was seine Ursachen darin hat, dass sowohl die Traditionen an Einfluss verloren haben und die ökonomischen Bedingungen schwieriger sind. So wird es in den Städten als falsch angesehen, dass Mädchen und Jungen vor dem Abschluss der Schule heiraten.
Bei der Schließung von Ehen gibt es traditionell eine Hierarchie der Art, dass in einer Familie zuerst der älteste Bruder beziehungsweise die älteste Schwester heiratet, danach die anderen Geschwister. Doch auch dies hat sich in den letzten Jahren verändert. Bei der Eheschließung sind wirtschaftliche und soziale Kriterien von großer Bedeutung. Wie jedoch die Gesellschaft von geschlechtsspezifischen Rollenzuweisungen geprägt ist, hat dies auch seine Auswirkungen auf die Eheschließung. Das heißt, dass den Männern und deren Familien eine aktivere Rolle zugeschrieben wird als der Frau beziehungsweise deren Familie und demnach erwartet man Schritte hin zu einer Heirat von dem Mann oder dessen Familie.

 

Brautschau, Werbung um ein Mädchen, um die Hand anhalten, Brautwahl

Die Brautschau ist eine Einrichtung die dazu dient, dass sich die Familien der jungen Leute, die heiraten wollen, kennen lernen. Soll eine Ehe nach diesem Brauch geschlossen werden, geht man zur Brautschau zu der Familie des Mädchens, das von Verwandten des Mannes oder von Nachbarn ausgesucht wurde. Zuerst wird die in Frage kommende Braut von den weiblichen Verwandten des Mannes besucht und falls sie als geeignet angesehen wird, schildern diese den Besuch in lobenden Worten gegenüber dem zukünftigen Bräutigam. Wünscht dieser es, dann wird ein zweiter Besuch von Seiten der ältesten Mitglieder seiner Familie durchgeführt. Haben sich die Heiratskandidaten jedoch zuvor geeinigt, dann gehen die ältesten Mitglieder der Familie an einem vereinbarten Tag zu der Familie der zukünftigen Braut, um um ihre Hand anzuhalten. Dabei werden Süßigkeiten, insbesondere Schokolade, überreicht und diese müssen dann auf einem silbernen Teller angeboten werden. Diese Geschenke wie Blumen und Schokolade sind Zeugen der wirtschaftlichen Situation des Mannes. Aber auch im Hause der Frau werden Vorbereitungen getroffen. Als Wichtigstes zählt dabei die Zubereitung von Kaffee von Seiten der zukünftigen Ehefrau. Ohnehin ist der Kaffee in kultureller Hinsicht  in vielerlei Weise bedeutungsvoll: So trägt eine Kaffeetasse die Erinnerung von vierzig Jahren und deshalb ist es nicht grundlos, warum zu Beginn eines solch wichtigen Ereignisses wie Eheschließung Kaffee angeboten wird. Während des Kaffeetrinkens oder danach sagt dann der älteste männliche Verwandte aus der Familie des Mannes oder der Vater des zukünftigen Bräutigams – an dessen Stelle kann auch ein geachteter älterer Verwandter treten – die Worte: „Nachdem es Gott so gewollt hat, bitten wir um ihre Tochter für unseren Sohn“. Es ist eine kulturelle Eigenheit, dass die Familie der zukünftigen Frau sich bitten lässt und nicht sofort „Ja“ sagt, um zu zeigen, dass sie nicht daran interessiert sind, ihre Tochter sofort zu verheiraten. So antworten sie mit den Worten „Wenn es das Schicksal will“. Wird die Schokolade, die der Familie der Frau überreicht wurde, geöffnet und den Gästen angeboten, so kommt dieses einem „Ja“ gleich. Wird sie hingegen nicht geöffnet, so bedeutet dies, dass man noch etwas nachdenken möchte und ein zweiter Besuch muss gemacht werden. Bei diesem zweiten Besuch wird dann die Vereinbarung zur Eheschließung getroffen. Wurde die Schokolade indes geöffnet, wird gleich ein Tag vereinbart, an dem man sich das Wort geben wird.

 

Ehevereinbarung

Die Vereinbarung zur Schließung der Ehe kann sowohl an demselben Tag stattfinden, an dem man um die Hand der zukünftigen Braut anhält, wie auch an einem anderen Tag. Die Feier besteht im Anstecken der Ringe und wird im Haus der Frau durchgeführt. Die Fingerringe symbolisieren, dass sich Frau und Mann gegenseitig das Wort gegeben haben. Danach wird ein Termin für die Verlobung vereinbart, der nicht allzu spät liegen sollte, denn nach islamischem Brauch sollen die Heiratskandidaten so bald wie möglich verheiratet werden. Aus diesem Grunde wird gleich nach der Ehevereinbarung die religiöse Trauung, das heißt die Trauung vor dem Imam, vollzogen, ohne die weiteren Zeremonien abzuwarten. Dieser Brauch gewährleistet den Heiratskandidaten, dass sie sich in Ruhe treffen können.

 

Verlobung

In der Türkei werden alle Ausgaben für die Verlobungsfeier von Seiten der Braut aufgebracht, weshalb diese einen Spiegel der sozioökonomischen Lage der Frau darstellen. Die Familie des Mannes hingegen kleidet für die Verlobung die Frau neu ein und überreicht den Mitgliedern der Familie der Braut Geschenke, die aus handgefertigten Textilien bestehen und die wiederum die ökonomische Lage des Mannes spiegeln. Gleich nach der Verlobung wird von Seiten der Frau ebenfalls ein solches Geschenk, bestehend aus Textilien, zusammengestellt und der Familie des Bräutigams geschickt. Die Verlobungsfeier findet im Haus der Braut oder in einem dafür angemieteten Saal statt und sämtliche Verwandte und Nachbarn werden eingeladen. Es wird Essen oder auch nur Kuchen und süßes Gebäck verteilt. Die Mutter des Bräutigams überreicht der Braut, die das neue Verlobungskleid trägt, Schmuck, der aus einem Ring, einem Armreif oder einer Halskette bestehen kann. Bei der Verlobungsfeier wird ebenso der Verlobungsring an den Finger der rechten Hand von Braut und Bräutigam angesteckt, ein Amt, das einem der ältesten männlichen Verwandten aus der Familie der Braut zukommt. Liegen zwischen Verlobung und Hochzeit religiöse Feiertage, so überreicht der Bräutigam der Braut und ihrer Familie Geschenke. Fällt zum Beispiel das Opferfest in diesen Zeitraum, so kauft der Bräutigam einen Schafbock, schmückt ihn, färbt seinen Rücken mit Henna und schickt ihn der Familie der Braut. Ist die Familie des Mannes reich, so behängt sie darüber hinaus die Stirn des Schafbocks mit Gold. Die Gäste, die an der Verlobungsfeier teilnehmen, überreichen dem Paar Geschenke oder stecken Geld und Gold an ihre Kleidung. Die Dauer der Verlobungszeit bestimmen die Familien, jedoch wird gleich nach der Verlobung die religiöse Trauung vollzogen.

 

Hochzeitsvorbereitungen

In der Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit vervollständigt die Braut ihre Aussteuer, die dann in eine Truhe gelegt wird. Die Aussteuer kann von der Mutter der Braut, einer Verwandten oder von der Braut selbst hergestellt werden. Die Holztruhen mit der Aussteuer sind von großer kultureller Bedeutung und sind daher verziert, wobei insbesondere Verzierungen aus Perlmutt sehr begehrt sind. Die Aussteuer der Braut wird einige Tage vor der Hochzeit gewaschen und diese Arbeit sollte von den Freundinnen der Braut erledigt werden. Die gewaschene und gebügelte Aussteuer wird zuerst im Haus der Braut zur Ansicht ausgebreitet und diejenigen, die die Aussteuer inspizieren möchten, bringen ein Geschenk mit. Danach wird die Aussteuer in das Haus gebracht, in dem das Paar leben wird, wobei diese Prozedur von regional unterschiedlichen Bräuchen begleitet ist. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass es ein vergnügliches Unternehmen ist. In manchen Gegenden wird die Aussteuer in das neue Haus gebracht, noch bevor die Braut eingetroffen ist, in anderen Regionen gemeinsam mit der Frau. Die Aussteuer symbolisiert die Ehre der Braut und wird deshalb mit Sorgfalt vorbereitet und überbracht. Und alle wollen die Aussteuer bestaunen.

Die Hochzeit ist eine Feier, die verschiedene Stufen umfasst und in ländlichen Gebieten drei bis sieben Tage dauern kann, in den Städten hingegen eins bis zwei Tage.
Der Termin für die Hochzeit wird gemeinsam festgelegt und vor der Hochzeit wird gemeinsam mit der Braut ein Hochzeitseinkauf unternommen, bei dem neben notwendigen Dingen auch das Kleid für die Henna-Nacht sowie das Brautkleid erstanden werden. Verlobung und Hochzeit können am selben Tag und am selben Ort gefeiert werden, die Verlobung in einem Saal der Stadtverwaltung und die Hochzeit in einem anderen Saal, in dem dem Vergnügen keine Grenzen gesetzt sind. Mietet man einen solchen Saal an, dann kann der Standesbeamte auch dorthin bestellt werden.

Zur Hochzeit werden andere Gäste als zur Verlobung geladen. In manchen Gegenden wird an das Haus des Bräutigams eine Fahne, meist die türkische, angebracht als Zeichen, dass eine Hochzeit stattfinden wird.

 

Die Nacht der Henna

Die Henna-Nacht ist eine Feier, die am Tag vor der Hochzeit durchgeführt wird. Es ist die letzte Nacht, die die Braut nur unter Frauen, darunter die weiblichen Mitglieder ihrer Familie und Nächsten sowie ihre Freundinnen, und als Jungfrau verbringen wird. Traditionell ist diese Feier von Traurigkeit bestimmt, verläuft in den Städten heute aber vergnüglicher, denn es wird als das letzte Amüsement vor der Eheschließung betrachtet. Heutzutage werden in städtischen Regionen Ehen ausschließlich vor dem Standesbeamten geschlossen.

Das Färben mit Henna ist eine Tradition, die weit zurückreicht. Die Hände der Braut, des Bräutigams und der geladenen Gäste werden mit Henna gefärbt, womit die Heiligkeit der Ehe zum Ausdruck gebracht wird. Denn die schützende Eigenheit der Henna ist seit alters her bekannt und man bezweckt mit ihrem Auftragen, dass die Ehe lang währt und beschützt wird.

Die Henna, mit dem die Hände der Braut eingefärbt werden, wird von der Familie des Mannes gekauft. Henna, Nüsse und andere Knabbereien, ein Tag vor der Henna-Nacht eingekauft, werden in das Haus der Braut geschickt, manchmal auch mitgebracht, wenn man zur Henna-Nacht geht. Die Henna wird auf spezielle sorgfältige Weise auf einem Tablett vorbereitet.

Die Henna-Nacht findet im Haus der Braut statt. Die geladenen Frauen und Mädchen aus der Familie des Bräutigams versammeln sich zuerst in dessen Haus und gehen dann zusammen zu dem Haus der Braut. Bis die Frauen aus der Familie des Bräutigams eintreffen, vergnügen sich die Braut und ihre Gäste, um dann in eine traurige Stimmung zu verfallen und das Vergnügen den Frauen aus der Familie des Bräutigams zu überlassen.

Die Braut trägt in dieser Nacht eine besondere Kleidung und ihr Kopf ist mit einem roten Schleier verhüllt. Die Henna wird vorbereitet und dann in ein silbernes oder aus Kupfer hergestelltes Tablett gegeben. Die Henna wird  von einer Frau aufgetragen, die allseits geachtet und beliebt ist. Die Braut sitzt in der Mitte und ihr Gesicht ist in Richtung Mekka gewandt. Die jungen Mädchen um sie herum singen Lieder und Gebetsweisen. Das Tablett mit dem Henna und den brennenden Kerzen darauf lässt man um den Kopf der Braut kreisen, manchmal wird das Tablett auch auf dem Kopf der Braut gedreht, darunter ein Kissen. Sollen die Hände der Braut mit Henna eingefärbt werden, so öffnet diese ihre Hände nicht gleich. Erst wenn ihre Schwiegermutter ihr Gold in die Hand legt, öffnet sie diese und die Hände, in manchen Gegenden auch die Füße, werden mit Henna gefärbt. In einigen Regionen wird zu diesem Zeitpunkt der Zeremonie der Bräutigam eingelassen und die Hände von Braut wie Bräutigam werden zu gleicher Zeit mit Henna gefärbt. Damit wird die Heiligkeit der Ehe in noch bedeutungsvollerer Weise unterstrichen. Während dem Färben mit Henna werden die traurigsten Lieder gesungen, um die Braut zum Weinen zu bringen, denn ihr Weinen ist unabdingbar. Die Lieder handeln von der Mutter und von Trennung. Im Allgemeinen berichten die Weisen, die in der Henna-Nacht gesungen werden, von Kummer und Unrecht, von Fremde und den Schwierigkeiten des Lebens. Während dieser Zeremonie bringen die Frauen mit diesen Liedern das zum Ausdruck, was ihnen öffentlich zu sagen nicht erlaubt ist. Generell weicht die Traurigkeit nach dem Färben mit Henna einer allgemeinen Heiterkeit. Ist die Henna-Nacht zu Ende, gehen die verheirateten und älteren Frauen nach Hause, die jungen Mädchen hingegen verbringen die Nacht an der Seite der Braut, wobei es Bedingung ist, nicht zu schlafen. Denjenigen, die dennoch einschlafen, werden Streiche gespielt: Ihre Gesichter werden eingefärbt oder ihre Kleider ans Bett angenäht.

 

Das Abholen der Braut

Im Rahmen dieser Zeremonie wird die Braut vom Haus ihrer Familie abgeholt und in das Haus des Bräutigams gebracht. In den Städten begeben sich die Paare gleich nach der Hochzeit auf die Hochzeitsreise. Deshalb ist das traditionelle Abholen der Braut nach dem Hochzeitsfest eine durchaus feierliche Angelegenheit. Der Hochzeitszug geht – zu Fuß, wenn es nah ist, mit dem Auto, wenn der Ort entfernter liegt – zum Haus der Braut. Die Schwiegermutter nimmt allerdings an diesem Hochzeitszug nicht teil. Die Braut wartet zu Hause auf den Hochzeitszug, der von unterschiedlichsten Vergnügungen begleitet ist, die je nach Region verschieden sind. So ist es Brauch, den Weg des Hochzeitszuges abzuschneiden und Geld zu verlangen, um diesen wieder frei zu geben, was selbst in den Städten praktiziert wird.

Kommt der Hochzeitszug beim Haus der Braut an, wird Geld verlangt, damit die Türe geöffnet wird. Während sich die Braut vorbereitet, tanzen die Teilnehmer des Hochzeitszuges vor dem Haus. Die Braut erhält von ihrem Vater die erbetene Erlaubnis und dieser bindet ihr eine rote Schleife zum Zeichen ihrer Reinheit und Ehre um die Hüfte. Anstelle des Vaters kann auch der ältere Bruder diese Zeremonie ausführen. Während sich die Braut aufmacht, das Haus zu verlassen, setzt sich ihr kleinster Bruder auf die Truhe mit der Aussteuer und erst wenn er Geld erhält, kann die Braut aus dem Haus treten. Die Mutter der Braut weint, denn es ist der letzte Abschied von ihrer Tochter.
Der Bräutigam nimmt die Braut unter den Arm und führt sie aus dem Haus. In den Städten wird Konfetti über der Braut in die Luft geworfen, in ländlichen Regionen Weizenkörner als Symbol für Fruchtbarkeit. Während dieser Zeremonie werden von der Braut bestimmte Handlungsweisen erwartet, die sich zwar von Region zu Region ändern, deren gemeinsames Ziel jedoch darin besteht zu gewährleisten, dass das Eheleben glücklich beginnt und dauerhaft weiter besteht. Einige dieser Handlungsweisen sind:

–    Während die Braut das Haus verlässt versetzt sie der Türe einen Fußtritt, damit ihre schlechten Veranlagungen hinter ihr bleiben.
–    Die Braut nimmt den Koran unter den rechten und ein Brot unter den linken Arm zum Zeichen ihres guten und sittlichen Charakters und als Symbol dafür, dass sie eine gute Hausfrau werden wird.
–    Man gibt der Frau Sauerteig oder Haushaltsgeräte wie einen Besen oder ein Nudelholz in die Hand, damit sie eine gute Hausfrau wird und ihren Haushalt mit Geschicklichkeit führt.

Dem Hochzeitszug werden verschiedenste Geschenke überreicht und wenn die Braut ihr Elternhaus verlässt, werden Lieder gesungen und die Braut steigt in das Auto (in vergangenen Zeiten benutzte man auf den Dörfern eine Pferdekutsche). Während des Einsteigens wird direkt vor ihren Füßen ein Tonkrug zerbrochen, um das neue Leben für heilig zu erklären.

 

Die Braut wird in das Haus des Ehemannes gebracht

Wird der Brautzug nicht aufgelöst, nachdem die Braut abgeholt wurde, so sucht dieser wichtige Orte auf. Noch bevor die Braut am Haus des Ehemannes ankommt, erhält die Braut Geschenke von Schwiegermutter und Schwiegervater. Während sie im Auto sitzt, legt man ein Baby in ihre Arme, um ihre Gebärfähigkeit zu steigern. Unter Gebeten steigt die Braut aus dem Auto, wobei man auf die unterschiedlichsten Bräuche treffen kann. In manchen Region muss die Braut auf einen Löffel treten oder diesen zerbrechen. In wieder anderen Regionen muss sie auf einen umgedrehten Kessel treten, manchmal auf ein Hanfseil. Diesen Bräuchen ist die Absicht gemein, die Ausdauer der Braut zu stärken. In manchen Gegenden muss die Braut auf ein Schaffell treten um damit zu zeigen, dass sie fügsam ist. Während die Braut aus dem Auto steigt werden vom Dach aus Trauben, geröstete Kichererbsen und die Früchte der Ölweide über sie gestreut. Dies gibt dem Wunsch Ausdruck, dass ihr Haus fruchtbar sein soll. In anderen Gegenden wiederum wird der Wunsch, dass die Braut von gutem Charakter ist, mit dem Zerbrechen eines Glases oder eines Tontopfes bestärkt. Bevor sie durch die Türe tritt, wird der Braut in manchen Gegenden auch ein Löffel Honig gegeben mit dem Wunsch, über ihre Lippen sollen keine schlechten Worte treten. Der Bräutigam muss hingegen je nach Region einen Granatapfel, einen Apfel oder eine Orange so auf den Boden werfen, dass sie in Teile zerberstet um damit zu zeigen, dass er seine Familie beschützt und sich um sie kümmert.

Ist die Braut bis zu der Türe ihres neuen Heims gekommen, nimmt man ihr den Brautschleier ab. Das Betreten des Hauses unterliegt wiederum verschiedensten Zeremonien, deren gemeinsames Ziel der Wunsch ist, dass die Braut verständnisvoll und von gutem Benehmen ist und dass nur freundliche Worte von ihr zu vernehmen sein werden. Auch soll mit diesen Bräuchen verhindert werden, dass in der großen Familie Probleme auftreten. Ein Teil dieser Bräuche wird in den Städten nicht mehr praktiziert, manchmal sind sie auch ganz verschwunden. Da die Großfamilie in den Städten an Bedeutung verloren hat und die Jugendlichen heute ihr eigenes Heim gründen, sind diese Bräuche nur noch in manchen Dörfern oder Gegenden, in denen das traditionelle Leben andauert, aufzufinden.  Zu diesen Bräuchen zählen: Die Braut springt auf dem rechten Fuß über die Schwelle und küsst die Hände der Älteren. Man lässt Braut und Bräutigam Fruchtsaft trinken und bittet sie in das Zimmer, wo der Bräutigam seiner jungen Frau ein Geschenk überreicht. In manchen Regionen wird der Braut erst zu diesem Zeitpunkt der Schleier abgenommen. Danach verlassen sie das Zimmer und vergnügen sich bis zum Abend, der Bräutigam mit seinen Freunden, die Braut mit den Gästen, die in das Haus des frischen Ehemannes gekommen sind.

 

Erstmaliges Zusammenkommen

Das erste Zusammenkommen von Braut und Bräutigam, nachdem die religiöse wie standesamtliche Eheschließung vollzogen wurde, nennt man ‚GerdekÂ’. Nunmehr ist ihre Ehe sowohl von Gott wie von Seiten der Gesellschaft bestätigt worden. Auch wenn diese nicht rechtskräftig ist, so gibt es dennoch immer noch Ehen, die ausschließlich vor dem Imam vollzogen werden. Am verbreitetsten ist hingegen, die Ehe zugleich sowohl vor dem Imam wie auf dem Standesamt zu schließen.

Mit den Fäusten auf ihn einschlagend bringt man den Bräutigam in das Brautgemach. Mit dieser Zeremonie wird beabsichtigt, den Bräutigam für die Hochzeitsnacht zu stärken. Betritt der Ehemann das Brautgemach, verrichtet er das rituelle Gebet. Derweil hat man dem neuen Paar Speisen wie Huhn und Baklava gebracht. An der Seite der Braut befindet sich eine Frau, die das junge Paar auffordert, sich gegenseitig die Hand zu geben. Die Frau verlässt danach das Zimmer. Die Braut hüllt sich in Schweigen und der Bräutigam versucht sie zum Sprechen zu bringen, indem er ihre Geschenke überreicht.

Nach dem islamischen Glauben und der gesellschaftlichen Ethik darf die Braut auf keinen Fall vor ihrer Hochzeit mit einem Mann zusammen gewesen sein. Es ist Bedingung, dass ihrer Jungfernschaft von dem Mann, den sie heiratet, ein Ende gesetzt wird. In vielen Regionen ist dies eine Frage der Ehre. Aus diesem Grunde ist die Hochzeitsnacht die Nacht, in der die Ehre der Frau bestätigt wird. In manchen Gegenden wird die Tatsache, dass die Braut Jungfrau ist, mit Pistolenschüssen der gesamten Bevölkerung bekannt gegeben, in anderen Regionen hängt man stattdessen eine Fahne auf.

In den Städten sind solche Bräuche so gut wie verschwunden. Haben sie aber noch Bestand, so werden nach der Hochzeitsnacht Vergnügungen aller Art veranstaltet, um die Jungfräulichkeit zu feiern und um die Braut zu sehen. Diese breitet ihre Aussteuer aus, so dass alle Gäste sie betrachten können.

 

Die Eheschließung vor dem Imam, die religiöse Trauung

Die religiöse Trauung bedeutet aus dem Blickwinkel des Islam die Ehe zu heiligen und die Eheschließung vor dem Imam ist eine religiöse Feier, die die Anerkennung der Ehe vor Gott gewährleistet. Während früher ausschließlich religiöse Trauungen durchgeführt wurden, schließt man eine Ehe heute sowohl vor dem Imam wie auf dem Standesamt, um der Frau rechtliche Sicherheit zu bieten.

Die Trauung vor dem Imam ist eine religiöse Pflicht. Vor der eigentlichen Trauung hält der Imam eine Predigt, spricht Gebete und dankt Gott. Um die Trauung zu vollziehen sagt er: „Diese Frau (es wird der Name der Braut genannt) gebe ich Dir als Ehegattin“. Der Bräutigam oder ein Vertreter sagt daraufhin: „Auch ich erkläre mich einverstanden sie gegen eine Mitgift von … (die Summe wird mit lauter Stimme genannt) zu heiraten“. Mit diesen Worten, die in Anwesenheit von zwei Zeugen ausgesprochen werden, ist die Trauung vollzogen.

Das Wichtige bei der religiösen Trauung ist die Festsetzung der Mitgift, die man ‚mihirÂ’ nennt und die erhoben wird, um die Frau in der Zukunft abzusichern. Denn falls es zu einer Scheidung kommt, wird entsprechend der Mitgift die Entschädigung, die die Frau erhält, bestimmt. Die Mitgift kann in Form von Gold, Geld oder Gütern festgesetzt werden und wird im Allgemeinen in Anwesenheit von Zeugen in schriftlicher oder mündlicher Form festgehalten.

 

Begräbnis- und Beerdigungsbräuche in der Türkei heute

Die islamische Welt besteht aus vielen Glaubensrichtungen. Aus diesem Grunde wurden aus allen diesen Rechtsschulen die gemeinsamen Bräuche ausgesucht und ausgewertet. Wenn heute auch sämtliche Bräuche, die man im Hause des Verstorbenen durchführt und die die Beförderung des Sarges auf den Friedhof bestimmen, von Verstädterung und Industrialisierung beeinflusst sind, so handelt es sich hierbei jedoch um Bräuche, die zum größten Teil noch praktiziert werden.

Unterschiede sind im Alewitentum festzustellen. Der alewitische Glaube beruht auf Produzieren und Teilen, auf Teilnahme und dem Prinzip der Mehrheit sowie auf Freiheit und Gleichheit. Das Leben ist ein Kampf und Geburt, Heirat und Tod sind Stufen dieses Lebens. War der Verstorbene reich, so wird bei den Alewiten ein siebentägiges Totenmahl abgehalten (ein Überbleibsel aus der Tradition der Hettiter). War der Verstorbene hingegen arm, so wird in der Gemeinde Geld gesammelt, ein Opfertier geschlachtet und seine Schulden beglichen. Wird der Leichnam aus dem Haus heraus getragen, wird eine religiöse Feier durchgeführt, wobei Lieder in einer bestimmten Tonart gesungen werden. Mit dieser Feier und einem Eimer Wasser, der dem Sarg hinterher ausgeschüttet wird, gibt man dem Toten das letzte Geleit. Am Abend des Tages, an dem die Beerdigung stattfand, veranstaltet man für den Verstorbenen eine religiöse Versammlung mit einem Gottesdienst.

