Wir feiern den 103. Jahrestag der Gründung der modernen Republik Türkei und gedenken Mustafa Kemal Atatürks am Denkmal des Wiener Bildhauers Heinrich Krippel, der unter anderem das berühmte Ehrenmal von Samsun sowie bedeutende Atatürk- und Republikdenkmäler in verschiedenen Städten der Türkei geschaffen hat.
Sonntag, 25. Oktober 2026 – 14.00 Uhr, Friedhof Ober St. Veit, 1130 Wien
Anlässlich des 103. Jahrestags der Gründung der Republik Türkei kommen wir am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, um 14.00 Uhr am Heinrich-Krippel-Denkmal auf dem Friedhof Ober St. Veit im 13. Wiener Gemeindebezirk zusammen.
Dass wir gerade diesen Ort für unsere Zusammenkunft gewählt haben, hat einen historischen Grund. Heinrich Krippel gehörte zu jenen österreichischen Künstlern, die die geschichtliche Bedeutung des unter der Führung Mustafa Kemal Atatürks errungenen türkischen Unabhängigkeitskrieges und das Unabhängigkeitsideal der jungen Republik verstanden und in ihren Werken sichtbar machten.
Aus diesem Anlass möchten wir jedoch nicht nur an Krippel erinnern, sondern auch an jene Österreicherinnen und Österreicher, die in den Gründungs- und Entwicklungsjahren der Republik Türkei mit ihren Werken, ihrem Wissen und ihrer persönlichen Arbeit wichtige Beiträge geleistet haben.
Anlässlich des 103. Jahrestags der Gründung unserer Republik laden wir alle Freundinnen und Freunde herzlich zu unserer Zusammenkunft mit kurzen Ansprachen, einer Schweigeminute und Gebeten ein.
Ein Rückblick: So haben wir den 100. Jahrestag der Republik am 29. Oktober 2023 gefeiert

Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Republik Türkei ließ die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) an der letzten Ruhestätte Heinrich Krippels auf dem Friedhof Ober St. Veit in Wien ein neues Gedenkmal errichten.
Nachdem Krippels ursprüngliche Grabstätte im Jahr 2015 aufgelassen worden war, setzte sich die TKG dafür ein, das Andenken an den Wiener Bildhauer an diesem Ort wieder sichtbar zu machen. Sämtliche Kosten für die Errichtung des neuen Gedenkmals wurden von der TKG übernommen.
Das Denkmal, das ein Porträt Heinrich Krippels sowie eine Abbildung des von ihm geschaffenen Ehrenmals von Samsun zeigt, wurde am 29. Oktober 2023 im Beisein von Freunden der TKG feierlich enthüllt. Bei dieser Zusammenkunft wurde sowohl Mustafa Kemal Atatürk als auch Heinrich Krippel in würdiger Weise gedacht. Zudem wurden Blumen niedergelegt und der 100. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei feierlich begangen.
Video-Rückblick: https://www.facebook.com/www.turkischegemeinde.at/videos/870231334756162/
Zum 103. Jahrestag der Republik treffen wir uns erneut an diesem Ort.
Für uns bedeutet die Zusammenkunft am Heinrich-Krippel-Denkmal weit mehr als die Bewahrung der Erinnerung an einen Künstler, der in Wien gelebt hat. Unser eigentliches Anliegen ist es, die Gründung der Republik Türkei zu feiern, ihres Gründers Mustafa Kemal Atatürk in Respekt und Dankbarkeit zu gedenken und zugleich jene künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen in Erinnerung zu rufen, die zwischen Österreich und der Türkei während der Gründungs- und Entwicklungsjahre der jungen Republik entstanden sind.
Wir sind überzeugt, dass wir gerade zum 103. Jahrestag der Republik auch an diese historischen Beziehungen, an die Menschen, die dazu beigetragen haben, und an die Werke, die sie hinterlassen haben, erinnern sollten.
