AusgewähltKommentare

Kulturkampfbegriff: Unter dem Deckmantel des „christlich-jüdischen Erbes“

 

Birol Kilic,  31.08.2017, Analysen und Beobachtungen aus Wien

In aller Freundschaft und mit allem Respekt empfehlen wir, den Kampfbegriff „christlich-jüdisches Erbe“ bzw. „christlich-jüdische Tradition“ nicht zu verwenden – insbesondere dann nicht, wenn es um muslimische Themen und den Islam geht. Warum?

Der Kulturkampfbegriff der „christlich-jüdischen Tradition“ des Abendlandes wirkt bei nüchterner Betrachtung wie eine Farce, die dennoch gerne verwendet wird. Die römisch-katholische Kirche gebraucht ihn fast nie, der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und in Österreich viele Politikerinnen und Politiker dagegen ständig. Warum?

Es ist sehr bedenklich, wenn sich Geert Wilders am 27. März 2015 in der Wiener Hofburg auf das „jüdisch-christliche Erbe“ beruft und zugleich den Islam und seine rund 1,8 Milliarden Angehörigen pauschal stigmatisiert und diffamiert. Nach seiner Hetze gegen Arbeitsmigranten aus Bulgarien, Rumänien und Polen bezeichneten ihn niederländische Politiker und Intellektuelle als Brandstifter. Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist in der Tat eine Farce – auch dort, wo er in hiesigen Debatten bemüht wird, etwa von Niederwimmer (1).

„Judensau“ an der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg, Inschrift „Rabini Schem Ha Mphoras“

„Missbrauch der Juden durch die Politik“

Der Journalist und Publizist Heribert Prantl hat dies in seinem Artikel „Missbrauch der Juden durch die Politik“ in der Süddeutschen Zeitung treffend formuliert:

„Doch das Gerede von der christlich-jüdischen Tradition ist eine große Heuchelei. Die deutsche Politik benutzt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden, um die neue Minderheit der Muslime zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime pauschal als unverträglich zu etikettieren. Eingeführt hat diese Schimpfwortkombination wohl der blonde Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betonte er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe gegen die Islamisierung verteidigen müssten. Noch nie war das Verhältnis zwischen Christen und Juden in Deutschland so innig wie heute. Die neue Innigkeit wurde nicht von Theologen und Seelsorgern verkündet, sondern von Politikern. Sie haben im Jahr 2010 […] etwas entdeckt, was es nicht gibt: eine christlich-jüdische Tradition, eine gemeinsame Kultur. Die christlich-jüdische Geschichte besteht vor allem aus Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden und aus der Verfälschung des Talmuds. Wo es gemeinsame Wurzeln gab, wurden sie von der Mehrheitsgesellschaft ausgerissen. Wenn Juden anerkannt wurden, dann nach ihrer Konversion zum Christentum. Und dieses Christentum hat bis in die jüngste Vergangenheit nicht die Gemeinsamkeit der Heiligen Schrift gepredigt, sondern den Triumph des Neuen Testaments über das Alte. […] [Es] wird (nicht nur von scharfen Islamkritikern wie Geert Wilders und Thilo Sarrazin) eine neue Kategorisierung von Minderheiten propagiert: in gute und schlechte, in kluge und dumme Minderheiten. Diese Sortierung wird nicht dadurch besser, dass muslimische Milieus oft sehr antisemitisch sind. Aber weil dieser Antisemitismus von der deutschen Mehrheitsgesellschaft lange kaum wahrgenommen wurde, gibt es in jüdischen Gemeinden Sympathien für die gesellschaftliche Ausgrenzung deutscher Muslime.“

Eine Erfindung der europäischen Moderne?

Es lassen sich viele historische Beispiele anführen, die eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland ad absurdum führen.

Die jüdische Philosophin Almut Shulamit Bruckstein Çoruh kann, wie viele andere Juden, eine christlich-jüdische Tradition in Deutschland nicht nachvollziehen. Sie sagt: „Nein, es gab keine christlich-jüdische Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen.“

Henryk M. Broder schrieb 2010 zum Bindestrich zwischen „christlich“ und „jüdisch“, dieser stehe „vor allem [für] eine Geschichte der Glaubenskriege, der Unterdrückung, des Antisemitismus und der Gewalt, vom Holocaust ganz zu schweigen“.

