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09 Sep
By: Redaktion 2 0

Christentum stammt aus der Türkei?

Man fragt uns Österreicher mit türkischer Abstammung, ob wir uns mit dem Christentum auskennen. Wir dürfen hier noch einen Schritt nach vorne gehen und Ihnen kurz und prägnant erzählen, dass in der Welt das Urchristentum und seine Verbreitung aus der Türkei stammt.

 

von Birol Kilic 

Hiermit möchten wir nur einen Überblick über das Urchristentum in der Türkei geben. Türkei als Land und Anatolien als Gebiet sind natürlich auch Orte, die bei den Österreichern stark mit dem Islam assoziiert werden. Was allerdings vergessen oder übersehen wird, ist aber, dass Anatolien eigentlich jener Ort ist, aus dem das Wort und das Konzept des Christentums stammt, und wo der christliche Glaube zum ersten Mal seine universelle Form bekommen hat.

Auch viele Orte, die für das Christentum von heiliger Bedeutung sind, liegen in Anatolien. Während die heutigen abendländischen Nationen mit Speeren auf die Jagd nach Hirschen gingen, bildete sich in Anatolien eine sesshafte Ackergesellschaft, wobei das Christentum die Hauptreligion Anatoliens wurde.

Die Bedeutung des Begriffes Christus und die erste Anwendung davon in Antiokeia im Süden der Türkei

Das Wort Christ stammt aus der hebräischen Sprache. Das Wort “mashia” bedeutet “mit Öl geschmiert, durch Öl gesegnet”. Die israelitischen Pfarrer und Könige wurden, wenn sie zum Einsatz kamen, mit Öl gesegnet. An vielen Stellen der Tora kann man über diesen Prozess lesen. Das Wort “Mashia” war ein Titel des israelitischen Königs. Die arabische Übersetzung des Wortes hat auch dieselbe Bedeutung, nämlich “mit Öl geschmiert”. Die griechische Übersetzung dafür lautet “Khristos”, woraus das Wort “Khristianos” abgeleitet wird. Und genau dieses Wort wird zum ersten Mal in Antiokeia (heute Antakya, liegt im Süden der Türkei) zum Ausdruck gebracht. “Khristos” bedeutet “Folger des Messias, Freund des Messias”.

Nun, wer war der Erste, der behauptete, dass Jesus derjenige Messias war, der von den Juden erwartet wurde? Einer der Ersten, der erkannte, dass Jesus der Messias war, hieß Simon. Nach dieser Anerkennung nannte Jesus den Simon Petrus, was auf Hebräisch “Felsen” heißt.  Folglich sagt Jesus:  “Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein”. Von diesen Sätzen von Jesus ausgehend, erklärte die katholische Kirche Jesus zum ersten Papst, und die erste Gemeinde wurde auf einem Felsen in Antiokeia erbaut. Der Glaube, den Jesus der Messias verbreitete, fand nicht nur in Jerusalem Anklang, sondern auch unter den Diaspora Juden. In einer der Versammlungen nahm auch ein Jude namens Saulus von Tarsus teil, der später zu einem Apostel wurde, und mit seinem römischen Namen Paulus auch weltweit bekannt wurde. Die Gedanken und der Glaube von Jesus waren eigentlich nichts anderes als eine Umformulierung des Judentums. Er selber meinte ja auch nicht, dass er eine neue Religion erfunden hatte. Zur Zeit Jesu war das Christentum eher eine Sekte des Judentums, dann aber kam Paulus.

Die geografische Welt des Paulus

Geboren wurde er in Tarsus, einer kleinen Stadt an der Südküste der heutigen Türkei, wahrscheinlich im Jahr 10 n. Chr. In Jerusalem absolvierte er sein Studium. Schon früh unternahm Paulus einige Missionsreisen in Kleinasien, Griechenland, Makedonien und auch auf Zypern, was nicht zuletzt zu seiner Verhaftung in Jerusalem führte. Er verbrachte einige Zeit im Gefängnis in Cäsarea am Meer und wurde schließlich in Rom hingerichtet. Dies ist die verkürzte Lebensgeschichte des Apostels Paulus.

Der politische Rahmen des Paulus

Das Römische Reich erstreckte sich zu Paulus‘ Zeiten von der Atlantikküste im Westen Spaniens und Nordafrikas bis hin zur Ostküste des Schwarzen Meeres, von der Nordseeküste bis zur äthiopischen Grenze im Süden. Ein riesiges Rechteck mit dem Mittelmeer im Zentrum. Rund fünf Millionen Quadratkilometer, auf denen sich heute etwa dreißig Staaten befinden.

Als das Christentum zum ersten Mal namentlich genannt wurde, glaubte man daran, dass der Messias schon geschickt und demzufolge das Judentum überwältigt wurde. Deswegen wurde die neue Religion nur als eine Religion gesehen, die unter den Juden akzeptiert werden sollte. Dieser Umstand machte es schwierig, das Christentum zu Massen zu verbreiten. Genau in diesem Punkt hat Paulus viel für die Verbreitung des Christentums beigetragen. Paulus hatte versucht, das Christentum nicht unter den Juden, sondern unter Paganen zu verbreiten, von denen er wusste, dass sie eine neue Religion einfacher akzeptieren würden. Er lehnte auch Anwendungen und Gebote wie Beschneidung, Speisegesetze und Sabbat ab, und schrieb in seinen korinthischen Briefen, dass das Tragen eines Kopftuches eine Voraussetzung für das Christentum sei. In diesem Zusammenhang wurde er oft als frauenfeindlich kritisiert. Wegen seines Glaubens geriet er in einen heftigen Streit mit den Christen aus Jerusalem, dennoch war er erfolgreich bei der Verbreitung des Glaubens  insbesondere in Anatolien.

Verschiedene Ansichten zu seiner Person

Einige behaupten, Paulus war „modern“, andere bezeichnen ihn als originellsten Denker der frühen Kirche. Heute neigt man jedoch eher dazu, Paulus als frauenfeindlichen und unsensiblen dogmatischen Geist hinzustellen. Ihm wird nachgesagt, die reine Botschaft der Liebe Jesu zu einer repressiven Sündenlehre verbogen zu haben.

Viele Christen haben Paulus bereits ins Abseits gestellt und pflegen einen Glauben ohne beziehungsweise gegen ihn. Ein ungeliebter Apostel. Wer kennt noch die Bedeutung seiner Reden oder liest seine Briefe? Ist es jedoch nicht so, dass ohne ihn und seine geniale Gabe, die grundlegenden Wahrheiten des Christentums zu formulieren, die Christenheit eine Sekte geblieben wäre und die Botschaft Jesu nicht im Laufe von 2000 Jahren die gesamte Welt erreicht hätte? Eines ist jedoch klar: Paulus ist die bekannteste, zugleich aber auch umstrittenste Persönlichkeit des Urchristentums. Viele der Schriften im Neuen Testament haben entweder direkt oder indirekt mit ihm zu tun! Egal ob Schüler- oder Gegnerschaft des Paulus, große theologische und kirchliche Erneuerungen nahmen ihren Ausgangspunkt mit Blick auf Paulus. Martin Luther, Karl Barth oder auch John Wesley, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Wende von Paulus prägte die Wende im Abendländischen Gedankengut

Für die Verbreitung des Christentums war Paulus auch deswegen sehr wichtig, weil er jener Apostel war, der die Lehre Jesu in einem kontextuellen Zusammenhang brachte und Leute zutiefst davon überzeugen konnte. Eine Überzeugungskraft, die er seiner griechisch-römischen Rhetorikausbildung zu verdanken hatte. Die Tadellosigkeit, die er sich selbst vorwarf, da es ihm nicht gelang gesetzeskonform zu leben, wurde später, nachdem er immer mehr Interesse an Jesus Christus und seiner Sekte bekommen hatte, zu einer Tadellosigkeit der Religion und seiner Gesetze, jener Gesetze, die Jesu kreuzigen ließen. Die Verbreitung des Christentums an die Massen erfolgte durch eine stärkere Betonung des Glaubens an Individualismus.  Der Ursprung für die Verbreitung dieser Thesen war wiederum Anatolien, wo sich seit Anfang der Geschichte Thesen und Antithesen kreuzten und zu Synthesen verschmolzen.
Man erinnert sich an das Buch von Platon „Politeia“, wo er als Mittel für den kommunalen Wohlstand das individualistische „Streben nach geglücktem Leben“ als Ideal für jeden Einzelnen formuliert.

Religiöse Schriften und Briefe, die in Anatolien geschrieben wurden

Paulus hat seine religiösen Schriften und Briefe im Wesentlichen auf anatolischem Boden verfasst, wie z.B. den ersten Korintherbrief. Auch die Empfänger waren oftmals Gemeinden in Anatolien, wie z.B. die Epheser, denen er aus dem Gefängnis in Rom schrieb. Auch Petrus schrieb seinen ersten Pastoralbrief an die verfolgten Christen in Anatolien. Johannes, der für die Verbreitung des Christentums eine wichtige Rolle gespielt hat, ist eines natürlichen Todes gestorben. Sein Grab befindet sich in Selçuk bei Ephesos. Über der Grabstätte war zuerst eine bescheidene Kirche errichtet worden, die dann unter Kaiser Justinian durch eine prächtige Basilika ersetzt wurde.

Johannes und die sieben Gemeinden

Als Paulus seine Missionsreisen in Anatolien machte, blieb er jahrelang in Ephesos. Und als er dort war, gab es in Ephesus bereits eine christliche Gemeinde, die wahrscheinlich von Johannes begründet worden war. Johannes hielt sich eigentlich in Jerusalem auf. Wo er sich jedoch zwischen den Jahren 37 und 48 aufhielt, ist bis heute nicht ganz klar. Angenommen wird, dass er mit Maria nach Ephesos ausgewandert sei, von dort im Jahre 48 nach Jerusalem gereist und im Jahre 67 wieder nach Ephesos zurückgekehrt und dort gestorben sei.

Johannes wendet sich in seiner „Geheimen Offenbarung“ an die sieben Gemeinden Anatoliens, die er symbolisch als „Sieben Engel, sieben Sterne, sieben Leuchter“ bezeichnet. Diese auch „Sieben Kirchen“ genannten Gemeinden auf westanatolischem Boden befanden sich in folgenden Städten:

1.    Alasehir (Philadelphia), eine Kreisstadt in der Provinz Manisa.

2.    Izmir, mit dem alten Namen Smyrna.

3.    Bergama (Pergamon), welches einst die  Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs war.

4.    Akhisar (Thyateria), ebenfalls ein  Städtchen bei Manisa.

5.    Laodikeia, war eine im 3. Jh. v. Chr. gegründete Stadt, sechs Kilometer nördlich vom jetzigen Denizli nahe dem Dorf Eski Hisar.

6.    Sardes nahe bei Salihli, die alte  Hauptstadt des Lydischen Königreiches.

7.    Ephesos (Efes bei Selçuk), in römischer Zeit Hauptstadt der Provinz Asia.

01 Sep
By: Redaktion 2 0

Christentum, Anatolien und Reisen!

Das Gebiet der heutigen Türkei, besonders ihr asiatischer Teil, Anatolien, war der Schauplatz mehrerer wichtiger Ereignisse in der Geschichte des Alten, wie auch des Neuen Testamentes. Dem 1. Buch Moses zufolge begannen die Kinder Noahs und die Tiere, die Noah in der Arche gerettet hatte, vom Gebirge Ararat aus die Erde wieder zu bevölkern. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen (Apg 11,26). Der Ararat liegt im Osten der Türkei, Haran und Antiochia im Süden, nahe der syrischen Grenze.

Die geographische Lage Anatoliens hat die Geschichte des Landes in außergewöhnlichem Maße beeinflusst. Anatolien ist eine Landbrücke zwischen Osten und Westen, zwischen Norden und Süden, ein Teil des Dreiecks, das Europa, Asien und Afrika miteinander verbindet. Tausend und abertausend Jahre lang wurde Anatolien durch die Völker bereichert, die es durchzogen, und trug zu ihrer Bereicherung bei. Anatolien ist gesegnet mit günstigen geographischen Bedingungen: jahreszeitlichen Schwankungen im Klima mit genug Niederschlag begünstigt, ausreichender Tierwelt, die gutes Fleisch und Fisch liefert sowie genug harten Gesteins wie Quarz, Obsidian und Feuerstein für die Anfertigung von Werkzeugen. Aus diesem Grund spielte sich die Entwicklung des Menschen in der Jungsteinzeit vom reinen Jäger zum Ackerbauern an den Abhängen des Taurus, des Amanus-und Zagros-Gebirges ab, wo die Bedingungen für den Ackerbau eher von Vorteil waren als für Weidewirtschaft. Vielleicht spiegelt sich das Drama dieser revolutionären Entwicklung in der alten Tragödie von Kain, dem Ackersmann und Abel, dem Hirten wider, einer Tragödie, so oft wiederholt, daß sie zur Ballade, Legende und Erzählung der Heiligen Schrift wurde (Gen 4).

Hier in Anatolien entspringen zwei der Flüsse, die den Garten Eden bewässerten. Dem Hazar-See in den Bergen des Taurus, südlich von Elazig, entspringt der Tigris. Der Euphrat entsteht aus den Niederschlägen, die in der Osttürkei niedergehen und sich im Keban-Stausee, westlich von Elazig, sammeln (Gen 2,10-14). Nicht allzu weit von Elazig entfernt, in südlicher Richtung, zwischen den beiden Flüssen, liegt der Ort Harran, von dem aus Abraham mit seiner Familie ins Land Kanaan aufbrach (Gen 12,4).

 

DIE SIEBEN GEMEINDEN DER OFFENBARUNG IN ANATOLIEN

Biblische Quellen:

Ephesos Offb 1,11; 2,1-7; 2,8-1
Smyrna Epheserbrief Apg 18,19-28; 19,1-40
Pergamon Offb 2,12-17
Thyatira Offb 2,18-29
Sardes Offb 3,1-6
Philadelphia Offb 3,7-13
Laodizea Offb 3,14-22; Kol 2,1; 4,13-16

 

ST.JOHANNES

In Anatolien  wurden  schon immer mit Vorlieben die Stätten besucht, an denen die in der Offenbarung des Johannes erwähnten Gemeinden beheimatet waren. Man glaubt im Allgemeinen, daß die Zahl 7 hier einen Symbolcharakter hat und das nicht nur gerade diese sieben Gemeinden der Ermutigung und Ermahnung bedurften. Aber die apokalyptische Botschaft hat gerade diesen Gemeinden einen Stempel des Mysteriösen und Bedeutenden aufgedrückt, dessen Auslegung die Theologen auch heute noch beschäftigt.

Drei der Orte sind noch heute bewohnt: Smyrna (Izmir), Philadelphia (Alasehir) und Thyatira (Akhisar). Bergama liegt unmittelbar neben dem alten Pergamon, Goncali am Fuße des Hügels von Laodizea, und das Dorf Sartmustafa, nicht weit von Sardes. Ephesos, Thyatira und Laodizea werden auch an anderer Stelle im Neuen Testament erwähnt. Von den sieben Orten vermittelt nur Ephesos noch heute dem Besucher den Eindruck einer geschäftigen Metropole zu Beginn des Christentums.

Im Laufe des 1. Jh.n.Chr. wurde im Römischen Reich von allen Bürgern die Verehrung früherer und amtierender Kaiser sowie der Roma, der weiblichen Personifizierung der Stadt Rom, verlangt. Da die meisten der ersten Christen aus dem Judentum kamen und die Juden dem römischen Götterkult nicht zu befolgen brauchten, waren auch die ersten Christen davon ausgenommen. Doch als sich das Christentum unter den Nichtjuden ausbreitete, kam am Ende des ersten Jahrhunderts die Mehrzahl der Christen aus dem Heidentum. Die Religion Jesu hatte sich von der jüdischen Religion getrennt. Als der auf die Nachfolger Jesu ausgeübte Druck, den römischen Götterkult zu befolgen, zunahm, konnten immer mehr Christen der Verfolgung nicht standhalten und kamen von ihrem Glauben ab. Daher vermutet man, daß die Niederschrift der Offenbarung im letzten oder vorletzten Jahr der Herrschaft des Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.) erfolgt sein muss, als Christenverfolgungen in Rom und in den Ostprovinzen recht häufig waren.

 

ST. PAULUS

Die missionarische Reise des heiligen Paulus. Der Zeltmacher: Paulus wurde in Tarsus geboren, das heute in einer der landwirtschaftlich wichtigsten Regionen der Türkei liegt. Als Junge erlernte er den Beruf der Zeltmacher. Während seiner Ausbildung in Jerusalem war er Komplize der Besteiniger Stefans, dem ersten christlichen Märtyrer. Aber später, als er eine Vision durch Jesus erlebte, gab er sich ganz dem Christentum hin.

Als „jüngerer Jesus“, ernannt von Barnabas, arbeitete er in Antiochia (Antakya). Die Menschen die er in Antiochia traf, wurden von seinem Denken beeinflusst. Durch diese Beeinflussung wurden das Interesse an Synagogen und dem Judentum verstärkt. Paul hielt sich an die Regeln der jüdischen Religion. Paulus, der Apostel, pilgerte zu Fuß auf trockenen, staubigen Straßen, mit Pferdewagen und Booten von Antiochia (Antakya) nach Alexandria Troas (Odun Iskelesi), in den mittleren Jahren des 1. Jhs., insgesamt dreimal, auf verschiedenen Routen. Paulus schrieb: „Ich war ständig unterwegs auf den Straßen, habe Gefahren überstanden in Flüssen, Städten, Meeren und auf dem Land. Ich habe schwer und hart gearbeitet, habe gehungert und gedurstet, habe gefastet, habe Kälte überstanden.“ Durch die Lehren Paulus entfaltete sich das Christentum in den westlichen Gebieten des Mittelmeeres. Drei Jahrhunderte später war das Christentum die Hauptreligion Anatoliens.

Der Ararat liegt im Osten der Türkei.. Der Gipfel des Ararat erhebt sich 5137 m über N.N. Er ist höher als alle Berge des Festlandes der USA, mit Ausnahme von Alaska, und höher, als alle Berge Europas, mit Ausnahme des Kaukasus.   Der Ararat ist ein erloschener Vulkan. Zur Zeit ist das oberste Drittel des Berges ständig mit Schnee bedeckt; die letzten hundert Meter vor dem Gipfel sind vereist. Bergsteiger haben einige Zeit nach Sonnenaufgang frisches Wasser aus der Schneeschmelze zur Verfügung bis zum späten Nachmittag, wenn kalte Luft die Wirkung der Sonne aufhebt. Unter der Schneedecke sind die Hänge mit großen Blöcken aus schwarzem Basalt übersät, manche davon so groß wie ein Bauernhaus.   Seit Jahren haben immer wieder Expeditionen den Ararat in der Hoffnung bestiegen, dort Überreste von Noachs Arche zu finden. Sowohl Josephus um 70 n.Chr. wie auch Marco Polo um 1300 n.Chr. erwähnen die Existenz der Arche auf dem Ararat, doch beide stützen sich auf Berichte anderer. Josephus erwähnte, daß ihre Überreste für jeden klar zu sehen seien. In den letzten Jahren haben viele Forschergruppen dort nach ihr gesucht. Die Möglichkeit, daß alte Geschichten auf historische Fakten beruhen könnten, gibt immer wieder neuen Ansporn, und jede Entdeckung eines Wahrheitsgehaltes in bisher angezweifelten Berichten führt zu erneuten Anstrengungen in der Suche nach archäologischer Bestätigung.   Die Geschichte von Noahs Arche, wie sie in der Bibel geschildert wird, geht zurück auf eine frühe babylonische Sage, die im Gilgamesch-Epos aufgezeichnet ist. Der Held der älteren Version war ein gewisser Utnapischtim, ein Liebling des Gottes der Weisheit. Es ist wahrscheinlich, daß die babylonische Sage auf einer ungewöhnlich verheerenden Überschwemmung des Euphrat-Beckens beruht und daß die Arche in dieser Geschichte an einem Abhang des Zagros-Gebirges gestrandet ist. Das biblische Wort, das wir als „Ararat“ lesen, könnte ebenso gut „Urartu“ sein. Auch „Land in weiter Ferne“ oder „ein Ort im Norden“ bedeuten. Der  auf Türkische “ Büyük Agri Dagi“  ist ein grandioser Berg und nicht schwer zu besteigen für jemanden, der körperliche Anstrengung in größeren Höhenlagen gewöhnt ist. Aber es ist doch nicht sehr wahrscheinlich, daß Noachs Arche dort gefunden wird. Trotzdem hält das Interesse am Ararat an. Dadurch werden auch die Leistungen der Archäologen, die uns zu einem besseren Verständnis des Alten Testamentes verhelfen, nicht beeinträchtigt.   Die Besteigung des Ararat ist in drei Tagen möglich , aber vier Tage einzuplanen, wäre sinnvoller, um mehr Zeit für die Erforschung des Gipfels zu nutzen. Die beste Jahreszeit für eine Besteigung ist gegen Ende August.

 

Quelle:

http://www.fertours.com

04 Feb
By: TKG 0

Abhängen von Kreuzen und die Sündenböcke

Die Mehrheit  hat überhaupt kein Problem mit dem Kruzifix in Krankenhäusern!

Das Abhängen der Kreuze im skandalumwitterten KH Nord löst heftige Diskussionen aus.

Es hat keine 15 Minuten gedauert bis führende FPÖ-Politiker ausgerückt sind und diese Entscheidung des Direktoriums des KH Nord mit dem Einknicken vor den muslimischen Zuwanderern verknüpfte.

Die Diskussion um das Abhängen der Kreuze hat sehr viel mehr mit den eigenen Glaubensgrundsätzen, dem inneren Zustand der Gesellschaft und der Kirche zu tun als mit muslimischen Mitbürgern in Österreich.

Im Gegenteil, insbesondere der Großteil der muslimischen Mitbürger suchen gerne von christlichen Orden geführte Krankenhäuser auf, weil dort der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Herkunft oder Zugehörigkeit. Dafür danken wir als TKG auch herzlich.

Das muslimische Mitbürgerinnen ein Problem mit dem Kruzifix haben, möge für einige wenige Ausnahmen gelten, jedoch die Mehrheit hat überhaupt kein Problem mit dem Kruzifix in Krankenhäusern, Gerichten oder Schulen. Die Muslime achten Jesus (Friede sei auf ihm) und seine Mutter Maria sehr. „Friede sei mit mir an dem Tag, wo ich geboren bin, an dem Tag, wo ich sterbe und an dem Tag, wo ich wieder auferstanden werde.“ Mit diesen Worten gibt der Koran das Wort Jesu und seine Botschaft des Friedens wieder (Koran,  Sure 19, Vers 33).

Der Glaube Jesus Gott eint Muslime, Christen und genauso Juden, der Glaube an Jesus als Gott trennt Muslime und Juden gegenüber Christen.

Die Politik und manche Politiker generalisieren und skandalisieren gerne einzelne Fehlverhalten, um politisches Kleingeld daraus zu schlagen, jedoch den Grund für das Abhängen von Kreuzen in Krankenhäusern den in Österreich lebenden Muslimen umzuhängen, ist ein populistischer sowie leicht durchschaubarer Versuch – von anderen Bereichen des öffentlichen Lebens – abzulenken.

Wenn die Verwurzelung der österreichischen Gesellschaft im Christentum aufgeweicht wird, dann sollte man sich auf die Suche nach den tieferen Gründen dafür begeben und nicht unschuldige Mitbürger zum Sündenbock abstempeln, um die wahren Beweggründe zu vernebeln.

Die Muslime für die Ohnmacht, Enttäuschung und Empörung sowie die eigene Orientierungslosigkeit in Fragen des christlichen Glaubens und das öffentlichen Leben in Österreich verantwortlich zu machen, verschärft nur die Spannungen in der Gesellschaft. Durch Schuldzuweisungen löst man keine Probleme in Österreich. Für das Abhängen der Kreuze in öffentlichen Einrichtungen sind nicht die Muslime oder andere Angehörige von anderen Religionsgemeinschaften verantwortlich, sondern einzig und allein manche politische Parteien, welche versuchen ihre Vorstellungen von einer religionsfreien Gesellschaft durchzusetzen.

Wir als Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) sind nicht nur ein unabhängiger Think Thank, sondern auch säkulare Verfassungspatrioten.

Wir setzen uns im öffentlichen Bereich für die Trennung von Staat und Religion ein, jedoch treten wir entschieden gegen jede Form der Diskriminierung von Religionen und Gläubigen, entgegen. Die TKG ist gegen die Politisierung und den Missbrauch der Religionen. Der politischen Instrumentalisierung, jeglicher Religionen tritt die TKG entschieden entgegen.

Säkularität ist in einer rechtsstaatlichen Demokratie, wo Gewaltenteilung funktionieren soll, so essentiell, wie Sauerstoff für unser Leben. Das ist das Wichtigste, denn das schützt die Gläubigen und die Nichtgläubigen. Säkularismus bedeutet für uns Türken aber nicht, wie viele annehmen, immer Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen.

Säkularismus heißt für progressive Türken , die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder religiöses Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes durch Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Als mit Vernunft ausgestattete, mündige Bürger sollten wir den Unterschied zwischen Moral und ethisches Handeln sowie Religion erkennen. Wir,  wissen aus Erfahrung, dass zwischen moralischem Handeln und Religiosität kein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Unser Glaube ist unsere Privatsache. Der Staat sollte besonders bim öffentlichen Bereich gegenüber jedem Bürger, egal welcher Religion, Nation, Geschlecht oder politischer Ansichten, absolut objektiv sein. (TKG, Wien, 4.Februar.2020)

Türkische Kulturgemeinde in Österreich ( TKG)

Bild: The Scapegoat (Der Sündenbock) William Holman Hunt (1854)

05 Dez
By: Redaktion 3 0

TKG: Nikolaus! Ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens

„Alle Jahre wieder wird leider auf die Austrotürken in Österreich durch gewisse Kreise eine Hexenjagd über die Nikolo-Weihnachtskultur veranstaltet. Wir müssen heuer leider laut, „Nein zu Nikolo-Rassismus und ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens“ sagen. Jedes Kind kennt ihn, jedes Kind freut sich auf ihn! Unser Landsmann aus der Türkei „Nikolo“ kommt auch dieses Jahr zu den Wiener Kindern.“ so der TKG Obmann Birol Kilic.

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG) stellt klar: Die austrotürkischen Familien in Wien und in ganz Österreich haben mit dem historischen Nikolaus und dem kostümierten „Nikolo“ (mit oder ohne Bart) kein Problem, ganz im Gegenteil, sie sehen dieses Fest als kulturelle Bereicherung und als Zeichen für das barmherzige Teilen und mildtätige Geben. Der  Nikolo der auch der Schutzheilige von Russen, Serben und Griechen  und der Schutzpatron der Seeleute, Fischer, Händler, Apotheker, Schüler, Kinder, Bäcker, Schnapsbrenner, Kerzenzieher, Pfandleiher – und sogar der Diebe usw. ist auch für Muslime genau wie für die Christen ein Vorbild der Nächstenliebe! „Für die Katholiken existiert die mildtätige Bischofsfigur, die am 6. Dezember brave Kinder belohnte, weiter. „In Holland hielten die Reformierten ebenfalls an ihrem Nikolaus fest“, erklärt Becker-Huberti. Als ihre Siedler in Nordamerika Nieuw Amsterdam, das heutige New York, gründeten, feierten diese auch dort ihren „Sinterklaas“. Aus ihm wurde schließlich der volkstümliche Santa Claus – der Weihnachtsmann, der heute in der Adventszeit weltweit anzutreffen ist und der vor allem den Umsatz ankurbeln soll.“

 

Die TKG  findet das gut und bittet, dass der Hl. Nikolaus nicht als Kultureller Rassismus-Keule gegen Muslime  und insbesondere Austrotürken verwendet wird! Stattdessen soll von Politikern, Gemeinden und Pädagogen eine gemeinsame Kultur der Nächstenliebe vermittelt werden.

 

Es schmertz-Nikolaus- Diffamierung! 

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich fordert außerdem, diesen alljährlichen „Nikolaus-Diffamierung“ besonders gegenüber den aus der Türkei stammenden Kindern, Kleinkindern und Familien zu unterlassen! Es schmertz…Dazu gehören auch die mittlerweile entlarvten Unwahrheiten, die sich um die Wiener Kindergärten und andere Einrichtungen drehen. In der Vergangenheit haben diese Artikel zu einer Unzahl von Irritationen, Hasspostings und Hetze in den Print- und Internet-Medien geführt.

 

Wer war Nikolaus?

 

Der  Nikolaus, er wirkte Ende des 3. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, stammt nicht aus New York oder aus Toronto und auch nicht etwa aus Rom, sondern aus der heutigen Türkei, nämlich aus der antiken lykischen Bischofsstadt Myra, dem heutigen Demre, in der Nähe der schönen Küstenstadt Antalya an der Südküste Kleinasiens.  In Demre steht auch heute noch sein (leerer) Sarkophag, die ruinöse, aber im 20. Jahrhundert restaurierte Basilika ist ein wichtiges Pilgerziel, besonders für griechisch-orthodoxe Christen. Die Gebeine kamen 1087 n. Chr. in die süditalienische Stadt Bari (Provinz Apulien) und werden, über die ganze Welt hinausgetragen, als Reliquien verehrt.

 

Wir sind stolz auf Bischof Nikolaus aus der Türkei

 

Wir, die Türkische Kulturgemeinde in Österreich und viele tausende türkische Familien in Österreich, sind sehr stolz auf „ihren“ Bischof Nikolaus, dessen Leben historisch belegt ist und dessen barmherzige Taten über den Erdkreis weitererzählt werden und die Kinderherzen erfreuen.  Wenn solch ein gutherziger Mensch und großes Vorbild aus dem eigenen Land stammt, wäre auch alles andere verwerflich! Im Gegenteil: Nikolaus von Myra ist auch für das Zusammenleben von Moslems und Christen ein perfekter Brückenbauer und ein pädagogisches Vorbild. Jedes kleine Kind, egal welcher Abstammung oder Herkunft, würde sich über die Geschichte vom Hl. Nikolaus freuen.

Während einer Hungersnot soll Nikolaus von Myra in der Türkei seinen darbenden Mitbürgern Getreide verschafft haben, indem er einige Kaufleute, deren Schiffe im Hafen von Myra vor Anker lagen, veranlasste, ihre für den Kaiser in Byzanz bestimmten Schiffsladungen nicht an ihren ursprünglichen Bestimmungsort zu bringen, sondern in die hungernden Städte und Dörfer Kleinasiens zu liefern. Als die Händler mit beklommenen Herzen weitersegelten und sich fürchteten, mit leeren Händen nach Hause zu kommen, waren die Schiffe plötzlich auf wunderbare Weise wieder vollständig beladen. Diese Legende gab den Anlass, dass neben den Kaufleuten auch die Getreidehändler, Müller und Bäcker den heiligen Nikolaus zu ihrem Zunftpatron auserkoren. Die unzähligen Patrozinien christlicher Gotteshäuser, die dem Hl. Nikolaus geweiht sind, geben davon ein beredtes Zeugnis.

Noch viele andere Legenden werden vom Hl. Nikolaus erzählt. Eine bekannte Geschichte ist, dass ein verarmter Mann sich genötigt sah, seine drei Töchter als Prostituierte zu verkaufen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, damals noch nicht Bischof und selbst ohne entsprechende Mittel, erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen. Der Vater hatte nun genug Geld für die Mitgift und war nicht mehr genötigt, seine Töchter zu verkaufen. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Diese Geschichte ist auch der Anlass für den Brauch, den Kindern Kleinigkeiten zum Naschen zu schenken. Dieser Brauch des Schenkens verlagerte sich später in reformatorischer Zeit auf das Weihnachtsfest. Der Rest ist bekannt.

 

„Wer Zwietracht sät, wird Hass ernten!“ 

 

Um dieses Kulturgut zu bewahren, erwarten wir von den Verantwortlichen in der Politik, den Gemeinden bei den Medien und von Pädagogen, die alljährlich über das Fest berichten oder es veranstalten, diese Tradition des „Nikolo“ an unsere christlichen und muslimischen Kinder weiterzugeben und nicht Zwietracht zu säen! Wir alle sollten mit diesem Brauchtum verantwortungsvoll umgehen und nicht die türkischen Kinder und Familien diskriminieren, als wären sie gegen den „Nikolo“. Auch die Gemeinde Wien hat nie die Nikolo-Feiern mit einem kostümierten Nikolaus untersagt, wie es in den letzten Jahren falsch in den Medien kolportiert wurde. Man ist lediglich davon abgekommen, professionelle Nikoläuse zu bestellen, da man der Meinung ist, dass dies die den Kindern bekannten Erwachsenen Personen übernehmen sollen.

Der Hl. Nikolaus darf nicht als Rassismus-Werkzeug gegen Muslime missbraucht werden! Wir sind gegen diesen „Neo-Rassismus“, also einen kulturellen Rassismus, der einen Keil zwischen die Nationen und Religionen treiben möchte oder eine Gemeinde deswegen zu Unrecht verleumdet. Wie wir gezeigt haben, eignet sich gerade der Hl. Nikolaus dazu überhaupt nicht. Dennoch versuchen alljährlich verschiedene Gruppen und Parteien, daraus politisches Kleingeld zu schlagen.

Wir wollen verhindern, dass eine Gruppe von Menschen, die eine andere Religion, Konfession oder Nationalität hat, jedes Jahr wieder auf’s Neue pauschal diskriminiert wird. Wir Austro-Türken lieben den humanistischen, christlichen Nikolaus, unseren Landsmann, und wir sind stolz auf ihn! Nein zu Nikolo-Kultureller Rassismus. Ja zu einer Kultur des Teilens und Gebens.

 

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

 

http://www.n-tv.de/reise/Myra-die-Heimat-des-Nikolaus-article591191.html

Christentum stammt aus der Türkei?

http://www.turkischegemeinde.at/?s=Christentum

22 Apr
By: TKG 0

TKG teilt ihre tiefe Betroffenheit und Trauer mit dem sri-lankischen Volk und den Christen

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) teilt ihre tiefe Betroffenheit und Trauer mit dem sri-lankischen Volk und insbesondere den Christen, im Hinblick auf die Bombenattentate in Colombo auf Sri Lanka. Wir verurteilen die extremen salafistischen Teufel, die nicht nur Feinde normaler MuslimInnen, sondern auch Feinde der gesamten Menschheit geworden sind.

TKG: „Wir sind Freunde von Jesus, nicht seine Feinde“

Wussten Sie?

…Jesus wird im Koran als Wort Gottes anerkannt.
….Im Koran werden der Koran und Jesus als Wort Gottes, als Geist Gottes, als Barmherzigkeit Gottes für die Welt bezeichnet.
…Jesus wird im Koran gewürdigt als Gesandter, als Prophet und Messias.
…Im Koran wird der Zusammenhang zwischen Jesus und der Barmherzigkeit stark betont.
…Jesus ist im Koran eine Botschaft der Liebe, eine Botschaft der Barmherzigkeit.
….der Koran würdigt Jesus und verwendet dafür christliche Hoheitstitel.
…Koran Sure 19, 34 f.: „Das ist Jesus, Sohn Marias, als Wort der Wahrheit, über das sie uneins sind….“ Kein Christ sagt, Gott habe ein gezeugtes (Biologisches) Kind, sondern einen Sohn Gottes im Sinne der Offenbarung Gottes Jesus…
 ….Koran Sure 3, 43/44 : „Du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Lose warfen, wer nun von ihnen Pfleger für Maria sei! Du warst nicht bei ihnen, als sie sich darum stritten! Damals, als die Engel sprachen: „O Maria! Siehe, Gott verkundet dir ein Wort von sich. Sein Name sei: „Christus Jesus, Sohn der Maria“.“
…Was ist die  Bedeutung des Begriffes Christus? – Die erste Anwendung des Begriffes wird in Antiokeia, im Süden der Türkei, verwendet. Das Wort Christ stammt aus der hebräischen Sprache. Das Wort “mashia” bedeutet “mit Öl geschmiert, durch Öl gesegnet”. Die israelitischen Pfarrer und Könige wurden, wenn sie zum Einsatz kamen, mit Öl gesegnet. An vielen Stellen der Tora (erster Teil der hebräischen Bibel) kann man über diesen Prozess lesen. Das Wort “Mashia” war ein Titel des israelitischen Königs. Die arabische Übersetzung des Wortes hat auch dieselbe Bedeutung, nämlich “mit Öl geschmiert”. Die griechische Übersetzung dafür lautet “Khristos”, woraus das Wort “Khristianos” abgeleitet wird. Und genau dieses Wort wird zum ersten Mal in Antiokeia (heute Antakya, liegt im Süden der Türkei) zum Ausdruck gebracht. “Khristos” bedeutet “Folger des Messias, Freund des Messias”. Wir sind Freunde von Jesus, nicht seine Feinde. Türkische Kulturgemeine in Österreich (TKG) 


Problem: Salafitentum gemischt mit dem politisierten Glauben

Der Terror im Nahen Osten, beginnend mit dem IS, den man islamisch nennt und damit alle Muslime unter Generalverdacht stellt, hat seine Quelle leider im Salafitentum, der aus Saudi Arabien, zusammen mit dem Öl und mithilfe des Westens, in die Welt exportiert wurde. Der gesamte Terror in den letzten Jahren, durch den IS oder ähnliche Terror-Organisationen wie die in Sri Lanka, hat etwas gemeinsam mit dem Taliban, Bin Laden und dem 12. September. Alle sind Terroristen: Sie haben Ihre Wurzeln, Theologien und Konfessionen mit dem Saudi Arabischen Salafitentum und dem politisierten Glauben gemischt. In Zusammenhang mit dem politisierten Islam ist das Salafitentum eine tickende Zeitbombe, die leider auch von der westlichen Welt direkt oder indirekt durch Geheimdienste unterstützt wird.

National Thowheeth Jama’ath (NTJ) in Sri Lanka kommt von dem Salafitentum

Laut seriösen Presseberichten vermutet die Regierung von Sri Lanka ein international verzweigtes Netzwerk hinter den tödlichen Anschlägen am Ostersonntag. Ohne Hilfe von außen hätte die bisher wenig bekannte Islamistengruppe „National Thowheeth Jama’ath“ (NTJ) die Angriffe gar nicht durchführen können, hieß es unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Die National Thowheeth Jama’ath (NTJ), als fundamentalistische Gruppe, hat die religiöse Ideologie des Salafitentums aus Saudi Arabien adaptiert. Die von der Regierung verantwortlich gemachte Islamistengruppe NTJ ist laut Agenturberichten kaum öffentlich in Erscheinung getreten: „Bisher wurde die Gruppe vor allem im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Beschädigung buddhistischer Statuen in dem Inselstaat genannt. NTJ-Anführer Abdul Razik wurde bereits vor den Anschlägen mehrmals inhaftiert. Er wurde der Anstachelung zu religiösen Unruhen beschuldigt. Nach einem Vorfall im Jahr 2016 hatte der Chef der radikalen Buddhistengruppe BSS vor einem „Blutbad“ gewarnt, sollte Razik nicht bald ins Gefängnis kommen.“ Frage: Warum wurde der NTJ-Anführer Abdul Razik nicht schon unter Kontrolle gebracht?

Unantastbar gemachtes muss dringend tastbar gemacht werden

Islam bedeutet Friede und Glück

Warum? Denn das Wort „Islam“ des Korans hat als Wurzel die Worte „selam“ und „silm“ und diese bedeuten „Friede“, „Glück“, „Wohlbefinden“ und „Vertrauen“. Infolgedessen sind unserer Meinung nach alle Muslime in Österreich und der gesamten Welt, die ihr „wahres Islam“-Bekenntnis aus dem Koran beziehen, verpflichtet, durch ihre Taten und Handlungen das Wort „selam“ auch zu leben – für sich und gegenüber dem Nächsten – und gewaltbereitende und selbstverherrlichende Theologien des Islam, die wir als „verfälschten Islam“ bezeichnen, kritisch zu betrachten, ja, sich von diesen um ihres Theologie Willen zu distanzieren.

Man muss transparent darüber reden und der Teufel muss einen Namen bekommen.

Neben dem Salafitentum muss sich die muslimische Welt auch allgemein über die „Theologie der Gewalt und Verachtung“ ehrlich und selbstkritisch diskutieren.

1)  Wenn manche Verse im Koran aus dem historischen Kontext absichtlich und missbräuchlich gerissen werden, bekommen die MuslimInnen Probleme. Was kann man dagegen machen? Der koranische Islam verabscheut Terror, Scheinheiligkeit und Unmenschlichkeit. Die faschistische Ideologie einer pseudo-islamischen Dogmatik ist dagegen gewaltbereit und gewaltverherrlichend. Eine sehr schwierige Aufgabe ist daher die Aufklärung, um die Spreu (namentlich den „verfälschten Islam“) vom Weizen (dem „wahren Islam“) trennen zu können. 

Also den „wahren Islam“, der auf Friede, Wohlbefinden und Nächstenliebe beruht, von dem „verfälschten, traditionalistischen Islam“. Der verfälschte Islam, auf den sich auch alle terroristischen Gruppen berufen, hat seine Wurzeln in der umayyadischen Dynastie, die ihren Höhepunkt mit dem 6. Kalifen Yazid I. ibn Muawiya (reg. 680-683) feierte: Mit dieser Herrscherdynastie ist der ursprüngliche Islam bereits sehr früh korrumpiert und verfälscht worden: Theologie der Gewalt durch verfälschten Islam, der uns bis jetzt beschäftigt.

2)  Plus dazu kommt das Problem unter dem Deckmantel „der Prophet Mohammed hat das gesagt und wir verfolgen alles was er gesagt und gemacht hat“ (Hadith) produzierten Lügen die in den Theologiebüchern seit Jahrhunderten niedergeschrieben und etabliert worden sind und behandelt werden, als ob es ein Gottesgebot wäre und unantastbar gemacht wurde. Der Begriff Hadith (Erzählung, Bericht) bezeichnet die Überlieferungen über die  Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed, sowie über die Handlungen Dritter, die er stillschweigend gebilligt haben soll. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtheit dieser Überlieferungen verwendet, als auch für die einzelne Überlieferung. In letzterem Fall wird dazu der Plural „Hadithe“ gebildet. Die große Bedeutung der Hadithe im verfälschten Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten einen normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Normenlehre (FIKIH) darstellt. Die Hadithe gelten als das Mittel, über das sich die nachkommenden Generationen über diese Handlungsweise (Propheten) informieren können. Darum wird das Studium der Hadithe noch heute als einer der wichtigsten Zweige der islamischen religiösen Wissenschaften angesehen.

Arabische Traditionen, Gebräuche und Sitten sind nicht der Koran- Islam

Der politisierte Islam nützt eben diese verfälschte, nicht annehmbare Theologie der Gewalt, die auf den Traditionen, Gebräuche und Sitten der arabischen Halbinsel basiert. Die arabischen Traditionen, Gebräuche und Sitten sind nicht der koranische Islam. Das Problem liegt außerhalb des Korans, der Zeit- und artgemäß interpretiert gehört. Die „islamische Theologie mittendrin“ wird von jedem innerhalb und außerhalb missbraucht und wie von Dr. Frankenstein im Labor zur Teufel-Erzeugung verwendet, wie zum Beispiel in Sri Lanka. (Bild: AP)

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

Info:

TKG-Aufklärungsversuch: Was ist der Islam und was ist er nicht?

http://www.turkischegemeinde.at/2017/09/tkg-aufklaerungsversuch-was-ist-der-islam/

TKG UNTERSTÜTZT DEN PROTESTAUFRUF GEGEN DIE VERFOLGUNG VON CHRISTEN IM IRAK
http://www.turkischegemeinde.at/2014/08/tkg-unterstuetzt-den-protestaufruf-gegen-die-verfolgung-von-christen-im-irak/

CHRISTENTUM STAMMT AUS DER TÜRKEI?
http://www.turkischegemeinde.at/2010/09/christentum-stammt-aus-der-tuerkei/

Koran Sure 5, 112 ff.
„Als nun die Junger sprachen: „O Jesus, Sohn Marias,
vermag dein Herr, zu uns zu senden einen Tisch vom Himmel?“
Er sprach: „Fürchtet Gott, sofern ihr gläubig seid!“
Sie sprachen: „Wir wollen von ihm essen und Herzenssicherheit gewinnen
und uns vergewissern, dass du die Wahrheit zu uns sprachst,
und wollen das bezeugen.“
Jesus, der Sohn Marias, sprach: „O Gott, unser Herr!
Schick einen Tisch zu uns herab vom Himmel, auf dass er uns ein Fest sei,
für unseren Anfang und für unser Ende, und Zeichen sei von dir.
Teil uns Gutes zu! Du bist der Beste derer, die versorgen.“
Gott sprach: „Siehe, ich sende ihn zu euch herab.“

Koran Sure 19, 16 bis 30
„Und gedenke der Maria im Buch:
Damals, als sie sich zurückzog an einen Ort im Osten
und sich abschirmte vor ihnen.
Da sandten wir unseren Geist zu ihr.
Der trat vor sie als Mensch hin, wohlgestaltet.
Sie sprach: „Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir beim Erbarmer,
sofern du gottesfürchtig bist.“
Er sprach: „Ich bin Gesandter deines Herrn,
auf dass ich dir einen lauteren Knaben schenke!“
Sie sprach: „Wie soll mir denn ein Knabe werden,
da mich kein menschlich Wesen je berührte
und ich auch keine Dirne bin?“
Er sprach: „So spricht dein Herr:
„Das ist mir ein Leichtes.“
Auf dass wir ihn zu einem Zeichen machen für die Menschen –
und solches als Barmherzigkeit von uns.
Da wurde es beschlossene Sache.
So ward sie mit ihm schwanger
und zog sich zurück mit ihm an einen weit entfernten Ort.
Da liesen die Wehen sie zum Stamm der Dattelpalme kommen.
Sie sprach:
„Weh mir! Ach wäre ich zuvor doch schon gestorben
und ganz und gar vergessen!“
Da rief es ihr von unten zu: „Bekümmere dich nicht!
Dein Herr lies unter dir ein Wasser fliesen.
Rüttle den Stamm der Dattelpalme – hin zu dir,
damit sie frische Früchte auf dich fallen lasse!
Dann iss und trink, und sei guten Mutes!
Wenn du dann irgendeinen Menschen siehst, so sprich:
„Siehe, ich gelobte dem Erbarmer ein Fasten;
so kann ich heute zu keinem menschlich Wesen sprechen!“
Dann kam sie mit ihm zu den Ihren, ihn tragend. Sie sprachen: „O Maria, da hast du etwas Unerhörtes getan!
O Schwester Aarons, dein Vater war kein schlechter Mann
und deine Mutter keine Dirne.“
Da deutet sie auf ihn. Sie sprachen:
„Wie sollen wir zu einem sprechen, der noch ein Kind ist in der Wiege?“
Er sprach: „Siehe, ich bin der Knecht Gottes!
Er gab mir das Buch und machte mich zum Propheten.“

Alle Auszüge aus: Der Koran. Neu übertragen von Hartmut Bobzin. CH Beck, 2. Auflage, München 2017. 832 Seiten. „

21 Apr
By: TKG 0

TKG: „FROHE OSTERFEIERTAGE-HAYIRLI PASKALYA! SO FEIERT MAN OSTERN IN DER TÜRKEI“

TKG: „Wir wünschen unseren christlichen Freunden, allen MitgliedernInnen, Nachbarn und auch allen anderen, die dieses christliche Fest nicht begehen,
frohe Osterfeiertage “

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG)

 

Hayirli Paskalya! So feiert man Ostern in der Türkei

Auch in der Türkei wird an manchen Orten Ostern gefeiert, vor allem in Ostanatolien. Will man sich gegenseitig „Frohe Ostern!“ wünschen, so sagt man dort „Hayirli Paskalya!“. Aber wie wird Paskalya in der Türkei gefeiert? Hier ein paar Eindrücke.

Was wäre Ostern ohne einem leckeren Hefezopf? Das dachte man sich wohl auch in der Türkei. Deshalb wird dort an  Ostern ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken. Das Besondere daran ist, dass in den Kuchen traditionell eine Münze eingebacken wird – wer diese dann beim Verspeisen findet, der kann sich über Gesundheit und Glück freuen. Aber natürlich gibt es in der Türkei noch viele weitere Gaumenfreunden zu Ostern. Deswegen kommt an den Feiertagen meist die ganze Familie zusammen, um gemeinsam leckeren Fisch und grüne Linsen zu essen. Das ist nämlich Brauch am Karfreitag.

Gibt es in der Türkei auch Ostereier?

Und auch auf die Ostereier muss man bei einem Osterfest in der Türkei nicht verzichten. Hierzu gibt es sogar einen speziellen Brauch. Zwei Personen müssen ihre Ostereier gegeneinander schlagen und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch wieder mit Gesundheit und Glück beschenkt. Neugierig geworden? Wer nun vielleicht sogar über die Osterfeiertage einen Urlaub in der Türkei machen möchte, weiß nun zumindest, dass man auch dort sehr gut Ostern feiern kann. In manchen Orten in der Türkei gibt es außerdem auch christliche Kirchen, in denen man zur  Ostermesse gehen kann. Na dann, Hayirli Paskalya! (Myheimat.de)

 

Izmir – türkische Ostern für Anfänger

von Marie Christen

Die Türkei fällt einem vielleicht nicht als erstes ein, wenn man an das Osterfest denkt, doch auch hier wird das Fest mit seinen ganz eigenen Osterbräuchen zelebriert! Erlebt türkische Ostern mit uns!

FROHE OSTERN!

Hayirli Paskalya! (Frohe Ostern!) wird euch in der Türkei gewünscht! Nicht viele Türken feiern das Osterfest, auch ist es kein gesetzlicher Feiertag und doch überrascht die Türkei mit einigen Osterbräuchen.

Ostern ist auch hier ein Fest der Familie, alle kommen zusammen und veranstalten ein großes Festessen! Für die Feiertage wird ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken, also ganz ähnlich wie bei uns. Doch das Besondere und außergewöhnliche steckt hier im Detail: In den Hefezopf wird nämlich eine Münze mit eingebacken und wer diese dann findet oder verspeist, soll sich dem Glauben nach besonderer Gesundheit und Glück in diesem Jahr erfreuen dürfen. Aber natürlich gibt es noch andere Freuden für den Gaumen wenn man türkische Ostern feiert. An Karfreitag zum Beispiel wird sich in großer Runde getroffen und statt Osterbrot werden traditionell Fisch und grüne Linsen zum Mittag serviert.

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Auch die Ostereier werden in der Türkei nicht vergessen. Hier muss man sie allerdings nicht erst finden, denn in der Türkei gibt es diesbezüglich einen speziellen Brauch. Hierbei schlagen zwei Personen ihre Ostereier gegeneinander und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch hier wieder mit Gesundheit und Glück gesegnet! Neugierig geworden? Dann besucht doch mal…

IZMIR

Die Perle an der türkischen Ägäis hat dir so einiges zu bieten! Die drittgrößte Stadt der Türkei, nach Istanbul und Ankara, wurde 3000 v. Chr. gegründet und ist somit eine der ältesten Städte der Welt. Viele verschiedene Kulturen haben während der wechselvollen Stadtgeschichte ihre Spuren hier hinterlassen.

Das Hafenviertel sowie der moderne Innenstadtbereich mit seinem Basarviertel, dem Museum und dem Kulturpark bieten eine Vielfalt an Besichtigungsmöglichkeiten. Besonders Kulturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Neben zahlreichen Museen findet man in Izmir auch ein Staatstheater und die Staatsoper mit einem berühmten Orchester. Musikfreunde reisen aus der ganzen Türkei an, um das Orchester spielen zu hören!

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Der Uhrturm auf dem Konak-Platz ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt sondern auch ein Symbol für die Befreiung von der griechischen Besatzung. Unweit davon befindet sich das Archäologische Museum, das mit Funden aus der Antike aufwarten kann und absolut einen Besuch wert ist. Wer einen besonderen Ausblick über die Bucht von Izmir erleben möchte, sollte sich nicht scheuen, den Berg Kadifekale zu erklimmen. Auf diesem Berg lassen sich heute noch Ruinen einer eindrucksvollen Burg und ihrer Mauern, die während der Herrschaft von Alexander des Großen errichtet wurden, finden. Man kann also sagen, dass Izmir ein Ort mit großer Vergangenheit hat, die bis in die Moderne hineinreicht. Ein toller Ort um Kultur hautnah zu erleben oder für ein paar Tage zu entspannen. Also…packt die Ostereier ein, fahrt nach Izmir und Hayirli Paskalya! (blog.surprice-hotels.com)

 

CHRISTENTUM STAMMT AUS DER TÜRKEI VON BIROL KILIC

http://www.turkischegemeinde.at/christentum-stammt-aus-der-tuerkei/

TKG: „CHOR DER ZIVILISATIONEN AUS ANTAKYA IN WIEN“
https://www.youtube.com/watch?v=ZAemEhCq5-U&feature=youtu.be

09 Apr
By: TKG 0

BESA: Ein Ehrenkodex – Die Rettung von Juden durch muslimische Albaner zur Zeit des Holocaust

Eine Analyse von Birol Kilic

Wien am 09.04.2019

Wir haben vor Kurzem bei einer Veranstaltung des österreichischen Sportministeriums im Zusammenhang mit dem Thema bzw. Buch „Islamischer Antisemitismus“ (Titelbild: Der ewige wandernde Jude) einige Länder mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung als Beispiele genannt, die auf keinen Fall automatisch Antijüdisch bzw. Antisemitisch eingestellt sind. Wir brauchen mehr positive Beispiele die das Zusammenleben fördern.

Das „Der ewige wandernde Jude“-Vorurteil ist in mehrheitlich muslimischen Ländern, in der Form wie es im Abendland vorhanden war, nicht existent. Dieses Vorurteil gab es auch in den letzten 1400 Jahren (Beginn Islam) kaum, weil „Der ewige wandernde Jude“ eine Figur aus christlichen Volkssagen ist, dessen Quellen in der Bibel liegen und somit im 13. Jahrhundert entstanden sind. Die Muslime und insbesondere Menschen aus der säkularen modernen Türkei sollten großes Interesse haben, hier die Ängste der Juden gegenüber der Aufnahmegesellschaft durch Aufklärung aus der Welt zu schaffen, da es ein großes Potential an Problemen gibt. Egal von welcher Seite gehetzt wird, wir brauchen eine Lösung ohne antimuslimischen bzw. antitürkischen Rassismus gelten zu lassen.

Das Buch mit dem Titel, „Islamischer Antisemitismus“, welches bei dieser Veranstaltung vorgestellt wurde, hatte den Ewigen wandernden Juden als Titelbild, was zum Fremdschämen ist, da dieser eigentlich mit dem Islam bzw. Koran nichts zu tun hat. Ich will hier nicht über dieses Buch eine Rezension schreiben, obwohl ich über 71 Faktenbasierte, nicht den Tatsachen entsprechende, Verse, Behauptungen und für den psychologischen Krieg bekannte Propaganda Methoden, durch akribisches studieren des Buches notiert habe. Das Buch ist eine billige Nachmache von den „Protokollen der Weisen von Zion“ und ist unter dem Strich und unter dem Vorwand gegen den politischen Islam zu kämpfen, was wir verurteilen und uns distanzieren, nicht glaubwürdig. Das Bild, aus farbigem Holzschnitt, wurde 1852 von Gustave Doré produziert und ist seit 2007 als Reproduktion in einer Ausstellung im Yad Vashem zu sehen. Doch ich frage mich, was dieses Bild mit dem Islam bzw. mit dem islamischen Antisemitismus zu tun haben soll?

Original-Der wandernde Ewige Jude, farbiger Holzschnitt von Gustave Doré, 1852, Reproduktion in einer Ausstellung im Yad Vashem, 2007

 

Yad Vashem, Wien-1940-Der ewige Jude-Propaganda gegen Juden in Wien mit dem Bild , „Der wandernde ewige Jude“ angelehnt an den farbigen Holzschnitt von Gustave Doré, 1852

 

Besa – Albanien und Juden 

BESA ist ein Ehrenkodex, der tief in der albanischen Kultur verankert und in den Glauben der albanischen Muslime verflochten ist. Es diktiert eine moralische Instanz, die so wichtig ist, dass eine Nichteinhaltung Schande über einen Selbst und die Familie bringt. Einfach gesagt schreibt Besa Verantwortlichkeit für andere vor, die Hilfe brauchen. In Albanien und dem Kosovo wurden Familien aufgenommen und versteckt, auch wenn man selbst und die eigene Familie dadurch in Lebensgefahr gebracht wurde. Diese Familien waren nicht nur Juden aus den eigenen Städten sondern Juden aus anderen europäischen Ländern, die von den Nazis geflohen sind.

Albanien, ein kleines, bergiges Land an der Südostküste der Balkanhalbinsel, zählte eine Bevölkerung von 803.000 Einwohnern. Darunter waren nur 500 Juden. Nachdem Hitler 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatte, fanden viele Juden Zuflucht in Albanien. Es gibt keine genauen Angaben über deren Anzahl, aber verschiedene Quellen gelangen zu der Einschätzung, dass zwischen 600 und 1.800 jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, Serbien, Griechenland und Jugoslawien nach Albanien kamen, in der Hoffnung, von hier aus nach Israel oder an andere Fluchtorte zu gelangen. Nach der Besetzung Albaniens durch die Deutschen im Jahr 1943 weigerte sich die Bevölkerung Albaniens in einem außergewöhnlichen Akt, die Anweisungen der Besatzer zu befolgen und ihnen Listen mit den Namen der Juden auszuhändigen, die unter ihnen lebten. Darüber hinaus versorgten verschiedene staatliche Einrichtungen viele jüdische Familien mit gefälschten Papieren, mit denen sie sich unter die Lokalbevölkerung mischen konnten.

Die Albaner schützten nicht nur ihre eigenen jüdischen Bürger, sondern gewährten auch jenen Flüchtlingen Zuflucht, die nach Albanien gekommen sind, als es noch unter italienischer Herrschaft stand und die nun in der ständigen Gefahr lebten, in Konzentrationslager deportiert zu werden. Die bemerkenswerte Unterstützung, die den Juden entgegengebracht wurde, war begründet in dem Ehrenkodex Besa, der noch heute in Albanien als der höchste ethische Wert gilt. Besa heißt wörtlich „ein Versprechen halten“. Jemand, der nach dem Prinzip Besa handelt, ist jemand, der sein Wort hält, jemand, dem man sein eigenes Leben und das seiner Familie anvertrauen kann. Die Hilfe, die Juden und Nicht-Juden gewährt wurde, kann als Angelegenheit nationaler Ehre verstanden werden. Die Albaner scheuten keine Mühe, um zu helfen, ja sie konkurrierten sogar untereinander um das Privileg, Juden zu retten. Sie handelten aus Mitleid, menschlicher Güte und dem Bedürfnis, Menschen in Not zu helfen, sogar denen, die einen anderen Glauben oder eine andere Herkunft hatten als sie. Albanien, ein europäischer Staat mit einer muslimischen Mehrheit, brachte zuwege, woran andere europäische Länder scheiterten.

Alle Juden, die während der deutschen Besatzung innerhalb der Staatsgrenzen Albaniens lebten, und zwar albanische Staatsbürger ebenso wie Flüchtlinge, wurden – bis auf einige Mitglieder einer einzigen Familie – gerettet. Es ist eine beeindruckende Tatsache, dass in Albanien am Ende des Krieges mehr Juden lebten als zuvor. (0)

Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat Norman H. Gershman diese berührenden Geschichten und Fotos in dem Buch „BESA: Ein Ehrenkodex“ (Englisch) aufgeschrieben und gesammelt. Das Buch deckt eine vergessene Zeit in der Geschichte auf, die langsam aus einem isolierten kommunistischen Regime auftaucht und zeigt die passionierte Seite einfacher Leute die Juden gerettet haben. Sie haben dabei in Ihrem wahren muslimischen Glauben gehandelt.

Präsident Jimmy Carter schreibt über das Buch folgendes: „Ich hoffe, dass sich diese Fotos und Geschichten in der Welt verbreiten. Sie bringen Hoffnung für eine Zukunft in der Muslime und Juden ihre Konflikte überwinden und sich auf ihre gemeinsame Menschlichkeit besinnen.“

James Earl „Jimmy“ Carter Jr. (* 1. Oktober 1924 in Plains, Georgia) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Er war zwischen 1977 und 1981 der 39. Präsident der Vereinigten Staaten. Von 1971 bis 1975 bekleidete er das Amt des Gouverneurs von Georgia.

Asher Naim, ein israelischer Diplomat, schreibt folgendes:  „Durch Norman H. Gershmans Ausstellungen und Bücher ist es möglich, das wahre Gesicht von Menschlichkeit zu sehen, welches in einem individuellen und kollektiven Licht auf die bescheidenen, jedoch mutigen, muslimischen Albaner scheint, welche, geleitet durch den Kodex des Besa, nach Juden gesucht und sie als Gäste aufgenommen, aber niemals als Fremde behandelt haben.“

Asher Naim (December 28, 1929 – November 11, 2016) ist ein israelischer Diplomat, welcher in israelischen Missionen in die USA, Finnland, Äthiopien, United Nations und Südkorea gedient hat. Naim war von 1990 bis 1991 Israels Botschafter in Äthiopien und hat 1991 eine wichtige Rolle in der Operation Solomon gespielt, bei der ungefähr 14.200 äthiopische Juden nach Israel in nur einem Tag transportiert wurden.

Thomas Peter Lantos, ein US-amerikanischer Politiker jüdischer und ungarischer Herkunft:  „Norman H. Gershman hat sich dafür entschieden, die Welt mit der Tradition des Besa zu belehren und zu beleuchten, welche heutzutage stark, bedeutsam und wunderbar angebracht ist, im Hinblick auf die Hindernisse auf dem Weg zu Frieden, mit denen wir zu kämpfen haben.“

Thomas Peter „Tom“ Lantos (* 1. Februar 1928 in Budapest; † 11. Februar 2008 in Bethesda, Maryland) war ein US-amerikanischer Politiker ungarischer Herkunft.

Herman Bernstein, der amerikanische Botschafter Albaniens, 1934 : „Es gibt keine Spur von Judendiskriminierung in Albanien, denn Albanien ist heute eines der seltenen Länder in Europa, in denen es weder religiöse Vorurteile noch Hass gibt, obwohl sich die Albaner selbst aus drei verschiedenen Glaubensgruppen zusammensetzen.“

 

Islamischer Antisemitismus

Aber das Buch „Islamischer Antisemitismus“, welches ich akribisch gelesen habe, hat kurz und prägnant folgende Message: Alle MuslimeInnen sind antisemitisch bzw. Judenfeindlich. Ich finde, dass dieser kulturelle Rassismus (Neo Rassismus) gegenüber allen MuslimeInnen bis zum Himmel stinkt. Diese Pauschalisierung, vor allem gegenüber Juden und Israel, ist ziemlich hinterhältig, feindlich und nicht zielführend. Ich habe bei dieser Veranstaltung, bei der ich immerhin fair und korrekt von den Organisatoren behandelt wurde, meine Einsprüche kundgetan. Ich will mit dieser Analyse nur sachlich Aufklären, weil ich mich dazu, als Österreicher mit türkischen Wurzel und einer säkularen Einstellung, verpflichtet fühle.

Der Ewige Jude (auch der Wandernde Jude) ist eine Figur aus christlichen Volkssagen, die im 13. Jahrhundert entstand. Das Neue Testament (NT) erwähnt im Rahmen der Passionserzählungen verschiedene Knechte und Soldaten, die Jesus misshandelt haben sollen und die in späteren Versionen der Ahasver-Legende mit dem Ewigen Wanderer oder als der Ewige Jude identifiziert wurden: Sie erzählten ursprünglich von einem Menschen unbekannter Herkunft, der Jesus Christus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottete und dafür von diesem verflucht wurde, unsterblich durch die Welt zu wandern.

Das anonyme deutschsprachige Volksbuch vom Ewigen Juden, gedruckt erschienen in Leiden 1602, machte aus dieser Figur einen Juden und gab ihm den Namen Ahasveros. Diese Variante verbreitete sich in ganz Europa. Fast alle der vorwiegend mündlich überlieferten Orts- und Volkssagen entstanden nach 1602 und beruhten auf der Leidener Legende. Doch sie lösten den ewigen Wanderer bald von seiner Beziehung zur Passion Jesu und machten ihn zum Sinnbild für die Leidensgeschichte des ganzen Judentums. Seine Rastlosigkeit wurde nicht mehr als durch konkrete Schuld verursachte göttliche Strafe, sondern als natürliche Eigenschaft aller Juden verstanden. So gab der lutherische Theologe und Orientalist Johann Jacob Schudt (1664–1722) der Figur in seinem Werk Jüdische Merckwürdigkeiten (1714–1717) folgende Deutung (1): „Dieser umlauffende Jude seye nicht eine eintzelne Person, sondern das gantze Jüdische nach der Creutzigung Christi in alle Welt zerstreuete umherschweifende und nach Christi Zeugnuss biss an den jüngsten Tag bleibende Volck.“

 

Yad Vashem ehrt 22.000 nicht-jüdische Retter von Juden

In Yad Vashem, dem Holocaust Memorial in Jerusalem, ehrt man mehr als 22.000 nicht-jüdische Retter von Juden, die während des Holocausts als „Gerechte unter den Völkern“ gehandelt haben. Die meisten davon sind Christen. Ein kleiner Anteil davon sind jedoch auch Muslime aus Albanien, aus der Türkei, Marokko und anderen naheliegenden Regionen.

Die Signifikanz ihrer Taten übersteigt die kleine Anzahl der Retter, 56 Gerechte wurden aus Albanien geehrt, welche Juden während der deutschen Besetzung von 1943-44 aufgenommen haben.

So wie überall auf der Welt in der Zeit des 2. Weltkriegs, wurden die Juden in Albanien von den Deutschen besonders ins Augenmerk genommen. Aber ihr Schicksal hat sich durch den alten und hochheiligen Brauch des Besa – das Wort der Ehre, erheblich verändert. Wenn dir in Albanien jemand das Besa-Wort in einer bestimmten Weise gibt, ist er dazu verpflichtet, dieses Wort zu halten, koste es, was es wolle. Das hat, zusammen mit einem anderen alten Prinzip der Albaner, jemandem der Hilfe braucht Hilfe zu geben, viel bewirkt.

Nahezu alle 2000 jüdischen Albaner konnten Auschwitz entkommen, da sie versteckt oder auf eine andere Art und Weise von den vorwiegend muslimischen albanischen Landsleuten beschützt wurden. Überlebende berichten, dass sich die Albaner darüber gestritten haben, wer die Ehre haben darf, die fliehenden Juden zu beschützen, ein Phänomen, von dem man in keinem anderen europäischen Land unter der Macht der Nazis gehört hat. Dieses islamische Verhalten der Aufopferung und Gnade feiert die Vernunft des Lebens und die Sicht auf die Anderen, den Fremden, als Familienmitglied.

Ironischerweise blieben die Geschichten jahrelang vergraben, wegen des rigiden kommunistischen Regimes in Albanien, welches jeden Kontakt zur Außenwelt verbot. Dadurch kamen die Geschichten der geretteten Juden in Albanien erst vor Kurzem zum Vorschein. Als dann, vor einigen Jahren, Norman H. Gershman das erste Mal Yad Vashem betrat und von seinem Wunsch, professionelle Fotos von den Gerechten in verschiedenen europäischen Ländern zu machen, erzählte, wurde er auf Albanien und seine Retter aufmerksam gemacht.

Norman H. Gershmans Weg

Seine unzähligen Besuche dort und seine Begegnungen mit den gutherzigen Bewohnern haben einen tiefen Eindruck bei Norman hinterlassen. Er ist ein anderer Mann und sein Buch ist ein Zeugnis für den Glauben und die Hingabe der Retter für die Werte der Menschlichkeit, genauso wie seine Entschlossenheit die Nachricht über die Existenz dieser Menschen an die Öffentlichkeit zu bringen. Er hat seine Investigationen von den Kriegszeiten in Albanien intensiviert und auch auf den Kosovo ausgebreitet, eine Region, die immer noch unter einem zerstörerischen Krieg leidet und auch von einer beträchtlichen Zahl an Muslimen bewohnt wird. Man kann nur hoffen, dass Gershmans Dokumentationen der Gesichter und Geschichten dieser einfachen Leute mit den Herzen aus Gold, zukünftige Generationen inspiriert und an das Potenzial von Gutem erinnert, dass in jedem und jeder herrscht, sowie als Vorbilder in anderen schweren Zeiten dienen. Norman H. Gershmans klare und bewegende Fotos dieser Ritter des Geistes, gemeinsam mit den persönlichen Erinnerungen an diese Taten, sollten von jedem und jeder, der sich um die Zukunft der Menschheit sorgt, gesehen und gelesen werden.(2) Norman H. Gershman hat Geschichten aus dunklen Zeiten vor der Vergessenheit gerettet, in denen Juden von Muslimen, während der deutschen Besetzung in Albanien, beschützt und aufgenommen wurden. Er hat sich um den Dialog und um Verständnis zwischen Juden und Muslimen bemüht.

Die Gemeinsamkeiten Abrahamistischer Religionen und Gershmans Buch

Neben dem Christentum bilden das Judentum und der Islam die drei „abrahamistischen“ Religionen, die alle auf den Propheten Abraham zurückzuführen sind. Die Botschaft der Gemeinsamkeiten vieler grundlegender Werte ist eine, die heute zutiefst notwendig ist.

Durch dieses Buch hat sich der etablierte Fotograf Norman von der traditionellen Rolle eines Fotojournallisten entfernt und ist zu einem Historiker, mit den Fähigkeiten und Intentionen zwei Glaubensrichtungen in Zeiten großer Auseinandersetzungen zusammenzubringen, geworden. Sein Talent als humanistischer Fotograf und Dokumentarist wird hier veranschaulicht, indem seine Linse die guten Intentionen der albanischen Familien einfängt. Obwohl die meisten erst jetzt von diesen Heldentaten erfahren, schafft es Norman H. Gershman sicherzustellen, dass diese Geschichten noch für Generationen bewahrt werden.

Das Buch ist mehr als eine Sammlung von Bildern. Um es zu kreieren, ist Norman mehrmals nach Albanien gereist. Er hat mit den Menschen, die involviert waren und mit deren Kindern gesprochen, um die Geschichten zu protokollieren. Er hat Fotos von den Familien gemacht, wie sie heute, nach all den Jahren, aussehen. Fotos, die, verschmolzen mit den Geschichten und Artefakten aus der Vergangenheit die Gershman gesammelt hat, durch ein emotionales und beispielloses Fenster in eine vergessene Periode der Geschichte Einblick bieten. Ethnografie, mit Leuten zu sprechen, um ihre Geschichten und Kulturen besser zu verstehen, hat Norman in diesem Buch großartig zustande gebracht.

Norman hat so auch ein Licht auf die wahre Natur des Islams, als mitfühlende und abrahamistische Religion, geworfen. Für die albanischen Muslime war es eine religiöse Tat, Juden zu retten, durch das enge Band, das zwischen Juden und Moslems im Islam besteht. Indem sie Juden gerettet haben, waren sie gute Muslime. Die tiefe Verbindung zwischen dem Islam und dem Judentum, zusammen mit der Verbindung, die beide Religionen zum Christentum haben, was den dritten Punkt in dem abrahamistsichen Dreieck bildet, muss anerkannt und diskutiert werden.

Wir sind oft schuldig, wenn wir unseren Glauben in Gegenüberstellung oder Gegensätzlichkeit zu anderen Glaubensrichtungen stellen und eine Exklusivität erwarten. „Wir sind die Reinsten, die Besten,“ sagen wir zu uns selbst. Diese Annahme ist ein Mythos, weil es so viel Osmose, Synthese und Überlappungen zwischen den Religionen gibt.

Der Islam sieht sich als abrahamistische Glaubensrichtung und absorbiert das abrahamistische Vermächtnis: Begriffe des Heiligen, Monotheistischen, Allmächtigen und Unsichtbaren, die 10 Gebote, viele diätische Vorschriften, die großen Propheten- all diese Elemente reflektieren die übernommene abrahamistische Tradition. Abraham ist so wichtig für die Muslime, dass er fünf Mal am Tag erwähnt wird, bei jedem Gebet. Das größte Heiligtum der Muslime, die Kaaba in Mekka, wird stark mit Abraham assoziiert. Der heilige Prophet des Islams, Friede sei mit ihm, war stolz seine Abstammung von Abraham zu verlautbaren.