In manchen Regionen stehen dabei die Frauen, in Trauer gehüllt und ihr Kinn auf einer Haselnussgerte abgestützt. Hatte der Verstorbene Schulden, werden diese bezahlt und hatte er jemanden gekränkt oder beleidigt, so bittet man diese Person um Verzeihung, denn es ist nicht erlaubt, mit einer Ungerechtigkeit, die man begangen hat, in die Ewigkeit einzugehen. Die Beerdigungsfeierlichkeiten werden von den alewitischen Oberhäuptern geleitet. Das Oberhaupt spricht für den Verstorbenen folgende Worte: „Wenn das, was vor Dir liegt, Samt ist, so hast Du ihn selbst gewoben; sind es aber Dornen, so hast Du sie selbst gepflanzt“.

Das Opfertier, das am ersten Tag geschlachtet wurde, wird als Todesmahl dargereicht und auf diese Weise verteilt. Der Zeit zwischen dem ersten und dem vierzigstem Tag wird als dem „Ort zwischen Tod und Auferstehung“ gedacht. Am vierzigsten Tag nach der Beerdigung wird mit der Erlaubnis der Gemeinde ein weiterer Gottesdienst abgehalten. An diesem Tag wird ein Essen gegeben, eine religiöse Versammlung veranstaltet, im Kreise getanzt, Verse vorgetragen und Lieder gesungen. Nach alewitischem Glauben werden das Waschen des Toten, das Anlegen des Totenkleides und die Abhaltung von Gebeten nicht in der Moschee, sondern in den, der Gemeinde eigenen Versammlungshäusern durchgeführt. Die weiteren Bräuche gleichen größtenteils denjenigen der anderen Rechtsschulen, die im Folgenden dargestellt werden.

Eine Person, die sich im Sterben befindet, nennt man „muhtezar“. Diesem wird das Glaubensbekenntnis vorgetragen und der Sterbende wird aufgefordert, es selbst aufzusagen. Diesen Vorgang nennt man „telkin“ (Einflüsterung). Das Waschen des Toten nennt man „gaslşmeyyit“ und sämtliche Vorgänge, von der Totenwaschung bis zum Begräbnis nennt man „teçhiz“.

Das Waschen des Toten, seinen Leib in das Leichentuch einhüllen, das Abhalten des Totengebetes und die Bestattung sind religiöse Pflichten, genannt „farz“. Diese sind einzuhalten. Über den Verstorbenen sind nur gute Worte zu sprechen, man soll sich nur an seine guten Seiten erinnern und sich davor hüten, Schlechtes über ihn zu sagen.
Bei der Aufbahrung des Toten wird der Leichnam auf die rechte Seite in Richtung Mekka gedreht, seine Füße weisen ebenfalls in diese Richtung und sein Kopf wird etwas erhöht gelagert, damit gewährleistet wird, dass auch sein Gesicht in Richtung Mekka blickt.

Einer Person, die im Sterben liegt, bringt man den Kelime-i Tevhid oder das Glaubensbekenntnis und lässt es ihn auch selbst aufsagen. Dessen Sinn lässt sich in folgende Worte fassen: „Ich bitte Allah um Erbarmen und Barmherzigkeit. Denn ich glaube an ihn. Es gibt keinen Gott außer Allah“. Wenn das die letzten Worte eines Verstorbenen sind, dann geht er in das Paradies ein. Es gilt als gute Tat, im Haus eines Toten den Koran zu rezitieren, denn man geht davon aus, dass es die Seele des Toten beruhigen werde. Insbesondere wird empfohlen, die Suren „Yasin“ und „Rad“ zu lesen.

Sind die Augen nach Eintreten des Todes geöffnet, werden sie geschlossen und ein Band vom Kinn über den Kopf gebunden, damit auch der Mund geschlossen bleibt. Während dies getan wird, sagt man Gebete auf. Insbesondere folgendes Gebet ist für eine solchen Situation geeignet: „Mein Gott, stehe dieser Person bei. Mache ihn glücklich mit Deinem Gesicht. Schenke ihm in dieser anderen Welt, in die er sich begibt, mehr Gutes und Glück als er es in der Welt erfahren hat, von der er kommt“.

Zur Aufbahrung des Toten zieht man seine Kleider aus und legt ihn auf ein hölzernes Brett. Über ihn wird eine Decke ausgebreitet, die auch sein Gesicht bedeckt. Damit der Tote nicht anschwillt legt man ein Messer, einen Dolch oder ein Stück Eisen auf seinen Bauch. Arme und Hände werden an den Seiten ausgestreckt angelegt. Neben dem Toten sollte sich niemand aufhalten, der die rituelle Waschung nicht vorgenommen hat. Schöne Düfte sollen den Toten umgeben, wozu man ein Räucherstäbchen anzünden oder Rosenwasser versprühen kann. Solange der Tote nicht gewaschen ist, sollte man den Koran nicht rezitieren, man kann dies jedoch in einem anderen Zimmer tun. Ist ein solches nicht vorhanden, muss das Gesicht des Toten vollständig bedeckt sein und man kann mit leiser Stimme dann aus dem Koran lesen. Man sollte die Nachricht über seinen Tod allen Verwandten und Bekannten zutragen und sämtliche Angehörige, Nachbarn, Bekannte und alle, die er liebte, sollen an seiner Seite sein, um dem Verstorbenen ihre letzte Pflicht zu erweisen, was nach islamischem Glauben als fromme Tat nicht unbeantwortet bleiben wird.

 

Die Waschung des Toten

Es ist wichtig, den Toten schnellstens zu waschen, in ein Leichentuch zu hüllen und ihn zu begraben. Der Tote wird zur Waschung auf einem Holzgestell oder auf einem Holzbrett, auf dem Rücken liegend, aufgebahrt und seine Füße weisen nach Mekka. In der Umgebung des Toten werden wohlriechende Düfte verstreut, wozu Räucherstäbchen drei, fünf oder sieben Mal angezündet werden. Über den Toten wird bis zu den Knien eine Decke ausgebreitet und seine Kleider werden ihm ausgezogen. Der Tote muss an einem uneinsehbaren Ort gewaschen werden und die Waschung kann entweder der nächste Angehörige oder eine dafür beauftragte Person vornehmen, die für ihren Dienst Geld erhält. Handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann, so muss dieser ebenfalls von einem Mann gewaschen werden, dementsprechend muss die Waschung einer weiblichen Toten eine Frau vornehmen. Eine Ausnahme gilt nur für Ehegatten. Die Waschung beginnt mit dem Aussprechen der Bismillah-Formel und die Worte „Ich bitte Allah um Gnade“ werden bis zum Ende der Waschung wiederholt. Die Person, die die Waschung vornimmt, wickelt einen Stoff um ihre Hände oder trägt Handschuhe. An dem Toten muss die rituelle Reinigung vorgenommen werden und wenn kein Wasser vorhanden ist, kann dies auch mit sauberer Erde vollzogen werden. Dem Toten wird zuerst das Gesicht gewaschen. Weil der Mund geschlossen ist, kommen Mund und Nase nicht mit Wasser in Berührung, wie das eigentlich bei der rituellen Reinigung Vorschrift ist. Nur Lippen, Nasenlöcher und Bauchnabel werden gewaschen, wie auch Hände, Arme, Füße und der Kopf. Auf diese Weise ist die rituelle Reinigung vollzogen. Ist ein kleines Kind gestorben, muss die rituelle Waschung nicht vorgenommen werden. Nach dieser Prozedur wird warmes Wasser über den Toten gegossen, das Haar und – bei einem Mann – der Bart wird mit einer Pflanze namens „hatmi“ (Malve) gewaschen. Ist diese Pflanze nicht aufzufinden, werden Haare und Bart ungekämmt mit normaler Seife gereinigt. Danach wird die rechte und linke Seite des Körpers noch drei Mal gewaschen. Entsprechend den Vorschriften wird dies als genügend angesehen, auch wenn man den Toten noch weiter waschen kann. Dies zeugt wohl von geografischen Regionen, in denen Wasser knapp ist und nicht verschwendet werden darf. Zuletzt wird der Tote etwas angehoben und man wäscht seinen Rücken.

Haare und Nägel des Toten werden nicht geschnitten und ist der Verstorbene nicht beschnitten, so kann dies auch nachträglich nicht vorgenommen werden. Beim Waschen darf keine Baumwolle benutzt werden und nach der Waschung wird der Tote mit einem Handtuch abgetrocknet.

 

Das Leichentuch

Es ist notwendig, den Körper des Toten in ein Tuch zu hüllen, das im Allgemeinen weiß ist und aus Baumwolle besteht. Am besten ist weißer Wäschestoff. Für Frauen kann das Leichentuch auch aus Seide oder aus gefärbten Stoffen sein und das Leichentuch von Frauen wird fünf Mal, das von Männern drei Mal gefaltet. Bevor es um den Toten gehüllt wird, sprüht man drei oder fünf Mal Duftstoffe über das Tuch. Der Tote wird von links nach rechts in das Tuch gehüllt und wenn man befürchtet, dass sich das Tuch öffnen wird, kann man es mit einem Gurt zusammenbinden. Einer Frau werden, sind ihre Haare lang, zwei Zöpfe geflochten und über das Leichentuch über die Brust gelegt. Ihr Gesicht wird anschließend mit einem Tuch verhüllt. Das Leichentuch muss mit dem Geld des Verstorbenen gekauft werden. Ist kein Geld vorhanden, kommen die Angehörigen dafür auf oder es wird auf der Beerdigung dafür gesammelt. Das Leichentuch für Frauen bezahlen die Ehegatten. Schließlich legt man den in das Leichentuch gehüllten Toten in einen Holzsarg und bringt ihn zum Totengebet in die Moschee.

 

Das Totengebet

Für einen Toten, an dem die Waschung vorgenommen wurde und den man in ein Leichentuch eingehüllt hat, muss man das Totengebet nach Mekka gerichtet sprechen, nachdem man die rituelle Waschung vollzogen hat. Das Totengebet muss mit dem Aussprechen der Intention beginnen und es muss gesagt werden, ob es sich bei dem Toten um eine Frau, einen Mann oder um ein Kind handelt. Das Totengebet wird von dem Imam angeleitet, der das Gebet beginnen lässt, indem er mit lauter Stimme die Intention ausspricht, was – für einen Mann – mit den Worten geschieht „Für diesen Mann“ beziehungsweise für eine Tote „Für diese Frau“. Kıyam (Aufstehen) und tekbir (Aussprechen der Formel Allah ekber) sind Teile des Totengebets. Man steht in einer Reihe und wendet sich in Richtung des Toten und in Richtung Mekka. Dann erhebt man die Hände, spricht die Formel Allah ekber und verschränkt dann die Hände vor dem Bauch. Danach wird das Gebet Sübhaneke rezitiert und wieder spricht man, dieses Mal ohne die Hände zu heben, die Formel Allah ekber, um dann die Sure Fatiha zu lesen. Zum Schluss wird noch einmal die Formel Allah ekber gesprochen, ohne die Hände zu heben, und gemeinsam mit allen Muslimen für den Toten gebetet und bei Gott um Gnade für ihn gebeten. Damit endet das Totengebet. Es ist nicht notwendig, dass bei dem Totengebet viele Menschen anwesend sind. Spricht der Imam und ein Mann oder eine Frau das Totengebet, ist dies ausreichend. Auch wenn bei einem Totengebet nur Frauen anwesend sind genügt dies den Vorschriften. Bei dem Totengebet können Männer und Frauen in einer Reihe stehen, es wird jedoch als angemessener betrachtet, wenn die Frauen hinter den Männern stehen. Das Totengebet wird nicht in der Moschee, sondern in deren Garten abgehalten, wo der Tote auf einer Steinbank, genannt „musalla taşı“, aufgebahrt wird. Nur in der Moschee von Mekka wird das Totengebet in der Moschee abgehalten. Am Ort des Begräbnisses wird bei Sonnenaufgang und -untergang das Totengebet nicht gesprochen.

 

Das letzte Geleit

Nachdem das Totengebet abgehalten wurde, muss der Tote so schnell wie möglich bestattet werden. Den Sarg tragen vier Personen, die diesen von vier Seiten her auf ihre Schultern nehmen. Dies ist von großer Wichtigkeit, da sie damit dem Verstorbenen Ehre und Achtung erweisen. Einen Toten wie einen Gegenstand in einem Auto oder auf einem Tier zu befördern wird nicht als angemessen betrachtet. Trägt man ihn hingegen auf den Schultern, so zeigt man diesem Menschen den ihm zustehenden Wert. Handelt es sich bei dem Toten um ein Kind, so kann auch eine Person diesen Leichnam tragen. Der Sarg führt den Beerdigungszug an und die vier Personen, die den Sarg tragen, müssen sich von Zeit zu Zeit abwechseln. Ein Wechsel nach zehn Schritten gilt dabei als angemessen. Die Beerdigungsteilnehmer dürfen nie vor dem Sarg laufen und es ist ihnen untersagt, über tägliche Angelegenheiten zu reden. Sie sollten Gebete oder den Koran rezitieren. Auch ist es verboten, hinter dem Toten übermäßig zu weinen oder ein übertriebenes Verhalten zu zeigen, denn dies gilt als eine Verletzung der Hochachtung gegenüber Allah. Trauer zu zeigen und lautlos zu weinen entsprechen am ehesten der Situation.

 

Begräbnis

Wurde der Sarg zum Grab gebracht und von den Schultern der Träger gehoben, dürfen sich die Teilnehmer der Beerdigung setzten. Das Grab muss eine Manneslänge tief und eine halbe Manneslänge breit sein. Das Grab kann entweder zuvor ausgehoben worden sein oder dann ausgegraben werden, wenn der Sarg gebracht wird, wobei das Graben als überaus fromme Tat gilt. Man kann das Grab aber auch ausgraben lassen. Es zeigt in Richtung Mekka und auch der Tote wird in dieser Richtung in das Grab gelegt. Über ihm wird aus Holz, Schilf oder Ziegellehm ein Gestell errichtet das verhindert, dass Erde über ihn geworfen wird, was als Zeichen der Ehre gegenüber dem Toten verstanden wird. Ist das Grab sehr feucht und von weicher Erde, kann der Tote auch im Sarg bestattet werden.

Der Leichnam wird unter Gebeten in das Grab gelegt und anschließend wird es mit Erde zugeschüttet, die jedoch nicht flach enden darf, sondern wie ein Kamelhöcker aufgeschüttet wird. Die Beerdigung muss tagsüber stattfinden.

Nachdem der Leichnam in das Grab gelegt wurde, rezitiert man aus dem Koran. Aus diesem Grunde verlassen die Beerdigungsteilnehmer die Grabstätte nicht sofort. Man nimmt an, dass auf diese Weise der Tote beim ‚GrabverhörÂ’ leichter antworten kann, denn nach islamischen Glauben gibt es ein solches Verhör, das der Tote leichter überstehen kann, wenn ständig Gebete gesprochen werden.

 

Bräuche nach dem Begräbnis

Nach der Beerdigung müssen die Angehörigen sieben Tage lang Geschenke und Essen, entsprechend ihrer ökonomischen Lage, an die Armen verteilen. Im Haus der Angehörigen darf jedoch kein Essen gekocht werden und die täglichen Arbeiten ruhen. Die Angehörigen müssen drei Tage lang im Hause bleiben, um Gäste, darunter Nachbarn und Verwandte, die kommen, um Beileid zu wünschen, zu empfangen und zu bewirten. Soweit wie möglich sollten die Beileidswünsche innerhalb dieser drei Tage überbracht werden.

Das Grab muss sauber gehalten werden, denn man sollte nicht vergessen, dass die Rechte der Toten genau so wichtig sind wie die der Lebenden.
Nach dem Begräbnis sollte das Grab, wenn keine außerordentlichen Gründe vorliegen, nicht wieder geöffnet werden.

Das Grab sollte ein Mal in der Woche, möglichst am Freitag oder Samstag, besucht werden, wobei man vor dem Grab steht und den Koran rezitiert. Da man annimmt, dass wenn man direkt mit dem Toten spricht, dieser einen hört, sprechen viele Leute mit lauter Stimme am Grab. Man sollte jedoch nicht von täglichen Dingen reden, sondern eher ein religiös bestimmtes Verhalten zeigen.

In der islamischen Welt ist der Begriff des Märtyrertums von überaus bedeutender Wichtigkeit. Man glaubt, dass die Menschen, die als Märtyrer gestorben sind, direkt in das Paradies kommen. Über ihren Sarg wird bei der Beerdigungsfeier eine Fahne ausgebreitet. Für Personen, die zum Märtyrer wurden, weil sie ihr Vaterland schützten, werden eigene Feierlichkeiten durchgeführt.

Nach der Beerdigungsfeier bemüht man sich im Haus der Angehörigen, der Seele des Verstorbenen Ruhe zu gewähren, indem man den Koran lesen lässt. Aus diesem Grunde trifft man sich mit Nachbarn und Verwandten am siebten Tag, am vierzigsten Tag und am zweiundfünfzigsten, um den Koran gemeinsam zu lesen. Auf diesen Versammlungen liest man vor allem aus dem Mevlid, einer Lobhymne an den islamischen Propheten Mohammed Mustafa. Es wurde zwar zum Brauch, dass auf allen Versammlungen aus dem Mevlid gelesen wird, aber eigentlich wäre eine Rezitation des Korans angebrachter. In jedem Gebet werden Wünsche für das Glück aller Märtyrer, aller Toten und für alle Menschen auf der Welt geäußert.

Damit die Toten an den Orten, an denen sie begraben wurden, jeder Zeit ungestört sind, wird ihrer stets im Guten erinnert und für sie gebetet.

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05 09 2010
By: Redaktion 2 0

Die Geschichte der türkischen Juden

von Naim Güleryüz Forscher und Präsident  der  „Fünfhundertjahre Stiftung“ (Quintencennial Foundation)

Deutsche Bearbeitung von Birol Kilic

Vorwort

In der Mitternacht vom ersten August auf den zweiten des Jahres 1492, als Columbus mit seiner Flotte sich auf den Weg machte, für eine Entdeckungsreise, die später seine berühmteste sein wird, fuhr er von dem relativ unbekannten Hafen von Palos ab, da die Ausfahrten von Cadiz und Sevilla durch die sephardischen Juden, die durch das Ausweisungsedikt der Königin Isabella und des Königs Ferdinand von Spanien vertrieben worden sind, versperrt waren.

 

Die Juden wurden gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land  unter der Androhung: „Sie wagen ja nicht zurückzukommen…. nicht einmal einen unbefugten  Schritt zurückzutreten, auf welche Art und Weise es auch sei“ zu verlassen. Sie ließen ihr Land, ihr Eigentum, ihre persönlichen Sachen und alles, was ihres war und mit dem sie vertraut  waren, zurück, um ihren Glauben, ihre Tradition, ihr Erbe nicht aufgeben zu müssen.

 

Im fernen Türkisch-Osmanischen Reich reichte ein Herrscher den verfolgten Juden von Spanien, den Sephardim, sofort die Hand zum Willkommensgruß. Es war Sultan Bayazid II.

 

Als wir uns damals an das Jahr 1992 annäherten, an das 500. Jubiläum der Entdeckung des Amerikanischen Kontinents, war die jüdische Diaspora nicht nur mit dem Andenken der Vertreibung , sondern auch mit dem sieben Jahrhunderte langem,  aufblühenden jüdischen Leben unter der moslemischen Herrschaft in Spanien und mit den Empfang der Juden im Osmanischen Reich im Jahre 1492 beschäftigt.

 

Dieser Humanismus ist im Einklang mit der Wohltätigkeit und dem Wohlwollen, die vor allem von der Türkischen Regierung gegenüber den Leuten der verschiedenen Glaubensrichtungen, Kulturen und Hintergründen entgegengebracht wird.  Tatsächlich kann die Türkei als ein Modell für jede Nation, die aus aller Welt Flüchtlinge vor seiner Tür findet, dienen.

 

Im Jahr 1992 werden die türkischen Juden nicht nur den Jahrestag dieses gütigen Willkommens feiern, sondern  auch den bemerkenswerten Geist der Toleranz und der Akzeptanz, der die gesamte jüdische Erfahrung in der Türkei kennzeichnete. Die geplanten Veranstaltungen, Symposien, Konferenzen, Konzerte, Ausstellungen, Filme und Bücher, die Renovierung alter Synagogen usw. werden die Langlebigkeit und die Prosperität der jüdischen Gemeinde in Erinnerung rufen. Als ein Ganzes beabsichtigen die Veranstaltungen den Reichtum und die Sicherheit des Lebens der Juden, die sie im Osmanischen Reich und anschließend in der Türkischen Republik gefunden haben, in dieser mehr als fünfhundert Jahre dauernden friedlichen  Zeitspanne, zu demonstrieren und zu zeigen, dass es tatsächlich nicht unmöglich ist, für die Leute verschiedenen Glaubens unter einer Fahne zu leben.

 

Die Geschichte der Juden in Anatolien hat viele Jahrhunderte vor der Einwanderung der sephardischen Juden angefangen. Die Reste der jüdischen Siedlungen vom 4. Jahrhundert (v. C.) wurden in der ägäischen Region entdeckt. Der Historiker Josephus Flavius berichtet, dass Aristoteles „während seiner Reise durch  Kleinasien jüdische Leute traf, mit denen er einen Meinungsaustausch hatte.”

 

Antike Synagogen-Ruinen wurden in Sardis, in der Nähe von Izmir mit dem Datum von 220 v. C. gefunden. Und Spuren anderer jüdischer Siedlungen wurden in der Nähe von Bursa, im Südosten und entlang des Ägäischen Meeres, des Mittelmeers und an der  Schwarzmeerküste entdeckt.

 

Eine in Ankara gefundene bronzene Säule bestätigt die Rechte, die Kaiser Augustus  den Juden von Kleinasien gewährte.

 

Mit der türkischen Eroberung blühten jüdische Bevölkerungsgruppen in Anatolien auf und florierten weiter. Als die Osmanen 1324 Bursa eroberten und die Stadt zu ihrer Hauptstadt machten, fanden sie hier eine unterdrückte Jüdische Gemeinde. Die Juden empfingen  die Türken als Retter. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis  Etz ha-Hayyim („Der Baum des Lebens“) eine Synagoge zu erbauen, die bis vor 50 Jahren auch in Takt geblieben war.

 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als die Osmanen ihre Hauptstadt in Edirne gründeten, wanderten Juden aus Europa, darunter auch Karaiten, in die Stadt ein.[1] Ebenso fanden Juden, die 1376 aus Ungarn, oder die, die aus  Frankreich von Charles VI im September 1394 vertrieben worden sind, weiters die, die im frühen 15.Jahrhundert  aus Sizilien flüchteten, Zuflucht im Osmanischen Reich. In den 1420ern, flohen die Juden aus Saloniki, damals unter venezianischer Herrschaft, nach Edirne.[2]

 

Die osmanische Gesetzgebung war viel toleranter als die byzantinische. Tatsächlich, beginnend im frühem 15. Jahrhundert, haben die Türken die Einwanderung der Juden  aktiv unterstützt. Ein Brief, der von Rabbi Yitzak Sarfati aus Edirne, zu den jüdischen Gemeinden in Europa geschickt wurde, „lud seine Leute ein, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum leiden, zu verlassen und in der Türkei Sicherheit und Wohlfahrt zu suchen.“[3]

 

Als  Mehmet II., „Der Eroberer“, im Jahre 1453 Istanbul eroberte, begegnete er hier einer unterdrückten romanischen  (byzantinischen) jüdischen Gemeinde, die ihn mit Begeisterung willkommen hieß. Sultan Mehmet II verkündete allen Juden, „sich im besten Lande niederzulassen, jeder neben seinem Feigenbaum, mit Silber und Gold, mit Reichtum und mit den Tieren“.[4]

 

1470 wurden die Juden aus Bayern von Ludwig X. vertrieben und auch sie fanden Zuflucht im Osmanischen Reich.[5]

 

Die  Aufnahme durch Sultan Bayazid II. gab den vertriebenen Sephardim neue Hoffnung. 1492 erteilte der Sultan den Regierungen der Provinzen den Befehl “ zum Eintritt der Juden nicht einzumischen oder denen keine Schwierigkeiten zu verursachen, sondern sie herzlich zu empfangen.“[6]  Nach Bernard Lewis: „Den  Juden wurde nicht nur erlaubt, sich niederzulassen, sondern sie wurden dazu ermutigt, es wurde ihnen dabei geholfen, manchmal wurden sie sogar gezwungen.“

 

Immanual Aboab führte die berühmte Bemerkung auf Bayazid II. zurück, dass „der katholische Monarch fälschlicherweise als weise betrachtet worden sei, weil er durch die Vertreibung der Juden Spanien verarmt und die Türkei bereichert hat.”[7]

 

Die Ankunft der sephardischen Juden änderte die Struktur der Gemeinde und die ursprüngliche Gruppe von romanischen Juden ging in der neuen Gemeinde völlig auf.

 

Über die Jahrhunderte hat sich eine zunehmende Anzahl von europäischen Juden, die der Verfolgung entfliehen wollten,  im Osmanischen Reich niedergelassen. Im Jahr 1537 fanden die Vertriebenen von Apulien (Italien) – nachdem die Stadt unter der Leitung  von Papal gefallen ist – ebenso eine sichere Zuflucht wie die, die 1542 aus Böhmen von König Ferdinand vertrieben worden waren.[8] Im März 1556 schrieb Sultan Suleyman der Prächtige einen Brief an Papst Paul IV, in dem er ihn nach der sofortigen Entlassung von Ancona Marranos fragte, den er als Osmanischen Staatsbürger deklarierte. Der Papst hatte keine andere Alternative als ihn zu entlassen, da das Osmanische Reich damals die Supermacht  war.