Heinrich Krippel: Der Wiener, der den Unabhängigkeitskampf der Republik in Denkmälern verewigte
Heinrich Krippel (1883–1945) war der Bildhauer einiger der ersten großen Denkmäler der jungen Republik Türkei. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen das Atatürk-Denkmal in Sarayburnu in Istanbul, das Siegesdenkmal auf dem Ulus-Platz in Ankara, das Ehrenmal von Samsun, das Atatürk-Denkmal in Konya und das Siegesdenkmal von Afyonkarahisar.
In diesen Denkmälern wird Atatürk nicht allein als militärischer Befehlshaber dargestellt, sondern auch als führende Persönlichkeit eines Volkes, das seine Unabhängigkeit errungen hatte und begann, seine Zukunft aus eigenem Willen zu gestalten. Die Soldaten und die anatolische Frau, die auf ihrem Rücken eine Artilleriegranate trägt, veranschaulichen am Siegesdenkmal von Ankara, dass der Unabhängigkeitskrieg ein großer gemeinsamer Kampf des gesamten Volkes war.
Krippel bereitete wesentliche Teile seiner Denkmäler in seinem Atelier im 13. Wiener Gemeindebezirk vor. Auch die Bronzegüsse wurden hier angefertigt. Anschließend wurden die tonnenschweren Werke in die Türkei transportiert. Der Künstler selbst reiste wiederholt in die Türkei, um seine Arbeiten vor Ort fortzusetzen.
Diese Werke, an denen heute Millionen Menschen auf den öffentlichen Plätzen türkischer Städte vorbeigehen, sind zugleich bleibende Zeugnisse jener Kunst- und Kulturbeziehungen, die zwischen Österreich und der Türkei in den ersten Jahren der Republik entstanden.
Das Ehrenmal von Samsun: Ein Symbol der Liebe, des Respekts und der Dankbarkeit der Bevölkerung gegenüber Atatürk
Die Bevölkerung von Samsun wollte den türkischen Unabhängigkeitskrieg, den Mustafa Kemal Atatürk mit seiner Ankunft in Samsun am 19. Mai 1919 eingeleitet hatte, durch ein Denkmal für die Nachwelt bewahren. Deshalb beschloss sie, im eigenen Namen und mit eigenen Beiträgen ein Denkmal errichten zu lassen.
Mit der Gestaltung wurde der Wiener Bildhauer Heinrich Krippel beauftragt. Die Arbeiten an dem Ehrenmal begannen 1928 in Wien, wo auch die Bronzegüsse angefertigt wurden. Anschließend wurden die einzelnen Teile in die Türkei transportiert. Am 15. Jänner 1932 wurde das Ehrenmal von Samsun feierlich enthüllt.
Die auf einem sich aufbäumenden Pferd aufrecht sitzende Gestalt Atatürks symbolisiert den Unabhängigkeitswillen, den Mut und die Entschlossenheit des türkischen Volkes. Die Reliefs am Sockel erinnern an die Opfer und Leistungen jener Menschen, die am Unabhängigkeitskrieg beteiligt waren.
Eine Inschrift auf dem Denkmal hält bis heute fest:
„Diese Statue wurde am 29. Oktober 1931 von der Bevölkerung der Provinz Samsun errichtet.”
Diese Worte erinnern daran, dass das Denkmal von der Bevölkerung selbst getragen wurde. Das Ehrenmal von Samsun ist damit nicht nur ein Denkmal für Atatürk, sondern zugleich ein Symbol des gemeinsamen Kampfes eines Volkes, das seine Unabhängigkeit errungen hat.
Das Siegesdenkmal von Ankara: Atatürk, Yunus Nadi, die Zeitung Cumhuriyet und der Wiener Heinrich Krippel
Die Zeitung Yeni Gün, die als Vorläuferin der am 7. Mai 1924 vom Journalisten Yunus Nadi Abalıoğlu gegründeten Zeitung Cumhuriyet gilt, setzte sich für die Errichtung eines Denkmals ein, das den Sieg im türkischen Unabhängigkeitskrieg und die Gründung der Republik symbolisieren sollte. Die Namensgebung der Zeitung Cumhuriyet ging auf Mustafa Kemal Atatürk selbst zurück.