Norman zeigt uns eine humane, akzeptierende muslimische Gemeinschaft. Sein Interview mit Baba Haxhi Reshat Bardhi, der Vorsitzende des albanischen Bektaschi Orden, reflektiert Mitgefühl und Humanismus im Islam: „Wir Bektaschi sehen Gott überall und in jedem,“ erklärt er. „Gott ist in jeder Pore und jeder Zelle. Das heißt, dass jeder Gottes Kind ist. Es kann keine Ungläubigen geben. Es kann keine Diskriminierung geben. Wenn man ein gutes Gesicht sieht, sieht man das Gesicht Gottes. ‚Gott ist Schönheit, Schönheit ist Gott‘. Es gibt keinen Gott außer Gott.“

Es ist eine Zeit der Herausforderungen, aber auch eine Zeit der Möglichkeiten. Viele Initiativen wurden ergriffen, die in Angesicht auf die Geschichte der abrahamistischen Religionen ein Durchbruch sind. Normans Buch ist ein exzellentes und aktuelles Beispiel dafür.

Wir müssen erkennen, dass der Weg nach vorne durch Dialog stattfindet, wir müssen erkennen, wie wichtig diese Aufgabe ist. Ein kontinuierlicher holistischer Weg ist notwendig: Kurzfristige und oberflächliche Maßnahmen reichen nicht mehr aus. Ich sehe Normans Buch als ein wunderbares Werkzeug und eine Bemühung, Dialog und Verständnis zwischen den abrahamistischen Religionen zu schaffen. Ich habe die Hoffnung, dass seine unvergleichlichen Leistungen von Juden, Muslimen und Christen gelesen und diskutiert werden.

Normans Studien des albanischen Exempels sind ein Zeugnis eines islamischen Verhaltensmusters, das sich fundamental von denen unterscheidet, die man heutzutage überall in den Schlagzeilen liest. Es ist eine Bestandsaufnahme von Taten, die nichts mit Rache, Vergeltung, Hass und Selbstmord zu tun haben, sondern von Mitgefühl, Güte und Hilfe für Personen einer anderen Glaubensrichtung und Herkunft sprechen. Ich hoffe das Beispiel, der albanischen Retter wird als Vorbild für andere dienen, die in ihre Fußstapfen treten und echte Menschlichkeit zeigen, wenn sie vor ähnliche moralische Herausforderungen gestellt sind. Wir haben alle die Aufgabe, nicht nur das Böse des Holocausts in Erinnerung zu behalten, sondern auch das Gute, das die nicht jüdischen Retter, in Form einer helfenden Hand, für die Juden in Not geboten haben.

Als zivilisierte Gesellschaft sind wir an einem Scheideweg. Diese Brücken zwischen den Religionen und Kulturen zu bauen ist nicht mehr intellektueller Zeitvertreib, es ist eine Notwendigkeit, wenn wir das 21. Jahrhundert überleben wollen. Die transzendierte Humanität, die Norman H. Gershman in den Gesichtern und Geschichten der Menschen dokumentiert hat, hat eine tiefgreifende inspirierende Botschaft in Zeiten von Konflikt und Konfrontationen und ich hoffe, diese wird viele Menschen erreichen. Die Intention und Geistlichkeit in Normans Buch und die initiativen die ergriffen wurden, sind dasselbe: Rauszugehen, zu reisen, die verwundete Welt zu retten, zu lernen, zuzuhören, miteinander zu sprechen und Verständnis zu schaffen. (2)

ALI SHEQER PASHKAJ

„Warum hat mein Vater sein Leben und das des ganzen Dorfes riskiert, um einen Fremden zu retten? Mein Vater war ein frommer Muslim. Er glaubte, dass man ins Paradies kommt, wenn man ein Leben rettet.“

Enver Pashkaj vor einer Statue des albanischen Nationalhelden Skanderbeg Fotograf: Norman H. Gershman

Unsere Heimatstadt ist Pukë. Mein Vater besaß einen Lebensmittelladen. Es war der einzige Laden dieser Art im Umkreis von Meilen. Eines Tages kam ein deutscher Transport mit neunzehn albanischen Gefangenen auf dem Weg zur Zwangsarbeit vorbei, und mit einem Juden, der erschossen werden sollte. Mein Vater sprach ausgezeichnet deutsch. Er lud die Nazis in seinen Laden ein und bot ihnen Essen und Wein an. Er zwang ihnen den Wein regelrecht auf, bis sie betrunken waren. In der Zwischenzeit versteckte er einen Zettel in einem Stück Melone, das er dem jungen Juden gab. Dort hieß es, er solle hinausspringen und in den Wald zu einem bestimmten Platz fliehen. Die Nazis waren wütend über diese Flucht, aber mein Vater bestand auf seiner Unschuld. Sie brachten meinen Vater in das Dorf und stellten ihn an die Wand, um Informationen aus ihm herauszuholen, wo der Jude sich versteckt hielt. Viermal setzten sie ihm die Pistole an den Kopf. Sie kamen zurück und drohten, das ganze Dorf niederzubrennen, wenn mein Vater nicht gestehen würde. Mein Vater hielt durch, und schließlich zogen sie ab. Mein Vater holte den Mann aus dem Wald ab und versteckte ihn in seinem Haus, bis der Krieg vorüber war. Sein Name war Yeoshua Baruchowiç. Es gab dreißig Familien in diesem Dorf, aber niemand wusste, dass mein Vater einen Juden versteckte. Yeoshua ist noch am Leben. Er ist Zahnarzt und lebt in Mexiko.

Erzählt von Enver Pashkaj (Ali Sheqer Pashkajs Sohn).

Am 18. März 2002 wurde Ali Sheqer Pashkaj von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

 

DESTAN UND LIME BALLA

„Alle in unserem Dorf waren Muslime. Wir haben die Kinder Gottes unter unserem Besa beschützt.“

Lime Balla Fotograf: Norman H. Gershman

Ich wurde 1910 geboren. Im Jahr 1943, zur Zeit des Ramadan, kamen 17 Leute aus Tirana in unser Dorf, Shengjergji. Sie waren alle auf der Flucht vor den Deutschen. Am Anfang wusste ich nicht, dass sie Juden waren. Wir teilten sie unter den Dorfbewohnern auf. Wir nahmen drei Brüder namens Lazar auf. Wir waren arm – wir hatten nicht einmal einen Esstisch – aber wir erlaubten ihnen kein einziges Mal, für Essen oder Unterkunft zu bezahlen. Ich ging in den Wald um Holz zu hacken und Wasser zu holen. Wir zogen Gemüse in unserem Garten, so hatten wir jede Menge zu essen. Die Juden blieben für 15 Monate in unserem Dorf versteckt. Wir kleideten sie wie Bauern, wie uns selbst. Sogar die Ortspolizei wusste, dass das Dorf Juden versteckte. Ich kann mich erinnern, dass sie viele verschiedene Sprachen sprachen. Im Dezember 1944 verließen die Juden unser Dorf und gingen nach Priština, wo unser Neffe, der bei den Partisanen war, ihnen half. Danach verloren wir jeden Kontakt mit den Brüdern Lazar. Erst im Jahr 1990, fünfundvierzig Jahre später, nahmen Sollomon und Mordehaj Lazar von Israel aus Kontakt mit uns auf. Erzählt von Lime Balla.  Am 4. Oktober 1992 wurden Destan Balla und seine Frau Lime Balla von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

IE BRÜDER HAMID UND XHEMAL VESELI

„Unsere Eltern waren fromme Muslime und glaubten wie wir auch, dass „jedes Klopfen an der Tür ein Segen Gottes“ ist. Wir haben nie Geld von unseren jüdischen Gästen genommen. Alle Menschen sind von Gott. Besa existiert in jeder albanischen Seele.“

Von links nach rechts: Hamid Veseli, Xhemal Veseli Fotograf: Norman H. Gershman

Unser verstorbener Bruder Refik war der erste, der von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt wurde. Jetzt haben wir beide dieselbe Ehre dafür erfahren, dass wir die Famile von Joseph Ben Joseph und die Familie Mandil aufgenommen haben. Unter italienischer Besetzung arbeitete Joseph für mich (Hamid) in meinem Bekleidungsgeschäft, Moshe Mandil arbeitete in dem Fotostudio unseres Bruders Refik. Beide Familien waren Flüchtlinge aus Jugoslawien.

Als im Jahr 1943 die deutsche Besetzung begann, wurden die beiden jüdischen Familien in unser Haus in Krujë gebracht. Xhemal ging mit den Eltern Tag und Nacht 36 Stunden lang, um unser Haus zu erreichen. Wir kleideten sie wie die Leute vom Dorf. Zwei Tage später transportierten wir die Kinder nach Krujë. Tagsüber versteckten wir die Erwachsenen in einer Höhle in den Bergen. Die Kinder spielten mit anderen Kindern im Dorf. Alle Nachbarn wussten, dass wir Juden versteckten. Eines Tages durchsuchten die Deutschen das Dorf. Sie gingen von Haus zu Haus und suchten nach einem Gewehr, das verloren gegangen war. Sie haben das Gewehr nie gefunden und exekutierten den Soldaten, der es verloren hatte.

Wir haben die Juden neun Monate lang bei uns versteckt, bis zur Befreiung. Wir haben jeden Kontakt mit der Familie Ben Joseph verloren. Sie haben Jugoslawien zu früh verlassen, und wir befürchteten, dass die Deutschen sie auf dem Rückzug ermordet haben. Die Familie Mandil ist ebenfalls in ihr Heim in Jugoslawien zurückgegangen. Unser Bruder Refik hat sie nach dem Krieg besucht und hat mit Moshe Fotografie studiert. Die Familie Mandil ist später nach Israel ausgewandert.

Viermal haben wir Albaner unsere Tür geöffnet. Das erstemal für die Griechen während der Hungersnot im Ersten Weltkrieg, dann für die italienischen Soldaten, die in unserem Land ankamen, nachdem sie sich den Alliierten ergeben hatten, dann für die Juden während der deutschen Besetzung, und in jüngster Zeit für die albanischen Flüchtlinge aus dem Kosovo, die auf der Flucht vor den Serben waren. Nur die Juden haben uns ihre Dankbarkeit erwiesen. Erzählt von Hamid Veseli und Xhemal Veseli. Am 23. Mai 2004 wurden die Brüder Hamid und Xhemal Veseli von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

BESIM UND AISHE KADIU

„Mein Vater sagte, die Deutschen müssten seine Familie umbringen, ehe er zuließe, dass sie unsere jüdischen Gäste umbrächten.“

Merushe Kadiu Fotograf: Norman H. Gershman

Wir lebten in dem Dorf Kavajë. Im Jahr 1940 versteckte unsere Familie für kurze Zeit zwei griechische Juden vor den italienischen Faschisten. Sie hießen Jakov und Sandra Batino und sie waren Geschwister. Sie kamen aus Tirana zu uns. Ihr Vater wurde von den Italienern in einem Lager festgehalten. Später, 1944, baten Jakov und Sandra uns noch einmal um Unterschlupf, aus Furcht vor den Nazis. Eine andere Familie versteckte ihre Eltern bei sich. Sandra, Jakov und ich waren enge Freunde. Wir haben alle in einem Schlafzimmer geschlafen. Ich kann mich erinnern, dass wir ein Loch in das Gitter unseres hinteren Schlafzimmerfensters gesägt haben, damit sie fliehen konnten, falls die Deutschen entdeckten, dass sie sich bei uns versteckt hielten. Wir hielten andauernd Ausschau nach den deutschen Patrouillen. Als die Deutschen mit den Razzien begannen und von Haus zu Haus gingen, um Juden zu suchen, brachte mein Vater Jakov und Sandra in ein abgelegenes Dorf. Von da an versorgten wir sie mit allem was nötig war, bis zur Befreiung. Das gab eine große Feier in Kavajë. Ich erinnere mich noch an das Telegramm, das wir von Jakov und Sandra erhielten, und an die Freude über die Befreiung. Sie verließen Tirana bald und gingen dann nach Israel. Ich habe so viele wunderbare Briefe und Bilder aus Israel. Im Jahr 1992 wurde ich von dort eingeladen, um die Auszeichnung als Gerechte unter den Völkern stellvertretend für meine Familie entgegen zu nehmen, und für eine Zeit lang war ich die Vorsitzende der Albanisch-Israelischen Gesellschaft. Es waren Jahre voller Angst damals, aber Freundschaft ist stärker als jede Angst. Erzählt von Merushe Kadiu (Besim und Aishe Kadius Tochter). Am 21. Juli 1992 wurden Besim Kadiu und seine Frau Aishe Kadiu von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

 

NURO HOXHA

„Als überzeugte Muslime erreichte unser Schutz und unsere Menschlichkeit auch selbstverständlich für die Juden. Warum? Besa, Freundschaft und der heilige Koran. Dies ist ein Bild meines Vaters, das ich in meinem Herzen bewahre.“

Sazan Hoxha mit einer Fotografie seines Vaters, Nuro Hoxha Fotograf: Norman H. Gershman

Ich bin der älteste Sohn von Nuro Hoxha, der hier in der Gemeinde von Vlorë als Lehrer und als religiöser Muslim gut bekannt war. Ich kann mich an diese furchtbare Zeit erinnern, als die Nazis von Griechenland nach Vlorë kamen, und die Juden sich verstecken mussten. Ich war zehn Jahre alt. Die Juden von Vlorë, Berat und Elbasan hatten seit 1490 in Albanien gelebt, und viele kamen auf der Flucht von Ioannina in Griechenland hierher.

Mein Vater nahm vier jüdische Familien auf. Sie waren alle seine Freunde. Ich weiß noch, was mein Vater ihnen sagte, als er sie aufnahm: „Jetzt sind wir alle eine Familie. Es wird euch kein Leid geschehen. Meine Söhne und ich werden euch gegen jede Gefahr mit unserem eigenen Leben verteidigen.“

Wir versteckten die Familien in unterirdischen Bunkern, die von unserem großen Haus ausgingen. Es waren drei Generationen der Großfamilie von Ilia Sollomoni und Mojsi Negrin, ingesamt zwölf Leute. Es gab noch andere, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Die Bunker waren miteinander verbunden, und es gab mehrere Fluchtwege. Mein Job war es, den Familien Essen in den Bunker zu bringen und einzukaufen, was sie brauchten. Alle Einwohner von Vlorë waren Antifaschisten, und alle wussten, dass viele Familien Juden versteckten. Erzählt von Sazan Hoxha (Nuro Hoxhas Sohn). Am 21. Juli 1992 wurde Nuro Hoxha von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

 

Norman H. Gershman schreibt: viele Leute haben mich gefragt wieso ich, 60 Jahre nach den Geschehnissen, albanische Muslime, die Juden während des 2. Weltkrieges gerettet haben, aufsuche und ich antwortete wie folgt: 

„Ich wurde 1932 in New Jersey geboren, weit weg von den aufsteigenden Gefahren des Nazismus in Zentraleuropa. Als Kind habe ich aufmerksam Radio gehört und von der wachsenden Bedrohung des Krieges und den darauffolgenden Ereignissen gelernt. Ich erinnere mich, dass mich meine Mutter darauf hingewiesen hat, meine Mahlzeiten in dem Bewusstsein zu essen, dass Juden in Europa verhungern. Der Krieg in Europa und das Wissen von dem Holocaust, der dort stattgefunden hat, haben meine Weltanschauung geprägt und wurde zu dem Hintergrund auf dem sich mein Leben, als weltlicher amerikanischer Jude, langsam entfaltet hat. Meine fotografischen Reisen haben mich in die ehemalige Sowjetunion geführt, zu den Ruinen von Auschwitz und in das Warschau Getto und, erst kürzlich, nach Albanien und in den Kosovo. In meiner Arbeit mit den Albanern und ethisch albanischen Muslimen, die bereitwillig ihre Türen für Tausende, vor Nazis fliehenden, Juden geöffnet haben, habe ich es auf mich genommen, als eine Art Botschafter zu reisen. Als Jude und im Namen der jüdischen Bevölkerung habe ich nach jeder fotografischen Sitzung jeder Familie für die Rettung der Juden während des Holocaust gedankt. Porträtfotografie ist meine Art zu verstehen und anderen meinen angeborenen Glauben an die Herzensgüte und Einheit der Menschen nahezubringen – Qualitäten, die die Grenzen aller Ethnien, Religionen und Nationen überschreiten.“

 

Ich hoffe hiermit habe ich genügend Gründe niedergeschrieben, warum ich bei dieser Veranstaltung besonders Albanien, im Zusammenhang mit dem BESA-Ehrenkodex, als Beispiel genannt habe. (Birol Kilic, 9.04.2019)

Buch: Besa, Muslim who saved Jews in World War II, Norman H. Gershman

 

DIE GESCHICHTE DER TÜRKISCHEN JUDEN
http://www.turkischegemeinde.at/1993/09/die-geschichte-der-tuerkischen-juden/

Austellung: „Die Türken in Wien-Geschichte einer jüdischen Gemeinde“ im Judischen Museum

TKG: GEDENKEN AN NOVEMBERPOGROME-„TÜRKISCHER TEMPEL“
http://www.turkischegemeinde.at/2016/11/tkg-gedenken-an-novemberpogrome-tuerkischer-tempel/

50 JAHRE NACH DEN MASSAKERN VON AUSCHWITZ, TREBLINKA UND DACHAU
http://www.turkischegemeinde.at/1995/09/50-jahre-nach-den-massakern-von-auschwitz-treblinka-und-dachau/

SELTSAME BEGEGNUNGEN: TÜRKEN IN MAUTHAUSEN
http://www.turkischegemeinde.at/2009/11/seltsame-begegnungen-tuerken-in-mauthausen/


Quellen:

(0) https://www.yadvashem.org/

(1)  Alex BeinDie Judenfrage Band 1: Anmerkungen, Exkurse, Register, Deutsche Verlagsanstalt 1980, S. 77

(2) The international Raoul Wallenberg Foundation Direktor 

(3) Ibn Khaldun Vorsitzender der Islamwissenschaft  America University, Washington, D.C.

 

08 Feb
By: TKG 0

Kommt die Gewalt aus dem Islam? Zehn Behauptungen und zehn Antworten

Immer wieder wird Terrorismus mit dem Islam in Verbindung gebracht, weil Täter sich auf die Religion berufen. Doch Gewalt mit dem Islam gleichzusetzen, ist falsch. Eine Einordnung von Ahmad Milad Karimi, der in Münster Islamwissenschaft lehrt.

Behauptung 1: Der Islam ist eine gewalttätige Religion

Der Islam selber kann nicht handeln und auch keine Gewalt ausüben. Islam ist die Bezeichnung für eine Weltreligion mit gegenwärtig ca. 1,6 Milliarden Anhängern. Ein Urteil über den Islam kommt entweder aus dem theologischen Bewusstsein dieser Religion oder aus der empirischen Beobachtung der Muslime. Der Hang zur Gewalt ist keine religiöse Begebenheit.

Hingegen lassen sich die Friedenspotenziale der Religion des Islam theologisch begründen. Der Islam versteht sich als ein Weg der Glückseligkeit: Seine Ethik mit allen Tugenden, die uns seit der Antike bekannt sind, besteht darin, das mittlere Maß zu halten, jenes zwischen zwei Extremen, Übermaß und Mangel. Der Islam als Religion bewegt Muslime dazu, „Frieden zu stiften zwischen den Menschen“ (Koran 2,224). Dafür begreift sich der Koran als Rechtleitung und der Prophet Muhammad als Vorbild.

Das Ziel des Korans ist Gerechtigkeit, nicht zum Beispiel das Abhacken von Händen. Das Handabhacken ist eine Strafe aus dem 7. Jahrhundert. Nicht das Abhacken der Hände ist spezifisch islamisch, nicht der Strafvollzug ist das erklärte Ziel des Islam, sondern die Herstellung einer gerechten Gesellschaftsordnung. Deshalb sind die Strafandrohungen im Koran aus diesem Bewusstsein heraus zu lesen. Heute ist die Welt nicht mehr dieselbe wie damals.

Behauptung 2: Der Koran legitimiert Attentate und Selbstmordattentate

Der Koran versteht sich als eine entschiedene Liebeserklärung Gottes an die Menschen allesamt (vgl. Koran 5,54). In diesem Sinne ist der Koran für Muslime die Offenbarung Gottes, die leitet, trägt, tröstet, zum Guten überzeugt und verpflichtet, das Leben bejaht, Vielfältigkeit und Andersartigkeit würdigt, Hass und Zerstörung klar ablehnt.

In diesem Sinne gibt der Koran zu bedenken: „Wenn einer erhält jemanden am Leben: es soll sein, als hätte er erhalten die Menschen am Leben, allesamt“, wie auch die Tötung eines Menschen derart begriffen wird, „als hätte er getötet die Menschen, allesamt“ (Koran 5,32). Attentäter und Selbstmordattentäter wollen Zerstörung und Vernichtung. Damit ist jeder Mensch jederzeit wert, vernichtet zu werden – für ein größeres Ziel, das aber nicht in diesem Leben zu finden ist.

Dieser militante Nihilismus leugnet die Schöpfung und damit im Wesentlichen den Schöpfer. Sie kehren die Position der islamischen Religion um: Sie leugnen Gott. Attentate und Selbstmordattentate sind deshalb nicht im Entferntesten aus dem Koran zu legitimieren. Denn wer glaubt, so steht es im Koran, der lebt in Demut, der vertraut Gott, spielt aber nicht selbst Gott.

Behauptung 3: Muhammad ist ein Kriegstreiber

Es gibt viele Mythen um den Propheten Muhammad. Es lässt sich nicht leugnen, dass er in seinem Leben Feldzüge – zum größten Teil gegen die Mekkaner – unternommen hat. Es ist aber falsch, die Gründe der Feldzüge undifferenziert bloß kriegerisch zu deuten. Ebenso falsch ist es, seine Person und sein Gesamtwerk, ja seine Botschaft ausschließlich auf diese Feldzüge zu reduzieren. Die muslimische Denktradition hat dafür nahezu eine eigene literarische Erzähltradition entwickelt, die sich peinlich genau mit den einzelnen Feldzügen befasst. Darin werden die Ursachen, Ziele, Verluste, Strategien analysiert und kritisch gewürdigt.

Der Prophet Muhammad hat für die Muslime eindeutig eine völlig andere Bedeutung. Wie der Koran nahelegt, ist er entsandt worden „aus Barmherzigkeit für die Welten“ (Koran 21,106). Die Prinzipien, die er im Bewusstsein der Muslime verkörpert, sind Gerechtigkeit, Güte und Frieden. Muhammad tritt als moralisches Vorbild hervor. Er ermutigt die Muslime nicht zum Schlechten noch stiftet er Intoleranz, sondern an ihm haben die Muslime „ein Vorbild, ein schönes“ (Koran 33,21). Er ist entsandt worden, um den Charakter der Menschen zu vervollkommnen.

Behauptung 4: Muhammad ist der einzig wahre Prophet

Der Islam begreift sich wesentlich als eine Religion, welche die überlieferte Tradition des Juden- und Christentums neu formuliert. Alle drei Religionen beziehen sich auf den Stammvater Abraham. Darüber hinaus legt der Islam einen eigenen theologischen Standpunkt des Gottesbildes dar. Zum islamischen Selbstverständnis gehört die Würdigung der vorausgegangenen monotheistischen Traditionen, also des Juden- und Christentums. Der Prophet Muhammad gilt als Prophet und Gesandter, der in der Tradition einer Reihe von Propheten steht, die von Gott entsandt wurden (vgl. Koran 3,144), um das Gute zu gebieten und das Schädliche abzuwehren.

Ohne Zweifel genießt der Prophet Muhammad eine herausragende Wertschätzung als letzter Prophet. Doch von Adam, Abraham, Hiob, Mose, Jesu und vielen anderen prophetischen Persönlichkeiten ist im Koran ausdrücklich die Rede. Sie werden ausnahmslos mit höchster Würdigung und Anerkennung bedacht – als Vorbilder, Lehrer und Wegweiser. So wird im Koran empfohlen: „Sagt: ‹Wir glauben an Gott und an das, was uns wurde herabgesandt, und was Abraham wurde herabgesandt, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und was empfingen Mose und Jesus, und was empfingen die Propheten von ihrem Herrn. Nicht unterscheiden wir unter ihnen und Ihm wir sind ergeben.›“ (Koran 2, 136).

Behauptung 5: Der Islam ist eine politische Ideologie

Nicht der Islam ist eine politische Ideologie, sondern der Islam kann für diese oder jene politische Ideologie instrumentalisiert werden. Dabei geht die Ideologie stets dem Islam voraus. Nicht Muslime sind ideologisch, sondern Ideologen können auch Muslime sein. Hierfür bietet aber der Islam keine spezifische Plattform an.

Es ist ein historisches Faktum, dass politischen Ideologen islamischer Prägung kaum adäquate theologische Ausbildung erfahren haben. Zumeist handelt es sich um Amateure mit mangelhafter intellektueller Anschauung und marginalem Verständnis der vielfältigen und von Mehrdeutigkeit getragener Geistesgeschichte der islamischen Tradition. Für das Phänomen der Ideologisierung trägt nämlich der Islam dasselbe Schicksal wie das Christentum und der Buddhismus.

Behauptung 6: Der Islam strebt die Weltherrschaft an, Jihad ist der Weg dahin

Bereits am Anfang der ersten Sure des Korans wird deutlich hervorgehoben, dass allein Gott die oberste Gewalt zukommt: „Das Lob Gott, dem Herrn der Welten, dem Barmherzigen und dem Erbarmer, dem Herrscher am Tage des Gerichts“ (Koran 1,2-4). Der Islam ist aber nicht Gott. Gegen den Anspruch, alle Menschen sollen Muslime werden, wird im Koran gesagt: „Für jeden von euch haben Wir Richtung und Weg bestimmt. Und hätte Gott gewollt, hätte Er euch gemacht zu einer Gemeinschaft, einer einzigen. Aber Er wollte euch in dem prüfen, was Er euch gegeben. So wetteifert um die guten Dinge! Zu Gott werdet ihr zurückkehren, allesamt, und dann wird Er euch offenlegen, worüber ihr uneins wart“ (Koran 5,48).

Jihad bedeutet weder Krieg noch heiliger Krieg. Sondern es geht hierbei um die individuelle Abmühung auf dem Wege Gottes (vgl. Koran 61,11). So wird in der islamischen Geistestradition sehr differenziert mit diesem Phänomen umgegangen. Zum Beispiel wird zwischen dem kleinen und dem großen Jihad unterschieden. Der große Jihad gilt als der innere Kampf des Menschen mit sich selbst, mit dem Ziel, Selbstkontrolle, Reinheit der Seele und Veredelung des Charakters zu erlangen. Dabei ist entschieden zu sagen, dass eine aktive, verletzende Gewalt schlicht verboten ist. Für das individuelle Leben der Muslime ist Jihad allein als verteidigende, abwehrende Gewalt legitimiert, was auch völkerrechtlich zulässig ist.

Behauptung 7: Es ist nicht erlaubt, den Koran zu interpretieren. Es gilt das geschriebene Wort.

Der Koran ist die Offenbarung des einen Gottes. Diese Offenbarung ist sprachlich vermittelt. Der Grundcharakter dieser sprachlichen Vermittlung ist ästhetisch: Der Koran ist zutiefst poetisch, er hat Klang, Rhythmus, Melodie, Takt, Reim; grundsätzlich ist der Koran geprägt von Metaphern, Analogien, Gleichnissen, Sprachbildern, Erzählungen, Fragmenten, Andeutungen etc. Der Zugang zu dieser „progressiven Universalpoesie“ – um eine Wendung des Literaturhistorikers A.W. Schlegel zu gebrauchen – ist ausschließlich die Interpretation. Muslime verhalten sich zum Koran im Akt des Verstehens. Die beabsichtigte Botschaft des Korans will nämlich verstanden sein.

Insofern gilt das geschriebene Wort für das Bewusstsein des Menschen. Jedes Bewusstsein ist aber historisch, im umfassenden Sinne geprägt vom historischen Kontext. Daher muss jeder, der den Koran verstehen will, nicht nur die historischen Bedingungen bedenken, sondern auch seine eigenen Voraussetzungen wahrnehmen. Der Umgang mit dem Koran wird dadurch aber nicht beliebig. Verständnis setzt zwar Pluralität voraus, aber die Auslegung hat auch konkrete Rahmenbedingungen zu erfüllen. Sie muss plausibel sein, den Zeitgeist berücksichtigen, die Offenheit des Korans bewahren und im Einklang mit dem Gesamttext stehen.

Behauptung 8: Im Koran wird zur Erniedrigung und Unterdrückung der Frauen aufgerufen

Im Koran lässt sich ein solcher Aufruf nicht einfach finden. Frauen und Männer sind gleichwertig. Der Islam kennt keine Erbsünde, die auf Eva zurückgeführt wird. Im Koran werden Eva und Adam verführt, Eva tritt nicht als Verführerin auf. Im Koran wird nicht selten von den frommen und gläubigen Frauen im gleichen Atemzug gesprochen wie von den frommen und gläubigen Männer. Historisch lässt sich zeigen, dass sich die Stellung der Frauen mit der Entstehung des Islam deutlich verbessert hat. So mahnt der Prophet die Männer: „Der Beste unter euch ist derjenige, der am besten zu seiner Frau ist.“ Frauen gerecht zu behandeln, ist klar aus dem Koran zu entnehmen. Die Frauen, von denen wir aus dem Umkreis des Propheten erfahren, waren stets selbstbewusste, mutige, starke Frauen. Somit ist im Koran selber kein Grund gegeben, Frauen zu unterdrücken oder gar zu erniedrigen. Eine solche Haltung muss als eine Perversion der Religion des Islam bezeichnet werden.

Es ist aber auch anachronistisch und falsch, aus den heutigen, emanzipatorischen Errungenschaften heraus über das Frauenbild im Koran zu urteilen. Im Kontext der Zeit zeigt der Koran einen revolutionären Fortschritt für die Frauen. Dies sollte der Geist sein, den die Muslime auch heute in ihrer Auslegung des Korans zu beachten haben. Mit anderen Worten: Die Vision, die der Koran im Kontext des 7. Jahrhunderts auf der arabischen Halbinsel formuliert, ist nicht erreicht: die Würdigung der Frau in allen Belangen des Lebens.

Behauptung 9: Muslime verachten Andersgläubige und Nichtgläubige

Muslime verachten die, die andere verachten. Der Islam erhebt keinen absoluten Exklusivanspruch. Jedoch ist das Verhältnis der Muslime zu den Nichtmuslimen differenziert. In aller Deutlichkeit gibt der Koran vor, dass Muslime weder Andersgläubige und Nichtgläubige ignorieren sollen noch sie verachten oder gar mit Gewalt und unter Zwang zum Islam bekehren sollen. „Streitet mit den Leuten der Schrift [d.h. Juden und Christen] nur in schöner Weise!“ (Koran 29,46), heißt es im Koran. An keiner Stelle des Korans findet sich ein Pauschalurteil über die Juden und Christen. Sehr wohl aber ist eine dezidierte Kritik an einem bestimmten Verständnis jüdischer oder christlicher Prägung zu lesen. Die Kritik bezieht sich aber immer auf einen bestimmen religiösen Gegenstand. Zum Beispiel wird das jüdische Verständnis der Erwählung des einen Volkes mit dem Argument zurückgewiesen, dass es gegen die universale Zuwendung Gottes verstößt. Weiter wird im Koran der Gedanke der Christologie und die damit verbundene Trinität abgelehnt, weil er die absolute Einheit Gottes verletzt.

Der Koran empfiehlt also eine argumentative und ästhetische Streitkultur für das Gute, Wahre und Schöne. Weiter ist zu lesen: „Gott ist unser Herr und euer Herr. Uns unsere Werke und euch eure Werke! Kein Streitgrund zwischen uns und euch. Gott wird uns versammeln. Und zu Ihm führt die Heimkehr“ (Koran 42,15). Der Islam predigt aber auch keinen Relativismus. Nicht an Gott zu glauben wird nicht für gleichwertig geachtet; jedoch nicht Menschen richten über Menschen in dieser Angelegenheit, sondern eben allein Gott.

Behauptung 10: Scharia bedeutet Frauen steinigen und Hände abhacken

Die Scharia ist kein Buch, in dem dieses oder jenes steht, keine Gesetzessammlung oder ein bestimmter Teil des Korans, sondern die Bezeichnung für Gottes Urteil. Sie ist auch kein Handbuch zur Legitimation von Gewalt. Der Begriff Scharia bezeichnet einen Weg, den Weg zur unerschöpflichen Quelle. Eine eindeutige Klärung des Begriffs gibt es nicht in der islamischen Tradition. Vielmehr wird das Phänomen Scharia perspektivisch gedeutet: Es ist eben Gottes Urteil, das das menschliche Verhalten und Handeln beurteilt, ein Urteil also, das sich naturgemäß vom menschlichen Urteil unterscheiden muss. Der Mensch verfügt demnach nicht über die Scharia, er kann nur versuchen, sie zu verstehen und nachzuvollziehen.

Aus der Perspektive des Menschen ist die Scharia eine Norm, die das ethische und moralische Handeln des Menschen begründet. Sie ist aber für den Menschen nicht gänzlich erfassbar. Die Scharia ist absolut, aber der Mensch kann die göttlichen Instanz nur annähernd ergründen, verstehen und beurteilen. Aus diesem Bewusstsein heraus ist im Islam eine eigene Disziplin der Rechtsgelehrsamkeit hervorgegangen, die sich eben fiqh (Verständnis) nennt. Die Rechtswissenschaft vertritt also nicht die Scharia, sondern ein (relatives) Verständnis derselben. Es ist aber sehr wohl eine Wissenschaft, sie ist methodisch bestimmt, historisch begründet und vor allem an Kriterien gebunden, die unter anderem vom Koran als erste sowie von der Sunna als prophetische Quelle ausgehen.

Der Koran versteht sich als eine entschiedene Liebeserklärung Gottes an die Menschen allesamt (vgl. Koran 5,54). In diesem Sinne ist der Koran für Muslime die Offenbarung Gottes, die leitet, trägt, tröstet, zum Guten überzeugt und verpflichtet, das Leben bejaht, Vielfältigkeit und Andersartigkeit würdigt, Hass und Zerstörung klar ablehnt.

In diesem Sinne gibt der Koran zu bedenken: „Wenn einer erhält jemanden am Leben: es soll sein, als hätte er erhalten die Menschen am Leben, allesamt“, wie auch die Tötung eines Menschen derart begriffen wird, „als hätte er getötet die Menschen, allesamt“ (Koran 5,32). Attentäter und Selbstmordattentäter wollen Zerstörung und Vernichtung. Damit ist jeder Mensch jederzeit wert, vernichtet zu werden – für ein größeres Ziel, das aber nicht in diesem Leben zu finden ist.

Dieser militante Nihilismus leugnet die Schöpfung und damit im Wesentlichen den Schöpfer. Sie kehren die Position der islamischen Religion um: Sie leugnen Gott. Attentate und Selbstmordattentate sind deshalb nicht im Entferntesten aus dem Koran zu legitimieren. Denn wer glaubt, so steht es im Koran, der lebt in Demut, der vertraut Gott, spielt aber nicht selbst Gott.

Behauptung 3: Muhammad ist ein Kriegstreiber

Es gibt viele Mythen um den Propheten Muhammad. Es lässt sich nicht leugnen, dass er in seinem Leben Feldzüge – zum größten Teil gegen die Mekkaner – unternommen hat. Es ist aber falsch, die Gründe der Feldzüge undifferenziert bloß kriegerisch zu deuten. Ebenso falsch ist es, seine Person und sein Gesamtwerk, ja seine Botschaft ausschließlich auf diese Feldzüge zu reduzieren. Die muslimische Denktradition hat dafür nahezu eine eigene literarische Erzähltradition entwickelt, die sich peinlich genau mit den einzelnen Feldzügen befasst. Darin werden die Ursachen, Ziele, Verluste, Strategien analysiert und kritisch gewürdigt.

Der Prophet Muhammad hat für die Muslime eindeutig eine völlig andere Bedeutung. Wie der Koran nahelegt, ist er entsandt worden „aus Barmherzigkeit für die Welten“ (Koran 21,106). Die Prinzipien, die er im Bewusstsein der Muslime verkörpert, sind Gerechtigkeit, Güte und Frieden. Muhammad tritt als moralisches Vorbild hervor. Er ermutigt die Muslime nicht zum Schlechten noch stiftet er Intoleranz, sondern an ihm haben die Muslime „ein Vorbild, ein schönes“ (Koran 33,21). Er ist entsandt worden, um den Charakter der Menschen zu vervollkommnen.

Behauptung 4: Muhammad ist der einzig wahre Prophet

Der Islam begreift sich wesentlich als eine Religion, welche die überlieferte Tradition des Juden- und Christentums neu formuliert. Alle drei Religionen beziehen sich auf den Stammvater Abraham. Darüber hinaus legt der Islam einen eigenen theologischen Standpunkt des Gottesbildes dar. Zum islamischen Selbstverständnis gehört die Würdigung der vorausgegangenen monotheistischen Traditionen, also des Juden- und Christentums. Der Prophet Muhammad gilt als Prophet und Gesandter, der in der Tradition einer Reihe von Propheten steht, die von Gott entsandt wurden (vgl. Koran 3,144), um das Gute zu gebieten und das Schädliche abzuwehren.

Ohne Zweifel genießt der Prophet Muhammad eine herausragende Wertschätzung als letzter Prophet. Doch von Adam, Abraham, Hiob, Mose, Jesu und vielen anderen prophetischen Persönlichkeiten ist im Koran ausdrücklich die Rede. Sie werden ausnahmslos mit höchster Würdigung und Anerkennung bedacht – als Vorbilder, Lehrer und Wegweiser. So wird im Koran empfohlen: „Sagt: ‹Wir glauben an Gott und an das, was uns wurde herabgesandt, und was Abraham wurde herabgesandt, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und was empfingen Mose und Jesus, und was empfingen die Propheten von ihrem Herrn. Nicht unterscheiden wir unter ihnen und Ihm wir sind ergeben.›“ (Koran 2, 136).

Behauptung 5: Der Islam ist eine politische Ideologie

Nicht der Islam ist eine politische Ideologie, sondern der Islam kann für diese oder jene politische Ideologie instrumentalisiert werden. Dabei geht die Ideologie stets dem Islam voraus. Nicht Muslime sind ideologisch, sondern Ideologen können auch Muslime sein. Hierfür bietet aber der Islam keine spezifische Plattform an.

Es ist ein historisches Faktum, dass politischen Ideologen islamischer Prägung kaum adäquate theologische Ausbildung erfahren haben. Zumeist handelt es sich um Amateure mit mangelhafter intellektueller Anschauung und marginalem Verständnis der vielfältigen und von Mehrdeutigkeit getragener Geistesgeschichte der islamischen Tradition. Für das Phänomen der Ideologisierung trägt nämlich der Islam dasselbe Schicksal wie das Christentum und der Buddhismus.

Behauptung 6: Der Islam strebt die Weltherrschaft an, Jihad ist der Weg dahin

Bereits am Anfang der ersten Sure des Korans wird deutlich hervorgehoben, dass allein Gott die oberste Gewalt zukommt: „Das Lob Gott, dem Herrn der Welten, dem Barmherzigen und dem Erbarmer, dem Herrscher am Tage des Gerichts“ (Koran 1,2-4). Der Islam ist aber nicht Gott. Gegen den Anspruch, alle Menschen sollen Muslime werden, wird im Koran gesagt: „Für jeden von euch haben Wir Richtung und Weg bestimmt. Und hätte Gott gewollt, hätte Er euch gemacht zu einer Gemeinschaft, einer einzigen. Aber Er wollte euch in dem prüfen, was Er euch gegeben. So wetteifert um die guten Dinge! Zu Gott werdet ihr zurückkehren, allesamt, und dann wird Er euch offenlegen, worüber ihr uneins wart“ (Koran 5,48).

Jihad bedeutet weder Krieg noch heiliger Krieg. Sondern es geht hierbei um die individuelle Abmühung auf dem Wege Gottes (vgl. Koran 61,11). So wird in der islamischen Geistestradition sehr differenziert mit diesem Phänomen umgegangen. Zum Beispiel wird zwischen dem kleinen und dem großen Jihad unterschieden. Der große Jihad gilt als der innere Kampf des Menschen mit sich selbst, mit dem Ziel, Selbstkontrolle, Reinheit der Seele und Veredelung des Charakters zu erlangen. Dabei ist entschieden zu sagen, dass eine aktive, verletzende Gewalt schlicht verboten ist. Für das individuelle Leben der Muslime ist Jihad allein als verteidigende, abwehrende Gewalt legitimiert, was auch völkerrechtlich zulässig ist.

Behauptung 7: Es ist nicht erlaubt, den Koran zu interpretieren. Es gilt das geschriebene Wort.

Der Koran ist die Offenbarung des einen Gottes. Diese Offenbarung ist sprachlich vermittelt. Der Grundcharakter dieser sprachlichen Vermittlung ist ästhetisch: Der Koran ist zutiefst poetisch, er hat Klang, Rhythmus, Melodie, Takt, Reim; grundsätzlich ist der Koran geprägt von Metaphern, Analogien, Gleichnissen, Sprachbildern, Erzählungen, Fragmenten, Andeutungen etc. Der Zugang zu dieser „progressiven Universalpoesie“ – um eine Wendung des Literaturhistorikers A.W. Schlegel zu gebrauchen – ist ausschließlich die Interpretation. Muslime verhalten sich zum Koran im Akt des Verstehens. Die beabsichtigte Botschaft des Korans will nämlich verstanden sein.

Insofern gilt das geschriebene Wort für das Bewusstsein des Menschen. Jedes Bewusstsein ist aber historisch, im umfassenden Sinne geprägt vom historischen Kontext. Daher muss jeder, der den Koran verstehen will, nicht nur die historischen Bedingungen bedenken, sondern auch seine eigenen Voraussetzungen wahrnehmen. Der Umgang mit dem Koran wird dadurch aber nicht beliebig. Verständnis setzt zwar Pluralität voraus, aber die Auslegung hat auch konkrete Rahmenbedingungen zu erfüllen. Sie muss plausibel sein, den Zeitgeist berücksichtigen, die Offenheit des Korans bewahren und im Einklang mit dem Gesamttext stehen.

Behauptung 8: Im Koran wird zur Erniedrigung und Unterdrückung der Frauen aufgerufen

Im Koran lässt sich ein solcher Aufruf nicht einfach finden. Frauen und Männer sind gleichwertig. Der Islam kennt keine Erbsünde, die auf Eva zurückgeführt wird. Im Koran werden Eva und Adam verführt, Eva tritt nicht als Verführerin auf. Im Koran wird nicht selten von den frommen und gläubigen Frauen im gleichen Atemzug gesprochen wie von den frommen und gläubigen Männer. Historisch lässt sich zeigen, dass sich die Stellung der Frauen mit der Entstehung des Islam deutlich verbessert hat. So mahnt der Prophet die Männer: „Der Beste unter euch ist derjenige, der am besten zu seiner Frau ist.“ Frauen gerecht zu behandeln, ist klar aus dem Koran zu entnehmen. Die Frauen, von denen wir aus dem Umkreis des Propheten erfahren, waren stets selbstbewusste, mutige, starke Frauen. Somit ist im Koran selber kein Grund gegeben, Frauen zu unterdrücken oder gar zu erniedrigen. Eine solche Haltung muss als eine Perversion der Religion des Islam bezeichnet werden.

Es ist aber auch anachronistisch und falsch, aus den heutigen, emanzipatorischen Errungenschaften heraus über das Frauenbild im Koran zu urteilen. Im Kontext der Zeit zeigt der Koran einen revolutionären Fortschritt für die Frauen. Dies sollte der Geist sein, den die Muslime auch heute in ihrer Auslegung des Korans zu beachten haben. Mit anderen Worten: Die Vision, die der Koran im Kontext des 7. Jahrhunderts auf der arabischen Halbinsel formuliert, ist nicht erreicht: die Würdigung der Frau in allen Belangen des Lebens.

Behauptung 9: Muslime verachten Andersgläubige und Nichtgläubige

Muslime verachten die, die andere verachten. Der Islam erhebt keinen absoluten Exklusivanspruch. Jedoch ist das Verhältnis der Muslime zu den Nichtmuslimen differenziert. In aller Deutlichkeit gibt der Koran vor, dass Muslime weder Andersgläubige und Nichtgläubige ignorieren sollen noch sie verachten oder gar mit Gewalt und unter Zwang zum Islam bekehren sollen. „Streitet mit den Leuten der Schrift [d.h. Juden und Christen] nur in schöner Weise!“ (Koran 29,46), heißt es im Koran. An keiner Stelle des Korans findet sich ein Pauschalurteil über die Juden und Christen. Sehr wohl aber ist eine dezidierte Kritik an einem bestimmten Verständnis jüdischer oder christlicher Prägung zu lesen. Die Kritik bezieht sich aber immer auf einen bestimmen religiösen Gegenstand. Zum Beispiel wird das jüdische Verständnis der Erwählung des einen Volkes mit dem Argument zurückgewiesen, dass es gegen die universale Zuwendung Gottes verstößt. Weiter wird im Koran der Gedanke der Christologie und die damit verbundene Trinität abgelehnt, weil er die absolute Einheit Gottes verletzt.

Der Koran empfiehlt also eine argumentative und ästhetische Streitkultur für das Gute, Wahre und Schöne. Weiter ist zu lesen: „Gott ist unser Herr und euer Herr. Uns unsere Werke und euch eure Werke! Kein Streitgrund zwischen uns und euch. Gott wird uns versammeln. Und zu Ihm führt die Heimkehr“ (Koran 42,15). Der Islam predigt aber auch keinen Relativismus. Nicht an Gott zu glauben wird nicht für gleichwertig geachtet; jedoch nicht Menschen richten über Menschen in dieser Angelegenheit, sondern eben allein Gott.

Behauptung 10: Scharia bedeutet Frauen steinigen und Hände abhacken

Die Scharia ist kein Buch, in dem dieses oder jenes steht, keine Gesetzessammlung oder ein bestimmter Teil des Korans, sondern die Bezeichnung für Gottes Urteil. Sie ist auch kein Handbuch zur Legitimation von Gewalt. Der Begriff Scharia bezeichnet einen Weg, den Weg zur unerschöpflichen Quelle. Eine eindeutige Klärung des Begriffs gibt es nicht in der islamischen Tradition. Vielmehr wird das Phänomen Scharia perspektivisch gedeutet: Es ist eben Gottes Urteil, das das menschliche Verhalten und Handeln beurteilt, ein Urteil also, das sich naturgemäß vom menschlichen Urteil unterscheiden muss. Der Mensch verfügt demnach nicht über die Scharia, er kann nur versuchen, sie zu verstehen und nachzuvollziehen.

Aus der Perspektive des Menschen ist die Scharia eine Norm, die das ethische und moralische Handeln des Menschen begründet. Sie ist aber für den Menschen nicht gänzlich erfassbar. Die Scharia ist absolut, aber der Mensch kann die göttlichen Instanz nur annähernd ergründen, verstehen und beurteilen. Aus diesem Bewusstsein heraus ist im Islam eine eigene Disziplin der Rechtsgelehrsamkeit hervorgegangen, die sich eben fiqh (Verständnis) nennt. Die Rechtswissenschaft vertritt also nicht die Scharia, sondern ein (relatives) Verständnis derselben. Es ist aber sehr wohl eine Wissenschaft, sie ist methodisch bestimmt, historisch begründet und vor allem an Kriterien gebunden, die unter anderem vom Koran als erste sowie von der Sunna als prophetische Quelle ausgehen.

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich beim Schweizer Radio und Fernsehen, srf.ch/kultur.

 

31 Aug
By: TKG 0

TKG STELLUNGNAHME ZU SARRAZINS BUCH !

Stellungnahme der Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) bezüglich Sarrazins neuem Buch:

Wir würden, als liberale, säkulare Muslime aus der Türkei in Österreich, die wir nicht alle vertreten, sehr gerne Herrn Thilo Sarrazin und sein zweites Buch „Feindliche Übernahme“ unterstützen.

Wir haben immer, bei unseren österreichischen und deutschen Ansprechpartnern, egal ob aus der Politik, Medien, Bürokraten bzw. aus Religionsgemeinschaften, um eines gebeten: “ Bitte die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht pauschalisieren. Wissen aneignen und sachlich bleiben, damit wir zusammen für die freiheitliche, demokratische Grundordnung als wehrhafte Demokraten zusammen auf Augenhöhe kooperieren können. Und hier haben wir Säkularität als Sauerstoff der Demokratie definiert.  Wir sind keine Hoftürken bzw. keine Hofmuslime und möchten keine werden sondern wir wollen bewusste Bürger bzw. Citiyons der Republik Österreich bzw. EU werden mit gleichen Rechten und  natürlich mit gleichen Pflichten.“

 

Das Buch von T. Sarrazin ist schlecht recherchiert (E.E.):

Antwort: Prof. Dr. Aziz Sancar und andere

Aziz Sancar Aziz Sancar (8. September 1946 in Savur, Provinz Mardin, Türkei) ist ein türkisch-amerikanischer Genetiker. Für 2015 wurde ihm „für die mechanistischen Studien zur DNA-Reparatur“ gemeinsam mit Tomas Lindahl und Paul Modrich der Nobelpreis für Chemie zugesprochen.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aziz_Sancar?wprov=sfti1

 

Hetzebuch -Volksverhetzung

Thilo Sarrazins neues Buch „Feindliche Übernahme“ ist wie sein vorheriges Buch „Deutschland schafft sich ab” weder ein Fachbuch, ein Informationsbuch noch ein Provokationsbuch, sondern ein Hetzebuch (Volksverhetzung), in dem biologisch und kulturell gefärbter Rassismus mit den folgenden Worten vertreten wird: „Die religiös gefärbte kulturelle Andersartigkeit der Mehrheit der Muslime und deren steigende Geburtenzahlen gefährden offene Gesellschaft, Demokratie und Wohlstand.

Die liberalen Muslime aus der Türkei, aus Deutschland und aus Österreich, mit einer säkularen Einstellung gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, fühlen sich sicher nicht von Sarrazin und seinen verallgemeinernden Ansichten vertreten. Er schreibt in dem Buch immer von liberalen Muslimen, oder angeblich liberalen Quellen muslimischer Wissenschaftler, als ob er hier auch uns vertritt oder eine Stimme für alle ist und tut so, als ob er uns dadurch stärken würde. Sarrazin beruft sich auf liberale muslimische Stimmen in Deutschland. Wer sind die Brandstifter die als Feuerlöscher auftreten überhaupt?

Das ist eine Farce, Manipulation, Verdrehung, Verdunkelung, Vernebelung der hinterhältigen, hinterlistigen und doppelmoralischen Ziele von Thilo Sarrazin und seinen Unterstützern. Sarrazin unterstützt mit diesem Buch den politisierten Glauben und die Fundamentalisten der islamischen Welt, insbesondere in Deutschland und in Österreich und spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern missbraucht Meinungsfreiheit und hetzt pauschal gegen Menschen, die aus dem Islamischen Kulturbereich stammen. Die Geschichte ist da, um aus der Geschichte zu lernen.

Wir sollten aus der Gesichte in  der EU vor allem lernen.

Wir erheben Einspruch!

TKG Thesen

Volksverhetzung unter dem Deckmantel Religionskritik? 

Unter dem Vorwand „Meinungsfreiheit“ darf man in Deutschland auch nicht Juden satanisieren, Talmud & Tora manipulieren und aus dem historischen Kontext und Zusammenhang reißen, um die Juden, das Judentum (und den Glauben über TALMUD ) pauschal zu schikanieren bzw. terrorisieren und zu verächtlichen.

In Wahrheit muss man unbedingt betonen: Mit Sarrazin der anscheinend unter „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) leidet, eine Islamdebatte zu führen, ist, als ob man mit Goebbels über Judentum diskutieren würde…  

Man kann hier nicht von einer Verantwortungslosigkeit, Provokation, Meinungsfreiheit oder Religionskritik reden, sondern von einer puren Volksverhetzung ersten Grades. In dem Buch werden „alle Muslime mit Erbdummheit“ verächtlich bezeichnet und schikaniert, was für uns lächerlich ist, aber in der Öffentlichkeit wird das Buch wie „Mein Kampf“ de facto von manchen Parteien, NGOs und Zeitungen propagiert und damit Deutschlands freiheitliche demokratische Grundordnung zerstört, da hier vorsätzlich und absichtlich Hass gestachelt und mit der Würde der Menschen gespielt wird. 

Wir sind als säkulare Österreicher mit türkischer Abstammung gegen jeglichen politisierten Glauben, insbesondere gegen die fundamentalistischen Bewegungen aus unseren Kreisen, die wir seit Jahren in Österreich durch Verstand, Vernunft, Kritik und Aufklärung und einem tiefen Glauben an die österreichische Demokratie und den Rechtsstaat, hart bekämpfen.  

Wir brauchen keine Freunde wie Sarrazin! Wenn man solche Volksverhetzer als Freunde hat, braucht man keine Feinde!

 

Deutschland-Art. 1 Absatz 1 Grundgesetzt

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
 

„Unter Menschenwürde versteht man die Vorstellung, dass alle Menschen unabhängig irgendwelchen Merkmalen wie etwa Herkunft, Geschlecht oder Alter denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, nämlich die Würde. Seine Verankerung als erste Norm des Grundgesetzes ist eine bewusste Reaktion auf die massive Missachtung der Menschenwürde im Nationalsozialismus.

Im Verständnis des Bundesverfassungsgerichts  bezieht nach der Ordnung des Grundgesetzes der Staat seine Legitimation allein daraus, dass er den Menschen konkret dient. Die Menschenwürde ist damit der oberste Grundwert und die Wurzel aller Grundrechte. Als einzige Verfassungsnorm gilt die Menschenwürde absolut, sie kann durch keine andere Norm beschränkt werden, auch nicht durch ein anders, von der Menschenwürde abgeleitetes Grundrecht.“

 

Die Volksverhetzung ist in Deutschland ein Äußerungsdelikt nach §130 StGB: Volksverhetzung,
auch in Österreich, nach §283 StGB: Verhetzung.   

Unserer Meinung nach stört der Deutsche Herr Thilo Sarrazin mit dem Buch „Feindliche Übernahme“, unter dem Vorwand Religionskritik, den öffentlichen Frieden vorsätzlich.  

Er stachelt Hass an bzw. fordert Willkürmaßnahmen gegen eine nationalistische, rassistische, religiöse und durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, kurz, alle Muslime in Deutschland und Österreich wegen der Zugehörigkeit zu der Islamische Religion.  

Herr Sarrazin greift die Menschenwürde in dem Buch dadurch an, dass er vorbezeichnete Gruppen und Teile der Bevölkerung beschimpft, schikaniert, böswillig verächtlich macht und pauschal verleumdet. Unter dem Vorwand der freien Meinungsäußerung übt Sarrazin mit diesem Buch pure Verhetzung gegenüber einer Religionsgemeinschaft in Deutschland und in Österreich aus.  Vorsicht: Deutschland und Österreich verlieren damit ihre moralische Überlegenheit bzw.Deutungshoheit.

Zwischenfrage:
Rechtstaat oder  mit Sarrazins Willkür Un·rechts·staat gegen Moslem.

Der Begriff Unrechtsstaat gegen Katholiken in Deutschland? 

„Der Begriff wird auf den preußischen Katholiken  Peter Reichensperger (1810–1892) zurückgeführt. Mit dem Begriff des Unrechtsstaates wollte Reichensperger andeuten, dass Preußen ein solcher würde, wenn es die Rechte seiner katholischen Untertanen beschneidet. In der 24. Sitzung der  Zweiten Kammer des Preußischen Landtags am 12. Februar 1853 äußerte der Abgeordnete Reichensperger: „Ich denke, der Rechtsstaat besteht darin, dass der Obrigkeit das Schwert zum Schrecken der Bösen anvertraut ist, und zum Schutze derer, die in ihrem Recht sind, ihr Recht üben; einen Unrechtsstaat würde man dagegen meines Erachtens denjenigen zu nennen haben, welcher die Unruhestifter schützen und diejenigen bedrohen wollte, die in ihrem Rechte sind.“

 

Sarrazins Quellen: Leserbriefe und „Achse des Guten“

Die von Sarrazin verwendeten Quellen zeigen eines deutlich: Er verwendet keine seriösen, sachkundigen Quellen. Er zitiert hinterlistig Islamwissenschaftler sowie Vertreter des angeblichen liberalen Islams in Deutschland. Wenn man die Quellen genau unter die Lupe nimmt sieht man, dass sich die Mehrheit seiner Quellenangaben auf Zeitungs- und Fernsehbeiträge, bis hin zu Leserbriefen der BILD Zeitung, sowie auf Internetportale wie die als antiislamisch bekannte Hetze-Webseite „Achse des Guten“, beziehen. Das sind Sarrazins Quellen.

Er macht keine objektive bzw. profunde Analyse, sondern baut auf Verzerrung, Manipulation von Fakten und Geschichte. Unter dem Deckmantel der Sachlichkeit, die er versucht, durch das Anführen mehrerer Statistiken mit angeblichen Fußnoten, zu untermauern, steckt im Wesen ein feindliches, hetzerisches, kulturrassistisches, antiislamisches Hetzebuch.

Sarrazin und Kulturalismus (Kultureller Rassismus-Neorassismus)

In Sarrazins neuem Buch wird ein Kapital mit dem Titel „Erbdummheit der Muslime“ (S. 144 u. S. 499) unverschämt benannt.

Laut Experten:

„….-führt Sarrazin unter diesem Kapital anders als in „Deutschland schafft sich ab“ – nichts mehr auf biologisch-genetische Ursachen zurück, sondern auf den kulturellen Einfluss des Islams. Ihn macht er in Kapitel 3 für eine unumkehrbare Dummheit aus Mangel an intellektueller und kreativer Intelligenzentwicklung der Muslime verantwortlich. Mehr noch, Sarrazin behauptet ein religionsbezogenes „Intelligenzgefälle“, wobei er den höchsten Bildungsgrad bei Juden, gefolgt von Christen, Religionslosen, Buddhisten und Hindus sieht, wohingegen Muslime die niedrigste formale Bildung hätten (S. 157). Dieser Ansatz wird dem komplexen Phänomen der Intelligenz in kleinster Weise gerecht. Freilich, der Verfasser spricht hier nicht von Rassen oder Ethnien. Doch vom Denkansatz her ist dies nichts anderes als eine kulturell determinierte Spielart von Rassismus im Gewande einer angeblichen Religionskritik, durch die er den vermeintlich hochgebildeten jüdisch-christlichen Westen in Opposition bringt zu den vermeintlich ungebildeten Muslimen. Die Mechanismen seiner Argumentation, die eine Differenz postuliert zwischen den Muslimen und den Anderen, diese abwertend und verallgemeinernd etwa mit Intelligenz in Verbindung bringt und das Ganze benutzt, um die natürliche Überlegenheit der einen Gruppe zu postulieren, erfüllen alle Merkmale, die der französische Soziologe Albert Memmi kulturellen Rassismus benennt.“

-…“Der Faktencheck fällt nicht günstig aus. Mit Jahreszahlen nimmt es Sarrazin nicht genau (etwa bei der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen), nicht mit der Geographie (Sudan ist nicht Teil des Maghreb) und auch nicht mit Übersetzungen. Sarrazin schreibt Namen und Vornamen falsch, verwechselt Aleviten und Alawiten, bringt Laizismus und Säkularismus durcheinander. Zu Afrika behauptet er, „viele Problemstaaten in Afrika und Asien“ würden dadurch geeint, „dass die dort lebenden Menschen überwiegend muslimischen Glaubens sind“. 63 Prozent der Einwohner von Subsahara-Afrika sind jedoch Christen; ihre Staaten gehören zu den ärmsten der Welt.“

-..“Je geringer das Wissen, desto sicherer das Urteil. Sarrazin kritisiert die vielen Wiederholungen im Koran und verrät schon damit seine Unkenntnis. Was wie eine Wiederholung erscheint, steht jedes Mal in anderem Kontext, da aus einer Geschichte mehrere Lehren gezogen werden können. So wird der Kontext wichtig. Völlig daneben ist Sarrazins Behauptung, der Koran kenne keine historisch-kritische Exegese. Gerade die „Umstände der Offenbarung“ stehen im Mittelpunkt der islamischen Theologie. Sarrazin aber zitiert Verse ohne diesen Kontext und verschweigt, dass es zu Versen, die etwa zu Gewalt aufrufen, solche gibt, die das Gegenteil fordern. “

-…“Immer wieder kehrt Sarrazin zur Obsession zurück, der Islam vermittle Hass auf die „Ungläubigen“, was ihm „expansive Eroberungskraft“ verleihe. Früher als andere hat der Islam aber das Kriegsrecht kodifiziert und vieles verboten – die Tötung von Frauen, Kindern und Greisen, das Verseuchen von Wasser. Als Leser fragt man sich immerzu, wie eine Religion, wenn sie denn so voller Hass und Rache wäre, wie Sarrazin suggeriert, sich 1400 Jahre halten konnte.

-..“Völlig absurd ist Sarrazins Behauptung, der Islam biete „keinen Anreiz zu einer Wissbegier“, die Muslime hätten nie einen Sinn für das Messen von Zeit und Distanzen entwickelt. Weiß Sarrazin denn nichts von der kreativen Periode der arabischen Wissenschaften, die 800 Jahre gedauert hat? Der Kartograph Biruni hatte bereits im 10. Jahrhundert große Distanzen exakt vermessen. Im 15. Jahrhundert entwickelte Taqi al-Din moderne Uhren mit Gewichtsantrieb oder mit einer konischen Feder, wie sie in Europa erst im 19. Jahrhundert bekanntwurden. Im 16. Jahrhundert erkannten die Muslime den Nutzen der Dampfkraft. Kolumbus segelte mit einem arabischen Kompass in die Neue Welt. Medizin, Chemie und Algebra waren viele Jahrhunderte arabische Wissenschaften. Sarrazin aber schreibt, der Koran habe den „Augenblickzustand in einer primitiven, auf Jagd, Kampf und Macht gestimmten Gesellschaft“ zu einer „religiösen Botschaft mit Ewigkeitscharakter überhöht“.

Rassismus ohne Rassen=Kulturellen-Rassismus =Neo-Rassismus

Kurz, Sarrazin verwendet in dem zweiten Buch keine Rasse, sondern Kultur und Religion die jeglichem Versuch einer Veränderung entzogen sind.
Das nennt man in der Rassismus-Forschung „Rassismus ohne Rassen“, so wie der „Antisemitismus ohne Juden“ bekannt ist. Hier geht man von der Existenz eines Rassismus aus, bei dem der Begriff der Rasse nicht verwendet wird, sondern den man Kulturalismus sowie kulturellen-Rassismus und Neo-Rassismus nennt. In diesem Buch verwendet Sarrazin statt biologischem Rassismus(Deutschland schafft sich ab),  pure kulturellen Rassismus Argumente. Ohne Zweifel.

Die Experten definieren kulturellen Rassismus als: „Naturalisierung des Kulturellen, des Sozialen oder der Geschichte, wodurch diese sozusagen stillgestellt und jeglichem Versuch einer Veränderung entzogen seien. Ideologisch gehört der gegenwärtige Rassismus in den Zusammenhang eines „Rassismus ohne Rassen“, eines Rassismus, der – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht mehr die Überlegenheit bestimmter Gruppen oder Völker über andere postuliert, sondern sich darauf beschränkt, die Schädlichkeit jeder Grenzverwischung und die Unvereinbarkeit der Lebensweise und Traditionen zu behaupten.“

Ist diese analogische Schlussfolgerung nicht die abstoßendste und älteste Form von biologischem und kultureller Rassismus, der gewisse genetische Merkmale zum Zentralpunkt sozialer Probleme macht und diese rassistische Haltung unter dem Deckmantel einer Pseudo-Naturwissenschaftlichkeit als korrekt und triftig zu verkaufen versucht?

Solche Thesen haben Rassisten in den USA damals vertreten, als sie behaupteten, dass Schwarzafrikaner den Tieren ähnlicher als den Menschen seien, und dass dies sich dadurch erklären ließe, dass deren Begabungen und Fähigkeiten, die eines Affen ähnlicher wären. Manche (hochrangige Politiker) fühlen sich sogar heute noch in Anbetracht jüngster Vorfälle in der Weltgeschichte durch solche „Feststellungen“ und „Schlussfolgerungen“ überlegen und stufen sich selbst in Folge als „Sozialingenieure“ ein, so wie es Sarrazin tut. Sein Ziel ist es, seine antisoziale und biologische Rassismus-Ideologie in Zukunft auf juristische Grundlagen zu stützen und unter Zuhilfenahme verfälschender Statistiken zu untermauern, so, wie es in der jüngsten Geschichte vorkam. Das ist eine Belastung und Muslime werden als volkswirtschaftliche Schädlinge darstellt.

 

Wie tickt der Sarrazin?

2011 wurde Thilo Sarrazin  zum „Menschen des Jahres“ von der Zeitschrift Profil gewählt. In dem Interview der Ausgabe propagiert  für eine eugenische Demographie. Sarrazin hat in diesem Interview wortwörtlich eine nach Erbkriterien gesteuerte Bevölkerungspolitik mit folgenden Worten argumentiert: „Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament- und Begabungsprofil der Tiere gibt. Und dass diese Unterschiede erblich sind“.

Herr Sarrazin hat damit „die Türken“  in Deutschland und in Österreich mit Hunden und Pferden verglichen.   Wie man weiß, war die nationalsozialistische Rassenhygiene (oder NS-Rassenhygiene), zur Zeit des Nationalsozialismus, die betriebene Radikalvariante der Eugenik. Punkt.

 

Vorbildlich sind sie nicht?

Frau Sarazzin zu japanischer Schülerin: „Du, Suzuki komm her“.

Der Vater: “Frau Sarrazin hat ihm mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen.”

Hochzeitsfoto vor 37 Jahren.

Über eine Sammelbeschwerde von gut 50 Eltern aus dem März 2009 berichtet der “Spiegel”. Dort hieß es, dass die Lehrerin “im Unterricht die Beherrschung verliert und die Kinder anschreit”. Eltern eines japanisch-deutschen Jungen hätten sich beklagt, dass Ursula Sarrazin ihren Sohn wiederholt wie eine Automarke in “Suzuki” umtaufe. Dies geschehe “zum Teil unter dem Gelächter der Klassenkameraden, die ihn dann prompt auch so nennen”. Nach einem Bericht des “Tagesspiegels” soll Frau Sarrazin schon 2001 einen Schüler mit einer Flöte geschlagen haben. Der Vater des heute 22-Jährigen sagt: “Frau Sarrazin hat ihm mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen.” Ursula Sarrazin verteidigt sich in mehreren Interviews. “Als Lehrer brauche ich Autorität, aber autoritär bin ich nicht. Ich stelle Regeln auf, an die sich die Schüler halten müssen. Das ist doch ganz selbstverständlich”, sagte sie dem “Focus”. “Ich schreie nicht im Unterricht”, sagte sie “Bild am Sonntag”.

Ausschnitt aus der Reportage von BILd am Sonntag NNTAg vom 16.01.11

BILD am SONNTAG: Frau Sarrazin, seit über einer Woche werden in der Öffentlichkeit Vorwürfe von Eltern und Schülern gegen Sie diskutiert. Sie seien zu autoritär, heißt es, würden einschüchtern und beleidigen . . .

URSULA SARRAZIN: Ich weiß, dieses Angstgerücht. das macht mir das Leben übrigens sehr schwer. Ihr Leben wird nicht leichter werden: Morgen konkretisiert der „Spiegel“ diese Gerüchte und berichtet zum Beispiel von einer 13-Jährigen, die auf einem Schulfest über Sie gesagt hat: „Meine Lehrerin war sehr streng und vor allen Dingen schrak ich manchmal davor zurück, wenn sie so laut schrie, dass ihr Kopf leicht rot anlief . . . Das Mädchen war eine ganz normale Schülerin. Ich weiß nicht, warum sie das erzählt hat.“

BILD am SONNTAG: Einen deutschjapanischen Schüler, 8 Jahre alt, sollen Sie vor der gesamten Klasse wiederholt als „Suzuki“(du Suziki komm hier) verhöhnt haben . . .

URSULA SARRAZIN: Das war vor zwei Jahren in der ersten Schulstunde, als ich die Klasse neu unterrichtet habe. Ich konnte mir noch nicht alle Namen merken und habe den japanischen Namen des Schülers S. falsch ausgesprochen, das klang phonetisch wie Suzuki. Ich habe dann Sie als Suziki gerufen. Da haben die anderen Kinder gelacht. Ich habe aber nicht böse gemeint.


Sarrazin, die Quelle der Weisheit?

Was für Juden die “Protokolle der Weisen von Zion” sind, ein seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitetes antisemitisches Pamphlet, ist für Muslime das Buch von Theo Sarrazin mit dem Titel “Deutschland schafft sich ab” und das neue Buch „Feindliche Übernahme“.  Wir können nur alle anständigen Menschen dazu aufrufen, diese von Wissenschaftlern widerlegten Bücher nicht als “Quelle der Weisheit” zu verwenden.

Was denkt Sarrazin über Österreich? 

Auf die Frage, im gleichen Interview von Profil aus der Ausgabe von 2011, was die Österreicher für ein Volk wären, antwortete Sarrazin wortwörtlich: „Ich möchte den Österreichern nicht zu nahetreten. Sie sind eine Abspaltung des deutschen Volks.“ 

Auf die Antwort von Profil: „Das wird die meisten Österreicher nicht sehr freuen“, erwidert Sarrazin: „Aber sie haben ja selbst 1938 mit großer Mehrheit für den Anschluss an das deutsche Volk gestimmt.“ Auf die Profil Frage: „Die Morde an Abtreibungsärzten in Amerika würden Sie aber nicht als Beleg für eine dem Christentum inhärente Gewaltbereitschaft heranziehen, oder?“, gibt Sarrazin folgende Antwort: „Ich rede hier nicht über die USA, sondern über Europa.“

Wir müssen hier, die Spreu vom Weizen trennen und folgende Frage in dem Raum stellen: Was hat Deutschland und Österreich aus der Geschichte gelernt? Welche „Werte“ sind wichtig für Deutschland und Österreich? Man muss das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen haben, um die abwertenden Thesen, speziell mit Bezugnahme auf „die Muslime“ – wahlweise auch auf „die Türken und Araber“ –, nachzuvollziehen oder rechtfertigen zu können. Auch nach intensiver Befassung bleiben sie tendenziös und pauschal abwertend. Die Grenze des Sagbaren hat sich im Zuge der Debatte verschoben und der Diskursraum hat sich bis an den Punkt öffentlicher Diffamierungen verlagert.

Was für die Juden die “Protokolle der Weisen von Zion” sind, ein seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitetes antisemitisches Pamphlet, ist für die Türken das Buch von Theo Sarrazin mit dem Titel “Deutschland schafft sich ab” und das neue Buch „Feindliche Übernahme“.

Sarrazin und die stolzen Westliche Werte?

Die Goldene Regel der praktischen Ethik der christlichen Wertegemeinschaft besagt: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“ Auch der berühmte deutsche Philosoph Immanuel Kant hat hier eine, für die Moralphilosophie wichtige, Grundsatzerklärung abgeben: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde.“  Mann nennt es der kategorische Imperativ(KI)  und er ist im System Kants das grundlegende Prinzip der  Ethik und Moral. Also wenn wir Herrn Thilo Sarrazin und seine Unterstützer nach diesen christlichen und zutiefst europäischen Werten(KI) messen, ist er sicher, nach unserer Meinung und mit Verlaub, kein Musterschüler, sondern ein zutiefst primitiver Hetzer.