 

Im Jahre 1477 waren 1647 jüdische Haushalte in Istanbul. Sie machten 11% aller Haushalte aus. Ein halbes Jahrhundert später wurden 8070 jüdische Häuser in der Stadt aufgelistet.

 

Die Geschichte der Türkischen Juden

 

300 Jahre nach der Vertreibung konkurrierten der Wohlstand und die Kreativität der osmanischen Juden mit denen des Goldenen Zeitalters in Spanien. Vier türkische Städte; nämlich Istanbul, Izmir, Safed und Saloniki wurden die Zentren des Sephardischen Judentums.

 

SEPHARAD

 

Was bedeutet das?
Sepharad ist der hebräische Name von Spanien.

 

Es ist aber eine weniger bekannte Tatsache, dass das Wort Sepharad in den Heiligen Schriften   vorkommt; (Obadiah 1:20) im Sinne einer Region um Sardis herum, wo jüdische Vertriebene nach der Besetzung von Jerusalem von Nebukadnezar deportiert worden waren. Dieser Name wurde später Spanien zugewiesen. Die sog. Sephardim sind die Juden, die 1492 aus Spanien  und später 1496 aus Portugal vertrieben worden sind.

 

Viele Hofphysiker waren Juden: Hakim Yakoub, Joseph und Moshe Hamon, Daniel Fonseca, Gabriel Buenauentura, um nur einige wenige zu nennen.

 

Einer von den meist signifikanten Erfindungen, die die Juden ins Osmanische Reich gebracht haben, war die Druckerpresse. 1493, nur ein Jahr nach der Vertreibung aus Spanien, errichteten David und Samuel ibn Nahmias die erste hebräische Druckerpresse.

 

Osmanische Diplomatie wurde öfters von den Juden ausgeführt. Joseph Nasi, zum Herzog von Naxos ernannt, war der frühere Portugiese Marrano Joao Miques. Ein anderer portugiesischer Marrano[9], Aluaro Mandes, wurde für seine diplomatischen Dienste für den  Sultan, zum Herzog von Mytilene ernannt. Salamon ben Nathan Eskenazi sorgte für die ersten diplomatischen Beziehungen zum Britischen Imperium. Jüdische Frauen wie Dona Gracia Mendes Nasi, „La Seniora”, und Esther Kyra übten beträchtlichen Einfluss am Hof aus.

 

In der freien Atmosphäre des Osmanischen Reiches blühte die jüdische Literatur auf.

 

Joseph Caro übersetzte  „Shulhan Arouh“. Shlomo haLevi Alkabes komponierte  „Lekhah Dodi”; eine Hymne, die den Sabbat willkommen hieß, entsprechend sowohl den sephardischen wie ashkinazischen Ritualen. Jacob Culi fing an, dem berühmten „MeAm Loez” zu schreiben. Rabbi Abraham ben Isaac Assa wurde bekannt als der Vater der Judeo-Spanischen Literatur.

 

Am 27.Oktober im Jahre 1840 erließ Sultan Abdulmecid seinen berühmten Ferman bezüglich  der „Blut Verleumdung Anschuldigung“, in dem er sagte:“…..und aufgrund  der Liebe, die wir für  unsere Untertanen  haben, können wir nicht erlauben, dass die jüdische Nation, deren Unschuldigkeit für die angebliche Verbrechen offensichtlich ist, weiters geplagt und gepeinigt  zu werden wegen den Anschuldigungen, die in der Wahrheit nicht das geringste Fundament haben…..“

 

Nach der osmanischen Tradition, war jede nichtmuslimische Gemeinde verantwortlich für seine eigenen Institutionen, einschließlich der Schulen. Im frühen 19. Jahrhundert hat Abraham de Camondo eine moderne Schule gegründet, „La Escola“. Diese Schule verursachte einen ernsthaften Konflikt zwischen den konservativen und den säkularisierten Rabbis, der nur durch die Intervention von Sultan Abdülaziz 1864 geschlichtet werden  konnte. Im selben Jahr wurde das Werk Takkanot haKehilla („Die Grundsätze der jüdischen Gemeinde“) veröffentlicht, das die Strukturen der Gemeinde definierte. Ein wichtiges Ereignis im Leben der osmanischen Juden war die Abspaltung im 17. Jahrhundert, die von  Sabetay Sevi, einem Pseudomessias, der in Izmir lebte, geführt wurde. Er trat später mit seinen Anhängern zum Islam über.

 

Die Bemühungen um eine Reform des Osmanischen Reiches  haben 1856 zu einer Proklamation von „Hatti Humayun” geführt, die alle osmanischen Bürger, moslemische wie nicht-moslemische, vor dem Gesetz gleichstellte. Als ein Ergebnis fing die Führerschaft der Gemeinde an von religiösen Figuren zu den säkularen Kräften überzugehen. Der Erste Weltkrieg brachte ein Ende des Glanzes des Osmanischen Reiches. An seine Stelle trat die junge türkische Republik. Mustafa Kemal Atatürk wurde als Präsident gewählt; das Kalifat wurde abgeschafft und eine säkulare Verfassung wurde ins Leben gerufen. Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 wurde die Türkei als ein völlig unabhängiger Staat in seinen heutigen Grenzen anerkannt.  Es wurden ihr drei nichtmoslemische, religiöse Gruppen sowie Minderheitenrechte zugestanden und man erlaubte ihnen mit ihren eigenen Schulen, sozialen Institutionen und Fonds weiterzumachen. 1926, am Vorabend der Adaptation des Schweizer Zivilrechts, gab die Jüdische Gemeinde ihren Minderheitenstatus in Fragen des Privatrechts auf.

 

Während der tragischen Tage des Zweiten Weltkrieges gelang es der Türkei seine Neutralität zu bewahren. Schon 1933 forderte Atatürk viele jüdische, prominente Professoren aus Nazi Deutschland auf zu fliehen und sich in der Türkei einzusiedeln. Davor und während der Kriegsjahre leisteten diese Akademiker einen großen Beitrag zur Entwicklung des türkischen Hochschulsystems. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Türkei als ein sicherer Übergang für viele Juden, die dem Horror des Nationalsozialismus zu entkommen versuchten.

 

Während die jüdischen Gemeinden von Griechenland beinahe zur Gänze von Hitler ausgerottet worden sind, sind die türkischen Juden in Sicherheit gewesen. Verschiedene  türkische Diplomaten, Botschafter Behic Erkin und Numan Menemencioglu, die Generalkonsule Fikret Sefik Özdoganci, Bedii Arbel, Selahattin Ulkumen; die Konsule Namik  Kemal Yolga und Necdet Kent, um einige von ihnen zu nennen [10], haben  sich  mit ihrer ganzen Kraft bemüht, die türkischen  Juden vom  Holocaust zu retten und waren  auch  erfolgreich.

 

Salahattin  Ülkümen,  Generalkonsul  in  Rhodos während  der Jahre 1943 und 1944, wurde von  Yad  Vashem als  ein  „Gerechter Gentleman“, als ein „Hassid Umot ha´ Olam“ im  Juni 1990 anerkannt. Die Türkei setzt ihre Bemühungen fort, eine  Zuflucht, ein sicherer Hafen  für alle diejenigen, die vor Dogmatismus, Intoleranz und vor Verfolgung fliehen, zu sein.

 

Die gegenwärtige Größe der jüdischen Gemeinde wird ungefähr auf 26.000 geschätzt. Die größte Mehrheit lebt in Istanbul. Ungefähr 2500 Leute leben in Izmir. Andere kleinere Gruppen sind in Adana, Ankara, Bursa, Canakkale, Iskenderun und in Kirklareli verteilt. Die Sephardische Gruppe macht 96% der Gemeinde aus. Eschkinazis bilden den Rest der Gemeinde. Es gibt ungefähr 100 Karaiten, die die Autorität des Oberrabbiners nicht anerkennen.

 

Die türkischen Juden werden gesetzlich – wie seit vielen Jahrhunderten- von  Hahambasi, dem Oberrabbiner, vertreten. Rav David Asseo, Oberrabbiner seitdem er 1961 gewählt wurde, wird von einem religiösen Beirat -bestehend aus ein Rosh Bet Din und drei Hahamim- unterstützt. Fünfunddreißig Rechtsberater kümmern sich für um die säkularen  Angelegenheiten der Gemeinde und ein Führungskomitee von vierzehn Leuten, mit einem Präsidenten, der aus den Rechtsberatern gewählt wird, beschäftigt sich mit den alltäglichen Problemen.

 

Synagogen werden  als  religiöse Stiftungen (Vakifs) klassifiziert. Es sind  16 Synagogen in Istanbul, die heute noch in Betrieb sind. Es gibt den Gottesdienst an Urlaubsorten nur während des Sommers. Manche davon  sind  sehr alt, insbesondere die Ahrida Synagoge in  Balat, die noch vor dem 15.Jahrhundert zu datieren ist.

 

Hasköy und Kuzguncuk Friedhöfe, die aus dem 15. und  16. Jahrhundert stammen, sind heute noch im Gebrauch.

 

Die meisten jüdischen Kinder besuchen staatliche Schulen oder private türkischsprachige oder  fremdsprachige Schulen, viele sind an den Universitäten inskribiert. Zusätzlich hat die  Gemeinde eine Volksschule für 300 Schüler und eine Unterstufen-Schule für 250 Schüler in Istanbul sowie einen Kindergarten für 140 Kinder in  Izmir.

 

Türkisch und Hebräisch sind die Unterrichtssprachen. Es wird 35 Stunden pro Woche  unterrichtet.

 

Während jüngere Juden Türkisch als ihre Muttersprache sprechen, spricht die ältere Generation zu Hause Französisch oder JudeoSpanisch (Ladino).

 

Eine bewusste Anstrengung wurde aufgebracht, um das Erbe von Ladino zu aufbewahren.

 

Lange Zeit  hatten  die  Juden  ihre eigene Presse. La Buena Esperansa und La Puerta dew Oriente wurden 1843 in Izmir und zehn Jahre später Or Israel in Istanbul  publiziert.

Nur eine Zeitung hat überlebt: Salom (Shalom), eine achtseitige Wochenzeitschrift mit sieben  Seiten auf Türkisch und eine Seite auf  Ladino.

 

Ein Gemeindekalender (Halila) wird  jedes  Jahr vom Oberrabbiner gedruckt und wird  gratis an alle, die ihren Beitrag (Kisba) für Wohltätigkeitsorganisationen gezahlt haben,  verteilt.  Die Gemeinde darf keine Steuern  erheben, aber sie  kann  um  Spenden bitten.

 

Zwei jüdische Krankenhäuser, das eine mit 98 Betten –  Or  haHayim in  Istanbul – und  das andere mit  22  Betten – Karatas Krankenhaus in Izmir – gehören zur Gemeinde.

 

Beide Städte haben Altenheime (Moshav Zekinim) und verschiedene  Wohltätigkeitsorganisationen  um die  Armen, den  Kranken, den bedürftigen Kindern  und  den  Waisenkindern,  zu  helfen.

 

Soziale Klubs mit Bibliotheken, Kultur- und Sportanstalten, Diskotheken stehen  jungen Menschen  zu Verfügung. Hier haben sie die Chance, sich  mit den anderen  zu  treffen.

 

Die  jüdische  Gemeinde ist  heute  natürlich  eine  ganz  kleine Gruppe  in  der  Türkei, wenn wir in Betracht ziehen,  dass von der gesamten Population  99 % Moslems sind und dies mehr als 60 Millionen sind.

 

Aber trotz ihrer geringen  Anzahl  haben  sich  die Juden mit ihren Erfolgen  hervorgetan.

 

Es  sind  zahlreiche  jüdische  Professoren, die an den Universitäten in Istanbul und in  Ankara unterrichten,  und viele türkische Juden sind prominente Leute in  der  Wirtschaft, in der Industrie und in den freiberuflichen Professionen.

 

Die Geschichte der türkischen Juden  – von Naim Güleryüz

 

1992 steht für den  fünfhundertsten  Jahrestag des großzügigen  Empfangs  von  Sephardim aus der  türkischen  Heimat.

 

Türkische Juden fühlten, dass  es  angemessen  und richtig wäre,  eine umfassende Feier in  der  Türkei, in  den  Vereinigten  Staaten und in  Europa in Gang zu setzen.

 

Jüdische Geschichte ist voll von traurigen Ereignissen, die mit Gedenkfeiern und Gedenkdiensten gekennzeichnet sind. Aber nun war da ein wichtiges Ereignis zu feiern.   Zum einen der Jahrestag der Ankunft der sephardischen Juden im Osmanischen Reich und zum zweiten fünfhundert Jahre kontinuierliches, friedliches  Zusammenleben in der  Türkei.

 

Die Fünfhundertjahre Stiftung wurde 1989 von  einer  Gruppe von  113 türkischen Bürgern, von  Moslems und  Juden zugleich, gegründet. Die „Quincentennial“ Stiftung, die in Istanbul gegründet worden ist und auch dort ihren Hauptsitz hat, plant ein dreijähriges, kulturelles und akademisches  Programm in der Türkei und im Ausland, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Mexiko, in Frankreich, England, in Italien und in  Europa.

 

Die Stiftung  fängt mit einem sehr ehrgeizigen  Programm an, das der Bedeutung  des Anlasses gemäß ist. Was ihnen an  der  Anzahl fehlt, haben die türkischen Juden mit  Enthusiasmus und Engagement wettgemacht. Und sie gehen ihrer Vision mit Begeisterung nach.

 

Dieses Programm wurde entworfen, um das vielfältige und  reiche  Erbe der türkischen  Juden einem breiteren  Publikum bekanntzumachen.

 

 

[1] Mark Alan Epstein, „The Ottoman Jewish Communities and their role in

the 15th and 16th centuries“

[2] Joseph Nehama, „Histoire des Israelites de Salonique“

[3] Bernard Lewis, „The Jews of Islam“

[4] Encyclopedia Judaica, Volume 16 page 1532

[5] Avram Galante, „Histoire des Juifs d’lstanbul“, Volume 2

[6] Abraham Danon, in the Review Yossef Daath No. 4

[7] Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de Israel, III Israel“

[8] H. Graetz, „History of the Jews“

[9] Das Wort hat auf spanisch verschiedene Bedeutungen. Es bedeutet u.a. (sowie das Wort Schwein)  auch zum Christentum zwangskonvertierte Jude, der insgeheim seiner eigenen Religion nachgeht. (Anmerkung der Übersetzerin L.A.K. )

[10] Yad Vashem ist die nationale Gedenkstätte in Israel zur Erinnerung an Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten. (Die Anmerkung der Übersetzerin)

10 Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de

Israel, III Israel

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01 09 2010
By: Redaktion 2 0

Christentum, Anatolien und Reisen!

Das Gebiet der heutigen Türkei, besonders ihr asiatischer Teil, Anatolien, war der Schauplatz mehrerer wichtiger Ereignisse in der Geschichte des Alten, wie auch des Neuen Testamentes. Dem 1. Buch Moses zufolge begannen die Kinder Noahs und die Tiere, die Noah in der Arche gerettet hatte, vom Gebirge Ararat aus die Erde wieder zu bevölkern. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen (Apg 11,26). Der Ararat liegt im Osten der Türkei, Haran und Antiochia im Süden, nahe der syrischen Grenze.

Die geographische Lage Anatoliens hat die Geschichte des Landes in außergewöhnlichem Maße beeinflusst. Anatolien ist eine Landbrücke zwischen Osten und Westen, zwischen Norden und Süden, ein Teil des Dreiecks, das Europa, Asien und Afrika miteinander verbindet. Tausend und abertausend Jahre lang wurde Anatolien durch die Völker bereichert, die es durchzogen, und trug zu ihrer Bereicherung bei. Anatolien ist gesegnet mit günstigen geographischen Bedingungen: jahreszeitlichen Schwankungen im Klima mit genug Niederschlag begünstigt, ausreichender Tierwelt, die gutes Fleisch und Fisch liefert sowie genug harten Gesteins wie Quarz, Obsidian und Feuerstein für die Anfertigung von Werkzeugen. Aus diesem Grund spielte sich die Entwicklung des Menschen in der Jungsteinzeit vom reinen Jäger zum Ackerbauern an den Abhängen des Taurus, des Amanus-und Zagros-Gebirges ab, wo die Bedingungen für den Ackerbau eher von Vorteil waren als für Weidewirtschaft. Vielleicht spiegelt sich das Drama dieser revolutionären Entwicklung in der alten Tragödie von Kain, dem Ackersmann und Abel, dem Hirten wider, einer Tragödie, so oft wiederholt, daß sie zur Ballade, Legende und Erzählung der Heiligen Schrift wurde (Gen 4).

Hier in Anatolien entspringen zwei der Flüsse, die den Garten Eden bewässerten. Dem Hazar-See in den Bergen des Taurus, südlich von Elazig, entspringt der Tigris. Der Euphrat entsteht aus den Niederschlägen, die in der Osttürkei niedergehen und sich im Keban-Stausee, westlich von Elazig, sammeln (Gen 2,10-14). Nicht allzu weit von Elazig entfernt, in südlicher Richtung, zwischen den beiden Flüssen, liegt der Ort Harran, von dem aus Abraham mit seiner Familie ins Land Kanaan aufbrach (Gen 12,4).

 

DIE SIEBEN GEMEINDEN DER OFFENBARUNG IN ANATOLIEN

Biblische Quellen:

Ephesos Offb 1,11; 2,1-7; 2,8-1
Smyrna Epheserbrief Apg 18,19-28; 19,1-40
Pergamon Offb 2,12-17
Thyatira Offb 2,18-29
Sardes Offb 3,1-6
Philadelphia Offb 3,7-13
Laodizea Offb 3,14-22; Kol 2,1; 4,13-16

 

ST.JOHANNES

In Anatolien  wurden  schon immer mit Vorlieben die Stätten besucht, an denen die in der Offenbarung des Johannes erwähnten Gemeinden beheimatet waren. Man glaubt im Allgemeinen, daß die Zahl 7 hier einen Symbolcharakter hat und das nicht nur gerade diese sieben Gemeinden der Ermutigung und Ermahnung bedurften. Aber die apokalyptische Botschaft hat gerade diesen Gemeinden einen Stempel des Mysteriösen und Bedeutenden aufgedrückt, dessen Auslegung die Theologen auch heute noch beschäftigt.

Drei der Orte sind noch heute bewohnt: Smyrna (Izmir), Philadelphia (Alasehir) und Thyatira (Akhisar). Bergama liegt unmittelbar neben dem alten Pergamon, Goncali am Fuße des Hügels von Laodizea, und das Dorf Sartmustafa, nicht weit von Sardes. Ephesos, Thyatira und Laodizea werden auch an anderer Stelle im Neuen Testament erwähnt. Von den sieben Orten vermittelt nur Ephesos noch heute dem Besucher den Eindruck einer geschäftigen Metropole zu Beginn des Christentums.

Im Laufe des 1. Jh.n.Chr. wurde im Römischen Reich von allen Bürgern die Verehrung früherer und amtierender Kaiser sowie der Roma, der weiblichen Personifizierung der Stadt Rom, verlangt. Da die meisten der ersten Christen aus dem Judentum kamen und die Juden dem römischen Götterkult nicht zu befolgen brauchten, waren auch die ersten Christen davon ausgenommen. Doch als sich das Christentum unter den Nichtjuden ausbreitete, kam am Ende des ersten Jahrhunderts die Mehrzahl der Christen aus dem Heidentum. Die Religion Jesu hatte sich von der jüdischen Religion getrennt. Als der auf die Nachfolger Jesu ausgeübte Druck, den römischen Götterkult zu befolgen, zunahm, konnten immer mehr Christen der Verfolgung nicht standhalten und kamen von ihrem Glauben ab. Daher vermutet man, daß die Niederschrift der Offenbarung im letzten oder vorletzten Jahr der Herrschaft des Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.) erfolgt sein muss, als Christenverfolgungen in Rom und in den Ostprovinzen recht häufig waren.

 

ST. PAULUS

Die missionarische Reise des heiligen Paulus. Der Zeltmacher: Paulus wurde in Tarsus geboren, das heute in einer der landwirtschaftlich wichtigsten Regionen der Türkei liegt. Als Junge erlernte er den Beruf der Zeltmacher. Während seiner Ausbildung in Jerusalem war er Komplize der Besteiniger Stefans, dem ersten christlichen Märtyrer. Aber später, als er eine Vision durch Jesus erlebte, gab er sich ganz dem Christentum hin.

Als „jüngerer Jesus“, ernannt von Barnabas, arbeitete er in Antiochia (Antakya). Die Menschen die er in Antiochia traf, wurden von seinem Denken beeinflusst. Durch diese Beeinflussung wurden das Interesse an Synagogen und dem Judentum verstärkt. Paul hielt sich an die Regeln der jüdischen Religion. Paulus, der Apostel, pilgerte zu Fuß auf trockenen, staubigen Straßen, mit Pferdewagen und Booten von Antiochia (Antakya) nach Alexandria Troas (Odun Iskelesi), in den mittleren Jahren des 1. Jhs., insgesamt dreimal, auf verschiedenen Routen. Paulus schrieb: „Ich war ständig unterwegs auf den Straßen, habe Gefahren überstanden in Flüssen, Städten, Meeren und auf dem Land. Ich habe schwer und hart gearbeitet, habe gehungert und gedurstet, habe gefastet, habe Kälte überstanden.“ Durch die Lehren Paulus entfaltete sich das Christentum in den westlichen Gebieten des Mittelmeeres. Drei Jahrhunderte später war das Christentum die Hauptreligion Anatoliens.

Der Ararat liegt im Osten der Türkei.. Der Gipfel des Ararat erhebt sich 5137 m über N.N. Er ist höher als alle Berge des Festlandes der USA, mit Ausnahme von Alaska, und höher, als alle Berge Europas, mit Ausnahme des Kaukasus.   Der Ararat ist ein erloschener Vulkan. Zur Zeit ist das oberste Drittel des Berges ständig mit Schnee bedeckt; die letzten hundert Meter vor dem Gipfel sind vereist. Bergsteiger haben einige Zeit nach Sonnenaufgang frisches Wasser aus der Schneeschmelze zur Verfügung bis zum späten Nachmittag, wenn kalte Luft die Wirkung der Sonne aufhebt. Unter der Schneedecke sind die Hänge mit großen Blöcken aus schwarzem Basalt übersät, manche davon so groß wie ein Bauernhaus.   Seit Jahren haben immer wieder Expeditionen den Ararat in der Hoffnung bestiegen, dort Überreste von Noachs Arche zu finden. Sowohl Josephus um 70 n.Chr. wie auch Marco Polo um 1300 n.Chr. erwähnen die Existenz der Arche auf dem Ararat, doch beide stützen sich auf Berichte anderer. Josephus erwähnte, daß ihre Überreste für jeden klar zu sehen seien. In den letzten Jahren haben viele Forschergruppen dort nach ihr gesucht. Die Möglichkeit, daß alte Geschichten auf historische Fakten beruhen könnten, gibt immer wieder neuen Ansporn, und jede Entdeckung eines Wahrheitsgehaltes in bisher angezweifelten Berichten führt zu erneuten Anstrengungen in der Suche nach archäologischer Bestätigung.   Die Geschichte von Noahs Arche, wie sie in der Bibel geschildert wird, geht zurück auf eine frühe babylonische Sage, die im Gilgamesch-Epos aufgezeichnet ist. Der Held der älteren Version war ein gewisser Utnapischtim, ein Liebling des Gottes der Weisheit. Es ist wahrscheinlich, daß die babylonische Sage auf einer ungewöhnlich verheerenden Überschwemmung des Euphrat-Beckens beruht und daß die Arche in dieser Geschichte an einem Abhang des Zagros-Gebirges gestrandet ist. Das biblische Wort, das wir als „Ararat“ lesen, könnte ebenso gut „Urartu“ sein. Auch „Land in weiter Ferne“ oder „ein Ort im Norden“ bedeuten. Der  auf Türkische “ Büyük Agri Dagi“  ist ein grandioser Berg und nicht schwer zu besteigen für jemanden, der körperliche Anstrengung in größeren Höhenlagen gewöhnt ist. Aber es ist doch nicht sehr wahrscheinlich, daß Noachs Arche dort gefunden wird. Trotzdem hält das Interesse am Ararat an. Dadurch werden auch die Leistungen der Archäologen, die uns zu einem besseren Verständnis des Alten Testamentes verhelfen, nicht beeinträchtigt.   Die Besteigung des Ararat ist in drei Tagen möglich , aber vier Tage einzuplanen, wäre sinnvoller, um mehr Zeit für die Erforschung des Gipfels zu nutzen. Die beste Jahreszeit für eine Besteigung ist gegen Ende August.

 

Quelle:

http://www.fertours.com

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01 09 2010
By: Redaktion 2 0

Der Heilige Gral

Jesus ist in der Türkei

 

Der Heilige Kelch, über dessen Aufenthaltsort sich nach dem Erscheinen des Buches (Da Vinci Code) zahllose Vermutungen verbreitet hatten, soll sich in einer Kirche in Antakya (das alte Antiochien) in der Türkei befinden. Zum Reichtum des vieltausendjährigen anatolischen Kulturschatzes hat auch das Christentum mit seinen Gaben beigetragen. Nicht nur, dass sich das Christentum in seiner Frühzeit in Anatolien ausbreitete, hier gewann es auch im Wesentlichen seine organisatorische Gestalt. Selbst als die muslimischen Türken nach Anatolien eingewandert waren, konnten die Christen mit ihren Kirchen,  Klöstern und Gemeinden weiterleben.