Auf Initiative von Yunus Nadi wurde ein internationaler Wettbewerb veranstaltet, aus dem der Wiener Bildhauer Heinrich Krippel als Sieger hervorging.
Das durch Spenden aus der Bevölkerung finanzierte Denkmal wurde in Wien in Bronze gegossen und am 24. November 1927 auf dem Ulus-Platz in Ankara feierlich enthüllt.
Das Siegesdenkmal wurde zu einem der bedeutendsten Symbole des unter Atatürks Führung errungenen Unabhängigkeitskrieges und des Unabhängigkeitswillens der jungen Republik.
Krippel schuf später weitere bedeutende Atatürk- und Republikdenkmäler in Istanbul-Sarayburnu, Konya, Samsun und Afyonkarahisar.
So wurde aus einer von Yunus Nadi mit journalistischen Mitteln angestoßenen Initiative durch die Arbeit eines Wiener Künstlers eines der bleibenden Denkmäler der türkischen Republikgeschichte.
Welche weiteren Österreicher haben die republikanische Hauptstadt Ankara mitgestaltet?
Heinrich Krippel war keineswegs der einzige Österreicher, der in der Türkei Atatürks tätig wurde. Auch andere österreichische Architekten, Künstler und Fachleute übernahmen wichtige Aufgaben bei der Gestaltung der Hauptstadt der Republik und beim Aufbau ihrer neuen staatlichen Einrichtungen.
Clemens Holzmeister (1886–1983) zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten dieser Zeit. Der österreichische Architekt entwarf bedeutende staatliche Gebäude, darunter das Verteidigungsministerium, das Generalstabsgebäude, das Innenministerium, den Kassationsgerichtshof, die Zentralbank und die Präsidentenresidenz in Çankaya. Auch das monumentale Parlamentsgebäude, das heute von der Großen Nationalversammlung der Türkei genutzt wird, stammt aus seiner Planung. Mit seiner Architektur leistete Holzmeister einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung der institutionellen Identität der neuen republikanischen Hauptstadt.
Robert Oerley (1876–1945) war ein weiterer Wiener Architekt. Er beteiligte sich ab 1927 am Aufbau Ankaras und arbeitete an bedeutenden Bauprojekten wie dem Hauptgebäude des Türkischen Roten Halbmonds, der Markthalle von Ulus, dem Numune-Krankenhaus und dem Refik-Saydam-Hygieneinstitut. Darüber hinaus lehrte er an der Akademie der Schönen Künste in Istanbul und trug zur Ausbildung türkischer Architekten bei.
Theodor Jost, ebenfalls ein österreichischer Architekt, kam in den 1920er-Jahren nach Ankara. Er war der Architekt des 1926 bis 1927 errichteten Gesundheitsministeriums. Das Gebäude, das in der damaligen Presse als eines der modernsten Bauwerke Ankaras bezeichnet wurde, gilt als eines der frühen Beispiele moderner Architektur in der republikanischen Hauptstadt. Jost war außerdem an der Planung des bakteriologischen Gebäudes des Refik-Saydam-Hygieneinstituts beteiligt.
Anton Hanak (1875–1934) gehörte zu den bedeutenden Bildhauern der Wiener Kunstszene. Gemeinsam mit Clemens Holzmeister arbeitete er an der Gestaltung des Vertrauensdenkmals im Güvenpark in Ankara. Die Skulpturen auf der Vorderseite des Denkmals gehen auf Hanaks Entwürfe zurück. Der Künstler starb, bevor das Denkmal fertiggestellt werden konnte.