Wir werden weiter in Österreich und in der EU für freiheitliche, demokratische Werte als Cityons einstehen und wie immer gegen jeglichen fundamentalistischen, reaktionären und politisierten Glauben, egal aus welcher Religion, demokratischen Widerstand durch Aufklärung leisten. Genauso gegen Demokratie-feindliche  und rassistische Bewegungen die unter dem Vorwand des Feuerlöschers auftreten, aber eigentlich Brandstifter sind. Zum Beispiel wie der nette Thilo Sarrazin und seine als schrecklich nette Famile getarnten Freunde und Unterstützer aus verschiedenen Ecken und Löchern kriechen und uns sehr gerne mit Hunden (Siehe Profil Bericht) vergleichen…

Türkische Kulturgemeinde in Österreich

Bild Quelle: Karikatur – Silvan Wegmann
05 Aug
By: TKG 0

Sarrazins Hetze in Wien und offener Brief an den Herausgeber der Schweizer Wochenblick, Herrn Roger Köppel

Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG): „Sarrazins Volksverhetzung unter dem Deckmantel Religionskritik wird, durch die Schweizer Wochenzeitung, in Wien salonfähig gemacht“

Wien (APA-OTS) – Die Denkfabrik Türkische KULTURgemeinde in Österreich(TKG) findet den heutigen Abend in der Wiener Stadthalle, bei welchem „Ausländer“ Sarrazins neues Buch unter der Organisation mit dem  „Ausländischen“ Herausgeber  Roger Köppel der Schweizer Zeitung „Wochenblick“ zu diskutieren, ziemlich bedenklich. Kurz, es wird aus dem Ausland durch „zwei Ausländer“ etwas nach Wien exportiert, was hunderttausenden „Österreichern“ mit muslimischem Glauben oder aus diesem Kreis stammenden Menschen gegenüber de facto hetzerisch ist und nur die reaktionären Kräfte noch mächtiger macht.

Das Treffen soll Interessierten die Möglichkeit bieten, sich selbst ein Bild von den Thesen des Ex-Politikers aus Berlin zu machen, erklärt der Ausländer Roger Köppel, aus der Schweiz, im Gespräch mit mit einer österreichischen Tageszeitung, welche weiter folgendes berichtet:

„Der Schweizer erhofft sich von der Veranstaltung eine Diskussion „ohne Übertreibungen“ aber auch ‚ohne Beschönigungen‘, denn letztlich würden Demokratien auch gerade von verschiedenen Meinungen leben.“

Thilo Sarrazins neues Buch „Feindliche Übernahme“ ist wie sein vorheriges Buch „Deutschland schafft sich ab” weder ein Fachbuch, ein Informationsbuch noch ein Provokationsbuch, sondern ein Hetzebuch (Volksverhetzung), in dem biologisch und kulturell gefärbter Rassismus mit den folgenden Worten vertreten wird: „Die religiös gefärbte kulturelle Andersartigkeit der Mehrheit der Muslime und deren steigende Geburtenzahlen gefährden offene Gesellschaft, Demokratie und Wohlstand.“

Die Volksverhetzung ist in Deutschland ein Äußerungsdelikt nach §130 StGB:Volksverhetzung,
auch in Österreich, nach §283 StGB: Verhetzung.

Sachverhaltsdarstellung

Unserer Meinung nach stört der Deutsche Herr Thilo Sarrazin mit dem Buch „Feindliche Übernahme“, durch die Hilfe des Wochenblick Herausgebers Herrn Köppel unter dem Vorwand Religionskritik, den öffentlichen Frieden vorsätzlich. Er stachelt Hass an bzw. fordert Willkürmaßnahmen gegen eine nationalistische, rassistische, religiöse und durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, kurz, alle Muslime in Deutschland und Österreich wegen der Zugehörigkeit zu der islamischen Religion. Herr Sarrazin greift die Menschenwürde in dem Buch dadurch an, dass er vorgezeichnete Gruppen und Teile der Bevölkerung beschimpft, schikaniert, böswillig verächtlich macht und pauschal verleumdet. Unter dem Vorwand der freien Meinungsäußerung übt Sarrazin mit diesem Buch pure Verhetzung gegenüber einer Religionsgemeinschaft in Deutschland und in Österreich aus. Vorsicht: Deutschland und Österreich verlieren damit ihre moralische Überlegenheit bzw. Deutungshoheit.

Sehr geehrter Herr Wochenzeitung Herausgeber Köppel!

TKG fragt sich, welche Thesen, welche verschiedenen Meinungen?

In Österreicher leben mehr als 700.000 Menschen mit muslimischem Glauben oder aus diesem Kulturkreis. Davon besitzen mehr als 400.000 bereits die österreichische Staatsbürgerschaft und haben mit den österreichischen Werten kein Problem. Es gibt Probleme, die kann man aber mit solchen Büchern nicht lösen, sondern nur Lösungswege schließen. Sie können nicht in Österreich als Ausländer Dompteur spielen unter dem Vorwand Feuerlöscher zu sein und wie und der Sarrazin aus dem Ausland „noch“ Brandstifter gegenüber Staatsbürger der Republik Österreich, mit muslimischen Glauben, hetzten.

Ja genau, zwei Ausländer, aus der Schweiz und aus Deutschland, gegen Österreicher mit muslimischem Glauben versuchen die Muslime in Österreich als der „ewige Muslime“ bzw. der „ewige Türke“  mit Vorurteilen und Klischees zu betonieren und um Hass zu schüren.

Warum?

Weil Sie, Herr Wochenblick Herausgeber, auch nicht unter dem Vorwand „Meinungsfreiheit“ in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich, mit 30 Tagen Lektüre der Tora oder Talmud, Juden satanisieren, Talmud & Tora manipulieren und aus dem historischen Kontext und Zusammenhang herausreißen, um die Juden, das Judentum (und den Glauben) pauschal zu schikanieren bzw. terrorisieren und zu verächtlichen, können.  In Sarrazin’s Buch existiert sogar ein Kapitel „alle Muslime mit Erbdummheit“ schikanieren. Was sollen wir mit Ihnen, Herr Köppel, noch diskutieren?

In Wahrheit, unserer Meinung nach, muss man unbedingt betonen: Mit Sarrazin, welcher anscheinend unter „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) leidet, eine Islam-Debatte zu führen ist, als ob man mit Goebbels über Judentum diskutieren würde…

Und Sie, Herr Köppel, missbrauchen gerade in Österreich, als Wochenblick Herausgeber, diese „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) als Brandstifter.

Ein Bestätigungsfehler ist in der Kognitionspsychologie  die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen (bestätigen). Heute Abend in der Wiener Stadthalle wird diese „Confirmation Bias“ durch Ihre Organisation aus dem Ausland einen Höhepunkt erleben, was für Wien bzw. Österreich und für das Zusammenleben mit verschiedenen Menschen mit verschiedenen Religionen einen großen Schaden zufügen wird. Wenn Sie glauben damit werden Muslime an Ihren Glauben verzweifeln, dann können wir Ihnen sagen: großer Irrtum. Ganz im Gegenteil. „Halleluja = Allahu Ekber“ Herr Köppel!

Man kann hier nicht von einer Verantwortungslosigkeit, Provokation, Meinungsfreiheit oder Religionskritik reden, Herr Röger, sondern von einer puren Volksverhetzung ersten Grades.

Hunde setzt Sarrazin mit Menschen gleich – Wo ist die Menschenwürde? 

Unserer Meinung nach, werden in dem neuem Buch in einem Kapitel „alle Muslime mit Erbdummheit“ rassistisch und verächtlich schikaniert. In einem Interview  des Profil der Ausgabe 2011, propagierte Sarrazin  auch für eine rassistische eugenische Demographie. Sarrazin hat in diesem Interview wortwörtlich eine nach Erbkriterien gesteuerte Bevölkerungspolitik mit folgenden Worten argumentiert: „Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament- und Begabungsprofil der Tiere gibt. Und dass diese Unterschiede erblich sind“. (Profil, Januar 2011)

Das ist für uns lächerlich, aber in der Öffentlichkeit wird das Buch leider, nach unserem Empfinden, wie „Mein Kampf“ de facto von manchen Parteien, NGOs und Zeitungen leider ohne kritische Distanz propagiert und damit insbesondere in Deutschland, in der  Schweiz und  in Österreich gegenüber der freiheitlich demokratischen Grundordnung das Vertrauen von Millionen Menschen gestört.

Wir sind als säkulare Österreicher mit türkischer Abstammung gegen jeglichen politisierten Glauben, insbesondere gegen die fundamentalistischen Bewegungen aus unseren Kreisen, die wir seit Jahren in Österreich durch Verstand, Vernunft, Kritik und Aufklärung und einem tiefen Glauben an die österreichische freiheitlich demokratische Grundordnung und den Rechtsstaat, durch Aufklärung und Warnungen hart kämpfen. Das Buch Sarrazin und Ihr Auftritt, Herr Köppel, unterstützt nur die Fundamentalisten aus der islamischen Seite und nur die kulturellen Rassisten (Neo-Rassismus, Rassismus ohne Rasse) in der EU.

Die liberalen Muslime aus der Türkei, aus Deutschland und aus Österreich, mit einer säkularen Einstellung gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, fühlen sich sicher nicht von Sarrazin und seinen verallgemeinernden Ansichten vertreten. Er schreibt in dem Buch immer von liberalen Muslimen, oder angeblich liberalen Quellen muslimischer Wissenschaftler, als ob er hier auch uns vertritt oder eine Stimme für alle ist und tut so, als ob er uns dadurch stärken würde. Sarrazin beruft sich auf liberale muslimische Stimmen in Deutschland. Wer sind die Brandstifter die als Feuerlöscher auftreten überhaupt?

Das ist eine Farce, Manipulation, Verdrehung, Verdunkelung, Vernebelung der hinterhältigen, hinterlistigen und doppelmoralischen Ziele von Thilo Sarrazin und seinen Unterstützern. Sarrazin unterstützt mit diesem Buch den politisierten Glauben und die Fundamentalisten der islamischen Welt, insbesondere in Deutschland und in Österreich und spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern missbraucht Meinungsfreiheit und hetzt pauschal gegen Menschen, die aus dem Islamischen Kulturbereich stammen. Die Geschichte ist da, um aus der Geschichte zu lernen.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Bild Quelle: Karikatur – Silvan Wegmann

Mehr:

http://www.turkischegemeinde.at/tkg-stellungnahme-zu-sarrazins-buch

1. Stellungnahme September 2018

Stellungnahme der Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) bezüglich Sarrazins neuem Buch:

Wir würden, als liberale, säkulare Muslime aus der Türkei in Österreich, die wir nicht alle vertreten, sehr gerne Herrn Thilo Sarrazin und sein zweites Buch „Feindliche Übernahme“ unterstützen.

Wir haben immer, bei unseren österreichischen und deutschen Ansprechpartnern, egal ob aus der Politik, Medien, Bürokraten bzw. aus Religionsgemeinschaften, um eines gebeten: “ Bitte die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht pauschalisieren. Wissen aneignen und sachlich bleiben, damit wir zusammen für die freiheitliche, demokratische Grundordnung als wehrhafte Demokraten zusammen auf Augenhöhe kooperieren können. Und hier haben wir Säkularität als Sauerstoff der Demokratie definiert.  Wir sind keine Hoftürken bzw. keine Hofmuslime und möchten keine werden sondern wir wollen bewusste Bürger bzw. Citiyons der Republik Österreich bzw. EU werden mit gleichen Rechten und  natürlich mit gleichen Pflichten.“

 

Das Buch von T. Sarrazin ist schlecht recherchiert (E.E.):

Antwort: Prof. Dr. Aziz Sancar und andere

Aziz Sancar Aziz Sancar (8. September 1946 in Savur, Provinz Mardin, Türkei) ist ein türkisch-amerikanischer Genetiker. Für 2015 wurde ihm „für die mechanistischen Studien zur DNA-Reparatur“ gemeinsam mit Tomas Lindahl und Paul Modrich der Nobelpreis für Chemie zugesprochen.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aziz_Sancar?wprov=sfti1

 

Hetzebuch -Volksverhetzung

Thilo Sarrazins neues Buch „Feindliche Übernahme“ ist wie sein vorheriges Buch „Deutschland schafft sich ab” weder ein Fachbuch, ein Informationsbuch noch ein Provokationsbuch, sondern ein Hetzebuch (Volksverhetzung), in dem biologisch und kulturell gefärbter Rassismus mit den folgenden Worten vertreten wird: „Die religiös gefärbte kulturelle Andersartigkeit der Mehrheit der Muslime und deren steigende Geburtenzahlen gefährden offene Gesellschaft, Demokratie und Wohlstand.

Die liberalen Muslime aus der Türkei, aus Deutschland und aus Österreich, mit einer säkularen Einstellung gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, fühlen sich sicher nicht von Sarrazin und seinen verallgemeinernden Ansichten vertreten. Er schreibt in dem Buch immer von liberalen Muslimen, oder angeblich liberalen Quellen muslimischer Wissenschaftler, als ob er hier auch uns vertritt oder eine Stimme für alle ist und tut so, als ob er uns dadurch stärken würde. Sarrazin beruft sich auf liberale muslimische Stimmen in Deutschland. Wer sind die Brandstifter die als Feuerlöscher auftreten überhaupt?

Das ist eine Farce, Manipulation, Verdrehung, Verdunkelung, Vernebelung der hinterhältigen, hinterlistigen und doppelmoralischen Ziele von Thilo Sarrazin und seinen Unterstützern. Sarrazin unterstützt mit diesem Buch den politisierten Glauben und die Fundamentalisten der islamischen Welt, insbesondere in Deutschland und in Österreich und spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern missbraucht Meinungsfreiheit und hetzt pauschal gegen Menschen, die aus dem Islamischen Kulturbereich stammen. Die Geschichte ist da, um aus der Geschichte zu lernen.

Wir sollten aus der Gesichte in  der EU vor allem lernen.

Wir erheben Einspruch!

TKG Thesen

Volksverhetzung unter dem Deckmantel Religionskritik? 

Unter dem Vorwand „Meinungsfreiheit“ darf man in Deutschland auch nicht Juden satanisieren, Talmud & Tora manipulieren und aus dem historischen Kontext und Zusammenhang reißen, um die Juden, das Judentum (und den Glauben über TALMUD ) pauschal zu schikanieren bzw. terrorisieren und zu verächtlichen.

In Wahrheit muss man unbedingt betonen: Mit Sarrazin der anscheinend unter „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) leidet, eine Islamdebatte zu führen, ist, als ob man mit Goebbels über Judentum diskutieren würde…  

Man kann hier nicht von einer Verantwortungslosigkeit, Provokation, Meinungsfreiheit oder Religionskritik reden, sondern von einer puren Volksverhetzung ersten Grades. In dem Buch werden „alle Muslime mit Erbdummheit“ verächtlich bezeichnet und schikaniert, was für uns lächerlich ist, aber in der Öffentlichkeit wird das Buch wie „Mein Kampf“ de facto von manchen Parteien, NGOs und Zeitungen propagiert und damit Deutschlands freiheitliche demokratische Grundordnung zerstört, da hier vorsätzlich und absichtlich Hass gestachelt und mit der Würde der Menschen gespielt wird. 

Wir sind als säkulare Österreicher mit türkischer Abstammung gegen jeglichen politisierten Glauben, insbesondere gegen die fundamentalistischen Bewegungen aus unseren Kreisen, die wir seit Jahren in Österreich durch Verstand, Vernunft, Kritik und Aufklärung und einem tiefen Glauben an die österreichische Demokratie und den Rechtsstaat, hart bekämpfen.  

Wir brauchen keine Freunde wie Sarrazin! Wenn man solche Volksverhetzer als Freunde hat, braucht man keine Feinde!

 

Deutschland-Art. 1 Absatz 1 Grundgesetzt

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
 

„Unter Menschenwürde versteht man die Vorstellung, dass alle Menschen unabhängig irgendwelchen Merkmalen wie etwa Herkunft, Geschlecht oder Alter denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, nämlich die Würde. Seine Verankerung als erste Norm des Grundgesetzes ist eine bewusste Reaktion auf die massive Missachtung der Menschenwürde im Nationalsozialismus.

Im Verständnis des Bundesverfassungsgerichts  bezieht nach der Ordnung des Grundgesetzes der Staat seine Legitimation allein daraus, dass er den Menschen konkret dient. Die Menschenwürde ist damit der oberste Grundwert und die Wurzel aller Grundrechte. Als einzige Verfassungsnorm gilt die Menschenwürde absolut, sie kann durch keine andere Norm beschränkt werden, auch nicht durch ein anders, von der Menschenwürde abgeleitetes Grundrecht.“

 

Die Volksverhetzung ist in Deutschland ein Äußerungsdelikt nach §130 StGB: Volksverhetzung,
auch in Österreich, nach §283 StGB: Verhetzung.   

Unserer Meinung nach stört der Deutsche Herr Thilo Sarrazin mit dem Buch „Feindliche Übernahme“, unter dem Vorwand Religionskritik, den öffentlichen Frieden vorsätzlich.  

Er stachelt Hass an bzw. fordert Willkürmaßnahmen gegen eine nationalistische, rassistische, religiöse und durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, kurz, alle Muslime in Deutschland und Österreich wegen der Zugehörigkeit zu der Islamische Religion.  

Herr Sarrazin greift die Menschenwürde in dem Buch dadurch an, dass er vorbezeichnete Gruppen und Teile der Bevölkerung beschimpft, schikaniert, böswillig verächtlich macht und pauschal verleumdet. Unter dem Vorwand der freien Meinungsäußerung übt Sarrazin mit diesem Buch pure Verhetzung gegenüber einer Religionsgemeinschaft in Deutschland und in Österreich aus.  Vorsicht: Deutschland und Österreich verlieren damit ihre moralische Überlegenheit bzw.Deutungshoheit.

Zwischenfrage:
Rechtstaat oder  mit Sarrazins Willkür Un·rechts·staat gegen Moslem.

Der Begriff Unrechtsstaat gegen Katholiken in Deutschland? 

„Der Begriff wird auf den preußischen Katholiken  Peter Reichensperger (1810–1892) zurückgeführt. Mit dem Begriff des Unrechtsstaates wollte Reichensperger andeuten, dass Preußen ein solcher würde, wenn es die Rechte seiner katholischen Untertanen beschneidet. In der 24. Sitzung der  Zweiten Kammer des Preußischen Landtags am 12. Februar 1853 äußerte der Abgeordnete Reichensperger: „Ich denke, der Rechtsstaat besteht darin, dass der Obrigkeit das Schwert zum Schrecken der Bösen anvertraut ist, und zum Schutze derer, die in ihrem Recht sind, ihr Recht üben; einen Unrechtsstaat würde man dagegen meines Erachtens denjenigen zu nennen haben, welcher die Unruhestifter schützen und diejenigen bedrohen wollte, die in ihrem Rechte sind.“

 

Sarrazins Quellen: Leserbriefe und „Achse des Guten“

Die von Sarrazin verwendeten Quellen zeigen eines deutlich: Er verwendet keine seriösen, sachkundigen Quellen. Er zitiert hinterlistig Islamwissenschaftler sowie Vertreter des angeblichen liberalen Islams in Deutschland. Wenn man die Quellen genau unter die Lupe nimmt sieht man, dass sich die Mehrheit seiner Quellenangaben auf Zeitungs- und Fernsehbeiträge, bis hin zu Leserbriefen der BILD Zeitung, sowie auf Internetportale wie die als antiislamisch bekannte Hetze-Webseite „Achse des Guten“, beziehen. Das sind Sarrazins Quellen.

Er macht keine objektive bzw. profunde Analyse, sondern baut auf Verzerrung, Manipulation von Fakten und Geschichte. Unter dem Deckmantel der Sachlichkeit, die er versucht, durch das Anführen mehrerer Statistiken mit angeblichen Fußnoten, zu untermauern, steckt im Wesen ein feindliches, hetzerisches, kulturrassistisches, antiislamisches Hetzebuch.

Sarrazin und Kulturalismus (Kultureller Rassismus-Neorassismus)

In Sarrazins neuem Buch wird ein Kapital mit dem Titel „Erbdummheit der Muslime“ (S. 144 u. S. 499) unverschämt benannt.

Laut Experten:

„….-führt Sarrazin unter diesem Kapital anders als in „Deutschland schafft sich ab“ – nichts mehr auf biologisch-genetische Ursachen zurück, sondern auf den kulturellen Einfluss des Islams. Ihn macht er in Kapitel 3 für eine unumkehrbare Dummheit aus Mangel an intellektueller und kreativer Intelligenzentwicklung der Muslime verantwortlich. Mehr noch, Sarrazin behauptet ein religionsbezogenes „Intelligenzgefälle“, wobei er den höchsten Bildungsgrad bei Juden, gefolgt von Christen, Religionslosen, Buddhisten und Hindus sieht, wohingegen Muslime die niedrigste formale Bildung hätten (S. 157). Dieser Ansatz wird dem komplexen Phänomen der Intelligenz in kleinster Weise gerecht. Freilich, der Verfasser spricht hier nicht von Rassen oder Ethnien. Doch vom Denkansatz her ist dies nichts anderes als eine kulturell determinierte Spielart von Rassismus im Gewande einer angeblichen Religionskritik, durch die er den vermeintlich hochgebildeten jüdisch-christlichen Westen in Opposition bringt zu den vermeintlich ungebildeten Muslimen. Die Mechanismen seiner Argumentation, die eine Differenz postuliert zwischen den Muslimen und den Anderen, diese abwertend und verallgemeinernd etwa mit Intelligenz in Verbindung bringt und das Ganze benutzt, um die natürliche Überlegenheit der einen Gruppe zu postulieren, erfüllen alle Merkmale, die der französische Soziologe Albert Memmi kulturellen Rassismus benennt.“

-…“Der Faktencheck fällt nicht günstig aus. Mit Jahreszahlen nimmt es Sarrazin nicht genau (etwa bei der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen), nicht mit der Geographie (Sudan ist nicht Teil des Maghreb) und auch nicht mit Übersetzungen. Sarrazin schreibt Namen und Vornamen falsch, verwechselt Aleviten und Alawiten, bringt Laizismus und Säkularismus durcheinander. Zu Afrika behauptet er, „viele Problemstaaten in Afrika und Asien“ würden dadurch geeint, „dass die dort lebenden Menschen überwiegend muslimischen Glaubens sind“. 63 Prozent der Einwohner von Subsahara-Afrika sind jedoch Christen; ihre Staaten gehören zu den ärmsten der Welt.“

-..“Je geringer das Wissen, desto sicherer das Urteil. Sarrazin kritisiert die vielen Wiederholungen im Koran und verrät schon damit seine Unkenntnis. Was wie eine Wiederholung erscheint, steht jedes Mal in anderem Kontext, da aus einer Geschichte mehrere Lehren gezogen werden können. So wird der Kontext wichtig. Völlig daneben ist Sarrazins Behauptung, der Koran kenne keine historisch-kritische Exegese. Gerade die „Umstände der Offenbarung“ stehen im Mittelpunkt der islamischen Theologie. Sarrazin aber zitiert Verse ohne diesen Kontext und verschweigt, dass es zu Versen, die etwa zu Gewalt aufrufen, solche gibt, die das Gegenteil fordern. “

-…“Immer wieder kehrt Sarrazin zur Obsession zurück, der Islam vermittle Hass auf die „Ungläubigen“, was ihm „expansive Eroberungskraft“ verleihe. Früher als andere hat der Islam aber das Kriegsrecht kodifiziert und vieles verboten – die Tötung von Frauen, Kindern und Greisen, das Verseuchen von Wasser. Als Leser fragt man sich immerzu, wie eine Religion, wenn sie denn so voller Hass und Rache wäre, wie Sarrazin suggeriert, sich 1400 Jahre halten konnte.

-..“Völlig absurd ist Sarrazins Behauptung, der Islam biete „keinen Anreiz zu einer Wissbegier“, die Muslime hätten nie einen Sinn für das Messen von Zeit und Distanzen entwickelt. Weiß Sarrazin denn nichts von der kreativen Periode der arabischen Wissenschaften, die 800 Jahre gedauert hat? Der Kartograph Biruni hatte bereits im 10. Jahrhundert große Distanzen exakt vermessen. Im 15. Jahrhundert entwickelte Taqi al-Din moderne Uhren mit Gewichtsantrieb oder mit einer konischen Feder, wie sie in Europa erst im 19. Jahrhundert bekanntwurden. Im 16. Jahrhundert erkannten die Muslime den Nutzen der Dampfkraft. Kolumbus segelte mit einem arabischen Kompass in die Neue Welt. Medizin, Chemie und Algebra waren viele Jahrhunderte arabische Wissenschaften. Sarrazin aber schreibt, der Koran habe den „Augenblickzustand in einer primitiven, auf Jagd, Kampf und Macht gestimmten Gesellschaft“ zu einer „religiösen Botschaft mit Ewigkeitscharakter überhöht“.

Rassismus ohne Rassen=Kulturellen-Rassismus =Neo-Rassismus

Kurz, Sarrazin verwendet in dem zweiten Buch keine Rasse, sondern Kultur und Religion die jeglichem Versuch einer Veränderung entzogen sind.
Das nennt man in der Rassismus-Forschung „Rassismus ohne Rassen“, so wie der „Antisemitismus ohne Juden“ bekannt ist. Hier geht man von der Existenz eines Rassismus aus, bei dem der Begriff der Rasse nicht verwendet wird, sondern den man Kulturalismus sowie kulturellen-Rassismus und Neo-Rassismus nennt. In diesem Buch verwendet Sarrazin statt biologischem Rassismus(Deutschland schafft sich ab),  pure kulturellen Rassismus Argumente. Ohne Zweifel.

Die Experten definieren kulturellen Rassismus als: „Naturalisierung des Kulturellen, des Sozialen oder der Geschichte, wodurch diese sozusagen stillgestellt und jeglichem Versuch einer Veränderung entzogen seien. Ideologisch gehört der gegenwärtige Rassismus in den Zusammenhang eines „Rassismus ohne Rassen“, eines Rassismus, der – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht mehr die Überlegenheit bestimmter Gruppen oder Völker über andere postuliert, sondern sich darauf beschränkt, die Schädlichkeit jeder Grenzverwischung und die Unvereinbarkeit der Lebensweise und Traditionen zu behaupten.“

Ist diese analogische Schlussfolgerung nicht die abstoßendste und älteste Form von biologischem und kultureller Rassismus, der gewisse genetische Merkmale zum Zentralpunkt sozialer Probleme macht und diese rassistische Haltung unter dem Deckmantel einer Pseudo-Naturwissenschaftlichkeit als korrekt und triftig zu verkaufen versucht?

Solche Thesen haben Rassisten in den USA damals vertreten, als sie behaupteten, dass Schwarzafrikaner den Tieren ähnlicher als den Menschen seien, und dass dies sich dadurch erklären ließe, dass deren Begabungen und Fähigkeiten, die eines Affen ähnlicher wären. Manche (hochrangige Politiker) fühlen sich sogar heute noch in Anbetracht jüngster Vorfälle in der Weltgeschichte durch solche „Feststellungen“ und „Schlussfolgerungen“ überlegen und stufen sich selbst in Folge als „Sozialingenieure“ ein, so wie es Sarrazin tut. Sein Ziel ist es, seine antisoziale und biologische Rassismus-Ideologie in Zukunft auf juristische Grundlagen zu stützen und unter Zuhilfenahme verfälschender Statistiken zu untermauern, so, wie es in der jüngsten Geschichte vorkam. Das ist eine Belastung und Muslime werden als volkswirtschaftliche Schädlinge darstellt.

 

Wie tickt der Sarrazin?

2011 wurde Thilo Sarrazin  zum „Menschen des Jahres“ von der Zeitschrift Profil gewählt. In dem Interview der Ausgabe propagiert  für eine eugenische Demographie. Sarrazin hat in diesem Interview wortwörtlich eine nach Erbkriterien gesteuerte Bevölkerungspolitik mit folgenden Worten argumentiert: „Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament- und Begabungsprofil der Tiere gibt. Und dass diese Unterschiede erblich sind“.

Herr Sarrazin hat damit „die Türken“  in Deutschland und in Österreich mit Hunden und Pferden verglichen.   Wie man weiß, war die nationalsozialistische Rassenhygiene (oder NS-Rassenhygiene), zur Zeit des Nationalsozialismus, die betriebene Radikalvariante der Eugenik. Punkt.

 

 

Vorbildlich sind sie nicht?

Frau Sarazzin zu japanischer Schülerin: „Du, Suzuki komm her“.

Der Vater: “Frau Sarrazin hat ihm mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen.”

Hochzeitsfoto vor 37 Jahren.

 

Über eine Sammelbeschwerde von gut 50 Eltern aus dem März 2009 berichtet der “Spiegel”. Dort hieß es, dass die Lehrerin “im Unterricht die Beherrschung verliert und die Kinder anschreit”. Eltern eines japanisch-deutschen Jungen hätten sich beklagt, dass Ursula Sarrazin ihren Sohn wiederholt wie eine Automarke in “Suzuki” umtaufe. Dies geschehe “zum Teil unter dem Gelächter der Klassenkameraden, die ihn dann prompt auch so nennen”. Nach einem Bericht des “Tagesspiegels” soll Frau Sarrazin schon 2001 einen Schüler mit einer Flöte geschlagen haben. Der Vater des heute 22-Jährigen sagt: “Frau Sarrazin hat ihm mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen.” Ursula Sarrazin verteidigt sich in mehreren Interviews. “Als Lehrer brauche ich Autorität, aber autoritär bin ich nicht. Ich stelle Regeln auf, an die sich die Schüler halten müssen. Das ist doch ganz selbstverständlich”, sagte sie dem “Focus”. “Ich schreie nicht im Unterricht”, sagte sie “Bild am Sonntag”.

Ausschnitt aus der Reportage von BILd am Sonntag NNTAg vom 16.01.11

BILD am SONNTAG: Frau Sarrazin, seit über einer Woche werden in der Öffentlichkeit Vorwürfe von Eltern und Schülern gegen Sie diskutiert. Sie seien zu autoritär, heißt es, würden einschüchtern und beleidigen . . .

URSULA SARRAZIN: Ich weiß, dieses Angstgerücht. das macht mir das Leben übrigens sehr schwer. Ihr Leben wird nicht leichter werden: Morgen konkretisiert der „Spiegel“ diese Gerüchte und berichtet zum Beispiel von einer 13-Jährigen, die auf einem Schulfest über Sie gesagt hat: „Meine Lehrerin war sehr streng und vor allen Dingen schrak ich manchmal davor zurück, wenn sie so laut schrie, dass ihr Kopf leicht rot anlief . . . Das Mädchen war eine ganz normale Schülerin. Ich weiß nicht, warum sie das erzählt hat.“

BILD am SONNTAG: Einen deutschjapanischen Schüler, 8 Jahre alt, sollen Sie vor der gesamten Klasse wiederholt als „Suzuki“(du Suziki komm hier) verhöhnt haben . . .

URSULA SARRAZIN: Das war vor zwei Jahren in der ersten Schulstunde, als ich die Klasse neu unterrichtet habe. Ich konnte mir noch nicht alle Namen merken und habe den japanischen Namen des Schülers S. falsch ausgesprochen, das klang phonetisch wie Suzuki. Ich habe dann Sie als Suziki gerufen. Da haben die anderen Kinder gelacht. Ich habe aber nicht böse gemeint.


Sarrazin, die Quelle der Weisheit?

Was für Juden die “Protokolle der Weisen von Zion” sind, ein seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitetes antisemitisches Pamphlet, ist für Muslime das Buch von Theo Sarrazin mit dem Titel “Deutschland schafft sich ab” und das neue Buch „Feindliche Übernahme“.  Wir können nur alle anständigen Menschen dazu aufrufen, diese von Wissenschaftlern widerlegten Bücher nicht als “Quelle der Weisheit” zu verwenden.

Was denkt Sarrazin über Österreich? 

Auf die Frage, im gleichen Interview von Profil aus der Ausgabe von 2011, was die Österreicher für ein Volk wären, antwortete Sarrazin wortwörtlich: „Ich möchte den Österreichern nicht zu nahetreten. Sie sind eine Abspaltung des deutschen Volks.“ 

Auf die Antwort von Profil: „Das wird die meisten Österreicher nicht sehr freuen“, erwidert Sarrazin: „Aber sie haben ja selbst 1938 mit großer Mehrheit für den Anschluss an das deutsche Volk gestimmt.“ Auf die Profil Frage: „Die Morde an Abtreibungsärzten in Amerika würden Sie aber nicht als Beleg für eine dem Christentum inhärente Gewaltbereitschaft heranziehen, oder?“, gibt Sarrazin folgende Antwort: „Ich rede hier nicht über die USA, sondern über Europa.“

Wir müssen hier, die Spreu vom Weizen trennen und folgende Frage in dem Raum stellen: Was hat Deutschland und Österreich aus der Geschichte gelernt? Welche „Werte“ sind wichtig für Deutschland und Österreich? Man muss das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen haben, um die abwertenden Thesen, speziell mit Bezugnahme auf „die Muslime“ – wahlweise auch auf „die Türken und Araber“ –, nachzuvollziehen oder rechtfertigen zu können. Auch nach intensiver Befassung bleiben sie tendenziös und pauschal abwertend. Die Grenze des Sagbaren hat sich im Zuge der Debatte verschoben und der Diskursraum hat sich bis an den Punkt öffentlicher Diffamierungen verlagert.

Was für die Juden die “Protokolle der Weisen von Zion” sind, ein seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitetes antisemitisches Pamphlet, ist für die Türken das Buch von Theo Sarrazin mit dem Titel “Deutschland schafft sich ab” und das neue Buch „Feindliche Übernahme“.

Sarrazin und die stolzen Westliche Werte?

Die Goldene Regel der praktischen Ethik der christlichen Wertegemeinschaft besagt: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“ Auch der berühmte deutsche Philosoph Immanuel Kant hat hier eine, für die Moralphilosophie wichtige, Grundsatzerklärung abgeben: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde.“  Mann nennt es der kategorische Imperativ(KI)  und er ist im System Kants das grundlegende Prinzip der  Ethik und Moral. Also wenn wir Herrn Thilo Sarrazin und seine Unterstützer nach diesen christlichen und zutiefst europäischen Werten(KI) messen, ist er sicher, nach unserer Meinung und mit Verlaub, kein Musterschüler, sondern ein zutiefst primitiver Hetzer.

Wir werden weiter in Österreich und in der EU für freiheitliche, demokratische Werte als Cityons einstehen und wie immer gegen jeglichen fundamentalistischen, reaktionären und politisierten Glauben, egal aus welcher Religion, demokratischen Widerstand durch Aufklärung leisten. Genauso gegen Demokratie-feindliche  und rassistische Bewegungen die unter dem Vorwand des Feuerlöschers auftreten, aber eigentlich Brandstifter sind. Zum Beispiel wie der nette Thilo Sarrazin und seine als schrecklich nette Famile getarnten Freunde und Unterstützer aus verschiedenen Ecken und Löchern kriechen und uns sehr gerne mit Hunden (Siehe Profil Bericht) vergleichen…

Türkische Kulturgemeinde in Österreich

30 Mrz
By: TKG 0

Frohe Osterfeiertage-Hayırlı Paskalya! So feiert man Ostern in der Türkei

Wir wünschen unseren christlichen Freunden, Nachbarn und auch allen anderen, die dieses christliche Fest nicht begehen,
frohe Osterfeiertage und ein schönes Wochenende.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

 

Info:

Hayirli Paskalya! So feiert man Ostern in der Türkei

Auch in der Türkei wird an manchen Orten Ostern gefeiert, vor allem in Ostanatolien. Will man sich gegenseitig „Frohe Ostern!“ wünschen, so sagt man dort „Hayirli Paskalya!“. Aber wie wird Paskalya in der Türkei gefeiert? Hier ein paar Eindrücke.

Was wäre Ostern ohne einem leckeren Hefezopf? Das dachte man sich wohl auch in der Türkei. Deshalb wird dort an Ostern ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken. Das Besondere daran ist, dass in den Kuchen traditionell eine Münze eingebacken wird – wer diese dann beim Verspeisen findet, der kann sich über Gesundheit und Glück freuen. Aber natürlich gibt es in der Türkei noch viele weitere Gaumenfreunden zu Ostern. Deswegen kommt an den Feiertagen meist die ganze Familie zusammen, um gemeinsam leckeren Fisch und grüne Linsen zu essen. Das ist nämlich Brauch am Karfreitag.

Gibt es in der Türkei auch Ostereier?

Und auch auf die Ostereier muss man bei einem Osterfest in der Türkei nicht verzichten. Hierzu gibt es sogar einen speziellen Brauch. Zwei Personen müssen ihre Ostereier gegeneinander schlagen und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch wieder mit Gesundheit und Glück beschenkt. Neugierig geworden? Wer nun vielleicht sogar über die Osterfeiertage einen Urlaub in der Türkei machen möchte, weiß nun zumindest, dass man auch dort sehr gut Ostern feiern kann. In manchen Orten in der Türkei gibt es außerdem auch christliche Kirchen, in denen man zur  Ostermesse gehen kann. Na dann, Hayirli Paskalya! (Myheimat.de)

 

Izmir – türkische Ostern für Anfänger

von Marie Christen

Die Türkei fällt einem vielleicht nicht als erstes ein, wenn man an das Osterfest denkt, doch auch hier wird das Fest mit seinen ganz eigenen Osterbräuchen zelebriert! Erlebt türkische Ostern mit uns!

FROHE OSTERN!

Hayirli Paskalya! (Frohe Ostern!) wird euch in der Türkei gewünscht! Nicht viele Türken feiern das Osterfest, auch ist es kein gesetzlicher Feiertag und doch überrascht die Türkei mit einigen Osterbräuchen.

Ostern ist auch hier ein Fest der Familie, alle kommen zusammen und veranstalten ein großes Festessen! Für die Feiertage wird ein Osterkuchen aus Hefeteig gebacken, also ganz ähnlich wie bei uns. Doch das Besondere und außergewöhnliche steckt hier im Detail: In den Hefezopf wird nämlich eine Münze mit eingebacken und wer diese dann findet oder verspeist, soll sich dem Glauben nach besonderer Gesundheit und Glück in diesem Jahr erfreuen dürfen. Aber natürlich gibt es noch andere Freuden für den Gaumen wenn man türkische Ostern feiert. An Karfreitag zum Beispiel wird sich in großer Runde getroffen und statt Osterbrot werden traditionell Fisch und grüne Linsen zum Mittag serviert.

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Auch die Ostereier werden in der Türkei nicht vergessen. Hier muss man sie allerdings nicht erst finden, denn in der Türkei gibt es diesbezüglich einen speziellen Brauch. Hierbei schlagen zwei Personen ihre Ostereier gegeneinander und derjenige, dessen Ei nicht zerbricht wird auch hier wieder mit Gesundheit und Glück gesegnet! Neugierig geworden? Dann besucht doch mal…

IZMIR

Die Perle an der türkischen Ägäis hat dir so einiges zu bieten! Die drittgrößte Stadt der Türkei, nach Istanbul und Ankara, wurde 3000 v. Chr. gegründet und ist somit eine der ältesten Städte der Welt. Viele verschiedene Kulturen haben während der wechselvollen Stadtgeschichte ihre Spuren hier hinterlassen.

Das Hafenviertel sowie der moderne Innenstadtbereich mit seinem Basarviertel, dem Museum und dem Kulturpark bieten eine Vielfalt an Besichtigungsmöglichkeiten. Besonders Kulturliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Neben zahlreichen Museen findet man in Izmir auch ein Staatstheater und die Staatsoper mit einem berühmten Orchester. Musikfreunde reisen aus der ganzen Türkei an, um das Orchester spielen zu hören!

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Der Uhrturm auf dem Konak-Platz ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt sondern auch ein Symbol für die Befreiung von der griechischen Besatzung. Unweit davon befindet sich das Archäologische Museum, das mit Funden aus der Antike aufwarten kann und absolut einen Besuch wert ist. Wer einen besonderen Ausblick über die Bucht von Izmir erleben möchte, sollte sich nicht scheuen, den Berg Kadifekale zu erklimmen. Auf diesem Berg lassen sich heute noch Ruinen einer eindrucksvollen Burg und ihrer Mauern, die während der Herrschaft von Alexander des Großen errichtet wurden, finden. Man kann also sagen, dass Izmir ein Ort mit großer Vergangenheit hat, die bis in die Moderne hineinreicht. Ein toller Ort um Kultur hautnah zu erleben oder für ein paar Tage zu entspannen. Also…packt die Ostereier ein, fahrt nach Izmir und Hayirli Paskalya! (blog.surprice-hotels.com)

 

CHRISTENTUM STAMMT AUS DER TÜRKEI VON BIROL KILIC

http://www.turkischegemeinde.at/christentum-stammt-aus-der-tuerkei/

 

19 Mrz
By: TKG 0

Türkische Kulturgemeinde bedankt sich für die Ausstellung Byzanz & der Westen-1000 vergessene Jahre

  • „Byzanz & der Westen-die Geschichte schreibt sich fort“
    (Kurt Farasin, Küntlerischer-Leiter Schallaburg)
  • „Kommunikation ist alles“
    (Faiko Daim&Dominik Heher, Kuratoren)
  • „Gesellschaft und Geschichte differenzierter betrachten und mit unserer Identität in Beziehung setzen“
    (Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner)

Wien(APA-OTS)-Diese drei Zitate sagen mehr als tausend Sätze, warum die Ausstellung „Byzanz & der Westen-1000 Jahre vergessene Jahre“ in Schallaburg-NÖ besuchenswert ist. Die Schallaburg in NÖ ruft ab 17. März 2018 eine völkerverbindende und faszinierende Geschichte ins Gedächtnis! Zwei Welten, die einander vertraut und doch in vielem so fremd waren. Es ist die Geschichte von Byzanz und dem Westen.

Die Ausstellung ist nicht nur für ÖstereicherInnen sehr wichtig, sondern auch für alle Menschen mit Wurzeln im Balkan und der Türkei, die unbewusst ihre kulturellen byzantinischen Traditionen, durch Musik, Essen, Glauben oder Kunst, fortführen.

Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich(TKG) Birol Kilic bedankt sich herzlich für die Ausstellung „BYZANZ & DER WESTEN – 1000 VERGESSENE JAHRE“ in Schallburg-NÖ bei Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner , bei der künstlerischen- Leitung der Schallaburg Kurt Farasin und bei den beiden ausgezeichneten Kuratoren Faiko Daim und Dominik Heher.  Kilic weiter:  „Viele unserer Mitglieder und Bekannten stammen aus Istanbul, dem früheren Konstantinopel und kennen die  unglaublich wechselvolle Geschichte die auch in dieser Ausstellung in Schallaburg gerade für die jetzige Zeit eigentlich die größte Lektion sein sollte. Obwohl uns die byzantinische Kultur sehr nahe ist und seit Generationen weitergegeben wird, wird sie nicht bewusst wahrgenommen.  Schallaburg NÖ weckt in uns als Österreicher mit türkischen Wurzel die brüderlichen Gefühle die wir dankbar sehen und schätzen. Niederösterreich hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Kulturbereich sehr viele nationale und internationale Anerkennungen erarbeitet. Nicht ohne Grund. Hochachtung“

 

 

Mehr Info:

„Byzanz & der Westen- 1000 vergessene Jahre“ in NÖ-Schallaburg

 

„Byzanz&der Westen-die Geschichte schreibt sich fort“
Kurt Farasin, Küntlerischer-Leiter Schallaburg

„Kommunikation ist alles“
Faiko Daim&Dominik Heher, Kuratoren

„Gesellschaft und Geschichte diffenzierter betrachten und mit unserer Identität in Beziehung setzen“
Landeshauptfrau Johhanna Mikl-Leitner

Die drei Zitate sagen mehr als tausend Sätze um die Ausstellung Byzanz&der Westen-1000 Jahre vergessene Jahre in Schallaburg-NÖ zu besuchen.

Die Schallaburg in NÖ ruft 2018 eine faszinierende Geschichte ins Gedächtnis! Zwei Welten, die einander vertraut und doch in vielem so fremd waren. Es ist die Geschichte von Byzanz und dem Westen.

Wir reisen zurück ins Mittelalter: Schauplatz ist das Mittelmeer – ein Ort, der seit jeher Kulturen verknüpfte und bereicherte. Auf den Trümmern des weströmischen Reiches entsteht eine Vielzahl neuer Staatsgebilde, während das oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel zum Weltreich aufsteigt. Lange Zeit gilt es im Westen als prestigeträchtig, an der Kultur der Byzantiner teilzuhaben. Mit Exponaten aus namhaften Sammlungen wie dem Pariser Musée du Louvre, der Schatzkammer von San Marco in Venedig oder dem Israel Museum in Jerusalem ist „Byzanz & der Westen“ die wertvollste Ausstellung in der Geschichte der Schallaburg.

 

Wir reisen zurück ins Mittelalter

Schauplatz ist das Mittelmeer. „Byzanz & der Westen“ ist die erste Ausstellung zum wechselvollen Verhältnis zwischen dem Byzantinischen Reich und dem lateinischen Westen.

Zugleich ist sie die wertvollste Schau in der Geschichte der Schallaburg mit Exponaten aus namhaften Sammlungen wie dem Pariser Musée du Louvre, der Schatzkammer von San Marco in Venedig oder dem Israel Museum in Jerusalem.

Mit dieser Ausstellung ruft die Schallaburg eine Geschichte in Erinnerung, die im gemeinsamen Gedächtnis Mittel- und Westeuropas eine weitgehend unbedeutende Rolle spielt. Sie handelt von Neugier und Vorurteilen, von Gier und Faszination, von zwei Welten, die einander vertraut und doch in vielem so fremd waren. Es geht uns um die Verbindungen und die Kommunikation zwischen Ost und West sowie um den Raum dazwischen, das Mittelmeer, in dem der Austausch stattgefunden hat. Byzanz hat als Brücke von der Antike zur Moderne fungiert. Wir verdanken Byzanz jede Menge Wissen, ohne das die Renaissancezeit kaum möglich gewesen wäre, so wie wir sie erlebt haben“, erörtert der Kurator Falko Daim.

Eine chronologische Reise

Der Ausstellungsrundgang beginnt im Innenhof am Schauplatz Mittelmeer, dem wesentlichen Kommunikationsraum, wo der aus Italien stammende Künstler Angelo Monne bedeutende Küstenorte des Mittelmeers mit historischen und gegenwärtigen Bezügen großformatig illustriert hat.

In der Ausstellung werden unterschiedliche Aspekte der wechselhaften Beziehung zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen einzeln und in chronologischer Abfolge erzählt. „Herzstück der Ausstellung sind die verschiedenen Wege der Kommunikation. Wie kommunizierten diese beiden Welten miteinander: Sei es über Diplomaten, politische Ehen, aber auch über reisende Personen wie Pilger, Künstler, Leute die ausgewandert sind und ein Bild ihrer Kultur vermittelt haben.  Aber natürlich auch über Gegenstände und Texte“, so Kurator Dominik Heher.

Drei Übergangsräume, als Rauminstallation in der Ausstellung angelegt, widmen sich dem aktuellen Beziehungsstatus der beiden Protagonisten. „Hier kommen Byzanz und der Westen zu Wort, sie sprechen miteinander, übereinander und gegeneinander. Wie stehen diese beiden Welten zueinander? Vertragen sie sich? Uns ist es wichtig, dass der ganze Raum das Gefühl und diese Gedanken, diese Beziehungsgeschichte erzählt“, erklärt Renate Woditschka vom Team zunder zwo, welche die Vermittlungsebene in der Ausstellung gestaltet haben. Hörstationen, interaktive Spiele, Aktionskarten und das Mitmach-Heft laden zum selbst aktiv werden und ausprobieren ein.

Die Ausstellung mündet in ein offenes Ende. Im Magazin mit dem Titel „Mittelmeer wohin“ analysieren Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur vergangene und gegenwärtige Entwicklungen im Mittelmeerraum. „Die Schallaburg ist ein Ausstellungszentrum wo spannende Geschichten mit starkem Bezug zur Gegenwart erzählt werden. So auch wieder heuer mitByzanz & der Westen“. Erzählt wird eine Sehnsuchts – bzw. Beziehungsgeschichte, wo man zuerst begehrt, dann liebt und zum Schluss auch zerstört. Byzanz ist aktueller denn je, für das Verständnis von Europa und vor allem auch der Diskussionen, die wir heute führen“, betont Kurt Farasin, Künstlerische Leiter der Schallaburg.

Forschung trifft Ausstellung
Für die Ausstellung arbeitete die Schallaburg mit den führenden Institutionen für die Erforschung byzantinischer Kultur, wie dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, zusammen. Diese Institute präsentieren nicht nur ihre aktuellsten Forschungsergebnisse in der Ausstellung – dieses Wissenschaftsnetzwerk beantwortet ab Ausstellungsbeginn auch persönliche Fragen zum Thema Byzanz – entweder direkt in der Ausstellung oder auch bei Vorträgen und Diskussionsrunden.Durch die Eröffnungsfeier führte Moderatorin Barbara Stöckl. Auf der Bühne mimte eine Geräuschkulisse Möwengeschrei und Meeresbrandung nach. Ein akustisches Stimmungsbild vom Mittelmeer – jenem Ort – der seit jeher Kulturen verknüpfte und bereicherte. Für die  musikalische Reise in den Mittelmeerraum zeichnete das Ensemble Fiori Musicali Austria verantwortlich: musikalische Elemente aus verschiedenen Genres trafen auf Musikstile aus unterschiedlichen Epochen und aus aller Welt. Das Beziehungswechselspiel zwischen dem WESTEN und BYZANZ verkörperten die beiden Schauspielerinnen Vanessa Payer Kumar und Eva Maria Neubauer; sie zitierten Botschaften der beiden Protagonisten, unterstrichen die jeweilige Identität und verdeutlichten die Gegensätze.Die Eröffnung der Ausstellung beim feierlichen Festakt nahm Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor: „Ein wesentliches Markenzeichen im Kulturland Niederösterreich ist die Schallaburg, die zu den erfolgreichsten Ausstellungszentren Österreichs zählt. In bunter und lebendiger Form widmet man sich in den jährlich wechselnden Ausstellungen historischen, zeitgeschichtlichen und ethnologischen Themen. Mit der Kulturvermittlung geht die Schallaburg neue Wege und lädt das Publikum zu einem Austausch, zu einem Dialog ein. Das führt dazu, dass wir Gesellschaft und Geschichte differenzierter betrachten und mit unserer Identität in Beziehung setzen können. Die heurige Ausstellung zeigt wie Kulturen sich wechselseitig stark beeinflussen aber auch wie eine fehlende Kommunikation zu Missverständnissen und in weiterer Folge zu Entfremdung und Konkurrenz führen kann. Ein Blick in die Geschichte kann uns helfen, größere Zusammenhänge zu verstehen und zeigt, wie sehr unsere Gegenwart von der Historie auch geprägt ist. Die Schallaburg lädt ein, unsere Welt kennenzulernen, und das – in spannender und familiengerechter Aufbereitung.“

Kaiser Herakleios als Kreuzfahrer ©Museé du Louvre, Paris

Von 17. März bis 11. November 2018 ruft die Schallaburg eine faszinierende Geschichte ins Gedächtnis. Sie handelt von Neugier und Vorurteilen, von Gier und Faszination, von zwei Welten, die einander vertraut und doch in vielem so fremd waren. Es ist die Geschichte von Byzanz und dem Westen.

Wir reisen zurück ins Mittelalter

Schauplatz ist das Mittelmeer – ein Ort, der seit jeher Kulturen verknüpfte und bereicherte. Das Römische Reich wird im 4. Jahrhundert geteilt: Auf den Trümmern des weströmischen Reichesentsteht eine Vielzahl neuer Staatsgebilde, während das oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel zum Weltreich aufsteigt – es wird zum politischen und kulturellem Zentrum.

Byzanz glänzt

Seide, Gold und Elfenbein sind im Westen heiß begehrt! Lange Zeit gilt es als prestigeträchtig, an der Kultur der Byzantiner teilzuhaben – man tauscht sich aus, wird inspiriert und imitiert. Atemberaubende Kunstwerke und bedeutende archäologische Funde aus namhaften Sammlungen wie dem Musée du Louvre, der Schatzkammer von San Marco in Venedig oder dem Israel Museum in Jerusalem machen „Byzanz & der Westen“ zu einer einzigartigen Schau.

Das Ende einer Erfolgsstory

Politische und religiöse Differenzen, Sprachbarrieren und entgegengesetzte Interessen belasten zunehmend die Beziehung zwischen Byzanz und dem Westen. Die Kluft wird immer tiefer. Beide Seiten schüren vorhandene Vorurteile und heben die trennenden Elemente ihrer Kulturen hervor. Ein fatales Spiel, das schließlich mit dem Untergang der einstigen Supermacht Byzanz endet.

Kaiser Herakleios als Kreuzfahrer ©Museé du Louvre, Paris

Für die ganze Familie

Interaktive Spiele, Hörstationen, das Mitmach-Heft und die Familienführung laden Klein und Groß zu einer Entdeckungsreise durch die Ausstellung ein und machen 1000 vergessene Jahre für die ganze Familie erlebbar.

Forschung trifft Ausstellung Vorhang auf für die Wissenschaft

Die Ausstellung „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“ wurde vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien für die Schallaburg konzipiert. Das RGZM Mainz tritt nicht nur als kuratierende Instanz auf, sondern ist auch maßgeblich an einem Forschungsnetzwerk beteiligt, das unter anderem die Universität Mainz, aber auch andere Einrichtungen unter dem Namen „Leibniz- WissenschaftsCampus Mainz“ zusammenfasst.

Die aktuellen Forschungsergebnisse aller genannten Institute sind direkt in „Byzanz & der Westen“ eingeflossen und machen die faszinierende Geschichte eines imposanten Weltreiches lebendig. Erstmals beantwortet das Wissenschaftsnetzwerk auch ganz persönliche Fragen – entweder direkt in der Ausstellung oder auch bei Vorträgen und Diskussionsrunden.

Eine chronologische Zeitreise

Die Erzählung in der Ausstellung setzt am Ende des 4. Jahrhunderts bei der Teilung des Römischen Reiches (395) in West und Ost ein und erstreckt sich über 1000 Jahre, in denen sich das Verhältnis zwischen dem Westen und Byzanz massiv verändert. Die Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer (1204) leitet den Untergang der einstigen Supermacht ein – 1453 wird Konstantinopel schließlich durch die Osmanen erobert; die Geschichte von Byzanz und dem Westen kommt zum Abschluss – in der Ausstellung mündet sie in ein offenes Ende: Beispielhaft wird gezeigt, wie Byzanz Europa bis heute prägt – besonders rund um das Mittelmeer.

Mit dieser einzigartigen Mischung von Geschichten, Objekten und historischen Persönlichkeiten macht die Schallaburg 1000 vergessene Jahre erlebbar und schlägt eine Brücke ins Heute.

Tragaltar ©Hohe Domkirche Trier

Überblick Rundgang

Der Ausstellungsrundgang beginnt im Innenhof am Schauplatz Mittelmeer, dem wesentlichen Kommunikationsraum, zwischen den beiden Protagonisten Byzanz und dem Westen. Der aus Italien stammende Künstler Angelo Monne hat hier bedeutende Küstenorte des Mittelmeers mit historischen und gegenwärtigen Bezügen großformatig illustriert.

 

Exponate aus der Ausstellung sind in die Darstellung eingebettet. Die Zeitebenen Antike, Mittelalter und Gegenwart verschwimmen – Epochen treffen aufeinander und prägen bis heute:

Venedig (Italien), Zadar (Kroatien), Monemvasia (Griechenland), Konstantinopel (Türkei), Iraklio (Griechenland), Akkon (Israel), Alexandria (Ägypten), Palermo (Italien), Marseille (Frankreich), Karthago (Tunesien), Portus (Italien)

In der Ausstellung werden unterschiedliche Aspekte der wechselhaften Beziehung zwischen dem griechischen Osten und lateinischem Westen einzeln und in chronologischer Abfolge erzählt.

Drei Übergangsräume sind als Rauminstallation angelegt. Sie widmen sich dem aktuellen Beziehungsstatus, in denen jeweils ein zentraler Aspekt der Geschichte thematisiert wird. Die Protagonisten, Byzanz und der Westen, kommen zu Wort. Sie sprechen miteinander, übereinander und gegeneinander.

Raum 1 – ANKOMMEN

In der Ausstellung

Schlüsselbegriffe sind in unterschiedlichen Mittelmeersprachen zu hören – dieser Raum dient der Einstimmung auf die Geschichte.

Raum 2 – ÜBERBLICK

Welcher Zeitraum wird abgedeckt? Wo befinden wir uns?

Raum 3 – VERSTÄNDNIS

Das Römische Reich umfasst viele Völker rund ums Mittelmeer – Latein ist die gemeinsame Amtssprache. Als das Weströmische Reich zerbricht, wird im Westen weiter Latein gesprochen. Im östlichen, von Byzanz beherrschten Mittelmeerraum setzt sich hingegen Griechisch durch. Die Kenntnis der jeweils anderen Sprache geht langsam verloren, die Verständigung wird schwieriger. Das Wissen der anderen Seite wird unzugänglich – es kommt zu immer mehr Missverständnissen.

Raum 4 – BEGIERDEN

Lange Zeit gilt es im Westen als prestigeträchtig, an der Kultur der Byzantiner teilzuhaben. Byzanz glänzt! Seide, Gold, Elfenbein und Reliquien sind im Westen heiß begehrt. Politische Vermählungen und eine diplomatische Geschenkdiplomatie von Byzanz in Richtung Westen stehen im Zentrum.

Raum 5 – BEWEGUNG

Reisende zwischen beiden Welten: Menschen reisen weiterhin von Ost nach West, vor allem aber von West nach Ost: Viele kommen, um Geld zu verdienen, indem sie für Byzanz kämpfen. Noch mehr machen sich auf den Weg, um die heiligen Stätten zu besuchen. Manche bleiben in der Ferne und beginnen dort ein neues Leben. Andere kehren zurück – in ihrem Gepäck haben sie kostbare Gegenstände, neue Ideen und fantastische Geschichten.

Raum 6 – Übergangsraum / Gemischte Gefühle

Zwei Welten, einander vertraut und doch in vielem so fremd. Gegenseitige Wahrnehmung, Faszination, Neugier und Vor-Urteile: welche Auswirkung haben diese Gefühlswelten auf die Kommunikation der beiden Welten?

Raum 7 – GLANZ

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches werden die Karten im Westen neu gemischt: Germanische Königreiche breiten sich aus. Alle stehen in Kontakt mit Byzanz – ebenso die fränkischen Merowinger. Handelsbeziehungen machen sich auf – der byzantinische Lebensstil wird innerhalb der Eliten nachgeahmt.

Raum 8 – KONKURRENZ

Die Legitimation von Macht: Es gibt im Westen wieder einen Kaiser, welcher sich auf das römische Erbe beruft – Frankenkönig Karl der Große. Zu Weihnachten 800 krönt der Papst Karl zum Kaiser. Er ist nun der mächtigste Mann Europas – Byzanz ist schockiert, aber machtlos.

Raum 9 – FASZINATION

10. Jahrhundert: Die Deutschen erklären ihr Herrschaftsgebiet zum Heiligen Römischen Reich – aus byzantinischer Sicht eine Unverschämtheit. Trotz aller Konkurrenz gilt aber immer noch das reiche und gelehrte Byzanz als kulturelles Zentrum – der Westen übernimmt wird inspiriert und imitiert: Unter dem Einfluss östlicher Vorbilder gelangen Kunst und Architektur zu bemerkenswerter Blüte.

Raum 10 – Geschichte Backstage
Der Vermittlungsansatz
Eine Gelegenheit um miteinander ins Gespräch zu kommen oder auch Hintergrundinformationen zur Ausstellung zu bekommen: Auf Knopfdruck steht das Ausstellungsteam (Kuratoren, Teams der Vermittlung, Produktion oder auch der Künstl. Leiter) an drei Familientischen und drei Erwachsenentischen Antwort u.a. auf: „Was hat die Geschichte von Byzanz & dem Westen mit mir zu tun?“, „Woher wissen wir das alles?“ oder „Was war deine Aufgabe bei dieser Ausstellung?“

Frag nach

Auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform kann das Ausstellungspublikum Fragen an das Wissenschaftsteam stellen und bekommt diese (binnen drei Tagen) persönlich beantwortet. Entweder direkt aus der Ausstellung oder via: www.schallaburg.at

Raum 11 – Übergangsraum / Es spitzt sich zu

Im Fokus steht das Auseinanderbrechen. Die beiden Welten – Ost und West treffen aufeinander und geraten aneinander. Immer öfter suchen die beiden Kontrahenten die Konfrontation.

Raum 12 – STANDPUNKTE

Der wahre Glaube: Nichts trennt Byzanz und den Westen mehr als die gemeinsame Religion – den christlichen Glauben. Religiöse Spannungen vermischen sich immer mehr mit den politischen Konflikten. Im Jahr 1054 dann der Skandal: Der Papst und der Patriarch von Konstantinopel schließen einander gegenseitig aus der Kirche aus. In den folgenden Jahrhunderten wird die Kluft immer tiefer.

Raum 13 – MISSTRAUEN

Der Krieg im Zeichen des Kreuzes verändert die Beziehung zwischen Ost und West (beide gehören dem Christentum an). Im Jahr 1095 ruft Papst Urban II. zum Kreuzzug ins Heilige Land auf. Zum einen um dort Pilgerwege zu sichern und zum anderen als Unterstützung der Byzantiner im Kampf – die Kreuzfahrer erobern Jerusalem von den Muslimen und gründen eigene Reiche. In den folgenden 100 Jahren schließen sich zehntausende Ritter aus dem Westen weiteren Kreuzzügen an. So wird auch der Kontakt mit Byzanz eng wie nie zuvor.

Raum 14 – ANEIGNUNG

Als erste westliche Macht scheuen die Normannen die kriegerische Auseinandersetzung mit Byzanz nicht – gleichzeitig werden kulturelle Elemente in Herrschaft und Verwaltung übernommen.

Raum 15 – BRÜCHE

Der vierte Kreuzzug: Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 durch eine französische und venezianische Flotte lässt das Machtverhältnis zugunsten des Westens kippen. Drei Tage lang plündern die Angreifer die reichste Stadt der christlichen Welt und lassen wenig übrig. Sie teilen die Schätze und das Reich untereinander auf und verbreiten den katholischen Glauben auf byzantinischem Boden. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Das verstehen selbst viele Kreuzfahrer nicht. Denn eigentlich waren sie ja zur Befreiung des Heiligen Landes von den Muslimen aufgebrochen.

Raum 16 – Übergangsraum / Was jetzt?

Die Suche nach Orientierung. Was tun? Wohin? Wer waren und wer sind wir? Was ist von uns geblieben? Byzanz muss sich neu erfinden.

Raum 17 – DOMINANZ

Nach der Plünderung Konstantinopels werden weitere byzantinische Gebiete durch die Kreuzfahrer aufgeteilt. Die Venezianer bekommen wichtige Hafenstädte und die französischen Kreuzritter die restlichen Gebiete – ihrem neuen griechischen Umfeld verleihen sie ein westliches Antlitz. Eine neue

Gesellschaftsordnung und katholische Strukturen setzen sich auf die einst byzantinischen Gebiete durch; es geht um ein Stück innereuropäischer Kolonialgeschichte.

Raum 18 – UMBRUCH

Die Byzantiner erobern im Jahr 1261 Konstantinopel zurück jedoch Byzanz ist nur mehr eine regionale Macht. Einerseits existieren die lateinischen Kolonien weiter, andererseits erlebt Byzanz einen kulturellen und intellektuellen Aufschwung von Wissenschaft, Kunst und Architektur. Als die Osmanen eine immer größere Gefahr darstellen, bleibt den Byzantinern keine Wahl und sie wenden sich um Hilfe an den Westen. Die Bedingung an den Osten lautet: Der byzantinische Kaiser muss die Oberhoheit des Papstes über die orthodoxe Kirche anerkennen.

Raum 19 – ERBE

Im Zentrum steht die westliche Wahrnehmung. 1453 fällt Konstantinopel an die Osmanen. Das Byzantinische Reich ist damit Geschichte, sein Erbe wirkt aber weiter: In der orthodoxen Welt ist es allgegenwärtig.

Raum 20 – Nachspann

Die Ausstellung endet offen und führt ans Mittelmeer: an den Schauplatz der historischen Erzählung und an unser Mittelmeer von heute, wo die Geschichte weitergeht.

Magazin „Mittelmeer, wohin?“

Die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung wird aufgenommen und mit aktuellen Fragestellungen verknüpft: An welchen Fragen wird sich die Zukunft des Mittelmeerraums entscheiden – und damit vielleicht auch die Zukunft Europas? Was können wir von den Regionen rund ums Mittelmeer lernen, und was können wir umgekehrt für den Mittelmeerraum tun?

Vor dem Hintergrund der historischen Erzählung gibt das Magazin Impulse zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Zukunft des Mittelmeerraums. Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur analysieren vergangene und gegenwärtige Entwicklungen, sprechen über Einschätzungen, Hoffnungen und Initiativen. Verschränkt werden diese Beiträge mit Einblicken in den Entstehungsprozess der Ausstellung „Byzanz & der Westen“ und mit der Vorstellung von Forschungsprojekten aus dem Forschungscluster zur Ausstellung.

Mit Beiträge von:

David Abulafia: Angelpunkt Mittelmeer
Daniel Kötter: KATALOG. Eine Reise rund ums Mittelmeer
Sebastian Schoepp: Mehr Süden wagen
Claus Leggewie: Zukunft im Süden?
Gudrun Biffl: Migrationen und Mittelmeer
Im Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn und Metropolit
Arsenios von Austria: Ein Haus mit vielen Wohnungen
Erhard Busek: Das Mittelmeer – Seele Europas?
Heidemarie Dobner: Geschichten des Gelingens
Zentrum für Politische Schönheit: Die Jean-Monnet-Brücke – ein Jahrhundertwerk der Humanität

Gedanken von David Abulafia, britischer Historiker, 21. Jahrhundert:

„Es ist verlockend, eine mediterrane Identität zu definieren. Doch statt nach Einheit sollten wir nach Vielfalt suchen, nach ethnischer, sprachlicher, religiöser und politischer Vielfalt. Die Mittelmeerregion war immer äußeren Einflüssen ausgesetzt und befand sich ständig im Fluss, zu allen Zeiten. Die Ränder des Mittelmeers waren stets Treffpunkt von Menschen unterschiedlichster Herkunft“.

Vermittlung

Weitere Informationen

Die Grundbasis der Vermittlung stellt eine gesprächsbereite und offene Form des Dialogs dar. Speziell beim mündlichen Erzählen wird bewusst, wie sehr diese Geschichte von Emotionen geprägt ist: Die Beziehung von Byzanz und dem Westen zeugt von intensiven Kontakten, von Faszination, von einem Mit- und Nebeneinander auf Augenhöhe. Im steten Wettstreit empfindet sich jede Seite selbst als überlegen, misstraut und übervorteilt. Ziel der Dialogführung ist es, dieses ambivalente Verhältnis von Byzanz und dem Westen möglichst intensiv erlebbar zu machen. Kern dieser Vermittlung ist die Frage der Identität. Welche Ebenen und Umstände formen diese und wie forme ich meine eigene Identität?

Mitmachheft

Das Mitmachheft richtet sich an alle Altersgruppen, bei der Entwicklung wurde jedoch besonders auf junge Zielgruppen Rücksicht genommen. Es begleitet die Besucherinnen und Besucher Raum für Raum durch die Ausstellung und Bild für Bild durch die spannende, mitunter auch emotionale Geschichte von „Byzanz & dem Westen“. Fragen und Aufgaben „zum Mitmachen“ führen hin zu den Exponaten und binden die Mitmachstationen in die Erzählung ein.

Mitmachstationen

An mehreren Stellen im Rundgang können Kinder die Raumthemen wie durch spielerisches Experimentieren mit lateinischen und griechischen Buchstaben oder auch durch das Malen einer Ikone vertiefen.

Aktionskarten

Diese Aktionskarten richten sich an Kinder und Erwachsene und bringen Anliegen und Gedanken aus der Ausstellung in Form von Handlungsanweisungen zu den Besucherinnen und Besuchern. Sie fordern auf aktiv zu werden, regen zum Nachdenken an und verweisen in die Ausstellung, schicken in den Arkadenhof und in den Schlossgarten.

Illustrationen

Die Illustrationen in der Ausstellung und im Mitmachheft stammen vom italienischen Illustrator Angelo Monne. Er lebt und arbeitet in Dorgali, Sardinien, und hat unter anderem Projekte und Illustrationen für die Tageszeitung „L’Unità“, die Stadt Rom, den Palazzo delle Esposizioni in Rom, die Universität Roma III oder die „Oberaufsicht für das archäologische Erbe der Stadt Rom“ realisiert. Zuletzt arbeitete er intensiv mit der Wochenzeitung „Internazionale“ zusammen. Seine Illustrationen erzählen eine vielschichtige Beziehungsgeschichte auf den Ebenen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Allen Illustrationen dienen Exponate oder historische Darstellungen als Vorlagen.

Inhaltliches Team

Biografien

Falko Daim, geboren am 28. Februar 1953 in Wien. Abgeschlossene Studien der Ur- und Frühgeschichte sowie mittelalterlicher und neuerer Geschichte an der Universität Wien. Seit 2003 Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (RGZM). Falko Daim ist Initiator des WissenschaftsCampus Mainz. Kuratierung der Niederösterreichischen Landesausstellung „Sein und Sinn – Burg und Mensch“ auf der Burg Ottenstein und dem Schloss Waldreichs (2001). Kuratierung der Ausstellung „Byzanz – Pracht und Alltag“ in der Bundeskunsthalle Bonn (2010). Kuratierung (mit Dominik Heher) der Ausstellung „Das goldene Byzanz und der Orient“ auf der Schallaburg (2012). Kuratierung (mit Dominik Heher) der Ausstellung „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre (2018). Seit 2013 ist Falko Daim stellvertretender Sprecher des DFG Schwerpunktprogramms 1630 „Antike und mittelalterliche Häfen in Europa“. Ebenso ist er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Dominik Heher, geboren am 22. Oktober 1984 in Melk und unweit der Schallaburg aufgewachsen. Abgeschlossene Studien der Byzantinistik und Neogräzistik und den Unterrichtsfächern Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung sowie Italienisch an der Universität Wien. Promotion in Byzantinistik 2015. Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Kuratierung (mit Falko Daim) der Ausstellung „Das Goldene Byzanz & der Orient“ auf der Schallaburg (2012). Kuratierung (mit Helene Miklas) der Sonderausstellung „Freyheit durch Bildung“ auf der Schallaburg (2017). Kuratierung (mit Falko Daim) der Ausstellung „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“ (2018). Daneben diverse Werkverträge und Lehraufträge an der Universität Wien. Seit 2013 Mitarbeit am DFG-finanzierten RGZM-Forschungsprojekt „Häfen an der Balkanküste des Byzantinischen Reiches“, Teilbereich Dalmatien, Montenegro und Albanien. Sonstige Forschungsschwerpunkte betreffen das byzantinische Zeremoniell und politische Rituale.

Künstlerischer Leiter

Kurt Farasin war von 1993 bis 2002 beim ORF (ORF-Zentrum Wien) u. a. zuletzt als Leiter der Familienredaktion tätig.
Von 2002 bis 2010 war er Projektleiter und Geschäftsführer von Schloss Hof und maßgeblich für das Konzept, die strategische Ausrichtung und Wiederherstellung der Schlossanlage verantwortlich. Von 2010 bis 2016 hatte Kurt Farasin die operative Geschäftsführung der Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H. über und damit auch der Niederösterreichischen Landesausstellungen. Nach dem Abschluss der strategischen Neuausrichtung der Schallaburg übernimmt Kurt Farasin 2016 die Künstlerische Leitung, in der er sich voll und ganz auf die weitere inhaltliche Entwicklung und Positionierung der beiden eigenständigen Marken konzentriert: die Schallaburg als Ausstellungszentrum sowie die Niederösterreichischen Landesausstellungen als kulturelles Regionalentwicklungsprojekt.

 

20 Feb
By: TKG 0

TKG -Aufklärungsversuch: Im Koran sucht man das „Kopf-tuch“ als Gebot vergeblich!

In den zahlreichen Rückmeldungen wurden uns vor allem Fragen zur Bedeutung von Kopftuch, Burka, Burkini, Hijap, Chador im Koran und in der islamischen Religion gestellt. z. B: Warum die blinde Kadavergehorsamkeit gegenüber unantastbaren Werken viel Gewalt und Verachtung verursacht?

Wir kommen den Bitten um Beantwortung nun gerne nach,  möchten aber vorab Folgendes betonen:  Wir sind weder ein politischer, noch ein religiöser Vertreter. Es geht  hier um sachliche, fundiert argumentiere Kritik mit profunden nüchternen Wissensvermittlung und nicht um rüde Anwürfe und pauschale Verunglimpfungen.

