

Die Türkisch-Sephardische Musik ist ein Abenteuer, welches im Jahr 1492 begonnen hat. Sehr viele Juden (einige Historiker sind sich einig, dass es ca. 200.000 waren), welche von der Spanischen Inquisition aus Spanien vertrieben wurden, erreichten das osmanische Reich und wurden von Sultan Bayazid II. willkommen geheißen. Diese Juden, welche sich im ganzen osmanischen Reich niederließen, nannten sich selbst die "Sephardischen Juden", abgeleitet vom hebräischen Namen Spaniens, nämlich "Sepharad". Die Traditionen und die Kultur der Sephardischen Juden drangen durch die Jahre zu uns durch, ihren eigenen charakteristischen Pfad folgend, welcher sich langsam in "Türkisch-Sephardisch" umwandelte.
Die Sephardischen Juden brachten eine spezifische Sprache und Musikkultur mit sich. Die Sprache, die sie mitbrachten, war im Grunde genommen das Spanisch aus dem 15. Jahrhundert. Wie auch immer, im Laufe der Jahre entwickelte sich diese Sprache mit dem Einfluss der anderen Sprachen und wurde schließlich bekannt als "Judeo-Spanisch", die Sprache der Sephardischen Juden. Die Sephardischen Juden konnten die meisten Aspekte ihrer Sprache und Kultur in der Atmosphäre von Toleranz, welche im osmanischen Reich herrschte, bewahren. Heute stirbt das Judeo-Spanisch langsam aus, denn es hat seine Basisfunktion für die Sephardischen Juden verloren.
Die Musikkultur, welche im 15. Jahrhundert in Spanien dominierte, wurde "Romansa" genannt. Die Romansas waren anfangs epische Lieder, die Geschichten von Tapferkeit und Kriegen des Adels erzählten. Diese Erzählungen wurden dann vom einfachen Volk übernommen. Die Geschichten nahmen jeden Tag mehr Ausführungen der Themen auf. Die Musiktradition, welche die Sephardischen Juden ins osmanische Reich brachten, bildete diese Art von Liedern grundlegend. Im Laufe der Jahre wurde die Sephardische Musik außerordentlich von der Türkisch-Klassischen Musik und anderen Musikkulturen beeinflusst. Mit der Zeit vermischten sich all diese Einflüsse miteinander und es erschienen viele Lieder, die sich aus den Themen Liebe, Klatsch und Tratsch, Eifersucht, den alltäglichen Geschehnissen und allen Arten von persönlichen Beziehungen und Gefühlen zusammensetzten. Die Sprache, die in diesen Folk-Liedern benutzt wird, war immer schon Judeo-Spanisch. Neben den vielen originalen, aber anonymen Kompositionen gibt es auch viele Melodien, die von bekannten Personen dieser Zeit, welche auch lyrische Lieder in Judeo-Spanisch geschrieben haben, ausgeborgt wurden. Unter den tausenden Liedern, die durch Jahre hindurch von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurden, gab es auch gewisse Melodien, die viele verschiedene Lyriken hatten und auch gewisse Lyriken, die viele verschiedene Melodien hatten.
Ein anderer Aspekt der Türkisch-Sephardischen Musik ist die liturgische Musik. Die Tradition von religiöser Musik, die in türkischen Synagogen gespielt wurde, wurde auch von Generation zu Generation weitergegeben. Die Lyriken der Sephardischen religiösen Musik waren immer in hebräischer Sprache, die Melodien jedoch wurden in Türkisch-Klassischer Musik gespielt. Diese Melodien wurden bis zum Jahr 2002 nie aufgenommen oder archiviert.
Viele Musikwissenschafter und Musikethnologen, die für Forschungen in die Türkei gekommen sind, interessierten sich hauptsächlich für die Folk-Lieder in Judeo-Spanisch. Wie dem auch sei, die meisten dieser Forscher konnten den Großteil der Melodien, der unter Einfluss der türkischen, klassischen Musik komponiert wurde, nicht schreiben, denn diese Kompositionen haben ein völlig anderes Notenschrift-System. Auch wenn diese Forscher hunderte von Liedern zusammengestellt haben, gibt es trotzdem noch viele, die im Stil der Türkisch-Klassischen Musik komponiert wurden. Es ist dieser spezielle Teil des Sephardischen Erbguts, das sich die Gruppe "Los Pasharos Sefaradis" im eigenen Auftrag bewahrt hat.