Gudrun Baudisch (1907–1982) war eine österreichische Keramikkünstlerin und Bildhauerin. In Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister wirkte sie an der künstlerischen Ausstattung und den plastischen Gestaltungselementen der Präsidentenresidenz Atatürks in Ankara mit. Damit hinterließ auch eine österreichische Künstlerin ihre Handschrift in der Architekturgeschichte der Republik.
Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) wurde in Wien geboren und gehörte zu den ersten Architektinnen Österreichs. In der Geschichte der modernen Architektur ist sie insbesondere als Gestalterin der berühmten Frankfurter Küche bekannt. 1938 kam sie nach Istanbul und arbeitete an Entwürfen für Schulen, Kindergärten und weitere Bildungseinrichtungen für Kinder. Nach ihren Jahren in der Türkei wurde sie wegen ihrer Tätigkeit im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Wien verhaftet und blieb bis zum Ende des Krieges in Haft.
Ein Österreicher, der die Republik der Welt vorstellte: Othmar Pferschy
Der österreichische Fotograf Othmar Pferschy (1898–1984) nimmt in der internationalen Öffentlichkeitsarbeit der jungen Republik Türkei einen besonderen Platz ein.
Zwischen 1935 und 1940 war er als Fotograf im offiziellen Presse- und Informationswesen der Republik Türkei tätig. Er bereiste Anatolien und dokumentierte Fabriken, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Straßen, Städte und den gesellschaftlichen Wandel der Republik.
Der 1936 veröffentlichte Fotoband La Turquie en Images wurde mit dem Ziel herausgegeben, der Welt ein Bild der neuen Türkei zu vermitteln. Pferschys Fotografien fanden Verwendung in internationalen Publikationen, Broschüren, Ansichtskarten und verschiedenen Werbe- und Informationsmaterialien.
Pferschy ist deshalb als einer jener Pioniere in Erinnerung zu behalten, die das visuelle Gedächtnis der frühen Republik mitprägten und die Modernisierung der Türkei einem internationalen Publikum vor Augen führten.
Die Beiträge österreichischer Wissenschaftler zur Wissenschaft und zur Universitätsreform
In der Modernisierungsgeschichte der Republik Türkei spielten nicht nur Architekten und Künstler, sondern auch Wissenschaftler eine bedeutende Rolle. Insbesondere nach der Universitätsreform von 1933 übernahmen zahlreiche Wissenschaftler österreichischer Herkunft Aufgaben in der Türkei. Während einige von ihnen kamen, weil sich ihnen dort wissenschaftliche Arbeitsmöglichkeiten eröffneten, fanden andere in der Türkei Zuflucht vor dem zunehmenden nationalsozialistischen Druck und dem Antisemitismus in Europa.
Richard von Mises (1883–1953) war ein international renommierter Mathematiker und Ingenieur, der in der österreichischen Wissenschaftstradition ausgebildet worden war und an der Technischen Hochschule Wien studiert hatte. Von 1933 bis 1939 arbeitete er an der Universität Istanbul und trug zur Entwicklung des mathematischen Instituts bei. Bekannt wurde von Mises insbesondere durch seine Arbeiten zur Wahrscheinlichkeitstheorie, Mechanik und angewandten Mathematik. Später wurde er Professor an der Harvard University.
Hilda Geiringer (1893–1973) war eine bedeutende Mathematikerin aus Wien. Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht gekommen waren, verlor sie ihre universitäre Stellung. 1934 kam sie an die Universität Istanbul, wo sie auf den Gebieten der angewandten Mathematik, Mechanik und mathematischen Modellierung arbeitete. Geiringer gilt auch im Hinblick auf die Stellung von Frauen in der Wissenschaftsgeschichte als bedeutende Persönlichkeit.
Leo Spitzer (1887–1960) war ein Wiener Sprach- und Literaturwissenschaftler. Nachdem er von den Nationalsozialisten aus dem Universitätsdienst entfernt worden war, kam er 1933 nach Istanbul. An der Universität Istanbul beteiligte er sich am Aufbau und an der Entwicklung der europäischen Philologie und bildete Studierende aus. Später setzte er seine wissenschaftliche Laufbahn in den Vereinigten Staaten fort.
