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Weihnachten als Mahnung: Zusammenleben stärken statt gesellschaftliche Gruppen pauschal stigmatisieren

Die öffentliche und politische Rezeption des Integrationsbarometers 2025 verdeutlicht, dass staatlich finanzierte Meinungsforschung über ihre methodische Anlage hinaus gesellschaftliche und normative Wirkung entfalten kann. Die Art der Darstellung einzelner Kategorien erwies sich dabei als politisch anschlussfähig und trug zu einer polarisierenden öffentlichen Debatte bei.

 

 

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG Think Tank) wünscht allen Menschen in Österreich ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr 2026. Weihnachten ist ein Fest, das weit über religiöse Grenzen hinausgeht. Es wird von gläubigen, weniger religiösen und nicht religiösen Menschen gleichermaßen begangen – im Kreis der Familie, unter Freundinnen und Freunden, in einer Atmosphäre der Besinnung und des Zusammenhalts.

Auch zehntausende Menschen mit Wurzeln in der Türkei, die Österreich seit Jahrzehnten als ihre Heimat sehen, teilen diese Freude und Verbundenheit. Gerade vor diesem Hintergrund sieht sich die TKG veranlasst, eine klare gesellschaftspolitische Mahnung auszusprechen.

Hier sind die problematischen Stellen:
ICC:ESOMAR-Strukturierte Gegenüberstellung

Besorgnis über politische Stigmatisierung

Mit großer Sorge nimmt die TKG zur Kenntnis, dass auf der offiziellen Website der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) am 19. Dezember 2025 ein Beitrag mit dem Titel „Wussten Sie, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?“ veröffentlicht wurde. Inhalte dieser Art sind geeignet, eine gesamte Religionsgemeinschaft pauschal zu problematisieren bzw. stigmatisieren. Die öffentliche und politische Rezeption des Integrationsbarometers 2025 verdeutlicht, dass staatlich finanzierte Meinungsforschung über ihre methodische Anlage hinaus gesellschaftliche und normative Wirkung entfalten kann. Die Art der Darstellung einzelner Kategorien erwies sich dabei als politisch anschlussfähig und trug zu einer polarisierenden öffentlichen Debatte bei

800.000 Betroffene und die Erosion des Vertrauens

In Österreich leben rund 800.000 Musliminnen und Muslime, die seit Jahrzehnten Teil dieser Gesellschaft sind. Wenn öffentliche Darstellungen oder kommunikative Beiträge den Eindruck erwecken, eine gesamte Religionsgemeinschaft werde pauschal problematisiert, führt dies zu einem spürbaren Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Institutionen. Unter solchen Umständen entsteht bei vielen Menschen die Sorge, ob Beruf, Eigentum, persönliche Sicherheit, Ehre und Würde ausreichend geschützt sind und ob sie sich auf die Neutralität staatlicher Stellen verlassen können.

Die TKG betont, dass Vertrauen ein zentraler Pfeiler der demokratischen Ordnung ist. Es braucht verantwortungsvolle Kommunikation, transparente Prozesse und eine politische Kultur, die auf Fairness, Respekt und Gleichbehandlung basiert. Viele Menschen in Österreich erinnern sich an Zeiten, in denen dieses Vertrauen stärker ausgeprägt war – und wünschen sich eine Rückkehr zu einer politischen Haltung, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt stellt.

TKG hat am 18.12.2025 als Erste in aller Respekt Einspruch erhoben

Als Erste haben wir am 18.12.2025 unsere freie Meinung und Kritik in Form einer APA OTS veröffentlicht. Wenn Erhebungen mit suggestiven Fragestellungen dazu verwendet werden, Musliminnen und Muslime kollektiv als gesellschaftliches „Problem“ darzustellen, wird eine demokratisch wie verfassungsrechtlich höchst bedenkliche Grenze überschritten. Die TKG teilt ausdrücklich nicht die Annahme, dass zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher Musliminnen und Muslime als schwierig empfinden. Die überwiegende Mehrheit der in Österreich lebenden Menschen ist sehr wohl in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen und erkennt, dass reale Probleme – etwa in einzelnen Stadtteilen Wiens – nicht mit jenen Menschen gleichzusetzen sind, die seit sechs Jahrzehnten aus der Türkei, Bosnien, Albanien, dem Kosovo, dem Iran oder anderen mehrheitlich muslimischen Ländern in Österreich leben, arbeiten und Steuern zahlen. Diese Menschen sind nicht nur integriert, sondern haben in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sichtbare Erfolge erzielt. Es ist ebenso ungerecht wie gefährlich, entweder alle Musliminnen und Muslime oder pauschal alle Österreicherinnen und Österreicher unter Generalverdacht zu stellen oder als rassistisch zu etikettieren.