LOS PASHAROS SEFARADIS
"Los Pasharos Sefaradis" haben einen Meilenstein mit der Wiederbelebung der Türkisch-Sephardischen Kultur gelegt, indem sie die Sprache und die weltliche Form der Musik ihrer Vorfahren ernsthaft erforscht und studiert haben. Sie forschen bereits seit dem Jahr 1978. Sie sind in vielen jüdischen und nicht-jüdischen Kulturzentren in ganz Europa, den USA und in Mexiko aufgetreten. Eine der wichtigsten Charaktereigenschaften von "Los Pasharos Sefaradis" ist die Tatsache, dass sie, im Gegensatz zu allen anderen Interpreten der Türkisch-Sephardischen Musik im Westen, der Lyrik ihrer Lieder große Bedeutung und Wichtigkeit geben und dass sie darauf bedacht sind, jedes Wort deutlich auszusprechen. Die letzte Generation von türkischen Sephardim zu sein, die sehr gut Judeo-Spanisch sprechen, ist ein großartiger Vorzug. Ein weiterer Charakterzug ist, dass sie sich besondere Mühe geben, so authentisch wie möglich zu singen, genauso wie es ihre Großmütter gemacht haben. Das machen sie mit der orientalischen Technik, indem sie ihre Stimmen benutzen und jedes Lied ausspielen, damit ihre Zuhörer nicht an dem was sie singen zweifeln können.
"Los Pasharos Sefaradis" erforschen bis heute die Judeo-Spanische Kultur sehr extensiv. Das Resultat daraus ist eines der größten Archive der Judeo-Spanischen Musik zu besitzen. Das ermöglicht ihnen, ihr Repertoire jede Saison komplett auszutauschen, was die Zahl von Liedern in ihrem aktuellen Repertoire auf 400 ansteigen ließ.
"Los Pasharos Sefaradis" haben 5 Alben mit diesen weltlichen Judeo-Spanischen Songs: Los Pasharos Sefaradis Vol I, Vol II, Vol III; La Romansa de Rika Kuriel, und Kantikas Para Syempre. Ihre drei ersten Alben und ihr letztes Album sind ausverkauft. Deshalb haben Los Pasharos die zweite Auflage von ihrer CD "Kantikas Para Syempre" herausgebracht.
Am Beginn des Jahres 2001 begannen "Los Pasharos Sefaradis" sich für die liturgische Musik von Synagogen in Istanbul zu interessieren. Eine große Lücke in dem bereits veröffentlichten Material in diesem Bereich bemerkend, arbeitete die Gruppe ein ganzes Jahr an ihrem ersten Album "Zemirot: Türkisch-Sephardische Hymnen für Synagogen". Dieses Album erschien im September 2002 und ist bereits fast ausverkauft. Im Februar 2006 erschien ihr siebentes Album "Las Puertas" als Doppel-CD-Album.
Los Pasharos Sefaradis hat derzeit zwei Mitglieder:
Karen Gerson Sarhon / Gesang
Sie hat seit 1977 bei verschiedenen Amateur-Theateraufführungen mitgespielt. Sie graduierte in den Fächern Englisch und Literatur an der Universität Bogazici und hat auch Sozialpsychologie an derselben Universität und Sprachwissenschaften an der Reading University in Großbritannien abgeschlossen. Sie schrieb ihre beiden Magisterarbeiten über das Gebiet "Judeo-Spanisch". Sie war 20 Jahre Mitglied der Fakultät für Englische Sprache an der Universität Bogazici, bevor sie sich im Jahr 2003 zurückgekommen hat. Jetzt ist sie Koordinatorin im Osmanisch-Türkisch-Sephardischen Kulturforschungscenter (www.istanbulsephardiccenter.com), welches vor kurzem in Istanbul gegründet wurde. Karen hat Vorträge gehalten und ist seit der Gründung der Gruppe "Los Pasharos Sefaradis" eine der Leadsänger.
I. Izzet Bana / Gesang
Seit 1976 ist er in verschiedene Amateur-Theateraufführungen als Darsteller und als Regisseur involviert. Er hat die Judeo-Spanische Musik mehr als 25 Jahre lang erforscht und hat ein riesiges Archiv angelegt. Izzet Bana tritt auch als einer der Leadsänger in der Gruppe "Los Pasharos Sefaradis" auf, seit diese gegründet wurde.