Wilhelm Peters (1880–1963) war ein in Wien geborener Psychologe und Erziehungswissenschaftler. Nachdem er während der nationalsozialistischen Herrschaft seine Stellung verloren hatte, kam er 1937 an die Universität Istanbul. Dort beteiligte er sich am Aufbau und an der Weiterentwicklung der Pädagogik und der experimentellen Psychologie.
Josef Dobretsberger (1903–1970) war ein aus Linz stammender österreichischer Wirtschaftsprofessor und Politiker. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland musste er seine Heimat verlassen. Ab 1938 lehrte er Wirtschaftswissenschaften an der Universität Istanbul und leistete damit einen Beitrag zum akademischen Leben in der Türkei.
Österreicher, die sich mit der türkischen Sprache, Geschichte und Kultur beschäftigten
In den wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei nehmen auch die Turkologie und die Erforschung der türkischen Kunstgeschichte einen wichtigen Platz ein.
Prof. Dr. Andreas Tietze (1914–2003) war ein in Wien geborener, international anerkannter Turkologe. 1937 ließ er sich in der Türkei nieder und arbeitete viele Jahre in Istanbul. Seine Forschungen befassten sich mit der türkischen Sprache, der türkischen Volksliteratur, der osmanischen Geschichte, der Kulturgeschichte und der Etymologie. Er erlernte die türkische Sprache auf hohem Niveau und arbeitete eng mit türkischen Wissenschaftlern zusammen. Später war Tietze als Professor in den Vereinigten Staaten und an der Universität Wien tätig. Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Leistungen zählt das umfassende Werk Tarihî ve Etimolojik Türkiye Türkçesi Lugati, ein historisches und etymologisches Wörterbuch des Türkeitürkischen.
Paul Wittek (1894–1978) war ein österreichischer Historiker und Turkologe. 1924 kam er nach Istanbul. Er beschäftigte sich mit der frühen osmanischen Geschichte, den anatolischen Fürstentümern und historischen Dokumenten. In Erinnerung geblieben ist er auch durch Initiativen, mit denen er sich gemeinsam mit türkischen Kollegen für die Bewahrung osmanischer Archivbestände einsetzte. Später setzte er seine Forschungen zur türkischen Geschichte an der Universität London fort.
Ernst Diez (1878–1961) war ein österreichischer Kunsthistoriker mit den Schwerpunkten türkische und islamische Kunst. 1943 begann er an der Universität Istanbul zu lehren. Sein 1946 veröffentlichtes Werk Türk Sanatı („Türkische Kunst”) gehörte zu den Versuchen, die türkische Kunstgeschichte in einer umfassenden Darstellung zu behandeln. Seine Tätigkeit in der Türkei und einzelne seiner wissenschaftlichen Einschätzungen waren allerdings auch Gegenstand akademischer Kontroversen. Diez’ Jahre in der Türkei fallen in die Zeit nach dem Tod Atatürks.
Österreichische Ärzte und Fachleute im Gesundheitswesen
Die Universitätsreform der Republik brachte auch bedeutende Veränderungen in der medizinischen Ausbildung und in den Gesundheitswissenschaften mit sich.
Dr. Rosa Maria Rössler (1901–1954) war eine in Wien geborene Ärztin. 1934 kam sie in die Türkei. An der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul arbeitete sie in der pathologischen Anatomie und in internistischen Kliniken. Sie unterstützte die Übersetzung deutschsprachiger medizinischer Fachbücher ins Türkische und leistete damit einen Beitrag zur Ausbildung junger Ärzte. 1954 starb sie in Istanbul.