 

Der Archäologe Josef Naseh, Vorsitzender der Stiftung der Orthodoxen Kirche in Antakya, sucht     gemeinsam mit vier Freunden den Kelch, von dem Jesus Christus sagte: „Mein Leib und mein Blut sind
in diesem Kelch.“ Naseh verteidigt die These, dass der Heilige Kelch, der nach dem Erscheinen von Dan BrownÂ’s Buch „Da Vinci Code“ auf der ganzen Welt zum Tagesgespräch wurde, in der nach Jerusalem zweitheiligsten Stadt, Antakya, befindet. Nach der Veröffentlichung des Buches „Da Vinci Code“, das Verkaufsrekorde brach, gibt es kaum noch jemanden, der die Geschichte des Heiligen Kelches nicht kennt. Es wurde behauptet, der Kelch sei in Italien, in England, in Kanada, einer weiteren Behauptung zufolge sollte er sich in Istanbul, unter Çemberlita (Verbrannte Säule) befinden. Seit Neuestem kursiert das Gerücht, dass sich der Heilige Kelch in Antakya, Hatay, befindet. Der Archäologe Josef Naseh, Vorsitzender der Stiftung der Orthodoxen Kirche in Antakya, unterstreicht die Wichtigkeit der Stadt Antakya als die nach Jerusalem zweitwichtigste Heilige Stadt und sagt:

 

„Antakya ist die zweitwichtigste Heilige Stadt nach Jerusalem. Nach Jesu Tod sind die Jünger hierher gekommen. Die Mutter Gottes ist von hier nach Ephesus gereist. Sicherlich haben sie den Heiligen Kelch mitgebracht, weil Jesus Christus über den Kelch sagte: ‚Mein Leib und mein Blut sind in diesem KelchÂ’.“ Nach Aussage von Naseh sind die Annahmen von Leonardo da Vinci auf die Zeit nach der Renaissance ausgerichtet und nicht sehr realistisch, denn in den Jahren davor, in denen der Kelch versteckt wurde, gab es im Westen keine Kultur zur Aufbewahrung einer solchen Reliquie.

 

Als das Christentum in Palästina geboren wurde, wetteiferten im Vorderen Orient östlicher Mystizismus, jüdische Messiaserwartung, griechische Philosophie und römische Universalität miteinander. In diesem Umfeld entwickelte sich das Christentum, in dem Jesus die frohe Botschaft vom nahen Reich Gottes und vom Tag der Abrechnung verkündete. Aufgrund dieser Hoffnung sammelten sich um ihn viele aufrichtige und reine Menschen. Doch das Christentum konnte in Palästina, wo es entstanden war, keine Wurzeln schlagen. Nachdem Jesus gekreuzigt, Stephanus gesteinigt und Jakobus enthauptet worden war, erschien den Gläubigen das Bleiben als recht gefährlich und sie beschlossen, in andere Länder zu gehen, um den neuen Glauben zu verbreiten. Aber nicht nach Rom oder Athen, sondern nach Anatolien machten sich die Jünger in kleineren und größeren Gruppen auf. Sie wählten Antakya (das alte Antiochien), Tarsus und Ephesos. Dorthin wanderte der Lieblingsjünger Johannes aus, dem Jesus am Kreuz seine Mutter Maria anvertraut hatte. Besonders Antakya spielt in der Geschichte des Christentums eine wichtige Rolle, denn hier war die erste christliche Gemeinde gegründet worden, die mit dem Judentum gebrochen hatte; es war ein großes Missionszentrum entstanden, und schließlich vollzog hier Paulus seine endgültige Bekehrung und Entwicklung. Zu der Zeit schloss sich Paulus aus Tarsus den Jüngern an. Zuerst hatte er an der Verfolgung der Jesusjünger teilgenommen. Etwa im Jahre 33 überzeugte ihn eine Vision davon, dass Jesus der Messias sei, und nun wurde er einer der entschiedensten Verteidiger des neuen Glaubens. Er verkündigte mit Nachdruck die Wahrheit, dass alle Menschen gerettet würden durch den Glauben an Jesus, den Gesalbten Gottes, ohne dass die Beschneidung oder die (jüdischen) Religionsvorschriften notwendig seien. Die erste Missionsreise führte ihn (zwischen 45 – 48) nach Zypern und Anatolien. Dabei begleiteten ihn Barnabas und Markus, die Evangelisten. Paulus predigte in Anatolien, im heutigen Antalya, Konya und Nigde und in den Städten Perge, Ikonium, Lystra und Derbe. Dort entstanden neue christliche Gemeinden.

 

Zwischen 50 und 52 unternahm Paulus, wieder ausgehend von Anatolien, eine zweite Missionsreise zu den Heiden. Mit ihm waren Silas und Timotheus und anfangs auch noch Lukas und Barnabas. Zuerst besuchte der Apostel die Gemeinden um Nigde und Konya herum. Dann, nachdem er Phrygien und Galatien hinter sich gelassen hatte, ging er nach Thrakien, Makedonien und Griechenland hinüber. Über Ephesos und Jerusalem kehrte er nach Antiochia zurück.

 

Paulus machte noch eine dritte Missionsreise (53 – 58). Nachdem er wieder die Gemeinden in Galatien und Phrygien besucht hatte, blieb er drei Jahre lang in Ephesos. Dort gab es schon eine christliche Gemeinde, die wahrscheinlich von Johannes begründet worden war. Johannes hielt sich, wie man weiß, im Jahre 48 in Jerusalem auf. Wo er die Zeit zwischen den Jahren 37 und 48 verbracht hatte, ist unbekannt. Man nimmt an, dass er mit Maria nach Ephesos ausgewandert sei, von dort im Jahre 48 nach Jerusalem gereist und im Jahre 67 wieder nach Ephesos zurückgekehrt sei. Paulus musste Ephesos wegen des Aufstandes der Silberschmiede unter Demetrius verlassen, die durch die Ausbreitung des Christentums das Geschäft mit silbernen Artemistempelchen gefährdet sahen. Der Apostel starb im Jahre 67 in Rom durch Enthauptung.

 

Paulus hat seine religiösen Schriften und Briefe im Wesentlichen auf anatolischem Boden verfasst, wie z.B. den ersten Korintherbrief. Auch die Empfänger waren oftmals Gemeinden in Anatolien, wie z.B. die Epheser, denen er aus dem Gefängnis in Rom schrieb. Auch Petrus schrieb seinen ersten Pastoralbrief an die verfolgten Christen in Anatolien. Johannes, der für die Verbreitung des Christentums eine wichtige Rolle gespielt hat, ist eines natürlichen Todes gestorben. Sein Grab befindet sich in Selçuk bei Ephesos. Über der Grabstätte war zuerst eine bescheidene Kirche errichtet worden, die dann unter Kaiser Justinian durch eine prächtige Basilika ersetzt wurde. Johannes wendet sich in seiner „Geheimen Offenbarung“ an die sieben Gemeinden Anatoliens

 

Kelch aus Keramik

 

Naseh hat mit vier Freunden – unter denen ein Geophysiker – begonnen, nach dem Heiligen Kelch zu suchen und behauptet, ihre Theorie sei glaubhafter als die zuvor vertretenen. Nach Naseh besteht der Heilige Kelch nicht aus Gold, Silber oder einem anderen Metall, sondern aus Keramik. Die archäologischen Funde der Zeit würden dies belegen.

 

Die neu gefundene Kirche

 

Nachdem vor drei Jahren eine Toilette im Erdgeschoß eines Hauses in Antakya drei Meter absackte, traten Reste einer Kirche zutage, die die Suchergruppe in helle Aufregung versetzten. Naseh ist zuversichtlich, den Heiligen Kelch in dieser Kirche zu finden, die alle architektonischen Merkmale einer christlich-orthodoxen Kirche trägt. Nach der Erteilung der notwendigen Erlaubnis seitens des Kultusministeriums werden die Studien in der Kirche beginnen. Die Gruppe wird am 21. April in Antakya zusammenkommen und den Arbeitskalender bestimmen. Eine der ersten Arbeiten wird eine fotogrammetrische Studie sein, d.h. das Fundament der gefundenen Kirche wird geröntgt. Entsprechend der daraus gewonnenen Erkenntnisse werden die Ausgrabungsarbeiten beginnen. Nach NasehÂ’s Aussage steht auch der Gouverneur von Hatay, Abdulkadir Sari, dieser Forschungsarbeit positiv gegenüber.

 

Was ist die Bedeutung dieses Kelches

 

Nach christlichem Glauben ist dieser Kelch der, aus dem Jesus beim Letzten Abendmahl Wein trank. Bei der Kommunionszeremonie teilen die Christen das in Wein getauchte Brot mit ihren Priestern, um das Letzte Abendmahl seelisch nachzuvollziehen. Einer anderen Deutung zufolge ist der Heilige Kelch das Gefäß, in dem das Blut Jesu gesammelt wurde, als er ans Kreuz genagelt wurde. Eine weitere Deutung dieses meistgesuchten Stückes nach dem Erscheinen von Dan BrownÂ’s Buch „Da Vinci Code“ ist die Weiblichkeit von Maria Magdalena, der angeblichen Geliebten Jesu. Manche behaupten, dass der Heilige Kelch die Fruchtbarkeit Maria Magdalenas symbolisiert und versuchen, die Fährte der Nachkommen Jesu aufzunehmen.  (Ayda KAYAR/DHA)

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28 07 2010
By: Redaktion 2 0

Welt-Debatte: „Ich möchte nie wieder Nichtmuslimin genannt werden“

Eines Tages fragte mein Freund Ali über Facebook: „Wie oft hat man euch eigentlich schon als Nichtjuden, Nichthindus, Nichtbuddhisten bezeichnet?“ Als der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kurz darauf seine Freude darüber verkündete, dass Muslime und Nichtmuslime gemeinsam den Ramadan gefeiert hätten, dachte ich sofort an Ali, der als Alevit natürlich sensibel gegenüber muslimischen Vereinnahmungen und Ausgrenzungen ist.

 

von Monika Maron/ Quelle: Welt/Debatte

 

Ich habe übrigens den Ramadan nicht mitgefeiert und war auch nicht bereit, das angemahnte Verständnis für die möglichen Aggressionen hungernder und durstender Muslime aufzubringen.

Aber Alis Frage geht mir seitdem durch den Kopf, auch deshalb, weil ich es für möglich halte, dass ich das Wort Nichtmuslime selbst schon gebraucht habe, als wäre das normal. Dabei ist es doch ganz und gar nicht normal, wenn fünf Prozent einer Bevölkerung die Bezugsgröße für die anderen fünfundneunzig sind.

Ich glaube, das ganze Dilemma begann, als es irgendwann üblich wurde, alle Menschen, die aus islamischen Ländern kamen, als Muslime zu bezeichnen, ob sie wollten oder nicht. Eines Tages waren sie nicht mehr Iraner, Türken, Syrer, Iraker, sondern Muslime.

Damit folgte unser Sprachgebrauch genau dem islamischen Gesetz, nachdem jeder, der durch Abstammung als Muslim geboren wurde, ein Leben lang Muslim bleibt, ob er will oder nicht. Apostaten droht der Tod. Dabei würden die Türken und Syrer, die ich kenne, befragte man sie nach ihrem Selbstverständnis, alles Mögliche antworten: Deutsche, Deutschtürken, Deutschsyrer, Schauspieler, Jurist, Soziologin, Schriftsteller.

 

Iraner, Syrer, Ägypter, Türken

 

Auf keinen Fall würden sie behaupten, vor allem anderen Muslime zu sein, zumal einige von ihnen Christen sind, andere die Religion eher als Geschichte verstehen, ohne zu glauben. Aber in der deutschen Diskussion sind sie alle zu Muslimen geworden, in deren Namen nun Ayman Mazyek, Herr Alboga und Frau Özoguz ihre Ansprüche an alle anderen stellen.

Wenn man aber die Iraner, Iraker, Syrer, Ägypter, Türken ihrer nationalen Identität beraubt und sie stattdessen unter einer religiösen Identität vereint, bleibt das nicht ohne Folgen für alle anderen, die dann auch keine Deutschen mehr sind, sondern denen in Ermangelung einer gemeinsamen Religion eben die Bezeichnung Nichtmuslime verpasst wird; oder in der schlichten Sprache der deutschen Bundeskanzlerin „Menschen, die schon länger hier leben“.

Ich frage mich, warum wir vierhundert Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der als Religionskrieg in die Geschichte eingegangen ist, die Gesellschaft wieder in Religionsgemeinschaften aufteilen und das auch noch als Beweis für unsere aufgeklärte und tolerante Gesinnung ausgeben; warum wir akzeptieren, dass sich unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die absonderlichsten Sitten ausbreiten.

Und als eine, die gern Deutsche ist, wenn auch Nachfahrin polnisch-jüdischer Einwanderer, kann ich nicht verstehen, warum wir selbst die muslimische Geschlossenheit so leidenschaftlich vorantreiben, indem wir sie immer wieder benennen und betonen, statt die Syrer, Iraner, Palästinenser, Türken so wahrzunehmen wie uns selbst, als Einzelne mit einer anderen kulturellen Herkunft, die glauben dürfen, was sie wollen, allerdings ohne Auswirkungen auf alle anderen.

 

Wir machen Muslime

 

Denn gegen die muslimische Geschlossenheit, fürchte ich, haben wir auf Dauer keine Chance, wenn die Religion von uns selbst als das Trennende anerkannt wird, wenn wir selbst von Muslimen und Nichtmuslimen sprechen, was Gläubige und Ungläubige bedeutet. Ich jedenfalls will nie wieder Nichtmuslimin genannt werden.

Ich möchte übrigens auch nicht Muslima zu einer Muslimin sagen. Laut Wikipedia ist das die arabische weibliche Form von Muslim. Aber was soll dieses a im deutschen Sprachgebrauch? Nennen wir ein Polin „Polka“ oder Amerikaner „americans“? Wenn eine Muslimin sich lieber Muslima nennt, soll es mir recht sein, aber warum übernehmen Zeitungen und politische Repräsentanten eilfertig eine arabische Endung, die nur der Betonung muslimischer Andersartigkeit dienen soll?

Allerdings ist dieses kleine a harmlos im Vergleich zu einer anderen muslimischen Spracherfindung, der Islamophobie. Wenn ich den Islam kritisiere, bin ich islamophob, so ähnlich wie xenophob, fremdenfeindlich, rassistisch. Erfunden wurde dieser Begriff Ende der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts von islamischen Fundamentalisten, um dem Islam seine Unantastbarkeit zu garantieren.

Aber warum konnte er unter vernünftigen Menschen zu solcher Macht gelangen und die Grenzen zwischen Politik und Religion in unserem säkularen Land derart verschieben, dass religiös begründete mittelalterliche Sitten Einzug halten, die nicht einmal für fünf Prozent der Bevölkerung gelten, aber an den bis dahin selbstverständlichen Maßstäben aller anderen rütteln?

 

Ich interessiere mich nicht für den Koran

 

Ich bin nicht rassistisch und nicht xenophob, wenn ich nicht will, dass islamische Gebote und Verbote die Speisepläne in Schulen und Kantinen bestimmen, Karikaturen und zu freizügige Kunst auf den Index setzen, dass unter dem freiwillig oder unfreiwillig getragenen Schleier muslimischer Frauen sich schleichend unser Frauenbild verändert und es uns eines Tages vielleicht normal vorkommt, wenn Frauen als Teletubbies verkleidet in die Schwimmbecken springen.

Ich bin auch nicht xenophob und rassistisch, wenn ich nicht jeden Tag im Radio oder in der Zeitung aufgefordert werden will, mich für den Koran zu interessieren. Mich interessiert nicht, was in der Sure X steht und ob die Sure XY vielleicht das Gegenteil davon behauptet, mich interessiert auch nicht, ob etwas halal oder haram ist. Mich interessiert, was im Namen des Islam heute geschieht, in Deutschland und in der Welt, und ob der Islam sich selbst verändert oder uns.

Nach der Vorstellung maßgeblicher muslimischer Mitbürger sind es wohl die Deutschen, die sich verändern sollen. Naika Foroutan, Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik und Erfinderin des Forschungsprojekts „Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle (HEYMAT)“ träumt von den „Neuen Deutschen“, womit nicht nur die wirklich neuen Deutschen gemeint sind, sondern auch die alten, einschließlich der polnischen, vietnamesischen, russischen Zuwanderer, alle 95 Prozent eben, die sich in Hybridgeschöpfe verwandeln sollen, um den Bedürfnissen der fünf Prozent gerecht zu werden.

 

Ich bin auch dritte Generation Einwanderer.

 

Nachdem unsere Integrationsministerin Aydan Özoguz zu der Erkenntnis gelangt ist, dass es eine deutsche Kultur jenseits der Sprache überhaupt nicht gibt, sollte es uns wohl nicht schwerfallen, das, was wir dafür gehalten haben, aufzugeben und einer anderen Kultur den gebührenden Platz einzuräumen. Oder wie soll ich das anders verstehen?

Meine Großeltern sind 1905 nach Deutschland eingewandert. Sie hatten vier Kinder, die alle Deutsche wurden, Deutsche mit polnischen Eltern. Ich bin die dritte Generation, eine Formulierung, die nichts mit meinem Lebensgefühl zu tun hat und die mir erst eingefallen ist, seit wir über die zunehmenden Probleme mit der dritten und vierten Generation muslimischer Einwanderer sprechen.

Der Islam ist, ob wir es wollen oder nicht, zu einem Teil unserer Lebenswirklichkeit geworden. Zu unserer Kultur gehört er nicht. Wenn er sich verträglich in die deutsche und europäische Kultur eingliedern will, muss er sich ändern. Und wir, wenn wir unsere Kultur und unsere Säkularität behalten wollen, müssen sie endlich verteidigen.“ (WELT, DEBATTE)

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08 07 2010
By: Redaktion 2 0

Jüdische Geschichte in Anatolien. Ein weiterer glänzender Stein im Kulturmosaik

In Erinnerung an Nedim Yahya, ein Mitglied der Fünfhundertjahre Stiftung, der am 22. September 1997  gestorben ist.

Bearbeitet von Birol Kilic

 

 

Zur Zeit sollte es jedem klar sein, dass die Türkei ein Hauptpunkt für die drei großen monotheistischen Religionen der Welt, den Islam, das Judentum und das Christentum, ist. Aber da sie ein mehrheitlich moslemisches Land ist, wissen viele Leute heute nichts mehr davon,  inwieweit das Alte Testament in der modernen Türkei verwurzelt ist. Der Berg Ararat  (Agri Dagi), wohin Noah und seine Familie nach der Überflutung geflohen sind, ist im Westen des Landes; in der Nähe von Dogubayazit. Noahs Nachkommen verbreiteten sich in einem großen Teil Anatoliens, und einer von ihnen, der Sohn vom Kanaan, Heth, wird für einen Vorfahren der Hethiter gehalten.

 

Von  Abraham,  dem ersten der hebräischen Patriarchen, glaubt man nach dem Islam, dass er in einer Höhle in der heutigen Stadt Urfa geboren worden ist und ziemlich sicher in Harran im 18. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Diese Höhle war später eine Zuflucht für Jakob, als er versuchte von Esau wegzukommen. Jacobs Brunnen ist heute immer noch da. Sogar der Garten Eden liegt für manche in der Türkei, weil dort Euphrat und Tigris ihren Ursprung haben.

 

Die heutigen großen Religionen wurden meist auf den Grundlagen von früheren, proto-monotheistischen  Glauben gegründet, die seitdem verblasst sind,  aber  dennoch  ihre Spuren hinterlassen haben. Vor viertausend Jahren war die wichtigste Gottheit der Hethiter der Wetter-Gott  Teshub, daraufhin waren den Mond-Gott anbetende Sabians überall an den Orten, wo heute die südöstliche Türkei ist. Ihr Tempel in Harran wurde als der größte in Mesopotamien  betrachtet. Außerdem gab es noch  Mithraists persischer Abstammung, die  den Gott des Lichtes auf den Bergen von  Nemrut, Pergamum und Olympus anbeteten.

 

Jüdische Gemeinden haben seit früheren Zeiten auf die Handelswege in Anatolien einen beträchtlichen Einfluss ausgeübt. Und das obwohl sie in diesem Land und auch in vielen anderen biblischen Siedlungen niemals mehr als eine Minderheitenreligion waren. Die jüdische Bibel (bei den Christen als das Alte Testament bekannt) ist eine Sammlung von Schriften, die ins 10.Jahrhundert v. C. zurückgeht. Sie teilt viele Legenden mit dem Christentum und dem Islam; wie z.B. die Überflutung und das Landen der Arche von Noah auf  dem Gipfel eines Berges (Ararat für Juden und Christen,  Cudi für Moslems).

 

 

Die Söhne von Noah

 

Noah hatte drei Söhne; Ham, Sem und Japhet; laut Genesis 10. Der Letzte hinterließ Nachkommen in Persien, Syrien und im größten Teil des östlichen Anatoliens. Die Nachkommen von Ham reisten entlang der Küste von Nordafrika und in die Region, die zwischen Tigris und Euphrat liegt.

 

Das Enkelkind von Noah, Asshur, war ein Vorfahre der großen Assyrer, die ihr Imperium entlang des Nordens von Tigris (Dicle) gegründet hatten. Ein anderes Enkelkind, Arphaxd, war ein Vorfahre von Abraham. Heth, der Sohn von Kanaan, wird als der Vater von den Hethitern vermutet, die in  Zentralanatolien von 2000 bis 600 vor Christus regiert haben. Zu dieser Zivilisation gibt es zahlreiche Anmerkungen in der Bibel.

 

Die Assyrer besetzten den Norden von Israel 722 v. C. Zwei Jahre später hatte König Sargon über  27.000 Israeliten im Norden von  Mesopotamien  auswandern lassen. Im Jahre 560 vor Christus haben die Babylonier Judäa erobert. Dadurch wurden wieder mehrere Israeliten vertrieben, ins Exil geschickt oder waren „verschwunden”. Als sie sich anstrengten, ihre Identität und ihr Erbe zu bewahren, wurden dies als die Diaspora der Juden bekannt. Manche kehrten zurück, um Jerusalem wieder aufzubauen, während Andere  jüdische Kulturzentren in  der Region Mesopotamien bildeten.

 

Aber die größte Expansion der Diaspora nach der Eroberung durch Alexander den Großen (332-323 v. C.) statt. Die Migration in Palästina wurde dadurch ermutigt. Die Zerstörung von Jerusalem und des Tempels im Jahre 70 (v. C.) verursachte eine weitere Welle. Es wird geglaubt, dass sich im zweiten Jahrhundert vor Christus eine Million Juden in Kleinasien angesiedelt hatten und sich in vielen großen  Handelsstädten verteilten.

 

Die Synagoge von Sardis, ungefähr 50 Meilen von Izmir entfernt, war einst eine der Größten in der Geschichte, gebaut 220 vor Christus und nach der Zerstörung wieder aufgebaut  im dritten Jahrhundert.

 

Die große Halle, die innen großzügig mit Mosaiken geschmückt war, war ein Teil des Bad-Gymnasium Komplexes der Gemeinde. Der Boden und die Wände waren aus Marmor. Obwohl sie später bei einem Erdbeben zerstört wurde, blieb ein großer Teil des faszinierenden Originialbodens erhalten und zieht auch heute viele Touristen  aus der ganzen Welt an. Ein teilweiser Wiederaufbau, der einen hohen Status der Gemeinde zeigt,  wurde in den 1970ern unternommen Ephesus, die alte griechische Stadt, die der Göttin Artemis gewidmet war und schön wiederhergestellt wurde, ist noch immer eines der sieben Weltwunder. Die Stadt war eine wichtige Raststätte während der Zeiten der jüdischen Diaspora von 60 bis 120 vor Christus.

 

Am südlichen Ende der Stadt fließt der Fluss „Meander“. Das Tal dieses Flusses hat den Aufstieg und den Niedergang von sieben großen, historischen Städten sowie Priene, Miletos, Didyma und Aphrodisias miterlebt. Die meisten Synagogen dieser Städte sind noch erhalten.

 

 

Der Regenschirm des Humanismus

 

Seit der Zeit der Osmanen wurde die Türkei mit der religiösen Freiheit in  Zusammenhang gebracht, die den Weg für den heutigen, säkularisierten  Staat der  Türkischen Republik (Gründung 1923 durch ATATÜRK) ebnete. Im 12. Jahrhundert, während des dritten  Kreuzzuges, war der berühmte spanische Philosoph und Schriftsteller Maimonides, ein Jude, der persönliche Physiker des prachtvollen, moslemischen Führers Saladin. Ein Mann, der im Westen für die Übersetzung älterer Bücher über die Astronomie zuständig war, die tausend Jahre später, nachdem sie in Harran geschrieben worden sind, als revolutionär galten. Als die Osmanen Bursa im Jahre 1324 eroberten, fanden sie hier eine unterdrückte jüdische Gemeinde vor, die die Neuankömmlinge als ihre Befreier anerkannten. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis die Etz-ha- Hayyim Synagoge zu erbauen, die bis vor kurzem besucht wurde. Tatsächlich waren die Osmanen den jüdischen Flüchtlingen gegenüber so gastfreundlich, dass im frühen 15. Jahrhundert Rabbi Itzhak Sarfati aus Edirne einen Brief  an die jüdischen Gemeinden in Europa schickte, in dem er sie aufforderte, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum erlitten haben, hinter sich zu lassen und „in der Türkei Sicherheit und  Wohlfahrt  zu suchen“,  als Teil ihres Weges zurück zum Heiligen Land.