 

von Birol Kilic

(Erste Veröffentlichung-2010)- Aktualisiert

Ein Aufklärungsversuch

Mündigkeit, Unmündigkeit, Entmündigung!

Man kann durchaus sagen Kopftuch, Kopfbedeckung, Schleier stammt aus der Tora und dem neuen Testament aber nicht aus dem Koran.

Der Begriff Mündigkeit beschreibt das innere und äußere Vermögen zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Mündigkeit ist ein Zustand der Unabhängigkeit. Sie besagt, dass man für sich selbst sprechen und sorgen kann.

Als Österreicher und mit Überzeugung säkularer Lebenseinstellung trete ich für uneingeschränkte Meinungsfreiheit ein und spricht sich grundsätzlich gegen Kleidervorschriften aus.  Aber ich bin gegen Vollschleir weil der Vollschleir (Burka, Nigab) ist für uns ein Zeichen von Entmündigung ist und für einabwertendes Frauenbild steht. Die Entmündigung wurde in Österreich 1984 und in Deutschland 1992 Gottseidung abgeschafft.

Seit Immanuel Kant hat der Begriff Mündigkeit eine geschichtsphilosophische Bedeutung. In seinem berühmten Text, der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? von 1784 schreibt Kant:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Dass die Menschen in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Anderen sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel.“

Hier sollten wir doppelt aufpassen. Weil die Aufklärung („Aydinlanma“  auf Türkisch)  den Prozess des Erwachsen werdens von der Unmündigkeit zur Mündigkeit auf die allgemeine Menschheitsgeschichte projeziert.  Der Begriff der Mündigkeit dient als ein zentrales Instrument der Legitimation dazu, Geschichte als Fortschritt zu begreifen. So die allgemeine Erklärungen..

Was sagen die Fotos aus Wien? Sie verwendet 21. Jahrhundert Technologie sehr penibel

  

Was sagt EGMR?

Laut vielen Berichten hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in einem europaweit maßgeblichen Urteil das Verbot des Ganzkörperschleiers in Frankreich gebilligt. Die Richter wiesen in Straßburg die Beschwerde einer französischen Muslimin in allen Punkten zurück. Das Verbot sei keine Diskriminierung, es verstoße nicht gegen den Schutz des Privatlebens und auch nicht gegen die Meinungs- und Religionsfreiheit, hieß es zur Begründung.

Noch dazu: Nikab und Burka sind nicht durch Koran gedeckt (Siehe Unten), sondern ein regionaler Brauch, der nicht durch die Glaubensfreiheit geschützt wird. Für die TKG bedeutet Toleranz nicht, alles anzuerkennen, was von außen an eine Gesellschaft herangetragen wird. Der weltoffene, säkulare-freiheitlich-pluralistische Staat hat die Aufgabe und Ziel hier eigene Maßstäbe zu setzen und zu verteidigen.

Allerdings lassen wir Meinungen, die auf die (politische) Instrumentalisierung von bestimmten Kleidungsstücken in Österreich bzw. in der EU abzielen, nicht gelten. „Vollschleier wie Burka und Nikab gehören nicht nach Europa. Sie stellen eine Kampfansage an die Werte der Aufklärung dar und sie degradieren Frauen zu Objekten männlicher Verfügungsgewalt,“ oder ähnliches schreiben viele Kommentatoren seit Jahr und Tag.

Wir müssen Aufklären

„Jede Religion aber muss sich den Ansprüchen der prüfenden, kritisierenden, forschenden Vernunft unterwerfen“

Die Anwort warum wir Aufklären müssen gibt Konrad Paul Liessmann  Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien (Die Praxis der Unbildung-Zsolnay Verlag, 2014 ) mit den folgenden Worten:

 Untrennbar ist dieser Begriff -Aufklärung- an die Metapher des Lichts und damit des Sehens gebunden, es geht um die Herstellung von Verhältnissen, in der alles Dunkle, Verborgene, Falsche, Verdüsterte, aber auch jeder falsche Schein, jedes Blendwerk, jede Täuschung, jede Illusion ihrer Unwahrheit überführt wird. Aufklärung tut nur dort not, wo die Gedanken und Sinne der Menschen vernebelt sind, wo an angeblich unumstößliche Wahrheiten geglaubt werden muss und vermeintliche Gewissheiten oktroyiert werden. Aufklärung setzt demgegenüber darauf, dass Wahrheitsansprüche, Weltdeutungen, moralische Einstellungen und politische Überzeugungen kritisch überprüft und aus Vernunftgründen einsichtig, zumindest plausibel gemacht werden müssen. Jede Religion aber muss sich den Ansprüchen der prüfenden, kritisierenden, forschenden Vernunft unterwerfen. Es ist ein grobes Missverständnis, dass die Vernunft gegenüber Glaubenswahrheiten tolerant sein muss; die Vernunft hat nichts zu dulden, was ihren Ansprüchen nicht genügt. Wären die Aufklärer und Religionskritiker, von Voltaire über Feuerbach bis zu Marx, Nietzsche und Freud ähnlich wie wir von der Besorgnis getragen gewesen, nur ja keine religiösen Gefühle zu verletzen, hätte es keine Aufklärung, keine Menschenrechte, keine moderne Lebenswelt gegeben.“

 

Nur zur Sache!

Der Textbefund in Bibel(alte und neue)  und Koran?

Während im Alten und Neuen Testament das Kopftuch verpflichtend vorgeschrieben wird, kommt im Koran das Wort „Kopftuch“ nicht einmal vor, allenfalls das „Tuch“.

Der Koran meint mit „Tuch“ aber kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dienen und ihre sexuellen Körperstellen (Scham) verhüllen soll (siehe die Suren, die wir in deutscher Sprache unten angegeben haben).

Wenn im Islam die einzig verbindliche, als wahr vorausgesetzte Quelle der Koran (wo die verbindliche Gebote und Verbote abgeleitet wird)  ist und lediglich das Wort „Tuch“ im Koran in drei Versen tatsächlich vorkommt, nicht aber das Wort „Kopftuch“, werfen sich berechtigte Fragen auf. Warum ist Kopftuch-tragen dann ein Gebot im Islam?

Warum stellen wir die Frage?  Damit wir hier nicht unter dem Vorwand der Religionsfreiheit betrogen, manipuliert bzw. ausgebeutet werden.



„Koran lehnt Schirk (širk = Beigesellung) und ausbeutung und manupulation!“

Die unverzeihbare Sünde- Schirk (širk = Beigesellung) 

“ Am 16. Februar 2017 veröffentlichte der Mufti der Glaubensgemeinschaft ein Fatwa (religiöses Rechtsurteil) zur Stellung des Kopftuches bzw der Verhüllung im Islam.  Dieses autoritäre aber nicht bindende Fatwa erfordert eine tiefgreifende Stellungnahme in Österreich und eine dringend notwendige inner-islamische Debatte, wie die MuslimInnen ihre Religion hier und heute verstehen. Mir geht es dabei nicht darum, ob die muslimischen Frauen Kopftuch tragen müssen oder nicht. Mir geht es in dieser Frage darum, wie und mit welchen Quellen wir unsere Religiosität in der Gegenwart begründen und was den MuslimInnen als unantastbare Wahrheit geboten wird. In dem Fatwa der Glaubensgemeinschaft wird das Kopftuch mit den vier Rechtsschulen des sunnitischen Islams begründet. Dabei werden auf gegenwartsorientierte Selbstdeutungen des Korans verzichtet und auf die Deutungen aus dem  8. und 9. Jahrhundert zurückgegriffen und deren Deutungen als farḍ (absolute Pflicht) bezeichnet. Damit werden die Meinungen der Rechtswissenschaftler und die göttlichen Aussagen auf eine gleiche Ebene gestellt.

Oder anders formuliert, es werden den Meinungen unzweifelhaft göttliche Eingebungen zugeschrieben, obwohl der Koran sehr ausdrücklich solche Zuschreibungen Schirk (širk = Beigesellung)  als  die unverzeihbare Sünde ablehnt (Koran: 9:31).

Dieses Recht stand noch nicht einmal dem Propheten zu, etwas als erlaubt oder verboten zu erklären (Koran: 66:1).

Wenn man die Meinungen solcher Gelehrten aus einem Kontext herausnimmt und unüberlegt in die Gegenwart überträgt, legitimieren wir die Gewalt und Unterdrückung der Selbstbestimmung der Menschen. Wenn wir hier als Beispiel nur einem Wissenschaftler des 9. Jahrhunderts, der in diesem Fatwa erwähnt wird, nämlich Imam Schāfiʿī Folge leisten, dann sollten wir seiner Meinung nach alle MuslimInnen töten, die das Gebet nicht verrichten. Ähnlich denkt auch ein anderer Gelehrter namens Imam Aḥmad Ibn Muḥammad Ibn Ḥanbal, der nicht nur die Tötung, sondern auch das Foltern von nicht betenden MuslimInnen befürwortet. Nach diesem Geist sind die Frauen sogar verpflichtet Niqab (Gesichtsschleier) zu tragen. Dazu schreibt der IGGiÖ-Mufti: „Dazu zählt auch die Freiheit der Minderheitenmeinung (Hanbaliten und ein Teil der Schafiiten) zu folgen, die auch die Gesichtsbedeckung als religiös geboten (farḍ) erachtet.

Dabei nimmt die IGGiÖ überhaupt keinen Bezug darauf, welche Folgen diese Pflicht für die Gesellschaft und die Frau selbst haben könnte.  Bemerkenswert finde ich auch den Umgang mit den Hadithwerken von al-Buḫārī oder Muslim, welche mit gleicher hochergebener und gehorsamster Andacht vom IS oder anderen radikalen Gruppen salbungsvoll zitiert werden. Hier geht es nicht um die Ablehnung dieser Werke, sondern darum, mit welcher Autonomie die MuslimInnen damit umgehen! Die blinde Kadavergehorsamkeit diesen Werken gegenüber verursacht viel Gewalt und Verachtung. In Anbetracht dieser Fakten können solche Aussagen niemanden mehr überzeugen, vor allem, dass alles was der IS macht, mit dem Islam nichts zu tun hätte. Und trotzdem versuchen wir dann aber mit gleichen unkritischen und unaufmerksamen Argumenten den Alltag der MuslimInnen zu definieren“ ( Prof. Dr. Ednan Aslan -Institut für Islamisch-theologische Studien -Uni Wien)

Das wollen wir nicht. Deswegen sachliche Aufklärung!

 Im Koran gibt es nur 3 Verse bezüglich „Kopf“,  „Tuch“ und „Schleier“ aber im Koran sucht man das Wort Kopf-Tuch vergeblich.

Auf einer kurzen geschichtliche Spurensuche wollen wir sowohl das Alte als auch das  Neue

Testament im Vegleich zum Koran unter die Lupe nehmen.

1) Suren 24 Vers 31


2) Suren 24 Vers 60

3) Sure 33 Vers 59

Wir wollen klären, inwiefern und ob überhaupt das Kopftuch seine Legitimation/Gebot aus den besagten 3 Versen des Koran, nämlich den immer zitierten Suren 24 Vers 31, und 60 sowie aus der Sure 33 Vers 59 beziehen kann. Außerdem möchten wir etwas detaillierter auf das Kopftuch sowie ganz allgemein auf jene religiösen und sittlichen Konventionen semitischer Religionen eingehen, die den Islam zu Zwecken der Propaganda, Hetze und Unterdrückung in Österreich und auch in der EU bzw. in der Welt missbrauchen.

Woher stammt das Kopftuch? Seit wann wird es getragen? Inwiefern handelt es sich beim Tragen eines Kopftuches um eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention? Wo ist eine Verpflichtung zum Tragen eines Kopftuches im Koran festgeschrieben? Welchen Bedeutungswandel erfuhr das Kopftuch über die Jahrhunderte?

Wie bereits erwähnt, gibt der Koran, die verbindliche Hauptquelle des Islams, keine Auskunft über diese Fragen. Für eine ideologischen Anspruch ist er also untauglich – leider sehen das nicht alle ialsmischen Exegeten so.

Er besteht aus 114 Suren, die man auch Kapitel nennt. Jede Sure hat drei bis 300 Verse. Die Gesamtzahl der Verse im Koran beläuft sich auf 6263. In drei Versen findet sich zwar die Formulierung „den Körper bedecken“ (Sure 24 Vers 31 und 60, Sure 33 Vers 59), das Wort „Kopftuch“ selbst wird in diesen drei Versen aber gar nicht erwähnt.

Anders in der Bibel: Sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament, wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern den Frauen sogar vorgeschrieben (vgl. Paulus, 1. Korintherbrief 11,6).

In den vergangenen Jahren wurde berichtet, dass die medizinische Universität Graz ihren Studierenden die Vollverschleierung verbietet.

Gemäß einer Erhebung der EU-Grundrechtsagentur vom vergangenen Jahr, tragen in Österreich 64% und in Deutschland 27% aller Frauen mit türkischer Abstammung ein Kopftuch.

Es stellt sich die Frage, ob es sich bei islamischen Kopftüchern um ein religiöses Gebot handelt (dann müsste dieses allerdings im Koran stehen) oder ob wir es viel mehr mit einem historisch gewachsenen, politisch-religiösen Phänomen zu tun haben, das sich auf den Einfluss politischer und kultureller Traditionen zurückführen lässt. Da das Kpftuch aber nicht im Koran erwähnt wird, kann es auch nicht ein Gebot dazu geben.

Das häufig angeführte Argument, das Kopftuch solle „vor den Blicken der Männer schützen“, erscheint in unserer aufgeklärten Zeit jedenfalls vielen Leuten absurd und selbst im traditionell-historischen Kontext nicht als ganz stimmig…

Die Befürworter des Kopftuches leiten ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Verhüllung dennoch aus dem Koran ab. Es empfiehlt sich daher, Ihnen jene Suren und Versen des Korans entgegenzuhalten, auf die sie sich selbst berufen:

In 3 Suren kommt ein „Tuch“, aber kein „Kopftuch“ vor:

Koran (Sure 24, Vers 31)

Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.

[„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt mit „Reize“; „Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt mit „Busen“]

Koran, (Sure 24, Vers 60)

Und für die unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es kein Vergehen wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne dass sie jedoch den Schmuck zur Schau stellen. Und besser wäre es für sie, dass sie sich dessen enthalten. Und Gott hört und weiß alles.

Koran (Sure 33, Vers 59)

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunter ziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.

(Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses. Gütersloh, 2. durchgesehene Auflage 1992)

Bei Betrachtung der oben angeführten Zitate sieht man, dass das Wort „Tuch“ (Überwurf, Schleier, Kleider) vorkommt, aber nicht das Wort „Kopftuch“ als solches.

In der Türkei wurden vor 36 Jahren das Kopftuch und der Schleier absichtlich politisiert.
Bis vor 40 Jahren diskutierte fast niemand in der Türkei so ernsthaft über das Kopftuch. Das Tragen des Kopftuches war staatlich seit den 20er-Jahren verboten. Erst durch den Militärputsch vom 12. September 1980 und die darauffolgende Politisierung des Kopftuchs durch manche Gruppen aus Saudi Arabien, Katar und Ägypten, die die Religion für ihre politischen Interessen ausnützten, wurde es zu einem heiklen Propagandainstrument. Das Thema „Kopftuch“ wurde mit den „Migranten“ (Politischen Islam-Vereine-Parteien eigentlich) nach Europa importiert und sorgt hier für heftige Diskussionen, auch innerhalb der Migrationsgruppen.

Die türkischen Erfahrungen sollten in Österreich, Deutschland und in der EU nicht wiederholt werden. Schließlich ist offensichtlich, dass im Islam nach den koranischen Versen und Suren keine Verpflichtung zum Tragen eines Kopftuchs besteht – auch wenn das von einigen Gruppen behauptet wird.

Das „Zeitalter der Ignoranz“, welches vor dem Koran sicher vorherrschte, dürfte sich vielmehr im Bezug auf die geringschätzende Haltung gegenüber Frauen speziell in jenen Versen reflektieren, die die Verschleierung betreffen: Zahlreiche Verunglimpfungen und Aussagen der Diffamierungs-Bande, die auch der Ehefrau des Propheten Verleumdung vorwarfen, zeugen davon.

Dementsprechend wurden diese Verse zugunsten der Männer interpretiert. Wenn man allerdings das gesamte Sinngefüge des Korans analysiert, sieht man, dass Frauen durchaus ein gleichwertiger Status wie den Männern zuerkannt wird:

Den Frauen wird empfohlen (Sure 24, Vers 31), dass sie im gesellschaftlichen Leben mit den Männern zusammenleben, und in solch einer Arbeitsatmosphäre sowohl in deren Beziehungen untereinander als auch in deren Verhaltensmuster und angemessenen Auftreten, freundlich sein sollen und Übertriebenes vermeiden sollen.

Die Fortführung desselben Verses erklärt sowohl, dass im Kreis der Familie und Verwandten der Schleier kein Muss ist, als auch dass die Frauen sich frei bewegen können.

Von einem „Kopftuch“ ist, wie in allen anderen Versen des Korans, keine Rede.

Auch bei der türkischen Übersetzung des Korans werden Sie das Wort „Basörtü“ für Kopftuch nicht finden.

Es gibt viele Übersetzungen, die das tun. Wir halten diese Übersetzungen aber für unseriös und ideologisch gefärbt.

„Bas“ bedeutet auf Türkisch Kopf und „Örtü“ bedeutet auf Türkisch „Tuch“.
Das Basörtü wäre also das Kopftuch.

So findet man bei fast allen Auslegungen und Übersetzungen des Korans sowohl in türkischer, als auch in deutscher Sprache die Übersetzung „Kopftuch“.

Aber in Wahrheit bedeutet das arabische Wort „Himar“, das in diesem Vers ausdrücklich erwähnt wird nicht „den Kopf bedecken“, sondern nur „bedecken“. Der Teufel liegt hier im Detail! Der Leser liegt also rasch den demagogischen Übersetzungsspielereien auf. Es sind Taschenspielertricks, mit denen die Gläubigen hinters Licht geführt werden.

Falls im Koran überhaupt etwas explizit bedeckt werden soll, würde es auch erwähnt werden.

Das ist aber nicht der Fall. Die theologische Begründung der islamischen Gelehrten für das Gebot zum Tragen eines Kopftuches wird in erster Linie auf die religiöse Intoleranz von Mohammed und dem Koran zurückgeführt.

Die Sure 24,31 ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den Männern zu verbergen, aber nicht den Kopf zu bedecken.

Das steht schwarz auf weiß im Koran: Sure 24 Vers 30 und 31, Sure 33,59.

Bei Übersetzungen wird aber in der Regel mit Klammerausdrücken versucht, den Koran willkürlich zu interpretieren. Dieser fatalen Praxis der willkürlichen Interpretation ist dringend Einhalt zu gebieten: Wir müssen bei den Fakten bleiben. Persönliche und gesellschaftliche Ansichten dürfen in Interpretationen genauso wenig einfließen wie tradierte kulturelle Aspekte.

Wir möchten unsere Ausführungen noch mit einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Wenn man das Wort „Bettdecke“ verwendet, benützt man neben dem Wort „decken“ auch das Wort „Bett“, um zu betonen, was genau bedeckt werden soll oder wofür der Gegenstand gebraucht wird. Gemäß dieser Logik müsste für den Begriff „Kopftuch“ neben dem Begriff „bedecken“ auch das Wort „Kopf“ vorkommen.

Das im Vers erwähnte Betonungswort neben dem Wort „Himar/Bedeckung“ ist „Cuyub“, welches aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt „Brust“ oder „Kragen“ bedeutet.

Dasselbe Wort „Cuyub“ wird auch in einem anderen Vers im Koran erwähnt, nämlich Sure 28, Vers 32, wo das Wort im Kontext „Er legte seine Hand auf die Brust/den Kragen von Moses“ gebraucht wird.

Also wenn das Wort „Cuyub“ mit dem Wort „himar/bedecken“ kombiniert wird, bedeutet „bihimürihinne ala cuyubihinne“ nicht „den Kopf bedecken“, sondern „die Brust bedecken“.

Fast alle traditionellen Auslegungen des Korans analysieren diese Verse nicht in einem wissenschaftlichen Zusammenhang, sondern deuten das Ganze mit einem Satz wie „Sie sollen ihre Kopftücher bis zu deren Kragen bedecken“, in dem sie auch das Wort „felyedribne“ als „sie sollen bedecken“ verwenden.

Diese traditionellen Islam-Auslegungen schaffen für den politisierten und traditionellen Islam einen festen, scheinbar unverrückbaren Boden.

Sie interpretieren dasselbe Wort, welches aus dem Wort „Darabe“ stammt, als „sie sollen ihre Kopftücher….. bedecken“, wobei sie dasselbe Wort in einem anderen Sure im Zusammenhang „Ihr sollt eure Frauen schlagen“ (siehe: Sure Nisa, Vers 34) verwenden.

Um es auf den Punkt zu bringen: Obwohl der arabische Originaltext des Korans keinen Bezug auf das Kopftuch nimmt, wird dieses zum identitätsstiftenden Symbol für traditionelle und politisierte Islam-Anhänger. Als solches steht es immer wieder im Zentrum von Islam-Diskussionen, nicht nur in der Türkei, sondern mittlerweile vermehrt auch in Österreich und anderen europäischen Ländern.

Dabei wird nicht über die wahre, im Koran festgeschriebene Religion Islam debattiert, sondern über eine Religion, die sich als Folge des politisierten Glaubens der traditionellen Nahostkultur begreifen lässt. Sie hat ihren Ursprung in der sumerischen, jüdischen und christlichen Kultur.

Spurensuche: Koptuch

Eigentlich hat das Wort „Kopftuch“ in der Bibel seine Wurzeln (vgl. 1 Kor 11,6): Im Alten und Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern das Tragen des Kopftuchs wird sogar als Pflicht für die Frauen beschrieben.

So heißt es etwa im Brief von Paulus an die Korinther. „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet, aber dabei ihr Haupt nicht verhüllt […] Sie unterscheidet sich dabei in keinster Weise von dem Geschorenen. Wenn eine Frau das Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen, aber es ist eine Schande, sich die Haare abschneiden oder gar sich kahl zu scheren zu lassen, dann soll sie sich eben verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, denn er ist ein Abbild und Abglanz Gottes, aber der Mann stammt nicht von der Frau ab, sondern die Frau vom Mann“.

Erklärung der Schleier der Ordensfrauen

Apropos: Die in der Burka-Debatte angestellten Vergleiche mit Ordensfrauen sind jedenfalls bemerkenswert:  „Der Schleier der Ordensfrau ist ein religiöses Symbol, der zum Ausdruck bringt, sich an Gott zu binden. Das Tragen des Schleiers ist eine freie Entscheidung„, hält die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Mayrhofer in der APA-OTS Presseaussendung vom 19.08.2016 nicht umsonst fest.

 

Paulus und Kopftuch

Während im Koran das Wort Kopftuch nicht vorkommt, wird es im Alten und Neuen Testament verpflichtend vorgeschrieben!

Unser lieber Landsmann, der heilige Paulus (früher Saulus) aus Tarsus/Türkei, ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten der frühchristlichen Zeit.

Die ersten Christen waren ja wie Paulus und auch Jesus Christus von jüdischer Herkunft.

Paulus übernahm kulturelle Aspekte aus seiner ehemaligen Religion, dem Judentum.

Wenn wir im sogenannten Alten Testament, Bibel Gen. 24,65 nachlesen, dann sehen wir, woher der kulturelle Aspekt „Verhüllung“ bei den Juden stammt und mit Paulusauch von denUrchristen übernommen wurde: „Und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie (Rebekka) den Schleier und verhüllte sich“. Auch in der Bibel Gen. 38,14 wird über Schleier und Verhüllung geschrieben.

1. Korinther 11,2-16:

 

„Ich erkenne es lobend an, dass ihr in allen Beziehungen meiner eingedenk seid und an den Weisungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe.

Wir möchten hier zu bedenken geben, dass das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt Christi ist Gott.

Jeder Mann, der beim Beten oder bei erbaulichen Reden eine Kopfbedeckung trägt, entehrt sein Haupt; jede Frau dagegen, die mit unverhülltem Haupt betet oder erbauliche Reden hält, entehrt ihr Haupt; sie steht dann ja auf völlig gleicher Stufe mit einer Geschorenen (Dirne). Denn wenn eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich auch scheren lassen; ist es aber für eine Frau schimpflich, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann dagegen darf das Haupt nicht verhüllt haben, weil er Gottes Ebenbild und Abglanz ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch ist der Mann ja nicht um der Frau Willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes Willen. Deshalb muss die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Haupte tragen, um der Engel Willen“ (Menge-Übersetzung).

Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kann man zur „Kopftuchpflicht während des Gebetes“ lesen:
 1. Korinther 11,5-6: „Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt, denn es ist ebenso viel, als wäre es geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so schneide man ihr das Haar ab. Nun es aber übel steht, dass ein Weib verschnittenes Haar habe und geschoren sei, so lasset sie das Haupt bedecken.“

Paulus: Die Frau muss ihren ganzen Leib bedecken

Ein außerbiblischer Hinweis ist die Haushaltung Gottes von Jakob Lorber, wo es in dessen Privatoffenbarung heißt (36,37):

„Seht, ihr alle seid gleich, – gleich ihr Männlichen und gleich ihr Weiblichen! Jedoch sollet ihr Weiblichen wohl bedecken eure Schamteile wie auch euren ganzen Leib, und vorzüglich aber euer Haupt, damit durch euer geiles Wesen nicht der Mann zur Unzucht gereizt werde, gleichwie die Schlange lockt durch die große, geheime Lüsternheit ihrer verführerischen Augen das freie Geschlecht der Vögel in die tötende Gefangenschaft ihres giftvollen Rachens; denn ihr Weiber seid zu aller nächst Kinder der Schlange und voll deren Giftes. Daher seid vor allem züchtig wie das Bienenweibchen, das sich nicht getraut mit seinem Wesen ans Licht der Sonne, sondern Tag und Nacht sorglich kriecht über die Zellen seiner harmlosen Kinderchen; so auch solltet ihr sein und gehorsam in allem euren Männern, insoweit es der allerheiligste Wille Gottes erheischt. Jedoch, sollte ein Mann – was nicht zu gedenken sein sollte – euch wider des allerheiligsten Willen Gottes zu etwas zwingen wollen, so soll auch euch gestattet sein, euer Haupt vor dem Manne zu entblößen und selben lieblich zu mahnen an seine Pflichten, hervorgehend aus Gott. Und so ihr alles dieses so genau erfüllen werdet, dann wird der Herr euch mit großen Gnaden überhäufen, und ihr werdet werden zur süßen Augenweide in unendlicher Schönheit des ewigen, heiligen Vaters, ewig und unsterblich.“

Im orthodoxen Judentum bedecken heutzutage verheiratete Frauen ihre Haare aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch oder einer Perücke. Bereits die hebräische Bibel, also das Alte Testament sprach von einer Verschleierung der Frauen. So verschleierte sich Rebekka, die Frau Isaaks nach Gen. 24-51, Gen. 24,65: „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich…“. Natürlich wird nach der modernen Bibelwissenschaft der von Paulus an die Korinther geschriebene Brief 11,5 teilweise als späterer Zusatz angesehen. Wie gezeigt wurde, geht aber aus dem Alten und Neuen Testament klar hervor, dass Kopftuch, Schleier und Verhüllung nicht nur Empfehlungen waren, sondern verpflichtend vorgeschrieben wurden. Heutzutage wird das Kopftuch im Christentum fast nur noch in ländlichen Gegenden, insbesondere in orthodoxen Kirchen sowie von Frauen in mennonitischen bzw. „teuflischen“ Gemeinschaften getragen.

Während im Koran das Wort Kopftuch nicht vorkommt, wird es im Alten und Neuen Testament verpflichtend vorgeschrieben.

Der Koran meint mit „Tuch“ kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dient und ihre sexuellen Körperstellen verhüllen soll . In der Geschichte kommt das Kopftuch bereits erstmals bei den Sumerern und somit lange vor dem Judentum vor. Dies fand die die 96 jährige türkische Sumerologin und Historikerin Muazzez Ilmiye Cig heraus. Sie erforschte ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen. Wie wir in unserer Ausgabe mit der Coverstory „Christentum stammt aus der Türkei?“ kurz schilderten, waren die Sumerer, ein mesopotamisch-südanatolisches Volk, das 3.000 Jahre v. Chr. lebte. Sie waren die ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendeten.

Nun lassen Sie uns ein bisschen tiefer zum Thema des Vergleichs der heiligen Schrift eingehen, und Ihnen erzählen, inwiefern die heiligen Bücher und Schriften sich voneinander trennen, und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen.

Der Koran wird als die Heilige Schrift des Islam definiert, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes („Allah“) an den islamischen Propheten Mohammed, vermittelt durch den Engel Gabriel, enthält. Kurz und prägnant ausgedrückt, stellt der Koran für die Muslime das Wort Gottes dar.

Im Gegensatz zum Koran ist die Bibel eine Sammlung von 66 Büchern die von verschiedenen Autoren als Bericht bzw. Poesie verfasst und im Laufe der Jahrhunderte zu einer Einheit zusammengefasst wurde (Quelle: Deutsche Bibelgesellschaft).

Den Begriff „Testament“ verstehe ich als eine Art „Bund“, in dem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben wird.

Die Bibel umfasst 66 Bücher und besteht zu 75% aus Berichten, zu 15% aus Poesie und zu 10% aus Lehrtexten.

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher, die in Kapitel und Verse eingeteilt sind. Es wird sowohl von den Juden, als auch von den Christen als Heilige Schrift betrachtet.

Das Alte Testament berichtet von der Erschaffung der Welt und von der Entstehung und Geschichte des Volks Israels.

Das Neue Testament besteht aus 27 Schriften und versteht sich mit der Ankunft des Messias Jesus Christus als Antwort auf das Alte Testament. Es erzählt dessen außergewöhnliches Leben und berichtet von seinen Jüngern sowie von seinen frohen Botschaften, die allen Menschen gelten.

Vier Bücher (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) bezeugen auf unterschiedliche Weise das Leben Jesu, seine Lehre, seine Wunder, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung: Man nennt sie die „Evangelien“.

Die Evangelisten, die Apostelgeschichte und die Briefe erzählen, wie die Jünger Jesu den Tod ihres Herrn, seine Auferstehung und Himmelfahrt miterlebt haben; sie berichten von den Anfängen der christlichen Gemeinde, von Verfolgungen und Problemen und wie sich die gute Botschaft sehr schnell im Römischen Reich über Kleinasien – der heutigen Türkei – bis nach Athen und Rom ausbreitete. Einige Stellen lassen die Konflikte deutlich werden, die sich ergeben mussten, wenn die stregen jüdischen Regeln, die auch die jüdischen Urchristen einhalten wollten, nun auf die nicht-jüdische heidnische Kultur trafen. Schon damals kam es dabei zu Diskussionen unter den Aposteln und Paulus.

Wir müssen hier sehen, dass der Koran – anders als die Bibel – direkt als Gotteswort konzipiert ist, das Alte und Neue Testament hingegen in Form von Berichten und Poesien verfasst ist, in die die Worte Gottes eingeflochten sind. Der Koran ist also eine Privatoffenbarung an eine einzelne Person. Die Worte wurden – ähnlich wie bei der Johannes-Apokalypse – von einem Engel überbracht oder eingeben.

Ein Vers in der Bibel ergibt nur dann einen Sinn, wenn er im Zusammenhang mit dem ganzen Text betrachtet wird. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man die Bibel einfach an einer beliebigen Stelle aufschlägt. Natürlich sind manche Abschnitte der Bibel schwer zu verstehen, weil viele Jahrhunderte zwischen damals und heute vergangen sind und wir die beschriebenen Bräuche und das Umfeld als fremd empfinden.

Auf der anderen Seite wurde der Koran, der aus 114 Kapitel (Suren) und 6.243 Versen als Gotteswort besteht, auf ein Ereignis hin offenbart, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen. Man muss den historischen Kontext und die damaligen politischen Umstände kennen, um ihn richtig zu interpretieren.

Man muss den Koran aus den Gegebenheiten der Zeit heraus sehen.

 

Das evangelische Institut für Islamfragen ist ein Netzwerk von Islamwissenschaftlern und wird von den Evangelischen Allianzen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz getragen.

Frau Dr. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Prolog folgende Sätze:

„Heute ist unter Muslimen die Auffassung, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, längst Allgemeingut. Man geht davon aus, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament ursprünglich wahre Offenbarungen Gottes waren, im Laufe der Zeit jedoch von Menschen verändert und verfälscht wurden. Andere Bezeichnungen von früher zu den Menschen gesandten Schriften sind präziser. So nennt der Koran sowohl die Tora (arab. taurâh) als auch das Evangelium (arab. injîl) beim Namen. Das Evangelium wird insgesamt zwölfmal im Koran erwähnt. Was meint allerdings der Koran mit dem Evangelium? Letztlich bleibt unklar, ob er damit vor allem die Erzählungen von Jesus meint oder eines der vier Evangelien, alle vier Evangelien zusammen oder etwa das ganze Neue Testament. Interessanterweise wird im Koran der Wert früher überlieferter Bücher wie auch des überlieferten Evangeliums zu Beginn von Muhammads Offenbarungen nirgends grundsätzlich in Frage gestellt, sondern vielmehr positiv hervorgehoben. Erst später taucht im Koran der pauschale Vorwurf der Schriftverfälschung auf.“ 

Die Sumerelogin Frau Prof. Dr. Cig beschrieb folgende Bedeutungen des Kopftuchs:

„In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen, zu den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer `öffentlichen Frau` wurden. Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken. Viel später – erst ca. 1600 v. Chr.- führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die `öffentlichen Frauen`, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden. Laut Cig, die viele Werke zum Thema schrieb, tauchte auch der Turban zum ersten Mal bei den Sumerern auf. Er wurde später vom Judentum, Christentum und danach von der arabischer Kultur und somit von Islam übernommen. Frau Cig betonte, dass der Turban eigentlich nichts anderes sei, als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung übernommen hätte.

Jetzt gehen wir zurück zum Thema Kopftuch, und diesmal im Bezug auf dessen Funktionalität und historische Aspekte. Wir fragen uns, was das Kopftuch ist, wozu es dient, seit wann es getragen wird, und inwiefern das Tragen eines Kopftuches eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention ist, und wie sich dieses Phänomen im Laufe der Zeit verändert hat, so dass es zu einer der zentralen Fragen bezüglich Religionsfreiheit und Frauenrechte entwickelt geworden ist.

Muazzez Ilmiye Cig, die 96 jährige türkische Sumerologin und Historikerin, hat ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen erforscht, und herausgefunden, dass das erste Kopftuch in der Geschichte von den Sumerern getragen wurde. Wie wir es in unserer Ausgabe mit der Coverstory „Christentum stammt aus der Türkei?“ auch kurz geschildert hatten, waren es die Sumerer, ein mesopotamisch südanatolisches Volk, das 3.000 Jahre v. Chr. gelebt hat, die ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendet hatten.

„Der Turban/Kopftuch taucht zum ersten Mal bei den Sumerern auf“, meint die Sumerologin Muazzez Ilmiye Cig. „In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen, den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer ‚öffentlichen Frau‘ (Prostitution) wurden.

Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken.“ Weiters fügt sie hinzu: „Viel später – erst ca. 1600 v. Chr.- führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die `öffentlichen Frauen`, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden.“ Laut Cig, die viele Werke über das Thema geschrieben hat, sei der Turban „geboren“ von Sumerern, später vom Judentum, Christentum danach von arabischer Kultur und damit von Islam übernommen. „Eigentlich ist der Turban nichts anderes als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung übernommen hat“, so Cig. Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus einem Interview mit Frau Prof. Dr. Cig:

Die Sumerer, Tempelwirtschaft und Koptuch 

„Als Sumerer bezeichnet man ein Volk, das im Gebiet von Sumer im südlichen Mesopotamien im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte.

Die Sumerer gelten derzeit als erstes Volk, das den Schritt zur Hochkultur geleistet hat.

Besonders die Erfindung der Keilschrift, die quasi als eine Urvorlage der heutigen europäischen Schriften gelten kann, gilt als hervorragende Leistung der Sumerer, die zusammen mit der Erfindung der Bürokratie und künstlicher Bewässerung hier ihren Anfang nahm.

Die Herkunft der Sumerer ist bis heute nicht endgültig geklärt. Es gibt in der Wissenschaft zwei Thesen zur Herkunft der Sumerer. Die eine geht davon aus, dass die Sumerer eingewandert sind; dies wird an einer entfernten Ähnlichkeit zu agglutinierenden Sprachen wie Ungarisch, Finnisch und Türkisch festgemacht, deren Ursprung in den Uralsteppen gesehen wird und damit auch die Heimat der Sumerer wäre.

Die Erforschung der sumerischen Kultur erfolgte immer zusammen mit den anderen mesopotamischen Kulturen. Das liegt an der Charakteristik der Ruinenhügel, auch Tells genannt. Die Kulturen des Vorderen Orients pflegten die Orte nach Zerstörung, nach Eroberung, aber auch nach gewissen Zeiten teilweise oder auch vollständig einzuebnen und darauf eine neue Ebene zu erbauen.

Deswegen kommt es vor, wie z. B. in Ninive, dass die obersten Schichten mittelalterliche Ruinen bergen und die unterste Schicht bis in die Zeit 5000 v. Chr. und weiter zurückreicht. Ein wichtiger Punkt in der Geschichte der Sumerer ist die Wirtschaft und speziell die Tempelwirtschaft. So arbeitete nicht jeder für sich alleine auf seinem Feld, sondern er tat es für die Allgemeinheit bzw. für den Tempel, der die Ernte sammelte und verwaltete.  Diese Art der Vorratshaltung brachte verwaltungstechnische Probleme mit sich, an dessen Ende für die Sumerer die Erfindung der Schrift stand. In der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie bezeichnet Tempelwirtschaft unter anderem eine geschichtswissenschaftliche These, dergemäß im sumerischen Mesopotamien jede ökonomische Tätigkeit auf die Tempel ausgerichtet gewesen  sei. (  Ursula Seidl: Ein Monument Darius‘ I. aus Babylon, In: Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie 89 (1999),S. 101–114.)

Frage: „Also, Frau Cig, bitte klären Sie uns einmal über das viel umstrittene Thema auf: Wer bei den Sumerern hat sich wieso bedeckt?“
Cig: Bei den Sumerern hatte jeder Gott ein eigenes Haus, sozusagen einen Tempel. In diesen Tempeln beteten die Menschen ihre Götter an. Es war allerdings nicht vorgeschrieben, was sie für die Götter tun sollten. Alle definierten die Art zu beten für sich selbst und praktizierten ihr eigenes Gebet.

Frage: „Waren diese Tempel also eine Art Häuser eigenen Gewissens?“
Cig: Genau, diese Tempel waren Orte, wo Menschen mit ihrem Gewissen alleine bleiben konnten. Sie waren in ihren Gebeten freier als in den heutigen Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Sie sangen oder tanzten, um die Götter zufriedenzustellen. Unter den Betenden waren auch Ordensfrauen. Manche von ihnen wurden eben zu diesen `öffentlichen Frauen`.

Frage: „Was bedeutet das Wort ‚öffentliche Frau‘ genau?“
Cig: Das waren die Frauen, die die Aufgabe hatten, Geschlechtsverkehr zu praktizieren, aber sie waren keine Prostituierten, denn sie verlangten kein Geld. In den Tempeln gab es sogenannte Liebesräume, wo die öffentlichen Frauen den Jugendlichen Sexpraktika beibrachten. Im Gilgamesch-Epos gibt es eindeutige Hinweise darauf. Um dem Mann, der im Wald unter Tieren aufgewachsen ist, Menschlichkeit beizubringen, wurde eine Ordensfrau aus einem Tempel bestellt und sie lernte ihm, wie man spricht, isst und Geschlechtsverkehr hat. Diese öffentlichen Frauen wurden bei den Sumerern als weise Lehrerinnen betrachtet. Während sie dieser heiligen Aufgabe nachgingen, opferten sie sich vollständig im Namen der Götter auf. Eigentlich war die Jungfräulichkeit bei den Sumerern schon ein Thema. Die Tatsache, dass die öffentlichen Frauen trotzdem Geschlechtsverkehr haben durften, zeigt, wie heilig diese Aufgabe wirklich war.

Frage: „Woher weiß man, dass die Jungfräulichkeit ein Thema war?“
Cig: Laut alter Tafeln bekam eine Frau, die vor der Heirat als Jungfrau galt, bei der Scheidung Schadenersatz.

Frage: „Warum trugen die `öffentlichen Frauen` ein Kopftuch?“
Cig: Damit man sie von anderen Ordensfrauen in den Tempeln unterscheiden konnte. Zum Beispiel trugen die Prostituierten auch kein Kopftuch. Das ist das spezielle Symbol der öffentlichen Frauen in den Tempeln und somit das erste Kopftuch in der Geschichte.

Frage:
 „Wie ging es dann weiter?“
Cig: Viel später führten die Assyrer im 16. Jahrhundert vor Christus plötzlich die Kopfbedeckung für verheiratete und verwitwete Frauen ein. Der Sinn dahinter war, dass man zeigen wollte, dass auch diese Frauen legalen Geschlechtsverkehr haben.

Frage: „Heißt das, dass eine Frau mit Kopftuch sich als Nichtjungfrau geoutet hat?“
Cig: Ja, ganz genau! Aber viele Gläubige missverstehen diese Tatsache. Sie denken, ich würde behaupten, dass die Prostituierten das erste Kopftuch in der Geschichte getragen hätten.  Aber weder die öffentlichen Frauen bei den Sumerern noch die verheirateten und verwitweten Frauen bei den Assyrern waren Prostituierte.

Frage:
 „Also diente das Kopftuch einer Frau eigentlich schon vor tausenden Jahren, d.h. vor dem Islam bzw. Judentum und Christentum, einfach dazu, ihren Status zu zeigen?“
Cig: Das ist auf den Punkt genau was ich sagen möchte. Sogar nicht ich, sondern die Geschichte sagt das. Weder ergänze ich die Tatsachen noch interpretiere ich sie. Ich erzähle nur die wissenschaftlichen Fakten.

Also, wie man sieht, ist das Tragen eines Kopftuches eine ganz alte Tradition des mittleren Osten und des mesopotamischen Raums.

Was die Verhüllung und das Tuch im Islam betrifft, ist es reine Interpretationssache, wie man die oben erwähnte Sure „Nur“ auslegt.

Viele Hermeneutiker, aber auch viele Theologen sind der Meinung, dass mit dem Bedecken von „Scham“ und „Schmuck“ Geschlechtsorgane, Busen etc. gemeint sind, und es gibt weder direkt, noch indirekt einen Hinweis darauf, dass der Kopf der Frau mit einem Tuch voll verschleiert werden soll.

Im geschichtlichen Verlauf wurden aber in fast allen Religionen einige sittliche und gesellschaftliche Konventionen in das heilige Wort Gottes hineininterpretiert. Dadurch blieben gewisse gesellschaftliche Rollen und Positionen und damit Machtverhältnisse erhalten. Es stimmt allerdings nachdenklich, dass sehr alte Auslegungen und Interpretationen, sowie die Interpretationswahrnehmung dritter Personen, die sich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, heute zu ungerechtfertigten Belästigungen und politischer Instrumentalisierung führen und in Gestalt der „Kopftuchdebatte“ ein gesellschaftspolitisches Problem konstruieren.

„Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen. Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll.

Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion! In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien. Die Intelligenz der Muslime ist in Ketten gelegt.

Es ist deswegen falsch zu behaupten, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“. (Soheib Bencheikh, EX- Großmufti von Marseille, Zur Zeit)

Wir hoffen, dass alle diese Argumente gerade noch ausreichend sind…


Fazit: Im Koran sucht man das Kopftuch vergeblich! Burka, Burkini, Bushija, Hijap, Chador(Abaya) und Nigab sowieso…

Quellen: Der Koran, Die Bücher der größte islamischer Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (gestorben 1938) und Die Bücher von Prof. Dr. Yasar Öztürk( Alle Bücher), Hasan Hanefi (Agathen), Ali Seitab (Iran), Mehmet Akif (Türkei)

 

20 Feb
By: TKG 0

Muslimischer Antisemitismus? EU-Katharina Schnurbein: „Es ist immer einfach, von einer Seite auf die andere zu zeigen“

Papst Franziskus: „Die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten“

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) bedankt sich bei Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus.

Katharina von Schnurbein verwehrt sich dagegen, dass bestimmte Parteien beim Antisemitismus nur auf Muslime zeigen. „Jede Form von Antisemitismus ist inakzeptabel. Es ist immer einfach, von einer Seite auf die andere zu zeigen“, sagt Katharina von Schnurbein, die Koordinatorin der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus. Damit weist sie im Gespräch mit dem KURIER von 20.02.2018 die Annahme zurück, dass die Gefahr des muslimischen Antisemitismus wesentlich größer sei als rechter oder linker Antisemitismus.

Vor islamisch (moslemisch) motivierten Antisemitismus warnen derzeit besonders rechte und rechtsextreme Parteien die wir  ernst nehmen und infolgedessen   wie folgt Stellungnehmen:

 

Islamisch (Moslemisch) motivierten Antisemitismus ? 11 Punkte 

Historiker Wolfgang Benz und ehemaliger Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin zu Antisemitismus und politischen Kampfbegriffen

1-Pauschale Ressentiments gegen alle Angehörigen einer Religionsgemeinschaft, die mit einer abscheulichen, aber insgesamt winzigen Minderheit von militanten Fanatikern und Terroristen gleichgesetzt werden, erklären das Problem nicht. Sie vergrößern es vielmehr, weil sie darauf zielen, die Mehrheit der Muslime – die sich energisch von Islamisten und Dschihadisten distanziert – in die Solidarität mit den Fanatikern zu drängen. Dann hätte die Denunziation ihr Ziel erreicht.

2-Das neuerdings so gern beschworene „christlich-jüdische Abendland“ entbehrt jeder historischen Realität und taugt nur als politischer Kampfbegriff, mit dem „Islamkritiker“ das Menetekel(„unheilverkündendes Zeichen“) einer Invasion gefährlicher Muslime beschwören. Muslimischer Antisemitismus ist nicht genuin(angeboren), sondern politisch, er wurzelt im jungen arabischen Nationalismus. Auch dieser ist ein Import aus dem Westen.

3-Das Konstrukt einer dem Islam wesenseigenen Judenfeindschaft entstammt dem Bedürfnis, auf ein politisches Ressentiment mit gleichen Mitteln zu reagieren. Der gebotenen Verurteilung von Beleidigung, Hass und Mord oder sonstigen Manifestationen der Judenfeindschaft steht die notwendige Differenzierung nicht im Wege

4-Wenn junge Muslime auf den Straßen deutscher oder Österreich Großstädte antijüdische Parolen grölen, wenn Hassprediger gegen die Existenz Israels wüten, wenn Schüler „Jude“ als Schimpfwort gebrauchen: Gegenüber Antisemitismus, in welcher Form er sich auch äußert, kann es in einem Land keine Toleranz geben, dessen Gesellschaft Lehren aus der Geschichte des Holocaust zu ziehen versucht und die Erinnerung an den Judenmord als Element seiner politischen Kultur versteht

5-Der Rechtsstaat hat Möglichkeiten, Übergriffe zu verhindern und zu ahnden. Noch wichtiger ist Prävention durch Bildung und Aufklärung. Dazu gehört auch der rationale Umgang mit dem Antisemitismus von Muslimen. Selbstgerechtigkeit, die in Flüchtlingen nur Sendboten eines islamischen Ansturms auf Europa sieht, wie die Populisten der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die damit den Zulauf Geängstigter bewirken, löst kein Problem, lenkt allenfalls vom Rassismus und der Judenfeindschaft in den eigenen Reihen ab.

6-Fanatiker und Fundamentalisten aller religiösen, politischen oder kulturellen Couleur sind gefährlich, weil sie für rationale Argumente und differenzierte Weltsicht unerreichbar und damit für vernünftige Konfliktlösungen unzugänglich bleiben. Das gilt nicht nur für Muslime, die Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbrauchen, sondern auch für Aktivisten, die sich mit der Denunziation durch Feindbilder begnügen, die mit dem Konstrukt eines genuin muslimischen Antisemitismus, das heißt einer aus dem Islam theologisch abgeleiteten Judenfeindschaft, Stimmung machen.

7-Tatsächlich ist aber der christliche Antijudaismus leider das Vorbild für muslimischen Antisemitismus. Kirchenväter in der Spätantike erfanden ihn, um den Missionsauftrag des Christentums zu rechtfertigen. Abt Hieronymus von Bethlehem nannte im 4. Jahrhundert die Juden Gottesmörder und setzte damit ein stereotypes Ressentiment in Kraft, das die katholischen Kreuzzüge und die evangelische Wut Martin Luthers überdauerte und in der Volksfrömmigkeit nicht nur der orthodoxen Kirche vital ist.

8-Die Feindschaft von Muslimen gegen Juden ist nicht im Koran begründet wie der Antijudaismus der Christen im Neuen Testament. Der Antisemitismus von Muslimen generiert sich aus politischer Solidarität, richtet sich gegen Israel und äußert sich mit den stereotypen Argumenten und Klischees eines Rassismus, der im 19. Jahrhundert den Antisemitismus hervorbrachte. Dessen Wurzeln findet man in Europa, in Deutschland, Österreich-Ungarn, in Frankreich und Russland.

9-Religiöse Vorbehalte, fixiert in Legenden, Verschwörungsfantasien und Phobien gegenüber dem vermeintlichen Streben der Juden nach Weltherrschaft sowie Neid gegen deren ebenso vermeintlichen Reichtum und Einfluss, waren der Nährboden für die Ideologie des pseudowissenschaftlich aufgemachten „modernen Antisemitismus“, die in der Katastrophe des Judenmords kulminierte.

10-Der aktuelle Antisemitismus von Muslimen beruht auf der Revitalisierung solchen Rassenwahns aus politischem Grund. Die Überzeugungen und die benutzten Argumente, wie die „Protokolle der Weisen von Zion“, kommen aus den Arsenalen der europäischen Judenfeindschaft. Das zu wissen ist die unerlässliche Voraussetzung, muslimischem Judenhass entgegenzutreten. Eine politische Lösung des Nahostkonflikts ist die andere ebenso unerlässliche Prämisse.

11-Die jahrhundertelange Ausgrenzung der Juden durch die christliche Mehrheit des Abendlandes war ausdrücklich mit deren Religion begründet und eifernde Prediger erklärten, dass der Talmud die Juden zu bösem Tun und zum Schaden der Mehrheit verpflichte. (Heute statt Talmud ist Koran gekommen) Neue, nicht weniger ahnungslose und zielstrebige Koranexegeten behaupten nun, die Religion gebiete den Muslimen Schandtaten gegen Ungläubige, wie auch den Hass gegen Juden. Stimmt aber nicht. Das glauben viele gern, weil es entlastet, Schuldige definiert und die eigenen Ressentiments vergessen lässt.

„Christlich-Jüdische Tradition“ als Kampfbegriff

Der Kulturkampfbegriff der „christlich-jüdischen Tradition“ des Abendlandes klingt nüchtern betrachtet und untersucht wie eine Farce die man gerne verwendet! Die römisch-katholische Kirche verwendet es korrekterweise de facto fast nicht aber der niederländischer rechtspopulist Geert Wilders Geerd Wilders immer .Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce die auch Niederwimmer verwendet!

Was sagt der Zentralrat der Juden in Deutschland ?

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands. So kann man auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland Folgendes lesen: „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt. Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.“

Der Journalist und Publizist Heribert Prantl schreibt in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.So innig wie heute war die Beziehung zwischen Christen und Juden in Deutschland noch nie. Die neue Innigkeit ist nicht von Theologen und Pastoralklerikern ausgerufen worden, sondern von Politikern. Im Jahr 72 nach der Reichspogromnacht haben sie etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift, sondern den Triumph des Neuen über das Alte Testament gepredigt. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wird eine neue Kategorisierung der Minderheiten propagiert (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin): in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Weil aber dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum beachtet wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“

Eine Erfindung der europäischen Moderne ?

Es können viele historische Beispiele angeführt werden, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen. Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

 

Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht

Aus jüdischer Sicht muss es wie ein Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von christlich-jüdischer Tradition sprechen. Der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung christlich-jüdisch ebenso ab: „Sicher teilen Juden und Christen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch ganz nett, wenn Politiker weniger bedenkenlos von den ‚christlichen Zehn Geboten’ reden würden als in der Vergangenheit. Doch 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Christen haben ihn jahrhundertelang ignoriert, verfemt und immer wieder verboten. Jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen belegt: Dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töten und zu Mazze-Broten verarbeiten und an Pessach genüsslich verspeisen.“

 

„Die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten“

Papst Franziskus appellierte  am 4.Juni.2013 an die Christen, keine „sozial korrekte“ Sprache zu gebrauchen.

Papst Franziskus fügt hinzu folgende bewegende Worte„ Dies ist die Sprache der Korruption, die Scheinheiligkeit. Wenn Jesus zu seinen Jüngern spricht, so sagt er zu ihnen: „Eure Sprache sei: Ja, ja! Nein, nein!“. Die Scheinheiligkeit ist keine Sprache der Wahrheit, weil die Wahrheit nie nur für sich steht. Nie! Sie geht immer mit der Liebe einher! Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe. Die Liebe ist die erste Wahrheit. Wenn es keine Liebe gibt, gibt es keine Wahrheit. Diese Menschen wollen eine Wahrheit, die sie zum Zweck ihrer eigenen Interessen versklavt haben. Man kann sagen, auch hier gibt es eine Art Liebe: aber es ist eine Liebe zu sich selbst und für sich selbst. Diese narzisstische Vergötterung verführt sie dazu, andere zu betrügen, zu dem Missbrauch des Vertrauens. Denken wird heute gut darüber nach: Was ist unsere Sprache? Sprechen wird in Wahrheit, mit Liebe, oder sprechen wir ein bisschen mit dieser sozial korrekten Sprache, schöne Dinge sagend, die wir aber nicht fühlen? Möge unser Sprechen heilsbringend sein, Brüder und Schwestern! Diese Scheinheiligen, die mit Schmeichelei, Verlockung und all diesem sprechen, enden damit, sich Zeugen zu suchen, um diejenigen, denen sie zuvor noch geschmeichelt haben, zu beschuldigen. Bitten wir heute den Herrn darum, dass unser Sprechen ein einfaches Sprechen sei, das der Kinder, ein Sprechen als Kinder Gottes, ein Sprechen in Wahrheit in Liebe.“

Jesus sagt: „Wer Wichtiges zu sagen hat, der/die soll ein klares Ja oder Nein sagen, mehr nicht. Alles andere ist zu viel bzw. Übel“. 

Ja! Wir müssen noch ehrlicher miteinander umgehen weil die Scheinheiligkeit ist die Sprache der Korrupten.

DI Birol Kilic

Türkischen Kulturgemeinde Österreich
Obmann

14 Sep
By: Redaktion 3 0

TKG-Aufklärungsversuch: Was ist der Islam und was ist er nicht?

Eine Journalistin äußerte in einer österreichischen Tageszeitung einen Kommentar mit dem Titel „Kritik am Islam: Immunisieren statt Stillhalten“: „Wenn es von Indonesien über den Irak bis hin zu Österreich die verschiedensten Auslegungen gibt, wie Islam zu praktizieren sei, muss doch auch jedem klar sein, dass es in dieser Religion anschlussfähige Elemente gibt, die die Entwicklung eines radikalen Fundamentalismus erst ermöglicht haben. Insofern haben der Islam und die Anschläge von Paris sehr wohl etwas miteinander zu tun“. Zweiter Journalist (veröffentlicht 20.01.2015) behauptet auf der anderen Seite folgendes: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“ Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Starke Worte!

Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) 

Zusammengefasst von DI Birol Kilic

These: Ja zum Islam! Nein zur Theologie des Verachtens inkl. Scharia!

Diese Journalisten-Meinungen, denen wir durchaus Redlichkeit und gute Recherche zusprechen können, spiegeln ein essentielles Problem wieder. Ob man Sie mag oder nicht?  Der Islam besteht aus vielen Richtungen. Es ist daher aus unserer Sicht falsch, alle Muslime in einen Topf zu werfen. Was du nicht willst das man dir tut…das füg auch keinem anderen zu: z.B Pauschalisierung und Sataniesierung!

Der folgende Artikel soll mehr Licht in das, zum Teil auch inner-islamische, Problem der deutlichen Abgrenzung gegenüber den anderen Richtungen bringen.

Gerade aufgrund der Verunsicherung der Menschen sollten die Muslime offen an Diskussionen teilnehmen und sich nicht scheuen, Informationen über den „koranischen Islam und den mohammedanischen Ethos“  weiterzugeben.

Viele Muslime – und hier beginnt meine interne Kritik – können das nicht, denn sie sind in einem Sumpf aus manipuliertem, mutierten und einem politisch festgelegten  Glauben, den wir „Theologie der Verachtung“ und „Theologie der Gewalt“ nennen, gefangen, der mit dem „koranischen Islam“ und
„der mohammedanischen Ethik und Lehre“ nichts zu tun hat und alles sogar durch Manipulation und Vernebelung moralisch verdirbt.

Es geht  hier um sachliche, fundiert argumentiere Kritik mit profunden nüchternen Wissensvermittlung und nicht um rüde Anwürfe und pauschale Verunglimpfungen.

 

Was ist der koranische Islam? Ist er der wahre Islam?

Der koranische Islam und die mohammedanische Lehre verlangen zuallererst die Nutzung des Verstandes und fordert zum Lesen („ikra“) auf. Genauso fordert der koranische Islam, dass man sich an die jeweilige Zeit und den Ort der Zivilisation und den menschlichen Errungenschaften anpassen muss. Es ist also geboten, dass der Muslim und die Muslima sich an die Rahmenbedingungen eines Staates oder einer Gesellschaft anpassen sollen.  Gilt auch in Österreich. Das heißt nicht, dass man sich assimilieren soll oder seine religiöses Bekenntnis verbergen muss. Als verbindlich sind die regionalen Gesetze, die Verfassung, die Kultur und die jeweiligen Gegebenheiten zu sehen, die sich im Laufe der Jahrhunderte dort etabliert haben. Hier in Österreich:  Die Österreichische Bundesverfassung. Die Verfassung eines Staates ist als Grundlage des gesamten Rechts und Rahmen seiner Politik von höchster symbolischer wie praktischer Bedeutung.

Es ist uns daher ein Anliegen, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ aufzufächern und zu klären. Sie werden in diesem Artikel keine Beschönigungen und keinerlei Dialog-Versuche finden. Wir werden auf den Koran, die für uns einzige verbindliche Quelle unseres Glaubens, eingehen. Mit diesen Erläuterungen wollen wir für Aufklärung sorgen.

Wir wissen, dass es gewagt und gefährlich ist, die Frage „Was ist der Islam und was ist er nicht?“ öffentlich zu diskutieren. Denn vielen Moslems, die nicht unsere Ansicht vertreten, wird das nicht gefallen. Es wird auch vielen Politikern in Österreich und im Ausland nicht gefallen, da wir sie damit enttarnen.

Die Kommentatorin, die wir anfangs erwähnt und zitiert haben (siehe oben) hat hier Recht und Unrecht.

Unrecht hat Sie deswegen, weil sie zwischen dem „koranischen Islam“ und einer später erfundenen, brutalen und faschistischen Theologie keinen Unterschied macht. Man muss, um das Thema zu verstehen, weit in die Geschichte des Islams zurückgehen und dessen theologische und pseudo-theologische Strömungen untersuchen.

Der koranische Islam verabscheut Terror, Scheinheiligkeit und Unmenschlichkeit. Die faschistische Ideologie einer pseudo-islamischen Dogmatik ist dagegen gewaltbereit und gewaltverherrlichend.

Dabei ist zu unterscheiden, was der Prophet Mohammed als Prophet geoffenbart hat, nämlich göttliche Eingebungen, die ihm vom Engel Gabriel mitgeteilt wurden, und seinen Taten. Seine Taten wurden nach seinem Tode in den Hadithen zusammengetragen. Wir halten diese Hadithe nicht für zuverlässige Quellen über das Leben Mohammeds. Da es bereits in der Frühzeit über diese Hadithe zu offenen Kämpfen gekommen ist, die einen Aufzeichnungen verbrannt, die anderen mit Gewalt durchgesetzt wurden, endet hier unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit solcher Schriften.

 

Ausgehend von den Hadithen baut sich der „falsche Islam“ auf, ein Islam der nicht mehr das Gotteswort an erste Stelle stellt, sondern eben diese Hadithen. Und hier wird es menschlich, hieran knüpfen sich eine (falsche) Scharia und eine (falsche) Fiqh. In einer weiteren Stufe der Pervertierung fußen auf dieser  – eigentlich teuflischen – Lehre die grausamsten pseudo-islamischen Regime und Terrorgruppen von Al Qaida, Boko-Haram und IS.

„Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen. Die Tiefe und die geistige Dimension des Koran wurden verschüttet. Stattdessen hat man millimetergenau nachgeäfft, was eine menschliche Person, nämlich der Prophet, getan haben soll.

Man läuft Gefahr, den Islam auf dem Niveau der damaligen Beduinengesellschaft festzuschreiben und ihn für immer im sechsten Jahrhundert nach Christus festzunageln. Die himmlischen Heerscharen sind nur damit beschäftigt, Bekleidungs- und Nahrungsregeln zu erlassen – wie eine himmlische Hausordnung! Wahrhaftig eine platte, ausgetrocknete Vorstellung von der Religion! In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien. Die Intelligenz der Muslime ist in Ketten gelegt.

Es ist deswegen falsch zu behaupten, wer den Islam angreife, greife die Muslime an. Für den Islamforscher liegt die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus darin, „die religiösen Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen“. (Soheib Bencheikh, EX- Großmufti von Marseille, Zur Zeit)

 

Was wir heute in Syrien, im Irak, in Saudi Arabien und vielen anderen Ländern sehen, hat mit dem „wahren Islam“ nichts zu tun. Weil der falsche Islam den wahren Islam nicht aushalten kann, werden die „Ungläubigen“ massenweise umgebracht. Die „Ungläubigen“ sind in diesem Falle dann die Schiiten und Aleviten, die sich nicht einer menschlich konstruierten Pseudo-Religion unterwerfen wollen.

Was heute von den Medien eigentlich kritisiert wird, sind nicht der koranische Islam und der Prophet Mohammed, sondern eine künstliche Ideologie, die Bekenntnis-Merkmale und koranische Worte des Islams, wie z.B. „Allah’ u Ekber“ (arab. allāhu akbar; übersetzt „Gott ist am Größten / ist der Größte“ – Bedeutung hat Ähnlichkeiten mit „Halleluhja“, „Gott preisen, verherrlichen, ausrufen“), missbraucht und gleichzeitig alles, was der koranische Islam ausdrücklich verbietet, praktiziert. Nämlich Intoleranz, Gewalt und die Nichtnutzung des Verstandes und der Vernunft.

Das größte Opfer dieser faschistischen Ideologie ist zuerst der koranische Islam und der Prophet Muhammed selbst, der doch die Vielgötterei und die Unmenschlichkeit bekämpft hat. Der Koran ruft zur unbedingten Nutzung des Verstandes und der Vernunft auf und er ermahnt die Menschen warmherzig zu sein. Der Koran erinnert den Menschen daran, sein Vermögen und seine Liebe mit den Nachbarn zu teilen, egal welcher Religion, Sprache oder Nationalität man angehört. Es ist für uns Muslime schmerzlich, wenn dieser Gedanke der Nächstenliebe in der heutigen Wahrnehmung ganz untergeht.

Mittlerweile haben wir jetzt eigentlich eine faschistische Theologie, die seit Jahrhunderten auf der Arabischen Halbinsel und in den muslimischen Ländern durch – leider westliche – wirtschaftliche und politische Interessen direkt oder indirekt unterstützt wurde. Es tut natürlich weh, wenn man hier von einer faschistischen Theologie redet, weil viele dieser missbrauchten mohammedanischen Worte gerne mit dem koranischen Islam und Muhammed gleichgesetzt werden. Das geschieht entweder aus Unwissenheit oder mit bösen Absichten. Natürlich ist es schwierig sich Wissen darüber anzueignen – das bedeutet viel Geduld, viel Verstand, Vernunft, lesen, diskutieren und insbesondere sehr viel Leid und Tränen.

Auf den falschen Islam beziehen sich der IS, die Taliban und Boko-Haram

Wo liegt das Hauptproblem? Das Hauptproblem liegt in der korrumpierten, manipulierten und mutierten Islam-Theologie, die sich auf verfälschte Quellen und traditionelle Islam-Interpretationen stützt. Ihre Wurzeln finden sich in der umayyadischen Kalifen-Dynastie (Höhepunkt im 7. Jahrhundert). Wesentlich hierfür ist der 6. Kalif Yazid I. (reg. 680-683), er war Sohn des ersten Umayyaden-Herrschers Muawiya. Auf diese Strömung beziehen sich die Anhänger des IS (Islamischer Staat) in Syrien und im Irak, die Taliban in Afghanistan (Al Qaida) und die Boko-Haram-Islamisten in Nigeria. Sie gehören der sunnitischen Richtung des Islam an.

Eben dieser umayyadische Kalif Yazid I. bin Muawiya hat also, die von dieser Dynastie mitbegründete Theologie der Verachtung, der Gewalt und des Faschismus errichtet, und im Zuge dessen den Prophetenenkel Hussein und seine 72 Familienangehörigen in der Schlacht von Kerbela, die am 10. Oktober 680 beim zentralirakischen Kerbela stattfand, enthauptet. Und dabei handelte es sich um dasselbe grausame Niedermetzeln, das jetzt gerade die IS-Terroristen im Irak und in Syrien wieder durchführen. Yezid war ebenfalls Kalif und hat ebenfalls behauptet den Islam zu vertreten und den Weg des Propheten Muhammed zu verfolgen. Er hat die gesamte Familie des Propheten (zu der er selbst gehörte) bis auf eine Person umgebracht. Sie mussten brutalste Folter erleiden, indem sie beispielsweise tagelang ohne Wasser in der Wüste ausharren mussten. Die Enthauptung erlöste sie von dieser Folter.

Nicht nur das – dieser angebliche Kalif, der sich diese faschistische, umayyadische Theologie ab 680 n. Chr. zusammengezimmert hat, hat diese faschistische, umayyadische Lehre der Verachtung in die nächste Generation gebracht. Dies geschah durch das Niederschreiben von Hadithen, die eigentlich Verleumdungen des Propheten sind. Hadithe sind Niederschriften der angeblichen Aussprüche des Propheten Muhammed. Sie legten dem Propheten aber Sätze in den Mund, die beweisen sollten, dass die Umayyaden für das Paradies vorherbestimmt seien. Die Umayyaden-Herrscher ließen nur jene Hadithe zu, die ihnen ins politische Kalkül passten. Die anderen ließen sie verbrennen. Die Hadithe gelten für die sunnitische oder schiitische Mehrheit der Muslime als die wichtigste Schriftquelle neben dem Koran. Es gibt es unüberschaubare Menge an alter und neuer Literatur, die sich mit den Hadithen befasst und diese auslegt. So eine „Theologie“ kann nur Unglück bringen und kann man nur verachten.

Ihr wesentliches Merkmal ist nicht das Glück des Menschen, sondern seine Unterdrückung. Diese Lehre des „falschen Islam“ ist tatsächlich mit der Idee einer heutigen Demokratie, einer bürgerlichen und wirtschaftlichen Freiheit inkompatibel. Sie führt zur Theokratie ohne jedes Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Das heißt des Mannes, denn Frauen stehen in diesem Weltbild auf der untersten Stufe.

So eine Theologie, zum Islam uminterpretiert und feinsäuberlich verpackt, kann, neben Öl, ohne Probleme in alle Welt exportiert werden.

Die „Muslimische Welt“, das heißt die mächtigen Oligarchen, die Machthaber, die Despoten und Diktatoren, möchte diese Theologie nicht korrigieren und sich nicht davon distanzieren. Warum auch? Sie hat es sich in ihr gut eingerichtet. Sie möchte sich nicht auf die Seite der Armen schlagen und auf die Seite der Vernunft, des Verstandes und der Wissenschaft. Sie wollen keinen Koran-Islam.

Die Islamische Welt leidet in Wirklichkeit unter einem abgöttischen Götzendienst. Nach außen hin wird das Wort „Allah“ verwendet und mit ihren Bärten, Turbanen und ihren schönen Gebetshäusern geben sie sich den Anschein, als ob sie gottesfürchtig wären, obwohl Gott von ihnen nur eines verlangt: Lesen, die Benutzung des Verstandes und der Vernunft, die Anpassung an Zeit und Ort und zu teilen, was man hat. Wenn man nichts zum Teilen hat, dann sollte man zumindest das Wort „Salam“, als Friedenstifter, mit dem Nachbarn teilen.

Die Mehrheit der muslimischen Welt bekennt sich zu dieser Verstands-beleidigenden Theologie der Verachtung und Gewalt und sieht sie als ihre wichtigste Säule in der Interpretation des Islams. Durch die verbreitete, muslimische Theologie werden alle guten Werte der eigentlichen Friedensreligion Islam aus ihrer Kern-Botschaft, nämlich, dass die Religion für das Glück der Menschen und zur Verherrlichung Gottes da ist, absichtlich herausgerissen und manipuliert, nämlich insofern, als man behauptet, dass der Mensch für die Religion geschaffen wurde – so wurde und wird der Koran für dynastische, monarchistisch-faschistische Zwecke und in Form eines politisch instrumentalisierten Glaubens vorsätzlich missinterpretiert.

Der koranische Islam setzt ethisch und moralisch hohe Tugenden voraus, aus denen die Menschen zeit- und ortsgemäß ihr Leben, sei es innerhalb einer Demokratie, sei es in der Republik, in Frieden leben können. Und nicht umgekehrt, wo der Mensch zum Knecht eines Vielgötterglaubens wird, wo Menschenknochen und Steine als Vermittler zwischen Gott und dem Menschen stehen. Und das ist die Ursache dieses großen Dramas, das die islamische Welt gerade durchleben muss.

Das bringt uns zu der Frage, wie es im 21. Jahrhundert zu einer Radikalisierung des sunnitischen Islams kommen konnte. Was ist die Ursache und was war der Auslöser? Wir denken hier an Thesen, die der USA die Schuld geben. Alles Verschwörungstheorien? Tatsächlich geht es bei diesen Thesen immer um Erdöl, um Waffenlieferungen. Dahinter steht ein Vertrag der USA mit Saudi Arabien. Die Saudis liefern brav Öl. Die USA schützt dafür die Saudis, die Saudis kaufen dafür Waffen bei US-amerikanischen Waffenschmieden und lassen NATO-Stützpunkte auf ihrem Territorium zu. Die NATO spielt mit: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Polen etc. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass Öl in Dollar gehandelt wird. Es handelt sich um eine Win-Win-Situation. Zu Lasten der Bevölkerung – sowohl in den USA und in Europa – als auch zu Lasten der Glaubwürdigkeit der islamischen Lehre von Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Es ist klar, dass dieser Deal, der zunächst nur auf einer wirtschaftspolitischen Ebene stattfand, irgendwann eine Gegenbewegung hervorrufen muss. So lange die USA nach Erdöl gieren, wird es nicht zu einer Änderung des Vertrages kommen. Solange wird auch die Spannung zwischen Wirtschaft, Menschen und Religion bestehen bleiben.

Tatsache ist, dass die Regierung Bush zur Legitimation des Krieges gegen Saddam Hussein gelogen hat. Bis heute wurde keine einzige Atomaufbereitungsanlage im Irak gefunden. Wieviele weitere Lügen nicht nur den kleinen Mann, sondern auch die mächtigsten Regierungschefs des Westens vorgegaukelt wurden, wird die Geschichte zeigen. Wir können es einmal dabei belassen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine politische Lüge nicht ewig bestand hat, jedes Volk steht irgendwann auf, um die Despoten und Tyrannen abzustreifen. Meistens fließt dann Blut in Strömen. Da die Erdölindustrie mehr Geld hat, kann sie mit Waffengewalt die Aufstände unterdrücken. Wahrscheinlich wird dieses System bis zu letzten Tropfen Rohöl so weitergehen. Wir müssen auch ehrlich sein: Wir sind alle vom Rohöl abhängig. Deshalb das große Schweigen weltweit. Und ein Schuldiger ist schnell gefunden: der Islam, die Islamisten, der islamistische Terror.