Prof. Dr. Erich Ruttin war ein österreichischer Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. 1934 wurde er mit der Leitung der HNO-Klinik der Universität Istanbul betraut. Obwohl seine Tätigkeit in der Türkei nur ungefähr ein Jahr dauerte, gehörte er zu jenen Fachleuten, die zur Entwicklung einer modernen medizinischen Facharztausbildung beitrugen.
Prof. Dr. Max Sgalitzer (1884–1974) war ein österreichischer Radiologe. 1938 kam er in die Türkei und übernahm die Leitung des Radiologischen Instituts der Universität Istanbul. Dort war er auf dem Gebiet der radiologischen Diagnostik und der technischen Ausbildung tätig.
In diesem Zusammenhang sollten auch drei österreichische Fachkräfte nicht vergessen werden, die gemeinsam mit Sgalitzer arbeiteten: Walter Reininger (geboren 1899), ein Wiener Ingenieur, der sich mit dem technischen Betrieb der Geräte befasste; Margarethe Reininger (geboren 1896), eine Wiener Röntgenschwester, die an der Ausbildung radiologischen Fachpersonals mitwirkte; sowie Carl Weisglass (geboren 1898), ein ebenfalls in Wien geborener Ingenieur, der als technischer Spezialist an den radiologischen Arbeiten beteiligt war.
Die Bedeutung dieser drei Persönlichkeiten liegt auch darin, dass ihre Tätigkeiten zeigen, wie sehr die Universitätsreform nicht allein von Professoren, sondern ebenso von Ingenieuren, Pflegekräften und technischem Fachpersonal getragen wurde.
Zu den österreichischen Medizinern, die in historischen Untersuchungen über die türkisch-österreichischen Beziehungen während der Atatürk-Zeit erwähnt werden, gehört auch der Dermatologe Prof. Dr. Richard Ritter. Auch Dr. Gerlach, der aus Österreich eingeladen wurde, kam 1932 für einen kurzfristigen fachlichen Einsatz in den Bereichen Bakteriologie und Serologie in die Türkei. Im selben Zeitraum wurde außerdem erwogen, die österreichischen Fachleute Blauesteiner und Staide mit der Erstellung einer topografischen Erfassung der Kunstwerke Istanbuls zu beauftragen.
Diese Beispiele zeigen, dass der Austausch von Fachwissen zwischen Österreich und der Türkei keineswegs auf einige wenige bekannte Persönlichkeiten beschränkt war.
Eine historische Verbindung zwischen zwei Republiken
Die Republik Türkei und die Republik Österreich gestalteten ihre Beziehungen unter den neuen historischen Bedingungen, die nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende zweier Imperien entstanden waren, auf einer neuen Grundlage.
Mit dem am 28. Jänner 1924 unterzeichneten Freundschaftsvertrag wurde eine wichtige Grundlage für die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern geschaffen.
In den folgenden Jahren verliehen Architekten, Bildhauer, Fotografen, Ingenieure, Ärzte, Pädagogen und Wissenschaftler diesen Beziehungen auch eine menschliche und kulturelle Dimension.
Die Gründe, aus denen diese Menschen in die Türkei kamen, waren keineswegs identisch. Einige wurden eingeladen, weil die junge Republik ihr Wissen und ihre fachliche Kompetenz benötigte. Andere fanden in der Türkei eine Möglichkeit zu leben und zu arbeiten, als sie in Europa rassistischer Verfolgung und politischem Druck ausgesetzt waren.
Es gehört zu unserer gemeinsamen Geschichte, sowohl die akademischen Möglichkeiten in Erinnerung zu behalten, die die Republik diesen Wissenschaftlern eröffnete, als auch die Leistungen zu würdigen, die sie während ihrer Tätigkeit in der Türkei erbrachten.
Datum: Sonntag, 25. Oktober 2026
Uhrzeit: 14.00 Uhr
Treffpunkt: Heinrich-Krippel-Denkmal
Adresse: Friedhof Ober St. Veit, Gemeindeberggasse 26, 1130 Wien
Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)
www.turkischegemeinde.at