Berechtigte Sicherheitsanliegen in Favoriten

Besonders betroffen von illegaler und unregelmäßiger Migration sowie von damit verbundenen kriminellen Strukturen sind in Wien-Favoriten ausgerechnet jene Menschen, die seit Jahrzehnten Teil dieser Gesellschaft sind, darunter viele austrotürkische Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Familien. Sie fordern mehr sichtbare Polizeipräsenz, konsequentes Vorgehen gegen Drogenhandel und Bandenkriminalität am Reumannplatz und Keplerplatz sowie Sicherheit in Parks und öffentlichen Räumen in ganz Wien. Sie erwarten zu Recht, dass religiöse Orte wie die Antonskirche am Keplerplatz frei von Gewalt, Dealern und rivalisierenden Gruppen gehalten werden. Diese berechtigten Sicherheitsanliegen dürfen nicht instrumentalisiert werden, um eine gesamte Religionsgemeinschaft zu stigmatisieren.

Integration ist kein Loyalitätstest

Aus Sicht der TKG handelt es sich bei der genannten Veröffentlichung weder um seriöse Wissenschaft noch um einen konstruktiven Beitrag zur Integration, sondern um politische Kommunikation, die Vorurteile verstärkt und gesellschaftliche Spannungen vertieft. Integration ist kein Loyalitätstest und kein Barometerwert, sondern ein wechselseitiger Prozess, der auf Gleichwertigkeit, Rechtsstaatlichkeit und gegenseitigem Respekt beruht. In Österreich leben rund 800.000 Musliminnen und Muslime. Sie sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmerinnen und Unternehmer, Pflegekräfte, Lehrerinnen, Studierende, Nachbarn und Staatsbürger. Sie tragen täglich zum wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben dieses Landes bei. Sie auf eine statistische Problemkategorie zu reduzieren, widerspricht dem Geist der Bundesverfassung, dem Gleichheitsgrundsatz und dem gesellschaftlichen Selbstverständnis der Republik Österreich.

Missbrauch institutioneller Autorität verhindern

Die TKG warnt ausdrücklich vor dem Missbrauch institutioneller Autorität und vermeintlicher Expertise. Wenn Meinungsforschung, Integrationspolitik oder öffentliche Kommunikation dazu dienen, ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren, wird nicht Zusammenhalt geschaffen, sondern Vertrauen zerstört. Eine demokratische Republik lebt jedoch von Vertrauen, nicht von Ausgrenzung. Gerade zur Weihnachtszeit sollte das Verbindende vor das Trennende gestellt werden. Die Werte, auf die sich Europa beruft – Menschenwürde, Gleichheit, Religionsfreiheit und sozialer Frieden – sind stärker als Angst, Hass und pauschale Zuschreibungen. Politik trägt hier eine besondere Verantwortung.

Weihnachtswunsch der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich

Der abschließende Weihnachtswunsch der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich ist daher klar: Ein Ende politischer Strategien und Kampagnen, die mit hohem Budget und weitreichenden Netzwerken auf internationale Akteure zurückgreifen oder diese gezielt in Österreich einsetzen, um – zum Nachteil der Republik Österreich – verfassungsmäßige Rechte auszuhöhlen und gesellschaftliche Gruppen pauschal zu stigmatisieren. Solche Vorgehensweisen schaden dem gesellschaftlichen Zusammenleben, untergraben das Vertrauen in demokratische Institutionen und leisten dem inneren Frieden unseres Landes keinen Dienst:

– Ein klares Bekenntnis zur verfassungsmäßigen Gleichbehandlung aller Menschen unabhängig von Religion oder Herkunft.

– Und eine Integrations- und Sicherheitspolitik, die auf Realitätssinn, Dialog und Rechtsstaatlichkeit basiert – nicht auf Polarisierung.

Hier sind die problematischen Stellen:
ICC:ESOMAR-Strukturierte Gegenüberstellung

Frohe Weihnachten
Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG in Österreich)
Wien, 24.12.2025

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