Dahinter stehen aber Menschen und wir können nun etwas besser verstehen – nicht gutheißen – warum sie vollkommen austicken.

Woher kommt diese „islamistische“ Ideologie?

Aus den Kerngebieten des Islams im Nahen Osten stammen die Exporteure dieser Theologie der Verachtung und des Grauens. Unterstützt durch westliche korrupte und wirtschaftliche Interessen. Das zeigen Auszüge der Berichte des Publizisten Jürgen Todenhöfer. Todenhöfer besuchte die IS im Irak und sprach mit den Massenmördern: „Der Westen ist viel grausamer als die muslimische Welt“. Der Terror sei eine „Antwort auf die barbarischen Öl-Kreuzzüge“ des Westens – und der Islamische Staat „Bushs Baby“. Todenhöfer, der im Dezember 2014 in die IS-Hochburg Mossul reiste, rechnet mit dem Westen ab – und gibt ihm die Hauptschuld am islamistischen Terror und der Brutalität des „Islamischen Staates“ (IS): „Bundeskanzlerin Merkel hat am Freitag die ‚muslimische Geistlichkeit‘ aufgefordert, endlich das Verhältnis des Islam zur Gewalt zu klären. Aber müsste nicht zuerst der christliche Westen sein Verhältnis zur Gewalt überprüfen?“, fragt Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite. „Nicht der Islam ist das Problem, unsere Kriege sind das Problem. Sie sind Terrorzucht-Programme, nicht der Islam.“

Todenhöfer vergisst, dass es sich beim IS um eine sunnitische Organisation handelt, es sind sunnitische Freibeuter. Interessant ist hier die Verallgemeinerung auch auf der Seite der IS. Der Westen wird mit Europa und dem Christentum und dieses wiederum mit den Kreuzzügen des Mittelalters gleichgesetzt. In dieser Logik ist es nicht verwunderlich, wenn Christen als Sündenböcke herhalten müssen. Sie werden genauso wie alles, was irgendwie den Westen und eine andere Religion repräsentiert niedergemacht. Das ist die Sprache des Hasses, der Hass regiert.

Aber warum bekämpft die IS dann nicht die Saudis und die Sunniten, sondern die Schiiten etc.?

Weil die Saudis die Terrorgruppen finanzierten?

Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Will man sie überhaupt los werden?

Kein arabisches Land habe in den vergangenen 200 Jahren den Westen überfallen, doch der Westen „fiel unzählige Male mordend in die muslimische Welt ein“: „Bin Ladens Al Qaida tötete im Westen fast 3.500 Menschen. Doch Bush Junior tötete allein im Irakkrieg über 500.000 Iraker,“ zitiert Todenhöfer einen deutschen IS-Kämpfer. Diese Zahlen zeigten, dass der Westen „seit Jahrhunderten viel grausamer als die muslimische Welt“ sei. Deshalb müsse der Westen und „nicht der Islam sein Verhältnis zur Gewalt klären“.

„Konvertieren, Schutzgeld zahlen oder durch das Schwert umkommen.“ (ein IS-Kämpfer)

An dieser Stelle müssen wir betonen, dass wir nicht allen Aussagen des Publizisten Todenhöfer komplett zustimmen, jedoch bietet er einige interessante Denkanstöße und Fakten, die wir, als Bürger einer offenen Gesellschaft, in Betracht ziehen müssen und kritisch betrachten wollen.

Wie sind solche Verirrungen des Glaubens möglich?

Wo doch Gott durch den Koran mehrmals den Menschen um die Benutzung des Verstandes anruft und die Nichtverwendung des Verstandes und der Vernunft mit seinem Zorn bestraft, indem er es mit Bösem vergilt. Ebenso soll sich der Mensch nicht „wie Vieh“ verhalten, sondern – ganz im Gegenteil – als direkt mit Gott verbundene Person, nämlich ohne jegliche Zwischeninstanz zu Gott, ein gottgefälliges Leben führen.

Auch darf der Mensch unter keinen Umständen andere Menschen im Namen Gottes betrügen. Er soll auch nicht in Gebetshäusern übertrieben fromm oder inszeniert beten, als ob er sehr gläubig oder gar von Gott erwählt sei, und im nächsten Augenblick draußen die Gemeinde und die Menschen ausbeuten oder ihre Menschenrechte verletzen. Eben diese Menschen benennt Gott im Koran als „Teufelsdiener“. Solche Teufelsdiener und staatliche Teufelsanbetungen sehen wir leider in vielen islamischen Ländern: Auspeitschungen, Köpfungen, Verstümmelungen – von Rechtswegen.

Aussagen werden vernebelt, verdunkelt oder aus dem Kontext gerissen, falsch übersetzt, falsch interpretiert oder für eigene Zwecke missbraucht und an die Öffentlichkeit gebracht.

Eben diese Theologie von Verachtung und Gewalt hat je nach Gutdünken den Namen Mohammeds dazu missbraucht, für die umayyadische Dynastie Lehrmeinungen zu formulieren, die ihre politischen bzw. wirtschaftlichen Interessen verteidigt. An die Stelle der Umayyaden sind heute moderne Herrscher getreten. Sie brauchen sich nicht mehr selbst die Hände schmutzig zu machen, sondern können mit ihren Petrodollars ganze Armeen von Gotteskriegern und Muftis finanzieren. Derartige Tätigkeiten sind eigentlich Verleumdungen und Beleidigungen gegenüber dem Propheten. Diese Hadith-Bücher, die heute neben dem Heiligen Buch Koran als verbindliche islamische Theologie angesehen werden, sind der Kern des Problems aller Muslime weltweit. Denn es handelt sich um eine Theologie der Verachtung und Gewalt und führt zu einer faschistischen Ideologie. Der Glauben wird für den eigenen Machtanspruch instrumentalisiert.

Der Westen spielt mit

Solange die Muslime sich von dieser umayyadischen Theologie und den menschenverachtenden Hadithen nicht klar distanzieren, wird dieses Gedankengut den westlichen Interessenspartnern in der nächsten Zeit sehr in die Hände spielen, je nach Gebrauch, je nach Kriegsgebiet.

In den Laboratorien, die man „Religionsschule“ nennt, wird diese Ideologie aus der Schublade genommen und schon produzieren Frankensteins Terroristen neue Anhänger mit dem Slogan „Allah’ u Ekber“ (Gott ist der Größte / einzigartig) und den Suren 17, Vers 111 und 74, Vers 3 (Bedeutung ähnlich wie „halleluja“: Gott preisen, verherrlichen, ausrufen). „Allahu Ekber, Allahu Ekber, Lâ İlâhe İllallah“  (Kalima Tewhid). Die Bedeutung dieses Lobpreises ist sehr einfach: „Gott ist der Größte, Gott ist der Größte! Es gibt keinen Gott, außer den einen einzigen Gott.“ Was hat dazu geführt, dass diese heiligen und friedlichen Worte als Slogan für Terrorzwecke missbraucht und damit alle Moslems unter Generalverdacht gestellt werden? Welches große Spiel steckt hier dahinter?

Diese Menschen (seien es Terroristen, Verbrecher oder Meuchelmörder) haben mit dem wahren Islam des Koran und des Propheten Mohammed nichts zu tun. Sie sind die größten Feinde der Menschheit und jedes wahren Moslems. Gott ist barmherzig! Die Muslime müssen nach dem Koranischen Islam an den Gott von Adam, Noah, Abraham, Moses, David, Salomon und Jesus (Friede sei mit ihnen) hundertprozentig glauben.

Die teuflische Strategie: Manipulieren, verdunkeln und vertuschen

Die Verwässerung, Nicht-Distanzierung und Nicht-Aufklärung, besonders der sunnitisch-islamischen Welt, gründet darin, dass sie aus dieser Schule über den Islam gelernt haben.

Man sollte daher nicht den Koran oder den Propheten per se angreifen, sondern zunächst die Spreu vom Weizen trennen.

Denn die Kinder der Theologie des Verachtens sind Ziel dieser Kritik. Sie meinen, im Namen aller Muslime sprechen zu können, wobei diejenigen, die sich damit tatsächlich auskennen, gegen diese Theologie der Verachtung und Gewalt, dieser „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) stellen und den wahren Islam aus den koranischen Texten ziehen, ohne Verse aus dem Kontext zu reißen. Dabei ist es wichtig, die Verse zeit- und ortsgemäß zu interpretieren. Resultat ist, dass die Verfechter des wahren Islam ebenfalls von ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern bedroht werden. Auch der Schreiber dieses Artikels.

Wer anderer Meinung ist, wird angegriffen und runtergemacht

Wir müssen hier aufstehen, wir müssen hier Einspruch erheben! Es kann nicht sein, dass die westlichen Länder einerseits die faschistisch-oligarchischen Regierungen im Nahen Osten auf inzestuöse Weise seit Jahrhunderten unterstützen und auf der anderen Seite uns wahre Muslime über Demokratie und Menschenrechte belehren wollen, sozusagen als Feuerlöscher, obwohl sie eigentlich bei dieser Brandstiftung die wichtigsten Akteure sind.

Glaube ist Verantwortung

Apologetik mit Herz und Hirn – Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft – Verantwortung gegenüber den Menschen

Und nichtsdestoweniger, vielmehr infolgedessen, möchten wir als säkulare Moslems mit diesem apologetischen Aufsatz mit Verstand, Vernunft, Herz, mit Aufrichtigkeit und ohne Scheinheiligkeit nach unserer Meinung und Auffassung über unseren Glauben und den Koran Aufklärung leisten. Aufklärung gegenüber der Aufnahmegesellschaft, gegenüber der wir uns als säkulare Verfassungs-Patrioten verantwortlich fühlen.

Wir fühlen uns auch verantwortlich für unsere Jugendlichen, die in Österreich ihr Lebenszentrum haben und aus muslimischen Familien stammen.
Wir möchten mit unseren Fragen und Antworten (s.u.) diese Krankheitsursache, die wir „Theologie des Verachtens, Theologie des Faschismus und Theologie der Gewalt“ nennen, diagnostizieren und beim Namen nennen, damit wir auch als überzeugte säkulare Muslime unsere Verantwortung gegenüber der Menschheit erfüllen können.

Offene Kritik muss möglich sein

Wir haben ein großes Problem in Österreich, nämlich, dass die konservativen Muslime hier einen sehr verantwortungslosen Weg eingeschlagen haben, wenn sie durch Vernebelung, Verdunkelung und durch dauerndes Beleidigtsein die Wahrheit nicht sehen wollen und nicht bereit sind, eine offene Kritik über ihre dramatische Lage auszudiskutieren. Eine Lage, die nicht nur für die muslimische Welt ein Problem geworden ist, sondern für die Menschheit insgesamt. Offenbar fühlen sich die konservativen Muslimen so sicher, dass sie jede Kritik getrost übergehen können.

Wir möchten eines hervorheben: Das Problem ist nicht der Koran und der darin enthaltene Islam oder der wahre Mohammed, sondern diejenigen konservativen Muslime, die diesen Glauben manipuliert und verfälscht haben und somit zur Schande der Menschheit geworden sind.

Auch die konservativen Moslems, die gerade als Funktionäre dubioser Vereine quasi alle Moslems in Österreich zu vertreten vorgeben und auf der anderen Seite unter dem Vorwand „Dialog“ das Unwissen und die Vorurteile vieler Medien, Wähler und Politiker ausnützen, mögen sich hier angesprochen fühlen!

Aufklärung tut Not! Besonders bei den Regierungsparteien

Eine echte Aufklärung findet nicht statt und bei der geringsten Kritik spielt man die beleidigte Leberwurst und attackiert den Gesprächspartner, schreibt ihnen böse E-Mails oder überhäuft sie mit Klagen. Zudem wird mit dubiosen Gruppen kooperiert, um die kritischen säkularen Moslems als „nicht echte Moslems“ darzustellen.

Die Regierungsparteien der westlichen Länder haben leider genau jene Personen und Gruppen („politischer Islam“) salonfähig gemacht, die ihre Kultur und Ideologie eben aus diesem „verfälschten Islam“ beziehen. Es wird medial alles verdunkelt und vernebelt, damit niemand mehr die Unterschiede zwischen „Glauben“ und „politischem Glauben“ erkennen kann.

Es wird pauschal gegen einen „Glauben“ geschimpft und die Retter sind dann die Brandstifter, die sich bis jetzt schön verpackt als Feuerlöscher verkauft haben. Überall sieht man Sie als „Retter“ oder „Brückenbauer“. Das Fernsehen und die Zeitungen sind voll von „Islam- und Terrorexperten“ oder „Gewalt-Experten“ und niemand kritisiert diese Leute und fragt sie, wie sie es schaffen, Islam und Terror gleichsetzen zu können! Weil sich die Journalisten auch nicht mehr auskennen. Wie auch, bei der Flut von Falschinformationen, die den Medienmarkt überschwemmen! Um sich zu informieren, braucht man vor allem Zeit und einen breiten Horizont. Beides ist Mangelware in einer linksliberalen Medienbranche.

So wird es gemacht und diese konservativen Funktionäre klären nicht auf, sondern leben davon und das in einer unheiligen „Win-Win-Situation“. Um was für ein Dilemma handelt es sich bei eben diesen teuflischen Pseudo-Brückenbauern, die eigentlich seit Jahren alle Brücken in Österreich zerschlagen haben? Es ist eine teuflische, unheilige Allianz!

Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen?

Folglich hat die Kommentatorin unserer Meinung nach Recht, wenn Sie folgende Sätze doch auch an die Muslime in Österreich richtet: „Dennoch scheinen zumindest im medialen Diskurs jene Stimmen die Oberhand zu haben, die versuchen, jenen Zusammenhang zwischen Islam und Terroranschlägen in Abrede zu stellen“. 

Wir müssen hier eben einfach zwischen einer sehr friedlichen Religion, dem „koranischer Islam“, kurz „wahrer Islam“, und dem „verfälschten Islam“ unterscheiden.

Diagnose: Faschistische Theologie und nicht der wahre Islam aus dem Koran

Wahrer Islam kennt keine Terroranschläge

Eine sehr schwierige Aufgabe ist daher die Aufklärung, um die Spreu (namentlich den „verfälschten Islam“) vom Weizen (dem „wahren Islam“) trennen zu können. 

Also den „wahren Islam“, der auf Friede, Wohlbefinden und Nächstenliebe beruht, von dem „verfälschten, traditionalistischen Islam“.

Der verfälschte Islam, auf den sich auch alle terroristischen Gruppen berufen, hat seine Wurzeln in der umayyadischen Dynastie, die ihren Höhepunkt mit dem 6. Kalifen Yazid I. ibn Muawiya (reg. 680-683) feierte. Mit dieser Herrscherdynastie ist der ursprüngliche Islam bereits sehr früh korrumpiert und verfälscht worden.

Werfen wir einen Blick auf die heutige Situation

Wir haben es heute mit einer „faschistischen Theologie“ zu tun, die man bislang immer unter den Teppich gekehrt hat. Man kann sie als Pseudo-Religion einer einseitigen Islam-Theologie betrachten, die in geheimen Demagogie-Laboren im Nahen Osten – auch mit westlicher Hilfe – ausgedacht und einstudiert wurde und jetzt neben Erdöl in die Welt exportiert wird. Im Gegenzug kommen Waffen und Dollarnoten.

Mit der Diagnose einer „faschistischen Theologie“ kommen wir den Antworten näher.
 Zudem ist es wichtig, sich von Vorurteilen freizumachen und die vielen Informationen neu zusammenzubauen. Wichtig ist, die Geschichte nicht nur in einem chronologischen Ablauf zu sehen, sondern auch schematisch zu erfassen.

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum in Arabien nichts produziert wird? Aus dem arabischen Raum scheinen tatsächlich nur Öl, Menschen und eine faschistische Theologie zu kommen. Wir versorgen die Länder mit Geld, Touristen und Waffen. Keine Teddybären, keine neuen Ideen, keine Literatur, keine Computer. Das Volk ist gefangen und versklavt, die Superreichen richten es sich.

Was meinen wir mit „Spreu vom Weizen trennen“ und warum müssen wir überhaupt „trennen“?



Die Antwort ist sehr einfach: Denn hier liegt der „Big Bang“ der faschistischen Theologie und des verfälschten traditionellen Islams, der in der Welt gerade in verschiedenen Laboren als „Islam“ entwickelt und die heiligen Worte des Islam wie „Allahu Ekber“ („Gott ist Eines“) verwendet, aber gleichzeitig alles tut, was der Islam eigentlich strikt verboten hat. Wir müssen in der Geschichte zurückgehen, in das 7. Jahrhundert. Denn ohne die umayyadische Dynastie und ihre „faschistischen“ Verfälschungen der koranischen Prinzipien und der Verse zu verstehen, besonders die Hadithe, können wir heute diesen Terror nicht diagnostizieren und damit auch keine Lösungsansätze finden.

Wer hat Recht?

Die Unterscheidung der Geister ist denkbar einfach und sei mit einem Jesus-Wort auf den Punkt gebracht: „An den Taten werdet ihr sie erkennen!“ (1 Joh 2,1-6). Und dabei sind wirklich Taten gefragt. Demonstrationen und gutgemeinte Artikel  können ein erster Schritt sein. Es sind aber die echten großen und kleinen Taten, Werke, Handgriffe und Entscheidungen, die uns erkennen lassen, wie es jemand mit uns meint oder ob sein Tun auf Gott hingerichtet ist.

Auch wenn wir in diesem Artikel uns natürlich zuerst auf das (bloß) geschriebene Wort des Korans und verschiedener anderer Schriften konzentrieren müssen. Man soll dabei aber – und das macht ja einen Gläubigen jeder Religion aus – nicht die Taten und Werke übersehen. Aber Ethik und Moral ist noch wichtiger als Religion?

Wir müssen diese Themen, also Ethik und Moral an die Tagesordnung bringen. Experten müssen über dies sprechen und diskutieren. Wir werden über unsere Grundsätze und Maxime diskutieren. Noch etwas: Zu aller erst müssen wir es einsehen, dass wir keine Moral haben. Einerseits schmerzt dies, andererseits ist es seltsam. Aber leider ist es die Wahrheit. Wir sollten den Unterschied zwischen Moral und Sittsamkeit bzw. Religion erkennen. Wir sollten erkennen, dass zwischen moralischem Handeln und Religiosität kein Zusammenhang besteht. Wir sollten es einsehen, dass unsere Vorstellung vom moralischen Handeln als sexuelle Enthaltsamkeit falsch ist.

Von unmenschlichen und rassistischen Hadithen distanzieren!

Insbesondere müssen wir als Moslems uns von allen unmenschlichen und rassistischen Hadithen späteren Datums, die im Grunde genommen Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten Mohammed und seiner Person darstellen, distanzieren und aus der islamischen Theologie wegschaffen, die sich mit gedruckten Lügen  in der ganzen Welt selbst verherrlicht.

Die Hadithe werden von den Sunniten und den Wahabiten anerkannt.

Was sind die Hadithe?

Der Begriff Hadith (Erzählung, Bericht) bezeichnet die Überlieferungen über die  Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed sowie über die Handlungen Dritter, die er stillschweigend gebilligt haben soll. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtheit dieser Überlieferungen verwendet, als auch für die einzelne Überlieferung. In letzterem Fall wird dazu der Plural Hadithe gebildet. Die große Bedeutung der Hadithe im verfälschten Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Normenlehre (FIKIH) darstellt. Die Hadithe gelten als das Mittel, über das sich die nachkommenden Generationen über diese Handlungsweise (Propheten) informieren können. Darum wird das Studium der Hadithe noch heute als einer der wichtigsten Zweige der islamischen religiösen Wissenschaften angesehen.

Islam bedeutet Friede und Glück

Warum? Denn das Wort „Islam“ des Korans hat als Wurzel die Worte „selam“ und „silm“ und diese bedeuten „Friede“, „Glück“, „Wohlbefinden“ und „Vertrauen“. Infolgedessen sind nach unserer Meinung alle Muslime in Österreich und in der Welt, die ihr „wahres Islam“-Bekenntnis aus dem Koran beziehen, verpflichtet, durch ihre Taten und Handlungen das Wort „selam“ auch zu leben – für sich und gegenüber dem Nächsten – und gewaltbereitende und selbstverherrlichende Theologien des Islam, die wir als „verfälschten Islam“ bezeichnen, kritisch zu betrachten, ja, sich von diesen um ihres Theologie Willen zu distanzieren.

Es gibt keine Wahrheit ohne Liebe!

Leider leben wir in einer Zeit der korrupten Scheinheiligkeit. Im Westen wie im Osten. Im Okzident wie auch im Orient. Wo Korruption ist, kann keine Liebe sein und wo keine Liebe ist, kann keine Wahrheit sein. Und diese Wahrheit wurde und wird in der islamischen Welt fast total verdrängt, wo faschistische und gewaltbereite Herrscher und Religionsführer den traditionellen oder „verfälschten Islam“ unantastbar gemacht haben, indem sie Kritiker seit Jahrhunderten bis heute verteufeln, foltern und ermorden. Wir können es bestätigen, wo keine Wahrheit ist, ist auch kein „wahrer Islam“, sondern ein „theologischer Islam“, der eigentlich ein „manipulierter und mutierter falscher Islam“ ist, welcher von der umayyadischen Familie des Kalifen Muawiya (603–680; reg. 661–680) und seinem Sohn Yazid I. (644-683, reg. 680-683) herrührt, auf die sich heute auch die Terrormiliz IS (Islamischer Staat), Al Qaida und Boko-Haram beziehen. Dieser historische Zusammenhang geht leider in der Berichterstattung unter und muss hier noch einmal betont werden.

Was haben die Terrororganisationen Islamischer Staat, Al Qaida und Boko-Haram gemeinsam?

Sie sind Kinder eines demagogisch verfälschten Islams, der einer Theologie des Verachtens und der Gewalt folgt, und der mit dem wahren Koran und dem wahren Leben des Propheten nichts zu tun hat.

Spreu vom Weizen trennen: An den Taten kann man sie erkennen!

Dessen, was in diesen Jahren, zwischen 660 und 683 und nachher, unter dem Vorwand unmenschlicher und rassistischer Hadithe von islamischen Kalifen ausgeheckt wurde, bedient sich gerade die Terrormiliz Islamischer Staat als übelste Ausgeburt eines theologisch-demagogischen Islams. Sie versucht, die Untaten vor der Weltöffentlichkeit als Ausübung eines wahren Islams zu darzustellen bzw. sie damit zu rechtfertigen, lässt aber die Tatsachen in Wirklichkeit im Dunkeln.

In der Zeit der umayyadischen Familie wurde der islamische Glaube durch den Umayyaden-Kalifen Muawiya I. und dessen Sohn Yezid I. – der als Teufel gilt – durch verschiedene Teufelspraktiken manipuliert und ist daraufhin mutiert . Der Prophet wurde mit vielen Aussagen und Taten geschmückt, die er nie getätigt oder begangen hat und dies niedergeschrieben, als theologisches Buch verkauft, z.B. Hadithen. Diesen muss man neben dem Koran als zweites Gottesbuch folgen. Hier hat man Lügen verbreitet, nämlich, Verleumdungen gegenüber dem Propheten, Verachtungen gegenüber anderen Rassen, Religionen, Frauen, etc.. Man hat dann ein Denkverbot und ein Verbot der kritischen Hinterfragung im theologischen Islam ausgesprochen, damit man diese Lügen, die sie fabriziert haben, nicht hinterfragt. Und jetzt haben wir damit Bücher neben dem wahren Islam aus dem Koran, die eine entgegengesetzte, menschenverachtende Theologie, die – auch durch westliche Hilfe in den Nahen Osten – mit den despotischen Regierungen der arabischen Länder in die Welt exportiert wird. Auch nach Österreich.

Yezid I. ließ 72 seiner Verwandten umbringen, indem er sie köpfen ließ und soll mit den Trophäen Fußball gespielt haben. Seine traurigen Nachahmer sehen wir heute im Internet und im Fernsehen. Dieser Glaube wird uns nun, als theologischer Islam verpackt, politisch untergejubelt und solchermaßen salonfähig gemacht. Kann das sein?

In Österreich erleben wir dieses Problem tagtäglich. Dabei spielen besonders die Großparteien SPÖ und ÖVP als Regierungsparteien eine dominierende Rolle. Sie halten intensive Kontakte zu sunnitischen Vereinen und Moscheen. Zudem wird das KAICIID noch immer von der Regierung toleriert.

Aber auch Österreich steckt ja mit der OMV in Abhängigkeit zu Abu Dhabi. In Wien befindet sich der Hauptsitz der OPEC. Österreich hat selbst Öl- und Erdgasquellen. Wo werden nur die jüngst vom Bundesheer über Ebay verkauften Pinzgauer landen?

Wir distanzieren uns von diesem verfälschten Islam noch einmal ganz klar. 

Egal, welcher Religion die LeserInnen dieses Artikels angehören, seien sie auch Atheisten oder Agnostiker, es ist ungemein wichtig, diesen Unterschied zu erkennen. 

Ohne diese Unterscheidung und Diagnose können wir dieses Problem nicht verstehen und werden der Zukunft der Menschheit nur sehr besorgt entgegensehen können. 

Das Problem kennen schon sehr viele säkulare, gläubige Muslime, egal ob sie Sunniten sind, Schiiten oder Aleviten. Wir wollen mit diesem Artikel keine Hetze betreiben, sondern lediglich Aufklärung bieten, als überzeugte Muslime.

Jeder spricht und schreibt über den Islam, aber was ist der Islam und was ist er nicht?

In den nachfolgenden Zeilen möchten wir die politisch-religiösen Debatten, Missverständnisse und Unklarheiten in Österreich in Bezug auf den Islam aufgreifen. Wir behaupten natürlich nicht, das absolute Wissen zu besitzen. Wir sind offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge, aber die vollständige und reine Wahrheit liegt sicherlich beim Besitzer dieser Religion, der einen konkreten Namen hat. Worüber wir sicherlich noch viel zu lernen haben.

FAQ: 25 Fragen zum Islam

Im Folgenden sollen einige Fragen erläutert und aus einer sachlichen Perspektive beantwortet werden.

Frage 1: Was bedeutet das Wort „Islam“? Wer ist „Allah“? Wer ist „Muslim“? Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? Was ist der „politische Islam“? Müssen auch Muslime Selbstkritik üben?


 

Das Wort „islam“ ist im Koran von Gott als Religionsname festgeschrieben. Das Wort „islam“ besteht aus den Wörtern „selam“ und „silm“. Das Wort „selam“, das auch in der jüdischen Sprache als „schalom“ verwendet wird und welches Jesus Christus immer zur Begrüßung verwendet hat, bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vertrauen. „Silm“ bedeutet Frieden, Vertrauen und Ergebung unter/in einen einzigen Gott (Einheitsprinzip/Tevhid). Das kann auch kurz in Sure 10, Vers 25 im Koran nachgelesen werden: „Gott ruft zur Wohnstätte des Friedens.“

Die Aufnahmegesellschaft sollte daraus sehen, dass hier wohnende Muslime mit solchen gedungenen Mördern, die den Islam missbrauchen, nichts zu tun haben. Was jene Verbrecher glauben, ist ein Schein-Islam. Im Irak, in Syrien und in vielen Ländern des Nahen und Fernen Ostens werden gerade alle gut-islamischen Werte zunichte gemacht und daher sollten alle, besonders wir Moslems, hier gegen diesen Terror aufstehen. Allah ist das arabische Wort für „der eine Gott“ und nicht der Name eines privaten Gottes der Muslime. Allah ist der einzige zu Recht angebetete und verehrte Schöpfer des Universums; auch arabische Christen nennen Gott Allah. Er schuf die Menschen und zeigte ihnen durch seine Offenbarung den besten Weg für sie im Diesseits, damit sie im Jenseits nicht eine Strafe erleiden.

Die Muslime sprechen den Friedensgruß, wenn der Name des Propheten Muhammad oder eines anderen Propheten erwähnt wird. Der Bedeutung des Wortes nach ist ein Muslim jemand, der sich freiwillig dem Willen Gottes hingibt und das Friedenmachen als seine Aufgabe ansieht. Man wird Muslim, indem man erklärt, dass es keinen Gott außer den Einen gibt.

 

Frage 1.1: Was ist der „politische Islam“? 



In den islamistischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen.“ Die politische Instrumentalisierung ist eine Erscheinung – richtiger, eines der Grundübel – nicht nur des Islams, sondern auch anderer Religionen. Politisierung heißt, die Religion zum Mittel politischer Erfolge und dynastischer oder despotischer Interessen zu machen: Politik- und Sultanatsfrömmelei könnte man es auch nennen. Dass die Religion zu politischen Zwecken missbraucht wurde, gehört zu den grausamsten Kapiteln der Geschichte. Nicht nur, dass unfassbare Grausamkeiten gegen die Vielzahl von Menschen begangen wurden, dies hat auch dazu beigetragen, dass zahlreiche achtbare Menschen sich von ihrer Religion abgewandt und gegen Gott und die Religion aufgelehnt haben. Denn sie mussten angesichts derartiger Widersprüchlichkeiten und Frevel zwangsläufig zu dem Schluss gelangen „wenn dies Religion sein soll, dann will ich damit nichts zu tun haben“.

 

Frage 1.2Müssen auch Muslime Selbstkritik ausüben? 



Natürlich, und wie. Betrachten wir heute die islamischen Gesellschaften unter dem Aspekt „Demokratie“ oder „Menschenrechte“, bietet sich kein positives Bild. Besonders dem Nahen Osten, der Kernregion des Islams, kann in Fragen der Menschenrechte kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. In diesen Ländern wird der Wert des Menschen verschleudert. Seine Vortrefflichkeit, seine Ehre, Freiheit und seine Rechte kommen nur noch in Gedichten, nur noch in der schöngeistigen und mystischen Literatur vor. Ein Beispiel: Die Zeitungen vom 17. Juni 2002 berichteten unter der Schlagzeile „Grausamkeit“ von einem unmenschlichen und unbegreiflichen Vorfall. Er ereignete sich in einem berühmten islamischen Land, in Saudi-Arabien: Als sich einige Frauen vor einem Gebäudebrand retten wollten und auf die Straße liefen, wurden sie von den Gewalttätern, welche sich „Religionspolizisten“ nannten, mit Schlägen zurückgejagt. Der Grund: Sie waren nicht verschleiert. Sie mussten alle sterben. Grausame Taten wie diese, welche die Menschenwürde missachten und geradezu absurd sind, ereigneten sich auch im Land der Taliban und durch die Terrormiliz IS und prägen leider das heutige Bild des Islams weltweit. Diejenigen, die Wissenschaft und Bildung achten, wissen allerdings, dass es im Islam eine innere Wahrheit gibt. Bedauerlicherweise hat das Sichtbare in Form des traditionellen Islams das Wahre aus dem Leben verdrängt, also genau den Islam des Korans, den wir oben beschrieben haben.

 

Frage 1.3: Wer war Muhammed? 

Muhammad wurde um das Jahr 570 n.Chr. in der Stadt Mekka in Arabien als Mitglied eines angesehenen Stammes geboren. Seine Vorfahren gehen auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurück. Muhammads Vater starb vor dessen Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Er besuchte keine Schule, sondern wurde – wie in jenen Tagen üblich – von einer Amme aufgezogen und später von seinem Großvater und seinem Onkel aufgenommen und erzogen. Von seiner Jugend an war er als rechtschaffener Mensch bekannt. Ungefähr im Alter von vierzig Jahren schien ihm der Engel Gabriel in jener Höhle, in der er zu meditieren pflegte, und offenbarte ihm, dass er ein Prophet Gottes sei. Die folgenden Offenbarungen Gottes wurden in einem Zeitraum von 23 Jahren herabgesandt und später in Buchform zusammengetragen. Dieses Buch, der Koran, ist für Muslime die letzte und abschließende Offenbarung Gottes. Der Koran ist unverändert und in seiner Originalform erhalten; er bestätigt die Thora, die Psalmen und das Evangelium, welche die Menschen im Laufe der Zeit verändert haben.

Frage 1.4: Beten die Muslime Muhammad an?

Nein. Die Muslime beten weder Muhammad noch irgendeinen anderen Propheten an. Die Muslime erkennen alle früheren Propheten an, so Adam, Noah, Abraham, David, Salomo, Moses, Jesus und alle anderen (Friede sei mit ihnen allen). Die Muslime glauben, dass Muhammad das Siegel der Propheten war, d.h. der letzte der Gesandten Allahs. Sie glauben, dass allein Gott und nicht irgendein menschliches Wesen angebetet werden darf.

 

Frage 1.5 Was sagt der Koran über Jesus?

Die Muslime achten Jesus (Friede sei auf ihm) und seine Mutter Maria sehr. Der Koran berichtet uns, dass Jesus durch ein Wunder ohne Vater geboren wurde. „Das Gleichnis von Isa ist ja bei Allah wie das Gleichnis von Adam, Er schuf ihn aus Erdreich, dann spach Er zu Ihm: Sei!, und er war.“ (Koran 3:59). Er vollbrachte mit Gottes Hilfe als Prophet viele Wunder, unter anderem konnte er gleich nach seiner Geburt sprechen, um seine Mutter zu verteidigen und ihre Frömmigkeit zu bestätigen. Gott gab ihm noch andere Fähigkeiten wie z.B. das Heilen von Blinden und Kranken, das Wiedererwecken von Toten, das Formen eines lebendigen Vogels aus Ton und das Wichtigste: Er gab ihm eine Botschaft an die Menschen. Diese Wunder, die ihm Gott gab, bestätigten ihn als Propheten. Er wurde nicht gekreuzigt, sondern in den Himmel erhoben (Koran 3:54-55). Die Sure Maryam (19) beschreibt die Wunder Jesu in den Versen 27-3.

 

Frage 1.6. Ist im Islam nur Schweinefleisch verboten?

Dem Muslim wird im Koran aufgetragen, kein Schweinefleisch, keine Produkte vom Schwein und kein Fleisch von verendeten Tieren zu essen (Koran 5:3). Zudem ist das Fleisch von Raubtieren nicht erlaubt, weil sie selbst verendete Tiere fressen. Ein Muslim darf außerdem keine alkoholischen Getränke wie z.B. Wein oder Bier, und auch keine Drogen zu sich nehmen.

Frage 1.7 Wie steht der Islam zu Gewalt und Terrorismus?

Der koranische Islam ist die Religion des Friedens und der Hingabe an Gott und legt Wert auf die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens. Ein Vers im Koran sagt: „… wer er eine Seele tötet, – nicht wegen einer Seele oder Verderbenstiften auf der Erde, – es dann so ist, als habe er die Menschheit insgesamt getötet…“ (Koran 5:32). Der Islam verurteilt jede Form von Gewalt, wie z.B. in den Kreuzzügen, in Spanien während der Inquisition, im 2. Weltkrieg, oder die Gräueltaten. Jemand, der Gewalt ausübt, kann nicht gleichzeitig seine Religion praktizieren. Manchmal ist Gewaltanwendung jedoch die menschliche Reaktion eines unterdrückten Volkes. Terrorismus und Gewalt gibt es auch dort, wo keine oder kaum Muslime leben, z.B. in Nordirland, Südafrika, Lateinamerika oder in Sri Lanka. Manchmal findet Gewalt im Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen oder zwischen Unterdrückten und Unterdrückern statt. Man muss differenzieren und herausfinden, warum Menschen zu Terroristen werden. 
Terrorismus als Mittel zur Durchsetzung von bestimmten Zielen widerspricht den Grundsätzen des Islam und ist scharf zu verurteilen und sich davon zu distanzieren. Sogar im Krieg hat der Prophet Muhammad verboten, Menschen zu bekämpfen, die sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen. Er ging noch weiter, indem er sagte, dass es verboten ist, auch im Krieg die Ernte des Gegners zu zerstören.

 

Frage 1.8. Wie sollen sich Muslime gegenüber Juden und Christen verhalten?

Der Koran nennt die Juden und Christen das „Volk der Schrift“, d.h. sie sind diejenigen, die göttliche Offenbarungen vor der Zeit des Propheten Muhammad erhalten haben. Muslimen ist auferlegt, sie mit Respekt und Gerechtigkeit zu behandeln und nicht mit ihnen zu kämpfen. Dieser Respekt und die Toleranz ist aber nicht nur auf Christen und Juden beschränkt.

 

Frage 2: Gibt es geistliche Instanzen im Islam? 



 

Im Islam darf es laut den Prinzipien des Korans – sprich dem Einheitsprinzip („Tevhid“) – keine Zwischeninstanz, keinen Islamchef, „Papst“, Priester oder irgendein gemeinschaftliches oder geistliches Organ geben, welche zwischen Gott und dem einzelnen Menschen stehen. Die Propheten wurden sogar mehrmals in vielen Versen ausdrücklich gewarnt, außer der Vermittlung der „frohen Botschaft“ eine weitere Aufgabe anzunehmen. Im Islam gibt es keinen Oberhirten bzw. Vertreter oder Diener der Unterhirten und damit auch keine „Schäfchenkultur“, sprich Herde, wie wir es aus dem Christentum kennen. Nicht einmal der Prophet ist nach den koranischen Prinzipien der Wächter oder Verwalter im Namen Gottes.

 

Frage 3: Warum steht dann die Religion Islam unter Verdacht? 



 

Wir müssen hier eigentlich weiterfragen: Warum haben sich überhaupt in den letzten Jahren so viele Vorurteile gegenüber dem Wort „Islam“ und dem „Koran“ angesammelt? Wer hat hier Schuld? Wir beantworten das ganz einfach: Die Schuld liegt größtenteils bei den vorgeblichen Muslimen, welche behaupten, nach dem „wahren Islam“ zu leben, obwohl die Kultur der arabisch-umayyadischen Kalifen Muawiya I. und Yezid I. auf dem traditionalistischen Islam und auch auf einer Tradition, die auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens gründet, beruht. Somit werden die Welt und die Menschheit betrogen, indem dieser Islam als „theologischer Islam“ verbreitet wird. Die Unterstützer und Komplizen dieser Betrügerei – vor allem Politiker und Politikerinnen der Regierungsparteien – kommen leider aus der westlichen Welt.

 

Frage 4: Wie wichtig sind Verstand und Vernunft im Koran? 



 

Sehr wichtig, sogar oberstes Prinzip. Der wahre Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, besagt, dass die Menschen ihren Verstand und ihre Vernunft unbedingt benützen müssen. Das steht in mehreren Versen des Korans, die eigentlich auch alle Muslime zum Nachdenken bringen müssten. Hier nur einer davon: Sure 10, Vers. 100: „Gott sendet (seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft und ihren Verstand nicht gebrauchen mögen“. Wir sehen, dass die gesamte muslimische Welt leidet, weil eine der bedeutendste Messages des Koran missachtet wird, nämlich seinen eigenen Verstand und Vernunft zu gebrauchen.

 

Frage 5: Verwendet man das Wort „Islamismus“ richtig? 



 

Nein. Wie kann man nur aus dem Wort „Islam“, welches seine Wurzeln im Frieden, Vertrauen, Glück und Wohlbefinden hat, das Kampfwort „Islamismus“, das Terror, Unterdrückung und Totalitarismus bedeutet, hervorbringen? Damit will man die gesamte Religion Islam, den Koran und alle Muslime pauschalisieren und unter Generalverdacht bringen, wie „Die Zeit“ am 18. September 2014, unter dem Titel „Eine Religion unter Verdacht: Haben Terror und Unterdrückung wirklich etwas mit dem Islam zu tun?“. Das Wort „Islamismus“ ist eine von manchen Kräften absichtlich und von manchen Menschen unabsichtlich und unglücklich gewählte Terminologie, mit welcher man eigentlich das Gegenteil vom im Islam und dem Koran Geforderte beschreiben will, nämlich fundamentalistische und terroristische Menschen, Gruppen und Sekten. Man sagt doch auch z.B. zu einem christlichen oder jüdischen Fundamentalisten oder Terroristen nicht „Christianist“ oder „Judaist“. Man will mit Genuss den Glauben des Islam, von welchem wir oben die wahre Bedeutung definiert haben, auf die Ebene des Faschismus ziehen und damit dient man vielmehr den Gelüsten der Fundamentalisten, aber auf keinen Fall dem Gemeinfrieden oder dem Weltfrieden. Der „politisierte Islam“ und die Terrormiliz IS machen es leichter, solche Begriffe zu benützen, denn kein Mensch auf dieser Erde würde seinen Glauben in diesem Zusammenhang sehen und hören wollen. Wir wissen, dass man mit der Terminologie „Islamismus“ diejenigen Betrüger definiert, welche den Glauben des Islam für ihre politischen und geschäftlichen Gelüste missbrauchen.

 

Frage 6: Welche Bedeutung hat das Wort „Koran“? 



 

„Koran“ leitet sich aus dem Begriff „karaa“ ab. „Karaa“ bedeutet „lesen“ (ikra) und sammeln. Nach verschiedenen Quellen wurde dem göttlichen Buch dieser Name gegeben, weil es einerseits Gegenstand des Lesens und der Rezitation ist, andererseits Gebote, Verbote und verheißungsvolle gute Nachrichten enthält und schließlich auch, weil es in Form von Suren und Versen gesammelt worden ist. Das Wort „Koran“ und das allererste Wort der ersten Offenbarung (Sure Alak) stimmen etymologisch überein. Das erste Wort „Ikra“ hat seine Wurzeln im schon erwähnten „karaa“ und bedeutet auch hier speziell „lies“. Damit haben wir jetzt erfahren, dass das erste Offenbarungswort „lies“ (lesen) war. In der Wüste verlangte Gott von seinen Propheten und allen Menschen also als erstes das Lesen.

 

Frage 7: Warum ist der Bildungsgrad in den muslimischen Ländern so gering?

 

Ist das nicht unglaublich? 

Wir haben bis jetzt immer das Vorurteil gehabt, dass der Koran ein Kriegs- und Fundamentalismusbuch ist, weil die Taliban, die Terrormiliz IS oder andere nahöstliche Staaten so unzivilisiert waren. Aber nun haben wir erfahren (siehe oben), dass das Wort „Islam“ Friede, Glück, Vertrauen und Wohlbefinden bedeutet, und dass das erste Offenbarungswort im Koran (Sure Alak, 1) „lies“ ist. Der Begriff „Koran“ wird an ungefähr 70 Stellen im Koran erwähnt. Aber darüber hinaus wird der Koran noch mit anderen Namen bezeichnet. Folgende Adjektiva und Substantiva kommen im Koran vor: hakim (mit Weisheit angefüllt), tenzil (von Gott herabgesandt), nur (das Licht), kitap (das Buch), furkan (jenes, was Licht und Dunkelheit, das Gute und Schlechte voneinander trennt) und zikir (jenes, was die Erwähnung Gottes sichert) und viele mehr. Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) hat über den Koran sinngemäß Folgendes gesagt: „Wenn man die gesamte Aussage des Korans in Kürze ausdrücken will, so findet man sie gleich zu Beginn von Sure 2: „Das ist das Buch, in dem kein Hadern und kein Zweifeln enthalten ist.“ Die Bezeichnung des Korans als Buch findet man im Koran an über 250 Textstellen. Mit dem Ausdruck „Buch“ bezeichnet sich der Koran nicht nur selbst, vor allem wird ein Teil der Offenbarungen, die mit anderen Propheten herabgesandt wurden, als Buch bezeichnet. So beispielsweise die Psalter, die Thora oder auch die Bibel (die aus mehreren Büchern besteht). Darüber hinaus bezeichnet der Koran allgemein alle Offenbarungen, die vom ersten Propheten bis hin zum Letzten herabgesandt wurden, sehr respektvoll als „Buch“. Der Ausdruck „Buch“ (koran) rührt auch daher, dass der Koran als eine der elementaren Quellen der islamischen Geistesgeschichte dient. Diese Tatsache wird deutlich in den Vordergrund gestellt. Nach dem Koran existieren drei grundlegende Bücher, die den Menschen vorgelegt wurden und die man lesen soll: Das Buch der Schöpfung (d.i. die Natur und die Naturgesetze insgesamt) das Buch der Offenbarung (Koran) und der Mensch selbst.

 

Frage 8: Was kann man allgemein über den Inhalt des Korans ausführen? 



 

Das Grundthema des Korans ist die Einheit Gottes (Einheitsprinzip/Tevhid), seine Unvergleichbarkeit und die Tatsache, wie er dem Leben und dem Universum in ständiger und bewusster Weise die Richtung weist. Wir erfahren aus dem Koran in  erster Linie „Tevhid“, das Einheitsgebot. Ohne Tevhid, also das Einheitsprinzip, kommt es zu einem manipulierten und mutierten Islam, der einfach mit dem wahren Islam (Koran) nichts zu tun hat; es herrscht im wahren Islam ein absolutes Eingottprinzip bzw. eben dieses Einheitsgebot. Es bezeichnet vor allem die Einheit Gottes. Der Koran bezeichnet die Kraft und Macht als Gott (Allah). Gott ist der absolute Schöpfer, er ist absolut gut, absolut positiv und absolut schön. So sind demzufolge die Schöpfung, die Geschöpfe und das Leben in ihren Grundlagen gut und schön. Die Einheit Gottes nach dem Koran macht in zunehmendem Maße die Einheit des Lebens, des Menschens, der Zivilisation und schließlich auch der Schöpfung notwendig. Mit anderen Worten: So wie der Schöpfer Eins ist, genauso ist auch die Realität Eins. Demzufolge ist der Weg, welcher zur Realität führt, einzigartig. Der beste Weg, den Koran zu kommentieren, besteht darin, ihn als eine Einheit zu begreifen und wahrzunehmen. Der Koran hat gewisse Prinzipien, wie er zu kommentieren und zu interpretieren ist. Wir können nicht einen Abschnitt des Korans verstehen, wenn wir nicht den gesamten Koran verstehen, wir können nicht einen Vers begreifen, wenn wir die anderen Verse vernachlässigen. Der Koran ist, genauso wie das Buch der Schöpfung, eine Einheit, in der das Eine mit allem und alles mit dem Einen in Verbindung steht.

 

Frage 9: Wo liegt dann das Problem? Warum ist es so wichtig, zwischen wahrem und falschem Islam zu unterscheiden? 



 

Wer über den Islam sprechen möchte, muss zunächst deutlich machen, was genau er darunter versteht. Wir müssen zwischen dem traditionellen Islam, also dem umayyedischen Islam, der auf den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht und dem wahren Islam, der im Koran festgehalten ist und durch den Propheten Mohammed verkündet wurde, unterscheiden. Bis heute übersieht der Westen diese Differenzierung, die von den Muslimen weltweit selbst als Dilemma empfunden wird. Zumindest bis zum schrecklichen Terroranschlag vom 11. September 2001 oder vor der Terrormiliz IS hatte der Westen nur sein kurzfristiges politisches Kalkül im Blick und hat dieses Dilemma nicht gesehen und fast immer die falschen Islam-Anhänger unterstützt und das aufgrund wirtschaftlich und kulturell-politisch opportunistischen Interessen, die unmenschlich für uns sind.

 

Frage 10: Was bedeutet „Djihad“ im Koran? Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?

 

Das Wort Djihad (auch Dschihad, engl. jihad), das der politische Islam im Verlauf seiner Geschichte wie auch in unseren Tagen zur Rechtfertigung von Gewalt und Blutvergießen missbraucht, geht im Arabischen etymologisch auf die Wurzel „cehd“ zurück, ein Wort, das soviel bedeutet wie „äußerste Anstrengung aufwenden“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In der Gedankenwelt des Korans taucht dieser Begriff in drei Erscheinungsformen auf, die sich alle von der Wurzel „cehd“ ableiten lassen:

 

1. Mücahede: als Bezeichnung für „äußerste Anstrengungen“, die ein Mensch aufwendet, um innerliche Reinheit zu erlangen. In der Mystik werden diese Anstrengungen auch als „Innerer Dschihad“ oder „Großer Dschihad“ bezeichnet und in beiden Fällen geht es um die Reinigung des Inneren, des Herzens und der Gesinnung. Die islamischen Mystiker sehen im Kampf über die innere Reinheit das, was den Menschen zum Menschen macht, und jenen Kampf, der ihm Erfüllung bringt.

Der Koran enthält die klare Aussage, dass ein Individuum seinen in der Gesellschaft angestrebten Platz nicht wird einnehmen können, solange es sich nicht darum bemüht, seine Gesinnung zu ändern und reinen Herzens zu werden (vgl. Sure 8, Vers 53 und Sure 13, Vers 11). Das Individuum ist die Keimzelle der Gesellschaft, der Welt und des Universums. Solange die erforderlichen Veränderungen in diesem Kern nicht vollzogen worden sind, gehen die Hoffnungen auf Veränderungen in den anderen Gebieten ins Leere.

 

2. Ictihad: Dieser Begriff steht für die „äußersten Anstrengungen“ auf intellektuellem Gebiet und in der Wissenschaft (speziell auf dem Gebiet der Koranexegese) und heißt soviel wie „wissenschaftliches Denken und Forschen unter Einsatz aller Kräfte.“ Denker und Wissenschaftler, die dazu fähig sind, werden als Müctehid (Koran-Exeget) tituliert. Im Ictihad liegt der Lebensquell der koranischen Religion, in ihm liegt der Geist des Islams. Versiegt dieser Quell, so stirbt die koranische Religion.

 

Der politische Islam, der die Religion zum Instrument politischer Interessen gemacht hat, sowie bestimmte Geistliche, die sich willentlich oder unwissentlich von diesen Kreisen haben vereinnahmen lassen, haben eine geradezu teuflische Parole in die Welt gesetzt, um den „äußersten Anstrengungen“ auf dem Gebiet des Intellektuellen einen Riegel vorzuschieben – und bedauerlicherweise ist es ihnen gelungen, dass sich die muslimischen Massen über Jahrhunderte hinweg mit diesem Schlagwort identifiziert haben.

Sinngemäß übersetzt lautet das geflügelte Wort dieser Kreise: „In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort gesprochen! Das Tor der selbstständigen Urteilsfindung ist geschlossen, den altvorderen Koran-Exegeten wird niemand mehr folgen.“ Die Muslime unserer Tage sind zum Kampf gegen diese despotische, sinnentstellende Weisung aufgerufen, zum Aufstand gegen alle, die dieser Tabuisierung und geistigen Erstarrung das Wort reden! Den Gläubigen sei gesagt, dass dieser heilige Aufstand ein heilbringender Gottesdienst sein wird! Denn solange dieser Aufstand sein Ziel nicht erreicht, können Muslime keine glückliche Welt aufbauen.

 

3. Dschihad: Dies ist die dritte Erscheinungsform des Begriffes „cehd“ und bezeichnet den Krieg, den zu führen man gezwungen ist, wenn die Werte, die den Menschen zum Menschen machen, verletzt werden. „Äußerste Anstrengungen“ in einer Ausnahmesituation also, in der man – falls notwendig – nicht davor zurückschrecken darf, das Unvermeidliche zu tun.

Der Koran hält den Krieg nicht für gut, aber unter Umständen für legitim. Erfordern die Umstände einen Krieg, so ist dieser eine unabdingbare Voraussetzung für die Überwindung von Hindernissen, die dem Menschen im Weg stehen. Die Kardinalsproblematik besteht darin, richtig zu bestimmen, ob die Umstände einen Krieg erzwingen oder nicht.

 

Was ist das Paradies? Wie kommt man dort hin? Wo ist es?



 

Im Islam bildet der Begriff des „Paradieses“ eine eher symbolische Bezeichnung für die ewige Glückseligkeit und kann in unserer dreidimensionalen Welt allenfalls allegorisch beschrieben werden. „Das Paradies ist für uns nicht etwas, von dem wir berichten oder das wir beschreiben, sondern kann nur etwas sein, das wir versinnbildlichen (vgl. Sure 2, Vers 25). Das Paradies ist also kein Ort, sondern ein Symbol. Es steht nicht in unserer Macht, es zu definieren oder gar abzubilden. Der Koran betrachtet das Paradies ganz und gar nicht als Angelegenheit eines irgendwie verbrieften Rechts, sondern in Verbindung mit dem menschlichen Tun. Die Taten und das Streben des Menschen sind Voraussetzungen für die Erlangung des Paradieses, verbriefen jedoch keinen Anspruch. Deshalb schilt der Koran jene, die das Paradies als das natürliche Recht der Angehörigen der eigenen Religionsgemeinschaft betrachten, und diese sich so in Lügengebilden, Illusionen und Trugschlüssen verfangen. Juden und Christen sind dem Koran nach die wichtigsten Vertreter solch einer monopolistischen Auffassung vom Paradies (vgl. Sure 2, Vers 111 und Sure 5, Vers 18). Dem Koran nach ist das Paradies einzig und allein der Lohn für Taten zum Wohle des Guten und des Friedens (vgl. Sure 4, Vers 123; Sure 40, Vers 40 und Sure 43, Vers 72).

 

Die Auffassung vom Paradies als Luxushotel: Dies ist eine der areligiösen Vorstellungen, die sich aus einem egoistischen Paradiesverständnis speist: eine Geisteshaltung, nach der das Paradies so etwas wie der Vergnügungsort sexbesessener Faulenzer ist. Es scheint, als liege darin der eigentliche Grund, warum Leute von diesem Schlag nicht wollen, dass außer ihnen noch andere ins Paradies gelangen.

Es lässt sich mit den Aussagen des Korans nicht vereinbaren, das Paradies als einen festen Ort zu definieren. Vers 133 der Sure 3 und Vers 21 der Sure 57 beschreiben, dass das Paradies ausgedehnt wie der Himmel und die Erde ist. In der Verwendung dieser Metapher für die Unendlichkeit des Paradieses liegt die zentrale Botschaft, das Paradies nicht als Ort, sondern als einen seelischen Zustand zu begreifen. Dieser koranischen Wahrheit hat der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (1877-1938), einmal mit der Aussage Nachdruck verliehen: „Das Paradies ist kein Raum, kein Ort, sondern ein Seelenzustand.“

 

Frage 11: Wo werden in den islamischen Ländern Fehler gemacht? 



 

In den islamischen Ländern wird der Mensch traditionellen und religiösen Bräuchen geopfert, die Tradition zu einem unantastbaren Tabu gemacht, denn in diesen Ländern hat man das koranische Prinzip „Die Religion ist für den Menschen geschaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Es wurde daraus: „Der Mensch ist für die Religion geschaffen“.

 

Frage 12: Wo liegt das Problem in den islamischen Ländern?

 

Die islamischen Länder sind zwar von ihren früheren Kolonialherren unabhängig, aber nicht frei geworden. Die Unabhängigkeit nutzt lediglich den Despoten im Land. Das Joch der Unterdrückung blieb bestehen und belastet die Menschen heute mehr denn je. Man vergaß, dass die Unabhängigkeit eines Landes durch die Freiheit des Individuums vervollständigt werden muss.

 

Frage 13: Wie kann das Problem gelöst werden? 



 

Der einzige Weg dorthin ist die Installierung einer säkularen Regierungsform. Die Methode „Demokratisierung durch Krieg“, welche im Irak angewendet wird, ist dagegen weder menschenwürdig, noch erfolgsversprechend. Man sieht heute die Terrormiliz IS als Resultat dieser falschen Politik. Die Terrormiliz IS wütet „zufällig“ auf Territorien wo reichlich Bodenschätze vorhanden sind. Das Militär wurde in der Vergangenheit und wird auch in Zukunft des Öfteren dafür benutzt werden, um sich Zugang zu den Bodenressourcen zu verschaffen, zu schützen und den Zugang für Privatfirmen zu ebnen bzw. diesen Zugang für die Privatfirmen sicherzustellen. D.h. arbeiten private Firmen immer mehr mit sogenannten Sicherheitsfirmen und kleinen und größeren Berufsarmeen zusammen.

 

Frage 14: Woher kann die Veränderung kommen? 



 

Die Veränderung kann nur aus der islamischen Welt selbst kommen. Wenn wir die tabuisierenden Traditionen und die vorsätzlichen Irrwege beiseite lassen und den Islam aus der Sicht seiner Hauptquelle, des Korans, betrachten, gibt es durchaus einen Silberstreif am Horizont. Dabei ist bemerkenswert, dass bei der Einführung der Lebenswerte des Korans, die für die Entwicklung der Menschheit notwendig wären, die westlichen, nicht-muslimischen Gesellschaften weiter fortgeschritten sind als die islamischen. Und auch dies ist eine Tatsache: Mit jedem Tag wird dieser Abstand zum Nachteil der islamischen Welt größer. Die islamische Welt hat über Jahrhunderte ihr Schicksal nicht an Grundlagen und Prinzipien gebunden, sondern an Personen, die für unantastbar erklärt wurden. In der Terminologie des Korans bezeichnet man dies als „schirk“ (Vielgötterei, Polytheismus; von „beigesellen“, Götzendienst). Es handelt sich also schlicht um Paganismus. Diese Ausrichtung mit fetischistischem Charakter macht die Menschen immer mehr zu Sklaven von Knochen, Fossilien und Grabstätten. Umso absurder wirkt es, dass die grundlegenden Werte, die der Koran im Leben des Menschen verwirklicht sehen möchte, in nicht-islamischen Gesellschaften verwirklicht sind.

 

Frage 15: Was bedeutet der „falsche Islam“ und was bedeutet Säkularismus im Islam? 



 

Der Islam der Traditionen, also der falsche Islam, hat alle islamischen Grundlagen und Werte, die den Menschenrechten und damit auch der Demokratie den Weg bahnen und sie stärken könnten, außer Kraft gesetzt. Diese Entwicklung begann, als die despotische umayyidische Dynastie (660-683) den Islam zur Religion erklärte und eine Monarchie errichtete. Das System der monarchistischen Herrschaft aber wird im Koran als ein unzulängliches System der Ungerechtigkeit bezeichnet (siehe hierzu Sure 27, Vers 34). Dass es dennoch die Oberhand gewann, wurde möglich, weil man den Säkularismus in einen Gegensatz zur Religion stellte. Säkularismus bedeutet aber nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen. Säkularismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder religiöses Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes.

Daher halten wir es nicht für möglich, dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können, ohne dass es eine wirklich säkulare Verfassung gibt. Der Koran verkündet, dass das Prophetentum abgeschlossen sei. Eine der grundlegenden Folgerungen daraus lautet: Das Zeitalter, in dem die Völker von Personen geführt werden, die sich auf Gott berufen, ist beendet. Der Koran ist das einzige heilige Buch, das verkündet, dass die Theokratie aus dem Leben der Menschen weichen soll.

 

Frage 16: Warum verschweigt man diese Wahrheit des Korans dann? 



 

Diese wahre Aussage des Korans ist die wichtigste Prinzip, die in den islamischen Gesellschaften verschwiegen und versteckt wird. In den islamistisch-fundamentalistischen Ländern wird das ganze religiöse Leben so ausgerichtet, dass dieses demokratische Prinzip verborgen bleibt. Alle erdenklichen Maßnahmen und Anstrengungen werden unternommen, damit sich dieser Zustand nicht ändert. Diese Maßnahmen werden auch von jenen westlichen Kräften unterstützt, die nicht wollen, dass sich in den islamischen Ländern die Zustände ändern.

 

Frage 17: Was bedeutet „der wahre Islam“?



 

Nach dem Verständnis des wahren Islams, der sich auf den Koran beruft, ist die Macht, ein Volk zu führen, ein rechtsstaatliches Gut. Dieses darf nicht für despotische Herrschaft missbraucht werden. Nur jene dürfen die Macht an sich nehmen, die seiner würdig sind. Dieses rechtsstaatliche Gut kann dem Einzelnen durch Wahlen anvertraut und falls notwendig auch wieder entzogen werden.

 

Frage 18: Fordert der Koran dann nicht eigentlich Demokratie? 



 

Ja, natürlich fordert der Koran Demokratie. Diejenigen, die den Despotismus zur Religion erklären, fragen oft: „Warum Demokratie? Demokratie bedeutet ‚Herrschaft des Volkes‘. Welches Volk hat den Propheten Mohammed gewählt? Und warum überhaupt Wahlen?“ Diesen Wortführern muss man entgegenhalten: „Den Propheten Mohammed hat Gott selbst berufen. Hat Gott auch die Könige, Sultane und Kaiser berufen? Hat Gott etwa Saddam Hussein, den Schah von Persien, Komeini, König Abdullah und andere Könige und Herrscher berufen?“ Die Herrschenden täuschen das Volk und fragen: „Wenn eine Theokratie besteht, dann werdet ihr von Gott geführt. Wollt ihr euch darüber beschweren?“ Und weil das Volk die wahren Grundlagen des Islam nicht kennt, kann es die folgenden Fragen nicht stellen: „Nur Propheten können eine Theokratie leiten. Aber wenn die Zeit der Propheten abgeschlossen ist, wie kann dann eine Theokratie fortgeführt werden? Seid ihr denn Propheten, dass ihr euch auf Gott beruft und uns regieren wollt?“ Nach dem Koran sollen sich die Regierenden und Herrschenden auf die Prinzipien der „schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) und „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag) stützen. Gott hat dem Propheten Mohammed, den er selbst gesandt hat, aufgetragen, sich auf diese beiden Prinzipien zu stützen. Was der Koran über das Regieren und Herrschen sagt, ist klar und deutlich: Die Zeit nach dem Propheten Mohammed ist die Zeit der „schura“ und des „bajat“. Das heißt, an die Adresse der Herrschenden gerichtet: „Ihr werdet das Volk führen und leiten, ihr werdet von den Menschen die Legitimation hierzu erhalten, ihr werdet gewählt werden. Und wenn das Volk euch abwählt, dann sollt ihr gehen.“

 

Frage 19: Gibt es im wahren Islam (nach dem Koran) einen Stellvertreter oder Repräsentanten Gottes bzw. ein Kalifat? 



 

Der wahre Islam im Koran spricht niemandem das Recht zu, ein Beauftragter, Stellvertreter oder Repräsentant Gottes zu sein. Der Rest außerhalb des Korans ist nicht bindend. Einzig dem Propheten steht es zu, im Namen Gottes zu sprechen und zu führen. Der Prophet ist tot und die Zeit ist damit beendet. Das Recht zur Führung eines Volkes kann laut Koran nicht von Gott oder durch Geburt erlangt werden, sondern nur vom Volk und durch Wahlen geschehen. Dies bezeichnet der Koran als „bajat“ (Gesellschaftsvertrag eines Systems von Beratung und Kontrolle). Das mittels „bajat“ erlangte Recht zur Führung eines Volkes wird mit dem „schura“ genannten System der Beratung und Kontrolle vollzogen. Dieses System stellt sicher, dass die Führenden die Geführten – und umgekehrt die Geführten die Führenden – einander kontrollieren. Auf der Grundlage  dieses Gesellschaftsvertrages kann das Volk, welches über die Regierenden wacht, ihnen auch das Recht zur Herrschaft entziehen, falls es dies für notwendig erachtet.

 

Frage 20: Was bedeutet „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle) im Koran? 



 

Die koranische Entsprechung für das demokratisch parlamentarische Verfahren ist also die „Schura“ (das System der Beratung und Kontrolle), weil sie im Koran erwähnt wird, konnte sie nicht völlig unterschlagen werden. Aber ihre Bedeutung wurde verzerrt wiedergegeben und so ausgeformt, dass sie dem traditionellen Islam ins Konzept passte. Von den Despoten im Nahen Osten wurde die „Schura“ darauf reduziert, dass der König oder der Sultan sich einige Ratgeber zulegen sollte. Der 1988 verstorbene islamische Gelehrte Fazlur Rahman sagt hierzu: „Schura, wie sie der Koran aufträgt, bedeutet nicht, dass jemand sich gelegentlich den Rat anderer einholt. Vielmehr bedeutet es wechselseitige Konsultation von Gleichberechtigten. Wer diese Konsultationen verweigert oder sie verzögert, weil sie angeblich nicht passen, ist ein Diktator, der im Widerspruch zum Islam steht.“ Nach dem Verständnis des Korans leitet sich die Berechtigung zur Leitung des Staates also nicht aus der Religion oder dem göttlichen Recht ab, sondern aus dem freien Willen des Volkes (Mehrheitsprinzip). Der größte islamische Denker des 20. Jahrhunderts, Mohammed Iqbal (1877- 1938), stützte sich auf diese Aussagen des Korans, als er verlangte, die Berechtigung, Normen und Gesetze aufzustellen, sei den Rechtsgelehrten zu entziehen und einem Parlament zu übertragen. Zu diesem Zweck solle das Prinzip der „Icma“ (des Konsenses innerhalb der islamischen Gemeinschaft) im Geiste des Islams modernisiert werden. Iqbal war überzeugt davon, dass Republik und parlamentarische Demokratie das Regierungssystem darstellen, das dem Geist des Islams am besten entspricht.

 

Frage 21: Was bedeutet Bajat (Gesellschaftsvertrag)?

 

Der Koran entwickelte das Prinzip der „bajat“, also die Idee eines Gesellschaftsvertrags, viele Jahrhunderte vor der Französischen Revolution. Um zu regieren und zu herrschen, sollte mit jedem, egal ob Mann oder Frau, ein Abkommen geschlossen und Einverständnis erzielt werden. Selbst dem Propheten Mohammed wurde aufgetragen, sich bei der Führung der Gemeinde vom gesamten Volk, auch von den Frauen, eine „bajat“ (den Gesellschaftsvertrag, hier im Sinne einer Zustimmung) einzuholen (Sure 60, Vers 12). Die Prinzipien des Korans, die sich in Übereinstimmung mit der demokratischen Logik befinden, hat der amerikanische Nahost-Experte Leonard Binder in seinem Buch „Islamic Liberalism“ folgendermaßen zusammengefasst: „Erteilt Gott oder das Volk die Berechtigung zum Regieren? Diese Diskussion ist so gelöst worden: Die ursprüngliche Berechtigung kommt von Gott, aber sie wird über das Volk an bestimmte Personen übertragen. Dass die Berechtigung zur Machtausübung, deren Quelle Gott ist, über das Volk auf, von ihm ausgewählte, Führer übertragen wird, ist Demokratie.“ Im Kern bedeutet dies: Gott, der allmächtige Herrscher, gab dem Menschen eine Legitimation zum Herrschen. Der Mensch benutzt diese Legitimation, indem er bestimmten Personen ein Mandat überträgt und dabei die Prinzipien der „Schura“ und der „Bajat“ anwendet.

 

Frage 22: Warum missachtet man diese Wahrheit aus dem Koran? 



 

Der traditionelle religiöse Diskurs in den islamischen Ländern missachtet die Wahrheit dieser grundlegenden Prinzipien. Der ägyptische Gelehrte Abu Said ist der Ansicht, dass die traditionellen Gelehrten dies nicht aus Unkenntnis tun, sondern um die Wahrheit bewusst zu verheimlichen.

 

Frage 23: Wie wichtig sind der Verstand und die Prinzipien universellen Rechtes im Koran? 



 

Der Koran hat dem Menschen die Allmacht entzogen und sie an bestimmte Prinzipien und Leitlinien gebunden. Werte werden von Gott im Koran gegeben und von ihm verfügbar gemacht. Dem Koran zufolge ist der erste dieser Werte der Verstand. In Sure 10, Vers 100 heißt es: „Und Gott zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen.“ In die Rechtssprache der modernen Zeit übersetzt heißt das: Die Herrschaft beruht auf den Prinzipien des universellen Rechtes. Der Koran verweist immer wieder auf diese universellen Prinzipien. Der Koran ruft dazu auf, den Verstand zu benutzen und kritisiert es, wenn Menschen sich wie eine Herde Vieh verhalten. Das Volk darf niemanden zu seinem Hirten machen und sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiger Teil der zeitgenössischen islamischen Intellektuellen begreift dies. Bisher üben diese Intellektuellen noch keinen großen Einfluss aus. Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich daran etwas ändert.

 

Frage 24: Unterstützt die Österreichische Bundesregierung den „wahren Islam“? 



 

Nein. Faktum in Österreich ist, dass viele der islamischen Organisationen, die behaupten, Muslime zu vertreten, Verbände des „politischen Islam“ sind, der eigentlich nicht auf dem wahren Islam, sondern einem traditionellen Islam und den Sitten und Gebräuchen des Nahen Ostens beruht. Nach einem bedingungslosen Dialog mit Gruppierungen des „politischen Islams“ muss etwas Wichtiges aufgezeigt werden. Denn es zeichnet sich seit Jahren eine gefährliche, teils absichtlich herbeigeführte Entwicklung in Österreich ab. Unter dem Vorwand des Dialogs werden die Unwissenheit oder die Vorurteile mancher österreichischer Politiker, Verbände oder Kirchen über den politischen Islam ausgenutzt.

 

Frage 25: Wo ist eine Verpflichtung im Koran zum Kopftuchtragen festgeschrieben und in welchem Vers? Steht das Wort „Kopftuch“ ausdrücklich in diesen Versen oder nicht?

 

Nein, das Wort „Kopftuch“ steht im Koran, der aus einhundert 114 Kapiteln (Suren) besteht, in keinem der 6.263 Verse. Jede Sure hat drei bis 300 Verse. Zunächst einmal zum umstrittenen Thema Kopftuch: Woher stammt das Kopftuch? Seit wann wird es getragen? Inwiefern handelt es sich beim Tragen eines Kopftuches um eine religiöse Pflicht, ein spirituelles Gebot oder eine gesellschaftliche Konvention? Wo ist eine Verpflichtung zum Kopftuchtragen festgeschrieben? Welchen Bedeutungswandel erfuhr das Kopftuch im Zeitverlauf? Wie bereits erwähnt, gibt der Koran, die verbindliche Hauptquelle des Islams, keine Auskunft über diese Fragen. Lediglich in drei Versen findet sich die Formulierung „den Körper bedecken“ (Sure 24 Vers 31 und 60, Sure 33 Vers 59), das Wort „Kopftuch“ (oder eine andere Kopfbedeckung) wird aber selbst in diesen drei Versen nicht erwähnt. Anders in der Bibel: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern den Frauen sogar vorgeschrieben (vgl. Paulus, Korintherbrief). Nun möchten aber viele Menschen wissen, ob es sich bei islamischen Kopftüchern um ein religiöses Gebot handelt (dann müsste dies auch im Koran festgeschrieben sein) oder ob wir es nicht vielmehr mit einem historisch gewachsenem politisch-religiösen Phänomen zu tun haben, dass sich auf den Einfluss politischer und kultureller Traditionen zurückführen lässt. Das häufig angeführte Argument, das Kopftuch sollte „vor den Blicken der Männer schützen“ erscheint in unserer aufgeklärten Zeit jedenfalls vielen absurd und selbst im traditionell-historischen Kontext nicht als ganz stimmig… Und es gibt viele solcher falschen Argumente, die gegenüber dem Koran nicht standhalten.

Die Befürworter, besonders hier die weiblichen Befürworterinnen, des Kopftuches leiten ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Verhüllung aus dem Koran ab. Es empfiehlt sich daher, in jenen Suren und Versen des Korans nachzulesen, auf die sie sich berufen:

 

Sure 24, Vers 31 



 

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck [d. h. die Körperteile, an denen sie Schmuck tragen; der Übers.] nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzen, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.“ [„Schmuck“ wird häufig auch übersetzt als „Reize“] [„Kleiderausschnitt“ wird häufig auch übersetzt als „Busen“]

 

Sure 24, Vers 60 



 

„Und für die unter den Frauen, die sich zur Ruhe gesetzt haben und nicht mehr zu heiraten hoffen, ist es kein Vergehen, wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne dass sie jedoch den Schmuck zur Schau stellen. Und besser wäre es für sie, dass sie sich dessen enthalten. Und Gott hört und weiß alles.“

 

Sure 33, Vers 59

 

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunter ziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.“

 

(Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses. (Gütersloh, 2. durchgesehene Auflage 1992)).

 

Bei Betrachtung der oben geschilderten Verse sieht man, dass das Wort „Tuch“ vorkommt, aber nicht das Wort „Kopftuch“ als solches. Auch bei der RICHTIGEN türkischen Übersetzung des Korans werden Sie das Wort „basörtü“ nicht finden. „Bas“ bedeutet auf Türkisch „Kopf“ und „örtü“ bedeutet auf Türkisch „Tuch“. Trotzdem findet man bei fast allen Auslegungen und Übersetzungen des Korans sowohl in türkischer als auch in deutscher Sprache die Übersetzung „Kopftuch“. Aber in Wahrheit bedeutet das Verb „himar“, das in diesem Vers 59 ausdrücklich erwähnt wird, in arabischer Sprache nicht „den Kopf bedecken“, sondern nur „bedecken“. 