„Christentum und Judentum sind Gegensätze. Deshalb kann ich mit dem Begriff christlich-jüdisches Abendland nichts anfangen“, sagte Björn Höcke auf einer Tagung der AfD-Jugend.

Wahlplakat der Christlichsozialen Partei  ( Wiener Bürgermeister Karl Lueger) Österreichs, um 1920: „Wählt christlichsozial – Deutsche Christen – Rettet Österreich!“

Lebenslüge?

Alan Posener schreibt in der „Welt“ unter dem Titel „Schluss mit der Lebenslüge“: „Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat einmal gesagt, der Musiker Roberto Blanco sei ‚ein ganz wunderbarer Neger‘, im Gegensatz zu den Flüchtlingen aus Afrika. Und die meisten Deutschen haben ein paar ganz wunderbare Juden im Kopf, vom sanften Jesus aus Nazareth über den weisen Moses Mendelssohn bis zum genialen Albert Einstein. Dazu die Klezmer-Klänge eines Giora Feidman, der das ewige Leid der Juden beklagt. Mit Juden, die nicht sanft, weise oder genial sind und eher mit der Uzi als mit der Klarinette umgehen, hat man es weniger gut, vor allem in kirchlichen Kreisen, wo man sich dann lieber auf die ewig leidenden Palästinenser stürzt und zum Boykott Israels aufruft.“

Auch Thilo Sarrazin träumte von wunderbaren Juden. Die Türken, sagte er, würden Deutschland erobern „wie die Kosovaren das Kosovo“. Und er fügte hinzu: „Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären, die einen um 15 Prozent höheren IQ hätten als die deutsche Bevölkerung.“ Eine Zahl, die Sarrazin – zusammen mit dem dafür verantwortlichen „jüdischen Gen“ – frei erfunden hat. Sarrazin ist ein Kultur- bis Biorassist.

Wichtig ist für mich deshalb die Diskussion über kulturellen Rassismus. Ich verwende diesen Begriff nicht als Beschimpfung. Gemeint ist ein Mechanismus, bei dem Sprache, Kultur, Religion und Herkunft so stark codiert und kategorisiert werden, dass sie fast wie eine unveränderliche DNA wirken. Der einzelne Mensch kann in Berlin geboren, in Wien aufgewachsen, säkular, links, liberal, konservativ, atheistisch oder gläubig sein – trotzdem wird er über Herkunft und religiöse Symbole immer wieder in denselben Bedeutungsraum zurückgeführt.

Als es in Berlin und Wien noch eine erkleckliche Anzahl osteuropäischer Juden gab, also bevor Deutsche und Österreicher sich ihrer entledigten, galten diese „Kaftanjuden“ als das, was Sarrazin heute Türken und Araber nennt: „Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht wahrnehmen“ und nicht dazugehören. Oder wie der assimilierte – und dennoch später ermordete – deutsche Jude Walther Rathenau 1897 schrieb: „Mitten im deutschen Leben ein abgesondert fremder Menschenstamm. Auf märkischem Sand eine asiatische Horde.“ (2)

Betrachten wir die reale Geschichte der realen Juden in Europa. Um 1900 lebten fast neun Millionen Juden auf dem Kontinent, weit mehr als die Hälfte von ihnen in Polen und im Russischen Reich, weitere zwei Millionen in den angrenzenden ost- und südosteuropäischen Ländern. Das war Rathenaus „asiatische Horde“ aus der Sicht eines assimilierten deutschen Juden. Die Vorfahren dieser Menschen waren – so die rheinische Theorie – im zwölften Jahrhundert aus ihrer deutschen Heimat an Rhein und Donau dorthin geflohen, um den mordenden Kreuzrittern zu entkommen. Oder dachte der deutsche Jude an die Khasarische Theorie, die immer wieder als Verschwörungstheorie abgetan wird?