 

Im Sommer von 1492, unter der Regierung  des aufgeklärten Sultans Beyazid II., der den Traum hatte aus sein Imperium einen „Regenschirm des Humanismus“ zu machen, nahmen  150.000 Sephardim, die wegen dem Erlass von Königin Isabella und König Ferdinand vor der Wahl zwischen  Tod  oder  Bekehrung  gestanden waren, Zuflucht im Osmanischen Reich. Sie waren offiziell willkommen und ließen sich in Istanbul, Edirne, Bursa und in vielen anderen Städten nieder. Sie bekamen Land, Steuernachlass, Ermutigung und Hilfe von der Regierung. „Der katholische Monarch Ferdinand wurde fälschlicherweise als weise betracht“, sagte Beyazid II., „denn er verarmte sein Land mit der Vertreibung der Juden und bereicherte unseres.“ Diese neuen Bürger gründeten im Jahr 1493 die erste schriftliche Presse und mit den Jahren  wurden berühmte Hofphysiker und Diplomaten Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

 

Zu Beginn des  16. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde in Istanbul  30.000 Leute und  war damit die wichtigste Gemeinde in  Europa. Viele Jahre lang gab es mehr jüdische als moslemische Ärzte in  Istanbul.

 

Im späten 19. Jahrhundert halfen Dr. Isik  Pasa Molho, Admiral im Osmanischen  Heer,  und  Dr. Raphael Dalmediko, ein Offizier, ein Krankenhaus, das „Orahayim”- Krankenhaus mit 98 Betten zu gründen, das heute  noch existiert.

 

Eine von den wichtigsten jüdischen Siedlungen während der Herrschaft ByzanzÂ’ und des Osmanischen Reiches war Balat. Dieser Stadtteil erstreckte sich entlang der oberen Reichweite vom Goldenen  Horn. Viele von den  Leuten, die hier gelebt hatten, waren aus Mazedonien. Während seines goldenen Zeitalters im 18. und 19. Jahrhundert, waren hier sechs Synagogen. Die älteste und berühmteste ist die Synagoge Ahrida, die schon vor der Eroberung von Istanbul  existierte. Sie besitzt einen Altar, der der Arche von Noah nachempfunden ist.

 

Viele jüdische Konfessionen sind auch in Istanbul präsent. Nebst den Sephardim aus Spanien,  gibt es Askinazi Juden, die von der Krim stammen und eine Karaite Minderheit, die eine Festung im Gebiet in der Nähe vom Galata Turm hatte. Im Jahre 1900 zählte die gesamte jüdische Gemeinde  von Istanbul 300.000 Mitglieder.

 

In den 1930ern hatte der revolutionäre, säkularisierte Führer Mustafa Kemal Atatürk viele bekannte jüdische Professoren, die in Deutschland vor der Verfolgung geflohen waren, in die Türkei  eingeladen. Während des Krieges bot die Türkei für viele Leute eine sichere Durchfahrt nach Palästina.

 

Seit den späten 1940ern ist die jüdische Gemeinde der Türkei allerdings beträchtlich geschrumpft. Viele sind nach Israel ausgewandert um es zu unterstützen. Wenn ein Türke nach Israel kommt und den türkischen Juden in Israel einen Besuch erstattet, so ist er ein sehr willkommener Gast.

 

Über 100.000 türkische Juden leben nun in Istanbul. In Ulus gibt es ein großes, modernes Gymnasium. Es gibt sechzehn funktionierende Synagogen. Aus Anlass des 500jährigen Friedens und der Toleranz wurde das Fünfhundertjahre Museum gegründet.  Man feiert dabei  auch die berühmten jüdischen Bürger, die zum reichen Kulturschatz der Türkei beigetragen haben. Die Zeitung  „Shalom“  hat ungefähr 4000 Abonnenten und wird in Türkisch und in  Ladino gedruckt. Sie haben auch eine ausgezeichnete Buchhandlung mit jüdischen Touristenführern und historischen Büchern über die Türkei und die Osmanen.

 

Jüdische Touristen würden einen Spaziergang um den alten Stadtteil Galata genießen, wo auch die Neve Shalom Synagoge ist. Hier finden auch heute noch viele Hochzeiten und Bar Mitzvahs statt.

 

Quelle:

Mersina /Molly Mcanailly Burke

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05 07 2010
By: Redaktion 2 0

Frauen im Islam

Das Bild des Islam im Westen wird wesentlich geprägt von der Sichtweise auf die Stellung der Frau im Islam. Eine neue Herausforderung gerade für die moderne europäische Muslima, die sich in den gängigen Klischees von der „rechtlosen“ muslimischen Frau nicht wieder finden kann. Wie lässt sich aufzeigen, dass nicht jedes soziale, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ungleichgewicht zu Lasten der Frau religiöse Wurzeln hat? Muslimische Frauen nehmen es zunehmend und erfolgreich in die Hand auf dem Boden der Religion für Chancengleichheit einzutreten. Hier ein kurzer Abriss zur Stellung der Frau im Islam, eingebettet in Überlegungen zu den aktuellen Herausforderungen von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

„Dem der recht handelt – sei es Mann oder Frau – und gläubig ist, werden Wir gewiss ein gutes Leben gewähren; und Wir werden gewiss solchen Leuten ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.“ (Koran 16:97) 

 

Aufklärung: Islam duldet keine Frauenunterdrückung

Der Koran spricht schließlich die „Entlastung von der Bedrückung“ in 92:7 und 94:2 direkt an. Nicht wegen des Islam werden Frauen ihrer Rechte beraubt, sondern gegen den Islam bestehen Praktiken von Abschneiden des Bildungsweges bis zu Zwangsheirat. Tradition und Religion stehen sich mitunter diametral gegenüber. Diese Benachteiligung der Frau wird aber gerade seitens der Ikonen der westlichen Frauenbewegung Alice Schwarzer oder Oriana Fallaci als mit dem Islam an sich konform beschrieben, als der Religion immanent.

Wäre größere Sichtbarkeit und nach außen wirkende Aktivität muslimischer Frauen ein Weg, Missverständnisse und Fehleinschätzungen aufzubrechen? Die ihr zugeschriebene Opferrolle ohne Identitätsverlust zu durchbrechen wird umso schwieriger, je fester in den Köpfen verankert ist, aktives und mündiges Eintreten für Frauenrechte könne doch nicht durch eine gläubige und nach der Religion lebende Muslima geschehen? Unterstellungen reichen bis zur Behauptung solche Frauen würden unbewusst lediglich missbraucht, um das Bild des Islam zu verbessern, leisteten mehr oder weniger unfreiwillig einen Dienst, unterdrückerische Strukturen erst recht zu festigen.

Und doch führt an einem miteinander statt übereinander Reden kein Weg vorbei. Und zwar ausdrücklich nicht nur, um sachlich über die tatsächlichen islamischen Positionen zur Frauenfrage aufzuklären und so die eigene Würde zu verteidigen. Allzu leicht würden es sich die Muslime machen, wollten sie sich nach dem Motto „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ in eine heile Welt flüchten. Es wäre grob vereinfachend nicht weiter als bis zu der Position denken zu wollen, der „wahre Islam“ kenne kein Unrecht, wenn erwiesenermaßen in sich islamisch definierenden Gesellschaften Menschenrechtsverletzungen dokumentiert sind, selbst wenn diese ihre Ursachen zuerst in korrupten politischen und demokratiefeindlichen Systemen haben. Schließlich haben Unrecht leidende Frauen Anspruch auf die Solidarität der muslimischen Gemeinde. Eines der wesentlichen islamischen Prinzipien setzt auf die Zivilcourage – sei es von Mann oder Frau, weil religiöse Gebote prinzipiell für beide gelten. Hier heißt es nach einem koranischen Gebot: „Das Gute gebieten, das Schlechte verwehren“ (9:71).

Sich des ursprünglichen, geradezu revolutionären Charakters islamischer Frauenrechte zu besinnen und ihre Einhaltung zu fordern, ist längst Bestandteil des innermuslimischen Diskurses, an dem Frauen zunehmend Anteil gewinnen. Hier stellen sich längst auch Fragen, die auf eine Auslegung zielen, wie sie für die Moderne angemessen erscheint. Schließlich wohnt dem Islam eine große Dynamik inne, die aus dem Anspruch entsteht, dass auf Basis der Quellen Koran und Sunna (Überlieferungen aus dem Leben des Propheten Muhammad, zusammengefasst in den Hadith) neue Fragestellungen vor dem jeweiligen Hintergrund von Zeit, Ort und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten sind.

 

Welche Frauenrechte sind definiert?

Frauenrechte umfassen: Eigene Rechtspersönlichkeit, Recht auf Bildung in sämtlichen Bereichen, Recht auf die Wahl des Ehepartners und das Recht, den eigenen Familiennamen weiterhin zu führen, die Möglichkeit der Scheidung (etwa bei grober Behandlung, unerfülltem Geschlechtsleben, aber auch „wenn die Chemie nicht stimmt“), Recht auf eigenen Besitz und dessen selbständige Verwaltung, voller Unterhaltsanspruch gegenüber dem Ehemann, auch im Falle eines eigenen Einkommens, das nicht für das Familienauskommen aufgewendet werden muss, Recht auf Erbschaft, Partizipation am sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben der Gemeinschaft.

Was so rasch aufgelistet ist, füllt durch die detaillierte Ableitung von den jeweiligen Quellen und anschließende Einordnung in die Praxis Bibliotheken. Die angesprochene Notwendigkeit einer zeitgemäßen Interpretation förderte in den letzten Jahren die Entwicklung neuer Ansätze, wobei von den Muslimen in Europa wesentliche Impulse ausgehen, da ihre Minderheitensituation sie mit vielfältigen Fragestellungen konfrontiert.

 

Ehe – ein Vertrag gehört dazu

Ein Beispiel hierfür bildet etwa der islamische Ehevertrag. Eine islamische Hochzeit besteht im Wesentlichen aus der Unterzeichnung dieses Dokuments, das den Willen der Ehepartnern die Ehe miteinander einzugehen beurkundet und darüber hinaus eine Summe Geldes festschreibt, die der Frau im durch den Mann ausgelösten Scheidungsfall auszuzahlen ist. So wie dieser Betrag individuell vereinbart wird, ist es prinzipiell möglich, weitere Vereinbarungen aufzunehmen. Davon Gebrauch zu machen, eröffnet Perspektiven, besser vor der Ehe über die genauen Zukunftsplanung zu sprechen und eine gemeinsame Basis auch in den konkreten Fragen des Alltags zu finden: Wohnort, Kindererziehung, Berufsausübung, usw. Sehr junge Frauen könnten sogar die Familienplanung ansprechen, um erst die Ausbildung abzuschließen, ehe an Nachwuchs gedacht wird. Im Idealfall können mögliche Konfliktfelder erkannt und bereinigt werden. Auch ein vielleicht einmal nötiges Schlichtungsverfahren – die moderne Mediation ist im Koran gerade in Eheangelegenheiten explizit empfohlen (siehe z.B. 4:35) und ist dementsprechend positiv verankert – kann auf Grundlage einer solchen Vereinbarung leichter geführt werden.

Eingebettet sind diese Rechte im Rahmen der generellen Sicht auf das Verhältnis von Mann und Frau. Der Koran unterstreicht die Gleichwertigkeit der Geschlechter: „Die einen von euch sind von den anderen“ (3:195). Mann und Frau sind aus gleicher Substanz geschaffen (4:1). Zu gleichen Teilen sind sie Adressaten im Koran, in der Anrede heißt es immer wieder „ihr gläubigen Männer, ihr gläubigen Frauen“. Ja, wenn man die Anzahl des Gebrauchs des Wortes „Mann“ mit jener von „Frau“ vergleichen wollte, ergibt sich die gleiche Summe. Mann und Frau sind als Verantwortung füreinander tragende Partner beschrieben, die in freundschaftlicher Weise miteinander umgehen (9:71). In der Ehe hat Gott „Liebe und Barmherzigkeit“ zwischen ihnen gesetzt (30:21), die Eheleute sind einander „wie eine Decke“(2:187).

 

Gleichwertigkeit der Geschlechter

Die religiöse Praxis, wie sie vor allem die „fünf Säulen“ bestimmen, ist gleichermaßen für Männer und für Frauen bindend, sobald sie in der Pubertät religiöse Mündigkeit erreichen. Sie umfassen das Bekenntnis des Einen Gottes und seines letzten Gesandten Muhammad, das tägliche fünfmalige rituelle Gebet, die sozial religiöse Pflichtabgabe in Höhe von 2,5 % des stehenden Vermögens jährlich, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Für Frauen gelten einige Erleichterungen, die darauf Rücksicht nehmen, dass Gleichwertigkeit nicht Gleichartigkeit bedeutet, dass biologische Unterschiede also nicht wegzudiskutieren sind. Die Zeit des Wochenbetts oder der Menstruation entbindet so zum Beispiel vom Fastengebot, welches später nachzuholen ist.

Es ist immer bedenklich, Teilaspekte zusammenhanglos oder sogar manipulierend herauszugreifen. „Die Frau gilt nur die Hälfte eines Mannes“ und weiter „Sie erbt ja nur halb so viel wie ein Mann, ihre Stimme vor Gericht ist nur die Hälfte wert.“ sind solche Beispiele, die sich durch die Literatur ziehen. Dass die Frau im komplizierten Erbrecht, das die Verwandtschaftsverhältnisse der Erbberechtigten aufschlüsselt, in manchen Konstellationen die Hälfte erbt (in anderen mehr als ein Mann), ist im Kontext des Unterhaltsrechts zu sehen. Der Mann ist prinzipiell verantwortlich für den Unterhalt der Frau, muss also vom eigenen Vermögen viel aufwenden, während die Frau all ihren Besitz alleine genießen kann. Als Zeugin bei Gericht ist die Aussage einer Frau genauso wertvoll wie die eines Mannes. Wenn im Koran (2:282) bei der bezeugten Niederschrift geschäftlicher Transaktionen davon die Rede ist, dass Frauen sich in der später vielleicht nötigen Aussage „gegenseitig erinnern“, wird auf die Situation zur Zeit der Offenbarung eingegangen, als Frauen sich mangels Erfahrung in Geschäftsdingen in der Regel nicht auskannten. Es wäre schlicht nicht zulässig, hier einen allgemeinen Analogieschluss auf alle vor Gericht diskutierten Fragen vorzunehmen. Heute wird diese Stelle angesichts vieler weiblicher Wirtschaftsexpertinnen auch in neuem Licht gesehen. – Immerhin zeigen solche Beispiele, dass die theoretische Dynamik in der flexiblen Rechtsauffassung des Islam auch im Sinne der Frauen auszugestalten ist.

 

Frauenfiguren im Koran: Eva ohne Erbsünde

Selbstbewusstsein gewinnen Frauen auch aus dem Koranstudium, wo sie beginnend mit Eva, arabisch HavvaÂ’, einer Reihe von Frauenfiguren begegnen. Zusammen mit Adam bildet sie das erste Menschenpaar, das im Erlebnis des Überschreitens von Gottes Gebot im Paradies gemeinsam eine zentrale Erfahrung durchmacht. Auf die Erkenntnis sich an sich selbst versündigt zu haben, folgt die Reue und durch Gottes Barmherzigkeit dessen Verzeihung. Eva trägt im Islam also keine alleinige Schuld an der Entsendung des Menschen auf die Erde, wo er/sie schließlich als „Stellvertreter/in“ Verantwortung für die Schöpfung trägt. Eva erscheint so nicht als potentielle Verführerin des Mannes. Der Begriff der Erbsünde ist dem Islam fremd. Einige weitere Frauen seien der Kürze halber nur aufgeführt: Maryam, die Mutter des Propheten Jesus, die Frau des Pharao, die den kleinen Moses errettete, die Königin von Saba, die durch ihre Einsicht einen Krieg verhinderte.

Die Beispiele dieser Frauen aus dem Koran verdeutlichen, dass in der wichtigsten Quelle des Islam Frauen eine aktive Rolle spielen. Da hieraus allgemein gültige Ableitungen und Auslegungen erstellt werden, haben sie für das Frauenbild an sich großes Gewicht. Wie könnte man von einer Ehefrau bedingungslosen Gehorsam verlangen, wenn im Koran selbst das Mitdenken bei Befehlen des Gatten und in diesem Fall sogar Herrschers und in Konsequenz der zivile Ungehorsam als vorbildhaft dargestellt ist? Wie könnte man der Frau an sich vorwerfen, sie sei als Versuchung für den Mann geschaffen, um ihn womöglich von wichtigeren Geschäften abzuhalten, wenn es dafür im Koran nicht eine Belegstelle gibt und schon die erste Frau eben nicht als personifizierte Sünde auftritt?

Dem weiblichen Blickwinkel eröffnet sich auch ein reiches Feld der pointierten Interpretation in Bezug auf die Frühzeit des Islam, von Chadidscha, der ersten Frau des Propheten Muhammad, seiner späteren Gattin Aisha bis zu seiner Tochter Fatima oder Sakina, die alle als „Frauenrechtlerinnen“ gelten können.

 

Chancengleichheit durch Bildung

Bildung bleibt ein Schlüsselwort für die zukünftige Entwicklung der gesellschaftlichen Rolle muslimischer Frauen. In dem Maße, wie sie um ihre Rechte wissen, können sie dafür eintreten und ihr Leben in die Hand nehmen. Dann kann sich auch zeigen, dass ein starres Rollenkorsett in alleiniger Bestimmung als Ehefrau und Mutter den vielfältigen Perspektiven, die der Islam ihr offen hält, nicht genügen würde. Chancengleichheit, um auf den verschiedensten für die Gesellschaft wertvollen Gebieten partizipieren zu können, ist ein eng mit dem Bildungsgrad verknüpftes Ziel.(Quelle: Islamische Glaubengemeinschaft)

 

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04 07 2010
By: Redaktion 2 0

Das Österreichbild in der Türkei

von DI Kilic Birol
für das Bundeskanzleramt und den österreichischen Bundespressedienst Austria Feature Service Untersuchung im Arbeitsjahr 1998

 

„Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre“, sagt ein türkisches Sprichwort. Das Verstehen von Menschen beginnt mit gutem Zuhören und wo lässt es sich besser reden als bei einer Tasse dampfenden Kaffees? Wer auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist die Besonderheit der österreichischen Kaffeehauskultur.

 

In der Innenstadt von Istanbul findet sich ein detailgetreu nachgebautes Wiener Kaffeehaus mit echtem Wiener Kaffee und frischen Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits allgemein „Melange“. Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt.

 

Die Türken empfinden die österreichische Mentalität als ihnen nahestehend. Fleiß, Ehrlichkeit und Höflichkeit sind gemeinsame Tugenden und besonders letzteres hebt die Österreicher in den Augen der Türken wohltuend von den „trockeneren“ Deutschen ab. Österreicher werden als geduldig, flexibel und sensibel charakterisiert, außerdem als traditions- und kulturbewusst. Deutsch ist die zweite Fremdsprache nach Englisch und ermöglicht den Gebildeteren daher eine problemlose Kommunikation mit Österreichern. Trotz der gemeinsamen Sprache wird Österreich nie mit Deutschland verwechselt, sondern besitzt im Bewusstsein der Türken eine ganz eigenständige Identität. Es ist chic in Österreich den Urlaub zu verbringen, einen Wien-Trip zu unternehmen oder Ski zu fahren, und – wer es sich leisten kann – sein Kind in Österreich studieren zu lassen.

 

Die typischen Klischees haben auch vor den Türken nicht halt gemacht. Das Österreichbild ist im Wesentlichen geprägt von den kulturellen und touristischen Leistungen Österreichs und insbesondere der Hauptstadt. Legt man Türken ein Foto eines Wiener Kaffeehauses vor, ordnen fast 60 % das Sujet Österreich zu. 90 % verbinden eine Ballnacht mit Österreich und etwa 85 % denken bei der Aussage „Berühmt für seine Kultur“ an Österreich. 80 % erkennen sogar die Skyline des Kunsthistorischen Museums in Wien. Die Musik von Mozart und Strauß ist in der Türkei ebenfalls sehr bekannt und kann als der wichtigste Botschafter bis in alle Winkel des Landes angesehen werden. Nicht weniger bekannt ist Kaiserin Sisi, die nicht zuletzt aufgrund der Thematisierung im türkischen TV für emotionale Parteinahme und Identifikationen sorgt. Auch die in der Türkei nicht gekannte Bedeutsamkeit von Titeln und akademischen Graden wird unter anderem auf die Tradition von Hof und Adel zurückgeführt. Die daraus resultierende Höflichkeit und die verfeinerten Umgangsformen stehen den Türken jedoch sehr nahe.

 

Der freundschaftliche Kontakt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn hatten viel gemeinsam. Beide waren ein Vielvölkerstaat und unterhielten intensive Beziehungen. Beide verloren nach dem Ersten Weltkrieg ihre Größe und ihren Einfluss und suchten nach einer neuen nationalen Identität.

 

Ende des 18. Jahrhunderts finden sich prominente Kooperationen, besonders auf dem Gebiet der Medizin und der Architektur. So entsteht 1839 in Istanbul die erste medizinische Hochschule nach dem Vorbild des Wiener Josephinismus auf Initiative österreichischer Ärzte. Zu dieser Zeit wurde auch der erste türkische Arzneikodex durch den Wiener Arzt Dr. Bernard herausgegeben. Seit 1830 besteht das österreichische Krankenhaus St. Georg in Istanbul. Ursprünglich für die christliche Kolonie konzipiert, erfüllt es heute durch die Betreuung und Behandlung von Armen und Bedürftigen einen wichtigen und verantwortungsvollen Bereich sozialer Arbeit. 1864 wird der Rote Halbmond von dem Wiener Arzt Dr. Karl Hammerschmiedt unter seinem neuen Namen Abdullah Bey gegründet. Derselbe ruft in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts auch das erste naturhistorische Museum in Istanbul ins Leben. Dazu leistet das Naturhistorische Museum in Wien mit zahlreichen Objekten einen großen Beitrag.

 

Im selben Jahrhundert beginnen österreichische Archäologen unter Leitung von Otto Berndorf mit den wissenschaftlichen Untersuchungen in Ephesos, die mit kriegsbedingten Unterbrechungen bis heute andauern. Die Resultate dieser Forschungen, Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten haben aus dem historischen Ephesos einen hervorragenden Studienort archäologischer Wissenschaft gemacht und den Fremdenverkehr bereichert. Auch die architektonisch gelungene Überdachung der Ausgrabungsstelle wurde von Österreichern entworfen. Im Jahre 1915 wird übrigens am Palandöken bei Erzurum der erste Schikurs für das Osmanische Heer von österreichischen Unteroffizieren durchgeführt. Ob Zufall oder nicht – Palandöken ist heute das wichtigste Schigebiet in der östlichen Türkei.

 

Ebenfalls in das Ende des 19. Jahrhunderts fällt die Gründung der österreichischen Schule St. Georg in Istanbul im Jahre 1882, die ursprünglich Kinder österreichischer und deutscher Kolonien unterrichtete. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird sie vor allem von türkischen Kindern besucht. Heute ist das St. Georgs-Kolleg eine der gefragtesten und beliebtesten Auslandsschulen in der Türkei.

 

Auch österreichische Künstler und Wissenschafter konnten ihre Spuren in der Türkei hinterlassen. So entstand zB während des Ersten Weltkrieges 1916 das erste Atatürk-Portrait vom Österreicher Wilhelm Krausz. Die Deutschmeister konzentrierten sich zwei Sommer hindurch im berühmten Pera-Palast. Mit der Universitätsreform 1933 und wegen der politischen und rassistischen Vertreibungen kommen eine Reihe von hervorragenden österreichischen Wissenschaftern und Künstlern in die Türkei. Bekannt ist vor allem der Architekt Clemens Holzmeister, der durch seine Bauten in Ankara (Parlament, Staatspräsidentenpalast, Regierungsviertel, österreichische Botschaft) und durch seine Lehrtätigkeit an der TU Istanbul bis 1951 zu Weltruhm gelangte. Eine Reihe hervorstechender türkischer Architekten entstammen seiner Schule. In den 60er Jahren lehrt der berühmte Vertreter der Wiener Schule des phantastischen Realismus, Anton Lehmden, an der Akademie für angewandte Kunst in Istanbul. 1963 wird das österreichische Kulturinstitut in Istanbul gegründet, womit der hohe Stellenwert der österreichischen Außenkulturpolitik gegenüber der Türkei zum Ausdruck gebrach wurde. Dieses Institut bietet von Musik über Ausstellungen bis zur Wissenschaft ein reichhaltiges Programm. Allein im Jahr 1995 wurden 108 Veranstaltungen an 63 Orten rund 160.000 Besuchern nahegebracht.

 

Mit der Umwandlung der türkischen Wirtschaft in eine Marktwirtschaft in den 80er Jahren wird die Türkei für österreichische Unternehmen zunehmend interessant. Es entwickeln sich bis heute andauernde Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Obwohl diese Beziehungen sich im Laufe der Zeit verstärkt haben, sind die Möglichkeiten noch immer nicht ausgeschöpft. In den letzten Jahren aber zeigt sich eine starke Tendenz, das Potential zu erkennen und Marktchancen wahrzunehmen.

 

Die größten Investoren in der Türkei stammen aus der EU, dabei spielt besonders Deutschland mit 200 Investitionsbewilligungen eine große Rolle. Das Gesamtvolumen an Investitionen Deutschlands in der Türkei lag 1995 bei 392 Mio. US$. Daneben sehen das in der Türkei gebundene österreichische Kapital mit 85 Mio. US$ und die elf Investitionsbewilligungen eher bescheiden aus. Eine österreichische Firma hat jedoch die größte ausländische Einzelinvestition in der Türkei verwirklicht. Mit der Beteiligung am Birecik-Wasserkraftwerk haben die Verbundplan und Strabag AG ein Beispiel gesetzt. Die Austrian Energy hat außerdem zwei neue Kraftwerkseinheiten in Cayirhan 120 km westlich von Ankara in Betrieb genommen.