Falls im Koran überhaupt etwas explizit bedeckt werden soll, würde es auch erwähnt werden. Das ist aber nicht der Fall. Die theologische Begründung für das Gebot zum Kopftuchtragen wird aber dennoch in erster Linie auf den Koran zurückgeführt.

Die Sure 24,31 ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den Männern zu verbergen, aber nicht den Kopf zu bedecken. Das steht wie oben aufgezeigt schwarz auf weiß im Koran Sure 24,30 und 31, Sure 33,59. Bei Übersetzungen wird aber in der Regel mit Klammerausdrücken versucht, den Koran willkürlich zu interpretieren. Dieser fatalen Praxis ist dringend Einhalt zu gebieten: Wir müssen bei den Fakten bleiben. Persönliche und gesellschaftliche Ansichten dürfen in Interpretationen genauso wenig einfließen wie tradierte kulturelle Aspekte.

 

Ich möchte meine Ausführungen noch mit einem konkreten Beispiel veranschaulichen: Wenn man das Wort „Bettdecke“ verwendet, benützt man neben dem Wort „Decke“ auch das Objekt „Bett“, um zu betonen, was genau bedeckt werden soll, wo etwas bedeckt werden soll oder wozu es dient (Bettdecke, Überdecke, Schlafdecke, Krankenhausdecke – Achtung ungenau, es handelt sich um ein (ungenaues) zusammengesetztes Hauptwort. Eine Schlafdecke ist eine Decke zum Schlafen, eine Krankenhausdecke ist aber die Decke eines Krankenhauses (gehört dem Spital), sie ist keine Decke zum Krankenhausen. Eine Bettdecke heißt nicht so, weil sie das Bett bedeckt, sondern weil sie für das Bett gedacht ist im Gegensatz zur z.B. Tischdecke). Gemäß dieser Logik müsste für den Begriff „Kopftuch“ neben dem Begriff „bedecken“ auch das Wort „Kopf“ oder ein anderer Begriff vorkommen. Das im Vers erwähnte Betonungswort neben dem Wort „himar“ (Bedeckung) ist „cuyub“, welches aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt „Brust“ oder „Kragen“ bedeutet. (also wäre die Übersetzung eher Halstuch, Überwurf) Dasselbe Wort „cuyub“ wird auch in einem anderen Vers im Koran erwähnt, nämlich Sure 28 („Kasas“), Vers 32, wo das Wort im Kontext „Er legte seine Hand auf die Brust/den Kragen von Moses“ gebraucht wird. Also wenn das Wort „cuyub“ mit dem Wort „himar“ (bedecken) kombiniert wird, bedeutet „bi-himür-ihinne ala cuyub-ihinne“ nicht „den Kopf bedecken“, sondern „die Brust/Kragen bedecken“. Fast alle traditionellen Auslegungen des Korans analysieren diese Verse nicht wissenschaftlich, sondern deuten das Ganze eigensinnig mit einem Gebot wie „Sie sollen ihre Kopftücher bis zu deren Kragen bedecken“, in dem sie auch das Wort „felyedribne“ als „sie sollen bedecken“ frei übersetzen, also mehr interpretieren und schon gar nicht direkt übersetzen. Das sind ganz freie Übersetzungen und Interpretationen, die solche Irrtümer nach sich ziehen.

 

Diese traditionellen Islam-Auslegungen schaffen für den politisierten Glauben einen festen Boden. Sie interpretieren dasselbe Wort, welches aus dem Wort „darabe“ stammt, als „sie sollen ihren Kopf bedecken“, wobei sie dasselbe Wort, in einer anderen Sure im Zusammenhang „Ihr sollt eure Frauen schlagen“ (siehe: Sure Nisa, Vers 34) verwenden. Um es auf den Punkt zu bringen: Obwohl die Originalausgabe des Korans keinen Bezug auf das Kopftuch nimmt, wird dieses zum identitätsstiftenden Symbol für traditionelle und politisierte Islam-Anhängerinnen und Anhänger. Als solches steht es immer wieder im Zentrum von Islam-Diskussionen, nicht nur in der Türkei, sondern mittlerweile vermehrt auch in Österreich und anderen europäischen Ländern. Dabei wird nicht über die wahre, im Koran festgeschriebene Religion Islam debattiert, sondern über eine Religion, die sich als Folge des politisierten Glaubens der traditionellen Nahostkultur begreifen lässt. Sie hat ihren Ursprung in der sumerischen, jüdischen und christlichen Kultur.

 

Eigentlich hat das Wort „Kopftuch“ in der Bibel seine Wurzeln (vgl. Pentateuch und Paulus, 1. Brief an die Korinther): Im Alten und Neuen Testament wird das Kopftuch nicht nur erwähnt, sondern das Tragen des Kopftuchs wird sogar als Pflicht für die Frauen beschrieben. So heißt es etwa im Brief von Paulus an die Korinther: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet, aber dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dabei in keinster Weise von der Geschorenen. Wenn eine Frau das Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen, aber es ist eine Schande, sich die Haare abzuschneiden oder gar sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich eben verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, denn er ist ein Abbild und Abglanz Gottes, aber der Mann stammt nicht von der Frau ab, sondern die Frau vom Mann“. Übrigens gelten diese Soll-Anweisungen des Apostels Paulus nur für den Gottesdienst. In der Korintherbrief-Stelle ist keine Rede vom Alltag.

 

Über den Hl. Paulus haben wir viel geschrieben. Über unseren lieben Landsmann aus Tarsus in der Türkei. Ohne Paulus zu verstehen, kann man auch den manipulierten Koranischen Islam nicht verstehen. Er ist einer der wichtigsten Persönlichkeiten und Missionare der frühchristlichen Zeit. Die ersten Christen und Christinnen waren ja wie Paulus und auch Jesus Christus jüdischer Abstammung. Paulus übernahm kulturelle Aspekte aus seiner ehemaligen Religion, dem Judentum. Wenn wir im Alten Testament Gen 24,65 nachlesen, dann sehen wir, woher der kulturelle Aspekt „Verhüllung“ stammt und wie er in die christliche Religion Eingang fand: „Und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie (Rebekka) den Schleier und verhüllte sich“. Auch in Gen 38,14 wird über Schleier und Verhüllung geschrieben. Kurz: Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament kann man zur „Kopftuchpflicht während des Gebetes“ etwas lesen.

 

Das Kopftuch bei Paulus

 

Die Bibelstelle im 1. Kor 11,2-16 lautet: „Ich erkenne es lobend an, dass ihr in allen Beziehungen meiner eingedenk seid und an den Weisungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. Ich möchte euch aber zu bedenken geben, dass das Haupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber der Mann, und das Haupt Christi ist Gott. Jeder Mann, der beim Beten oder bei erbaulichen Reden eine Kopfbedeckung trägt, entehrt sein Haupt; jede Frau dagegen, die mit unverhülltem Haupt betet oder erbauliche Reden hält, entehrt ihr Haupt; sie steht dann ja auf völlig gleicher Stufe mit einer Geschorenen. Denn wenn eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich auch scheren lassen; ist es aber für eine Frau schimpflich, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann dagegen darf das Haupt nicht verhüllt haben, weil er Gottes Ebenbild und Abglanz ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Der Mann stammt ja nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; auch ist der Mann ja nicht um der Frau Willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes Willen. Deshalb muss die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Haupte tragen, um der Engel Willen.“

 

Das Kopftuch im orthodoxen Judentum

 

Im orthodoxen Judentum bedecken heutzutage verheiratete Frauen ihre Haare aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch oder einer Perücke. Bereits die hebräische Bibel, also das Alte Testament sprach von einer Verschleierung der Frauen. So verschleierte sich Rebekka, die Frau Isaaks nach Gen. 24,51, Gen. 24,65: „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich….“. [Natürlich wird nach der modernen Bibelwissenschaft 1 Kor 11,5 teilweise als späterer Zusatz angesehen. Womit wiederum die Bibelexegeten das Heft in der Hand behalten würden. Wie gezeigt wurde, geht aber aus dem Alten und Neuen Testament klar hervor, dass Kopftuch, Schleier und Verhüllung nicht nur Empfehlungen waren, sondern (sittlich) verpflichtend vorgeschrieben wurden. Heutzutage wird das Kopftuch im Christentum fast nur noch in ländlichen Gegenden, insbesondere in orthodoxen Kirchen sowie von Frauen in mennonitischen bzw. täuferischen Gemeinschaften getragen.

 

Das Kopftuch als Mode und Tracht

 

Bis weit ins 20. Jahrhundert war es aber Sitte, dass in Österreich Frauen in der Kirche Kopftücher oder Hüte trugen. Je feierlicher, desto mehr Hüte, Kopftücher, Schleier und Goldhauben sieht man noch heute – egal bei welchem Anlass. Frauen lassen auch heute die Kopfbedeckung in einer katholischen Kirche auf, aber es ist eine Sitte, kein kirchliches Gebot (wenn es jemals eines war). Bei Papstmessen tragen Damen die sogenannte „Siziliana“, einen schwarzen Schleier über dem Haupthaar, seltener auch vor dem Gesicht.

 

Im Koran sucht man das Kopftuch vergeblich!

 

Während im Alten und Neuen Testament das Kopftuch verpflichtend vorgeschrieben wird, kommt im Koran nicht einmal das Wort Kopftuch vor, allenfalls das Tuch. Der Koran meint mit „Tuch“ aber kein Kopftuch, sondern ein Tuch, das den Frauen als Schmuck dienen und ihre sexuellen Körperstellen verhüllen soll (siehe die Suren, die wir in deutscher Sprache angegeben haben).

 

Das Kopftuch bei den Sumerern

 

In der Geschichte kommt das Kopftuch bereits erstmals bei den Sumerern und somit lange vor dem Judentum vor. Dies fand die die 96-jährige türkische Sumerologin und Historikerin Muazzez Ilmiye Cig heraus. Sie erforschte ihr Leben lang die Kultur und Geschichte der uralten mesopotamischen Zivilisationen. Die Sumerer waren ein mesopotamisch-südanatolisches Volk, das im 3. Jahrtausend v. Chr. lebte. Laut Prof. Cig waren die Sumerer die Ersten, die das Kopftuch als religiös-spirituelles Medium verwendeten.

 

Die heiligen Schriften: Thora, Bibel, Koran

 

Der Koran

Nun wollen wir ein bisschen tiefer auf die verschiedenen „heiligen Schriften“ eingehen und ausbreiten, inwiefern die heiligen Bücher und Schriften sich voneinander trennen und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Koran wird als die Heilige Schrift des Islams definiert, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes („Allah“) an den Propheten Mohammed (570/573-632), vermittelt durch den (Erz-)Engel Gabriel, enthält. Kurz und prägnant ausgedrückt, stellt der Koran für die Muslime das Wort Gottes dar. Die Offenbarungen, die Mohammed mündlich wiedergegeben hat, wurden von Schreibern aufgezeichnet und gesammelt. Allmählich wurden die Aufzeichnungen zu einem Buch zusammengefasst.

 

Die Bibel

Im Gegensatz zum Koran ist die Bibel eine Sammlung von 66 Büchern, die von verschiedenen Autoren beziehungsweise Redakteuren als Bericht bzw. Poesie verfasst und im Laufe der Jahrhunderte zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Sie wird in das Neue und das Alte Testament eingeteilt. Unter dem Begriff „Testament“ versteht man einen „Bund“, in dem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben wird. Die Bibel besteht zu cirka 75% aus Berichten, zu 15% aus Poesie und zu 10% aus Lehrtexten.

 

Das Alte Testament mit der Thora (Pentateuch oder fünf Bücher Mose)

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher, die in Kapitel und später in Verse eingeteilt wurden. Es wird sowohl von den Juden, als auch von den Christen als heilige Schrift betrachtet, d.h. dass sie direkt von Gott oder einem seiner Erzengel diktiert und/oder zumindest vom Heiligen Geist inspiriert, aber von verschiedenen Autoren geschrieben wurden. Das Alte Testament berichtet von der Erschaffung der Welt und von der Entstehung und Geschichte des Volkes Israel.

 

Das Neue Testament

Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern und versteht sich mit der Ankunft des Messias Jesus Christus als Antwort auf das Alte Testament. Es erzählt dessen außergewöhnliches Leben und berichtet von seinen Jüngern sowie von seinen frohen Botschaften, die allen Menschen gelten. Vier Bücher (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) bezeugen auf unterschiedliche Weise das Leben Jesu, seine Lehre, seine Wunder, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bis zur Himmelfahrt: Man nennt sie die „Evangelien“ (übersetzt „Gute Nachricht“ oder „Frohe Botschaft/Frohbotschaft“). Die darauffolgende Apostelgeschichte erzählt, wie die Jünger Jesu  die Auferstehung und die Himmelfahrt weitererzählen und diese Botschaft über das Römischen Reich bis zur heutigen Türkei (Kleinasien) verbreiten; sie berichtet von den Anfängen der christlichen Gemeinde, von Verfolgungen und ersten theologischen Problemen. Ein weiterer wesentlicher Teil sind die Briefe, besonders des Apostels Paulus. Das Neue Testament schließt mit der Johannes-Offenbarung, der sogenannten Apokalypse. Während die Juden auf Papyrusrollen schrieben, begannen die Christen, die Texte in Buchform zusammenzufassen, zu sogenannten Codizes.

 

Wichtig zu unterscheiden!

 

Wir müssen uns immer als Exegeten fragen, wer ist der Autor eines Textes? Wer diktierte den Text und wer schrieb ihn auf?

Dabei handelt es sich in den wenigsten Fällen um dieselbe Person.
Wir müssen hier sehen, dass der Koran direkt als Gotteswort konzipiert ist, das Alte und Neue Testament hingegen in Form von Berichten und Poesien verfasst ist. Wenn auch an vielen Stellen wiedergegeben wird, was Gott gesagt hat. Andere Stellen gelten als vom Heiligen Geist inspiriert. Die Offenbarung des Johannes wurde vom Erzengel Gabriel diktiert. Ein Vers in der Bibel ergibt nur dann einen Sinn, wenn er im Zusammenhang mit dem ganzen Text betrachtet wird. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn man die Bibel einfach an einer beliebigen Stelle aufschlägt. Natürlich sind manche Abschnitte der Bibel schwer zu verstehen, weil viele Jahrhunderte zwischen damals und heute vergangen sind und wir die beschriebenen Bräuche und das Umfeld als fremd empfinden. Auf der anderen Seite wurde der Koran, der aus 114 Kapitel („Suren“) und 6.243 Versen besteht und das Gotteswort wiedergibt, auf ein Ereignis hin offenbart, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen. Man muss den historischen Kontext kennen, um ihn richtig zu interpretieren. Man muss ihn mit den Gegebenheiten der Zeit sehen.

 

Wurde der Bibeltext verfälscht? Behauptet das der Koran?

Das evangelische „Institut für Islamfragen“ ist ein Netzwerk von Islamwissenschaftlern und wird von den Evangelischen Allianzen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz getragen. Frau Dr. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Prolog für uns sehr Interessante Aussagen: „Heute ist unter Muslimen die Auffassung, dass der Text der Bibel verfälscht worden ist, längst Allgemeingut. Man geht davon aus, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament ursprünglich wahre Offenbarungen Gottes waren, im Laufe der Zeit jedoch von Menschen verändert und verfälscht wurden. Andere Bezeichnungen von früher zu den Menschen gesandten Schriften sind präziser. So nennt der Koran sowohl die Tora (arab. taurâh) als auch das Evangelium (arab. Injîl, türk. Incil) beim Namen. Das Evangelium wird insgesamt zwölfmal im Koran erwähnt. Was meint allerdings der Koran mit dem Evangelium? Letztlich bleibt unklar, ob er damit vor allem die Erzählungen von Jesus meint oder eines der vier Evangelien, alle vier Evangelien zusammen oder etwa das ganze Neue Testament. Interessanterweise wird im Koran der Wert früher überlieferter Bücher wie auch des überlieferten Evangeliums zu Beginn von Muhammads Offenbarungen nirgends grundsätzlich in Frage gestellt, sondern vielmehr positiv hervorgehoben. Erst später taucht im Koran der pauschale Vorwurf der Schriftverfälschung auf.“

 

Schirrmacher erzählt weiter: „Die vor Muhammad und mit Muhammad gesandten Schriften widersprechen sich nach Auffassung des Korans eigentlich nicht, sondern bestätigen sich vielmehr gegenseitig. Jeder Prophet, der in der Geschichte mit einer Offenbarung Gottes zu seinem Volk gesandt wurde, bestätigt die Botschaft seiner Vorgänger, da die Botschaft Gottes sich niemals ändern kann. So bestätigte Jesus die Sendung von Noah, Abraham und Moses, und Muhammad bestätigt die Botschaft Jesu. Deutlich hebt der Koran hervor, dass das Evangelium wie zuvor die Tora von Gott zur Rechtsleitung der Menschen gesandt worden ist: „Er hat auch die Tora und das Evangelium gesandt, früher, als Rechtsleitung für die Menschen“ (3,3-4). Besonders positiv über den Wert des Evangeliums, das „Rechtsleitung“ und „Licht“ enthält, äußert sich Sure 5,46: „Und wir ließen nach ihnen her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was vor ihm da war, nämlich die Tora. Und wir gaben ihm das Evangelium, das Rechtsleitung und Licht enthält und das bestätigt, was vor ihm da war, nämlich die Tora, und als Rechtsleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen“ (5,46). Zunächst spricht der Koran nirgends davon, dass die Offenbarungen des Alten und Neuen Testamentes (oder: wie der Koran sagt, der Tora und des Evangeliums) grundsätzlich überholt oder vom Koran abgelöst worden seien“. Soweit Schirrmacher.

 

Das Kopftuch: Wozu diente es in der Geschichte? Wozu dient es heute?

Jetzt kehren wir zurück zum Thema Kopftuch, und diesmal im Bezug auf dessen Funktionalität und historischen Aspekte. Wir fragen uns, was das Kopftuch ist, wozu es dient, seit wann das Kopftuch getragen wird, und inwiefern das Tragen eines Kopftuches eine religiöse, spirituelle oder gesellschaftliche Konvention ist, und wie sich dieses Phänomen im Laufe der Zeit verändert hat, sodass es zu einer der zentralen Fragen bezüglich Religionsfreiheit und Frauenrechte entwickelt geworden ist.

Frau Prof. Cig beschrieb folgende Bedeutungen des Kopftuchs: „In der polytheistischen Religion der Sumerer war es eine heilige Ehre für willige Frauen (gemeint sind Tempelhuren, Anm.), zu den Göttern in ihren Tempeln zu beten und zu danken, indem sie als Braut der Götter zu einer ‚öffentlichen Frau‘ wurden. Damit man sie von anderen Beterinnen unterscheiden konnte, mussten sie ihren Kopf bedecken. Viel später – erst ca. 1600 v. Chr. – führte ein assyrischer König die Kopfbedeckung auch für verheiratete und verwitwete Frauen ein. So bekamen diese Frauen den gleichen Status wie die ‚öffentlichen Frauen‘, die legal Geschlechtsverkehr haben durften. Später übernahmen diese Tradition die Juden, und danach die Muslime von den Juden.“ Laut Cig, die viele Werke zum Thema schrieb, tauchte auch der Turban zum ersten Mal bei den Sumerern auf. Er sei später vom Judentum, Christentum und danach von der arabischer Kultur und somit von Islam übernommen worden. Frau Cig betonte, dass der Turban eigentlich nichts anderes sei, als eine sumerische Tradition, die später eine enorme göttliche Bedeutung erlangt habe.

 

Im Folgenden ein paar Ausschnitte aus einem Interview mit Frau Muazzez Ilmiye Cig: 

Frage: „Sehr geehrte Frau Cig, bitte klären Sie uns einmal über das viel umstrittene Thema auf: Wer bei den Sumerern hat sich wieso bedeckt?“ 



 

Cig: Bei den Sumerern hatte jeder Gott ein eigenes Haus, sozusagen einen Tempel. In diesen Tempeln beteten die Menschen ihre Götter an. Es war allerdings nicht vorgeschrieben, was sie für die Götter tun sollten. Alle definierten die Art zu beten für sich selbst und praktizierten ihr eigenes Gebet.

 

Frage: „Waren diese Tempel also eine Art ‚Häuser eigenen Gewissens‘?“

 

Cig: Genau, diese Tempel waren Orte, wo Menschen mit ihrem Gewissen alleine bleiben konnten. Sie waren in ihren Gebeten freier als in den heutigen Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Sie sangen oder tanzten, um die Götter zufriedenzustellen. Unter den Betern waren auch Ordensfrauen. Manche von ihnen wurden eben zu diesen ‚öffentlichen Frauen‘.

 

Frage: „Was bedeutet das Wort ‚öffentliche Frau‘ genau?“ 



 

Cig: Das waren die Frauen, die die Aufgabe hatten, Geschlechtsverkehr zu praktizieren [alternativer Begriff: Tempelhuren, Anm.], aber sie waren keine Prostituierten, denn sie verlangten kein Geld. In den Tempeln gab es sogenannte Liebesräume, wo die öffentlichen Frauen den Jugendlichen Sexpraktika beibrachten. Im Gilgamesch-Epos gibt es eindeutige Hinweise darauf. Um dem Mann, der im Wald unter Tieren aufgewachsen ist, Menschlichkeit beizubringen, wurde eine Ordensfrau aus einem Tempel bestellt und sie lehrte ihm, wie man spricht, isst und Geschlechtsverkehr hat. Diese öffentlichen Frauen wurden bei den Sumerern als weise Lehrerinnen betrachtet. Während sie dieser heiligen Aufgabe nachgingen, opferten sie sich vollständig im Namen der Götter auf. Eigentlich war die Jungfräulichkeit bei den Sumerern schon ein Thema. Die Tatsache, dass die öffentlichen Frauen trotzdem Geschlechtsverkehr haben durften, zeigt, wie heilig diese Aufgabe wirklich war.

 

Frage: „Woher weiß man, dass die Jungfräulichkeit ein Thema war?“

 

Cig: Laut alter Tafeln [Tontäfelchen mit Schriftzeichen oder Gesetzestafeln, Anm.] bekam eine Frau, die vor der Heirat als Jungfrau galt, bei der Scheidung Schadenersatz.

 

Frage: „Warum trugen die ‚öffentlichen Frauen‘ ein Kopftuch?“



 

Cig: Damit man sie von anderen Ordensfrauen in den Tempeln unterscheiden konnte. Zum Beispiel trugen die Prostituierten auch kein Kopftuch. Das ist das spezielle Symbol der öffentlichen Frauen in den Tempeln und somit das erste Kopftuch in der Geschichte.

 

Frage: „Wie ging es dann weiter?“

 

Cig: Viel später führten die Assyrer im 16. Jahrhundert vor Christus plötzlich die Kopfbedeckung für verheiratete und verwitwete Frauen ein. Der Sinn dahinter war, dass man zeigen wollte, dass auch diese Frauen legalen Geschlechtsverkehr haben.

 

Frage: „Heißt das, dass eine Frau mit Kopftuch sich als Nichtjungfrau geoutet hat?“



 

Cig: Ja, ganz genau! Aber viele Gläubige missverstehen diese Tatsache. Sie denken, ich würde behaupten, dass die Prostituierten das erste Kopftuch in der Geschichte getragen hätten. Aber weder die öffentlichen Frauen bei den Sumerern noch die verheirateten und verwitweten Frauen bei den Assyrern waren Prostituierte.

 

Frage: „Also diente das Kopftuch einer Frau eigentlich schon vor tausenden Jahren, das heißt vor dem Islam bzw. Judentum und Christentum, einfach dazu, ihren Status zu zeigen?“

 

Cig: Das ist auf den Punkt genau, was ich sagen möchte. Sogar nicht ich, sondern die Geschichte sagt das. Weder ergänze ich die Tatsachen, noch interpretiere ich sie. Ich erzähle nur die wissenschaftlichen Fakten.

 

Das Kopftuch: eine alte Tradition



 

Also, wie man sieht, ist das Tragen eines Kopftuches eine ganz alte Tradition des Mittleren Ostens und des mesopotamischen Raums. Was die Verhüllung und das Tuch im Islam betrifft, ist es reine Interpretationssache, wie man die oben erwähnte Sure „Nur“ auslegt. Viele Hermeneutiker, aber auch viele Theologen, sind der Meinung, dass mit dem Bedecken von „Scham“ und „Schmuck“ Geschlechtsorgane, Busen etc. gemeint sind, und es gibt weder direkt, noch indirekt einen Hinweis darauf, dass der Kopf der Frau mit einem Tuch voll verschleiert werden soll. 

Im geschichtlichen Verlauf wurden aber in fast allen Religionen einige sittliche und gesellschaftliche Konventionen in das heilige Wort Gottes hineininterpretiert. Dadurch blieben gewisse gesellschaftliche Rollen und Positionen und damit Machtverhältnisse erhalten. Es stimmt allerdings nachdenklich, dass sehr alte Auslegungen und Interpretationen, sowie die Interpretationswahrnehmung dritter Personen, die sich mit dem Thema nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, heute zu ungerechtfertigten Belästigungen und politischer Instrumentalisierung führen und in Gestalt der „Kopftuchdebatte“ ein gesellschaftspolitisches Problem konstruieren.

 

Quellen: Der Koran, Die Bücher der größte islamischer Denker des 20. Jahrhunderts, Muhammed Iqbal (gestorben 1938) ) und Die Bücher von Prof. Dr. Yasar Öztürk, Hasan Hanefi ( Agathen), Ali Seitab ( Iran), Mehmet Akif ( Türkei) , Muhammed Abid El  Cabiri( Marakko), Dozent Dr. Mustafa Sag., Enfa, Deutsche Bibelgesellgeschaft

31 Aug
By: Redaktion 0

Kulturkampfbegriff: Jüdisch-christliche Erbe

In aller Freundschaft und mit allem gebührenden Respekt empfehlen wir den Kampfbegriff „Christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“ insbesondere wenn es ummuslimische Themen bz. Islam geht,  nicht zu verwenden. Warum?

Der Journalist und Publizist Heribert Prantl in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei“ .(1) Der Kulturkampfbegriff der „christlich-jüdischen Tradition“ des Abendlandes klingt nüchtern betrachtet und untersucht wie  eine Farce die man gerne verwendet! Die römisch-katholische Kirche verwendet es fast nicht aber der niederländischer rechtspopulist Geert Wilders Geerd Wilders immer . Warum?

Eine Analyse von Birol Kilic

Es ist sehr bedenklich, wenn sich auch Geerd Wilders in der Hofburg am 27.03.2015 auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft und dagegen den Islam und seine Angehörigen (1, 3 Milliarden Menschen) pauschal stigmatisiert und diffamiert. Nach Hetze gegen Arbeitsmigranten aus Bulgarien, Rumänien und Polen nannten ihn Politiker und Intellektuelle in den Niederlanden einen Brandstifter.
Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce die auch Niederwimmer verwendet!

„Missbrauch der Juden durch die Politik

Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt:

„Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.So innig wie heute war die Beziehung zwischen Christen und Juden in Deutschland noch nie. Die neue Innigkeit ist nicht von Theologen und Pastoralklerikern ausgerufen worden, sondern von Politikern. Im Jahr 2010 nach der Reichspogromnacht haben sie etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift, sondern den Triumph des Neuen über das Alte Testament gepredigt. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wird eine neue Kategorisierung der Minderheiten propagiert (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin): in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Weil aber dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum beachtet wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“

Eine Erfindung der europäischen Moderne ?

Es können viele historische Beispiele angeführt werden, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen.

Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

Im Jahre  2010 schrieb Henryk M. Broder im Bindestrich zwischen christlich und jüdisch folgendes:  „Vor allem eine Geschichte der Glaubenskriege, der Unterdrückung, des Antisemitismus und der Gewalt, vom Holocaust zu schweigen“.

 

„Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen,“ sagte Björn Höcke bei einer Tagung der AfD-Jugend.

Hört auf mit dieser Lebenslüge!

Alan Posener schreibt in der Welt mit dem Titel, „Hört auf mit dieser Lebenslüge!“ folgendes: „Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte einmal, der Musiker Roberto Blanco sei „ein ganz wunderbarer Neger“, im Gegensatz zu den Flüchtlingen aus Afrika. Und die meisten Deutschen haben ein paar ganz wunderbare Juden im Kopf, vom sanften Jesus aus Nazareth über den weisen Moses Mendelssohn bis hin zum genialen Albert Einstein. Das Ganze umsäuselt von den Klezmerklängen eines Giora Feidman, die das ewige Leid der Juden klagen. Mit Juden, die nicht sanft, weise oder genial sind und eher mit der Uzi als mit der Klarinette umgehen, hat man es weniger, gerade in kirchlichen Kreisen, wo man sich dann doch lieber auf die ewig leidenden Palästinenser stürzt und zum Israel-Boykott aufruft.“

Auch Thilo Sarrazin erträumte sich ein paar wunderbare Juden. Die Türken, sagte er, würden Deutschland erobern „wie die Kosovaren das Kosovo“.
Er fügte hinzu: „Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ Eine Zahl, die Sarrazin – zusammen mit dem dafür zuständigen „jüdischen Gen“ – frei erfand.
Als es in Berlin und Wien noch eine erkleckliche Anzahl osteuropäischer Juden gab, also bevor die Deutschen und Österreicher sich ihrer entledigten, betrachtete man diese „Kaftanjuden“ so wie Sarrazin heute die Türken und Araber: als „Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren“ und nicht dazugehören. Oder wie der assimilierte – und trotzdem später ermordete – Deutsch-Jude Walther Rathenau 1897 schrieb: „Inmitten deutschen Lebens ein abgesondert fremdartiger Menschenstamm. Auf märkischem Sand eine asiatische Horde.“ (1.1)
Betrachten wir die wirkliche Geschichte der wirklichen Juden in Europa. 1900 lebten auf dem Kontinent fast neun Millionen Juden, weit mehr als die Hälfte von ihnen in Polen und dem Russischen Reich, weitere zwei Millionen in angrenzenden ost- und südosteuropäischen Ländern. Das war Rathenaus „asiatische Horde“ als  assimilierter Deutschjude. Die Vorfahren dieser Menschen waren im zwölften Jahrhundert aus ihrer deutschen Heimat an Rhein und Donau hierher geflohen, um den mordenden Kreuzfahrern zu entkommen laut Rheinländischer Theorie. Oder hat der Deutsch-Jude  die Kharische Theorie gemeint die man als Verschwörungstheorie immer wieder abqualifiziert.
Sie brachten ihre eigene Sprache, das Jiddische, ihre eigene Religion, ihre eigene Kleidung, ihre eigenen Sitten und Gebräuche mit und verweigerten sich sieben Jahrhunderte lang der Assimilation. Sie hatten ihre eigene Verwaltung, ihre eigene Gerichtsbarkeit, ihre eigenen Schulen, in denen die Jungen die Thora studierten. Sie lebten zwar körperlich im Schtetl, seelisch aber in Jerusalem.
Zwischen dem großen Pogrom von 1871 in Odessa und 1914 flüchtete ein Drittel dieser Juden nach Westen. Ohne diese Ostjuden wären die jüdischen Gemeinden Amerikas niemals so stark geworden. Andere wandten sich revolutionärer Politik zu und wurden Sozialdemokraten, Kommunisten, Anarchisten oder Zionisten.
Der Österreicher Theodor Herzl wird zwar als Begründer des modernen Zionismus gefeiert, doch stellten Ostjuden die Masse der Auswanderer und ihrer Funktionäre. Ohne das Schtetl gäbe es Israel nicht. Und hätte es je die „christlich-jüdische“ Gemeinsamkeit gegeben, die für Wulff, Seehofer oder Merkel „zweifelsfrei“ und „unbestreitbar“ ist, wäre der Zionismus auch nicht nötig gewesen.

Ist diese zur Floskel geronnene Lebenslüge ärgerlich genug, so ist ihre Verwendung im Kontext der Zuwanderungsdebatte geradezu perfide. 2010 erklärten FDP-Politiker wie Christian Lindner und Marco Buschmann in ihren „Sechs Thesen für ein republikanisches Integrationsleitbild“: „Die Formel vom christlich-jüdischen Abendland“ könne „als Ausgrenzungsformel missverstanden werden“ und könne daher „kein integratives Leitbild sein“

Man mag die Bindestrich-Floskel als eine Art Rückversicherung gegen den Rückfall in den Antisemitismus. Wird sie aber verwendet, um zu begründen, warum „der Islam nicht zu Europa gehört“, so werden die Juden – ohne dass man sie fragt – für einen Zweck vereinnahmt, der ihnen allzu bekannt vorkommt: die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religion.
Die wenigsten Juden dürften diese Instrumentalisierung billigen.
Wie sagte Erich Kästner: „
Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, /
Von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken
.“

Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht

Aus jüdischer Sicht muss es wie ein Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von christlich-jüdischer Tradition sprechen. Der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung christlich-jüdisch ebenso ab:Sicher teilen Juden und Christen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch ganz nett, wenn Politiker weniger bedenkenlos von den ‚christlichen Zehn Geboten’ reden würden als in der Vergangenheit. Doch 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Christen haben ihn jahrhundertelang ignoriert, verfemt und immer wieder verboten. Jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen belegt: Dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töten und zu Mazze-Broten verarbeiten und an Pessach genüsslich verspeisen.“

Judensau: Außenfassade der Stadtkirche zu  Wittenbberg!

An der südlichen Außenfassade der Stadtkirche zu  Wittenbberg, die als Mutterkirche der Reformation gilt, ist eine sogenannte „Judensau“ zu sehen. Das Spottrelief zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut. Mehrere Juden saugen zudem an den Zitzen des Tieres. Das Bild ist ein bösartiger Angriff auf die Juden und ihren Glauben.

Stürmer-Chef Julius Streicher : „An meiner Stelle  könnte  auch Martin Luther vor dem Tribunal sitzen!“

1988 wurde im Auftrag der Stadtkirchengemeinde unterhalb der Darstellung eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen. Sie soll auf die historischen Folgen des Judenhasses aufmerksam zu machen.Wissenschaftler unterscheiden zwischen dem religiös motivierten Judenhass des Mittelalters und dem modernen, von einer biologischen Rassentheorie geprägten Antisemitismus aus dem 19. Jahrhundert.Auf den konnten sich Nationalsozialisten und Deutsche Christen berufen. Kein Zufall, dass ein Thüringer Landesbischof 1938 darauf hinwies, dass die Synagogen in der Nacht auf den 10. November, also Luthers Geburtstag, brannten. Und Julius Streicher, Herausgeber der Hetzschrift „Der Stürmer“, versuchte sich bei denNürnberger Prozessen damit zu rechtfertigten, dass an seiner Stelle auch Martin Luther vor dem Tribunal hätte stehen können.(2)

Martin Luther war ohne jeden Zweifel ein theologisches und sprachschöpferisches Genie sowie ein bedeutender politischer Denker, eine Figur von welthistorischer Wucht wie nur wenige seinesgleichen. Dass der von ihm immer wieder stark gemachte Gegensatz von »Evangelium und Gesetz« – hier die in Christus widerfahrene Gnade, dort die Härte der in der Tora angedrohten Weisungen – den christlichen Antijudaismus weiter verstärkte und zuspitzte, wird dadurch, dass er in einer frühen Schrift feststellte, dass Jesus ein geborener Jude war, keineswegs gemildert. (3)

Zentralrat der Juden in Deutschland: Jüdisch-christliche Erbe?

Österreich-Mit Verlaub: Welche „christlich-jüdischen Erbe bzw. Tradition“?

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands. So kann man auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland Folgendes lesen: Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt. Jüdisch-christliche Erbe in Deutschland. Nein! Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.“

Quellen:

(1) „Die Grünen und das Ende der freien Gesellschaft“
http://diepresse.com/home/5260288/

(1.1)  Walter Rathenau
http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/geschichte/rathenau/index.html

https://www.welt.de/sonderthemen/luther-2017/article159060014/Traegt-Martin-Luther-eine-Mitschuld-am-Voelkermord.html

(3)
29 Aug
By: Redaktion 0

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“. Jetzt als Buch… 24 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, ca. 800 Seiten, 40 Abbildungen. Die Präsentation in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften stattgefunden.

„Dieser Sammelband leistet einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der inzwischen höchst emotionalisierten Debatte über das Verhältnis zwischen dem historischen „Orient“ und der Habsburgermonarchie, aber auch dem Verhältnis Österreichs vor und nach 1918 mit dem Osmanischen Reich bzw. der Türkei bis herauf in die 1960er-Jahre. Ein wissenschaftlich geprägter nüchterner Blick auf die historischen Wechselbeziehungen ist gerade aufgrund der aktuellen Funktionalisierung der Geschichte zwischen „Orient“ und „Okzident“ eine wichtiger Beitrag zu einer demokratischen und aufgeklärten Bildungsarbeit in der Gegenwart.“

Univ.-Prof. Dr. Dr. Oliver Rathkolb
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen!“

Prof. Dr. Arnold Suppan
Österreichische Akademie der Wissenschaften

„Der vorliegende Band positioniert sich innerhalb der neueren historiographischen Sichtweisen auf die Beziehungen zwischen Orient und Okzident: Thematisiert werden nicht nur kriegerische Konflikte, sondern beispielhafte Tiefenbohrungen beleuchten zahlreiche Aspekte eines vielfältigen Austausches. Anregend, breit angelegt und damit ein Buch für all jene, die sich fundiert über dieses besondere Verhältnis informieren wollen.“

Prof. Dr. Arno Strohmeyer
Universität Salzburg

 

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“

von Birol Kilic / Verleger

Es ist für unseren Neue Welt Verlag mit Sitz in Wien eine große Freude, dieses Buch mit 24 Top-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (23 Aufsätze) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen als auch Freischaffenden verschiedenster Fachbereiche zu verlegen.

Eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die hier versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

Mit großer Anerkennung schaue ich auf den Fleiß der Autorenschaft, die ein umfangreiches archivalisches Datenmaterial und zahlreiche literarische Quellen in 23 Aufsätzen wissenschaftlich auswertete. Man kann schon jetzt sagen, dass dieser Sammelband auf allen Ebenen großes Interesse finden wird! Das Buch wird eine sehr wichtige und zukunftsweisende Quelle für Akademikerinnen und Akademiker, Kulturinteressierte, Journalistinnen und Journalisten sowie für Medien und Politik sowohl heute und als auch in Zukunft sein.

Die Autorinnen und Autoren wurden bewusst interdisziplinär ausgesucht, die Forschungsbereiche sind bunt gemischt. Iranistik, Musikwissenschaft, Afrikawissenschaft, Palästinaforschung und Orientalistik kommen in diesem breit angelegten Sammelband ebenso zur Geltung wie Geschichte, Byzantinistik, Sozialanthropologie, Vexillologie (Fahnen- und Flaggenkunde), Wirtschaftsgeschichte, Osmanisches Reich oder Südosteuropa, die Habsburgermonarchie…
Der vierte Band unserer jungen Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident““ zeigt Begegnungen und Wahrnehmungen von Menschen aus fünf Jahrhunderten in diesen weit gefassten und sich überlappenden Räumen ‒ hier mit dem Fokus auf das Osmanische Reich bzw. die Republik Türkei und die Österreichisch-
Ungarische Monarchie bzw. die Republik Österreich ‒, ohne die Krisen, Kämpfe und Schwierigkeiten dieses immer höchst brisanten und spannenden Beziehungsgeflechts auszuklammern.

Allerdings basieren die diplomatischen Beziehungen der Republik Österreich mit der modernen Türkei auf einer langen Tradition des Austausches zwischen dem Römischen Reich und der Hohen Pforte.

Im Jahr 1998, also vor rund 18 Jahren, schrieb ich für das Österreichische Bundeskanzleramt im Auftrag des Österreichischen Bundespressedienstes den Aufsatz „Das Österreichbild in der Türkei“. Er wurde in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Englisch über österreichische Botschafterinnen und Botschafter in der ganzen Welt verteilt. Heute leben in Österreich ca. 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln, davon sind ca. 180.000 österreichische Staatsbürger. Im Zuge des Wirtschaftswunders kamen sie nach Österreich.

Sie und ihre Nachkommen sind mit Stand 2016 sowohl als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, Unternehmerinnen und Unternehmer (ca. 14.000), als Anwälte ebenso wie auch in der Kunst und der Wissenschaft, davon ca. 3.500 als Studentinnen und Studenten, tätig. Die große Mehrheit sehen Österreich als ihre liebe „Neue Heimat“ (trk. Yeni Vatan) und verstehen sich vor allem als säkulare Verfassungspatrioten. Die Mehrheit der Österreicher hat auch gelernt, in seinen ausländischen Mitmenschen nicht das Trennende, sondern das Verbindende zu sehen und sie zu schätzen.

Wir wissen aber auch, dass die Intoleranten ‒ ich meine hier alle ‒ für ihr de facto außer oder an der Grenze des Verfassungsbogens liegendes Verhalten und ihre Bewegungen Toleranz einfordern. Hier sollte durch Wissen, Erfahrung und Weitblick die Spreu vom Weizen getrennt werden, wofür wiederum eine sachliche, belegbare und objektive wissenschaftliche Forschung notwendig ist. Das wollen wir mit dem Buch „Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ mit viel Liebe, Mühe und Geduld auf ca. 800 Seiten zeigen.

Mein Artikel begann damals mit einem türkischen Sprichwort über Kaffee, denn auch wenn es banal scheinen mag, die Parallelen zwischen diesen doch so unterschiedlich wirkenden Ländern lassen sich, vielleicht sogar insbesondere, in der Kaffeekultur finden. „Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre“, sagt ein türkisches Sprichwort, das im Original so klingt: „Bir fincan kahvenin kırk yıl hatırı vardır“. Das Verstehen der Menschen untereinander beginnt mit gutem Zuhören ‒ und wo lässt es sich besser reden, als bei einer Tasse dampfenden Kaffees?

Wer in Wien auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist auch die Besonderheit der Institution des auch in der Türkei geschätzten österreichischen Kaffeehauses, wie man es detailgetreu nachgebaut in der Innenstadt von Istanbul findet. Man serviert dort echten Wiener Kaffee und frische Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits allgemein „Melange“. Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt…

 

Die Beziehung zwischen Österreich und der Türkei hat sich seit 1998 mit vielen Höhen und Tiefen unglaublich verändert. Wir könnten heute sehr viele negative Ereignisse vermerken. Das war auch in der Vergangenheit so. Dabei darf man diese beiden Länder nie unterschätzen. Es heißt gespannt zu bleiben, die Ereignisse mit Verstand und Vernunft mitzuverfolgen und sich zuverlässig ohne Opportinusmus auszutauschen.

Als Österreicher mit türkischen Wurzeln versuche ich ‒ bereits seit über einem Vierteljahrhundert ‒, eine verbindende und tragfähige Brücke zwischen Österreich und der Türkei zu bauen. Das ist eine große Herausforderung. Ich glaube aber, dass es mit vernünftiger und verständlicher Aufklärung möglich ist. Obwohl immer wieder Höhen und Tiefen zu überwinden sind, werden wir auch in Zukunft diesen, vom interkulturellen Dialog und der Mitmenschlichkeit vorgezeichneten Weg gehen!

Sind in den letzten Jahren nicht genügend Aufsätze und Bücher über den Nahen Osten und seine Geschichte geschrieben worden? Diese Frage versuchte ich im Jahre 2012 bei der Präsentation des Buches „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ im Palais Eschenbach zu beantworten und skizzierte bei dieser Gelegenheit kurz meinen Traum, Brücken zwischen dem Orient und dem Okzident zu schlagen.

2012 war eine Zeit, wo wir als aus der Türkei stammende Österreicherinnen und Österreicher bereits ahnen konnten, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird. Dafür muss man kein Hellseher sein, sondern man benötigt ein tiefes Wissen und Erfahrungen über den Orient und den Okzident. Wir haben die Entwicklungen im Nahen Osten mit den westlichen und östlichen Interventionen, Stellvertreterkriegen und den hybriden Kriegstaktiken, die sich weit vom Völkerrecht entfernt haben, mitverfolgt.

 

Deswegen wollten wir ein umfangreiches Buch mit seriösen Personen aus der Wissenschaft herausgeben, das die Beziehungen und Begegnungen im kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und menschlichen Bereich beleuchten soll. Man wird daraus lernen, dass die Beziehungen zwischen dem christlichen Okzident und dem islamischen Orient nie in dieser oft kolportierten Distanz bestanden. Schaffen wir Fundamente für ein friedliches Zusammenleben! Wir sollten nicht das Trennende, sondern das Verbindende sehen und uns dies immer wieder in Erinnerung rufen!

Die jüngsten – leider sehr negativen und bestürzenden – internationalen und nationalen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass das Beziehungspaar „Orient und Okzident“ – mit seinen beiden als Gegensatz hingestellten, aber weit über Raumkategorien hinausgehenden Begriffen ‒ zum wichtigsten weltpolitischen Thema unserer Zeit geworden ist.

Die gegenwärtige Lage in der Türkei, dem Nahen Osten und dem arabischen Raum sowie die darauffolgenden Reaktionen in Europa und Österreich im Besonderen haben diese umfassende Thematik in all ihren Facetten wieder verstärkt in den Mittelpunkt der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit gerückt. Tagesaktuell werden die Themen „Terrorismus“, „Flucht“, „Migration“ und „Integration“ im Zusammenhang mit „dem Islam“ kontrovers und heftig diskutiert. Niemand kann sich dem entziehen und viele sind alleine schon mit den Tagesnachrichten zu Recht überfordert. Oft wird pauschalisiert und die Spreu vom Weizen absichtlich oder einfach aus Dummheit nicht getrennt. Oft zeugen die Diskussionen nicht nur von der Unfähigkeit, Antworten auf die brennendsten Fragen unserer Zeit zu finden, sie lassen auch historisches Hintergrundwissen außer Acht. Diesem Mangel an Wissen möchte der vorliegende Sammelband entgegenwirken.

Eigentlich währt ja die Begegnung länger als diese fünf Jahrhunderte. Denn wer heute eine Semmel isst, dazu in eine deftige Wurst beißt und das Ganze mit einem Krug Bier hinunterspült, mag sich fühlen wie ein typischer Österreicher oder Bayer. In Wahrheit stammen diese Lebensmittel alle aus dem alten Orient. Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. schenkten die Menschen, die zwischen Euphrat und Tigris oder in Ostanatolien wohnten, in ihren Kneipen sage und schreibe über 20 Sorten Gerstensaft aus!

 

Die Wurst ersannen Köche in Babylonien. Und wussten Sie, dass das Wort Semmel vom orientalischen Ausdruck „samidu“ (weißes Mehl) abgeleitet ist? Haben Sie gewusst, dass das Wort Joghurt eigentlich ein türkisches Wort ist? Die Grundbedeutung des Wortes ist „kneten“. Es ist bis heute eines der Hauptnahrungsmittel in der ausgezeichneten türkischen Küche und wird oft von den Hausfrauen selbst hergestellt.

Wie können wir als Neue Welt Verlag dazu beitragen, diese oft vermeintlich kulturellen Schranken zu überwinden, damit Hass, Vorurteile und Intoleranz endlich der Vergangenheit angehören? Dieser Herausforderung möchten wir uns stellen, auch wenn wir wissen, dass das nicht einfach ist.
Nach der Ideenentwicklung ist es in unermüdlicher wissenschaftlicher, redaktioneller, lektorieller und grafischer Detailarbeiten nun gelungen, gemeinsam mit unserem Herausgeberteam und allen Autorinnen und Autoren das Kind aus der Taufe zu heben!

Für einen Verlag bedeutet ein solches Projekt eine große Anstrengung ‒ in organisatorischer und finanzieller, in materieller und immaterieller Hinsicht. Umso mehr freut es uns, wenn das Werk geglückt ist, was nicht zuletzt auch Sie als Leserinnen und Leser entscheiden!

 

 

Kindheit und ein alter Traum (Istanbul, Hamburg, Zürich etc., Wien)

Sie werden sich fragen, was motiviert mich so sehr, diesen Verlag mit seiner spezifischen Verlagsphilosophie voranzutreiben?
Ich will darauf einfach antworten: Wer denn sonst kann so ein Projekt vorantreiben als ein Austro-Türke und austro-türkischer Verleger und Unternehmer, der in Istanbul, dem alten Konstantinopel, geboren ist?

Ich beziehe mich auf den Untertitel unseres neuen Buches: „Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ und möchte Ihnen aus persönlichen Erfahrungen diese Begriffe näher bringen.

Lassen Sie mich etwas weiter ausholen: Bereits als Kind wurde ich im alten Bezirk Sisli in Istanbul mit den Welten des Orients und des Okzidents vertraut, die für mich ganz normal und allgegenwärtig waren und sich zuerst als eine einzige Welt darstellten. Zuerst erstaunte es mich, dann verwirrte es mich, bis ich mich später immer tiefer mit der Geschichte und den komplizierten Zusammenhängen vertraut machte.

Bereits als Kind blickte ich zum Beispiel auf die uralte, über 30 Meter hohe Konstantins-Säule aus dem vierten Jahrhundert, die wie eh und je im Zentrum von Istanbul auf dem tief darunter liegenden Kaiserforum steht. Die Geschichte des ersten christlichen römischen Kaisers ist mir von Klein an vertraut, wenn ich die Zusammenhänge natürlich erst später verstanden habe.

Ich lief als kleines Kind besonders mit meiner Großmutter zu den historischen Stätten und zu den mit Leben und Mystik erfüllten Gotteshäusern: den alevitischen Cem-Häusern, den orthodoxen Kirchen, den muslimischen Moscheen, der jüdischen Synagoge. Wir sind dort überall hineingegangen. Es war ganz normal, sich das alles anzusehen und teilweise auch an den Gottesdiensten teilzunehmen.

Später ging meine Familie nach Hamburg und Kiel, also ganz in den Norden Deutschlands.

Ich muss sagen, dort hat es mir auch ganz gut gefallen. Umso mehr lernte ich die großen Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten kennen. In Istanbul war ich in einer sehr orthodox griechischen, kirchlichen Umgebung, mit vielen Ikonen geschmückt, wo ich mich auch als muslimisches Kind zuhause gefühlt habe. Dadurch war Hamburg, mit seinen leeren, protestantischen Kirchen sehr fremd für mich. Meine Wahrnehmung hat sich dadurch total verändert.

Auch Zürich in der Schweiz lernte ich kennen. Aber Wien hat mich dann doch am meisten angezogen und so bin ich nun begeisterter Wiener. In Wien fühle ich sowohl Okzident als auch Orient, Westen und Osten, Christentum und Islam.

Mittlerweile zum Österreicher geworden, verspüre ich auch hier in Wien viele byzantinische und konstantinische Elemente unter den vielen Kulturen, die das Stadtbild prägen und geprägt haben. Man denke nur an den Wiener Jugendstil, der Anleihen an der byzantinischen Kunst und der Kunst der Osmanen genommen hat. Gustav Klimt ließ sich vom byzantinischen Stil der Goldenen Stadt genauso inspirieren wie Otto Wagner, dessen Kirche am Steinhof zu den prächtigsten Architekturjuwelen Wiens zählt.

Ich habe mich schon sehr früh für das Christentum, dessen Wurzeln ja auch in der heutigen Türkei liegen, interessiert. Für den Propheten Jesus, für den Völkerapostel Paulus aus Tarsus (Antiochia/Antakya) und den Apostel Petrus und nicht zuletzt auch die Mutter von Jesus, Maria, die in Ephesus ein Heiligtum hat. Auch die vielen Konzile interessieren mich. Zu diesen interessanten Personen und Ereignissen veröffentlichte ich mehrere Artikel in verschiedenen Medien, was man von einem Muslim und gelernten Elektrotechniker sicherlich weniger erwarten würde.

Ich persönlich fühle mich einfach als ein Muslim – Austrotürkische Alevitische Moslem -, der sowohl sein „Muslim-Sein“ bewahren, als auch sich in der Gesellschaft positiv einbringen will. Ein spirituelles Leben zu führen, muss nicht ein Widerspruch zum modernen Leben sein. Wie Jesus sagt: „Man erkennt den Baum an seinen Früchten.“ Und genau das gilt hier auch: Egal welche Religion man hat, man kann und soll trotzdem „in der Welt“ leben, also sich den Problemen stellen und sich in die Gesellschaft einbringen.

Pax Austrīaca

Um hier friedlich jetzt und in Zukunft leben zu können, müssen wir die Vergangenheit verstehen, damit wir nicht immer wieder die gleichen Fehler machen. Und hier ist die Wissenschaft gefragt, die sich zur Wahrheit verpflichtet hat.

Suchen wir den Frieden: zuerst mit uns selber, und dann mit unserer Umgebung.

Dann können wir den Frieden für die Stadt, in der wir leben und für die Welt schrittweise erreichen. Wir nennen das die PAX AUSTRĪACA.

Österreich ist heute ein sehr kleines Land, aber es hat eine große Vergangenheit, die noch heute in vielen Dingen sichtbar ist, aber auch in der „österreichischen Idee“, die man über die Jahrhunderte bis zur europäischen Vereinigung bis auf den heutigen Tag nachverfolgen kann. Es gibt aber leider auch sehr schmerzliche Beipiele und es ist unsere Aufgabe, an diesen ebenso zu arbeiten.

„PAX“ bedeutet in der lateinischen Sprache, wie Sie alle wissen, „Frieden“. Und der Neue Welt Verlag versucht, mit seinen kleinen Möglichkeiten für die PAX AUSTRĪACA zuerst im Inland und dann weltweit – in dem kleinen Rahmen, den ein Verlag wie der unsere leisten kann – an der „PAX MUNDI“, oder besser gesagt „PAX ORBI“, zu arbeiten. Eine alte Weisheit sagt: Friede im Inland bedeutet auch Friede im Ausland! Auf diese Weise möchte ich eine Saat ausstreuen und wir alle hoffen, dass sie aufgeht und reiche Frucht trägt.

Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Das Leitmotiv des Verlags ist es, kulturelle Schranken zu überwinden, damit wir Hass und Intoleranz hinter uns lassen können. Und gerade für diese Ziele sind wir stetig auf der Suche nach Fachbüchern zu den Themen Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Religion, Wirtschaft und Migration. Als Verleger von Literatur und einem Monatsmagazin ist es mir ein Anliegen, kraft der Vernunft und des Glaubens, mit Verstand und vor allem gutem Willen – als auch fairem Kampfgeist – gegen Scheinheiligkeit und Falschheit aufzutreten. Mit unserem Team wollen wir die Begegnung und Kommunikation zwischen den Völkern und den Kulturen fördern und Vorurteile zwischen den Menschen abbauen helfen. Kurz gesagt: Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Wir glauben, dass wir in Zusammenarbeit mit den beiden Herausgebern und den weiteren 22 Autoren durch dieses neue Buch mit dem Titel „Orient und Okzident“ diesem Ziel, nämlich „geistige Brücken“ zu bauen, gerecht werden.

Das neue Buch ist bereits der vierte Band der Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident“ nachdem wir 2012 die Monographie „In Hoc Signo Vinces“ über den „Heiligen Konstantinischen Orden vom Heiligen Georg“ und 2014 den bildreichen Band „Die Roten Ritter“ herausgebracht haben. Ein weiterer Band beschäftigt sich mit dem Paltonismus, ebenso ein großes Thema, das den Orient mit dem Okzident verbindet.

Ein weiteres Buch des Neue Welt Verlags hat sehr große Resonanz gefunden: Das Buchprojekt „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ hat unser Team ebenso wie das heutige Buch gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf den Markt gebracht. Einige der damaligen Autoren haben auch an dem neuen Buch mitgeschrieben.

Um ein derartiges Projekt zu realisieren, braucht es außerdem vor allem eines: Eine große Liebe zur Wahrheit, da ohne Wahrheit die Liebe keine Existenzgrundlage haben kann. Die Grundlage der Wahrheit aber sind die Fakten und die Sorge, diese nicht zu manipulieren oder zu korrumpieren. Eine objektive Darstellung zu finden, sollte das Ethos und die Ehre jeder Wissenschaftlerin und jedes Wissenschaftlers sein. Ich bin darum umso stolzer, dass ich mit dem Buch „Orient & Okzident“ gegen die kursierende Doppel- bis Dreifach-Moral und allgegenwärtige Geschichtsverfälschungen ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann. Möge der Geist der Wahrheit die Wissenschaft erleuchten!

Meinen besonderen Dank spreche ich dem Herausgeberteam, Frau Barbara Haider-Wilson und Herrn Maximilian Graf, aus, die auch die redaktionelle Koordination übernommen haben. Auf die erfreuliche Zusammenarbeit blicke ich ebenso mit dem Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung des Neue Welt Verlags, Herrn Arno Tippow, zurück. Großzügig unterstützt haben das Projekt die Türkische Kulturgemeinde in Österreich und die „Yeni Vatan Gazetesi“ (Neue Heimat Zeitung ) in Wien. Allen 24 Autorinnen und Autoren, die wir namentlich mit ihren Kurzbiographien unten angeführt haben, spreche ich meine höchste Wertschätzung und Hochachtung aus und bedanke mich für die Geduld und Mühe, die sie bis zur Publikation in den letzten vier Jahren aufbringen mussten!
Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, eine genüssliche Lektüre und lade auch Sie zum vorurteilslosen Brückenbau zwischen den Kulturen und den Menschen ein!

Ein Traum wird Wirklichkeit… hoffentlich ‒ inşallah!

Birol Kilic,
Verleger, Neue Welt Verlag
Wien und Istanbul, 2017.

26 Apr
By: Redaktion 2 0

TKG: Türkei braucht keine religiöse Verfassung!



Wir sind tief besorgt über die Aussagen des Präsidenten, des türkischen Parlaments Herr Kahraman (AK Partei), bezüglich einer Forderung einer islamischen Verfassung, für die Türkei. Die Türkei braucht dringend eine Trennung von Religion und Politik. Die Türkei hat ein Problem mit Moral und Ethik weil die Religion für politische, wirtchaftliche und soziale Ziele missbraucht wird. Religion darf nicht dafür missbraucht werden um Gewalt zu legitimieren.

 

von Birol Kilic
Obmann der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich

 

Wir sind sehr besorgt über die Aussagen des Präsidenten, des türkischen Parlaments Herr Kahraman (AK Partei), bezüglich einer Forderung einer islamischen Verfassung, für die Türkei, mit der Aussage :
Wir sind ein muslimisches Land. Als Konsequenz müssen wir eine religiöse Verfassung haben. Das Wort „Allah“ taucht in der Verfassung kein einziges Mal auf. Säkularismus, Laizismus dürfe in der neuen Verfassung keine Rolle mehr spielen.

Wir können diese Aussage nicht akzeptieren.  Religion ist Privatsache, und der Staat hat in jeder Hinsicht neutral zu sein. Die Trennung von der Kirche, die Distanz zu Religionen und die Hinwendung zum Vernunftdenken sind die wichtigsten Errungenschaften des modernen Verfassungsstaates.  Die Türkei braucht dringend eine Nicht-Mischung von Religion und Politik. Die Türkei hat Moral und Ethik Problem weil die Religion für politische, wirtchaftliche, und soziale Ziele missbraucht wird.  Eine unmoralische Gesellschaft ist eine verdorbene Gesellschaft. Religion darf nicht dafür missbraucht werden, um Gewalt zu legitimieren.

Die EU ist kein christlicher Klub und die Türkei ist auch kein muslimisches Land, sondern eine Republik mit mehrheitlich muslimischen Staatsbürgern. Von den türkischen Staatsbürgern sind 70% sunnitische Muslime, 30% alevitische Muslime, 17.000 jüdische Staatsbürger und etwa 100.000 christliche türkische Staatsbürger, die seit Jahrtausenden in der Türkei leben.

In der Verfassung der, im Grunde tief katholischen, Republik Österreich steht auch nichts bezüglich Religion, Gott oder Jesus. Das Christentum ist nicht die Staatsreligion, sondern ein persönliches Bekenntnis der Bürger. So ist es auch in der Türkei und so soll es auch bleiben.

 

Die Türkei sollte eigentlich stolz sein die einzige mehrheitlich muslimische Bevölkerung zu sein, die in der Verfassung durch den Gründer der türkischen Republik Atatürk den Laizismus in der Verfassung als unantastbaren Punkt eingebracht hat. Laizismus bedeutet nicht, wie viele annehmen, Religion und weltliche Angelegenheiten voneinander zu trennen. Laizismus heißt, die Legitimation der Herrschenden, beziehungsweise Regierenden, nicht auf Gott oder Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes. Daher halten wir es, als türkische Kulturgemeinde in Österreich, nicht für möglich, dass sich die islamischen Gesellschaften demokratisieren können, ohne eine wirklich laizistische Verfassung in einer Republik verankert zu haben. Das Problem sei nicht der Laizismus, sondern die korrekte Anwendung des Laizismus.

Die Türkei ist in der Anwendung zur Zeit hundertprozentig keine laizistische Republik. Der in der Türkei in allen Bereichen stattfindende Religionsmissbrauch und Betrug im Namen Gottes, hat zu einem ethisch moralischen Verfall geführt durch den Millionen von Menschen unglücklich sind, obwohl das in Quellen des Korans verboten ist. Das passiert, weil die Türkei gerade ein Problem mit Moral und Ethik hat. Im Kapitel Lokman 33 (Enam 112, Araf 16, 17 genauso) zum Beispiel sagt Gott den Menschen, dass Er oder Sie dich im Namen Gottes („Allah“) verführen und betrügen können. Der umgekehrte Fall ist in der Türkei gerade durch den Vertreter des politisierten Glaubens salonfähig geworden. Hier besteht gerade ein brisanter Zustand, bei dem unter dem Vorwand Religion, den Namen Gottes in die Verfassung nehmen will. Diese verführen bzw. betrügen in seinem Namen und wollen das gegen den Willen Gottes in die Verfassung betonieren. Jeder mündige Bürger sollte die Sümpfe im Nahen Osten wie mehrheitlich muslimische Länder sehen, von denen immer behauptet wird religiös zu sein und in den Mündern die Worte Gottes zu tragen, aber in den Herzen heuchlerisch, scheinheilig, despotisch und unmoralisch sind. Das kann man nur durch eine starke demokratische, säkulare Verfassung schaffen und indem man alle religiösen Aussagen aus der Verfassung nimmt und alle Religiösen und nicht Religiösen mit einem Auge sieht und diese gleichwertig, mit Würde und Respekt, behandelt. So steht es auch, wenn richtig interpretiert wird, im Koran, wo man den wahren Islam gegenüber dem verfälschten Islam unterscheiden muss.

 

Die Türkei hat ein Moral und Ethik Problem. 

Wir alle haben uns bisher immer auf die Vorgehensweise der AKP Erdogan Regierung in der Türkei aus Österreich konzentriert.

Da sind wir nicht im Unrecht. Weil alles wurde immer schlimmer und alles wird weiterhin schlimmer.

Aber es gibt sehr viele Themen, die wir besprechen, diskutieren und für die wir, mit dem Einverständnis aller, Lösungen finden müssen, weil Österreich ein Hinterland der Türkei geworden ist.

Die Probleme bezüglich Moral und Ethik  in der Türkei sind so groß, dass auch ein Regierungswechsel allein diese nicht beheben kann.

Levent Gültekin ein früherer AKP Erdogan Unterstützer kritisiert seit Monaten AKP mit folgenden Gedanken, die ich hier aus dem Türkischen sinngemäß mit euch  teilen will:

Ein AKP Erdogan Staat, dessen Institutionen, Werte, Zusammenhalt der Bevölkerung und innerer Frieden derart gespalten und verwundet sind, kann auch mit einer neuen Regierung nicht all diese Probleme lösen und diesen bisher gegangenen Weg weiterverfolgen.

Vieles wurde  in der Türkei zerstört und infolgedessen Orte, an denen überall Menschen aus der Türkei  leben (siehe Deutschland und Österreich z.B.). Daher muss man die Probleme in der Türkei an deren Wurzeln behandeln, ein System einführen, in dem die Gleichstellung aller BürgerInnen gesichert ist und das Rücksicht auf die verschiedenen Schichten und Gruppen der Gesellschaft nimmt. Wir brauchen zudem eine ehrliche Politik in der Türkei und gegenüber der Türkei.

Zu aller erst müssen wir es einsehen, dass wir nach jahrelanger AKP Regierung in der Türkei keine Moral mehr haben. Einerseits schmerzt dies, andererseits ist es seltsam. Aber leider ist es die Wahrheit. Und wir sollten wissen, dass eine unmoralische Gesellschaft, eine verdorbene Gesellschaft ist. Wenn wir nicht verdorben sein wollen, müssen wir dieses Thema an die Tagesordnung bringen.  Und wir sollten nicht vergessen, dass wir, bevor wir die unmoralischen Handlungen der anderen verurteilen, unsere eigenen Handlungen überdenken sollten.

 

Der Grund der Verwüstung

Einer der wichtigsten Punkte ist, dass die gesellschaftlichen Moralvorstellungen in der Türkei zu Grunde gingen. Aber was ist denn die Moral?

Moral wird allgemein als die Verschiedenheit der Intentionen, Entscheidungen und Handlungen in Bezug auf Gut und Böse definiert. 

Es sind sogenannte Regeln, über die sich die Mitglieder der Gesellschaft einig sind oder sein sollten.

Und dann gibt es die Ethik: Die Regeln, die zur Unterscheidung von Richtig und Falsch dienen. Im Zentrum der Ethik steht das spezifisch moralische Handeln, insbesondere hinsichtlich seiner Begründbarkeit und Reflexion.

Der wichtigste Grund für die Verwüstung der Türkei ist der, dass wir keine konsensualen Moralvorstellungen und ethische Vorschriften mehr haben. Es ist seit 1980 sukzessiv verwüstet. Weil wir diese Vorstellungen und Regeln nicht deutlich festlegen konnten, weil wir den Staat nicht nach diesen Regeln ausrichten konnten, erleben wir derzeit eine schwerwiegende Verwüstung.

Nun können wir das klarer sehen, denn der Konkurs der AKP Erdogan Regierung, die mit der Behauptung von „überlegener Moral“ an die Macht kam, ist in dem Konkurs der gesamten Türkei gemündet. Wir können uns nicht der Verantwortung entziehen indem wir sagen „Die Religiösen sind in der Regierung. Sie sind verantwortlich für alles.“

Offensichtlich haben wir nicht das geistige Niveau erreicht, dass uns gewähren würde, die Unterschiede zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, Schön und Hässlich zu erkennen. Seit 2003 konnte die türkische AKP Erdogan Regierung seiner Funktionen in Hinblick auf Bildung, Anstand und Kultur nicht gerecht werden. Wir konnten keine „Menschen“ erziehen. Daher können wir auch keine Gesellschaft sein. 

Wir wurden in der Türkei zu einem verantwortungslosen, gewissenslosen, unachtsamen, besinnungslosen, vernachlässigenden und rauem Haufen, der sagt: „Die Schlange, die mich nicht angreift, soll 1000 Jahre leben.“ Dies ist ein türkisches Sprichwort. Original auf Türkisch lautet es: “Beni isirmayan yilan bin yil yaschasin”….

 

Unsere Vorstellung von Moral war ein Kontrollmechanismus, der vom Geschlecht und von der sexuellen Enthaltsamkeit ausgeht. Wir haben Züchtigkeit beziehungsweise Enthaltsamkeit mit Moral verwechselt. Wir sind so rückständig geworden, dass wir auch die Ehre als einen geschlechtsbedingten, sexuellen Begriff aufgefasst haben.

Aber das, was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist nicht das Geschlecht, sondern die Kultur. Wir haben die Moral nicht als etwas gesehen, was uns zu disziplinierten, professionellen, ehrbaren, stolzen, gerechten, aufgeklärten Menschen macht.

Eine Gesellschaft, in der die „Wir-Ihr“ Dichotomie  wie in der Türkei so zentral ist, in der Korruption und Lügen alltäglich geworden sind, kann keine fortschrittliche sein. Denn hier ist die Bereicherung des einen nur durch die Ausbeutung oder das Niedertreten anderer möglich.

Weshalb? Weil wir keine Moral haben. Keine Prinzipien. Keine Sitten. Keinen Verstand. Kein Bewusstsein, kein Gewissen, keinen Anstand, keine Höflichkeit und keine Würde.

Nichts ist übrig, was man als moralisch bezeichnen könnte.

Aber warum führt der Konkurs der Religiösen zum Konkurs der gesamten Türkei?

Die Geschichte der türkischen Republik ist die der Konflikte zweier Gesellschaftsschichten.

Die einen behaupten, dass der Ursprung der Moral die Religion sei, oder, dass Religion und Moral dasselbe seien. Die anderen behaupten, dass Religion und Moral zwei verschiedene Sachverhalte sind und dass der Ursprung der Moral nicht in der Religion liege.

Dieser Gegensatz hat unsere Bildung, Wirtschaft, Filmindustrie, Medien, Architektur etc. geprägt. Dieser Streitpunkt hat ebenfalls verhindert, dass ethische Vorschriften geltend wurden, an die sich alle halten würden.

Die Religiösen waren sich sicher, dass Religion den Menschen zu einem moralischen Wesen macht.

Die Anderen begnügten sich damit, diese These der Religiösen zu negieren. Sie haben also keine Vorschläge gemacht, was Moral sein soll, wenn sie nicht dasselbe wie Religion ist und wenn sie nicht in dieser gründet. Sie haben nicht erklärt, was Moral denn sei, wie man sie definiert, wie man Moralvorstellungen oder ethische Regeln etablieren kann, an die sich alle halten. Sie haben keine Moralvorstellungen vorgeschlagen, die alle Mitglieder der Gesellschaft akzeptieren würden.

Die letzte Periode zeigte uns, dass Religiosität und Moral verschiedene Sachverhalte sind. Aber von der Moral ist hier leider nichts mehr übrig geblieben.

 

Ein folgenschwerer Fehler

Zuallererst müssen wir es einsehen, dass wir keine Moral haben. Einerseits schmerzt dies, andererseits ist es seltsam. Aber leider ist es die Wahrheit.

Wir werden unsere Moralvorstellungen im positiven Sinne nicht ändern können, solange wir uns selbst als Volk als „hochragend, unerreichbar, heldenhaft, einzigartig, sauber und im Recht“ betrachten.

Nun haben wir ein großes Problem: Wie wollen wir unsere gesellschaftlichen Moralvorstellungen gestalten? Welchen Weg müssen wir einschlagen, sodass Sunniten, Aleviten, Kemalisten, Islamisten, Armenier und alle weiteren Gruppierungen unter „Ethik“ dasselbe verstehen? Muss zuerst der Staat sein Ethikverständnis ändern, oder die Gesellschaft?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass beide durch gegenseitige Unterstützung Fortschritte erzielen sollten. Aber was schlage ich vor?

Wir müssen diese Themen, also Ethik und Moral an die Tagesordnung bringen. Experten müssen über dies sprechen und diskutieren. Wir werden über unsere Grundsätze und Maxime diskutieren.

Soll ich Ihnen etwas Interessantes verraten? Im Westen werden viele Werke über Ethik publiziert.

 

Über Ethik im Journalismus, in der Staatsverwaltung, in den Wissenschaften, in den künstlerischen Tätigkeiten, im Sport und weitere unterschiedliche ethische Problemstellungen und deren Lösungen… Wir müssen einsehen, dass der Westen Tag und Nacht diese Themen diskutiert und seine Ethikvorschriften aktualisiert. Für neue Situationen, die Lösungen bedürfen, werden Lösungsvorschläge gemacht.

Und bei uns? Wir verwenden den Begriff von „Moral“ schwammig und unbestimmt.

Wir müssen diesen schwerwiegenden Fehler wieder loswerden.  

Ethische Vorschriften und Regelungen müssen verfasst, systematisch und schematisch geregelt werden.

Jeder der ethische Vorschriften vernachlässigt, fällt der Gesellschaft zur Last. Diese Menschen sind also parasitär, im Unrecht, schuldig oder krank.

Alle unsere Probleme, sogar bezüglich des Verkehrs, hängen mit unseren gesellschaftlichen Moralvorstellungen zusammen. Die ungerechte Verteilung des Wohlstandes, der Verfall des Bildungssystems, der Religionszwang, die nicht funktionierende Justiz, die parteiische Berichterstattung der Medien… All dies hängt mit unseren Moralvorstellungen zusammen.

 

Wenn es keine Moral gibt…

Kurz vor den Wahlen erwarteten wir verstärkt gefestigte Moralvorstellungen. Bei den Parteien, bei deren Spitzenkandidaten und deren Kadern erwarten wir uns Sensibilität im Hinblick auf die Moral und Ethik.