Sie brachten ihre eigene Sprache, das Jiddische, ihre eigene Religion, ihre eigene Kleidung, ihre eigenen Sitten und Gebräuche mit und weigerten sich sieben Jahrhunderte lang, sich assimilieren zu lassen. Sie hatten ihre eigene Verwaltung, ihre eigene Gerichtsbarkeit, ihre eigenen Schulen, in denen die Jungen die Tora lernten. Sie lebten physisch im Schtetl, aber geistig in Jerusalem.

Zwischen dem Pogrom von 1871 in Odessa – vor allem aber seit der großen Pogromwelle von 1881 – und dem Jahr 1914 floh ein Drittel dieser Juden in den Westen. Ohne diese Ostjuden wären die jüdischen Gemeinden in Amerika nie so stark geworden. Andere wandten sich der revolutionären Politik zu und wurden Sozialdemokraten, Kommunisten, Anarchisten oder Zionisten.

Der Österreicher Theodor Herzl wird zwar als Begründer des modernen Zionismus gefeiert, doch die Ostjuden stellten die Masse der Auswanderer und ihrer Funktionäre. Ohne das Schtetl gäbe es kein Israel. Und hätte es jemals die „christlich-jüdische“ Gemeinsamkeit gegeben, die für Wulff, Seehofer oder Merkel „unzweifelhaft“ und „unbestreitbar“ ist, hätte es auch des Zionismus nicht bedurft.

Ist diese zur Floskel geronnene Lebenslüge schon ärgerlich genug, so ist ihre Verwendung im Kontext der Zuwanderungsdebatte geradezu perfide. 2010 erklärten FDP-Politiker wie Christian Lindner und Marco Buschmann in ihren „Sechs Thesen für ein republikanisches Integrationsleitbild“, die Formel vom christlich-jüdischen Abendland könne „als Ausgrenzungsformel missverstanden werden“ und deshalb „kein integratives Leitbild sein“.

Man mag die Bindestrich-Formel als eine Art Rückversicherung gegen den Rückfall in den Antisemitismus schätzen. Wenn sie aber dazu benutzt wird, zu begründen, warum „der Islam nicht zu Europa gehört“, dann werden die Juden – ohne es zu merken – in eine Ecke gedrängt.

Dieser Instrumentalisierung dürften die wenigsten Juden zustimmen. Wie Erich Kästner sagte: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!“

Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht

Aus jüdischer Sicht muss es wie Hohn klingen, wenn deutsche Politiker von einer christlich-jüdischen Tradition sprechen. Auch der freie Journalist Gerald Beyrodt lehnt die Verbindung „christlich-jüdisch“ ab: „Sicher, Juden und Christen teilen die Zehn Gebote und die hebräische Bibel. Sicher wäre es auch schön, wenn Politiker weniger unbefangen als in der Vergangenheit von den ‚christlichen Zehn Geboten‘ sprechen würden. Aber 2000 Jahre jüdische Religionsphilosophie sind in Europa weitgehend unbekannt. Der Talmud gibt dem heutigen Judentum sein Gesicht. Jahrhundertelang wurde er von Christen ignoriert, geächtet und immer wieder verboten. Die jüdische Kultur blieb der Mehrheitsgesellschaft verborgen, weil sie nichts davon wissen wollte. Stattdessen hat sie die Juden jahrhundertelang mit absurden Vorwürfen überzogen: dass sie Hostien schänden, dass sie christliche Kinder töteten und zu Mazze-Brot verarbeiteten und an Pessach genüsslich verspeisten.“

Die „Judensau“ an der Stadtkirche zu Wittenberg

An der südlichen Außenfassade der Stadtkirche zu Wittenberg, die als Mutterkirche der Reformation gilt, ist eine sogenannte „Judensau“ zu sehen. Das Spottrelief zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut, während mehrere Juden an den Zitzen des Tieres saugen. Das Bild ist ein bösartiger Angriff auf die Juden und ihren Glauben.

1988 wurde im Auftrag der Stadtkirchengemeinde unterhalb der Darstellung eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen. Sie soll auf die historischen Folgen des Judenhasses aufmerksam machen.