 

In den letzten Jahren zeigt sich eine neue Tendenz in der türkischen Unternehmensführung. Bedingt durch bessere Ausbildung und durch Studienaufenthalte im Ausland, hat eine neue Managergeneration gelernt, dass kommunikatives Miteinander bessere Erfolge erzielt, als der autoritäre Führungsstil der älteren Generation. Diese jüngeren türkischen Manager sind hochmotiviert und streben nach Geschäftserfolgen. Die können besser mit westlichen Geschäftspartnern kommunizieren, sind mutiger, toleranter und entscheidungsfreudiger. Dies hat zu einer größeren Stabilität der türkischen Wirtschaft geführt.

 

Die Türkei bietet nicht nur einen großen Absatzmarkt, sondern stellt durch ihre geographische und strategische Lage als Brücke zwischen Europa und Asien einen wichtigen Partner dar, durch den sich für österreichische Unternehmen gut Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Besonders infolge der Auflösung der Sowjetunion und der Bildung der neuen Republiken spielt die Türkei durch ihre geographische Nähe zu diesen Märkten und durch ihre engen Geschäftsbeziehungen mit den zentralasiatischen Ländern eine wichtige Rolle sowohl auf der politischen als auch auf der wirtschaftlichen Ebene in der Region.

 

Österreich wird in der Türkei als fortschrittliches EU-Land mit neutraler, stabiler Politik gesehen. Österreicher werden als tolerant und demokratisch empfunden und gelten als vertrauenswürdige Geschäftspartner.

 

Ebenso wie die Geschäftspartner gelten auch die österreichischen Touristen in der Türkei als freundliche und angenehme Gäste. Aber auch umgekehrt kommen Türken gerne nach Österreich für einen Kultur-Trip oder einen Ski-Urlaub. Etwa 40 % der Türken verbinden mit dem Wort „Winterurlaub“ eine Assoziation mit Österreich und 60 % ordnen Österreich den Stichworten „gutes Essen“ und „Restaurants“ zu. Aber auch die Gastfreundschaft der Österreicher wird besonders geschätzt. 70 % der türkischen Hochpreistouristen empfinden Österreich als „gastfreundlich zu Ausländern“.

 

Jeder Urlaub geht einmal zu Ende und was bleibt sind Erinnerungen an schöne Tage. Doch jetzt haben Istanbuler die Möglichkeit, ihre Erinnerungen frisch zu halten. Sie gehen in ihr neues Alt-Wiener Kaffeehaus und bestellen eine Wiener Melange zu frischen österreichischen Mehlspeisen. Bir fincan kahvenin kirk yil hatiri vardir – eine Tasse Kaffe gewinnt das Herz für vierzig Jahre… (B.K)

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17 06 2010
By: Redaktion 2 0

Was ist der Islam und was ist er nicht?

EINE ZUSAMMENFASSUNG
von Birol Kilic

 

Jeder spricht und schreibt über den Islam, aber:

Ein Versuch der Aufklärung für das Gemeinwohl ohne Propagandazwecke.

 

Was ist der Islam und was ist er nicht?

 

In den nachfolgenden Zeilen möchte ich die politsch-religiösen Debatten, Missverständnisse und Unklarheiten in Österreich in Bezug auf den Islam aufgreifen. Ich behaupte natürlich nicht, das absolute Wissen und Korrektheit zu vertreten. Ein ausführlicher Artikel für “Verstand-benützende” Leser/Innen, welche offen für eventuell neuartige oder andere politische Ansichten sind.

In  Österreich findet  man, besonders  in den letzten  Wochen und Tagen, Diskussionen  und Berichterstattungen über die  Glaubensrichtung des Islams.  Da wir sehr viele junge austrotürkische Leser/-innen haben, die der deutschen Sprache mächtig sind, wurden uns auch unzählige Fragen über den Islam gestellt.  Wir sehen das als eine Gelegenheit, um darüber objektives Wissen durch die einzige korrekte und hauptsächliche Quelle, nämlich durch den Koran, zu vermitteln. Viele Fragen haben wir aber auch von Österreicher/-innen erhalten. Diese Fragen haben wir im weiteren Teil des Berichts untereinander gereiht, und versucht, zu beantworten.

Da ich schon Einiges über die Geschichte mit diversen Versen aus der Bibel, Tora und Talmut über das Christentum und Judentum geschrieben habe, fordern mich natürlich unsere Leser auf, auch über den Islam, den Koran, die Demokratie, die Menschenrechte, das Koptuch, die Minaratte, die Moschee und über die Rechte der Frauen etc. zu schreiben. Das werde ich gerne tun. Aber ich bitte Sie höflich zu akzeptieren, dass ich dies auf meine Art und Weise tun werde. Es leben in Österreich  über 500.000 Menschen, welche dem islamischen Glauben angehören, davon sind die Hälfte österreichische Staatsbürger. Unter diesen 500.000 Menschen sind über 250.000-270.000 Menschen aus der Türkei und ca. 150.000-170.000 Menschen aus Bosnien-Herzegovina. Also ca. 400.000 Menschen aus der Türkei und Bosnien-Herzigovina, welche, mit der österreichischen Monarchie  beginnend, jahrhundertelang mit Österreich zu tun gehabt haben, konnten bis heute der österreichischen Mehrheitsgesellschaft und der gegenwärtigen Innenministerin Maria Fekter nicht erklären, was der Islam ist und was der Islam nicht ist. Wie kann die Innnenministerin Maria Fekter öffentlich behaupten, dass “Toleranz im Islam absolutes No-Go ist”? Hier muss man sich fragen, wieso 500.000 Menschen der Frau Innenministerin nicht erzählen oder vorbildlich zeigen konnten, wie die islamiche Lebenskultur existiert. Wir glauben, dass dieser Satz auch Frau Innenministerin Fekter eigentlich traurig gemacht hat. Als “Oberpolizist” ist es nicht angenehm, in einem kleinen Land wie Österreich mit 8 Millionen Einwohnern zu regieren, unter denen 500.000 Menschen dem Islam angehören, wo Toleranz angeblich ein No-Go ist. Mit anderen Worten  ausgedrückt : Viele Bambinos, jüngere und ältere Generationen, die wie eine tickende  Bombe in allen Lebensbereichen Tag und Nacht wandern. Ist das nicht schrecklich? Wir müssen vor allem als überzeugte sekulare Menschen, die aus islamischen Familien stammen, versuchen, auch wenn die anderen Parteien es nicht zulassen, uns mit der Frau Innenministerin Fekter identifizieren und die Dinge aus ihrer Perspektive betrachten, denn es mag sein, dass viele andere Menschen genauso wie sie denken. Wir sollten uns nicht schämen, dass wir Muslime sind.

 

Wir müssen uns fragen: Wo könnte das Problem liegen? Wie können wir die Probleme diagnostizieren, bevor  überhaupt Thesen und Anti-Thesen auf die Beine gestellt werden?

 

Die Glaubensgemeinschaft ”Islamische Glaubensgemeinschaft” wurde von dem Staat Österreich rechtlich anerkannt.  Innerhalb dieser anerkannten Religion gibt es in Österreich mittlerweile institutionalisierte Instanzen, bei denen es um  “die Vertreterschaft einer Religion in Österreich” geht. Zum Beispiel der jetztige Präsident Schakfeh und sein angeblicher Integrationsbeauftrageter Herr Omer Al Rawi vermischen Politik und Religion bei deren  Islampolitik und viele Österreicher sehen das als legitimierter Weg, im Religiondiskurs Politik auszuüben. Da fragen sich sehr viele Politiker aus verschiedenen Parteien: Wie kann ein Mensch wie Omer Al Rawi einerseits Landesabgeordneter und wieder Kandidat der Landtagswahlen am 10.10.2010 und andererseits Wahlkommissionvorstandsvorsitzender und Integrationsbeauftrageter der islamischen Glaubensgemeinschaft sein? In einem normalen Geschäftsleben würde die Wettbewerbsbehörde Alarm schlagen. Warum wird in der Politik diese Mischung “Politik und Religion” als selbstverständlich angenommen, sogar gefördert?  Genau diese Kombination macht viele Gegner politischer Ansichten allgemein traurig und teilweise auch sehr wütend, weil man hier politisches Kleingeld über Religion allen Türen öffnet, obwohl in Österreich durch die Aufklärung mindestens diese Probleme nicht mehr salonfähig waren.

Die islamische Glaubensgemein-schaft  in  Österreich verhält sich nicht wie eine normale politische Partei, sondern ist gegen jegliche Institutionen und Behörden, die eine “Rivalität” im Sinne des Wettbewerbs darstellen mögen. Wenn man dieses Verhalten in  einem normalen wirtschaftlichen Leben unter die Lupe nimmt, kriegt man dafür  sicherlich die “Rote Karte”. Es ist eine Schande für alle 500.000 Menschen, insbesondere für 250.000 türkische Muslime , dass sie nicht klar machen konnten, dass es im Islam, laut den Prinzipien des Korans- sprich  Einheitsprinzip (Tevhid)- keine Zwischenistanz, kein Islamchef oder kein Organ geben kann, welche zwischen Gott und dem Menschen steht.

Die Propheten wurden sogar mehrmals in vielen Versen ausdrücklich gewarnt, dass sie außer der frohen Botschaft zu vermitteln, sonst keine weitere Aufgabe haben. Wie kann man in Österreich diesen Zustand erlauben, in dem uns von den politischen Islamanhängern ein falscher Islam verkauft wird? In Österreich missbraucht die islamische Glaubensgemeinschaft als anerkannte Religionsgemeinschaft den guten Willen des österreichischen Staates und das Unwissen vieler österreichischer Bürger dermaßen,dass viele Menschen überhaupt keine Kraft mehr haben, auf diese Problematik hinzuweisen, weil viele Österreicher und Institutitonen diesen Zustand absichtlich im Zuge des Missbrauchs unterstützen.

Desswegen, eben weil Politik und Glaube so tief vermischt wurden, sind die Politiker nicht bemüht, die Problematik und die Religion zu verstehen, sondern sehen die islamische Glaubensgemeinschaft als den kleinen islamischen Vatikan mit seiner papstähnlichen Gestalt und versuchen somit dem Papst (dem Oberhirten) zu gefallen, damit sie die 500.000 Schafe in den Griff bekommen. Im Islam gibt es keinen Oberhirten bzw. Vertreter der Unterhirten und Schafskultur. Nicht einmal der Prophet ist nach den koranischen Prinzipien der Wächter, Verwalter im Namen Gottes. In Österreich hat man alles missbraucht und alle Muslime fast in Geisel genommen, mit einem Verein namens islamische Glaubensgemeinschaft, der nicht einmal 1% der  500.000 Muslime als Mitglied hat. Wie kann die islamische Glaubensgemeinschaft im Namen aller Muslime hier agieren, sprechen oder als Vertreter fungieren und sogar z.B. eine andere Interpretation wie muslimische Aleviten aus dem Islam exkommunizieren? Dies hat nämlich der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft getan. Obwohl die Mehrheit der Aleviten, die vor allem aus der Türkei kommen, sich als Muslime definieren,  sehen sich Schakfeh & Co befugt, diese Glaubensgemeinschaft aus dem Islam exzukommunizieren. Nicht nur das; dieselbe Truppe sieht sich auch befugt, wiederum ähnlich wie die katholische Kirche,  Menschen dem Islam beitreten bzw. austreten lassen. Herr Schakfeh erzählt stolz, wie viele Menschen  sie im letzten Jahr als Muslim  im Namen deren Institution und mittelbar auch im Namen Gottes registriert haben und wieviele sie “auf Wunsch der jeweiligen Individuen” vom Islam austreten lassen haben. Die Frage, woher solch eine Legitimation kommt, ist eine ganz heikle und schwer zu beantwortende Frage, aber zum Zwecke der Information muss man hinzufügen, dass weder Beitritt zum Islam, noch Austritt vom Islam nicht eine Bescheinigung oder Bestätigung irgendeiner Instanz bedarf    Hier  sieht man, dass die islamische Glaubensgemeinschaft mit seinem “Herrscher” bis jetzt in Österreich sich nicht zur Aufgabe  gemacht hat, der Aufklärung zu dienen. Ganz im Gegenteil: die Aufnahmegesellschaft wurde mit den Worten Partizipation, Chancengleichheit und Pluralität an der Nase herumgeführt, obwohl die Taten dieser Werte zu wünschen übrig lassen.

Sie sollten eigentlich gleiche Distanz gegenüber jeder Partei haben. Dies tun sie nicht, denn sie agieren wie eine politische Partei, die man als Hinterland aus dem nahen Osten und der Türkei bzw. Vertreter des politischen Islams nennen kann, was in Zukunft für Österreich zu einer Katastrophe führen kann. Gerade in Europa ist Österreich ein Paradebeispiel für die Anwendung des politisierten und den Sitten beruhenden Islams, welcher mit dem wahren Islam nichts zu tun hat.

 

Haben Sie schon in einem Artikel gelesen oder Disskusionen über die Bedeutung des Wortes “Islam” gehört?

 

Das Wort  “Islam” ist im Koran von Gott als Religionsname festgeschrieben. Da dies zur Allgemeinbildung gehört, ist es wichtig für uns zu wissen, was das Wort “Islam” bedeutet. Diesen Begriff haben wir auch in dem Buch “Leben, Glauben, Feiern” (Czernin Verlag), wo ich ebenfalls Mitautor war,  versucht, zu erklären. Wenn wir über den Begriff “Islam” sprechen, sollten wir  wissen, was das Wort nach der einzigen Quelle, dem Hauptbuch des Korans, welches für alle gläubigen Muslime als Heiliges Buch gilt bedeutet. Wie können wir in “der jetzigen Zeit und an diesem Ort” eine Aussage  über einen Glauben machen, wenn wir nicht die These kennen, sondern nur andauernd die Antithesen hören und lesen.  Kritik können wir jederzeit üben, aber zuerst zählt das Wissen, denn Wissen ist Macht.

Das Wort “Islam” besteht aus den Wörtern “Selam” und “Silm”. Das Wort “Selam”,  das auch in der jüdischen Sprache als “Salom” verwendet wird und welches Jesus Christus immer bei Begrüßungen verwendet hat,bedeutet Friede, Glück, Wolhbefinden und Vetrauen. “Silm” bedeutet Frieden, Vertauen und Ergebung einem einzigen Gott.  Dies bedeutet, das Wort Islam hat im Koran, nachdem wir die Wurzeln dieses Wortes oben erfahren haben, die Grundlage und Bedeutung Friede, Vertrauen, Glück und Wolhbefinden.

Das kann auch kurz in Sure 10, Vers 25 nachgelesen werden: ”Gott ruft zur Wohnstätte des Friedens.”  Aber warum wurden in den letzten Jahren so viele Vorurteile gegenüber dem Wort Islam gesammelt? Wer hat hier Schuld? Ich beantworte das ganz brutal. Die Schuld liegt größtenteils an den angeblichen  Muslimen, welche behaupten, nach dem “wahren Islam” zu leben, obwohl die tradionelle arabisch-umajjadische Kultur ” auf dem traditionellen Islam und auch auf der Theorie, die auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht, und so  die Welt und Menscheit betrügen.  Der wahre Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, besagt, dass die Menschen ihren Verstand und ihre Vernuft unbedingt benützen müssen. Das steht in mehreren Versen im Koran. Hier nur einer davon:  Sure 10, Vers. 100: “ Gott sendet (Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft und ihren Verstand nicht gebrauchen mögen”.

 

Wie kann man nur aus dem Wort “Islam” , welches  seine Wurzeln im Frieden, Vertrauen, Glück und Wolhlbefinden hat, das Kampfwort  “Islamismus” hervorbringen?

 

Das Wort “Islamismus” ist eine ,von manchen Kräften absichtlich und von manchen Menschen unabsichtlich und unglücklich, gewählte Terminologie, mit welchem man eigentlich das Gegenteil vom Islam und Koran Geforderte beschreiben will, und zwar  fundamantalistische und   terroristische Menschen, Gruppen und Sekten. Man sagt z.B zu einem christlichen oder jüdischen Fundamantalist oder Terrorist nicht  “Christianist” oder “Judaist”.  Man will hier den Glauben des Islam, von welchem wir oben die wahre Bedutung definiert haben, in die Ebene des Faschismus ziehen und damit dienen sie (die “wahren Islamisten”) vielleicht ihren Gelüsten oder den Fundemantalisten, aber auf keinen Fall dem Gemeinfrieden oder dem Weltfrieden.

Denn kein Mensch auf dieser Erde würde seinen Glauben in diesem Zusammenhang sehen und hören wollen. Wir wissen, dass man mit der Terminologie “Islamismus”  diejenigen Betrüger definiert, welcher den Glauben des Islam, der eingentlich dem Koran nach Friede, Glück, Wolhbefinden und Vertrauen bedeutet, für Ihre politischen, geschäftlichen und für ihre männlichen  Gelüste missbrauchen. Ich mache sogar ab und zu den Fehler,  den Begriff “Islamismus” zu  benützen.

Damit wären Sie für viele ein Mensch, der seinen Glauben in die Faschismus-Ebene ziehen will und damit würden Sie Ihre Ansprechpartner, manchmal direkt oder auch indirekt, verlieren. Zumindest wären Sie nicht mehr vertauenswürdig. Aus diesem Grund, weil Sie sich nicht die Mühe machen,  statt des Wortes  “Islamismus” fundemantalische Kräfte im islamischen Kreis oder Fundemantalisten bzw. politisierter Glaube zu nennen.

 

Hat das Wort Koran eine Bedeutung?

 

Koran leitet sich aus dem Begriff “karaa” ab.” Karaa”  bedeutet lesen (Ikra), sammeln und rezitieren.  Nach verschiedenen Quellen wurde dem göttlichen Buch dieser Name gegeben, weil er einerseits Gegenstand des Lesens und der Rezitation ist, andererseits Gebote, Verbote und verheißungsvolle gute Nachrichten enthält und schließlich auch, weil er in Form von Suren und Versen gesammet worden ist. Das Wort Koran und das allererste Wort der ersten Offenbarung stimmen überein. Das Wort hat seine Wurzeln im schon erwähnten “karaa” und heißt “ Ikra”, was wiederum  “lies” bedeutet.  Damit haben wir jetz erfahren, dass das erste Offenbarungswort “lies” war. In der Wüste verlangte Gott von seinen Propheten und allen Menschen als erstes das LESEN (Ikra). Frage:  Warum ist der Bildungsgrad in den muslimischen Ländern und sogar in Saudi Arabien oder unter der talibanischen Bevölkerung so gering? Ist das nicht unglaublich? Wir haben bis jetzt immer das Vorurteil gehabt, dass der Koran ein Kriegs- und Fundamentalistenbuch ist, weil die Taliban, Saudi  Arabien oder andere nahöstliche Diktatoren so unzivisiliert waren. Aber nun haben wir erfahren (siehe oben),  dass  das Wort “Islam” Friede, Glück, Vetrauen und Wolhbefinden bedeutet, und dass das erste Offenbarungswort im Koran (Sure Alak, 1)  “lies” ist.  Der Begriff “Koran” wird an ungefähr 70 Stellen im Koran erwähnt. Aber darüber hinaus bezeichnet er sich selbst noch mit anderen Namen. Folgende Adjektiva kommen im Koran vor: Hakim (mit Weisheit angefüllt), Tenzil (von Gott herabgesandt), Nur (das Lich), Kitap (das Buch), Furkan (jenes, was Licht und Dunkelheit, das Gute und Schlechte vonaneinder trennt) und Zikir (jenes, was die Erwähnung Gottes sichert) und viele mehr.  Der deutsche Dichter Goethe hat über den Koran sinngemäß folgendes gesagt: ”Wenn man die gesamte Aussage des Korans in Kürze ausdrücken will, so findet sie gleich zu Beginn von Sure 2: “Das ist das Buch, in dem kein Hadern und kein Zweifeln enthalten ist.”.

Die Bezeichnung des Korans als Buch findet man im Koran an über 250 Textstellen. Mit dem Ausdruck “Buch” bezeichnet sich der Koran nicht nur selbst, vor allem wird ein Teil der Offenbarungen, die mit anderen Propheten herabgesandt wurden, als  Buch bezeichnet.  So beispielweise die Psalter, die Thora oder die Bibel. Darüber hinaus bezeichnet man allgemein alle Offenbarungen, die vom ersten Propheten bis hin zum Letzten herabgesandt wurden, als Buch. Der Ausdruck “Buch” (Koran) rührt auch daher, dass der Koran als eine der elemantaren Quellen der islamischen Geistesgeschichte dient. Diese Tatsache wird deutlich in den Vordergrund gestellt. Nach dem Koran existieren drei grundlegende Bücher, die den Menschen vorgelegt werden  und die zu lesen sind: Das Buch der Schöpfung, das Buch der Offenbarung (Koran) und der Mensch selbst.

 

Was kann man allgemein über den Inhalt des Korans ausführen?

 

Das Grundthema des Korans ist die Einheit Gottes, seine Unvergleichbarkeit und die Tatsache, wie er dem Leben und dem Universum in ständiger und bewusster Weise die Richtung weist. Wir erfahren aus dem Koran, um es kurz zu sagen, “Tevhid” (das Einheitsgebot).  Das muss man sich merken. Es herrscht im wahren Islam ein absolutistisches Eingottprinzip bzw. das Einheitsgebot (Tevhid).  Es bezeichnet vor allem die Einheit Gottes. Der Koran bezeichnet die Kraft und Macht als Gott (Allah). Gott ist der absolute Schöpfer, er ist absolut gut, absolut positiv und schön. So sind demzufolge die Schöpfung, die Geschöpfe und das Leben in ihren Grundlagen gut und schön. Die Einheit Gottes nach dem Koran macht in zunehmendem Maße die Einheit des Lebens, des Menschens, der Zivilisation und schließlich auch der Schöpfung notwendig. Mit anderen Worten: So wie der Schöpfer eins ist, genauso ist auch die Realität eins. Demzufolge ist der Weg, welcher zur Realität führt, einzigartig. Der beste Weg, den Koran zu kommentieren, besteht darin , ihn als eine Einheit zu begreifen und wahrzunehmen. Der Koran hat gewisse Prinzipien, wie er zu kommentieren und zu interpretieren ist. Wir können nicht einen Abschnitt des Korans verstehen, wenn wir nicht den gesamten Koran verstehen, wir können nicht einen Vers begreifen, wenn wir die anderen Verse vernachlässigen. Der Koran ist, genauso wie das Buch der Schöpfung, eine Einheit, in der das Eine mit allem und alles mit dem Einen in Verbindung steht.

 

Wo liegt das Problem?

 

Wer über den Islam sprechen möchte, muss zunächst deutlich machen, was genau er darunter versteht. Wir müssen  zwischen dem traditionellen Islam, der auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht, und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet w

urde, unterscheiden.  Bis heute übersieht der Westen diese Differenzierung, die von den Muslimen selbst als Dilemma empfunden wird. Zumindest bis zum schrecklichen Terroranschlag vom 11. September 2001 hatte der Westen nur sein kurzfristiges politisches Kalkül im Blick und hat dieses Dilemma nicht gesehen.

 

Müssen auch Muslime Selbskritik üben? 

 

Betrachten wir heute die islamischen Gesellschaften unter dem Aspekt “Demokratie” oder “Menschenrechte”, bietet sich kein positives Bild. Besonders dem Nahen Osten, der Kernregion des Islams, kann in Fragen der Menschenrechte kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. In diesen Ländern wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor. Ein Beispeil: Die Zeitungen vom 17. Juni 2002 berichteten unter der Schlagzeile “Grausamkeit” von einem unmenschlichen und unbegreiflichen Vorfall. Er ereignete sich in einem berühmten islamischen Land, in Saudi-Arabien: Als sich einige Frauen vor einem Gebäudebrand retten wollten und auf die Straße liefen, wurden sie von den Gewalttätern, welche sich “Religionspolizisten” nannten, mit Schlägen zurückgejagt. Der Grund: Sie waren nicht verschleiert. Sie mussten alle sterben. Grausame Taten wie diese, welche die Menschenwürde missachten, ereigneten sich auch im im Land der Taliban und prägen leider das heutige Bild des Islams weltweit. Diejenigen, die Wissenschaft und Bildung achten, wissen allerdings, dass es im Islam eine innere Wahrheit gibt. Bedauerlicherweise hat das Sichtbare in Form des traditionellen Islams das Wahre aus dem Leben verdrängt, also genau den Islam des Korans, den wir oben beschrieben haben. In den islamischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht haben. Denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip “Die Religion ist für den Menschen geschaffen” ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: “Der Mensch ist für die Religion geschaffen.”

 

Wo liegt das Problem?

 

Die islamischen Länder sind zwar von ihren früheren Kolonialherren unabhängig, aber nicht frei geworden. Die Unabhängigkeit nutzt lediglich den Despoten im Land.  Das Joch der Unterdrückung blieb bestehen und belastet die Menschen heute mehr denn je. Man vergaß, dass die Unabhängigkeit eines Landes durch die Freiheit des Individuums vervollständigt werden muss. Der einzige Weg dorthin ist die Installierung einer laizistischen bzw. sekularistischen  Regierungsform. Die Methode ,,Demokratisierung durch Krieg”, welche die amerikanische Regierung im Irak anwenden will, ist dagegen weder menschenwürdig, noch erfolgsversprechend.


Woher kann die Veränderung kommen?