Wenn es keine Moral gibt, wird ein Regierungswechsel auch nicht ausreichen.

Wir brauchen einen Staat und Regierungen, der seine Bürger nicht dazu drängt rechtswidrig zu handeln und Straftaten zu begehen, falsch oder gekünstelt zu sein, sondern einen Staat, der von seinen Bürgern erwartet, im Sinne der gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Vorschriften zu handeln.

 

Eine unmoralische Gesellschaft ist eine verdorbene Gesellschaft

Das Versagen jener, die behaupteten, dass Religion alle Probleme lösen würde, hat eine positive Konsequenz. Nun können wir neue moralische und ethische Werte etablieren, die alle Menschen und Gruppen in unserer Gesellschaft umfassen. Denn, wenn wir keine ethischen Vorschriften in Bezug auf die Staatsverwaltung haben, führt dies auch zu Gesetzlosigkeit, Falschheit und Schlechtheit der Gesellschaft. Der Staat verdirbt die Gesellschaft und im Umkehrschluss verdirbt die Gesellschaft den Staat. Das, was wir heute erleben, ist genau dies.

Wir müssen zwei Themen in der Türkei, also Ethik und Moral an die Tagesordnung bringen. Experten müssen über dies sprechen und diskutieren. Wir müssen über unsere Grundsätze und Maxime diskutieren.

 

Offene Kritik muss in Österreich möglich sein

Morallosigkeit hat Österreich erreicht und es ist dadurch salonfähig geworden.

Wir haben ein großes Problem in Österreich, nämlich, dass die konservativen Muslime hier einen sehr verantwortungslosen Weg eingeschlagen haben, wenn sie durch Vernebelung, Verdunkelung und durch dauerndes Beleidigtsein die Wahrheit nicht sehen wollen und nicht bereit sind, eine offene Kritik über ihre dramatische Lage auszudiskutieren.

Eine Lage, die nicht nur für die muslimische Welt ein Problem geworden ist, sondern für die Menschheit insgesamt. Offenbar fühlen sich die konservativen Muslime so sicher, dass sie jede Kritik getrost übergehen können.

Wir möchten eines hervorheben: Das Problem ist nicht der Koran und der darin enthaltene Islam oder der wahre Mohammed, sondern diejenigen konservativen Muslime, die diesen Glauben manipuliert und verfälscht haben und somit zur Schande der Menschheit geworden sind.

Auch die konservativen Moslems, die gerade als Funktionäre dubioser Vereine quasi alle Moslems in Österreich zu vertreten vorgeben und auf der anderen Seite, unter dem Vorwand „Dialog“, das Unwissen und die Vorurteile vieler Medien, Wähler und Politiker ausnützen, mögen sich hier angesprochen fühlen!

Eine echte Aufklärung findet nicht statt und bei der geringsten Kritik spielt man die beleidigte Leberwurst und attackiert den Gesprächspartner, schreibt ihnen böse E-Mails oder überhäuft sie mit Klagen. Zudem wird mit dubiosen Gruppen kooperiert, um die kritischen säkularen Moslems als „nicht echte Moslems“ darzustellen.

 

Die Regierungsparteien der westlichen Länder haben leider genau jene Personen und Gruppen („politischer Islam“) salonfähig gemacht, die ihre Kultur und Ideologie eben aus diesem „verfälschten Islam“ beziehen. Es wird medial alles verdunkelt und vernebelt, damit niemand mehr die Unterschiede zwischen „Glauben“ und „politischem Glauben“ erkennen kann.

 Es wird pauschal gegen einen „Glauben“ geschimpft und die Retter sind dann die Brandstifter, die sich bis jetzt schön verpackt als Feuerlöscher verkauft haben. Überall sieht man sie als „Retter“ oder „Brückenbauer“. Das Fernsehen und die Zeitungen sind voll von „Islam- und Terrorexperten“ oder „Gewalt-Experten“ und niemand kritisiert diese Leute und fragt sie, wie sie es schaffen, Islam und Terror gleichsetzen zu können! Weil sich die Journalisten auch nicht mehr auskennen. Wie auch, bei der Flut von Falschinformationen, die den Medienmarkt überschwemmen! Um sich zu informieren, braucht man vor allem Zeit und einen breiten Horizont. Beides ist Mangelware in einer linksliberalen Medienbranche.

 So wird es gemacht und diese konservativen Funktionäre klären nicht auf, sondern leben davon und das in einer unheiligen „Win-Win-Situation“. Um was für ein Dilemma handelt es sich bei eben diesen teuflischen Pseudo-Brückenbauern, die eigentlich seit Jahren alle Brücken in Österreich zerschlagen haben? Es ist eine teuflische, unheilige Allianz!

Die Türkei braucht dringend eine Nicht-Mischung von Religion und Politik.   Die Türkei hat ein Moral und Ethik Problem. Eine unmoralische Gesellschaft ist eine verdorbene Gesellschaft…

21 Nov
By: Redaktion 2 0

Buchpräsentation Orient & Okzident- Das neue Buch des „Neue Welt Verlag“

Der Neue Welt Verlag, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die „Türkische Kulturgemeinde in Österreich“(TKG) freuen sich JournalistenInnen und Interessierte begrüßen zu dürfen.

Das Buch Orient & Okzident-Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

EINLADUNG

Datum: 30.11.2016
Mittwoch 18:00 c.t.

Ort: Theatersaal der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Wien I., Sonnenfelsgasse 19

Anmeldung erbeten unter:
office@neueweltverlag.at
oder 0043-1-513 76 15-0

 

Es ist für unseren Neue Welt Verlag in Wien eine große Freude, mit 24 Top-Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen und freischaffenden Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche dieses Buch zu präsentieren.

 

Das Buch „Orient & Okzident – Begegnungen und Wahrnehmungen aus 500 Jahren“ ist Band 4 der Buchreihe des „Neue Welt Verlag“ und wird vom Verleger Birol Kilic herausgegeben. Für diesen Band konnte der „Neue Welt Verlag“ zwei hervorragende Herausgeber und 24 hochqualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewinnen. Die beiden Herausgeber des Buches Barbara Haider-Wilson und Maximilian Graf sind auch Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften und waren schon an einer Vielzahl historischer Publikationen beteiligt.

 

Das Buch thematisiert eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, und verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die darin versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

 

Über die Entstehung der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hinweg führt das Buch durch einen historischen Diskurs, der sämtliche Stationen der Geschichte behandelt.

 

Neue Welt Verlag
Orient&Okzident 
Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten
Hardcover, 770 Seiten mit Bildern
ISBN 9783950306194
€ 49,90

 

PROGRAMM 

Begrüßung

Arnold Suppan

Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Worte des Verlegers
„Ein Traum wird Wirklichkeit“
Birol Kilic
Neue Welt Verlag / Geschäftsführer

 

Vorstellung des Buches
Barbara Haider-Wilson
Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
& Maximilian Graf
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation und Diskussionsleitung
Otmar Lahodynsky
President, Association of European Journalists, profil

 

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.“
Prof. Dr. Arnold Suppan,
Österreichische Akademie der Wissenschaften

 

Mehr: http://www.neueweltverlag.at/index.php?id=1252

 

Rückfragen & Kontakt:

Neue Welt Verlag
Mag. Deniz Sel
d.sel@neueweltverlag.at
www.neueweltverlag.at

09 Nov
By: Redaktion 2 0

TKG: Gedenken an Novemberpogrome-„Türkischer Tempel“

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10.November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkischer Tempel“ -Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge-in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

 

 In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später.“(1)

„Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im

Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt. Der Bau, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia.(2)“

 


Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdü

lhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des

Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.

In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unter

nehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

 

Bibliographie

_________________________

1 -Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 -Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10-Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

12-https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/ (1)

13-(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906).  Dr. Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

31 Mrz
By: Redaktion 2 0

Geert Wilders: Reaktion der Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) auf den Auftritt in Wien!

§ 283 StGB (Strafgesetzbuch)-Verhetzung  

Sachverhaltsdarstellung – Stellungnahme und Kritik der TKG

Die FPÖ lud für den 27.03.2015 den niederländischen Politiker und bekannten Islamkritiker Geert Wilders in die Wiener Hofburg ein, um einen angeblichen islamkritischen Vortrag zum Thema „Europas Bedrohung durch die Islamisierung“ zu halten.

 

Dies sorgte bereits vorab für Diskussionen, Proteste und Befürchtungen von weiterer Islam-Hetze. Und Hetzer Wilders liefert: Aussagen wie „Der Islam wurde an den Toren Wiens besiegt. Johann Sobieski ist nicht tot. Er lebt in uns. In Ihnen. In mir. In jedem von uns. Wir fühlen sein Herz in unserer Brust schlagen. Und mit ihm und den Helden von 1683 sagen wir: […] Wir werden den Islam besiegen! und seine Vorschläge zur Handhabung von ausgereisten Jihadisten schlagen hohe Wellen und spalten die Ansichten der Menschen auch geografisch: während innerhalb der Räumlichkeiten das Publikum jubelt, wird vor der Hofburg protestiert.

 

Wilders schlägt einen sehr deutlich islamfeindlichen Ton an, der pauschalisierend alle Muslime unter Generalverdacht stellt, quasi einer „Terror-Religion“ anzugehören. Der rechtsextreme Massenmörder Anders Breivik bekannte sich als Wiedergänger Sobieskis und anderer kriegerischer Abendland-Retter mit dem bekannten Massaker. Dies kann man nicht unkommentiert lassen.

 

Übrigens: Interessant bei der Betrachtung der Beziehung zwischen der FPÖ (H.C. Strache) und dem Islamkritiker Wilders ist auch die Tatsache, dass Strache vor nicht allzu langer Zeit noch in sehr distanzierten Tönen von Wilders sprach. So meinte Strache 2011 noch: „Ich halte Geert Wilders für ein Strohfeuer, das bald erlöschen könnte. Eine Zusammenarbeit strebe ich aufgrund seiner undifferenzierten Positionen zur Zeit nicht an“, weiters könne Wilders aufgrund seiner radikalen Ansichten und Aussagen „für uns (die FPÖ) kein Partner sein“.

 

§283 StGB Verhetzung sagt:

 

„(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

 

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar gegen eine in Abs. 1 bezeichnete Gruppe hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft und dadurch verächtlich zu machen sucht.“

 

 

Analyse



 

Am 27.03. hielt der niederländische Politiker Geert Wilders in der Wiener Hofburg einen Vortrag zum Thema  „Bedrohung Europas durch die Islamisierung“.

 

Und diese Rede hatte es in sich. Wir von der Türkischen KULTURgemeinde in Österreich (TKG) zeigen uns schockiert darüber, wie hemmungslos und radikal hetzend Wilders hier Anti-Islam-Propaganda betreibt. Unter dem Deckmantel des „Patriotismus“ betreibt Wilders in der Hofburg eine Hetze, wie sie im Lehrbuch steht. Laut österreichischem Strafgesetzbuch §241 wird neben Hetzern auch bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, dass die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.

 

Frage 1: Wer sind hier die Verbrecher? Wer sind hier die Bedroher? Wer ist hier entgegen jeder Vernunft der doppelte Verhetzer? Oder sind nicht alle Verhetzer gleichermaßen gesinnt ?

Ist hier nicht eine Analyse aller bestehenden Informationen, Datenquellen und Bestände aus der flächendeckenden Einführung einer Diagnose-Dokumentation notwendig?

 

Wir wollen vorausschickend betonen, dass wir zur Meinungsfreiheit stehen und auch Geert Wilders diese nicht absprechen wollen. Wir distanzieren uns auch von Fundamentalisten („Islamisten“), die Menschen mit Morddrohungen zum Schweigen bringen möchten und fragen: Hat Wilders in seiner Vergangenheit öffentlich nicht schon genug gegen den Islam, gegen Moslems und Austro-Türken gewettert? Wo sind die angeblichen Vertreter der „Islamischen“ bzw. der „Austro-Türken“ in Österreich? Ein Mitglied der TKG schreibt uns:„Ich melde eurer TKG-Seite, dass das, was Hetzer Wilders in Wien redet, das Schüren von Hass gegenüber allen Moslems und Austrotürken ist und niemand erhebt Einspruch mit sachlichen Argumenten, Tatsachen und belegbaren Angaben. Wir wurden hier entmenschlicht, bitte! Was ist der Unterschied zwischen IS-Hasspredigern und Hetze wie der von Wilders?“

 

Böse ist Faschismus, gut ist der Antifaschismus

 

Ohne den Versuch einer Aufklärung teilt Wilders in seiner Rede die Welt schlicht in Gut und Böse auf: In den Westen und den Osten und demnach natürlich in die „gute“ westliche, christlich-jüdische, und in die muslimische, „böse“ Kultur. Islamisten teilen auch die Welt schlicht in Gut und Böse, in Freund und Feind der Gegner, wie Wilders. Damit macht Wilders hier in Wien keine andere Unterscheidung und Aufteilung, als beispielsweise die Angehörigen des IS, nur eben auf der anderen Seite. Böse ist Faschismus aller Art, gut ist der Antifaschismus. Was Wilders vernebelt bzw. nicht zu wissen scheint, ist, dass er damit den radikalen Islamisten und IS-Angehörigen mit derlei Hetze (ungewollt) direkt in die Hände spielt.

 

Zunächst sollte man die Begriffe Patriotismus, Rassismus, Neo-Rassismus, Hetze und Terror genauer betrachten und definieren. Denn Wilders hat in seiner Rede in Wien versucht, über den Begriff des Patriotismus an Gefühle und Leidenschaften zu appellieren, um bestehende tendenziöse Aufreizung zum Hass und zur Verachtung gegenüber einer Religion und Religionsangehörigen pauschalisierend zur Hetze zuzuspitzen.

 

Heuchler und Brandstifter!

 

Wilders und der Kulturkampfbegriff  jüdisch-christliche Erbe

 

Es ist sehr bedenklich, wenn sich Wilders in der Hofburg auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft und dagegen den Islam und seine Angehörigen pauschal stigmatisiert und diffamiert. Nach Hetze gegen Arbeitsmigranten aus Bulgarien, Rumänien und Polen nannten ihn Politiker und Intellektuelle in den Niederlanden einen Brandstifter.

 

Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce. Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl in dem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt:

 

„Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu kennzeichnen. Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.So innig wie heute war die Beziehung zwischen Christen und Juden in Deutschland noch nie. Die neue Innigkeit ist nicht von Theologen und Pastoralklerikern ausgerufen worden, sondern von Politikern. Im Jahr 72 nach der Reichspogromnacht haben sie etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem in der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und in der Verketzerung des Talmud. Und wo es gemeinsame Wurzeln gab, hat die Mehrheitsgesellschaft sie ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrem Übertritt zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift, sondern den Triumph des Neuen über das Alte Testament gepredigt. Zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wird eine neue Kategorisierung der Minderheiten propagiert (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin): in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Weil aber dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum beachtet wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“ (Süddeutsche Zeitung, Heribert Prantl)

 

 

„Eine Erfindung der europäischen Moderne“

 

Es können viele historische Beispiele angeführt werden, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen. Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Coruh kann wie viele andere Juden eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Hierzu meint sie: „Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

 

„Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht“

 

Aus jüdischer Sicht muss es wie ein Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von christlich-jüdischer Tradition sprechen. Der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung christlich-jüdisch ebenso ab: „Sicher teilen Juden und Christen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch ganz nett, wenn Politiker weniger bedenkenlos von den ‚christlichen Zehn Geboten’ reden würden als in der Vergangenheit. Doch 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Christen haben ihn jahrhundertelang ignoriert, verfemt und immer wieder verboten. Jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen belegt: Dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töten und zu Mazze-Broten verarbeiten und an Pessach genüsslich verspeisen.“

 

Zentralrat der Juden in Deutschland

 

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands. So kann man auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland Folgendes lesen: „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur von der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch von der christlichen Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe erlebte das schmerzvoller als Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden seit der Zeitenwende datiert. Das tragische Ende der jüdischen Bestrebungen um Aufnahme ins deutsche Volk ist bekannt.“ Die Juden sehen Deutschlands kulturelle Wurzeln keineswegs im Judentum. Ihnen sind vielmehr die Verbrechen Deutschlands an den Juden präsent.

 


Strache 2011: “ Ich halte Wilders für ein Strohfeuer“

 

Übrigens: Interessant bei der Betrachtung der Beziehung zwischen der FPÖ (H.C. Strache) und dem Islamkritiker Wilders ist im übrigen auch die Tatsache, dass Strache vor nicht allzu langer Zeit in noch sehr distanzierten Tönen von Wilders sprach. So meinte Strache beispielsweise 2011 noch: „Ich halte Geert Wilders für ein Strohfeuer, das bald erlöschen könnte. Eine Zusammenarbeit strebe ich aufgrund seiner undifferenzierten Positionen zur Zeit nicht an“, weiters könne Wilders aufgrund seiner radikalen Ansichten und Aussagen „für uns (die FPÖ) kein Partner sein“.

 

Hetze, Terror, Rassismus und Patriotismus 

 

Hetze ist der Rechtssprechung nach eine in einem Appell an Gefühle und Leidenschaften bestehende tendenziöse Aufreizung zum Hass und zur Verachtung.

 

Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder „angedrohte Gewalt“, um Menschen gefügig zu machen.

 

Rassismus meint die Ausgrenzung aufgrund körperlicher (physiognomischer) und/ oder biologischer (genetischer) Andersartigkeit und wurde bis 1945 vor allem biologisch begründet, d.h. es war die Rede von „überlegenen“ und „minderwertigen Rassen“. Diese Begründungen finden wir heute in dieser traditionellen Form selbst in Veröffentlichungen von Neonazis nur noch selten. Ist jedoch das Vorhandensein von biologischen Menschenrassen inzwischen genetisch widerlegt worden, wird auch schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Nun versucht man, die soziokulturellen Charakteristika, wie Herkunft, Gebräuche, Sprache und Religion als (negative) Unterscheidungsmerkmale heranzuziehen. Rassismus ist nicht zuletzt deshalb ein relativ weit verbreitetes Phänomen in der Gesellschaft, weil sich die rassistische Ideologie (siehe auch „Sozialdarwinismus“) angepasst und zum Teil eine andere Form und Ausdrucksweise angenommen hat. Dieser sogenannte Neo-Rassismus („kultureller Rassismus“) gibt sich wissenschaftlich und spricht von „Kulturen“ statt von „Rassen“. Im Vergleich zum traditionellen Rassismus setzt der Neo-Rassismus, also der „kulturelle Rassismus“, auf kulturelle Gebräuche und religiöse Unterschiede.

 

Patriotismus bedeutet eine emotionale Verbundenheit mit dem eigenen Vaterland, in Abgrenzung zum Begriff der Nation (lat. natio, Geburt), der die Abstammung betont. Niemand hat etwas gegen gesunden Patriotismus oder Vaterlandsliebe, solange man andere Nationen und Länder nicht diskreditiert, diskriminiert und pauschalisiert, kurz: Solange man keinen Terror-Neo-Rassismus gegen andere Nationen und Religionen ausübt.

 

Unter dem Vorwand „Patriotismus“ darf kein Rassismus ausgeübt werden!

 

Wilders betreibt Hetze und Neo-Rassismus





Geert Wilders wirbt in Wien durch seine Rede unserer Meinung nach jedenfalls nicht für Patriotismus, sondern für puren „Neo-Rassismus“ durch das Mittel der Verhetzung.

 

Mit seiner Argumentation hat Wilders kulturellen Rassismus durch Hetze gegen Moslems und insbesondere Menschen aus der Türkei geschürt und weiter ausgebaut (u.a. durch Verweise auf die Türkenbelagerung von 1683 und Ähnlichem). Das Wort „Patriotismus“ wird im Munde Wilders ausgehöhlt und statt emotionaler Verbundenheit mit Rassismus und Hetze gefüllt. Das alles, gut verpackt unter dem Deckmantel des Patriotismus, ist eigentlich purer und primitiver Neo-Rassismus.

 

Jeder wahre Patriot, egal ob links-liberal oder rechts-konservativ, sollte hier gegen diese Ausnutzung des Wortes „Patriotismus“ Einspruch erheben. Denn in der Geschichte wurden die größten Verbrechen unter dem Vorwand von Vaterland, Ehre, Nation, Glaube und Konfession getätigt. Europa ist Zentrum dieser Probleme in der Weltgeschichte gewesen und steht noch immer in der Gefahr dieser Probleme, auch durch Ansichten wie jene des holländischen Hetzredners und Rechtspopulisten mit Neonazi-Jargon, der sich nicht sonderlich vom Jargon der ISIS-Terroristen bzw. des „Poltischen Islams“ unterscheidet.

 

Deswegen können wir hier in Wien solche neo-rassistischen Aussagen von Wilders, die unserer Meinung nach deutlich als pauschale Islamfeindlichkeit interpretiert werden können, nicht unkommentiert lassen.

 

 

Wilders und Etikettenschwindel

 

Die Türkische KULTURgemeinde in Österreich (TKG) sieht sich an erster Stelle der verfassungspatriotischen Österreicherinnen und Österreicher mit türkischen Wurzeln, und wird für die Säkularität in diesem Land gegen jede fundamentalistische Kraft, egal ob Muslim, Christ oder Angehöriger einer anderen Religion, als Bollwerk des Widerstandes einstehen, um für die gewonnenen demokratischen Rechte zu kämpfen.
Aber man darf die schönsten Wörter, nämlich Freiheit und Patriotismus, nicht missbrauchen, wie es der Hetzer Wilders tut! Wir verwehren uns gegen diesen billigen Etikettenschwindel. Das gilt nicht nur für uns, sondern für alle, die glauben, das Patentrecht – oder gar Gottesrecht – auf die Begriffe Patriotismus, Freiheit und Ehre zu haben.

 

Die europäische Identität basiert für die TKG nicht nur auf Herkunft, Nationalität und Zugehörigkeit zu einer bestimmten (religiösen) Gruppe oder dem Abstammungsprinzip, sondern auf der Vernunft und dem Verstand und dem Hochhalten von gemeinsamen Werten, gegen die wir leider selbst in anderen Ländern oder an den Grenzen Europas täglich verstoßen.

 

Wilders als Kulturschmarotzer

 

Für die TKG ist Wilders aus den oben genannten Gründen einer der vielen Kulturschmarotzer, die die eigentlichen Inhalte der christlichen, patriotischen und humanistischen Kultur längst abgelegt oder nie verinnerlicht haben und sich lediglich die Rosinen aus dem westlichen Kulturkuchen herauspicken.

 

Kurzsichtigen und Hetze-affinen Menschen, die den Verstand und die Vernunft nicht (ausreichend) verwenden, und die nicht über genügend Grundlagenkenntnisse über die Thematik verfügen, kann man mit solchen Hetzreden, die wir auch aus der islamischen Welt zu Genüge kennen (besonders aus dem salafistischen und politisierten Islam und aus der Türkei), vielleicht imponieren. Langfristig bieten sie jedoch keine Orientierung, sondern führen zu Terror und zur Kultur des Verachtens.

Wilders versucht mit seinen Hasspredigten in Wien insbesondere, alle Moslems zu diffamieren, indem er sie einer Religion namens Islam angehören lässt, die scheinbar nichts anderes ist, als eine „Terror-Religion“.

 

Mit Aussagen wie: „Wir werden den Islam besiegen“ behandelt er die Mitglieder dieser vermeintlichen „Terror-Religion“ in seiner Rede als parasitäres, gefährliches Virus, das man offensichtlich mit drastischen Mitteln bekämpfen muss, um die reinen, „guten“ Werte der westlichen Welt vor der Invasion aus dem Osten zu beschützen – damit appelliert Wilders wiederholt an den Patriotismus des „Westens“.

 

Wilders Rhetorik – alles schon einmal da gewesen:

Wilders will Koran abschaffen? 

 

Ohne Motive und Hintergründe zu erläutern, pauschalisiert Wilders in seiner Hetze alle Muslime zu einem einheitlichen, scheinbar terroristischen Brei, der droht, sich über ganz Europa auszubreiten.

 

Die Methode, der sich Wilders in seiner Argumentation bedient, ist ebenso simpel wie fatal: Er greift in seinem Reden direkt den Islam, den Koran und den Propheten an – und zwar mit Versen, die er direkt aus dem Koran zitiert: Der Hetzprediger sagt beispielsweise: „Lesen Sie nur die Sure 47,4 im Koran: ‚Wo immer du die Ungläubigen triffst, schlag sie auf ihre Nacken und verursache ein Blutbad.‘ Das gilt bis heute.“

 

Wilders zitiert hier die Sure 47, Vers 4 nicht richtig, denn er reißt sie aus dem historischen Kontext und verwendet sie, um alle Moslems unter Generalverdacht zu stellen, einer „Terror-Religion“ anzugehören.

 

Die gleiche Vorgehensweise, nämlich die des aus-dem-Zusammenhang-Reißens von einzelnen Textpassagen aus religiösen Büchern, ist uns jedoch nicht unbekannt: Auch die nationalsozialistischen Propaganda-Beauftragten Goebbels und Rosenberg haben für ihre antisemitische Hetze Passagen aus dem Alten Testament herausgepickt und außerhalb des Zusammenhangs zitiert, um es mitsamt dem gesamten Judentum als „entartet“ und als „jüdische Lohnmoral“ zu verkaufen und verbreiten zu können.

 

 

NSDP: Altes Testament abschaffen?

 

In seinem Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ forderte der damalige Leiter des außenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Rosenberg, sogar die Abschaffung des Alten Testaments, denn Israel dürfe nicht Gegenstand der Bewunderung sein und das Alte Testament könne als Religionsbuch keine Bedeutung mehr beanspruchen, denn es sei der „misslungene Versuch der letzten anderthalb Jahrtausende, uns geistig zu Juden zu machen.“ Rosenbergs Buch war mit einer Auflage von über einer Million Exemplaren unter der deutschen Bevölkerung weit verbreitet.

 

 

Jedenfalls verwendete Rosenberg, ähnlich wie Goebbels, unter anderem auch folgende Verse des Alten Testaments sowohl in seinen Büchern als auch in seiner Propaganda (und seinen Reden), um zu zeigen, wie „unterwertig“, brutal und schlichtweg falsch das Judentum sei:

 

Numeri 31,14-17: Mose geriet in Zorn: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon mit einem Mann geschlafen haben.

 

Josua 6,17/21: Die Stadt Jericho, mit allem, was in ihr ist, soll zu Ehren Gottes dem Untergang geweiht sein… Mit scharfem Schwert weihten sie alles dem Untergang. Männer, Frauen, Kinder, Greise, Rinder, Schafe und Esel.

 

Buch Könige 15,16: Menachem eroberte Tifach. Er tötete alle Bewohner der Stadt und ließ ihren schwangeren Frauen den Leib aufschlitzen.

 

Buch Könige 6,25/28f: Hungersnot im belagerten Samaria. Eine Frau sagte zum König: Diese Frau hat von mir verlangt: Gib deinen Sohn her, damit wir ihn heute aufessen. Meinen Sohn werden wir morgen verzehren. So haben wir meinen Sohn gekocht und aufgegessen.

 

Joel 4,9f: Ruft den Heiligen Krieg aus! Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen und Lanzen aus euren Winzermessern!

 

Exodus 32,27f: Mose sagte zu ihnen: Zieht durch das Lager von Tor zu Tor. Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.

 

Levitikus 24,16: Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft. Die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.

 

Diese und andere Verse aus dem Alten Testament (und dem Talmud) wurden von der NSDAP als Beweise verwendet, die die „Entartung“ und das generelle „schlecht-Sein“ des Judentums untermauern sollten – ein simpler wie praktischer Trick, da eben diese Worte doch direkt aus der Alten Schrift stammen.

 

Und ebenjener Methode bedient sich nun auch Wilders – er schneidet sich Verse aus dem Koran heraus und bastelt sie zusammenhanglos zu seiner Argumentations-Collage zusammen.

 

Diese Suren, auf die sich Wilders in diesem Zitat beruft, sind im Kriegszustand und in der Heidenzeit entstanden, die nicht mit der jetzigen Zeit und den heutigen Umständen vergleichbar ist!

 

Wilders propagiert und interpretiert den Koran so, wie es die IS-Terroristen tun und verwendet diese Interpretation dann, um Hass, Furcht, Schrecken und Vorurteile zu schaffen bzw. weiter auszubauen und zu festigen. 

Dabei handelt es sich um ebenjene Zitate, die auch die IS-Terroristen gerne für die Rechtfertigung ihres Terrors heranziehen, obwohl es eine „Theologie des Faschismus“, „Theologie des Verachtens“, „Theologie der Gewalt“ ist, die eben nicht auf auf dem wahren Islam beruht, sondern auf einer gefälschten, auf nahöstlichen Bräuchen basierenden, traditionell interpretierten Version davon.

 

Islamkritiker Wilders setzt den IS-Terror mit dem Glauben des Islams gleich. Dabei tarnt er sich als objektiver Kritiker, der doch „nur die Wahrheit sagt“, und macht liberale, demokratische, gläubige, wie auch nichtgläubige Muslime zu Gegnern seiner Thesen. Es ist ebenso herabwürdigend, wenn Wilders Muslime dazu auffordert, „sich vom Islam abzuwenden“, wie es die IS-Terroristen von Christen oder Yeziden auch fordern. 



Diese krankhafte Haltung einer Marionette des pauschalen Anti-Islams schadet Österreich und sie schadet auch der FPÖ.

 

Was Wilders aber nicht zu verstehen scheint, ist, dass er mit genau diesem Verhalten und diesen Aussagen beispielsweise den IS-Anhängern in ihrer Argumentation direkt in die Hände spielt. Denn ebendiese Aussagen geben dem IS aus seiner Sicht die Rechtfertigung, den Islam und dessen Angehörige doch nur vor dem bösen Westen schützen zu wollen.

 

 

Wir von der TKG meinen dazu: Wir Europäer sind durch die Aufklärung gegangen und dennoch haben wir die schmerzliche Tragödie des Faschismus erlebt. Wer glaubt, dass diese Erfahrungen der Vergangenheit angehören, der sollte den Blick schärfen. Europaweit glaubt eine seltsame Allianz zwischen einem islamistischen und einem rechtsradikalen Sumpf an die jüdische Weltverschwörung. Dass die Hetze gegen jüdische Mitbürger da wieder in Schwung kommt, braucht uns daher nicht zu wundern. Wenn nun Wilders eine Allianz zwischen Israel und Freiheitlichen herbeireden will, so bedient er sich der Vorurteile gegen den Islam und gegen die Türken. Ziemlich primitiv, durchschaubar, langfristig nicht haltbar und bringt das Gegenteil. Wir warnen als Freunde der Vernunft…

 

 

Hetzprediger wie Wilders stärken religiös-faschistische Organisationen

 

Die Terroristen wollen genau das, was Anti-Islam-Prediger Wilders betreibt, nämlich: pauschalisierende Hetze gegen den Islam, gegen den Koran, gegen Mohammed.

 

Und so funktioniert es: Durch Anti-Islam-Hetze bekommen sie den idealen Vorwand präsentiert, wiederum Gegenhetze zu betreiben, und zwar unter dem Vorwand, den Islam doch nur verteidigen und beschützen zu wollen.

 Diese „Logik des Schreckens“ bringt Neo-Rassisten und beispielsweise Terroristen des IS in eine Win-Win-Situation, in der ein Extremist und Religions-Faschist dem anderen Neo-Rassisten Wasser auf die Mühlen gießt.

 

 

Terror führt zu Terror: RNH AG ( „Religionsfaschismus und Neonazi-Hetze AG“) – Man muss die Spreu vom Weizen trennen!

 

Man könnte sagen, diese beiden Gruppen sitzen in der gleichen Aktiengesellschaft, zur Veranschaulichung nennen wir sie „Religionsfaschisten und Neonazi-Hetze AG“, jeder mit der Hälfte des Aktienbesitzes.

 

Diese Aktiengesellschaft steigert ihren Wert in der Börse immer mehr, je mehr die beiden Gruppen gegeneinander Hetze betreiben und so verdienen die beiden Pseudo-Feinde aneinander. Um dies unentdeckt tun zu können, bilden beide ein eigenes Unternehmen und bewerfen sich vielleicht auf dem „Wiener Naschmarkt“ mit Äpfeln und Birnen. Die Medienaufmerksamkeit ist ihnen gewiss. 

Sie sind eigentlich Freunde des gleichen Zieles im Nahen Osten und in der Welt – sie dienen gleichen Herrschern und Diktaturen, seien sie faschistisch, kapitalistisch, fundamentalistisch oder salafistisch oder von allem ein bisschen.

 

Hier müssen die wahren Patrioten, die auf Verstand, Vernunft, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit setzen, in ihrem eigenen Land darauf Acht geben, in ihrem eigenen Interesse, die Spreu vom Weizen zu trennen! Wenn sie dies nicht beachten, werden sie in Wirklichkeit Feinde ihrer eigenen Nation, Heimat, Religion, Konfession und allem Wertvollen, Menschlichen und Humanistischen, was es in ihrem Land noch zu verteidigen gibt. 

Hier spielen die Aktienbesitzer und Vorstände der „Religionsfaschismus und Neonazi-Hetze AG“, kurz „RNH AG“, den Feuerlöscher, obwohl sie eigentlich die Brandstifter sind. Man hat in Europa gegen die Fundamentalisten und Rassisten gewonnen und Freiheit und Demokratie geschaffen und nicht umgekehrt. Fundamentalisten, Faschisten und Rassisten haben in Europa nichts verloren und brauchen deswegen auch nicht den „Feuerlöscher“ zu spielen.

 

 

„Politischer Islam“ (Politisierter Glaube) ist der wahre Feind und nicht der Islam, der Koran oder Mohammed! Vorsicht: Die Spreu vom Weizen trennen!

 

Der Kern jeder modernen liberal-aufgeklärten und demokratischen Staatlichkeit ist die Trennung von Glauben und Wissenschaft, von Staat und Religion. Dies ist für Vertreter des politischen Islams undenkbar. Mittlerweile geht der Angriff gegen Europa nicht nur von den Rechtsextremisten aus, sondern auch von religiösen Extremisten. Zum politischen Islam werden alle Bewegungen gerechnet, welche die Religion des Islams als Einheit von Glaube, Gesellschaftsordnung und Politik betrachten und dieses System mit Gewalt oder durch die Teilhabe am politischen Diskurs implementieren möchten.

 

Im Kern geht es um Politik mit religiöser Begründung, dies macht den politischen Islam gefährlich, gerade in Europa und besonders in Österreich werden die Entwicklungen im schlechtesten Fall negiert, meist sogar wissentlich mit Unterstützung von den Regierungsparteien in Österreich hofiert. Diese Mischung aus Kalkül, Unwissenheit und kurzfristigem Profitdenken ist sträflich und gefährlich. Deshalb ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

 

TKG: Aufklärung, statt radikaler Pauschalisierung

 

Die Türkische KULTURgemeinde (TKG) kämpft seit über 20 Jahren gegen den politisierten Glauben („Politischer Islam“) und gegen „die Theologie des Verachtens“ – an erster Stelle durch Aufklärung über die Unterscheidung zwischen dem „wahren Islam“ und dem „politisierten Islam“ und mit dem Appell, diese beiden Begriffe nicht gleichzusetzen, weil das die Fundamentalisten („Politischer Islam“, „Islamismus“) bis jetzt immer noch weiter gestärkt hat.

 

Für Außenstehende sind die Zusammenhänge und Hintergründe natürlich nicht leicht verständlich. Das wiederum nützen vor allem die IS-Terroristen und Anhänger des politisierten Islams genüsslich aus.

 

Wilders sieht, wie gesagt, offensichtlich in allen Muslimen aktive oder zumindest potentielle Anhänger des IS und der fundamentalistischen Kräfte. 

Er blendet die liberalen Muslime aus und schwächt ihren Stand innerhalb des Islams. Wilders stärkt damit aber indirekt die Fundamentalisten und schwächt die liberalen Muslime. Er schwächt damit die Position jener, die ebenso die Freiheit hochhalten und sich für eine säkulare Verfassung einsetzen.

 

Hetzer Wilders unterstützt damit indirekt den politischen Islam und die IS-Terroristen, weil sie seine Aussagen problemlos als Aufhänger für Gegenhetze verwenden können und werden, nämlich unter dem Vorwand, dass sie, wie bereits erwähnt, doch nur den Islam, die Moslems und den Propheten Mohammed schützen wollen und nehmen somit alle Moslems als Geisel.

 

Daraus folgt: wenn wir dann gegen den politischen Islam und den IS auftreten, werden wir, die andersdenkenden, liberalen Moslems, als Nestbeschmutzer mit allen Mitteln bekämpft und terrorisiert.

 

Wo stehen für Wilders die aufgeklärten, humanistischen Muslime? Oder existieren diese für ihn gar nicht? 

Mit den aus seiner Argumentation resultierenden Gedankengängen macht es den Eindruck, als wolle Wilders indirekt eine Art Endlösung provozieren, durch Aussagen, wie: „Ich will keine Imame, keine Moscheen mehr haben.“ (Kurier, 27.03.) Dafür verwendet er verschiedene Argumente, die einem nichtdenkenden Menschen gerade recht kommen, der sich mit diesen IS-Terroristen und nahöstlichen Konflikten und den salafistischen Systemen und Diktaturen identifizieren kann.

 

 

Wilders´ Argumentation und Kritik speist sich aus einer unzeitgemäßen, verfälschten Version des Korans

 

Wilders kritisiert weiters: „Ich glaube nicht daran, dass man den Islam reformieren kann“.

 

Er sieht den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed demnach also als einen monolithischen Block, den man nicht zerschlagen kann, der nicht reformierbar ist, den man nicht an die Zeitumstände anpassen kann. Damit stempelt er 1,57 Milliarden Muslime als fundamentalistische Taliban, bzw. IS-Terroristen ab.

 

Doch weder Aleviten, Sunniten, noch Schiiten vertreten diese theologisch-hermetische Auffassung, dass der Koran absolut wörtlich und nicht zeitgemäß interpretiert verstanden werden darf!

 

Mit diesem Statement stellt er den Koran als unabänderlich und nicht reformierbar dar – Ruft Wilders damit indirekt zur Idee der Endlösung auf?

 

Ist es nicht eine Schande für Wien, für alle Leute, die diesen Gedanken salonfähig machen, wie für diejenigen Leute, die den politisierten Islam seit Jahren in Wien salonfähig machen und gemacht haben?

 

 

Stellungnahme, Aufklärung und Kritik der TKG

 

Diesen politischen Islam kritisieren wir im Namen der TKG seit Jahren und werden ihn weiterhin kritisieren und aufklären. Das bedeutet auch, dass wir die betriebene Hetze von Wilders an dieser Stelle nicht unkommentiert lassen können. In Österreich ist die Meinungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben und ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, aber ohne Hetze!

 

Das größte Gut einer Religion liegt in ihrer Theologie, aber ihr größtes Übel kommt ebenfalls aus ihrer Theologie – wenn sie stagniert. Diese Stagnation hat die muslimischen Länder in die Geiselhaft genommen und diese Haltung versuchen Vertreter des politisierten Islams auch in Europa zu implementieren und einen Keil in die Gesellschaft hineinzutreiben.

 

Daher sagen wir, die Türkische Kulturgemeinde Österreich, dass beispielsweise die von Wilders zitierten Suren neu interpretiert werden müssen, wie viele andere auch – ortsgemäß, zeitgemäß und unter Nutzung des Verstandes und der Vernunft! Es sind eben Terroristen und Verbrecher, die diese Verse für ihren Machtanspruch missbrauchen!

 

Diese Verbrechen, welche im Namen des Islam begangen werden, haben absolut nichts mit dem Islam zu tun. Der politische Islam, als Wegbereiter für Fundamentalismus und Extremismus ist auf das Schärfste abzulehnen und nicht der Islam als Religion. Denn Religion und Nicht-Religiosität ist immer das, was die Menschen daraus machen.

 

Die Verantwortung liegt letztendlich beim Individuum, denn der Mensch wurde mit freiem Willen geboren. Deswegen darf es keine Unterstützungsliebhaberei gegenüber dem politischen Islam geben, welcher sich mittlerweile in ganz Europa niedergelassen und große Netzwerke aufgebaut hat. Unter dem Vorwand des interreligiösen und interkulturellen Dialogs agieren diese Gruppierungen gegen die Werte der EU und die der allgemein gültigen Menschenrechte. Dem müssen wir mit der Kraft der Vernunft und des Verstandes, auf dem Fundament der gemeinsamen Werte und der allgemein gültigen Menschenrechte, sowie mit keiner falsch verstandenen Toleranz entschieden entgegentreten.

 

 

TKG: Nein zum politisierten Islam! Nein zu jeglichem Rassismus, zu Menschenfeindlichkeit und Faschismus aller Art!

 

So lautet das Motto der TKG, von stolzen Österreicherinnen und Österreichern mit türkischen Wurzeln. 


Der Kern des Islam besteht nicht darin, dass man nach Mekka pilgert oder fünfmal am Tag betet oder während des Ramadans fastet oder auf Alkohol verzichtet . Das ist alles sehr wichtig, aber im Wesentlichen geht es im Islam um Gerechtigkeit.

 

Prophet Mohammed war gegen Armut und gegen Ignoranz. Aber die heutigen Herrscher in den sogenannten „muslimischen Ländern“ setzen den Islam vor allem als Machtinstrument ein. (Askari, SZ) 

Das Wort „Islam“ besteht aus den Wörtern „Selam“ und „Silm“. Das Wort „Selam“ bedeutet Friede, Glück, Wohlbefinden und Vertrauen und beschreibt die Rahmenbedingungen des Glaubens, die jeder Moslem – besonders auch für andere – zu schaffen verpflichtet ist.

 

Im Nahen Osten werden gerade alle diese Werte zunichte gemacht und daher müssen alle, besonders die Moslems, hier gegen diesen Terror im Namen unserer Religion aufstehen.

 

„Die Grenze ist überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist“





Muzicant sagte im Gespräch mit dem STANDARD am 21.05.2010: „Als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde fühle ich mich verpflichtet, massiv davor zu warnen, dass zwischen dem, was die Antisemiten und Nazis in den 20er- und 30er-Jahren gemacht haben und dem, was die FPÖ-Politiker in diesen Wochen treiben, kein großer Unterschied ist. Wohl betont: 20er- und 30er-Jahre“.

Und weiter: „Die sagen’s jetzt gegen die Moslems, verunglimpfen eine Religionsgemeinschaft und deren Vertreter, beschimpfen Moslems, dass sie keine ordentlichen Österreicher sind und so weiter.“ Das sei unerträglich. „Es sind nur dieses Mal nicht die Juden sondern die Moslems. Aber die Diktion, die Sprache, die Vergleiche, die Unwahrheiten, die Hetze waren genau das selbe“, meint der IKG-Präsident. Es sei, so Muzicant, „eine Schande für unsere österreichische Heimat, dass im Jahr 2005 so etwas möglich ist. Und dann wundern wir uns, wenn man uns im Ausland als Nazis beschimpft.“ Für den IKG-Präsidenten ist längst „die Grenze überschritten, die in einer zivilisierten Gesellschaft zulässig ist. Wenn ich gegen eine Religionsgemeinschaft hetze, dann ist das in meinen Augen nicht mehr zulässig.“ (Der Standard, Printausgabe, 21.10.2005)

 

 

„Liebe Deinen Nächsten“ ist vielleicht schwer, aber…!

 

Wir, die TKG, wissen, dass das Judentum als abrahamitische Religion zu uns als Moslems, liberalen Aleviten und liberalen Sunniten, gehört und betrachten die Juden als Brüder und Schwestern, denn ebenso wie das Christentum, gehört es auch zu den Buchreligionen. 

„Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, sagt das Alte Testament im Buch Levitikus 19,18. 

Ein Rabbiner sagte dazu vor kurzem einmal in Wien: „Das ist vielleicht zu viel verlangt.“

 

Wir finden, wir sollten uns aber wenigstens an den Vorsatz halten, niemandem das zuzufügen, was wir nicht für uns selbst wollen. Aber mehr noch, denn dieses Gebot lehrt uns, auf den Nächsten zu achten und ihm zu helfen, wo wir es nur können. Dieser Rabbiner und viele christliche, humanistische Menschen sind unsere Vorbilder! Und dafür müssen wir unsere Religion, den Islam, nicht aufgeben! Uns verbindet mit diesen Menschen vor allem der gegenseitige Respekt, die Achtung der Menschenwürde und unsere große Verbundenheit mit der österreichischen säkularen Verfassung.

 

 

Wilders hat die Menschenwürde verletzt, beschimpft und verächtlich gemacht

 

Immer wieder beschwört Wilders in seiner Rede den Wert der Freiheit. Dabei vergisst er, dass auch Muslime in Europa Freiheiten haben und gerade der Humanismus betont die Religionsfreiheit. O-Ton Wilders: „Der Islam darf sich nicht im eigenen Land ausbreiten!“. Damit beschränkt Wilders die Freiheiten andersgesinnter Gläubiger und Mitbürger. Damit wettert er eigentlich auch gegen die österreichische Verfassung, ohne sie beim Namen zu nennen. 

In dieser Logik kann man dann leicht zynisch fordern, verblendete Jugendliche doch einfach „in den Jihad ziehen zu lassen“.

 

Unsere Moral, unser Rechtssystem, unser familiäres Empfinden lassen diesen zynischen Umkehrschluss aber nicht zu. Dagegen verwehren wir uns! Kein muslimischer Familienvater will seinen Sohn in der syrischen Wüste sehen. Keine Mutter würde ihre Tochter dort hinschicken.

 Was darauf folgt, kennen wir aus der Geschichte und sagen: Wehret den Anfängen!

 

 

Wilders betreibt Hetze, auch nach dem Gesetz?

 

Der §130 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches (StGB) „Volksverhetzung“ und der §283 des österreichischen Strafgesetzbuches (StGB) „Verhetzung“ sowie die entsprechenden internationalen Gesetze weltweit sind nicht umsonst von Parlamenten und Regierungen im Namen des Volkes verabschiedet worden.

 

Eine strafwürdige Verhetzung richtet sich demnach in allen Fällen gegen bestimmte Personengruppen, die der Täter als Angehörige einer bestimmten Rasse, Ethnie, Staatsbürgerschaft oder im Inland bestehender Kirchen und Religionsgesellschaften definiert. Nach Absatz 1 muss der Täter dabei öffentlich, das heißt für mindestens zehn Personen wahrnehmbar, zu Gewalt gegen die betroffene Gruppe auffordern oder aufreizen und damit die öffentliche Ordnung gefährden.

 

Nach Absatz 2 kann man das Delikt durch direkte Aufrufe zu Hass und Verachtung gegen eine Bevölkerungsgruppe begehen, die über einfaches Herabsetzen und Beleidigen hinausgehen, oder durch Äußerungen, die die Betroffenen als minderwertige Wesen quasi als Untermenschen hinstellen und damit „in ihrer Menschenwürde beeinträchtigen“.

 

TKG fordert: Menschenwürde in der österreichischen Verfassung verankern!

 

Für den hetzenden Wilders steht die „Verteidigung Wiens“ offenbar nicht für die Bewahrung des Christentums, das Bekenntnis zur Heiligen Dreifaltigkeit oder für die Kultur des Lebens, sondern für den Verteidigungskampf von „Freiheit, Ehre und Würde“.

 

Wir fragen: Welche Freiheit? Welche Ehre? Welche Würde?

 

Wie kann man diese drei Wörter dermaßen missbrauchen, vergewaltigen, verdrehen und gegen andere Religionen und Kulturen verwenden und die Ehre und Würde dieser Menschen derart mit Füßen treten? Jeder Moslem wird seine Freiheit, seine Ehre und Würde gegenüber Wilders und ähnlich tickenden Neo-Rassisten mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen wissen.

 

Die TKG fordert nun, dass der Artikel 7 der Österreichischen Bundesverfassung, in dem unter anderem festgehalten ist, dass „alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich sind“, um folgende Formulierung ergänzt wird: „Die Menschenwürde ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen.“

 

Es wäre ein wichtiges Zeichen, diese Bestimmung der Charta der Menschenrechte auch in der österreichischen Bundesverfassung zu verankern. Dies würde auch dem Subsidiaritätsprinzip entsprechen. Verschiedene Menschenrechtsvergehen könnten dann direkt in Österreich einklagbar sein.

 

 

Wien taugt nicht als Symbol für den Anti-Islamismus.

 

Wer die Götzen „Freiheit, Ehre und Würde“ verehrt, sollte auch selbst danach handeln. 

Deswegen ist es einmal mehr lächerlich und unglaubwürdig, wenn sich national-liberale Leute wie Wilders zu demagogischen Führern aufspielen, als ginge es ihnen um die Verteidigung des christlichen Abendlandes oder des Christentums per se.

 

Überhaupt halten wir es für falsch, die Expansion des Osmanischen Reiches bis 1683 und die Zweite Türkenbelagerung mit der heutigen Situation zu vergleichen.

Das Osmanische Reich gibt es nicht mehr, Wien ist nicht belagert und braucht auch nicht entsatzt zu werden. Die TKG distanziert sich vom Neo-Osmanismus aller Art. Wir haben die Geschichte der Wiener Türkenbelagerungen schon oft studiert, sie taugt nicht als Sinnbild, Vergleich oder Metapher für heutige Probleme und Fragestellungen.

 

Dagegen wird die Türkenbelagerung heute trotzdem für populistische Hetze verwendet und ideologisch instrumentalisiert. Hetze gegen andere Rassen, andere Kulturen und andere Bekenntnisse, die in Wirklichkeit gar nicht so „anders“ sind. Nämlich Hetze gegenüber Türken und Moslems und alles, was der Volksmund darunter versteht.

 

 

Wettert Wilders gegen eine Kultur oder gegen eine Religion? 



 

Noch skurriler ist es, wenn Wilders dem Staat Israel einen Bärendienst erweisen zu wollen scheint. 

Wilders nimmt jeden Zuhörer in Geiselhaft: „Ein Krieg gegen Israel ist ein Krieg gegen uns alle!“. Wilders verschiebt auf dem ideologischen Schachbrett in einem Spiel gegen sich selbst FPÖler, Niederländer, Österreicher, Israelis, Jihadisten, Türken, Moslems, Juden, Christen, wie weiße und schwarze Bauern und stellt sich selbst einmal auf diese und einmal auf jene Seite.

 

In seiner Rede in der Wiener Hofburg stimmte er plötzlich die Zuhörer auf Israel ein: „Kann Israel nicht in Frieden existieren, können wir es auch nicht!“.

 

Noch verwirrter ist man, wenn man folgenden Aufruf Wilders´ analysieren will: „Lasst uns Seite an Seite mit Israel stehen, dem Bollwerk unserer Zivilisation im Nahen Osten, dem Leuchtfeuer in dunkler Gegend!“ Wilders will Israel und das Judentum, das Abendland und das Christentum dem Islam entgegensetzen. Wilders verwechselt hier aber Äpfel mit Birnen und glaubt scheinbar, damit Israel nützlich sein zu können. Seine Ideologie, seine Gedanken sind im Grunde nicht patriotisch, sondern zutiefst antisemitisch.

 

Wenn man sie objektiv analysiert, ist die Rede von Geert Wilders eigentlich indirekt Antisemitismus.

 

 

TKG: Wilders gebührt die „Saure Zitrone“




 

Wilders Rede ist eigentlich indirekt antisemitisch, wenn man richtig zuhört. Er ersetzt lediglich die Begriffe Judentum, Talmud und Tora durch die Begriffe Islam, Koran und Mohammed. Gestern sagte man: „An allem Schlechten sind die Juden schuld.“ Und morgen?

 

Unter dem Vorwand, für Israel einzustehen und unter der Behauptung, dieses sei ein Bollwerk der westlichen Zivilisation, führt er seine eigenartigen Thesen ad absurdum. Das Thema des Nahen Ostens ist dazu viel zu komplex und sollte nicht nach Wien transferiert werden und darf in Österreich nicht über Israel zur Hetze gegen Moslems werden.

 

Es ist ein Skandal erster Klasse, wenn sich der Islamkritiker Wilders in der Hofburg auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft. Wer vom religiösen Erbe spricht, muss sich fragen lassen, wie sehr er denn überhaupt den Kern und die Lehre dieser Religionen verinnerlicht hat. Das Erbe kann schnell zur leeren Form werden, wenn man nicht am Kern festhält. Nächstenliebe, Gastfreundschaft, Feindesliebe sind kein Erbe, sondern Gebote und ziehen konkrete Taten nach sich. Der Begriff des Erbes ist auch problematisch, wenn das Erbe mit Hypotheken behaftet ist. Die Christen wissen das nur zu gut aus ihrer „eigenen“ Geschichte. Die Juden kennen das „jüdische Erbe“, das ihnen immer wieder wie ein Brandmal aufgedrückt wird. Fazit: Genozid! Die Moslems werden sich aber nicht genozidieren lassen!

 

Wilders spricht von jüdisch-christlichen Werten und einer „besseren Kultur“, einer „überlegenen Zivilisation“. Den Inhalt dieser Werte, dieser Kultur, dieser Zivilisation bleibt er aber schuldig. Wahrscheinlich meint er damit auch seine national-liberalen Forderungen nach Grenzüberwachung, Ausweisung und Assimilierung, jedenfalls nicht die Frohe Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung. Fordert er doch in einem Aufwaschen den Austritt aus dem Schengen-Abkommen, die Ausweisung aller Jihadisten, etc.

 

Ihre Message, Herr Wilders, ist angekommen! 




 

Vielen Dank für den offenen Neo-Rassismus!

 

 

Fazit: Wir von der TKG halten die demagogische Logik von Geert Wilders für lächerlich, wenn nicht gar gefährlich, und empfehlen der FPÖ, sich von Hetzern wie Wilders zu distanzieren.

 

Wir fragen im Namen der TKG: Was ist der Unterschied zwischen der Propaganda der IS-Terroristen und der Hetze eines Herrn Wilders?

 

Die TKG ruft die FPÖ und Sympathisanten auf, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich nicht auf platte Sonntagsredner einzulassen. Von Hetzern gegen Muslime muss sich die FPÖ eher distanzieren…Und wer hetzt und Hetze duldet, muss wissen, dass der Bumerang meist zurückkommt. Und jeder wahre demokratische Patriot muss Österreich von Hetze, egal aus welcher Ecke sie kommt, mit Vernunft, Verstand und Ehrlichkeit schützen.

Türkische KULTURgemeinde in Österreich

Obmann
Dipl.-Ing. Birol Kilic

 

 

Was ist Islam und was ist er nicht?

www.turkischegemeinde.at/index.php?id=343&tx_ttnews[tt_news]=34&cHash=fdc2afe46ef6cd5b26e11f1a1d14fddc

 

Rükfragen:

Dr. Melissa Günes
Generalsekretärin

Türkische Kulturgemeinde in Österreich
Avusturya Türk Kültür Cemiyeti

E-mail: m.gunes@turkischegemeinde.at

26 Jan
By: Redaktion 2 0

Gemeinsame Erklärung anlässlich des Int. Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner 2015

Wien – Feindschaft gegen Juden als Menschen, Volk und Religion ist ein altes Phänomen. Diese zunächst religiöse Judenfeindschaft war die Grundlage des Rassenantisemitismus bis hin zum Holocaust. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Jänner, den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den Juden, dem ersten Versuch einer technologisch organsierten Liquidierung eines ganzen Volkes. Diesem modernen Rassenantisemitismus ging eine religiöse Judenfeindschaft voraus. Christliche Religionsgemeinschaften haben Judenhass (Antisemitismus) längst thematisiert, scharf verurteilt und bereits wesentliche Schritte zur Überwindung dieses Erbes gesetzt.

 

www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150126_OTS0023/gemeinsame-erklaerung-anlaesslich-des-int-holocaust-gedenktages-am-27-jaenner-2015

 

Im islamischen Raum und unter den hier wohnenden Muslimen in Europa verzeichnet man in letzten Jahrzehnten bedauerlicherweise eine dramatische Steigerung des Judenhasses. (Beispiel: Malmö, Paris, Toulouse, Brüssel) Das beweisen entsprechende Umfragen (WZB-Berlin, Amadeu-Antonio Stiftung, Bielefelder Institut für Konfliktforschung, Grundrechtsagentur der Europäischen. Union und Deutsches Institut für Islamfragen.

 

Die Menschen in Europa unabhängig von ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit – sind gerade an diesem Internationalen Holocausttag gefordert, sich in Solidarität gegenüber Rassismus, Fundamentalismus, Juden- und Muslimenfeindlichkeit zusammen zu finden und zu verhindern, dass Mitglieder ihrer Gemeinschaften selbst zu antijüdischen oder sonstigen religionsfeindlichen oder rassistischen Akteuren werden.

 

Im Sinne einer pädagogischen Aufklärung kommt den Religionsverantwortlichen eine besondere Bedeutung zu, weil sie mit Besinnung auf den Kern aller Religionen zum Schutz der Menschenwürde besondere Akzente für den Frieden setzen können. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit eigene theologische Traditionen auf ihre gegenwärtige Bedeutung hin kritisch zu hinterfragen, um sich von menschenverachtenden und meist politisch motivierten und aus dem historischen Kontext gerissenen theologischen Inhalten klar zu distanzieren.

 

Spannungen aufgrund unterschiedlicher politischer Narrative und Ansichten bezüglich Konflikten in anderen Teilen der Welt dürfen nicht nach Österreich importiert werden. Ganz im Gegenteil: in Österreich sind Akzente zu setzen, die zeigen sollen, dass Frieden und Solidarität unter den Religionen möglich ist. Die Muslime unter uns verwehren sich dagegen, dass Verse ihres heiligen Buches, des Korans, dazu benutzt werden, gegen andere Religionen, wie das Judentum oder das Christentum, zu hetzen. Vielmehr genießen das Judentum wie auch das Christentum besondere Anerkennung im Koran. Religiösen Antijudaismus, wie er von der Theologie des politischen Islams mit fundamentalistischen und verfälschten Koran-Interpretationen vertreten wird, lehnen wir ab.

 

Insbesondere verurteilen wir alle unmenschlichen und rassistischen Hadithe späteren Datums, die Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten darstellen. Das Wort „Islam“ im Koran hat als Wurzel das Wort „Selam“, das „Friede“ bedeutet. Alle Muslime sind verpflichtet durch ihre Taten und Handlungen das Wort „Selam“ auch zu leben.

 

Die Juden unter uns weisen darauf hin, dass gemäß den Prinzipien der sieben noachidischen Gesetze der Ethik (Talmud Sanh. 56) Andersgläubige einen den Juden gleichen Anteil an der kommenden Welt haben und wir aus diesem Grunde jegliche Missionierung ablehnen. Angehörige anderer Religionen sind für uns gleichberechtigte Partner. Die Österreichische Bundesverfassung zu der wir uns alle als oberster ziviler Rechtsordnung bekennen, legt die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.

 

Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Israelitische Kultusgemeinde Wien – Israelitische Religionsgesellschaft
Türkische Kulturgemeinde in Österreich

12 Aug
By: Redaktion 2 0

TKG unterstützt den Protestaufruf gegen die Verfolgung von Christen im Irak

Wien – Die Türkische KULTURgemeinde (TKG) in Österreich ruft alle ihre Mitglieder und Sympathisanten auf, sich dem Protestmarsch der „Union Orientalischer Christen in Österreich“ anzuschließen.

 

Sonntag, 10. August 2014

 

Treffpunkt: 16.30 Uhr vor der Wiener Staatsoper

 

(Fußmarsch von der Staatsoper zum Stephansdom)

 

Egal welcher Religion wir angehören, wir dürfen nicht unsere Augen und Herzen angesichts des Genozids im Irak verschließen!

 

Im Nahen Osten passiert ein Massaker in der Qualität und Quantität eines schrecklichen Genozids, der von „sunnitisch Wahabisierten“, aus verschiedenen Ländern stammenden, kriminellen und angeblichen „Moslems“, die „islamische Markenslogans“ verwenden, verübt wird.

 

Diese IS-Terroristen haben mit dem wahren Islam nichts zu tun! Das sind Mörder und Verbrecher!

 

Diese Verbrechen müssen international geächtet und geahndet werden!

 

Es ist an der Zeit, nicht alle Moslems in den gleichen Topf zu werfen und die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen: Zwischen fundamentalistische Männern und Frauen, rassistischen Menschen, die den Islam missbrauchen einerseits und den friedlichen und gemäßigten Moslems andererseits. Im Irak, in Syrien und in der Türkei als auch in Antakya/Antiochia war Jahrhundertelang ein halbwegs friedliches Zusammenleben von Moslems und Christen möglich.

 

Die Türkische KULTURgemeinde hatte bereits vor Jahren, am 13. März 2010, in die Votivkirche zu einer gemeinsamen großen Veranstaltung eingeladen. Bei diesem 55-köpfigen „Chor der Zivilisationen“ aus Antakya (Südtürkei) mit Mitgliedern aus den drei verwandten Religionen Christentum, Judentum und Islam haben wir selbst diese wunderbaren Menschen aus der syrisch-türkischen Grenzregion kennengelernt. Wir glauben an ein friedliches Zusammenleben dieser Völker und Religionen.

 

Verhetzung, Vertreibung und Mord haben im Irak eine fürchterliche Dimension erreicht. Hier wird der Glaube massiv missbraucht. Hier wird der Gottesname missbraucht…

 

TKG glaubt an die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens in einer Gemeinschaft, in der wir unsere friedlichen Ideen teilen und Freundschaften knüpfen können, unabhängig von Herkunft, Religion und sozialer Stellung.

 

WIR müssen aufstehen, die Verbrechen scharf verurteilen, Gerechtigkeit einfordern und uns von der Gewalt distanzieren!

 

WIR müssen unsere Stimme gegen die Massaker erheben!

 

Besonders alle Muslime…

 

… FÜR die Yezidischen Kurden

 

… FÜR die Aleviten, die schiitischen Türkmenen und die Muslime

 

… FÜR unsere christlichen und jüdischen Freunde

 

WIR müssen mit dieser Demo FÜR die Menschlichkeit eintreten, aufstehen und füreinander das Wort ergreifen!

 

Es ist nicht die Zeit, ruhig zu bleiben. Sondern es ist an der Zeit, das Schweigen zu brechen und für den Frieden ein Zeichen zu setzen!

 

Deswegen demonstrieren wir auch am 10. August 2014 um 16.30 Uhr vor der Wiener Staatsoper gegen die Verfolgung der Christen und Christinnen im Irak!

 

Die „Türkische KULTURgemeinde in Österreich – Brücken bauen“ ist ein den pluralistischen, freiheitlichen, demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien verpflichteter Verein. Pluralität der Meinungen, Gleichberechtigung aller Mitglieder und demokratische Regeln bei der Arbeit sind oberstes Prinzip.

14 Jul
By: TKG 0

Auch „Muslime“ beteten für Otto von Habsburg

Ein denkwürdiger und zugleich trauriger Tag in Wien. Tausende Menschen strömten zum Stephansdom um Otto von Habsburg die letzte Ehre zu am 14.11.2011 erweisen. Mit dem Begräbnis des letzten Kaisersohns versank damit die einst einflussreiche Herrscherdynastie in der Kapuzinergruft.  Otto von Habsburgs größter Wunsch war die Einigung dreier Religionen. Der letzte Wunsch des Kaisersohns: Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

von Mercedes Fränzel ( Yeni Vatan Gazetesi/Neue Heimat Zeitung)

Dies konnte im Fernsehen live mit verfolgt werden. Was man jedoch weder in der Zeitung nachlesen, noch im Fernsehen live mit verfolgen konnte, war die am 14. Juli 2011 in der Kapuzinerkirche stattfindende Trauerfeier. Diese fand im engen, familiären Kreis mit fünf Töchtern, zwei Söhnen, zweiundzwanzig Enkelkindern und engen Freunden statt.  Als einziger Moslem ausser  der Großmufti von Sarajevo war der Vertreter der türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Birol Kilic eingeladen. Kilic, „Ich habe Otto von Habsburg kennen und lieben gelernt“

Nach dem Requiem im Stephansdom und der anschließenden Beisetzung von Otto Habsburgs Leiche in der Kapuzinergruft wird dessen Herz in einer Herzurne nach Ungarn gebracht. Dort soll es im Kloster Pannonhalma bestattet werden.  Pressesprecherin Eva Demmerle, „Otto Habsburg hat sehr an Ungarn gehangen, er war von den Mönchen im Kloster Pannonhalma erzogen worden, deswegen soll sein Herz dort bestattet werden.“

 

Drei Religionen erwiesen dem Kaisersohn die letzte Ehre

Die Vertreter dreier Religionsgemeinschaften versammelten sich, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, für die Otto von Habsburg sein Leben lang eingetreten war. Sein großer Wunsch, verriet uns Dechant Pfarrer Rupprecht, war die Versöhnung des Judentums, Christentums und des Islams. Sowohl für ihn, als auch für seine Gattin Regina, standen niemals die Unterschiede verschiedener Religionen, sondern vielmehr die gemeinsame Basis und die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund, betonte Karl Habsburg-Lothringen . Denn irgendwann, so Dechant Pfarrer Rupprecht, werden auch die scheinbaren Unterschiede zwischen den Religionen, die wir Menschen noch nicht begreifen können, aufgehoben werden.

Der letzte Wunsch des Kaisersohns:  Christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen.

Dem letzten Wunsch des Kaisersohns nachkommend wurden christliche, jüdische und muslimische Gebete gesprochen. Durch Gebete, so Dechant Pfarrer Rupprecht, könne man sich oft besser verständigen und zueinander finden als durch gewöhnliche Gespräche.

„Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Die christlichen Gebete wurden von Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky gesprochen, der aus den Paulus-Briefen las. Die Fürbitten wurden von Verwandten der Verstorbenen vorgetragen, gefolgt von einem gemeinsam gebeteten Vaterunser. Weihbischof Stephan Turnovszky schloss mit den Worten: „Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende“

Ein Gedenkgebet nach jüdischer Tradition trug der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, vor.
Die muslimischen Gebete, welche bereits vor hundert Jahren für Kaiser Franz Joseph und seine Familie zu jedem seiner Geburtstage in allen Moscheen gesprochen wurden, trug der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, zum letzten Mal für Otto von Habsburg vor, der sich trotz einer wichtigen Gedenkfeier nur drei Tage zuvor, die Zeit nahm, das Begräbnis seines langjährigen Freundes zu besuchen.


„Ein Mann der Rechtschaffenheit und Courage“ 

Das ökumene, arabische Gebet für die Seelen Otto von Habsburgs und seiner Frau Regina hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei der trauernden Gemeinde. Raisu-l-ulama Mustafa Cerić, Großmufti von Bosnien sagte, es sei ihm, als legitimer Erbe Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauevićs, eine Ehre dessen Beispiel zu folgen und ein aufrichtiges Gebet für den Nachkommen seiner Majestät Otto von Habsburg, dem Sohn Österreich-Ungarns letztem Kaiser zu sprechen, welcher ihn ehrte, indem er ihn als „Mann der Rechtschaffenheit und Courage kennenlernen durfte.

Zwei Bosnier, durch die der Kaisersohn ein langes Leben führen durfte Großmufti Cerić erinnerte an eine Aussage, welche seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg vor einigen Jahren in einem Interview für das Sarajevo Journal „Start“ machte: „Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges war ich in Deutschland. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Ph.D. und ging um einige meiner Dokumente zu holen. Natürlich war zu dieser Zeit Hitler der Regent. Als ich in München nach Hause kam, zu dem Haus meiner Großmutter, trat ein unbekannter Mann zu mir. Er war ein bosnischer Moslem von der deutschen Geheimpolizei, der folgende Worte zu mir sagte: „Seien Sie auf der Hut, wenn Sie hier bleiben sind morgen Sie an der Reihe.“ In der Tat schrieb ich zuweilen für eine der besten Anti-Nazi Zeitungen. Als ich zu dieser Zeit am Nachmittag nach München kam, schüchterte die Gestapo die Redaktionsleitung ein. Sie erwischten den Chefredakteur, der nur wenige Tage später starb. Als sie von der Verbindung zwischen mir und den Zeitungen erfuhren, begann die Suche. Natürlich verließ ich München als ich erfuhr, dass sie hinter mir her waren. Und zum zweiten Mal, zwei Jahre später, rettete ein bosnischer Moslem mein Leben . Sein Name war Ismet Aganovic. Er sagte mir, dass jemand der mir nahestand, mit der Gestapo zusammenarbeitete und von meinen Verbindungen mit Anti-Nazi Zeitungen erzählte. Wenn also keine Bosnier gewesen wären, wäre ich nicht mehr hier“ 

Ich bin stolz auf meine zwei Bosnier, die seiner Kaiserlichen Hoheit Otto von Habsburg halfen, ein langes und produktives Leben zu führen, das dafür sorgte, dass wir uns alle besser und sicherer in dieser verdrießlichen Welt fühlen“, sagte Bosniens Großmufti und betonte wie stolz die Familie seines „teuren Freundes“ sein könne, da sie die Ehre hatten, das Leben eines außergewöhnlichen Mannes zu teilen, dessen Licht der Menschlichkeit nicht nachlassen wird zu scheinen.

„Oh Gott, lass meinen Freund, den Freund Bosniens, den Hüter eines neuen Europas, den Patron einer neuen Welt des Friedens, den Mann aller Zeiten, in Frieden und in Gottes ewig währender Gnade zusammen mit seiner Frau Regina ruhen, Amen!“ Mit diesen letzten, bewegenden Worte schloss Bosniens Großmufti seine Rede.

Karl Habsburg folgt dem Beispiel seines Vaters

Durch die Totengebete sowohl nach jüdischer, christlicher, als auch muslimischer Tradition, wurde außerdem an Otto Habsburgs Eintreten für ein freies und unabhängiges Bosnien- Herzegowina erinnert.  Sie betonten die enge Beziehung, welche Otto von Habsburg zu Lebzeiten zum Judentum und zum Islam hatte.
Auch die Worte des Familienoberhaupts Karl Habsburg über den Islam und das Judentum waren sehr positiv und bar jeglicher Hasstriaden und Vorurteile. Vielmehr waren seine Worte auf das monoloteistische Prinzip bezogen und er betonte ebenfalls, wie wichtig es für seine Eltern war, für das gemeinsame Interesse der Religionen einzutreten. Für sie wäre immer klar gewesen, so Karl Habsburg, dass das Einigende vor dem Trennenden stehe und die verschiedenen Religionen zusammenarbeiten müssen, um sich den Problemen des Atheismus und der Wertelosigkeit zu stellen.

Folgendes ist das Gebet, welches bereits Raisu-l-ulama Muhammad Demaludin Čauević für seine Majestät Kaiser Franz Joseph I, anlässlich seines Geburtstags vor 100 Jahren in Bosnien vorlas:

„Wir danken dir Allmächtiger Gott, denn du bist alles hörend, denn du bist unseren Bedürfnissen nahe und du nimmst unsere Gebete an. Mögen wir Segenswünsche und Grüße über deinen liebsten und geliebten Boten, seine Familie und seine Gefährten bringen.

Wir alle gehören zu Gott und zu Gotten kehren wir wieder zurück.Unser geliebter Gott, du bist eins und einzigartig in deiner Kraft und deiner Pracht.

Du bist der Einzige, der uns gibt was wir benötigen und niemand kann dies verhindern. Du erhöhst wen du erhöhen möchtest und du gewährst Macht, wem du Macht gewähren möchtest. In deiner Macht liegt alles Gute. Wahrlich, du hast die Macht alles zu vollbringen.

Unser Herr, wir sind deine Büßer und bieten dir unsere aufrichtigen Gebete im Tempel deiner Anwesenheit dar und bitten dich, bei deinen wahren Versprechen, bei deiner Herrlichkeit und Macht, bei deiner grenzenlosen Gnade und wir bitten dich bei deinen gesegneten und heiligen Boten und Propheten die königliche Familie, bekannt für ihre Gerechtigkeit und Objektivität überall und allerorts, die Familie unseres geliebten und großartigen Königs, unsers geliebten Kaisers Franz Joseph I, zu stärken.

Unser geliebter Herr, mit deinem Auge gib Acht auf seine edle Familie und halte ihn und seine Familie fern von allem Übel und Leid.

Unser geliebter Herr, mögen er und seine Familie in deinem Vertrauen, deinem Glück und in deiner Zufriedenheit ruhen, und lasse nicht zu, dass seine Feinde oder Feinde seiner Familie ihnen Schaden zufügen.

