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Berlin-Niederlande Türkei EM-Spiel: Appell der TKG an Präsident Erdogan

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Wien (OTS) – Die Reise von Staatspräsident Erdogan nach Berlin anlässlich des EM-Spiels Türkei – Niederlande wird zu einem Sicherheitsproblem in Berlin führen, weil das Spiel hoch politisiert und aufgehetzt ist und seine Wellen bis nach Wien schlagen wird. Im Interesse der Menschen aus der Türkei, die friedlich und zufrieden in Deutschland, in der EU und vor allem in Österreich leben, bitten wir darum:

Appell an Präsident Erdogan

„Sehr geehrter Herr Präsident Erdogan,

Herzliche Grüße aus Wien. Im Namen der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG) möchten wir uns mit einer kleinen Bitte an Sie wenden. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich das niederländisch-türkische Spiel in der Türkei anschauen würden.

Frieden zu Hause und Frieden in der Welt” – so lautet das außenpolitische Vermächtnis des Gründers der modernen Türkei Atatürk für die Türkei in ihrer herausfordernden geopolitischen Lage.

Wir sind der Überzeugung, dass Frieden in der Türkei, in Deutschland und vor allem in unserer neuen Heimat Österreich ein erstrebenswertes Ziel ist, das wir gerne unterstützen möchten. Sport bedeutet für uns nicht nur körperliche Anstrengung, sondern auch, dass wir uns für Respekt, Vernunft, Empathie, Freundschaft, Frieden und Toleranz einsetzen. Wir sind der Überzeugung, dass gemeinsamer Sport dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen. In Deutschland hat das EM-Spiel bezüglich der Türkei in den letzten Tagen leider eine starke emotionale, hetzerische und politische Komponente erhalten. Wir würden uns in dieser Angelegenheit deswegen und gerade etwas mehr Einfühlungsvermögen wünschen.

Die Situation im Juli 2024 ist eine gänzlich andere, da die Türkei unter Ihrer Regierung mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert ist, die vom Nahen Osten bis hin zur Innenpolitik reichen. Diese werden aktuell in Berlin bei Demonstrationen sichtbar werden. Unter den gegen Demonstranten wird der Nahostkonflikt mit Fahnen und verschiedenen Gegenständen instrumentalisiert, was die Berliner Polizei zum Einschreiten zwingt, um die deutsch-türkischen Fans zu schützen. Es lässt sich eine Vielzahl von Akteuren beobachten, die im Namen ihrer Auftraggeber handeln und dabei ungeschickt vorgehen. Diese Akteure nutzen die vergiftete politische Atmosphäre, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, was zum Schaden Deutschlands und der Deutschtürken geschieht. Es ist jedoch nicht akzeptabel, dass keine Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ergriffen werden. Ebenso ist es nicht akzeptabel, dass aktuelle und potenzielle Konflikte nicht gelöst werden.

Wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass vor dem Spiel mit zahlreichen Protesten zu rechnen ist. Insbesondere die deutsch-türkischen Fans sowie die über 250.000 in Berlin lebenden Menschen türkischer Herkunft könnten negativ davon betroffen sein. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie dies verhindern bzw. verringern könnten, falls Sie morgen nicht das Spiel in Berlin besuchen können.

Wir möchten Sie höflich bitten, Ihre Entscheidung mit Ihren geschätzten Beratern noch einmal zu überdenken. Wir erkennen an, dass wir in einigen Punkten divergierende politische Überzeugungen haben, jedoch ist unser Bestreben darauf ausgerichtet, das Wohl der Türkei und ihrer BürgerInnen sowie aller in diesem Land lebenden Menschen zu fördern, unabhängig von ihrer politischen Orientierung und ethnischen Herkunft. Des Weiteren sind wir der Auffassung, dass diese Auffassung der TKG auch von der Mehrheit der in Österreich lebenden österreichischen StaatsbürgerInnen geteilt wird, die sich als friedliebende und heimatverbundene ÖsterreicherInnen verstehen.

In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ postuliert der große deutsche Philosoph Immanuel Kant, dass der Friede das Meisterstück der Vernunft sei. Anlässlich des 300. Geburtstags Kants, welcher am 22. April 2024 durch die TKG gefeiert wurde, sei an dieser Stelle auf die etymologische Verwandtschaft des Wortes „Islam“ im Koran mit den Begriffen „selam“, „Vernunft“ und „silm“ verwiesen. Diese Wörter bedeuten allesamt „Frieden“, „Glück“, „Wohlergehen“ und „Vertrauen“.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)“.

Nicht dienlich

Für die TKG ist nach den vielen Gesprächen in Berlin mit vielen Verantwortlichen aus allen Bereichen klar: Die von der türkischen AKP-MHP-Regierung geforderte maximale Sicherheit kann von deutscher Seite in der Kürze der Zeit nicht gewährleistet werden. Man kann aber auch nicht akzeptieren, dass alle Sicherheit von der Türkei garantiert wird. Das ist eine ganz schwierige Gleichung. Auf deutscher Seite herrscht derzeit leider eine Atmosphäre der Hetze, die, egal wie es morgen ausgeht, dem Zusammenleben in Deutschland in Zukunft nicht dienlich ist.

Die Probleme

Das Problem ist, dass es am Samstag in Berlin vor dem Spiel eine große und provokative Protestwelle „unter dem Vorwand gegen Erdogan“ von vielen demokratischen, aber darunter eher „problematischen Aktivisten“ bzw. „in Deutschland als Terrororganisation eingestuften Personen“ geben wird, die hier unter dem Vorwand des Protestes die Atmosphäre des EM-Spiels terrorisieren könnten und da ist doppelte Vorsicht geboten, das könnte seine negativen Wellen bis nach Wien schlagen. Hier sind Verantwortungsbewusstsein und ein emotionsloser, kühler Kopf gefragt. Es gibt einen Tag nach dem Spiel Niederlande – Türkei.

Vorsicht, Ruhe, Vernunft und Gelassenheit gegen die ProvokantenInnen

Wir appellieren insbesondere an die österreichisch-türkischen Fans beim Public Viewing in Wien, sich zurückzuhalten. Sie sollten das zuletzt stark politisierte Spiel Niederlande – Türkei mit besonderer Vorsicht, Ruhe und Gelassenheit verfolgen und sich zurückhalten. Vor dem EM-Spiel Niederlande – Türkei in Berlin ist auf bezahlte und unbezahlte Provokateure zu achten.

Viel Glück

Wir hoffen, dass morgen vor, während und nach dem Spiel alles gut geht und wünschen vor allem ein friedliches EM-Fußballspiel Niederlande – Türkei in Berlin und viel Glück. Fußball darf nicht politisiert werden und auf den Fußballplätzen dürfen keine Zeichen von Fußballspielern missbraucht werden.

Kant und „Zum ewigen Frieden“

In seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ postuliert der große deutsche Philosoph Immanuel Kant, dass der Friede das Meisterstück der Vernunft sei. Anlässlich des 300. Geburtstags Kants, welcher am 22. April 2024 durch die TKG gefeiert wurde, sei an dieser Stelle auf die etymologische Verwandtschaft des Wortes „Islam“ im Koran mit den Begriffen „selam“, „Vernunft“ und „silm“ verwiesen. Diese Wörter bedeuten allesamt „Frieden“, „Glück“, „Wohlergehen“ und „Vertrauen“.

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)

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