 

Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen. Wenn wir die tabuisierenden  Traditionen und die vorsätzlichen Irrwege beiseite lassen, und den Islam aus der Sicht seiner Hauptquelle, des Korans, betrachten, gibt es durchaus einen Silberstreif am Horizont. Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Lebenswerte des Korans , die für die Entwicklung der Menschheit notwendig sind, die westlichen, nicht-muslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten als die islamischen sind. Und auch dies ist eine Tatsache: Mit jedem Tag wird dieser Abstand zum Nachteil der islamischen Welt größer. Die islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden. In der Terminologie des Korans bezeichnet man dies als “schirk”  (Vielgötterei, Polytheismus). Es handelt sich also schlicht um Paganismus. Diese Ausrichtung mit fetischistischem Charakter macht die Menschen  immer mehr zu  Sklaven von Knochen, Fossilien und Grabstätten. Umso absurder wirkt es, dass die grundlegenden Werte, die der Koran im Leben des Menschen verwirklicht sehen möchte, in nicht-islamischen Gesellschaften verwirklicht sind.

 

Was bedutet der “falsche Islam”?

 

Der Islam der Traditionen, also der falsche Islam, hat alle islamischen Grundlagen und Werte, die den Menschenrechten und damit auch der Demokratie den Weg bahnen und sie stärken könnten, außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung begann, als die despotische Monarchie zur Religion erklärt wurde. Das System der monarchistischen Herrschaft aber wird im Koran als ein unzulängliches System der Ungerechtigkeit dargestellt (siehe hierzu Sure 27, Vers 34). Dass es dennoch die Oberhand gewann, wurde möglich, weil man den Laizismus in einen Gegensatz zur Religion stellte. Laizismus bedeutet aber nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen.

Laizismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes. Daher halte ich es nicht für möglich, dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können, ohne dass es eine wirklich laizistische Verfassung gibt. Der Koran verkündet, dass das Prophetentum abgeschlossen sei. Eine der grundlegenden Folgerungen daraus lautet: Das Zeitalter ist beendet, in dem die Völker von Personen geführt werden, die sich auf Gott berufen. Der Koran ist das einzige heilige Buch, das verkündet, dass die Theokratie aus dem Leben der Menschen weichen soll.

 

Warum verschweigt man die Wahrheit des Korans dann?

 

Diese Aussage des Korans ist die wichtigste Wahrheit, die in den islamischen Gesellschaften verschwiegen und versteckt wird. In den islamischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass diese Wahrheit verborgen bleibt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen Westeuropäern unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern die Zustände ändern.

 

Was beudeutet “der wahre Islam”? 

 

Nach dem Verständnis des wahren Islams, der sich auf den Koran beruft, ist die Macht, ein Volk zu führen, ein rechtsstaatliches Gut. Dieses darf nicht für despotische Herrschaft missbraucht werden. Nur jene dürfen es an sich nehmen, die seiner würdig sind. Dieses Gut kann dem Einzelnen durch Wahlen anvertraut und falls notwendig auch wieder entzogen werden.

 

Fordert der Koran Demokratie?

 

Diejenigen, die den Despotismus zur Religion erklären, fragen oft: “ Warum Demokratie? Demokratie bedeutet “Wille des Volkes”. Welches Volk hat den Propheten Mohammed gewählt? Und warum überhaupt Wahlen?” Diesen Wortführern muss man entgegenhalten: “Den Propheten Mohammed hat Gott selbst berufen. Hat Gott auch die Könige, Sultane und Kaiser berufen? Hat Gott etwa Saddam, den Schah von Persien, Chomeini, Assad, Feisal und andere Könige und Herrscher berufen?” Die Herrschenden täuschen das Volk und fragen: “ Wenn eine Theokratie besteht, dann werdet ihr von Gott geführt. Wollt ihr euch darüber beschweren?” Und weil das Volk die wahren Grundlagen des Islam nicht kennt, kann es die folgenden Fragen nicht stellen: “Nur Propheten können eine Theokratie leiten. Aber wenn die Zeit der Propheten abgeschlossen ist, wie kann dann eine Theokratie fortgeführt werden? Seid ihr denn Propheten, dass ihr euch auf Gott beruft und uns regieren wollt?” Nach dem Koran sollen sich die Regierenden und Herrschenden auf die Prinzipien der “schura” (das System der Beratung und Kontrolle) und “bajat” (den Gesellschaftsvertrag) stützen. Gott hat dem Propheten Mohammed, den er selbst gesandt hat, aufgetragen, sich auf diese beiden Prinzipien zu stützen. Was der Koran über das Regieren und Herrschen sagt, ist klar und deutlich: Die Zeit nach dem Propheten Mohammed ist die Zeit der “schura” und “bajat”. Das heißt, an die Adresse der Herrschenden gerichtet: “Ihr werdet das Volk führen und leiten, ihr werdet von den Menschen die Legitimation hierzu erhalten, ihr werdet gewählt werden. Und wenn das Volk euch abwählt, dann sollt ihr gehen.”

 

Gibt es im wahren Islam (nach dem Koran) eine Stellverterter oder Repräsentant Gottes?

 

Der wahre Islam spricht Niemandem das Recht zu, ein Beauftragter, Stellvertreter oder Repräsentant Gottes zu sein. Einzig den Propheten steht es zu, im Namen Gottes zu sprechen und zu führen. Das Recht zur Führung eines Volkes kann nicht von Gott oder durch Geburt erlangt werden, sondern nur vom Volk und durch Wahlen geschehen. Dies bezeichnet der Koran als “bajat”. Das mittels “bajat” erlangte Recht zur Führung eines Volkes wird mit dem “schura” genannten System der Beratung und Kontrolle vollzogen. Dieses System stellt sicher, dass die Führenden die Geführten und umgekehrt – die Geführten die Führenden – einander kontrollieren. Auf der Grundlage der “schura” kann das Volk, welches über die Regierenden wacht, ihnen auch das Recht zur Herrschaft entziehen, falls es dies für notwendig erachtet.

 

Was bedutet Schura?

 

Die koranische Entsprechung für das demokratische Verfahren ist also die “schura” Weil sie im Koran erwähnt wird, konnte sie nicht völlig unterschlagen werden. Aber ihre Bedeutung wurde verzerrt wiedergegeben und so ausgeformt, dass sie dem traditionellen Islam ins Konzept passte. Von den Despoten im Nahen Osten wurde die “schura” darauf reduziert, dass der König oder der Sultan sich einige Ratgeber zulegen sollen. Der 1988 gestorbene islamische Gelehrte Fazlur Rahman sagt hierzu: “Schura, wie sie der Koran aufträgt, bedeutet nicht, dass jemand sich gelegentlich den Rat anderer einholt. Vielmehr bedeutet es wechselseitige Konsultation von Gleichberechtigten. Wer diese Konsultationen verweigert oder sie verzögert, weil sie angeblich nicht passen, ist ein Diktator, der im Widerspruch zum Islam steht.” Nach dem Verständnis des Korans leitet sich die Berechtigung zur Leitung des Staates also nicht aus der Religion oder dem göttlichen Recht ab, sondern aus dem freien Willen des Volkes. Der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Mohammed Iqbal (1877 bis 1938), stützte sich auf diese Aussagen des Korans, als er verlangte, die Berechtigung, Normen und Gesetze aufzustellen, sie den Rechtsgelehrten zu entziehen und einem Parlament zu übertragen. Zu diesem Zweck solle das Prinzip der “icma” (des Konsenses innerhalb der islamischen Gemeinschaft) im Geiste des Islams modernisiert werden. Iqbal war überzeugt davon, dass Republik und parlamentarische Demokratie das Regierungssystem darstellen, das dem Geist des Islams am Besten entspricht.

 

Was bedeutet Bajat? 

 

Der Koran entwickelte das Prinzip der “bajat”, also die Idee eines Gesellschaftsvertrags, viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution. Um zu regieren und zu herrschen, sollte mit jedem, egal ob Mann oder Frau, ein Abkommen geschlossen und Einverständnis erzielt werden. Selbst dem Propheten Mohammed wurde aufgetragen, sich bei der Führung der Gemeinde vom gesamten Volk, auch von den Frauen, eine “bajat” einzuholen (Sure 60, Vers 12). Die Prinzipien des Korans, die sich in Übereinstimmung mit der demokratischen Logik befinden, hat der amerikanische Nahost-Experte Leonard Binder in seinem Buch “Islamic Liberalism” folgendermaßen zusammengefasst: “Erteilt Gott oder das Volk die Berechtigung zum Regieren? Diese Diskussion ist so gelöst worden: Die ursprüngliche Berechtigung kommt von Gott, aber sie wird über das Volk an bestimmte Personen übertragen. Dass die Berechtigung zur Machtausübung, deren Quelle Gott ist, über das Volk auf von ihm ausgewählte Führer übertragen wird, ist Demokratie.”

Im Kern beduetet dies: Gott, der allmächtige Herrscher, gab dem Menschen eine Legitimation zum Herrschen. Der Mensch benutzt diese Legitimation, indem er bestimmten Personen ein Mandat überträgt und dabei die Prinzipien der “schura” und der “bajat” anwendet.

Der traditionelle religiöse Diskurs in den islamischen Ländern missachtet die Wahrheit dieser grundlegenden Prinzipien. Der ägyptische Gelehrte Abu Said ist der Ansicht, dass die traditionellen Gelehrten dies nicht aus Unkenntnis tun, sondern um die Wahrheit bewusst zu verheimlichen.

 

Koran und Verstand?

 

Der Koran hat dem Menschen die Allmacht entzogen und sie an bestimmte Prinzipien und Leitlinien gebunden. Werte werden von Gott gegeben und von ihm verfügbar gemacht. Dem Koran zufolge ist der erste dieser Werte der Verstand. In Sure 10, Vers 100 heißt es: “Und Gott zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen.” In die Rechtssprache der modernen Zeit übersetzt, heißt das: Die Herrschaft beruht auf den Prinzipien des universellen Rechts. Der Koran verweist immer wieder auf diese universellen Prinzipien. Der Koran ruft dazu auf, den Verstand zu benutzen, und kritisiert, wenn Menschen sich wie eine Herde Vieh verhalten. Das Volk darf niemanden zu seinem Hirten machen und sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiger Teil der zeitgenössischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert.

 

Was passiert in Österreich?

 

Faktum in Österreich ist, dass viele der islamischen Organisationen, die behaupten, Muslime zu vertreten, Verbände des POLITISCHEN ISLAMS, der eigentlich nicht auf dem wahren Islam, sondern einem traditionelle Islam und den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht, sind. Nach einem bedingungslosen Dialog mit Gruppierungen des “politischen Islams” muss etwas Wichtiges relativiert werden. Denn es zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung in Österreich ab. Unter dem Vorwand des Dialogs wird die Unwissenheit oder die Vorurteile mancher österreichischer Politiker, Verbände oder Kirchen über den politischen Islam ausgenutzt.

 

Sicherlich haben sie auch die Frage im Kopf: Schreibt der Koran der Frau wirklich ausdrücklich das Tragen eines Kopftuches vor?

 

Diese Frage kann klar und deutlich mit „Nein“ beantwortet werden. Der Begriff „Kopftuch“ ist nirgendwo in den 114 Suren des Korans, die aus 6263 Versen bestehen, zu finden. Es steht kein Begriff, der Kopftuch bedeutet, geschrieben. Jedoch ist es eine Tatsache, dass man in 3 Versen das Wort „hram“ (bedecken) finden kann, was sich jedoch nicht auf den Kopf, sondern auf die Frauen-typischen Körperteile bezieht. (Sure 24 Vers.31 und Sure 24 Vers 60 und Sure 33 Vers 59)

Nun betrachten wir aber einmal die Bibel, denn sowohl im Alten Testament, als auch im Neuen Testament wird das Kopftuch erwähnt. Zum Beispiel schreibt Paulus, der Begründer des altchristlichen Glaubens, in einem Brief an die Korinther, dass das Kopftuch ein Muss sei, dass sogar jede Frau, die kein Kopftuch trage, eine Hure sei. Noch heute tragen viele jüdisch-orthodoxen Frauen Kopftücher und vor allem früher sah man auch die meisten christlichen Frauen mit Kopftüchern. Schauen Sie sich doch einmal die Abbilder der Heiligen Mutter Maria aufmerksam an. Auf vielen ist auch sie mit einem Kopftuch zu sehen?

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Tragen des Kopftuches seinen Ursprung nicht im Koran hat, aber im Alten Testament und im Neuen Testament darüber zu lesen ist. Die Sumerer, die in Anatolien gelebt haben, waren die Begründer dieser Tradition. Das Tragen eines Kopftuches ist also eher als traditionelle Religionsausübung zu sehen und hat mit dem wahren Islam nichts zu tun.

 

Eine andere Frage ist, woher die Steinigung kommt.

 

Auch so etwas gibt es nicht im Koran. Es handelt sich hierbei um eine alte jüdische Tradition, die von Fundamentalisten und Traditionalisten übernommen wurde. Wenn Sie die Erzählungen aus der Bibel kennen, erinnern Sie sich bestimmt an jene, als eine Frau aufgrund sexueller Verbrechen gesteinigt werden sollte. Jesus Christus sagte: „Derjenige, der keine Sünde hat, werfe den ersten Stein.“ Somit haben wir festgestellt, dass die Steinigung seinen Ursprung in alter jüdischer Tradition findet, und somit nicht islamischer Herkunft ist.

 

Sicherlich stellen sich auch einige die Frage, ob eine Moschee und ein Minarett im Koran als Muss  vorgeschrieben werden.

 

Das Wort Moschee wird man im Koran nicht finden. Dem wahren Islam nach gibt es keine heiligen Orte wie die Synagoge oder Kirche. In vielen Versen wir jedoch gesagt: „Der Osten, der Westen, der Süden und der Norden gehören mir.“, was so viel bedeutet wie, dass keine bestimmten Orte zum Gebet vorgeschrieben werden. Man kann nämlich überall auf der Erde zu Gott sprechen. Das heißt, im Koran steht nichts über einen Ort, wo man zum Beten hingehen muss, es gibt keine bestimmten Gebetsorte, wo man Menschen sammelt und diese politisch missbrauchen könnte. Auch ein Minarett war nicht vorgesehen.

 

Quellen:

Koran, verschiedene Bücher und Artikel von Prof. Dr. Yasar Öztürk, Prof. Dr. Süleyman Ates, Prof. Dr. Hüseyin Atay, Dozent Dr. Mustafa Sag

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06 06 2010
By: Redaktion 2 0

Das Geheimnis des siebenten Sterns der türkischen Präsidentschaft ist gelöst: Jüdische Khazars

Wien/Istanbul-Das Ausbleiben der jüdischen Khazars ist nach 900 Jahren in den Kaukasischen Bergen wiederentdeckt worden. Die Khazars werden durch den siebenten Stern ( http://www.tccb.gov.tr/sayfa/cumhurbaskanligi/fors/ ) auf dem Schild auf der türkischen Präsidentschaft repräsentiert.

 

Sie wählten das Judentum, der türkische Stamm der Khazars errichtete ein sehr kraftvolles Königreich. Unterdrückt von den Christen und den aufstrebenden Islam wählten sie das Judentum als Religion. Diese Antwort versteckt sich in den Bergen und auf dem Schild der Präsidentschaft der türkischen Republik. Der siebente Stern repräsentiert die Khazars, die während des 12. Jahrhunderts so plötzlich verschwunden sind. Wohin gingen Hunderttausend jüdische Khazars?

 

Ein französischer Journalist suchte nach seiner Abstammung, Marek Halter hat dabei die Antwort auf das Mysterium an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Dagestan gefunden. In einer etwas anderen Stadt bei Krasnaya Sloboda, kann man türkische Juden finden. Diese Menschen haben türkische Namen und jüdische Familiennamen. Ihre Sprache ist eine Mischung aus türkischem Hebräisch und altem Persisch. Ihre Synagoge gibt einem das Gefühlt einer Moschee, abseits der Religion ist ihr Leben von dem anderer Türken nicht unterschiedlich, in ihren Gewohnheiten und in ihrem Alltag.

 

Die Stadt von Krasnaya Sloboda ist wie eine Stadt in Anatolia. Die Menschen sind im Café, trinken Tee und spielen Backgammon, der einzige Unterschied ist die judische Kopfbedeckung. (BK)

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05 06 2010
By: Redaktion 2 0

Antakya

In der Türkei: ANTAKYA auch ANTIOCHIA wo die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt sind! Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“

 

ANTAKYA auch ANTIOCHIA war eine der berühmtesten und wichtigsten Städte der Antike und des Orients, mit einer Geschichte, die ihr alles geschenkt aber auch alles wieder genommen hat. Im Jahre 300 v. Chr. wurde Antiochia von Seleukos Nikator, dem ersten Herrscher des Seleukiden Reiches gegründet und konnte bald als die Dritte Stadt der Antike zählen –  nach Rom und Alexandria in Ägypten. Auch nach der Besetzung durch die Römer (64 v.Chr.) änderte sich an der Bedeutung nichts. Die Römer bauten prachtvolle Aquädukte und Kanalisationsanlagen; selbst Straßenbeleuchtung war vorhanden.

 

Antakya war der Mittelpunkt von Leben und Handel. Der Fluß Orontes (Asi), der Mitten durch die Stadt fließt, verband Antakya mit dem Mittelmeer und die Karawanenwege mit Persien, Syrien und Indien machten die Stadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Antike. In Antakya wurden die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt (Apostelgeschichte 11.21 „Und es wurden die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt.“)

 

In byzantinischer Zeit war Antakya dann folgerichtig Bischhofssitz mit gleichen Rechten wie Konstantinopel und Alexandria. Noch heute gibt es in Antakya eine große Gemeinde von Christen, die ihren Gottesdienst auf arabisch halten. Im 6. Jahrhundert dann eine dunkle Zeit, in der Antakya von den sassanidischen Persern geplündert (540) und von Erdbeben zerstört wird. Im Jahre 638 fällt die Stadt in die Hände der Araber, die allerdings Aleppo (Halep) zum regionalen Zentrum machen. Antakya war Grenzstadt im byzantinisch-islamischen Dauerkonflikt. 969 erobern wieder die Byzantiner die Stadt, 1084 fällt die Stadt in die Hände der Seldschuken. Weltgeschichtlich bedeutend wird das Herzogtum Antiochia, welches die Ritter des ersten Kreuzzuges hier 1098 gründeten. Aus dieser Zeit stammt die Fassade der Kirche, in der die ersten Christen zusammenkamen (St. Pierre Felsenkirche). Sonst muss dieser Kreuzfahrerstaat eher kriegerisch als kulturbeflissen gewesen sein: Er war ständig mit Auseinandersetzungen mit Byzantinern, Arabern, Türken und dem armenischen Königreich in Kylikien verwickelt. Einen Bundesgenossen fand es in den berühmten Assassinen. Deshalb nahmen die Mameluken aus Ägypten auch heftige Rache an der Stadt, als sie sie 1268 eroberten. Erst 1517 erstürmten sie die Osmanen, diese behielten sie bis 1918. Doch schon vorher hatte Frankreich und England Interesse an der handelspolitischen Gegend mit der christlichen Minderheit gezeigt. Im Jahre 1916 wurde der Hafen von Alexandretta (Iskenderun) sechsmal bombardiert. 1918 besetzten die Franzosen Antakya und Iskenderun und bekamen beide Städte 1921 als Mandat. Doch gab es eine von den Kemalisten gestützte Widerstandstätigkeit, die langsam die französische Autorität untergrub. 1938 wurde dann der unabhängige Staat Hatay gegründet, der allerdings Aussen- , Währungs- und Zollpolitik mit Syrien teilen sollte. Den Namen Hatay gab Atatürk in Anlehnung an ein hethitisches Fürstentum der Gegend. Nach einem Plebiszit im Jahre 1939 beschloss das Parlament von Hatay, sich der Türkei anzuschliessen. Hatay wurde Provinz mit der Hauptstadt Antakya.

 

Stadtbild

 

Das Stadtbild des heutigen Antakya gliedert sich in zwei Teile, da der Fluss Asi Nehri (Orontes) die Stadt in das alte und das neue Antakya trennt. Der Wasserpegel schwankt in den Winter– und Sommermonaten extrem, da er für die Landwirtschaft im Sommer viel stärker genutzt wird und es im Winter viel mehr regnet. Das ältere Antakya erstreckt sich bergaufwärts (Habibneccar-Berg) und wird an der unteren Seite vom Fluss begrenzt. Über die Brücke gelangt man in das neuere Antakya, wo man sofort auf den zentralen Kreisverkehr trifft, worauf sich eine große Atatürk-Statue befindet, die in keiner türkischen Stadt fehlt. Direkt an dem Kreisverkehr befinden sich das berühmte archäologische Museum (auf das wir später noch eingehen werden), das große Postamt, ein Teil der Stadtverwaltung und das frühere Parlament der Republik Hatay, welches heute als Kino umfunktioniert wurde. Von dem Kreisverkehr geht unter anderem die Atatürk Cad. ab, in der man auf moderne Einkaufsmöglichkeiten trifft, welche teure Boutiquen ebenso einschließt, wie Handyläden und Internetcafés. Das große Viersterne Hotel (Büyük Antakya Oteli) weist den Weg in diese Straße.

Wenn man Erholung sucht, wäre auch der Antakya Stadtpark eine Alternative: prächtige Palmen und Nadelbäume spenden genügend Schatten für Café- und Teehäuser, sowie einen Minigolfplatz. Neben dem Park findet man auch das Sportzentrum, das ebenfalls das Stadtbad beinhaltet, wo auch wir oft Erholung suchen vor dem heißen Sommer. Der Basar von Antakya bildet das Zentrum der Altstadt, wo noch die traditionelle Aufteilung nach Gewerbe vorherrscht. Orientalische Gewürzhändler, Handwerker sowie Gold- und Silberschmiede schaffen eine typische Basar-Atmosphäre. (nicht vergessen, immer handeln!).

 

Interessante Orte

 

Wie schon erwähnt, befindet sich im Stadtzentrum das Archäologische Museum von Antakya. Hier findet man eine beeindruckende Sammlung von Mosaiken, welche alle aus Antakya und Umgebung stammen. Es ist eine der bedeutendsten und besterhaltensten römischen Sammlungen der Welt. Leider bediente sich die französische Mandatsmacht allzu oft aus den historischen Funden ( Herzlichen Dank an dieser Stelle!). In Antakya befinden sich einige christliche Gotteshäuser; darunter drei große: Die bedeutendste davon, die St. Pierre Kirche, ist die älteste Kirche der Welt (vom Vatikan als solche anerkannt!), hier hat einst Petrus gepredigt, welcher die ersten Christen (erst hier wurden die Anhänger von Jesus Christus „Christen“ genannt) in dieser Grottenkirche zum Gebet versammelte. Neben einem restaurierten Altar und einem Brunnen für Weihwasser beinhaltet dieser Gebetsraum auch einen zugeschütteten Fluchttunnel, welcher in der damaligen Zeit auch nötig war. In dieser Kirche werden heute noch Messen abgehalten. Des weiteren sind in Antakya vertreten: Eine katholische Kirche, die leicht zu übersehen ist (,jedoch ein für das Auge sehr entzückendes Leckerbissen darstellt), die orthodoxe Kirche, dessen Tür für interessierte Besucher stets geöffnet ist und eine neu erbaute protestantische kam kürzlich hinzu.

Eine perfekte Aussicht auf Antakya bekommt man, wenn man auf die alte Zitadelle (besteht nur noch aus Ruinen) fährt, die sich auf dem Berg befindet. Hier wird man von einem alten weisen Mann begrüßt, der die Anlage Überwacht und Touristen in Empfang nimmt, man sollte sich nicht wundern, wenn man ein Fernglas angeboten bekommt, um die Aussicht zu geniessen. Ausserdem kann man sich da in einem Gästebuch verewigen.

Die Leute aus Antakya erholen sich in den langen Sommermonaten im ca. 5 km entfernten Harbiye, das mit seinen vielen Wasserquellen die gesamte Stadt Antakya mit Wasser versorgt. Das Felsquellwasser aus Harbiye und die riesigen Lorbeerbäume der Umgebung kühlen dieses Tal auf eine angenehme Temperatur. Nach einer Legende soll hier einst Kleopatra geheiratet haben. Wir selbst sind an manchen Wochenenden auch dort, um zu grillen. Ganz in der Nähe dazu befindet sich ein künstlich angelegter See, der von Nadelbäumen umschlossen ist.

 

Umgebung und Meer

 

Man sollte nicht vergessen, dass Antakya nicht weit vom Meer entfernt liegt. Nach 20 Minuten mit dem Auto gelangt man nach Samandagi. Dieser kleine Ort liegt direkt am Meer, wo die Leute aus Antakya und Umgebung baden. Von hier aus kommt man schnell (5min) nach Cevlik, wo man zuallererst den Titus-Tunnel zu einer kleinen Entdeckungsreise begehen sollte. Auf den Spuren von Kaiser Titus/Vespasian gelangt man durch eine Schlucht und anschließend durch einen dunklen Tunnel ( doch Vorsicht, zeitweise kann man seine eigene Hand nicht vor Augen sehen). Danach verliert sich die Schlucht in den Bergen. Vor dem Tunnel befindet sich eine Felsenbrücke, sowie eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu einer antiken Begräbnisstätte führt. Nach der Rückkehr von der Entdeckungsreise, kann man sich im Meer erfrischen. Im wesentlichen gibt es drei Strände, wo man schwimmen kann: Der Strand direkt an Samandagi, der Strand von Cevlik und die Buchten bei Meydan. Wir bevorzugen Meydan, da es dort Buchten gibt, die nicht einmal die Einheimischen kennen und dieser Strand im Gegensatz zu den beiden erstgenannten immer sauber ist. Doch der Weg dorthin ist sehr beschwerlich wofür man jedoch belohnt wird, denn man wird der einzige Badende sein. Nach Meydan gelangt man wenn man der Landstraße nach Samandagi folgt. Direkt am Ortsschild biegt man nach links, in Richtung Yayladagi ab und folgt der Beschilderung. Diese Bilder sprechen für sich.