„An meiner Stelle könnte auch Martin Luther vor dem Tribunal sitzen“

Wissenschaftler unterscheiden zwischen dem religiös motivierten Judenhass des Mittelalters und dem modernen, von einer biologischen Rassentheorie geprägten Antisemitismus des 19. Jahrhunderts, auf den sich Nationalsozialisten und „Deutsche Christen“ berufen konnten. Nicht zufällig wies der Thüringer Landesbischof 1938 darauf hin, dass in der Nacht zum 10. November, Luthers Geburtstag, die Synagogen brannten. Und Julius Streicher, Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“, versuchte sich bei den Nürnberger Prozessen damit zu rechtfertigen, dass an seiner Stelle auch Martin Luther vor Gericht stehen könnte (3).

Martin Luther war zweifellos ein theologisches und sprachschöpferisches Genie sowie ein bedeutender politischer Denker, eine Gestalt von weltgeschichtlicher Wucht wie nur wenige seinesgleichen. Dass die von ihm immer wieder zugespitzte Gegenüberstellung von „Evangelium und Gesetz“ – hier die in Christus geschehene Gnade, dort die Härte der in der Tora angedrohten Weisungen – den christlichen Antijudaismus weiter verstärkte und zuspitzte, wird durch die Tatsache, dass er in einer frühen Schrift feststellte, Jesus sei ein geborener Jude gewesen, keineswegs gemildert (4).

Zentralrat der Juden in Deutschland: Christlich-jüdisches Erbe? Nein!

Bei den Juden in Deutschland herrscht keineswegs die Vorstellung einer christlich-jüdischen Tradition Deutschlands vor. So heißt es auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Historisch gesehen wurde die deutsche Identität nicht nur durch die deutsche Sprache und Kultur, sondern auch durch die christliche Religion geprägt. Wer außerhalb dieser Parameter stand, wurde als fremd empfunden, und kaum eine andere Bevölkerungsgruppe hat dies schmerzlicher erfahren als die Juden, deren Präsenz auf deutschem Boden bis in die Zeitenwende zurückreicht. Das tragische Ende der jüdischen Integrationsbemühungen ist bekannt. Christlich-jüdisches Erbe in Deutschland? Nein! Juden sehen die kulturellen Wurzeln Deutschlands keineswegs im Judentum. Vielmehr sind ihnen die deutschen Verbrechen an den Juden präsent.“

Österreich – mit Verlaub: Welches „christlich-jüdische Erbe“, welche „christlich-jüdische Tradition“?

PS (Oktober 2026): Der Zentralrat und die „vorrangig christlich-jüdische Geschichte“

Im März 2021 sprach Zentralratspräsident Josef Schuster beim „Kölner Gespräch“ des katholischen Kolpingwerks. Er lobte das heute solide Fundament des christlich-jüdischen Verhältnisses und erklärte, die Geschichte der Juden in Deutschland sei „auch, wenn nicht sogar vorrangig, als christlich-jüdische Geschichte zu lesen“. Zugleich erinnerte er daran, dass die Judenfeindlichkeit der Kirchen bis heute überliefert ist.

Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende gegenüber der früheren Position des Zentralrats. Schusters eigener Nachsatz widerlegt sie allerdings. Eine Geschichte, die von kirchlicher Judenfeindlichkeit bis zur Schoah reicht, ist eine Geschichte von Mehrheit und verfolgter Minderheit, kein gemeinsames Erbe. Vor einem kirchlichen Publikum mag diese Formulierung freundlich gemeint gewesen sein. Politisch liefert sie jenen ein Etikett, die mit dem „christlich-jüdischen Abendland“ Muslime ausgrenzen wollen. Davon hat sich der Zentralratspräsident nicht abgegrenzt. Seine eigene Frage, ob Juden als Fremde oder als seit 1700 Jahren dazugehörige Minderheit gesehen werden,

PS (Oktober 2026): Der Zentralrat und die „vorrangig christlich-jüdische Geschichte“

Im März 2021 sprach Zentralratspräsident Josef Schuster beim „Kölner Gespräch“ des katholischen Kolpingwerks. Er lobte das heute solide Fundament des christlich-jüdischen Verhältnisses und erklärte, die Geschichte der Juden in Deutschland sei „auch, wenn nicht sogar vorrangig, als christlich-jüdische Geschichte zu lesen“. Zugleich erinnerte er daran, dass die Judenfeindlichkeit der Kirchen bis heute überliefert ist.

Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende gegenüber der früheren Position des Zentralrats, und Schusters eigener Nachsatz widerlegt sie. Eine Geschichte, die von kirchlicher Judenfeindlichkeit bis zur Schoah reicht, ist eine Geschichte von Mehrheit und verfolgter Minderheit, kein gemeinsames Erbe.

Wahlplakat der Christlichsozialen Partei  ( Wiener Bürgermeister Karl Lueger) Österreichs, um 1920: „Wählt christlichsozial – Deutsche Christen – Rettet Österreich!“

„Judensau“ an der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg, Inschrift „Rabini Schem Ha Mphoras“

Zwei Bilder genügen, um zu zeigen, wie diese „christlich-jüdische Geschichte“ tatsächlich aussah. An der Stadtkirche zu Wittenberg, der Mutterkirche der Reformation, hängt bis heute die „Judensau“. Darüber steht „Rabini Schem Ha Mphoras“, eine Verhöhnung des heiligen Gottesnamens. Und in Österreich warb die Christlichsoziale Partei, die Vorgängerin der heutigen ÖVP, um 1920 mit einem Plakat um Stimmen, das eine Schlange mit antisemitisch verzerrter Fratze zeigt, die den österreichischen Adler erwürgt. Darunter liegen Hammer und Sichel, darüber steht die Parole „Wählt christlichsozial – Deutsche Christen – Rettet Österreich!“. Hier wurde der Jude als Inbegriff des Bolschewismus und als tödliche Gefahr für das christliche Österreich dargestellt. Das ist das „christlich-jüdische Erbe“, auf das sich heute manche Politiker berufen.

Wer das weiß und dennoch vor einem kirchlichen Publikum von einer „vorrangig christlich-jüdischen Geschichte“ spricht, redet seinen Gastgebern nach dem Mund. Man kann sich des Eindrucks einer Anbiederung nicht erwehren. Politisch liefert diese Formulierung jenen ein Etikett, die mit dem „christlich-jüdischen Abendland“ Muslime ausgrenzen wollen. Davon hat sich der Zentralratspräsident nicht abgegrenzt.

Seine eigene Frage aus derselben Rede lautet, ob Juden als Fremde oder als seit 1700 Jahren dazugehörige Minderheit gesehen werden. Seine eigene Frage aus derselben Rede lautet, ob Juden als Fremde oder als seit 1700 Jahren dazugehörige Minderheit gesehen werden. Diese Frage stellen sich heute auch Millionen Muslime in Deutschland und Österreich. Das geschieht nicht, um die Schoah zu relativieren, sondern aus dem Blickwinkel des kulturellen Rassismus.

Bildunterschriften:

-Wahlplakat der Christlichsozialen Partei Österreichs, um 1920: „Wählt christlichsozial – Deutsche Christen – Rettet Österreich!“ -Judensau“ an der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg, Inschrift „Rabini Schem Ha Mphoras“

Quellen

(1) Die Presse: „Die Grünen und das Ende der freien Gesellschaft“ – http://diepresse.com/home/5260288/

(2) Walther Rathenau – http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/geschichte/rathenau/index.html

(3) Die Welt: „Trägt Martin Luther eine Mitschuld am Völkermord?“ – https://www.welt.de/sonderthemen/luther-2017/article159060014/Traegt-Martin-Luther-eine-Mitschuld-am-Voelkermord.html

(3) idea: „Arbeitskreis Bekennender Christen: Judenmission nicht aufgeben“ – http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/arbeitskreis-bekennender-christen-judenmission-nicht-aufgeben-98657.html

(4) Jüdische Allgemeine – http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23716

PS: Jüdische Allgemeine, 18.03.2021: „Die Erinnerungskultur weiterentwickeln“ – https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/die-erinnerungskultur-weiterentwickeln/

You may also like

More in Ausgewählt