TKG_MigrationStudie_Dossier_05.06.06

Öffentliche Umdeutungen der Studie
Die TKG analysiert, wie eine Wiener Migrantenstudie, die sich selbst ausdrücklich als „dezidiert nicht repräsentativ“ bezeichnet, durch öffentliche Einordnungen von Studienleiter Kenan Doğan Güngör („repräsentativitätsnah“) und Mouhanad Khorchide („nicht vollständig repräsentativ“) gesellschaftliche Autorität, politische Anschlussfähigkeit und öffentliche Deutungsmacht über Muslime in Österreich entfalten konnte.
Khorchides öffentliche Rolle
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Dossier der öffentlichen Rolle Mouhanad Khorchides. Khorchide verteidigte die Studie in einem ausführlichen Interview mit Der Standard und bezeichnete methodische Kritik als „reflexartig“. Das Dossier dokumentiert zugleich seine Funktionen als Universitätsprofessor, Obmann des Muslimischen Forums Österreich (MFÖ), Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam sowie seine Mitwirkung in mehreren öffentlich geförderten Projekten.
Öffentliche Förderungen und demokratische Maßstäbe?
Für Projekte des Muslimischen Forums Österreich wurden zwischen 2023 und 2026 öffentliche Fördermittel in Höhe von insgesamt 809.918,49 Euro dokumentiert. Im selben Zeitraum wurde die Förderung des seit 1999 tätigen Antirassismus-Vereins ZARA beendet, wodurch 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze fast verloren. Die TKG stellt die demokratisch legitime Frage: Gelten für alle zivilgesellschaftlichen Organisationen dieselben Maßstäbe und dieselbe professionelle Distanz?
Wie wird mit öffentlichen Geldern umgegangen – insbesondere bei Förderungen oder Subventionierungen von Vereinen, Projekten und einzelnen Personen?
Wissenschaftliche Kritik aus der Fachwelt
Das Dossier dokumentiert darüber hinaus, dass Khorchides wissenschaftliche Positionen seit Jahren Gegenstand fachlicher Debatten und Kritik durch Soziologen, Islamwissenschaftler, Bildungsforscher sowie die Deutsche Gesellschaft für Islamisch-Theologische Studien (DEGITS) sind. Diese Kritik stammt nicht von politischen Akteuren, sondern aus der wissenschaftlichen Fachwelt.
Die Fragen
Die TKG stellt keine Frage nach persönlichem Fehlverhalten. Sie stellt eine demokratische und wissenschaftspolitische Fragen:
Wie entsteht öffentliche Deutungsmacht über Musliminnen und Muslime in Österreich?
Wer entscheidet, welche Stimmen als maßgeblich gelten?
Wer legitimiert die Legitimierten?
Und werden institutionelle Funktionen, öffentliche Förderungen und wissenschaftliche Kontroversen ausreichend transparent gemacht?
Die TKG fordert mehr Transparenz über institutionelle Funktionen öffentlich auftretender Experten, wissenschaftliche Redlichkeit bei der Kommunikation von Studienergebnissen sowie demokratische Rechenschaft über die Vergabe und Wirkung öffentlicher Fördermittel.