 

Verschiedene Gesichter in Antakya

 

Die Bevölkerung in Hatay/Antakya ist extrem heterogen und ist keinesfalls typisch türkisch. Wer genau hinhört wird feststellen, dass in den Strassen, Basars und Dörfern arabisch gesprochen wird. Antakya besteht zum größten Teil aus „arabischen Türken“, die den Aleviten zuzuordnen sind. Antakya besitzt auch über eine beachtliche Gemeinde arabischer Christen , welche Ihre Gottesdienste ebenfalls in arabischer Sprache abhalten und der katholischen und der orthodoxen Kirche zuzuordnen sind. Antakya ist auch Pilgerstätte für viele Christen aus der ganzen Türkei, da hier wie schon erwähnt die erste christliche Gemeinde entstand. Antakya ist ein echtes Beispiel für ein multikulturelles Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen in Frieden, was auch keiner Illusion entspricht, sondern Realität widerspiegelt: Aleviten, Sunniten, griechisch-, syrisch- und armenisch- Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Türken, Araber, „Turkoaraber“ (Was guckst Du?-mässig), Juden … und etwaige Kombinationen aus solchen, dessen Summe die einzigartige Atmosphäre dieser ruhigen Mittelmeer – Stadt an der Südküste der Türkei ihr Antlitz verleihen.

 

Lieber Leser, liebe Leserin, wenn Du selbst aus Antakya (und Umgebung kommst) hoffen wir, dass Du dich in diesem Text wiederfindest. Wenn Du nicht aus Antakya kommst, hoffen wir, dir einen interessanten Einblick unserer Heimatstadt vermittelt zu haben.

 

Quelle:

Euer Askarclub

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03 06 2010
By: Redaktion 2 0

Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge

Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

 

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet2 für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

 

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim3 beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

 

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

 

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

 

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.
In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

 

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos5 und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt. Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

 

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest8 wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

 

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

 

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet10 wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

 

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

Bibliographie

_________________________

1 Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3 Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4 Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5 Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6 Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7 Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8 Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9 Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10 Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11 Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

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05 05 2010
By: Redaktion 2 0

Dokumentarfilm: „Hoffnungslose Stunden“

Die wenig bekannte Geschichte der Türkei und des Holocaust

 

Desperate Hours ist ein 60-minütiger Dokumentarfilm, der von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit The Berenbaum Group und Shenandoah Films realisiert wurde. Der Film erzählt die Geschichte von zwei alten Völkern – den Türken und den Juden Â- deren Wege sich seit Hunderten von Jahren miteinander kreuzen. Der Fokus des Films liegt in der wenig bekannten Geschichte der Türkei und des Holocaust, welche durch Gespräche mit den Überlebenden, ehemaligen Diplomaten, und den Geistlichen in Israel, Italien, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika erzählt wird. Durch den Film wird den Zuschauern nahe gebracht, welce Rolle die Türkei, welche ein neutrales Land war, bei der Rettung der Juden während des Holocaust spielte.

 

Regisseur und Produzent: Victoria Barrett

Produktionsleiter, Historiker und Drehbuchautor: Michael Berenbaum

Vorgestellt von MainStreet Media in Zusammenarbeit mit

The Berenbaum Group und Shenandoah Films

 

 

Ein Lehrerführer für Oberschulen

The Rodgers Center für die Holocaustlehre

und

Schulische Bildung

Chapman University

Orange, California

Vorbereitet von

Elyse Froehlich, Lehrer, Oakridge Schule

und

Jan Osborn, School of Education, Chapman University

In „Hoffnungslose Stunden” werden manche einen sicheren Himmel finden.

 

Der Film vermittelt, welche Bemühungen viele unbekannte Helden, die das Leben von tausenden Juden gerettet haben, unternommen haben. Die Dokumentation erzählt einerseits die Geschichte derer, die durch die Rettung der Juden als großes Beispiel vorangegangen sind. Andererseits wird aber auch die traurige Geschichte von hunderten unschuldigen Menschen erzählt, die sich auf dem Frachter „Struma“ befanden, als dieser von den Torpedos der russischen Marine vor den Toren Istanbuls am Schwarzen Meer versenkt wurde.

 

Der Film wurde in vier Hauptteile geteilt:

  • Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung – und diejenigen mit jüdischer Abstammung sowie politische Dissidenten, die der Unterdrückung des Nazi-Deutschland entflohen waren.
  • Die Bemühungen der türkischen Diplomaten, die in Frankreich und Rhodos versuchten, das Leben der Juden zu retten.
  • Die Versenkung des Flüchtlingsfrachters „Struma”
  • Die Aktion der römisch-katholischen Kirche durch Erzbischof Roncalli (späterer Papst Johannes XXIII.) – und die Veränderungen in der Politik der katholischen Erziehung gegenüber den Juden.

 

 

Hoffnungslose Stunden

 

I. Die Anstellung der Juden von der türkischen Regierung, die von der Unterdrückung des Nazi-Deutschland geflüchtet sind.

 

A. Ein historischer Überblick: Flüchtlinge helfen eine Nation zu gründen.

 

Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der modernen türkischen Republik, leitete sein Land durch Gewährung des Asyl Status zu dem aus dem Nazi Deutschland fliehenden Akademiker. Motiviert durch das Verlangen der Modernisierung ihrer Gesellschaft, begrüßten türkische Führer jüdischer Professoren und Wissenschaftler, einschließlich jener, die jüdischer Herkunft mit christlichem Glauben waren. Ungefähr 200 Menschen wurden in das türkische Bildungssystem integriert. Darüber hinaus genossen die türkischen Juden Gleichstellung vor dem Gesetz, weil das türkische Grundgesetz die Diskriminierung der Bürger wegen des Glaubens verbietet. Die Ironie in dieser Sache war, dass Atatürk die jüdischen Professoren und diejenigen mit jüdischer Abstammung deshalb herzlich begrüßte, weil er sie als die Agenten der Modernisierung und Westernisierung, als Agenten der Veränderung betrachtet hatte. Aber genau aus diesem Grund wurden sie von den Nazis in Deutschland verfolgt.

Während Mustafa Kemal Atatürk die irischen Gelehrten und Professoren in seinem Land herzlich begrüßt hatte, haben andere Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika, wenig getan, um den von den Nazis verfolgten jüdischen Opfern Asyl zu gewähren.

Die Beziehungen zwischen den Flüchtlingen und den Asyl-Gewährenden waren von Anfang an sehr herzlich. Die Flüchtlinge tauchten unverzüglich in eine neue moderne Kultur, die der eigenen europäischen Art des Lebens glich.

Die jüdischen Flüchtlinge haben eine Gesellschaft gefunden, die seit Jahrhunderten die Juden als einen integrierten Teil ihrer Gesellschaft akzeptiert. Im Jahr 1492 lud der osmanisch-türkische Sultan Bayezit II. alle Juden zu sich ein, die von der Verurteilung der spanischen Unterdrückung mit dem Namen ”reconquista” der Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon geflohen waren. Aus diesem Grunde fanden diese Flüchtlinge ein gesundes jüdisches Gemeindeleben in der Türkei.

 

 

II. Türkische Diplomaten in Frankreich und Rhodos arbeiten, um das Leben der türkischen Juden zu retten.

 

A. Historischer Überblick: Die Taten des Gewissens

 

Wenn man mit ethischen Situationen konfrontiert wird, welche die Taten von großem Ausmaß benötigen, ist die allgemeine Reaktion dazu, dass es sehr wenige Möglichkeiten gibt, die eine einzige Person unternehmen kann, dass die Unternehmungen einer einzigen Person zu bedeutungslos wären um eine Wirkung zu zeigen. Trotzdem zeigten türkische Diplomaten während des Zweiten Weltkriegs, dass die einzelnen Personen auch große Wirkung zeigen können. Die türkischen Diplomaten, die mit oder ohne Zustimmung der Regierung der Türkei handelten, retteten das Leben vieler ihrer Landsleute, die in Frankreich in Griechenland und in anderen Teilen Europas lebten.

In den von den Deutschen besetzten Teilen Frankreichs und in Vichy Frankreich, welches nicht von Deutschen besetzt war, jedoch von einer Deutschen untergeordneten Regierung geführt war, verlangten die türkischen Diplomaten in ihrer Politik die volle Anerkennung der Staatsangehörigkeit der türkischen Juden außerhalb der Türkei sowie in der Türkei ohne einen Unterschied zu machen ob sie Juden, Muslime oder Christen sind. Für die türkischen Juden, die in den von den deutschen besetzen Ländern lebten, erwies die türkische Staatsangehörigkeit die Rettung der Leben vieler türkischen Juden in den Kriegsjahren. 1943 verlangten die Nazi-Behörden, dass die neutralen Länder inländische Landsleute aus den besetzten Gebieten evakuieren sollten, sonst würden sie in Konzentrationslager deportiert werden. In dieser hoffnungslosen Situation handelten viele türkische Diplomaten mit Standfestigkeit und Mut bei der Rettung der ca. 2000 türkischen Juden. Ein exemplarischer Akt des Intervenierens war die Fahrt eines türkischen Diplomaten mit einem Zug, der auf dem Weg zu einem Konzentrationslager war. Er weigerte sich, ohne die Juden mit türkischer Staatsangehörigkeit aus diesem Zug auszusteigen.

Die türkischen Diplomaten waren bereit, ihre Positionen auszunutzen um humanitäre Hilfe zu leisten. Deren Tapferkeit konnte die Exterminierung der Juden nicht aufhalten, retteten jedoch Tausende, die vor einem sicheren Tod gestanden haben. Weil sie von ihrer Regierung so beauftragt wurden, beharrten sie auf ihrem Auftrag ihre Landsleute ohne Diskriminierung zu schützen, ohne ihren Vorgesetzten in der Regierung in Ankara zu konsultieren.

In dem wir tun, was wir können, auch wenn unsere Taten nicht signifikant sein mögen, können wir dennoch einen Einfluss auf die Gesellschaft haben. By doing what we can, even when our actions may seem insignificant, we too can have an impact on society. Wenn wir uns mit anderen zusammenschließen, um positive/ gute Taten zu vollbringen, wird unser Einfluss steigen und entscheidende Veränderungen im Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft können ermöglicht werden.

 

 

III. Das Versinken des Flüchtlingsschiffes „Struma“ (The sinking of the Struma refugee ship)

 

Die Staatsgesetze und Bürgerrechte können Menschen helfen, sogar soweit, dass sie Leben retten können. Das Konzept eines ethisch-humanitären Verhaltens kann sowohl die Handlungen des Einzelnen als auch die der Institutionen formen. Das Versinken der SS Struma lässt ernsthafte Fragen über Ethik, Bürgerrechte, Staatsgesetze und (äußerstes) Verantwortungsbewusstsein entstehen.

In den 30er Jahren wurde die Situation der Juden in vielen Teilen Europas immer aussichtsloser. Viele versuchten, aus ihrer Heimat in judenfreundlichere Nationen zu fliehen. Palästina stellte hierbei eine offensichtliche Möglichkeit dar, da man hoffte aufgrund der Vielzahl an jüdischen Einwanderern hier einen jüdischen Staat gründen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war Palästina unter der Herrschaft von Großbritannien. Beunruhigt durch eine mögliche Antipathie der Araber, formulierten 1939 britische Beamte ein Weißes Papier, das die Zahl an jüdischen Einwanderern auf 10.000 pro Jahr beschränkte. Aufgrund dieser Beschränkung war es kaum möglich, dem Bedarf der Millionen von in Europa unter Risiko lebenden Juden gerecht zu werden. Nichts desto trotz stellte Palästina einen der besten und gleichzeitig einen der wenigen Möglichkeiten als jüdischen Zufluchtsort dar.

Die SS Struma war ein Flüchtlingsschiff mit annähernd 800 Juden, das im Februar 1942 aus Rumänien nach Palästina aufbrach. Als dann plötzlich die Maschine versagte wurde das Schiff in den Hafen von Istanbul geschleppt. Den hungernden Passagieren war es für 71 Tage nicht erlaubt das Schiff zu verlassen, während dessen um ihr Schicksal verhandelt wurde. Großbritannien verweigerte den jüdischen Passagieren den Eintritt nach Palästina und auch keine andere Nation – auch nicht die Türkei, welcher durch Russland angedroht wurde, im Falle einer Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge „Neutralität “ zu verlieren und somit in den Krieg beizutreten- konnte den Flüchtlingen Eintritt gewähren. Als schließlich die Maschine nicht repariert werden konnte wurde das Schiff in neutrales Gewässer gebracht. Dort aber wurde es durch ein russisches U-Boot versenkt. Hierbei starben alle bis auf einen Passagier.

 

 

IV. Die römisch- katholische Bewegung unter Erzbischof Roncalli und die Veränderung der katholischen Lehre bezüglich des Judentums (The Roman Catholic action—through Archbishop Roncalli—and the change in Catholic teaching toward Jews)

 

Während der Papst und der Vatikan für ihr tatenloses Zusehen bei der Ausrottung der Millionen europäischen Juden heftigst kritisiert worden sind, sind die eifrigen humanitären Taten des Erzbischofs Angelo Roncalli, jüdische Leben zu retten, ein Testament des Mutes und der Gewissenhaftigkeit.

Roncalli, der später Papst Johannes der XXIII wurde, war zunächst ein apostolischer Abgeordneter, quasi ein Botschafter des Vatikans in der Türkei, da die laizistische/ säkularisierte keine regulären Botschafter mit dem Vatikan austauschte. Als apostolischer Gesandter – nur die regulären/formalen Botschafter werden als Papal Nunico bezeichnet – in Istanbul zwischen 1935 und 1945, verhandelte er im Interesse der jüdischen Flüchtlinge, die in die Türkei geflüchtet waren, mit der türkischen Regierung.

Er versuchte auch Regierungsbeamte in Bulgarien, der Slowakei und Ungarn zu überzeugen, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen und zu schützen, genauso wie er den Vatikan anhielt, sich aktiv am Retten jüdischer Leben zu betätigen.

Er traf sich mit Repräsentativen der Jüdischen Gemeinde in Istanbul um seine Hilfe bezüglich der Befreiungsbemühungen/ Flüchtlinge anzubieten, vornehmlich indem sog. „Immigrationszertifikate“ durch den vatikanischen diplomatischen Dienst an Palästina ausgestellt werden sollten. Er stellte ein offizielles Dokument aus, welches angab, dass der „Träger dieses Dokuments ein Glaubens- und Landesgenosse Jesu Christi sei“. Er wollte keine falschen Taufdokumente ausstellen, da ihn dies zum Lügen gezwungen hätte.

Roncallis Erfahrungen in der Türkei während des Holocaust prägten sein Denken und Handeln als späterer Papst, besonders als er entscheidende Annäherungen zwischen Katholischer Kirche und dem Judentum einleitete.

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08 04 2010
By: Redaktion 2 0

Frauen in der Türkei, Frauen im Islam

Von Prof. Dr. Beyza Bilgin

 

Einführung

Untersuchungen über Frauen und besonders über den Platz und die Rolle der Frau im Islam haben inzwischen ein weltweites Interesse erfahren. In der Türkei wurden unter dem Namen „Frauenstudien“ Lehrstühle eingerichtet und Institute gegründet, ebenso werden Konferenzen zum Thema „Die Rolle der Frau in der Religion“ abgehalten. In den theologischen Fakultäten werden sehr oft Thesenpapiere und Dissertationen angefertigt, die ausgehend von allen Gesichtspunkten der Theologie den Platz und die Rolle der Frau in vielfältiger Weise untersuchen und zur Diskussion stellen. Die weltweite Anknüpfung eines Dialoges mit ähnlichen Instituten hat zu einer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Frauenstudien geführt.

 

Seit Beginn der schriftlichen Niederlegung der Geschichte bis heute waren es in den meisten Fällen die Männer, die eine Entscheidung zu treffen hatten, und alle auch schriftlich niedergelegten Äußerungen wurden bis dahin unter männlichen Gesichtspunkten formuliert; eine solche Aussage trifft sehr wahrscheinlich den Kern der Wahrheit. Mit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fing man an, Geschichte auch unter weiblichen Gesichtspunkten darzulegen und zu formulieren (was zu dem parallel laufenden Begriff Herstory zu History führ-te). Es wird trotzdem weiter behauptet, dass in der Fortführung der männlichen Bestimmung über das Leben die monotheistischen Religionen der Zivilisationsgeschichte den prägendsten Stempel aufgedrückt hätten; der Islam, dessen gesellschaftliche Lebensformen auf der Trennung von Mann und Frau aufbauen, steht dabei an vorderster Stelle.

 

Es wird dabei betont, dass im Islam die Frau niemals im Besitz der gleichen Rechte wie der Mann sei, sondern im Gegenteil eine religiöse Spaltung, die das wichtigste Element der Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung und des gesellschaftlichen Friedens darstellt, stets von den Frauen ausgeht. Religiöse Spaltung (fitne) ist ein arabischer Terminus, der die Bedeutung Verführung, Schlechtigkeit oder Aufstand trägt. Die scharfe Kontrolle des Geschlechtslebens der Frau und ihres Verhaltens in der Geschichte des Islam hat ihren Grund in dieser den Frauen zugeschriebenen religiösen Spaltung. Die Trennung der Geschlechter ist in allen Lebensbereichen sehr deutlich, wobei der öffentliche Bereich außerhalb des Hauses dem Manne untersteht und der private Bereich innerhalb des Hauses der Frau. Durch die Akzeptanz der Aussage, Männer stünden über den Frauen und seien als etwas Höheres geschaffen, wird gefolgert, dass in dem Fall, in dem die Männer den Worten der Frauen Beachtung schenkten und auf ihre kapriziösen Verhaltensweisen eingingen, sie sich dem Willen Gottes widersetzen würden.

 

Quelle:

Islam, Staat und moderne Gesellschaft in der Türkei und in Europa
Die Referate zweier Konferenzen der KAS im Oktober 2003 und November 2004, sind in dieser Publikation zusammengefasst. Die Publikatoiin kann bei der Stiftung bestellt werden. (Deutsch/Türkisch)
Hrsg. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

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22 10 2005
By: Redaktion 2 0

IKG Präsident Muzicant: „Gestern Juden – Heute Muslime“

Muzicant im STANDARD-Gespräch zur FPÖ: „Nur dieses Mal nicht die Juden.“

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde warnt vor der „Hetze“ der Freiheitlichen

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2005)

Wien – Es sei um seine Glaubwürdigkeit gegangen, wird der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, später sagen. Nach der feierlichen Eröffnung des ehemaligen jüdischen Betpavillon im Alten AKH in Wien-Alsergrund. Seine Rede war zu einer Abrechnung mit dem Wahlkampf der Wiener FPÖ geworden, der mit Slogans wie „Pummerin statt Muezin“ oder „Freie Frauen statt Kopftuchzwang“ schon den Protest der Islamischen Glaubensgemeinschaft hervorgerufen hatte.

Muzicant im Gespräch mit dem STANDARD: „Als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde fühle ich mich verpflichtet, wenn ich schon so eine Stätte eröffne, massiv davor zu warnen, dass zwischen dem, was die Antisemiten und Nazis in den 20er- und 30er-Jahren gemacht haben und dem, was die FPÖ-Politiker in diesen Wochen treiben, kein großer Unterschied ist. Wohl betont: 20er- und 30er-Jahre.“

Und weiter: „Die sagen’s jetzt gegen die Moslems, verunglimpfen eine Religionsgemeinschaft und deren Vertreter, beschimpfen Moslems, dass sie keine ordentlichen Österreicher sind und so weiter.“ Das sei unerträglich.

„Es sind nur dieses Mal nicht die Juden sondern die Moslems. Aber die Diktion, die Sprache, die Vergleiche, die Unwahrheiten, die Hetze waren genau das selbe“, meint der IKG-Präsident.

 

Es sei, so Muzicant, „eine Schande für unsere österreichische Heimat, dass im Jahr 2005 so etwas möglich ist. Und dann wundern wir uns, wenn man uns im Ausland als Nazis beschimpft.“ Für den IKG-Präsidenten ist längst „die Grenze überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist. Wenn ich gegen eine Religionsgemeinschaft hetze, dann ist das in meinen Augen nicht mehr zulässig.“

 

Dass FP-Chef Heinz-Christian Strache ihn klagt, glaubt Muzicant nicht, denn: „Was will er klagen? Dass die Nazis gesagt haben, die Juden stehlen den Österreichern die Arbeitsplätze? Dass gesagt wurde, die Juden nehmen den braven Österreichern die Wohnungen weg? Das haben sie gesagt. Und das ist genau derselbe Stil.“

 

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2005)

Links und Foto-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ariel_Muzicant

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15 09 2005
By: Redaktion 2 0

Sephardic Heritage Tour to Turkey – 2005

By Dr. Eugene Normand

 

Highlights in Istanbul

 

Eight members of Sephardic Bikur Holim and three Jews from the greater Seattle area took part in a Sephardic Heritage tour that visited Turkey for almost two weeks. The SBH members are Zalie Cordova Lester, Lilly DeJaen, Isaac and Elisa Azose, Albert S. and Jean Maimon and Esther and Eugene Normand. The three non-Sephardic Seattleite tour participants were John Friedmann, Michael Krasik and his wife, Nancy Geiger. The tour was arranged through Asia Minor Tours of Florida and the connection with Asia Minor was made through John Ufuk Gokcen, the Turkish Consul in Seattle who is known to several SBH members.

 

The tour included stops at cities and towns in Turkey with special meaning to the SBH members. Thus we visited Bursa, Tekirdag and Marmara. Bursa is the birthplace of the mother of Isaac Azose and of the father of Albert Maimon and Esther Normand. These Maimon family ancestors, as well as the fathers of Lilly DeJaen and Zalie Lester, all spent a good number of years in the city of Tekirdag. In addition, the mother of Lilly DeJaen grew up in the town of Marmara on the island of Marmara in the Sea of Marmara, so we stopped at Marmara too.

 

We spent more than a week in Istanbul and visited other parts of Turkey too, some with Jewish connections and others linked to the prominent civilizations that occupied what is now Turkey in previous centuries, such as the Greeks, Romans, Byzantines, Ottomans and the Turkish Republic. This section of the article reviews the Jewish highlights of what we saw in Istanbul, in both text and pictures.

 

The tour was made practical and extremely enjoyable due to the invaluable assistance and detailed knowledge provided by our tour guide, Izak Eskinazi, and through the helpful arrangements made by the tour company in conjunction with Lina Filiba, the Executive Director of the Jewish community of Istanbul. Lina had been in Seattle about two years ago and so several of the SBH members on the tour had forged friendly ties with her (her husband is a cousin of SBH member Ike Bensussen). One part of the arrangements was the kosher dinners that were brought in to our four-star Istanbul hotel (Richmond in the Beyoglu district) from the kitchen of the Jewish old age home in the Haskoy district.

 

 

Our first day was spent in the Galata district (European side, north of the Golden Horn waterway) which adjoins Beyoglu and so was within walking distance of the hotel. We visited the main synagogue, Neve Shalom, which has become a symbol of the Turkish Jewish community since it was attacked twice, in 1986 and then in 2003. In addition, we prayed Shachrit/Musaf services at Neve Shalom on both Shabbats that we were in Istanbul, and Hazzan Isaac Azose was given the honor of leading Musaf on the second Shabbat. Security is very tight at the synagogue, so arrangements for visitors wishing to say tefila on Shabbat have to be made in advance.

 

On that first day we met with Lina Filiba in what is essentially the Jewish Federation building and also with the Haham Bashi, Rabbi Izak Haleva. Lina explained the overall structure of the Istanbul Jewish community, which has been significantly modernized over the last 10 years. Joseph Haleva, the grandfather of SBH members Joe, Sol and Sam Haleva, had seven brothers when he left Istanbul almost 100 years ago and so it is possible that the Haham Bashi is related to our Haleva family.

 

We then walked to the new Zulferis Museum which is the first Turkish Jewish museum in the country, and was founded after the Quincentennial Anniversary in 1992 that celebrated the arrival of the Jews of Spain to Turkey. We were shown around the museum by President of the Board of the museum, Naim Avigdor Guleryuz. One particular surprise he pointed out is that the Aron Kodesh used to house a full-size diorama of a hatan and kalah at their boda (bride and groom at their wedding) is the Aron that was taken from the synagogue in Tekirdag. The Aron contains a dedication by Yeuda Moscatel, undoubtedly a relative of the SBH Moscatel families from Tekirdag. That evening the group was invited to a showing of the movie, „The Last Sephardi“ and a talk by the protagonist of the movie, Rabbi Eliezer Papo of Jerusalem. Rabbi Papo organized an intense 2-week program in Ladino studies in Istanbul that was attended by about 10 students from Ben Gurion University (Beersheba, Israel) and 12 Jewish university students from Istanbul. The next night we were also invited to the „graduation“ ceremony of this Ladino program at an Istanbul University  that also featured a Flamenco performance.

 

Two days later we visited the old Jewish district of Balat (European side, south of the Golden Horn waterway). Many synagogues used to be active in this area, but now only two are in current use, only on Shabbat, the Ahrida and Yanbol synagogues, both having been established by the Greek Jewish community prior to 1492 and the arrival of the Jews from Spain. Both synagogues have been beautifully renovated in recent years. During the week they are opened up for visitors by the caretaker, Corrine Souriano, a niece of the late SBH member and former SBH President, Joseph Souriano. Our guide pointed out many other formerly Jewish buildings in the area. For lunch we were driven to the old age home in Haskoy, where we met Nesso Tizo, a former President and ate lunch, and Isaac Azose visited with his cousin Zelda Hafif, who works at the home. At the end of the day, we visited the beautiful apparel store, Ipek (silk) near our hotel, that is run by the brothers Izak and Simantov Calvo, who are nephews of the late Marco I. Calvo and are related to many of the SBH members within the Calvo family.

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