Unser geliebter Herr, halte jeden, der einen Gedanken hegt ihm oder seiner edlen Familie zu schaden, von der Tür deiner Gnade fern.Geliebter Herr, hilf und unterstütze unseren erhabenen Kaiser Franz Joseph I und stärke sein Heer. Geliebter Herr, sorge für seine Zufriedenheit und den Schutz und Wohlstand seines Königreichs. Unser Herr, mache ihn erfreut über Dinge, die dich erfreuen, dich zufriedenstellen und öffne ihm den Pfad der Liebe und lass die Liebe für den Schutz seines beständigen Schicksals, durch die Pracht deiner Boten und Propheten in sein Herz eintreten.Allmächtiger Gott, führe uns zusammen, vereinige unsere Herzen und leite unseren Weg zum Pfad des Friedens.Amen! Amen! Amen!Oh du, der du die hörst, die beten. Gepriesen sei Gott, der Herr der Welten. El-fatiha!“

 

 

01 Sep
By: Redaktion 2 0

Der Heilige Gral

Jesus ist in der Türkei

 

Der Heilige Kelch, über dessen Aufenthaltsort sich nach dem Erscheinen des Buches (Da Vinci Code) zahllose Vermutungen verbreitet hatten, soll sich in einer Kirche in Antakya (das alte Antiochien) in der Türkei befinden. Zum Reichtum des vieltausendjährigen anatolischen Kulturschatzes hat auch das Christentum mit seinen Gaben beigetragen. Nicht nur, dass sich das Christentum in seiner Frühzeit in Anatolien ausbreitete, hier gewann es auch im Wesentlichen seine organisatorische Gestalt. Selbst als die muslimischen Türken nach Anatolien eingewandert waren, konnten die Christen mit ihren Kirchen,  Klöstern und Gemeinden weiterleben.

 

Der Archäologe Josef Naseh, Vorsitzender der Stiftung der Orthodoxen Kirche in Antakya, sucht     gemeinsam mit vier Freunden den Kelch, von dem Jesus Christus sagte: „Mein Leib und mein Blut sind
in diesem Kelch.“ Naseh verteidigt die These, dass der Heilige Kelch, der nach dem Erscheinen von Dan BrownÂ’s Buch „Da Vinci Code“ auf der ganzen Welt zum Tagesgespräch wurde, in der nach Jerusalem zweitheiligsten Stadt, Antakya, befindet. Nach der Veröffentlichung des Buches „Da Vinci Code“, das Verkaufsrekorde brach, gibt es kaum noch jemanden, der die Geschichte des Heiligen Kelches nicht kennt. Es wurde behauptet, der Kelch sei in Italien, in England, in Kanada, einer weiteren Behauptung zufolge sollte er sich in Istanbul, unter Çemberlita (Verbrannte Säule) befinden. Seit Neuestem kursiert das Gerücht, dass sich der Heilige Kelch in Antakya, Hatay, befindet. Der Archäologe Josef Naseh, Vorsitzender der Stiftung der Orthodoxen Kirche in Antakya, unterstreicht die Wichtigkeit der Stadt Antakya als die nach Jerusalem zweitwichtigste Heilige Stadt und sagt:

 

„Antakya ist die zweitwichtigste Heilige Stadt nach Jerusalem. Nach Jesu Tod sind die Jünger hierher gekommen. Die Mutter Gottes ist von hier nach Ephesus gereist. Sicherlich haben sie den Heiligen Kelch mitgebracht, weil Jesus Christus über den Kelch sagte: ‚Mein Leib und mein Blut sind in diesem KelchÂ’.“ Nach Aussage von Naseh sind die Annahmen von Leonardo da Vinci auf die Zeit nach der Renaissance ausgerichtet und nicht sehr realistisch, denn in den Jahren davor, in denen der Kelch versteckt wurde, gab es im Westen keine Kultur zur Aufbewahrung einer solchen Reliquie.

 

Als das Christentum in Palästina geboren wurde, wetteiferten im Vorderen Orient östlicher Mystizismus, jüdische Messiaserwartung, griechische Philosophie und römische Universalität miteinander. In diesem Umfeld entwickelte sich das Christentum, in dem Jesus die frohe Botschaft vom nahen Reich Gottes und vom Tag der Abrechnung verkündete. Aufgrund dieser Hoffnung sammelten sich um ihn viele aufrichtige und reine Menschen. Doch das Christentum konnte in Palästina, wo es entstanden war, keine Wurzeln schlagen. Nachdem Jesus gekreuzigt, Stephanus gesteinigt und Jakobus enthauptet worden war, erschien den Gläubigen das Bleiben als recht gefährlich und sie beschlossen, in andere Länder zu gehen, um den neuen Glauben zu verbreiten. Aber nicht nach Rom oder Athen, sondern nach Anatolien machten sich die Jünger in kleineren und größeren Gruppen auf. Sie wählten Antakya (das alte Antiochien), Tarsus und Ephesos. Dorthin wanderte der Lieblingsjünger Johannes aus, dem Jesus am Kreuz seine Mutter Maria anvertraut hatte. Besonders Antakya spielt in der Geschichte des Christentums eine wichtige Rolle, denn hier war die erste christliche Gemeinde gegründet worden, die mit dem Judentum gebrochen hatte; es war ein großes Missionszentrum entstanden, und schließlich vollzog hier Paulus seine endgültige Bekehrung und Entwicklung. Zu der Zeit schloss sich Paulus aus Tarsus den Jüngern an. Zuerst hatte er an der Verfolgung der Jesusjünger teilgenommen. Etwa im Jahre 33 überzeugte ihn eine Vision davon, dass Jesus der Messias sei, und nun wurde er einer der entschiedensten Verteidiger des neuen Glaubens. Er verkündigte mit Nachdruck die Wahrheit, dass alle Menschen gerettet würden durch den Glauben an Jesus, den Gesalbten Gottes, ohne dass die Beschneidung oder die (jüdischen) Religionsvorschriften notwendig seien. Die erste Missionsreise führte ihn (zwischen 45 – 48) nach Zypern und Anatolien. Dabei begleiteten ihn Barnabas und Markus, die Evangelisten. Paulus predigte in Anatolien, im heutigen Antalya, Konya und Nigde und in den Städten Perge, Ikonium, Lystra und Derbe. Dort entstanden neue christliche Gemeinden.

 

Zwischen 50 und 52 unternahm Paulus, wieder ausgehend von Anatolien, eine zweite Missionsreise zu den Heiden. Mit ihm waren Silas und Timotheus und anfangs auch noch Lukas und Barnabas. Zuerst besuchte der Apostel die Gemeinden um Nigde und Konya herum. Dann, nachdem er Phrygien und Galatien hinter sich gelassen hatte, ging er nach Thrakien, Makedonien und Griechenland hinüber. Über Ephesos und Jerusalem kehrte er nach Antiochia zurück.

 

Paulus machte noch eine dritte Missionsreise (53 – 58). Nachdem er wieder die Gemeinden in Galatien und Phrygien besucht hatte, blieb er drei Jahre lang in Ephesos. Dort gab es schon eine christliche Gemeinde, die wahrscheinlich von Johannes begründet worden war. Johannes hielt sich, wie man weiß, im Jahre 48 in Jerusalem auf. Wo er die Zeit zwischen den Jahren 37 und 48 verbracht hatte, ist unbekannt. Man nimmt an, dass er mit Maria nach Ephesos ausgewandert sei, von dort im Jahre 48 nach Jerusalem gereist und im Jahre 67 wieder nach Ephesos zurückgekehrt sei. Paulus musste Ephesos wegen des Aufstandes der Silberschmiede unter Demetrius verlassen, die durch die Ausbreitung des Christentums das Geschäft mit silbernen Artemistempelchen gefährdet sahen. Der Apostel starb im Jahre 67 in Rom durch Enthauptung.

 

Paulus hat seine religiösen Schriften und Briefe im Wesentlichen auf anatolischem Boden verfasst, wie z.B. den ersten Korintherbrief. Auch die Empfänger waren oftmals Gemeinden in Anatolien, wie z.B. die Epheser, denen er aus dem Gefängnis in Rom schrieb. Auch Petrus schrieb seinen ersten Pastoralbrief an die verfolgten Christen in Anatolien. Johannes, der für die Verbreitung des Christentums eine wichtige Rolle gespielt hat, ist eines natürlichen Todes gestorben. Sein Grab befindet sich in Selçuk bei Ephesos. Über der Grabstätte war zuerst eine bescheidene Kirche errichtet worden, die dann unter Kaiser Justinian durch eine prächtige Basilika ersetzt wurde. Johannes wendet sich in seiner „Geheimen Offenbarung“ an die sieben Gemeinden Anatoliens

 

Kelch aus Keramik

 

Naseh hat mit vier Freunden – unter denen ein Geophysiker – begonnen, nach dem Heiligen Kelch zu suchen und behauptet, ihre Theorie sei glaubhafter als die zuvor vertretenen. Nach Naseh besteht der Heilige Kelch nicht aus Gold, Silber oder einem anderen Metall, sondern aus Keramik. Die archäologischen Funde der Zeit würden dies belegen.

 

Die neu gefundene Kirche

 

Nachdem vor drei Jahren eine Toilette im Erdgeschoß eines Hauses in Antakya drei Meter absackte, traten Reste einer Kirche zutage, die die Suchergruppe in helle Aufregung versetzten. Naseh ist zuversichtlich, den Heiligen Kelch in dieser Kirche zu finden, die alle architektonischen Merkmale einer christlich-orthodoxen Kirche trägt. Nach der Erteilung der notwendigen Erlaubnis seitens des Kultusministeriums werden die Studien in der Kirche beginnen. Die Gruppe wird am 21. April in Antakya zusammenkommen und den Arbeitskalender bestimmen. Eine der ersten Arbeiten wird eine fotogrammetrische Studie sein, d.h. das Fundament der gefundenen Kirche wird geröntgt. Entsprechend der daraus gewonnenen Erkenntnisse werden die Ausgrabungsarbeiten beginnen. Nach NasehÂ’s Aussage steht auch der Gouverneur von Hatay, Abdulkadir Sari, dieser Forschungsarbeit positiv gegenüber.

 

Was ist die Bedeutung dieses Kelches

 

Nach christlichem Glauben ist dieser Kelch der, aus dem Jesus beim Letzten Abendmahl Wein trank. Bei der Kommunionszeremonie teilen die Christen das in Wein getauchte Brot mit ihren Priestern, um das Letzte Abendmahl seelisch nachzuvollziehen. Einer anderen Deutung zufolge ist der Heilige Kelch das Gefäß, in dem das Blut Jesu gesammelt wurde, als er ans Kreuz genagelt wurde. Eine weitere Deutung dieses meistgesuchten Stückes nach dem Erscheinen von Dan BrownÂ’s Buch „Da Vinci Code“ ist die Weiblichkeit von Maria Magdalena, der angeblichen Geliebten Jesu. Manche behaupten, dass der Heilige Kelch die Fruchtbarkeit Maria Magdalenas symbolisiert und versuchen, die Fährte der Nachkommen Jesu aufzunehmen.  (Ayda KAYAR/DHA)

08 Jul
By: Redaktion 2 0

Jüdische Geschichte in Anatolien. Ein weiterer glänzender Stein im Kulturmosaik

In Erinnerung an Nedim Yahya, ein Mitglied der Fünfhundertjahre Stiftung, der am 22. September 1997  gestorben ist.

Bearbeitet von Birol Kilic

 

 

Zur Zeit sollte es jedem klar sein, dass die Türkei ein Hauptpunkt für die drei großen monotheistischen Religionen der Welt, den Islam, das Judentum und das Christentum, ist. Aber da sie ein mehrheitlich moslemisches Land ist, wissen viele Leute heute nichts mehr davon,  inwieweit das Alte Testament in der modernen Türkei verwurzelt ist. Der Berg Ararat  (Agri Dagi), wohin Noah und seine Familie nach der Überflutung geflohen sind, ist im Westen des Landes; in der Nähe von Dogubayazit. Noahs Nachkommen verbreiteten sich in einem großen Teil Anatoliens, und einer von ihnen, der Sohn vom Kanaan, Heth, wird für einen Vorfahren der Hethiter gehalten.

 

Von  Abraham,  dem ersten der hebräischen Patriarchen, glaubt man nach dem Islam, dass er in einer Höhle in der heutigen Stadt Urfa geboren worden ist und ziemlich sicher in Harran im 18. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Diese Höhle war später eine Zuflucht für Jakob, als er versuchte von Esau wegzukommen. Jacobs Brunnen ist heute immer noch da. Sogar der Garten Eden liegt für manche in der Türkei, weil dort Euphrat und Tigris ihren Ursprung haben.

 

Die heutigen großen Religionen wurden meist auf den Grundlagen von früheren, proto-monotheistischen  Glauben gegründet, die seitdem verblasst sind,  aber  dennoch  ihre Spuren hinterlassen haben. Vor viertausend Jahren war die wichtigste Gottheit der Hethiter der Wetter-Gott  Teshub, daraufhin waren den Mond-Gott anbetende Sabians überall an den Orten, wo heute die südöstliche Türkei ist. Ihr Tempel in Harran wurde als der größte in Mesopotamien  betrachtet. Außerdem gab es noch  Mithraists persischer Abstammung, die  den Gott des Lichtes auf den Bergen von  Nemrut, Pergamum und Olympus anbeteten.

 

Jüdische Gemeinden haben seit früheren Zeiten auf die Handelswege in Anatolien einen beträchtlichen Einfluss ausgeübt. Und das obwohl sie in diesem Land und auch in vielen anderen biblischen Siedlungen niemals mehr als eine Minderheitenreligion waren. Die jüdische Bibel (bei den Christen als das Alte Testament bekannt) ist eine Sammlung von Schriften, die ins 10.Jahrhundert v. C. zurückgeht. Sie teilt viele Legenden mit dem Christentum und dem Islam; wie z.B. die Überflutung und das Landen der Arche von Noah auf  dem Gipfel eines Berges (Ararat für Juden und Christen,  Cudi für Moslems).

 

 

Die Söhne von Noah

 

Noah hatte drei Söhne; Ham, Sem und Japhet; laut Genesis 10. Der Letzte hinterließ Nachkommen in Persien, Syrien und im größten Teil des östlichen Anatoliens. Die Nachkommen von Ham reisten entlang der Küste von Nordafrika und in die Region, die zwischen Tigris und Euphrat liegt.

 

Das Enkelkind von Noah, Asshur, war ein Vorfahre der großen Assyrer, die ihr Imperium entlang des Nordens von Tigris (Dicle) gegründet hatten. Ein anderes Enkelkind, Arphaxd, war ein Vorfahre von Abraham. Heth, der Sohn von Kanaan, wird als der Vater von den Hethitern vermutet, die in  Zentralanatolien von 2000 bis 600 vor Christus regiert haben. Zu dieser Zivilisation gibt es zahlreiche Anmerkungen in der Bibel.

 

Die Assyrer besetzten den Norden von Israel 722 v. C. Zwei Jahre später hatte König Sargon über  27.000 Israeliten im Norden von  Mesopotamien  auswandern lassen. Im Jahre 560 vor Christus haben die Babylonier Judäa erobert. Dadurch wurden wieder mehrere Israeliten vertrieben, ins Exil geschickt oder waren „verschwunden”. Als sie sich anstrengten, ihre Identität und ihr Erbe zu bewahren, wurden dies als die Diaspora der Juden bekannt. Manche kehrten zurück, um Jerusalem wieder aufzubauen, während Andere  jüdische Kulturzentren in  der Region Mesopotamien bildeten.

 

Aber die größte Expansion der Diaspora nach der Eroberung durch Alexander den Großen (332-323 v. C.) statt. Die Migration in Palästina wurde dadurch ermutigt. Die Zerstörung von Jerusalem und des Tempels im Jahre 70 (v. C.) verursachte eine weitere Welle. Es wird geglaubt, dass sich im zweiten Jahrhundert vor Christus eine Million Juden in Kleinasien angesiedelt hatten und sich in vielen großen  Handelsstädten verteilten.

 

Die Synagoge von Sardis, ungefähr 50 Meilen von Izmir entfernt, war einst eine der Größten in der Geschichte, gebaut 220 vor Christus und nach der Zerstörung wieder aufgebaut  im dritten Jahrhundert.

 

Die große Halle, die innen großzügig mit Mosaiken geschmückt war, war ein Teil des Bad-Gymnasium Komplexes der Gemeinde. Der Boden und die Wände waren aus Marmor. Obwohl sie später bei einem Erdbeben zerstört wurde, blieb ein großer Teil des faszinierenden Originialbodens erhalten und zieht auch heute viele Touristen  aus der ganzen Welt an. Ein teilweiser Wiederaufbau, der einen hohen Status der Gemeinde zeigt,  wurde in den 1970ern unternommen Ephesus, die alte griechische Stadt, die der Göttin Artemis gewidmet war und schön wiederhergestellt wurde, ist noch immer eines der sieben Weltwunder. Die Stadt war eine wichtige Raststätte während der Zeiten der jüdischen Diaspora von 60 bis 120 vor Christus.

 

Am südlichen Ende der Stadt fließt der Fluss „Meander“. Das Tal dieses Flusses hat den Aufstieg und den Niedergang von sieben großen, historischen Städten sowie Priene, Miletos, Didyma und Aphrodisias miterlebt. Die meisten Synagogen dieser Städte sind noch erhalten.

 

 

Der Regenschirm des Humanismus

 

Seit der Zeit der Osmanen wurde die Türkei mit der religiösen Freiheit in  Zusammenhang gebracht, die den Weg für den heutigen, säkularisierten  Staat der  Türkischen Republik (Gründung 1923 durch ATATÜRK) ebnete. Im 12. Jahrhundert, während des dritten  Kreuzzuges, war der berühmte spanische Philosoph und Schriftsteller Maimonides, ein Jude, der persönliche Physiker des prachtvollen, moslemischen Führers Saladin. Ein Mann, der im Westen für die Übersetzung älterer Bücher über die Astronomie zuständig war, die tausend Jahre später, nachdem sie in Harran geschrieben worden sind, als revolutionär galten. Als die Osmanen Bursa im Jahre 1324 eroberten, fanden sie hier eine unterdrückte jüdische Gemeinde vor, die die Neuankömmlinge als ihre Befreier anerkannten. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis die Etz-ha- Hayyim Synagoge zu erbauen, die bis vor kurzem besucht wurde. Tatsächlich waren die Osmanen den jüdischen Flüchtlingen gegenüber so gastfreundlich, dass im frühen 15. Jahrhundert Rabbi Itzhak Sarfati aus Edirne einen Brief  an die jüdischen Gemeinden in Europa schickte, in dem er sie aufforderte, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum erlitten haben, hinter sich zu lassen und „in der Türkei Sicherheit und  Wohlfahrt  zu suchen“,  als Teil ihres Weges zurück zum Heiligen Land.

 

Im Sommer von 1492, unter der Regierung  des aufgeklärten Sultans Beyazid II., der den Traum hatte aus sein Imperium einen „Regenschirm des Humanismus“ zu machen, nahmen  150.000 Sephardim, die wegen dem Erlass von Königin Isabella und König Ferdinand vor der Wahl zwischen  Tod  oder  Bekehrung  gestanden waren, Zuflucht im Osmanischen Reich. Sie waren offiziell willkommen und ließen sich in Istanbul, Edirne, Bursa und in vielen anderen Städten nieder. Sie bekamen Land, Steuernachlass, Ermutigung und Hilfe von der Regierung. „Der katholische Monarch Ferdinand wurde fälschlicherweise als weise betracht“, sagte Beyazid II., „denn er verarmte sein Land mit der Vertreibung der Juden und bereicherte unseres.“ Diese neuen Bürger gründeten im Jahr 1493 die erste schriftliche Presse und mit den Jahren  wurden berühmte Hofphysiker und Diplomaten Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

 

Zu Beginn des  16. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde in Istanbul  30.000 Leute und  war damit die wichtigste Gemeinde in  Europa. Viele Jahre lang gab es mehr jüdische als moslemische Ärzte in  Istanbul.

 

Im späten 19. Jahrhundert halfen Dr. Isik  Pasa Molho, Admiral im Osmanischen  Heer,  und  Dr. Raphael Dalmediko, ein Offizier, ein Krankenhaus, das „Orahayim”- Krankenhaus mit 98 Betten zu gründen, das heute  noch existiert.

 

Eine von den wichtigsten jüdischen Siedlungen während der Herrschaft ByzanzÂ’ und des Osmanischen Reiches war Balat. Dieser Stadtteil erstreckte sich entlang der oberen Reichweite vom Goldenen  Horn. Viele von den  Leuten, die hier gelebt hatten, waren aus Mazedonien. Während seines goldenen Zeitalters im 18. und 19. Jahrhundert, waren hier sechs Synagogen. Die älteste und berühmteste ist die Synagoge Ahrida, die schon vor der Eroberung von Istanbul  existierte. Sie besitzt einen Altar, der der Arche von Noah nachempfunden ist.

 

Viele jüdische Konfessionen sind auch in Istanbul präsent. Nebst den Sephardim aus Spanien,  gibt es Askinazi Juden, die von der Krim stammen und eine Karaite Minderheit, die eine Festung im Gebiet in der Nähe vom Galata Turm hatte. Im Jahre 1900 zählte die gesamte jüdische Gemeinde  von Istanbul 300.000 Mitglieder.

 

In den 1930ern hatte der revolutionäre, säkularisierte Führer Mustafa Kemal Atatürk viele bekannte jüdische Professoren, die in Deutschland vor der Verfolgung geflohen waren, in die Türkei  eingeladen. Während des Krieges bot die Türkei für viele Leute eine sichere Durchfahrt nach Palästina.

 

Seit den späten 1940ern ist die jüdische Gemeinde der Türkei allerdings beträchtlich geschrumpft. Viele sind nach Israel ausgewandert um es zu unterstützen. Wenn ein Türke nach Israel kommt und den türkischen Juden in Israel einen Besuch erstattet, so ist er ein sehr willkommener Gast.

 

Über 100.000 türkische Juden leben nun in Istanbul. In Ulus gibt es ein großes, modernes Gymnasium. Es gibt sechzehn funktionierende Synagogen. Aus Anlass des 500jährigen Friedens und der Toleranz wurde das Fünfhundertjahre Museum gegründet.  Man feiert dabei  auch die berühmten jüdischen Bürger, die zum reichen Kulturschatz der Türkei beigetragen haben. Die Zeitung  „Shalom“  hat ungefähr 4000 Abonnenten und wird in Türkisch und in  Ladino gedruckt. Sie haben auch eine ausgezeichnete Buchhandlung mit jüdischen Touristenführern und historischen Büchern über die Türkei und die Osmanen.

 

Jüdische Touristen würden einen Spaziergang um den alten Stadtteil Galata genießen, wo auch die Neve Shalom Synagoge ist. Hier finden auch heute noch viele Hochzeiten und Bar Mitzvahs statt.

 

Quelle:

Mersina /Molly Mcanailly Burke

03 Jun
By: Redaktion 2 0

Die Wiener türkisch-israeilitische Gemeinde und Synagoge

Naim Güleryüz

Deutsche Bearbeitung Birol Kilic

 

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden1 Marcos Russo mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, und der Dienstzeit von Sadullah Pascha als dem Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als dem Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

 

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet2 für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

 

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht modernisierten traditionellen östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim3 beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel ersetzt.

 

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, und die 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

 

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen zu jedem feierlichen Anlass zusammen am Tor der Synagoge, da beide Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

 

In Folge der neuen nationalistischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides.
In der Kristallnacht4 vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

 

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten? Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

 

Laut Überlieferung wird zu der Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche LopezÂ’ Mutter und Schwester sind Maranos5 und üben ihr Judentum heimlich aus. Seine Schwester wird denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt. Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, das von Maria Theresia regiert wird. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin gewährt Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

 

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo6 überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt. Der Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

 

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen)7 befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest8 wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge zerstört wurde.

 

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo9, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, das als Synagoge benutzt wurde.

 

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an den Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

 

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar. Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede.  Die Vorsitzenden waren in dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

 

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustrasse 1824 wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt  nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

 

Dies also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet10 wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

 

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen11. Als Ersatz wurde mit Erlass vom 6. Jänner 1906 dem Bau der Grossen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen stattgegeben. Die Grosse Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen,  verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

 

Bibliographie

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1 Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

2 Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

3 Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung  Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

4 Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

5 Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

6 Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

7 Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

8 Das Fest des großen Fastens im Judentum.

9 Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

10 Parochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

11 Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

20 Mrz
By: Redaktion 2 0

TKG: „Chor der Zivilisationen aus Antakya in Wien“

„Ich weiß, Ihnen ist es kalt, aber das wird sich sicher gleich ändern!“, mit diesen freundlichen Worten begrüßte der Leiter des „Chors der Zivilisation“ aus der türkischen Stadt Antakya, Yilmaz Özfirat, die zahlreichen Besucher der türkischen Kulturgemeinde Österreichs (TKG) in der Votivkirche. Damit sich die Gäste auch bei diesen eisigen Temperaturen wohlfühlen konnten, wurden von der türkischen Kulturgemeinde mehr als tausend Decken an die Gäste verteilt.

 

 

Wien. Auftakt des Konzerts war eine mitreißende türkische Version der Europahymne. Der >>Antakya Medeniyelter Korosu<<, zu Deutsch >>Chor der Zivilisationen<<, ist aus mehreren Gründen einzigartig. Einer der Gründe ist, dass er aus christlichen, muslimischen und jüdischen Chorsängern besteht, eine weitere Besonderheit besteht jedoch darin, dass sowohl hebräische, arabische, als auch türkische, armenische und lateinische  Volkslieder gesungen werden. Zentrales Leitmotiv des Chors wie Toleranz und ein friedliches Miteinander standen auch am 13. März in der Votivkirche im Mittelpunkt. Gastgeber und Vorsitzender des Vereins der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, Verleger Birol Kilic, wollte mit diesem Standort zum Ausdruck bringen, dass die in Österreich lebenden Türken auch in Kirchen herzlich willkommen sind. >>Die Botschaft des Chors aus Antakya und die unseres Vereins ist genau die gleiche. Zwar sprechen wir verschiedene Sprachen und glauben an unterschiedliche Religionen, jedoch sind wir alle Menschen und  Kinder Gottes<<, so Birol Kilic.

 

 

Der Einladung in die Votivkirche waren mehr als  1200 Besucher aus insgesamt 70 verschiedenen Nationen gefolgt. Auch wichtige Persönlichkeiten der Stadt Wien, wie zum Beispiel der Referatsleiter der Interkulturellen und Internatinalen Aktivitäten der Stadt Wien, Haydar Sari, der Bezirksvorsteher Ottakrings, Franz Prokop, wie auch Bundesrat Efgani Dönmez, Miss Germany Asli Bayram und viele prominente Persönlichkeiten befanden sich unter den Gästen. Ebenfalls anwesend waren der Honorarkonsul aus Antakya Mehmet Kiliclar, die türkische Vize- Botschafterin in Wien, Istem Circioglu, Bischöfe und Päpste aus jüdischer Glaubensgemeinschaft, und orthodoxen und katholischen Kirchen Wiens, sowie zahlreiche Botschafter anderer Länder und Vereinsrepräsentanten.

 

 

Efgani Dönmez zeigte sich sichtlich begeistert und sagte: >>Der Chor der Zivilisation hat am Samstagabend die heiligen Hallen der Votivkirche mit Leben gefüllt. Menschen unterschiedlichster Nationen, Religionen und gesellschaftlicher Stellung waren vereint und lauschten einer einzigen Sprache, die jeder versteht, der Musik.<<

Der Referatsleiter für interkulturelle und internationale Aktivitäten Dr. Haydar Sari sagte am gleichen Abend: >>Wien ist Vielfalt! Wien bedeutet Respekt gegenüber anderen Kulturen. Wir sind glücklich, dieses Projekt in Wien unterstützen zu dürfen.<<

 

Der >> Chor der Zivilisation<< versucht der ganzen Welt, die sich leider immer wieder aufgrund unterschiedlicher Religionen, Nationen und Konfessionen im Kampf der Kulturen befindet, zu zeigen, dass das Zusammensein der unterschiedlichen Kulturen in Wahrheit einen großen Reichtum ausmacht, dessen wir uns alle bewusst werden sollten. Der Chor wurde 2007 aufgrund einer Tourismuswoche gegründet, die in Antakya, einer Stadt in der südöstlichen Provinz Hatay, stattfand.

 

 

In dieser Stadt kam das Wort Christentum zum ersten Mal zum Ausdruck und die erste Kirche der Welt wurde da gegründet; und zwar die St. Petrus- Grotte (eine Höhlenkirche die vom heiligen Lukas gegründet worden ist und jedoch nach Petrus genannt wurde. Nach der Überlieferung versammelte sich hier die erste christliche Gemeinde um Paulus, Barnabas, Petrus).

Bereits ein Jahr nach der Gründung des Chors folgte die Umwandlung in einen Verein. Mittlerweile umfasst dieser friedliche Chor 120 Mitglieder und kann Auftritte vor dem UN- Sicherheitsrat in New York, sowie vor dem EU- Parlament in Brüssel, zu seinen Referenzen zählen. Die ambitionierten Musiker des Chors streben jedoch nach mehr. Ihr großes Ziel ist es, eines Tages im Gazastreifen unter Anwesenheit der politischen Führungspersonen Israels und Palästinas aufzutreten und somit einen Beitrag zum nachhaltigen Frieden zu leisten. Die Sänger selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Von jung bis alt, von Studenten über Lehrer, Beamte, Priester und Zöllner sind alle Berufs- und Altersgruppen vertreten.


Einladung_mit_Info_Antakya_Chor_der_Zivilisationen

Plakate

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100305_OTS0081/einladung-chor-der-zivilisationen-aus-antakya-in-votivkirche

Von den in der Votivkirche anwesenden 50 Künstlern waren 35 für den Gesang verantwortlich, die Hälfte davon waren Frauen. Die Musiker nutzten zur Unterstützung des Chors  sowohl Violinen und Gitarren, aber auch klassisch türkische Instrumente, wie zum Beispiel den Saz, das Ud oder das Kanun. Zum Abschluss spielte der Chor ?Memleketim?, auf Deutsch ?meine Heimat?, bei dem die Gäste eingeladen wurden, auf die Bühne zu kommen um das Lied gemeinsam zu interpretieren. Diesem freudigen Spektakel folgten endlose standing ovations. Auch die Sponsoren dieses Ereignisses wie Yeni Vatan Gazetesi (Neue Heimat Zeitung), WIEN KULTUR Stadt Wien, der Verband der Auslandspresse in Wien, Südosteuropa Investment und der österreich-türkische Wirtschaftsclub waren begeistert. Man darf hoffen, dass diese Begeisterung, die durch dieses wunderschöne Konzert in der Votivkirche ausgelöst wurde, anhält, und somit der Beginn einer herrlichen Reihe an kulturellen Veranstaltungen darstellt.

 

 

http://religion.orf.at/tv/stories/2612882/

 

 

 

 

 

09 Nov
By: TKG 0

TKG- November Gedenken: „Türkischer Tempel“ in der Zirkusgasse 22

von Naim Güleryüz ( Türkisch) und  von Birol Kilic ( Deutsch)

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge mit dem Namen “ Türkische Tempel“  das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.  Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten?

Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts in Europa zurück, wo noch die Inquisition herrschte. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Der Novemberpogrom bildete den Höhepunkt der anti-jüdischen Politik des nationalsozialistischen Regimes im Jahr 1938 und insbesondere am 9.-10. November. Die Systematik, mit der innerhalb einer einzigen Nacht die Synagogen im gesamten Reichsgebiet in Brand gesteckt wurden. Eine davon war der „Türkische Tempel“ – die Wiener türkisch-israelitische Gemeinde und Synagoge – in der Zirkusgasse 22 in 1020 Wien.“

In Österreich wurden, in der Nacht auf den 10. November 1938, 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath, auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden, namens Herschel Grynszpan, niedergeschossen worden und starb später. (1)

Am 12. Juni 1988 wurde an der Fassade des Hauses in 2., Zirkusgasse 22 eine Gedenktafel angebracht, die die Zerstörung der bis 1938 dort befindlichen Synagoge Zirkusgasse (‚Türkischer Tempel‘) thematisiert, die während des Novemberpogroms von Nationalsozialisten zerstört worden war. Stifter der Tafel war die Stadt Wien, bei der Eröffnung hielten Paul Chaim Eisenberg (Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde), Ingrid Smejkal (Vizebürgermeisterin der Stadt Wien) und Erika Weinzierl (Historikerin) Reden. Die Tafel trägt folgende Inschrift auf deutsch und hebräisch: „Hier stand der 1885-1887 nach Plänen des Architekten Hugo von Wiedenfeld erbaute „Türkische Tempel“, die Synagoge der Sephardischen Gemeinde. Zerstört in der „Reichskristallnacht“ am 10. November 1938.“ In der Nähe der Gedenktafel ist auch ein Stein der Erinnerung verlegt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Wien infolge des stetigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung und deren rechtlicher Gleichstellung, die es ihr erlaubte, auch nach außen hin sichtbare Gebetsstätten zu errichten, eine bis dahin nie erlebte Blüte im Synagogenbau. Unter den zahlreichen neu errichteten Gebetshäusern zählte der Tempel der türkisch-sephardischen Gemeinde zu den prachtvollsten überhaupt.

Der Bau mit dem Namen „Türkischer Tempel“, der in den Jahren 1885-1887 im 2. Bezirk in der Zirkusgasse 22 errichtet worden war, wurde sogar über die österreichische Grenze hinaus als einer der schönsten Mitteleuropas angesehen und diente auch als Vorbild für auswärtige jüdische Kultstätten, unter anderem für die Synagoge in Sofia. (2)

Am 16. November 1885, bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung einer neuen Synagoge in Wien 2., Zirkusgasse 22, wurden die eingeladenen Gäste vom Vorsitzenden der Wiener sefardischen Juden, Marcos Russo, mit folgenden Worten begrüßt: „Während der Regentschaft seiner Majestät Franz-Josef als Kaiser von Österreich und seiner Majestät Abdülhamid II. als Sultan des Osmanischen Reiches, der Dienstzeit von Sadullah Pascha als Botschafter des Osmanischen Reiches in Wien und Marcos Russo als Vorsitzender der türkisch-israelitischen Gemeinde, wurde mit dem Bau dieses Gebäudes angefangen, um die religiösen Bedürfnisse der sefardischen Juden zu befriedigen.“

Während der offiziellen Eröffnungszeremonie der Synagoge, deren Tor von nebeneinander gehissten österreichischen und osmanischen Fahnen geschmückt war, am 17. September 1887 um 19 Uhr, folgte auf sefardisch-spanische Gebete das Anoten-Gebet für Franz-Josef und Abdülhamid II. und die Nationalhymnen der beiden Länder.

Diese Synagoge, in deren Mittelhalle die lebensgroßen Portraits beider Herrscher hingen, wurde durch die Schönheit ihrer unverfälscht, modernisierten, traditionellen, östlich-spanischen Musik und die ausgezeichneten Gottesdienste auch unter den Aschkenasim beliebt. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Herrscherportraits entfernt und durch große Spiegel bis 9-10. November. 1938 ( Pogrom in Österreich gegen Synagogen/Kristallnacht?) ersetzt.

Wien -Vorbild war Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil

In dieser Synagoge, die vom Architekten Ritter von Weidenfeld nach dem Vorbild des Alhambra-Palastes in Granada im Maghreb-Stil erbaut wurde, welche 314 Sitzplätze für Männer (bei Bedarf bis 594 ausbaubar), 100 Sitzplätze für Frauen und etwa 500 Stehplätze bot, wurde jedes Jahr der Geburtstag von Abdülhamid II. mit einer besonderen Zeremonie gefeiert. Die österreichische Regierung wurde von einem leitenden Beamten des Außenministeriums und einem hochrangigen General des Kriegsministeriums vertreten; der osmanische Botschafter und das Botschaftspersonal nahmen in Galauniformen an der sog. Sultanfeier teil.

Während des Ersten Weltkrieges wehten nach wie vor österreichische und osmanische Fahnen, zu jedem feierlichen Anlass, zusammen am Tor der Synagoge in der 2, Zirkusgasse 22, da die beiden Länder im Krieg auf der gleichen Seite kämpften.

In Folge der neuen nationalistischen und stark antisemitischen Bewegung um 1925 fingen die Sefarden an, Wien zu verlassen. Die letzte prunkvolle Zeremonie in der Synagoge, an die man sich erinnert, war die Gedenkfeier zum 800. Geburtstag des großen Denkers Maimonides. Moses Maimonides (Mosche ben Maimon) geboren zwischen 1135 und 1138 in Córdoba; gestorben am 13. Dezember 1204 in Kairo) war ein andalusisch-nordafrikanischer jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt. Er gilt als bedeutender Gelehrter des Mittelalters, galt für Jahrzehnte als geistiges Haupt der orientalischen Judenschaft und als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten überhaupt.

In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 teilte die Wiener sefardische Synagoge mit dem Namen “ Türkische Tempel“  das Schicksal aller anderen deutschen und österreichischen Synagogen: sie wurde von den Nazis zerstört und in Brand gesteckt.

Woher kam nun dieses Interesse an den Osmanen, deren Sultan, Fahne und Nationalhymne in Wien, in der Stadt, die die Osmanen zwar unter Süleyman dem Prächtigen (1529) und mit Kara Mustafa Pascha (1683) zweimal belagert, aber nie regiert und vor deren Toren sie kehrt gemacht hatten?  Gehen wir jetzt zu den Anfängen unserer Geschichte, in das Spanien des 18. Jahrhunderts in Europa zurück, wo noch die Inquisition herrschte.

Bischof Mosche Lopez Pereira und seine judische Schwester 

Laut Überlieferung wird zu dieser Zeit in Madrid ein Junge namens Mosche Lopez Pereira seiner Familie weggenommen, auf den Namen Diego dÂ’Aguilar getauft und als Priester erzogen. Diego macht schnelle Fortschritte in seiner Erziehung, wird zum leidenschaftlichen Befürworter der Inquisition und wird sogar zum Bischof ernannt. Mosche Lopez’s Mutter und Schwester sind Maranos und üben ihr Judentum heimlich aus. Marranen oder Marranos  auch Conversos oder Neuchristen (span. cristianos nuevos, port. cristãos-novos), sind iberische Juden und deren Nachkommen, die unter Zwang oder schwerem Druck zum Christentum bekehrt wurden. Oft wurde ihnen vorgeworfen, als Kryptojuden weiterhin jüdische Riten zu praktizieren. Der Begriff tauchte erstmals im spätmittelalterlichen Spanien auf. Seine Schwester werden als Kryptojuden denunziert, festgenommen und zur Verbrennung am Scheiterhaufen (Autodafé) verurteilt. Am Tag vor der Vollstreckung des Urteils besucht die traurige und hoffnungslose Mutter den Bischof Diego dÂ’Aguilar in seinem Palast und fleht um die Begnadigung ihrer Tochter, doch der Bischof lehnt diese Bitte ab. Die verzweifelte Mutter erzählt daraufhin die Wahrheit, erklärt ihm, dass sie seine Mutter und die Verurteilte seine Schwester sind, er in Wirklichkeit Mosche Lopez heißt.

Dieser Name erweckt viele Kindheitserinnerungen beim jungen Bischof. Er fängt zu weinen an, läuft aus seinem Palast hinaus, aber er kommt aber zu spät: seine Schwester ist auf dem Scheiterhaufen auf schreckliche Art und Weise gestorben. Diego, oder Mosche, zieht sein Bischofsgewand aus und wirft es weg. In diesem Land kann er nicht mehr bleiben und flieht nach Österreich, wo Maria Theresia regiert. Einst besuchte die Königin, damals noch Erzherzogin, mit ihrem Vater Karl VI. Madrid und schenkte dem Bischof als Dank eine Goldkette nach einem Empfang zu ihren Ehren. Die Kaiserin Maria Theresia gewährt Bischof Mosche und einigen anderen Juden, die mit ihm fliehen konnten, Asyl und erlaubt ihnen, in Österreich zu bleiben und ihre Religion frei ausüben zu können.

Diese Darstellung basiert auf einer Erzählung von Graf von Hoyos, die von Dr. Angel Pulido Fernandez und Rabbi Dr. Manfred Papo überliefert wurde und unterscheidet sich von der Darstellung in Encyclopedia Judaica und in den geschichtlichen Untersuchungen. Laut Encyclopedia Judaica kommt Mosche Lopez Pereira im Jahre 1699 als Sohn eines Marano-Bankiers in Portugal auf die Welt.  Der Marano-Vater ist im Besitz des portugiesischen Tabak-Monopols. Angesichts der Schwierigkeiten, als Marano in Portugal zu leben, immigriert Diego 1722 zuerst nach London und dann nach Wien. Nachdem er sich durch wessen Hilfe auch immer in Wien niedergelassen hat, tritt er aus der Kirche aus, kehrt zum Judentum zurück und nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen Mosche (Moses) Lopez Pereira an.

„Mosche Lopez Pereira-5498“

Mosche Lopez besitzt das österreichische Tabakmonopol zwischen den Jahren 1723-1739 für 7 Millionen Gulden im Jahr, organisiert das Unternehmen neu und bekommt 1726 den Titel eines Barons verliehen. In dieser Zeit beteiligt er sich an den Baukosten des Schlosses Schönbrunn mit 300.000 Gulden. Mit dem Titel „Hofjude“ zum privaten Berater des Palastes ernannt, verwendet er seinen Einfluss für den Schutz der Leben und Rechte seiner Glaubensgenossen in Österreich und anderen Ländern, so z.B. 1742 in Mähren, 1744 in Prag, 1752 in Mantua und Belgrad. Auf einer silbernen Thora-Krone in der Wiener Synagoge (Sifrei-Torah-Pergamentrollen) befand sich der hebräische Eintrag „Mosche Lopez Pereira-5498“ (=1737-1738) und jedes Jahr am Jom Kippur-Fest wurde für ihn als den Gründer der Gemeinde gebetet, bis die Synagoge in der 2, Zirkusgasse 22 mit dem Namen “ Türkischer Tempel“ zerstört wurde.

1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien

In dieser Zeit siedelten sich andere spanisch-stämmige Familien wie Kamondo, Nisan und Eskenazi in Wien an. Mosche Lopez, seine Frau, Samuel Oppenheimer und sein Neffe Samson Wertheimer organisierten die sefardischen Juden in der Stadt und gründeten 1736 die erste sefardische Gemeinde in Wien. Die sefardischen Juden, mehrheitlich osmanischen Ursprungs, genossen die Klausel des Passarowitzer Vertrages (21. Juli 1718), die den osmanischen Bürgern Niederlassungs- und Handelsfreiheit garantierte und lebten in Frieden unter meist besseren Umständen als die österreichischen Juden. Die Gottesdienste wurden im Haus Nr. 307 innerhalb des Rings abgehalten, welches als Synagoge benutzt wurde.

Leider dauert dieser friedliche Zustand nicht lange. Mosche Lopez Pereira erfährt 1742, dass das Kaiserreich unter dem Einfluss der fanatischen Kirche die Juden deportieren will. Pereira berichtet die Lage über seine im Osmanischen Reich ansässigen Glaubensgenossen, speziell durch die Vermittlung des Obergeldwechslers Yuda Baruh, an Sultan Mahmud I. und es gelingt ihm, die Unterstützung des Sultans zu bekommen. Die Königin Maria Theresia kann es sich nicht erlauben, das durch einen Sonderbotschafter übermittelte Memorandum des Sultans abzulehnen und zieht ihren Erlass zurück.

Sefardische Familien in Wien: Sie wurden türkische Juden genannt

Um 1750 lebten mehrere sefardische Familien in Wien, die aus beruflichen Gründen aus der Türkei gekommen und sich hier niedergelassen hatten. Diese Juden, die ihre osmanische Zugehörigkeit immer beibehalten hatten und unter dem Schutz des Sultans standen, lebten mehrheitlich in Wien, zum Teil auch in Temesvar( eine Stadt im westlichen Rumänien)  Sie wurden türkische Juden genannt. Dieser Begriff wurde von österreichischen Ämtern angenommen, registriert und in offiziellen Dokumenten verwendet. Im Erlass vom 17. Juni 1778, der aus 14 Artikeln besteht und die Statuten der sefardischen Gemeinschaft bestimmt, ist von „türkisch-israelitischer Gemeinde“ die Rede. Die Vorsitzenden waren zu dieser Zeit Salamon Kapon und Israel B. Haim.

Bis 1840 errichteten die türkischen Juden ihre Gebetsräume in gemieteten Häusern. Nach dem unaufgeklärten Brand der Synagoge in der Oberen Donaustraße, 1824, wurde das Haus Nr. 321 in der Leopoldstrasse gemietet. Die Synagoge wurde 1848 erweitert und 1868 vollkommen neu erbaut und dennoch konnte sie den religiösen Bedürfnissen der immer größer werdenden osmanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt nicht genügen. Nach der Wahl von Marcos Russo zum Vorsitzenden der türkisch-israelitischen Gemeinde 1881 und seiner Wiederwahl 1885 wurde der Abriss der alten Synagoge und der Neubau eines größeren Gebetshauses einstimmig angenommen.

Erinnerungen der türkischen Juden in Wien

Dies ist also ist die kurze Zusammenfassung der interessanten Geschichte der türkischen Juden in Wien und der Synagoge, deren Bau am 16. November 1885 mit der Grundsteinlegung begonnen wurde. Einige wenige religions-rituelle Objekte der 1887 eröffneten und 1938 vernichteten Synagoge sind heute im Jüdischen Museum in Wien zu sehen, der Parochet wird im jüdischen im Museum in Jerusalem ausgestellt. Nur wenige Juden, die während der Nazi-Herrschaft festgenommen und nach Dachau transportiert wurden, blieben am Leben. Die wertvollsten Überbleibsel aus der prunkvollen Ära der Wiener türkisch-jüdischen Sefardim sind die Grabsteine im sefardischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs. Die heute in Wien lebenden sefardischen Juden haben ihre Wurzeln in Taschkent und Buchara und stehen in keinem Zusammenhang mit den osmanisch-türkischen sefardischen Juden.

Der große Brand von Edirne vernichtete im August 1905 in einer Nacht 13 Synagogen. Als Ersatz wurde mit dem Erlass vom 6. Jänner 1906 der Bau, der großen Synagoge im Gebiet der ehemaligen Mayor und Polya-Synagogen, stattgegeben. Die große Synagoge wurde vom französischen Architekten France Depre nach dem Vorbild der Wiener Synagoge erbaut und unter dem Namen Kal Kadosch Ha Gadol (Die heilige große Synagoge) im Jahre 1907 eröffnet. Leider leben in Edirne keine Juden mehr und die Synagoge, ihrem Schicksal überlassen, verfällt von Tag zu Tag trotz aller 1979 begonnenen zeitweiligen Rettungsversuche des Kultusministeriums, der Abgeordneten der Provinz, der Universität von Trakya und des Oberrabbinats der Türkei.

Die Große Synagoge von Edirne (türkisch Edirne Büyük Sinagoğu) welche zugleich die drittgrößte Synagoge Europas ist, wurde, von der türkischen Seite ausgehend, restauriert und am 26. März 2005 wiedereröffnet. (3)

Bibliographie

-Sefardische Juden: Juden, die gemäß dem Erlaß vom 31. März 1492 des spanischen Königs Ferdinand und der Königin Isabella Spanien verlassen mussten, um ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufzugeben und mehrheitlich im Osmanischen Reich Asylrecht bekamen.

-Anoten: Gebet für das Wohlergehen und Verbleib des Staatsoberhauptes des Landes, in dem man lebt.

-Aschkenasische Juden: Meist in Mittel- und Nordeuropa ansässige, polnisch- und deutschstämmige, nach Arthur Koestlers unbewiesener These zum Teil von kaspischen Türken abstammende Juden. Ab dem 12. Jh. flüchteten unzählige aschkenasische Juden immer wieder ins Osmanische Reich auf der Suche nach Schutz vor der Unterdrückung Folter und Massenvernichtung in diversen christlich-europäischen Ländern. Heute leben etwa 1000 aschkenasisch-türkische Juden in der Türkei.

-Kristallnacht: Die Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, in der in Deutschland und Österreich hunderte von Synagogen zerstört und in Brand gesteckt wurden.

-Maranos: Juden, die während der Inquisiton offiziell dem Christentum beigetreten waren, aber ihren jüdischen Glauben heimlich beibehielten.

-Manfred Papo: 1919-1925 der stellvertretende Rabbiner der Wiener Synagoge, 1925-1928 Rabbiner der Salzburger Synagoge, nach 1928 in der Wiener Synagoge beschäftigt.

-Schriftrollen aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. In jeder Synagoge werden sie in einem speziellen Schrein, dem Aron Kodesh (Heilige Lade) an der Ostwand in Richtung Jerusalem aufbewahrt.

-Das Fest des großen Fastens im Judentum.

-Abraham Salomon Kamondo, der von Kaiser Franz-Josef zum Ritter geschlagen und zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde, bekam 1865 die italienische Staatsbürgerschaft, nachdem im österreichisch-italienischen Krieg Venedig an die Italiener abgetreten werden musste und am 17. März 1861 die italienische Einheit gegründet wurde. Victor Emmanuel II. verlieh ihm am 28. April 1867 den Titel eines Grafen, der an den ältesten Sohn der Familie vererbt werden durfte.

P-arochet: der bestickte Vorhang des Thoraschrankes.

-Die vernichteten Synagogen: Polya, Tolya, Italya, Sicilya, Katalonya, Büyük Portokal, Küçük Portokal, Aragon, Geruş, Budin, Istanbul, Mayor und Ataman.

(1) https://www.ikg-wien.at/gedenken-an-novemberpogrome/

(2) Vorhalle des türkischen Tempels in Wien (Quelle: P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jhdts, 1906). Ursula Prokop, Zeitschrift David. Die Synagoge in Sofia wurde 1905 vom österreichischen Architekten Friedrich Grünanger erbaut.

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Synagoge_(Edirne)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gedenktafel_Zerst%C3%B6rung_Synagoge_Zirkusgasse

05 Sep
By: Redaktion 2 0

Die Geschichte der türkischen Juden

von Naim Güleryüz Forscher und Präsident  der  „Fünfhundertjahre Stiftung“ (Quintencennial Foundation)

Deutsche Bearbeitung von Birol Kilic / Aus dem Jahr 1992

Vorwort

In der Mitternacht vom ersten August auf den zweiten des Jahres 1492, als Columbus mit seiner Flotte sich auf den Weg machte, für eine Entdeckungsreise, die später seine berühmteste sein wird, fuhr er von dem relativ unbekannten Hafen von Palos ab, da die Ausfahrten von Cadiz und Sevilla durch die sephardischen Juden, die durch das Ausweisungsedikt der Königin Isabella und des Königs Ferdinand von Spanien vertrieben worden sind, versperrt waren.

Die Juden wurden gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land  unter der Androhung: „Sie wagen ja nicht zurückzukommen…. nicht einmal einen unbefugten  Schritt zurückzutreten, auf welche Art und Weise es auch sei“ zu verlassen. Sie ließen ihr Land, ihr Eigentum, ihre persönlichen Sachen und alles, was ihres war und mit dem sie vertraut  waren, zurück, um ihren Glauben, ihre Tradition, ihr Erbe nicht aufgeben zu müssen.

Im fernen Türkisch-Osmanischen Reich reichte ein Herrscher den verfolgten Juden von Spanien, den Sephardim, sofort die Hand zum Willkommensgruß. Es war Sultan Bayazid II.

Als wir uns damals an das Jahr 1992 annäherten, an das 500. Jubiläum der Entdeckung des Amerikanischen Kontinents, war die jüdische Diaspora nicht nur mit dem Andenken der Vertreibung , sondern auch mit dem sieben Jahrhunderte langem,  aufblühenden jüdischen Leben unter der moslemischen Herrschaft in Spanien und mit den Empfang der Juden im Osmanischen Reich im Jahre 1492 beschäftigt.

Dieser Humanismus ist im Einklang mit der Wohltätigkeit und dem Wohlwollen, die vor allem von der Türkischen Regierung gegenüber den Leuten der verschiedenen Glaubensrichtungen, Kulturen und Hintergründen entgegengebracht wird.  Tatsächlich kann die Türkei als ein Modell für jede Nation, die aus aller Welt Flüchtlinge vor seiner Tür findet, dienen.

Im Jahr 1992 werden die türkischen Juden nicht nur den Jahrestag dieses gütigen Willkommens feiern, sondern  auch den bemerkenswerten Geist der Toleranz und der Akzeptanz, der die gesamte jüdische Erfahrung in der Türkei kennzeichnete. Die geplanten Veranstaltungen, Symposien, Konferenzen, Konzerte, Ausstellungen, Filme und Bücher, die Renovierung alter Synagogen usw. werden die Langlebigkeit und die Prosperität der jüdischen Gemeinde in Erinnerung rufen. Als ein Ganzes beabsichtigen die Veranstaltungen den Reichtum und die Sicherheit des Lebens der Juden, die sie im Osmanischen Reich und anschließend in der Türkischen Republik gefunden haben, in dieser mehr als fünfhundert Jahre dauernden friedlichen  Zeitspanne, zu demonstrieren und zu zeigen, dass es tatsächlich nicht unmöglich ist, für die Leute verschiedenen Glaubens unter einer Fahne zu leben.

Die Geschichte der Juden in Anatolien hat viele Jahrhunderte vor der Einwanderung der sephardischen Juden angefangen. Die Reste der jüdischen Siedlungen vom 4. Jahrhundert (v. C.) wurden in der ägäischen Region entdeckt. Der Historiker Josephus Flavius berichtet, dass Aristoteles „während seiner Reise durch  Kleinasien jüdische Leute traf, mit denen er einen Meinungsaustausch hatte.”

Antike Synagogen-Ruinen wurden in Sardis, in der Nähe von Izmir mit dem Datum von 220 v. C. gefunden. Und Spuren anderer jüdischer Siedlungen wurden in der Nähe von Bursa, im Südosten und entlang des Ägäischen Meeres, des Mittelmeers und an der  Schwarzmeerküste entdeckt.

Eine in Ankara gefundene bronzene Säule bestätigt die Rechte, die Kaiser Augustus  den Juden von Kleinasien gewährte.

Mit der türkischen Eroberung blühten jüdische Bevölkerungsgruppen in Anatolien auf und florierten weiter. Als die Osmanen 1324 Bursa eroberten und die Stadt zu ihrer Hauptstadt machten, fanden sie hier eine unterdrückte Jüdische Gemeinde. Die Juden empfingen  die Türken als Retter. Sultan Orhan gab ihnen die Erlaubnis  Etz ha-Hayyim („Der Baum des Lebens“) eine Synagoge zu erbauen, die bis vor 50 Jahren auch in Takt geblieben war.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als die Osmanen ihre Hauptstadt in Edirne gründeten, wanderten Juden aus Europa, darunter auch Karaiten, in die Stadt ein.[1]

Ebenso fanden Juden, die 1376 aus Ungarn, oder die, die aus  Frankreich von Charles VI im September 1394 vertrieben worden sind, weiters die, die im frühen 15.Jahrhundert  aus Sizilien flüchteten, Zuflucht im Osmanischen Reich.

In den 1420ern, flohen die Juden aus Saloniki, damals unter venezianischer Herrschaft, nach Edirne.[2]

Die osmanische Gesetzgebung war viel toleranter als die byzantinische. Tatsächlich, beginnend im frühem 15. Jahrhundert, haben die Türken die Einwanderung der Juden  aktiv unterstützt. Ein Brief, der von Rabbi Yitzak Sarfati aus Edirne, zu den jüdischen Gemeinden in Europa geschickt wurde, „lud seine Leute ein, die Erniedrigungen, die sie unter dem Christentum leiden, zu verlassen und in der Türkei Sicherheit und Wohlfahrt zu suchen.“[3]

Als  Mehmet II., „Der Eroberer“, im Jahre 1453 Istanbul eroberte, begegnete er hier einer unterdrückten romanischen  (byzantinischen) jüdischen Gemeinde, die ihn mit Begeisterung willkommen hieß.  Sultan Mehmet II verkündete allen Juden, „sich im besten Lande niederzulassen, jeder neben seinem Feigenbaum, mit Silber und Gold, mit Reichtum und mit den Tieren“.[4]

1470 wurden die Juden aus Bayern von Ludwig X. vertrieben und auch sie fanden Zuflucht im Osmanischen Reich.[5]

Die  Aufnahme durch Sultan Bayazid II. gab den vertriebenen Sephardim neue Hoffnung. 1492 erteilte der Sultan den Regierungen der Provinzen den Befehl “ zum Eintritt der Juden nicht einzumischen oder denen keine Schwierigkeiten zu verursachen, sondern sie herzlich zu empfangen.“[6]

Nach Bernard Lewis: „Den  Juden wurde nicht nur erlaubt, sich niederzulassen, sondern sie wurden dazu ermutigt, es wurde ihnen dabei geholfen, manchmal wurden sie sogar gezwungen.

Immanual Aboab führte die berühmte Bemerkung auf Bayazid II. zurück, dass „der katholische Monarch fälschlicherweise als weise betrachtet worden sei, weil er durch die Vertreibung der Juden Spanien verarmt und die Türkei bereichert hat.”[7]

Die Ankunft der sephardischen Juden änderte die Struktur der Gemeinde und die ursprüngliche Gruppe von romanischen Juden ging in der neuen Gemeinde völlig auf.

Über die Jahrhunderte hat sich eine zunehmende Anzahl von europäischen Juden, die der Verfolgung entfliehen wollten,  im Osmanischen Reich niedergelassen. Im Jahr 1537 fanden die Vertriebenen von Apulien (Italien) – nachdem die Stadt unter der Leitung  von Papal gefallen ist – ebenso eine sichere Zuflucht wie die, die 1542 aus Böhmen von König Ferdinand vertrieben worden waren.[8]

Im März 1556 schrieb Sultan Suleyman der Prächtige einen Brief an Papst Paul IV, in dem er ihn nach der sofortigen Entlassung von Juden Ancona Marranos fragte, den er als Osmanischen Staatsbürger deklarierte. Der Papst hatte keine andere Alternative als ihn zu entlassen, da das Osmanische Reich damals die Supermacht  war.

Im Jahre 1477 waren 1647 jüdische Haushalte in Istanbul. Sie machten 11% aller Haushalte aus. Ein halbes Jahrhundert später wurden 8070 jüdische Häuser in der Stadt aufgelistet.

Die Geschichte der Türkischen Juden

300 Jahre nach der Vertreibung konkurrierten der Wohlstand und die Kreativität der osmanischen Juden mit denen des Goldenen Zeitalters in Spanien. Vier türkische Städte; nämlich Istanbul, Izmir, Safed (Israil) und Saloniki wurden die Zentren des Sephardischen Judentums.

SEPHARAD

Was bedeutet das?
Sepharad ist der hebräische Name von Spanien.

Es ist aber eine weniger bekannte Tatsache, dass das Wort Sepharad in den Heiligen Schriften   vorkommt; (Obadiah 1:20) im Sinne einer Region um Sardis herum, wo jüdische Vertriebene nach der Besetzung von Jerusalem von Nebukadnezar deportiert worden waren. Dieser Name wurde später Spanien zugewiesen. Die sog. Sephardim sind die Juden, die 1492 aus Spanien  und später 1496 aus Portugal vertrieben worden sind.

Viele osmanische Hofphysiker waren Juden: Hakim Yakoub, Joseph und Moshe Hamon, Daniel Fonseca, Gabriel Buenauentura, um nur einige wenige zu nennen.

Einer von den meist signifikanten Erfindungen, die die Juden ins Osmanische Reich gebracht haben, war die Druckerpresse. 1493, nur ein Jahr nach der Vertreibung aus Spanien, errichteten David und Samuel ibn Nahmias die erste hebräische Druckerpresse.

Osmanische Diplomatie wurde öfters von den Juden ausgeführt. Joseph Nasi, zum Herzog von Naxos ernannt, war der frühere Portugiese Marrano Joao Miques. Ein anderer portugiesischer Marrano[9],  Aluaro Mandes, wurde für seine diplomatischen Dienste für den  Sultan, zum Herzog von Mytilene ernannt. Salamon ben Nathan Eskenazi sorgte für die ersten diplomatischen Beziehungen zum Britischen Imperium. Jüdische Frauen wie Dona Gracia Mendes Nasi, „La Seniora”, und Esther Kyra übten beträchtlichen Einfluss am Hof aus.

In der freien Atmosphäre des Osmanischen Reiches blühte die jüdische Literatur auf.

Joseph Caro übersetzte  „Shulhan Arouh“. Shlomo haLevi Alkabes komponierte  „Lekhah Dodi”; eine Hymne, die den Sabbat willkommen hieß, entsprechend sowohl den sephardischen wie ashkinazischen Ritualen. Jacob Culi fing an, dem berühmten „MeAm Loez” zu schreiben. Rabbi Abraham ben Isaac Assa wurde bekannt als der Vater der Judeo-Spanischen Literatur.

Am 27.Oktober im Jahre 1840 erließ Sultan Abdulmecid seinen berühmten Ferman bezüglich  der „Blut Verleumdung Anschuldigung“, in dem er sagte:“…..und aufgrund  der Liebe, die wir für  unsere Untertanen  haben, können wir nicht erlauben, dass die jüdische Nation, deren Unschuldigkeit für die angebliche Verbrechen offensichtlich ist, weiters geplagt und gepeinigt  zu werden wegen den Anschuldigungen, die in der Wahrheit nicht das geringste Fundament haben…..“

Nach der osmanischen Tradition, war jede nichtmuslimische Gemeinde verantwortlich für seine eigenen Institutionen, einschließlich der Schulen. Im frühen 19. Jahrhundert hat Abraham de Camondo eine moderne Schule gegründet, „La Escola“. Diese Schule verursachte einen ernsthaften Konflikt zwischen den konservativen und den säkularisierten Rabbis, der nur durch die Intervention von Sultan Abdülaziz 1864 geschlichtet werden  konnte. Im selben Jahr wurde das Werk Takkanot haKehilla („Die Grundsätze der jüdischen Gemeinde“) veröffentlicht, das die Strukturen der Gemeinde definierte.

Ein wichtiges Ereignis im Leben der osmanischen Juden war die Abspaltung im 17. Jahrhundert, die von  Sabetay Sevi, einem Pseudomessias, der in Izmir lebte, geführt wurde. Er trat später mit seinen Anhängern zum Islam über.

Die Bemühungen um eine Reform des Osmanischen Reiches  haben 1856 zu einer Proklamation von „Hatti Humayun” geführt, die alle osmanischen Bürger, moslemische wie nicht-moslemische, vor dem Gesetz gleichstellte.

Als ein Ergebnis fing die Führerschaft der Gemeinde an von religiösen Figuren zu den säkularen Kräften überzugehen. Der Erste Weltkrieg brachte ein Ende des Glanzes des Osmanischen Reiches. An seine Stelle trat die junge türkische Republik. Mustafa Kemal Atatürk wurde als Präsident gewählt; das Kalifat wurde abgeschafft und eine säkulare Verfassung wurde ins Leben gerufen. Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 wurde die Türkei als ein völlig unabhängiger Staat in seinen heutigen Grenzen anerkannt.  Es wurden ihr drei nichtmoslemische, religiöse Gruppen sowie Minderheitenrechte zugestanden und man erlaubte ihnen mit ihren eigenen Schulen, sozialen Institutionen und Fonds weiterzumachen. 1926, am Vorabend der Adaptation des Schweizer Zivilrechts, gab die Jüdische Gemeinde ihren Minderheitenstatus in Fragen des Privatrechts auf.

Während der tragischen Tage des Zweiten Weltkrieges gelang es der Türkei seine Neutralität zu bewahren. Schon 1933 forderte Atatürk viele jüdische, prominente Professoren aus Nazi Deutschland auf zu fliehen und sich in der Türkei einzusiedeln. Davor und während der Kriegsjahre leisteten diese Akademiker einen großen Beitrag zur Entwicklung des türkischen Hochschulsystems. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Türkei als ein sicherer Übergang für viele Juden, die dem Horror des Nationalsozialismus zu entkommen versuchten.

Während die jüdischen Gemeinden von Griechenland beinahe zur Gänze von Hitler ausgerottet worden sind, sind die türkischen Juden in Sicherheit gewesen. Verschiedene  türkische Diplomaten, Botschafter Behic Erkin und Numan Menemencioglu, die Generalkonsule Fikret Sefik Özdoganci, Bedii Arbel, Selahattin Ulkumen; die Konsule Namik  Kemal Yolga und Necdet Kent, um einige von ihnen zu nennen [10], haben  sich  mit ihrer ganzen Kraft bemüht, die türkischen  Juden vom  Holocaust zu retten und waren  auch  erfolgreich.

Salahattin  Ülkümen,  Generalkonsul  in  Rhodos während  der Jahre 1943 und 1944, wurde von  Yad  Vashem als  ein  „Gerechter Gentleman“, als ein „Hassid Umot ha´ Olam“ im  Juni 1990 anerkannt. Die Türkei setzt ihre Bemühungen fort, eine  Zuflucht, ein sicherer Hafen  für alle diejenigen, die vor Dogmatismus, Intoleranz und vor Verfolgung fliehen, zu sein.

Die gegenwärtige Größe der jüdischen Gemeinde in der Türkei wird ungefähr auf 26.000 geschätzt. Die größte Mehrheit lebt in Istanbul. Ungefähr 2500  leben in Izmir. Andere kleinere Gruppen sind in Adana, Ankara, Bursa, Canakkale, Iskenderun und in Kirklareli verteilt. Die Sephardische Gruppe macht 96% der Gemeinde aus. Eschkinazis bilden den Rest der Gemeinde. Es gibt ungefähr 100 Karaiten, die die Autorität des Oberrabbiners nicht anerkennen.

Die türkischen Juden werden gesetzlich – wie seit vielen Jahrhunderten- von  Hahambasi, dem Oberrabbiner, vertreten. Rav David Asseo, Oberrabbiner seitdem er 1961 gewählt wurde, wird von einem religiösen Beirat -bestehend aus ein Rosh Bet Din und drei Hahamim- unterstützt. Fünfunddreißig Rechtsberater kümmern sich für um die säkularen  Angelegenheiten der Gemeinde und ein Führungskomitee von vierzehn Leuten, mit einem Präsidenten, der aus den Rechtsberatern gewählt wird, beschäftigt sich mit den alltäglichen Problemen.

Synagogen werden  als  religiöse Stiftungen (Vakifs) klassifiziert. Es sind  16 Synagogen in Istanbul, die heute noch in Betrieb sind. Es gibt den Gottesdienst an Urlaubsorten nur während des Sommers. Manche davon  sind  sehr alt, insbesondere die Ahrida Synagoge in  Balat, die noch vor dem 15.Jahrhundert zu datieren ist.

Hasköy und Kuzguncuk Friedhöfe, die aus dem 15. und  16. Jahrhundert stammen, sind heute noch im Gebrauch.

Die meisten jüdischen Kinder besuchen staatliche Schulen oder private türkischsprachige oder  fremdsprachige Schulen, viele sind an den Universitäten inskribiert. Zusätzlich hat die  Gemeinde eine Volksschule für 300 Schüler und eine Unterstufen-Schule für 250 Schüler in Istanbul sowie einen Kindergarten für 140 Kinder in  Izmir.

Türkisch und Hebräisch sind die Unterrichtssprachen. Es wird 35 Stunden pro Woche  unterrichtet.

Während jüngere Juden Türkisch als ihre Muttersprache sprechen, spricht die ältere Generation zu Hause Französisch oder JudeoSpanisch (Ladino).

Eine bewusste Anstrengung wurde aufgebracht, um das Erbe von Ladino zu aufbewahren.

Lange Zeit  hatten  die  Juden  ihre eigene Presse. La Buena Esperansa und La Puerta dew Oriente wurden 1843 in Izmir und zehn Jahre später Or Israel in Istanbul  publiziert.

Nur eine Zeitung hat überlebt: Salom (Shalom), eine achtseitige Wochenzeitschrift mit sieben  Seiten auf Türkisch und eine Seite auf  Ladino.

Ein Gemeindekalender (Halila) wird  jedes  Jahr vom Oberrabbiner gedruckt und wird  gratis an alle, die ihren Beitrag (Kisba) für Wohltätigkeitsorganisationen gezahlt haben,  verteilt.  Die Gemeinde darf keine Steuern  erheben, aber sie  kann  um  Spenden bitten.

Zwei jüdische Krankenhäuser, das eine mit 98 Betten –  Or  haHayim in  Istanbul – und  das andere mit  22  Betten – Karatas Krankenhaus in Izmir – gehören zur Gemeinde.

Beide Städte haben Altenheime (Moshav Zekinim) und verschiedene  Wohltätigkeitsorganisationen  um die  Armen, den  Kranken, den bedürftigen Kindern  und  den  Waisenkindern,  zu  helfen.

Soziale Klubs mit Bibliotheken, Kultur- und Sportanstalten, Diskotheken stehen  jungen Menschen  zu Verfügung. Hier haben sie die Chance, sich  mit den anderen  zu  treffen.

Die  jüdische  Gemeinde ist  heute  natürlich  eine  ganz  kleine Gruppe  in  der  Türkei, wenn wir in Betracht ziehen,  dass von der gesamten Population  99 % Moslems sind und dies mehr als 60 Millionen sind.

Aber trotz ihrer geringen  Anzahl  haben  sich  die Juden mit ihren Erfolgen  hervorgetan.

Es  sind  zahlreiche  jüdische  Professoren, die an den Universitäten in Istanbul und in  Ankara unterrichten,  und viele türkische Juden sind prominente Leute in  der  Wirtschaft, in der Industrie und in den freiberuflichen Professionen.

Die Geschichte der türkischen Juden  – von Naim Güleryüz

1992 steht für den  fünfhundertsten  Jahrestag des großzügigen  Empfangs  von  Sephardim aus der  türkischen  Heimat.

Türkische Juden fühlten, dass  es  angemessen  und richtig wäre,  eine umfassende Feier in  der  Türkei, in  den  Vereinigten  Staaten und in  Europa in Gang zu setzen.

Jüdische Geschichte ist voll von traurigen Ereignissen, die mit Gedenkfeiern und Gedenkdiensten gekennzeichnet sind. Aber nun war da ein wichtiges Ereignis zu feiern.   Zum einen der Jahrestag der Ankunft der sephardischen Juden im Osmanischen Reich und zum zweiten fünfhundert Jahre kontinuierliches, friedliches  Zusammenleben in der  Türkei.

Die Fünfhundertjahre Stiftung wurde 1989 von  einer  Gruppe von  113 türkischen Bürgern, von  Moslems und  Juden zugleich, gegründet. Die „Quincentennial“ Stiftung, die in Istanbul gegründet worden ist und auch dort ihren Hauptsitz hat, plant ein dreijähriges, kulturelles und akademisches  Programm in der Türkei und im Ausland, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Mexiko, in Frankreich, England, in Italien und in  Europa.

Die Stiftung  fängt mit einem sehr ehrgeizigen  Programm an, das der Bedeutung  des Anlasses gemäß ist. Was ihnen an  der  Anzahl fehlt, haben die türkischen Juden mit  Enthusiasmus und Engagement wettgemacht. Und sie gehen ihrer Vision mit Begeisterung nach.

Dieses Programm wurde entworfen, um das vielfältige und  reiche  Erbe der türkischen  Juden einem breiteren  Publikum bekanntzumachen.

 

[1] Mark Alan Epstein, „The Ottoman Jewish Communities and their role in

the 15th and 16th centuries“

[2] Joseph Nehama, „Histoire des Israelites de Salonique“

[3] Bernard Lewis, „The Jews of Islam“

[4] Encyclopedia Judaica, Volume 16 page 1532

[5] Avram Galante, „Histoire des Juifs d’lstanbul“, Volume 2

[6] Abraham Danon, in the Review Yossef Daath No. 4

[7] Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de Israel, III Israel“

[8] H. Graetz, „History of the Jews“

[9] Das Wort hat auf spanisch verschiedene Bedeutungen. Es bedeutet u.a. (sowie das Wort Schwein)  auch zum Christentum zwangskonvertierte Jude, der insgeheim seiner eigenen Religion nachgeht. (Anmerkung der Übersetzerin L.A.K. )

[10] Yad Vashem ist die nationale Gedenkstätte in Israel zur Erinnerung an Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten. (Die Anmerkung der Übersetzerin)

10 Immanual Aboab, „A Consolacam as Tribulacoes de

Israel, III Israel